Nr. 117 Zweites Blatt. 158. Jahrgang Donnerstag 83. Mai 1909 »rscher»« täglich anher Sonn tags. V«m Dtehener Anzeiger werdrn im Wechsel mit dem befftfch« taHömtrt bi« Lietzener Aamiltein bUUttr viermal in der Woche beigelegt. -kotationLdruct u. Verlag der V rü h l'sch« Unwers^Vuch- u.Vtei»- Lruckerri (Pietsch (h*ei) Riedaktion, Expedition und Druckerei: »chnlftrabe 7. Adrefl« für Deneschem Anzeiger Gieße». yernsprechanschluh Nr. 51. GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Vezn güpretA» monatlich 75 VU viertel- jährlich Mk. LLO; durch Abhole- u. Zweigstellen' monatlich 6d Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährt, ausschl. Bestellg^ Annahme von Anzeigen für die Tageönumm« biS vormittags» 10 Uhr. Zeilenpreiö; lokal 18 auswärts 20 Psg. verantwortlich: für den polit. u. allgem. keil: P. Wtttko: füi „Stadt und Vanb* und ,Ger1chtöfaatt.R.Dttt- mann; für den Anzeigenteil: Han- Beck. $H< Yeutig« Yummer umfaßt 8 Kette». Z>ie »tat Noleuvorlage Ut btm preußischen Landtag soeben Angegangen. Der Gesetzentwurf betreffend Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreuhen und Kosen lautet: Artikel L Das Gesetz, betreffend die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen, vom 26. April 1886 (Gesetzsammlung Seite 131) in der Fassung des Gesetzes vom 20. April 1898 (Gesetzsammlung Seite 68), wird wie folgt abgeändert: Der im § 1 der Staatsregierung zur Verfügung gestellte Fonds von 200 Millionen Mark wird auf 360 Millionen Mark erhöht. Artikel II. ß 1. Der Dtaatsregierung wird ein Fonds von 100 Millionen Mark zur Verfügung gestellt, um in den Provinzen Westpreußen und Posen Güter zur Verwendung als Domänen oder Grundstücke zu den Forsten an- ^en und die Kosten ihrer ersten Einrichtung zu _ ten. § 2. Zur Bereitstellung der im § 1 genannten Summe sind Schuldverschreibungen auszugeben. Mann, durch welche Stelle und in welchen Beträgen, zu welchem Zinsfüße, zu welchen Bedingungen der Kündigung und zu welchen Kursen die Schuldverschreibungen verausgabt werden sollen, bestimmt der Finanzminifter. Im übrigen kommen wegen Verwaltung und Tilgung der Anleihe die Vorschriften des Gesetzes vom 19. Dezember 1869, betreffend die Konsolidation preußischer Staatsanleihen (Gesetzsammlung Seite 1197), und Dai Gesetz vom 8. Diärz 1897, betreffend die Tilgung von * Staatsschulden (Gesetziammlung Seite 43) zur Anwendung. In der Begründung der Vorlage heißt es: Es Ist dringlich geboten, der fortgesetzt zu Ungunsten des Deutschtums srcl) vollziehenden Verschiebung des Nationalitätenverhältnisses Einhalt zu thun durch die Bereitstellung von Mitteln in solchem Umfange, daß durch die deutsche Besiedelung jener Provinzen ein ausreichendes Gegengewicht gegen das Anwachsen des polnischen Grundbesitzes geschaffen wird. Von den bisher bewilligten 200 Millionen sind noch 17 Mill, verfügbar. Gegenüber den die Zukunft des Deutschtums in den Ansiedelungsprovinzen ernstlich bedrohenden Erscheinungen hält die Regierung eine dauernde Gegenaktion für geboten. Tie Erschöpfung der Ansiedel- ungSsonds darf daher nicht abgewarret werden, vielmehr zwingen die Verhältnisse dazu, durch eine alsbaldige Auffüllung des Fonds der Regierung die Möglichkeit zu bieten, Dispositionen von langer Hand zu treffen. Tie Hauptaufgabe der Ansiedelungskommissron wird den Absichten des Gesetzes entsprechend nach wie vor die Aufteilung größerer Güter in bäuerliche Stellen bleiben. Die Staatsregieruug sieht jedoch ein ferneres bedeutsames Mittel zur Befestigung und Förderung des Deutschtums in der Erhaltung und Vermehrung des Domänenbesitzes. Gerade hier ist das Element des Großgrundbesitzes von hoher Bedeutung, weil aus chm den Staatsbehörden die Hilfskräfte zu gemeinsamer Arbeit auf dem Gebiete der Selbstverwaltung erwachsen, und weil in seiner mit der technischen Entwiaelung des landwirtschaftlichen Betriebes Schritt haltenden Wirtschaftsführung die bäuerliche Bevölkerung Anregung und Vorbilder findet. Vornehmlich gilt dies für Posen. Hier namentlich wird den Domänenpächlern die Aufgabe zufallen, in politischer, kultureller und sozialer Beziehung die Führer der deutschen Landbevölkerung zu werden. Wie zum Ankauf größerer Güter, so sollen auch zum Erwerb von Forsten die durch Art. II. bereitgestellten Fonds Verwendung finden. Zu einem wesentlichen Teile ist die Unrentabilität vieler Güter in den Ansiedelungsprovinzen auf die starke Entwaldung dieser Landstriche im letzten Jahrhundert zurückzuführen, wodurch weite Strecken unter den Pflug gekommen sind, die bei den jetzigen schwierigen Produrtionsbedtngungen als Ackerland kaum noch mit Stutzen zu verwerten sind. Diese Niederlegung der Forsten, die auch insofern schwere Schädigungen des Nationalwohls zur Folge hatte, als hierdurch der benachbarten armen Bevölkerung die Forstarbeit entzogen und so in Walddörfern geradezu, ein Notstand herbeigeführt worden ist, welcher nicht zum Wenigsten zur Abwanderung und Sachsengängerei geführt hat, dauert unter der Ungunst der heutigen landwirtschaftlichen Verhältnisse noch an. Die durch Art. II. bereitgeftellten Fonds sollen in geeigneten Fällen auch für den Ankauf von Forftgrund- stücken, insbejondere dann Verwendung finden können, wenn letztere zu Gütern gehören, die sich un übrigen zu Domänen eignen.' Es kommt außerdem in Betracht, daß auf diese Weise ein Zusammenwirten mit der Ansiedelungskommission ermöglicht wird, für die die Zugehörigkeit größerer Forstkoinplexe zu angebotenen Gütern )eiti)er eine besondere Sästvierigkeit vot, weil die Frage nach der angemessenen Verwertung der Waldungen zumeist feine befriedigende Lösung fand. Es ist aber durchaus unerwünscht, von Dem unter Umständen politisch wichtigen Erwerbe eines Gutes lediglich im Hinblick auf die zugehörigen, für Die Besiedelung außer Betracht bfewenben Waldungen Abstand nehmen zu müssen. In solchen Fällen wirD daher lünirig nach vorheriger VerstänKgung Mischen den Be- tzöroen durch ein gemeinsames Vorgehen der Ausiedelungs- kommission und der Staatsforstverwaltung das Interesse des Deutschtums eine wesentliche Förderung erfahren. • • Zu der Vorlage wird uns aus Berlin, 21. Mai, geschrieben: Die dem preußischen Landtage soeben zugegangene „Polenvorlage" entspricht inhaltlich den Ankündigungen. Allenfalls ist eine Ueberraschung, daß statt der erwarteten 200 Millionen, insgesamt 260 Millionen zur Auffüllung des Ansiedelungsfonds und zum Ankauf von Domänen gefordert werden. Das ist ja viel Geld, aber an Mitteln und an Opferwilligkeit fehlt es auch auf polnischer Seite nicht. Die Begründung der Vorlage muß zugeben, daß in den letzten fünf Jahren die deutsche Hand in den Ansiedelungsprovinzen immer noch rund 31000 Hektar, also etwa 5,5 Quadratmeilen, verloren hat. Mit neuen Dispositionsfonds ist also so ziemlich wenig gethan; die nächste Folge wird sein, daß auch die Polen ihre Aufwendungen verooppeln, einerseits, um notleidende polnische Grundbesitzer zu unterstützen und den Erwerb ihrer Güter durch die Ansiedelungstommission zu verhüten, andererseits, um deutschen GrunDbesitz aufzukaufen und in polnische Hände übergehen zu lassen. Osftziös wird darauf hingewiesen, mit diesem einen gesetzgeberischen Unternehmen sei die Zahl der Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums noch entfernt nicht erschöpf. B-arum denn aber wiro das sehr- umfangreiche antipolnische Programm, Das Graf Bülow im preußischen AbgeorDnetenhaus entrollte, nicht wenigstens zu einem größeren Teile ausgeführt? Es stanDen mehrere Monate Zeit zu Gebote, Die programmatischen Worte in Thaten umzusetzen; es konnte ebensowohl auch „ganze Arbeit" gethan werden, statt daß die Demnächstige Fortsetzung verheißen wird. Die Ungebüyrtichkeit der Polen hat einen hohen Grad erreicht, insbesondere die polnische Presse schlägt einen Ton der Herausforderung und der Unverschämtheit gegen das Deutschtum an, der ohne Beispiel ist. Was liegt da näher, als daß die Regierung sich angelegen sein läßt, die deutsche Presse in den Ostmarten aus die thatkräftigfte Weise zu fördern? Nicht minder wäre den deutschen Beamten außer der Anerkennung ihres Wirkens in jenen Bezirken eine Aufbesserung der Bezüge zu gönnen. Eine sehr interessante Stelle in Der Begrün D- ung der Polenvorlage erwähnt das Unzulängliche des Einflusses, den der Deutsche Großgrundbesitz in der Provinz Posen ausübt, „weil die Besitzer zum großen Teile außerhalb der Provinz wohnen". Die Feststellung wird Den Agrariern kaum angenehm sein, denn Ivie häufig hört man von dieser Seite Die Verdienste des GroßgrunDoesitzes um die Pflege vaterländischer Gesinnungen rühmen. In einer Provinz, wo die Entfaltung solcher Wirksamkeit außerordentlich wünschenswert wäre, zieht sich der Großgrundbesitz bescheiden zurück und erscheint nur gastweise auf den Gütern, well es sich offenbaar angenehmer anderswo leben läßt. Tie Domüiienpächter sollen nun Die Ausgabe erhalten, in politischer, kultureller und sozialer Beziehung Führer der deutschen Landbevölkerung zu werden. Aer Kaiser üöer Du Aufhebung Des AiKtatur- Karagraphen. Kürzel, 21. Mai. Heute vormittag 9 Uhr 30 Miu. traf der Kaiser mit Sonderzug hier ein. In seiner Begleitung befanden sich u .a.: Ter Chef des Zivilkabinetts, Exz. v. Lucanus, der Chef des Militärlabinetts, Graf Hülsen-Häseler uno der preußische Gesandte in Hamburg, v. Tschirschky und Bögendorff. Gleichfalls vormittags langte Der taiserl. Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg in Begleitung des Staatssekretärs v. Köller und des Geh. Regierungsrates v. Lieb en st ein hier an. Um 121/2 Uhr wurde eine Abordnung des Lau Des aus schuss es unter Führung des Präsidenten Desselben, Tr. v. Schlumberger, vom Kaiser im Schlosse in Audienz empfangen. Bei dem Empfange hielt Schlumberger nachfolgende Ansprache, die darauf auch als Adresse überreicht wurde: Allerdurchlauchtigstcr, Großmächtigster Kaiser! Allergnädigster Kaiser, König und Herr! Ten Vorstand des Landesausschusfes von Elsaß-Loth- ringen drängt es. Euerer Majestät Den ehrfurchtsvollsten und tief empfundenen Tank für die hochherzige Entschließung auszusprechen, durch welche Alleryöchstdiejelben den Kaiserlichen Statthalter von Elsaß-Dochringen zu ermächtigen geruht haben, wegen Aufhebung des § iu des Gesetzes vom 31. Tezemver 1871 mit dem Herrn Reichskanzler in Verbindung zu treten. Diese Allerhöchste Botschaft hat in unseren Herzen die freudigste Bewegung hervorgerusen und , rohen Wiederhall gefunden. Dankbar schlagen Die Herzen Der Elsaß-Lothringer Euerer Majestät für das dem Lande geschenkte Vertrauen entgegen. Euere Majestät dürfen überzeugt sein, daß unsere loyale Bevölkerung diesen Beweis Allerhöchsten Wohlwollens zu würdigen und zu rechtfertigen wissen wird. Tie Gefühle Der Sympathie und Verehrung, welche unsere Bevölkerung Euerer Majestät imigegv.ibringt, können durch diesen Vertraueiisbeweis nur wachsen, wie auch das Band, das Elsaß-Lothringen mit Dem Reiche oerbinöet, dadurch immer enger und fester geschlossen werden wird. Wir alle flehen zu Gott, daß der Akt hoher Staatsweisheit Euerer Majestät dem Reiche und unserem Vaterlande zum Segen gereichen möge. Der Kaiser antwortete etwa folgendes: Meine Herren! Ich heiße Sie mir Freuden bei Mir am heutigen Tage willkommen. Die Aufhebung des Diktatur-Paragraphen i& ein langjähriger Wunsch der Levölkerung des Reichslaudes gewesen. Ich fand denselben vor, als Ick) den Thron bestieg. Daß Ich diesem Wunsch nicht sofort in Den ersten Jahren Meiner Regierung stattgegeben habe, beruht auf zwei Gründen. Änmal mußte Ich erst die Liebe und Treue Meiner Unterthanen gewinnen und das verständnisvolle Vertrauen Meiner Kollegen, der Bundesfürsten, Mir erwerben. Zum Anderen begegnete Mir das Ausland bei Meinem Regierungsantritt mit tiefem, wenn auch unbegründetem Mißtrauen, da es voraussetzte, daß Ich nach dem Lorbeer kriegerischer Erfolge strebe. Demgegenüber war es Meine Aufgabe, das Ausland zu überzeugen, daß der neue deutsche Kaiser und das Reich ihre Straft der Erhaltung des Friedens zu widmen gewillt seien. Diese Aufgaben bedurften einer großen Spanne Zeit zu ihrer Verwirklichung. Das deutsche Volk weiß nun, welche Wege I ch zu seinem Heil zu wandeln entschlossen bin. Seine Fürst en stehen Mir treu zur Seite mit Rat und That. Das Ausland, weit davon entfernt, in uns eine Bedrohung des Friedens zu erblicken, ist gewohnt, mit uns als einem felsenfesten Hort des Friedens zu rechnen. Nachdem nunmehr das Reich im Innern befestigt und nach Außen eine liberal! geachtete, Stellung erlangt hat, erachte Ich im Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts den Augenblick für gekommen, in welchem Ich der Bevölkerung des Reichslandes diesen Beweis Meines Kaiserlichen Wohlwollens und Vertrauens zu geben im stände bin. Der Entschluß wird Mir um so leichter, als im Laufe Meiner Regierung die Beziehungen zwischen Den Elsaß-Lothringern und Mir sich immer intimer gestaltet, und der Empfang seitens der Bevölkerung immer wärmer geworden ist. Nehmen Sie, Meine Herren, nochmals Meinen innigsten Dank für die loyale Haltung des Reichslandes entgegen, auf die Ich unbedingt baue. Der Wunsch, mit Dem Ihre Adresse schließt, wird, so hoffe Ich bestimmt, mit Gottes Hilfe, für uns beide in Erfüllung gehen. Um 1 Uhr fand Frühstücks täfel statt, an der auch die Herren der Deputation Der Landesausschuß-Mitglieder teilnahmen. Der Kaiser saß zwischen Dem Grasen Häseler und dem Staatssekretär v. Köller. Ihm gegenüber saß Der Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg, zwischen Staatsrat Dr. v. Schlumberger und dem Grafen v. Zeppelin. Nach der Tafel unterhielt sich der Kaiser fast eine Stunde lang mit den Anwesenden, ganz besonders mit den Mitgliedern des Landcsausschusses. Während der Unterhaltung teilte er Dr. v. Schlumberger mit, daß er ihn zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Titel Exzellenz ernannt habe. Um 3 Uhr 58 Mm. fuhren Der Statthalter Fürst zu Hohenlohe- Langenburg, Gras Häseler und Staatssekretär u. Köller, sowie die Mitglieder des Landesausschusses nach Metz zurück. Hier unternahm der Statthalter eine ein stündige Fahrt durch die Stadt, um die Einebnungsarbeiten zu besichtigen, und begab sich um 5 Uhr 55 Min. nach Straßburg zurück. Deutsches Mich. Berlin, 21. Mai. Prinz Heinrich hat nochmals Gelegenheit genommen. Dem amerikanischen Volke seinen Tank für den enthusiastischen Empfang auszusprechen, den er auf seiner Reise gesunden hat. Tie numismatische archäologische Gesellschaft zu Newyork, welche eine goldene Medaille gestiftet und an den Prinzen Heinrich gesandt hatte, erhielt aus Kiel ein Schreiben des Prinzen, in welchem er seinen Tank ausspricht; er sei hocherfreut von aller ihm von dem amerikanischen Volke erwiesenen Freundlichkeit und könne nur von neuem seinen herzlichsten Tsont aussvrechen, dieses Mal der ausgezeichneten Gesellschaft, welche die vorzüglich ausgeführte Medaille zur Erinnerung an seinen Besuch in Amerika prägen ließ. — Tie Nachrichten von der Krankheit des Reichsbank- präsidenten Tr. Koch waren übertrieben. Er ist hier wieder eingetroffen und hat seine Amtsgeschäfte heute übernommen. — Landrat v. Alten in Schleswig, dessen Wahl zum Abgeordnetenhaus bekanntlich wegen unzulä^iger Wahl-Beeinflussungen für ungiltig erklärt worden ist, wurde plötzlich, beurlaubt. x — Tie nächste Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses wurde auf den 27. SERai anberaumt. Auf der Tagesordnung steht die sogenannte Polenvorlage. — Ter Ausschuß der internationalen Kommission für wissens chaftliche Luftschifsahrt veranstaltete für die zur dritten Tagung hier anwesenden Mitglieder und eine Anzahl Ehrengäste heute abend ein Festmahl im Zoologischen Garten. Prinz Friedrich Heinrich und Minister Tr. Stndt wohnten Dem Festmahl bei. Ter Prinz brachte einen Kaisertoast aus. Rikatschew-Petersburg dankte namens der auswärtigen delegierten für den ihnen in Berlin zuteil gewordenen Empfang und brachte em Hoch auf den Prinzen aus. Minister ■ r. Skudt hieß die auswärtigen Vertreter willkommen. Graf v. Zeppelin widmete sein Glas den Vertretern der Wissenschaft. — Nach den „Berl. Neuest. Nachr." schweben Verhandlungen zwilchen der preußischen Regierung und dem bremischen Staat wegen Der Abtretung von etwa vierhundert Hektar preußischen Gebiets, Die hauptsächlich zur Erweiterung der Bremer Hafenanlagen dienen sollen. Essen a. d. Ruhr, 21. Mai. Heute mittag wurde das. Tienstgebäude des Berg da ü Vereins aus Anlaß der Generalversammlung des Vereins eingeweiht. Anwesend waren der Handelsminister, sowie die Vertreter der Eisen- 5'afittbtreffioit, Les Obervergamtsbezirks und anderer Staats- schluß Waldeck-Rousieaus, noch und Stadtbehörden. Nach der Eröffnungsansprache des Ge- Kammer zurückzutreten, gerade Die vulkanische Katastrophe. schluß Waldeck-Rousieaus, noch vor der Berufung der neuen “- ‘ ' >, in dem Augenblicke in die richtet. Nicht nur, daß der Sousfriöre wiederum aus gebrochen ist unDi Falles mit Asche zwei Fuß hoch bis sechs Meilen von Kingstown bedeckt, selbst ein neuer Vulkan, Bonhomme, unweit Kingstown, hat sich ausgethan, der Rauch ausstüßt. Zur ßinweihurrg des Nurschenschaftsdenkrnals in ßisenach. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") II. öffentliche Diskussion geworfen wird, wo der Präsident der Republik in Rußland eintraf. Die reaktionäre Presse erblickt in der Demission natürlich eine Flucht, welche der Furcht vor einer Niederlage in der Kammer entspreche. Die republikanische Presse erkennt die Motive Waldeck-Rousieaus an, bedauert aber, daß die Parteien in der neuen Kammer keine Gelegenheit zu einer großen, die Situation klärenden Debatte inden sollen, bevor der Präsident der Republik das neue Ministerium ernennt. Die „Petite RepubliqUe" befürchtet, daß die Linke durch irgend einen Kompromiß mit den Gemäßigten um ihre Wahlerfolge betrogen werden könnte. politische Tagesschau. Waldeck.Rouffeau's Rücktritt. Der bevorstehende Rücktritt des französischen Ministerpräsidenten Wal d c ck- Roussc au hat m Berliner politischen Kreisen überrascht. Man ist der Meinung, daß die Notwendigkeit der Neubildung des Kabinetts den Präsidenten Lo ub et vor eine schwere Aufgabe stellt, denn nichts könne die durch die Wahlen geschaffene günstige politische Situation schneller in das Gegenteil verwandeln, als Mißgriffe in der Berufung neuer Männer. Nach den letzten Pariser Meldungen darf cs feststehend gelten, daß das künftige Kabinett keinen sozialistischen Minister auf- weisen wird; der bisherige Handelsministcr Millerand nimmt kein Portefeuille mehr an. Darnach werden die neuen Staatsmänner mit der Gegnerschaft der sozialistischen Kammergruppe zu rechnen haben. Solche ist unausbleiblich, wenn ein Republikaner der Meline'scheu Richtung in's Kabinett berufen werden sollte. Als für den Posten des Ministerpräsidenten in Betracht kommend, nennt man den bekannten radikalen Politiker Bourgeois und den früheren Gouverneur von Jndochina, Doumer. Eine unlängst an dieser Stelle zum Abdruck gebrachte Pariser Korrespondenz sagte dem letzteren gleichfalls eine politische Zukunft voraus. Um das Amt des leitenden Staatsmannes zu übernehmen, dazu ist Herr Doumer aber wohl nicht hinreichend in die Politik eingelebt; er würde allenfalls einen tüchtigen Ressortminister, etwa im Kolonial- oder Auswärtigen Amt, ab- geben. In der Pariser Presse hat die Ankündigung der De- misfion des Biinisteriums Waldeck - Rousseau alle anderen Betrachtungen in den Hintergrund gedrängt, und nicht mi Unrecht wundert sich die „Laterne". daß der plötzliche Ent- heimrats Jcncke sprach der Han d e lsmin i st er. Er forderte den Verein auf, fortzuschreiten in der Verfolgung der wirtschaftlichen und sozialpolitischen Ziele, insbesondere mitzuarbeiten am Ausbau der nationalen Wasserstraßen. Aus Stadt und Sand. Gießen, 22. Mai 1902. •* ZurFerienorduung an den hiesigen höheren Schulen. Wie der Mehrzahl unserer Leser bekannt sein wird, ist im Februar dieses Jahres eine mit zahlreichen Unterschriften von Familien- vorständen der verschiedensten Kreise Gießens versehene Eingabe an das Großh. Ministerium des Innern gerichtet worden wegen Festlegung der Hcrbstferien an den höheren Schulen (Gymnasium, Realgymnasium und höhere Töchterschule) Gießens, und zwar in dem Sinne, daß deren Beginn ungefähr mit dem Beginn der Unioersitätsferien zusammengelegt werden möge. Mit Rücksicht darauf, daß es wünschenswert ist, die drei Schulzeitterziale in ihrer Dauer möglichst gleich zu gestalten, war dabei der Vorschlag gemacht worden, die Herbstferien von fünf auf sechs Wochen zu verlängern und, wenn es nötig schiene, dafür die Osterferien von drei auf zwei Wochen abzukürzen. Vor einigen Tagen ging an einen der Unterzeichner der Eingabe die Antwort ein: „Die Regierung fei nicht in der Lage, bereits, wie gewünscht, in diesem Jahre eine Zahlreicher denn je haben in diesen Tagen aus allen Gauen Deutschlands die Burschenschafter wieder Einzug gehalten in der Wartburgstadt, und trotz des ungünstigen Wetters flutet in den mit Fahnen festlich geschmückten Straßen reges Leben und Treiben aus und ab. Eine geschmackvolle Ehrenpforte am Bahnhof entbietet den Ankommenden den Willkommengruß der Stadt. Ein Stüde n t e n s e st wollen sie feiern, das den Mick zurückschweifeu ÄßL nach jenen ewig denkwürdigen Oktobertagen 1817 und und der 50jährigen Erinnerungsfeier 1867. Ihr Kommen gilt der Weihe des Denkmals, welches dankbare Liebe den Männern errichtet hat, feieren Denken, Thun und Handeln den alten Traum der Burschenschaften und ihre patriotischen Ziele in ungeahnter Herrlichkeit erfüllte. Die aus Anlaß Keser Feier in Aussicht genommenen Fe st l i ch k e i t ens nahmen heute abend int großen Saale des Kurhauses „Fürstenhof" ihren offiziellen Anfang. Alle beut»! scheu Universitäten und 60 einzelne Burschenschaften, sowie die österreichischen Burschenschaften (L. D. C.) und die Burschenschaften der deutschen technischen Hochschulen (R. D. C.) haben Vertreter zum Feste geschickt. Dazu kommen noch mehrere Hunderte alter Herren, welche arößtenteils in Begleitung ihrer Damen erschienen sind, sodaß der geräumige Saal, der über 2000 Personen faßt, mit all den anschließenden Nebenräumen bis auf den letzten Platz ge- üllt war. Es mochten wohl allein gegen 2000 aktive Burschenschafter und alte Herren zugegen sein. Neben den jugendfrischen Gestalten im lockigen Haar sah man gereifte Männer und hochbetagte Semester in großer Zahl, und es entwickelte sich bald ein lebhafter Meinungsaustausch, der oft nur schwer zu dämpfen war. Der Orchesterraum war mit Lorbeerbäumen und Blattpflanzen und den Büsten des Kaisers und Großherzogs, sowie den Fahnen der vertretenen Burschenschaften geschmückt. .Von der Galerie herab grüßte das treu gehütete alte Burschenschaftskleinod, die rot-schwarzrote Burschenschaftsfahne mit dem goldenen Ehrenzweig. Tie Festversammlung, die durch den Gesang des Festliedes: „Willkommen hier, vielliebe Brüder" eingeleitet wurde, begrüßte Medizinalrat Dr. Wedemann- Eisenach. Darauf folgte die Verlesung einer endlosen Zahl eingegangener Zuschriften und Telegramme. Kaiser Wilhelm ließ durch Den weiwarischen Ge-q sandten, Grafen R a t i b o r, unter dem Ausdruck des Dankes sein Bedauern aussprechen, an dem Feste nicht teilnehmen zu können. Der Gr o ßh erzo g von Sach sen-Weimar ließ durch den Freiherrn v. Eglofs stein erklären, daß er ebenfalls zu seinem lebhaften Bedauern verhindert sei, der Einladung Folge zu leisten, und ließ den „Ausdruch der herzlichsten Teilnahme an dieser bedeu-, tun gsv ollen vaterländischen Feier überM mittel n". Ein verbindliches Schreiben war ferner vom Reichskanzler Grasen Bülow eingelaufeu. Graf Bülow schrieb: c . „Da ich die nationalen Bestrebungen der deutschen Burschenschaft mit reger Anteilnahme verfolge, hat es mich lebhaft interessiert, aus der von dem Burschenschafts-' denkmalverein herausgegebenen Festschrift Näheres üben die Geschichte, die Idee, die äußere sowie innere Gestalt, des Denkmals und die Beziehungen Weiland Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Karl Alexander von Sachsen dazu ersehen zu können." Ein sehr herzliches Schreiben sandte der Großh. Staatsrat aus dem weimarischen Ministerium Dr. Hunnius: ,Empfangen Sie freundlichst die besten Wünsche für bas Zeichen der Kraft und Dankbarkeit der Burschenschaft und genehmigen Sie die Versicherung, daß es mir eine große Freude ist, das BurschenschnftÄdenkmal in der Stadt erwachsen zu fühlen, in der sich von jeher das nationale Gefühl und die Vaterlandsliebe der Burschenschafter be- thätigt haben. Möge die treueste Liebe zum Vaterlande, die Treue bis zum Tode, die 1870/71 so viele Burschenschafter bewährt hoben, der Leitstern sein und bleiben, dem das Banner der deutschen Burschenschaft folgt!" Von den zahlreichen anderen Telegrammen, Die zur Verlesung kamen, und unter denen noch die des Fürste« Pismarck-Schönhausen, Grafen Moltke und Grafen Roon erwähnt seien, wurden mit ganz besonderem Beifall aufgenommen die der alten Burschenschafter Hermannstadts (Siebenbürgen), der Arminia Czernowitz, des Abg. Lutz- Koroni, des ReichpArats und Abg. Hauck-Wien, der Stirio- Graz, der Albia-Wien, der alten Burschenschafter aus Ludwigshafen, Lindau und Zürich, des 14. deutschen Durn- kreises Sachsen rc. , ±r, „ Die zum erftenmole zu einem deutschen Burschen- schaftsfest erfolgte größere Beteiligung oster-, r e i ch i s ch e r B u r s ch e n s ch a f t e r — es sind derer gegen 30 vertreten — wurde überall freudig begrüßt und verleiht den denkwürdigen Tagen zweifellos eine gewisse p o li- tische Bedeutung, die gerade in heutiger Zeit beacht tenswert ist. Der Empfangsabend, der durch Konzertvor-, träge und allgemeine Gesänge ausgefüllt wurde, nahm den schönsten Verlauf und zeigte ein büntbewegtes Bckd echt studentischen Lebens und Treibens. Erwähllenswert durfte noch die Mitteilung sein, daß der Konvent heute beschlossen hat, den Verband nicht mehr A D. C., solidem „Deutsche Burschenschaft" zu nennen. Die Denk- malweihe findet morgen 2 Uhr statt. Es scheint fast, als ob die ganze un glückliche Insel Martinique dem Untergang g e w e i h t sein solle. Nach der Vernichtung von St. Pierre traten Tage einer gewissen Ruhe ein, und man glaubte schon, die schreckliche Katastrophe habe ihr Ende erreicht. Ta kamen vor- g.stern, erst vereinzelt, Nachrichten, in denen zunächst noch unklar angedeutet wurde, daß die vulkanische T hä t igle i t v o n neuem auf der unglücklichen Insel begonnen habe. Jene ersten Mitteilungen werden jetzt nur allzusehr bestätigt. Auf dem Mont Pelee öffneten sich neue Krater, Basse Pointe wurde, wie schon mitgeteilt, zum Teil zerstört; das Meer tobte, wiederum erfüllte ein Regen von Asche und Steinen die Luft, unfe jetzt Hot die verheerende Wolke ihren Weg nach Fort de France, der Hauptstadt der Insel Martinique, genommen, Entsetzen und Todesangst unter bi er Bevölkerung verbreitend. Wir haben bereits gestern von diesen neuen Ausbrüchen des Mont Pelee, die noch viel schlimmer sein sollen als .die ersten, berichtet. Unter Der Bevölkerung ist die größte P a n i k ausgebrvchen. Alles sucht nach Fort de France zu» flüchten. Nach den letzten Trohtmeldungen wurden Steine, die mehrere Fuß 'im Durchmesser hatten, hoch in die Lüfte geschleudert und fielen in Rotglühhitze in der Umgegend von St. Pierre, sowie manche kleinere Steine in Fort de France nieder. Das Trinkwasser auf der Insel ist nunmehr ungenießbar, da es heiß ist und schlecht schmeckt. Auch von einer Springflut wird berichtet, sodaß manche Schiffe schnellstens den Hafen verließen. Die ganze Insel soll Stunden lang geschwankt haben. Ter Kapitän des Kreuzers „Suchet", auf dem sich, wie gemeldet, der stellvertretende Gouverneur, Senator Knight, nach der neuen Unglücksstelle begeben hat, telegraphiert aus Fort de France, baß auch gestern früh wieder ein Stein- regen auf d i e Stadt nieder ging, der eine neue Panik veranlaßte. Aus dem zunächst betroffenen Carbet und den benachbarten Orten brachte der Dampfer 240 Personen nach der Hauptstadt. Doch ist nach Ansicht des Gouverneurs die Existenz von Fort be France zwar zunächst noch nicht gefährdet. Aber trotzdem nimmt die Panik auch in Fort de France immer mehr zu, und die Bewohner strömen scharenweise noch den im Hofen liegenden Schiffen, die bereits sämtlich mit Geängstigten gefüllt sind, die unter allen Umständen Martinique verlassen moften. Auch von St. B i n c e n t, der Nachbarinsel Martiniques, wird aus St. Lucia über eine n e u e K a t a st r o p h e be- Ausland. London, 21. Mai. Der Bericht des zur Prüfung der Bestimmungen über die Offiziersausbildung eingesetzten Ausschusses verurteilt das gesamte bisher übliche System des militärischen Er - ziehungswesens, welches einer völligen Umbildung unterzogen werden müßte. Es sollen, wie vorgeschla- gen wird, künftig in jedem Jähr fünfzig Offizierspatente an Studenten aus den englischen Kolonien vergeben werden, um sie zur Einschlagung der Offizierslaufbahn zu ermutigen. Ferner mühte es den Kadetten, welche einen Zuschuß von 200 Pfund jährlich haben, möglich sein, bei bö Kavallerie einzutreten. Dann solle ein Generalinspekteur für das militärische Erziehungswesen ernannt werden, dessen erste Pflicht es sein würde, die militärischen Jn- struktionsbücher zu revidieren, soweit sie zu tadeln sind. Polot-Touruiere zwischen den verschiedenen Regimentern sollen verboten werden, ebenso die Ditte der Regimenter, Regiments kutschen und Hundemeuten zu halten. Antwerpen, 21. Mai. Die „Metropole" schreibt: Wir sind aus authentischer Quelle zu der Erklärung ermächtigt, daß die aus Brüssel an den „Standard" übersandte Nachricht vollkommen falsch ist, wonach die belgische Regierung auf eine Ablehnung der Zuckerkonvention seitens der Parlamente mehrerer Länder gefaßt zu sein scheine, und daß die Möglichkeit der Em- berufung einer neuen Konferenz vorliege, ferner, daß neuerliche diplomatische Verhandlungen zwischen den Kabinetten eingeleitet seien, um die Konvention abzuändern. Nom, 21. Mai. Deputiert en kämme r. Bei Beratung der berichtigten Budgets des Finanzjahres 1901—1902 spricht der Schatzminister Dr. Broglio seine Freude darüber aus, daß er mit sämtlichen Rednern im Einvernehmen über die Finanzlage sei. Der Minister führt aus, das Betriebsjahr werde mit einem Aktivüberschuh von über 13 Millionen abschließen. Newyork, 21. Mai. In der Harvard Universität sind die vom Kaiser Wilhelm geschenkten und vom Prinzen Heinrich überreichten Photographien gestohlen worden. — Die „Newyorker Staatszeitung" erhielt die Meldung, daß der neue amerikanische Marineattache Potts dem deutschen Kaiser höchst u n s y m p a t i s ch sei und er die persönliche Vorstellung hin ausschieb en werde, weil Potts in der Schley-Affaire gegen Schley gewesen sei. Diese Meldung befremdet hier, da die Schley-Affaire lediglich als eine innere amerikanische Sache betrachtet wird. — Der deutsche Burenkrieger Baron Kahn ach schwamm zweieinhalb Stunden von Burts Island nach Bermuda, wo er jedoch nicht verborgen bleiben konnte und sich daher den englischen Behörden wieder stellte. Washington, 20. Mai. Das Deutsche Reich hat Die Vereinigten Staaten ersucht, ihre Dienstschiffe am Isthmus von Panama anzuweisen, die deutschen Re ichs an gehörig en während der dortigen Unruhen zu schützen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat sich sofort dazu bereit erklärt und entsprechende Weisungen an Den Kommandanten des bei Boca de Toro ankernden Kanonenboots „Machvas" gekabelt. — Präsident Loubet richtete gestern von Kronstadt aus an den Präsidenten Roosevelt ein Telegramm, in dem er ihm die aufrichtigsten Glückwünsche anläßlich der Proklamierung Kubas als Republik unter der mächtigen Aegide der Vereinigten Staaten ausspricht, und den besten Wünschen für die junge Republik Ausdruck giebt. Pretoria, 21. Mai. Sechs von der Konferenz in Vereeniging gewählte Delegierte, darunter Mitglieder der beiden Negierungen, nebst Telarey, De Wet , und acht Sekretären sind am Sonntag angekommen; sie wohnen in einem Gebäude neben dem Hause Kitcheners und Milners, die gestern eintrafen. Peking, 20. Mai. (Reuter.) Die Gesandten beschlossen, die auf die Entschädigungssumme eingegangenen Teilzahlungen vorläufig zu verteilen und beschlossen ferner, den Bankierausschuß auszuforderu, dem Toatai von Shanghai mitzuteilen, daß seine Ansicht, die Entschädigungssumme sei in Silber zahlbar, unhaltbar sei. Der Generaliuspektor der Zölle, Robert Hart, trat der Ansicht bei. Die Bankiers ersuchten kürzlich den Toatai, sie davon zu benachrichtigen, welchen Fortschritt die Einziehung der Entschädigungssumme mache. Präsident «^orröet in Rußland. Petersburg, 21. Mai. Nach der Ankunft des Präsidenten Loubet und des Zaren in Kraßnoje Sselo fand eine Parade statt. Tor auf nahmen die Herrschaften im Kaiserzelt das Früh- tück ein, bei dem der Kaiser folgenden Drin ksprach ausbrachte: t . „Herr Präsident! Meine Truppen, Deren Vorbeimarsch Sie soeben gesehen haben, sind glücklich, Daß sie ihre Ehrenbezeugungen Dem hochgeachteten Haupt Des befreundeten und verbündeten Staates haben erweisen können. Tie lebhaften Sympathien, welche das russische Heer der schönen französischen Armee gegenüber beseelen, sind Ihnen bekannt. Sie bilden eine wirkliche Waffenbrüderschaft, welche wir mit umso größerer Befriedigung konstatieren, als diese gewaltige Macht keineswegs die Bestimmung hat, aggressive Absichten zu unterstützen, sondern ganz im Gegenteil, Die Au f r e ch t e r h a l t u n g Des allgemeinen FrieDens zu sichern unD Die Achtung vor Den erhabenen Grundsätzen sicher zu stellen, welche Die Wohlfahrt Der Volker sichern unD ihrem Fortschritt Dienen. Ich erhebe mein Glas auf das Gedeihen und Den Ruhm Des tapferen französischen Heeres." Präsident Loubet erwiderte sofort: „Sire! Ich danke Ew. Majestät dafür, daß Sie mir das lebhafte Vergnügen bereitet haben, diese schonen Truppen bewundern zu dürfen, deren stolze, kriegerische Haltung und graziöse Bewegungen beweisen, daß die russische Armee durch unaufhörliche Fortschritte tapfer ihren hohen Ruf aufrecht erhält. Ebenso, wie gemeinsame Sympathien und höhere Interessen Die beiDen Völker vereinigt haben, so schaffen eDle WaffenbrüDerschaft unD gegenseitige Achtung ein engeres Band zwischen Den beiDen Heeren. Diese gew altige Macht ist für nicmanD e ine Drohung. RußlanD unD Frankreich Dürfen Darin aber zu gleicher Zeit eine Garantie für Die Ausübung ihrer Rechte unD eine Schutzwehr sehen, unter Der sie in aller Ruhe fruchtbarer Arbeit nachgehen können, Die ihren WohlstanD mehren unD DaDurch ihre Macht unD ihren legitimen Einfluß erhöhen wirD. Im Nomen Der französischen Armee, welche Die Ehre nicht vergessen hat. Die Eure Majestät ihr DaDurch erwiesen haben, Daß Sie ihren Ma- nöüern beiwohnten, trinke ich auf Dos GeDeihen unD Den Ruhm Der tapferen russischen Armee." V * Petersburg, 21. Mai. ImRathause fanD gestern zu Ehren Der französischen Marineoffizier e ein- Rout mit Konzert statt. Dem Feste wohnten Admiral Rou- stonD, Der Verweser Des Marineministeriums VizeoDmiral Tyrtow unD Botschafter Montebello bei. Bürgermeister Lel- janow brachte einen Trink sprach auf PräsiDent Loubet, Die ronzösische Flotte unD Die Gäste aus. — In ODessa beschloß Die StaDtverorDnetenversammlillig, eine Strafe zur Erinnerung an Den Besuch Loubets BoulevarD de France zu benennen. Aenderung bet Ferienordnuug herbeizuf ührery sei aber nicht abgeneigt, für das nächste Jahr eine solche zu verfügen, und zwar nach dem Willen der Gesuchsteller, sofern sich auf Umfrage die Mehrheit der davon berührten Familien damit eiiwerstanden erklärt.* Dabei sei eS „selbstverständliche, daß „eine Verkürzung der Osterferien von 3 auf 2'/, Wochen und der Pfingst- ferien von 1 auf V, Woche" eintreten müsse. Warum nicht, wie in der Eingabe angedeutet wurde, unter Beibehaltung der Iwöchigen Psingstferien die Osterferien um eine ganze Woche gekürzt werden können, wird nicht ausgeführt. Vorstehende Mitteilungen mögen den Unterzeichnern der Eingabe einstweilen zur Kenntnis dienen. — Ferienkurse au der Universität Marburg. Die diesjährigen Ferienkurse mit Vorlesungen und Hebungen in deutscher, französischer und englischer Sprache sinden in der Zelt vom k. bis 26. Juli und vom 3. bis 23. August statt. Deutsche Vorlesungen halten Prof. Bühmel, Prof. Dr. Bonhoff, Pros. Dr. Lollin, Prof. Dr. Elster, Göttmann, Berlin, Prof. Dr. Gundlach, Dr. Helm, Dr. Knabe, Direktor der Oberrealschule Marburg, Dr. Schmidt, Dr. Schulze, Dr. See Haussen, Direktor der höh. Töchterschule Marburg; in französischer Sprache Prof. Dr. Chamard aus Lille, Prof. Dr. Dimier aus Valen- ciennes, Prof. Dr. Malapert aus Paris, Lector Dr. Scharff (Marburg); in englischer Sprache Prof. Grisfin aus London, Rcv. Fripp, AL A. aus Mansfield und Lector Dalrymple, M. A. (Marburg). Ausführliche Prospekte werden auf Verlangen vom Sekretariat der Marburger Ferienkurse, A. Cocker, Villa Cranston, Marburg a. d. Lghn unentgeltlich versandt. Ferner werden Vorttäge halten Dr. Diemar und Prof. Pr. Thumb. w. Geilshausen, 20. Mai. Der Jagdpächter F. Haag von Frankfurt erlegte gestern abend emen kapitalen Zwölfender. Das Gewech ist so prachtvoll, daß es der glückliche Schütze auf die Geweihausstellung in Berlin schicken will. 1c. Homburg v. d. H., 21. Mai. In Ritters Parkhotel wurde für die 3. Juliwoche für König Eduard von England Quartier bestellt. — Der Inhaber der Adler-Drogerie, Schwarz, hat sich heute Morgen erhängt. Er war noch nicht 30 Jahre alt. Unglückliche Geschäftsverhältnisse sollen ihn zum Selbstmord getrieben haben. Wiesbaden, 21. Mai. Der Oberprokurator des „Heiligen Russischen Synod", Powjedonoßzew, der seit einigen Tagen hier zum Kurgebrauch roeilte, hat dem „Wiesb. Tgbl." zufolge seinen auf mehrere Wochen berechneten hiesigen Aufenthalt abgebrochen und ist bereits heute Vorniittag direkt nach Petersburg zurück g er ei ft Er wird, wie das genannte Blatt hört, auch auf der Reise von einem Geheimschutzmann begleitet. Vermischtes. — Hochwasser. Die Nachrichten über Hochwaffer- gefahren mehren sich. Aus Mainz wird vom 21. ds. gemeldet, daß der Rhein noch fortwährend wächst. Das Wasserbauamt erhielt folgende offizielle Mitteilung: Maxau gestern 640, heute 690, steigt. Mannheim gestern 607, heute 646, langsam steigend. Worms gestern 322, heute 361, steigt. Ein Privattelegramm aus Mainz teilt uns mit, daß der Rhein dort stellenweise heute aus den Ufern getreten ist und noch steigt. Ebenso wird aus Köln berichtet, daß im gesamten Oberrheingebiet Hochwasser herrscht. Die Kölner Pegelhöhe ist seit gestern um 1,25 Meter gestiegen. Die hochgehende Ruhr verursachte Störungen' im Schleppverkehr. Köln meldet 5 Mir., .Düsseldorf 4,40, Ruhrort 3,98 __ Auch die Mosel steigt bei Koblenz stündlich um 6 Ctm. Amtlich wird weiter gemeldet: Obe'rmosel und Saar stark steigend. — In verschiedenen Orten der Rhein- und Kinziggegend in.Baden ist durch daS Hochwasier bereits bedeutender Schaden verursacht; insbesondere im Amtsbezirk Rastatt, sowie im Amt Kehl sind die durch die Ueberflutungen angerichteten Schädigungen erheblicher Art. In Griesheim, Amt Offenburg, mußte die Wasserwehr alarmiert werden. — Richt weniger beängstigend lauten die Nachrichten aus Oester- freich. lieber Budapest ging gestern Nachmittag ein ürchterliches Unwetter mit starkem Hagelschlag nieder. Die Keller m den meisten Häusern sind überschwemmt. — Auch die Lahn führt seit einigen Tagen sehr viel Waffer und beginnt, an flachen Stellen aus den Ufern zu treten. ♦ Von dem jüngst verstorbenen russischen Schriftsteller Uspenski erzählt ein Petersburger Blatt folgende Anekdote: Auf einer akademischen Ausstellung befand sich em Bild Uspenski's, von der Meisterhand Kramskoi's gemalt. Ein Freund beredete Uskenski, diese Gemäldeausstellung mit ihm zu besuchen. Uspenski war ein Feind allen Gedränges und Ausstellungen interessierten ihn nicht. Als er durch das Zimmer ging, wo sein Bildnis hing, hielt ihn plötzlich ein korpulenter Herr an, der eine dicke goldene Uhrkette trug, an der ein mit großen Brillanten besetztes Jeton hmg. „Wie freue ich mich, Sie zu sehen!" rief der Dicke laut und schüttelte dem erstaunten Schriftsteller kräftig die Hand. „Freut mich sehr.... Ich habe soeben ihr Porträt gekauft. Ein sehr wertvolles Porträt". — „Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, mein Porträt zu kaufen?" fragte chn Gljeb Iwanowitsch. — „Ich bin ein großer Verehrer Ihrer Werke", erwiderte der dicke Herr, drückte Uspenski nochmals die Hand und ging in den nächsten Saal. „Uspenski fragte seinen Begleiter nach dem Namen des sonderbaren Herrn und erfuhr, daß es ein bekannter Mäcen, der Schnapsfabrikant S. war. Er eilte sofort dem Dicken nach und fragte ihn: „Bitte, sagen Sic mir doch, wo ich Ihr Bild laufen kann?" — „Mein Bild?" meinte verwundert und sichtlich geschmeichelt Herr S. — „Ja, wenn auch nur Ihre Photographie." — „Wie kommen Sie denn auf die Idee, mein Bild zu kaufen?" fragte der Schnapsfabrikant. — „Ich bin ebenfalls ein großer Verehrer Ihrer Werke", antwortete Uspenski. • Elberfeld, 21.Mai. Ter Kassierer der Bergischen Kleinbahnen hierselbst ist nach Unterschlagung einer größeren Summe flüchtig geworden. • Potsdam, 21. Mai. Bei einer Bootfahrt auf dem Templiner See ertranken gestern nachmittag drei Personen, deren Leichen bis jcijt nicht aufgefunden sind. • Hamburg, 21. Mai. Im Heizraum des Dampfers „Münster" wurden fünf Feuerleute durch aussttömenden Dampf verbrüht. Drei sind tot. * Stockholm, 21. Mai. In Hudiksvall tötete heute 102.90 Nach- 112.44 Tendenz: rnHz-. Für die Redaktion öeraniwnrmci) i. V.: N. Tilmann. . 101.80 . 91.65 . 101.95 . 91.65 . 99.60 ge 20 Mexikaner . . 4*/2 /(, Chinesen . . Electric, beb ackert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien , . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Beniner Handelsges. Oesterr. Staatebahn . Lombarden . . , Gotthardbahn . . . Laurai.ütte . . . . Bochum . . , . . Harpener . . . . 18U2. . 25.70 . 8935 . 100.00 ^-ottesüiechl in öer tzgnagoge, tzudantage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 24. Mai 1902. Vorabend: 7^Uhr. Äiorgens: 8" Uhr Predigt. mittags: 4 Uhr. Sabbalbausgang: 9'° Uhr. Neue>le Weisungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. L. Darmstadt, 22. Mai. (Privattelegramm des „Gießener Anz.") Die Beerdigung des Prälaten D. Habichr fand heute vormittag 11 Uhr unter außerordentlich zahlreicher Teilnahme der staatlichen, städtischen und kirchlichen Behörden, za.4».eucher Freunde und Verehrer des . 215.80 . 183.90 . 135.10 . 13940 . 152.20 . 149.00 . 14.20 , 169.20 . 199.50 . 194.00 . 173J.0 Damen-Handscimiie Preislagen A. Waag, Ä 102.10 45.20 28.00 4°/ Italien. Rente . . . 4’ ’% Portugiesen . . . 30/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose..... 4°/0 UnecL Monopol -Anl. 4' , 56 äussere Argentincr früh der Arbeiter Dergstroem in einem Wahnsinnaufall mit Beilhieben feine Braut und seine Wirtin und verwundete noch zwei andere Frauen. Vorher hatte die Polizei die Fesselung de§ Wahnsinnigen abgelehnt, da der Kowimffar noch nicht erschienen sei. • London, 21. Mai. Die 23jährige Edüh Brooks stieg gestern abend in Sheffield in einem Ballon 2500 Fuß hoch, um sich bann in einem Fallschirm fallen zu lassen. Der Fallschirm öffnete sich aber nicht und die Brooks stürzte zu Boden. Es heißt, daß ihr jeder Knochen gebrochen wurde. Sie starb wenige Augenblicke nach dem Sturz. "Paris, 21. Mau Mch einer Blättermeldung hat die Polizei heute Nacht einen Bruder der Frau Humbert in einer Stadt in der Nähe von Paris feftgenommen. * Wien, 21. Mai. Zwischen dem alldeutschen Abgeordneten Berger und dem Advokaten Dr. Mühlwert fand ein Säbelduell statt, wobei Berger schwer und Mühlwert leichter verwundet wurde. 4'/, % Oesterr. bilberrente 101.70 4% Ungar. Goldrente . . 101.80 Telephonischer Kursbericht« .Frankfurt u. LI., 22. Mai Gerichts faul. Berlin, 21. Mai. Heute wurde eine urheberrechtlich e Entscheidung gefällt, die in akademischen Kreisen mit einer gewissen Spannung erwartet wurde. Es handelte sich um die Frage, ob und inwieweit es gestattet ist, aus Universität s- oorlesungen etwas zu veröffentlichen. Prof. S ch in 0 l l e r hatte in seinem letzten nationalökonomischen Kolleg am Schluffe des Winterhalbjahres wich die Frage des neuen Zolltarits gestreift. Er sprach sich im Sinne des Regierungsentwurfs aus und meinte, daß dieser zugleich auch eine geeignete Grundlage sei für den Abschluß von Handelsverträgen, die der Professor lebhaft befürwortete. Ter Student W 0 t h veröffentlichte diese Bemerkungen in Berliner Blättern. Prof. Schmoller erblickte in dieser Benützung seines Vortrags eine Verletzung des Urheberrechts, well die Publikation als unerlaubter Nachdruck eines Teiles aus einem wiffenschaitlichen Wecke auszufaffen sei, und stellte den Strafantrag im Einvernehmen mit anderen Professoren, um diese Frage einmal grundsätzlich zum Austrag zu bringen. Tie Angelegenheit wurde heute vor der 8. Strafkammer des Landgerichts I, Berlin, verhandelt. Der Verteidiger R.-A. Dr. Fränkel behauptete, daß die fraglichen Bemeckungen des Pros. Schmoller gar nicht mehr zum Kolleg selbst gehörten, sondern außerhalb des Rahmens desselben gemacht worden seien und daß seine Ausführungen im Kolleg genau mit einem Vortrage übereinstimmten, den er seinerzeit m München bei einer Tagung des Vereins für Sozialpolitik gehallen. Beides wurde von Professor Schmoller bestritten. Staatsanwalt Ellendt hiell in subjektiver und objektiver Beziehung den 8 38 des neuen Nachdruckgesetzes für verletzt. Da der Angeklagte hier nicht aus idealen Gründen gehandelt, sondern gewinnsüchtige Zwecke verfolgt habe und es doch auch einen Vertrauensmißbrauch darstelle, wenn ein Student solche Aeußerungen, die ein Professor in einem Privatkolleg macht, un- kontrolliert in die Oeffentttchkeit bringe, so beantrage er 300 Mack Geldstrafe, eventl. 30 Tage Gefängnis und Vernichtung des betr. Teils des Kollegienheftes. Rechtsanwalt Dr. Fränkel bestritt sowohl subjektiv als objckttv das Vorliegen eines Nachdrucks und beantragte eventl. die Einholung des Berichts über die Münchener Verewigten statt. Der Großherzog Uetz sich wrch veq Gcneralabjutanterr Oberst v. Wach ter vertreten, der einen Kranz am Grabe niederlegte. Die Grabrede hiell Oder» konsistorttrlrat Dr. Flöring. Namens der Gießener logischen Fakultät legte Prof. Dr. Krüaer einen Kranz nieder. — Der Großherzog folgte gestern abend eurer; Einladung des Oberstleutnants Lungershauseu und über» nachtete im Schlosse. Heute siedelte er nach Schloß ffitolfä» garten über. Köln, 22. Mau Erzbischof Sim ar ist an Lungenend zündung erkrankt. Gelsenkirchen, 22. Mai. Ein betrunkener Berginvalld* verursachte eme Dynamitexplosion, wodurch seine Tochter getütet rourde. Em anderes Kmd wurde schwer verletzt. Der Thäter ist flüchttg. Chemnitz, 22. Mai. Irr Sandheim bei Elsterwerda töteten sich ein 50 jähriger Einwohner und eine 45 jährige Frau durch Ettränken in der Elster. Die Leichen wurden zusammengebunden an das Ufer getrieben. Stuttgart, 22. Mai. Der Deutsche Schulvereirt hat als nächsten Versammlungsort Potsdam bestimmt. London, 22. Mai. „Daily Telegraph" tellt mit, fei» Spezialkorrespondent in Pretoria telegraphierte privatim an seine Verwandten, daß er zurückkehre. Das Blatt be- n,erkt: Der Korrespondent wählte wegen der Zensur diese Umschreibung und den Umweg, um die Meldung hierher gelangen zu lassen, daß nach feiner Ueberzeugung die Buren den britischen Vorschlägen zustimmten. DaS Blatt erfährt noch, daß unter den Sonntag in Pretoria cingetroffencn Burcndelegierten sich General BeyerS und die Kommandanten Kühler, Ferreiva und Thomsscn befinden. London, 22. Mai. Gestern abend vernahm man auf St. Vincent cm starkes Getöse, begleitet von heftige» Erdstößeu und elekttischen Entladungen. Aus dem Krater drangen dichte schwarze Wollen hervor. Um 81/, Uhr erhob sich eine leuchtende Wolke aus dem Krater und verschwand in nördlicher Richtung. Alsdann erfolgte um Mitternacht ein feiner Aschenregen. Der Bewohner hat sich eine große Panik bemächtigt. Sie fliehen wohin sie können. Brüffel, 22. Mai. Hiesige Burenkreise ecklären, der Stand der Friedensverhandlungen sei schlecht. Sie machen lediglich England für das eventuelle Schellern derselben verantwortlich. Chamberlain und Milner zeigen sich selbst in Nebenfragen wie die Freigabe des Kabels an die Burenführer sehr unnachgiebig, was als Beweis gelten könnte, daß sie entgegen den südlichen Jntensionen des Königs von England gar nicht gewillt sind, den Friedensschluß herbei- zuführen. Madrid, 22. Mai. Der Hof und die ftemden Fürstlich- kellcn, sowie die Vertteter der auswärtigen Mächte wohnten gestern einem Stiergefechte bei, bei dem 9 Stiere getötet wurden. Der König wurde bei seinem Erscheinen lebhaft begrüßt. Später machten die fremden Fürstlichkeiten, welche heute abzureisen gedenken, dem Könige Abschiedsbesuche, welche dieser erwiderte. Neapel, 22. Mai. Ein fürchterlicher Sturm richtete im Hafen großen Schaden an. Da viele Schiffe schwer beschädigt wurden, mußte die Schifffahck eingestellt werden. Petersburg, 22. Mai. Nach dem gestrigen Frühstück zogen die Majestäten mehrere Personen ins Gespräch. Darauf begaben sich der Kaiser und Präsident Loubet nach Zara- koje Sselo. Petersburg, 22. Mai. Zu der Truppenparade in Krasnoje-Sselo erschien vormittags 11 Uhr der; Kaiser mit dem Präsidenten Loubet zu Wagen auf dem Paradefelde, wo, idtte Kaiserin-Muttzer, die Kaiserin, Präsident Loubet und die Großfürstin Elisabeth Feodorowna in einem a la Doumont bespannten Wagen Platz nahmen, während der Kaiser zu Pferde stieg. Loubet saß links von der Kaiserin Alexandra. Tie Parade begann mit einer? Fahrt längs der Front der im Viereck aufgestellten Truppen. Ter Kaiser ritt neben dem Wagen, in dem die Kaiserin und Loubet saßen. Nack) der Umfahrt begaben sich die Kaiserinnen und Präsident Loubet zum Zelt aus einer Anhöhe. Der Kaiser nahm zu Pferde am Fuße der Anhöhe die Parade ab. Den Oberbefehl sämtlicher Truppen führte der Generalinspekteur der Kavallerie, Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch. Hinter dem Kaiser hielten bie Großfürsten und das Gefolge zu Pferde. An dem vortrefflich ausgeführten Vorbeimarsch nahmen 9612 Bataillone, 36 Schwadronen, 12 Sotnien und 266 Geschütze teül. An die Parade schloß sich eine Kavallerie-Attacke. Tas Wetter ist sonnig. Tret Mann stürzten und trugen erhebliche Verletzungen davon. Fort de France, 22. Mai. Der nordamerikanische Hilfsdampfer „D i x i e" fuhr gestern nacht an dem rauchenden und flammenden Krater des Mont Pelse vorüber. Tie Flammen waren verursacht durch dasselbe ausströmende Gas, welches die in St. Pierre Verunglückten getötet hat, deren Zahl in den ersten Berichten übertrieben zu sein scheint. Jetzt wird sie höchstens noch auf 25 000 geschätzt. Der Pelee raucht noch stark, ein neuer Ausbruch ist sehr wahrscheinlich. Die Insel St. Vincent soll nach hier eingegangenen Berichten wegen der andauernden Gefahr völlig geräumt werden. Ter „Dixie" geht dorthin ab, da Hilfe nötig ist. In Fort de France waren die Lebensmittel zeitweise knapp, aber niemand hat gehungert. In St. Pierre sind bis jetzt 6000 Leichen gesunden worden. Hunderte von Einwohnern . brachten sich nach Santa Lucia in Sicherheit. Rede des Prof. Schmoller und ^Befragung der Sachverständigenkammer. Der Angeklagte habe gewiß nicht richtig gehandelt, er würde aber dem Pros. Schmoller sehr dankbar fein, wenn er durch Zurückziehung des Strafantrages weitere Unannehmlichkeiten erspart. Pros. Schmoller erklärte dies nicht für möglich. Der Gerichtshof lehnte die Beweisanträge ab, hielt einen Nachdruck im Sinne des § 38 für vorliegend mid verurteilte den Angeklagten mit Rücksicht darauf, daß hier doch ein grober Verstoß gen die ak ademische Sitte und Ordnung vorliege, zu 0 Mark Geldstrafe eveiitl. 40 Tagen Gefängnis. 3'/,0/0 Reichsanleihe 30/9 do. . . 3-1/,% Konsole . . . 3% do. . . . . 31/2°/o Hessen . . . 3% Hessen . . . . 4% Oesterr. Goldretne . Arbeiterbewegung. Barcelona, 21. Mai. In Tarassa ist ein allgemeiner Aus stand der Weber ausgebrochen. 8000 legten die Arbeit nieder. Die Arbeitgeber weigern sich nachzugeben. Handel und Verkehr. DoUiswttWast. Offenbacher Stadtanleihe. 6 Millionen Mack 3i/2proz. Anleihe der Stadt Offenbach vom Jahre 1902, unkündbar bis 1908, sind im Berliner Börsenhandel auf Grund des gleichzellig zum Aushang gebrachten Prospektes zugelassen worden. Elettrizitätsgesellschaft Horm. Schuckert n. Cie. in Nürnberg. Tie Zwickauer Straßenbahn, deren Aktien zum größten Teil in den Händen der Schuckeckgesellschaft sind, kann für 1901 nur 1 Prozent Dividende zahlen, gegen oockährige 3 Proz. Tie Weichunger Straßenbahn hat sich im letzten Jahre so schlecht ren- tieck, daß die Schuckeck-Gesellschaft die garantierten 6 Prozent voll zahlen muß. Miueu-Judustrie. Wie aus Johannesburg gemeldet wird, haben die Behörden nunmehr gestattet, daß weitere 400 Pochwerke zwischen jetzt und dem 15. Juni in Betrieb genommen werden. Von der Deutschen Reichsbauk ist zu melden, daß die Geldoersteifung, die sich seit einiger Zett bemerkbar machte, wieder nachgelassen hat. — Gleichzeitig wird gemeldet, daß die umlaufenden Gerüchte, der Reichsbankpräsident Koch sei schwer erkrankt, unrichtig sind. Derselbe ist von seiner letzten Urlaubsreife wieder nach Berlin zurückgekehck und hat seine Thättgkett wieder ausgenommen. Hamburg, 21. Mai. An Stelle des oerftorbenen Direktors L. Meyer wurde heute, wie die „Hamburger Nachrichten" melden, Julius T h 0 m a n zum Direktor der Hamburg -Amerika- Linie ernannt. , Kunst und Wissenschaft. Verliu, 2L Mai. ©ruft v. W 0 l zo gen legt die Direktion des von ihm begnüibeten Bunten Theaters nieder. In einem Schreiben an die Berliner Blatter bezeichnet er als Motiv für diesen Entschluß die zahlreichen Angriffe, denen er als Direktor und Schnstsleller seitens eines Teils der Presse ausgesetzt war. Er beklagt sich besonders darüber, daß die Fehlgriffe seiner Nachahmer ihm zum Vorwurf gemacht worden sind. Gleichwohl wird Herr v. Wolzogen seinem Theater als Kraft erhalten bleiben. Tas Bunte Theater wird in der nächsten Saison sein Programm weiter aus- ge|talten und Herr v. Wolzogen wird als künstlerischer Beirat und auch als künstlerische Kraft Mitwirken. Ter bisherige Oberregisseur Dr. Mackin Zickel wird die Funktionen des Direktors über- nehmen. -Wiwersitats-Nachrichlru. Lemberg, 2L Mai. Da der Unterrichtsminister das Verbot betr. Abhaltung von Versammlungen innerhalb der technischen Hochschule, zurückgeiiominen hat, haben die Polytechntter den Besuch der Vorlesungen in der Hochschule wieder ausgenommen. ■MuijuLüLUjimiamHMaBamwwmw»mf^aoMi«a^^ Hl llllili illlllllltlMMII 8847 Grösste W Durch gemeinsamen Einkauf B^s mit circa 200 Geschäfte« ®**®***^ sind unsere Preise bei prima Oualitäte« die billigste«. Spitzen-Kleidchen mit Unterkleid Stickerei-Kleidchen zu Mr. Weisse Kleidchen mit Volant Weisse Traßkleidchen Wasch-Tragkleädchen^ waschecht Wasch-Kleidchen zu Mk. 4.50 bis Mk. 8e—a 2.40, 2.75 „ , 7.-. zu Mk. 6.20 und Mk. 6-75« , , 2.75 bis All. 10.—H g ff L- , , 3.50. „ , 0.85 , , 4.50. Matrosen-, fifiousseline- und Wollkleidchen tu allen Preislage«. A. llollerhoff Söhne, 2# MWSWW Der im Verhältnis z« de« Qualitäten thatfächlrch bttlige 02811 Klein-Lind en, den 21. Mai 1902. 3834 ä 0.50 M. ä 2.— L 2L5 Ailanz am 31. Dezember ä 3.— und 1.5(1 N tt 80666.16 der Mitglieder betrug Ende 1900 Die Zahl n tt tt Während 1901 gingen zu tt 3845 2015 la. 3595 Otto Schaaf. 4016.15 12883.29 3834.85 e ® L 3.50 ä 3.25 L 3.50 it <2 u A ® s fl ’S w Während 1901 gingen ab Daher Stand der Mitglieder Ende 1901 K Wi H o 5 ö Ä *5 1901. bo fl ® s 00 h s O 00 *® £ L ,® ä 4 — L 5.— ä 7.35 äUÜ ä 3L0 h 4.— ä 8.50 Passiva. Geschäftsguthaben der Genossen Neservefonds Betriebsrücklage Schulden an Lieferanten Gewinn aus 1901 3957.59 19120.83 136.74 7000.— 450.— Echt australisches Eucalyptus-Oel in Oriamalstajcben zu 1 Mk. das vorzüglichste liniversalmittk Die Beerdigung findet Freitag den 23. d. Mt§., nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Frankfurterslraße 5 in Klein-Linden, aus statt. ä 1 — ä ILO ä L50 ä 1.10 ä 1.65 Visitenkarten. Üefert rasch und. billigst Brührsehe Üntv^Drackeroi. Ittuö». Isifaeirrtii Mirskt lEingetr. Genossenschaft mü unbeschr. Haftpflicht.) empfiehlt Adler-Drogerie, Seltersweg 39 Hildebrand, Direktor. Deibel, Rechner. Freitag den 30. Mai 1902, abends 9 Uhr, bei Gastwirt Da«iel Erb: General - Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vorlage der Rechnung pro 1901. 2. Festsetzung der Dividenden. 3. Verschiedenes. Für den Auffichtsrat: Erb. NB. Die Rechnung liegt acht Tage lang beim Direktor zur Emsicht offen. Die so beliebten echten Würiuger Stangen- Kümmelkäse sind soeben wieder frisch ehv= getroffen bei 3721 ChristianWallenfels 17 Vlarktplatz 17 am Krieger-Aenkmal. Telephon 262. Gegründet 1826. Mrohelmtoei® Im Stricken u.Anstricken von Strümpfen empfehle ich mich angelegemlichst StriLgarnestchrSLÄijSIkiil habe ich stets vorrätig. W Preise billigst. ~m Ernestine Höpfnei Grünbergerstratze 17. c-ir teil, 3765] Inh.: Jakob Roll, 38 Wallthorstraße 38. Kraft. Mittagstisch von 12 bis 2 Uhr, im Abouuemeut 70 u. 90 Pfg. Reichhaltige Abendkarte. Vorzügliche Weine. Münchener Bürgerbrän. Hiesige helle Biere. Billard (Fürstenweger-Mainz) Stöbt Schlachtham, Freibank. Heute und morgen: Schsevfikisch 58 pfg. 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