Liebe, voll Eheglückes und stillen Friedens am häuSlicherr Herd — zur Pflicht der Gattin und der Mutter. Es ist höchst bemerkenswert, daß Ibsen hi-r, so ganz gegen seine sonstige Art, zu einem Kompromiß mit einmal geschaffenen Lebensverhältnissen gelangt, daß er uns den versöhnenden Ausgleich eines gemachten Fehlers vorführt^ Ellida hat sich „akklimatisirt", und sie will vor allem ihrer Stieftochter Hilde, in deren Köpfchen eS auch nicht recht geheuer ist, eine gute und kluge Mutter sein. Aber was aus der kleinen Hilde später wird, die den schwindsüchtigen Lyngstrand so „spannend" findet, das erfahren wir aus dem »Baumeister Solneß", wo diese erwachsene Hilde mit ihren merkwürdigen Grillen eine so mörderische Rolle spielt. Es steckt unleugbar Poesie in vielen Szenen dieses Jbsen'schen Dramas, dessen grausig phantastische Fabel durchtränkt ist von der eigenartig duftenden Naturpoesie des nordischen Sommers. Hier zeigt sich Ibsen als ein Heimat» künstlcr, der mit ganzer Seele im Mutterboden wurzelt. Die Gegner Ibsens hatten ihn unter die Realisten und wohl gar Naturalisten eingereiht. Die Kraft des Dichters, mit den einfachsten Mitteln die stärksten Wirkungen zu erzielen, schien denen ein gewisse? Recht zu geben, die sich mit seinen Werken nur oberflächlich beschäftigen. Sie brauchten allerdings nur seinen „Peer Gynt", seinen „Brand" zu lesen, um ihren Irrtum einzusehen. Aber es ist von jeher bequemer gewesen, zu schimpfen, als auf Grund gewissenhaften Sichversenkcns gerecht zu urteilen! „Ibsen", so sagt Karl Weitbrecht in seiner „Deutschen Litteraturgeschichte im 19. Jahrhundert" (Bd. Jl, S. 139, Leipzig, Göschen'sche Verlagsbuchhandlung, geb. 80 Pf.), „arbeitete der naturalistischen Wirklichkeitsbeschreiberei nach Zolas Art in die Hände." Der alte Gottschall spricht von der „Rohheit" Ibsens, und Wilh. Jordan meinte sogar noch ^aniio 1899 in seinen Gedichten „In Talar und Harnisch", daß Ibsen nicht zögerte, „kühn entschlossen durch Kot ans Ziel zu waten". Und doch ist in der „Frau vom Meer" der Symbolismus nicht nur auf den Dialog beschränkt, hier ist mit dem „Feinden Manne" eine ganze symbolische Figur eingefügt worden. Aber „diese Mischung von Mystik und spitzfindiger Dogmatik", wie Prof. Litzmann in seinem klugen berühmten Stammbaume? Cnsü m der Domkirche zu Hildesheim anfertigen laffcn, um sie der Königin zu widmen. Der Kaiser hat zu den Kosten für die Tafel einen namhaften Beitrag gespendet. Die Deputation wird heute nach Schloß Stupinigi bei Turin, dem gegenwärtigen Aufenthalte der Königin, reisen, um daselbst das sinnige Geschenk im Beisein des deutschen Militärattaches zu überreichen. Turin, 20. Nov. Heute ist eine Abordnung des in Marburg garni sanierenden Jägerbataillons Nr. 11 unter Führung des deutschen Militärattaches in Rom, Majors Chelius, hier eingetroffen. Tie Abordnung begiebt sich heute abend nach Schloß Stnpinigi, um die Königin- Mutter, welche Chef des Bataillons ist, zum Geburts- feste zu beglückwünschen. Vermischtes. * Flensbürg, 20. 9lob. Nach heute hier eingegangener Nachricht ertranken von dem hiesigen Tampfer „Wege" beim Anlandgehen der Kapitän und zwei Mann der Besatzung infolge Kenterns des Bootes bei Methil in Schottland. *EinMörder unddessenOvfergesucht. Ter Berliner Kriminalpolizei ging eine Meldung zu, die im ersten Augenblick geeignet schien, das größte Aufsehen zu erregen, weil zwischen dem gemeldeten Vorgang und dem Konitzer Mord ein Zusammenhang zu bestehen schien. In Glatz wurden beim Ausschachten von Sand in einer dem Gutsbesitzer Tittrich gehörenden Sandgrube Teile eines menschlichen Körpers gefunden, der offenbar zerstückelt worden war. Es verbreitete sich darauf das Gerücht, daß die noch fehlenden Körperteile Ernst Winters gefunden worden seien. Tiefe Annahme ist jedoch durch die Sezierung der stark verwesten Körperteile widerlegt worden. Ter ärztliche Befund ergab, daß man es mit Leichenteilen eines Kindes zu thun habe. Tie Nachforsch^- ungen, wem das Kind gehörte, und wer sein Mörder sei, sind bisher vergeblich gewesen. " Eisenbahnunfälle. Am 19. d. Mts. stieß ein von Mailand kommender Zug auf dem Bahnhof Mestre mit einem von Venedig kommenden Schnellzug zusammen. 5 Reisende und 6 Beamte wurden leicht verletzt. Beide Züge konnten nach kurzem Aufenthalt ihre Fahrt fortsetzen. — Wie die Münchener Blätter melden, waren bei dem Eisenbahn-Zusammenstoß auf der Station Schwarzenfeld 10 bayerische Reichstagsabgeordnete in Lebensgefahr. In dem v.-Zuge befanden sich auf dem Wege nach Berlin a. A. folgende Abgeordnete: Beck, Bachmeier, Frhr. v. Thünefeld, Lehemeier, Dr. Heim, Speck und Dr. Pichler. Ein Augenzeuge berichtet, daß sich die Abgg. Bachmeier und Lindner, die sich vor der Katastrophe in ihre CoupeS niedergelegt hatten, vom Lager herabgeschleudert wurden und leichte Verletzungen an Händen und Gesicht daoontrugen. Ein anderer Paffagier erlitt eine stark blutende tiefe Wunde. 5 Güterwagen wurden zertrümmert und übereinandergeschoben. Zweites Blatt. 152. Jahrgang FreitagSI.NovemberLSvS Gietzener Anzeiger " General-Anzeiger v Ami§- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen EZEZ5S ZUe Heutige Kummer umfaßt 10 Selten Gießener SIMthcalcr m vchisstnbnqem» töt niiberqnnfl, ist ein«i‘.v esriedigter Platz, ttiti i, als Lagerplatz ml er dem WeM H mall gehörig, miir-mut zu verpachten, i hi bet gmneisterei.ZiiriLli.,«, Heer ttnb Marburg, 20. Nov. Ein Geschenk an die Königin- fSittroe Margherita von Italien wird morgen eine Deputation dcS Jägerbataill ons Nr. 11 der hohen sstrau auS Anlaß ihre? an diesem Tage stattfindenden Listen Geburtstages überreichen. Wegen der Abstammung der Kö- migin, welche Chef deS genannten Bataillons ist, von der heiligen Elisabeth hat daS Bataillon eine anderthalb Meter h<»he und ein halb Meter breite Stammtafel durch den Maler Profcffor Hildebrandt-Berlin nach dem Muster des Schon auf der Straße sah ich Lichtgefunkel Aus unfern Fenstern in den Schnee hinaus. Da draußen warS so frostig und so dunkel, Und nun — so hell, so wunderschön nt HauS! Noch trau ich meinen eignen Augen raum, Es ist mir wie ein wundersamer Trmim Voll Frühlingsglanz, ob's draußen stürmt und schneit, 's ist Weihnacht worden, sel'qe Weihnachtszeit. sichtigen, tragen viel zum psychologischen Verständnis der Frau vom Meere bei. Nur wer die in dieses Gebiet gehörigen, halb pathologischen, jedenfalls nicht dem alltäglichen Leben angehörigen Erscheinungen kennt, findet sich ihr gegenüber zurecht. Das Problem selbst: wahre innere Freiheit ist nur zu erlangen auf Grund freier Selbstbestimmung und im Bewußtsein eigener Verantwortlichkeit, ist wohl eine der tiefsten psychologischen und zugleich sittlichen Fragen und hat namentlich für die Frauenseele Bedeutung. Hier aber scheint mir die künstlerische Antwort auf diese Frage nicht mit jener treffsicheren Naturnotwendigkeit auS den Voraussetzungen hervorzugehen, wie z. B. in Nora und in Rosmersholm. Ellida ist aufgewachsen mit dem Blick auf das freie, unendliche Meer, und es lebt etwas Elementarisches in ihr; sie fühlt sich im Zusammenhang mit den Naturgewalten. Es ist, wie Rudolf v. Gottschall in seinen vergleichenden Studien „Zur Kritik des modernen Dramas" (Berlin 1900, Allg. Verein für deutsche Litteratur) nicht unrichtig sagt, etwas Aehnliches wie die Schwebereligion der Bettina. Sie hat ihren Mann auS Zweckmäßigkeitsgründen geheiratet, um eine gute Versorgung zu haben. Doch im innersten verbunden glaubt sie sich mit einem seltsamen Menschen, der sogar einen Mord auf seinem Gewißen hat. Aber es ist nicht Liebe, was sie an ihn bindet, sondern Entsetzen, das Grauenhafte an ihm, was sie abstößt und doch anzieht. Wie Senta an an den fliegenden Holländer, so denkt Ellida an diesen balladenhaften Seemann mit den Fischaugen. Die Landschaft des inneren Norwegens, in dem sie lebt, wirkt bedrückend auf sie, und die wilde Sehnfilcht nach dem Meere und dem Manne vom Meere, gepaart mit Gewissensangst, denn sie brach jenem die Treue, versetzen sie in einen Erregungszustand, der ihre Ehe mit dem braven Gatten in ihrem innersten Wesen zerstört. Doch das ZerstörungSwcrk wird, im Gegensatz zu „Nora", der der Gatte bis zum letzten Augenblick nahezu völlig verständnislos gegenübcrstcht, durch Mannesmilde und Manneseinsicht gehemmt. Ihr Gatte läßt ihr, in verständnisvollem Nachfühlen, freie Wahl, und diese führt sie fort von ziellosem Wünschen, von gespenster- haften Vergangenheitsträumen zu einem neuen Leben voller EcrShih, e«ber ioO2; Konten J™ wfiiwir >£tes Sass; SM °°J Lrdenlliches Weihnachten, ewnlLLl- MSanw;- Weihnachts-^itteratur. Der Wahrheitsucher. Ein Weihnachtssviel in 3 Abteilungen, von Therese K ö st l i n lin Darmstadt, früher Gießen). 35 ©.' 1902. Darmstadt, Ioh. Waitz. Das Weihnachtsspiel, an verschiedenen Orten, z. B. auch in Darmstadt, mit Erfolg aufgeführl („es schlug recht erfreulich ein", berichtet ein Freund), sei auch den Lesern des „Gieß. Anz." für Weihnachten empfohlen, Therese Köstlin, die Tochter von Professor H. A. R oft (in, dem bekannten Musikkundigen und Autor der tüchtigen Geschichte der Musik, eine Enkelin von Gerok, hat ihr dichterisches Talent schon oster littera- risch bekundet. Wir heben aus dem Büchlein nur einen VerS heraus: Die Frau vom Meere*). Schauspiel in 6 Akten von Henrik Ibsen. Wir sahen im letzten Frühjahr von einem reisenden Berliner Ibsen-Ensemble, neben JbsenS Hedda Gabler, auch BosmerSholm, und vor wenigen Tagen bot uns die große Kunst der Sorma JbsenS Nora. Vielleicht noch größer als in Nora und Rosmersholm ist die Kunst, oder doch die Kunst- jeectigkeit, die Technik der psychologischen Analyse in der gestern in unserem sehr für Abwechslung sorgenden Stadttheater uns gebotenen „Frau vom Meere". Ulrik Brendel, der Hellseher am5 „Rosmersholm", hat ihr den Namen gegeben, indem er Rebekka einmal als „reizendes Meerweib" anredet. In der gipei Jahre nach Rosmersholm 1888 erschienenen Frau vom Meere steht vor uns eine Frauengestalt, die nicht jene fest u-mgrenzten Konturen hat wie Nora oder Rebekka. Der Tämon des MeereS mit seiner zügellosen Gewalt und seiner g-heimnisvollen Unergründlichkeit hat sich mit drückender, ungesunder Schwere auf diese Seele gelegt. Sie hat zu leiden unter einer Suggestion, von der sie sich mit Aufwand aller Willenskraft nicht lösen kann. Durch unsichtbare Fäden scheint fu verknüpft mit weit aus der Ferne wirkenden Mächten. Ane ins Abnorme, Krankhafte gesteigerte gespensterhafte Ein- biildungskraft, eine unter jeder Berührung erbebende Innerlichkeit untergräbt in ihr den Zusammenhang mit der Wirklichkeit. Es ist eine Unmasse feinster Züge, aber die Gestalt mll vor uns nicht recht lebendig werden. Wir haben stellen- iwife das Gefühl, als hörten wir den detaillierten Bericht eines Experimentators auf dem Gebiete des Hypnotismus, aC3 erhielten wir ein lebendiges Exempel zu einem Experi- nuntalvortrage über Hypnose, wie dem, der am Mittwoch im hufigen Kaufmännischen und Ortsgewerbeverein oon Herrn Leo Erichsen gehalten wurde. Die Einsichten j in. das Seelenleben, die derartige Vorträge zu geben beab- •) Vgl. die große deutsche Jbfen-Ausgabe, herauSgegeben von Landes, Elias und Schlenther, Bd. Ylli. (Verlag von 2. Fischer iin Berlin.) i. iS sM Sä Vslilische Tages schm. Eia Bärenführer, der weiter kämpft. Me der „Ostd. Rundschau" aus Pretoria geschrieben wird, setzen frühere Burghers unb namentlich Aufständische aus der Kvpkolonie den Kampf gegen England noch heute fort. Dor drei Wochen zählte das Kommando van Zeyl nur 80 Mann. Heute verfügt der kühne und gewandte RechtSgelehrte aus dem Torfe „Schweizer Reinecke" über 200 wo hlbewaffnete, entschlossene Leute, die Eisenbahnzüge in die Luft blasen und die Gegend zwischen der Kalahari und Vrijburg unsicher machen. ES wäre thöricht, große Hoffnungen an die Thatigkeit dieses Kommandos ziu knüpfen, das erst gefahrdrohend werden würde, wenn die britische Regierung durch Verweigerung weiterer Unterstützungen die Buren zwingen würde, sich jenen Verzweifelten anzuschließen, deren Vernichtung als gänzlich ausgeschlossen sogar von Engländern zugegeben wird. Während des Krieges zeichnete sich van Zeyl als einer der fähigsten Durenführer auS. Mit Tollte de Beer belagerte er monatelang Schweizer Reinecke und hätte nicht Oberst Chaumier genügend Lebensmittel gehabt, hätte die Uebergabe der Stadt erfolgen müssen. 2lls van Zeyl sich von General Telareh getrennt hatte, beunruhigte er fortgesetzt die britischen Posten um Vrijburg nund wurde von den Briten als ein Hartnäckiger und Lußerst unliebsamer Widersacher angesehen. Monatelang verging fast kein Tag, ohne daß der eine oder andere Posten durch sein Kommando aufgehoben wurde, trotz Mockhauslinien und Verhauen. Van Zeyl hat erklärt, nie die Waffen strecken zu wollen, und dass, wenn die Zeit gekommen sei, wo er nicht mehr fechten könne, er sich kn Langeberg einnisten wolle, und wenn auch dort seines Meidens mit Erfolg für seine Sache nicht mehr sei, er die Wüste Kalahari als Operationsbasis annehmen werde. Sein Kommando besteht durchweg aus Leuten, die nichts zu verlieren haben als das Leben, das sie alle so teuer als möglich zu verkaufen gedenken. Van Zeyel war früher Rechtsanwalt zu Kuruman und galt für einen der acschlcktesten Anwälte der Kolonie. Wiewohl gezwungen, Drille zu tragen, ist er ein unfehlbarer Schütze. Tabei besitzt er alle Eigenschaften für einen Truppenführer, ist (überaus beliebt in Griqualand und Betschuanaland und dürfte schon aus diesem Grunde noch eine zahlreiche Gefolgschaft für seine Sache finden. ***& Kunst und Wissenschaft. Darmstadt, 20. Nov. (Großh. Hoftheater.) Tiefer Tage wurde das als Sommerspiel vom Rhein betitelte Sck,auspiel „Schnapphähne" von Walter B l o e m, hier zum ersten Male aufgeführt. Tie Handlung des.Stückes spielt im Jahre 1273 auf der Falkenburg am Rhein, dem Sitze des Falkenburgers, eines Raubritters, in dessen Hände der Kölner Handelsherr Nettekoven fällt. Sein Sohn Georg macht durch Zufall die Bekanntschaft der Tochter des Raubritters, Hildgard, eines unbändigen, im- gezügelten Wildfanges, deren Trotz und Stolz seine Liebe entfacht. Um in ihrer Nähe sein zu können, läßt er sich von den Knechten des Falkenburgers gefangen nehmen, wobei er schwer verwundet wird. Tie Geschichte von der Zähmung des widerspenstigen Nitterfräuleins durch den jungen, mutigen Kaufmann aus Köln bildet den weiteren Inhalt des Stückes, in dem das Raubrittertum mit vielem Humor und historischem Verständnis geschildert wird. Auch die Sprache oes in gereimten Versen geschriebenen Stückes sucht sich durch Urwüchsigkeit, und Derbheit dem Geiste jener Zeit anzuvassen. Tie komischen Szenen sind auf den derb humoristischen Ton gestimmt. Der Erfolg des Stückes hängt von der Besetzung der schwer zu spielenden Rolle der „Hildegard" ab, mit der es steht und fällt. Sie wurde von Frl. Rull gespielt, während die des „Georg" durch Herrn Loehr vertreten war. Besonders lebhafter Beifall fand der dritte Akt, nach dem auch der Dichter hervorgerufenl wurde. Im ganzen fand das Stück recht beifällige Aufnahme^ 3-WM :n pünktliche,'^ unb mheil von Mm &.• her gejucht Cfi unkt k 85 an d. fe. b. Ujtte e von mirMchrocktru Itibifliina flotr । von ZreiS L ÄL ' ermil jnrürf. Caspar Naum°- x Tomur^ag obcnb r.: xn Sum's Garin nt arzerMhnt, intaR ne steht, verWchl. ick erbeten. Fipgwer, (Sninbetflerr, Entlauft» teeibL WM 3« Stti® Mg-'E *5* Nr. «74 außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesftschea Landwirt du Siebener Familien» dlütter otermal tn der Woche betgelegL DotanonSdruck u. Verlag der Brühl 'jchen Untverl.-Buch- u.Stem- >rud 55 Pfg., 65 Pfg., stark und kräftig. Großes Prcisschicßen Der Zimmerftutzen-Klub Gieße« hält in seinem unter 50,411 ges. gesch. der beste Kinderstiefel Kinder schlitten empfiehlt J. H. Fuhr 8110 Souueustraße 25. Zum Totenfest empfehle in großer Auswahl 8003 Kränze und Kreuze -^Z in geschmackvollster Ausführung und billigsten Preisen. Eduard Rieger, Kanklsßärtiicr, Mrim 3. 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Da erschien einst in einer Apotheke in fürchterlicher Auftegung ein junger Mensch, ein ganz unschuldiges Rezept in Händen. Er stößt in größter Seelenangst hervor, er habe in der Nacht eine MauS verschluckt und müffe nun ersticken. Dabei röchelt er in heiserster Tonart gottsjämmerlich. Der Apotheker durchschaut den fabelhaften Fall: der Jüngling hat nur mit be- sonderer Lebhaftigkeit die Geschichte von der MauS geträumt und der Arzt hat ihn in dem Wahne gelaßen; er redet also auch seinerseits dem Patienten gut zu, gibt ihm sein harmloses Tränklein ein und der Mann mit der MauS ist der festen Ueberzeugung, die Medizin hätte daS böse Tier im Schlunde vergiftet! Von seinem Wahne kuriert, spaziert er 'eelenvergnügt zu Muttern. — „Die Frau vom Meer* taucht nur selten in den deutschen Theatern auf, nur wenige Künstlerinnen greifen zu dieser Rolle, wohl auS zwei Gründen, einmal weil für das geistig Angekränkelte, Anormale, da? die Heldin hat, nur wenige Verständnis haben, und zweitens, weil den meisten Künstlerinnen das Nixenhafte abgeht. Auch Alwine Wiecke, unser Gast, hat nichts RirenhafteS an sich. Aber sie hat die Rolle glänzend gespielt und sich unS als eine intelligente und mit der höheren Cchauspieltechnik wohl vertraute Künstlerin erwiesen. Sie gab gar viel von der starken Empsindung in der Darstellung der Scelenangst des ge- quälten WeibeS. Ihre ganze Art und auch ihr AeußereS erinnern an Theffa Klinkhammer in Frankfurt. Ihre Spcel- weise nähert sich dem 6til der Klara Ziegler. Es ist etwas lärmend TheatrealischeS an ihr, das sie fortführt von dem Krankhaften, für daS eine Triesch besonders sich interessieren würde. JbsenS Muse hat neuerdings eine Dar- stellungSwcise groß gezogen, eigenS modifiziert für jeden einzelnen dieser .belasteten" Charaktere. Dieser DarstellungS- art steht die in den alten Bahnen wandelnde Kunst der Wiecke fern. Diese in antiker Gewandung mit dem Schritte der großen Tragödie einherschreitende nordische Medea — die weiße Dame erinnerte, bis auf die Farben, sehr stark an daS bekannte Gemälde Feuerbachs, das die am MeereS- srrande trauernde Kolchierin darstellt — bot für die Anhänger der sog. Weimarisch-n Schule ganz gewiß einen großen Genuß, sowohl sie zu sehen als, mehr noch, sie zu hören. Denn ihre Sprache ist von musterhafter Ausbildung, und ihr Organ volltönend, rund und schön. Nur habe ich mir doch die „Frau vom Meere" mehr ä la Lilian Sanderson oder ä la Nilson vorgestellt, auch ihrer Stimme nach, zartem Wellen- spiele ähnlich, schemenhafter, süß und leise wie das Wispern duftender Frühlingsbäume, mehr nach körperlosem Märchenzauber, verwunschen, rautcndeleinhast. DaS Publikum fand an der Künstlerin großen Gefallen und unsere tapferen Söhne und Töchter MiedingS hatten neben ihr einen schweren Stand. Aber sie waren ganz wacker auf ihrem Posten. Herr Steinert spielte die heikle, paffive Rolle des Dr. Mangel in voller Einfach- beit, in ruhiger, sachlicher Tonart, vielleicht zu wenig warm und teilweise etwas zu weinerlich. Von den anderen Herrschaften ist nicht viel zu sagen, doch verdient bemerkt .zu werden, daß Frl. Manstä dt, die wir bisher nur in ganz untergeordneten Rollen sahen, den rechten herzlichen Ton für ihre Bolette fand, den zu suchen Herr Götz sich wenig Mühe gegeben zu haben schien. Dieser Oberlehrer Arnlwlm ist nicht allein, rote Herr G. zu glauben scheint, ein Pedant, sondern ein ganz gesunder Mensch von tadellos solider Lebensauffassung. Tie Hilde Wangel, dieser Backfisch mit den perversen GrausamkcitSanwandlungen, gestaltete Frl. Egard in ihrer Art ganz natürlich, frisch, munter und keck. Aber eS liegt doch noch gar viel mehr in diesem enfant terrible in deS Worte« verwegenster Bedeutung. seltsame Mädel hot doch eine große Portion von dem Fischblut ihrer Stiefinutter, untersetzt mit naiv-kindlicher Niedertracht von angeborenem Raffinement. Herr Zoder hatte die Aufgabe, die feine und rührende Gestalt eine« lungen- kranken jungen Künstler« zu schaffen, waS ihm auch nur zum Teil gelang. Namentlich die große Erzählung von feinem vorerst nur in den Gedanken lebenden großen plastischen Werke hätte ihn in halb zaghafte, halb feurige Erngtheit bringen müffen. Die Herren Ramseyer und v. Stahl thaten in ihren kleinen Rollen ihre Schuldigkeit. Die Regie hatte eS leider übersehen, daß der dritte und fünfte Akt eine andere Szenerie verlangen al« der zweite. Der zweite allein spielt auf der hoch gelegenen, schwer zu erkletternden Aussicht, der dritte und fünfte dagegen in einem abseits gelegenen Teil von Wangels Garten. Indem man diese beiden Akte auf den hohen Berg verlegte mit dem trigonometrischen Zeichen, bekamen die ganzen Vorgänge etrool LchiefeS. Der .Fremde* erscheint nicht auf dem Berge, sondern am Gartenzaun, den er beide Male flberflettert. Der fremden bedeutenden Künstlerin galt in erster Reihe der Beifall de« vollen Hause«. Richt gar so stürmisch war dieser Beifall; wie zögernd löste er sich lo«, denn er kam von einer eher verwunderten al« ergriffenen Zuhörerschaft, die sich erst darauf besinnen mußte, daß der Darstellung Tank gebühre. Nach meiner Empfindung begegnete die Dichtung nur geringem Verständnis. Gar zu fremdartig mutete sie an, gar zu unfaßbar blieben die seltsamen Regungen der von Halluzinationen und mediumistischen Visionen gepeinigten Ellida. Unerschüttert verließ da« Publikum daß HauS und unüberzeugt, aber doch wohl mit der Empfindung, einer anregenden Vorstellung bergewohnt zu haben. Jedenfalls war eS hochintereffant, nach Ibsen« Nora die rhr tm Charakter und in der topischen Lebenslage so ähnliche Frau oom Meere, und nach der großen SeelendarstellungSkunst der Sorma die nach den aristotelischen Regeln schöne, gemessene Worlkunst einer Wiecke zu gemeßen. P. W. Nr« trlN fit 3 Sn"' littet Pa «im diese dem W Ä hoben r Au besiimm üimmun ral 8m Aflmm * Tie von del ab Abc uni oii 2# n,mn wand kl vtrrmsd den 8oO kommun ti untei damals £?ut ütl au LkttoiS durch bii M Oll ücimalh bringt, i der lais« austerhal der s!ad ih aber m lantzt nid) Müiflut «runden damit, bi lostet iti dir Tier unseren darüber, laße ich dad hier bä)! L 6» ti fi Wonnen Llac helft. £ Mission a kßzierun, S ioi » der Äonm bericht bi ödenlen dleskS ® n H eine sind e? pünden Mtnfa btibtn. „ Vr« "amen J'fiwrun floaten Jen/a oi lur fing Tie "Mn i Mitt unt jjeraui fc, Pnittfifun ^chthkil ^wAvir Uen Ars N-ren g W W ÄS» L, NS