Nr. 117 Erscheint tafl!i4 außer ®onntagi. Dern Gießener An-eig«r Wttben im Wechsel mit dem Vessrschei Landwirt die Siebener Kamillen« blätter viermal in bet Woche beigelegt. RotatwnSdruck u. Verlag bet Brüh lstchen Univerl.-Buch- u. Steirr- druckeret (Pietsch Erde«) Wteboftton. fcpebUtan und Druckerei: echulstraßs 1. Ldrefle für Depeschen: «u-eiger Gis Herr. yerasprcchansLluhNr.bl. Donnerstag 22. Mai 1002 152. Jahrgang Erstes Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger u ■** Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezngspretsr monnthcb 75 Ps^ otert* jährlich Lik. 8.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost £011.2.— otertel* jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer oiS vormitlag- 10 Uhr. Zeilenprei-. lokal IS Pt, ou-würt» 20 Pig. Verantwortlich: für den poht. u. öligem. Teil: P. Wittko: für „Stadt und Üantr und „DerrchtSsaal'.R.Ditt« mann; für den Anzeigenteil: £>anö Beck. Polizeiverordnnng, betreffend Verhütung von SCBalbbränben. Mü Rücksicht auf die große Zahl von Waldbränden, welche infolge der zurzeit bestehenden außerordentlichen Trockenheit entstanden sind, bestimmen wir auf Grund btß Art. 79 der Kreis- und Provinzialordnung das folgende: 1. Bis auf weiteres tft daS Rauchen von Zigarren, Zigaretten und ungedeckelten Tabakspfeifen in Waldungen und auf Haiden außerhalb der chauffierten OrtSverbindungs- wege verboten. 2. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 90 Mk. bestraft. Gießen, den 31. April 1902. Großherzogliches Kreisatnt Gießen. v. Bechtold. Politische Tagesschau. Müßiges Gerede. Man schreibt uns aus Berlin, 21. Dkri: Als jüngst im schwedischen Reichstag die Krage der Neutralität der nordischen Staaten erörtert wurde, meinte der schwedische Auslandsminister, er forme nur als „müßiges Gerede" bezeichnen, was in der deutschen Presse über eine politische Allianz zwischen Deutschland und Skan- Aus Stadl und Kültd. Gießen, den 22. Mai 1902. ** Audienzen. Der Großherzog empfing am 21. Mai u. a. den Elektroingenieur Schäffer von Eberstadt, den Sanitätsrat Dr. Vogel von Laubach. — Um 11 Uhr empfing der Großherzog den von Berlin zurückgekehrten preußischen Gesandten Prinzen zu Hohenlohc-Oehringen. ** Das Amtsblatt des Ministeriums der Justiz Nr. 11 vom 10. Mai enthält ein AuSschvetben an die Justizbehörden, insbesondere die Staatsanwaltschaften, betr. Mitteilungen der Staatsanwaltschaften an andere Behörden in Straf-, Disziplinär- und Ehesachen. ** Militärdienst - Nachrichten. Kö brich, Vizefeldwebel (I Darmstadt), zum Leutnant des 1. Aufgebots 2. Garde- Landwehr-Regts. befördert. Die Vizefeldwebel Hoffmann (I Darmstadt) des Jnf.-Regts. Graf Kirchbach (1. Nieder- schlesisches) Nr. 46, Biernalzki (l Darmstadt) des 6. Rhein. Jnf.-Regts. Nr. 68, Mönch (I Darmstadt) des 5. Großh. Hess. Infanterie-Regis. Nr. 168, Krug (1 Darmstadt) be8 9. Lythr. Jnf.-Regts. Nr. 178; die Vizewachtmcister Erdmann (I Darmstadt) des 2. Großh. Hess. Feldart.-RegiS. Nr. 61, Haussieur (I Darmstadt) deL Großh. Hess. Tram- Bataillons Nr. 18 — zu Leutnants der Reserve befördert. Fischer, Oberleutnant dec Landw.-Jnfanterie 2. Aufgebots (I Darmstadt), Helfrich, Leutnant der Landw.-Jnf. 2. Aufgebots (Erbach) — der Abschied bewilligt. •» Das Großh. Oberkonfiftorium widmet dem verstorbenen Prälaten D. Habicht folgenden Nachruf: „Nach Gottes heiligem Ratschluß wurde am zweiten heiligen Pfingsttage um Mittag unser langjähriges Mitglied, unser lieber Kollege und Freund, Prälat 1). Viktor Habicht, Oberkonsistorialrat und Superintendent, aus diesem Leben abgerufen. 27 Jahre lang gehörte er dem Oberkonsistorium an. Mit größter Sachkenntnis und unermüdlicher Arbeitsfteudigkeit widmete er sich stets seinen Amtsgeschäften, ein treuer und verdienstvoller Berater in den vielen hochwichtigen Angelegenheiten, welche die unter seiner Mitwirkung zu Stande gekommene Kirchen- verfassung und das kirchliche Leben unserer vielbewegten Zeit an uns heranbrachten. Seine ungewöhnliche Kenntnis der Personen und der Umstand, daß er mit der hessischen Kirchengeschichte des letztoerflossenen Jahrhunderts wie sonst keiner aufs engste verwachsen war, läßt uns seinen Verlust als einen besonders schwer zu ersetzenden empfinden. Er ruhe in Frieden! *» Theater-Verein. „Die Hand", daS Mimodrama, welches vor zwei Jahren bei feiner Erstaufführung auf der Pariser Weltausstellung so großes Auffehen erregte und seitdem auch an einigen deutschen Bühnen, namentlich an den Hoftheatem von Stuttgart und Wiesbaden, zur Darstellung kam, werden mir demnächst auch hier zu sehen bekommen, und zwar durch diejenigen Künstler, welche es m Paris zuerst darstellten. Mme. Charlotte Wiehe, die ausgezeichnete Darstellerin von Mimodramen und Pantomimen, wirb mit ihrer französischen Gesellschaft im nächsten Herbst eine Gastspielreise durch Deutschland und Oesterreich-Ungarn unternehmen und ein gemischtes Repertoir, überwiegend mimo- dramatischer Art, in welchem „Die Hand" den Mittelpunkt bildet, an einer großen Zahl erster Büynen (Lessingtheater m Berlin, Hoftheater in München, Karlsruhe, Wiesbaden 2C.) -ur Aufführung bringen. Dem Vorstand des Theater- Vereins ist es soeben gelungen, die Künstlerin mit ihrer Gesellschaft auch für Gießen auf einen Abend — Freitag den 2 4. Oktober — zu verpflichten. •» Evangel. Arbeiter-Verein. Ter Gemischte Chor des E. A.-V. veranstaltet am 1. Juni auf der „Liebigshöhe" unter Mitwirkung verschiedener hiesiger und auswärtiger Gesangvereine ein großes Gartenfest. Es werden bereits allerlei Vorbereitungen getroffen, um den Festteilnehmern einen ge- nußreichen Nachmittag zu bereiten. ** Eine Ansschußsitzllvg des Landwirtschaft!. Vereins für bU Provinz Oberhessen findet am Donnerstag den, 29. ds., nach- mittag- 3 Uhr, im „Hotel zum Prinzen Karl" statt. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: 1. Mitgliederaufnahme. 2. Beratung des Voranschlags pro 1903/04 (ein Entwurf des Präsidiums wird den Mitgliedern von der Ge. ' schaftsstelle in einigen Tagen zugesandt werden). 3. Ge- : nehmigung des Voranschlags der landw. Haushaltungsschule > Lindheim pro 1902 und Vorlage der Rechnung pro 1901. Hin deutscher Ko.oniuiko igreß, und Mar der erste seit Bestehen unserer Kolonialgesellschaften, ist von ca. 60 wirtschaftspolitischen Vereinigungen, gelehrten Gesellschaften und Handelsinstituten für die Zeit vom 16.—19. Oktober anberaumt worden. Mit dem Kongreß soll eine Solidarität der verschiedenen, vielfach getrennt operierenden kolonialen 'unb überseeischen Bestrebungen herbeigeführt werden und als weiteres Ziel, im deutschen Volke diese Bestrebungen zu vertiefen und dadurch einen geistigen und wirtschaftlichen Zusammenschluß der Deutschen aller Zonen zu zeitigen. Die programmatischen Verhandlungen umfassen alle überseeischen Interessengebiete, sowie ethischer wie materieller Ramr. Dem Kongreßkomitee, unter dem Präsidium des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg, hat sich ein Ehren» komitee aus hundert Persönlichketten aller Rangstufen der Staatsbehörden und des öffentlichen Lebens angegliedert, während sich hervorragende Persönlichkeiten als Ehren' förderet in den Dienst des Kongresses und seiner Ziele gestellt haben. Den Vorsitz des Arbeitsausschusses hat Vize- Admiral z. D. Valois übernommen, Kvntre-Admiral Strauch leitet die Beschlüsse des Finanz-Ausschusses, Fabrikbesitzer Sups die des Werbe-Ausschusses, Konsul Vohsen die des Preß-Ausschusses. Geh. Reaierungsrat Prof. Dr. Engler hat die Leitung der Ausstellungs-Kommission, der Gesandte z. D. v. Braunschweig präsidiert dem Fest- und Dr. Alexander Tille dem VortragS- Ausschuß. Mitglieder- des Kongresses können Herren und Damen gegen Zahlung von Mk. 10 werden. Mitgliedskarten des Kongresses Jinb erhältlich bei der Geschäftsstelle des Kongresses, Berlin W-, Schellingstr. 4. dinavien gesagt toorbat sei. Demgegenüber muß darauf < bingewiesen werden, daß die deutsche Presse, entfernt davon, den Allianzgedanken anzuregen, lediglich zur Kenntnis der Oefientlichkett brachte, was sich darüber in den schwedi- 1 schen Blättern vorfand. Das aber war die überzeugte : Empfehlung, für die politischen Interessen Schweden-Norwegens einen geeigneten auswärtigen Stützpunkt zu suchen, der nach Lage der Dinge nur Deutschland sein könne. Und begründet wurde diese Auffassung durch Bezugnahme auf das Schicksal Finnlands, auf die russische Spionage im schwedischen Norrland, Erscheinungen, durch die sich, wie es hieß, die Gemüter beunruhigt fühlten. Die schwedischen Blätter waren einig darin, daß eine Politik der Annäher> ung an Deutschland von allen Schweden gewünscht werde und auch den Norwegern sympathisch sei. Wenn derartige Darlegungen nach der Erklärung des schwedischen Auslandsministers nichts weiter als „müßiges Gerede" sind, )ann hätte diese Kennzeichnung an die Adresse der schwedischen Blätter gerichtet werden müssen. Zur Jnvaliditätsversicherung ausländischer polnischer Arbeiter. Im Februar 1901 hatte der Bundesrat den Beschluß gefaßt, daß polnische Arbeiter russischer und österreichischer Staatsangehörigkeit, welchen der Aufenthalt im Jnlande nur ür eine bestimmte Dauer behördlich gestattet ist, der Jn- validitäts-Versicherungspflicht dann nicht unterliegen sollen, wenn sie in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigt werden. Auf Grund dieses Beschlusses hatte das Reichtz- Verficherungsamt im März 1901 eine Regelung der Eiuzel- jeiten dieser Befreiung von der Versicherungspflicht getroffen. Nunmehr hat cs eine neue, die alte abändernde Bekanntmachung erlassen. In einem an die Vorstände sämtlicher Versicherungsanstalten gerichteten Rundschreiben erklärt es sein Vorgehen. Das Amt hat seinerzeit geglaubt, bei der Durchführung der Bestimmung über die Versicherungspflicht der Ausländer auf die Mitwirkung der Verwaltungsbehörden nicht verzichten zu sollen. Da aber in den meisten Bundesstaaten polizeiliche Aufenthaltsbeschränkungen für polnische Arbeiter russischer und österreichischer Staatsangehörigkeit zurzeit nicht bestehen und auch, wie aus den Aeußcnrngen dec Landes- Zentralbehörden hervorgeht, auf den Erlaß solcher Vorschriften nicht zu rechnen, der Bundesratsbeschluß vom Februar 1901 also für diese Staaten ohne Bedeutung ist, so hat das Reichsoersicherungsamt den Gedanken einer im Deutschen Reiche allgemein einzuführenden Mitwirkung der Verwaltungsbehörden fallen gelassen und die Bestimmungen vom März 1901 einer erneuten Durchsicht unterzogen. Dabei sind einzelne Erleichterungen für die Anstalten eingeführt. Unter anderem ist die Abrechnnngsftist auf ein halbes Jahr verlängert, die Nachweise können an die Koittrollbeamten eingereicht werden. Heer uub Flotte. Vor einigen Monaten sind bekanntlich fast gleichzeitig von drei pensionierten Offizieren, dem bekannten Militärschriftsteller Hauptmann Hoenig, dem blindgeschossenen Hauptmann L u t h m e r und dem Oberst H ü g e r Broschüren erschienen, in denen gegen Offiziere in höchsten Stellungen, gegen Militärbehörden und Militärgerichte mehr oder weniger schwere Anklagen bezüglich der Handhabung des Rechts und sogar des Offtzierehren- gerichts erhoben werden. Die Zeitungen waren der Mehrzahl nach darin einig, daß zur Wahrung des Ansehens der Armee und chrer Rechtseinrichtungen eine unparteiische Untersuchung die unabweisbare Aufgabe der Militärverwaltung sei. Wie die „Germania" hört, ist aber bis jetzt in dieser Richtung an die Verfasser noch nichts herangetreten. Das ist zu beklagen. Schweigen kann als Zugeständnis und sogar als Billigung angesehen werden. Das mag unter Umständen angebracht sein. Hier entschieden nicht. Die beschuldigten Offiziere sind zum Teil noch in hohen Armeestellungen, z. B. der kommandierende General v. Lindequist, die Anschuldigungen selbst sind sehr schwer und gehen von drei Persönlichkeiten aus, denen eine Bedeutung für ihre Behauptungen nicht ohne weiteres abgesprochen werden kann. Außer dem Ruf und Ansehen der Armee verlangt das persönliche Interesse der beschuldigten Offiziere eine rückhaltlose Klarlegung. Die Ausdauer, mtt der Oberst Hüger und Hauptmann Luth- mer (Hauptmann Hoenig ist vor kurzem gestorben) bis jetzt für chr behauptetes Recht und ihre Ehre gekämpft haben, und die bezügliche besttmmte Erklärung in der Broschüre des Hauptmanns Luthmer, lassen mit Sicherheit annehmen, daß sie — sollte ihr letzter Schritt erfolglos im Sande verlaufen — weitere Schritte in die Oesfentlichkeit unternehmen werden. Es wäre mithin aus den verschiedensten Gründen zu wünschen, daß die Angelegenheit endlichausderWeltgeschasftwurde. Die Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbauvereins findet Sonntag den 25. Mai, nach mittags 3 Uhr, in Gießen im Lenz'schen Felsenkeller statt. Tages orbnung: 1. Rechenschaftsbericht pro 1901/02. 2. Rechnungsablage pro 1901/02. 3. Kostenvoranschlag pro 1902/03. 4. Einrichtung eines Mostobstmarktes durch die Zentralstelle für Obstverwertung in Frankfurt a. M. Referent: Direktor Dr. v. Peter. 6. Die Bestäubung der Blüten und ihre Beziehung zur Jruchtbarkett der Obstbäume. Referent: Professor Reichelt. 6. Wünsche und Anträge aus der Versammlung. Der Präsident: gez. Graf Oriola. Aoöerts oder Köerst Saunderson? Bor kurzem teilte die „Berl. Börsew-Ztg." mit, daß 6er berühmte „Beendiger" des südafrikanischen Krieges, Lord RooertS zur Kur in Bad-Nauheim weile und sich im Mai zu den Festspielen nach Wiesbaden begeben werde. Das genannte Blatt war hinsichtlich des Aufenthalts jenes Heerführers in Nauheim falsch unterrichtet, denn zu derselben Zeit hielt Englands bedeutendster Parkettgeneral die Revue über die letzten Paradetruppen Englands auf der Manöverwiese von Aldershot ab. Und gleich darauf wurde vom Reuterschen Bureau gemeldet, Roberto werde Deutschland überhaupt nicht in diesem Jahre besuchen. Nun erschien am 15. Mai in der Vorstellung der „Lustigen Weiber von Windsor" in der kaiserlichen Loge in Wiesbaden ein e n gl i s ch er M i l it ä r in roter Oberst- uniform. Der Kaiser lud ihn ein, den Platz zu seiner Rechten einzunehmen, und im Verlaufe der Vorstellung unterhielt er sich auf daS Angelegentlichste mit ihm. Aus eine Anfrage nach der Persönlichkeit wurde die Auskunft erteilt, es sei der englische Oberst Sa und er son. Dieser Name wurde auch in den Depeschen des Wolffichen Buraus angegeben, nachdem bereits vorher erklärt worden war, daß Saunderson mit Roberts, mtt dem er große Ähnlichkeit besitze, verwechselt worden sei. Die „Frkf. Ztg." teilte darauf mit, daß Oberst Saunderson, ein hervorragender Sportmann und häufiger Begleiter des Kaisers bei seinen Segelfahrten, mit Lord Roberts nicht dieentferntSste A e h n l i ch k e i t habe. Jetzt behauptet nun ein alldeutsches Blatt, daß Oberst Saunderson doch Lord Roberts gewesen sei. Ausfallen muß es in der That, daß das „Wolffiche Bureau", das sonst über jede kleine Äußerlichkeit berichtet, es merkwürdiaerwerse gar nicht für erwähnenswert gefunden hat, die Thatsache zu registrieren, daß Kaiser Wilhelm an jenem Abend eine englische Uniform getragen hat. — Ferner ist immerhin bemerkenswert, mit welcher Auszeichnung jener Militär, der nur den Rang eines Obersten bekleidet, vom Kaiser behandelt worden ist. Daraus aber auf das frühere bloße Gerücht hin, daß Lord Roberts zur Kur in Deutschland weile, schließen zu wollen, daß thatsächlich Roberts und nicht Saunderson neben dem Kaiser in der Loge gesessen habe, ist doch trotz der erwähnten Notiz der „Frkf. Ztg." mehr wie gewagt, und man kann der „Nat.-Ztg." nur Recht geben, wenn sie dazu bemerkt: „Man sollte es nicht für möglich halten! Dem Prrblikum wird zugemutet, die Abgeschmacktheit zu glauben, daß der deutsche Kaiser eine solche Maskerade zulasse und mitmache!" Sollte übrigens Lord Roberts wirtlich so wenig persönlichen Mut besitzen, daß er sich feige hinter einem Inkognito verkröche aus Furcht vor etwaigen Insulten der burenfteundlichen deutschen Bevölkerung? Und wenn dies in der That der Fall wäre, hätte er dann nicht ebensogut den Prof. Pagenstecher, in dessen Behandlung er sich befinden soll, zur Konsultation nach England kommen lassen können? Unerschwmglrch wäre für ihn diese Ausgabe nicht gewesen. 4. Wahl eines Mitgliedes in den Hess. Landwirtschaftsrat an Stelle des Herrn v. Oven. 5. Verwilligung eines Beitrags ;ur Errichtung eines Maerker-Denkmals. 6. Verwilligung eines Beitrags an die Vereinigung deutscher Schweinezüchter. 7. Verwilligung von Zuschüssen in Form von Stipendien an 6 Teilnehmer einer Studienreise nach der Provinz Sachsen. 8. Geschäftliches. ** Stenotachygraphen-Tag. In Nürnberg fand Pfingsten der 6. Deutsche Stenotachygraphen-Tag in Verbindung mit dem Bayerischen Stenotachygraphen-Tag statt. Ter Kongreß war von über 200 Teilnehmern aus ganz Deutschland besucht. Der Vorsitzende teilt mit, daß das System der Stenotachygraphie 520 Vereine mit 16 600 Mitgliedern zählt; sie ist also die drittgrößte stenographische Schule Deutschlands. Das kleine Zehnpfenniglehrbuch der Stenotachygraphie ist bereits in mehr als 150000 Exemplaren verbreitet. Der Vorstand wurde beauftragt, die Erteilung unentgeltlichen brieflichen Unterrichts in der Steno^ tachygraphte in die Wege zu leiten. In der Systemfrage stellte sich der Kongreß auf den Standpunkt, daß auf dem Wege von Einigungsverhandlungen zwischen den bestehenden Systemen die Herbeiführung der stenographischenSystem- einheit nicht zu erwarten sei. Als Vorsitzender wurde Parlamentsstenograph Dah m s-Berlin einstimmig wieder- gewählt. Der nächste Kongreß wird Pfingsten 1905 in Halle a. S. stattfinden. ** Ueber d i e jugendlichen Arbeiter im Großherzogtum Hessen entnehmen wir dem Jahresbericht der Großh. Gewerbeinspektion für 1901 folgendes: |2oe Gesamtzahl der Fabriken und diesen gleichgestellten Anlagen des Großherzogtums, in denen jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, beträgt 1694, gegen 1633 im Vorjahre, oder 35 Proz. aller gewerblichen Anlagen. Davon entfallen auf die Aussichtsbezirke Darmstadt 356, Offenbach 509, Gießen 307, Mainz 238 und Worms 204 Betriebe. Die Zahl der beschäftigten jungen" Leute beiderlei Geschlechts zwischen 14 und 16 Jahren ist 6802, gegen 7035 im Vorjahre, das sind 8,1 Proz. aller beschäftigten Arbeiter. Davon entfallen auf die Aussichtsbezirke Darmstadt 1549, Offenbach 1938, Gießen 1140, Mainz 951, Worms 1164 jugendliche Arbeiter. Davon sind 4432 urännliche und 2370 weibliche Arbeiter. Kinder unter 14 Jahren, die nicht mehr zum Besuch der Schule verpflichtet sind, wurden 48 gegen 90 im Vorjahre beschäftigt, und zwar 36 Knaben unb 12 Mädchen. Die Ursachen des Rückganges in der Zahl der beschäftigten jugendlichen Arbeiter, trotz 'der Vermehrung der Zahl der Betriebe, sind in der schärferen Handhabung der gesetzlichen Bestimnrungen zu suchen, ferner in dem Umstand, daß den jungen Leuten sich sonstwo lohnenderer Verdienst darbietet, namentlich im Baugewerbe, und schließlich in dem ungünstigen Geschäftsgang des Berichtsjahres. Auch die neuerdings eingeführte Verlegung des Fortbildungsschulunterrichts auf die Nachmittags-, bezw. Borabendstunden mag zu dem Rückgang bcigetragen haben. Eine Zunahme an jugendlichen Arbeitern ist nur in einzelnen Industriezweigen wahrzunehmen, so in der Posamenten- und Cigarren-Jndustrie des Bezirks Offenbach, im Baugewerbe, im Bekleidungsgewerbe und in der Textilindustrie des Bezirks Mainz. In der C i g a r r e n - I n d u st r i e des Bezirks Gießen ist es auffällig, daß die Zahl der Knaben abnimmt, während die Zahl der Mädchen z u n i m m t. Es hat dies darin seinen Grund, daß die weiblichen Arbeitskräfte nicht nur billiger, sondern auch leichter zu unterweisen und zu lenken sind. Die Arbeitsbücher haben sich jetzt überall eingebürgert. In einigen Ziegeleien wurden unerlaubterweise rtoxfb schulpflichtige Kinder beschäftigt. In Betrieben, in denen die erwachsenen Arbeiter kürzere als halbstündige Früh- und Spätpausen haben, liegt die Versuchung nur zu nahe, den jugendlichen Arbeitern die ihnen gesetzlich zustehenden halbfründigen Pausen zu kürzen und denen der erwachsenen Arbeiter anzupassen. Es wollen auch ost die jugendlichen Arbeiter selbst von einer besonderen längeren Pause nichts wissen. Ueber die Lohnzahlungsbücher für minderjährige Arbeiter ist man allgemein der Ansicht, daß sie ihren Zweck verfehlen und auch von den Arbeitgebern meist als sehr lästig empfunden werden. Vielfach unterblieb die Führung ganz. In sehr vielen Fällen werden die Lohnzahlungsbücher den Eltern oder gesetzlichen Vertretern derselben von den minderjährigen Arbeitern gar nicht vorgezeigt und die Lohnzahlungsbücher verbleiben bei der Arbeitsstelle. Es ist kein Fall bekannt geworden, in dem die Eltern das Buch von dem Arbeitgeber verlangt hätten. In den Ziegeleien werden vielfach jetzt weniger jugendliche Arbeiter eingestellt, da den dort beschäftigten Akkordarbeitern die durch den Bundesrat aus Grund des § 139 a der Gewerbeordnung einegführten Beschränkungen der Arbeitszeit dieser jugendlichen Arbeiter hinderlich sind und dieselben deshalb möglichst nur mit erwachsenen Hilfspersonen arbeiten wollen. ** Weinbau und Weinernte im Großh. Hessen im Jahre 1901. Der Kreis Mainz hatte einen Ertrag von 28,115 Hektolitern im Werte von 951,511 M., Alzey 64,483 Hektoliter im Werte von 1,389,703 M., Bingen 68,086 Hektoliter im Werte von 1,856.655 2)L, Oppenheim 131,099 Hektoliter im Werte von 3,842,034 M., Worms 70,418 Hektoliter im Werte von 1,672,551. Die Provinz Rheinhessen hat insgesamt 11,976 Hektar im Ertrage stehende und 1388 Hektar nicht im Ertrag stehende Weinberge. Die gesamte Hektoliterzahl betrug 362,213 mit einem Werte von 9,712,454 Mk. Die Provinz Starkenburg besitzt 613 Hektar und nicht im Ertrag stehende 108 Hektar mit einem Ertrage von 16,860 Hektoliter und einem Werte von 410,076 M. Die Provinz Ob er Hess en 10,7 Hektar und 8,9 Hektar, die letzteren nicht im Ertrag stehend, mit einem Ertrage von 100 Hektoliter int Werte von 6000 M. ** Die Zahl der Eiukorumensteuerpflichtigen und die Höhe 6er Einkommensteuer im Großh. Hessen betrug im Jahr 1901/02: In Ma inz bei einer Bevölkerung von 84,251 in der 2. Abteilung 24,179 und in der 1. Abteilung 4257 Einkommen- steuerpflichtige ; davon entfielen auf die 2. Abteilung 329,883 Mark und auf die 1. Abteilung 1,132,316 M. Einkommensteuer, zusammen 1,462,199 M. — Auf Worms (tnit Ausschluß der Vororte Hochheim, Neuhausen und Piffligheim) bei einer Bevölkerung von 35,684 auf die 2. Abt. 10,015 und "auf die 1. Abt. 1234 Einkommensteuerpflichtige mit 118,673 Mark in der 2. Abt. und 399,510 M. Einkommensteuer in der 1. Abt. — Auf Bingen bei 9600 Einwohnern auf die 2. Abt. 2250 und auf die 1. Abt. 596 Eintommensteucr- pflichtige mit 32,801 M. in der 2. Abt und 98,735 M. Ein- konunensteucr in der 1. Abt. — Auf Kastel bei 8098 Ein- wohnern auf die 2. Abt. 1939 und auf die 1. Abt. 157 Einkommensteuerpflichtige mit 22,773 M. in der 2. Abt. und 122,891 M. Einkommensteuer in der 1. Abt. — Auf Darmsta dt bei 72,381 Einwohnern auf die 2. Abt. 16,869 und auf die 1. Abt. 4323 Einkommensteuerpflichtige mit 337,507 Mark in der 2. Abt. und 1,019,055 M. Einkommensteuer in der 1. Abt. — Auf Offenbach bei 50,463 Einwohnern auf die 2. Abt. 14,620 und auf die 1. Abt. 1647 Ein- kommcnsteuerpfltchtige mit 207,934 M. in der 2. Abt. und 560,549 M. Einkommensteuer in der 1. Abt. — Auf Gießen bei 25,427 Einwohnern auf die 2. Abt. 5185 und auf die 1. Abt. 1407 Einkommensteuer-Pflichtige mit 73,625 M. in der 2. Abt. und 286,907 M. Einkommensteuer in der 1. Abt. Im Ganzen weisen die 7 Städte Hessens eine Bcvölkerungs- ziffer von 285,934 auf mit 75,057 Einkommensteuerpflichtigen der 2. und 13,621 der 1. Abt.; in der 2. Abt. beträgt die gesatnte Einkommcnsteäer 1,023,198 M. und in der 1. Abt. 3,619,963 M. In den höchsten Steuerklassen mit einem Einkommen von 101,000 bis 1,721,000 M. befinden sich in Mainz glückliche Steuerzahler 15, in Darmstadt 19. Offenbach 16, Worins 9, in Gießen 5 und in Kastel 5. ** Gewerkverein der deutschen Schuhmacher und Lederarbeiter.^ In Mainz trat die Generalversammlung des Gewerkvereins der deutschen Schuhmacher und Lederarbeiter zusammen. Anwesend waren Vertreter aus allen Teilen Deutschlands. Der Hauptschriftführer L. Winter-Berlin erstattete den Geschäftsbericht für die letzte dreijährige Verwaltungsperiode 1899/1901. Der Rechnungsabschluß weist eine Einnahme von 134 848.47 M!., eine Ausgabe von 123 613.57 Mk. und einen Vermögensbestand von 43 690.75 Mk. auf. Verausgabt wurden für Bildungszwecke und Fachunterricht 2357 Mk., Rechtsschutz 2599 Mr., Wanderunterstützung 4869 Mk., Umzugsgelder 4243 Mk., Arbeitslosenunterstützung 24 699 Mk., Notlagcnunterstützung 2335 Mk., Agitation 2924 Mk. Tic Mitgliederzahl betrug 6315 in 135 Ortsvereinen. Im Anschluß an den Geschäftsbericht wurden nach längerer lebhafter Besprechung folgende Resolutionen einstimmig angenommen: 1. Die in Mainz tagende Generalversammlung des Gewerkvereins der deutschen Schuhmacher und Lederarbeiter spricht sich entschieden gegen die von der Reichstags-Zolltarifkommiision in erster Lesung angenommene siebenfach höhere Besteuerung des Que- brache Holzes und anderer ausländischer Gerbstoffe aus und erwartet mit Bestimmtheit, daß der Reichstag im Interesse der Tausenden in der Schuh- und Lederindustrie thätigen Arbeiter die Kommissions Beschlüsse ablehnt, eventuell der Bundesrat die Genehmigung versagt. 2. Die Generalversammlung des mit über 6000 Mitgliedern über ganz Deutschland verbreiteten Gewerkvereins der deutschen Schuhmacher und Lederarbeiter in Mainz verurteilt mit aller Entschiedenheit die von der Regierung und von den Agrariern darüber hinaus geplante Erhöhung der Getreidezölle, und erwartet vom Reichstage, daß er diese, namentlich die Arbeiterbevölkerung schwer bedrückende Steuer ablehnen wird. Weiter beschloß die Generalversammlung die Einführung der obligatorischen Arbeitslosenversicherung für alle im Gewerkverein befindlichen Lohnarbeiter. ** Die Umtauschgebühr für Po st karten mit Antwort, die in den Händen des Publikums unbrauchbar geworden sind, beträgt nach einer Entscheidung des Reichspoftamts 2 Pfg., da die Postkarten mit Antwort aus zwei besonderen, je mit dem Wertstempel versehenen Postkarten bestehen, Sie - nur zu einem bestimmten Zweck zu- sammenhängenS geliefert werden. Uebrigens ist es dem Käufer einer Postkarte mit Antwort, wenn er nur den ersten Teil verdorben hat, unbenommen, die Antwortkarte seinerseits zu benutzen und die Notwendigkeit des Umtausches so zu vermeiden. -n. Bisses, 21. Mai. Die hiesige Lehrerstellc wurde dem Schulamtskandidaten Bvückel aus Lich definitiv übertragen. § Glashütten, 21. Mai. Die hiesige Feld- und Wald- j a g d wurde gestern auf weitere 6 Jahre verpachtet. Meistbietender blieb der Geh. Kommerzienrat Bud erus- Hirzenhain mit 405 Mk. Pacht pr. Jahr. Eine Anzahl Herren aus Gießen und Frankfttrt war erschienen. Klein-Felda, 21. Mai. Ein hiesiger Landwirt ist bei der Behörde vorstellig geworden um Vereinigung der beiden Orte Klein-Felda und Zeilbach zu einer politischen Gemeinde. Es sind nun die beiden in Betracht kommenden Bürgermeistereien vom Kreisamt Alsfeld zur Aeußerung darüber aufgefordert worden. Der Gemeinderat von Groß-Felda hat sich Sahin ausgesprochen, daß er gegen eine Loslösung Klein-Feldas nichts einzuwenSen hat, jedoch zu den eventuell entstehenden erheblichen Kosten keinen Beitrag leisten will, während der Gcmeinberat von Zeilbach einstimmig die Einverleibung Klein-Feldas ab gelehnt hat. Demnach scheint aus der Sache nichts zu werden. Vilbel, 20. Mai. Ter Gemeinderat sprach sich wegen des Elektrizitätswerks dahin aus, daß Ser Vertrag mit der betreffenden Gesellschaft nicht verlängert werden soll, da diese ihn nicht eingehalten habe. Es dürfte jedoch zunächst noch eine weitere Prüfung der Angelegenheit erfolgen, ehe eine endgiltige Entscheidung getroffen werden wird. Sollte ein Vertrag nicht geschlossen werden, so wirb der „Darmst. Ztg." zufolge wohl der Frage der Errichtung einer Gasanstalt näher .getreten werden. — Das vor etwa 3 Jahren begonnene, vom seitherigen Besitzer nicht vollendete Ga st y a u s an d er K r e i s st r a ß e nach Frankfurt, das nahe dem Wald und der Kreisstraße nach Offenbach günstig gelegen ist und mit dem zugehörigen Gelände zu einem Luftkurort bestimmt war, ist in den Besitz des Herrn L. A. Ger Häuser in Offenbach übergegangen, der es nunmehr ausbauen wird. — Tie „Dampfziegelwerke Wetterau" (Gem. Massenheim), seither einer Gesellschaft m. b. H. gehörig, find von Herrn I. Peters jun. in Rieder-Erlenbach käuflich erworben worSen. Mainz, 20. Mai. Eine U e b e rr a s ch u n,g wurde einer Herrschaft zu Teil, als sie von ihrer Pfingstreise zwei Tage früher, wip beabsichtigt, zurüakehrte, und ihr Dienst- mädchen, dem die Obhut der Wohnung anvertraut war, irrt Salon mit mehreren Freundinnett und einigen strammen Infanteristen bei einer Maibowle in frohester Stimmung versammelt fand. Tie Verblüffung der „Gaste" bei dem unerwarteten Erscheineit des Hausherrn war so groß, daß sie sämtlich nach allen Richtungen auseinanderstoben. Ta sich herausstcllte, daß der zur Bowle verwendete Wein aus dem Keller der Herrschaft stammte, so mußte das! Mädchen bald ihren „Gästen" auf die Straße folgen. — Am Pfingstsonntage wurde vom Wiesenwärter Roth an der Insel Lattgcnau die Leiche des vor drei Wochen bei einer Segelfahrt ertrunkenen Studenten aus Darmstadt ge- l ä n d e t. Worm§, 21. Mai. Die Wechselfälschungen, die der hiesige Kaufmann Adolf Sinsheimer sich zu schulden kommen ließ, sollen den Betrag von 240000 Mk. er- reichen, wovon allein auf ein Frankfurter Haus 174 000 Mark entfallen. Ein Bureaugehilfe soll sich der Mithilfe beim Fälschen der Unterschrift schuldig gemacht haben. — Tie Wechselsälschungen wurden Surch die Reichs bank entdeckt, indem diese die Bezogenen der Wechsel durch Einschreibebrief benachrichtigte. Dadurch mußte der Konkurs angemeldet werden, zumal durch Gläubiger versucht wurde, in den letzten Tagen von dem flüchtigen Sinsheimer Sicherheiten zu erlangen. Das Konkursverfahren über das Vermögen der Firma S. wurde heute vormittag eröffnet, die Lager versiegelt. Der Buchhalter Pollack! unS der Magazinier Jakob sind verhaftet worden. S ch i e r st e i n, 20. Mai. In der Nacht zum zweiten Pfingstseiertage fanden einige hiesige junge Leute einen sinnlos Betrunkenen aus der Straße fliegen. In einer Regung von Mitleid und namentlich weil einer der jungen Leute in dem Betrunkenen seinen Verwandten erkannte, hoben sie ihn auf, und bemühten sich, ihn nach Hausei zu schassen. Während des Transportes stach der Betrunkene den einen und zwar seinen Vetter derart in den Unterleib,, daß die Eingeweide heraustraten; der andere Träger erhielt einen 15 Ctm. langen Stich in den Arm. Der Messerheld wurde alsbald in polizeilichen Gewahrsam gebracht, mußte aber die ganze stacht hindurch bewacht werden, weil er sich zu erhängen versuchte. Der Schwerverletzte, an dessen Aufkommen gezweifelt wird, ist der einzige Sohn und die Stütze seiner Mutter. 1£. Jahresversammlung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") II. h. Gießen, 22. Mai. Gestern von 9—1 Uhr fand die 3. Sitzung der deutschen zoologischen Gesellschaft im anatomischen Hörsaal statt. Zuerst erstattete Geheimrat E. Schulze aus Berlin seinen Bericht als Generalredakteur des „Tierreichs", des großen allgemeinen systematischen Werkes, dessen Herausgabe die deutsche zoologische Gesellschaft unternommen hat und das nun die Berliner Akademie der Wissenschaften weiterführen wird. Hierauf wurde als Versammlungsort des nächsten Jahres in erster Linie Würzburg gewählt, wohin Prof. B ov eri als Direktor des dortigen Institutes die Gesellschaft eingeladen hatte. In zweiter Linie wurde dann einer Einladung Prof. Bloch mann entsprechend Tübingen als Versanunlungsort bestimmt, falls sich für Würzburg gewisse Schwierigkeiten einstellen sollten. Die übrige ganze Vormittagssitzung war entomologischen Vorträgen gewidmet. Der durch seine vorzüglichen morphologischen und biologischen Arbeiten über Ameisen und deren Gäste rühmlichst bekannte Pater E. Was mann (Luxemburg) begann den Reigen mit einem Vortrage „Die Eon - vergenserscheinungen zwischen den Dosylinen- ® arten Afrikas und Südamerikas (mit Demonstrationen ausgewählter Typen der betr. Formen). Er brachte dabei eine Menge interessanter Mitteilungen von Anpassungserscheinungen dieser Käfer an ihre Wirtsameisen, wodurch es erfteren überhaupt erst möglich wurde, mit ihren Wirten zu leben, da diese gefähr-< liche Raubameisen sind. Die Anpassungen, wodurch die Käfer Schutz vor ihren Wirten finden, sind mannigfacher 2(rt; so ahmen eine Reihe derselben die Ameisen, mit denen sie zusammenleben, an Gestalt und Farbe nach, ändere nehmen dagegen einen sogenannten Trutztypus an. Wasmann zeigte nun ferner, wie sich in zwei ganz getrennten tiergeographischen Regionen in Afrika einerseits und ir Südamerika andrerseits Vertreter verschiedener systematischer Gruppen dieser Gastkäfer sich zu ganz ähnlichen, con- vergenten Anpassungsformen entwickelt haben. Wasmann schloß gleich einen zweiten Vortrag an: „Neue Bestätigungen der Lomechusa-Pseudogynen Theorie", bei dem es sich gleichfalls um eigenartige morphologischbiologische Verhältnisse von Ameisen handelte. Hierauf folgte ein Vortrag von Dr. von Buttel- Reepen (Jena) über: „Die phylogenetische Entstehung des Bienenstaates", worin er nachzuweisen suchte, wie das hochorganisierte Staatenleben unserer Honigbiene von einfacherem sozialen Zusammenleben und schließlich von einzeln lebenden Formen der Gruppe der Bienen sich entwickelt habe. • Den Schluß der Morgensitzung bildeten die interessanten Mitteilungen von Prof. Vosseler (Stuttgart) „Ueber Anpassung und chemische Verteidigungsmittel bei vordafrikanischen Orthopteren", wobei es sich hauptsächlich um Anpassungserscheinungen dieser Insekten, zu denen vor allem die Heuschrecken gehören, in Form und Farbe an ihre verschiedenen Aufenthaltsorte (Wüste, Oase re.) handelt. In der Nachmittagssitzung brachte Prof. E. Ziegler (Jena) einen Vortrag über „Die Mechanik der Zellteilung" und Prof. Herze (Tübingen) teilte seine Untersuchungen „Ueber die Retina des Gastropoden- auges" mit, wozu er nach der Sitzung seine sehr schönen mikroskopischen Präparats demonstrierte. Frl. Dr. Gräfin v. Linden (Bonn) beschloß dann die heutige Sitzung mit einer Mitteilung über eigenartige Sinneshaare, die sie bei verschiedenen Jnsektenpuppen gefunden hatte. Um 3 Uhr fuhren die Teilnehmer der Versammlung nach Wetzlar, wo ein gemeinsamer Spaziergang auf die Garbenheimer Warte und durch die Stadt unternommen wurde, und landeten dann im „Hotel Herzogliches Haus", wohin sie als Gäste von Geh.-Rat Prof. Spengel und Prof. v. Wagner gebeten worden waren. Unter heiteren Reden und gemütlicher Unterhaltung blieb man dort zusammen und kam erst gegen 12 Uhr per Bahn wieder in Gießen an. Einnahme-Ausfall aus der Verlängerung der Gültig, keitsdauer der Rückfahrkarten. In der neuesten Nummer der „Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen" wird in einer bemerkens-^ werten Berechnung über den Einnahmeaussall bei Einführ-. una des den Rückfahrkarten zu Grunde liegenden Emheits-. Preises, unter Hinweis auf die steigende Benutzung der Fahrkarten mit Fahrpreisermäßigung, der Annahme Aus^ druck gegeben, daß sich dieses Verhältnis infolge der Der- lungerten Giltigkeit der Rückfahrkarten noch ziemlich be- trächtlich steigern und damit eine S^e erreichen wird, bie an Konsumenten liefern. Ferner be- cmf 2 845914 1. 2. 3. 4. H o l f e l d. 3841 2. Klasse 427 188 147 19 223 466 3. Klasse 1292 419 610 Pers.-Km. 38 772 588 Mk. 1. Klasse 104 037 509 6 242 250 Kunst unS Wissenschaft. a. Marburg, 21. Mai. Unsere gestrige Meldung von der Ernennung des Pros. Dr. Wrede hier -um Bibliothekar in Berlin beruht auf einem Mißverständnis. Bon einer solchen ist dem genannten Herrn bisher nichts bekannt geworden. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Bekanntmachung. Der Plan über die Errichtung oberirdischer Telegraphen-» (Fernsprech-)Linien in der Stadt Grünberg (Hessen) liegt bei dem Kaiserlichen Postamt in Grünberg (Hesien) aus. Darmstadt, den 17. Mai 1902. Kaiserliche Ober-Postdirektion. öffentlich versteigert werben: von den Wiefeckböschuugen nachmittags 2 Uhr mit Zusammenkunft am Lenz'fchen Felsenkeller, von den städtischen Feldwegen nachmittags 3 Uhr im DimdeitsWe «AAudum» Hießen, Südanlage 7. Wiederbeginn des Unterrichts in allen weiblichen Hand» arbeiten, sowie Kunstarbciten 3829 Mittwoch den 21. Mai 1902. sessor ftiea deshalb in Naumburg ans, um nach Halle tele- Warenhäuser, Bazare und Kvnftnrwerttne zu f(bü$cn, (möerafcitt ÄiSS nach^t^geschukt gegen die Konkurrenz,d^mg-n.^brikcmten, .dl^nut^chnJ Wer^e; sie |atte sich aber wahrscheinlich etwas KU lauge '^de? Be?band^ seine Mitglieder an^ufpomcn, sich' durch ge- aufgehalten, denn d-er Zug ging ohne )te ab. Deshalb Miihrmrpit unb moderne Gefchaftsfichrung der Gefahren in Halle.______ Anwerstläts Nachrichten. — Gegen das Pistolenducll. Eine Reihe alter Burschenschafter tritt dafür ein, daß der große Verband der deutschen Burschenschaften die Pistole als studentische Waffe überhaupt nicht anerkenne. Nach der Küsler'schen Unwersitätszeitung ist für diese Bewegung sehr viel Stimmung, wie denn überhaupt im A. 2. (S. sich ein Erwachen und ein Beuunen auf die burfchen- fchaftliche Vergangenheit bemerkbar mache, die der früher mehr beliebten korpsitudentischeu Nachäfferei schnurstracks entgegengesetzt sei. Ichaftliche Rübrigkeu unb moberne Geschäftsführung der Gefahren zu erivehren, welche in ben Wirlfchastskampsen unserer Zeck auf mannigfache Art auf ihn einbringen. „ Charlottenburger Stadtauleihe. Die otabl ^arUttoJ- burq hat sich mit der Absicht getragen, eine neue Anleihe u» Betrage von 34 Atilliouen Mark auszugeben. Doch ift btc bebürdllche Genehmigung für biefe Anleihe vorlausig oerfagtworben; eS wirb dic'Ennäßigung des Anleihebetrages auf 24 Millionen Mark jatte sich aber wahrscheinlich etwas zu lange _________denn b-cr Zug ging ohne sie ab. c stieg nun der Professor in Apolda aus, um mit dem nächsten Zuge die Gattin zu treffen. Als er nicht wieder im Waggon erschien, bemerkten die anderen Passagiere, daß der Professor seinen Mantel und seine Hutschachtel habe liegen lassen, und gaben die Sachen auf dem Bahn Hofe in Gotha ab. So befanden sich nun der Mantel und die Hutschachtel in Gotha, der Professor in Apolda, die Frau Professor in Naumburg und der R e i s e s a ck Bekanntmachung. Dienstag den 27. Mai sollen folgende Grasnutzungen oder im gonezn von 15 308 141 Mk. ergeben hoben. In Wirklichkeit würde er wohl etwas niedriger ausgefallen sein, weil in vorstehender Rechnung nur der Berliner Stadt--, I Borort- usw. Verkehr berücksichtigt lvorden ist, nicht auch1 der anderer Orte; da aber der Berliner Verkehr der Masse nach gegenüber dem anderer Orte weit überwiegt, dürste der Fehler nicht erheblich sein. „Solch ein Ausfall von etwas über 15 000 000 Mark ist immerhin ,so schließt der Artikel, so bedeutend, daß er zweifellos zu ernstester Vorsicht bei der Wetterführung einer Personentarifreform mahnen muh, besonders in Zeiten, die infolge wirtschaftlichen Mederganges auch wesentlich geringere Ueberschüsse der Eisend ah nverwaltung liefern, als die vorhergegangenen Zeiten der wirtschaftlichen Hochflut. Aber der Einnaymeaussall würde infolge der Einwirlung der verlängerten Giltigteitsdauer der Rückfahrkarten aller Voraussicht nach schon für das Rechnungsjahr 1901 vergleichsweise niedriger werden und sich in den folgenden Jahren, in denen die Einwirkung der genannten Maßregel voll zur Geltung kommen wird, wohl noch weiter verringern, so daß er der Durchführung weiterer Tarisrefomen um so weniger hinderlich sein dürfte, je günstiger sich das wirtschaftliche Leben wieder gestaltet," Abwaschungen nach körperlichen Anstrengungen rc. sind die erste Bedingung für die Gesundheit des Körpers und der Hautpflege. Die Hautathmung störende Ablagerungen müssen beseitigt werben. Die Thätigkelt der Poren muß erhalten bleiben. Hierzu bebarf es einer Seife, welche allen hygienischen Anforderungen entspricht, unb nehme man deshalb nur btc ärztlich empfohlene „Pcttent-Myrrholin-Seife", welche infolge ihrer antiseptifchen, heilenden, neubildenden unb konservierenden Eigenschaften einzig in ihrer Art unb unerreicht in Wirkung. Man verlange überall, auch in ben Apotheken, nur bic .Patent-Myrrholin- Seife", unb nehme keine andere. 280 ermäßigt und ein Einnahmeausfall von 2 845914 7 644 612 4 817 614 ML Einzel- und seste Rundreisefahrkarten verblieben. Hätten nun die Einheitsfahrpreise für einen Personenkilometer in 1. Masse nur 6, 2. Klasse 4.5, 3. Klasse 3 Psg. betragen, d. h. die .Hälfte des Satzes für Rückfahrkarten, so würde sich die Einnahme für Gerichtssaal. S. Darmstadt, 21. Mai. (Kriegsgericht.) Wegen Diebstahls im strafrechtlichen Rückfall hat sich der Gardist Otto Strauch aus Steinbach bet Gießen (12. Komp. Jns.-Regt. Nr. 115) zu verantworten. — Der vielfach vor bestrafte Angeklagte hat in zusammen 5 Fällen feinen Kameraden Messer usw., und in einem Falle nach Erbrechen eines Vorhangschlosses den Geldbetrag von Mark 1.50 ent wendet. Das letzte Delikt wird als schwerer Diebstahl qualifiziert und St., dem in Anbetracht des geringen Umfanges der gestohlenen Objekte wegen mildernde Umstände zugebilligt werden, in eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten verurteilt, und in Anbetracht feiner ehrlosen Gesinnung in die zweite Klasse des Soldaten- standes versetzt. Ein Monat Untersuchungshaft wird ihm angerechnet. — Der Gardist Hch. Hau (9. Komp. Inf.-Regt. Nr. 115) aus Schotten, der in Offenbach erzogen wurde, ein vielfach wegen Diebstahls, Unterschlagung, Betrugs, Körperverletzung usw. schon vor Beginrt seiner Dienstzeit bestrafter Bursche, führte sich auch im Dienst schlecht. Es wurde ihm daher öfter der Urlaub verweigert. Da er trotzdem wegging, ist er schon zweimal wegen un- I erlaubter Entfernung vorbestraft. Auch am 3. Mai hatte I er wieder große Sehnsucht, wie er angiebt, nach seinen Pflegeeltern in Offenbach und ging Samstag mittag fort. Am nächsten Tage wurde er in Offenbach sestgenom- meu unb wieder zurückgebracht. Vorher hatte er schon zu einem Kameraden geäußert, daß er ev. auch ohne Urlaub nach O. fahre. Bei dem Rücktransport erklärte er dem ihn transportierenden Unteroffizier, daß sich die Kompagnie die Arbeit hätte sparen tonnen, da er ja doch wieder allein zurückgekommen wäre. Da er sich anscheinend durchaus nicht an die militärische Disziplin gewöhnen will, wird er in die höchste zulässige Strafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt unb in Anbetracht seiner ehrlosen Gesinnung in bic zweite Klasse bes Solbatenstanbes versetzt. Er nimmt bic Strafe nicht an. Braunschweig, 20. Mai. Die Disziplinär kammer verurteilte den Landgerichtspräsibenten Dr. Dedekind wegen der bekannten welsischen Veröffentlichung über bie Denkschrift ber Regierung betr. bic Stellung ber Regentschaft zur Strafe burch einen Verweis unb in bie Kosten ber Verhandlung. Debekinb will Berufung einlegen. Bekanntmachung. Die Stelle des FriedhostAufsehcrs für den Friedhof am Robtberg ist bemnächsl zu besetzen. Mit ber Stelle ist ein pensionsfähiger Gehalt von 1480 Mk., fteigenb um jährlich 40 ML bis -um Höchstgehalt von 2200 ML. sowie Witwen- unb Waisenva> lorgung verbunden. In dem Gehalt ist die Dienstwohnung und freie Heizung enthalten, wofür 100 Mk. in Ausrechnuna kommen. Bewerber, welche bie Prüfung im Finanzfach II. Kategorie bestauben haben unb Gewanbtheil in gärtnerischen Arbeiten besitzen, erhalten ben Vorzug. Meldungen sind schriftlich unter Beifügung von Lebenslaub Zeugiüsabfchriften unb Gesunbheitsschein bis zum 20. Juut bet ber unterzeichneten Behörde einzureichen. Gießen, ben 21. Mai 1902. 3835 Großherzoglrche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Kandel und Derkehr. Volkswirtschaft Der Verband Deutscher Eiseuwarenhändler hält feine diesjährige Generalversammlung vom 29. bis 31. Mai in .Düsseldorf ab. Tie Mitgliederzahl des in seiner Ber- Blankens. Blankes. B I schmelzung mit einigen älteren Verein,aungen nunmehr 4 Jahre 0463 bestehenden Jnlereffenverbandes, dessen Wirksamkeit allgemein cm- . . erkannt unb gewürbigt wird, ist inzwischen auf über 1300 gestiegen, Also eine achtstündige Rundreise von ca. 6d Stirn, auf worunter sich die bebeutenbfien_ unb angesehensten Eisenwaren- ber Eisenbahn für 5 Pfa. Unb da schreit bie Welt noch nach Händler besinden; ferner haben sich über 800 Fabrikanten bereit ’ ■-> q ../• ä erklärt, die Bestrebungen des Verbandes zu unterstützen. Die Be- Fahrpretsermaßigung. ftrebungen des Verbandes Deutscher Eisenwarenhänbler, welcher * Eine hübsche Reisegeschtchte berichten thu- jn cr,-ler Beziehung auf bem Boben ber Selbsthilfe stehl, sind in ringische Blätter: Professor W. aus B. kam mit seiner .»Hauptsache barauf gerichtet, dem Zwischenhandel in der Eisen- Gattin nach Halle und Mste von dort luciter, vergaß aber warenbranche seine S:..üng zu wahren. Er sucht also einerseits in 5>alle, seinen Rcisesack mitzunehmen. Die Frau Pro- | feine Mitglieder gegen bic Konkurrenz ber Schleubergeschäste, ben Schritt, den Preisunterschied zwischen einfachen und I Rückfahrkarten fallen zu lassen, für die Eisenbahnverwalt- nntzen vielleicht nicht mehr als einen finanziell s o bedenklich erscheinen läßt wie bisher. Und im Anschluß hieran stellt der Artikel folgende interessante Berechnung Über die finanzielle Tragweite einer Beseitigung der Rückfahrkarten und der Ermäßigung der Preise für einfache Fahrkarten auf den halben Betrag der Preise für Rückfahrkarten auf. . ' Nach dem Bericht über die Betriebsergebnisse auf ben preußich-hesssischen Staatsbahnen sind im Rechnungsjahre 1900 auf einfache Fahrkarten ohne Militärbeförderung an Personenkilometern geleistet und an Einnahmen erzielt in: 1. Masse 2. Klasse 3. Klasse 104 037 509 540 188 147 1 897 419 610 Pers.-Km. 9 088 164 29 868 078 54 590 203 Mk. In diesen Zahlen ist allerdiirgs der Verkehr auf feste gtunbreifetarten mit enthalten. Ta dieser Verkehr oben im wesentlichen zu den nämlichen ober annähernd gleichen Sätzen abgewickelt wird, loie ber Verkehr auf Rückfahrkarten fo ist seine Einrechnung ohne großen Belang. Dagegen muß berjenige Verkehr an einfachen Fahrkarten abgerechnet werben, ber schon heute zu billigeren Sätzen als benen der Mcksahrkarten abgefertigt wird, wie bas besonders beim Berliner Stadt-, Ring- und Vorortverkehr mit feinen sehr beträchtlichen Verkehrszahlen zutrisst. Denn selbstverständlich würden die gegen bie halben Rückfahrlartenpreise noch ermäßigten Sätze für solche befonbere Verkehrskarten im Interesse ber betreffcnben Bevölkerungstreise aufrecht erhalten werben müssen. Dieser Verkehr von Groß-Berlin trifft nur bie 2 ..und 3. Klasse und kann in biefen auf etwa 113 Millionen unb 605 Millionen Personenkilvmeter sowie zu 3 Millionen unb 11 Millionen Mark geschätzt werben. Nach, Abzug biefer Zahlet! wären also in 2. und 3. Klasse 427 188 147 unb 1292 419 610 Personenkilometer sowie 26 868 078 unb 43 590 203 Mk. an Einnahmen für Reisen auf Aandmirtschast. Stubienreise des Hess. Landwirtsch afts- r a t s. Nach einer dieser Tage in der „Hess. Landw. Zeitfchr." erschienenen Bekanntmachung veranstaltet der Hessische Land- wirtschaftsrat in diesem Jahre vom 30. Juni vis 5. Juli eine landwirtschaftliche Stubienreise nach der Provinz Sachsen und den angrenzenden Landesteilen, auf welcher insbesondere die hochentwickelten Saatgutzucht - unb Zuckerrübenbauwirtschaften dieser Gegend besucht werden sollen. Auch ein Besuch der berühmten Versuchswirtschaft Lauchstädt unb ber Kalisalzb erg- werfe in Vinnenburg sowie bie Besichtigung der zahlreichen landwirtschaftlichen Sehenswürdigkeiten des landwirtschaftlichen Instituts unb der Landwirtschaftskammer für die Provinz Sachsen in Halle ist projektiert. Die Reise findet unter sachverständiger Führung statt unb soll, einschließlich Hin- unb Rückfahrt, 6 Tage dauern. Um auch weniger bemittelten Landwirten die Beteiligung zu ermöglichen, werden bei Aufstellung des ReiseplanK mäßigere Ansprüche vorausgesetzt und die Beteiligungskosten durch Eisenbahnermäßigung und Hotelvereinbarungen wesentlich gegenüber ben Kosten einer Einzelreise verminbert. Tie. im Vorjahre veranstaltete landwirtschaftliche Studienreise in die Viehzuchtgegenden Oberbadens hatte 47 Teilnehmer, die durchweg äußerst befriedigt waren. — Der Hessische Landwirtschaftsrat sprach sich in seiner Gesamtsitzung am 16. Mai unter Beantragung weniger Abänderungen für Annahme des von den Abgeordnelen Haas-Darmstadt und Gen. bei der Zweiten Kammer eingereichten Jnitiativ-An- trages und Gesetzentwurfes betr. die Errichtung einer Landwirt s ch a f t s k am m e r für das Großherzogtum Hessen aus. Ferner befürwortete er auf eine Anfrage der Regierung die Bewilligung von 1000 M k. aus Staatsmitteln als Beitrag zur Preis st iftung für bie Erfinbung eines Verfahrens zur Herstellung von Trockenkartoffeln als Futtermittel unb Handelsware im Großbetriebe. verlangt. Tic Süddeutschen Kabelwerke in Mannheim schließe« Geschäftsjahr mit einer größeren Unterdilanz ab. Im Vorjahr wurden 167 703 Mark Reingewinn erzielt. Es wurden 6 Prozent Dividende verteilt. , Lcstcrreichische Südbahu. Die Details, die über die Eryeb» niffe des abgelausenen Jahres veröffentlicht werden, an dieser Stelle wiederzugeben, würde einen zu großen Raum beanspruchen. Es sei deshalb nur hervorgehoben, daß den starken Ausfällen in den Transporteinnahmen, eine besonders starke Steigerung ber Betriebsausgaben gegenüber steht. Allerdings behauptet die Verwaltung, daß künftig so große Ausgaben nicht mehr zu erwarten sind, es wird jedoch zugegeben, daß die Mehrausgaben ihre volle sinanzielle Rückwirkung noch nicht ausgeübt haben. Um sich aus dem Dilemma zu retten, um jo zu sagen das sinanzielle Gleichgewicht wieder herzustellen, solle»» die Tllgungsmodalitäten der Zriorikätenschuld in der befnmtien Weise durchgeführt werben. Die iffernmäßigen Resultate führen wir kurz auf. Die Enmahmen aus dem Personenverkehr haben 28.87 Millionen Kronen ergeben, die Gütereninahinen 68.14 Millionen Kronen. Die Betriebskosten betrugen 54.33 Mill. Kronen, die Steuern 14.36 Mill. Kronen. Rach Bestreitung aller Zinsen ergiebt sich ein Fehlbetrag von Kr. 3351920. Zur Deckung derselben sind nur 700 000 Kronen vorhanden und es müllen 2651920 Kronen als Unterbilanz vorae- lragen werben. Die schwebende Schuld der Gesellschaft betragt 27.70 Mill. Kronen. Für Jnoestilionszwecke find wiederum 14.7 Millionen Kronen vorgesehen. Im Jahre 1901 wurden 18 Mill, und 1900 16.24 Millionen Kronen zu gleichem Zwecke verausgabt Diese Summen werden zum überwiegenben Teil, den Anforderungen des Staats entsprechend, für die Betriebssicherheit der Bahn bestimmt. Wenn das Verlangen des Staates auch durchaus berechtigt ist, so sollt- doch ein Unternehmen, das für die Verkehrs- bedürfnisse des Landes so große Summen verwenden muß, nicht ui so hohem Maße zu Steuerlasten herangezogen werden, wie nur dies aus den oben angeführten Ziffern ersehen haben. Märkte. Limburg a. d. L., 21. Mai. Fruchtmarkt Duchh- schuittspreise pr. Malter. Roter Weizen J4.78 Atk., Weißer Weizen 14.70 Mk., Korn 10.87 Alk., Gerste 9.38 ML, Hafer 8.67 ML, Erbsen 0.00 ML, Kartoffeln 0.00 Alk. Hof des Bürgermeistereigebäudes, von dem oberen Teil des alten Friedhofes und von dem Wasserbehälter am Lntherberg nachmittags 4'/, llhr an Ott und Stelle, von dem neuen Friedhof nachmittags 57, Uhr cm Ott und Stelle. Gießen, den 20. Mai 1902. 3822 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Vermischtes. • Eisenbahnkuriosum. Welchen Weg man auf ber! Eisenbahn zu nehmen hat, um vom Bahnhof Blankenstein nach ber etwa 1 Klm. entfernten Haltestelle Burg-Blankenstein I zu kommen, giebt bie „Hattinger Ztg." wie folgt an: Die, neuesten Fahrkarten weisen eine von bem bisherigen Reise-! weg erheblich abweichenbe Richtung auf; sie birigieren ben- ienigen, ber von ber Hauptstation Blankenstein nach ber Haltestelle Burg-Blankenstein will, auf bem kürzesten Wege dahin, unb ber ist nach Ausweis ber unten stehenden Karte 4. Klaffe bie Fahrt über Herbebe—Hagen—Schwelm- Barmen—Sprockhövel—Hattingen—Burg-Blankenstein. So kann es vorkommen, baß auf ben etwa 1 Klm. langen Weg vom Bahnhof nach ber Burg beispielsweise folgenbe Fahrzeit verwendet wird: Blankenstein Abfahrt 6 Uhr 46 Min. vorm., Ankunst in Hagen 7 Uhr 29 Min., Abfahrt von Hagen 8 Uhr 02 Min., Ankunft in Barmen-Mttershailsen 8 Uhr 46 Min. Nun geht der Spaß erst los. Zug Nr. 935 fähtt schon um 8 Uhr 24 Min. nach Wichlingen ab, folglich ist der Passagier gehalten, bis zum nächsten Zug zu warten, der Wicklmg- hausen um 1 Uhr 03 Min. nachm. verläßt, 1 Uhr 33 Min. in Sprockhövel und um 1 Uhr 50 Min. in Hattingen ein- ttifft. Von hier kann dann nach 55 Minuten Ruhepause um 2 Uhr 45 Min. die Weiterreise angetreten werden, sodaß man um 2 Uhr 53 Min., nach fast 8 Stunden, glücklich am Ziel Burg-Blankenstein ist. Die uns vorliegende Fahrkatte trägt folgenden Aufdruck: 16. 04, 02. 2 Personenzug Blankenstein—Ruhr Blankenftem—Burg über Sprockhövel. IV. Kl. 0,05 M. Mai Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windttchtunc Windstärke Wette* 21. 21. 22. 2” 9" rjii 748,9 751,6 753,9 18,9 8,7 7,4 6,9 6,9 6,6 58 83 86 WNW. NW. w. 2 2 2 Sonnenschein Bew. Himmel Bed. w Hö chste T empera tur ar n 20./ 21. Ma i + 14 ,0» C. 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