Ne. 195 Erscheint täglich außer Sormtags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Grehencr Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt. Siotationsdri u. Verlag der Brüh l'scheu Untvers-Buch- u.Stem- druckeret (Pietsch (Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Tchnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Erstes Matt. ISA. Jahrgang Donnerstag Al.August 1908 Gießener Anzeiger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vczngSpretSr monatlich7bPi.,oier1elg jährlich Mk. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstelle« monatlich 65 Ps.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestcllg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr, ZeilenpretS: lokal 12 Pf. auswärts 20 Pfg. verantwortlich: für den polit. tu allgem. keil: P. Witiko: für .Stadt und ßcnür und .Gerichtssaal^: Lurt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck, KeKanntmachMg. Die KreiSkaste des Kreises Gießen sowie die Provin- ZiEaste der Provinz Oberhessen befinden sich nunmehr im Regierungsgebäude Brandplatz Nr. 9 dahier, Zimmer Nr. 2. — Zahltage daselbst Dienstags, Donnerstags und Samstags von 8—12 Uhr vormittags. Gießen, den 9. August 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- I. V.: Dr. Wagner. • Gießen, den 9. August 1902. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie wiederholt ortsüblich zur Kenntnis Ihrer Gemeindeangehörigen bringen lassen. I. 53.: Dr. Wagner. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die Kranken- und Sterbekasse zu Wieseck (E. H. Nr. 9) in ihrer Generalversammlung vom 6. l. Mts. die Auflösung der Kasse beschlossen hat. Die Abwickelung der Geschäfte erfolgt durch den seitherigen Kassenoorstand. Gießen, den 19. August 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- I. V.: Dr. Heinrichs. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen, rechts der Lahn; hier die Zuziehung eines Teils der Gemarkung Heuchelheim. Das Ergebnis der am 12. Juli L Js. zu Heuchelheim stattgehabten Abstimmung über den Antrag auf Feldbereinigung in den Fluren XVI bis XXI der Gemarkung Heuch elheim und die Zuziehung dieser Flächen zu der Feldbereinigung Gießen rechts der Lahn ist folgendes: Flächeninhalt der gesamten zu bereinigenden Fläche: = 168,2520 ha. Gesamtzahl der auf dieser Fläche Begüterten: 442. Gegen den Antrag haben gestimmt: 45 Grundeigentümer mit .... . 15,6237 ha beteiligter Fläche. • Für den Antrag haben gestimmt: 397 Grundeigentümer mit ..... 152,6283 ha beteiligter Fläche. Hiernach hat der Antrag die gesetzliche Majorität (Art. 3 des Gesetzes) erhalten. In der Zeit vom 23. August l. Js. bis einschließlich 29. August l. Js. liegt das Abstimmungsprotokoll nebst der Zusammenstellung des Abstimmungsergebnisses auf dem Büreau der Großh. Bürgermeisterei Heuchelheim zur Einsicht offen. Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit des Ergebnisses sind binnen 14 Tagen von der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung im Kreisblatt an gerechnet, mittels schriftlicher Beschwerde bei Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, in Darmstadt geltend zu machen. Friedberg, den 14. August 1902. Der Großh. Bereinigungskommissär. I. 93.: Schnittspahn, Regierungs-Assessor. Die AenkmalsseierLichkeiten im Taunus. IL Cronberg, 20. August. Ter Enthüllung des Kaiserin Friedrich-Denkmals in Homburg folgte die Enthüllung des Kaiser Friedrich^Tenk- mals in Cronberg auf dem Fuße. Tas heutige Fest ist volkstümlicher als das gestrige. In der Pracht der Toiletten können die Cronbergerinnen mit den Damen Homburgs iricht wetteifern. Auch ist das Städtchen alt und altertümlich, während Homburg im wahren Sinne des Wortes eine moderne, elegante Bäderstaot ist. Aber die Homburger Feier hatte hauptsächlich lokalen Charakter, an der Cronberger Feier aber nahm die nähere und- weitere Umgebung innigen Anteil. Die Ausschmückung der Stabt, der Häuser uni> Straßen ist reicher unb künstlerischer, man merkt sofort da und dort die Mitwirkung der Cronberger Künstlerkolouie. In mächtigen Kränzen erblickt man den vreußischen Adler, sowie die hessischen und badischen Schilder. Hessen uni) Baden sind darum besonders berücksichf- tigt, weil Prinz Friedrich Karl von Hessen jetzt der Schloßherr von Friedrichs-Hof ist und der Großherzog von Baden im Jahre 1897 die Schirmherrschaft über das Denkmal übernommen hat. Der Festplatz bietet ein prächtiges landschaftliches Bild. Groß ist der Platz, größer das Gedränge. Die Feier beginnt eine Viertelstunde früher, als im Programm an gezeigt ist. Um dreiviertel 11 Uhr verkündeten Böllerschüsse und Fanfarensignale das Herannahen der fürstlichen Gäste von Homburg her. Mit Hochrufen begrüßt, fährt das Kaiserpaar durch die Reihen. Der Wagen hält vor dem Kaiserzelt. Dann begibt sich der Kaiser hinüber auf die Wiese und schreitet die Ehrenkompagnie ab. Der Kaiser geht sodann zurück zum Zett und begrüßt das Großherzogliche Paar von Baden. Er küßt beide auf die Wangen. Fanfaren blasen den „Kaisergruß" von Roßleck, der Main- Taunus-Sängerbund singt mit Orchesterbegleitung die Hymne „Seht, er kommt"' aus „Judas Makkabäus". Ter Vorsitzende des Ortsausschusses, Landrat v. Meister, hält die Ansprache. Regentropfen fallen und bald klatschst der Regen ordentlich nieder. Ter Festredner sagt u a folgendes: Wenn schon lange im deutschen Volke der Gedanke rege war, dem Kaiser Friedrich außerhalb des LarmS und Treibens der großen Städte und nichst auf den Schlachtfeldern, auf denen sein siegreiches Schwert die deutsche Einheit erfochten, ein Denkmal zu errichten, so lag es nahe, diese Pflicht der Dankbarkeit hier zu er- füllen. Hier in den Taunusbergen, in denen der Kaiser so oft und gern verweilt, hier zu Cronberg zwischen Schloß Friedrichsbof und der alten Stammburg derer „von Cronberg", die auch in der Ahnenreihe des preußischen Königshauses einen Platz gefunden. So ist dieses Denkmal entstanden und ausgewachsen, begleitet von dem knnstverständigen Interesse der dahingeschiedenen Kaiserin, welche die erste Skizze für dasselbe entworfen, und unter der treuen Schirmherrschaft des Großherzogs von Baden. Ter Redner dankte dem Großherzog und schilderte den unvergeßlichen Kaiser Friedrich, den Feldherrn im Tosen und Brausen der Schlacht, den hochherzigen Förderer von Kunst und Wissenschaft, der bei der Bethätigung der Werke des Friedens im Genrüt und in der Seele seines Volkes einen unverrückbaren Platz gefunden. Dieses Denkmal sei ein Zeuge des Dankes, den das deutsche Volk an der Jahrhundertwende einem seiner edelsten Fürsten entgegen-gebracht hat. Uns aber soll es auch ermahnen, zu pflegen die Tapferkeit und die Pflichttreue, Tugenden, die sich in dem hohen, reinen und idealen Sinne Kaiser Friedrichs in herrlicher Weise wiedergespiegelt haben. Es soll uns aber dabei jetzt und immerdar vor allem des gemeinsamen deutschen Geistes gedenken lassen, der das Wunderwerk der politischen Einigung unseres Vaterlandes zu stände gebracht hat, nachdem Kaiser Friedrich hierzu die Brücke über den Main geschlagen. Ein frischer Seewind weht über unsere Küsten. Er streicht über die großen Ebenen des Binnenlandes und zieht hinein in die deutschen Gebirge. Er hat große und neue Aufgaben mit sich gebracht, die der deutsche Geist sieghaft lösen muß, der deutsche Geist der Einigkeit unseres teuren Vaterlandes, deren die heutige Erinnerungsfeier an den unvergeßlichen Kaiser Friedrich ein Zeichen ist. Nachdem der Redner geendigt, fiel die Hülle vom Denkmal. Auch dieses Denkmal ist, wie die beiden Büsten des Kaiserpaares in Homburg, ein Werk von Prof. Uphues- Berlin. Kaiser Friedrich ist in der Uniform der Pasewalker Kürassiere dargesteM, auf der Brust das Großkreuz zum Eisernen Kreuz, den Orden pour le mecite und die Kette zum Schwarzen Adlerorden. Ein gewaltiger Dräntet wallt von den Schultern herab. Die Rechte hält den Marschallstab, die Linke stützt sich in der Hüfte, der Blick des Kaisers wendet sich nach, der Burg Cronberg. Das Standbild ist etwas über 3 Meter hoch und in dem konventionell-militärischen Stil gehalten. Rechts und links führen breite Feuilleton. Gemäldeausstellung in Worms. Unser M.- Korrefpondent schreibt uns: Worms, 20. Aug, mittags 12V2 Uhr. Soeben hat die feierliche Eröffnung der Kunstausstellung in den Räumen des Kasinos stattgefunden, bei der etwa 100 geladene Gäste, Regierungsbeamte, Künstler, Lehrer und Offiziere zugegen waren. Dr. Frhr. v. Hehl ergriff das Wort zu einer kleinen herzlichen Begrüßungsrede, ui der er auf den alten Kulturboden von Worms, auf seine architektonische Bedeutung und die Notwendigkeit hinwies, das Kunstverständnis an dieser Stätte neu zu beleoen. Im Namen des geschäftsführenden Ausschusses richtete er sodann an das Stadtoberhaupt Oberbürgermeister Köhler die Bitte, die offizielle Eröffnung zu vollziehen. Dieser legte in einer sachlich gehaltenen Rede, bei welcher er gleichsam als Leitmotiv die Inschrift am ehrwürdigen Dome wählte: Digna bona laude eemper Wormatia gaudel (Worms, das hoher Ehren wert, Freude sei dir stets beschert) den Ausstellungsgedanken klar, der durch das Vorhandensein der zahlreichen in Wormser Privatbesitz befindlichen Meisterwerke seine stärksten Impulse empfangen habe, und schloß mit dem Ausblick auf die berechtigten und den Objekten entsprechenden Erwartungen, die sich an diese Ausstellung knüpfen lassen. Auf bie Gemälde und Plastiken kommen wir in einem Artikel zu sprechen. E i n F 0 n t a n e. Die Cottas che Buchhandlung in Stuttgart brachte kürzlich in 4. Aufl. von unserem alten Theodor Fontane eine ältere Arbeit, „Unwiederbringlich", wieder auf den Büchermarkt. Der wunderbare Ton in Fontanes Sprache, der breite, ruhig dahinfließende, manchmal dumpf aufbrausende epische Strom seiner Rede erfaßt uns und tragt uns noch heute wie einst, als dieses alte Buch des Alten noch jung war, mit fort. Und uns will die Geschichte nicht mehr aus dem Sinne. Ein hohes Schloß ragt weithin übers Meer, „goldig und rosig wehen die Wolken darüber her". Einfache Menschen wohnen bann, gute und reine, die das Leben noch nicht durch gerüttelt hat. Da ruft der Hofdienst den Schloßherrn nach Kopenhagen, und während die stille, reine Frau leuchtend in ihrer Weiße am Strande von Helkenäs wandelt, gerät der Mann in die Netze einer koketten Hofdame, die sich zum Spielzeug in ihrer Langeweile den schönen Grafen von Holkenas aussucht. Während ihn echte, tiefe Leidenschaft ergreift, ist es bei ihr nur Zeitvertreib, der aber der Schloßhernn das Leben kostet. Sie versucht den Fehltritt ihres Gatten zu vergessen,, findet ihre Ruhe aber nur in den Wogen der blauen See. Einsam wandelt der Graf im hohen Schlosse: „Die Winde, die Wogen alle lagen in tiefer Ruh, einem Klagelied aus der Hölle hört' ich mit Thränen zu." „Der Narr und Anderes. Novellistisches" betitelt sich das neueste Geschichtenbuch von Johannes Schlaf, das im Verlage von Hermann Seemann Nack)folger in Leipzig erschienen ist. Preis Mk- 2,50. Die Meisterschaft Schlafs in der psychologischen Schilderung von Vorgängen, die mehr im innern, als im sozialen Leben sich abjpielen, ist unbestritten. Die Seelenbilder, die Schlaf in dem vorliegenden Bande zeichnet, ergreifen durch ihre realistische Treue und ihren Stimmungsgehalt nicht weniger, wie durch die außerordentlich feine, fast raffiniert künstlerische Form, die ihnen Schlaf gegeben hat. Doch sind nicht alle Novellen gleichwertig. Neben feinsinnigster Erzählunaskunst findet sich auch Geschraubtes, Maniriertes. Immerhin aber eines der besten Bücher neuester deutscher Novellistik. Björn st jer ne Björnson, Mutters Hände. Erzählungen. Umschlagzeichnungen von Th. Th. Heine. Geheftet 1 Mk. Albert Langen, Verlag, München- Auch in diesen Erzählungen zeigt sich der große Norweger als der feine und starke Seelenschilderer, als den ihn die Welt kennt und liebt. Daß Björnson der größten einer unter den lebenden Diclflern ist, braucht man keinem zu sagen, es ist genug, wenn man sagt, daß diese Erzählungen zum Besten gehören, was Björnson geschrieben hat. Maxim Gorki, Gewesene Menschen. Gesammelte Erzählungen. Verlegt bei Eugen Diederichs, Leipzig. — Vier Erzählungen aus dec Welt entgleister Geister, getragen von der grüßten Liebe zum Menschen, von der Liebe, wie sie nur empfunden werden kann durch das größte Verständnis für den Menschen, durch ein Verständnis für das Leid und Elend, für das Laster mrd seine Beweggründe. Gorki hat selber jahrelang ein merkwürdiges Vagabunden- leben führen müssen und ist tief hinab gestiegen in die Abgründe des menschlichen Herzens, war selber heimisch unter den „gewesenen Menschen", die schweren Schicks alsschlagen erlegen, an Leib und Seele furchtbar getnuft, in den ekligsten Ecken ihr überftüfsiges unmenschliches Dasern hmschleppen. Gorki gehört heute zu den allerersten russischen Poeten und steht gleichwohl, trog seines obendrein ganz außerordentlich bewegten Lebensschickfals, erst im Aller von 33 Zähren. Selma Lagerlöf, Jerusalem, Erzählung. Geheftet Mk. 3.50. Verlag von Albert Langen, München. Selma Lagerlöf, die auch in Deutschlanb berühmte Verfasserin, giebt uns in ihrem neuen großen Roman wieder em umfassendes, buntes Bild des Lebens m ihrer Hermat. Vor uns rollt sich die Familiengeschichte eines, reichen, hochangesehenen schwedischen Bauerngeschlechtes auf. Mehrere Generationen werden geschildert in lebensvollen, knapp umrahmten und ungeheuer farbigen Bildern, und doch schildert Selma Lagerlöf episch im besten Sinne des Wortes. Das stille Leben auf dem Lande, das dem mystisch veranlagten nordischen Bauern so viel Gelegenheit bietet zu religiösen Grübeleien, tritt ebenso plastisch vor unsere Augen, wie der Seesturm, der Schiffbruch, dessen Gefahren ebenso und doch ganz anders religiös Erleuchtete wecken. Was uns Selma Lagerlöf zeigt, «alles steht rund und mit der Farbe des Lebens vor uns. Ernst und mit Stimmung und doch spannend und interessant schildert uns die Dichterin die Kämpfe, die aus der Sehnsucht nach dem himmlischen Jerusalem im Gegensatz zur Liebe für die irdische Heimat sich ergeben, in der Äust des Einzelnen, wie in der ganzen Gemeinde. So wird dieser Roman den Kreis ihrer Bewunderer, die nach Tausenden zählen, erwellern und denen, die sie kennen, zeigen, in wie leuchtendem Aufstieg ihr großes Talent sich befindet. Was ist von der Behandlung der Kranken mit Arzneien zu halten? Wann, wieviel, was soll der Kranke essen? Welche körperlichen Hebungen erscheinen bei den Krankhellen der einzelnen Organe angezeigt? Welchen Einfluß hat die Hautpflege auf den menschlichen Körper? In welchen Fällen erscheint eine Knetkur ober Massage an gezeigt? Diese und viele andere Fragen werden zunächst in den uns vorliegenden Lieferungen 21 bis 35 des Werkes „Die natürliche H e i l w e i s e" von Dr. med- C. Sturm (Stuttgart, Deutsche Verlagsanstall) behandelt. Des weiteren folgen Ab- schnitte über besondere Krankenpflege, so zum Beispiel in Bezug auf die Zahnkrankheiten, die Krankheiten des Darms, die Wurmkrantyeiten re. Andere AbsckMitte sind den Herzleiden, den Krankheiten der Atmungsorgane (Schwindsucht), den Sprachstörungen, den Krankheiten der Leber und ihrer Behandlung gewidmet. Den Lieferungen sind zahlreiche Abbildungen im Text und sechs hochinteressante farbige Tafeln zur Erläuterung der gemeinverständlichen Darstellungen des Verfassers beigegeben. — Die Anschaffung des Werkes in 50 Lieferungen a 30 Pfg. dürfte auch den weniger Bemittellen möglich sein. W. Buhle, Briefe Über Erziehung an eine junge Mut ter gerichtet. Die Ällisicht des Verfassers, eines Pädagogen, i)t, in erster Linie den jungen Müttern, im weiteren Eltern mit diesem Buche einen Wegweiser in die Hand zu geben, der sie zu einer nach Grundsätzen geregelten, planmäßigen Erzieyung der Jugend, verbunden mit zweckmäßiger Körperpflege, anleitet, der ihnen ferner eine Richtschnur giebt, wie ein ersprießliches Zusammen- Aufgänge zum Denkmal, an einer Bällufbrode vorbei, ans deren Mitte ein Kopfrelief in eine Muschelschale nnb von ihr in ein tiefer liegendes Bassin Wasser sprudelt. Der Kaiser legte zunächst am Denkmal einen Kranz nieder. Dann geleitete er — bcr Regen hatte unterdessen ausgehört — die Großherzogin n Baden zum Denkmal. Ihnen folgten die Kaiserin cu.i Arm des Kronprinzen und die anderen Fürstlichkeiten. Die Damen waren saft alle in Hellen Roben erschienen. Unter den Ehrengästen neben dem Kaiserzelt befand sich der englische Botschafter Sir Frank Lascelles. Der Kaiser verweilte einige Minuten vor dem Denkmal, in eifriger Unterhaltung mit der Großherzogin. Nachdem hieraus der Main - Taunus - Sängerbund a capella eine Hymne vorgetragen hatte, hielt Bürgermeister Jamin von Cronberg eine kurze Ansprache. Er übernahm Denkmal und Anlagen in den Schutz der Stadt und brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Es folgte die Nationalhymne und zahlreiche Deputationen legten Kränze am Denkmal nieder. Der Ztaiser urtterhiett sich mit einigen Herren, namenttich auch mit Prof. Uphues. Zum Schluß führte das 80. Regiment Parademarsch vor dem Kaiser aus. Die Fürstlichkeiten begaben sich sodann zum Frühstück ins Schloß Friedrichshof. An der Familieutafel waren 11, an der Marschalltasel 16 Gedecke serviert. Der Kaiser saß Zwischen dem Grvßherzog und der Großherzogin von Baden, die Kaiserin dem Kaiser gegenüber. Der Großherzog von Baden hat u. a. dem Kommerzienrat Kannmrgceßer in Wiesbaden, dem Landrat Tr. v. Meister und dem Bildhauer Uphues das Ritterkreuz des Ordens vom Zähringer Löwen erster Klasse verliehen. König Eduard verlieh dem Kommerzieirrat Kannengießer das Ehren-Ritt er kreuz des Viktoria-Ordens. Prinz mrd Prinzessin Friedrich Karl von Hessen schenkten dem Ztommerzien- rat Kannengießer, der sich um die Errichtung des ltaiser Friedrich-Denkmals sehr verdient gemacht hat, das Bild Kaiser Friedrichs. Die kaiserliche Familie ist um 2 Uhr 30 Min. nach Homburg zurückgekehrt. Ter Großherzog und die Grvs> Herzogin von Baden verließen Cronberg bald nach 3 Uhr 19 Minuten # « Ter „Daily Telegraph" schreibt über die Feier t n Homburg. Ein angenehm berührender Vorgang hinsichtlich der Beziehungen zweier Völker, deren überlieferte Freundschaft vor kurzem ourch Zwistigkeiten gestört wurde, die aber im Interesse beider Länder niemand aufrechtzuerhalten wünschen kann, spielte sich in Homburg ab. Tie Ansprache Kaiser Wilhelms werde nachhaltigen Eindruck Hervorrufen. Im Hinblick auf ein Ereignis, wie das gesttige, sei es schwieriger als jemals zu verstehen, daß Leidenschaft, Vorurteil und gegenseitige Beschuldigungen für bf.n Augenblick die freundschaftlichen Traditionen ge)äi)rbeii konnten, die jeder vernünftig denkende Mensch als wesent- /»iches Interesse zweier großer Völker ansehen müsse. — „Daily Chrvnicle" sagt: „Alle Engländer bewundern d e u K a i s e r. Die Bewunderung wird erhöht durch den, der Kaiserin Friedrich gezollten Tribut. Aas Kesundveten und der preußische Kultusminister. Unter dieser Ueberscl>rist druckten wir am Samstag einen Artikel aus der ,Molksztg." ab, der sich mit dem überall Aufsehen erregenden Verhalten des Pfarrers Horst in Mansbach (Hessen-Kassel) gegenüber dem von uns vor kurzem in einem größeren Aufsatze geschilderten Gesund- beten befaßt. Danach sei auch, der ehemalige Hofprediger D. Stöcker, der seinerzeit im riteich-stag in schärfster Weise sich gegen die von Amerika herubergekommene Art des Gesundbetens ausgesprochen, dem Pfarrer Horst in einer längeren Apologie beigesprungen, habe dessen Standpunkt vollauf verteidigt und die Entscheidung der vorgesetzten Behörde, die aus Sttafversetzung, .Verurteilung in sämttiche Kosten und Androhung der Amtsentsetzung bei weiterer Bethätigung lautete, entschieden mißbilligt. Uns schien dieser Sachverhalt unglaubwürdig und wir fügten darum zum Schlüsse eine dementsprechende Bemerkung bei. Unb wir hatten Recht mit unserem Zweifel an dieser Darstellung. Die „Volksztg." hat den an den Kultusminister Tr. Studt eingereichten Rekurs des Pfarrers Horst nicht getrennt von dem Aufsatz, den Stöcker in der Zettschrift „Reformation" über die Angelegenheit veröffentticht hat. Pfarrer Horst ist es, berbie verschiedenen Stellen der heiligen Schrift als das Gesundbeten befürwortend cmführt und fügt hinzu: „Wenn die Herren im Kirch,enregnneni diesen Glauben an den Gott der Bibel, der aufs Gebet hin Kranke gesund wirken zwisclZen Haus und Schule, als notwendiges Erfordernis einer guten Erziehung, stattzufinden hat. Mit besonderem Nachdruck betont der Verfasser, wie ungeheuer wichttg der Einfluß des weiblichen Geschlechts auf die Erziehung ist, da diese im ersten Stadium des Kindesalters ausschUeßlich in den Händen der Mutter liegt. Er erblickt daher ein Hauptübel unserer heutigen Erziehung in der überaus mangelhaften Vorbildung des weiblichen Geschlechts für diese wichtige Lebensaufgabe und fordert eindringlich Reform der Vttidcheuerziehung in der Familie wie in der Schule. Blätter zur Pflege persönlichen Lebens, herausgegeben von Dr. Johannes Müller. 3.Aufl., erste öffentliche Ausgabe, 8.—12. Tausend. Leipzig, Verlag der Grünen Blätter. Großoktav XII und 288 Seiten, broch 4 Mk. Wenn Bücher ihre Schicksale haben ,so gilt das von dem vorliegenden in besonderer Weise, denn es tritt als Erwachsener auf den Plan. Das Buch ist bisher nur als Handschrift gedruckt gewesen und unter der Hand durch persönliche Beziehungen üerbreitet worden. Erst der große Anklang, «den es so gefunden, hat den Herausgeber ver- anlaßü die drttte Auflage der Öffentlichkeit zu übergeben. Auch sonst ist es eigenttttnlich Der Herausgeber hat nur einen Mitarbetter, Dr. Lhotzky, der ungefähr die Hälfte zu dem Inhalt beigetragcit hat. Es sind zwei ganz verschiedene Menschen und doch auf einen Grundton gestimmt: Persönliches Leben. Es ist ein ernstes Buch für denkende MensckM, für solche, die ihr Leben uld ein Problem cm» »finden, das sie lösen müssen. Hier ftndet ihr Sinnen Ver- tandnis unb ihr Sorgen Rat. Tas Buch ist ein Wegweiser ür menschenwürdiges Leben. Gleich der erste Aufsatz rollt >ie ganze Frage auf: „Die Bestimmung des Menschen". „Das Schicksal der Menschheit" leuchtet ui die Diese, und „Menschwerdung" führt auf die Höhe. Es ist unmöglich, die Fülle der Anregungen, die das Buch bietet, hier auf- «lzählen. 9hir ein Aufsatz fei noch für alle genannt, die er augeht: Warum ist das Leiden in der Welt ? Wer das Buch einmal in die Hano genommen, der wird eS nick loslassen, und etwas davon haben. macht, für überspannt halten, so ist das ihre Sache. Sie haben aber fein Recht, einen Pfarrer zu verurteilen, wett er glaubt und lehrt, was die Bibel klar bezeugt." Stöcker meint nun in dem citierten Aufsatz der „Reformation", man ersehe aus dieser Rechtfertigung, daß der Pfarrer Horst zu denjenigen Christen gehöre, die es für frömmer hielten, in KrcmchettsMlen keinen Arzt zu rufen. So habe er auch offenbar die „Erweckten" in seiner Gemeinde gelehrt, und man müsse diese Auffassung für einen Irrtum erklären und es mißbilligen, daß ein Pfarrer sie vortrage. Stöcker erzählt auch, Pfarrer Horst habe einmal einen Amtsbruder besucht, und als er auf dem Tische kirchliche Zeiffchriften gesehen, seine Verwunderung darüber ausgesprochen, weshalb der Amtsbruder sie lese; er, Horst, lese nur die Bibel. Aus diesem allein zieht Stöcker den Schluß, Pfarrer Horst habe „eine nicht nüchterne Auffassung von der Gebetshcilung" und fei nicht „ohne einen Auslug von Schwärmerei". Trotzdem meint Stöcker, das genüge nicht, um das verurteilende Erkenntnis des Konsistoriums zu rechtfertigen, und er meint, er würde sich nicht wundern, wenn der Kultusminister als Berufuiigsinstanz das Urteil aufheben sollte. Tas, was bis jetzt von der ganzen Angelegenhett uns zu Augen gekommen ist, ist noch nicht klar und erwiesen genug, das Verhalten des Pfarrers Horst objektto beurteilen zu tonnen, insbesondere ist nicht zu ersehen, inwieweit er die Bahn der sog. christlichen Wissenschaft betreten hat. Sobald man klarer schauen kann, werden wir auf die Sache zurück ko mm en.____________________ Politische Tagesschau. Ter Krieg auf den Philippinen ist allem Anschein nach noch lange nicht beendet, trotzdem er den Amerikanern schon enorme Opfer an Menschenleben gekostet hat. Nach einer amtlichen Washingtoner Staristik verloren die Amerikaner in der Zeit vom 4. Februar 1899 bis zum 30. Aprtl 1902 in 2561 Gefechten an Toten 139 Offiziere und 4016 Mann, an Verwundeten 190 Offiziere und 2707 Mann. Ferner wurden anderweitig gelötet und verwundet 282 Offiziere und 4188 Mann. Insgesamt also 1 1 5 2 2 Tote und Verwundete! Trotz dieser gewaltigen Opfer sind die Amerikaner noch ange nicht Herren auch nur der Hauptinsel der Philippinengruppe, Luzon. Selbst auf Luzon befinden sich nur die Küstenstriche in amerikanischem Besitz, im Inneren steht die Herrschaft, soweit sich dort überhaupt Garnisonen befinden, auf sehr schwachen Füßen, sodaß jeden Augenblick die Flamme der Empörung von neuem ewporschlagen kann. Bedeutend schlinimer für Amerika steht es auf der nächstgrößten Insel des Archipels, auf Mindanao, die hauptsächlich von den mohamedanischen Moros bewohnt ist. Auf dieser Insel, deren Bevölkerung auf 6-—800000 Köpfe gezählt wird, hatten auch die Spanier niemals ein volles Suzeränitätsrecht ausüben können, vielmehr hatte sich die Mehrzahl der Bewohner unter der Herrschaft eingeborener Fürsten die Unabhängigkeit zu bewahren verstanden Die Moros, die als sehr kriegerisch geschildert werden, haben auch die amerikanische Annektion nicht anerkannt, obwohl man ihnen gegenüber vorläufig gelindere Satten aufzuspannen für geraten gehalten hatte. Trotzdem war es zu Reibungen gekommen, namentlich hatte der Sultan von Nauli die Amerikaner mehrfach angegriffen. Die Reibungen scheinen nun zu dem Ausbruch eines hellen Krieges führen zu sollen. Aus Washington wurde bekanntlich gemeldet: General Chaffee hatte telegraphisch mitgeteilt, daß ein Feldzug gegen die Moros in Mindanao notwendig sei, um den zunehmenden Widerstand gegen das amerikanische Regime zu brechen; infolgedessen ist der General angewiesen worden, nach Gutdünken zu handeln. Die Verlustliste der amerikanischen Truppen wird dadurch aller Voraussicht nach in der nächsten Zukunft noch ganz erheblich anschwellen. Vielleicht wäre der Feldzug gegen die Moros auch ein Signal für Luzon, den Kampf ivieber in größerem Maßstab aufzunehmen. Wie wenig diese Insel, und zwar in nächster Nähe von Manila, noch immer pazifiziett ist, beweist folgende Laffan-Meldung: Ein amerikanischer Polizeiinspektor mtt 30 Mann hatte in der Umgegend von Manila einen Zusammenstoß mit einer starken Schar Insurgenten. Bei dem sich entwickelnden Kampf wurde der Inspektor verwundet und vier seiner Leute getötet Später erhielten die Amerikaner Verstattung und nahmen 5 der Insurgenten gefangen; die Filipinos verloren außerdem bei dem Zusammenstoß 6 Tote. Kolonialpoft. Vom Tschadseegebiet. Wie wir gemeldet haben, ist Oberstleutnant Pavel zu Duala Mitte August vom Niger aus eingetroffen. Er wird dort etwa bis Ende dieses Monats bleiben und sein Material verarbeiten. Hierzu wird geschrieben: Dem Vernehmen nach hat Oberstleutnant Pavel sich während seines Aufenthalts in Dikoa und im Tschadsee- gebiet alle Eingriffe, die von französischer und englischer Seite in unsere Sphäre gemacht worden sind, von beiden Seiten bestätigen lassen. Schon daraus ist zu erkennen, daß seine Berichte zu den interessantesten au§ unserer ganzen Kolonialgeschichte gehören werden. Aus ihnen wird man endlich Sicherheit schöpfen über die Vorgänge in den Tschadseeländern und besonders in unserer dortigen Interessensphäre während der letzten beiden Jahre. Der Oberstleutnant scheint vielerlei Material mitgebracht zu haben, das er der Post auf dem Niger nicht anoertrauen mochte. Äiachdem es durchgearbettet ist, wird er es mit den deutschen Postdampfern versenden oder selbst mitbrmgen. Danach werden wir auch erst erfahren, wie die Besetzung unserer Einflußsphäre fast bis an ihre Nordgrenze erfolgt ist, welche Gründe das rasche Vorrücken der Schutztruppe dahin veranlaßten, und wie groß die an mehreren Otten dort gelaßene Besatzung ist. Die Zusammenstellung der Aus- und Einfuhr in Südwest-Asrika für das Jahr 1901 zeigt eine günstige Entwicklung. Nach beiden Richtungen hm ist eine ansehnliche Steigerung eingetreten. Die Ausfuhr ist von 900000 Dll. auf ll/4 Million hinauigegangen. Die Zunahme fällt hauptsächlich der Guano-Ausfuhr zu, die von einer englischen Gesellschaft am Kap Croß betrieben wird. Auch die Ausfuhr von Sttaußenfedern hat um 12 000 Mk. zugenommen; sie betrug 72 000 Mk. Die Einfuhr von Waren ist von fast 7 Millionen auf mehr als 10 Millionen hinaufgegangen. Von den eingefühtten Waren frommen für 8«/, Millonen aus Deutschland, fast P/3 Millionen aus dem Kaplande und 205 000 Mk. aus England. Somit ist ba5 Reich mtt über 80 Prozent daran beteiligt. Die Zolleinnahmen des Schutzgebietes sind in einem Jahre um 135 000 Mk. gewachsen. Ans Studt und Lund. Gießen, den 21. August 1902. - DaS Amtsblatt Großh. Ministeriums der Justiz Nr. 2 7 vom 1. August d. Js. enthält ein AuS- schreiben an die Großh. Justizbehörden, betreffend die Kosten der Rechtshilfe in Angelegenheiten der freiwilligen Gerichts» barfeit einschließlich der Grundbuchanlegung. — Nr. 2 8 desselben Amtsblattes vom 4. August d. Js. enthält ein AuS- schreiben an die Großh. Justizbehörden, bett, die Ausführung der Gerichtsvollzieherordnung. - In Amerika verstorbene Hessen. In Buffalo, N.-Y., starb Herr Georg Fritz im Alter von 82 Jahren und am 12. Juli folgte ihm seine 77jährige Lebensgefährtin in die Ewigkeit nach. Beide waren aus Nonnenroth im Kreise Gießen gebürtig, wo sie sich Ende 1849 verehelichten. — In Winona, Minn., starb Herr Michael Knopp un Alter von 83 Jahren. — In West-Bridgewater, Pa., starb Frl. Kath. Walters, 78 Jahre all. k- Von der Rabenau, 20. Aug. Wie häßlich es in mancher Familie zugeht, beweist wieder einmal folgender Fall aus dem Dorfe R. Am letzten Sonntag wollte der ehemalige Landwirt K. mit Frau und Sohn nach einem benachbarten Orte eine Spazierfahrt machen, wozu sie das Pferd ihres Schwiegersohnes L. benutzen wollten. Dieser jedoch plante selber eine Spazierfahrt. Da nun seit einiger Zett eine Spannung zwischen dem älteren und dem jüngeren Ehepaare besteht, lehnte der Schwiegersohn das Anliegen ab. Ter alte K. und fein Sohn führten um Mittag trotzdem das Pferd aus dem Stall, um es eiiuufpannen. Flugs eilte L. herbei und es entstand eine arge Rauferei um den Gaul, der entsetzlich hin und her gezertt wurde. Schließlich bekam L. sein Tier wieder in seine Gewalt und die beiden K. mußten als Unterlegene den Kampfplatz verlassen. Doch soll der junge K. mit hatten Fäusten seinen Schwager übel zu gerichtet haben. k. Friedberg, 20. Aug. lieber dem in der Judengasse befindlichen Römerbad wird gegenwärtig ein 9leubau errichtet. — In genannter Gasse war am Montag Abend infolge von Unvorsichtigkeit ein Zimmerbrand entstanden. k. Rodheim v. d. H., 20. Aug. Am 14. September v. Js. brannte — wie wir damals meldeten — die zweite Kirche hier total nieder. Die Kirche war im Jahre 1734 von der hiesigen evangelisch-lutherischen Gemeinde erbaut worden. Zur Zeit ist die Kirche im Wiederaufbau begriffen und steht in ihren einfachen, aber doch schmucken Formen im Rohbau fertig da. In aller Kürze iverden die 9lrbeiten zum inneren Ausbau der Kirche vergeben und in Angriff genommen werden. Im Laufe des nächsten JahreS gedenkt man bereits das neue Gotteshaus einzuweihen und seiner Bestimmung zu übergeben. Frankfurt a. M., 20. Aug. In der Stadtverordneten- Versammlung benachrichtigte der Magisttat die Stadtverordneten von einer Kreditüberschreitung bei dem Bau des neuen Schauspielhauses in der Höhe von 216 869 Mk. Stadto. Armbrüster benutzte diese Gelegenheit, eine vernichtende Kritik an dem neuen Hause zu üben, und die Behauptung aufzustellen, der Theaterbauausschuß habe Ersparnisse auf Kosten der soliden Ausführung erzielen wollen und habe Berliner Schundpreisen zugesttmmt und das Frankfurter Kunstgewerbe unterdrückt. Diese Vorwürfe wurden allseitig zurückgewiesen. Armbrüster hatte sich s. Zt. selbst ohne Erfolg an den Submissionen beteiligt und hatte die höchsten Preise verlangt. Ein Mitglied dec Theaterbaukommission teilte mtt, daß die Frankfurter Offerten durchschnittlich 60 Prozent teurer gewesen wären als die aus- roärtigen, und der Magisttat bemerfte, die Ueberschreitungen wären noch viel bedeutender, wenn man die Frankfutter Offerten acceptiert hätte. Kassel, 20. Aug. Aus dem ehemaligen Friedhof ist anläßlich des heuttgen 100. Geburtstages des letzten Kurfürsten von Hessen, Friedrich Wilhelm I., dessen Grabstätte prachtvoll geschmückt und das Ziel zahlreicher Be- sitcher. Früh 8 Uhr fand eine Andacht an der Grabstätte ohne Ansprache mit Choralmusik statt. Deputationen der althessischen Ritterschaft, ehemalige Angehörige kurhessischer Regimenter, Offiziere wie Mannschaft, Altheffen, Jungheffen, Hasfia, Vertreter der hessischen Rechtspattei legten Kränze mit rot-weißen Schleifen mit Widmungen am Grabe des Kurfürsten nieder. Persönlich erschienen die Angehörigen des Fürstenhauses, die Söhne des letzten Kurfürsten, Fürst Karl und die Prinzen Philipp und Heinrich von Hanau, sowie Landgraf Alexis von Heffen. Am Nachmittag fand eine zahlreich besuchte Versammlung der hessischen Rechtspartei statt. In derselben sprachen Rechtsanwalt Julius Martin» Kaffel, Pfarrer Hopf-Melsungen, der Herausgeber der »Hess. Bl.", unb der hochbetagte Schriftsteller Adam Trabctt aus Wien, ehemaliges Mitglied der kurhessischen Ständekammer. Die Versammlung nahm folgende Resolution einstimmig an: „Tie zur Feier des 100. Geburtstages des Kuttürsten Friedrich Wilhelm I. von Hessen versammelten Mitglieder und Freunde der hessischen Rechtspartei fühlen sich an diesem Tage eins mit allen, die in Liebe und Dankbarkeit der hessischen Vergangenheit gedenken, und rechten heute mit Niemandem, der dem Grade unserer Stammes- sürsten seine Huldigung darbringt. Tarüber hinaus müfjen wir aber auch heute, und gerade heule, den Protest gegen das unserem hessischen Fürstenhaus und Vaterland im Jahre 1866 angethane Unrecht und der festen Zuversicht erneuten Ausdruck geben, die der Kurfürst selbst mit den Worten besiegelt hat: „Für mich selbst hoffe ich nichts mehr, für mein Land noch alles/ Vermischtes. * Braunschweig, 20. Aug. Beim Entleeren einer Düngergrube wurden fünf Arbeiter durch giftige Gase betäubt. Einer ist tot, einer schwebt in Lebensgefahr und drei sind leicht erkrankt. * Schwerin, 20. Aug Infolge Genusses giftiger Pilze starben der Schriftsetzer Wagner, fein elfjähriger Gerichtssaal. einii 19. August dis 20. Höchste Temperatur vom Niedrigste „ „ 20. 19. heute noch, nach 14 Tagen, van der Insel Rügen zuruck- Lomnren. Natürlich war er mit der Hotelrechiwung auch dnrchgebrannt. Ter Schlvindler hat ein sehr sicheres Auftreten. Es steht zu vermuten, daH er denselben .Streich Meteorologische Beobachtungen der Stativ« Gießen. KnioerslMs-Uachrichten. Aus Darmstadt wird gemeldet: Die dem Privatdozerrten an der Technischen Hochschrlle, Direktor der Kunst- und Altertums- sanmlungen des Großh. Museums, Professor Dr. F. Back für das Fach der Geschichte der dekorativen und vervielfältigenden Künste und des Kunstgewerbes erteilte venia legendi wurde für das ganze Fach der Kunstgeschichte erweitert. — Der Privatdozent für Geschichte au der Universität Leipzig, Dr. I. K aerft, ist zum wollten. Außerdem hatten die ^rerorecyer nocy anoerev ;vieu>- wertzeug bei sich, von dem noch nicht festgestellt werden konnte, wem es genommen worden war. Dagegen konnte Zeuge nicht be- timmt angeben, ob seine Werkstätte mit Gewalt geöffnet worden ei oder ob die Angeklagten eingestiegen wären. Zeuge Silbereisen bestätigt nur, daß er, von feinem Werkmeister geweckt, Tbüre wie Pult erbrochen, Zigarren, Briefmarken und etwa 16 Mk. bares Geld geraubt, gefunden hätte. Seinen Schaden schlug er auf 30—40 Mk. an. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte a. o. Professor des osterreichstchen Strafre, an der Universität Wien, der Prwatdozent zum a. o. Professor des deutschen Rechtes au der Universität Krakau ernannt worden. — Mit Professor Dr. Traube in München, der den Ruf an Stelle Gundermanns an Misere Universität abgelehnt ljat, hat auch der „Gieß. Anz." ein unaufhörliches Mißgeschick. In einer gestrigen Notiz sollte es heißen, daß er dort (nämlich in München, nicht „doch") zum ordentl. Professor ernannt worden ist. Die Perfidie des Setzkastenkobolds sieht fast wie em böses Omen in Bezug auf den Heurigen aus und uns fallen die noch öfter ausführen wird. * Irrtümliche Berh aftung. Irr Eßlingen war die Fran eines angesehenen Fabrikanten auf dem Wege zum Bahnhof begriffen, um ihren Gatten abzucholen. Kürz vor dem Bahnhofe bemerkte sie, wie ein Mann hinter ihr herkam und immerzu „Pst!" machte. Sie aab dieser vermeintlichen Zudringlichkeit kein Gehör und ging weiter. Ta trat der Mann plötzlich vor, faßte die Dame am Handgelenk und erklärte, er sei ein Schutzmann und müsse sie verhaften. Die bestürzte Frau erklärte sich sofort bereit, fidj auf dem Bahnhof zu legitimieren. Diesem Verlangen gab aber der Schutzmann nicht statt; er zog vielmehr die Dame ins Dunkel der Straße zurück, indem er sie fortgesetzt am Handgelenk festhielt. Sie setzte sich zur Wehre und rief um Hilfe. Ein Kaufmann eilte herbei und legitimierte die Dame. Jetzt erst lieh der Schutzmann, der sich in Ciüil- kleidung und nicht im Dienste befand, ab. Er soll nunmehr in Disziplinarstrafe genommen werden, da er sich geweigert haben soll, die vor Aufregung erkrankte Dame um Entschuldigung zu bitten. * Ein betrügerischer Advokat. Nach eurer Meldung aus Wien wurde der ehemalige christlich-soziale LandtaAdbg. Advokat Dr. Anton Lvebel wegen Betrugs, Veruntreuung und Erpressung verhaftet und dem Landesgericht eingeliefert. * Das Strumpsb and des Hofschauspielers. kVon einem wertvollen und zugleich unangenehmen Verlust betroffen wurde der Hofburgschaufpieler Georg Reimers, der sich gegenwärtig in der Sommerfrische in Whk au Föhr aufhält. Der dortige „Ausrufer" machte nämlich dieser Tage öffentlich folgendes bekannt: „Verloren vor der Musikdirektion ein mit Brillanten besetztes, blauseidenes Strumpfband mit Monumentalverschluß und Gummiklappen. Abzug eben morgens zwischen 7 und 8 Uhr in der Villa Schneider beim Hofschanspieler Reimers gegen 10 Mark Belohnung; Kindern die Hälfte!" und Strafprozesses s Sache zu untersuchen. Er kst auch bei alledem noch parteiisch; von Lüv.Estreicher der einen Partei bringt er die Leute in Straft, das gar lein Schaden ist und von feiner Partei, da geht er nut den Sentat selbst durch die Wiesen durchs Gras . . . Das Gericht nahm an, daß ein Beweis für die Behauptungen des Berufsklägers keineswegs erbracht seien und daß von dem Schutze des § 193 otr.-43.-9}. nicht die Rede fein lunne. Denn Kaus hcttte nicht aus Interesse, ür einen guten Fell)schütz, als guter Ortsburger so gehandelt, sondern nur dem Feldschützen etwas anhängen wollen. Dena bei einiger Ueberlegung hätte er merken müllen, daß feine Anzeigen unwahr seien. Das Gericht mußte also unter Verurteilung des Angeklagten in die Kosten die Berufung ^urückwerjen. — Ernst Reinhardt von Nidda war von dem Lchössevgerichte Nidda am 30. Mai 1902 wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Beleidigung zu 10 bezw. 6 Mark Geldstrafe verurteilt worden, do- gegen wurde sein Sohn Karl Reinhardt damals freigesprochen. Gegen dieses Urteil hatte die Staalsanwaltfchast Berufung eingelegt In der heutigen Hauptverhandlung wurde folgender Thcll- bestand festgestellt: Am 25. Januar 1. Js. begab sich der Psmrd- meister Adelberg von Bingenheim in die Wohnung des Karl Reinhardt, um ein Zahlungsverbot Großh. Bezirkskasse Nidda über rückständige Steuer des bei dem Angeklagten Karl Remhardt iw Arbeit stehenden Arheiliaer zu pfänden. Da er unterwegs den Steuerboten Sargk traf, forderte er ihn auf, mchugehen, da er ihn später brauchte. Mit Einwilligung des alten Reinhardt, nämlich, des Ernst Reinhardt ging er in die Wohnung der Angeklagten. Jedoch hatte ihn Emst Reinhardt nicht in sein Auszugsstübchen» sondern in das Zimmer seines Sohnes des Angeklagten Karl Ren»- Hardt geführt. Wie der Pfandmeister an feinen Zustellungen schrieb, rief plötzlich der Alte wütend : Machen Sie, daß Sie hinaus, kommen, oder ich werfe Sie hinaus". Alle Versuche, ihn zu beruhigen, ivaren vergeblich. Unterdessen war auch Karl Reinhardt gewmmen; auch er forderte den Pfandmeister mit den Worten: Machen Sie, daß Sie hinaus kommen, oder ich werfe Sie hinaus, Sie haben bei mir nichts zu thun, schreiben Sie chre Sachen zu Haus" auf, das Haus zu verlassen. Darauf packte der. Pfandmeister seine Sachen zusammen, um in der Wohnung des Ernst Reinhardt zuzustellen. Diese hatte aber letzterer unterdessen verschlossen. Wie er zurückkam, verfetzte chm Ernst Reinhardt einen so heftigen Stoß, daß er beinahe an den Thürpsosten gerannt wäre. Der Staatsanwalt beantragte wegen der Brutalität des Aktes gegen Ernst Reinhardt eine Geldstrafe von 50 DU. wegen Widerstands gegen die Staats- geroalt und eine von 30 Mk. wegen Beleidigung, gegen Karl Reinhardt eine solche von 30 Mk. Auch das Gericht war der Auffassung, daß der Pfandmeister sich in der rechtmäßigen Ausübung seines Berufes befand. Tenn er stellte Reinhardt au; daß er auch Arhelliger zustellte und Sargk in der Wohnung der Angeklagten während der Zustellung war, sei gleichaillig, da sie nichts dagegen eingewandt hallen. Bei der Strcmumessung kam das brutale Ver- halleu der Angeklagten erschwerend, mildernd ihre bisherige Unbestrafthell in Betracht Das Urteil lautete gegen Ernst Remhardt wegen Widerstmrds im Sinn des § 113 StGÄ. auf eine Geldstrafe von 50Mk., wegen Beleidigung aus 3 0 Mk., gegen Karl Reinhardt wegen Widerstand undBeleidigung auf 30ML.— Karl U t) 1 IL war beschuldigt, einen Betrug im strafrechtlichen Rückfall begangen zu haben. Verbrechen gegen §§ 263, 264. Da er geständig war, wurde nur Kaufmann Hieronymus von Nidda als Zeuge vernommen. Im übrigen wurde auf die Vernehmung der Zeugen verzichtet. Das Gericht erkannte auf schuldig des Betrugs im Rückfalle und verurteilte den Angeklagten zu einer ® e samtgefängnisftrafe von 1 Jahr 3 Monaten unter Einbeziehung zahlreicher Vorstrafen. — Als letzte Sache steht d» gegen Johannes Küster von Lauterbach wegen Körperverletzung und Bedrohung. Er war vom Schöffengericht Lauterbach am 7. Juli 1902 wegen Körperverletzung im Sinn des §241 StGB, in eine Gesamtgefängnisstrafe von 2 Monat und 1 Tag verurteilt worden. Gegen dieses UrteU legte er Berufung ein. In der heullgen Hauptverhandlung wurde der Thatbestand des angefochtenen Ur- tells hn wesentlichen bestätigt Der Angeklagte behauptet aber, es mit der Drohung, er wolle Schuchhard kalt machen, nicht so ernst gemeint zu k^ben. Das Gericht erachtete für festgestellt, daß der Angeklagte den lHährigen Schuchhard in die Lust geworfen und roh behandell habe. Da dieser jedoch gesundhellliche Nachteile, nicht Halle und der Angeklagte wegen Rohheitsdelikten noch nicht vorbestraft ist, so erkannte es unter Stattgebung der Berufung auf eine Gesamtgefängnisstrafe von 1 J^ahr 1 Monat gegen ihn. Die Kosten der Berufung sielen der Staatskasse zur Last« Evhtt llnd ferne neunjährige ToMer, toafjierö ferne Frmr hv f ftrungALos darnieder liegt- * Karlsruhe, 20. Ang. In dem Orte Malschchald bei Ettlingen entstanden in der Familie Grünling Streitigkeiten zwischen dem Vater imb den Söhnen, die einen blutigen Ansgang nahmen. Der älteste Sohn stand dem Vater bei, was die zwei jüngeren Bruder so in Mrfregung brachte, daß sie sich auf den ältesten mit Messern stürzten. Sie bearbeiteten ihn derart, daß er blutüberströmt zusammenbrach und nach kurzer Zeit seinen Geist auf- gab. Die THLter wurden verhaftet. * Bozen, 20. Ang. Der Berg Rod es a zeigt bedenk- Krrche und Schule. Zur Frage nach dem geschichtlichen Jesus" betitelt sich ein in Nr. 33 des Protestantenblattes (Verlag von Carl Schünemann in Bremen) erschienener Aufsatz von Fr. Steudel in Bremen über einen im Truck veröffentlichten Vortrag des Gießener Prof. Dr. Oskar Holtzmann, der „das Messias- bewußtsein Jesu und seine neueste Bestreitung" behandelte. chönen Verft Trojans ein: „Stand halten vor diesem Sauern Weder Schlösser noch Mauern." Krieskaflen der Redaktion. Frau Bertha S. Die Sache hat gar keine Eile. R. Das Zllat lautet eigentlich: »Des Lebens Unverstand nut Wehmut genießen, ist Tugerw und Begriff" und stammt von dem kurfürstlich hessischen General und Oberhofmarschall Hans Adolf v. Thummel, der in dem Glauben, ein Dichter zu sein, viele ährv liche Verse beging. Dieser Ausspruch veranlaßte einen cand. theol« ins Fremdenbuch der Rudelsburg folgende Worte (mit ZeichnnnH einzutragen: . ,Unb wer des Lebens Unverstand 5)lit Wehmut will genießen, Der lehne sich an erae Wand Und strample mit den Füßen/ liche Sprünge. In den umliegenden Ortschaften herrscht große Bestürzung, da man einen Bergsturz befürchtet. * Meran, 20. Ang. Infolge von Wvlkenbrüchen ist der Bach Naif ausgetreten und hat alle Brücken weggerissen Die Pension Naifmühle bei Valentin wurde durch die Wasserflut zum Einsturz gebracht. Unter den Trümmern sand Frau Dr. Schoepf ans Leipzig mit einer Kindergärtnerin den Tod. Der Sohn und das Dienst- mädcheit der Frau Dr. Schpepf wurden verletzt. Der Schaden wird lajuf 100000 Gulden geschätzt. Auch das Passeierthal erlitt großen Schaden. »Newyork, 20. Aug. Aus Guayaquil wird gemeldet, daß die Stadt Bo d egas-Equad o r durch eine Feuersbrunst zerstört worden ist. * Der falsche Kempinski- Ein Mann, der sich Kempinski nennt und angiebt, für ein Wiesbadener Haus zu reisen und der Bruder des Weinhandlers Kempinski ui Hamburg zu sein, brandschatzt seit einiger Zeit die Hotels. Einen Hoteloberkellner in Stralsund legte er z. B. auf folgende Weise hinein Sein Reisekofser wäre chm irrtümlich nach, Rostock anstatt nach Stralsund gesandt, er hätte aber schon an seinen Bruder in Hamburg telephoniert und beLme Geld telegraphisch im Laufe des Tages angewiesen Selbstverständlich war dieses Gespräch, das mit dem Telephon des Hotels stattfand, fingiert. Da er aber S den Tag ausnutzen möchte, wollte er seine Geschjäfts- en auf der Insel Rügen besnchM und lieh sich zu diesem Zweck von dem Oberkellner 35 Mk. bares Geld. Abends wollte er wieder zurück sein Er fuhr heimlich ob unter Mitnahme feiner wenigen Habseligkeiten und soll ch 14 Tagen, von der Insel Rügen zurück- rrtich war er mit der Hotelrechnung auch gegen Hardt eine Gesamtzuchthausstrafe von 5 Jahren, gegen Bendfeld, dessen Vorstrafen nicht so erheblich und hoch, und der auch angestiftet sei, 4 Jahre Gefängnis, gegen beide Auferlegung der Kosten des Verfahrens. Das Urteil lautete gegen Hardt auf 4 Jahre 6 Monate Zuchthaus, da es sich m beiden Fällen um strafrechtlichen Rückfall handelt. gegen Bendfeld auf 3 Jahre 6 Monate Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahren, sowie Stellung unter Polizeiaufsicht und Verurteilung in die Kosten des Strafprozesses. — Es wurde darauf gegen den Dienstknecht Ludwig Sch mahl von Frankenbach verhandelt. Er wurde beschuldigt, tm strafrechtlichen Rückfälle im Februar 1902 zu Gießer: dem Fuhrmann Philipp Weigel eine Unterhose in der Absicht reckstswidriger Aneignung genommen zu haben. Trotz hartnäckigen Längens gelangte das Gericht auf Grund der Beweisaufnahme zur Ueberzeugung von seiner Schuld und veruttellte chn in Anbetracht des geringen Wertes des gestohlenen Gutes zu einer Gesamtgefangnis strafe von 7 Monaten, wobei 5 Monate einer früheren Strafe in Anrechnung kamen. — Ferner wurde Taglöhner Heinrich Jung in Gießen beschuldigt, im strafrechtlichen Rückfälle am 23. Mai 1902 zu Gießen einen Wagen Sägespahne im Werte von 2 Mark der Firma Demper u. Dort von deren Zimmerplatz in der Absicht rechtswidriger Zueignung weggenommen zu haben. Es wurde fest- gestellt, daß Jung nach 7 Uhr, also wie die Leute der Firma Demper u. Dort nicht mehr auf ihrem Zimmerplatze am Leih- geftemerroege waren, mit einem Jungen sein Wägelchen voll Spähne lud. Wie er darauf von dem Heizer der Akttenbrauerei Schneider zur Rede gestellt wurde, behauptete er, zum Holen des Holzes Erlaubnis zu habem Dies war aber keineswegs der Fall. Der Staatsanwalt beantragte wegen des geringen Wertes des gestohlenen Gutes von der Zuchchausstrase abzustehen, wegen der vielen Vorstrafen aber auf eine nicht zu geringe Gefängnisstrafe zu erkennen. Das Gericht verurteille den Angeklagten zu fünf Monaten Gefängnis und zur Tragung der Kosten. — Konrad Kaus von Reinhardshain war vom Schöffengericht Grimberg am 4. Juni 1902 wegen Beleidigung des Feldfchützen von Remhards- hain, Menz, gemäß §§ 185, 186, 196 Str.-G.-Bs. in eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen genommen worden. Dagegen Halle er Berufung beim Landgericht Gießen verfolgt. Aus dem Schöffengerichtsurteile verdient hervorgehoben zu werben, daß der Angeklagte 11 Mal, darunter 5 Mal wegen Beleidigung vorbestraft sei; der Wahr- heüsbeweiß sei ihm völlig mißlungen, erschwerend komme in Betracht die Schwere des Vorwurfs gegen einen Verwaltungsbeamten, das Gewohnheits- und geschäftsmäßige Gebühren des Beschuldigten sowie seine Vorstrafen. Kaus hatte nämlich an das Kreisamt Gießen eine Anzeige ungefähr folgenden Inhalts gerichtet: Reinhardshain, 19. Dezember 1901. Ich, als neuer Ortsbürger, Konrad Knaus, möchte das Kreisamt in Kenntms setzen, wte's mit dem Feldschützen Menz steht. Erstens hat er zwei schwere Last Futter gesreoell, 2. geht er bald jeden Tag auf den Gemeinden-Taglohn und läßt den Felddienst im Stich, indem soviel im Feld gestohlen wurde, 3. hat er die Aepsel der Gemeinde aufgelesen und aus demKord hat jemand von seinen Leuten die schönsteherausgelesen, 5. hat er einen falschen Eid geschworen: Höfer Konrad konnte am Weg auf sein Grundstück und das ist doch nicht wahr. Wir hüten Großh. Kreisamt diese August 21,0» C. , 13,0» C. E. Gießen, 19. Aug. Ferienstrafkammer. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklagebchörde vertrat Staatsanwalt Reuß. — Zuerst stand die Sllafsache gegen Karl Hardt von Gießen und Joh. Nikolaus Benfeld aus ßiebjacf zur Aburteilung. Es wurde beiden zur Last gelegt, daß sie in Gießen in der Nacht vom 29. auf den 30. Mai 1902 gemeinschaftlich dem Schlvffermeister Martin Dörr eine Anzahl Schlüssel, Dietriche und einen Holz- und Steinmeisei aus seiner Werkstätte und dem Jab- ritanten Eduard Silbereisen, bezw. dessen Kommis Karl Stern bares Geld, Brief- und Wechselstempelmarken, ein Kistchen Zigarren und ein Portemonnaie aus dem Comptoir der Silbereisen'schen Essigfabrik mittels Einbruchs, Einsteigens und Erbrechens von Behältnissen in der Absicht rechtswidriger Zueignung weggenommen iahen. Außerdem wurde noch Hardt allein angeklagt, daß er zu Frankfurt a. M. am 28. Februar 1902 einen dunkelblauen Anzug im Werte von 30 Mk. dem Taglöhner Joh. Waldweiler aus dessen verschlossenem Schranke unter Eröffnung desselben mittels salschen Schlüssels oder anderer zur ordnungsmäßigen Eröffnung nicht be- timmter Werkzeuge in der Absicht rechtswidriger Zueigliung roeg- genommen habe. Beide Angeklagten, die trotz ihrer Jugend schoii eine stattliche Reihe von Verbrechen, insbesondere von Einbruchs- diebstählen, begangen haben, waren in der heutigen Hauptverhcmd- lung im wesentlichen geständig, sodaß auch auf die Vernehmung der Zeugen mtt Ausnahme der Bestohlenen verzichtet werden konnte. Es wurde durch Vernehmung des Schlossers Dörr festgestellt, daß ihm 16 für einen Neubau bestimmte Schlüssel, Dietriche, Bund- schlüssel, Hauptschlüffel und Sperrwerkzeuge — alles zusammen genommen hatte 50 Mk. Wert — genommen worden war. Bet den Dieben fand man diese Gegenstände nur zum Teil wieder, da sie ige davon, wie die Bundschlüssel, in die Wieseck geworfen haben illten. Außerdem hatten die Verbrecher noch anderes Diebs- August Barometer auf 0° reduziert -E G l der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 20. 2“ 744st> 20,8 12,4 68 WSW. 4 Sonnenschein 20. 9« 746,7 13,3 9,7 86 8. 2 Bew. Hnnmel 21. 7* 747,6 1 0,8 9,2 95 8. 2 Nebel Bekanntmachung. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis daß der städttsche Friedhof in der Zeit vom 16.„August bis lo Oktober von morgens 6 Uhr bis abends 8 Uhr geöffnet bleibt, und daß die auf dem Friedhof Verweilenden eine Viertelstunde vor Schluß desselben auf diesen durch ein Glockenzeichen aufmerfjam gemacht werden. Gießen, am 16. August 1902. ^64 Großherzogttche Burgerrnetsteret Gießen. Mecum. giebt den Schuhen wunderbaren Glanz. Zu haben in den meisten Kolonialwaren-, Schuhwaren- u. Droaen- gejchäften. 4220 Emmenthaler Edamer Kaiser Camembert Frühstücks ernpsiehlt 5436 Emil Fischbach- AVI kk Diese bis in den WrtnfMI Winter hinein ge- jährlichen Insekten und deren Brut tötet sicher nur .Camlormol“, gef. gesch. In Kart, ä 25 u.10 Pfg. bei Adolf Bieler, Victoriadrog., Marktstr. 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Abteilung der Einkommensteuer Eingeschähten (Einkommen über 2600 Mk.) zu entrichten find, betragen mit Wirkung vom 1. April d. I. ab: A. $ur die Desinfektion der Wohnungen: 1 Mark für die Sttmde der daraus von jedem Desinfektor verwendeten Zeit. B. Für die Desinfektion von beweglichen Sachen in dem klinischen DcsinfektionS-Apparat: a. für die Thätigkert der Desinfektoren einschließlich der Abholung und Nücklieferung der Sachen, je nachdem eure, zwei oder drei Abteilungen des Apparates benutzt werden, 3, 4 oder 6 Mk. b. für die Benutzung des Apparates selbst, je nachdem eine, zwei oder drei Abteilungen benutzt werden^ 4, 5 oder 6 9)lf. Für Sachen, welche, wie emzelne Üleidungs|tücke, nicht ein- mal eine Abterlung des Apparates aussüllen, 2 Mk. Die in den Klaffen 6 bis 10 der IL Abteilung der Einkommensteuer (Einkommen von 1300 bis 2600 Mk.) Emgeschätzten haben nur die Hälfte der vorstehenden Gebühren zu entrichten, während von den mit weniger als 1300 Mk. Einkommen oder gar nicht Besteuerten Gebühren überhaupt nicht erhoben werden. Für Gebührenpflichtige, denen in Folge von Unglücks-, Krank- Hefts- oder Sterbefällen die Entrichtung der Gebühren besonders schwer fallen würde, können auf deren Antrag die Gebühren weiter- Bnz oder teilweise erlassen werden. — Die Befreiung von een hat nicht den Charakter einer Armenunterstützuna aus chen Mitteln. Die Gebühren find auf Anfordern an die Stadkkaffe zu entrichten. Billiger geworden prima Portland Gement nur erstklassige Marken, für Vorzüglichkeit garantiert per Sack 1.45 Mark Bachenheimer & Schaumberger 22 Marburgerstratze 22. 5698 Ärztlich empfohlen.H In eilen PrelsUgon. 8 Freien euZ den Etiketten ■ Flasche Mk. 1.*> bl« Mk.5.—.K Oognao znokerfroi Mk. 3.—.^ Vorzüglich für Genesende und *• Zuckerkranke. 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Formaldehnddesinfertion Schloffen hat, |md nunmehr die dazu erforderlichen Äpparale an- cyafft und eine Tesinfektumskolonne in deren sachgemäßer Hand- bung ausgebildet worden. Die Fonnaldehyd-Desuffektwn besitzt gegenüber oer bisher hier gebräuchlichen Desmfektionsmethode den großen Vorteil, daß bte zu desinfizierenden Zumner nicht geräumt N werden brauchen, daß die Desinfektion im Verlauf von wenigen Stunden beendigt ist und schädliche Wirkungen auf Tapeten, Dibbel nno Stoffe nahezu garnicht ausübk. Wenn es auch nach wie vor Lrmgend geboten scheint, Bettteile, Wäsche und Kleidungsstücke in dem auf den neuen Kliniken zur Verfügung stehenden Dampfdesin- jfektionsapparat reinigen zu lassen, so rst die Formaldehyd-Desin- isektion doch vorzüglich geeignet zur Durchführung einer roaftarnen mnd doch ungefährlichen Wohnungsdesinfektion. Indern wir dies zur öffentlichen Kenntnis bringen, fordern wir die Einwohner unterer Stadt aus, in allen Fällen ansteckender Krankheften (Typhus, Scharlach, Diphteritis, ganz besonders aber auch Tuberkulose jeder Art), weim Kranke verstorben oder auf die Klunk gebracht worden sind, oder ihre Wohnung gewechselt haben, dem Stadtbauanft alsbald Anzeige zu machen und die Vornahme der Desinfektion zu begehren. Die zu entrichtenden Gebühren sind aus der gleichzeftig veröffentlichten Gebührenordnung vom 2. Mai 1896 zu «sehen. Gießen, am 12. August 1902. 5833 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. äh mäschinen Rahm-, Limtllrgtt- öaiiii-, Krastn- Ä ÄLllgeolllmmel- Äeixtim kauft man am beeten und billigsten beim Fach- manne, der auch ein reichhaltiges Lager unterhält in Fabrikaten von: H. Koch & Co., Akt.-Gesellsch., Bielefeld. ti. IVlnselmann, Altenburg. Titte) & Mess, Saalfeld. Eine erstklassige, hocharmige Tretmaschine (Präzisionsarbeit) mit gebogenem Verschlusskaston mit 5jähr. 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