Nr. 18 Erschetirt tägNch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mtt dem kesfischen Landwirt die Sletzener Zamillen- blStter viei-mal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. 93ei - lag der Brühl'schc. Univers.-Buch- u.Stein- bruderet (Pietsch Erben- Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen. Anzeiger Gieße«. Fernsprechanschluß Nr. 61. -Ä T 152. Jahrgang Erstes Blatt Mittwoch 22. Januar 190» Bezugspreis: monatlich 75 Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole» xl Zweigstellen monatlich 6o Pf.; dxrrch diePost Mk.2.—viettel- jährl. auöschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhc. Zeilenpreis: lokal 12 Pf- auswärts 20 Psg. Verantwortlich: General-Anzeiger ,, , 9 für den poltt. xl allgern. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen LM V i U zeigenteil: Hans Beck. utgin Deutsches Keich. Be rlin, 21. Jan. Der Kais e r hörte heute im königlichen Schlosse die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, des Chefs des Admiralstabes und des Chefs des Marine- kabinetts und empfing den Gesandten in Bukarest, v. Kider- leu-WLchler. — Der Großherzog von Baden hatte beabsichtigt, zum Geburtstags des Kaisers nach Berlin zu kommen. Auch die Großherzogin Luise wurde hier erwartet. Wie dem „B. T." aus Karlsruhe bestimmt mrtgeteilt wird, ist jedoch sowohl die Reise der Großherzogin wie auch die des Großherzogs endgiltig aufgegeben. — Prinz Heinrich hat die Einladung zur Teilnahme an einem von der amerikanischen Presse angebotenen Bankett angenommen. — Zur Frage der Besetzung desNuntiaturpostens in München erhält bxe „Germania" aus Rom eine Mitteilung, wonach im Befinden Taruassis eine erfreuliche Besserung eingetreten ist, sodaß aufs neue die Hoffnung besteht, daß es ihm möglich werde, die ihm zugedachte Münchener Nuntiatur zu übernehmen. — Morgen, am Jahrestage des Todes der Kö - Vtktoria wird in der hiesigen englischen St. Georg-Kirche ein Gedächtnisgottesdienst abgehaüen werden. — Im Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes hielt Minister Möller gestern eilte; Rede, worin er aussührte, daß wir nur zu Handelsverträgen kommen können, wenn wir etwas zu geben haben. Wir können unsere wirtschaftlichen Verhältnisse nur durch den Abschluß langfristiger Verträge sichern und dürfen dem Staate, von dem wir etwas verlangen, nicht mit leerer Hand kommen. Gegenwärtig ist der Kampf um den Zolltarif ein sehr harter geworden, vielleicht wird er noch erbitterter und unter Verkennung der thatsächlichen Verhältnisse geführt werden. Wir ncüssen aber zu einer Verständigung kommen, die uns für Jahre Sicherheit giebt. Die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Lage ist sehr betrübend. Die jetzige geschäftliche Krisis weicht erhebliche von den bisheriaen ab. Redner schilderte die Ursachen und den Verlauf der Krisen von 1857, 1873 uryd 1891 und fährt fort: Die Verhältnisse der Börse werden vielfach falsch beurteilt. Es bestand eine Abneigung gegen die Börse, die zu ihrer Einschränkung und Fesselung führte und ihr schweren Schaden zufügte. Wenn die Mehrheit solchen gehässigen Strömungen weiter folgt, werden wir keine Aenderung in der wirtschaftlichen Sage herbeiführen können. Wenn die Periode des Aufschwunges lange an geh alten hat, haben wir das einer neuen Ursache zuzuschreiben, nämlich, daß an Stelle des ungeregelten geschäftlichen Gebührens ein geregeltes gesetzt wurde. Die Syndikate haben dafür trotz mancher Mißgriffe gesorgt. Ich habe oas feste Vertrauen, daß die Krise rascher zu einem guten Ende verlausen wird, als viele .glauben, eine Krise, die vorwiegend in grobem Vtzr-- trauensbruch, ja großen Betrügereien ihre Ur- fache hatte. Es wird uns zwar bei der in den letzten Jahren entstandenen großen Produktionssähigkeit kein großer Lohn aus der Arbeit erwachsen, aber wir werden Arbeit schassen, die Handel und Gewerbe in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder zu einer leidlich gedeihlichen Entwickelung bringen wird. — Die BudgetkomMission des Reichstags hat (wie bereits gemeldet) die Forderung für einen neuen Stabsoffizier im Militärkabinett abgelehnt und zwar mit allen gegen sechs konservative Stimmen. Als maßgebend für diesen Beschluß ergab sich in der Diskussion der Wunsch, die Selbständigkeit des Milt t ä r k a b i n e t t s nicht noch zu vermehren. Die Ablehnung der Errichtung einer militärtechnischen Hochschule erfolgte, weil die Mehrheit es n i ch t für wünschenswert hielt, eine neue militärische Exklusivität zu schaffen. Die Offiziere könnten äuch an der Universität und dem Polytechnikum chre Studien machen. Einstimmig abgelehnt wurde, dem Chef der Kadettenanstalt in Groß-Lichterfelde den JRang eines Korpskommandeurs anstatt jetzt eines Generalmajors zu gewähren. Aus eine Anfrage erklärte Kriegsminister v. Goßler, das Verhältnis zwischen Militärkabmett und Kriegsministerium sei ein durchaus erfreuliches. Unter seiner Amtsführung seien Eingriffe in seine Kompetenzen niemals erfolgt. Kriegs- ministerium und Militärkabinet hätten zwei verschiedene Gebiete zu behandeln: Verwaltungsangelegenheiten und Personalangelegenheiten. Bei Kapitel 24, Titel 2 befürwortete Abg. Dr. Müller-Sagau eine Besoldungsverbesserung der Zahlmeister und Ober-Zahlmeister, sowie der Garnison- und Lazarett-Verwaltungsbeamten. Für Errichtung einer miltiärtechnischen Hochschule stimmten u. a. Graf Oriola und Bassermann. — Zum Zolltarifgesetz haben die Freis. Volkspartei und die Deutsche Volkspartei in ihrer heutigen Fraktionssitzung beschlossen, den Antrag einzubringen, einen neuen Paragraphen einzufügen, dazu bestimmt, mit dem Inkrafttreten des neuen Zolltarifs alle kommunalen Abgaben auf Brot und Fleisch aufzuheben. Ferner baden die Fraktionen beschlossen, gegenüber dem Antrag des Zentrums wegen Verwendung der Mehrerträge aus dem neuen Tarif für Witwen und Waisen, zu bestimmen, daß von 1903 ab eine Summe von jährlich 70 Millionen Mark für die Witwen und Waisen verwandt wird, die flüssig zu machen ist durch Aufhebung der Ausfuhrprämien für Zucker und durch Aufhebung der „Liebesgaben" für die Branntweinbrenner. Vosen, 21. Jan. Auf ein Begrüßungstelegramm der Ortsgruppe Posen des „Deutschen O st m ar t e n v e r- eins" sandte der Reichskanzler Graf Bülow folgende Megraphische Antwort: .Der Ortsgruppe Posen des Ost- gehende Ereignisse und Entscheidungen, als unsere amtlichen Stellen. Zuzutrauen wäre schon eine solche Bers- schleppungs ab sicht dem Präsidenten Castro, lieber eine formelle Antwort aus Venezuela aber verlautet noch nichts. Wenn jetzt erst die deutschen Kriegsschiffe an Ort und Stelle beisammen sind, wird sich das weitere finden.' Castro wird umso eher Nein beigeben müssen, als durch die dcutsch-amerikainsche Annäherung, gelegentlich bet' Ämerikasahrt des Prinzen Heinrich, jegliche Hoffnung auf die Einmischung der Vereinigten Staaten genommen ist. Ueber den weiteren Verlauf der venezolanischen Regierung liegen herrte folgende Nachrichten vor: Das bei Panama, befindliche amerikanische Kriegsschiff „Philadelphia" wird sich in die dortigen, Streitigkeiten nicht einmischen, falls nicht amerikanische! Interessen bedroht werden. Er ist aber nach anderweitiger Meldung dabei behilflich gewesen, das an Bord des! Schiffes der Regierungspartei „Lautaro" ausgebrochene! Feuer zu löschen; der „Lantafw" war zu Anfang des. gestern gemeldeten Gefechts von dem Kanonenboot „Pa-, dilla", das den Aufständischen gehört, überfallen worsden? und bei diesem Uebersall, bei dem ein großer Teil der Besatzung des „Lautaro" fiel, in Brand geraten und ist später gesunken. Einer Depesche aus Willemstad zufolge versuchten die Aufständischen Maracaibo zu nehmen, wurden aber zurück^ geschlagen. Es bestätigt sich die Meldung, daß die Re?-, gierung bei Carupano eine Niederlage erlitten habe. Die Behörden in Carupano erhoben eine hohe Kriegssteuer: von den Ausländern, was Proteste der letzteren hervorrieff und das Verlangen, Kriegsschiffe zum Schutze der Interessen der Ausländer kommen zu lassen. markenvereins danke ich für ihre Zustimmung zur Ostmarkenpolitik der Staatsregierung und für das Gelöbnis treuer deutscher Mitarbeit. Leipzig, 21. Jan. Der Senatspräsident des Reichs- aerichts, Dr. DaehnHardt, ist heute nach längerem Krankenlager gestorben. Derselbe bekleidete in den Jahren 1876 brs 79 das Amt eines Obertribunalrates, in Berlin und wurde dann an das Reichsgericht berufen. Dr. Daehnhardt wurde 1836 zu Garding geboren. Wiesbaden, 21. Jan. Hier sind Nachrichten eingetroffen, nach denen die Erbgroßberzogin von Luxemburg einem freudigen Familrenereignisse entgegensieht. Stuttgart, 21. Jan. Die Reichspostverwaltung hat sich bereit erklärt, den von der Finanzkommission der Kammer zu dem Vertrag betreffend die Gin heits- marken geäußerten Wünschen Rechnung zu tragen. Ausland. Cyristiania, 21. Jan. Das Odelthing nahm den Gesetzentwurf an, wonach Frauen als Gerichtsbeisitzer zugelassen werden füllen. London, 21. Jan. Ein seit 20 Jahren in England naturalisierter Deutscher namens GeorgePaulErnest veröffentlicht in der „Times" einen Ausruf an alle Deutsch en in England, worin er vorschlägt, die Deutschen in England sollen erstens König Edward eine Petition überreichen, worin sie ihm ihre Loyalität und Hingebung für den Thron und seine Person versichern und Dankbarkeit für den Schutz ausdrücken, den sie von ihm und seinen Vorgängern empfangen haben, zweitens eine Petition an den deutschen Kaiser richten, worin sie ihn bitten, alles zu thun, was in seiner Macht ist, um den Verleumdungen der englischen Armee ein Ende zu machen; drittens dem deutschen Volke zu zeigen, daß das anti-englische Empfinden seinen eigenen Interessen und denen feiner in England lebenden Landsleute entgegen sei. Eine Versammlung der Deutschen in England soll zu diesem Zwecke einberusen werden. (Dieser Herr Paul Ersnest ist wohl nur wenig ernst zu nehmen. D. Red. d. „Gieß. Anz.") Paris, 21. Jan. In der Deputiertenkammer tadelte Destonrnelles heute die unaufhörlichen Rüstungen und die Weltpolitik und erfläTte, daß die Beziehungen zu Deutschland so gut wie nur möglich seien. Lanes unterbrach Destonrnelles und rief ihm zu, daß er der Kapitän Fracasse des Nationalismus sei. Nach Schluß der Sitzung sandten sich beide die Zeugen. Da diese sich aber über Inhalt und Wortlaut der Schmähung nicht einigen konnten, wollen sie heute abend ein Ehrengericht einberusen. — Nach einer Meldung der „Agence National" wird die V e r l o b u n g des russischen G r o ß f ü r st e n - T h r o n- folgers, des Bruders des Zaren, mit der Prinzessin Xenia von Montenegro als nahe bevorstehend angesehen. Wien, 21. Jan. Das „Neue Wiener Tageblatt" schreibt: Die Reise des Prinzen Heinrich nach Amerika bedeute eine Anerkennung der heutigen Stellung der Vereinigten Staaten im Systeme der Weltpolitik seitens des Deutschen Reiches. Andererseits sei die Reise bezeichnend für den mächtigen Flug der Politik des Deutschen Reichs, welches aushöre, ein kontinentaler Staat zu sein. Das Blatt weist auf die Begrüßung des Prinzen Adalbert in Triest hin, der unter deutscher Flagge kam, die mit der österreichisch-ungarischen Marine ebenso wie mit dem Landheer in treuer Waffenbrüderschaft stehe. Die Fahrt des Prinzen Heinrich nach Amerika sei eine Friedensfahrt. Etwaige Vorteile aus dieser Fahrt für das Deutsche Reich würden in Oesterreich - Ungarn mit herzlichstem Anteil begrüßt werden. Budapest, 21. Jan. Der Landesagrikultur- verein, der Hauptsitz der ungarischen Agrarier, hat der Regierung ein Memorandum überreicht, in dem er betont, daß Ungarn für das gemeinsame Zollgebiet bereits Opfer genug gebracht habe und, falls eine parlamentarische Vereinbarung mit Oesterreich unmöglich sei, unbedingt der autonome ungarische Zolltarif in Kraft treten müsse. New-Ao rk, 21. Jan. Nach einer Meldung aus Manila wurde dort eine Frau verhaftet, welche in Männerkleidung feit drei Jahren eine Abteilung von 300 Aufständisch en geführt hatte. Sydney, 20. Jan. Am 18. Januar, als am Jahrestage der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches, sand hier eine von den Deutschen veranstaltete, zahlreich besuchte Festlichkeit statt. In den dabei gehaltenen Reden wurde der australischen Verhältnisse anerkennend gedacht und die Hoffnung ausgesprochen, daß nichts die guten Beziehungen zwischen Deutschland und England jemals stören werde. Mitlsche Tagesschau. Venezuela. Man meldet aus London: Nach Meldungen aus Venezuela soll Präsident Castro auf die deutschen Forderungen wegen bei der Insurrektion erlittenen Beschädigungen deutschen Eigentums der deutschen Gesandtschaft" erwidert habender wolle diese Forderungen dem nächsten Kongreß vorlegen. Man hält dies in Anbetracht der Zusammensetzung des Kongr-esses für eine Farce. Die Insurrektion schreitet langsam fort Zuweilen sind englische Korrespondenten früher und genauer unterrichtet gewesen über Deutschland nahe anBom Burenkrieg. Eine Depesche Lord Kitcheners aiuS Johannesburg vom 20. Januar besagt: Ununterbrochener Regen brachte die englischen Operationen überall zum Stillstand. Den Berichten der einzelnen englischen Abteilungen zufolge wurden 31 Buren getötet, _ 13 verwundet, 170 gefangen genommen und 41 haben sich ergeben. General French meldet, daß die Zahl des Feindes im Nordosten der Kapkolonie sich etwa auf 150 Mann verringert habe, die in zerstreuten 9Ibteilungcn unter Fouche und Mybourg stehen. Etwa 130 Mann unter Wessels entkamen in die Gegend westlich von der Linie Sterksstroom-Stormberg. Im Südwesten bewegt sich die Hauptmacht der Buren auf das Dreieck Frazerburg, Carnarvon und Williston zu. Im Norden vom Oranjefluß und im Norden von der Linie von Tabanchu werden kleine Burenabteilungen von englischen Kolonnen verfolgt. Im Nordostcn machen die Blockhauslinien gute Fortschritte, und die leichtbeweglichen englischen "Abteilungen, die sich aus dieselben stützten, gewinnen Terrain.. Im östlichen Transvaal wurde der Feind durch die letzten. Operationen sehr zersprengt. Im Westen rückte Lord Me-' thuen am 13. Januar von Vryburg auf Ventersburg vor, um gegen Delarey und Kemp zu operieren. Im englischen Unterhause erklärte Chamberlain, die Einnahmen Transvaals hätten üt November und Dezember 1901 95 491 bezw. 97 943 P und Sterling betragen. Die Goldausbeute habe int November 39 075, im Dezember 52 897 Unzen betragen. Seine jüngste Rede ließ es im Unklaren, ob sie der Sache des Friedens gedient und die Anknüpfung von Verhandlungen erleichtert hat. Man möchte diese Frage bejahen angesichts der Erklärung des Kolonialsekretärs, daß die Regierung nie die bedingungslose Ergebung der Buren gefordert habe und den Besiegten sobald wie möglich volle politische Rechte verleihen und größtmögliche Amnestie gewähren wolle. Aber andererseits ließ Chamberlain leinen Zweifel darüber, daß die Negierung neue Verhandlungen nicht mehr auf der Basis der Kit- chenerschen Bedingungen führen würde, und nicht daran denke, die verhängnisvolle Proklamation zurückzuziehen, die bei Strafe der Verbannung die Burenführer zur Kapitulation vor dem 15. September 1901 aufforderte. Wenn man erwägt, wie sehr diese Kundmachung zur Vertiefung der Feindseligkeiten zwischen beiden Nationalitäten beigetragen hat, und für wie unzureichend die Kitchenerfchen Bedingungen von den leitenden Männern auf der Burenseite erachtet wurden, wird man von Chamberlains Rede keine Verbesserung der Lage erwarten können. Das Bedenklichste in dieser Rede ist jedoch die Aufwerfung der Frage, wer auf der Burenseite als hinreichend legitimiert zu Verhandlungen erachtet werden dürfe. Präsident Krüger scheint bei dem Herrn Chamberlain nicht mehr das erforderliche Vertrauen seiner Mitbürger zu besitzen, weil er sich mit großen Geldsummen nach Holland begeben habe; und von Steijn und Schalt Burger, wie von Botha und Dewet nimmt der Kolonialsekretär an, daß sie sich nicht mit den verschiedenen Kommandos in Verbindung setzen könnten. Wer erscheint Chamberlain dann aber hinreichend zur Vertretung des Burcnvolkes beglaubigt, wenn nicht dessen rechtmäßig erwählte Präsidenten und die Generale, unter denen sie für ihre Unabhängigkeit kämpfen? "Ans Stadt und Kund. Gießen, den 22. Januar 1902. *• Die Erziehungßvcreine Oberheffens. Im Gasthaufe „zur Traube" in Hungen versammelten sich am 20. b. Mts. die Vertreter der Erziehungsvereine Oberheffens und die für die Erziehungssache interessierten Kreise (die Stadt Gießen war durch ihren Beigeordneten Wolff vertreten), um der Frage eines engeren Zusammenschlusses der bestehenden Erziehungsvereine 511 einem Erziehungsverband näher- zutreten. Der (Sin beruf er der Versammlung, Pfarrer Rök» ch e n - Freienseen, begrüßte die erschienenen 14 Herren, entwickelte die Vorteile einer Vereinigung der Erziehungsvercinc und empfahl, trt den Teilen unserer Provinz, die noch eines Erziehungsvereines entbehren, möglichst bald mit der Gründung eines solchen vorzugchen; denn durch die neue Gesetzgebung werde die Notwendigkeit einer Zwangserziehung viel eher ausgesprochen, als es früher der Fall gewesen sei, und die Er- ziehungsvereine seien dadurch notwendig, um den aus- iführenden Behörden mit Erfahrung, Auffindung würdiger Pflegeeltern, Ueberwachung der Pfleglinge usw. an die Hand zu gehen. Einstimmig wurde dem Vorschlag der Gründung eines Erziehungsverbandes statt- Zegeüen mit Anlehnung an den Oberhessischen Verein für Innere Mission. Als Grundsatz wurde dabei ausgesprochen, daß die Erziehungsvereine zur Unterbringung der Kinder wohl miteinander in Verbindung treten sollen, daß aber keiner direkt in das Gebiet des anderen eingreifen dürfe, daß vielmehr ^eder für sich völlig kompetent bezüglich der Pflegefamrlien seines Bezirks sein muß- Auch soll die Visitation der Kinder nur dem Leiter desjenigen Erziehungsvereins zustehen, in dessen Gebiet der Pflegling wohnt. Selbstverständlich wird dadurch die Aufsicht der staatlichen und kommunalen Behörden nicht berührt. Der Vorsitzende hatte auch schon die von ihm entworfenen Verbandssatzungen vorgelegt, die -einzeln durchgesprochen wurden, deren cndgiltige Redaktion aber dem ueugewahlten Vorstand, Pfarrer Röschen- Freienseen, Pfarrer Mickel - Gonterskirchen und Pfarrer Weber-Lang-Göns, überlassen wurden, der sie der im Herbst stattfindenden Jahresversammlsing zur definitiven Annahme vorlegen soll. —x— Ober hessischer Geschichtsverein. In der Versammlung des Oberhessrschen Geschichtsvereins am Donnerstag den 23. d. Aä, abends S1/» Uhr, im oberen Sale des Eafs Ebel, wird Herr Dr. W. Köhler, Privatdozent der Kirchengeschichte an der Landesunivcrsität, einen Vortrag über den Katzenelnbogischen Erbfvlgestreit bis zum Augsburger Reichstag vom Jahre 1530 halten. Die Beteiligung ist nicht auf die Mitglieder des Vereins beschränkt, Gäste sind vielmehr, wie uns mitgeteilt wird, willkommen. ** Leicheu-Ueberführung. Die Leiche des vor ca. zwer Jahren hier in der Klinik verstorbenen und hier beigesetzten brasilianischen Gesandten Henrico de Mirando wurde in der vet-gangenen Nacht exhumiert, um nach Bremen und von dort in die Heimat des Verstorbenen, nach Brasilien übergeführt zu werden. § Hoch - Weisel, 22. Jan. Bei der gestrigen Bürg er - meisterwahl wurde das seitherige Ortsoberhaupt WÜrner fast einstimmig wiedergewählt. Es ist dies das viertemal, daß er zu unserem Bürgermeister erkoren wurde. Oberhörgern, 20. Jan. Welches Interesse man hier dem Bahn bau Butzbach-Lich entgegenbringt, beweist die Thatsache, daß die hiesige Gemeinde für den Bahnbau 50000 Mark zeichnete, im Verhältnis zu der Einwohnerzahl die höchstgezeichnete Summe aller an der Bahn interessierten Gemeinden. Hungen, 21. Jan. Auf hiesiger Braunkohlengrube und Brikettfabrik „Friedrich" ist die Hochsaison vorüber. Infolgedessen findet bereits größere Ueberproduktion statt, «und es stand die Entlassung von etwa 150 Arbeitern bevor. Die Direktivii hat dem Hauvtbetciligten an der Brikettfabrik, dem in Haft befindlichen Bankier A. Ster nb e r g in Berlin die Sachlage mitgeteilt, worauf Sternberg in loyalster Weise verfügte, daß keine Arbeiter-Entlassungen staltfinden sollen, er werde die an den Betrieb gestellten hohen finanziellen Anforderungen in jeder Weise decken. (?) Vom Vogelsberg, 21. Jan. Folgendes nette Geschichtchen, das sich bei den Vermessungsarbeiten für die Nebenbahnstreckc Grebenhain-Gedern über Hartmannshain zutrug, erzählt man ii chhier: Ein Bauer sagte: „Es ärgert mich aach, daeß de Boh über Hartmetszah geht, däi mächt mer Wiese für ugesähr 2000 Mark kaputt." Es wurde ihm erwidert: „Ei, is da do nix se mache?" Er antwortete: „Jao, eich waoß jo, ca. (ein) Faißche Bier Hots mich schp' gekost, soweit se ieich jo i der Reih mit dä, wann nou kao annern komme onn mache mer kao Baelstraich." Heldenbergen, 21. Jan. Auch am „Rothenberg" zwischen Heldenbergen und Eichen wurde eine ehemalige große römischeAnsiedelung freigelegt. Bei den dort vorgenommenen Ausgrabungen stieß man auf eine Umfassungsmauer, die eine Länge von 150 Meter» und eine Breite von 90 Meter hatte. Die Umfassungsmauer schließt eine ganze Anzahl einzelner Gebäude in sich. In einem der frei» gelegten Gebäude befand sich ein Keller, aus dem eine Reihe wertvoller Funde zu tage gefördert wurde, nämlich Lanzen, Messer, ein Dolch u. a. m. 8. Darmstadt, 21. Jan. Zu der von der Darmstädter Studentenschaft veranstalteten Bismarck-Feier im städtischen Saalbau, waren der Großherzog, Großfürst Sergius, Staatsminister Rothe, Provinzial - Direktor v.. Grancy, das Profefforen-Kollegium, an seiner Spitze der Rektor Prof. Schering und viele hohe Gäste erschienen. Der Besuch war außerordentlich gut. Den Hauptteil des Abends füllte das vorzüglich dargestellte Ender'sche Festspiel, „Kampf und Sieg" aus, an dessen Ende dem Dichter H. Enders sowie dem Ober-Regisseur Valdeck Lorbeerkränze überreicht wurden. Mit der Feier mar ein großer Bazar verbunden, bei dem zahlreiche den besten Kreisen angehörige Damen als Verkäufermnen von Blumon, Postkarten usw. fungierten. Die Begrüßungsansprache hielt Stud. E. Völsing, während Stud. G. Schnude die Festrede hielt. Beide endeten mit einem begeisterten Hoch auf den Großherzog und den Kaiser. Der Saalbau war mit Fahnen, Emblemen und Wappen prächtig geschmückt. Die Feier, die mit einem Ball schloß, ergab einen stattlichen Reinertrag. + Wetzlar, 21. Jan. Der Bienenzuchtverein hielt am vorigen Sonntag seine General-Versammlung ab. Im vergangenen Jahre wurden 11 neue Mitglieder ausgenommen, sodaß die Gesamtzahl der Mitglieder jetzt 44 ist. ,— Man hat in unserem Kreis ein reges Interesse für die Bienenzucht. Kunst und Wissenschaft. Ernst Wichert, dessen Tod wir bereits in unserem Vormittags- blatte meldeten, genoß als Verfasser von Dramen und Romanen, besonders aber als Novellist in weiten Kreisen verdientes Ansehen. Er war am 11. März 1831 zu Insterburg in Ostpreußen geboren, studierte in Königsberg die RecAe und wurde 1860 Kreisrichter in dem Marktflecken Prökuls bei Memel, im äußersten Nordostcn der preußischen Monarchie. Hier sammelte er den Stoff zu seinen vor- 'trefflichen „lilhauischcir Geschichten", £ic, in zwei Bänd cur erschienen^ zu Leu besten deutschen 9chvellen gezahlt zu werden verdienen. W. -ro sicherungspflichtig waren, beschäfttgten, auf, solche mit Wirkung vom 3. Febrnar 1902 bei unserer Kassenstelle anzumelden. Von der Anmeldung sind ausgeschloffen: 1. solche Handlungsgehilfen und -Lehrlinge, welche bereits bei einer dem § 75 des Krankenversicherungsgesetzes genügenden Hilfskasse versichert sind, 2. diejenigen, welche nicht gegen Lohn oder Gehalt be- schäfttgt werden; als Lohn oder Gehalt gilt auch Naturalverpflegung. Die selbstständigen Gewerbetteibenden, soweit sie freien Hilfskassen nicht angehören, welche in eigenen Betriebsstätten: im Aufttage und für Rechnung anderer Gewerbetteibender mit der Herstellung oder Bearbeitung gewerblicher Erzeugnisse beschäfttgt werden (Hausindusttie) und zwar auch für den Fall, daß sie die Roh- und Hilfsstoffe selbst beschaffen und auch für die Zeit, während welcher sie nur vorübergehend für eigene Rechnung arbeiten, wollen ihre Anmeldungen ebenfalls bis zum 3. Februar l. I. bewirken. Sollte über die eine oder andere Frage noch Unklarheit herrschen, so ist unsere Geschäftsstelle, Lnöwigstraße 12, gerne bereit, Ansknnft zn erteilen« 723 Der Vorstands G. Dahmer. Konkursverfahren. Ueber das Vermögen des Dr. Emil Rehm, alleinigen Inhabers der Firma Hessische Verlagsanstalt und Druckerei Dr. Rehm u. Co., vormals Wilhelm Keller in Gießen wird heute am 22. Januar 1902, vormittags lO’/s Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Karl Loos zu Gießen wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 10. Februar 1902 bei dem Gerichte anzumelden. Es wttd zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und ein- ttetenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Freitag den 21. Februar 1902, vormittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Saal Nr. 18, Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedig- ung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 10. Februar 1902 Anzeige zu machen. 737 Großherzogliches Amtsgericht zu Gießen. Dienstag, den 4. Februar 1902, vormittags 11 Uhr, soll im Garnifon-Lazarett-Giegen die Lieferung der für das Rechnungsjahr 1902 erforderlichen Ber- psteguugsbedürfuisse einschließlich Eis, ausschließlich derFleisch- wareu, verdungen werden. Zu gleicher Zeit ist auch die Abnahme der gewonnenen Küchcuabfälle, Brotreste und Knochen zu vergeben. Die Bedingungen können während der Dienststunden im Geschäftszimmer des Lazaretts eingesehen werden und muffen vor Begmn des Termins durch Unterschrift anerkannt sein. 711 Großh. Garnisons-Lazarett. ZtziMMchtlW. Freitag den 31. Jarrnar d. I., nachmittags 2 Uhr, soll auf hiesigem Bürger» meisterei-Bureau die Londorfer Gemcindejagd auf wettere sechs Jahre verpachtet werden. Londorf, den 13. Jan. 190L Großh.BürgermeistereiLondorf. ____Aumann. 507 Zchmpchtung. Montag den 27. d. M., nachmittags nm 2 Uhr soll die Allertshäuser Gemeindejagd auf weitere 6 Jahre verpachtet werden. 713 Allertshausen, 20. Jan. 1902. Großherzogl. Bürgermeisterei Allertshausen. Hillgärtner. MhchversteigerW. Im Ettingshansener Ge- mcindewald(Distt. Riedstein) kommt Dienstag, 28. Januar, morgens 9 */g Uhr folgendes Holz zur Versteigerung: 5 Stämme Fichten-Schnittholz 28 bis 32 cm Durchmesser, bis 22 m Länge, 7,43 fm 297 Stämme Fichten-Bauholz, 12 bis 27 cm Durchm., bis 22 rn Länge, 131,66 fm 11 Stämme Fichten - Derb-« stangen 10 bis 11 cm Durchm.,' bis 7 m Länge^ 1,41 fm. 692 Sämtliches Holz ist ohne Rinde gemessen. Brennholzversteigemng. Mittwoch, 29. Jannar, Distrikt Gabrielszimmerplatz, Sandhecke und Grauerborn morgens 9'/, Uhr kommt fol* gendes Holz zur Versteigerung: 280 rm Buchen-Schetter 126 „ Buchen-Knüppel 13 „ Eichen- „ 467 „ Buchen-Astteisig 45 „ Eichen- „ 85 „ Buchen-Stöcke 7 „ Eichen- „ Der Anfang ist jedesmal morgens 9'/z Uhr, am ersten Tag im Distt. Riedstein bei Holz Nr. 75, am zweiten Tag> im Distt. Gabrielszimmerplatz E bei Holz Nr. 90. Ettingshausen, 20. Jan. 1902. Großherzogl. Bürgermeisterei Etttngshausen. 692 Keil, Beigeordneter. Versteigerung. DounerStaa» den 23. d. M., nachmittags 27, Uhr, sollen dahier im Otto Luft'schen Saale, Neuenweg 28 1 großes neues Warenregal, 1 zweiteil. neue Ladentheke mit Schreibpult, 1 Paar neue, pol. Bettstellen 1 Möbettransportwägelchen u. v. a. versteigert werden. Die Versteigerung sindet bestimmt statt und können dicSachen Vormittags dorlselbst besichtigt werden. 700 Gießen, 21. Januar 1902. Seipel, Gerichtsvollzieher. Einpfelfluilgen Achtung! Kammerjäger Derksen ernpsiehlt sich zur Vertllgung von Ratten,Mänsen, Schwaben, Kakerlacken nnd Wanzen. Bestellungen unter 0295 bitte ab- zugeben tn d. E^ed. d. Blattes. PATENTEetTl e» Patentanwair SACK-LEiPZIG^I Tod.es- Anzeige Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Freitag den 24. d. Mts, nachmittags 3 ühr statt. 722 ■ Waarenhaus Adolf Baer Schulstraße 6 Giessen Schulstraße 6. Kochtöpfe ohne Rand von 60 Pfg. an do. zum Einsehen Griff do. rund otzooovooocoooöMK 670 Chirurgische Klinik. DCV-1 öij(icl) frisch bei 242 WWKM MDlifWW Fknnl ifu linhr 40 80 38 30 80 25 ii ft ii n n v n Kaffeercfsel . . Kaffeekanne» . TeigfchUffeln mit Salat-Siebe . Durchschlüge . Reibeisen . . n ii ii n n H n > ii * ii u u n fl it n n Bin W'teS Neuenbäu e 2, 1. Wärter zum 1. Februar gesucht. 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Die schönsten „Lieder deS Musikanten" werden aufgetischt, so daff alle „Berliner Kinder" und hiesige zu „Lachtauben" werden und Jedem eine „Freudige Uebcrraschung" bcvorsteht. Deshalb kommt herbei Aue, Alle: „Hasemann'S Töchter" und die „Töchter Belials". Flüchte Dich 8« mir „Berfolatv Unschuld", doch Du „Mädel ohne Geld" bleibe draußen; denn bin ich auch kein „Verschwender", so ist ohne den schnöden Mammon die Welt doch ein „Sodomund Gomorrha"^ „Ns Mcbck", „Am-Lise", „Düs ivcht NSßl", „Der Irompdcr non Säftiniicii", „s Nllllttl", „Der geiiichte „Die Dme non iHierim", „Die ZMiWschUster". babcn ihr Erscheinen zugesagt. O möchte eS meinem „Zauber- küppchen" gelingen, Alles „Mit dent Strome" hcranzuziehen. — Ich will ztvar kein „Goldoickel" werden, rechne auch nicht auf „20 000 Mark Belohnung", jedoch ist etwas „SUein Geld" auch nicht zu verachten, man kann auch damit ein „Stolzer Heinrich" sein. Ließe man mich aber als ,^Pech- chulze" sitzen, — bann „Guten Morgen, Herr Fischer"! 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