Nr. 143 Orf «eint täglich außer Scmntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen Univers.-Buch° u. Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchrtlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Ferusprechanschluß Nr. 51. Samstag Äl.Jurri 1903 Zweites Blatt. 153. Jahrgang ____ _ Bezugspreis: O monatlich 75Ps., viertes GletzenerAnzeigers - W General-Anzeiger ° M ää. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen MW Aie heutige Wummer umfaßt 16 Seiten. Zum Tode des Königs Albert von Sachsen. Mau meldet aus Sibyllen ort vom 20. d. M.: Gegen Uhr nachm. trafen die Aerzte, welche die königliche Leiche einbalsamieren werden, Dr. Freudenberg- Leipzig und Dr. Schmorle-Breslau hier ein. Zwischen drei und vrer Uhr war die Leichenschau. In langer Reihe defilierte das Dienstpersonal ehrfurchtsvoll an der königlichen Leiche vorüber. Der König liegt vorläufig in seinem Arbeitszimmer. Tas Bett steht in der Mitte mit dem Kopfende nach dem Fenster zu. Friedlich und verklärt liegt der Monarch, die Hände gefaltet, den Kopf leicht nach rechts geneigt. Auf dem weichen Deckbett liegen Rosen gestreut von der Königin und den prinzlichen Herrschaften. Hinter dem Haupte steht ein Tischchen mit dem Kruzifix und zwei brennenden Lichtern. Vor der Leichenschau hatte Maler Limmer im Beisein der Königin die Leiche gezeichnet. Ter Schriftsteller Mennel, der eine Wettin-Chronik herauszugeben im Begriffe ist, hat auf Wunsch der Königin eine photographische Aufnahme von des Königs Sterbebett gemacht. Tie 7. Kompagnie des Breslauer Grenadier-Regiments tfcr. 11 begab sich nach Sibyllenort, um das Schloß und den Park zu besetzen und die dortigen Posten zu stellen. Außerdem gingen 10 Offiziere des Leib-Kürassier-Regiments nach Sibyllenort, da auf Befehl des Kaisers ständig vier Offiziere die Totenwache am Sarge des Königs halten sollen. König Georg traf am Freitag abend auf dem Dresdener Hauptbahnhofe ein, wo er vom Staatsministerium feierlich begrüßt wurde. Die meisten deutschen Bundesfürsten, voran Kaiser Wilhelm, werden dem König Albert die letzte Ehre erweisen. Tie Mitglieder beider Häuser der sächs. Ständeversammlung sind telegraphisch aufgesordert worden, sich heute abend an der Ueberführung der Leiche vom Hauptbahnhose nach der Hofkirche zu beteiligen. König Georg dürfte alsbald nach § 138 der Versassungsurkunde in Gegenwart des gesamten Ministeriums und der beiden Präsidenten der letzten Ständeversammlung bei seinem königlichen Worte versprechen, daß er die Verfassung des Landes und alle ihre Bestimmungen beachten wird. Gestern vormittag ist er zum König durch das Staatsmiuisterium proklamiert worden. Tie Eröffnung des Testaments König Alberts fand gestern mittag durch den Minister des königlichen Hauses statt. Tie ersten Beileids-Telegramme trafen in Sibyllenort vom deutschen Kaiser und dem Prinzregenten Albrecht von Braunschweig ein. Tie Zahl der bisher eingegangenen Telegramme ist Legion. Tas Ministerium hat dem neuen König den Eid geleistet. Wie aus Essen berichtet wird, befahl der König in einem Telegramm an das Marinekabinett, die Schiffe der Marine anzuweisen, anläßlich des Todes König Alberts die Flagge halb stock zu fetzen und Trauersalven abzufeuern. Ferner soll das Offizierkorps des Panzer- schttfes „Sachsen" Trauer anlegen. 9tach einer Düsseldorfer Depesche ist der festgesetzte Besuch des Kaiserpaares definitiv abgesagt worden. 'Der Kaiser hofft im August die Ausstellung besichtigen zu können. — Aus Kiel wird berichtet, daß die Kaiseryacht „Hohenzollern" und der Kreuzer Nymphe", die ihre Vorbereitungen nach Cuxhaven bereits getroffen hatten, Gegenordre erhalten haben und bis auf weiteres in Kiel bleiben. Außer dem Reichskanzler wird auch eine Abordnung des Bundesrats sich zu der Beisetzungsfeier nach Dresden begeben. — Der letzte Regierungsakt des Königs Albert war die Uebertragung der Regierungs- aeschäfte aus seinen Bruder. Kronprinz Friedrich August und Prinz Johann Georg sind in Sibyllenort erngetroffen. Eine Sonderausgabe des „Armee-Verordnungsblattes" veröffentlicht einen Armeebefehl des Kaisers: Das nach Gottes unersorschlichem Ratschluß erfolgte Ableben Sr. Mai des Königs Albert von Sachsen hat mich aufs tiefste erschüttert. Mein Haus, meine Armee und unser ganzes Vaterland haben einen schweren Verlust erlitten, und allerorten werden die Herzen, die Empfindung für Deutschlands Glanz und Größe haben, mit mir in tiefster Trauer den Heimgang dieses heldenhaften deutschen Fürsten beklagen. Mit ihm ging der letzte jener mit dem Großkreuz des Eisernen Kreuzes , geschmückten Heerführer dahm, dre an der Spitze der deutschen Armee unter meinem in Gott ruhenden Herrn Großvater uns den unvergänglichen Siegeslorbeer erkämpften. Im Gedächtnis des Volkes wird der Held von St. Privat, der Führer der Maasarmee fortleben, so lange deutsche Herzen schlagen. Schwer aber lastet insonderheit auf der Armee, die mit hoher Verehrung und stolzem .Vertrauen aus den bewährten und ruhmgekrönten Feldherrn blickte, das Bewußtsein seines Verlustes. Es wird lhr ein tiefempfundenes Bedürfnis sein, auch ern äußeres Trauerzeichen anlegen zu dürfen, und ich bestimme hierdurch: 1) SämtlicheOfsiziere der Armee legen auf vierzehn Tage Trauer an. 2) Be; den 2 Garde- Ulanen und d-en 10. Dragonern wahrt die Trauer d r e i W o ch e n. 3) An den Beisetzungsfeierlichkeiten nehmen Abordnungen der genannten beiden Regimenter teil, bestehend aus dem Kommandeur, einem Stabsoffizier, einem Rittipeister, zwei Leutnants, einem Wacbtmeiiter, einem Unteroffizier und einem Gemeinen. Das Dr I." veröffentlicht folgenden Erlaß: Sob- baten' Nach Gottes unersorschlichem Ratschluß seid Ihr ^rres Königs beraubt, Eures Königs, der den höchsten Schlachtenrühm in guten und bösen Tagen an Eure zahnen knüpfte, der für Euch ein treu sorgendes Herz hatte Mit unerschütterlicher Treue und unwandelbarer ^ebe habt ^hr 5 M^m König vergolten. Mit unbegrenztem Vertrauen blicktet Ihr zu chm auf. So weiß ich mich denn heute in aufrichtiger Trauer mit meiner Armee vereint. Es ist mir Bedürfnis, Euch meinen königlichen Tank für diese Eure Gesinnung und Treue, mit der Ihr allezeit zu meinem nun in Gottruhenden Bruder gestanden, auszusprechen. Ich knüpfe daran die feste Zuversicht, daß Ihr auch mir und meinem königlichen Hause allezeit unverbrüchliche Treue bewahren, und die Bundestreue als ein von meinem Vorgänger auf dem Thron überkommenes wertvolles Erbe mit mir pflegen werdet, zum Nutzen des Reiches, zum Ruhme der Armee, zu Eurer Ehre und zum Wohle des geliebten Vaterlandes, (gez.) Georg. Der französische Minister des Auswärtigen Del- cassö übermittelte dem deutschen Botschafter Fürsten Ra- dolin das Beileid der französischen Regierung. Die Pariser Zeitung „Temps" schreibt: Man kann sagen, daß König Albert der wertvollste Beistand der deutschen ReichSidee nach innen wie außen war, und daß das österreichisch-deutsche Bündnis von 1879, dieses politische Meisteewerk, in hohem Maße durch den Einfluß König Awerts auf seinen Jugend- reund Kaiser Franz Joses gefördert wurde. — Kaiser Franz Josef stattete in Wien dem sächsischen Gesandten einen längeren Kondolenzbesuch ab. Auch der Minister des Aeußeren, Graf Goluchvwski, Ministerpräsident v. Körber owie die Mitglieder des diplomatischen Korps gaben ihrem Beileid Ausdruck. Der Präsident des ungarischen Abgeordnetenhauses Graf Apponyi gab der Trauer des Hauses Ausdruck, taer im Kriege wie im Frieden ein treuer .Ver-- bündeter und Freund des Königs Franz Josef gewesen sei. In der Presse wird vielfach darauf hingewiefen, in welchem herzlichen Freundschaftsverhältnis König Albert zum Fürsten Bismarck stand. Es sei daran erinnert, was int Jahre 1895 der Altreichskanzler den Besuchern aus Leipzig sagte: Die Selbständigkeit Sachsens habe im Jahre 1866 im wesentlichen auf der Zuverlässigkeit des Königs und des Prinzen Albert beruht. König Albert ei „mit Leib und Seele national und von solcher Gleichl- näßigkeit und Liebenswürdigkeit, daß er alle Herzen gewinn t." Bei anderer Gelegenheit erzählte Fürst Bismarck, König Wilhelm sei geneigt gewesen, nach der Entscheidung von 1866 ein Stück von Sachsen zu nehmen, aber er, Fürst Bismarck, habe sich entschieden für Sachsens Selb- tändigkeit und Integrität verwendet, und „Preußen und Deutschland hat es nie zu bereuen gehabt"._____________ gilt Komplott gegen König Hduard von England ist von der Londoner Polizei entdeckt worden. Von zuständiger Seite ist zwar dieses Gerücht dementiert worden, aber nur zur Beruhigung oer großen Masse. Thatsächlich sollen in den von Anarchisten bewohnten Stadtteilen Londons zahlreiche Verhaftun gen vorgenommen worden sein. Tie Krankheit des Königs soll sogar nur eine „diplomatische" gewesen fein und ihren Grund in der Entdeckung des Komplotts gehabt haben. Es ist sehr bezeichnend, daß sich heute der „Gesundheitszustand" des Königs derart gebessert hat, daß eine Aende- rung des amtlichen Festprogramms nicht erfolgen wird. Ter König hat beschlossen, ein großes Festessen für die Armen von London zu veranstalten. In jedem der Klublokale wird nach dem Essen eine Theatervorstellung stattfinden. Ter König soll ferner beabsichtigen, sämtliche Bankettlokale zu besichtigen. Also scheint vor der Hand alle Anarchisterrgefahr in London beseitigt zu sein. Auch sonst noch liegen einige interessante Nachrichten aus London vor. Monsieur Chamberlain soll vom Könige die Erhebung in den Pairsstand angeboten, von ihm aber „nach berühmtem Muster" (Gladstone) mit Dank a b g e l e h n t und damit begründet worden sein, daß er es vorziehe, bürgerlich und damit im Unterhause thätig zu bleiben, wo er sich heimischer fühle und auch dem König und dem Lande größere Treuste leisten zu können glaube, als in der „goldenen Kammer", in die er bei seiner Erhebung in den Pairstand übersiedeln müßte. Das Oberhaus soll ob dieser Entscheidung Mr. Chamberlains nichts weniger als betrübt sein. Chamberlain rechnet den durch den Krieg in Natal und der Kapkolonie angerichteten Schaden auf acht Millionen Pfund Sterling. Diese Summe soll durch die erste Transvaalanleihe gedeckt werden. Nach einer Aufstellung des Kriegsamtes beträgt der Ges am t Verlust der britischen Armee int Kriege 28 434. Es starben 1072 Offiziere und 20870 Mann in Südafrika, sowie 8 Offiziere und 500 Mann nach der Rückkehr nach, England, 105 Mann werden noch vermißt und 5879 Mann sind invalide geworden. Im U n t e r h a n s e bekämpfte am Freitag bei Beratung des Postens von 294 000 Pfd. für die Admiralität Lord Beresford aufs schärfste das bestehende System der Mari n e v e r w a l t n n g. Dieses fei morsch und der Schlagfertigkeit der Flotte hinderlich. Verbesserungen kämen nur durch öffentliche Agitation zustande. Politische Tagesschau. Chinesische Kulis auf Samoa. In politischen Kreisen hat, dem „Berl. Lok.-Anz." zufolge, der Plan des Gouverneurs von Samoa, Solf, chinesische Kulis nach Samoa zur Landarbeit herauzuziehen, nicht geringes Befremden hervorgerufen. Es wird ans verschiedenen Gründen als ausgeschlossen betrachtet, daß die Kolonial-Verwaltung ihre Zustimmung zu diesem Plane geben dürfte. Der ablehnende Standpunkt in dieser Frage ist nicht unberechtigt. Die chinesischen Arbeiter haben so wenig angenehme 'Eigenschafteti, daß sie nirgend, außer in threr Heimat, gern gesehen sind. Und es kann nicht bestritten werden, daß ihrer Verwendung auf Samoa dieselben Bedenken entgegenstehen, wie etwa derjenigen der Inder in Deutsch-Ostafrika. Andererseits muß aber doch die Frage berücksichtigt werden, woher sonst die zum Betrieb der Plantagenwirtschaft auf Samoa erforderlichen Arbeitskräfte genommen werden füllen? „Samoa ist die Perle im Ringe der deutschen Südseekokonien. Sparen Sie bei der Einfassung dieser Perle nicht am Golde!" rief Dr. Solf dem Reichstag zu. Wenn nun der Gouverneur zu dem Schluß kommt, daß bei der unüberwindlichen Trägheit der Samoaner auf deren Arbeitskraft nicht gezahlt werden kann, wenn es andererseits mit Genugthuung begrüßt wird, daß endlich das deutsche Kapital — durch Gründung derDeut- 'ch en Samoa-Gesellschaft — dieser fruchtbaren Insel sich zuwendet, dann gewinnt die Arbeiterfrage für die Zukunft Samoas entscheidende Bedeutung. Die versuchsweise Verwendung chinesischer Kulis dürste immerhin in Erwä- gung gezogen werden. Deutsches Keich. Berlin, 20. Juni. Ter Kai ser wird, nach einer Meldung aus Kiel, am 29. d. M. in der dortigen Garnisonkirche der Einweihung der Marmortafel für die Opfer der „Gneisenau"-Katastrophe und der Gedenktafel für die Gefallenen des China-Feldzuges beiwohnen. — Zur Wahl des neuen Erzbischofs von Köln wird der „Germania" telegraphiert, daß auf der von dem Metropolitankapitel an die Krone zu sendenden Liste die Bischöfe Schneider-Paderborn, v. Keppler-Rottenburg, Weihbischof Fischer- Köln, Dr. Müller- Trier und Prof. Maasbach-Munster figurieren. Tas Blatt giebt die Nachricht unter Vorbehalt wieder. — Ter bisherige Verantwortliche Redakteur der „Berl. Korr.", Tr. Tyrol, der in den Parlamenten mit der speziellen Berichterstattung für den Kaiser betraut war, ist an Stelle des verstorbenen Dr. Siemenroth zum Direktor des „Reichsanzeigers" ernannt worden. — Tie Zolltarifkommission des Reichstages beriet heute über die Positionen betreffend Kammgarn, zu denen umfangreiche Abänderungsanträge Vorlagen. In der Debatte kamen die Gegensätze zwischen den verschiedenen Jnteressentengruppen der Textilindustrie zum Ausdruck. Auch seitens der Regierungsvertreter würben unter einander abweichende Auffassungen vertreten. Kiel, 20. Juni. Tas Linienschiff „Kaiser Friedrich III." ist heute mit dem Prinzen Heinrichvon Preußen zur Teilnahme an der Flo11ensch au in Sp ithe ad ab- gegangen. Stuttgart, 20. Juni. Ter Landtag nahm den Kommissionsantrag an, für die dritte Wagenklasse eine Grundtaxe von zwei Pfennig pro Kilometer ins Auge zu fassen, sobald die Finanzlage den vorübergehenden Ausfall der Uebergangszeit gestattet. Es wurde ferner der Zusatzantrag angenommen, auf allen Staatsbahnstrecken für Lolalzüge eine besondere Fahrtaxe von zwei Pfennig für die dritte Klasse versuchsweise einzuführen, ferner auf allen Zügen mit Ausnahme der dem Durchgangsverkehr dienenden Schnellzüge die 1. Wagen- klasse eingehen zu lassen. — Ter Gewerkschaftskongreß hat zur Ar- beitslosen-Versicherung die Resolution mit uu- wesentlichen Zusätzen angenommen. Heer und Flotte. Heiraten von Militärpersonen. Ter Kaiser hat durch Kabinettsordre vom 25. Mai d. I. eine neue Verordnung über das Heiraten von Militärpersonen des preußischen Heeres und der Landgendarmerie unter Aushebung aller bisher gegebenen Bestimmungen erlassen. Gleichzeitig hat er das Kriegsministerium ermächtigt, Erläuterungen zu geben, sowie Aende- rungen nicht grundsätzlicher Natur oorzunehmen, insbesondere hinsichtlich der Voraussetzungen, unter benen das nach- gewiesene Einkommen als sicher und sichergestellt anzu- nebmen ist, sowie bezüglich der Dienststellen, welche die dem Katesr nicht vorbehattene Erlaubnis zur Verheiratung oder die Einwilligung zur Verfügung über das Heiralsgut zu erteilen haben. Aus MM nud Lund. Gießen, den 21. Juni 1902. * * Parlamentarisches. Der Erste Ausschuß der Zweiten Kammer hat beschlossen, bei der Kammer zu beantragen, die für einen Stallbau für das Großh. Landgestüt geforderten 12 500 Mk. z. Z. abzulehnen. — Ter Zweiten Kammer ist von der Regierung eine Mitteilung, betr. die Kosten der Volksschule zugegangen nebst statistischen Ueberfichten, auf die wir noch zurückkommen werben. * * Die Gesellschaft für Erd - un d Völkerkunde wird ihren diesjährigen Sommerausflug am 13. Juli zur Ausführung bringen. Eine Lahnlandschaft von ganz besonderer Schönheit soll diesesmal besucht werden: Obernhof, der Goethepunkt, Kloster Arnstein am Jammerthale und Nassau. In der Klostermühle Arnstein soll ein Mittagessen eingenommen werden. Pros. Sievers wird dort auch über die Nebenthäler der Lahn sprechen und Geh. Hofrat Oncken an dem Denkmal Steins in Nassau einen Rückblick werfen auf die Bedeutung dieses großen Mannes. * * Das Promenadenkonzert findet morgen um 11.30 Uhr in der „Ostanlage" statt. Gespielt werden u. A. die Ouvertüre zu Stradella von Flotow, die Einleitung zur Oper Loreley von Bruch, die Schönen von Valencia! Walzer von Morena und das Finale aus der Oper »Lohengrin" von Wagner. — In der Gemälde-Ausstellung im Turmhaus em Brandplatz wird in der nächsten Woche wieder ein großer Wechsel der Gemälde vorgenommen, sodaß die Ausstellung von Montag an einige Tage geschlossen bleibt. Wir wollen deshalb nochmals auf die gegenwärtige reichhaltige Ausstellung Hinweisen, da auch die Werke von Prof. Dettmann zur Weitersendung gelangen. w. Aus der Frauenklinik. In unserer Universitäts-Frauenklinik sind im Rechnungsjahr 1901/02 nicht weniger als 4 6 5 Geburten zu verzeichnen gewesen. — Der hessische Fechtverein „Waisenschutz" veranstaltet am Sonntag den 29. Juni ein großes Sommerfest in der „Schönen Aussicht". Die hiesige Militärkapelle wird konzertieren. ** Ein Fischadler in Oberhessen! Auf seiner Jagd erlegte der Jagdpächter Hofmann in Langsdorf einen ausgewachsenen Fischadler von 1.62 Meter Spannweite. Das seltene Wlld wird im hiesigen zoologischen Institut ausgestopft und dann ausgestellt werden. — Besitzwechsel. Die Dr. Met ten h cime r'sche Mineralwasserfabrik ist aus dem Besitze des Herrn Louis Lenz in den der Finna „Zum Andres" (Karl Weidig) übergegangen. Lollar, 20. Juni. Privattelegramm. (Bereits durch Extrablatt verbreitet.) Heute mittag 7» 12 Uhr entstand in der elektrischen Licht- und Kraftanlage der Eisenwerke Lollar ein großes Schadenfeuer. Dieser Teil der Werke ist bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. Sämtliche Maschinen, darunter zwei Dynamos, sowie die Transmissionsanlagen, sind zerstört. Der Schaden beläuft sich auf etwa 30 000 Mk. Die erste thatkräftige Hilfe leistete die Fabrikfeuerwehr, der sich die freiwillige Feuerwehr Lollar zu aufopfernder Thätigkeit zugesellte. Gegen Uhr war der Brand gelöscht. Die Turbinenanlagen waren in größter Gefahr, ebenso die Gebäude mit den Gcbläsmaschmen, welche durch eine Holzbrücke mit der elektrischen Centrale verbunden waren. Hätte sich das Feuer auch davon nicht ablenkcn laßen, so hätte der ganze Betrieb der Hochöfen eingestellt werden müssen und unberechenbarer Schaden wäre entbanden. c. Bad-Rauh eim, 20. Juni. Es sind in der letzten Woche 1194 Kurgäste hier angekommen und die Gesamtfrequenz betrug am 19. Juni 8419 Kurgäste, gegen 8142 im Vorjahre. Die Zahl der gegenwärtig hier weilenden Gäste ist 5061, gegen 4929 im Jahre 1901. Hungen, 20. Juni. Die Beerdigung der beiden Opfer Baumbach und Lotz fand gestern (Donnerstag) statt. Ungemein zahlreich war die Beteiligung. Der oberste. Leiter der ganzen Unternehmungen aus Berlin nahm teil, die gesamte Beamten und Arbeiterschaft der Grube, Teilnehmende aus Hungen und anderen Orten, sowie aus den Geburtsorten der Verstorbenen waren zahlreich im Trauergefolge. Pfarrer Breunlin hielt ergreifende Grabreden. Die Schüler und der Gesangverein sangen Grabgesänge. Heute wurden die zwei zuletzt Verstorbenen in Berstadt beerdigt. Die Beisetzung beider wurde gleichzeitig vorgenommen. Der Kriegeroerein mit umflorter Fahne erwies militärische Ehren. Pfarrer Koch hielt die Grabrede. Von der Beamten- und Arbeiterschaft wurden prachtvolle Kränze mit Widmungen an den Gräbern niedergelegt und auch von anderen Seiten die Grabhügel der Verunglückten geschmückt. A. Nidda, 20. Juni. Heute ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhof ein schweres Unglück. Zwei mit dem Ausladen des Wagens des Karousselbesitzers Köhler beschäftigte Arbeiter gerieten zwischen die Puffer des Eisenbahnwagens und der Rangiermaschinc. Beide Arbeiter sind schwer verletzt. § Gedern, 19. Juni. Zum 50jährigen Dienst- j u b i l ä u m des Lehrers und Kantors Roth hier hatten sich Freunde und Bekannte aus Nah und Fern eingefundcn. Schon am Vorabend des Ehrentages brachten die beiden hiesigen Gesangvereine ihrem früheren Leiter ein Ständchen. Um 11 Uhr versammelten sich Kreisamtmann Bohn, Kreisschulin- spcktor Backes, die Lehrer, die Ortsvorstände der Gemeinden Nieder-Seemen, Ober-Seemen, Burkhards und Gedern im Rathaussaale. Nach mehrstimmigem Gesang des Liedes: „Lobe den Herrn re." überreichte Kreisamtmann Bohn nach einer kurzen Ansprache, die Verdienste des Jubilars hervorhebend, die Krone de s Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Hofprediger Heinrichs, sprach dann im Namen der Gemeinde Gedern und überreichte einen Regulator. Es folgte der Obmann des Bezirksvereins, Herr Ludwig aus Ober-Lais, die Vorstände der Gemeinden, chre Geschenke überreichend. Den Dankesworten des Jubilars folgte der Gesang der Schüler: „Danket dem Herrn re." und die erhebende Feier war beendigt. Um 1 Uhr fand im „Bergwirtshaus" ein Mittagsmahl statt. Kreisamtmann Bohn brachte den Toast auf den Großherzog aus, dem eine weitere Anzahl folgten. Auch Oberlehrer Backes aus Darmstadt, der Obmann des Hess. Landeslehrervereins, war zum Jubelfeste seines Freundes erschienen. Vorträge des Quartettes des Bezirks-Lehreroereins und Lieder der beiden Männergesangvereine, schufen angenehmste Abwechslung. Schließlich wurde sogar noch getanzt. -I Re bg es Hain, 20. Juni. Die Fernsprechverbindung mit Ulrichstein und Engelrod ist jetzt fertig gestell und dem Verkehr übergeben. Q Vom oberen Vogelsberge, 20. Juni. In etwa 6 Wochen wird der Bau der Nebenbahnlinie Grebenhain—Gedern begonnen. Schon jetzt suchen Ingenieure und Aufseher Wohnungen in den anliegenden Ortschaften. Darmstadt, 20. Juni. Die gestrige Stadtverordneten-Versammln ng bewilligte den Rest der städtischen Zeichnung zum Garanticfonds der Künstler- kolonie im Betrage von 13 800 Mk. Im Ganzen hatte die Stadt 30 000 Mk. gezeichnet. In der geheimen Sitzung teilte der Oberbürgermeister mit, daß die preußisch- hessische Eisenbahn gemein schäft es abgelehnt habe, die Nebenbahnlinien Bickenbach — Seeheiin und Eberstadt — Pfungstadt zu veräußern oder zu verpachten. Da die Erwerbung dieser beiden Linien einen wesentlichen Bestandthell des zwischen der Stadt Darmstadt und der Süddeutschen Eiscnbahngemeinschaft abgeschlossenen Vertrages bildet, so erscheint er hierdurch gefährdet. fc. Offenbach cu M., 20. Juni. Der Stadtver- ordnete Theodor Böhm, der im April d. I. den Antrag auf Amtsenthebung des Beigeordneten Wolff cin- gebracht hatte, wurde von diesem auf Pistolen geordert. fc. Aus d em Rheingau, 20. Juni. Die Kirschenernte ist in vollem Gange. Es werden hohe Preise erzielt. Cassel, 20. Juni. Auf dem hiesigen Rangierbahnhofe sind heute ftüh an derselben Stelle wie gestern wieder 2 Güterwagen entgleist. Hierbei ist ein Bremser tätlich verunglückt. *• Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. Dem Pfarrverwalter Römheld in Grünberg wurde die Verwaltung der Pfarrstelle zu Ettingshausen über- -ragen. Vermischtest • Paris, 20. Juni. Kapitän Barry, Kommandant des Kriegsschiffes „Tage", beging Selbstmord. Es soll ich vorher eine Skandalszene zwischen dem Kommandanten und dem Contre-Admiral Seran abgespielt haben. Barry soll dem Admiral hierbei Ohrfeigen angeboten haben. Admiral Servan ist vom Marineminister telegraphisch nach Paris berufen worden. * Zur Katastrophe von Martinique. Nach einem Newyorker Telegramm der „Frkf. Ztg." wird aus Martinique gemeldet, daß der Fluß bei Basse Pointe plötzlich dermaßen gestiegen ist, daß 3 0 Häuser weggeschwemmt wurden. Der Mont Pekoe, aus dem dicke Rauchwolken aufsteigen, w irft Asche über den ganzen nördlichen Teil der Insel aus. Es sind zahlreiche Oeffnungen entstanden, die Dampf aus- 'trömen. Mehrere Bäche sind mit kochend heißem Wasser gefüllt. Gcrichtssaal. Gießen, 21. Juni. Das Schöffengericht verurteilte gestern den von hier nach Halle a. S. verzogenen Eisenbahnbau- mspektor B. wegen Körperverletzung, begangen an einem Real- chüler, zu 2 0 M k. Geldstrafe, und wegen Beleidigung des- elbcn zu 25 Mk. Geldstrafe sowie in die Kosten des 93er- ährens; auch wurde auf Publikationsbefugnis erkaiint. M. Gießen, 20. Juni. Strafkamme r. Den Vorsitz führte Landgerichtsdircktor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Gerichtsassessor Dr. Hetzel. — Der wegen Bettelns vielfach vorbestrafte Schmied Karl W. E. Schreyer aus Minden war vom Schöffengericht Gießen wegen Bettelns zu 4 Wochen Hast und zur Ueberwelsung an die Landespolizeibehörde verurteilt worden. Auf Berufung des Angeklagten hob die Strafkammer die vom Schöffengericht erkannte Ueberweisung auf, da festgestellt wurde, daß der Angeklagte in den letzten Monaten wiederholt gearbeitet hatte und es nicht ausgeschlossen erschien, daß er in unverschuldeter Not gebettelt habe. — Der Zimmermann Johannes Maul II. von Holzmühle ist der Majestätsbeleidigung beschuldigt. Er soll in einer Wirtschaft, als ihm ein Bild des Grotzherzogs gezeigt wurde, geäußert haben: „Vor dem habe ich das Gewehr präsentiert, da war der noch ein Lausbube." Der Angeklagte bestreitet entschieden die Beschuldigung und behauptet, er habe mit dem fragl. Wort nicht den Großherzog, sondern seinen in der Wirtschaft neben ihm sitzenden Jungen gemeint. Der Wortlaut der fragt. Aeußerung war in der heutigen Verhandlung nicht mehr festzustcllen. Nur ein Zeuge, der ein Vierteljahr später die Denunziation einaereicht hatte, belastete den Angeklagten im Sinn der Anklage. Bei dieser Sachlage und mit Rücksicht darauf, daß der vorerwähnte Zeuge ein langjähriger Prozeßgegner des Angeklagten ist, gelangte das Gericht zu einem frei sprech enden Erkenntnis. — In der Privatklogesache des Ferdinand Böttinger gegen den Pfarrer Heinrich Zinn, beide m Herbstein, wegen Beleidigung und Körperoerletzuiig, wurde heute das Urteil des Berufungsgerichts dahin verkündet, daß bezüglich der dem Angeklagten zur Last gelegten Vergehens der Körp er Verletzung auf Einstellung des Verfahrens statt der von dem 'Schöffengericht Herbstein ausgesprochenen Freisprechung erkannt wird, und die Kosten der Berufungsinstanz dem Privatklager auserlegt worden. — Am 1. Osterfeiertag 1900 befand sich der Angeklagte aus einem Dienstgang, als ihm brei pfeifende und johlende Burschen, darunter der minderjährige Sohn des Privatklägers, entgegenkamen. Das Gericht hielt für erwiesen, daß die Burschen mit dem Johlen und Pfeifen eine Verhöhung des Angeklagten beabsichtigt haben — eine Feststellung, die insbesondere auf gründ der Dhatsache erfolgte, daß der Angeklagte bereits vor diesem Vorfall öfters von Angehörigen anderer Konfession in Herbstein durch Pfeifen in ähnlicher Weise insultiert worden war. Festgestelltermaßen schlug der Angeklagte zunächst einen Seltenpfad ein, kehrte jedoch, als der Lärm zunahm, auf den Weg zurück, packte von den drei Burschen den jungen Böttinger und versetzte ihm mehrere Hiebe mit feinem Spazierstock, der infolgedessen zerbrach. Das Gericht hielt diesen Stock, der etwa daumendick und mit einer eisernen Spitze versehen ist, für ein gesährliches Werk- zeug im Sinn des § 223a St.-G.-B. Da hiernach die That des Angeklagten sich als Körperverletzung mit einem gesahrlichen Werkzeug, mithin als eine im Privatklageverfahren nicht verfolgbare Handlung, qualiftzierr, so mußte gemäß einerstrafprozessualen Vorschrift aus Einstellung des Privattlageverfahreiis bezüglich der dem Angeklagten zur Last gelegten Körperverletzung erkannt werden. Betreffs der dem Angeklagten weiter zur Last gesetzten Beleidigung des jungen Böttinger hielt das Gericht einen genügenden Beweis für nicht erbracht. Die Berufung hiergegen mußte daher ohne weiteres verworfen werden. Da das Verfahren eingestellt wurde, hatte der Privatkläger nach gesetzlicher Vorschrift die Kosten zu tragen. — In der Strafsache gegen die Ehesrau Andreas Autsch in Frankfurt beließ es bie Strastammer bei der von der ersten Instanz ausgesprochenen Haststrafe v o n z ehn Tag en, da festgestelltermaßen die Angeklagte, obschon sie in der Lage war, ihre in Pflege befindlichen unehelichen Kinder zu unterhalten, sich der Unlerhälrungspflichr trotz Aufforderung der zuständigen Behörde derart entzogen hat, daß fremde Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. — Der Taglöhner Konrad Koch in Rainrod war voni Schöffengericht Alsfeld wegen Betrugs zu einer Geldstrafe von 12 Mark verurteilt worden. Er hat unter der Behauptung, daß er vom 15.—18. Januar 1902 arbeitsunfähig gewesen fei, von der Ortskrankenkasse seines Bezirks Krankengeld verlangt und erhalten. Erwiesenermaßen hat jedoch der Angeklagte während der angegebenen Zeit gearbeitet. Auf die von dem Angeklagten eingelegte Berufung kam die Sache heute vor der Strafkammer zur Verhandlung; die Entscheidung wird später verkündet werden. — In der Privatklagesache des Albert Höpler gegen den Emil Wallach, die Ehefrau Hermann Wallach und die Ehefrau Karl Wallach wegen Beleidigung waren die beiden erstgenannten Angeklagten vom Schöffengericht Alsfeld zu Geldstrafen von je Mk. 50 verurteilt, die letztgenannte freigefprochen worden. Die gegen dies Urteil von beiden Parteien eingelegte Berufung wurde als unbegründet v e r w o r s e n. Handel und Wrlrehr. Uolksivirtschasl — Frankfurter Börse. Von der New-Porker Börse wurde größere Abschwächung besonders für Jndustriewerle gemeldet, was natürlich aus den hieligen Markt einwirkle. Schon zu Beginn war wenig Unteriiebmungslust vorhanden und die Kurse bröckelten ab. Der Montanmarkt hatte besonders zu leiben infolge ber ungünstigen Berichte von ber gestrigen Düsseldofter Börse. Die relativ günstigen Maiausweise der Bergwerksgesellschaften blieben ohne Einfluß und die Nachricht von einer evenl. lOproz. Dividende der Harpener Gesellschaft blieb unbeachtet. Nur österreichische Werte waren gefragt aus Gründen, aus welche wir schon letzthin hmgewicsen haben. Lombarden bröckelten ab. Spanier und Portugiesen recht fest und höher. Araentiner fest. Deutsche Bank und Diskonto schwächer. 'Andere Jndustrieaktien lagen größtenteils gleichsaüs etwas schwächer. — Der Auffichtsrat der Harpener Bergbau-Gesellschaft beschloß die Erhöhung des Aktienkapitals um 8 Millionen, sowie bic Ausgabe von 6 Millionen Obligationen für den Ausbau neuer Schächte. Ter Jahresüberschuß beträgt ib. 14 000 000 Mk. gegen 16 000 000 Mk. im Vorjahr unb bürsten ca. 10 pEt. Dividende zu erwarten sein. Der Ausgabekurs der neuen Aktien soll 140 pEt. betragen. — Die neue bulgarische Anleihe im Betrag von 106 Mill. Francs ist in 50 Jahren rückzahlbar und durch die Tabaksteuer garantiert. — Die 3'/rproz. Pfandbriefe der Mecklenburg-Ltrelitzschen Hhpothekenbanc sind wieder */2 pEt. zurückgegangen. Tie 4proz. find wieder gestiegen. Ter Rückgang des Kurses ist auf Verluste bei Versteigerungen zurückzuführen. Gießen, 21. Juni. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmark kosteten: Butter pr. Pfd. 0,75—1,00 Mk., Hühnereier pr. Stck. 0 Pfg., 2 Stck. 12—13 Pfg., Gänseeier 10—12 Psg., Enteneier 6—7Pfg., Käse vr.Stck. 5—7 Pf., Käsematte2Stck. 0—0Psg., Erbsen pr.Liter 19Pfa^ Linsenpr. Liter 32 Psg., Taubenpr. Paar 0,80—1,00Mk., Hühner pr. St. 1,00—1,50 Mk., Hahnen pr. Stück 0,90—1,60 All., Enten pr. Stück 2,40—2,60 Mk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Psg., Ochsenfleisch gr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- unb Rinbfleisc^ pr. Pfunb 60—64 Psg., 'Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 66—70 Psg., Hammelfleisch vr. Pfund 50—70 Psg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,25—4,00 All., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 14,00—15,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepsel per Psd. 0—00 Psg., in Körben 00—00 Pfg« Trauben 00—00 Pfg. Neueste Melsungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Zum Tode des Königs Albert. Sibyllenort, 21. Juni. Am TotenbetteKönrg Alberts halten hohe sächsische Offiziere und je einer der Aerzte die Totenwache. Um 12 Uhr vollzog Kardinal Kopp den Akt der Einsegnung. Dresden, 21. Juni. Gestern nachmittag fand im Rathaussaale eine außerordentliche Gesamt-Ratssitzung statzt, in der Oberbürgermeister Beutler eine Gedächtnisrede auf den verstorbenen König hielt. — Aus Anlaß des Ablebens des Königs Albert wird das Kaiserpaar seine gegen- wärtige Reise in Wesel abbrechen und Sonntag früh nach dem 9teuen Palais zurückkehren. Am Montagvormittag reist das Kaiserpaar nach Dresden ab. Stuttgart, 21. Juni. Laut „Mercur" wird sich im Auftrage des Königs der Herzog Robert an den Trauerseierlichkeiten in Dresden beteiligen. Der Hof legt aus 4 Wochen Trauer an . Metz, 21. Juni. Die Bereinigung zur Schmückung der Kriegergräber von Metz und Umgegend wird einen Kranz aus Laub vom Schlachtselde von St. Privat auf der Bahre des König Albert niederlegen lassen. Der Kranz hat eine schwarz-weiß-rote Schleife, mit der Widmung: Dem könig- liehen Feldherrn von St. Privat! — Scheidegruß vom Metzer Schlachtfelds — Gewidmet von der Vereinigung zur Schmück- ung der Kriegergräber und Denkmäler von Metz. Wien, 21. Juni. Blättermeldungen zufolge reist der Kaiser FranzJosef mit kleinem Gefolge am Sonntag Abend nach Dresden ab. In seiner Begleitung befindet sich der Generalleutnant Boefras. — Auf Anordnung des sächsischen Gesandten, der heute nach Dresden abreist, findet heute hier ein Trauergottesdienst für den verstorbenen König von Sachsen statt. London, 21. Juni. Der Hof legt aus Anlaß desj Ablebens des Königs von Sachsen auf 3 Wochen Trauer an. Während der Krönungstage wird die Trauer unterbrochen. Brüssel, 21. Juni. Der Hof hat auf 3 Wochen tiefe Hoftrauer angelegt. König Leopold, die Königin, die Prinzen sowie der Minister des Auswärtigen Favereau sandten Beileids-Telegramme. Im Auftrage König Leopolds begaben sich Graf und Gräfin Flandern zur Beisetzung nach Dresden. 4% Oesterr. Goldretno . 113.00 . 25.50 . 91.50 . 105.30 214.90 . 186.40 . 138.40 . 145.50 . 157.70 . 159.50 . 18.80 . 170.20 . 205.50 . 196.70 102.25 46.50 59.95 . 99.25 . 102.19 s 72% 3% 3V,% 3% 372% 3\'i% 102.15 93.95 102.00 92.50 Reichsanleihe do. Konsole . do. . . Hessen Oberhessen 8u/q Mexikaner . , 47z% Chinesen . . Electric. Schlickert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien , . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handeleges. Oesterr. Staatobahn . Lombarden . ♦ • Gottbardbahn . . . Laurabütte . . . . Bochum . . « . . 4*/2% Oesterr. Silberrente 101.70 4% Ungar. Goldrente . . 101.90 4% Italien. Rente 4‘2% Portugiesen h®/ Portugiesen. . 1% C. Türken . Türkenloso . . . Köln, 21. Juni. Nach einer Meldung der „Köln. Ztg."> teilte auf dem gestrigen großen.Festessen in Mörs ders Landrat von Laer mit, daß der Kaiser der Stadt Mörs ein Denkmal der Gemahlin des Großen K u r f ü r st e n, durch die die Grafschaft Mörs an Preußen gekommen sei, schenken werde. Krefeld, 21. Juni. Aus Befehl des Kaisers bei seinem gestrigen Besuch soll Krefeld eine Garnison erhalten, und zwar ein Regiment Husaren. Freundliche Worte hatte der Kaiser an die Ehrenjungfrauen gerichtet. Er fragte, wie oft die Damen tanzten und ob auch die Leutnants viel mit ihnen tanzten. Als die Damen erwiderten, hier gäbe es keine Leutnants, sagte der Kaiser, dann wolle er ihnen welche her schicken. London, 21. Juni. Lord Ki t ch e n e r reist am Montag von Südafrika nach England ab. Paris, 21. Juni. Dem „Matin" wird aus Konstantinopel gemeldet: Gerüchtweise verlautet, Said Edhem, Vetter des Sultans, sei im Gefängnis erdrosselt worden. Ahmed Pascha, ein früherer Günstling des Sultans, habe an Bord eines englischen Kriegsschiffes, die Flucht ergriffen. Graz, 21. Juni. In ganz Steiermark herrscht infolge der andauernden Niederschläge ernste Hochwassergefahr. Viele Flüsse sind bereits aus den Ufern getreten! und haben große Verwüstungen angerichtet. Krakau, 21. Juni. Bei dem gestrigen Hrndernis- Rennen stürzteLeutnantKoller beim Nehmen eines Hindernisses so unglücklich, daß er sich die rechte Hüfte brach. Pretoria, 21. Juni. Der Johannesburger Gemeinderat gab K i t ch e n e r ein großes F e st e s s e n. In seinem Toast erklärte Kitchener, die englische Armee habe in dem letzten Kriege viel gelernt. Was die Buren betreffe, so seien die-, selben eine mannhafte Nation, für England eine kostbare Acquisition. Sie haben während des Krieges eine außerordentliche Thätigkeit und die größten kriegerischen Eigen- schäften an den Tag gelegt. ____________________ Telephonischer Kursbericht» Frankfurt »• M., 21. Juni 1902. 4% Griech. Monopol.-Anl. 47z % äussere Argentiner 44.10 Harpener ......177.50 Tendenz: still Kekllnntmachung. In der Zeit vom 14. bis 21. Juni 1902 würben in hiesiger Stadt Gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Weinzipfel, eine Manschette, 1 Regenschirm und 1 Herrenrock. Verloren: 1 Portemonnaie mit 1 Mk. Inhalt. Die Empfangsberechtigten ' der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 21. Juni 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ____________________Hechler.__ Arbeitsvergebrmg. Die nachstehenden bei der Renovierung der Kirche in Ober-Ohmen vorkommenden Arbeiten werden hiermit zur Submission gestellt und zwar: 1. Dachdeckerarbeit (425 qm teils Neu-, teils Umdeckung); 2. Tüncher- und Anstreicherarbeit (630 qm Deckenputz, 821 qm Wandputz, einschließlich Dekoration, sowie circa 630 qm Oelfarüenanstrich); 3. Zimmerarbeit mit 8 cbm Holzlieferung. Die Verdingungsunterlagen können bei dem Bauaust'eher Schäfer in Ober-Ohmen emgesehen werden, auch sind bei demselben die Angebotsformulare erhältlich. Angebote sind mit entsprechender Aufschrift verschlossen dis zum Eröffnungstermin, Montag den 30. Juni, vormittags II1/, Uhr, bei dem Kirchenvorstand zu Ober-Ohmen einzureichen und findet die Eröffnung der Angebote im Pfarrhause daselbst im Beisein der erscheinenden Anbieter statt. Ober-Ohmen, den 20. Juni 1902. Für den Kirchenvorstand: 4588_____________________ Jung.__________ Arbeitseinstellung der 4239 Mm- ni MmMM in Siel. Arbeitswillige nur tüchtige Gesellen finden dauernde Beschäftigung bet 55 Pfg. Stundenlohn. 10 Mark Reisekosten werden nach Aufnahme der Arbeit in Raten vergütet. Da ber Zuzug sehr stark (es arbeiten bereits über 800 hiesige und ftemde Gesellen in Kiel) ist vorher anzufragen im Bureau der Bauhütte in Kiel, Faulstraße 7. Für unsere Annoncen - Expedition, verbunden mit Vertrieb unserer Verlags-Unternehmungen, beabsichtigen wir am hiesigen Platze eine General -Agentur zu errichten und suchen hierzu einen geeigneten Vertreter. Kautionsfähige Bewerber, möglichst selbständige Kaufleute mit offenem Ladengeschäft belieben sich zu melden. Anbringung eines größeren Schildes Bedingung. 4583 August Scherl, G. m. b. H. Annoncen-Expedition, Frankfurt a. M., Zeil 63. Bahuhosftr. 31 CI1F. B°hnh°fftr. 31 empfiehlt 4268 PoBstermäbeE von der einfachsten bis zur feinsten Ausführung zu billigsten Preisen. Anfarbeiteu von Möbeln prompt und billigst. AllftttMilg düii IekmtlMil in Mmckvoll. Ällssiihmg Anlauf von altem Papier, Lumpen, Knochen, alten Metallen, wie Kupfer, Mefstng, Zinn, Zink und Blei, fowie altem Eisen in jedem Quantum. 4344 Louss ü©ther®hes’egeri Wwe= 22 Neuenweg 22. Auf Verlangen ab geholt. 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Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum obengenannten Termin bei uns einzureichen. — Zuschlagsfrist 3 Tage. Gießen, 20. Juni 1902. Das Stadtbauamt. I. V.: Gerbel. 4595 Dienstag den 24. Juni 1902, nachmittags 2 Uhr, Fortsetzung derGlas- und Porzellanwaren- vcrsteigernng rm Biekerfchen Saale — Neustadt 55. — Es kommen zur Bersteigerung Teller, Tassen, Kaffeeservice, Platten, Weingläser, Bierkrüge, Wasck)- garnituren, Nippsachenu.v.a. 4608 Geißler, Gerichtsvollzieher. Ciebigrhöhe. AM irische Wnsscln 4515 Karl Schmid. SMienpjhnyn (Sommerflor) für Gärten, schöne Farben, div. Sorten, 100 Stück 90 Pfennig zu haben bet 4496 Karl Berger Kircheuplatz 9. Liehisgshohe. Fran KM so lange Vorrat, zu bedeutend ermäßigten Preisen bei Carl Beiter Schnlstraße Ecke der Sonnenstr. •S-E- W frischeMüchu.Kaffee 4516 K. Schmid. Apfelwein naturrein. Liter 30 Pfg., von 30 Liter an Nachnahme. 4222 R. 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Heute morgen 6 Uhr verschied sanft nach langem Leiden mein lieber Gatte, unser guter Vater, Bruder und Schwager Herr Karl Dickhardt im 52. Lebensjahre. 8850-4900. In Erfüllung einer traurigen Pflicht, teilen wir den Herren Altersgenossen ergebenst mit, daß unser Altersgenosse Herr Karl Dickhardt gestern durch den Tod von seinen langen Leiden erlöst wurde. Die Beerdigung findet Sonntag den 22. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der alten Klinik aus statt. Wir bitten um möglichst vollzählige Beteiligung. 4585 Der Vorstand. unter gütiger Mitwirkung des Herrn Euler Samstag den 21. Juni, abends 8'2 Ohr, im Theatersaal des Cafe Leib. Eintrittspreise: Loge 1.20 Mk., 1. Platz 80 Pfg., 2. Platz 50 Pfg, Gallerie 25 Pfg. 4551 Vorverkauf: Loge 1 Mk., 1. Platz 60 Pfg., 2. Platz 40 Pfg. ___________in der Musikalienhandlung von Ernst Challier. Deutscher Schwimm-Verband I Kreis Süddeutschland, Gau 1. Zur Förderung und Verbreitung des Schwimmwesens ! in Giessen Sonntag, 22. Juni, nachm. 3y2 Uhr Schau- n. Wettschwimmen, Springen I und Tauchen im Volksbad _ ausgeführt vom Ersten Frankfurter Schwimm-Klub. 8 Verein „Edelweiß" Gießen Gegründet 1892. Sonntag, den 29. Juni: Feier des 10 jähr. Mstapseße» verbunden mit Bannerweihe Wb" in Steins Garten. Nachmittags 3 Uhr: Bmermiht mit üurdiifiolgtiiöein Arten-Konzert. Abends 8 Uhr: Mer mit Smilffchenstm Bull. Eintrittspreise: Nachmittags 30 Pfg., Abends 1 Mk., Dauerkarten 1 M. Im Vorverkauf: Familienkarten mit 2 Beikarten 1,50 Mk. Karten im Vorverkauf sind zu haben bei den Herren: Sonntag, Cigarrengeschäst, Neuen-Büue, Kuhl, Friseur, Wallthorstraße, R. Frentzel, Mützengeschäft, Seltersweg. 4570 Alles Nähere ist durch Plakate ersichtlich. Um recht zahlreichen Besuch bittet________Der Fest-Ausschnst. 3kiq«kMk0sW Sieben. RnsstNg HQdl -M ÄiÄWMM lfiehe Einladungskarte). .Bei ung^rnsiiger Witterun.g mit Musik nach dem Schützerchaus. — 7 24c Vereinszeichcm find anzulegeu. 4596 itt 75 Ff. Im Vorverkauf 50 Pfg. Karten sind im Volksbad, bei Herrn Lind. Kirchen- platz und Rübsamen, Schwimmanstalt zu haben. (4577 Wilhelm Baumbach Besonders danken wir dem Herrn Pfarrer von Trais-Horloff, den 4599 Die trauernden Hinterbliebenen Beamten und Arbeitern der Grube, dem Herrn Lehrer lieuhl, sowie dem Gesangverein in Trais-Horloff. Gelegentlich des Hinscheidens unseres durch das Unglück auf Grube Friedrich schwer verwundeten Sohnes, Bruders und Neffen sind uns so viele Beweise herzlicher Teilnahme zu gegangen, dass wir uns verpflichtet fühlen, auf diesem Wege unserem herzlichen Danke Ausdruck zu geben. Red Starte Rothes Stern HLinie .Antwerpen] |o|ldainpfer von , t _ Auskunft ertheilen^ Kkö Star firne in Antvervellr M Zr. Schggf in Gikßrn. 8- Klippßein in Langsdorf. Tileye rhoff & Goslar Kreuzplatz 13. giessen früher 8. Weimersheim Nachfolger. 4607 Inventur- » • Ausverkauf zu ganz besonders herabgesetzten JPreisen. Spezial’Geschäft für Saison-Neuheiten. Hallers garantiert ungefärbte, reine Marke 4566 aus Gebrüder Berdux Lindenplatz 12. 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Juni 1902> abends präzis 8‘/, Uhr: C6T Uebung. 3658]________Der Vorstand. „Concordia". Sonntag, den 22. Juni 1902. Licherstraße, 1. Schneise rechts. Gäste willkommen. Abmarsch von der „Stadt Lieh" nachmittags 3V, Uhr. Bei ungüttstiger Witterung int Vereinsloral. 4605 6. R. V. 1883. Sonntag, den 22. Juni 1902: Iirühstückstour über Albach, Garbeuteich» nach dem Forstgarteu. Dort findet photographische Aufnahme statt. Abfahrt 7 Uhr Ludwigsplatz. Montag, den 23. Juni 1902: Aöendtour Abfahrt 8l/2 Uhr. 4606 Der Fahrwart. auf dei* Liebigshöhe. Der Festwirt: Ludwig Zecher V. Volksbelustigungen Anfang 3 Uhr. 02705 Kckgklmein Änlisklidttg. Sonntag den 22. und Montag den 23. Juni 25jähriges Stiftungsfest. Feierliche Überreichung einer Fahnenschleife von Sr. Mas. dem Kaiser und einer TlW. Ehrentafel von der KriegerLameradschast Kassia. Musikverein Giessen. Sonntag den 22. Juni: GM. SommtrW Eintritt 20 Pfennig. Eintritt frei. Der Vorstand. I