Nr. 194 drfectnt täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Lmvers.-Buch-u.Stein- druckerer (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7, Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Hcrnsprechanschluß Nr. bl. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Mittwoch 20. August 1902 Gietzener Anzeiger ** General-Anzeiger ® ** Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Beznaspret», monatlich7bPs.,oierteli jährlich Mk. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für tue Tagesnummer bis vormütagS 10 Uhr. Zeilenpreis: lokall2Ps^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polst. u. allgem. teil: P. Wittko: sür ,Stadt und fianb* und .Gerichtssaal^: Gurt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Deck. Gießen, 20. August 1902. Betreffend: Maul- und Klauenseuche. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen atten führenden Laufbahn, so hat diese Fürsttn unter uns geweilt, und so fugt sich ihr Bild ein in die Annalen des hohenzollernschen Hauses in Preußen und Deutschland. Die Kaiserin war geboren am LI. November 1840 als das älteste Kind der Königin Viktoria und des Prinzgemahls Albert von Sachsen-Coburg und genoß inmitten der vielfachen Anregungen, welche das Leben am englischen Hofe dem früh entwickelten Geist der Prinzessin gewährte, eine sorgfällige Erziehung. Erst siebenzehnjährig folgte sie dem chr am 25. Januar 1858 angetranten Gatten, dem sich ihre ganze Neigung erschlossen hatte, nach Preußen, und verließ einen zahlreichen Geschwister kreis, eine Vaterhaus unb eine Heimat, denen ihre innigste Zuneigung bis zu ihrem Lebensende erhalten blieb. Während der 30 Jahre, welche die große geschichtliche Entwickelungsepoche unseres Vaterlandes umfassen, hat jte als Kronprinzessin von Preußen und seit 1871 auch des deutschen Reiches an der Seite des Kronprinzen in zunehmendem Maße in Haus und Famllie, in gesellschaftlicher Beteiligung und durch, öffentliche Besttebungen, sei es in der Ausübung fürstlicher Repräsentation, sie es durch die Verdienste um die Begründung des Kunstgewerbemuseums und der Lunstgewerbeschjule, ober durch die Anregungen zur Gründung des Lettevereins, des Heimathauses für Tochter höherer Stände, des Viktoria-Lyceums und der Fortbil- dungsWule für Krankeupflegermn en, des Vereins für V häusliche Gesundheitspflege, Jörnie des Pestalozzi-Fröbel- hauses in hohem Maße bildern) gewirkt und den Äempel ihrer ausgeprägten Persönlichkeit im Rahmen eines bestimmten Zeitabschnittes einem ihrem Wesen und Sein, ihrem Denken und Fühlen entsprechenden Wirkungskreise aufgetragen. Aber inmitten dieses emporstrebenden Schaffens traf das Schicksal sie schwer, zuerst durch den Tod zweier Kinder, dem der frühe Verlust des ihr besonders nahestehenden Vaters borangegangen war. Nieder- gebeugt richtete sie sich wieder auf, und ihr starker Geist gewann auch in den härtesten Prüfungen die Oberhand. Auch in der schwersten Zeit hielt sie mutig stand, da es ihr beschieden war, dem geliebten Gemahl an unheilbarem Leiden in dem Augenblick dahinsiechM zu sehen, als die deutsche Kaiserkrone, die er als siegreicher Feldherr er» stritten, sich auf sein Haupt senkte. Nach 30jähriger Ehe, in der sie Freud und Leid, Sorge und Glück, Trauer und Hoffnung treu und hingebend mit ihm geteilt hatte, umhüllte sie bereits der Witwenschleier. Sie zog sich aus dem öffenttichen Leben zurück und widmete ihr umfang- reiches wohlerworbenes Können und Wissen der Schöpfung, Einrichtung und künsllerischen Gestaltung eines fürstlichen Sitzes, des Schlosses Friedrichshof, welches als ihr gastliches Heim und als eine der Erinnerung an den Kaiser Friedrich gewidmete Stätte, von mir unb allen den Ihrigen, sowie von einem Kreis hervorragender Persönlichkeiten des In- und Auslandes häufig aufgesucht wurde. Von hier aus fuhr sie fort, gemeinnützige Zwecke zu verfolgen. Doch auch dieser letzten Periode ihres Lebens war ein kurzes Ziel gesetzt. Auch sie wurde von schwerer Krankheit ergriffen und in langer, schmerzensreicher Leidenszeit, die sie in Gottes Fügung ergeben durchlitt, löste sich das reine farbenfrohe Band dieses zu so glänzenden Erwartungen berechtigenden inhaltsvollen unb inhaltschweren Daserns einer seltenen Frau unb einer zu hohem Wirken berufenen Fürstin." Nach der Ansprache bes Kaisers, bic etwa 10 Minuten gedauert hatte, fang der Gymnafiastenchor die beiden ersten Verse der „Kaiserin Friedrichs-Hymne", gedichtet von Erost Schulze, komponiert von R. Fiscl)er. Dann wurden Kränze niedergelegt, u. a. von der z. Zt. im Kurort Heiden bei Konstanz weilenden Königin Margueritha von Italien, vom Großherzog von Mecklenburg, von der Stadt Homburg, von der Vereinigung der Saalburgfteunde in Berlin (der verewigten hohen Protektorin der Saalburgforschung) rc. Der "Kaiser unterhielt sich u. a. mit Bürgermeister Ritter v. Marx, der den Titel Oberbürgermeister erhielt, und mit dem Schöpfer des Denkmals, Prof. Uphues in Berlin, dem er persönlich den Kronenorden 3. Klasse überreichte. Das Kaiserin Friedrichs-Denkmal, das eine Büste barstellt, befinbet sich in den Parkanlagen gegenüber dem Kaiser Friedrich--Denkmal. Die Kolosfalbüste ist aus Marmor gemeißelt und steht auf einem Postament aus schwedischem Granit. Das Denkmal trägt auf der Vorderseite die Inschrift: Viktoria Kaiserin Friedrich, auf der Rückseite ist zu lesen: Dem Andenken der Kaiserin Friedrich das dankbare Homburg. Bei der Früh stückst af e l im königlichen Schlosse zu Homburg speisten die Majestäten nut ihren Gästen an einzelnen Tischen. Am ersten Tisch saß der Kaiser zwischen der Kronprinzessin von Griechenland und der Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein. Es folgten der Oberyof- marschall Graf v. Seckendorfs, Oberst v- Jacobi vom 80. Regiment, Oberst von der Schulenburg vom 2. Leibhusarenregiment, Prinz Adolf zu Sct)aumburg, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Erbprinz von Sachsen-Meiningen, Freifrau von Reischach, Landrat v. Meister und englischer Generalmajor Duff. Am zweiten Tisch saß die Kaiserin zwischen dem Kronprinzen von Griechenland und dem Herzog von Cambridge. (££ folgten weiter der englische Admiral Fitz-George, Dr. Spielhagen, Oberstleutnant 0- Schwerin, Prinzessin Adolf zu Schaumburg, Prinz Friedrich Karl von Hessen, Erbprinzessin von Sachsen-Meiningen, griechischer Oberst Rallis und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rüdiger. Am brüten Tisch saß ber Kronprinz zwischen bem kommandierenden General v. Lindequist und dem Oberpräsidenten. Hier hatten ferner noch Platz genommen Sir John Brunner, Oberbürgermeister v. Marx unb ber Kurdirektor v- Maltzahn. Die übrigen Gäste gruppierten sich um diese Tische herum. Heute abend 8 Uhr sand bei den Majestäten im Schlosse eine Tafel statt. Der Kaiser und die Kaiserin saßen einander gegenüber. Vom Kaiser rechts saßen zunächst die Prinzessin Adolf zu Schaumburg, der Kronprinz und Viscount Cranborne, links ber englisch Botschafter Lascelles, Prinz Adolf zu Schaumburg unb Lord Glenesk. Von der Kaiserin rechts saßen zunächst der österreichisch-ungarische Botschafter v. Szögyeny, Gräfin Keller und Earl os Cork, links ber Herzog von Devonshire, Gräfin Stolberg unb ber großbritannische Botschaftssekretär Carnegie. Cronberg, 19. Aug. Die Stadt ist aus Anlaß der morgigen Denkmalsenthüllung prächtig geschmückt. Die hiesigen Künstler roirften vereint und schufen ein wohlgelungenes Festbild. Auch der Denkmalsplatz überrascht den Besucher, nicht allein durch seine herrliche Lage, sondern auch durch feinen dekorativen Schmuck. Das Standbild Kaiser Friedrichs ist von Uphues gefertigt. Aus mächtigem Postament aus weißem bayerischen Kalkstein steht die doppelt mannsgroße Statue des Kaisers, die wohl dcm Wiesbadener Denkmal ähnlich, jedoch nach Angaben der Kaiserin Friedrich ganz neu modelliert und vollständig Original ist. Sie zeigt den Kaiser in der Uniform der Pasewalker Kürassiere, auf der Brust das Großkreuz zum Eisernen Kreuz, den Orden pour le merite und die Kette zum Schwarzen Adlerorden, die Rechte umfaßt den Feldmarschällstab, während die Linke sich in die Hüfte sttitzt. Dori den Mitgliedern des geschQftspDrendeN Ausschusses des Kaiser Friedrich'-Denkmals wurden dekoriert: Bürgermeister Jarnin und Karl von Grunelius erhielten den Loten Adlerorden vierter Masse, Hauptlehrer Fehler den Adler zum Ho henzo Herrischen Hausorden und der Dirigent beä Mcttn-Taunns-Sängermrndes, Wilhelm Geis-Wiesbaden, den Kronenorden vierter Klasse. Der Kaiser Hat dem Cron- Verger Krankenhaus, das den Namen der Kaiserin Friedrich trägt, aus dem Stiftungsfonds eine jährliche Unterstützung von 10000 Mark zugewendet._________' Komische Tagesschau. Weiteres zum Fall Lohuiug. Wir hatten gestern eine Posener Zuschrift des Reichsboten wird er gegeben, die sich mit dem persönlichen Auftreten des früheren Provinzial-Steuerdirektors Löhning beschäftigte. Jetzt ergreift Geheimrat L. selber das Wort. Er scAeibt u. a.: Die Schlittschuh bahn habe ich nicht nur nach dem Tode meiner zweitep Frau, sondern auch bei ihren Lebzeiten und zwar jcfcin Winter regelmäßig besucht. Jungen, wohlgebil.«eten Mädchen habe ich aus dem Eise in Posen niemals den Hof gemacht. Den Eissport treibe ich für mich allein. Ebensowenig habe ich in Gesellschaften in Posen jemals jungen Mädchen den Hof gemacht. Den kath otischen d eut- schen Verein habe ich im ganzen dreimal besucht und zwar allein auf Bitten und Wunsch meiner erwachsenen, noch lange nicht 30jährügen Tochter. Ich bin kein Mitglied des Vereins gewesen und bin auf wiederholte Einladung als Gast daselbst erschienen. Bei dem ersten Besuche im September vorigen Jahres schloß eine bei mir zum Besuch weilende Nichte Bekanntschaft mit einem jungen Arzte in Posen; einige Tage darauf sand die Verlobung statt. Getanzt habe ich nicht. Das zweite Mat besuchte ich den Verein und zwar wiederum nur auf Bitten meiner Tochter im November vorigen Jahres — — getanzt habe ich nicht —, das dritte Mal im Januar dieses Jahres und zwar wiederum meiner Tochter wegen. Dieses Mal habe ich eine einmalige Runde mit den Töchtern des mit mir an einem Tische sitzenden Steuerrates Umbach und Gymnasialdirektors Schroer getankt und einmal mit meiner jetzigen Frau. Diese Ausführungen des Angegriffenen widerlegen vollkommen den Klatsch daß Löhning „jungen, wohlgÄildeten Mädchen den Hof zu machen pflegte". Insbesondere aber wird cs einen guten Eindruck machen, daß in der Zuschrift mit keinem Worte auf die bekannte offiziöse Note Bezug genommen ist. Für manchen hätte die Versuchung nahegelegen, der Berichtigung die Abwehr hinzuzufügen. In diesem Falle hatte freilich die Presse das so gründlich besorgt, daß kaum noch etwas zu thuu übrig blieb. Ferner erklärt der Vorsitzende des katholischen deutschen Vereins in Posep, Schulrat Brandenburger, folgendes: Dem Verein gehören die böheren Beamten, Geistliche und Lehrer mindestens in demselben Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl an, wie die Subalternbeamten, Pfarr- gListliche und Volksschullehrer. Unsere Kaufleute und Meister haben alle den Vorzug, wohlachtbare Leute zu sein. Der Verein ist zwar ein geselliger, aber weder ein Spiel-, noch Trink-, noch Tanzverein. Er pflegt nur edle Geselligkeit und ist sich stets der hohen ethischen und sozialen Aufgabe unserer Gesellschaft bewußt. Aus zwölf . Herrenabende kommt ein Festabend, und von 15 F-anulien- abenden gelten nur 3 den Vergnügungen. Allein selbst bei diesen Festen wurde ein großer Teil der Zeit den höheren Zielen (durch Ansprache, Gesang, Musik, Haus- theater) und nur der Rest dem Tanz gewidmet. So ost sich aber Tanzgelegenheit bot, vollzog sie sich in den Formen einer vornehmen Gesellschaft. Geheimrat Löhning folgte dreimal meinen Einladungen zu den Vereinsfesten und soll bei dem drittenFeste auch getanzt haben. Aus und Land. Gießen, 20. August 1002. • Jubiläum. Heute vor 25 Jahren wurde die Wirtschaft „Zum Schipka-Paß" von dem damaligen Besitzer Theodor Lony gegründet. (19. August 1877 Gefecht bei Plewna und Schipka-Paß.) -1- Heuchelheim, 19. Aug. Gestern abend fand sich im „Treppchen" eine nicht geringe Anzahl von Bürgern ein, um den Tag von Gravelotte, an welcher Schlacht auch hiesige Krieger teilgenommen hatten, wie alljährlich durch eine kleine Feier zu begehen. Dieselbe verlief in äußerst würdiger Weise. )( Londorf, 19. August. Heute morgen ist der erste Unglücks fall auf der seil fünf Jahren in Betrieb gewesenen Bahnstrecke Londorf—Grünberg vorgckommen. Als der erste von Grünberg kommende Zug die Straße zwischen Kessclbach und Londorf kreuzte, passierte ein Gefährt der Firma Stern u. Lion zu Nordeck die Stelle. Die Maschine faßte das Pferd und schleifte cs eine Strecke weit fort, wobei es so schwer verletzt wurde, daß es bald darauf verendete. Der noch jugendliche Fuhrmann wurde von dem Wagen geschleudert, kam aber wmiderbarerweise mit dem Schrecken davon. An der Lokomotive wurde bei dem Zusammenstoß eine Laterne zertrümmert. — Schon viele Fuhrleute haben an der Unfallstelle die Erfahrung gemacht, daß hier die größte Vorsicht nötig ist. Nidda, 17. Aug. Heute tagte hier im „Gambrinus" ocr Veteranenverband Nidda und Umgegend. Die Rechnungsablage ergab einen Kassenvorrat von 244.56 Mk.; das Baroermögcn beträgt 921 Mk., die verzinslich angelegt sind. Die Sparkasie Nidda hatte auch in diesem Jahre wieder einen namhaften Beitrag zur Verbandskasse gestiftet. Durch Akklamatton wurde der seitherige Vorstand wieder- gewählt, 2 neue akttve Mitglieder ausgenommen und sodann em Huldigungstelegramm an den Großherzog gesandt, auf das abends folgende Antwort einlief: „Tanke herzlich für freundliche Grüße. Ernst Ludwig." Nach Schluß der Ver- sammlung schlossen sich die Veteranen dem mittlerweile aufgestellten Festzug zur Einweihung des Kriegerdenkmals in corpore an. — Gestern morgen fand man in der Nidda an einer Schneidemühle bei Unterfchmitten eine Menge toter Fische, darunter Forellen von über 2 Pfd. Gewicht. Man muß annehmen, daß dieses Massenabsterben der Fische auch diests Mal wieder auf Giftstoffe und andere schädliche Substanzen zurückzuführen ist, die das Abwasser des bei Unterschmitten gelegenen Sägewerks enthält. Es wäre erwünscht, daß hier endlich emmal Abhilfe geschahen würde, da sonst der Fluß bald sischleer fern dürfte. Auf den Ausgang des gegen das Sägewerk in der Berufungsinstanz schwebenden Strafverfahrens — es war Anzeige erhoben gegen den Leiter des Werkes wegen Ablaffens giftiger Stoffe m die Nidda und des dadurch bewirkten Fischabsterbens — darf man gespannt fein, umsomehr, als in der ersten Instanz Freisprechung erfolgte. (:) Z ei Ibach, 18. August. Dem gestrigen Fest der Fahnenweihe unseres Kriegervereins ging ein Vorspiel des Wetters voraus, welches em Gelingen des Festes in Frage zu stellen schien. Noch während der Aufftellung des Festzuges goffen wie in den Vormittagsstunden des gestrigen Sonntags starke Regenschauer vom Himmel herab. Deffenungeachtet schritten elf Vereine im Festzuge, und eine über Erwarten große Zahl von Festgästen hatte sich em» gefunden. Aus dem Festplatz begrüßte Lehrer Kummer Kriegerkameraden und Festgäste in herzlichen Worten. Nach Ueberreichung der neuen, sehr schönen Fahne durch eine Festjungfrau ergriff Pfarrer Georgi von Ermenrod das Wort zur Weih- und Festrede. Daß man auch bei allen Festvor- bereitungen der Kleinen nicht vergeßen, offenbarte em extra für sie angelegtes Tanzpodium. Zeilbach, das wohl noch nie ein derartig größeres Fest gefeiert, darf auf diese Festfeier beinahe stolz fein. br. Büdingen, 19. Aug. Der hiesige Wachtmeister L., etwa 50 Jahre alt, beging heute morgen seinen Bezirk. Als er den Ort Wolf, eine halbe Stunde von hier, erreicht hatte, stürzte er plötzlich tot zur Erde — em Schlaganfall hatte ihn getroffen. Der Verstorbene erfreute sich in feinem Dienst großer Beliebtheit. Vermischtes. * Magdeburg, 19. Aug. Einen Doppel-Selbstmordversuch unternahmen in einem Gasthause der Sergeant Röder vom 27. Infanterieregiment und ein junges Mädchen, das er für feine Schwester ausgegeben hatte. Ihre Persön- lichkett ist noch nicht festgestellt. Beide wurden mit geöffneten Pulsadern auf ihrem Zimmer gefunden, doch hofft man, sie am Leben zu erhallen. Es handelt sich anscheinend um ein Liebesdrama. • Stralsund, 19. Aug. Heute vormittag verun- glückten bei Abnahme eines an dem Dache einer Kaserne angebrachten Baugerüstes zwei Zimmerleute dadurch, daß sie mit einem Teile des Bretterbelages auf die Straße stürzten. Beide waren sofort tot. * Breslau, 19. Aug. Der BrandaufderHeinitz- grübe ist erloschen. — Am Montag ging über Sprottau und Umgebung ein schweres Gewitter nieder. Ein Blitzstrahl traf das städtische Oberforsthaus und richtete große Verwüstungen an. Die Frau des Försters wurde zu Boden geworfen und blieb mit Lähmungsersch-einungen liegen. * Paris, 19. Aug. Der Privatsekretär des Abg. Rouannet hat sich gestern erschossen. * Belgrad, 19. Aug. Die nach Paracin führende große Brücke ist ein gestürzt. Ein Zollwächter wurde getötet. • Alexandrien, 19. Aug. Seit dem 15. Juli sind im Ganzen 40 Ortschaften von der Cholera betroffen, roo 2238 Fälle vorkamen, von denen 1&96 tätlich verliefen. Nur wenige Europäer wurden von der Krankheit betroffen. Die Zahl der Cholera-Erkrankungen in Alexandrien beträgt 10. Eine Verheimlichung der Erkrankungen wird durch die Maßregeln der Behörden unmöglich gemacht. * Aus den Alpen. Der im vorigen Jahre am Karwendelgebirge an der Praxmarkar-Spitze mit Spötl ab» gestürzte Otto Melzer ist gefunden, aber die Leiche noch nicht geborgen worden. — Der 26jährige Ingenieur Eugen Ramuz aus dem Kanton Waadt unternahm eine Tour auf den Glacier da grand trient (Wallis). Am Fuß des Gletschers erlitt er einen Herzschlag und st arb. — Dr. Largin, Gerichtspräsident des Amtsbezirks Bern, beftieg Samstags ohne Führer das Nadelhom (Wallis, 4334 Mir.), laut einer Aufzeichnung in seinem Taschenbuch erreichte er den Gipfel. Beim Abstieg stürzte er ab. Da er nicht nach Randa zurückkehrte, brach eine Führerkarawane auf. Largin wurde tot am Fuß der Couloirs vom Nadelhorn ganz zerschlagen aufgefunden. Er war 30 Jahre alt. — Aus Zurich wird gemeldet, daß auf einem Gletscher ein Offizier verunglückt ist. — Der Wiener Geschäftsdiener Fritsche ist vom Ostgrat der Pöllerscharte beiSchladming abgestürzt und wurde tot aufgefunden. — Von der Ruine Grasttng stürzte der Tourist Dschechlager ab und wurde schwer verletzt, außerdem hat er die Sprache verloren. • Eine Schwimmparade vor dem Kaiser. Bei dem jüngsten Kaiserbesuch in Düsseldorf wollte unter den Huldigenden auch der Düffeldorfer Allgemeine Schwimmverein nicht fehlen. Auf eine Anfrage des Vorsitzenden beim Ober- Hofmarschallamt, ob der Verein dem Kaiser nicht in Form eines Schwimm-Parademarsches eine Ovation bereiten dürfe, lief bald darauf die Antwort ein, „daß der beabsichtigten Huldigung Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Majestäten am 15. August ds. Js. durch einen Schwimm-Parademarsch im Rheinstrom Bedenken nicht entgegenstehen. — lieber den Verlauf der sonderbaren Sympathie-Kundgebung berichtet die „Köln. Ztg." rote folgt: „Dann betrat der Kaiser mit feinem Gefolge, in Begleitung des Oberpräsidenten Nasse, des Regierungspräsidenten v. Holleuffer und des Oberbürgermeisters Marx das Feslschiff „Sieg", auf dem die Kaiserstandarte aufgezogen rourde. Umer stürmischen Hochrufen der Menge fuhr der Kaiser, nach allen Seiten fteundlich grüßend, vom Ausstellungsgelände ab und nahm die Flottenparade ab. Bei der Abfahrt unterhielt sich der Kaiser lebhaft nut dem Oberpräsidenten Raffe. Als das Kaiserschiff unter dröhnenden Böllerschüssen in die Höhe der Ambach'schen Badeanstalten kam, setzten sich an hundert Schwimmer in Beglettung von Nachen m Bewegung und boten im Vorbeischroimmen dem Kaiser aus dem Wasser auf Kommando ein kräftiges „Gut Naß, Hurra!" Der Kaiser schien über diesen, auch ihm wohl selten begegnenden Schwrmm-Parademarsch sehr erfreut und winkte den wackeren Schwimmern fteundlich zu, die, die „Wacht am Rhein" singend, bald entschwanden." * War der Kaiser als Prinz in Paris? Der Kaiser soll französischen Blättern zufolge gelegentlich seiner Begegnung mit Waldeck-Rousseau auch eines Aufenthaltes in Paris gedacht ljaben. Ob ein solcher Besuch der französischen Hauptstadt wirüick» stattgefunden hat, ist oiel- jachem Zwerftr degegM.. .DernLkLenuber wvD fLtzgestellt, daß Kaiser Wilhelm H in Paris gewesen ist. Der nachmalig. Kaiser-Friedrich hat diese Th at fache selbst bekannt gegeben, und sie ist in einem an den König von Rumänien gerichteten Brief verzeichnet. Das betreffende Schreiben des Kronprinzen, der damals an Stelle seines durch Nobiling verwundeten Vaters die Regentschaft führte, findet sich in dem Werke: „Aus dem Leben König Karls von Rumänien, Auszeichnungen eines Augenzeugen". In dem vom 19. Oktober 1878 datierten Brief, der die Weltlage und u. a, auch den durch Afghanistan drohenden Konflikt berührt, gedenkt der Kronprinz seiner häuslichen Verhältnisse. Nach^ dem er erzählt, daß Prinz Heinrich nun seine große Seereise antrete, fährt er wörtlich fort: „Wilhelm kehrt eben aus England und Schottland heim; er hat Charlotte und Bernhard in Paris getroffen, wo alle im strengsten Inkognito sich herrlich amüsierten. * In der Unter suchungüber die Ermordung des Dr. Orden stein in Paris, der bekanntlich feine Studienzeit in Gießen zugebracht hat, ist eine neue Wendung eingetreten. Gleich bei den ersten Feststellungen hatte ein Schalterbeamter der französ. Weftbahn behauptet, der deutsche Arzt habe für sich und für Chabaneix, den Mörder, zwei Fahrkarten erster Klasse gelöst. Dieser Erklärung wurde aber anfangs keine besondere Bedeutung beigemessen, da man einen Irrtum des Beamten annahm uni) besonders, weil Chabaneix hartnäckig bei seiner Behauptung blieb, den Dr. Ordenstein nie gekannt zu haben Bei dem Verhör am Samstag änderte der Angeklagte plötzlich sein System, wahrscheinlich weil er sich Rechenschaft darüber ablegte, daß er, soweit die Dinge bis jetzt übersehbar sind, wegen vorbedachten Raubmordes belangt werden würde. In größter Aufregung erklärte er, bisher nicht die Wahrheit gesagt zu haben. Er gestehe jetzt ein, den Dr. Ordenstein feit langer Zeit gekannt zu haben. Dieser habe ihn dazu veranlaßt, seine Stellung bei der Post auftugeben. Er habe ihn beschäftigt und feine Dienste als Sekretär bei der Abfassung wissenschaftlicher Bücher in Anspruch genommen. Wenn man in der Wohnung Ordensteins eine Haussuchung vorgenommen hätte, würde man die Beweise für diese Behauptung gefunden haben. Chabaneix fügte diesen seltsamen und verwirrten Auslassungen hinzu, der Arzt sei ein Bösewicht gewesen. Er habe im Waggon gewisse Aeußerungen gethan, die ihn — Chäbaneix — aufs äußerste gereizt hätten. Zu weiteren Erllärungen ließ sich Chabaneix nicht herbei. Es liegt auf der Hand, daß der Mörder auf diese Weise sein Opfer zu verdächtigen und sich a£ä Rächer irgend welcher Unbill aufzuspielen sucht. UniverMs-Uachrichten. — Aus Berlin wird gemeldet: Dem etatsmäßigen Professor an der hiesigen Technischen Hochschule, zugleich Professor an der Berliner Universität, Geh. Regierungsrat Dr. S l a d y , wurde vom Kuratorium der Jubiläumsstiftung der deutschen Industrie der Betrag von 20 000 Mark überwiesen. — Aus Freiberg i. S. wird berichtet: An Stelle des im Juli in den Ruhestand getretenen Geheimrats Professors Dr. Winkler an der hiestgen Bergakademie wurde die erledigte Prosessur der Chemie, sowie die Leitung des Chemischen Instituts dem cu-o. Professor, ersten Assistenten an diesem Institut, Dr. pbil. O. Brunck übertragen. — Aus Jena schreibt man uns: Geh. Hofrat Professor Dr. H. Geizer hat eine Studienreise nach der Türkei und Italien an getreten; er ift deshalb für das kommende Wintersemester beurlaubt. — Aus Göttingen wird geschrieben: Der Rechtspflegeausschuß der hiesigen Universität veröffentlicht folgende Bekanntmachung: ist wiederholt zu unserer Kenntnis gekommen, daß die grobe Unsitte der Säbelmeäsuren auch an unserer Universität bedauerlich im Schwange ist. Wir sind entschlossen dem Leichtsinn energisch zu wehren, der geringfügige studentische Ehrenhändel der Entscheidung durch schwere Waffen unterroirft, und nur warnen die Studierenden dringend vor den Folgen einer Handlungsweise, die sich mit der gesunden Ordnung akademischen Lebens nicht vereinigen läßt.* — Wie die Physikalische Zeitschrift mitteitt, wurde Dr. C. H. Wind, Lektor der physikalischen Chemie und mathematischen Physik an der Universität Groningen, zum Hauptdirektor des Königl. Niederländ. Meteorologischen Instituts zu De Bilt, der frühere a.-o. Professor an der Universität Berlin Dr. H. E. I. G. du B o i s zum o. Professor der mathematischen Physik an der Universität Utrecht ernannt. — Dem ordentlichen Professor der Theologie an der Universität in Basel, Dr. cheol. Wilhelm B o r n e m a n n, der zum Pfarrer in Frankfurt a. M. berufen wurde, wurde auf sein Ansuchen unter Anerkennung der geleisteten Dienste für den 1. Oktober 1902 die Entlassutwbewilli^^^ Gerichtssaal. Leipzig, 18. Aug. Wegen Herausforderung zum Z w c i k a m p f und Bedrohung fst am 18. März von der Strafkammer in Krotoschin der Bürgermeister Josef Plaza l s k i zu einem Tage Festung und 20 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Der Kaufmann Z. hatte ihm einen Schlag ins Gesicht gegeben. Nachdem er einige Bekannte vergebens ersucht hatte, Z. seine Forderung zu überbringen, rief er dem Z. bei einer Begegnung zu: .Obwohl Sie nicht satts- faktionssähig sind, fordere ich Sie auf, sich Montag zum Duell zu stellen." Der Angeklagte behauptete indessen in der Hauptverhand- lung, die Herausforderung sei nicht ernstlich gemeint gewesen, er habe vielmehr dem Z. nur einen gewaltigen Schrecken einjagen und sich für den Schlag ins Gesicht rächen wollen. Das Gericht hat trotzdem eine Herausforderderung als vorliegend erachtet. Unerheblich fei, daß Ort, Waffe und Zeitpunkt bei der Herausforderung nicht angegeben seien, es müsse angenommen werden, daß tödt- liche Waffen gewählt rnerden sollten, alles Nähere habe noch später festgesetzt werden können. Die Bedrohung hat die Strafkammer dann gefunden, daß der Angeklagte einem Drillen gegenüber geäußert hat, ich werde ihn, wenn er ablehnt, niederschießen wo ich ihn treffe. — Auf die Revision des Angeklagten hob das Reichsgericht das Urteil auf, soweit es wegen Bedrohung ergangen ist und verwies die Sache msoiveit an die Strafkammer Aurüd. Vermißt wurde die Feststellung, daß es dem Willen des Angeklagten entsprochen hah daß die Aeußerung zur Kenntnis des I. gelangen solle und daß sie wirklich zu dessen Kenntnis gekommen ist. Verworfen wurde dagegen die Revision des Angeklagten gegen ferne Verurteilung wegen Üerausforderung. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurt a. M., 19. Aug. Die hiesige Bankfirma Ullman n u. Una tritt in Liquid ation. Hanau, 18. August, lieber das Vermögen des Kaufmanns Heinrich Nohl, alleinigen Inhabers der Firma Heinrich 9lohl ft., Baumaterialienhandlung, wurde das ftonhir so erfahren eröffnet KSlu, 19. Aug. Wie die .Köln. Ztg." erfahrt, wurde dieser Tage die Lieferung von 160 Eisenbahnwagen für U-Züge an die beteiligten Fabriken vergeben. Köln, 19. August. Die Wisener Bergwerks- unb Hüttengesellscha't erzielte im letzteii Geschäftsjahr einen Rohgewinn von 1 518 453.00 Mark, wovon 520 126.50 Mark zu Abschreibungen verwendet wurden. Dem Hochofen-Erneuerungsfonds sollen 75 000 Marl zugewiesen, dem Reservefonds 92 333Mk. überwiesen werden. Von öem nach Hinzufügung eines Gewinnvortrages von 176 583 Mark verbleibenden Restbeträge von 889 382 Mark soll der am 30. Oktober stattsindenden Generalversammlung vorgeschlagen werden, 27, Prozent Dividende zu verteilen, sodaß em Saldo von 414 382 Mark als Gewmnvortrag verbleibt. Hamburg, 18. Aug. Das Konsortium, welches im Februar des laufenden Jahres die neue 3proi. Bremer Staats, anleibe übernahm, hat den ResR-^asd anSuertaufc undHchimrehr (Sribrnd riefen ixe schr fachLhen AnZlaffnngen des Dechts- «rujgelösi. anwaltes Dr. Cahn ans Nürnberg hervor, der zugleich mittertte, Konstantinopel, 19. August. Die Einnahmen der 3?ürtt - daß er m der Generalverfammlung eine große Anzahl von Aktien i ch-em Tabakregie-Gesellschaft betrugen im Monat Juli vertreten werde. Die von den Vorrednern erwähnten Punkte seien 1902 19 700000 Piaster gegen 18400000 im gleichen Monat des nebensächlicherer Natur, wenn von Jaice gesprochen werde, so <^oriahTä müßten die bei dem Verkaufe dieses Unternehmens in Betracht Vorjahrs. Würdigung. — Bom russische» Eifeumarkt wird gemeldet: Die traurige Geschäftslage der russisch-polnischen Eisenhütten will sich nicht bessern. Es fehlt so sehr an Arbeit und Absatz, daß die Einschränkung der Betriebe noch immer zunimmt. Das große Eisenhüttenwerk in Lzensstochan, an dem auch ein oberschlesrsches Werk imeressiert ist, hat von zwei Oefen emen im Betriebe, der jetzt auf das äußerst mögliche Maß gedämpft werden soll. Von kommenden Momente betont werden. Die Einsetzung einer Re- visionskommiffion könne, da nicht auf der Tagesordnung befindlich, auch nicht zurDrskufston gelangen. Als gegebenenfalls zu stellende Anfragen bezeichnete er eine Auskunft über dre Zusammensetzung der Effekten bei der Continentalen Gesellschaft, die Konsortialbeteiligungen, weitere Mitteilungen über das Entstehen des enormen Verlustes. Es könne auch, wenn sich eine Schuld der Aufsichtsräte herausstelle, die Entfernung solcher gefordert werden, obwohl er glaube, daß diese bona fide gehandelt hätten. Einem etwaigen Versuche, den früheren Machthaber in dem Unternehmen (Hr. Wacker) wieder auf dem Wege einer Wahl in den Aufsichtsrat, dem sich eine solche m den aufsichtsführenden Ausschuß angtredern könnte, in eine verantwortliche Stellung bei der Gesellschaft zu brmgen, muffe schärfstens entgegengetreten werden. Am 19. August fand in Nürnberg eine große Versammlung von Aktionären statt. Diese erklärte ihre Zuftimmung zu dem Aktionsprogramm des Rechtsanwatts Cahn für die Generalversammlung. Die Schutzvereinigung, die über etwa 1500 Aktien verfügt, verweigerte anfänglich die Atttteilung ihres eigenen Programms, schloß sich aber schließlich dem Eahnschen Programm an. Die Anregung zur Einsetzung eines Revisions-Ausschusses durch eine außerordentliche Generalversammlung fand vielfach Anklang, aber die Schwierigkeiten bei Ausübung eines derartigen Mandats auch ihre dem die (Generalversammlung vom 19. März d. Is. beschlossen hat, daL Akttenkapital von 16 Millionen Mark auf 18 Millionen Mark zu erhöhen, werden die zur Ausgabe gelangenden 2 Mill. Mark neuen Aktien nunmehr den alten Aktionären zum Bezüge angeboten. Auf je acht alte Aktien entfällt eine neue von 1000 Mark zu 166 Prozent zuzüglich 34 Mark Aktienstempel, also zu 1684 Mk. pro Die neuen Aktien nehmen ab L September 1902 an der Dividende Teil. Das BezugsrechtList nach der uu Inseratenteil enthaltenen Veröffentlichung vom 23. Augcht bis 6. September auszuuben. — Bom Kasseler Treberkrach. Dre Auszahlung der V-proz. LonknrSdividende ist von der Konkursverwattung abermals vertagt worden. Erne nochmalige Glaubigerversammluirg ist für Ende November einberufen worden. — Schuckert-Gesellschaft. In München fand eine von dem Rechtsanwalt Goes unb kgl. Direkttonsasseffor a. D. Andreas Neh- mann einberufene D e r i a m m l u n g von Aktionären der Schuckert-Geseüschaft statt, welche den Zweck hatte, die Verhältnisse biejei Unternehmens zu besprechen unb weitere Teilnehmer für bie Schutzverer nigung zu gewinnen, bre im Vorjahre von einem Herrn W. Weiß in Werben gegründet wurde. Die beiden Ein- veruser erörterten eine Reihe von Punkten, wie bie finanzielle Begebung der 65 Millionen-Anleihe, den Umtausch der Contrnentalen Aktien gegen Schuckert-Aktten, Jaiee usw., sie stellten Vergleiche mit anderen Elektrizttätsunternehmungen an, sprachen von der Notwendigkeit der Ernfetzung einer Revifionskomnussion usw. Ihre Ausführungen sanden nur mäßige Zustimmung, da es sich meist um ältere, nicht aktuelle Punkte handette und der Gegenstand nicht voll beherrscht wurde. Es traten denn auch nach der „M. Allg. Ztg." nur wenige der Anwesenden der Vereinigung neu bei. Wesentlich । I den vier Martin-Oefen stehen zwei kalt. Ein anderes mtt Obe» schlefien alliiertes Werk hat seinen Hochofen gelöscht. "Arbeiterbewegung. Hamburg, 19. Aug. In der heute abgeffattenen Versa m m l n n g der Fuhrherren und Kutscher wurde nach lebhafter Debatte aus Antrag des Vorstandes folgende Resolution angenommen: Die Versammlung ist vorläufig mit den getroffenen Vereinbarungen einverstanden. Sie erwartet eine Prüfung und Berücksichtigung ihrer Wünsche unb beschließt, bis auf Weiteres fich zu vertagen unb vorläufig den Ausstand als be-cnbel z u erklären. Paris, 19. Aug. Der Vorsitzende des Grubenarbeiterverbandes des Loire-Beckens ist gestern Abend von dem Präfekten empfangen worden. Dieser erklärte, die Grubenbesitzer seien entschlossen, bie angetünbigte Lohnherabsetzung zurückzuziehen.__________________ Die Ziehung der Haupt- unb Schlußklasse der Laube s l o tterie, in der 14000 Gewinne und 2 Prämien mtt zusammen 5 Millionen 153000 Mark zur Ausspielung kommen, beginnt bereits am 2 2. Augu st. Wer fein Los zur Schlußklasse, die ihrer großartigen Gewmnaussichten wegen als eine Lotterie für sich bezeichnet werden kann, noch nicht erneuert haben sollte, versäume daher nicht, solches zur Sicherung seines Anrechts an einen etwaigen Gewinn unter Zahlung des E» neuertmgsbettages umgehend noch zu thun. 5838 Wer sich einen wirklich dauerhaften Schirm wünscht, lasse sich denselben genau nach Wunsch und Auswahl des Materials bauen. Kein Schirm-System, welches bei mir nicht repariert werden könnte. Stets sofortige mbilligsteBedienung. 4669 Schirmfabrik M. Levi. Bekanntmachung. Nachdem die Stadtverordneten-Versammluna in ihrer Sitzung vom 15. Mai L I. die Einführung der sog. Formaldehoddesinfektton beschlossen hat, find nunmehr die dazu ersorderlichen Apparate äuge) chafst und eine Desinfektionskolonne in deren sachgemäßer Handhabung ausgebildet worden. Die Formaldehyd-Desinfektton befitzt gegenüber der bisher hier gebräuchlichen Desinfektionsmethode den großen Dortett, daß die zu desinfizierenden Zimmer nicht geräumt au werden brauchen, daß die Desinfektion im Verlauf von wenigen Stunden beendigt ist und schädliche Wirkungen auf Tapeten, Möbel und Stoffe nahezu gamicht ausübt. Wenn es auch nach wie vor dringend geboten scheint, Bektteile, Wäsche und Kleidungsstücke in dem auf den neuen Kliniken zur Verfügung stehenden Dampfdesin- fektionsapparat reinigen zu lassen, so ist die Formaldehyd-Desinfektion doch vorzüglich geeignet zur Durchführung einer wirksamen und doch ungefährlichen Wohnunasdesinsektion. Indem wir dies zur öffentlichen Kenntnis bringen, fordern wir die Einwohner unserer Stadt auf, in allen Fällen ansteckender Krankheiten (Typhus, Scharlach, Diphteritts, ganz besonders aber auch Tuberkulose jeder Art), wenn Kranke verstorben oder auf bie Klinik gebracht worben sinb, oder ihre Wohnung gewechselt haben, dem Stadtbauamt alsbald Anzeige zu machen unb bie Vornahme der Desinfektion zu begehren. Die zu entrichtenden Gebühren find aus der gleichzeittg veröffentlichten Gebührenordnung vom 2. Mai 1396 zu ersehen. Gießen, am 12. Ättrgust 1902. 5833 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Betreffend: Die Wohnungs-Desinfektion in der Stadt Gießen. Gebühren-Sätze für die durch die städtischen Desinfektoren besorgte Wohnungs- deStirfektton und für die Desinfektion von beweglichen Sachen in dem klinischen DeSinfektionS-Apparat. Die Gebühren, welche von den zur I. Abteilung der Einkommensteuer Eingeschätzten (Einkommsi über 2600 Mk.) zu entrichten sind, betragen mtt Wirkung vom 1. April d. I. ab: A. Für die Desinfektion der Wohnungen: 1 Mark für die Stunde der darauf von jedem Desinfektor verwendeten Zeit. B. Für die Desinfektion von beweglichen Sachen in dem klinische» DeSinfektionS-ApParat: a. für bie Thätigkett der Desinfektoren einschließlich der Abholung und Rücklieferung der Sachen, je nachdem eme, zwei ober brei Abteilungen des Apparates benutzt werden, 3, 4 oder 6 Mk. h. für bie Benutzung bes Apparates selbst, je nachdem eine, zwei ober drei Abteilungen benutzt werden^ 4, 5 oder 6 Mk. Für Sachen, welche, wie einzelne Kleidungsstücke, nicht einmal eine Abteilung des Apparates ausfüllen, 2 Mk. Die in den Klassen 6 bis 10 der II. Abteilung der Einkommensteuer (lÄnkommen von 1300 bis 2600 Mk.) Eingeschätzten haben nur die Hälfte der vorstehenden Gebühren zu entrichten, während von den mit weniger als 1300 Mk. Einkommen ober gar nicht Besteuerten Gebühren überhaupt nicht erhoben werden. Für Gebührenpflichtige, denen in Folge von Unglücks-, Krank- hetts- oder Sterbesällen die Entrichtung der Gebühren besonders schwer fallen würde, können auf deren Antrag bie Gebühren weiterhin ganz ober teilweise erlassen werden. — Die Befreiung von Gebühren hat nicht den Charakter einer Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln. Die Gebühren sind auf Alisordern an die Stadtkaffe zu entrichten. Gießen, den 2. Mai 1896. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 5831 5819 Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, den 16. August 1902. Großherzogltche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. W Mcille große, zufriedene Kundschaft ™ “ & Nähmaschinen am besten und billigsten kauft. Hrötzte Auswahl. Ersatzteile uub Aep-raluren. Joh. Fr. Schaaf, renommiertestes Geschäft der Branche in Gießen 44 Wctzsteinstratzc 44. o248 Sielbau Gießen. Die Lieferung der zur Herstellung des Dükers unter der Wieseck nothwenbigen 2 fchmiedeisernen Dükerrohre von je 18,60 m Länge und 800 mm Durchmesser soll öffentlich verdungen werden. , „„ , . . Bedingungen und Angebotsformulare können gegen portofreie Einsendung von Mk. 1.— durch das Sielbauamt, Lurgermeisterei, Zimmer Nr. 6, bezogen werden. Ebendaselbst liegen auch die Zeichnungen und sonsttge Verdingungsunterlagen in den Dienftstunden zur Einsicht offen. Auskunft erteitt außerdem Herr Oberbaurat Schmitt, Darmstadt, Mühlstraße 60. M , ... w , Die Angebote sind verfiegett und mtt der Auychrttt „Angebot anf Lieferung von Dükcrrohren" bis zum 28. August d. I. portofrei bei dem Sielbauamt einzureichen, woselbst die Eröffnung der eingelaufenen Angebote in Gegenwart Awa erschienener Bewerber im selben Termine, vormittags 11 Uhr, erfolgt. Frankfurter Hypothekenbank. Ausübung des Bezugsrechtes auf neue Aktien. Da unser Pfandbriefumlauf der im Verhältnisse zu Grundkapital und Reservefonds gesetzlich bestimmten Grenze nahe gekommen ist, hat unsere Generalversammlung am 19. März 1902 beschlossen, das Aktienkapital von bisher Mk. 16,000,000.— auf Mk. 18,000,000.— zu erhöhen durch Ausgabe weiterer voll einbezahlter 2000 Inhaber-Aktien zu 1OOO Mark. Nachdem die hierin liegende Aenderung des Statuts die staatliche Genehmigung erhalten hat, bieten wir diese Aktien zum Kurse von 165% zuzüglich Mk. 34.— Aktienstempel, sonach zu Mk. 1684.— pro Aktie unseren Aktionären hierdurch in der Weise an, dass auf je 8 der bisherigen Aktien eine neue Aktie bezogen werden kann. Die neuen Aktien sind vom 1. September 1902 ab dividendenberechtigt, d. h. sie erhalten pro 1902 ein Dritteil des Prozentsatzes, welcher auf die alten Aktien entfällt Bei Einzahlungen nach dem 1. September 1902 haben die Zeichner 4% Zinsen des Nennwertes vom 1. September 1902 bis zum Zahlungstag zu vergüten. Das Bezugsrecht ist vom 23. August bis einschliesslich 6. September 1002 in der Weise auszuüben, dass an unserer Kasse der Betrag für die neuen Aktien bezahlt wird, gleichzeitig Zeichnungsschein in doppelter Ausfertigung eingereicht wird, und diejenigen alten Aktien, auf Grand deren das Bezugsrecht ausgeübt werden soll, mit Nummernverzeichnis ohne Couponsbogen vorgelegt werden. Ueber die Einzahlung wird einfache Quittung erteilt und diese dem Ueberbringer unter Rückgabe der mit Bezugsvermerk versehenen alten Aktien übergeben. Gegen Rückgabe dieser Quittung erfolgt später die Aushändigung der neuen Aktien, sobald die Kapitalerhöhung in das Handelsregister eingetragen ist. Aktionäre, welche auf nur 1—7 alte Aktien ein Bezugsrecht auszuüben wünschen, haben zunächst lediglich diese Aktien nebst doppeltem Zeichnungsschein vorzulegen, worauf alsdann der auf die Gesamtheit solcher kleineren Zeichnungen nach dem Verhältniss von einer neuen auf 8 alte Aktien entfallende Betrag neuer Aktien durch Verlosung verteilt wird. Zeichnungsscheine können an unserer Kasse wie auch bei unseren Couponseinlösungsstellen in Empfang genommen werden. 5&4I Frankfurt a. M., den 18. August 1902. Frankfurter Hypothekenbank. Pferd ewarkt zu Gießen. Am Mittwoch den 10. September ff übet auf den städtischen Marktanlagen nächst der RodHeimerslraße Pferdemarkt statt. Für Stallungen in der Nähe des Marktes ist ausreichend Sorge getragen; wegen derselben wolle man sich an Herrn Hoflohnkutscher Huhu dahier wenden. Auskunft über sonsttge Marktangelegenheiten ertertt Herr Weinhändler August Schwa» dahier. Mtt dem Pferdemarkt ist eine Prämiierung verbunden, für welche 1565 Mk. zur Verfügung stehen. Der Prä- miierungsplan ist von Herrn Oekonomierat Schlenks, Hardthof bei Gießen, zu erbitten. Die Preisverteilung erfolgt im Anschluß an die Prämiierung um 12% Uhr. Omnibusverbindung von dem Bahnhof nach dem Marktplatz und zurück. Am 11. September, nachmittags 2 Uhr, findet in der Turnhalle der Stadtknabenschule eine Verlosung statt von Pferden, Wagen, landwirtschaftlichen Maschinen und Gerätschaften, Haushattungs- und Gebrauchsgegenständen. Der Generalvertrieb der Lose ä. 1 Mk. ist dem Herrn Richard Buchacker dahier übertragen. Gießen, Juli 1902. 5394 Die Pferdemarktkommifsion zu Gießen. Jean Kirch, Stadtverordneter. Bekanntmachung. Donnerstag den 21. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich auf meinem Bureau eine neue Schreibmaschine (Kalligraph). Die Versteigerung findet bestimmt statt und kann die Maschine schon jetzt auf meinem Bureau probiert werden. 5032 Gießen, den 19. August 1902. Seipel, Gerichtsvollzieher. Anerkannt bestes Mittel gegen g-nMdiw eifi, ©ieltn,®o!ilei6renuen xc. find Zr. Mes AW-Weg-Mil (patentiert in der ganzen Wett). Dieselben können auch als Brandsohlen vom Schuhmacher em- gearbeitet werden. — Alleinverkauf für Gieren und Umgegend Wiih. Plank, «Lederhdlg., Aaylchosstr. 18. g#r* Wiederverkäufe!: erhalten 'Rabatt! *"WS 5592 Meiner werten Nachbarschaft, sowie meinen werten Gönnern' biene zur Nachricht, daß ich das setther von Herrn Georg Lotz 28 Bahnhofstraße 28 geführte Rasier- * Frisiergeschäft übernommen habe. Prompte und aufmerksame Bedienung zufichernd, empfehle ich mich Hochachtungsvoll Friedrich Lotz. Gleichzeitig mache ich aus mein reichhaltiges Lager nt Cigarren, Parfümerien und Toilettefeifeu aufmerksam. Ausverkauf wegen Abgabe eines meiner Laben Astemeg 6 am 1. September. Um schnell zu räumen, verkaufe zum Einkaufspreise, eventuell auch darunter: 5516 Kinderwagen Sportwagen Puppensportwagen Leiterwagen usw. Reisekoffer Reisetaschen Reisekörbe Wäschekörbe ufw. Friedrich Kühne sen. Afterweg 2. Gichm WrkmrktOttrne. Ziehung am 11. September d. I. nannftrewT Ein elegantes, viersitziges Halbverdeck mit ndtipi^vW. 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