Donnerstag SV. März 1903 153. Jahrgang Zweites Blatt GichenerAnzeiger M General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Nr. 67 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schea Univers.-Buch- ruStein- bntderei (Pietsch Erbe«) Redaktton, Expedition und Druckerei: Schnlstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Bezugspreis: monatlich 75Ps., viertel^ jährlich Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Alk viertel- jährl. ausicbl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummee bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pß, auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polst. u. allgem. Teil: P. Wittko; für .Stadt und Land" und „GerichtssaalttR.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Air Heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. Politische Tagesschau. Der Kaiser und der Alkohol. Kaiser Wilhelm verfolgt mit Interesse eine englische Bewegung, an deren Spitze Lord Grey steht; ihr Ziel ist, daß die Wirtshaus-Konzessionen für neu entstehende Gastwirtschaften nicht mehr an Privatleute und private Unternehmungen vergeben werden, sondern an gemeinnützige Gesellschaften, deren Aktionäre und Angestellte von dem Absätze berauschender Getränke keinen pekuniären Vorteil haben und deren Verwaltung voller öffentlicher Kontrolle untersteht. Seit kurzem haben wir auch in Deutschland eine ähnliche Bewegung; organisiert ist sie in dem „Deutscher Verein für Gasthaus-Reform", dessen Verwaltung Dr. W. Bode in Weimar führt. Vorsitzender ist Frhr. Daniel von Tiergardt, der auf seinem Gute Suschenhammer tn Ober- schlesien bereits ein Gasthaus nach den Grundsätzen des Vereins geschaffen hat. Er hat von den ersten Schritten und Schriften des Vereins dem Kaiser Kenntnis gegeben und daraufhin ein Schreiben aus dem Geheimen Zivil- Kabinett erhalten. Dr. v. Lucanus schreibt darin: „Seine Majestät der Kaiser und König geruhen, mich zu der Mitteilung zu ermächtigen, daß alle Bestrebungen, welche auf die Einschränkung des Alkohol g e n u s s e s und die Aufklärung des Publikums über die sittlich und wirtschaftlich schädlichen Folgen desselben gerichtet sind, Allerhöchstihres vollen Beifalles sicl)er seien. So brächten Seine Majestät auch den Bestrebungen, welche in dem Programme des Deutschen Vereins für Gasthaus-Reform in Anlehnung an skandinavische und englische Vorbilder zum Ausdruck kämen, ein lebhaftes Interesse entgegen, und hofften, wenn dieselben festere Grundlage genommen hätten, weiter von der Sache zu hören." Die Tumulte im Wiener Parlament. Tie „Nord d. A l l g. Z t g." schreibt zu den Vorgängen im österreichischen Abgeordnetenhause in offiziösem Sperrdruck: Fürst Bismarck hat stets daran festgehalten, daß wir uns nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischen sollen, und daß die Achtung der D y n a st i e e n einen wesentlichen Bestandteil guter internationaler Politik bildet. Dies gilt in besonderem Matze für das Verhältnis des Deutschen Reiches zu der verbündeten österreichisch-ungarischen Monarchie, sowie in Bezug auf die beiden eng befreundeten Herrscherhäuser Hohenzollern und Habsburg, und zwar heute ganz ebenso wie zur Zeit Kaiser Wilhelms L und seines großen Kanzlers. Der Abg. Schönerer hat gegen diese bewährten Grundsätze mit dem Schlußsatz seiner Rede gröblich verstoßen und der Wirkung nach, was auch seine Absicht gewesen sein mag, nur seinen tschechischen Gegnern und anderen zersetzenden Elementen Vorschub geleistet. Diese Absage, deren Styl die Autorschaft des Grafen Bülow erkennen läßt, ist deutlich und kräftig. Tatz--Fürst Bismarck gegen Schönerer ins Feld geführt wird, ist wohl mit Bedacht geschehen, und hat seinen Grund ohne Zweifel darin, daß Abg. Schönerer sich stets als leidenschaftlicher Verehrer des Altreichskanzlers geriert, u. a. als Führer von Deputationen wiederholt das Mausoleum in Fried- richsruh besuchte. Die Alldeutschen in Oesterreich erleben an ihren Vorkämpfern in der That keine Freude. Erst kürzlich die Ehebruchs-Asfaire des deutsch-böhmischen Abg. Wolf, den Schönerer, der „Schlohherr von Rosenheim", darob in Acht und Bann that, und nun der unüberlegte Vorstoß des „untadeligen" Schönerer selbst — wahrlich, die Tschechen brauchen sich in ihrem Bemühen, die Aeste des germanischen Baumes abzusägen, nicht sonderlich zu beeilen. Die darauf sitzen, nehmen ihnen einen Teil dieser Arbeit ab. Ter Abg. Franko Stein war gestern mit einer- Hundepeitsche im Abgeordnetenhause erschienen. Ta Dr. Dyk dies als Beweis ansah, daß Stein ihn zu insultieren beabsichtige, ließ er sich einen Revolver holen und erklärte, falls Stein ihn angreifen sollte, diesen ohne Weiteres niederschietzen zu wollenl Die Spionage-Affäre des Obersten Grimm nimmt immer weitere Dimensionen an. Es ist erwiesen, daß durch ein über ganz Rußland verbreitetes System fast alle Mobilisierungspläne des Generalstabes sowie Festungspläne an auswärtige Agenten verraten wurden. Es ist sicher, daß nach abgeschlossener Untersuchung sowohl der Kriegsminister wie der Generalstabsches aus ihren Aemtern scheiden. Der Bergwerksunternehmer Rupp in dem Grenzorte Silce wurde verhaftet und nach der Warschauer Zitadelle gebracht. Seine Verhaftung ist erfolgt, weil er verdächtig erscheint, an l0»er Warschauer Angelegenheit aktiv beteiligt zu sein. Wie Lember-ger Blättern aus Warschau berichtet wird, habe Grimm von der deutschen Regierung für seine Dienste ein Jahresgehalt von 12 00 0 Mark und eigene Honorare für besondere Dienste erhalten. Der russische Generalsiab pflege gleich dem französischen seit Jahren den ausländischen Agenten absichtlich gefälschte Militärpläne in die Hande zu spielen. Damit soll Grimm betraut gewesen sein, sodaß er, ohne Aussehen unÄ Verdacht zu erregen, den Agenten echte statt falscher Pläne hatte znkommen lassen können. Vom Goldenen Horn. Wie dem „Berl. Tagebl." aus Konstantinopel telegraphiert wird, ging am 19. d. M. ein Mahfussehdampfer mit 300 Verbannten nach, fernen ab. Außer Offizieren befinden sich verschiedene hohe Hofbeamte darunter. Das letzte Opfer der Gewalthaber ist heute zum Tode verurteilt. Es ist General Osman Pascha, genannt der Kurde, der seinerzeit ins Ausland floh, dann begnadigt wurde und kürzlich durch eine gefälschte Depesche eines Freundes verleitet, avglos zurückgekehrt war. Der Thronfolger, Prinz Reschad Efsendi, ist angeblich, plötzlich schwer erkrankt. Meldungen über Vorgänge im Mldizkiosk sind auf ihre Richtigkeit bekanntlich schwer zu kontrollieren. Es bleibt deshalb eine offene Frage, inwieweit Berichte, wie dieser, den Thatsachen entsprechen. Auf den deutschen Botschafter Frhrn. v. Marschall errsteckt sich das Mißtrauen des« Sultans nicht, denn dieser wird nach wie vor häufig in Privataudienz empfangen. Ein zutreffendes Urteil über die Lage der Dinge am Goldenen Horn werden wohl nur die Unterthanen Abdul Hamids, und hier besonders diejenigen haben, die mit dem bestehenden Regiment unzufrieden sind und aus eine Umwälzung hinarbeiten. Daß diese auch im Mdizkiosk chre Vertrauten besitzen, ist ohne weiteres anzunehmen. Steht es also um des Sultans Autorität schlecht, dann werden die Beobachter das unverzüglich den Ge- innungsgenossen im Lande melden, und der Ausbruch von Unruhen zunächst wohl im alten Revolutionsbezirke Macedonien, wohin soeben der englische Militärattachee Oberstleutnant Mannselt gereist ist, um auf einer mehrwöchigen Studienreise sich über die Lage daselbst zu unterrichten, dürfte der Mitteilung auf dem Fuße folgen. Es ist übrigens zu beachten, daß dort der Boden für politische Exzesse in diesem Jahre als besonders gut bearbeitet gilt. Sämtliche in jenen Gebieten amtierende europäische Kon- uln haben dies ihre Regierungen wissen lassen und der Pforte die Schuld an der bedrohlichen Gestaltung der Dinge beigemessen. Der russische Botschafter soll dem Sultan geraten haben, die versprochenen Reformen in Macedonien endlich o.urckzuführen, da Gefahr im Verzüge sei. Diese Wolke erscheint zwar mit einer gewissen Regelmäßigkeit in jedem Frühjahr am politischen Horizont, was aber nicht ausschließt, daß sie sich doch einmal entladet und arge Verwüstungen anrichtet. Deutsches Keich. Berlin, 19. ^ckirz. Aus Kuel wird gemeldet: Das Linienschiff „Kaiser Wilhelm II.", mit dem Kaiser und dem Prinzen Heinrich an Bord, traf heute Nachmittag hier ein. Um 6i/4 Uhr landete Prinz Heinrich und begab sich ins Schloß zur Begrüßung der Prinzessin Heinrich. Als „Kaiser Wilhelm II." auf der Fahrt durch den Kaiser Milhelm-Kanal bei Rendsburg vorübergekommen war, hatten die am User aufgcstellten Truppen der dortigen Garnison präsentiert, und die Bevölkerung hatte dem Kaiser und dem Prinzen Heinrich stürmische Huldigungen dargebracht — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verleihung des Roten Adlerordens 1. Klasse mit Eichenlaub an den deutschen Botschafter in Washington v. Holleb en und des Kronenordens 3. Klasse an den Gouverneur von Samoa Dr. Sols. — Zu der vom Bundesrat geplanten Neuordnung de s Verkehrs mit Geheim Mitteln vorbereitet das Aelteftenkollegium der Berliner Kaufmannschaft eine Eingabe, die für die berechtigten Jnteresten sowohl der pharmazeutischen Industrie wie des Handels und der Presse nachdrücklich, eintritt. Die „Voss. Ztg." verössentlicht einen vom Verein für pharmazeutische Großindustrie dem Bundesrate überreichten Gesetzentwurf über den Verkehr mit Geheimmitteln. — Gegenüber einer Londoner Blättermeldung wird der „Nat.-Ztg." von unterrichteter Seite mitgeteilt, daß im deutschen Generalkonsulate in Warschau keinerlei Haussuchungen stattgefunden, die russische Gendarmerie dort a.uch nicht das geringste unternommen hat, was in irgendwelchem Zusammenhang mit der Affäre des russischen Obersten Grimm steht. — Den „B. N. N." zufolge hat Gras B<ülow aus eigenster Initiative die Entfernung ausländischer polnischer Agitatoren angeortmet Rastenburg, 19. März. Das Ergebnis der R e i ch s- tagsersatzwahl im Wahlkreise Rastenburg-Gerdauen- Friedland ist folgendes: v. Rauttes (kons.) 93 7 7, Dultz Freis.) 4707, Ebhardt (Soz.) 3135 Stimmen. Ausland. London, 19. März. Das Unterhaus nahm die zweite Lesung des Gesetzes betreffend Einführung von Altersrenten an. Der Präsident der Lokalverwaltung Long bemerkte aber sofort, daß die Regierung die für Durchführung des Gesetzes notwendigen Mittel nicht hergeben würde. Brüssel, 19. März. Die Repräsentantenkammer begann fc)ie Beratung des Gesetzentwurfes betreffend das allgemeine provinziale und kommunale Stimmrecht. Der § 1 bezüglich des Stimmrechts für Frauen wurde a b g e l e h n t, ebenso § 2, der das Alter für das kommunale Wahlrecht auf 21 Jahre festsetzt. Paris, 19. Vtärz. Heute wurde die internationale Konvention betr. den Vogelschutz unterzeichnet, der Deutschland, Frankreich, Oesterreick-Un- garn, Spanien, Portugal, die Schweiz und Griechenlano beigetreten sind. — Der Senat begann die Budgetberatung. Der Generalberichterstatter wies darauf hin, daß das Defizit' des Budgets ein konstantes, wie es scheine, unheilbares fei. Man müsse gegen die Erhöhung des Kredits einschreiten und überall, wo es möglich ist, Ersparnisse eintreten lassen, neue Hilfsquellen ausfindig machen und durchs Streichung der unnötigen Ausgaben möglichst eine Ersparnis von 1300 000 000 Francs bei den Budgets der verschiedenen Ministerien erzielen, namentlich bei den Ministerien der Kolonien, der Marine und des Krieges. Wien, 19. März. Im Abgeordnetenhause erklärte der Ministerpräsident v. Körber alle den persischen Gesandten betreffenden Anschuldigungen für unbegründet. Thatsache sei nur, daß beim kaiserlichen Obergericht ein Prozeß w zisch en dem serbischen Gesandten und dem Erben Schoßbergers im Zuge sei, der den Ersatz eines angeblich behufs Erwerbung des Freiherrn-Titels geleisteten Vorschusses zum Gegenstand habe. — In namentlicher Abstimmung wurde der Budgetposten für eine tschechische technische Hochschule in Brünn angenommen. Belgrad, 19. März. In der heutigen Sitzung der Skupschtina erklärte sich die Mehrheit gegen den Justizminister Stamenkowitsch. Infolge des Konfliktes gab Kabinett feine Entlassung. Aus Ailiöt und Land. Gießen, den 20. März 1902. * * Justizdicnstnachricht. Wie wir vernehmen, ist Rechtsanwalt Ho o s wieder in der Großh. Justizverwaltung als Gerichts-Assessor ausgenommen worden. * * F o r st d i e n st n a ch r i ch t e n. Ter Großherzog hat' den Oberförster der Oberförsterei Homberg, Forstmeister H e ß zu Homberg a. d. Ohm, in gleicher Tienfteigenschaft tn die Oberförsterei Michelstadt versetzt und dem Forstwart. der Gemeindeforstwartei Gernsheim II. F e l l zu Forsthaus „Wilde Hirsch" aus Anlaß seiner mit Wirkung vom 1. April d. I. erfolgenden Versetzung in den Ruhestand den Charakter als „Förster" verliehen. * * Volkslefehalle. Wie man uns mitteitt, ist der Lesesaal der hiesigen Lesehalle jetzt auch Sonntags von elf Uhr vormittags bis 10 Uhr abends für das Publikum geöffnet. * * Plötzlicher Tod. Gestern Nachmittag wollte eine feit längerer Zeit herzleidende Frau, die sich auch in ärztlicher Behandlung befand, aus dem städtischen Brunnen hinter der Stadtkirche Wasser holen. Sie stürzte dabei plötzlich ohnmächtig nieder. In ihre Wohnung gebracht, starb sie dort alsbald. * * Unfall. Eine Junge wollte gestern Nachmittag auf dem Neuenweg von einem Wagen feine darauf sitzende Schwester herunterholen. Dabei ging ihm ein Rad über den Fuß, der anscheinend gebrochen ist. Den Fuhrmann trifft keine Schuld. * * Verein hirschgerechter Taunnsjäger. Bei der Prämiierung auf der Frankfurter Geweihausstellung kamen folgende Preise nach Hessen: Für Rot h irsch geweih e. Ehrenpreise. Se. Königl. Hoheit der Großherzog. Frhr. v. Heyl, Major ä la suite, Darmstadt. Goldene Medaillen: Se. Königl. Hoheit der Groß her zog. Silberne Medaillen: Se. Röntgt Hoheit der Großherzog. Hickler, Gustav, Darmstadt. Frhr. v. Heyl, Major A la suite. Für Gems - friefel. Silberne Medaillen: Frhr. v. Heyl. Für Reh- gehörne. Goldene Medaillen: Forstwart Otto Adam, Lehrbach. H. Burg, Lich. E. Vogt, Butzbach. — Ferner wurden ausgezeichnet: G. Lang, Offenbach, Graf zu Solms- Rödelheim-Assenheim, A. Rübsamen-Gießen. * * Ein „nationaler Reichswahlverband" ist unlängst in Berlin begründet worden auf Grund folgender Forderungen: 1) Tie notwendigen Bewilligungen für unsere nationale Wehrkraft (Heer und Flotte) werden als nationale Ehrensache behandelt und grundsätzlich niemals mit Wünschen und Bedingungen aus anderen Gebieten der Politik belastet. 2) Aus Gründen nationaler Fürsorge muß die ftnanzielle Unabhängigkeit des Reiches von den Einzelstaaten so bald als möglich erreicht werden. Der Hauptgesichtspuukt einer künftigen Reichs- ftnanzreiorm muß deshalb die Ausstattung des Reiches mit eigenen, im Höchstbetrage nicht begrenzten Einnahmen sein. 3) Fremdes Vollstum an unseren Grenzen und seine Siedelungen im Reich dürfen kein Hemmnis staatlicher Ordnung geschweige denn eine Gefahr für unser Volkstum bleiben. Vielmehr muß das Deutschtum zu erfolgreichem Kampfe mit allen Mitteln gestärkt werden. _ , . . 4) Zur Hebung des deutschen Nationalbewußtsems und zur Sicherung wichtiger Zukunftswerte muß unsere auswärtige Politik entschlossen für den Schutz und die Stärkung des Deutschtums im Auslande eintreten und allen auf solche Ziele gerichteten Vereins- bestrebungen kräftige Förderung gewähren. Die Mitglieder des Vorstandes verteilen sich bereits über das ganze Reich. In unserem Lande haben sich Unterzeichner außer in Worms, Wöllstein, Sprendlingen, Bad-Nauheim, Lauterbach, Gaualgesheim, Bingen und Niederingelheim auch in Gießen gefunden, und zwar die Herren Privatdozent Dr. Bötticher, Kreisschulinspeklor Prof. Dr. Lucius, Geh. Hof- rat Prof. Dr. Siebeck und Prof. Dr. v. Wagner. •* Ein interessanter Prozeß wird hier demnächst zur ver- waltungsgerichllichen Entscheidung gelangen. Behördlich war ein Beamter als Sachverständiger mit der Kontrolle und Beaufsichtigung einer öffentlichen Vereinsoeranstaltung betraut worden. Dieser Beamte liquidierte für feine Bemühungen einen Betrag, der vom Vorstand ausbezahlt, von der Generalversammlung aber nicht gutgeheißen wurde, da der vorher angenommene, allerdings nicht beamtete Sachverständige für seine Thätigkest, wie in der Versammlung behauptet wurde. mit einem wesentlich geringeren Honorar zufrieden gewesen wäre. Der beamtete Sachverständige kam zur Aeußerung über seine Forderung und erklärte nun, wenn man auf dem Beschwerdewege gegen ihn vorgehen wolle, werde er seine Honorarforderung mehr als verdoppeln, wozu er nach der Taxe berechtigt sei. Der Verein beschloß darauf, die Frage, ob im vorliegenden Fall der Beamte überhaupt eine Gebühr verlangen könne, im Instanzenweg zur Entscheidung zu bringen. Der Verein vertritt nunmehr die Ansicht, daß der Sachverständige, der in seiner Eigenschaft als Beamter jene Kontrolle über die Vereinsveranstaltung ausgeübt habe, für seine Dienstleistung innerhalb seines Amtes ein Privathonorar nicht zu beanspruchen habe. e Bad Salzhausen, 18. März. Die Villa Ackermann hier ging für 60000 Mark an einen Herrn aus Wiesbaden Mer. Wie man hört, soll darin eine Restauration eingerichtet werden. Sie würde bereits die sechste Wirtschaft in unserem kleinen Platze sein. N Nidda, 19. März. Pachdem nun die Straße von hier nach Dauernheim mit Abzweigung nach Geiß-Nidda ihrer Vollendung und Betriebsübergabe entgegengeht, wird der Bau einer weiteren Straße von Echzell nach Geiß- Nidda mit einer Abzweigung nach Bisses begonnen. Die letzten Vermessungen werden bereits durch Kreisbaumeister Böcher von Echzell vorgenommen. § Mücke, 19. März. Der Bahnbau Laubach-Mücke schreitet seiner Vollendung entgegen. Der milde Winter im Verein mit dem zeitigen Frühjahr gestatteten, daß ununterbrochen gearbeitet wurde. Welch' gewaltige Sprengung von Felsen in der Nähe von Freienseen vorgenommen werden «mußten, das kündeten die allabendlich weit in der Umgegend vernehmbaren Kanonendonner ähnlichen Detonationen. Jetzt hat der Bahnbau auch in unserer nächster Nähe, bei Stockhausen, seinen Anfang genommen. Es steht somit wohl zu erwarten, daß die neue Bahnlinie noch in diesem Jahre fertiggestellt wird. m Darmstadt, 19. März. Im alten Palais am Luisen- platz konstituierte sich heute ein Schiller-Fra uen-Ver- band (auf Anregung von Leipzig aus) unter der Protektion der Gräfin zu Erbach-Schönberg. Erste Vorsitzende wurde Frau Lilli Wolf stehl, 1. Schriftführerin Frl. Dr. Ella Mensch. Der Großherzog steht dem Verband sympathisch gegenüber. FlörSheim a. M., 20. März. (Original-Telegr. des „Gieß. Anz.") Auf der hiesigen Station entgleisten heute Morgen 4 Wagen eines Güterzuges. Der Bremser Bähr wurde heruntergeschleudert und fiel unter den gerade vorbeifahrenden Zug Frankfurt-Cassel, der ihm ein Bein und eine Hand abfuhr. Er ist seinen Verletzungen bereits erlegen. Der Verkehr wurde eine Zeit lang eingleisig geführt. fc. Mainz, 20. März. (Original-Tel. des „Gieß. Anz.") Aus bester Quelle erfahren wir, daß der Kaiser anläßlich seiner Anwesenheit bei den Mitte Mai in Wiesbaden stattsindenden Festspielen hier aus dem Großen Sande eine Truppenschau über die in der Umgebung garnisonierenden Regimenter der 21. und 25. Division abhalten wird. — Der hochbetagte Bürgermeister Stenner in Bretzenheim wurde gestern nachmittag stark verbrannt vor dem überheizten Ofen in seiner Wohnung aufgesunden. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Worms, 19. März. Der Großherzog stattete heute unserer Stadt einen Besuch ab, um das neue Elektrizitätswerk und die Lederfabriken von Doerr und Reinhart zu besichtigen. Se. Königl. Hoheit wurde am Bahnhof von Oberbürgermeister Köhler empfangen, woraus sofort die Fahrt nach dem städtischen Elektrizitätswerk angetreten wurde. Der Großherzog, der in Zivil war und von Herrn Oberbürgermeister Köhler begleitet wurde, während im nächsten Wagen die Herren Obersthofmarschall von Westerweller und Geh.-Rat Prof. Dr. Kittler folgten, erwiderte die Grüße des zahlreichen Publikums aufs Freundlichste. Nach der Besichtigung des Elektrizitätswerkes begab sich der Großherzog nach den Lederfabriken der Firma Doerr u. Reinhart. Die Besichtigung des Etablissements währte etwa I1/2 Stunden, und auch hier schied der Großherzog mit Befriedigung über den Einblick in den umfangreichen Gesck)äftsbetrieb der Firma. Darauf beehrte er den Frhrn. v. Hehl mit seinem Besuch und nahm später später bei Oberbürgermeister Köhler den Thee ein. Gegen 7 Uhr abends kehrte der Landesfürst mittels Extrazuges nach der Residenz zurück. () Krofdorf, 19. März. Die Gemeindevertretungen der vereinigten Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg-Kinzen- bach kamen am Dienstag zu einer Sitzung zusammen, in welcher sie zur Wahl des von der Regierung zum Pfarrer von Krofdorf ausersehenen Pfarrers Knieper zu Herdorf ihre Zustimmung gaben. Frankfurt a M., In der Rhönstraße 32 baut der Bauunternehmer Georg Wenzel aus Bürgel ein Hinterhaus. Der Bau ist bis zum zweiten Stock gediehen. Gestern abend nun zwischen 5 und 6 Uhr brach der im Innern des Baues aufgemauerte große Pfeiler plötzlich zusammen. Glücklicherweise war nur noch der 27 Jahre alte Betonarbeiter Hartmann aus Vilbel im Innern beschäftigt, der von dem Steingeröll leicht verletzt wurde. Tie Baustelle wurde sofort polizeilich abgesperrt. Die heute Vormittag vorgenommene Untersuchung soll ergeben haben, daß der Pfeiler noch nicht verankert und äußer- dem überlastet war. Ferner soll das zu seinem Aufbau verwendete Material sehr mangelhaft sein. — Tie Genehmigungs-Urkunde über die Ausgabe von Schuldverschreibungen seitens des evangelisch-lutherischen Stadt-Synodal-Verbands Frankfurt a. M. bis zu Mark 2 Mill, ist erschienen. Tie vom preußischen Kultus- und Finanzministerium unterzeichnete Genehmigungsurkunde besagt, daß diese Anleihe für Beschaffung der Mittel zur Bestreitung der Kosten dienen soll, die dem Synodal-Verband aus der Erwerbung von Grundstücken, sowie aus der Errichtung neuer kirchlicher Gebäude in Erfüllung seiner rechtlichen Verpflichtung erwachsen. Die Schuldverschreibungen sind mit 3y2 oder 4 pCt. jährlich verzinsen, und nach einem bestimmten Tilgungsplan durch Ankauf oder Verlosung von dem auf die Ausgabe folgenden Kalenderjahr ab jährlich mit 1 PCt. des Kapitals, unter Zuwachs der Zinsen von den getilgten Schuld-Verschreibungen, zu tilgen. Für die Befriedigung der Inhaber der Schuldverschreibungen wird eine Gewährleistung seitens des Staats nicht übernommen. — Unserem gestrigen Bericht aus der Frankfurter Stadtverordneten-Bcrsanunlung über die Erörterung des Baues eines B i s m a r ck - D e n k m a l Z ist noch, nachzirtragen, daß der Ausschuhantrag auf Errichtung des Denkmals gegen 5 Stimmen angenommen wurde. Hersfeld, 19. März. In Reilos geriet eine größere Anzahl Leute aus den Dörfern Rohrbach und Tann, die von der Aushebung in Hersfeld kamen, in einen Streit, der zu einer blutigen Schlägerei führte. Der 48 Jahre alte Arbeiter Kerst und der 22jährige Schreiner Sommer aus Tann wurden erschlagen, indem ihnen mit Knüppeln die Schädeldecken zertrümmert wurden. Vermischtes. • Dessau, 19. März. Der Fabrikwächter Rauhhut von einer Roßlauer Fabrik wurde ermordet und beraubt aufgefunden. Der mutmaßliche Raubmörder Hüttenrauch ist flüchtig. * Ein angeblicher Ritualmordversuch in Strehlen i. Schl, hat seinen harmlosen Abschluß durch folgende „Abbitte" in der „Str. Ztg." gefunden: „Hierdurch erkläre ich, daß ich die Anschuldigung, Herr Kantor Simson habe den fünfjährigen Sohn meines Bruders mit Zuckerzeug beschenkt und in das Syna gogengrundstück gelockt, wissentlich falsch gethan habe; ich bedauere dies und leiste hierdurch Herrn Kantor Simson öffentlich Abbitte. Als Sühne habe ich zwanzig Mark in die Armenkasse zu Strehlen gezahlt." — Die Abbitte trägt die volle Namensunterschrift des Anschuldigers. * Minister oder Einbrecher. Ein eigenartiges Abenteuer erzählt der „Gaulois" von dem französischen Finanzminister. Vor kurzem bemerkte der Posten, der vor dem französischen Finanzministerium Wache stand, in der Dämmerung einen Mann von etwa vierzig Jahren, der anständig gekleidet war, wie er aus dem Ministerium zu entkommen suchte und sich anschickte, das umschließende Gitter an einer Seite zu übersteigen. Der Posten eilte herbei und richtete sein Bajonett aus den Uebelthäter. Der andere ließ sich aber nicht stören, sondern kletterte weiter. „Halt!" rief der Soldat. „Ich bin Caillaux ,der Finanzminister, und.. „Du bist der Minister! Das kannst Du mir ja nicht erzählen . . Und dabei schickte sich der Posten, treu seiner Instruktion an, den Mann beim Kragen zu fassen und ihn zu näherer Erklärung vor den Adjutanten zu führen. Da trat jedoch der Pförtner Seiner Exzellenz dazwischen, der alles gehört hatte und für die Freiheit seines Herrn fürchtete, eilte mit einem Schlüssel herbei und öffnete. Der kühne Kletterer war in der That der Leiter der französischen Finanzen. Er hatte eine Einladung zum Diner von seinem Nachbar erhalten und wollte sich zu diesem begeben. Er hatte aber seinen Schlüffel vergessen und da er jung und in gymnastischen Hebungen sehr stark war, wollte er ohne weiteres über das Gitter klettern, statt noch einmal zurückzu- gehen und sich den Schlüssel zu holen._______________________ Universltüts-Uach richten. Berlin, 19. März. In den letzten Tagen sind 40 russische und polnische Studenten, meist Hörer der technischen Hochschule in Charlottenburg, wegen politischer Umtriebe und weil sie sich mißliebig gemacht hatten, aus Preußen ausgewiesen worden. Einer der Ausgewiesenen stand vor dem Examen. Sie sollen einer verbotenen Verbindung angehört haben. — In seiner Schlußvorlesung über praktische Nationalökonomie hatte Pros. Schmoller in Berlin sich auch über die parlamentarische Behandlung des Zolltarifs ausgesprochen, und einer seiner Zuhörer berichtete über diese Vorlesung auszugsweise in der Presse. Prof. Schmoller erklärt nun folgendes: ,,Der betreffende Student hat aus der Rede von einer Stunde einige Sätze herausgegriffen, andere weggelassen. Er hat mich in vielem offen- oar mißverstanden, unterlegt mir Aussprüche, die ich nicht oder nicht so, die ich in ganz anderem Zusammenhang gesagt habe. Er hat ohne meine Erlaubnis und ohne meine Kenntnis diese Publikation vorgenommen; ich kann sie gar nicht als eine getreue Wiedergabe meiner Ansichten und Ausführungen anerkennen. Es ist ein grober Mißbrauch, der gegen alle gute akademische Sitte verstößt." — Der „Lok.-Anz." meldet aus Paris: Die Pariser Vorstellungen der Leipziger Studenten sind bis nach den frcm- zösischen Kämmerwahlen verschoben worden. Gerichtsfaal. — Die angebliche Duellredc des Kaisers. Gegen das Urteil im Prozeß wegen der angeblichen Duellrede des Kaisers hat der Rechtsanwalt Dr. Halpert für den zu 2 Monaten Gefängnis verurteilten Redakteur P. Groll die Revision eingelegt, während sich die zu 500 bezw. 300 Mk. Geldstrafe verurteilten Mitangeklagten, Buchdruckereibesitzer Stein und Geh. Rechnungsrat Steinbach ebenso wie die Staatsanwaltschaft bei dem Urteil beruhigt haben. -Kandwütschast. Das Vorkommen von Viehseuchen in Obcrhessen während des Monats Februar 1902. Milzbrand wurde festgestellt in Ober-Hörgern Kr. Gießen, in Ober-Mörlen, Bad Nauheim und Hoch-Weisel Kr. Friedberg. — Nauschbrand wurde festgestellt in Hof-Thiergarten und Erbacher Hof Kr. Büdingen, und in Ober- Lais Kr. Schotten, und zwar in Erbacher Hof bei 1, in den beiden anderen Orten je 2 Schafen. Schweinerotlauf wurde festgestellt in den Orten des Kreises Gießen: Bellersheim und Ober- Höraern je bei 1 und in Gießen bei 2, in Maulbach und Lehrbach Kr. Alsfeld, in Fauerbach Kr. Büdingen, in Hoch-Weisel Kr. Friedberg, in Freien-Seen, Eichelsdorf und Busenborn Kr. Schotten. — Tie sHl u u l = u n d Klauenseuche ist erloschen in Okarben Kr. Friedberg. Die Seuche herrscht fort in Utphe Kr. Gießen und in Nieder-Wöllstadt Kr. Friedberg. Handel und Kerlrehri UMswirlschast. Hamburg, 19. März. Tabak. Das Geschäft bleibt andauernd still, indem die Zurückhaltung der Käufer für Brasil- Tabake neue Ernte, nach Prabeballen, bestehen bleibt. Einige Partien, die hier eintrafen, wurden zu bestehenden Preisen ausgenommen. Beeinträchtigt wird die Geschäftslust durch Berichte aus dem Jnlande über die augenblickliche recht ungünstige Lage der Ziaarrenfabrikation. Bisher sollen erst ca. 3500 Packen neuer Brasil-Tabake in Händlerhände übergegangen sein. lieber die neue Havana- Ernte sind weitere ungünstige Nachrichten eingetroffen. In Carmen- Tabaken kamen einige kleinere Verkäufe zu stände. Eine eingetroffene kleine Partie von ea. 90 Packen P ortorifo fand wegen zu hoher Preisforderung keine Berücksichtigung. Tür- k i s che Tabake waren mangels Ankünfte sehr still Die an den Markt gebrachten 50 Packen Griechen blieben wegen übertriebener Bewertung seitens der Inhaber unverkauft. Die Preisnotierungen zeigen im allemeinen kaum Veränderungen. Frankfurter Hypothekenbank. In der heutigen Generalversammlung wurde beschlossen, das Aktienkapital innerhalb dieses Jahres durch Ausgabe von 2 Millionen Mark neuer Aktien auf 18 Millionen Mark zu erhöhen und den jetzigen Aktionären ein BezugSrecht nach den Verhältnissen von einer neuen auf acht alte Aktien einzuräumen. Elektrizitätsgesellschaft Schuckert u. Cie. Nürnberg. An der Börse tauchten jüngst Gerüchte auf, laut welchen die Gesellschaft nicht in, der Lage sein wird, pro 1901 eine Dividende zu ver- teilen. Run äußert such auch die DnekttM« aber «mherst vorsichtig dahin, daß sich jetzt noch nicht einmal eine Schätzung anstellen laste. Der Geschäftsgang sei in anbetracht der allgemeinen wirtschaftlichen Lage als gebessert zu bezeichnen. Die Gerresheimer Glashüttenwerke vorm. Friedrich Heye genehmigten einstimmig die Bilanz für 1901, sowie die Verteilung von 12 Prozent (i. V. 10 Prozent) Dividende und erteilte Entlastung. Die Geschäftslage wurde als befriedigend geschildert. Die Aussichten für das laufende Jahr feiert so gut wie im letzten Jahr, eher noch etwas besser. Bank für Siiddeutschland in Darmstadt. Die Fusion dieser Bank mit der Darmstädter Bank ist nun bcfd)loffene Sache. Der Aussichtsrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eine Offerte der Darmstädter Bank anzunehmen, wonach das Alk. 15 672300 betragende Aktienkapital der Zettelbank unter Fusion dieses Instituts mit der Darmstädter Bank in Aktien der letzteren im Verhältnis von Mk. 7500 gleich 25 Zettelbankaktien gegen Alk. 600 gleich 6 Aktien der Darmstädter Bank, beides mit Dividende für 1902, umgetauscht wird. Die Darmstädter Bank wird entsprechend ihr Aktienkapital erhöhen und in der auf den 21. April einberufenen Generalversammlung entsprechende Anträge stellen. Märkte. Limburg a. d. L., 20. März. Frucht markt. Durchs schnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.55 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 10.70 Mk., Gerste 9.48 Mk., Hafer 8.55 Mk., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Gottesdienst der israelitischen Ketigionsgesellschast. Sabbathfeier am 22. März 1902. Freitag abend 616. Samstag vormittag 880. Nachmittag 400. Sabbathausgang 730. Wochengottesdienst: morgens 6" Uhr, abends 600 Uhr. Keimte Meinungen." Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Breslau, 20. März. Der „Schles. Ztg." zufolge nahm der Privatdozcnt an der hiesigen Universität, Prof. Tr. Kannen stiel den Ruf als ordentl. Profesior und Direktor der gynäkologischen Klinik der Universität Gießen au. Berlin, 20. März. Die „B. N. N." sind in der Lage, festzustellen, daß von einer Aktion der Berliner städtischen Behörden, eine Protest-Kundgebung der deutschen Städte gegen den Zolltarif im großen Stile zu inszenieren, keine Rede ist. Es handelt sich um ein rein persönliches Unternehmen einer Anzahl von Stadtverordneten und Magistrats-Mitgliedern (darunter auch der Oberbürgermeister von Berlin), die beabsichtigen, die Mitglieder der städtischen Verivaltungen zwischen Ostern und Pfingsten nach Berlin zu einer Versammlung emzuladen, um gegen den vorliegenden Zolltarif Stellung zu nehmen. Ein solches Unternehmen kann den staatlichen Aufsichtsbehörden feinen Anlaß zum Einschreiten geben, es müßte denn sein, daß einzelne Städte die Angelegenheit zum Gegenstände der Beschlußfassung ihrer kommunalen Körperschaften machen oder den Besuch der Versammlung aus Gemeindemitteln unterstützen sollten. Kopenhagen, '20. März. Die Verhandlungen zur Beendigung des seit zwei Monaten herrschenden Heizer- Streikes sind gescheitert. 40 Dampfer sind genötigt, ihre Fahrten aufzuschieben. Die Streikkaffe zahlt wöchentlich 10 000 Kronen aus. London, 20. März. Aus Tientsin wird gemeldet: Der neue chinesische Gesandte für London hat Taku verlaffen, um sich auf seinen Posten zu begeben. — Die Emission von 40 Millionen Pfund Sterling der Kriegs-Anleihe wird bereits in den nächsten Tagen erfolgen. London, 20. März. Gestern wurden 1100 Offiziere und Mannschaften nach Südafrika eingeschifft. — Nach Meldungen aus Clarksdorp verbrachte Lord M et hu en eine gute Nacht. Die Temperatur ist normal. Ebenso hat Methuen wenig Schmerzen. Paris, 20. März. Der „Matin" veröffentlicht ein Interview mit Krüger. Dieser teilte mit, daß seine Ansichten und Hoffnungen sich nicht geändert hätten. Der endgültige Sieg gehöre den Buren. Was einen Frieden ohne Unabhängigkeit anlangt, so wollte Krüger nichts davon wissen. Wir sind, so sagte Krüger, nicht im geringsten entmutigt. Die Geschichte dieses Krieges ist immer nur ein Komplott gegen unsere Freiheit gewesen. Ein ehrbarer Friede ist noch möglich an dem Tage, an dem sich die Augen der Regierung und des englischen Volkes öffnen. Der Krieg dauert noch fort dank der Gehässigkeit unserer Gegner. Madrid, 20. März. Der junge König wünschte, ohne gesehen zu werden, der Eidesleistung der Minister' beizuwohnen. Dieser Wunsch wurde ihm erfüllt. Prag, 20. März. In der Kapuzinerkirche zum heil. Joseph kam es während der gestrigen Predigt zu einer Demonstration. Als der Priester deutsch zu predigen begann, verlangten die Anwesenden die Predigt in tschechischer Sprache. Da der Geistliche weiter deutsch predigte, verließen die Tschechen unter großem Lärm die Kirche. Warschau, 20. März. Oberst Grimm soll zu lebenslänglicher Einschließung verurteilt sein. Konstantinopel, 20. März. In Mekka sind vom 14. bis 17. d. Mts. 141, in Medina vom 14.—18. 6 und in Ojeddah 21 Todesfälle an Cholera vorgekommen. Foulard-Seide 95 n ZK Seide" inschwarz weiß und farbig von 95 Pfa. bis Mk. 18.65 pr. Mtr. Absolut feilt Zoll zu zahlen! da oie portofreie Zusendung der Stoffe durch meine Seidenfabrik auf deutschem Grenzgebiete erfolgt. — 9cur echt, wenn direkt von mir bezogen. Atuster umgehend. G. Kleniieberff, Seidenfabrikant (K. u. K.Hoflief.), Zürich. Telephonischem Kursbericht. Frankfurt u. Ul.. 20. März 1902. 3Va% Roiohsanleihe . . 101.70 3% do. 4 . . 92.45 3V,% Konsols .... 101.70 8°/o do.....92.20 8l/a% Heesen .... 100.25 8% Hessen ..... —.— 4% Oesterr. Goldretne . . 103.00 4‘ 2% Oesforr. Silberrento 101.50 4% Ungar. Goldrente . . 100.15 4°/ Italien Rente . . . 101.00 41/, % Portugiesen ... 44.20 ’0/ Portugiesen, 4 . . . 28.50 1 % C. Türken , > . . 28.45 Türlrenlose . . 4 . . . 115.00 4% Griech. Monopol -Anl. 44.95 4'/, 26 äussere Argentiner —4 8*Vo Mexikaner .... 26.50 4*/i /,, Chinesen .... 89.10 Electric. Sol.uckert . . . 111.00 Nordd. Lloyd.....—.— Kreditaktien , . . . . 219.50 Diskonto-Kommandit. . . 19Ö.30 Darmstädter Bank . . . 141.50 Dresdener Bank .... 137.30 Beniner Handelsges. . . 155.80 Oesterr. Staatebahn . • . 145.00 Lombarden . . . . , 18.70 Gottbardbahn.....168.00 Lauranütte 199.20 Bochum 196.50 Harpener......164.00 Tendenz: still. Frankfurter Hypothekenbank Ausgaben Einnahmen Gewinn-Vortrag vom Jahre 1900 . Jtt 13,258,159.48 . Jft 1,410,000.— [2311 hofslraße 40 I n 2,474,326 81 14,161,435'96 Bilanz per 3t. Dezember 1901 Passiva Aktiva Lt 15' 8,350,000 JL 115,250.90 93 2,766,527 81 2,441,010 29 1,969,603 3,168,591 16 80 458,888.— 93 490,468 348,901,303(93 93 und gelangen dementsprechend die Coupons 2314 32 Haufen Fichten-Stangen, 48 Wiener. 2042 2Hiefiu*rml|e Atllen-GWchk 432,000.— 50,000.— 993,850 63 307,047 22 3,296,258 3,474,969 2,500,708 7,138,176 ff 212,409 194,671 28 41 und mit von und mit 92 1880 Zinsen aus: Hypotheken . Kommunal-Darlehen, Lombard-Darlehen, discontierten Wechseln, Conto-Corrent und Staatspapieren Rücklage auf Staatspapiere Ueberiveisung an den Be- amten-Pensionsfonds Tantiemen, Gratificationen Vortrag auf das Jahr 1902 Eigene Pfandbriefe . Lombard-Darlehen . Guthaben bei Bankhäusern 'Disconto-Wechsel 9°/0 Dividende Ueberweisung an den Reservefonds Aktienkapital . . Reservefonds gesetzlicher . . Disagio-Reserve . Immobilien-Reserve Pfandbriefe 4procentige . 3>/zprocentige. Verloste Pfandbriefe . Pfandbriefzinsen welche sich zu Spalier-und Bohnenstangen eignen, rm Nadel-Knüppel, Buchen- und Nadel- Wellen, rm Stöcke. deckung bestimmt) Hypothekenzinsen am 31. Dezember 1901 rückständige . am 1. Januar 1902 und später fällig werdende Kommunal-Darlehen . laufende Zinsen . Darlehensprovisionen (ausschließlich JL 177,350.35 Erhöhung des Vortrags) Kaste einschließlich Giro-Guthaben bei der Reichsbank und Frankfurter Bank Wertpapiere Deutsche Staatspapiere JL 2,837,370.— Pfandbriefzinsen . . . Verwaltungskosten .... Steuern und Stempel . . . Reingewinn, beschlossene Verwendung 316,678,700 47,000 X 16,000,000 bis 27 cm Durchm. 4 bis 18 rn Länge 86,44 fm, 340 Nadel-Derbstangen 7—12 cm Durchm. bis 12 m Länge 26,56 fm, X 324,523,580 Sofiversteigerung Die am Donnerstag dem 13.März l.J.in demOppenröder Gemeindewald abgehalteneBau- und Brermholzversteigerung ist nicht genehmigt und kommen Dienstag den 25. März l. I. von vormittags 9 Uhr ab nochmals zur Versteigerung: 296 Nadel-Stämme von 13 40,000.— 235,279.59 307,047.22 Bis Freitag öcn 28. Mörz Sonnen- Fahrräder u. Luxus-Nähmaschinen sind erstklassige deutsche e^f» Fabrikate. । DieTabrzcufl-a.näh* SHA maschineu-Industrie L Antweiler, Köln a. Rh. liefert solche m. 1 jährlg. Garantie direot zu En- gros-Preicen. Katalog grat. WiederveriLges. Boi Nr. I Tourenrad M. 87.50 I.niu» Kr. 51 NUbuiaaci». M.3O von heute ab zur Einlösung. Frankfurt a. M., den 19. März 1902. Kandidat sucht möbll Zimmer 5v mit sep. Eingang in der äuß. Stadt. 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Erfolgt eine solche Anzeige nicht, so wird unterstellt, daß die betreffenden Einleger mit der Ermäßigung des Zins- "fußes einverstanden sind und ihre Kapitalien bei unserer Kasse stehen lasten wollen. Gießen, am 11. März 1902. Der Direktor der Spar- und Lechkaste Gießen. Verdingung von^flasteraröeit. Die Pflastcrarbeit zur Herstellung des Weges zwischen der Hollergaste und dem über den Oberhessischen Bahnhof führenden Steg soll Mittwoch den 26. d. Mts., vormittags ll3/a Uhr, öffentlich verdungen werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden auf unserem Büreau, Zimmer Nr. 2, zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind spätestens bis zum obengenannten Termin bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 20 Tage. Gießen, den 19. März 1902. Das Stadtbauamt: Schm and t. 2324 Junges Wcheu aus anst. Familie wird f. nachm. zu 2 Kindern v. 4 u. 5 Jahren ges. Näh, b. d. Exp. d. Bl. [2304 Conto-Corrent: Debitoren «X 871,014.39 ab Creditoren „ 380,545.46 Immobilien Bankgebäude ....... schirme zu bedeutend ermäßigten Preisen. 2323 Wler SßimsM Gießen Seltersweg 9. Seltersweg 9. Die Dividende für 1901 ist auf 9 Prozent festgesetzt der alten Aktien Lit. A., B., 0. mit Mk. 90.— 2305] Eme Wohnung, 4 Zim. u. Küche i. 2. Stock, Grünbergerstraße, per 1. Juli zu vermieten. Offert, u. 2305 an die Expedition. Das Bauholz kommt vormittags zur Versteigerung. Die Zusammenkunft ist im Ort. Bemerkt wird, daß der Zahlungstermin bis Martini 1903 festgesetzt ist. Oppenrod, 18. März 1902. Gr. Bürgermeisterei Oppenrod. Balser. 2299 ® Verheirat. Arzt, • d seit 10 Jahren in Praxis, ™ G sucht Stelle mit Fixum! 0 Offerten unter LG 127 Ä Hauptpostamt Stuttgart. w . JL 6,500,000.— . „ 1,200,000.— . „ 650,000.— X j 11,280,02846 » neuen „ „ D. 140,386,500.— „ 176,292,200.— Hohversteigerung Montag den 24. März d. 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Die Seiten- trapen sollen zur Bebauung vorerst nicht eröffnet und nur die Bebauung der an die Marburgerstraße grenzenden Eckbauplätze zugelassen werden. Der Entwurf des Fluchtlinienplanes liegt bis zum 10. April L I. auf dem Stadtbauamt offen. Einwendungen gegen denselben sind binnen gleicher Frist bei Meidung des Ausschlusses bei uns anzubringen. Gießen, am 19. März 1902. 2322 .Großherzoglrche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Wohnungen, Ecke der Landgrafen,rraße und Braugasse, Beletage und 2. Stock, je 6 Zimmer und Bad per sofort zu vermieten. Näheres Löber- straße 9. Mly. Weigel. 2288 35] Nordanlage 3, 2. Etage, komfortabel eingericht. Wohnung von 5 Zimmern mit allem Zubehör, per L April zu vermieten. Liebmann Bär, 9tordanlage L Junger, kräftiger Bursche sofort gesucht. 2258 Bierhandlung Ludwigstratze 26. -LehrlW-Wch! Für ein altes Kolonial-, Material-, Eisen- und .rnrbengeschäft in Alsfeld wird ein Lehrling aus guter Familie, unter günft. 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