Nr. 19 Sicher»! tägNch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessische» Landwirt die Sietzeoer Familien- MÜttei viermal in der . Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Bei lag der Brühl'schc. Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben, Redaktion, Erpediticlr und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen. Anzeiger Gießen. Fern sprrchanschlußNr.51. Erstes Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 23. Jannar LS«S Mim ij.uf A moiu'.ihdi75'13i. viertel- jOSST W . jährlich Mk. 2.20-, durch! SietzenerAnzeiger M W General-Anzeiger » « Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WM Aon der Aaiffeisen-Hrganisation. Em interessantes Bild bietet der letzte Jahresbericht der Neuwieder Raffeisenorgamsation. Er giebt eine umfassende Vorstellung von dem Wachstum und der Bedeutung des ländlichen Genossenschaftswesens. Das ländliche Genossenschaftswesen ist ein Kind der Not gewesen. Keinem Stande schuf der Wechsel von Na- turalivirtschaft zu Geld- und Kreditwirtschast, der ftch im letzten Jahrhundert mit ungeahnter Schnelligkeit vollzog, so große Schmerzen als dem Bauernstände. Mit einen: Male muhte der Bauer Steuern und Abgaben, Unterhaltung von Kirche und Schule, Gesindelöhne statt nrie bisher in natura, in Geld leisten- Er mußte, um auf dem Weltmärkte konkurrenzfähig zu bleiben, intensiver wirtschaften, muhte zu künstlichen Dünge- und Futtermitteln, zu Maschinenbetrieb, zu Fruchtwechsel und dergleichen übergehen. Alles das kostete -Geld, viel Geld. Geordnete Mittel und Wege zur Befriedigung des bäuerlichen, vorab des lleinbäuerlichen Geldbedürfnisses war nicht vorhanden. Darum geriet der Landmann in Not und Verlegenheit, die der Wucher wohl auszubeuten verstand. Dieser Not zu steuern, hat der Westerwälder Bezirks-Bürgermeister Fr. W Raiffeisen seine Darlehnskassenvererne gegründet. 'Sie sollten und sollen dem ländlichen Person al kredit dienen. Wie sehr diese Genossenschaften dem Bedürfnis der Zeit entsprechen, zeigt ihr rapides Wachstum an Zahl und Umsatz. Serk Raiffeisens Tode hat sich in 13 Jahren die Zahl der nach ihm benannten und im Neuwieder Mutterverbande zusammen geschlossenen Vereine mehr als verzehnfacht (von 300 aus heute ca. 3400). Laut Protokoll des 1889 in Frankfurt a. M. abgehallenen Vereinstages betrugen die Aktiven von 385 Vereinen nahezu 17 Millionen Mark, die Aktiven von 359 Vereinen der Filiale Köln aber betrugen 1900 nahezu 40 Millionen. Und welch ein großartiges Geld- instllut ist aus der von Raiffeisen gegründeten Zentral- darlehnskasse für Deutschland geworden. Sie hat einen Geldumschlag von nahezu 405 Millionen Mark gehabt: sie ist im stände, die von den Vereinen gezeichneten Aktien mit vier Prozent zu verzinsen. Dabei ist .ihre ganze Zrnspolitit aus den Vorteil der Vereine eingerichtet, so daß man sagen kann, einen billigeren und stabileren Kredit als der Landnrann in der Zentralkasse, hat kein anderer Stand. Das lam in der jetzt glücklich überwundenen Zeit der Geldknappheit auf merkwürdige Weise zu tage, indem eine Anzahl ländlicher Vereine ihren Kredit bei der Zentral-Darlehnskasse industriellen Unternehmungen zur Verfügung stellten, wodurch diese den hohen Reichsbank- Diskont umgingen. Das war natürlich ein Mißbrauch, dem bald ein Riegel vorgeschoben wurde; die Thatsache ist aber für die Sachlage außerordentlich bezeichnend. Ebenso ivie der Geldverkehr ist noch der Warenverkehr ins Riesenhafte gewachsen. Der Wert der abgesctzten Maren betrug für 1900 ca. 28 Millionen Mark. Jedenfalls giebt der Jahresbericht einen zwingenden Beweis von der auftteigenden Entwickelung des ländlichen Genossenschaftswesens und zeigt, daß es nur noch eine Frage der Zeit ist, , daß jedes deutsche Dorf einer Genossenschaft angehört. In einigen Kreisen der Filiale Kassel ist dieses Ziel bereits erreicht. Allein interessanter als das Vorhergehende ist doch für den Freund des Landvolkes die Wahrnehmung, die sich dem aufmerksamen Leser des Jahresberichtes bietet, oah das ländliche Genossenschaftswesen, das anfangs nur der Beftiedigung des Kreditbedürfnisses und dem gemeinsamen Einkauf der bäuerlichen Wirtschaftsartikel dienen sollte, immer weitere Arbeitsgebiete sich erobert. Wir sehen, wie die Tabakbauern in der Pfalz sich zu- sammenthun zu einer großen Verkaufsgenossenschaft, in der 2531 Pflanzer 21800 Zentner Tabak absetzen, wie zu gleicher Zeit sich eine genossenschaftliche Zigarrenfabrik bildet, die monatlich 250 Mille Zigarren fabriziert. Wir sehen die Winzervereine des Rheingaus zusammengeschlossen in einer Zentralverkaufsgenossen- chaft, deren Kellereien bewundernswert sind. Die gemeinsame Milch- und Viehverwcrtung geht voran. Das für uns erfreulichste Bild bietet doch das Fortschreitcn »er deutschen Ko rn h au s b ew e g un g. Ter Bericht der Filiale Kassel, die auf diesem Gebiet bahnbrechend gewesen ist, über die Entwickelung der fünf hessischen Kornhäuser zeigt, welch großen Vorteil für die betreffenden Gegenden diese Kornhäuser gebracht haben, läßt aber zugleich ahnen, ja mit Sicherheit voraussehen, wie die Korn Hausbewegung in ihrer weiteren Ausbreitung den ganzen Getreidehandel aus andere Bahnen lenken wird zum Segen des Produzenten. . Mes in allem zeigt der Jahresbericht der Raiffeisen Organisation, welche Kraft und Energie in unserm Landvolke steckt, wie viel Mut und Vorwärtsstreben. Möge die Arbeit der Selbsthilfe in den deutschen Dörfern immer herrlichere Früchte zeitigen. „Bauern freund". Politische Tagesschau. Die Einnahmen der preußischen Eisenbahnverwaltung zeigen von Monat zu Monat einen Ausfall gegenüber dem Vorjahre. Im Dezember v. I. war der Rückgang besonders groß. Nach der im „Reichsanz." vorliegenden Zusammenstellung haben die Vereinigten preußischen und hessischen Staatsbahnen im Dezember 1901 aus dem Personen- und Gepäckverkehr 27 505 000 Mk. eingenommen gegen 28 691000 Mk. und aus dem Güterverkehr 68 833 000 Mk. gegen 71 788 000 Mk., sodaß der Ausfall bei dem Personenverkehr 1 186 000 Mk. und bei dem Güterverkehr 2 955 000 Mk. beträgt. Auch die Einnahmen aus sonstigen Quellen weisen mit 6 768 000 Mk. einen Rückgang um 531 000 Mk. auf, sodaß die Gesamteinnahmen 103 106 000 Mk. betrugen gegen 107 778 000 Mk. im Dezember 1900, jetzt also 4 672 000 Mk. oder 4,2 v. H. weniger. Im November hatte der Ausfall 1,6 v. H., im Oktober 3,1 v. H. und im September 3,4 v. H. betragen. Die auf einen Kilometer entfallende Einnahme belief sich im Dezember 1901 auf 3293 Mk. gegen 3507 Mk. im Dezember 1900, also auf 214 Mk oder 6,1 v. H. weniger. In den ersten 9 Monaten des Rechnungsjahres 1901 haben die Einnahmen aus dem Personen- und Gepäckverkehr 308 519 000 Mk. (gegen 1900 weniger 4993000Mk.), aus dem Güterverkehr 678872000 Mk. (weniger 21 104 000 Mk.) und aus sonstigen Quellen 61 184 000 Mk. (weniger 1 376 000 Mk.) betragen, sodaß die gesamten Einnahmen mit 1 048 575 000 Mk. um saft 27^/z Mill. Mk. oder 2,6 v. H. hinter denen des Jahres 1900 zurückgeblieben sind. Die durchschnittliche Kilometercinnahme betrug in diesen neun Monaten 33 787 000 Mk. oder 1488 Mk. oder 4,2 v. H. weniger als im Vorjahre. Nimmt man selbst an, daß die Einnahmen bei endgiltiger Feststellung noch eine ähnliche Erhöhung erfahren werden wie im Jahre 1901 (4% Millionen Mk.), so würden immerhin die Einnahmen in diesen neun Monaten noch um über 23 Millionen Mk. hinter denen von 1900 Zurückbleiben. *_____________________________ Der Weichseisenlial-ngeöLmke. Von Professor Bi er m er. Fortsetzung. . Es kann natürlich hier nicht meine Aufgabe sein, nachträglich in eine eingehende Würdigung des Tabakmonopols einzutreten, alle Gesichtspunkte, die für diesen Plan sprechen, hier zu entwickeln und die entgegenstehenden Bedenken finanzieller und sozialpolitischer Art, die ich fast alle für enorm übertrieben halte, zu zerstreuen zu suchen. Ein solches Unterfangen führte mich nicht nur zu weit, sondern -JJ * WT.af IUI iLIM.U.-XL? hätte im gegenwärtigen Zeitpunkt so gut wie keine praktische Bedeutung mehr. Der Gedanke des Tabakmonopols muß, heute als für vollständig aufgegeben betrachtet werben. Seitdem daß Bismarck diesen Plan dem Reichstage vorlegte, hat sich die deutsche Tabatindustrie in einer Weise entwickelt, wie kaum ein anderer Zweig des deutschen Erwerbslebens.. Ter Wert, der in der deutschen Tabakindustrie erzeugten Güter hat 325 Millionen Mark jährlich erreicht bei einer durchschnittlichen Beschäftigung von 181 000 Vollarbeitern. Diese Entwickelung mag sehr lehrreich sein für den finanziellen Effekt des Tabakmonopols, zumal wenn man deutsche und französische Verhältnisse mit einander vergleicht; denn ein solcher Vergleich würde darthun, daß wir bei unserem deutschen Tabakkonsum, der pro Kopf der Bevölkerung beinahe doppelt so groß ist, wie in Frankreich, heute mit einer Reichseinnahme von etwa 400 Millionen Mark zu rechnen hätten; aber die Durchführbarkeit in der Gegenwart müßte allein schon an den riesigen Entschädigungssummen im Hinblick auf das in der Tabakindustrie jetzt investierte Kapital scheitern. Bekanntlich sind auch andere Finanzreformpläne, dre das Reichsbudget selbständig machen wollten, auch nach der bismarckischen Aera gescheitert. Ein großer Plan aber mit rcichsfinanziellen Konsequenzen, den früher Bismarck mit Macht betrieb, hat auch für die Gegenwart an Bedeutung nicht verloren; ja, die Entwickelung unserer Eisenbahnpolitik weist gerade jetzt auf diesen Plan mehr denn je in deutlichen Anzeichen hin. Ich meine die Uebernahme des gesamten deutschen Eisenbahnnetzes aus das Reichskonto. Es läßt sich nachweisen, daß dieser bismarckianische Gedanke gar nicht oder nur sekundär von finanzpolitischen Gesichtspunkten diktiert war. Für Bismarck waren damals nur nationalpolitische Erwägungen maßgebend, für seine Gegner neben rein politischen auch gewiße finanzpolitisches Raissonnements. Ich darf wohl hier die hauptsächlichsten Daten, die sichs auf die Geschichte des Reichseisenbahnprojekts beziehen, in einer kurzen Skizze rekapitulieren. Wie alle Pläne, die dem deutschnationalen Einigungswerke Menen sollten, ist auch der Reichseisenbahngedanke viel älter als das Reich. Schon in den vom Frankfurter Parlament 1848 und 1849 durchberatenen Verfassungsentwürfen spielen die Eisenbahnen eine Rolle. Die Frankfurter Verfassung enthält in ihrem § 28 folgende Bestimmung: „Die Reichsgewalt hat über die Eisenbahnen und deren Betrieb, soweit es der Schutz des Reichs und das Interesse des allgemeinen Verkehrs erheischt, die Oberaufsicht und das Recht der Gesetzgebung. Ein Reichsgesetz wird bestimmen, welche Gegenstände dahin zu rechnen ftnd." Dementsprechend war in dem folgenden Paragraphen dem Reiche sowohl die Konzessionierung von Bahnen, dre im Interesse des allgemeinen Verkehrs für notwendig erachtet wurden, als auch die Anlage eigener Eisenbahnen für den Fall der Ablehnung des Barres durch die Einzelstaaten übertragen». " . _ Die Verfassung des Norddeutschen Bundes von 1867 hat diesen Gedanken ebenfalls ausgenommen und weiter ausgestaltet. Als Grundsatz für die Verwaltung der deutschen Bahnen als ein einheitliches Netz ist der Erlaß übereinstimmender Betriebseinrichtungeu, die Herstellung ineinandergreifender Fahrpläne mit direkter Abfertigung von durchgehenden Wagen ausgesprochen. Dem Bund ist ferner ein gewisses Aufsichtsrecht über das Tarifwesen gegeben. Während der kurzen Lebensdauer des Norddeutschen Bundes ist von diesen staatsrechtlichen Befugnissen praktisch nur wenig Gebrauch gemacht worden. Liber bei den in jene Zeit sallenven ^er^uchen, ein festeres Band zwischen dem Nordbund und den Südstaaten zu knüpfen, traten wiederum die Eisenbahnen in den Vordergrund. Die wirtschaftliche Gemeinschaft des Zollvereins war mit den süddeutschen Staaten geblieben. Die Schutz- und Trutzbündnisse hatten eine feste militärische Einheit geschaffen. Als Ende 1866 der Fürst Hohenlohe in Bayern aus- wamiMBaCEE11 «WITIIH HldimMi.« r.r.T~ Sada Kacco. Man schreibt uns aus Frankfurt: Sada Pacco und ihr Mann Kawakami mit der Truppe des Kaiserlichen Hoftheaters in Tokio haben Frankfurt nach zwei Gastspielen wieder verlassen. Zum erstenmal führt eine japanische Schauspielcrgesellschaft in Europa ihre Stücke auf. Die unverkürzten Aufführungen in Japan beanspruchen, wie der Impresario sagte, einen Zeitraum von 12—15 Stunden. Da hier in zweieinhalb Stunden zwei Stücke aufgeführt, innerhalb dieser Zeit auch noch erklärt werden, so geben sie nur einen kurzen, vorwiegend mimischen Auszug. Wie der Erklärer ferner sagte, sollen früher nur Puppenspiele in Japan stattgefunden haben, auch vor dem Hofe. Als dann aber die Leute selbst spielten, wurde nach kurzer Zeit den Frauen das Mitspielen aus Sittlichkeitsgründen verboten, sodaß die Männer die Frauenrollen übernehmen mußten. Sada Pacco hat vor fünf Jahren diesen Bann zuerst gebrochen und im Verein mit ihrem Manne, der bei der japanischen Gesandtschaft in Paris war und die Schauspiele eifrig besuchte, die darstellende Kunst in Japan nach europäischen Begriffen zu gestalten versucht. Wenn man diese Entwickelung kennt, versteht man einigermaßen die Art der Aufführung. Sie spielen manchmal wie Puppen, fallen wie Puppen zur Erde, schlagen Purzelbäume wie Clowns und führen direkt darauf tief ergreifende Szenen vor. Ihnen ist ihre Kunst heiliger Ernst; weshalb sie auf uns so komisch, oft primitiv oder lächerlich wirkt, das ist eben die Entwickelungsweise und die Verschiedenheit int deutschen und japanischen Charakter. In Momenten der höchsten Erregung, wo bei uns die Größe in der Gemessenheit liegt, wimmeln sie unruhig wie die Ameisen umher. Sie sind eben überaus beweglich und graziös. In einzelnen Momenten erreichen sie aber ganz Hervorragendes, in Sterbeszenen z. B. erzielt die Sada Paceo eine großartige Wirkung, die in ihrer Art kaum vollkommener sein kann. * » * Ein Kenner japanischer Verhältnisse urteilt über Sada Pacco und ihresgleichen recht abfällig. Er schreibt uns; Die Welt hascht nach Neuem, und nur daraus können wir uns erklären, daß Literaturerzeugnisse mit japanischem Milieu, zumal wenn sie aus Streppapicr gedruckt wurden, so begehrt sind. Doch verlohnt es sich überhaupt in die Geisteswelt eines Volkes einzuführen, dessen Ideale, wenn man sie so nennen will, in den grünen Häusern vegetieren, die wir unter dem Namen „Theehäuser" (wie mädchenhaft das klingt) kennen? Außer jenem bekannten Theehausviertel in der Kanegawa zu Polähama, welches schon so manchen Globetrotter zu Berichten in die Heimat begeisterte, daß er ein Paradies von schönen Mädchen und Frauen nun endlich gefunden habe, giebt cs in der Reichshauptstadt Tokio noch ein ähnliches, vornehmeres Etablissement, den Kojokan. Mit Recht könnte man ihn auch das kaiserlich-japanische Hostheehaus nennen, denn in ihm bewirten die kaiserlichen Prinzen gelegentlich ihre Gäste. Das im altjapanischen Styl gehaltene niedere Gebäude liegt malerisch in einem Hain rotblühender, verkrüppelter Ahorngruppen und enthält neben einer Einfahrt und einem Empfangssalon einen länglichen, mit feinen Teppichen belegten Saal, der längs seiner vier mit grotesken Malereien geschmückten Wände gegen hundert Personen Platz zum landesüblichen Niederhocken gewährt. Die Kopf- und Seitenwände schließen jedoch den Raum nicht ab, vielmehr läßt sich eine leichte papierbeklebte Schiebewand hinter jedem der Knieeuden durch einen leichten Handdruck öffnen und gewährt den Eintritt in eine kleine Ruhekammer. Hier, auf sieben üppigen Polstern, die mit schwellender Seidenwatte angefüllt sind, inmitten Santel und Mimosendig, werden bie kaiserlichen Gaishas vor prophonen Augen bewahrt. Hier auf den feinen Rcisstrohmatten des Stojokan war es auch, wo wir die Sada-Jacco kennen lernten. Prinz Stomaksu gab damals ein Fest zu Ehren der von Formosa zurückgekehrten japanischen Garde, zu dem auch einige „Aistinguished toreignerß“ geladen waren, und hatte dazu neben ca. 90 anderen Gatshas die „Sada" und die „Absuma" befohlen. Die Sada versuchte an jenem Abend den Sieg, die Absuma den Ruhm zu personisizieren. Nach dem ihnen von den Japanern gespendeten frenetischen Beifall müßten wir diesen Versuch wohl als gelungen gelten lassen. Uns blieb es aber völlig unverständlich, worin die Jllustrattonen von Sieg und Ruhm gesucht werden sollten, während die Dar- Stil", die Ausdrucksweise, an der wir den einzelnen. Künstler erkennen. Ferner giebt es einen „Sachstil". Das Kunstwerk ist nämlich nicht blos durch die Zeiten und die Personen, durch die es entsteht, bedingt, sondern auch durch den Gegenstand, den es darstellt, den Zweck, dem es dient, usw- Es darf nichts anderes ju sein scheinen, als cs sein soll. In den meisten Fällen wird der Stoff, aus dem ein Ding hergestellt^wird, auf seine Gestaltung Einfluß üben, und auch die Technik giebt sich in bestimmten Formen, kund. So giebt es einen bestimmten „M a t e ri a lst i l", einen Stil bestimmter Techniken. — Eine andere Stilforderung bewirkt der praktische Zweck- Bei monuinen- talen Kunstwerken kommt dieser nicht so in Betracht, wie im Kunsthandwerk. Denn eine Statue, ein Gemälde haben zunächst feinen praktischen Zweck- Dagegen soll ein tunst- gewerbliches Produkt oder ein Bauwerk niemals aushören, praktischen Zwecken zu dienen. So ergiebt sich der „Zweck st i l". Den Zeitstil werden wir meist gut -erkennen, wenigstens in der Zeit, in der wir leben- Es wird dem Künstler leicht sein, in dem Stil seiner Zeit zu arbeiten, aber schwer lein, aus diesem herauszutreten. Daneben wird sich natürlich bei jedem Künstler der persönliche Stil kundthun, vorausgesetzt, daß er eigenes Künstlerische in sich hat- Der Lachstil dagegen will mehr gelernt werden. Er verlangt uusmerlsamkeit, Beobachtung und llntcrwcisung. Nunmehr führte der Redner an einer Reihe von Beispielen, die er durch eine große Anzahl von Lichtbildern erläuterte, die wichtigsten historischen Stile vor, beginnend mit der griechischen Kunst, schließend mit dem antikisierenden Stil vom Anfänge des 19. Jahrhunderts. Er erläuterte an einigen Porträts der Nenaissancezeit, wre durch die gemeinsamen Züge des Zeitstils hindurch iclbst bei diesen Abbildern bestimmter Persönlichkeiten der Persönliche Stil des Künstlers zum Beschauer spricht, und widmete dann besonders eingehende Erörterungen den verschiedenen Gattungen des Sachstils, wobei als tilwidrig in diesem besonderen Sinne beispielsweise der chiefe Turm von Pisa, aber auch die Raffael'schen Teppiche hmgestellt wurden. Als Muster richtig verstandenen M a - terialstils wurden die marmornen Giebelfiguren des Parthenon, der sidonische Alexandersarkophag, Vischer's König Arthur vom Grabmal Kaiser Maximilians vorgeführt, der Z w e ck st i l an einem griechischen Wassergefäß an einer architektonisch, nämlich als Gebälkträgcrin verwendeten Frauenfigur, aber auch an dem stilistiert widersinnigen Gebilde einer durchbrochen gearbeiteten Glocke erläutert. (Schluß folgt.) stellerinnen im leichten Schwebetanz einen nach dem anderen ihrer Kimonos äbstreiften und schließlich zu einem Muskel- fpiel auf ihren plastisch schönen Formen übergingen, was in seiner Art nur an den Bauchtanz haschischtrimkener, verzückter Aegypterinnen erinnern konnte. Die Erfolge, die Sada Paeco besonders in pekuniärer Beziehung in Europa einheimst, lassen sich nicht unschwer mit jenen der Dennmondedame vergleichen, deren Nachlaß, wie Zola un§ schildert, von den Damen der ersten Pariser Gesellschaft zu unerhörten Preisen auf dem Versteigerungstcrmin erstanden wird. Sie, die im Leben so viele Familien unglücklich machte, wird im Tode noch um die Kunst „Männer zu fesseln" beneidet, und ihre Gebrauchsgegenstände wandern als Fetische in die Boudoirs der Damen aus der vornehmen Welt. Mag dieser, Vergleich der Toten und der Lebenden immerhin hinken, die Motive, welche vergangene Woche einen so überaus zahlreichen Damenkranz, in großer Toilette teilweise, vor die Wiesbadener Hofbühne führten, als Sada Yacco und Genossen dort ihre Mätzchen machten, dürften sich wenig von denen unterscheiden, die jene Pariserinnen zu der erwähnten Versteigerung leiteten. Natürlich wollen wir hierbei die iveitesten Ausnahmen ' zugestehen und dem für alles Fremde, besonders für das Exotische mir zu leicht eingenommenen Geiste der Deutschen eine größere Rechnung aufmachen. Schon „Der Mikado" i unb ganz besonders »Die Gsisha" errangen sich je, letztere ««chdom Nr rnsfprLmgttch in ihr enthaltene l-jchte Spott auf 1 Aus Stadt und Sand. (Ter Abdruckder unter dieser Rubrik besindlichen Original-Nachrichten i|t nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 23. Januar 1902. ** Stadttheater. Herr Otto Woisch wird morgen, Freitag, seinen Ehrenabend haben. Er ist zweifellos einer unserer tüchtigsten Darsteller dieser Spielzeit und mit Recht ein Liebling unseres Theaterpublikupis. Mit seinem gutmütigen, liebenswürdigen, treuherzigen Humor verbindet er eine bemerkenswerte Charakterisierungskunst und niemals überschreitet seine Komik die Grenzen des guten Geschmacks. Das sind vortreffliche Eigenschaften, die ihn von den Dutzendkomikern der deutschen Bühne vorteilhaft unterscheiden. Er hat für sein Benefiz eine gerade Heuer ihren 20. Geburtstag begehende Posse von Mannstädt gewählt, den „tollen Wenzel", ein lustiges Ding, das das gewiß recht zahlreich morgen im Theater erscheinende Publikum angenehm unterhalten wird. Frau Woisch-Hesse, die Gattin unseres Künstlers, wird an diesem Abend als Soubrette mitwirken. Aus dem Thcaterbureau. In Vorbereitung befindet sich das neue Meyer-Förster'sche Schauspiel „Alt-Heidelberg". 'N ** Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 1, ausgegeben am 20. Januar, enthält 1) eine Bekanntmachung, die Arzneitaxe ür die Apotheken des Großherzogtums betr., 2) eine summarische Uebersicht der Rechnung Großh. Landeswaisenkasse zu Darmstadt für 1900/1901. Die Großh. Landeswaifenkasse hatte im Rechnungsjahre 1900/1901 eine Einnahme von 212 968 Mk. 56 Pfg. und eine Ausgabe von 211 795 Mk. 21 Pfg., bleibt Rest 1173 Mk. 35 Pfg. Im Rechnungsjahre 1900/1901 wurden zusammen verpflegt 2426 Waisen, am Schlüsse des Rechnungsjahres 1900/1901, Ende März 1901, blieben in Verpflegung 1970 Waisen. ** Gesetzt iche Bestimmungen für die V er - un g von Jagden. Bei den nahe bevorstehenden zahlreichen Jagdverpachtungen dürfte für manche der noch weitaus zahlreicheren Jäger eine Auffrischung der für Vergebung der Jagden bestehenden gesetzlichen Be- trmmungen zeitgemäß fein. Diese stammen ans dem Jahre 1848. Gegenüber früheren Gepflogenheiten bei Jagdver- Laubach, 20. Jan. Infolge des feuchten Wetters stehen unsere Orts- und Staatsstraßen gegenwärtig unter dem Zeichen des Schmutzes und des sich anhäufenden Schlammes. Eine zeitgemäße Bekanntmachung erließ das Kreisamt Schotten indem es den Hausbesitzern, die es Mittwochs und Samstags verabsäumen, ihrem Straßenanteil die erforderliche Reinigung angedeihen zu lassen, mit einer Bestrafung bis zu 60 Mk. droht. — Der Bund der Landwirte läßt an verschiedenen Orten unseres Kreises^ täglich einen Wanderredner über den Zolltarif sprechen. Zu einem auf morgen Donnerstag im Gasthause „zur Traube" anberaumten Vortrage hatte sich außer dem Bürgermeister niemand eingefunden; der Redner Herr Klein aus Frankfurt, mußte unter diesen Umständen von der Abhaltung seines Vortrages absehen. -t Rodenbach bei Altenstadt, 22. Jan. In Ergänzung der vorgestrigen Meldung von dem hier vorgekommenen Selbstmord, der selbst in den Nachbarorten Bestürzung hervorrief, ist noch zu berichten, daß das Motiv zu der rätsel-' haften.That unseres in jeder Hinsicht in geordnetsten Ver-. haltmpen lebenden und im kräftigen Mannesalter stehenden schwärm der Gaishas kommt, der eben noch mit jauchzender Alt- und gellender Fistelstimme zu Becken- und Triangel- und Gmtarrenlärm sein anfeuerndes „Jonkino yonkino Jon-yon—kino-kino Yokohama Nagasaki Kobern aru — oi!“ uach der altbekannten Geishamelodie gesungen hatte. r - rU?b ?onn beginnt ein Trinken und Balgen und Johlen, bls stch schließlich alles im bunten Durcheinander auf dem ^boden walzt und sich auf „echt japanisch" ganz köstlich Aufe des Jahres wird zu Tokio das zehnjährige Stiftungsfest der „Roten-Kreuz-Gesellschaft" gefeiert und zwar nut großer Prachteutfaltung. Hierzu beabsichtigt die Sada Meco wieder in ihrer Heimat zu sein. Vielleicht will sie dann, gerade so rote sie nach dem Kriege 1894/95 auf dem erwähnten Theeabend des Prinzen Komaksu den Sieg darstellte, die christliche Nächstenliebe verkörpern. der Fall sein, dann raten wir ihr aber, die Plaflit ihrer schönen Formen nicht durch Fallenlassen ihres dritten Kimonos in zu verführerischer Weise preiszugeben, denn voraussichtlich werden nicht alle ihre Zuschauer einer ^heone huldigen, die Schwächen des japanischen Volks-, charakters cmichlicßt und verteidigt. R. H. S. kann jeder Jagd lustige bei den vorstehenden Verpachtungen sein Waidmannsheil versuchen- Zwar wird er bei dem jetzigen übermäßigen Wettbewerb ohne eine starke Ladung von Edelmetall nicht viel ausrichten. Ist ober diese vorhanden, sichere er sich den Treffer durch kräftige Benutzung der Jagdgesetzgebung als des dann wirksamsten Pulvers. ** In Amerikaner st orbeneHessen. Eva Lang, geb. Strauß aus Hahnheim, gest. in New-York, 66 Jahre alt. — Elisabeth Schreiner, geb. Heringe aus Pohl-Gönsj (Kr. Friedberg), gest. in Blak Oak (Jll.) 85 Jahre alt. — Frau Kienenberger, gest. in Java, 75 Jahre alt. t- Burkhardsfelden, 22. Jan. Seit einigen Tagen tritt hier die Influenza hauptsächlich unter den Erwachsenen stark auf. 0 Rodheim a. d. Horloff, 22. Jan. Bei der heutigen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Heinrich Schäfer zum dritten Male wieder- gewählt; er erhielt 35 Stimmen. je. Reiskirchen, 22. Jan. In einem benachbarten Steinbruch wurde der Arbeiter Daniel Heuser von Burkhardsfelden am Kopfe erheblich verletzt, indem eine Winde, die zum Heraufbefördern der Steine benutzt wurde, zurückschnellte. Er mußte sich sofort in ärztliche Behandlung begeben. — Lich, 21. Jan. Die Einlagen der Pfennig spar- kasse der Licher Spar- und Kredit-Aktien-Gesellschaft betrugen im Jahre 1900 9560 Mk., irn Jahre 1901 9318 Mk., also im Jahre 1901 242 Mk. weniger als im Jahre 19oo' W. Von der mittleren Nidda, 22. Jan. In Ober- Mockstadt herrscht seit einiger Zeit eine fo starke Masernepidemie, daß beide Schulklassen geschlossen sind. — Im der Nähe von Staden haben Saatkrähen Schaden am Weizen angerichtet. wärtiger Minister wurde, richteten sich seine Bemühungen alsbald auf das Zustandebringen auch eines näheren politischen Zusammenschlusses. Er trat in Verhandlungen mit den anderen Südstaaren über Bildung eines Staaten Vereins unter dem Namen „Vereinigte süddeutsche Staaten", und als wetteres Ziel schwebte ihm eine Verf- brndung dieses Südbundes mit dem Nordbunde vor. Der -Entwurf eines Vertrags zwischen dem Nord- und dem Südbunde erklärt nun als „gemeinsame, nationale Angelegenheit" beider Staatenbünde „das Eisenbahnwesen im Interesse der Landesverteidigung und des allgemeinen Verkehrs." Zur Ausführung dieser Bestimmungen war der Mschluß eines Vertrags über die Errichtung eines Eisen- bahnvereins vorgesehen. Alle im Eigentum der Vertragsstaaten stehenden und von ihnen betriebenen Eisenbahnen sollten ein gemeinsames Eisenbahngebiet bilden. Die Re- gierungen verpflichteten sich zum Ankauf aller in ihrem Gebiete belegenen, für den durchgehenden Verkehr notwendigen Eisenbahnen. Während jeder Staat den Betrieb seiner Bahnen -behalten sollte, war der Erlaß einer gemeinschaftlichen Eisenbahnordnung, eines gleichheitlichen Betriebsreglements und eines gemeinsamen Tarifs für die Person.-,i- und Güterbeförderung vorgesehen. Die Verwaltung der Eisenbahnen, die Organisation der Behörden, die Führung des Kassenwesens sollte im ganzen Vereinsgebiet auf gleichen Fuß gebracht, die Leitung und Oberaufsicht in allen Eisen - bahnangelegenheiten sollte durch einen Eisenbahnrat in Verbindung mit dem Zollparlament ausgeübt werden. Der Artikel 9 des Entwurfs bestimmte sodann, daß „der Ertrag aller über die Landesgrenzen hinausaehenden Transporte Tettens ver das gemeinsame Eisenbahngebiet bildendm Bahnen gemeinschaftlich" sein sollte. Die im inneren Verehr aufkommenden Frachten verblieben dem Einzelstaate. Die gemeinschaftlichen Einnahmen aber waren alljährlich nach dem Verhältnis der „Kilometerzahl der von den einzelnen Staaten betriebenen Bahnen unter Rücksichtnahme auf die Höhe des Anlagekapitals und der Betriebskosten zu verteilen." Mir sehen hier eine nach dem Muster des Zollvereins! gebildete, innige wirtschaftliche und finanzielle Eisenbahngemeinschaft, eine Gemeinschaft, die als notwendige Voraussetzung den Erwerb aller wichtigeren Linien für die Staaten forderte; wir sehen zum ersten Male einen Reichseisenbalm- gedanken in einer Gestalt auftauchen, die eine Verwirklichung wenigstens als möglich erscheinen ließ. Fortsetzung folgt. Japan und hie Japaner in eine Eloge verwandelt war, den Beifall eines Publikums, das „Bravo" rief, weil bezopfte Chinesen nut japanischer Muhumis über die Bretter trippeln, wenn die Kostüme nur einigermaßen naturgetreu waren, denn in ganz echten japanischen Kostümen dürfte selbst Sada Yaeco in Europa kaum bei ihren Schaustellungen erscheinen! Bestehen diese doch lediglich aus einem oder mehreren herrenschlafrockähnlichen Kimonos, die mit einem Gürtel zusammengehalten werden, und bis zum Knöchel reichenden „Fuß- faufthandschuhen" mit abgeteilter großer Zehe zum Halten der starken lackierten Holzsandalen. Aber die „Geisha" errang sich auch noch den Beifall von ernsthafteren Zuschauern, die sich mit geröteten Wangen und schwimmelnden Augen den Liebeskummer eines japanischen Tschms (Oberleutnants) zu Herzen gehen lassen. Ein Japaner ist aber weder ein Romeo noch ein Poggenburg, und auf emer japanischen Bühne würde die Balkonszene aus „Romeo und Julia" ganz anders geendet haben! Dem Japaner ist das Mädchen ja ganz gleichgiltig, ihm gilt nur der Wunsch, mögen ihn die Sinne oder der Soko erregt haben! Und ist die Schöne zu spröde oder hängen die -trauben zu hoch, nun so geht er einfach in ein anderes Thee- tjauS! —- -vort kniet man auf den feinen Matten nieder: "?rI9^a sacö Wo kudassai, tsha, goeen, succudani!" (Madel bring mir ReiSschnapS, Thee, Reis und Fisch). , /^^co wo moiimaa!" (Prosit) und brennend rinnt . tznße^pmtus die durstigen Kehlen nieder, bis der Haupt-' gebungen gehen sie von dem Grundsätze aus, daß alle geeigneten b- h. zahlungsfähigen und unbescholtenen Jagd Pächter gleichberechtigt sind und unter diesen wm Vorteil der Gemeinden dem Höchstbietendenj die Jagd zufallen soll. In diesem Sinne bestimmt Art. L des Gesetzes vom 26. Juli 1848: „Die Gemeinden können, die Jagd innerhalb ihrer Gemarkung nur durch Verpachtung für Rechnung der Gemeindekasse zum Vorteil der Gesamt-Steuerpflichtigen ausüben." Und Art. 11 lautetr „Die Verpachtungen der Gemeindejagden erfolgen durch öffentliche Versteigerungen". Es bedeutete eine Verfehlung gegen diese klaren Bestimmungen, wenn in einzelnen Fällen auf einstimmigen Antrag des Gemeinderats die Vergebung der Jagd aus freier Hand mit Ermächtigung dess Ministeriums erfolgt ist. Es ist wohl kaum zu befürchten^ daß derartige Fälle sich in unserer Zett des gesteigerteni Rechtsgefühls wiederholen könnten. Von den klar ausgesprochenen gesetzlichen Bestimmungen wird auch die höchste Verwaltungsbehörde keine Ausnahme mehr zulassen wollen. Sollte aber doch wider Erwarten ein Jagüliebhaber durch freihändige Vergebung einer Jagd an einen anderen sich benachteiligt fühlen, so steht es ihm frei, Einsprache W erheben bei dem Ministerium resp. eine Bitte an die Landstände zu richten um Aufrechterhaltung des unter deren Mitwirkung zu stände gekommenen Gesetzes. Eine ungehörige Benachteiligung wäre auch darin zu finden, wenn nach erfolgter Versteigerung, bei der die Taxation^erreicht oder überschritten worden ist, nicht dem Höchstbietendeni die Jagd zufällt,, sondern einem anderen die Jagd ans freier .vand gegeben wird, der ein höheres Nachgebot eingelegt hat. Ein derartiges Mehrgebot dürste nur als ein höheres Angebot bei wiederholter öffentlicher Versteigerung gelten, wo dann dem ursprünglich Höchstbietenden Gelegenheit gegeben wäre, durch weitere Ueberbietung sich die Jagd zu erwerben. Hierdurch wäre dann nicht nur seine eigene Gleichberechtigung gewahrt, sondern auch dem Vorteil der Gemeinde am besten gedient, und zwar im Sinne der vorliegenden gesetzlichen Bestimmungen. Somit Stil und Stilwandlungcn in Kunst und Kunstgeweröe. D. Gießen, 22. Jan. Ueber dieses Thema sprach gestern abend Herr Prof. Dr. Sauer int Kau fmännischen Verein und im Ortsgewerbe-Verein vor einer zahlreichen Zuhörerschaft- Der hochinteressante Stoff giebt uns Veranlassung, den Vortrag möglichst ausführlich wiederzugeben. Zunächst entwickelte der Redner den Begriff , Stil" Und seine Gesetze. Es ist noch nicht lange her, so begann er, da war man gewöhnt, in der Zeitungsreklame, in Ausstellungsberichten usw. das Wort „stilvoll" oder stilgerecht" zu hören. Man sprach von stilvollen Musterzimmern, stilvoll eingebundenen Büchern usw- Jetzt ist es merkwürdigerweise etwas stiller davon geworden und man hört das Wort „modern". Daraus möchte man fast schließen, daß der „Stil" altmodisch geworden sei. Das wäre aber ein großer Irrtum. Das „Moderne", mag es werden wie es will, w'.rd jedenfalls in seiner Art auch „Stil" haben. Es hat zu allen Zetten Stil gegeben, allerdings in sehr verschiedenem Sinne; und es wird uns nur nicht immer bewußt, daß wir das Mort in verschiedenem Sinne brauchen- heW „Stil"? Das Wort ist von dem Namen des Schreibgriffels „sttlus" abgeleitet und verwendet worden als bildlicher Ausdruck für die Art des Schreibens in der Schriftsprache. Von der Litteratnr ist es übernommen worden in die Kunst. Und wie es dort eine bestimmte Art zu schreiben andeutet, so bedeutet es in der Kunst eine bestimmte Art, künstlerisch darzustellen, die bestimmte Kunstweise. Diese allgemeine Erklärung wird nun in verschiedenem .Sinne abgewandelt. Wenn wir von etwas Stilvollem sprechen, so meinen wir damit besonders, daß ein Dina im Sttt emer bestimmten Zeit gestaltet ist, die Form einer beftunmeten Epoche an sich tränt. In diesem Sinne kann man von EE „Zeitstil" oder „historischen Stil" sprechen. Diese Verwendiing ist sehr verbreitet und die fast herrschende. Daneben aber giebt es „Stil" noch in verschiedenem anderen Sinne. Wenn auch jede Zeit ihre Art, Kunstwerke darzusteilen, hat, so ist eine Epoche als solche nur etwas Abstraktes. Sie chißert sich durch einzelne Menschen, einzelne Periönlichketten, und diese werden sich auch wieder ^Ä^!^n..^^prechen. Neben dem allgemeinen Zettstil bethätigt sich ein besonderer „persönlicher Mitbürgers A. K., der eine Witwe mit zwei erwachsenen Kindern hinterläßt, in einer ererbten Geistesgestörtheit zn suchen ist; denn schon der Vater und zwei Brüder des letzteren sollen ebenfalls durch Erhängen ihrem Leben ein vorzeitiges Ziel gesetzt haben. Der Fall erweckt allenthalben innige Teilnahme für die unglückliche Familie. Vermischtes. 'Hamburg, 22. Jan. Die Palmkern-Oelfabrik von Noblee u. Thoer ist heute früh ein Raub der Flammen geworden. — Die Hamburg-Amerika-Linie verlegt von April ab die Abfahrten ihrer Postdampfer von Sonntag auf Samstag. • Dresden, 21. Jan. Im königl. Schauspielhause entstand gestern während der Vorstellung eine Panik dadurch, daß ein Herr im Parquet, der von S ch r e i k r ä m p f e n befallen wurde, plötzlich „Feuer" rief. Alles stürzte nach den Ausgängen und drängte sich da zusammen. Obwohl Feuerrvehrleute und Logenschließer das Publikum zu beruhigen suchten, blieb nur ein Teil der Zuschauer im Theater, während viele dasselbe verließen. 'Paris, 21. Jan. Der Vorstand der hiesigen Anwaltskammer hat nach erfolgter Untersuchung beschlossen, den Verteidiger des Kindesmörders Briäre, den Anwalt Comby, von der Liste der Amvälte zu streichen. Wie erinnerlich, wird dem Anwalt vorgeworfen, sich unlauterer Mittel bedient zu haben, um seinen Kundenkreis zu vergrößern. Er soll u. a. sich mit Kartenlegerinnen und Wahrsagerinnen in Verbindung gesetzt haben, die ihn gelegentlich als den besten Anwalt bezeichnen sollten, um einen wichtigen Prozeß zu gewinnen. Auf diese Weise soll es ihm auch gelungen sein, die Verteidigung Briores zu erlangen. • Die Trauerfeier für den verstorbenen Land- ,rat v. Bennigsen fand am 20. d. M. im Herrenhause des v. Bennigsen'schen Gutes im hannöv. Kreise Springe statt. Die Zahl der Leidtragenden war so groß, daß man mehrere Extrazüge eingelegt hatte. Trotz des regnerischen Wetters waren mehr denn 40 Kriegervereine mit ihren Fahnen am Platz; Innungen, Vereine und Korporationen aus dem Landkreise Springe waren zahlreich erschienen. Auch Deputationen des Königsulanen-Regiments, des 10. Art.-Regiments, des 73. und 74. Jnf.-Regiments und des 10. Train-Bataillons waren anwesend. Die Zahl der in Bennigsen eingetroffenen Leidtragenden schätzt man mit ea. 1600 nicht zu hoch. Die Zahl der Kränze dürfte annähernd 600 betragen, darunter solche von den höchsten Behörden des Reiches, sowie ein Kranz des Korps Hannover-Göttingen. Alle Vereine, Städte, Flecken und Ortschaften des Kreises sandten Deputationen mit Kränzen. Nach Beendigung der Trauerfeier wurde der Sarg nach der Gruft getragen, die sich unweit des Herrenhauses im Park befindet. Hier wurde der Verstorbene beigesetzt neben seinem 1900 verstorbenen Bruder Hugo v. Bennigsen. Um die Gruft standen der Vater, der 78jährige Oberpräsident a. D., und die drei Brüder des Entschlafenen, während vom Balkon des Herrenhauses die Damen der ernsten Totenfeier zusahen. Die Mutter der Frau Landrat v.Bennigsen, Frau Amtmann v. Schnehen, war aus Osnabrück nach Leipzig geeilt, um die bei ihrer Schwester weilende Landrätin dort abzuholen. Sie traf am Dienstag früh in Hannover ein; während die Tochter in Hannover blieb, fuhr Frau v. Schnehen nach Bennigsen, um der Trauerfeier beizuwohnen. Sie wurde im Herrenhause nicht zugelassen. Ein Wagen mußte sie zum Bahnhofe zurückbringen, von wo sie mit dem nächsten Zuge nach Hannover zurückkehrte. Die Ehescheidungsklage war bereits eingereicht. Ueber das Duell und die Vorgänge bei demselben zirkulieren die buntesten Nachrichten. Thatsache ist, daß niemand ettvas weiß, da die Vorgänge und das aufgenommene Protokoll nur den Herren bekannt sind, die dem 'Zweikampfe beiwohnten. Der Vater Falkenhagens, der Abgeordnete und Amtmann zu Northeim, soll den schwerkranken Herrn v. Bennigsen im Henriettenstifte zu Hannover noch besucht haben. Der Beisetzung in Bennigsen wohnten auch der Kartellträger des Landrats und sein Sekundant bei. Der Verstorbene, Adolf Otto v. Bennigsen, ist als viertes Kind des Dr. Rudolf v. Bennigsen, 1860 auf dem Stammgute der Familie Bennigsen geboren. Nach Absolvierung des Lyeeums in Hannover 1878 studierte Adolf v. Bennigsen Jurisprudenz, woraus er 1881 Referendar, 1886 Gerichtsassessor und em Jahr später zum Landrat des Kreises Springe berufen wurde. Von den neun Geschwistern v. Bennigsen sind am Leben drei Brüder, nämlich der Amtsrichter Erich v. Bennigsen in Syke, der Gouverneur von Neu-Guinea Rudolf v. Bennigsen, der Kompagniechef im 4. Königin Augusta Gardegrenadierregiment Alexander v. Bennigsen sowie 4 Schwestern. * Zum Zittauer Rencontre eines Offiziers mit einem Kaufmann. Wie in Ergänzung zu berichten ist, erschien Leutnant Rose am Sonntagnachmittag 4 Uhr in der Wohnung Häbler's und erklärte kurz, daß er für die ihm in einem Lokal zugefügte thätliche Beleidigung (angeblich eine Ohrfeige) Revanche nehmen werde, zog seinen Säbel und schlug auf Häbler ein. Letzterem gelang cs jedoch, nach den ersten Hieben die Waffe des Offiziers zu ergreifen und diesen in einer Ecke des Zimmers festzuhalten. Inzwischen hatte die etwa 13 Jahre alte Tochter Häblers Hausbewohner gerufen, auch war die Polizei benachrichtigt worden. Bis zu deren Eintreffen war die Situation der Kämpfenden unverändert geblieben, dann wurden sie getrennt. Leutnant Rose wurde sofort zum Regimentskommandeur beschieden. Häbler hat nur leichte Verletzungen am Kopf und an den Armen erlitten. ' Die Blutmischung König Eduards VIl. Zu einem überraschenden Ergebnis gelangte ein englischer Gelehrter, der sich die Mühe nahm, an der Hand des Stammbaumes König Eduards VII. bis zu Jakob IV. von Schottland hinauf, die Zusammensetzung seines Blutes zu prüfen. Von 4056 Tropfen, die in den Adern des Königs von England fließen, sind zwei französisch — eine Erbschaft der unglücklichen Maria Stuart; fünf schottisch — dank Jakob IV. von Schottland und dem Grafen von Darnley, welcher die Königin Maria geehelicht; acht dänisch und 4040 deutsch. Nur ein Tropfen ist englischen Ursprungs — derjenige, der von Marguerite Judos, der Gattin Jakobs IV. herrührt. Universitäts Nachrichten. — In München ist der Professor an der Universität, E. Selenka, gestorben. — Garels. Wie wir bereits mitteilten, ist für den im Herbst vorigen Jahres verstorstenen Geheimrat Dr. Sicherer der Geheime Justizrat Prof. Dr. Karl G a r e i s , zurzeit o. ö. Professor der Rechte an der Universität in Königsberg nach München berufen. Professor Gareis ist ein geborener Bayer; er war Prof, in Bern und hier in Gießen und ist zurzeit als Nachfolger Felix Dahns in Königsberg tbätig. Seme hervorragenden literarischen Leistungen liegen hauptsächlich auf handelsrechtlichem Gebiete; sein Lehrbuch des deutschen Handelsrechts ist vor kurzem in 6. Auflage erschienen, für dessen Bedeutung und Brauchbackeit spricht der Umstand, daß es auf Veranlassung der Moskauer Kaufmannschaft ins Russische übersetzt und von italienischen Rechtsgelehrten auch in letzterer Sprache herausgegeben rourbe. Seine Encvklopädie und Methodologie der Rechtswissenschaft ist von der schwedischen Unter- richlsoerwaltung als Grundlage für den juristischen Unterricht offiziell anerkannt, wie er sich auch um die Reorganisation des juristischen Studiums in Preußen, wie sich dasselbe im Anschlüsse an die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches gestaltet hat, sehr verdient machte. Auch auf rechtshistorischem Gebiete, sowie m Fragen des Patentrechtes, des Völker- und Kolonialrechtes trat Gareis erfolgreich hervor. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Frankfurter Börse. Die Realisationslust, welcye sich seit einigen Tagen geltend macht, hält an. Besonders sind Kohlenaktien weichend. Gelsenkirchener haben wieder 2.20 Prozent verloren. Für Hüttenaktien war die Haltung jedoch fest, da neuerdings Preiserhöhungen gemeldet wurden. Aus London kamen wieder festere Kurse für Golshares. Immer wieder wird behauptet, daß von einflußreicher Seite an einer Herstellung des Friedens gearbeitet wird. Deutsche Fonds, wie die österreichisch-ungarischen Renten zeigten eine feste Haltung. Bankaktien haben durchweg Bruchteile verloren, auch schlossen die meisten Industrie-Aktien abgeschwächt. — Eine große Gründung in der Nähsadeubrauche. Eine Aktiengesellschaft mit 3 00 Millionen Mark Kapital (15 Mill. Psd. Stert.) hat sich in den letzten Tagen in England durch Verbindung an großen Nähfabriken I. P. Coats uno der Englisch Tewing Cotton Cie. gebildet. Tie Gesellschaft hat bereits die meiften Nahfadenfabriken Oesterreich-Ungarns, Frankreichs, Belgiens in ihren Besitz gebracht und bezweckt gegenwärtig durch Kapitalbeteiligung in Nordamerika und Deutschland eine Monopolisteruna der gesamten Branche. — Ob diese Nachricht wahr ist, müssen wir dem Korrespondenz-Bureau Daeffer überlassen, welche sie aus authentischer Quelle aus London erhalten haben will. Märkte. Limburg a. d. L., 22. Jan. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.15—00.00 Mk., Weißer Weizen 00.00—00.00 Mk., Korn 10.25—00.00 Mk., Gerste 9.15 bis 0.00 Mk., Hafer 7.65—0.00 Alk., Erbsen 00.00—00.00 Mk., Kartoffeln 0.00—0.00 Mk. Arbeiterbewegung. Genua, 21. Jan. Tie Angestellten der elektrischen Straßenbahn sind wegen Enttassung einiger Angestellten in den Ausstand getreten. Es fahren nur wenige Wagen und diese unter polizeilicher Kitterarische Neuerscheinungen. (Besprechung vorbehalten.) Teutscher Jugendbain 4. Jahrgang. Illustriertes Jahrbuch für Knaben und Mädchen. Bearbeitet von Theodor Schäfer (156 S.) Tresdei> 0. (5. Meinhold u. Söhne. 3.50 Mk. Humorist'tches. Anzügliche Gescyenke. Besuch (die Titel der auf dem Tische liegenden Bücher lesend): „Der flute Ton" — „Anstand und Feme Sitte" — „Ter gute Ton in allen Lebenslagen" — „Die Kunst, sich ein wirklich fernes Benehinen anzueiAnen", „Knigge" — "Knigge" — „Kmgge" ... Teufel, wo haben eie denn das Zeug nur her?" — Hausherr: „Alles so nach und nach geschenkt bekommen! Nie verlegen. Hausierer: „Kaufen Sie mir ab s' letzte Kistchen Zigarren!" — Herr: „Tanke! Ich will mir das Rauchen ganz abgewöhnen!" — Hausierer (eifrig): „'s beste Rüttel, mein Herr!" Kuuftvöllerci. Erst las er einige Dramen von Lauff, Ging in die Siegesallee hierauf, Besah dann noch em Gemälde von Knackfuß — Tas war zu viel, ihn traf ein Schlagfluß. („Jugend".) Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Wetter Januar ■c' 2 - e c Z -- h 22. 926 755,8 + 7,4 6,6 86 W. 2 Bed. Himmel 22. 9“ 756,0 + 5,8 6,5 94 8W. 2 Regen 23. 1725 754,8 + 4,5 6,1 97 8. 2 Bed. Himmel Höchste Temperatur am 21. Jan. bis 22. Jan. + 8,1° C. Niedrigste „ „ 21. „ „ 22. „ + 5,0° C, ff® 9 | Ä ei bis Mk. 5.85 pr. Foulard-Seide »s n «ZS Seide" in schwarz! weiß und farbig von 95 Pfg. bis Mk. 18.65 pr. Mir. Ab^olnb kein Zoll zu zahlen! da die portofreie Zusendung der Stoffe-' durch meine Seidenfabrik auf deutschem Grenzgebiete erfolgt. —* Nur echt, wenn direkt von mir bezogen. Muster umgehend. G. Henneberg, Seidenfabrikant (K. u. K.Hoflief.), Zürich. Mundwasser der Welt! Paidol ist das beste Kind ernährmittel. Auch vorzüglich geeignet für Kranke, Magenleidende, Wöchnerinnen, Rekonvaleszenten u. s. w. 741 Bekanntmachung. Bei der in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten-Ver- sammlung oorgenommenen planmäßigen Verlosung der am 15. Mai 1902 zur Rückzahlung kommenden Schuldverschreibungen des An- lehens der Stadt Gießen vom Jahr 1896 sind folgende Stücke gezogen worden: Lit. Q Nr. 81, 229, 232, 269, 271 und 272 L 100 Mk. , R „ 46, 142, 143, 201, 216, 239 und 253 4 200 Mk. , 8 „ 73, 100, 102, 294, 434, 460, 508, 536, 552, 559, 560, 571, 596 und 654 ä 500 M. r T , 12, 13, 22, 160,194, 204, 206, 289, 406, 426, 467, 533, 660, 732 und 749 ä 1000 Mk. , U , 57, 59, 63, 111, 138 und 179 L 2000 Mk. Es wird dies mtt dem Anfügen zur Kennttiis der Besitzer dieser Schuldverschreibungen gebracht, daß die Einlösung derselben bei der Sladtkafte Kietze«, n ■ Mitteldeutsche« Kredttvauk in Araukfutt a. Al., „ „ Deutschen cheuossenschaftsvanL in Aravkfurt a M. erfolgen kann, sowie daß die Verzinsung mit dem 15. Mai 1902 aufhört. Gleichzeitig wird bemerkt, daß die im vorigen Jahre zur Rückzahlung bestimmte Schuldverschreibung Lit. T Nr. 240 über 1000 Mk. bis jetzt nicht zur Einlösung präsentiert worden ist. Gießen, den 17. Jairuar 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. 729 Bekanntmachung. Die Lieferung der Kleider für arme Konfirmanden auf Ostern 1902 soll im Submissionswege vergeben werden. Es werden benötigt: a. für Knaben: Anzüge aus dunklem Cheviot — gefüttert, b. „ Mädchen: Schwarzer Kächemir zu Kleidern und farbiger Flanell zu Unterröcken. Offerten sind unter Beischluß von Tllustern — auch bezüglich des zu Knabenanzügen zu verwendenden Futters — bis spätestens zum 1. Februar d. Js. bei Hospitalverwalter Dörr verschlossen abzugeben. Gießen, den 22. Januar 1902. 730 Die Armen-Deputation der Stadt Gwßen. Holzversteigerung irr der fürstlichen Obersörsterei Lieh. Es sollen versteigert werden: Montag den 27. Januar, vormittags 97, Uhr, im Distrikt Riedwald: Buchen: 200 rm Scheiter, 100 rm Knüppel, 70 rm Stöcke, 5700 Wellen; Eichen: 8 rm Scheiter, 30 rm Knüppel, 40 rm Stöcke, 1500 Wellen; Nadelholz: 14 rm Scheiter (meist rund), 110 rm Knüppel, 200 rm Stöcke, 7000 Wellen. 8 Stück Eichen-Schnittholz von 8,78 fm: 2 St. Buchen-Schnitt- bolz von 2,67 fm; 30 St. Fichten-Schnittholz von 32,81 fm; 7 ©t Kiefern-Schnittholz von 8,43 fm; 119 St. Fichten-Derbstangen, Sparrenholz und leichtes Bauholz, von 6,36 fm; 1000 St. Fichlen- Reisstangen von 5,40 fm. Die Zusammenkunft ist aus der sog. Pfaffenschneise von Hattenrod nach Ettingshausen, beim Eingang in den Wald. Dienstag den 28. Januar, vormittags 97, Uhr, in den Distrikten Höler und Schwarzwald: Buchen: 120 rm Scheiter, 200 rm Knüppel, 90 rm Stöcke, 9200 Wellen; Eichen: 20 rm Knüppel, 14 rm Stöcke, 2700 Wellen; sonstiges Hartlaubholz: 3 rm Scheiter (1 rm Kirschbaum rund 2 rm Birken ruud), 3 rm Knüppel 450 Wellen; Nadelholz: 7 rm Knüppel, 14 rm Stöcke, 5700 Wellen; 900 Weichholzwellen (meist Erlen). 7 Stück Birken-Stammholz von 1,90 fm; 10 ©t Hainbuchenstangen (Langwieden) von 0,57 fm; 300 St. Fichten-Derbstangen, Sparrenholz und leichtes Bauholz, von 25,54 fm. Die Zusammenkunft ist auf dem chauffierten Weg von Köln- hausen in oen Höler beim Eingang in den Wald. Das Holz sitzt halb auf Kolnhäuser, halb auf Albacherhof-Seite. Lich, 15. Jamrar 1902. 545 Fürstliche Oberförsterei. Wckmkcvr Gesangverein Nächste Aroöe: Freitag den 24, Januar 6902, Kür die Damen: Abends 7 Uhr. „ „ Herren: „ 8 „ 695 Der Vorstand. Jagd-Verpachtung. Samstag den 1. Februar l. I., nachmittags 3 Uhr,, wird auf dem Gemeindehaus Hierselbst die der Gemeinde Leih--^ gestern zustehende Wald- und Feldjagd, bestehend in au, 927 Normalmorgen Wald und ca. 3200 Normalmorgen Feld^ auf weitere sechs Jahre verpachtet. Bemerkt wird, daß Station Großen-Linden der Main-Weserbahn in dem Jagdbezirk liegt, Leihgestern, den 16. Januar 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Leihgestern. _____________________ Heß.____________________694j EKmkm-ndKkBdiiskche des Verbandes Leipzig. Eingeschriebene HilfSkasse. Mr bringen den Mttgliedern und Interessenten aur Kenntnis, daß am hiesigen Platze zur Erledigung sämtticher Geschäfte eins Verwaltungsstelle errichtet ist. Gleic^eitig machen wir auf unsere im vorigen Monat verschickten Prospette aufmerksam unb bitten, Neuanmeldungen alsbald aufzugeben, da ab 3. Februar d. J. lautOrts stakst der Versicherungszwang bei der Ortskrankenk^ge {n Kraft tritt.' . Die DerrvaltungSrelle Hießen. 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