Erstes Blatt Freitag 21 ♦ Februar 1002 152, Jahrgang Nr. 44 Erscheint täglich außer SonnlagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familienblätter viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Ver- kg der Brühl'schea Unwers.-Buch-u.Steia- druckeretlPielsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprrchanschluß Nr. 51. JHHHV M _ Vc-ugSprcisr ■ monaii,ch75Ps., viertel* GletzenerAnzelgerM General-Anzeiger w - ür den pol,t. u. aNgem. AmK- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW __zeiaenteil: Hanl Beck. Politische Tagesschau. Dr. Rome». Man f chreibt uns aus Berlin: Bei den ausführlichen Rcichstagsbebatten über den G u m L i n n e r Prozeß hat die Militärverwaltung nicht eben gut ab geschnitten. Sie kann sich dafür speziell bedanken bei d?in Geh. Kriegsrat Dr. jur. Antonius Romen. Was dieser Regierungskommissar an Gründen beibrachte Hur Rechtfertigung der bekannten in weiten Kreisen Aussehen erregenden Handlungen gegenüber dem Angeklaaten Sergeant Hickel, das war Derart unzulänglich, wioer- spruchsvvll und sonderbar, daß es stellenweise gar nicht mehr ernst genommen wurde. Und wer sollte nicht zur Heiterkeit angeregt werden, wenn Dr. Romen z. B. sich abmühte, einen feinen „Unterschied" zu konstruieren zwischen der WiederverHaftung Hickels, nach der Freisprechung im ersten Verfahren, und einer neuen „vorläufigen Festnahme!" Derselbe Jurist aber, der die Haarspalterei soweit trieb, äußerte sich abfällia über den „starken Formalismus", der in der gewiß berechtigten Forderung liegt, daß das Gesetz absolut korrekt zur Anwendung aelangt. Denn sonst wären ja eben der Willkür Thür uno Thor geöffnet. Der Kriegsminister v. G o ß l e r gab mit anerkennenswerter Freimütigkeit zu, daß Versehen vorgekommen sind, und das war besser und glücklicher als alles, was Dr. Romen gesagt hatte. Nicht ein Einziger im Hause, auch nicht auf seiten der Rechten, fühlte sich veranlaßt, dem Regierungskommissar zur Hilfe zu kommen. Aber im Parlament ist schon mancher bei seinem ersten Auftreten verunglückt, der es nachher weit gebracht hat. Kenner Dr. Romens halten seine Rolle durchaus nicht für ausgespielt. Er befand sich hier in einer ihm nicht günstigen Positron; er mußte verteidigen, statt an- klagen. Als Staatsanwalt in Berlin war Romen ersten Ranges, von einer außerordentlichen, packenden Rednergabe, unübertrefflich in der Kunst, aus den Zeugen Aussagen herauszuholen. Romen hätte eine glänzende Carriere gemacht, wenn er in der bürgerlichen Justiz geblieben wäre. Die Berufung ins Kriegsministerium hat ihn auf ein Gebiet gebracht, das ihm keine Gelegenheit giebt zur Entfaltung seiner Fähigkeiten. Aber, trotz seines palamentarischen Mißerfolges, er wird von sich reden machen. Hebet die Unruhen in Spanien wird vom 20. b. M. folgendes aus Barcelona gemeldet: Von den Ausständigen wurden drei Arbeiter, welche die Arbeit wieder aufnehmen wollten, getötet und ferner ein Bäcker, der den Preis des Brotes erhöhte, ermordet. Ter Verkehr der Straßenbahnen hat noch nicht wieder ausgenommen werden können. Auf den Märkten herrscht Mangel an Lebensmitteln. Tie Ausständigen verhindern das Schlachten von Vieh im Schlachthause. Noch weitere Truppen - Verstärkungen sind eingetroffen. Die Ruhestörungen haben einen ausgeprägt anarchistischen Charakter Ter größte Teil der Schiffe verließ den Hafen, ohne die Ladung zu löschen. Zwischen den Soldaten und Ausständigen fanden in Tarrafa und Sabadell neue Zusammenstöße statt. Einige Personen wurden verwundet. Hier halten die Ausständigen fortgesetzt alle Waren an, bevor sie in das Zollgebäude gelangen. Es werden in Barcelona heimlich aufreizende Flugblätter verbreitet, in denen die bürgerlichen Klassen mit fürchterlicher Vergeltung bedroht werden; Dynamitbomben würden auf die Schüsse der Mausergewehre antworten. Die Heinen Werkstätten in Privatwohnungen, wo die Arbeit fortgesetzt wurde, wurden geplündert. Die bekannten Anarchisten sind verschwunden, und werden von den Behörden eifrig gesucht. Schritte, welche die Leiter der Zeitungen bei den Setzern thaten, sind gescheitert. Tie Ei s e n b a h n en kündigten wegen der Haltung der Ausständigen die Einstellung des Ti e n ft e s an. Die Arbeitervereinigungen aus den verschiedenen Orten Spaniens erklärten ihren Anschluß an die Ausständigen in Barcelona. Die ausländischen Konsuln hielten eine gemeinsame Beratung ab. General Weyler konferierte am 19. d. M. mit der Königin-Regentin und hatte dann eine Unterredung mit den Militärbehörden. Tie Truppen in Madrid erhielten Munition und stehen in Bereitschaft, um im Notfälle sofort auszurücken. i)!ach einem Telegramm aus Madrid erscheint eine Ministerkrisis unvermeidlich. Die Regentin wird bestürmt, dem General Weyler die Diktatur vorläufig für mehrere Provinzen anzuvertrauen. Franzöfische Wahlvorbereitungen. Tie Vorbereitungen zu den im Aprll stattfindenden französischen Kommerwahlen sind in vollem Gange. Die Parteigruppierung ist diesmal insofern markanter, als sich in der Hauptsache radikale Richtungen gegen» überstehen. Auf der einen Seile entschiedene Republikaner und Sozialisten, die Gefolgschaft des Ministeriums Waldeck-Rousseau, auf der andern Nationalisten und Monarchisten, mit denen die rechts stehenden Republikaner im Wahlkampf zusammengeben. Das Für und Wider dreht sich weniger um wirtschaftliche, als um allgemein politische Fragen, und weil das der Fall ist, braucht die Regierung wegen des Ausgang des Wahlkampfes feine Sorge zu tragen. Würden die Wahlen unter Wirtschafts- oder zollpolitischer Parole sich vollziehen, bann könnte die Gegnerschaft des bekanntlich schutzzöll- nerische Ansichten vertretenden Herrn Meline der Regierung gefährlich werden. Tenn selbst unter den radikalen Republikanern sind nicht wenige einer Erhöhung speziell der landwirtschaftlichen Schutzzölle geneigt. Doch auf rein politischem Gebiet ist nichts zu ersehen, was die Stellung des Ministeriums Waldeck- Rousseau, die es nun schon seit Jahr und Tag allen Anstürmen gegenüber behauptet har, erschüttern könnte. Ter sozialistische Handelsrninifter Millerand versteht über Erwarten, dem republikanischen Ensemble sich einzufügen. Daß er seinem intimsten politischen Gegner, dem Zaren, die Reverenz erwies, hat die Sozialisten zwar verstimmt, dem Minister selbst aber nicht „geschadet". Tas Bündnis mit Rußland wird eben, wie sich aus den gegenwärtigen Wahlvorbereitungen erkennen läßt, in Frankreich nach wie vor so hoch bewertet, daß ein Der Allianz kühl gegen» überstehendes Ministerium sich schwerlich würde halten können. Präsident Loubet scheint auch eines in diesem Sinne günstigen Ausfalls der Wahlen so sicher zu sein, daß er den Antritt seiner Petersburger Reise in die Zeit zwischen Haupt- und Stichwahlen gelegt hat. Auch die Stichwahlen werden also wohl überwiegend zu Gunsten der Regierungskandidaten ausfallen. Uedrigens ist Frankreich unter dem Regiment Waldeck-Rousseaus nicht schlecht gefahren. Es blieb von schweren inneren Krisen verschont und hat auf dem Gebiete der äußeren Politik mindestens keine Einbußen erlitten. Die Bevölkerung bringt der gegenwärtigen Regierung im großen und ganzen Vertrauen entgegen, und als ein neues Vertrauensvotum werden sich die Wahlen zur Deputiertenkammer darstellen. Deutsches Wich. Berlin, 20. Febr. Der Kaiser hörte heute in Hubertus stock den Vortrag des Chefs des Militär- Kabinetts Grafen von Hülsen-Haeseler. — Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich wurden zu Ehrenmitgliedern des Larchmont Nachtklub in Newyork gewählt. — Zu der Mission, die der Kaiser zur Beglückwünschung des Papstes anläßlich seines Jubiläums nach Rom entsendet, dürste auch Prof. Dr. Frhr. v. H erkling gehören. Die Mission besteht aus mehreren Personen, die in Rom einzeln eintreffen werden. Ob sie zum Papft- krönungstage, dem 3. März, bereits sämtlich in Rom anwesend sein werden, erscheint noch fraglich. — Ter Kronprinz wird vor feiner bevorstehenden Studienreise nach Elsaß-Loihrtngen einer Einladung des Prinzen Rupprecht von Bayern nach Bamberg Folge leisten. Bei dieser Gelegenheit wird der Kronprinz im Kreise des Offizierlorps des 1. bayrischen Ulanen» Regiments, bei dem er a la suite geführt wird, an einem ihm zu Ehren zu veranstaltenden Festessen teilnehmen. — In gut unterrichteten Kreisen bezeichnet man die Gerüchte aus Berlin, welche die Reise des deutschen Kronprinzen auf der „Hohenzollern" zu der Großjährigkeitserklärung des Königs Alfons von Spanien antünoigen, als vollständig unbegründet. Ter Besuch fremder Fürstlichleiten ist in letzter Zeit fraglich geworden, da es an den nötigen Räumlichkeiten fehlt, um zahlreiche Fürstlichkeiten und deren Gefolge unterzubringen. — Generalleutnant Graf Eulenburg, Kommandeur der 1. Division, ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuchs zur Disposition gestellt worden. Generalleutnant v. Bock und Polach, bisher Kommandeur der 37. Division, wurde in gleicher Eigenschaft zur 1. Division versetzt. — Der Korvettenkapitän a la suite der 1. Maitrvsen- Division, Flügeladjutant v. Gramme, ist unter Aufhebung der ersteren Stellung zum dienstthuenden Flügel- adjuantten des Kaisers ernannt worden. — Der Vorsitzende der Budgetkommissivn des Reichstags Graf Stolberg-Wernigerode ist an einem heftigen Bronchialkatarrh erkrankt und muß das Bett hüten. In der Budgetkommission vertrttt ihn als Vorsitzender Prinz Arerrberg, als Mttglied der Abg. Henning. — Auf Grund einer Verfügung bleibt der allgemeine Ausnahmetarif für Düngemittel und Rohmaterialien der Kunstdüngerfabrikation am 1. März 1895 über den 30. April d. I. hinaus auf weitere fünf Jahre bis einschließlich den 30. April 1907 mit einigen Aenderungen und vereinfachten Anwendungsbedingungen in Kraft. — Der „Reichsanz." veröffentlicht eine Bekanntmachung des Staatssekretärs des Reichspostamtes über das zwischen der Reichspost-Verwaltung und der württem- bergischen Postverwaltung abgeschlossene lieb er ein» kommen, wonach vom 1. April ab gemeinsame Post- wertzeichen mit der Inschrift: „Teutsches Reich" im Reichspoftgebiet und in Württemberg eingeführt werden. Mit diesem Tage werden die bisherigen Postwertzeichen außer Kraft gesetzt. — Nach der „Katt. Zig." hat das russische Finanzministerium verfügt, daß das Han dgepäck von Reisenden, die sich nach einem im russischen Jnlande gelegenen größeren Orte begeben, im Interesse eines geregelten Bahnverkehrs nicht auf den Zollkammern revidiert zu werden braucht._____________ Ausland. Dom, 20. Febr. Ter Papst empfing beute im Throm'aal den Ausschuß, der für die Veranstaltung der Festlichkeiten aus Anlaß des 25. Jahrestages der Thronbesteigung des Papstes gebildet ist. Der Ausschuß überreichte dem Papste Erinnerungsmedaillen zur Verteilung an Pilger. In der Peterskirche wurde ein feierliches Tedeum abgehalten. Der Feier, die vom Kar- dinalftaatssekretär Rampolla celebriert wurde, wohnten 24 Kardinäle, etwa 40 Bischöfe und die päpstlichen Nobelgarden in Galauniform bei. Eine Menge von etwa 20 000 Köpfen füllte die Kirche; es waren etwa 300 Vertreter der katholischen Vereine Roms erschienen, die brennende Kerzen trugen, ferner viel: Abordnungen religiöser Anstalten Jtaltens Und des Auslandes. Als der Papst nach oer Feier, hinter einem Fenster seiner Gemacher stehend, zusah, wie die Teilnehmer die Basilika verließen, wurde er von der Menge, die Hüte und Tück)cr schwenkte, ehrfurchtsvollst begrüßt. Dem Papst, der sich sehr wohl befindet, sind heute sehr zahlreiche Glückrvunsch.Depeschen aus allen Teilen der katholischen Christenheit zugegangen. — Ter König eröffnete die neue Session mit einer langen, optimistisch gehaltenen Thronrede, die gut ausgenommen wurde. Die Einleitung fpiett an auf den Patriotismus der Kammer und weist hin auf die Beruhigung des Landes nach b«;m Tode Umbertos, dank der Verbindung von Gesetz und Freiheit. ES wird dann die finanzielle Lage gekennzeichnet, auf die eingeführten Re- formen hingewiesen und zugleich werde«! der Gesetzentwurf über die Ermäßigung des Salzpreises, solvie soziale Gesetze angetünbigt. Uebergehend zur Kttchenpolitik wird die feste Scheidung von Staat und Kirche betont und das Ehe - scheidungsgesetz versprochen. Schließlich wird noch oie Festhaltung an den Bündnissen ohne allzu großen Schwung proklamiert. Tie Thronrede endet mit einem Hinweis auf die Chinaexpeditton, sowie mit einem warmen Gruß an Heer und Flotte. Wien, 20. Febr. In der Budgetdebatte des Abge- ordnetenhau,es trat als erster Redner der 72jährige Jungczeche Gregr auf, der der Regierung die fortgesetzte schärfste Opposition der Czechen antünbigte. Die Debatte verläuft glatt bis auf einen großen Skandal während Der Rede des klerikalen Abg. Hagenhofer. Dieser sagte: Wir stehen dem Ackerbauminister vollständig objettiü gegenüber. Schönerer ruft: Das ist Lüge und Bauernfängerei! Hagenhofer zu Sdjönerci: Schlafen Sie Ihren Rausch aus! Darauf großer Lärm bei den Alldeutschen, die Hagenhofer umringen und schreien: Das müssen Sie zurücknehmen! Frechheit? Alldeutscher Malik: Sie sind ein ganz gemeiner Hund! El ender Schuft! Niederträchtiger Bube! Schönerer: Aus dem Lande wird verbreitet, daß ich ein Cognac fünfer sei. Sie werden solange nicht weiter sprechet!, bis Sie widerrufen haben! Der Lärm und das Toben werden immer ftarier. Tie Alldeutschen schreien: Frechheit! Schuft! Lump! Sie ballen die Fäuste gegen Hagenhoser und es scheint zu einem Handgemenge zu kommen. Auch einige czechische Abgeordnete mischen sich in den Knäuel. Der Jungczeche Horica singt: Gummi arabicum! Gummi elasttcum! Der Jungczeche Dyck: Hinaus mit all den Schuften! Der Präsident läutet unaufhörlich. Hagenhofer, nachdem Schönerer erklärt, daß er vollständig nüchtern sei (neuer Lärm), erklärt, er nehme zurück, bajj Schönerer einen Rausch habe. Es dauert lauge, bis die Hitzung ihren ordnungsmäßigen Gang nimmt. Ter Obmann des Polenklubs, Ritter v. Jaworski, tritt für eine gerechte Handhabung der Veterinärkonvention mit Deutschland ein. Der Redner erklärt, die Polen würden den Ministerpräsidenten beim Abschluß des Ausgleichs mit Ungarn und bei der Erneuerung der Handelsverträge fest und loyal unterstützen. Bärn- reither spricht sich für die Personalunion mit Ungarn aus, durch die ein engerer Anschluß an Deutschland in wirtschaftlicher Beziehung ermöglicht werde. So lange es keine deutsche Staatssprache gebe, würden die Alldeutschen das Budget ablehnen. Belgrad, 20. Febr. Wie verlautet, befindet sich die Königin Draga in gesegneten Umständen (?). Tie „Wetschernje Nowosh" deuten dies in der Weise an, daß sie sagen, Serbien sehe einem freudigen Ereignis entgegen. Vom Burenkrieg. Aus der neuesten amtlichen Verlustliste geht hervor, daß die Engländer in einem am 16. Februar bei Basberg in der Nähe von Boshof stattgehabten Gefecht 5 Tote, 9 Verwundete und 7 Vermißte zu verzeichnen haben. Lord Kitchener berichtet aus Pretoria vom 19. d. M.: General Gilbert Hamilton meldet, daß er gestern, während er sich auf dem Marsche nach Nigel befand, bei Klipp an ein Gefecht mit dem Feinde gehabt habe, in dessen Verlaufe ein Theil der zweiten Dragoner, der nach dem linken Flügel detachiert worden war, umzingelt und abgeschnitten wurde. Zwei Offiziere wurden schwer verwundet, zwei Mann wurden getötet, sechs verwundet und 46 gefangen genommen, später aber wieder freigelassen, damlltons Abteilung w»r । zu schwach und konnte deshalb den Feind nicht aus seiner starken Stellung vertreiben; sie setzte den Marsch auf Nigel fort Oberst Mackenzie, der im Norden des Ba- nagher-Sees operiert, nahm 10 Buren gefangen. Selbstverständlich darf angesichts solcher Schlappen ein Beruhigungssätzlein wie das letzte vom tapfern Oberst Mackenzie nicht fehlen. In Leicester hat am 19. d. M. eine Versammlung des Gefamtvorstandes der nationalen liberalen Vereinigung Englands stattgefunden, die von zahlreichen 2elegierten besucht war. Vom Vollzugsausschuß wurde ein Beschlußantrag eingebracht, worin bezüglich des Krieges die Politik der Regierung, welche bedingungslose Uebergabe der Buren fordert, verurteilt wird. Ferner wird in dem Bescblußantrag erklärt, für die zukünftige Zufriedenheit und Sicherheit Südaftikas sei ein regelrechter Friede notwendig, der regelrechte Ordnung der Tinge zur Grundlage habe. Ter kräftige Anstoß, den Lord Rosebery zur dieser allein richtig erscheinenden Politik gab, wird tm Beschlußantrage willkommen geheißen und alle liberalen Mitglieder des Parlaments werden aufgefordert, Sir Henry Campbell Bannerman bei seinem Eintreten für diese Politik im Parlament zu unterstützen. Der Beschlußantrag wurde mit großer Begeisterung angenommen. Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 20. Februar 1902. Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Dr. Gaffky, Hanau, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Heyligen- staedt, Huhn, Jann, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Orbig, Petri, Pirr, Dr. Schäfer, Schiele, Schmall und Wallenfels. Entschuldigt: Die Stadtverordneten Flett, Dr. Fuhr, Dr. Gutfleisch und Loos. Bürgermeister Mecum bringt ein Schreiben des Präsidenten des hessischen Landwirtschaftsrats, Ha as, zur Kenntnis der Versammlung, in dem derselbe seinen Dank für den zu Ehren der Teilnehmer an dem Vortragskurse für Landwirte veranstalteten Kommers ausdrückt. — Eine weitere Mitteilung betrifft die Feier des 38. Stiftungsfestes des Bauer'schcn Gesangvereins am 9. März d. I., zu der die Stadtoerordneten-Versammlung eingeladen wird. In der vorigen Sitzung hatte Stadtv. Hanau mit Bezug auf die Versteigerung des Müller'schen Wiesengeländes in den Gänsäckern erklärt, daß ein Mitglied des Stadtvorstandes mitgeboten habe unter der Angabe, er kaufe das Gelände für die Stadt. Stadtv. Hanau nannte auf Befragen den Stadtv. Löber. Bürgermeister Mecum erklärte damals, daß er wohl jemand mit dem Ankauf der Wiese beauftragt habe, aber nicht den Stadtv. Löber. Stadtv. Löber stellte hierauf in Abrede, eine derartige Aeußerung gethan zu haben, worauf Stadtv. Hanau den Nechtsbeistand der Müllers Erben, Ernst Jughardt in Dortmund, als denjenigen bezeichnete, der die Aeußerung Löbers bestätigt habe. — Stadt. Löber erklärte hierauf, wenn Jughardt dies gesagt habe, habe er gelogen; er (Löber) habe die Wiesen gekauft, um sie der Stadt zur Verfügung zu stellen und werde sie, als Bürgermeister Mecum erklärte, der Preis sei zu hoch, für sich behalten. In der heutigen Sitzung kam die Sache nochmals zur Sprache. Bürgermeister Mecum, der vorher die Erklärung abgab, daß er die Nichtanwesenheit Löbers bedauere (derselbe war nach Mitteilung des Stadtv. Helfrich infolge Teilnahme an einer Beerdigung verhindert) erläutert nochmals kurz den Sachverhalt und bringt dann em an Ernst Jughard gerichtetes Schreiben Löbers zur Kenntnis der Versammlung, das die Mitteilung enthält, daß die „Dispositions-Kommission" anders beschlossen habe, die Stadt also das Gelände nicht kaufen werde. J" einem Schreiben Jughards an den Bürgermeister wird mitgeteilt, daß Stadtv. Löber ihm gegenüber erklärt habe, er kaufe die Wiese für die Stadt; er könne deshalb nicht begreifen, daß Löber gesagt, er (Jughardt) habe gelogen, er weise diese Unterstellung entschieden zurück und bitte, der Versammlung Kenntnis von dem Schreiben zu geben. Stadtv. Krumm bringt hierauf zur Sprache, daß bei den letzten Deputationswahlen der Stadtv. Huhn nicht in die Baudeputation gewählt wurde, weil er Architekt sei; er könne nur mitteilen, daß man in anderen Städten daran Anstoß nicht nehme, die Ausschließung des Herrn Huhn habe in der Stadt Beftemden erregt. Bürgermeister Mecum teilt mit, daß er darauf zurückkommen werde und bemerkt weiter, daß Stadtv. Löber ihm vor etwa 2 Monaten mitgeteilt habe, daß ein ehemals dem Oekonomen Heß gehöriger Acker am Rodberg, den jedenfalls die Stadt für die Anlage eines Nordbahnhofs brauchen könne, gekauft worden sei und zwar der Quadratmeter zu 30 Pfg. Löber habe dabei angegeben, er habe keine Ahnung davon gehabt, daß der Acker verkäuflich sei, er hätte sonst den Bürgermeister darauf aufmerksam gemacht. Es sei aber festgestellt, daß der Vorbesitzer Heß Herrn Löber den Acker vorher angeboten und denselben zwecks Verhandlungen sogar in seiner Wohnung aufgesucht habe. Herr Löber habe für den Acker 2000 Mk. geboten, den Zuschlag aber nicht erhalten. Vielmehr habe Herr Heß den Acker bald darauf an Herrn Friedr. Cost für 2200 Mk. verkauft. Herr Löber habe also die entsprechende Mitteilung dem Bürgermeister erst dann gemacht, nachdem es ihm nicht gelungen war, den Acker für sich selbst zu erwerben. Herrn Löber scheine aber an dem Besitz des Ackers sehr viel gelegen zu sein, denn sein Schwiegersohn Möser habe für denselben vor kurzem Herrn Cost 1 Mk. für den Quadratmeter, also für daS Grundstück, das vor 2 Monaten für 2200 Mk. verkauft sei, über 7000 Mk. bieten lassen. Solche maßlosen Bodenspekulationen seien mit dem Amt eines Stadtverordneten nicht vereinbar, und da gerade die Leute, die am Bahnhof—Nord das größte Interesse haben und am meisten danach schreien, die Bodenpreise daselbst in unerhörter Weise in die Höhe treiben, werde es äußerst schwer werden, aus öffentlichen Mitteln auch nur einen Pfennig zu diesem Bahnhof zu bewilligen; denn dadurch würde nur der Bodenwucher zu Gunsten einzelner durch öffentliche Mittel gefördert werden. Er hoffe, daß sich Stadtv. Löber bald rechtfertigen könne. Zu der Bemerkung des Stadtv. Krumm über die Nichtzuziehung deS Stadtv. Huhn in die Baudeputation, bemerkte Bürgermeister Mecum, daß seiner Ansicht nach Architekten, die sich mit Bauspekulation befassen, nicht Mitglieder der Baudeputation sein könnten. Er habe unter möglichster Schonung des Herrn Huhn in der betreffenden nichtöffentlichen Sitzung nur als Gerücht erwähnt, was wirklich Thatsache sei. Stadtv. Huhn habe ihm mitgeteilt, daß das Dern'sche Gelände zwischen Frankfurterstraße und Eisenbahn verkäuflich sei. Gleich darauf sei auch ein Agent zu ihm gekommen und habe ihm mitgeteilt, der Teil des Dern'schen Geländes, auf dem die Wohngebäude, Kalkofen usw. stehen, sei verkauft, dagegen sei daS Ackerland noch verkäuflich, und die Stadt habe wohl Interesse an dem Erwerb desselben. Er habe darauf den Agenten mit einleitenden Verhandlungen beauftragt. Letzterer habe aber einige Tage später mitgeteilt, daß der Besitzer von seiner hohen Forderung nichts ablasse, derselbe besitze einen Parzellierungsplan über das Grundstück mit eingetragenen Hausgrundriffen und eine Wertberechnung dazu, letztere mit der Unterschrift des Stadtverordneten Ludwig Huhn. Es sei wohl anzunehmen, daß diese Berechnung schon vor längerer Zeit angefertigt sei; dieselbe sei jedoch ein Beweis dafür, daß Herr Huhn nicht in die Baudeputation hineingehöre. Er habe in der geheimen Sitzung am 16. Januar, wo er Vorstehendes nur als Gerücht erwähnt habe, auf Aufforderung des Herrn Huhn, der dies Gerücht als unwahr bezeichnete, wiederholt erklärt, er sei bereit, Herrn Huhn seinen Gewährsmann zu nennen. Unmittelbar nach dieser Sitzung und nochmals am 17. Januar habe er Herrn Huhn wiederholt gefragt, ob er ihm nun den Gewährsmann nennen solle. Herr Huhn habe aber immer wieder erklärt, er wolle den Namen nicht wissen, denn es sei möglich, daß er die Wertberechnung aufgestellt habe. — Stadtv. Jughardt stellt in Abrede, daß der Ausschluß Huhns in der Stadt mißbilligt worden sei. — Stadtv. Huhn erklärt, sich nicht erinnern zu können, eine derartige Berechnung gemacht zu haben, wenn es geschehen sei, so sei dies von einem Gehülfen nach einem von Geometer Wißner gefertigten Plun und jedenfalls schon vor sehr langer Zeit ausgeführt worden. — Bürgermeister Mecum bemerkt, daß Herr Huhn nach der Aussage desselben Agenten dein Besitzer des Grundstücks auch vom Verkauf abgeraten, da das Gelände noch im Werthe steige. Geometer Wißner könne weder die Parzellierung noch die Wertberechnung gemacht haben. — Beigeordn. Wolff stellt fest, daß Herr Huhn in der fraglichen Sitzung der Stadtverordneten ausdrücklich erklärt habe, einen Plan oder eine Wertberechnung für das ragliche Gelände nicht gefertigt zu haben, dagegen habe er noch an demselben Abend gleich nach der Sitzung die Möglichkeit zugegeben. Dies sei höchst bedenklich. Stadtverordn. Schmall bemerkt, daß, solange nicht feststehe, daß Huhn die Unterschrift gegeben, als er schon Stadtverordneter war, seine Handlungsweise nicht verurteilt werden könne. — Stadtv. Huhn betont wiederholt, daß er sich auf Einzelheiten nicht mehr besinnen könne, die Sache aber untersuchen wolle. — Stadtv. Kirch erklärt, Herr Krumm habe Herrn Huhn keinen Gefallen gethan, als er die Sache anschnitt; die Majorität habe sich gegen die Wahl Huhns in die Baudeputation erklärt, womit man sich hätte bescheiden sollen. — Stadtv. Dr. Gaffky bemerkt, daß es im Interesse aller Stadtverordneten liege, daß die Sache aufgeklärt werde; Herr Huhn habe die Pflicht gehabt, sofort nach der Sitzung am 16. Jan. die nötigen Schritte zur Aufklärung zu thun. Er habe dies leider unterlassen, aber er sei seinen Kollegen eine entsprechende Erklärung schuldig. — Stadtv. Schmall: Gegen Herrn Huhn liege nur em Indizienbeweis vor, es sei nicht möglich, daß man sich immer an frühere Vorgänge erinnere. Unterdessen ist Stadtv. Löber erschienen. Auf das, was Bürgermstr. Mecum nunmehr wiederholte, erklärte Stadtv. Löber, es sei eine Lüge, daß sein Schwiegersohn Möser ein Gebot auf das Heß'sche Grundstück gemacht; er habe alles Gelände, das er bisher erworben, mit dem Vorsatz gekauft, es der Stadt zur Verfügung zu stellen, er werde in Zukunft nichts mehr kaufen. Er bezeichnet mit Bezug auf die Wiese am Gänsacker es als Unwahrheit, gesagt zu haben, er kaufe sie für die Stadt. Auch von dem Verkauf des Geländes von Dem an feinen Verwandten Kitz habe er erst nach Abschluß des Kaufvertrages Kenntnis erhalten. Nachdem Bürgermeister Mecum erklärt hatte, daß er von zwei glaubwürdigen Z^ug^n, darunter von Cost selbst, gehört habe, daß Herr Möser das angeführte Gebot auf das früher Heß'sche Gelände gemacht habe, giedt Herr Löber die Möglichkeit dieser Thatsache zu, jedoch wisse er nichts davon und verspricht Aufklärung. Damit wird der Gegenstand verlassen. Die zu dem Entwurf des Fahrplans der Bieberthalbahn aus der Mitte der Versammlung geäußerten, den Verkehrsinteressen der Stadt mehr entsprechenden Abänderungsvorschläge sollen der Bahnverwaltung unterbreitet werden. Das Gesuch der Gebrüder Zutt um Bauerlaubnis für die Steinstraße wird befürwortet. Mit der von der Baudeputation beantragten Entschädigung für das von Jacob Stein an die Stadt abzutretende Straßengelände in der Stephansmark im Betrage von 12 000 Mk. erklärt sich die Versammlung einverstanden, desgleichen mit der Vergebung der Reinigungsarbeiten an den städtischen Flutgräben an die Unternehmer Simon in Gießen und Balser und Schmidt in Rödgen. Bei Vergebung der Cementrohrlieferung anläßlich der Verbreiterung der Ro dHeimer st raße ist der Firma H. Sack in Heuchelheim als Mindestfordernden der Zuschlag erteilt worden; dies hat der Firma I. Dern u. Co. hier Veranlassung gegeben, sich beschwerdeführend an die Versammlung zu wenden, indem sie geltend macht, daß die Gießener Mitbewerber im Hinblick auf die von ihnen zu entrichtenden höheren Abgaben, sowie in ihrer Eigenschaft als Abnehmer von Elektrizität rc. den Vorzug verdient hätten. Die Firma bittet, daß in Zukunft, wenn bei Submissionen eine auswärtige Firma eine etwas billigere Offerte gemacht, es den hiesigen Firmen gestattet werde, ihr Angebot entsprechend der Offerte des auswärtigen herabzusetzen. Es wird nach Vorlage des Stadtbauamts-Berichts beschlossen, über das Gesuch zur Tagesordnung überzugehen. Schluß folgt. cÄiis Stadl und Land. (Ter Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 21. Februar 1902. LU. Von der Universität. Der Lektor der englischen Sprache Shawcroß scheidet mit Ablauf dieses Semesters aus dem Verband der Hochschule aus. ** Militärdienstnachrichten. Kattrein, Hauptmann im 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 118 wurde der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt. Dr. Wende, Oberstabs- und Regimentsarzt des Jnf.-Regt. Markgraf Ludwig Wilhelm Nr. 111 wurde zum Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm Nr. 116 versetzt. Zum Oberarzt befördert wurde der Assistenzarzt Dr. Achert in Friedberg. •• Verhaftung. Ein Soldat unseres Infanterie-Regiments Nr. 116, der auf einige Tage nach Darmstadt beurlaubt war und nach Ablauf seines Urlaubs zu seinem Truppenteil nicht zurückgekehrt ist, wurde durch einen Schutzmann in Darmstadt festgenommen und an die Schloßwache abgeliefert. Butzbach. 19. Febr. An Stelle der 1901 ausgeschiedenen Kreistagsabgeordneten sind folgende Herren durch Bevollmächtigte der Gemeindevorstände gewählt worden: im 1. Wahlbezirk Mühlenbesitzer Falck zu Friedberg, im 2. Bürgermeister Wörner zu Bad-Nauheim, im 7. Bürgermeister Alles zu Nieder-Florstadt, im 9. Bürgermeister Krausgrill zu Nieder-Weisel, im 10. Bürgermeister Reuhl zu Gambach, im 11. Bürgermeister Born zu Ober-Mörlen und im 14. Heinrich Rupp el zu Kloppenheim. Friedberg, 21. Febr. Heute sind es 25 Jahre, seit der Rechner des hiesigen Mathildenstifts W. Faatz als Gehülfe an dem Stift eintrat. Seiner Begabung auf dem Gebiete des Rechnungswesens und seiner seltenen Arbeitskraft ist es mitzuverdanken, daß der Geschäftsbetrieb so überaus groß und rührig geworden ist. Darmstadt, 20. Febr. Eine Zählung der Arbeitslosen ergab 1405 gänzlich Arbeitslose, 776 mit beschränkter Arbeitszeit. Darmstadt, 21. Febr. Der Groß Herzog von Sachsen- Weimar traf (vgl. Parlaments-Ausgabe) gestern nachmittag 2 Uhr 22 Min. mittelst Extrazuges zum Besuch am Großh. Hofe hier ein. Da der Besuch der erste nach b.em am 5. Januar v. I. erfolgten Regierungsantritt des jungen Großherzogs am hiesigen Hofe einen offiziellen Charakter hatte, fand auf dem Bahnhofe großer militärischer Empfang statt. Anwesend waren der Groß Herzog, der preußische und der russische Gesandte, Staatsininister Rothe, Provinzialdirektor Frhr. v. Grancy, Polizeirat Dr. Kratz, die obersten Hofchargen, die Spitzen der Militärbehörden und Mitglieder des- Offizierkorps. Auf dem inneren Bahnsteig hatte eine unter dem Kommando des Hauptmanns Frhrn. Treusch von Buttlar-Brandenfels stehende Ehrenkompagnie des Jnf.-Regts. Nr. 115 mit der Militärkapelle, vor dem Bahnhof eine die Eskorte bildende Eskadron des Leib-Drag.- Regts. unter dem Kommando des Rittmeisters Mackensen von Astfeld Aufstellung genommen. Als der Extrazug in die Bahnhofshalle einlief, spielte die Kapelle die Begrüßungs- Hymne. Nachdem der Gast dem Salonwagen entstiegen und den Großherzog durch Händedruck begrüßt, schritten beide hohe Herren unter den Klängen der Nationalhymne die Ehrenkompagnie ab, welche darauf in Parademarsch vor den Königlichen Hoheiten defilierte und die Bahnhofshalle verließ. Der Großherzog von Weimar begrüßte sodann die ihm vorgestellten zum Empfang anwesenden Herren, worauf sich die Herrschaften in das Fürstenzimmer begaben. Nach kurzem Aufenthalte dort bestiegen sie den vor dem Fürstenpavillon bereitstehenden offenen Vierspänner, dem zwei Spitzenreiter voraus ritten, die Eskorte teilte sich in zwei Kolonnen und gab das Ehrengeleite. Vor dem Bahnhof und auf der Fahrt nach dem Residenzschloß durch die reichbeflaggte Rheinstraße wurden die Herrschaften von dem sehr zahlreich erschienenen Publikum mit Hochrufen begrüßt. Um 5 Uhr fand Galatafel im Großh. Residenzschloß zu 37 Gedecken statt, bei der die Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 115 konzertierte. Arn Abend war im Hoftheater Festvorstellung, für heute vormittag ist ein Besuch des Jagdschlosses Kranichstein in Aussicht genommen. Die Abreise ist auf 3 Uhr festgesetzt. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag Reminiscere, den 23. Februar. Gottesdienst. In der Stadtkirchc. Vormittags 9‘/t Uhr: Pfarrassislent Vogt. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdicnst. Pfarrer Dr. Grein. Nachmittags 2',, Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schloff er. Abends 6 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Beichte und heil. Abendmahl für die Markusgemeindc. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer der Gemeinde, Aliceftraße 12, erbeten. In der Johanneskirche. Vormittags 9'/2 Uhr: Pfarrer Dr. 91 a u m a n n. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeinde. Pfarrer Dr. Nauman n. Abends 6 Uhr: Pfarrer Euler. Al o n t a g, den 24. Februar, abends 8 Uhr, Bibel stunde im Konfirmandenjaale der Johanneskirche. Johanneseoangelium Kap. 15. Abschiedsreden Jesu: Weinstock und Reben; das Bleiben in Jesu Liebe. Pfarrer Dr. Naumann. Mittwoch, den 26. Februar, abends 6 Uhr, 3. Passions- andacht in der Johanneskirche. Pfarrer Dr. Naumann. 9lächstfolgenden Sonntag, den 2. März, findet Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und die Johannes- gemeinde im A b e n d g o t t e s d i e n st statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Katholische Gemeinde. Samstag den 22. Fedruar. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 23. Februar. 2. F a st e n f o n n ta g. Vormittags von 6‘, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor und in derjelben Austeilung der heil. Korn» munion. , , 8 Uhr: Die zweite heil. Meße. Militärgottesdienst mit Predigt. „ „ 9H, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 6 Uhr: Christenlehre; daraus Fasten-Andacht. Mittwoch Abend um 6 Uhr: Faslenandacht. Kunst und Wstcnschap. — Eine Episode auö dem Feldzuge in China hat im Auftrage des Kaisers Pros. Karl Röchling zu malen. Tas Bild wird den Titel führen „Germann r o the front!* Stuttgart, 20. Febr. Wie der „Staats-Anzeiger" mitteilt, wird das provisorische Theater im botanischen Garten er» baut werden. Nnmerstläls Nachrichten. — -tdolf Kußmaul begeht seinen 8 0. Geburtstag am 22. Februar in Heidelberg, wo er seinen Wohnsitz hat, seitdem er sich von seinem Lehramt in Straßburg zurückgezogen hat. Ter große Meister ärztlicher Kunst und medizinischer Wissenschaft, der vortreffliche Lehrer hat sich noch nicht ganz von seinem großen Berufe zurückziehen können, seitdem er in der Stadt sich niedergelassen, in der er studiert und als „Bergarzt" zuerst selbstständig polcklinisch praktiziert hat. Er hat noch Vielen seinen Rat und Trost gespendet, und der Wissenschaft noch Vieles hinzugefügt. Kußmaul ist 1822 in Graben bei Karlsruhe geboren, wo fein Vater Arzt war. In seinen „Jugend-Erinnerungen", die er 1899 heraus- aegeben hat, erzählt er die Geschichte seines Lebens bis zu dem Punkte, wo ihn eine schwere Krankheit zwang, den praktischen Beruf als Landarzt aufzugeben und sich der ruhigeren Wissenschaft-' liehen Thätigkeit zu roibmen. Die Morgenblätter beschäftigen 113.80 4*/i% äussere Argentiner Tendenz: fest. HAUMANNMEIF£ 1503 bj- IQ hat den Vogelkäfig 111 ■ Lu gewonnen.0709 Stöbt. Schlachthaus.! Für 50 Psg. ein Lchmeiii a. lueiui.ö iu tuiun MU Ackermanns tyreipant« Aretzputver. K. h. m o«r Drogerie Heut« uns morgen: Poit.pp LwwagerWw »Marti 8 0704 Metzgenl v. Men, I Deiche ein sicheres Henn suchen, | w Pnld sofort in jed. Höhe (ü. UülU 100 Mk. an) auf Lchuld- 1406 Prima wert zu oerfaufen. 0707 0577 Lchützcnstratze 1, Albou. Iirrfdiifiifiif5 Versammelten klatschten namentlich Drei Bataillone Burgerwehr sowie Verhütung von Unruhen in Be- Grenze spedieren. Die bei diesen Worten Beifall. Gendarmerie standen zur reitschast 87.% 8% 87,% 8% 37.% 8u/q Mexikaner . . 4% /q Chinesen . , Electric, bchuckert . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank Dresdtner Bank . . Beniner Handelsges. Oesterr. Staatobahn . Lombarden , . . Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . . Bochum . , , . , Uarpener . . . . 100.80 42.10 27.80 27.85 Reichsanleihe do. Konsole do. . . Hessen 4% Ungar. Goldrente 4L>chonnen verhängte Gemattungssperre, wonach jede Verbringung von Klaue,wteh aus der Gemarkung ohne tierärztliche Bescheinigung verbo^n war. DieleS Verbot war sowohl im Kreisblatt, wie auch m Lchonnen lelbli ottSüblich bekannt gemacht worden und Trumps leugnete seine Kenntnis desselben nicht. Er wollte ein Schwein M dem Eber in bem benachbarten Heisterbach bringen unb wahrichemlich bic Holten bei Zieratjteö sparen. Obwohl ihn der Poltzetdiencr noch ausdrücklich warnte, führte er sein Vorhaben aus, wurde aber unterwegs betroffen und zur Anzeige gebracht. Tas Schöffengericht faßte das Vorbringen des Angeklagten als einen die »Wment ich- UUe ausschlteßenden Irrtum auf und sprach nur wegen 6ahrla||lg° keil auf Grund des § 66 des Reichs-Senchengeseyes von 189o 10 Mk. Geldstrafe aus. Die Berufungsinstanz hielt das ^.hat- bestandsmettmal der Wissentlichkeit, also em.Vergehen gegen §328 des St^G.-B. für erwiesen und zog die Gemeingefahrltchkeit der -rhat strafer^ohend^iu^Betrachl.^cht^anwalt rTQX)i der Verteidiger der im Elberfelder Militärbefrelungsprozeß Verutteillen. Baumann, Hermann Hufschmied und Albert Hufschmied aus Remscheid beam tragte die Wiederaufnahme des Verfahrens auf Grund des § 399 Nr. 5 der Str.-P.-Ord. MWrif* 50 Pf,. $albfltifd| 45 jlfg. Aetos. Kopf-undKaarwassei das beste der Welt. Reinigt die Kopfhaut unb erhobt ihre Thätigkett, wittt ftärfenb auf ben Haarwuchs unb verhütet bas Ausfallen ber Haare. Tiefes Haarwasser, nach langjähriger Erfahrung hergestellt, ist als bas denkbar beste Kopfwasser erprobt unb anerkannt. 1249 Flasche 1 Matt 50 Psg. mir allein zu haben 1249 Adler-Drogerie SelterSweg 39 Otto Schaast mit Dampfbetrieb in günstig gelegener Stabt mit starker Bautätigkeit (ca. 5000 Ei,iw.) zu verkaufen. 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Beim Dorfe Asttachanka ist ein neuer vierter Vulkan thäti g.________________ Familien Nachrichten. — Gestorben. Karl Big elius, Pfarrer zu Holzhaufen vor der Höhe. Todes-Anzeige 1510 Giessen, den 20. Februar 1902. Die Beerdigung findet Samstag den 22. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Bahnhofstrasse 8, aus statt. Danksagung des Gieß. Anzeigers. 1512 Gießen, den 21. Februar 1902. 1511 Coursbericht von Conrad Bietz, Bankgeschäft, Gießen, JohanneMraKe 1 (Offene Stellen Zu vermieten i» Stelleiilßelndje IHictiuliuljc Ein gebildetes Fräulein aus Mer Familie wird zur Stütze )er Hausfrau in kleinen besseren Haushalt gesucht. Dieselbe muß in der einfachen wie in der feineren Küche gut bewandert sein, sowie nähen und bügeln können. Offerten mit Zeugnisabschriften an die Exp. d. Bl. unt. 1465 erb. 1397] Gratis erh. Stadt- unb Landmäüch. jed. Art gut bez. Stell. Reelle Bedien. Geschäft best. seit 1876 zu Frankfurt a. M. Neue Zeil 30. Frau Leibach. 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Badische v. 86 . 102.10 91.60 101.75 91.40 102.35 92.20 102— 92.05 4 3 4 4* 5 4 A 4 Ung. Goldreute Ung. Aul. . . do. Staatsrente do. E. B. Gold v. 89 . . . Arg. hm. Aul. do. äuß. v. 88 . Aeuß. v. 1897 . ZO.ZU 101.25 87— 97.90 101.70 72*10 66.50 101.15 86— 97.95 101.40 71*60 65.50 47. 4 37» 37, 4 Eisend, prtorit. Deutsche. Homburger „ . Pfälzische . . Pfälzische . . Südd. Eisenb. . Braunschweig. LdS^E.-B.II.E 103L( 99— 95— 102. 99— 94.90 102. 3V 37, 4 4 37, 4 4 37» 4 37, 37» 37, 4 4 4 47, do. Ser. 28, 30, 33 ... . do. Ser. 29 . Ldw. Cred.-Bk. Hambg. Hypbk. Ser. 141—250 do. 46—190 . Meiniug. Hyp. do. neue . . . do. unk. 1907 . Preuß. Hypbk. . do. 1905 . . Rhein. Hypbk. unk. 1904 . Westdtsch. Boden- credit in Cölu Ung. LdS.-Ctr.. Diverse. Buderus . . Eisenb. Rtbk. . Hirzh. u. Lollar Vauk-Mien. Dtsch. Reichsbk. Berliner Hand. Darmstädt. Bk. Deutsche Bk. . Dtsch. Geuossbk. Disct.-Comm. . Dresdner . . Franks. Bank . D.Eff.u.Wechs.- Bank . . . Pfälzische Bank Schaffhsr. „ Bank für Süddeutschland . Mitteldlsch. Nationalbk. Oest. Cred.-Akt. Wien. Bankver. 95.5( 95.5C 96— 99.55 95.26 100.50 101.50 95.10 87*20 96.70 95.50 95.20 96.20 97— 98— 156.95 153.20 137.40 211.70 105.50 195.80 138.50 189— 107.20 119.75 124.40 102.60 111.90 109.30 220.90 120.201 95.50 95.50 96— 99.80 94.90 100— 101.50 95.25 86*30 97— 95.70 95— 96.50 97L0 98.50 154— 153.75 139.40 210.95 105.50 195.30 137.80 190.40 106— 117.80 124— 107— 111.70 110.60 219.40 Industrie-Aktien Kleyer Fahrrad Henninger Brauerei . . Farbw. Höchst . Zementfabrik Karlstadt . . Bad. Anil.» u. Sodafabrik . Fabrik Griesh. Chem. Fabrik Albert. . Elektr. Börse . „ Kontinent Nürnbg.. „ Lelios . o Lahmeyer „ Schuckert „ Siemens u. HalS'e Filzfabr. Fulda LöhnbergMühle Faber u. Schlei- cher . . . , Maschf. Gritzner Schnellpreffen Frankenthal . Schuhfabrik Otto Herz u. Co. . Siemens Glas Nordd. Lloyd Concordia Berg. werk Dortmund.Union Eschwlr. Berg- werk . . DonnerSmark- * Hütte . 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C. 105.30 100.40 105.80 99.85 89.75 100.40 99.80 39.10 45.40 101.10 10&30 101.40 83.25 101— 41.65 27.50 97.25 85.45 101.10 96 JO 104— 101— 6820 102.50 105.35 100.50 105.40 100L0 90L0 99B0 100— 39.50 10L70 65.10 102.90 101.75 83.— 101.— 42.30 27.80 97.40 85.70 100.70 IM.- 101— 67.50 28— 5 6 6K 4A 3A 3 5 5 3 3A 3A 4 3A 4 4 3A 3M 3M 4 4 4 4 4 4 4 4 47, 4 37, 87, 31, Chinesische Anl. Chinesen. . . w ... „ v. 1898 Egypt. Priv. . „ garant.. Mexico v. 99 . do. Ser. I-IV.. do. Sllber . . §tädte-Gblig. Gießener (alte). do. v. 96 . . Mainzer. . . do..... Offenbacher. . Wormser . . do..... Frankfurt a. M. Darmstadt . . Mannheimer . Münchener . . Nürnberger. . Pforzheim . . Wiesbaden . . Babenhausen . Liffaboner . . Rom 11-vm . Bucnos-AireS . Standerhrl. Anl. S.-Braunf.. . do..... do. Lich . . Aseab.-Bierst. . 100— 104.90 91.50 103.60 100— 99.20 41.60 26.95 —.— 102*40 103.30 97.80 97*75 10&80 104— 74*50 100.95 99.60 96^90 99L5 104.90 102.30 91— 103.80 100— 99— 41.50 26.90 103*20 103— 98.65 97L0 103*80 103.90 102.90 74*60 100.80 96*90 37» 4 4 4 4 3 4 3 3 3 3 3 8 4 8 3 4 5 4 4 4 4 5 3 4 37» 37» 4 4 do. I. E. . . Allg.dtsch.Kleinb. Ausländische. Elisab.-B. strfr. Kaschau-Oderbg. v. 91 . . . Lombarden. . do..... Oest. StaatSb.. do. i—vm . do. v. 85 . . do. Erg.-Netz . Prag-Dux 96 . Raab-Oedenbg. (alte) . . . do. v. 97 . . Rudolf Gold . Jtal. gar. E. B. Livorneser . . Sizil. v. 91 . ToScanicr . . Ruff. Südost . do. Südwest Rjäsan-Uralsk. Wladikawkas Anatolier . . Salou.-Mon. . Pfandbriefe. Franks. Hypotbk. XIV .. . do. XII-XIII . do. XV . . Frkft. Hypoth.. Creditverein . do. Ser. 27 . 94.50 60.30 102.05 94— 102*05 94— 90.40 93.20 85.10 79.90 72.50 101.95 65— 65.85 101.60 102.80 98.90 98*80 99.20 102L0 6015 101.20 96.25 96.30 100.- - 100.30 *95*20 59— 101.70 93^85 102*20 93.70 93— 84.25 80.50 72.50 64*60 65L5 101.80 102.50 99.20 100.20 99L0 101*90 60.70 101L0 96L0 96.30 100 — 100.60 382— 214.90 167.60 110— 40— 120— 124— 147.70 101.50 70— 130— 165.25 173— 129.10 236.90 113.25 285— 57.50 203.90 194.50 120.10 333— 142— 219.50 144.80 207— 336— 199.10 188.80 383— 217.50 165.50 110— 65— 39.40 118*20 122.90 147.30 102— 70— 131— 165.55 178— 130— 243— 113.30 278— 58.30 204.50 194.25 130— 328.50 151.25 219— 145.25 207.10 325— 201.90 170.10 4 4 5 k- 4 5 3 2‘/, 3 bahn . . . Oesterr. Südbahn Golthardtbahn. Jura Simplon Princ Henry . Northern Pac. Transvaal . Lose in Prozenten. Bad. Thlr. 100 Bayer. Thlr. 100 Donau-Regul. . Cöln-Mindener Madrider . . Mein. Thlr. 100 Oesterr v. 1860 Oldenb.Thlr.100 Raab-Grazer . Türk. Frs. 400 pr. Stück i. Mk. Ansbacher fl. 7 Augsburg, fl. 7. Brschw.Thlr.20 Freiburg. FrS. 10 Mailand. Frs. 10 Meimnger fl. 7 Pappeuh. fi. 7 Venediger L. 30 147.60 20.70 169.60 95*40 145.80 165.90 141.— 136.80 131*60 152.70 130— 108.20 115— 65— 30.30 130— 31.50 30*90 32.50 28.90 145.50 20.10 168— 96— 146.80 164— 140.25 137.70 46— 132.75 151.50 129.90 108— 114.- 63.60 31— 129.30 32— 17.60 31.20 33.60 28.90