Samstag 22. Marz LAOS 152. Jahrgang Erstes Blatt. " General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Nr. 69 Vrscheint tSgNch außer Sonntags, Dem Gießener Anzeiger werden Im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamtlien- -lätter viermal in der Woche beigelegt. * NotationS druck u. Verlag der B rü h l'schen Untverf.-Buch- iu©tcii>- druckerei (Pietsch Erbens Nedaktion, Erpeditton uni) Druckerei: Schalstraße 7. vdresie für Depeschen: «azetger Gtctzea. Fernlprrchanschluß Nr. bl. VezugSpretSr monatlich 7bPi., Dtertel*1 jährlich Ätk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen' monatlich 65 Pf.; durch diePoft Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr,^ ZeilenpreiS: lokal 12Pl, auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem.- Teil: P. Wtttko: für, ,Stadt und Land^ unb, .Gerichtssaal": R-Ditt- mann; für den Anzeigenteil: HanS Beck. 5>U Spannung auf den Ausgang der parlamentarischen Beratungen über den Z o l l t a r i s dauert fort Noch vor den Osterferien wird in der Zweiten hessischen Kammer die Anfrage des Grafen Oriola, wie sich bie Gvoßh. Regierung zu den Getreide- z ö l l e n stellt, zur Verhandlung kommen, und mit B e g i n n des nächsten Vierteljahres werden die Beratungen der Zolltarifkommission des Reichstags ihrenFort- gang nehmen. Es wird beabsichtigt, die Kommission während des ganzen Sommers tagen $u lassen; für diesen Fall werden den Kommissionsmitgliedern Tagegelder in Form einer Pauschalentschädigung zugebilligt Man knüpft daran vielfach die Hoffnung, daß dadurch die Frage der Gewährung von Präsen^geldern au den Reichstag überhaupt in Fluß gelangen werde. Einstweilen weiß niemand die Frage: Was nun weiter? mit einiger Sicherheit zu beantworten Die demnLchfiigen Kammerwahlen in Frankreich werden sich zu einem lebhaften Kampfe um die politische Herrschaft gestalten; ob das am Ruder befindliche Kabinett ober der Klerus siegen wird, ist vor der Hand nicht abzusehen. England hat unter dem Drucke des südafrikanischen Krieges zum ersten Male unter allen civilisier- ten Nationen eine ostastatische Macht, Japan, durch Schließung eines Bündnisses als gleichberechtigt anerkannt und hofft hiervon wie von den jüngsten Anfreundungsversuchen bei Italien an den ostasiatischen wie an den mittelländischen Küsten Früchte zu ernten, die zunächst für die Russen wenig schmackhaft sein sollen. In seinem inneren Parteileben vollzieht sich der weitere Verfall der liberalen Partei. Mit Irland scheinen inzwischen sich unwillkommene neue Schwierigkeiten zu ergeben, noch ehe der Krieg in Südafrika beendigt ist, den englische Voreiligkeit schon so oft als abgeschlossen hingestellt hat, während lhat- sächlick die ewig denkwürdige Tapferkeit unermüdlicher Vaterlandsverteidiger sein Ende noch gar nicht voraussehen läßt; denn die neuen Erfolge Delareys sprechen dafür eine zu deutliche Sprache; die Hoffnungen der Burenfreunde sind wesentlich gehoben. Allen diesen Fragen widmet der „Gieß. Anz." seine volle Aufmerksamkeit Außerdem erfahren die „Gieß. Familienbl." und der „Hess. Landwirt" besondere Pflege. Der Handelsteil des „Gieß. Anz." wird unausgesetzt weiterer Ausgestaltung unterzogen. Aus dem Leserkreise geäußerte Wünsche werden gern berücksichtigt Unsere bisherigen und alle neu hinzutretenden Abonnenten bitten wir um baldigste Bestellung für das bevorstehende neue Vierteljahr April-Mai-Juni und machen wiederholt darauf aufmerksam, daß sämtliche Brief- und Landbriefträger in der Zeit vom 15. bis 25. März Bestellungen aus den „Gieß. Anz." entgegennehmen. In den Orten, für die wir einen eigenen Botendienst eingerichtet haben, beliebe man sich an die Ausgabestellen zu wenden. VolitljüjL Äügesschau. Professor Schweninger und das Krankenhaus in Groß-Lichterfelde. In der Nr. 12 der „Ttsch. Medic. Wochenschr." unterwirft chr Redakteur Dr. Schwalbe Schweningers Bericht über den Betrieb des genannten Kreis kranken Hauses einer überaus scharfen Kritik, und faßt seine Ansicht folgendermaßen zusammen: „Wäre Cchweninger nichts als ein medizinischer Literat, prakt. Arzt, Dermatologe, Konsiliarius usw., jo hätte für uns keinerlei Veranlassung vorgelegen, uns jo eingehend mit ihm zu beschäftigen. Schweninger ist eben noch außerordentlicher. Professor an der Berliner Universität, dirigierender Arzt an der königlichen Charitä und Leiter eines großen Kreiskrankenhauses. Als er vor etwa zwei Tecennien, trotz des energischen Protestes der Fakultät, sein Lehramt und die Ab- teilung für Hautkrankheiten in der Charlls erhielt, hatte der damalige Kultusminister dem Drucke des Fürsten Bismarck nachgeben zu müssen geglaubt. Damals konnte man sich mit einer gewissen Se lb st Überwindung die Einreihung Schweningers unter d.e Berliner medizinischen Professoren in Ansehen seiner früheren wissenschaftlichen Publikanonen noch gefallen lassen. In den folgenden Jahren hat zwar Schweningermanch- erlei sich zu Schulden kommen lassen, was einem anderen Fakultä tsmitgliede seine Stellung gekostet hätte — indes war doch nichts geschehen, was ihn in offenbaren Gegensatz zur Wissenschaft gebracht hätte. Das medizinische Glaubensbekenntnis, das Schweninger in seinem diesjährigen Bericht niedergelegt hat, schließt ihn aus dem Kreise der heutigen medizinischen Wissenschaft aus. Wir sind gewiß die letzten, die die Freiheit, ja die Vorurteilslosigkeit der Wi,'senscha,t antasten möchten, — die Lehren aber, die Schweninger vertritt, charakterisieren sich als A f t e r w is s e n s ch a f t Unserer Meinung nach kann die Unterrichtsverwaltung es nicht länger mehr verantworten, daß solche Lehren der akademischen Jugend an der Berliner Universität eingeprägt werden, daß unter ihrer Autorität bei den Berliner Medizinstudierenden Vorstellungen und Meinungen gezüchtet werden, d.e die wissenschaftliche Ausbildung und das daraus entspringende praktische Handeln der Schüler verwirren und schwer beeinträchtigen können. Schweninger auf einemLehr- stuhl der Berliner Universität bedeutet so viel, wie ein Homöopath als akademischer Lehrer der Pharmakologie ober ein Katholik als Ordinarius der evangelischen Theologie! Tas Bereich von Schweningers Wirksamkeit als Dermatologe an der Berliner Universität ist aber immerhin relativ beschränkt, thatsächlich noch vermindert durch die ganze exzeptionelle gleichzeitige Leitung eines außerhalb Berlins gelegenen Krankenhauses und durch die umfangreiche KonsiliarPraxis. Weit bedenklicher erscheint uns deshalb die Thätigkeit Schweningers als unumschränkten Gebieters eines allgemeinen öffentlichen Krankenhauses. Ter Bericht Schweningers selbst läßt ersehen, beziehungsweise vermuten, — die bekannt gewordenen Mitteilungen von Patienten beweisen es —, was im Licht er selber Krankenhause in der Kranken- behanblung geleistet wird. Hier kommen nicht blos, wie an der Berliner Charite, Hautkränke in Betracht, sondern Patienten jeder Art, bie in einer von ber medizinischen Wissenschaft und ärztlichen Praxis mehr oder weniger zu verurteilenden Weise kuriert werden, und unter Umständen eine schwere Schädigung an ihrem Leibe erfahren müssen. Wir halten die nach Schweningers Grundsätzen durchgeführte Behandlung ber das Groß-Lichterfelder Hospital zwangswei.e au, suchenden Kranken zum mindesten für höchst bedenklich, eine Abhilfe dieser Verhältnisse für dringend geboten!" Die Idee einer Kunststudentenfahrt nach Paris. In Betreff der Studentenfahrt nach Paris, die bezweckte, den Parisern die „Räuber" vorzuipielen, ist schon mitgeteilt worden, daß dieser Plan an Stellen, die ihn mit dem Gesühl der politischen Verantwortung beurteilen, Mißbehagen erweckt. Tie Vorstellungen sollen nunmehr bis nach den französischen Kammerwahlen verschoben werden, der übrige Teil des Programms soll wie geplant ausgesührt werden. Die von Berlin offiziös bediente „Münch. Allg. Ztg." schreibt denn auch: Vor allem hat ber Reichskanzler keinen Zweifel barüber gelassen, daß er dem Unternehmen warnend und ablehnend gegenübersteht. Wenn von Leipzig aus behauptet wird, das sei nicht richtig, so ist das vielleicht darauf zurückzuführen, daß der Herr, der den Leipziger Abgesandten die betreffende Auskunft gegeben hat, sich infolge der Fragestellung über die persönliche Meinung des Reichskanzlers wohl übervorsichtig ausgedrückt hat. Jedenfalls kann versichert werden, daß über die Meinung des Grasen Bülow selbst in unterrichteten Kreisen nicht der geringste Zweifel besteht Das kann ja auch, gar nicht anders sein, denn wer über die Pariser Verhältnisse auch nur einigermaßen informiert ist, muß auch wissen, daß nicht die geringste Garantie für die Vermeidung der unangenehmsten Zwischenfälle besteht, die wohl nicht gerade ernste Verwicklungen nach sich ziehen werden, aber doch immer ausreichen, um die mühsame Arbeit ber allmählichen Verstänbigung zwischen ben beiden großen Kulturnationen um ein gutes Stück zurückzuwerfen. Jeder, dem ernstlich barum $u thun ist, daß Deutsche und Franzosen einander mit der Zeit näher kommen unb. sich gegenseitig verstehen lernen, wird vor allem wünschen müssen, baß dieses Werk, dessen Gelingen ja uns selbst und der gesamten europäischen Kulturentwicklung nur zum Segen gereichen könnte, mit behutsamer und geschickter Hand angefaßt werde, daß es so fortgeführt werde, wie es vom Kaiser und den berufenen Staatsmännern begonnen worden ist, und daß das Erreichte nicht von Dilettanten zerstört werde, die gewiß das beste wollen, denen es aber offenbar an politischem Augenmaß fehlt Heer uuo Ftorre. Der Großherzog von Luxemburg feiert am 22., b. M. das 60jährige Jubiläum als Chef eines preußischen Regiments. In ber Armeegeschickte ge* hört ein oerartiges Jubiläum zu den größten Seltenheiten^ bisher war nur Kaiser Wilhelm I. eine derartig lange Zeit Chef eines Regiments. Der Großherzog Adolf von Luxemburg, der 1817 geboren ist, wuroe am 22. März 1842 al5 Herzog von Nassau Ches des westfälischen Ulanen-Regimentsi Sir. 5. Seit 1855 ist er General der Kavallerie, (ä ift ia diesem Dienstgrade schon seit langer Zell der älteste in ber preußischen Armee; nach chm folgen der Großherzogl von Mecklenburg-Strelitz, ber 1859, und der Herzog von Sachsen-Altenburg, ber 1866 General geworden ist Aas «MeuöeLeuer tzjsenöaynunglück vor Gericht. Paderborn, 21. März. 1 Das Altenbekener Eisenbahnunglück voral 20. Dezember v. I., in seinen Folgen eine der fürchterlichsten Eisenbahnkatastrophen der letzten Jahre, findet jetzt vor dem hiesigen Landgericht ein gerichtliches Nachspiel. Die An-^ klage, die sich gegen die Bahnwärter Kl ein haus undi Meyer aus Benhausen bei Paderborn und gegen den Zu^ sührer des verunglückten D-Zuges, Peters aus Berlin, richtet, lautet aus Gefährdung eines Eisenbahn-, transportes, fahrlässige Tötung und schwere; Körperverletzung. Der Präsident beginnt mit der Vernehmung des Zugführers Peters, der folgendes aussagt: Ich berteufte gerade Platzkarten, als der Zug zwischen Neuenbeken und' Altenbeken stehen blieb. Es war ein Pferd unter die vierteAch feder Maschine geraten. Ich sagte zunr Lokomotivführer: Wir müssen den Zug sichern. 2)er Zugführer sagte, das sei nicht nötig, wir seien durch die Blocksignale gesichert. Ich fragte, wie lange es dauern würde, er meinte 5 Minuten. Ich ließ die Druckmaschine um eine Pferdelänge zurückgehen. Wir wollten schon abfahren, als mir gesagt wurde, die Laterne an der Maschine sei nicht in Ordnung. Es wurde entgegen berat von mir gegebenen Fahrzeichen noch wegen der Laterne Irauenwopt. (Originalbericht des „Gieß, Anz.") Unlängst fand in Berlin im Verein „Frauenwohl" eine Versammlung statt, um Über die Notwendigkeit eines Findel Hauses zu beraten. Stadtrat Dr. Münfterberg als erster Redner betonte, daß Findelhaus kein moderner Begriff sei. Im 9. Jahrhundert sei in Italien ber „Drehkaste n" ein geführt. Dies sei eine Art Krippe mit Dreheinrichtung in der Wand oder Thür des Findelhauses eingelassen. Auf ein Glockenzeichen von außen habe der Pförtner den Drehkasten an die Außenseite des Hauses gedreht — die Mutter oder etwa eine Ziehmutter, ber das Kind eine Last war, habe beit Säugling in den Behälter gelegt, der Pförtner habe wieder gedreht, ohne zu fragen, wer draußen stehe, unb der Säugling befand sich in seinem späteren Heim. Die Anonymität blieb als«) gewahrt. 1811 wurde der Drehkasten in Frankreich eingesührt. Oft wurde diese Einrichtung' mißbraucht. Ganz gutsituierte San bleute ließen nicht selten auf diese Weise ihre Kinder auf Staatskosten erziehen. Dadurch wurde das Pflichtgefühl ber Eltern unterbrückt und die Zahl ber unehelichen Kinder erhöhte sich gewaltig. Der „Drehkasten" wurde zuweilen direkt zu einer Prämie. Eine Gewissenlosigkeit und Unsittlichkeit. In einer Provinz Italiens fing man an, bie Mütter aufzufordern, sich offen an bie Direktion zu wenden und sicherte ihnen in jeher Weise Unterstützung, falls sie sich bereit erklärten, ihre Kinder zu behalten. Auf Bitte der Mütter jedoch nnirbe ber Fall durchaus diskret behandelt, nur suchte man bie Berbinbung zwischen Mutter und Kind aufrecht zu erhalten, um das Muttergesühl zu retten. Die Frage ist nun: Was können wir an die Stelle des Findelhauses setzen? Die Antwort siebt uns erstens das Gesetz: „Wo der einzelne nicht für ich sorgen kann, hat die Gemeinde die Pflicht, für ihn zu orgen." Wir wollen aber auch die Mütter vor ben „Engelmacherinnen" schützen. Es existieren in Berlin ein „Heim für Viädchen", ein Wöchnerinnenheim, eine Unterkunft für Wöchnerinnen, eine Heimstätte, das Asyl für Obdachlose. Diese Stätten sind voll von Mädchen aus der Provinz; sie flüchten sich entweder vor der Schande in ber Heimat, ober bie Heimatsgemeinde hat sie schnell nach Berlin abgeschoben. Zu diesen Einrichtungen kommen neuerdings noch „das Kinderasyl", der Krippenverein, der Kinderschutzverein und einige Säuglingskrippen, die mit den Kirchen Zusammenhängen. ,Halte"- und Ziehkinder unehelicher Geburt giebt es in Berlin ca. 8000, solcher Kinder aber, die direkt von ber Mutter wegen störender häuslicher Verhältnisse einer Ziehmutter übergeben sind, ca. 20 000. Die Sterblichkeit unter biefen Kindern ist ungeheuer! Wir brauchen also eine Einrichtung, bei welcher ber Zusammenhang zwischen Mutter unb Kind gewahrt bleibt Frl. Dr. Annita Augsburg fordert vom Staate Schutz für bie Mütter. Früher, hob sie hervor, nahm man ihr die Verantwortlichkeit, damit aber and) alle Rechte. Der Staat braucht Bürger, er hat das größte Interesse an jeder Geburt, deshalb sollte er die Wöchnerinnen nicht nur während des Wochenbettes, sondern schon in ben letzten Wochen vor ber Niederkunft schützen. Jede Mutter, sofern sie es verlangt, sollte unter dem Schutze des Staates die Geburtszeit überstehen, ganz gleich, ob sie Mädcken ober Frau sei. Der Staat habe Mittel für Kasernen, für Schulen, für Gefängnisse und Zuchthäuser. Für letzteres würde er well weniger gebrauchen, wenn jedes Kind von vornherein richtig beschützt würde. Tie bekannte Schriftstellerin Gabriele Reuters äußerte die Ansicht, daß man auf solche Gesetze wohl noch lange Zell warten müsse. Deshalb sei es unsere Pflicht, bie Privatliebesthätigkeit in Bewegung zu setzen. Nicht die Anonymität, sondern die Fürsorge für bie Hilfsbedürftigen befürworte sie. Rette man so viele Kinder wie möglich, erziehe sie nach ihrer Veranlagung zu tüchtigen kraftvollen Menschen! Gelingt bies, bann wird man vielleicht bald! nicht nur von einer Beamten-, einer Offiziers-, einer Mannesehre, sondern auch von einer Vaterehre sprechen. In ber innersten sittlichen Gesinnung muß die WanblunK vor sich gehen, bie Besserung schasst. Dr. Brinkmann verteidigt die Findelhäuser. Er will nicht nur von „gefallenen" Mädchen, sondern cmchj von „gefallenen" Männern reden. Es folgten noch verschiedene Reben. Pn'Äfrzt verlangte, daß die Aerzte mehr^ür bie Sachet herangezogen mürben. Ein Dien st mädchen sprach .'für- ihren Stand, in bescheidener und herzbewegender Weise. Sie- wies daraus hin, daß, wenn bie Dlädchen an Soiwitaj^n erst um 6 ober 7 Uhr frei bekämen, sie bann nicht an gute Vergnügungsorte gingen, sondern auf Tanzböden, unb manche gerieten hier ins Unglück nicht aus Leichtsinn, sondern aus Unwissenheit. Sie bat, sich ber Dienstboten anzunehmen und auch wenn sie vielen Undank ernteten, überzeugt zu fein, daß alle besseren Mädchen ihnen jedes ernste liebevolle Wort danken würden. r Zum Schluß wies Stadtrat Dr. M ü n ft e r I^e r g daraus yin, daß alles Mitleid und der ernste Wunsch in dieser dringenden Frage zu helfen, doch nicv dazu führen dürfe, das Gesühl der Selb st Verantwortlichkeit abzuschwächen. -gehalten, obwohl nach meiner Ansicht, da die Scheibe ganz war, sofort nach Beseitigung des Pferdes hätte weitergefahren werden können. Es wurden dadurch noch etwa Kwei Minuten verbummelt. Ich begab mich deshalb, um nachzusehen, warum meinem Durchfahrtssignal nicht Folge geleistet wurde, nach vorn. In diesem Augenblick erfolgte der Anprall. Nach meiner Uhr war es 12.15. Bei einem Zugunfall bin ich verpflichtet, zurückzugehen bis zur nächsten Wärterbude, Knallpatronen auszulegen und die rote Scheibe zu stellen. Hier lag ein Hindernis nicht vor, es handelte jich um ein paar Minuten Aufenthalt. Es sind mir bei meiner langjährigen Thätigkeit sehr viele derartige Fälle vorge- lommen, und es ist bei solchen Fällen bis jetzt nichts gemacht worden. Es würden da Beschwerden über Beschwerden Kommen. Präs.: Nach dem Unfall sorgten Sie nun für »Sicherung? Angell.: Ja. Die Druckmaschine schob sich, bei dem Anprall in den letzten Wagen des D-uZges, den Wagen '3. Klasse, und zertrümmerte diesen. Ich ließ sofort sämtliche Wasserkasten aus dem Zug holen. Präs.: Sie behaupten also, es sei die Zeit zur Anwendung der Sicherung zu kurz gewesen, und es habe sich um keine eigentliche Streckensperrung gehandelt? Angell.: Ja. Präs.: Sie wollen nicht gewußt haben, daß der Personenzug folgte? Hatten Sie keinen Fahrplan? Angell.: Ich fuhr das zweite Mal. Die Strecke hat aber allein vier Fahrpläne. Es war $01 keine Zeit, sich damit zu befassen. Die Maschine war in Ordnung und läufig. Die Laterne bot kein Hindernis. Eventuell hätte der Lokomotivführer auch mit einer Laterne fahren können. Je näher wir an den Berg kamen, desto nebliger wurde es. Der Angeklagte Meyer Benter ft: Am 20. Dezember sei es furchtbar neblig gewesen, sodaß man nicht 50 Schritt weit sehen konnte. Er habe deshalb Knallpatronen ausgelegt. Er habe von der Blockstation Schürenberg das Signal „freie Fahrt" erhalten und daher angenommen, der D-Zug fei bereits durch und die Bahn frei gemacht. Gleich darauf kam der Schaffner Wessel und sagte: Es ist ein Unglück geschehen, halten Sie den Güterzug zurück. Wäre das nicht geschehen, dann wäre womöglich der Güterzug auf Den Personenzug hinaufgefahren. Der Angellagte Kleinhaus war der Meinung, daß Der D-Zug vor Keimberg liege, und gab dorthin die Einfahrt frei. Nach zwei bis drei Minuten kam ein zweites Erinnerungszeichen von Meyer: „Ich bin noch nicht frei" -oder „ich bin frei". Ich glaubte noch immer, es sei der D-Zug und gab frei. Präs.: Wann hatten Sie morgens Ihren Dienst angetreten? Angell.: Um 7 Uhr früh. Angell.: Ich mußte jedesmal die Kurbel elfmal drehen; des Nebels wegen war langsamer zu drehen. Das Abläutezeichen für den Güterzug 6513 habe ich nicht gehört. Zeuge Regierungsbaurat Dahme bekundet, daß, wenn auch nicht häufig, Störungen an dem Blocksignal Vorkommen. Präs.: Kann auch durch fehlerhafte Bedienung der Blockeinrichtung eine Störung der Signal - Apparate eintreten? — Zeuge Dahme: Gewiß, es könnte ein falsches Feld, weiß für rot oder umgekehrt, eintreten. Deshalb besteht die Bestimmung, daß der Beamte 11 mal kurbeln muß, obwohl gemeinhin 2—3 mal genügen. — Bert. Lenz- -monn: Das Vorweg- und Erinnerungszeichen wird mit demselben Apparat gegeben? — Zeuge: Nicht nur mit demselben Apparat, auch auf dieselbe Art. Tas erstere klingelt aber. — Bert.: Sind nach dem Unfall andere Ein^- richtungen getroffen worden? — Zeuge: Davon ist mir nichts bekannt. Die Streckeneinrichtung soll wohl geändert worden fein, aber es ist noch die alle Einrichtung in Betrieb. — Lenzmann: Ist es richtig, daß die vorge- fchriebene automatische Tastenblockung durch den Zug auf dieser Strecke noch nicht eingeführt war? — Zeuge: Eine Vorschrift besteht darüber nicht. Es handelt sich da um eine Neuerung, die noch erprobt werden soll. Lenzmann: In Mecklenburg sind diese Kontakte allgemein eingeführt; überall sonst hat man sie, nur in Preußen nicht. Es liegt mir fern, die Bahnverwaltung anzugreifen. (Lachen im Publikum.) Aber diese wichtige Strecke, die von Schnell- und Perfonenzügen so stark befahren wird, hatte früher eine stärkere Aufsicht. Srnd nicht Wärterhäuser eingezogen worden? — Zeuge: Die Besetzung der Strecke ist seit dem 1. Oktober 1900 so wie jetzt, jedoch durch die neue Streckenblockung wurden weniger Leute nötig. An Stelle des Wär- terhauses 34 sind zwei Bloch'tationen eingerichtet worden; die Besetzung ist also hier gerade verdoppelt worden. — Bert.: Wie war die Str ecken aufsicht bei der Reise des Kronprinzen am 19. Dezember? War die Aufsicht nicht aus Rücksicht auf die Person, sondern aus Rücksicht auf die Sicherheit des Fahrdienstes nicht eine größere? — Zeuge: Wenn höchste und allerhöchste Herrschaften fahren, werden weitgehende Sicherheitsmaßregeln getroffen. Meist wird die Bewachung der ganzen Strecke verdreifacht. Die Wärter stehen so nahe, daß einer den anderen sehen kann, so daß es sofort zu sehen ist, wenn etwas auf die Schienen geworfen wird. Die größten Vorsichtsmaßregeln werden natürlich getroffen, wenn der Kaiser oder die Kaiserin die Strecke passieren. Das ist mit Rücksicht aus die Eisenbahn-Attentate in Rußland notwendig erschienen. Die Strecke soll dreimal täglich von einem Streckenläufer begangen werden. Hier geschieht es aber mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Strecke achtmal täglich. Es erfolgt dann zunächst die Vernehmung der Fuhrleute, denen das Pferd davongelaufen, und unter den D-Zug geraten ist. — Bremser Burgdorf nahm von einem dem T-Zuae entgegenkommenden Güterzuge wahr, wie die Zugmaschine des D-Zuges das auf der Strecke herumlaufende Pferd erfaßte und zermalmte. Der Lokomotivführer Dierkmeyer, der die Zugmaschine des D-Zuges führte, sagt aus: Als das Pferd unter der Maschine hervorgeholt war, habe er die Laterne der Maschine, die zertrümmert war, durch die Tenderlaterne ersetzen müssen. — Präs.: Hat der Zugführer Ihnen nicht gesagt, es kommt auf die Laterne gar nicht an? — Zeuge: Gott bewahre! Peters war ja unter uns am Zuge. Tie Laternen mußten Brennen, einmal des dichten Nebels wegen, und weil wir auch bald daraus durch einen Tunnel zu fahren hatten. Als die Laternen aufgesteckt waren, gab Peters den Befehl zum Meiterfahren. Ich zeigte ihm aber, daß die Laterne noch angezündet werden müsse. Während nun der Heizer mit dem Anzünden beschäftigt war, gab es einen Stoß, und die Maschine rückte ein Stück nach vorn. Ich rief dem Heizer noch schnell zu: Beine weg! — Präs.: Hat der Zugführer nicht mit Ihnen über die Rückendeckung des Zuges gesprochen? — Zeuge: Nein. — Präs.: Haben Sie ihm nicht gesagt, eine Deckung sei nicht nötig, weil der Zug zwischen Blockdeckung liege? — Zeuge: Nein, ich habe mit PeterS überhaupt nicht darüber gesprochen. — Rechtsanwalt Bernau: Hat Peters Sie nicht gefragt, ob alles in Ordnung sei, und ob nun weiter gefahren werden könne? — Zeuge: Nein. Das ist nicht wahr. Zeuge Packmeister Lührig: Ms das Pferd weg- geschafft war, sagte ich zu Peters: Nun aber los! Darauf ging er bis zur Mitte des Zuges und gab das Aufsteige- und Abfahrtssignal, also Nr. 26 und 27. — Präs.: Ja, mußte der Lotomotivsührer es hören? — Zeuge: Tas meine ich wohl, ich wenigstens habe es deutlich gehört. — Präs.: Wurde nun abgefahren? — Zeuge: Nein. Ter Lokomotivführer stieg ab von der Maschine und machte ich erst an der Laterne zu schaffen. In diesem Augenblick gab es einen Stoß, so daß ich noch ausrief: Wie kann der Ochse so weit vorfahren! Ich nahm an, daß die Schubmaschine vorgefahren sei. — Präs.: Wie lange war der Aufenthalt des Zuges auf der freien Strecke? — Zeuge: Ich schätze ihn auf höchstens 7 Minuten. Ter Schaffner Geißler hat nicht gehört, daß Peters den Befehl zur Abfahrt erteilt hat. Ferner wurde verlesen das Protokoll der Vernehmung des Wagenwärters Boldt, der noch in Berlin im Krankenhause liegt. Tieser hat das Signal des Zugführers gehört, und sich gewundert, daß dcr Lokomotivführer nicht abfuhr. Ter Heizer Schick, der auf der Maschine am Ende des Zuges war, hat den hinten herankommenden Zug gehört und ist abgesprungen; zum Pfeifen habe er keine Berechtigung gehabt. Um li/2 Uhr erklärte der Verteidiger Lenzmann, daß er keinesfalls heute noch plaidieren werde. Es trat dann eine Pause ein. Partien als Kopenhagen; die Boulevaichs, breit und grvy- städtisch, sind mit hübschen Bausteinen eingefaßt. Das Thor- waldsen-Museum mit seinen Meisterwerken ist weltberühmt und Tausende sehen sich Jahr für Jahr die SehenswurdiK« leiten an, ferner die herrlichen Schlösser mit innerer Einrichtung. Schloß Fredensborg, die Residenz des Königs, hat eine anmutige Lage, ferner noch. Trvense, ^vendborg, Hammerhus, Skopschooed, Tuglesang rc., kurzum, dreie Serie Bietet eine reiche Fülle von Abwechselung unb_ ist von einer photographischen Gesellschaft in Pans ausgenommen. . ~ a . ** Vom Frühling. Gestern hatten wir Frühlingsanfang. Der volle Frühling ist aber doch erst da, wenn Weißdorn und Roßkastanie blühen, wenn der Flieder seinen köstlichen Duft ausströmt. Da wird auch der Laubwald grün. Die verschiedenen Phasen in der Entwickelung des erwachenden Pflanzenlebens werden seit zwanzig Jahren zurnerst nach einem einheitlichen Plane an vielen Otten Deutschlands beobachtet. So wurde eine Summe von Daten gewonnen, aus denen es möglich wurde, Schlüsse auf die Ausbreitung des Frühlings über das Gebiet Deutschlands zu ziehen. Die Richtung, die der Frühling bei seinem Einzuge einschlägt, verläuft nicht gerade von Süd nach Nord, sondern bildet eine schräge Linie von Südsüdwest nach Nordnordost. Professor Dr. Ihne in Darmstadt hat auch die Geschwindigkeit ermitteln können, mit der der Frühling in dieser Richtung fort- schreitet. Sie wird sowohl durch die geographische Breite, als auch durch die geographische Länge bestimmt. In Orten, die unter demselben Längegrad liegen, tritt der Frühling um so später ein, je nördlicher sie gelegen sind,- die Verzögerung beträgt für je einen Breitegrad (111 Km.) rund vier Tage. So liegen z. B. Raunheim am Main und Bielefeld annähernd unter demselben Längegrade, während sie in der geographischen Breite um zwei Grade (50,1 Gr. und 52,1 Gr.) differieren. Tie Meereshöhe ist für Raunheim 85 Mt., für Bielefeld 105 Mt. Das Aufblühen bestimmter Frühlingspflanzen erfolgt nun m Bielefeld im Durchschnitt der Beobachtungs- jahie 7,4 Tage später als in Raunheim. Augustenburg, Alfen, liegt unter 54,52 nördlicher Breite und etwas östlicher als Raunheim, der Frühling trat hier 21,5 Tage später als in Raunheim ein. Außerdem ist auch die geographische Länge auf das Vorrücken des Frühlings von (Änfluß. Für Otte, die unter demselben Breitegrade liegen, verspätet sich der Frühlingsanfang, je weiter sie nach Osten abrücken, und zwar beträgt die Verzögerung rund 1 Tag für 1 Gr. oder 111 Kilometer. RR. Dudenhofen, 21. März. Den Angehörigen des kürzlich hier verstorbenen Gastwitts G. Weber, der Mitglied der Sterbekasse des Bundes Deutscher Gastwitte (Juristische Person, Sitz in Darmstadt) war, wurde infolgedessen das ansehnliche Sterbegeld im Betrage von Mk. 1214 durch den Bezirksortsrechner L. Rühl in Wetzlar wenige Stunden nach Einlauf der Sterbeatten ausbezahlt. Es ist dies ein Beweis- für das segensreiche Wirken dieses Instituts. Grünberg, 20. März. Der Grünberger Pferdever» sicherungsverein, der am 27. Dezember 1876 gegründet wurde, hielt dieser Tage im „Englischen Hof" seine 25. ordentliche Generalversammlung ab. Die anfänglich nur geringe Zahl von Mitgliedern hat nunmehr die stattliche Höhe von 400 erreicht, mit einem Versicherungsbestand von über 600 bis 300 000 Mark versicherten Pferden. Der Verein arbeitet mit einem sehr geringen Prozentsatz; es dürfte, wie in der Generalversammlung der Berichterstattende ausfühtte, im deutschen Reiche kaum ein mit so niedrigem Prämiensatze arbeitender Versicherungsverein bestehen. Dem damals g& wählten Vorstand gehören heute noch an Gg. Keil, Ernst Zimmer, Ehr. Frank, Heinrich Zimmer II, der letztere die 25 Jahre hindurch ununterbrochen als Rechner, während ber Erstere schon lange Jahre als Nachfolger von Fritz Eckstein als Direktor fungiert. Saubad), 20. März. Eine „teuere Schnepsenjagd^ hat es letzthin in dem benachbarten Röthges gegeben. Die Schnepfen stteichen seit 8 Tagen bei den warmseuchten Frühlingsabenden in größerer Menge durch das Buschwerk der Wälder. In R., wo letzthin ein Kvnsvttum von Landwirten die Jagd gepachtet, zogen die Nimrode nun allabendlich in beträchtlicher Zahl hinaus zur Schnepfenjagd, die einen solchen Rett ausübte, daß man stellenweise die Einholung des erforderlichen Jagdpasses ganz vergessen hatte. Unserer Genoarmerie und den Forstwarten war daA bekannt geworden, und so faßten diese drei solcher über-, eifriger Jäger bei ihrer Rückkehr ab, die nun wegen Jagdausübung ohne Paß eine empfindliche Geldstrafe treffen!, wird. Darmstadt, 21. März. Die Landgräfin von Hessen traf gestern mittag 12 Uhr 57 Min. zum Besuch der Gräflich Erbachschen Herrschaften von Frankfurt hier ein. Sie wurde von dem Grafen zu Erbach-Schönberg auf dem Bahnhof empfangen, worauf die Herrschaften nach dem Alten Palais fuhren. Nach dem Diner fuhr die hohe Frau, vom Grafen zu Erbach-Schönberg zur Bahn geleitet, um 3 Uhr 3 Min. wieder nach Frankfurt zurück. — Dem Vernehmen nach wird bei dem Besuche des Prinzen Heinrich hier in Hinsicht auf den hohew kirchlichen und ernsten Charakter des Tages der Ankunft — Charfreitag — seitens der städtischen Behörden von jedem geräuschvollen Empfange abgesehen werden. Mainz, 20. März. Eugen Binder, der in Mainz als witziger Redner und als Liederdichter vorteilhaft bekannt ist, trug zu Beginn des Jahres im Freundeskreise ein Burenlied vor, das enthusiastisch aufgenommen wurde. Das Lied schildert den Heroismus der Buren und wirkt recht originell durch die Refrainstrophe: „Piter", ruft ein Bur da vorn, Nimm den Roten gut aufs Korn, Ziel nit lang und gieb's ihm nur, Transvaal hoch, es leb' der Bur! Die Gesellschaft, die den Refrain kräftig rnitgesungen hatte, bewog den Autor zur Uebersendnng des Liedes an Ohm Krüger, und bald darauf gelangte an Herrn Binder ein von Uhut, 25. Januar, datiertes und vom Kabrnettschef des Präsidenten unterzeichnetes Schreiben, das folgenden Wortlaut hat: „Euer Wohlgeboren beehre ich mich im Auftrag des Herrn Staatspräsidenten der Südafrikanischen Republik den Empfang zu betätigen Ihres sehr geehrten vom 6. d. M. sowie des von Ihnen verfaßten Bureiiliedesl und Ihnen für den Beweis des lebhaften Interesses und der herzlichen Teilnahme Seiner Hochedlen warmen Dank von.ganzem Herzen a.uszusprechen." Frankfurt a. M., 21. Marz. Bor kurzem hielt im hiesigen Senkenbergfchen Institut der Verband Beu t-d Aus Stadt und Land. Gießen, den 22. März 1902. ** lieber die Thätigkeit des Schularztes (Schluß). Die Untersuchung der Luftverhältnisse in den Schulbaracken and durch öftere Feststellung des Kohlensäuregehalts, der be- änntlich einen Maßstab für die Verunreinigung der Luft darstellt, vor Beginn des Unterttchts und dann vor und nach jeder Pause statt. Diese Feststellungen ergaben, daß man mit den Luftverhältnissen in den Baracken zufrieden fein kann. Jedenfalls ist die Luft nicht schlechter, sondern eher noch besser als in den Schulräumen der Schulhäuser. Was den Wassergehalt der Luft in den Baracken anlangt, so betrug die relative Feuchtigkeit während der Heizperiode zwischen 33 und 67 Prozent, meistens zwischen 40 und 55 Prozent, sodaß auch in dieser Hinsicht keine Anstände zu erheben sind. Den Tem - peraturverh ültnissen in den Baracken wurde fort- wahrende Aufmerksamkeit gewidmet. Die in denselben be- chäftigten Lehrer fühtten Tabellen, in welchen die Temperatur der Luft in Fußboden-, Brust- und Kopfhöhe zu verschiedenen Stunden eingetragen wurde; außerdem fanden weitere Beobachtungen durch den Schularzt statt. In den Baracken der Knabenschule konnte man im Winter mit der Lufttemperatur zufrieden fein. Sie zeigte im Winter weder erhebliche Schwankungen, noch fanden sich erheblich größere Differenzen zwischen der Temperatur in Boden- und Kopfhöhe als in Zimmern des Schulhauses. Auch war stets die für Schulzimmer übliche Temperatur vorhanden. Dagegen waren in den Baracken der Mädchenschule an einzelnen sehr kalten Wintettagen die Verhältniffe weniger günstig. An diesen Tagen war in der ersten Stunde trotz zeitigen StnfeuemS öfter die Temperatur überhaupt zu niebrig, und die Differenz zwischen der Temperatur in Fußboden- und Kopfhöhe zu groß (bis zu 14 Grad C). Wurde zur Abhilfe an diesen kalten Tagen recht stark wetter geheizt, fo wurde leicht die obere Temperatur zu hoch, während sie am Fußboden nied- rig blieb. Derartig ungünstige Verhältnisse zeigten sich freilich nur an einzelnen sehr kalten Tagen, während im allgemeinen die Lufttemperatur auch in den Mädchenschulbaracken leidlich war. Der Unterschied in der Heizungsfähigkeit der Baracken der Knaben- und Mädchenschule dürfte darauf zurückzuführen sein, daß die Baracken der Knabenschule eine windgeschützte sonnige Lage und diejenige der Mädchenschule ein den Nordwinden frei zugängliche und teilweise schattige Lage haben. Im Sommer konnte die Temperatur in den Baracken nicht in nennenswerter Weise beanstandet werden. Auch in diesem Jahre wurden die Fußböden der Schulräume dreimal mit dem Fußbodenansteich „Stauboertilger" imprägniert. Mit dem Erfolg hinsichtlich der Verhütung des Aufwirbelns von Staub war man auch in diesem Jahre zufrieden. Es genügte bei dieser Behandlung ein trockenes Reinigen der Fußböden jeden zweiten Tag bezw. in den am meisten benutzten Schulsälen jeden Tag. ** Gewährung freier Lehrmittel. Bekanntlich hat die Stadtverordnetenversammlung unterm 19. Oktober 1889 beschlossen, allen denjenigen Steuerpflichtigen, welche mit einem Einkommen von weniger als 900 Mk. zur Steuer veranlagt sind, auf ihren bei der Schule zu stellenden Antrag hin, den normalen Bedarf, welchen ihre Kinder an Lehrmitteln u. s. w. in der Volksschule haben, zu Lasten der Stadtkasse unentgeltlich zu gewähren. Für diesen Zweck wurden im Berichtsjahr 1900/01 4 495,88 Mark auf- gewendet. ** Folgende Bekanntmachung des Staatssekretärs des Reichspostamtes geht uns zur Veröffentlichung zu: Vom 1. April ab wird innerhalb des Reichspostgebiets für den Umtausch amtlich ausgegebener Formulare zu Kartenbriefen, Postkarten und Postanweisungen mit Wertstempel, die in den Händen des Publikums unbrauchbar geworden sind, eine Gebühr von 1 P f g. für jedes Stück erhoben. ** Preiswettbewerb in Betäubungs-Apparaten fifr Kleinvieh. Am Mittwoch und Donnerstag hat im )tädtischen Schlachthof zu Leipzig die Prüfung der auf Veranlassung des Preisausschreibens der FrauBolza in Freiburg i. B. eingegancjenen Betäubungsapparate für Kleinvieh stattgefunden. Den 1. Preis im Betrag von 3000 Mk. erhielt, wie die „Intern. Fleischerztg." zu Leipzig mitteilt, das Adlerwaffenwerk in Zella-St. Blasii, einen solchen von 2000 Mk. Bezirkstierarzt Flessa-Hof i. B., 1 5 0 0 M k. Schlachthosdirektor Liebe-Gießen. Alle drei Apparate waren Schießbolzenapparate, also rohr- oder pistolenförmige Schußwaffen, bei denen durch Patrone statt der Kugel ein Bolzen aus- getrieben wurde, der in den Schädel der Tiere eindringt und so die blitzartige Betäubung bewirkt. Der Bolzen bleibt indes mit seinem Hinteren Ende im Apparat und wird sofort nach dem Schuß wieder aus der Slirnwunde herausgezogen. Die Apparate sind somit ganz ungefährlich. Die Bedienung geschieht durch eine Person; das Abfeuern erfolgt bei dem mit dem höchsten Preis ausgezeichneten Apparat mittelst leichten Schlages mit der flachen Hand auf den Ksvfteil des Apparats, bei bat anderen beiden Apparaten durch Berührung einer Feder bezw. des AbzugShahireS. ** ftaiferpÄHOram«. Die Prachtserre Schwerz, die mit großem Beifall ausgenommen wurde, geht heute zu Ende. Von morgen ab wird eine neue Serie, „Ansichten lvon Kopenhagen", ausgestellt. Keine Sllrdt hat schönere 12,80 o. 7,4° 6. Tochter, Am 13. ichste Temperatur am 20.—21. März edrigste „ » 20—21. , _ igen des Mitglied ZurisMe i das an* M'ch den iben nach n Beweis rdever- gegründet ordent- r geringe töfje wir ter 600 ae m der chrte, im nmiensahe ima(5 ge> eil, Emst etztere die hrend de" tz Eckstein gegeben, mjeuchten Aschwer! m Land- nun all-' tpfenfagb, weife die vergessen war das über-' >en Jag> ,e treM '°nfang, Weißdorn pichen a. Die 'chenden ■W nach nb§ be, vonncn, Leitung n. Die schlägt, dct eine rofessor leit er- 9 fort- eüe.als cten, die 1 um \o umg besage. So rnähernd ographi- r.) diffe- ürBiele- -pflanzen chtungs- stenburg, östlicher äter als >e Länge ar Orte, sich der and zwar oder 111 gwh. ^oi> ^mt üwnina "dbo?' ' bie e und ist aufge. rin van um M ifpirt haev xM»v die )eui Dinev inbergzud FrankM, Gesuche Jen MH !I Lkun'l örde» rden- . , : jn MaMs Mdeskreise faenonunen '»reu 7 Binder binettschei folgend^ J im *' 5'» -rC|' cmen » sellschaft statt, auf Mk. 7991048, Wette- März ....iw «ui rougiciw wl te wurde | sodaß wenige 735,4 734,4 734,4 + 9,6 + 8,5 + 6,2 Formair (Schrmpferräther) klinisch erprobt und ärztlicherseits mehrfach als geradezu ideale» Schnupfenmittel bezeichnet! Bei leichtem Schnupfen Forman-Watte- (Dose 30 Pfg.) In hartnäckige« Fällen Forman-Pafüllen zum Irr- haliren 50 Pfg. Wirkung frappant! In allen Apotheken. Ma« frage seinen Arzt. 2058 -ZF KS> 1= <5 y 8W. W. 8. Meteorologische Beobachtunge« der Station Gieße«. richsroda dargelegt, der dann auch bei der darauf Algerien Wahl einstimmig zum Vorsitzenden erwählt wurde. Lbi seine, Stelle als Kassenführer trat Dr. Dettmar -Lauttr- berg. Von den Beschlüssen, die sicher der Förderung der wirtschaftlichen und Staudesinteressen dienen werden, heben wir als besonders wichtig hervor den Anschluß an d«i Deutschen Aerztevereinsbund, Einrichtung provinzieller ker*\ bünde, Herabsetzung des Vereinsbeitrages, Regulierung des Jnsercttenwesens, der Stellen- und Verkaufsoermittelung, eventuelle Anlehnung an das Medizinische Warenhaus bezw. den Deutschen Deamtenverein, Stellungnahme gegen das auf dem Gebiete der Anstaltsbehandlisng sich besonders breit machende Kurpfuschertum und andere. Als nächster Versammlungsort wurde der Ort des Kongresses für innere Medizin gewählt. - Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die an der Frankfurter Straße gelegene „Villa Charlotte" m Bad-Nauheim, die bisher Fräulein Fettke gehötte, wurde mit Inventar an Frau A. Stockfisch aus Kalk bei Köln für den Preis von 205 000 Mark verkauft. — Der Friedhoftvärter Christian Albert Bernhard Kolb in Frankfurt a. M. machte seinem Leben durch Vergiften ein Ende. DaS Gift entnahm er der Sezierkammer des Leichenhauses in Glogau ein alt angesessener Bürger und Inhaber eines sehr großen Geschäfts, das zu den bedeutendsten am Platze gehört, plötzlich auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Lissa t. P. wegen angeblicher Beihilfe zum betrügersschen Bankerott eines in Konkurs geratenen Kaufmanns in Lissa verhaftet, ohne daß er vorher irgendwie über eine solch schwere Beschuldigung gehört wurde. Auf seine soforttge Beschwerde ist ier durch Beschluß der Strastammer in Lissa alsbald wieder ienüassen worden, und zwar ohne jede Kautionsleistung und (mn: auf Grund seiner Darlegungen, aus denen sich die Hall- ^losigkett jener Beschuldigung ergab. Regen aus dem UntersuchunHsgefüngnisse vorgeführt. Er hats^ch zu einem früheren Termin nicht gestellt, weshalb ein Hasd, befehl erlassen wurde, der am Sonntag, 16. d. M., ut Lands- Hut in Bayern zur Vollstreckung gelangte. Der zweite Ml. geklagte ist wegen Wetter Entfernung fernes Wohnortes vom persönlichen Erscheinen entbunden. Der Anklage lag ein ganz eigenartiger Sachverhalt zu Grunde, v. N. wohnte zu der Zett als er nochdie technische HocUckMe in Cha^ (Ottenburg besuchte, in der Rüstern-Allee auf Befhmb. Neben ihm wohnte der Kaufmann R., der mehrere Tochter hat Die jüngste Tochter Martha ist 15 Jahre alt. In dieses Kind verliebte sich der Ungar. Das Heine Fräulein ging eines Tages mit ihrem Hunde spazieren. Das Tier lief ihr davon, der Ungar lief nach, fing das Tier ein und brachte es seiner Herrin zurütt. Damtt war die Verbindung hergestellt. Von nun an folgte ihr der Angellagte auf Schrillt und Tritt Wo sie sich blicken ließ, da war auch er und sie ließ sich diese Verehrung mit der ganzen Naivetat eines angehenden Backfisches gefallen. Am 12 August v I. hatte letzteres eine Besorgung zu machen. Unbemerkt folgte ihr die Muller mit der ältesten Schwester. Beide bemerkten, daß auch der Ungar sofort auf der Bild flache erschien. Das Pärchen wandelte Arm in Arm und küßte sich. Jetzt ries die Muller chr Töchterchen zurück, dieses folgte auch dem Ruse, der junge Mann blieb dagegen auf der Stelle stehen und machte nicht den leisesten Ver,uch> sich vorzustellen und sein Verfahren zu entschuldigen. R. schrieb darauf tut den Angeklagten einen Brief in dem er es als eine Unverfrorenheit sondergleichen bezeichnete, hinter dem Rücken der I Eltern mit einem Kinde anzubändeln. Jn gesilleten Kreisen sei es üblich, daß ein junger Mann, der um ein Mädchen roitbt, sich zunächst den Eltern vorsteltt. Diese Schaltungen verdrossen den Ungarn, er schickte seinen Freund Wolff zu R. unb ließ diesem eine Forderung auf P i sto len überbringen. R. lehnte es kurzer Hand ab, sich I m i t einem Studenten z u schlagen. Wolff meinte darauf, er werde am andern Tage noch einmal wiederkommen, aber in Begleitung eines Zeugen. Als er wieder- fam, wurde er von einem Kriminalbeamten empfangen. Das Urtell lautete für von Nämeth auf vier Monate und für Wolff auf s e ch s W o ch e n F e st u n g s h a f t. Der | entlassungsantrag von Mmeths wurde abgelehnt. Mversttüts-Nääirichten. tirai, 21. März. Der Borslaud der dermatologischen Klinik an der hiesigen Unwersitär, Prof. Adolf I a r i ck, ist am T y p h u s I gestorben. Mk. 1150—12.00. Neber de« Großhandel mit iutLndischenr Rohtabak berichtet der soeben zur Ausgabe gelangte ^rüreSbericht der Mann- Heimer Handelskammer: D«r Absatz IVOOer Tabake war im abgelaufenen Jahre außerordentlich flstt. DaS 1900w Gewächs war in Qualität und Blatt ein auSgesprocheu gutes Zigarren- Material, roaS von den FabrikarUen alsbald anerkannt wnrde; dieselben griffen denn auch bereits wahrend der ersten Fernientation (Januar und Februar) eifrig zu, : Atonale nach der tstnUgexung fast die ganze Ernte! Hochfeine, stilvolle | Hof-Mtibelfabrlk und mb “*«41 Kunstwhrelnerel von Einrichtungen | xsä 758 Etabheeement allerersten Ranges Grossh. Hessischer and Kaiserlich Russischer MofUoferant Permanente Ausstellung von 120 Zimmer-Einrichtungen Auf Wonsch kesleelese foiterbreitaug meiner Haapt-KollektieH. WWW Ernst Bloedner, Seltersweg Mechanische Werkstätte 46 Deuevwtg 46 1716] Die beiden oberen Stockais zw eiten 2241 Birkeustock & Schneider. 2398 Carl Rowack. 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