Nr. 299 Grscheiui täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Univers.-Buch- u. Sleii»- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger «letzen. Fernsprcchanschluß Nr. 51. Drittes Blatt. 152t Jahrgang Samstag 20. Dezember 19058 GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 7bPs., viertele jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bt8 vormittags 10 U^. ZeilenpreiS: lokal ILPf* auswärts 20 Psg. Verantwortlich für den polit. u. allgem. Teil i.V.:Fr.Hannemann; für,Stadt u. Land' und .Gerichtssaal': Curt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Die Genofferrschafts-Versarumlrrrrg der lattb- und forftwirtschaftl. Bernfsgenoffeuschaft für das Großherzogtum Hefte« fand am 16. Dezember in Darmstadt im Bahnhofshotel statt. Tie Versammlung war aus allen Provinzen deS Landes gut besucht, einige wenige Mitglieder fehlten entschuldigt. Da die Bewirtschafter landwirtschaftlicher Grundstücke rmt jedem Jahre stärker herangezogen wurden zu den Beiträgen zu dieser Unfallversicherung der landwirtschaftlichen Betriebsleiter und ihrer Arbeiter und da jene die Beiträge allein zu leisten haben, so wächst auch das Interesse der Bewirtschafter land- und fvrtstwirtschaftlich benutzter Grundstücke an der vostspieligen, aber segensreich wirkenden Einrichtung immer mehr. Mit Rücksicht hierauf folgt der nachstehende Bericht, der nicht vollständig ist, aber alle Punkte berücksichtigt, die das besondere Interesse der Genossenschaften in Anspruch nehmen müssen. Auf der Tagesordnung stand zunächst Vorlage der Rechnung für 1901. Als Einnahme ist ein Betrag von rund 122000 Mk., der als Kassenvorrat aus einem ins andere Jahr regelmäßig vorhanoen ist, um die laufenden Ausgaben besonders an die Rentenempfänger zu decken, die nicht warten können, bis die erhobenen Unilagen die Kassen wieder füllen. Die Umlage für 1901 betrug in runder Zahl, die im weiteren Bericht immer gelten soll, 626,500 Mk., dazu kommen Kapitalzinsen aus dem Reservefonds und aus dem verzinslich angelegten Kassenvorrat mit rund 45 000 Mk., zusammen eine Einnahme von rund 890000 Mk. Bon diesen Einnahmen wurden an Beschädigte aus- b^ahlt wegen Erwerbsunfähigkeit, wegen Todesfällen (Witwen, Kinder, Ascendenten), Unterbringung im Krankenhause 505 000 Mk. Zwischen dieser Entschädigung an Beschädigte rc. und den Gesamteinnahmen liegt eine Differenz von 285 000 Mk. Diese Summe hat man nicht selten leichthin von denen, die die ganze Einrichtung ungünstig beurteilten, „Verwal- tungskosten" genannt und gesagt, die Einrichtung tauge nichts, da diese sogen. lVerwaltungskosten mehr als die Hälfte der wirklich hinausgezahlten Entschädigungen betrügen. Im folgenden soll ziemlich ausführlich, genügend zum allgemeinen Verständnis, dargethan werden, aus welchen Ausgaben sich die Summe von 285 000 Mk. zusammensetzt, die man unrichtigerweise Verwaltungskosten nennt. — Es kommen da in den Ausgaben nach der eigentlichen Entschädigungssumme von 505000 Mk, die Kasten der Unfalluntersuchungen und Feststellung der Entschädigung an: a. Reisekosten und Tagegeldern der Vertrauensmänner 5 400.— Mk. b. Reisekosten der Verletzten ß 300.— „ e. Honorar der Aerzte ..... 19 200.— „ d. Kosten der Rentenreoisionen . . . 2 200.— „ e. Verschiedenes ........ .60.— „ 33 180.— Mk. Schiedsgerichtskosten 14100.— Mk. Kosten de« LandeSversicherungS- a m t e S (letzte Instanz)........ 100.— , Unfallverhütungskosten: Kosten der Fürsorge innerhalb der ersten 13 Wochen nach dem Unfall ... 8100.— , Verwaltungskosten: Reisekosten und Tagegelder der Mitglieder des Genossenschafts- Vorstandes und der Ausschüsse 700 Mk. Zu übertragen 700 Mk. 50 480.— Mk. Ueb ertrag Reisekosten und Tagegelder der Delegierten zur Genossenschafts- Versammlung ...... deSgl. für Beamte Geyälter und Remunerationen der Beamten und Bediensteten, Vergütung für Dchreibhilfe . Entschädigung für die Fortführung der Kataster, Aufstellung der Heberollen, Ausschlag und Steuerzettel . . . Verschiedenes 700 Mk. 400 , 800 , 19 000 , 10 500 „ 400„ Lokalmiete, Heizung, Beleuchtung, Reinigung, Schreibmaterialien, Drucksachen rc., Instand- halren des Inventars Portokosten, Botenlöhne, Telegramme . . Zinsen und sonstiger Vermaltungsauf- wand (hierin stecken 3 Proz. Hebegebühren für die Gemeindeempfänger, die die Umlage pro 1901 im Betrage oon 626 500 Mk. zu erheben hatten).......... 50480— Mk. 31 800.- Mk. 2100.— , 3 800.— w 5 900.— , 20100.- „ Verwaltungskosten zusammen 63 200.— „ Auszulethende Kapitalien zur Ansammlung eines Reservefonds . 148 900.— , Die Ausgaben setzen sich also zusammen aus rund für Entschädigungen an Verletzte :c. . . 505 000.— Mk. Unfalluntersuchungen und Festsetzungen der Entschädigungen, Honorare an Aerzte rc............ 33180.— „ Schiedsgerichtskosten und Landesversiche- runqsamt . . . . 14 200.— u Unfastvcrhütungskosten 3100.— „ Verwaltungskosten, für die einzelnen Positionen........ 63 200.— „ In den Reservefonds wurden abgeführt (derselbe mnß die doppelte Hohe der Gcsamt- anlage erreichen und hat sie in diesem Jahre erreicht)....... . . 148 900.— „ Die wirklichen Ausgaben betragen .... 768 496.65 Mk. Die Hauptfumme aller Einnahmen beträgt ‘ 890 988.67 Mk. Die Ausgaben ; . . . . 768 496.65 „ mithin bleibt Kassenrest 122 492.02 Mk. Aus dieser Zusammenstellung kann sich der Beteiligte ein Bild machen, wo das viele Geld, das alljährlich für die land- und fortstwirtschaftliche Unfallberufsgenossenschaft erhoben wird, bleibt. An der Hand des Jahresberichtes soll nun weiter der ganze Berwaltungsapparat in seinen wichtigsten Teilen gezeigt und so der Interessent in die Lage gebracht werden, die Verhältnisse zu prüfen. Kommt er dadurch in die Lage, dem Vorstände gute Ratschläge zu geben, so werden diese sehr willkommen. sein und auf ihre Durchführbarkeit geprüft werden. Es tonnen zweifellos Ersparnisse gemacht werden, so wird man bei oberftächlicher Prüfung nichts sagen tonnen. Wenn nur die Sparsamkeit nicht gerade bei dieser Organisation so leicht und so folgenschwer sich rächte und sich so in das Gegenteil verkehrte! Unter den Mitteilungen des Verwaltungsberichtes interessiert zunächst, daß die frühere Bestimmung, nach, welcher Familienangebörige unter 14 Jahren, welche im Betriebe des Familienhauptes beschäftigt werden, von der Versicherung ausgeschlossen waren, in Wegfall kommt. Es sin>d sonach jetzt alle im Betriebe des Familienhauptes' beschäftigten Familienangehörigen ohne Rücksicht auf das Lebensalter gegen Betriebsunfälle versichert, also auch schulpflichtige Kinder. — Land- und forstliche Nebenbetriebe sind nach dem Genossenschastsstatut, welches am 1. Jan. 1902 in Kraft getreten ist, nunmehr bei der kand- und forstwirtschaftliches Berufsgenossenschaft zu versichern. Als solch« Nebenbetriebe sind anzusehen: Unternehmungen, welche der Unternehmer eines land- und forstwirtschaftlichen Betriebs neben seiner Landwirtschaft, aber in wirtschaftlicher Ab- hängigteit von derselben betreibt, insbesondere solche, welche ausschließliche oder vorzugsweise bestimmt sind: 1. Zur weiteren Bearbeitung oder Verarbeitung von Erzeugnissen der Land- und Forstwirtschaft des Unternehmers, 2. oder zur Befriedigung von Bedürfnissen seiner Land- und Forstwirtschaft, 3. oder zur Gewinnung oder Verarbeitung von Boden* bestandteilen seines Grundstückes. Hierbei kommen namentlich folgende Betriebe in Betracht : Lohnfuhrwerksbetriebe, Steinbrüche unb Gräbereien- Torsgewinnungsbetriebe, Ziegeleien, Oel- und Mahlmühlen, Schneidmühlen und Holzbearbeitungsbetriebe, Betriebe der Nahrungsmittelindustrie, Brauereien, Brennereien und' Kellereien, ferner Tampfdreschmasckinenbetriebe (genossenschaftliche und private) — wenn die Benutzung der Maschine im eigenen landwirtschaftlichen Betriebe, den Lohndrusch! nach der Zahl der Benutzungsstunden übersteigt —, sowie Feldbahnbetriebe ic., bie im Anschluß an größere Guts- wirtschasten jedoch nicht ausschließlich für die Landwirtschaft betrieben werden. — Nach § 29 dieses Statuts sind für land- und forstwirtschaftliche Nebenbetriebe von den Unternehmern zur Deckung der Unfallgefcchr Zuschläge zu den Beiträgen zu entrichten. Zum Zwecke der Berechnung der Zuschläge haben die Betriebsunterneh'mer die Nebenbetriebe unter Angabe der Zahl der in denselben geleisteten Arbeite-' tage (einschließlich derjenigen des Betriebsu.nternehmers mtb seiner Familienangehörigen) binnen zwei Wochen nach ihrer Eröffnung beim Genossenschaftsvorstand anzumelden. Ta diese Anmeldung nur in ganz vereinzelten Fällen erfolgt ist, so fiat sich der Genossenschaftsvorstand veranlaßt gesehen, die Nebenbetriebe, so weit als möglich, von Amtswegen zu ermitteln. Einem lang ersehnten Bedürfnis ist durch das neue- Statut achgchol'fen: Die durch Landesgesetz auf alle Betrieb sunternehm er airsgedehnte Versicherung umfaßt auch die mit ihrer Land- und Forstwirtschaft in Zusammenhang stehenden hauswirtschaftlichen Verrichtungen, falls die Unternehmer hauptsächlich in ihrer Land- und Forstwirtschaft beschäftigt ftnd. Tie Versicherung erstreckt sich in demselben Umfange auch auf die Ehesrauen der Unternehmer. — Ein Berpflegungs- heim, welches im Anschluß an das mechano-therapeutische Institut des Dr. Soffen errichtet wurde, ist fertig gestellt und seiner Bestimmung übergeben. Mit Rücksicht darauf, daß die Anstalt in erster Linie der sozialen Fürsorge für Unfallverletzte gewidmet ist, haben Se. Kgl. Hoheit der Groß- Herzog zu genehmigen geruht, daß dieselbe den Namnr „Emst-Ludwigs-Heilanstalt" führt. Tie Land- und forstwirtschaftliche UnfallberufSgeno-ffenschast nimmt sich des durch einen Unfall Betroffenen nicht erst nach Ablauf von 13 Wochen an — während dieser ersten 13 Wochen nach dem Unfall fällt dem Gesetz die Fürsorge für den Betroffenen allein der Krankenkasse zur Last —, sondern sie überwerst unter Aufwendung besonderer Mittel den Unfallverletzten: der Behandlung von Spezialärzten und erreicht damit eine gründlichere und raschere Heilung der Verletzten, sodaß nicht selten der Betroffene nach Ablauf der 13 Wochen als vollständig geheilt entlassen werden kann. Diese scheinbar über-, eifrige kostspielige Fürsorge der Berufsgenossenschaft führt Maudereim aus der Kaiserstadt. (Nachdruck verboten.) Die enttäuschten Kürschner. — Pelzmoden von heute. — Neue Franentrachten. — Eine Foyer-Szene. So lahm die meisten Gewerbe in diesem frühen und streng einsetzenden Winter lagen: den Kürschnern hing der Himmel voller Geigen! Tenn ihr Geschäft ist ein anderes, wie das der Kohlenhändler, die im März und April noch ebenso flotten Absatz erzielen, wenn das Quecksilber nur immer brav unter dftrll bleibt! Ter Kürschner hat nichts von der Frühjahrskälte; ihm nützt nur der vorweihnachtliche Frost, der aber ausdauern muß bis zum ersten Festtag! Und diesmal hatte es sich so hoffnungsvoll für sie gestaltet, die schon seit einer ganzen Reche von Jahren auf einen „vernünftigen" Winter gewartet haben- bis tief in die Nacht hinein hatten sie zu schaffen und immer neue Aufträge kamen hinzu. Da wird auf einmal - zehn Tage vor Weihnachten - das geduckte Quecksilber wieder übermütig und klettert und klettert, daß den armen Pelzhändlern das Herz immer tiefer sinkt! So manch fesche Berlinerin, die schon heftig mit einem Chinchillakragen für 150 Mark geliebäugelt und den zähen Gatten durch das Feuer ihrer Beredsamkeit bemahc mürbe gemacht hatte, entscheidet sich nach diesem Wetterumschlag nun doch noch für die Sezesstons-serden-Robe, die fte bei Herzog oder Michels gesehn! Tie Pelzmode ist übrigens wieder auf dem Wege, massig zu werden. Die zierliche Boa mit dem falschen Marder- oder Fuchskopf ist vorüber; die chike Dame tragt einen Pelzschmnck um den Hals, der an die Stola der katholischen Geistlichen erinnert, nur dast er ev. noch länger und breiter erscheint. Auch der Muss fangt an, sich den Dimensionen einer Landsknechts-Trommel zu nähern, obgleich die Riesenexemplare sich nur erst vereinzelt und riemlich schüchtern hervorwagen. Das beliebteste Fell ist, abgesehen v-m Zobel und Silberfuchs, die kaum zu be- zahlen sind, Skunk, Chinchilla, Nerz, und vor allen Dingen Feh-Feh, das noch vor kurzem nur als Futterpelz Verwendung fand, ist plötzlich vornehm geworden, wie ein Flickschuster, der das große Los gewonnen hat. Und das ist so schnell gekommen, daß mancher Händler noch nicht einmal den Stammbaum des jungen Edelmannes kennt. Wenigstens habe ich erst an dritter Stelle erfahren können, daß „Feh" gleichfalls ein geborener Sibirier aus einer nun plötzlich ft eiherrlich gewordenen Seitenlinie unserer Eichkätzchen ist! Wie lange sich das perlgraue Pelzwerk auf seiner bevorzugten Position halten wird, ist freilich sehr ftaglich und Hausfrauen, die einen Pelzschmuck nicht für eine Saison, sondern ffir ein Jahrzehnt kaufen, thun gut, sich an die alten anerkannten Sorten zu halten. Eine Mode, die von den Aerzten und allen, die für gesundheitlich richtige Kleidung eintreten, mit Freuden begrüßt worden ist, das sogenannte Reformkleid", das der lungenverkrüppelnden Wespentaille ein Ende machen soll, bürgert sich nur sehr schwer und langsam ein. Wohl arrangieren die Verfechterinnen der neuen Tracht Ausstellungen mit wirklich geschmackvollen und den Beifall aller Besucher findenden Mustern; es werden auch Feste arrangiert, auf denen es, wie für uns Männer der Frackzwang, einen Reformkleid-Zwang giebt; schlanke Gestalten machen überdies den Versuch, das neue Kleid als Straßentoilette zu tragen: aber das liebe Publikum, heimlich geleitet von den Mzudicken, denen die taillenlose Linienführung sehr unvorteilhaft erscheint, sträubt sich noch immer; und spöttisches Anglotzen wechselt mit taktlosen, oft ftechen Bemerkungen, in flotter Reihenfolge ab. So wird die Promenade in dem endlich au st auch en den „Ver- nunftlittel", wie ein Humorist das Kleid getauft hat, zu einem richtigen kleinen Spießrutenlaufen durch die Berliner Spießbürgerspieße! Eine sehr fomifdie Szene erlebte ich unlängst im Foyer eines großen Berliner Theaters während der Pause. Drei ziemlich aut genährte und noch besser geschnürte Berlinerünren, die entschisden mit dem 40. Jahre schwer leberkrank werden, spazierten hinter einer schlanken Schönheit, die in einer geradezu entzückenden Reformtracht von helMauer Seide, mit Ersme-Spitzen garniert, ihren Rund gang machte. Natürlich ließen die drei ihren spitzen Zungen gehörig freien Lauf, ohne indessen ihr Opfer, das wohl in vornehmen Künstler kreisen heimisch sein mochte, irgendwie aus der Fassung zu bringen. Die drei Grazien waren über ihren negativen Erfolg offenbar sehr aufgebracht und griffen alsbald zu einer anderen Taktik. Bei einer Wendung, pflanzten sie sich alle drei vor der schönen Frau auf; musterten sie von oben bis unten und lachten dabei ungeniert laut. Ich habe nie unverschämtere Blicke gesehen. Und sie erretten denn diesmal auch ein besseres Resultat. Die Dame trat nämlich lächelnd auf das Kleeblatt zu und sagte: „Wenn Sie mich von dieser Seite genügend bewundert haben, meine Tarnen, so bin ich gern bereit, eine halbe oder ganz Wendung vorzunehmen. Sie brauchen nur zu wünschen. Es geniert mich nicht im Geringsten. Sollten Sie jedoch durch einen unglücklichen Zufall mal an die Unrechte geraten, und für Ihr übernaives Benehmen eine Reine Quittung hinter die Ohren bekommen, so denken Sie fteundlichst an diese Viertelstunde, und sagen Sie sich, daß Sie eine solche Abfertigung eigentlich schon damals reichlich verdient hatten" Und lächelnd, wie sie begonnen, machte sie eine leichte, graziöse Verbeugung vor den wirllich sprachlos gewor- denei:, wie die Päonien glühenden Klatschbasen, die sich plötzlich selbst zum Gffpött des Publikums geworden sahen, und schwebte davon. So viele Pudel ich auch schon in meinem Leben begossen habe davonschleichen sehen, so lläglich war das Bild nie, wie es die Drei abgaben, als sie auf das erlösende Glockenzeichen hin fiefi zu ihren Plätzen drängten. Aber ich glaube nicht, dan sie dauernd kuriert sind. Das Klatschsieber gehört wie der Krebs oder der Studenten- Dalles zu den unheilbaren Krankheiten! ... SL 9t, Lahtn, dass Versetzte WM Bezug einer Urrfallrente üt Hrem eigenen Interesse gar nicht kommen. Tie Zahl der in 1901 eingelaufenen Unfallaatteiaen beträgt 2040, darunter 1829 landwirtschaftliche und 211 forstwirtschaftliche. Von Unfällen wurden betroffen 857 männliche, 285 weibliche und 2 männliche Personen unter 16 Jahren. Für diese 1144 Personen wurden im Jahre 1901 erstmalige Entschädigungen festgestellt. Ueber die anderen Fälle stehen die Entscheidungen noch auS. — Veranlaßt sind die UElle durch Sprengstoffe (2), feuergefährliche oder ätzende Stoffe (2), bewegte Maschinenteile (47), Handwerkszeug, wie Hämmer, Texte, Spaten rc. (106), Zusammensturz, Einsturz, Her ab fallen von Gegenständen rc. (68), Herunterfallen von Bäumen, Böden, Leitern, Treppen, Fallen in Vertiefungen, Bassinö rc. (281), durch Fuhrwerke, Karren, Pffüge rc. (235), Auf- und Abladen, Heben, Tragen rc. (145), Stoß, Schlag, Biß durch Tiere, Unfälle beim Reiten (142), Einstige Ursuchen (116). — Tie Zahl der entschädigungsberechtigten Hinterbliebenen der Getöteten beträgt 85, nämlich 32 Witwen, 51 Kinder, 2 Ascen- denten. In den Erntemonaten Juli, August, September, Oktober steigern sich die Unfälle. Die Aufregung bei Einbringung der Ernte ist größer, die Arbeitszeit länger, bei körperlicher Erschlaffung und bei der Hast und Aufregung in der Erntezeit wird manche sonst geübte Vorsicht anscheinend außer Acht gelassen. — Wie schon oben angegeben, wurden bei Erwerbsunfähigkeit, bei Todesfällen, bei Unterbringung von Verletzten im Krankenhause im ganzen auK- gegeben 505174 Mk. Bei der Genoffenschaft sind im Jahre 1901 29914 Schri stsachen ein gelaufen, das sind dar Jahr zu 300 Arbeitstagen gerechnet pro Tag rund 100 Schriftstücke, im Jahre 1889, dem ersten Jahr der Thätigkeit der Berufsgenoffenschaft kamen auf den Geschäftstag 51/2 Schriftstücke. Tn Porto kosten mußten im Jahre 1901 ausgegeben werden rund 6000 Mk. In 1889 wurden an Unfallentschädi- aungen ausbezahlt 3981 Mk. 1890 : 24 541 Mk., 1900: 493 720 Mk. — Im Jahre 1889 wurden an Umlagen erhoben auf eine Mark Grundsteuerkapital ein Pfennig, 1901: 4,556 Pfg. — Bisher mußte alljährlich ein erheblicher Betrag zur Warnung vor Fälschung AT* *n w Pnlvevform noch mit Kakao »V vtlül gemischt, sondern Flur in Flaschen mit eingeprägtem Namen ist Hommers Haematogen echt. Ansammlung eines Reservefonds zprückgelegt werden. Ta dieser jetzt die gesetzmäßige Höbe — das Doppelte deß JahresoeoarfS, also rund ly< Million Mark, — erreicht hat, so ist der fernere Beitrag zum Reservefonds nicht mehr nötig, und die Zinsen mit rund 50000 Mk. können zu laufenden Ausgaben mit verwendet werden. Wenn wir auch noch nicht aus dem sogen. Bebarrungspunkt, d. h. da angekommen sind, wo sich die Umlagen nicht mehr steigern werden, fo wird eine wesentliche Steigerung der Umlagen nicht mehr stattfinden. Der Reservefonds ist vollständig, die Zinsen auS demselben mit 50000 Mk. können zu den laufenden Ausgaben mit verwendet werden, durch die Einrichtungen zur Verbefferung deS Heilverfahrens wird es in der Folge weniger Rentenempfänger geben. Ter Beharrungszustand, die Zeit, in der die Umlagen nicht mehr steigern können, tritt etwa ein im Jahre 1914. In dieser Zeit etwa haben die Rentenemvfänger aus den achtziger und neunziger Jahren zum erheblichen Teil wenigstens ein Alter erreicht, in dem sie nach menschlicher Voraussicht das Zeitliche segnen. In dem Maße etwa, in dem die alten Rentenempfänger sterben, kommen jüngere Rentenempfänger hinzu. EL ftndet also ein Ausgleich statt, die Ausgaben für Renten können nicht mehr steigen, die Umlagen bleiben auf gleicher Höhe, der Beharrungszustand ist eingetreten. — Bisher versah die Stelle des Vorsitzenden des Genossen - schaftsvorstandes ein Verwaltungsbeamter im Nebenamte. Hierzu hatte selbstredend die Regierung ihre Genehmigung gegeben. Ein zweiter ständiger Beamter — ein ünaerer Verwaltungsbeamter war dem Vorsitzenden erforderlichen Falles als Vertreter beigegeben. Tie immer mehr steigende Arbeitslast machte die Anstellung eines Vorsitzenden im Hauptamte erforderlich Ter bisherige Vorsitzende Herr Re- gierungsrat Rach scheidet mit Pension aus dem Staat», dienste aus und übernimmt die Stellung eines Vorsitzenden des GenossenschaftsvvrstandeS nunmehr im Hauptamte Tie Genoffenschaftsversammlung beschloß einstimmig in diesem Sinne und genehmigte die notwendigen und verhältnismäßia unbedeutenden Mittel über den bisherigen Bedarf hinauf — Weiter beschloß die Genossenschaftsversammlung, sich ständige Geschäftsräume zu sichern durch Ankauf eines Hauses in Darmstadt. Die Zeitverhältnisse sind einem solchen Bestreben eben günstig, der Betrag von 60—90000 Mark kann dem Reservefonds entnommen werden, der zum erheblichen Teil nur zlu 3 pCt. angelegt ist. So erscheint da» zum Hauskaufe notwendige Geld mich gut angelegt, abgesehen davon, daß das Mieten von Geschäftsräumen auf Die Tauer teuer und nicht immer durchführbar ist. Vorstand der Genoffenschaftsversammlung und je ein gewähltes Mitglied aus den drei Provinzen de? Lande- ftnb bevollmächtigt, wenn sich Gelegenheit bietet, ein Hau- ai kaufen. Tie Mitglieder der Genossenschaftsversammlung schienen von dem Bericht und von dem für 1903 vorgeleaten anschlag durchaus befriedigt und zu besonderen Beanstandungen gaben die Vorlagen und Berichte keine Veranlassung. Frankfurt a. M. Kötel Imperial. Am Opernplatz. Zimmer von Mk. 3,50 an. J. C. Schweimler, Hoflieferant 8376 maggi’5 Suppenwürfel geben in wenigen Minuten gute, nahrhafte Suppen. (30 Sorten.) Rnr mit Master herznstellen. 2 Portionen A. P. Chrlstopliersen plowch 12 Prompte und billigste Bedienung. Jngenieurbesuche nnd Kostenanschläge gratis. 6. 6. nach 7. 8. 9. 1. 2. 3. 8699 Miwritn rt ToiWfmitttl Otto Schaaf. 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Die amerikanische Nähmaschinen-Gesellschaft Singer Co. ist gegen Mitglieder unseres Vereins klagbar vorgegangen, welche die amerikanische Stickerei - Reklame als unlauter bezeichnet haben. Die Klage der Singer Co. wurde jedoch vom Gericht in allen Instanzen abgewiesen und in der Begründung die erwähnte Kennzeichnung als durchaus zutreffend anerkannt. Der unterzeichnete Verein richtet daher an das Publikum die Bitte, sich durch die Stickerei- Reklame der Singer Co. nicht zum Ankauf ausländischer Nähmaschinen bestimmen zu lassen, zumal jede Familien-Vihmaschine neuester Ausführung, ob deutschen oder fremden Ursprungs, sich zum Sticken eignet. Die Kunst des Stickens hängt einzig und allein von der Fähigkeit der Stickerin und von der Uebung ab. Man bevorzuge deshalb die deutschen Erzeugnisse, und empfiehlt der unterzeichnete Verein für den Ankauf bewährter Fabrikate: Deutsche Xähmasehinen-ßeseDsehaft Eymer & Karnes Sohulstrasse 5 und Steinstrasse 12, Giessen Großes Lager in Revolnern Pistolen verschiedener Systeme, rerzrrole, refchingS, Lnft gewehre für Kugeln und Bolzen Munition verschiedener Schuß- Marken bei Ad. Reinig, 7961 SelterSweg 30. Aufgebot. 1 TaS Aufgebvtsverfahren zum Zwecke der Todeserklärung ist bezüglich der nachstehend verzeichneten, angeblich' verschollenen Personen beantragt worden: L Konrad Müller von Lang-Göns, Sohn der verstorbenen Wilhelm Müller Eheleute daselbst, geboren am 28. Mai 1829, ist vor mehr als 15 Jahren nach Amerika ausgewandert und seit mindestens 10 Jahren verschollen. Sein durch den gerichtlich, bestellten Pfleger verwaltetes Vermögen beträgt 43 Mk. 22 Pfg. Antragsteller: Konrad Wilhelm Bopf in Lana-Göns. 2. Elisabethe Muhl von Treis a. Lda., geb. 13. Jüni 1828, nach Amerika ausgewandert vor etwa 45 Jahren. Tas Vermögen beträgt 86.05 Mk. Antragsteller: Joh. Phil. Muhl von Dreis a. Lda., Pffeger. 8. Christoph Becker von Mainzlar, Sohn der verstorbenen Christ. Becker Eheleute, geb. 21. Juli 1830 ist im Alter von etwa 25 Jahren nach England ausgewandert und seitdem verschollen. Sein gerichtlich verwaltetes Vermögen betragt 152.97 Mk. Antragsteller: Georg Becker von Wieseck. Schrotmühle Hafer und Mai» sowie alle Früchte zu Futterzweckeu werben prompt geschroten bei Andreas Euler. gofldampftf m Antwerpen 4. Kvtharine Keßler, Tochter der verstorbenen Jakob Keßler Eheleute von Reiskirchen, geboren am 6. November 1832, ist in den 1850er Iahten nach Amerika ausgewandert und seit dieser Zeit verschollen. Das von dem Pffeger Philipp Tebus ITT. in Reiskirchen verwaltete Vermögen beträgt 38.96 Mk. Antragsteller: Wilhelm Mittne Eheleute in Oppenheim. Georg Melchior Schäfer von Steinberg, geb'. 9. Juli 1841, Sohn der verstorbenen Heinrich Schäfer Eheleute, ausgewandert nach Amerika 1865, seitdem verschollen. Antragsteller: die Schwester des Schäfer, die Heinriche Harnisch Ehefrau vvn Steinberg. Kvrl Krämer von Gießen, Sohn des verstorbenen UniversitätspHellen Karl Daniel Krämer und deffen Eheftau, Anna Elffabethc, geb. Lotz, geboren am 28. September 1830, ausgew ändert in den 1810er Jahren nach Amerika und seitdem verschollen. Antragsteller: Polizei-Assessor K'rämer in Darmstadt. Susanne Marie Georgette Katharine Teier von Gießen, Tochter der Heinrich Konrad Derer Eheleute, geb. am 20. September 1817, ausgewandert vor langen Jabren nach Amerika und seitdem verschollen. Antragsteller: Emil Fischbach in Gießen, Pffeger. Willi Frank von Gießen, Sohn des verstorbenen Schirmfabrikanten Georg Wilhelm Frank und der Pauline, geb. Nachtigall, geboren am 8. Mai 1863. Antragsteller : Rechtsanwalt Hoffmann in Brieg, Pffeger. Georg Franz von Gießen, Sohn der verstorbenen Eheleute Peter Christian Franz und J'ohannette Wilhel-- nnne, geb. d'Amour, geboren am 15. JVrmrar 1838, ausgewandert etwa 1854 nach Amerika und seitdem verschollen. Antragsteller: Louis Althoff in Gießen. Es werden aufgefordert: die oben bezeichneten Verschollenen, sich spätestens im Aufgebotstermine zu melden, andernfalls die Todeserklärung erfolgen wird, alle, welche Auskunft über Leben und Tr>d der Verschollenen zu erteilen vermögen, spätestens im Ausgebotstermine dem Gericht Anzeige zu machen, alle, welche Erbansprüche an den etwaigen Nachlaß obiger Personen bilden zu können glauben, solche bis zum Aufgebotstermine anzumelden und zu begründen widrigenfalls sie, soweit gesetzlich zulässig,' bei der Erbverteilung nicht berücksichtigt werden. Aufgebotstermin mirb anb^r inmt auf Auskunft erstelim Red Star Linie in Antwerpen, Carl Retter im „Kaufhaus |et Sonne" in Gießen, H. Klippstein in Langsdorf. und Modewarenhaus A. 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