Zweites Blatt Dienstag SS. Juli 1903 153. Jahrgang Nr. 168 Erscheint täglich außer Sonnlags. Dem Gießener 'Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bu. Brüh lösche- Unrvers. Buch-u.Stei. btucferci (Pietsch Erben) {heöafm.. Erpeditio^ inu Druckerei: Schul st raße 7. tibreffe für Depeschenr Anzeiger Gießen. ^ernsprechanschluß Nr. 51. jmgr A Ä Bezugspreis: V • monatlich 75Ps., Viertelch GlchenerAnzeigerW General-Anzeiger w ss» Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MMZ V ” zeigenteil: Hans Beck. Die heutige Mmmer umfaßt 8 Seiten I getroffenen Dampfer „Auguste Vietoria" von der Hamburg*- I Amerika-Linie und gestattete sodann den Passagieren des- Deutsches Reich. Berlin, 21. Juli. Aus Molde wird gemeldet: Nach fm Festgottesdienst besuchte der Kaiser den heute em- Aas Schiffsuuglück Sei Wienstedteu. Hamburg, 21. Juli. Die Hamburg-Amerika-Linie, der der Dampfer Hansa gehört, giebt zum Schiffsunglück bei Nienstedten folgende Erklärung ab: „Unser Fluß- dampfer „Hansa" kam gestern abend bei klarem Wetter und Mondschein elbabwärts, nach Brunshausen bestimmt. In der Nähe der Landungsbrücke von Nienstedten, nachdem die Gasboje an Steuerbord dicht bei Nienstedten passiert Politische Tagesschau. Eine erfundene Rede. Wie jetzt der ,Fre.iMtg." aus dem Kreise Stolp geschrieben wird, ist die Meldung über die Rede des Laüd- wirtschaftsministers von Podbielski gelegentlich seiner Anwesenheit in Stolp am 24. Juni erfunden. Gefallen sei thatsüchlich nur das Mort von dem „vierspännigen Wagen, die mit 30 Zentner spazieren fahren". Man wird angesichts dieses Dementis im agrarischen Lager erleichtert aufatmen, vorausgesetzt, daß man Grund hat, die Richtigkeit dieses Widerrufs, der immerhin der eigenhändigen Unterschrift des Herrn v. Podbielski entbehrt, anzuerkennen. Wir zweifelten allerdings von vornherein mit der agrarischen Presse an der Echtheit des Referates, das ihm jene kräftigen Stolper Tadelsworte in den Mund gelegt hatte, die schönen Worte vom „Pfifferling", von der „Schreierei nach dem Staat" ic. Aber wir erblicken auch heute in der „Nordd. Allg. ZtA" nocfji nichts, was einem Dementi ähnlich sähe. Links wie rechts hat man sich aus Gewährsmänner berufen für die Echtheit und Unechtheit des Redeberichts. Hat denn noch niemand den Versuch gemacht, sich direkt mit dem Minister in Verbindung zu setzen? Herr v. Podbielski, bekannt durch feine joviale Liebenswürdigkeit, bleibt gewiß nicht die Antwort schuldig. Nachklange zum Sanden-Prozeß. Die Diskussion über den Sanden-Prozeß und die dabei gemachten Beobachtungen dauert fort. Das ist begreiflich, weil gerade in einem Prozeß von solches Aus- oehnung dasjenige, was nicht zweckmäßig ist in der modernen Rechtspflege, mit Deutlichkeit, erkennbar auch für den gebildeten Nicht - Juristen, hervortritt. Zu den „Mängeln des Strafprozesses" rechnet die „Voss. Ztg." in einem soeben erscheinenden Aufsatz die lange Dauer des Verfahrens, zuerst der Voruntersuchung, dann des mündlichen Hauptverfahrens. Die Klagen über den ersteren Punkt sind häufig, weit seltener wird man Beschwerden über die Dauer des Hauptverfahrens hören. Das Gegenteil ist der Fall: in der Hauptverhandlung hat die Vergeltung einen raschen Gang, zuweilen einen so raschen, daß der arme Sünder kaum recht zur Besinnung über die Bedeutung der einzelnen Zeugen-Aussagen kommt und sich verurteilt sieht, ehe er alles hat erbringen können, was zu seinen Gunsten spricht. Monate lang hat vielleicht jemand in Untersuchungshaft sich befunden, viele Bogen Papier find während dessen in seiner Sache beschrieben worden; die Zeugen-Vernehmungen füllen einen ganzen Band. In der öffentlichen Verhandlung gestaltet sich die Sache in der Regel überraschend einfach: ein paar Stunden genügen zur Beweisaufnahme; zu den Reden des Staatsanwalts, des Verteidigers, und zur Urteilsfällung. Verhandlungen von einer Ausdehnung wie im Sanden-Prozeß und anderen Sensationsprozessen bilden eine verschwindende Ausnahme. Der Grund der Verzögerung ist nicht nur die Verwicklung der unter Anklage stehenden Fälle, sondern auch der Umstand, daß geschickte Verteidiger den Angeklagten zur Seite stehen und durch zahlreiche Beweisanträge, durch ein eingehendes Befragen der Zeugen usw. nichts vorüber- gehen lassen, das die Wagschale zu Gunsten ihres Klienten beeinflussen könnte. Gerade weil die Hauptverhandlung vielfach ganz neue Gesichtspunkte mit sich bringt, wird man im Allgemeinen, zumal für solche Angeschuldigte, die nicht in der Lage sind, mit mehreren Verteidigern aufzutreten, eine möglichst sorgfältige Hauptverhandlung wünschen. Die Zeit sollte da keine Rolle spielen. Zutreffend ist die Forderung nach Abkürzung der Voruntersuchung. Eine lange Dauer der Untersuchung verwischt erfahrungsgemäß bei vielen Zeugen die Erinnerung. Dadurch entstehen dann die auffälligen Widersprüche zwischen den Aussagen vor dem Untersuchungsrichter und den Aussagen vor dem Gericht, Widersprüche, die einerseits den Zeugen in eine schiefe Lage bringen, andererseits den Angeschuldigten zu Unrecht benachteiligen können — wenn der in Verwirrung geratene Zeuge es mit der Angst vor dem Staatsanwalt bekommt. Immer wieder muß als die wichtigste und erste Reform in der Strafrechtspflege die Abänderung des Untersuchungsverfahrens bezeichnet werden, in dem Sinne, daß schon in diesem Stadium dem An- geschuldigten größere Garantien gewährt werden durch Einrichtungen, die dem mündlichen Hauptverfahren nachgebildet sind. Das wird von selbst zu einer wesentlichen Abkürzung der Untersuchung führen und prompte Justiz bezeichnend für die Vorbildung der leitenden Persön- iichkeiten in der verkrachten Preußischen Hypotheken-Bank, der Hunderte von Millionen Mark anvertraut waren, find deren Personalien. Kommerzienrat Eduard Sanden hatte 13 Jahre alt die Schule verlassen und das Materialien- gefchäft erlernt. Otto Sanden war mit 14 Jahren von der Schule abgegangen und dann wie Puchmüller in einem Speditionsgeschäft Lehrling gewesen. Warsinski, der ehemalige Schlosserlehrling, hatte es der Heirat einer Verwandten zu verdanken, daß sich ihm der Weg zur Bank- direttorstellung eröffnete. Hanschke war Feldmesser. Heinrich Schmidt hat Jura studiert. Aus dem Bankfach war aber nur Generalkonsul Eduard Schmidt hervorgegangen, der Chef der alten Bankfirma Anhalt u. Wagener Nachfolger und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Preußenbank. selben und denen des Dampfers „Mexiko" aus Liverpool ben Besuch der „Hohenzollem". Zur Mittagstafel waren acht Personen des ersteren Dampfers, darunter Professor Ko ch, eingeladen. Am Nachmittag verließen beide Dampfer mit Musik Molde, der englische unter den Klängen der „Wacht am Rhein". Die „Hohenzollem" mit dem Kaiser ist dann mit ben Begleitschiffen nach Drontheim abgegangen und dort heute abend um 8 Uhr eingetroffen. — König Georg von Sachsen ist vorn Kaiser von seiner Stellung als Generalinspekteur der zweiten Armeeinspektion enthoben worden. — Ter Regiemngsrat z. D. Hermann Krüger ist hier gestorben. Er war ständiger Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amte und vorher Chef der Exekutive der politischen Polizei in Berlin. — Tas ReichAgesetzblatt veröffentlicht das Gesetz betreffend die Abänderung des Branntweinsteuer- Zes etzes vom 7. $uft sowie desSüßsto ffges etz e s vom 7. Juli. Ter „Reichsanzeiger" giebt bekannt, daß die Verbreitung der Krakauer Zeitschrift „Djabel" vom 17. Jnli ab auf zwei Jahre verboten ist. Ferner veröffentlicht er den Entwurf eines Gesetzes betreffend das Urheberrecht an Werken und Photographien, den der Reichskanzler den Regierungen der Bundesstaaten mit dem Ersuchen um Prüfung mitgeteilt hat, nebst erläuternden Bemerkungen, um weiteren Kreisen zur Meinungsäußemng Gelegenheit zu geben. Ausland. London, 21. Juli. Bulletin an Bord der königlichen Pacht: Das Befinden des Königs ist ausgezeichnet. Die Kräfte kehren zurück Die Heilung der Wunde macht befriedigende Fortschritte. — Ein heute veröffentlichter Nachtragsetat von 501076 Pfund Sterling enthält eine Forderung von 25 000 Pfund für die Krönungsfeier und eine solche von 250 000 Pfund zur Unterstützung der westindischen Zuckerindustrie, bis die Brüsseler Zuckerkonvention in Kraft tritt. — Unterhaus. Gibfon Bowles fragt an, ob die Regierung von Mitteilungen zwischen der französischen, italienischen und spanischen Regierung zur Begründung einer lateinischen Liga zur Regelung der politischen Lage im Mittelländisch, en Meere Kenntnis habe. Cranborne erwiderte, die Regierung wisse nichts von irgend welchen derartigen Mitteilungen. Auf eine Anfrage erklärte der Unterstaatssekretär Cranborne, daß das Schiedsgericht in der Angelegenheit von Weima in Westafrika, (wo seinerzeit bei einem Zusammen stoße zwischen französischen und englischen Truppen eine Anzahl englischer Offiziere getötet wurde), der britischen Regierung eine Entschädigung von 9000 Pfund Sterling zugefprochen habe. Paris, 21. Juli. Die den Besitzern 31/2 prozenti- ger Rententitel zur Wahl zwischen der Konversion und der Rückzahlung gewährte Frist ist gestern abend abgelaufen. Die zur Rückzahlung angemeldeten Renten belaufen sich nur auf 57 951 Fres., was einem Kapital von etwa 1600 000 Fres. entspricht. Brüssel, 21. Juli. Die sozialistiische Partei hat beschlossen, eine Subskription zu eröffnen, deren Ertrag zum Bau eines Denkmals zum Gedächtnis an die während der letzten Brüsseler Unruhen erschossenen Sozi alt ft e n Frdve und Dcmarez bestimmt fein soll. — Wie der „Soir" erfährt, wird der Artillerie-Ausschuß, der gebildet wurde, um ein neues Geschützsystem ausfindig zu machen, das in der belgischen Armee eingeführt weroen soll, sich zu Gunsten der Cockaillischen Geschütze entscheiden. Rom, 21. Juli. Der Besuch des Königs von Italien in Berlin findet zwischen dem 25. und 28. August statt. Der Minister des Aeußeren, Prinetti, wird Den König abermals begleiten. Bei dieser Gelegenheit wird in dem Kieler Hafen das Schulschiff „Amerigo Vaspucci" entsandt, wahrscheinlich auch das Panzerschiff „Liguria" unter dem Befehl des Herzogs der Abruzzen. Neapel, 21. Juli. Der Anarchist Guerriero, der in Neapel einen Stein gegen den königlichen Zug geworfen hatte, ist in dem Jrrenhause von Avena interniert worden. Budapest, 21. Juli. Der „Pester Lloyd" konstatiert heute, daß die in Berlin erscheinenden „Mitteilgn. des allg. deutschen Schulvereins" eine Fälschung verübten, indem sie einen Artikel voll rüdester Ausfälle gegen den deutschen Schulverein und das deutsche Volk zitierten, die in diesem Blatte nie erschienen. Belgrad, 21. Juli. Die Blätter melden, der König und die Königin Draga treten am 15. Oktober die Reise nach Rußland an. Konstantinopel, 21. Juli. Die Pforte lehnte die jüngste Forderung Rußlands wegen Zahlung von 920 000 Pfund für die im russischckürkifchen Kriege geschädigten russischen Untertanen ab. Rußland wird demgemäß eine zweite Note an die Pforte richten. worden war, sichtete die „Hansa" gegen 12 Uhr roteS Feuer an der Backbordseite, wie sich später herausstellte, das des Dampfers „Primus". Die Kurse beider Dampfer gingen vollkommen klar von einander, da sich die „Hansa" auf Der nördlichen Seite des Fahrwassers befand, während der „Primus" in der Mitte des Fahrwassers elbaufwärts steuerte. Es lag für beide Dampfer keine Veranlassung vor, ihre Kurse zu ändern. Als der „Primus" ungefähr loO bis 200 Meter von der „Hansa" entfernt war, gab derselbe! plötzlich hart links Ruder, sodaß er den Kurs der „Hansa" kreuzte, und ihr direkt vor den Bug lief. Dieses! Manöver, das unter allen Umständen unrichtig war, und der kaiserlichen Verordnung zuwider lief, machte eine K 0 l - liifion unvermeidlich. Wollte der „Primus" nach der nördlichen Fahrwasserseite herüber, so hätte er hinter der „Hansa" herumgehen oder warten müssen, bis er diese passiert hatte. Die Kursänderung des „Primus" erfolgte so plötzlich, daß das einzige Gegenmanöver, das die „Hansa" vornehmen konnte, und sofort ausgeführt wurde, nämlich mit voller Kraft rückwärts zu gehen, die Kollision' nicht mehr verhindern könnte. Die Zeit, Die von der Kursänderung des „Primus" bis zum Augenblick der Kollision verfloß, betrug noch nicht eine Minute, wie sich schon aus der geringen Entfernung, in der sich beide Dampfer zur Zeit der Kursänderung befanden, berechnen läßt. Nach erfolgter Kollision geschah seitens der „Hansa" alles, was zur Rettung der Passagiere des „Primus" irgendwie dienen konnte. Boote wurden sofort ausgesetzt und bemannt, und gleichzeitig Tauenden und Jakobsleitern über Bord gegeben. Allein durch die Boote wurden über 50 Personen in Sicherheit gebracht. Gleichzeitig, während diese Rettungsarbeiten vor sich gingen, versuchte „Hansa" em unter den obwaltenden Umständen sehr zweckmäßiges Manöver auszuführen, indem sie in langsamer Fahrt den noch vor ihrem Bug befindlichen „Primus" auf den nördlichen Strand zu schieben suchte. Wäre das Manöver gelungen, so wären höchst wahrscheinlich alle Passagiere gerettet worden. Leider scheiterte die Ausführung daran, daß „Hansa" im seichten Fahrwasser eher auf Grund geriet als Der flacher gehende „Primus" und letzterer durch die Ebbe stromabwärts getrieben wurde, wo er in ungefähr 100 Meter Entfernung von „Hanfa" sank. Die „Hansa" wurde von ihrem als umsichtig bewährten Kapitän Sachs geführt, der sich zusammen mit Dem Steuermann Wahlen auf der. Brücke befand. Der Ausguck war durch einen Matrosen besetzt." Der Kapitän des „Primus" heißt Petersen. Von Hamburg und Altona eilten nach der Katastrophe sofort Hilfsdampfer zur Unglücksstelle. Krankenwagen der Sanitätskolonne fanden sich schleunigst ein. Die geborgene Leiche einer Frau Seemann wurde nach Altona gebracht. 5 Frauenleichj en wurden in Blankenese geborgen, sie sind aber noch nicht agnosziert. Auf der Unfallstelle wurden die Leichen Der in Eilbeck wohnenden Frau Kruse und eines noch nicht agnoszierten etwa 17 jährigen Mädchens geborgen. Vermißt werden folgende Personen: Gastwirt Schneider nebst Frau, Sohn und Tochter, Martha L e n s ch 0 w, 19 Jahre alt, Frau T e l ke n, Fräulein Wr a g e, die Herren Wag euer und Wolgast, Anna Singelmann, Tochter einer Witwe, 19 Jahre alt, Frau Gallert und zwei Kinder. Vermißt wird ferner Emil Eberhardt. Kapitän Petersen erreichte schwimmend das Ufer und stellte sich sofort der Hamburger Polizei. Auch Kapitän Sachs von der „Hansa", der heute einen Leichter einschleppend anlangte, stellte sich ebenfalls Der Polizei. Die Untersuchung über die Ursache ist in vollem Gange. „Primus" war über 50 Jahre alt, aber noch in sehr gutem Zustande. An den Landungsbrücken und in Eilbeck spielten sich herzzerreiß ende Szenen ab. Die Gesellschaft war nachmittags mit vier Extrawagen nach der St. Pauli-Landungsbrücke gefahren. Als Die Schreckenstunde sich überall hin verbreitete, eilte alles auf die Straße, der Inhaber des Klublokalsl mit der ganzen Familie wird vermißt. — Weiterhin wird gemeldet: Der „Primus" liegt querab vom Nienstedtener Leuchtfeuer; die Mastspitze mit der Flagge ragt bei Ebbe aus dem Wasser heraus; sonst ist nichts von dem Schiffe zu sehen. Man befürchtet, daß sich noch Leichen in der Kajüte befinden, weil mehrere Teilnehmer der Fahrt sich ermüdet in dieselbe zurückgezogen hatten, und im Schlafe von der Katastrophe ereilt wurden. — Der Taucher Beckedorf, dem die Bergung des „Primus" übertragen worden ist, hatte gestern abend bereits zwei Ketten unter Dem Schiff durchgezogen. Voraussichtlich sind die Arbeiten bis heute abend soweit gefördert, daß die Hebung des Schiffes erfolgen kann. Dann werden jedenfalls noch zahlreiche Leichen gefunden werden. Im Laufe des gestrigen Tages fand eine wahre Völkerwanderung nach Nienstedten statt. Der Strand an der Unfallstelle ist dicht von Menschen belagert. Leute, welche in der Nacht von Nienstedten aus den Zusammenstoß beobachtet hatten, berichten, daß an Bord des „Primus" von der Musikkapelle gerade fröhliche Weisen gespielt wurden. Im Augenblick des Zusammenpralles loderte eine Feuerfäule aus dem Schornstein des „Primus" hervor und herzzerreißende Schreie tönten über das Wasser herüber. Wie der „Hamb. Korresp." erfährt, ist die Rhederei des; „Primus" gegen Haftpflicht mit 80 000 Mark bei der „Versicherungsgesellschaft Zürich" versichert. Der Betrag Dürfte nur einen geringen Teil der aus Der Katastrophe erwachsenden Verpflichtungen Decken. Der verletzte Ma- schinist Heinrich Prigge ist feinen Verletzungen nicht erlegen, sondern geht wie Der Matrose Oldenburg der Besserung entgegen. Die übrigen zunächst im Hafen- Krankenhause untergebrachten Personen, Frau Bostelt und ihre Tochter aus Dresden^ und Frau Glaudine Eggers sind bereits aus dem Krankenhause entlassen wor- Vermischtes z wurde für 5000 Mk. Silberzeug gestohlen. Man glaubt, es mit einer internationalen Bande zu thun zu haben, die auch in Wiesbaden, Karlsruhe rc. Einbrüche verübt hat. — In Wiesbaden starb die Witwe Friedrich v. Badenstedts, Mathilde, im 79. Lebensjahre. gefunden. * Auerbach (Voigtl.), 21. Juli. Die Frau des Ziegel- arbeiters Sieber in Mühlgrün hatte, während sie ihrem Ehemann das Mittagessen hintrug, zur Beaufsichtigung ihres jüngsten Kindes, einen fünfjährigen Knaben und ein dreijähriges Mädchen in der Wohnung zurückgelassen. Die beiden größeren Kinder spielten in einem Koffer Ver- tecken; dabei siel der Deckel und schnappte in das Schloß. Beide Kinder erstickten; alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. . * Paris, 21. Juli. Wie aus Con stantine beruhtet wird, haben die Heuschrecken dort ungeheuren Schaden angerichtet. Die Weinberge und große Strecken Ackerland sind vernichitet. § Paris, 21. Juli. In Nieul stürzte ein Gerüff ein, auf dem sich 12 Arbeiter befanden. Neun wurden töd- 14, Königreich Sachsen. Frankfurt, 21. Juli. Die hiesigen „N. N." erzählen olgende kaum glaubliche Geschichte aus Sch-vanheim: Als in Nied das Feuerwerk stattsand, ging der Wirt B. aus Schwanheim in Begleitung seiner Frau und einer Freundin derselben an den Main, um sich das Feuerwerk anzusehen. Unterwegs begegnete ihnen der Polizeidiener Wachendörfer, mit dem B. einen Gruß tauschte. Kaum waren sie einige Schritte vorbei, als Wachendörfer chnen nachkam und B. aufforderte, mit ihm zur Wache zu kommen. Er habe sich oeben vergangen, indem er die Freundin seiner Frau un- ittlich berührt habe. Trotz des Protestes der beiden Frauen; mußte B. mit zur Wache und wurde bis zum andern Vtorgen 7 Uhr eingesperrt. Da eittließ ihn W. aus der Haft und bat ihn slehentlichst, die Sache tozuschjoeigen, er hättte sich versehen. Darauf ließ sich B. nicht ein Zur Frau V hatte W. noch gesagt: ,/Schreiben Sie sofort an Ihre Eltern. Das giebt einen Grund zur Ehescheidung!" * Frankfurt a. M., 21. Juli. Der Kassierer der Verwaltungsstelle des Deutschen Fabrikarbeiterverbandes, Christian Kraiker, der, wie schon gemeldet wurde, Unterschlagungen und Fälschungen begangen hat, wurde verhaftet. Vermutlich ist die hinterzogene Sunune höher als 1000 Mk. Da die Bücher mehrfach gefälscht und unordentlich geführt sind und Kraiker viele Belege vernichtet hat, macht es ziemlich viel Schwierigkeiten, die Höhe der Unterschlagungen festzustellen. Kraiker soll sogar temgenommene kleine Beträge auf Sammellisten für streikende Kollegen unterschlagen haben. Erst vor ganz kurzer Jeck hatte er sich ein Fahrrad für 200 Mk. gekauft. Cronberg, 20. Juli. Wie verlautet, treffen Prinz und Prinzessin ^riebrid) Karl von Hessen, sowie auch das griechische Kronprinzenpaar am 28. Juli wieder auf Schloß ben. ** Die organisierten Schneidermeister Hessens aus den Städten Akainz, Darmstadt, Offenbach und Worms hielten kürzlich in Darmstadt eine Versammlung ab. Zu dem Tagesordnungspunkt „Anschluß an den deutschen Arbettgeber-Verband für das „Sch-neidergewerbe" hatte Obermeister F. W. Dreyer aus Frankfurt das Referat. Er führte aus: Gegenüber der organisierten Gehilfenschaft, die nod) dazu durch gewerbsmäßige Hetzer und Agttatoren aufgereizt würde, seien die Meister, weil vereinzelt, nicht mehr Herren in chren Werkstätten; bie Gehilfen „bik- tieren Löhne unb Arbeitszeit", sie schreiben vor, wen er beschäftigen darf, und wen nicht, und ber Meister müsse gehorchen, andernfalls die ihn schwer schädigende Sperre über ihn verhängt würbe. Unter diesem Terrorismus leide aber auch der „treue, friedlich gesinnte Teil der Gehilfenschaft." Denn da sie keinen Rückhalt an den Meistern haben, müßten sie sehr oft gegen ihren Willen alle Streik- und Lohnbewegungen mitmachen. Aus Grund dieser Thatsachen habe man auf dem Kongreß. Süddeutscher Schneidermeister in München am 6. und 7. April d. I. die Errichtung eines Allgemeinen deutschen Arbeitgeber-Verbandes für das Schneidergewerbe beschlossen. Derselbe soll keine Kampforganisation zur Vernichtung der Gehilfenorganisation sein. Er solle nur das Gleichgewicht Herstellen, damit künftig Meister- und Gehilfen- fd>aft als gleich starke unb gleich berechtigte Faktoren mit einanber verhanbeln können. Man werde „alles thun, um die wirtschaftliche Lage ber Gehilfenschaft zu bessern, aber ber gewerbsmäßigen Hetzerei müsse ber Boden entzogen werben." Durch beit Verbanb würde wieder Ruhe unb Frieben zwischen Meistem unb Gehilfen hergestellt werben. § Ob er-Hörgern, 21. Juli. Ter Schyieinehänbler Joh. Gg. Düringer EU. von hier ist seit wenigen Tagen verschwunben. Man bringt bies Berschwinben in Zusammenhang mit einer Wechs elfäls ch.u n g, bie D. zum Nachteil bes Wirtes Joh. Metzger in Gambach begangen haben soll. D. soll auf ein mit bent Namen bes letzteren gefälschtes Accept sich von einem Gießener Bank- Hause 200 Mark haben auszahlen lassen; unb biese Fälschung soll sich jetzt, zur Zeit ber Fälligkeit bes Acceptes, herausgestellt haben. § Schotten, 21. Juli. Heute morgen 10 Uhr brac । in ben Scheunen ber Bäckerei K. Schmidt Wwe. unb bdl Gerbers Böhm Feuer aus. Der herbeigeeilten freiw. Feuerwehr gelang es, bas Feuer auf feinen Herb zu beschränken, baß bie Krisis halb überwunben war. Die vorzügliche Leistung ber Wehr ist umsomehr anzuerkennen, da die Gebäude aus einem dicht aneinandergereihten Häuser- komplex herausbrannten. Unsere leistungssähige Wasserleitung spendete aus 7 Hydranten mädjtige Wasserstrahlen. Ein Feuerwehrmann wurde durch ben Wasserstrahl am Auge verletzt, bie Verletzung soll jedoch nicht schwer fein. [] Eichelsd ors b. Nidda, 21. Juli. Gestern abend gegen 71/2 Uhr wurde der hiesige Feldschütz Heinrich Konrad Möser oberhalb des in der Nähe der Schäser'schen Schneid- mühle befindlichen Wehres tot in ber Nidda liegend auf* gefintben. Etwa eine halbe Stunbe vorher war Möser noch von einem hiesigen Einwohner gesehen worben, wie er in ziemlich «angetrunkenem Zustanbe einen ber Nidba entlang führenden Fußweg ging. Zweifellos ist Möser infolge seiner Trunkenheit vom Wege abgekvmmen unb in bas Wasser gefallen, aus bem er sich nidft mehr heraushelfen konnte. Worms, 21. Juli. Das Mittelrheinische Kreis- turnf eft, vor e stattfindenben SänAer-BundesfosI fern zu bleiben. * Ein neues Schiffsunglück wttd heute aus Kiel gemeldet: Eine Barkasse mit zwei Kuttern unb einem Tinghy im Schlepptau würbe heute nachmittag gegen 2 Uhr von bem Werftdampfer „Alarm" angerannt. Der Kutter von der ersten Kompagnie der 1. Dorpedoabteilung ist gekentert, der Heizer Keßler ertrunken. Eine Barkasse von der 1. Torpedoäbteilung befindet sich auf der Unfalls stelle. Die Leich.e Keßlers ist bereits geborgen. * In folge von Duellen, bie im vergangenen Mai inD 0 beln ftattfanben, haben ber „Leipz. Volksztg/r zufolge bie beteiligten Offiziere, einerseits bie Leutnants v. b. Decken, v. Gutbier unb Lösche, andererseits Hauptmann Freiherr Lod)ner von Hüttenbach ihren Abschied nehmen müssen. In die in der Angelegenheit geführte Untersuchung smd noch mehr Personen verwickett gewesen; über bie Ursache zu ben Duellen lasse sich kaum etwas angeben, da strenges Geheimnis gewahrt werde., Gleichzeitig teilt das Blatt mit, daß jetzt auch der Kommandeur des in Döbeln garnisonierenden 139. Infanterie- Regiments, Oberst Weigel, feinen Abschied erhalten hat. * Schimpfende Gemeinderäte. In den letzten beiden Gemeinderatsfitzungen zu Stuttgart kam es zu lebhaften Auseinanberfetzungen zwischen zwei Gemeinbe- räten. Gemeinberat Sperka nannte ben Gemeinberat Heim „blödsinnig" unb dieser bezeichnete jenen als einen „Flegel der Sozialdemokratie". Schließlich ermahnte ©enteinberat Levi bie Kollegen, doch nicht einen Ton an- Zuschlägen, ber mir auf bem Wiener Rathaus üblich sei. * Hin Pfarrer erschossen! Man melbet aus Bamberg, daß Pfarrer Koehler von Steppach auf bem Wege von Alexanbersbab nad); Rebwitz erschossen aufgefun- ben wurde. Kunst und Wissenschaft. — Ein interessanter Frmd aus der Saalburg ist in ben letzten Tagen gemacht worden. Es handelt sich um einen etwa 4 Etm. langen und "/« Etm. im Quadrat messenden „Okulisten* stempel" aus weichem grauen Stein, ber im Bezirk ber bürgerlichen Niederlassung auf dem Kellerboden des mit Nr. 15 bezeichneten Hauses rechts von der Römersttaße nach Heddernheim durch einen glücklichen Zufall gefunden worden ist. Die vier Schmalseiten tragen emgeschnittene Inschriften. Die eine lautet: misus ad aspfritudinem] Die andere auf der entgegengesetzten Seite: C. Xanthi Pen- icille at im[petum]. Die beiden anderen Seiten enthalten einzelne Buchstaben^ zeichen, deren Sinn noch nicht entziffert werden tonnte. Anscheinend handelt es sich um Namen von Käufern, die die Rezepte bezogen haben, welche der Augenarzt Xanthus, offenbar ein griechischer Freigelassener wie die meister feiner Kollegen, fernen Klienten verschrieb. Als Heilmittel gegen Augenentzündung empsiehtt er ihnen zunächst eine Zinksalbe. In der Erklärung des zweiten Mittels gehen die Ansichten der Gelehrten auseinander. Während die einen darin eine Vorschrift zur Anwendung eines Schwammes zu sehen glauben, handelt es sich nach anderen ebenfalls um ein Heilmittel. Diese Ansicht vertritt unter anderen der Franzose Es- pärandieu, der sämtliche bisher bekannte Okulistenstempel (225) in einem größeren Werke behandelt hat, nachdem früher bereits ber berühmte Entzifferer der Keilschrift Prof. Grotefend sich mit der Sache beschäftigt hatte. Bei dieser Gelegenheit fei daran erinnert, daß vor Jahren umreit der jetzigen Fundstätte bereits ein Rezeptstein des Augenarztes Lepidus zutage kam. Daß derattige Spezialisten im römischen Heer thatsächlA thattg waren, ist ja bezeugt. Ter neue Fund ist zur Zett im Saalburgmuseum des Kurhauses zu Homburg mit ben eittsprechenden Siegelabbrücken zu sehen. — Aus der Saalburg ist man augenblicklich damit beschäftigt, einesteils einige Keller der bürgerlichen Niederlassung.mit ihren Entwässerungsanlagen anszngraben und in der üblichen Weise wieder auszusegen, anderenteils die porta principalisainistra sreizulegen, wobei interessante Reste des alten Kastells mit fernen Kasjernatteir * Berlin, 21. Juli. In der Mhe von Berlin haben zwei Kaufleute im Alter von 53 und 35 Jahren Selbstmord durch Erschießen begangen. * Berlin, 21. Juli. Eine Mutter mit ihren! beiden Kindern wurde in ihrer Wohnung in der Witt> tockerstraße am Thürpfosten erhängt nachmittags tot auf- irz l. Js. verbrachte der Offizier seinen Er- Kreise seiner Familie dahier. Auch er verkehrte 2(2) sängnis verurteilt. 2 1(1) 1 1 1 2 Kl) 1 1 1 1 1 KD 2(2) 1 1 1(D Lungentuberkulose Gehirntuberkulose Lungenentzündung Herzsehler Harnblasenentzündung Atrophie Krämpfen Gelbsuckt Verunglückung______ Gerichtssaal. Wetzlar, 18. Juli. Ein hiesiger Händler war vom Schöffen- gericht zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt worden, wegen Ueber- tretung der viehseuchenpolizeilichen Bestimmungen, insbesondere der Verordnung des Regierungspräsidenten zu Koblenz vom 3L November 1901 und der Reg.-Polizeiverord- nung vom 21. Januar 1899, wonach von Händlern üt den Bezirk Angeführtes Vieh nur mit tierärztlichem, nach vier Tagen zu erneuerndem Gesundheitsschein cingesührt werden darf und außerdem in näher vorgefchriebenen Listen gebucht werden muß. Die Strafkammer in Limburg als Berufungsinstanz hat das erste Urteil ausgehoben und die beiden Verordnungen für ungültig erklärt. Summa: 11 (4) 8 (3) 3 (1) — Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nod) Gießen gebrachte Kranke kommen. Eisenbahn-Zeitung. Süddeutsche Eiseubahrrgesellfchaft, Darmstadt. Der Gesellschaft ist die Genehmigung für die noch zu bauenden Straßenbahnstrecken Älarnz-Wiesbaden, Wiesbaden-Er- benbeim und Mainz-Schier st ein erteilt worden. Der Be- trieo muß bei einer Konventionalstrafe von 5000 Mark spätestens am 1. Januar 1905 eröffnet werden, falls nicht der bevorstehende Neubau der Staatsbahn weitere Verzögerungen veranlaßt. Giugesanbt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortmrg.) Gießen, 22. Juli 1902. Zum Jugendfest. Zu allgemeiner Befriedigung hat unser Stadtvorstand dafür, Sorge getragen, daß nun doch ein allgemeiner Ausschluß beo Schülerinnen der höheren Töchterschule unb der erweiterten Mädchenschule von der Feier des Jugendfestes nicht erfolgt. Für die auf der Bürgermeisterei angemeldeten Kinder jener Schulen, werden besondere Zugführer und Spielleiter bestellt werden. So ist erfreulicherweise Gelegenheit geboten, daß sich bei dieser Feier die Kinder aller Stände in froher Jugendlust zufannnenfinden. Hoffentlich laufen mm auch recht zahlreiche Anmeldungen em, fo daß es sich herausstellt, daß keine Klasse der Gießener Bevölkerung bei unserem Gießener Kinderfest den für unsere Zeck und für diese Gelegenheit so herzlich schlecht paffenden NAgungeu nach voruehm- thuerifcher Absonderung Raum giebt. 3t UuiverMs-NachrWeu. — Der Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Schwenrnger in Berlin ist von der Leitung der Abteilung für Hautkrankheiten in der Chartts vom Ministerium entbuirden worden und hat dafür einen Lehrauftrag für Geschichte der Medizin und allgemeine Pathologie und Therapie erhalten. — Die in Rom geführten Verhandlungen des Frhrn. v. Hertling wegen Errichtung einer katholischen Fakultät in Straßburg sollen wiederum gescheitert sein. — Der Geh. Medizinalat Prof. Dr. Karl Gerhardt aus Berlin ist im Alter von 69 Jahren gestorben. Wir hatten vor wenigen Tagen bereits mitgeteilt, daß der Zustand des berühmten Klinikers und Arztes zu Besorgnissen Anlaß gebe. Karl Gerhardt war in Speyer geboren, studierte in Würzburg, war Assistent Griesingers in Tübingen und habilitierte sich dann tu Würzburg. 1861 wurde er Professor in Jena. 1872 folgte er einem Ruf nach Würzburg, 1885 wurde er an die Berliner Universität berufen. Gerhardts Bedeutung als Mediziner lgg in der Hauptsache aus dem Gebiet der Kinderkrankheiten und der Krankheiten der Achmungsorgane. — Das Befinden Virchows bewegt sich weüer in auf- steigender £inie. Die bedrohlichen Schwächezustände haben einer erfreulichen Krästezunahme Platz gemacht. Ebenso haben bekanntlich schon andere Gerichte über die nach Koblenzer Muster gearbeiteten Verordnungen des Wiesbadener Regierungspräsidenten geurteilt. Magdeburg, 2L Juli. Mttmeister a. D. v. Pt e s ch e l zu Alten-Flatow wurde von der Ferienkammer wegen einer Pi st ölen-Forderung zu 2 Tagen Festungshaft verurteilt. Der Geforderte Geheimrat Schulz -Nieborn hier, mit dem er im Eisendahnkupee einen Wortwechsel gehabt, hatte das Duell abgelehnt. München, 20. Juli. Im letzten Karneval lernte der etud. philos. Witold v. Wroblewsty-Slezonron, ein Russe, auf einem Balle die Schwester eines Offiziers kennen, und es gelang ihm, Eingang in dte Famllie des Offiziers zu finden. Wroblewsky hatte sich als Inaktiver des Korps „Suevia" vorgestellt und von den glanzenden Verhältnissen seiner Mutter und deren ausgedehnten Grundbesitz in Rußland erzählt. Er selbst bekomme monatlich einen sehr reichlich bemessenen Wechsel und wolle in München den Doktor machen. Im März l. Js. verbrachte der Offizier seinen Er- Kirche und Schule. Gießen, 2L Juli. In sämtlichen katholischen Pfarreien findet gegenwärtig, veranlaßt durch den katholischen Lehrerverein des Großherzogtums Heffen, Erhebungen über die Organisten-Ge- h ä l t e r statt. Genannter Verein beabsichttgt nämllch, bei den maßgebenden Behörden eine einheitliche Erhöhung der Gehälter zu -veranlassen. Zum Abt des Benediktinerklosters Maria-Laach ist, Furchdem der frühere Abt Bischof geworden ist, der Pater Freiherr v.Stoltzingen, ein ehemaliger Dragoneroffizier erwählt worden; neben ihm wirkt in dem Kloster noch der Vater Graf v. S p e e. Der erstere gehört einer alten reichsritterlichen badischen Familie, der letztere einer in der Rheinprovinz angesessenen Famüie an. Jetzt wird gemeldet, daß soeben znm Prior des Dominikanerklosters in Düsseldorf der Vater Paulus von Los ge- wäbtt worden ist. Er beißt eigentüch Ludwig Frecherr v. Los nnd fist oer jüngere Bruder des vor drei Jahren verstorbenen Vorsitzenden des Rheinischen Bauernvereins, Grafen Friedrich von Los und der Neffe des gleichfalls verstorbenen Begriutders dieses Vereins, be§ Freiherrn v. Los Terporten, sowie des Generalobersten Frhrn. v. Los. Die Wahl von Mitgliedern des Adels zu Lettern von Klostern in der Rheinprooinz tst gewiß nicht Zufall. Krieskasten Ser Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) G. Tas von uns gestern erwähnte Gesetz über die Regent—, schäft im Großherzogtum Hessen lautet: .Wir Ercht Ludwig re. haben auf Grund des Artikels 5 des Gesetzes über bte Regentschaft vom 26. März 1902 mit Zustimmung unserer getreuen Stände verordnet: Artikel L Da der zur Zeit unserem Throne am nächsten stehende Agnat der Gesamthauses Hessen dauernd verhindert ist, die Regierung des Großherzogtums persönlich zu führen, so findet, im Falle sie auf ihn übergehen sollte, eine Regentschaft statt." Damit ist die eventuelle Thronfolge des Landgrafen Al exander Friedrich oonHefsen und seiner Agnaten festgestellt. holungsurlaub im Kreise seiner Famüie dahier. Auch er verkehrte oster mit Wroblewsky, dessen Erzählungen er unbedingten Glauben schenkte. Bei einem zufälligen Besuche in der Wohnung Wro- blewskys sand er aber Blanches, was im Widerspruche mit den Angaben Wroblewskys über seine finanziellen Verhältnisse stand. Der Offizier ließ durch ein Detektiv-Institut Erkundigungen über Wroblewsky einziehen. Zu feiner Ueberraschung mußte er erfahren, daß Wroblewsky wegen Betrugs bestraft fei, sehr bedenkliche Schulden mache, niemals Angehöriger der „Suevia" gewesen, noch immattttuliert sei und daß seine finanzielle Lage nichts weniger als günstig war. Der Offizier und dessen Familie bracheit sofort den Verkehr mit Wroblewsky ab. Wroblewsky, der erfuhr, daß man über ihn Erkundigungen eingezogen hatte, fühlte sich hierdurch „beleidigt" und wandte sich an den stad. ing. Hans Scheft- lein, den er ebenfalls über seine Verhältnisse betrogen hatte, mit dem Ersuchen, dem Offizier eine Forderung aufPistolen mit dreimaligem Kugelwechsel zu überbringen. Scheft- lein kam am 4. Mai l. Js. diesem Auftrage nach. Der Offizier machte dem Regimente Meldung, worauf der Ehrenrat des Regimentes zusammentrat der nach eingehender Prüfung der Verhältnisse zu dem Spruche kam, der Offizier sei berechtigt, die Forderung abzulehnen, nachdem eine Persönlichkett wie Wroblewsky nicht berechttgt erscheine, Satisfaktton zu verlangen. Als Scheftlein vor dem Ehrenrat von den Verhältnissen Wroblewskys Kenntnis erhielt, zog er dessen Forderung zurück, legte sein Amt als Kartellttäger nieder und machte am 9. Mail. I. hiervon dem Wroblewsky Mitteilung. Letzterer schrieb alsdann an den Offizier einen Brief: „Nachdem Sie meinen Kartellträger an- gelogen haben, nachdem Sie vor dem Ehrenrate Dinge behauptet haben, die direkt unwahr sind, betrachte ich Sie als einen ehrlosen Menschen, der nicht wert ist, die Uniform eines deutschen Offiziers zu tragen." Die Sache wurde nun dem Gerichte übergeben. Heute kam zunächst dre Herausforderung zum Zweikampf zur Verhandlung. Wroblewsky wurde mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Forderung zur Festungshaft von sechs Monaten, Scheftlein von einer Woche verurteilt. Hierauf kam die Anklage gegen Wroblewsky wegen Berufsbeleidigung zur Verhandlung. Der Vorsitzende des Ehrenrates chat dar, daß der Offizier sich in der ganzen Angelegenhett tadellos verhalten habe. Wegen der Berufsbeleidigung wurde Wroblewsky zu ein em Monat Ge- Sport. Kassel, 21. Juli. Vom Bundesfest des Deutschen Radfahrerbundes ist noch Folgendes zu berichten: Man beschloß, die B u n d e s z e i t u n g wie bisher weiter erscheinen zu lassen, der Bundesvorstand wird aber ermächtigt, je nach Jahresabschluß und Jnserateneinnahme achttäges Erscheinen festzusetzen. -Ein Antrag des Gaues 24 wurde angenommen, emeEnqudte über die Anlegung von Radfahrwegen zu veranstalten. Auf gegebene Anregung hin sprach man sich im Allgenreinen sympathisch für eine Vereinigung mit der Union aus. Ferner wurde eine Resolution angenommen, daß der Bundestag eine Vereinigung der deutschen Radsahrerverbände sowie die Einleitung von Verhandlungen, um diese berbeizuführen. für wünschenswert hätt und hofft, daß es gelinge, dies sobald als mögüch zu erreichen. — Bei den am Sonntag Nachmittag abgehaltenen Konkurrenzen im Reigen- und Kun st fahren waren folgende Resultate zu verzeichnen: Großer Achter-Niederradkunstreiaen. 1. Bicycleklub Bremen 1881, 10,6 Punkte. 2. Radfahrverein Möwe Britz, 9,8 P. 3. Radfahrverein Wetzlar 1867 6,1. P. — Sechster Hochradkunstreigen. Außer Konkurrrenz. Bicycleklub Bremen 1881. — Meisterschaft des D. R.-B. im Kunstfahren auf dem Niederrad. Schönemann-Leipzig 50,8 Punkte 1. Luders-Berlin 46,4 Punkte 2. — Meisterschaft des D. R.-B. im Kunstfahren aus dem Hochrad. Rich. Schulz-Altona 51,5 Punkte 1. Theod. Bobe-Dresden 40,8 'Punkte 2. — Zweckes Einer-Niederradkunstfahren. E. Gärtner- Weißenfels 20,1 Punkte 1. Joh. Ritzenhoff-Paderborn 18,5 Punkte 2. — Zweckes Niederradkunstfahren. Gebr. Lüders-Berlin 37,1 P. 1. H. Reher, Emil Spohler- Bremen 32,5 Punkte 2. — Einer-Einrad- kunstfahren Schulz-Altona 25,2 Punkte 1. Bobe-Dresden 24 P. 2. — Vierer-Niederradkunstfahren (außer Konkurrenz) Bicycleklub Bremen 1881. — Der Verlauf der Rennen am Montag war folgender: Meisterschaftsfahren des D. R.-B. über 1000 Meter, Albert Leopold-Hannover, Erster; 2. Mannschaftsfahren der Bundes-Gaue, Gau 7 (Hannover) Erster, Gau 9 (Frankfurt) Zweiter, außerdem beteiligten sich noch Gau 17a (Kassel) und Gau 20 (Berlin) ; 3. Niederrad-Vorgabe-Fahren, Franz B ä ß l e r - Hannover Erster, es starteten im Ganzen 21 Fahrer, wodurch sich das Rennen sehr interessant gestaltete; 4.denWand erpreis des Kaisers über 1000 Meter erhielt Kellner-Frankfurt; 5. Meister- schastssahren des D. R^-B. über 25 Kilometer, Barta-Friedenau Erster. Neueste Meldungen. Origiitaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 22. Juli. Das „Bert. Tagebl." meldet CruSi1 Paris: Die Präsidenten der sogenannten „Aetion leberale^, de Mun nnd Pion, ließen öffentliche Aufrufe cm die Manern kleben, die mit den Worten LeMmen: „Bürger! Grr! Attentat ohnegleichen ist foeben begangen worden. 250CX Schulen sind geschlossen, 15000 Kinder ans die Straße, geworfen, 5000 Lehrer nnd Lehrerinnen vertrieben und ohne Unterstützung." Der Aufruf nennt die Schließung der Schnlen dann noch ein Ve-rhrecheu gegien die Hckmanitüt und Freiheit. Ka(fei, 22. Juli. DasElettrLsche Werk H-en^el in Wah lersHau seu ist in der vergangenen Nacht völlig, niedergebrännt. Der Materialschaden ist ungeheuer. Die Beamten und Arbeiter konnten sich nur mit Mühe retten. Durch» die Zerstörung des Elektrizitätswerkes ist die Belench- tung von Wilhelmshöhe und Wahlershausen sowie die Lieferung von motorischer Kraft für die dortigen ^rgwerke unterbrochen München, 22. Juli. Nach hier eingegangenen Berichten hat die Dmrchfahrt des Königs von Ftüt- lien in Trient zu Demonstrationen Anlaß Uec geben. Der Bahnhof war ab,gesperrt, aber auf dem Platze vor dem Bahnhofe hatte sich eine große Menschenmenge, versammelt, welche bei der (Anfahrt des Königs in stür-, m i s ch e Ev v i v a--Ru f e ausbrachM. Bengalische Freuden- fener beleuchteten die Umgebung. Weder der König mchl einer der anderen Insassen des Zuges zeigten sich London, 22.'Juli. Ein furchtbarer Orkan hat in Baltimore großen Schcüxm angerichtet. 12 Personen wurden getötet. Die Schiffe auf der Rhede haben schwer gelitten London, 22. Juli. „Morning Leader" berichtet, daß/ Lord Balfour im Laufe der Parlamentsferien einen Ausflug per Automobil durch die Schweiz machen toirb. Rom, 22. Juli. Der Kardinal Ledochowski ist heute morlgen gjest ordert Wien, 22. Juli. Ein Unw etter hat in Oesterreich, Ungarn, Steiermark, Salzburg, Tirol rrnd Kärnten großen Schaden angerichtet. Viele Ortschaften stehen unter Wasser. Mehrsack) sind Verluste an Menschenleben zu beklagen Krakau, 22. Juli Die Ausstanbs-Bewegttrng' unter den ostgalizischen Landleuten dehnt sich immer mehr aus unb hat die Gegend von Tarnopol, Przemysl, Zloszow, Bobriko'und Zbarez ergriffen. Drei Sozialisten- führer wurden loegen aufreizender Reden in Arbeiter-Versammlungen in Untersuchung gezogen. Budapest, 22. Juli. Belgrader 9Leldmrgen berichten, daß eine Arnautenbande das KlosterKisoki umzingelte und unter der Drohung, das Kloster anzuzündou unfy alles nied erzumetzeln, 3000 Lire forderten Tie Summe tourbe sofort erlegt. Der serbische Gesandte hat unverzügliche energische Sch,ritte bei der Pfortc; geleitet znm Vorschein kommen. Auch der Wiederansbcm des Scrcellums, des Heckigttuns für die Feldzeichen und den Kultus der bekamckllch als Götter verehrten Kaiser, schrecket rüstig vorwärts.^ Später erfolgt dann hier und in den übrigen Räumen des Prätorunns die Aufstellung der gesamten Limesfunde, wozu der Fürst zu Wied, der Fürst zu Solms-Braunfels und private Sammler auch ältere her- trorragcnbe Fundstücke zur Verfügung gestellt haben, sodaß dort etwas zu stände kommen wird, was die Aufmerksamkeck der ganzen gebildeten Welt auf sich lenken dürfte. Kaiser Wilhelm trifft wahrscheinlich im August in Homburg em. Bis dabin werden auch die neu aufgefundenen Brunnen untersucht sein und hoffentlich wie die übrigen (57) wieder eine reiche Ausbeute an vergänglichen Sachen aus Leder und,Holz ergeben, die für die Saalburg so charakteristisch und wichtig sind. — Der Sultan soll dieser Tage dem deutschen Geschäftsträger Baron Wangenheim mitgetedt haben, daß er dem deutschen Kaiser zum Zwecke archäologischer Forschungen den auf den kaiserlichen Domänen bei Messul gelegenen B erg Kalatel Schiraat überlasse. In wissen- fchasttichen Kreisen ist man der Ansicht, daß Ausgrabungen chaselbst von höchster Wichttgkeit für die assyrische Geschichte sein werden. — Bei Fischer u. Franke in Berlin-^. 30 erscheint seck einiger Zeck die Zeitschrift Spielman«", von der uns einige Httimmcrn vorliegen. Diese Zeitschrift wird bei allen denen, die Sinn für echte Poesie besitzen, ungeteilten Beifall finden. Das Programm des „Spielmanns", nur echte Kunst zu bringen, wird getreu verfolgt. Nicht aber finden wir in diesen Heften nur die anerkannten großen Namen in der deutschen Dichtkunst, Indern sie bringen das Gute, wo es zu finden war, und manchem aufstrebenden Talent hat der Svielmann bereits im ersten Jahrgang den Weg in die Oeffentlichkeit gebahnt. Das Jnhacksverzeich- nis des ersten Jahrgangs enthält im ganzen 123 Namen; barunter fehlt kaum einer der anerkannten Poeten der Gegenwart. Daneben findet man eine große Anzahl von 9lamen, die hier entweder zum ersten Mal an die Oeffentlichkeit treten, oder doch bisher weniger bekannt waren. Die Zeitschrift kostet 2 Mk. vierteljährttch. 903,1 Mill. Kronen (18,9 Mill. Kronen mehr al§ im gleichen A-st- raum des Vorjahres). Märkte. Gießen, 22. Juli. Marktbericht. AufdemheutigenWochemnmckr kosteten: Butter pr.Pfd. 0,75—1,00 Mk., Hühnereier pr. St. 6—7 Pfg 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 11—13 Pfg., Enteneier 7—8Pfg^ Kw« pr.Stck. 5—7 Pst, Käsematte 2 Stck. 0—OPsg., Erbsen pr.Lcker lOPfg^ Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar0,70—1,00Mk„ Hühner pr. St. 1,20—1,50 Mk., Hahnen pr. Stück 0,55—1,20 Nik„ Enten pr. Stück 2,30—2,50 Mk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsensleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg^ Schweinefleisch pr. Pfimd 70—80 Pfg^ Schweurefleisch, gefallen, pr. Psmck 84 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 66—70 Pfg^ Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg^ Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,50—6/X) Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg^ Zwiebeln pr. Zentner 9/)0—10M SDiL, Milch fier Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg^ in Körben (X)—00 Trauben 00—00 Pfg. Kirschen 20—30 Psg. Dauer der Marktzeck von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeck darf nur auf den bestimmten Derkaussplätzen und nicht im Umherzieheu eilgeboten werden. Möcheotliitze llcberstP der Todesfälle in üer Ltadi Ließen. 25. Woche. Vom 15. bis 21. Juni 1902. Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Mrlltär) Sterb lichteitsziffer: 22,08, nach Abzug von 6 Ortsfremden 14,05 °/co. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr; 2.—15. Jahr Kandwittschast. ?? Grebenhain, 20. Juli. Ein hiesiger Handelsmann hat in dem benachbarten Crainfeld vor einigen Tagen einen Waggon Rindvieh, 17 Stück, aus dem badischen Oberland gekauft und hierher gebracht. Das Vieh hat in hiesiger Gegend überall Anklang gesunden, denn es ist reine Rasse (Oberbadisches Fleckvieh). ** Vom höheren Vogelsberg, 20. Juli. Äe Heuernte ist hier so ziemlich beendet. Das Heu ist gut eingebracht worden, wodurch jedoch infolge der anhaltend trockenen Witterung das Aus- setzen der Dickwurz-, Kohlraben- und Krautpflanzen verhindert wurde. Auch die Sommerfrucht, wie Hafer, Gerste zc. ist etwas kurz geblieben, hat aber durch den jetzt eingetretenen Regen noch etwas Hilfe bekommen. Die Quantität an Heu ist verhältnismäßig etwas gering. Der zwecke Schnitt Klee wird besser als der erste. Der Roggen fängt schon an zu reifen. Koblenz, 20. Juli. Heute tagte hier eine zahlreich besuchte Versammlung von Viehhändlern, die auf Veranlassung des Verbandes der Viehhändler Deutschlands, des Rheinischen Viehhändlervereins, des Linksrheinischen Viehhandlervereins und des Deutschen Viehhändlervereins einberufen war. Der Vorsitzende führte aus, daß die größten Nachteile für den Stand durch die Quarantäne-Maßregeln entstehen, welche die leidige M a u l - und Klauenseuche verursacht hat. Es müsse angestrebt werden, daß Vertreter aus dem Vichhändler-Stand zu den 93e» ratungen des Reichsgesurrdhecksamts bezw. des Landwirtschaftsrates zugezogen werden. Die Vertreter aus den verschiedenen Bezirken schildern die unhaltbaren Zustände, welche die Verordnungen zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche gezeitigt haben. Man verlangt, daß die Kosten, welche durch derartige Verordnungen entstehen, dem Staate zur Last fallen, namentlich aber, daß die Gebühren der Kreistierärzte für die angeordnete Tierschau auch vom Staate be- zghtt würden. Handel und Uerkehr. Volkswirtschaft. Köln, 21. Juli. Die Generalversammlung der Bank für Rheinland und Westfalen genehmigte einstimmig die Fusion mit der Aachener Diskonto-Gesellschast. Die Neuwieder Volköbank ist in Konkurs geraten. Sie gehört dem (Schulze-Delitzschen) Verbände der Kreditgenossenschaften von Rheinland, Westfalen, Lippe und Waldeck, bezw. dem Allgemeinen Verband der auf Seldsthitte beruhenden deutschen Erwerbsund Wirtschaftsgenossenschaften an. Die verkrachte Bank bestand erst seit 1892. Tabakbau auf dem Eichsfelde. Auf dem Eichsfelde wurden nach dem Bericht der Handelskammer im Jahre 1891 von 1346 Pflanzern 17 095 Aar ober ca. 706 Morgen mit Tabak bestellt. Im Vorjahre waren 14 625 Aar und 1899 nur 12 778 Aar mit Tabak bepflanzt worden. Demnach hat auch in diesem Jahre der Tabakbau infolge der gezahlten guten Preise wettere Fortschritte gemacht. Ein Trust für Cigarreufabrikatiou iu Amerika. Die Fabrikanten billiger Cigarren in Pensylvanien^ Ohio und West-Virginia haben sich mit Ausnahme einer einzigen Firma unter dem Namen United States Cigar Company zu einem Trust zusammengeschlossen, dessen Kapttal 7,5 Mill. Dollar beträgt Die jährliche Gesamtproduktion der vereinigten Fabriken bezifferte sich bisher auf 280 Mill. Stück Cigarren. Der Trust will feine Fabriken vergrößern und seine Produktion erhöhen. Neue Gründung in der rusfifchen Petrolenm-Judustrie. In Petersburg hat sich in diesen Tagen die „Russische Naph- ta-Jndustriegesellschaft" mtt zwei Millionen Rubel Grundkapital konstituiert Zu den Gründern gehören Fürst und Fürstin Kotschubei und die Firma A. unb G. Iwan Chludow Söhne. Wien, 2L Juli. Nach dem stattstifchen Ausweis über den Außenhandel der Btonarchie betrua im Monat Juni der Wert der Einfuhr 145,2 Mill. Kronen (12,6 Mill. Kronen mehr als im Juni des Vorjahres), der Wert der Ausfuhr 151,7 Milh Kronen (6,5 Mill. Kronen mehr als im Juni des Vorjahres). Während des ersten Halbjahres bezifferte sich die Einfuhr auf 876,2 (61 Mill. Kronen mehr gegen den gleichen Zeitraum des Vorjahres) die Ausfuhr auf ausgeführt von der 5319 Eintritt 50 Pfg. < ■ Kleines Lozis VÄTi» tooMung zu vermieten. 5296 Neuenweg 2, Hinterhaus. 5301 Schulstraße 6. 03151 Gießen, am 21. Juli 1902. 5316 Zilöbliertes Zimmer zu verm. *** Dammstraße 46, III. Ljudmigsplatz 4, III., gut möb- lierteS Zimmer mit Schreib- tisch zu permieten. 03154 Eineig in ihrer Art ist die altbewährte Christian Walienffeis, Marktplatz 17. 03160 Bleichstraße 14. 4708 Nordanlage 3. na 5313 5310 ZU verkaufen lcr.inictniu3cn (Offcnr S'tflhii WellEGelW Vtrfilnrhhlf-s MAGGI ÄUetaelnche Gut möbliertes Zimmer sofort zu vermieten. Marktplatz 6, IL /gesucht eine ruh. Dame ob. 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Während der Marktzeit findet der Verkauf des Fleisches in der Äöfa, welches bürgerlich kochen kann und alle Hausarbeit versteht. Bekanntmachung Wir bringen hierdurch zur Kenntnis, daß das Register zur Erhebung der in unserer Gemeinde ausgeschlagenen Kommunalbedürfnisie für das Jahr 1902/03 ,zur Einsicht eines jeden Interessenten acht Tage lang auf dem Büreau des Unterzeichneten offen liegt, mit dem Bemerken, daß Beschwerden gegen die im Register enthaltenen Arssätze binnen der ersten vier Wochen nach Ablauf der Offenlegungsfrist entweder schriftlich oder mündlich bei Großh. Kreisamt dahier vorgebracht werden müssen und daß später vorgebrachte Beschwerden keine Berücksichtigung mehr finden können. üntt 10 OOO Mark Teilhaber *** in ein nachweisbar rentables Geschäft zwecks Vergrößerung Zeucht. Gründung einer Gesellschaft nicht ausgeschlossen. Offert, unter 02988 an die Exped. d. Bl. 2 tiicht. WchbilckrzMcn sofort gesucht. 03144 Otto Schlierbach, Bismarckstr. 14 W. 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Die für das diesjährige Jugendfest vorgesehenen sieben Wirt- schastsplätze im Philosophenwald nebst einem an einen Konditor «wAUgebenden Platz für Verabreichung von Kaffee und Gebäck sollen auf dem Wege der Submission vergeben werden. Bedingungen und Angebotsformulare können im Knabenschul- hause an der Nordanlage, Zimmer Nr. 2, am 25. und 26. Juli, vormittags von 10 bis 11 Uhr, in Empfang genommen und der daselbst aufliegende Plan eingesehen werden, woselbst auch die Angebote abzugeben sind. Angebote nach dem 26. Juli bleiben unberücksichtigt. Gießen, den 22. Juli 1902. 5318 Der Festausschuß: __________________________ Mecum, Bürgermeister. Mines Wohnhaus 8 Zimmer, Veranda, Garten, nebst allem Zubehör, der Neuheit entsprechend eingerichtet, zu 23000 Mark sofort zu verkaufen. 1118 Näheres bei H. Wiuu, Hof- mannstraße 14. ____________ Stachelbeeren abzugeben. 2*2 Goethestraße 23, III. Auskunft ertheilas fleh Star finit ia Aatskrpnr M. Fr. 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I. und nach Anhörung der Viehbesitzer bte Simmenthaler Raffe unter Ausschluß einer weiteren Zucht» richtuna für die Stadt Gießen zur Ausführung gelangt. Wir bringen dies zur Kenntnis der Interessenten mit dem Ä, daß etwaige Anfechtungen dieses Beschlusses entsprechend schriften in Art. 120 der Städteordnung innerhalb einer Frist von 4 Wochen, von heute an gerechnet, bei Großh. Kreisamt Gießen entweder schriftlich oder zu Protokoll vorgebracht werden müssen. Gießen, den 18. Juli 1902. 5314 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Qesucht von 2 Damen Wohnung von 5—6 Zimmern, Veranda und Garten in ruhiger Lage zum 1. Oktober. Offerten unter 5305 an die Expedition b. Bl._______ Qimmer m. Kabinett ob. 2 kleinere -O Zim. m. Küche v. einz. Leuten zu mieten gesucht. Offert. rn.Preis- angobe unt. M 5066 an die Exped. Moltkestr. 2 Rimmern), per sofort oder später zu verm. Näh, das. 1 Treppe hoch. 3095 5044] Schöne 4 => Zimmermohn, m. Bodenkammer, Klosett- u. 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