9lr. 67 Erscheint tägNch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Lietzener Kamilien- blMter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Steur- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Erpedition und Druckerei: Tchulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Frrnsprechanschluß Nr. 51. Donnerstag 20. März 1003 152. Jahrgang Erstes Blatt. Bezugspreis: monatlich 75 Ps., viertelt jährlich Mk. L20; durch, Abhole- u. Zweigstelle«^ monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel« jährt. ausschl. Bestellg.^ Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem.' Teil: P. Wittko: für „©tobt unb Land^ und »Gerichtssaal": R. D i t t» mann; für ben Anzeigenteil: Hans Beck. GietzeimAnzeiger General-Anzeiger w v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Wem daran liegt, möglichst rasch und vollständig über alle wichtigen politischen und wirtschaftlichen Fragen unserer Zeit orientiert zu werden durch tägliche Original-Telegramme und Korrespondenzen, Leitartikel, politische Uebersichten, provinzielle und vermischte Nachrichten, wer insbesondere über die bevorstehenden Zoll- tarifverhaudlrmgen im Reichstage objektiv und eingehend unterrichtet sein will, der abonniere auf den Gießener Anzeiger, die weitaus größte und bedeutendste Zeitung der Provinz Oberhessen, die auch in der kommenden Parlamentszeit wie bisher ein besonderes Parlamentsblatt erscheinen lassen wird. Unsere bisherigen Abonnenten bitten wir infolge des bevorstehenden Quartalswechsels um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, wobei wir darauf aufmerksam machen, daß sämtliche Brief- und Landbriefttäger in der Zeit vom 15.—25. März Bestellungen auf den Gießener Anzeiger entgegennehmen. In den Orten, für die wir einen eigenen Botendienst eingerichtet haben, beliebe man sich an die Ausgabestellen zu wenden. Sozialdemokrat und Hrotzherzog. In der „Dtschen. Reichsztg." finden wir größtenteils die Auslassungen wieder, die wir bisher in der lächerlich aufgebauschten Angelegenheit „Großherzig und Sozialdemokrat" vertreten haben. Wir lesen: Der Großherzig ddn Hessen hat bekanntlich neuliche auf einem parlamentarischen Abend in Darmstadt abermals mit dem sozialdemokratischen Abg. Ulrich gesprochen. Man sollte meinen, der harmlose Vorfall wäre bereits im vorigen Jahre, als er sich zum ersten Male ereignet, nach! allen Seiten ausreichend erörtert worden. Es fehlte dabei auch an scharfem Tadel gegen den Großherzog nicht. Es scheint, als ob man sich von dieser Krittk eine große Wirkung versprochen hätte und nun gewaltig enttäuscht ist, daß sre auf den Großherzog so wenig Eindruck gemacht hat. Dem „liberalen Fürsten" werden nochmals dringende Vorstellungen gemacht. Der ,Fteichs b o t e" wirft ihm unverblümt vor, er scheine die Popularität so hoch anzuschlagen, daß er sie sogar bei seinen republikanischen Gegnern suche. Diese würden darin aber nicht eine Leutseligkeit, sondern eine Schwäche erkennen. Jedenfalls könnten Fürsten, die mit den Vertretern der revolutionären Partei charmierten, sich nicht benagen, wenn das Volk Sozialdemokraten in die Parlamente wählt, und die Lage gestalte sich dann so, daß das Volk konservativer und staatserhaltender sein müsse, als die Fürsten, wenn der Umsturz nicht siegen solle. Die „Hamb. Nachr.", die noch immer den Schmerz über das Verschwinden des Sozialistengesetzes nicht überwunden haben, höhnen, Herr Ulrich habe vermutlich seinem Souverain beruhigende Versicherungen für den Fall gegeben, daß demnächst das Großherzogtum Hessen zum VersnchsfeÜre für den Umsturz ausersehen werden sollte. Das sind alles alberne Uebertreib un gen von Leuten, die sich einen Sozialdemokraten nur als Königsmörder und grundverdorbenen Bösewicht vorstellen können, den man aus der Menschheit austilgen muß, während sie selbst sich für die Erbpächter der Staatstreue und den verkörperten Edelmut Halden. Solche Leute können es überhaupt nicht vertragen, wenn Menschen und Parteien, die nicht ganz ihrer Gesinnung sind, als gleichberechtigt, ja auch nur als existenzberechtigt angesehen werden. Für sie ist es daher unfaßbar, wie jemand, geschweige denn ein Fürst, mit einem Sozialdemokraten, den jeder anständige Mann doch anspucken oder noch besser wie ein wildes Tier Niederschlagen müßte, ein freundliches und harmloses Wort sprechen kann. Ginge es nach diesen freien Geistern, so würde überall im Staatswesen die engherzigste und brw- talste Parteityrannei herrschen müssen, selbstverständlich, so, daß sie und ihre Gesinnungsgenossen die Herrschaft in Händen hätten. Die „Deutsche volkswirtsch Korr." macht sich selbst einen Mauserungs-Popanz zurecht und kämpft nun tapfer dagegen an. Sie stellt es so dar, als habe jemand aus der Unterhaltung des Sozialdenrokraten mit dem Großherzog gefolgert, die Mauserung der Sozialdemokratie sei nun bis zur tadellosen Hofsähigkeit und Fürstentreue vollendet. Darüber wird dann weidlich gespottet. Selbstverständlich hat kein Mensch solchen Unsinn behauptet, auch unseres Wissens kein Freisinniger, wiewohl die „Deutsche volksw. Korr." ihren Zorn besonders gegen die Freisinnigen richtet, die mit dem Mauferungsgeschwätz ihr Gewissen beruhigen und die Mahner in ihren Reihen beschwichtigen wollten. Der Freisinn ist aber nur die Deckadresse für den Großherzog. Das tritt zum Schluß offen hervor, wo von den „Großherzoglich hessischen Experimenten mit sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten" die Rede ist und in düsterem Prophetenton deklamiert wird: „Demagogen sind oft genug zu Hofe gegangen, wo man kurzsichtig genug war, sie als solche zu verkennen; warum sollte es in Darmstadt anders sein?" So steckt denn auch hinter diesem Zorn über das „Mauserungsgeschwätz" nichts als der Schmerz über das verschwundene Sozialistengesetz und der Aerger, daß das Geschrei der Scharfmacher nicht die gewünschte Beachtung findet. Die sozialdemokratische Presse hat sich über die Darmstadter Unterredung gar nicht mehr aufgeregt. Der „Vorwärts" macht sich nur lustig über diejenigen, welche von ihm erwartet hatten, daß er sich über Ulrich entrüsten werde. Er hat ja auch wirllich keinen Anlaß, den Vorfall tragisch äu nehmen. Wie die Unterhaltung auf Seiten des Großherzogs noch lange kein Paktieren mit der Sozialdemokratie bedeutet, so auf Seiten des Herrn Ulrich kein Paktieren mit der „Reaktion" und „Bourgeoisie". Wir halten den Vorfall für viel zu harmlos, als daß er hüben oder drüben besondere Nachwirkungen haben könnte. Der Großherzog kann dabei nichts besonders Neues gelernt und keine andere Anschauung über die Sozialdemokratie gewonnen haben, als er schon hatte. So rasch und leicht geht die „Aufklärung" und „Annäherung" denn doch nicht vor sich daß sie in ein paar Minuten am Biertisch vollzogen werden könnte. Offenbar hat der Großherzog chon vorher ganz vernünftige Ansichten über die Sozialdemokraten gehabt. Wären sie in einen Augen die Ungeheuer, als die man sie dem Fürsten gern hinzustellen pflegt, so würde er die Unterhaltung nicht gesucht, sondern sorgfältig vermieden haben. Umgekehrt darf man den urteilsfähigen Sozialdemokraten auch nicht die Ansicht zutrauen, als seien di,e Fürsten allesamt blutsaugend eTyrannen und Volksver derber. Ulrich dürfte somit gleichfalls nicht nötig gehabt haben, infolge der Unterredung seine politischen Anschauungen zu korrigieren. Wenn die vielbesprochene Unterhaltung eine Bedeutung hat, so ist es die, daß sie manchen Leuten als M a h n u n g und Beispiel dienen kann, andere nicht lediglich nach blinden Vorurteilen zu verurteilen und zu behandeln. Politische Tagesschau. Zur Frauenfrage hat das Kultusministerium in Preußen am Montag int Abgeordnetenhause eine klare und unzweideuttge Stellung eingenommen. Der Oberlehrer und freisinnige Abg. Wede- kamp hatte durch die Ausstellung von Forderungen, die in dem Vorschlag des gemeinschaftlichen Gymnasialbesuches! beider Geschlechter gipfelten, den Kultusminister zu einer programmatischen Erklärung provoziert. Nach dieser Erklärung beabsichttgt man an maßgebender Stelle der Entwickelung nicht vorzugreisen und keinen Schritt für die Entwicklung der Frauenfrage in der auf die intellektuelle Ausbildung des weiblichen Geschlechtes gerichteten Linie vorwärts zu thun, der sich nicht aus der naturgemäßen Fortentwicklung der Frage selbst unbedingt notw .big macht.. Man wird also in Preußen weder die beiden Geschlechter gemeinschaftlich nach skandinavischem Muster auf die gemeinsame Schulbank setzen, noch will man das süddeutsche Experiment der Mädchengymuasien mitmachen. Auch die vollständige Gleichstellung der studienbeflissenen Damen mit den immatrikulierten Studenten ist ausgeschlossen, wie es denn auch den einzelnen Professoren nach wie vor üfcer* lassen sein wird, über die Zulassung von Damen zu ihren Vorlesungen zu befinden. Es soll also bei den bisher ein- gerichteten Gymnasial-Sonderkurfen für Damen sein Bewenden haben. Die Erklärung des Ministers wird ihm trotz seines angenehmen Aeußern nicht gerade zunr Liebling unserer Frauenrechtlerinnen machen. Aber es muß doch betont werden, daß energische und wirklich begabte Naturen sich auch trotz dieser Hindernisse auf den bezeichneten Umwegen eine gleichwertige wissenschaftliche Bildung aneignen können. Berechtigt war der Hinweis des Ministers! auf dasjenige Gebiet oer weiblichen Thätigkeit, das bei ber, Mehrheit des deutschen Volkes als eigentliche Domäne des weiblichen Geschlechtes angesehen wird und noch einer bedeutenden Ausbildung und Förderung fähig ist. Der Kultusminister faßt eine Verstärkung der Richtung der allgemeinen Ntädchenaufgaben ins Auge, eine Besserung in bet Erziehungslehre und Kinderpflege, der Hauswirtschaft und Wohlfahrtspflege und auf- dem weiten Gebiet der christlichen Liebesthätigkeit. — Interessant war die Stellungnahme der Vertreter der verschiedenen geistigen Richtungen im Abgeordnetenhause zu diesem Regierungsprogramm. Der Abg. Pfarrer Hacken- berg, eine im modernen Leben wurzelnde und mit beiden Füßen auf dem Boden des geschichtlichen Entwicklungsgedankens stehende Persönlichkeit, hatte zwar keine direktem Forderungen aufzustellen, bedauerte aber die Zurückhaltung der Regierung und begrüßte den Bildungstrieb und Bildungsdrang des weiblichen Geschlechtes als eine erfreuliche Erscheinung, der Rechnung getragen werden müsse. Hackenbergs konservativer und orthodoxer Kollege Pfarrer Schall ließ sich dagegen von seinen bekannten rückständigen Absichten nicht abbringen, während der katholische Geistliche Dasbach verlangte, daß der Gesichtspunkt der A e st h e t i E beim Turnen und ähnlichen Gegenständen nicht außer Acht gelassen werde. Ein tieferes Eingehen in oas vorhandene soziale Problem wurde vom Hause nicht beliebt. Gegen die Schwindelausverk'aufe insbesondere gegen diejenige Praxis im Ausverkaufswesen, die durch andauerndes Nachschieben von Waren den Ausverkauf in Permanenz erklärt, geht jetzt auch die bayerische Regierung vor. In einem Erlaß an die Handels- und Gewerbekammern Bayerns betont das bayerische Finanzministerium, die neuerliche Zunahme der „permanenten Aus- Gießener Stadttheater. Das vierte Gebot. Volksstück in 4 Akten von Ludw. Anzengruber. Der letzte Theaterabend dieser Spielzeit, der eine Neueinstudierung brachte, war Anzengruber gewidmet, dem vor- ttefflichen österreichischen Poeten. Anzengrubers Stücke sind eine Zierde jedes Repertoires und dürften recht gut dem Publikum öfter gezeigt werden. Allerdings darf man andererseits nicht verkennen, daß die Scheu eines Bühnenleiters vor vielen Anzengruber'schen Stücken nicht ganz unbegründet ist. Abgesehen von dem etwas aufdringlischen moralischen Gehalt, von der allzu scharf ausgesprochenen Tendenz manches der Anzengruber'schen Werke, die es erschweren, dem rein Dichterischen in seinen Dramen voll gerecht zu werden, sei nur hingedeutet auf die Aufführungsschwierigkeiten, die daraus entstehen, daß die Stücke im Dialekt geschrieben sind, daß die künstlerischen Aufgaben, die an die Schauspieler gestellt werden, sehr bedeutend und obendrein überaus sehr zahlreich sind. Denn diesen wirklichen Menschen aus der breiten Masse des österreichischen Volkes ist allein mit darstellerischer Routine nicht beizukommen. In der Erfüllung dieser Erfordernisse aber liegt in der Hauptsache die Garantie eines Erfolges. Um so höher sei es anerkannt, daß unsere Darsteller den Versuch mit dem „Vierten Gebot" wagten, jenem braven Wiener Volksstück, mit dem Anzengruber in die Niederungen der bürgerlichen Gesellschaft hinunterstieg und uns durch die grelle Beleuchtung menschlicher Verhältnisse erschüttert. Der Dichter hat tief in die Seele des Wiener Volkes geschaut. In einer Zeit, in der es vor allem gilt, stark zu sein, sah er seine Landsleute in lässige Schwäche, ja in Demoralisation verfallen. Die Alten machte er dafür verantwortlich, daß die Jungen ins Unglück geraten. Sie haben nicht mehr die Kraft — man beobachtet das in Wien leider alle Tage — der verderblichen Nachgiebigkeit der verblendeten Eltern ein inneres Gegengewicht zu bieten. Erlösung von den lasterhaften Eltern wäre ihre Pflicht; aber ihre eigene Charakter- losigkett läßt das nicht zu. Das vierte Gebot, so predigt Anzengruber, hat nur Geltung, wenn die Eltern Ehre verdienen. Die meisten Gestalten dieser Tragödie des schlimmen Elternhauses sind echt und lebenswahr bis in kleine Einzelheiten, namentlich die Familie Schalanter, ein in lüderlichem Wohlleben dahinvegetierendes Bürgerpaar, der Vater Säufer, die Mutter Kupplerin, Sohn und Tochter entsprechende Taugenichtse. Diese Leute sind mit dem Auge des Realisten gesehen. Sudermann hat für seine „Ehre" viel von Anzengruber gelernt. Die Figuren treten plastisch aus-dem Rahmen des Ganzen vor, sind aber in die Handlung etwas unsicher gestellt und nicht immer ganz glücklich mit ihr verwoben. Unglücklich an- und aufgefaßt ist eigentlich nur der Feldwebel Frey, em unleidlich steifer Musterknabe. Der dramatische Auf- und Ausbau ist, rein künstlerisch betrachtet, geschickt, die Handhabung der Bühnentechnik dagegen nicht ohne Unbeholfenheiten. . Die schlichte, packende, inhaltsvolle Handlung hat eine gute Steigerung, weist starke dramatische Effekte auf, und hat einen besonders wirkungsvollen, wenn auch überstürzten Abschluß. Und schließlich bekommt das Verbrechen des lockeren Gesellen, der seinen militärischen Vorgesetzten erschießt, in welchem er die leibhafte Mahnung zur Ordnung und Zucht haßt, einen mißklingenden Oberton von Märtyrertum dadurch, daß ihm Vater und Mutter beschimpft wurden, die er selber anzuschreien und zu bedrohen sich nicht scheut. Kurzum, dieses Zerrbild der Eltern- und Kindesliebe ist ein echtes Volksstück mit den mehr ethischen als ästhetischen Vorzügen eines solchen. Und dennoch hat es gestern bei unserem Publikum nicht durchgeschlagen, nicht einmal eine starke Wirkung erzielt. Der Geschmack des Publikums ist eben gegenüber gutem Landbrot und reinem Wasser nicht mehr recht aufnahmefähig. Zudem waren die oben an- gedeuteten Schwierigkeiten, die die ganze österreichische Einkleidung it. a. verursachen, nicht in wünschenswertem Maße überwunden, und wenn auch im großen Ganzen der Inszenierung des Stückes Anerkennung nicht zu versagen ist, so blieb doch der Stimmungsgehalt mancher Hauptszene unerschöpft und damit ein Hauptmittel ungenutzt, durch das von der Bühne herab auf das Publikum gewirkt werden konnte. Nur an wenigen Stellen zeigte sich das Fluidum zwischen Bühne und Zuschauerraum, der freilich beklagenswert große Lücken aufwies, stark genug, um kräftige Beifallsäußerungen verdientermaßen zu erzeugen. Die Benesizianten Frl. Ungar und Herr Sandor stellten das liebliche Geschwisterpaar Schalanter dar, die fesche, leichsinnige Josefa und den unerzogener, jähzornigen, im Grunde aber nicht schlecht veranlagten Martin. Ihr heimat- liches Idiom verhalf beiden zu gutem Erfolge; namentlich traf Herr S. den rechten rüden Ton gegenüber seinem Vater und charakterisierte den unangenehmen Patron treffend. Den alten Schalanter mußte gestern das Publikum eher humoristisch als tragisch auffassen, obgleich das Stück, je weiter es fortschreitet, die erschütternde Tragik dieser Figur enthüllt. Dieser alkoholselige, arbeitsscheue, bei aller Ge- Verkäufe" stehe wahrscheinlich in ursächlichem Zusammenhang mit der Reichsgerichtsentscheidung vom 21. September 1897, die die Nachschiebung von Waren bei Ausverkäufen als nicht schlechthin unzulässig bezeichnet hatte. Das Ministerium betont, daß es ein Mißverständnis sei, wenn angenommen werde, daß das Reichsgericht mit dieser Entscheidung Nachschübe schlechthin und ohne jede Beschränkung freigegeben habe. Die Urteilsbegründung bezeichne vielmehr den Begriff eines Ausverkaufes nur dann nicht als ausgeschlossen, wenn Nachschübe in geringem Umfange und in der Absicht, die Auslösung des Geschäftsbetriebes durch weitere Heranziehung gangbarer Artikel zu fördern, vorgenommen worden sind. Das Ministerium fordert weiterhin die privaten Interessentenkreise auf, vor den Kosten und Umständlichkeiten der Inanspruchnahme des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb solchen Ausverkäufen gegenüber nicht zurückzuscheuen. Schließlich werden die Distrikts- und Ortspolizeibehörden verständigt, daß die Veranstaltung trüge risch, er Ausverkäufe von Amtswegen zu verfolgen und zur Anzeige zu bringen ist. Heer und Flotte. Dem Hauptmann a. D. Fritz Hoenig widmet sein früheres Regiment folgenden Nachruf: „Am 12. d. Mts. verschied zu Halberstadt plötzlich nach langen, schweren Leiden der Hauptmann a. D. Herr Fritz Hoenig. Der Entschlafene Kat dem Regiment von 1866 bis 1876 angehört und die "Feldzüge von 1866 und 1870/71 mit Auszeichnung mitgemacht. Nach seinem Abgang vom Regiment als Schriftsteller thätig, yat er zwar wiederholtnichtin Ueber- ftimmungmitdenAnsichtendesOffizierkorps seine Meinung zur Geltung gebracht; jedoch wird das Regiment chn als alten Kriegskameraden wegen seiner treuen Anhänglichkeit und seiner unzweifelhaft geistigen Bedeutung nicht vergessen. Wesel, den 15. März 1902. Im Namen des Ofsizierkorps Infanterie-Regiments Herzog Ferdinand von Braunschweig (8. Wests.) Nr. 57: Frommhagen, Oberst und Regimentskommandeur. Aus Stadt und Sand. Gießen, den 20. März 1902. * ♦ Audienzen. Der Großherzog empfing am 19. März den Oberlehrer Müller von Büdingen, den Forstmeister Bus von Grebenau, die Bürgermeister Alles von Nieder-Florstadt und Eckert von Klein-Winternheim. * * Pensionierung. Der Großherzog hat am 19. den Ministerial-Revisor bei dem Ministerium der Finanzen und ersten Beamten bei dem Forstvermessungs- und Taxationsbureau, Rechnungsrat Wimmenauer zu Darmstadt, auf sein durchsuchen unter Anerkennung seiner mehr als 50 jährigen treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom L April in den Ruhestand versetzt und i^in- aus diesem Anlaß das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Phi- llpps des Großmütigen verliehen. — In den Ruhestand wurde versetzt der Hilfsdiener am Landgericht der Provinz Nheinhessen Krämer auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom Dienstantritt seines Nachfolgers. * * Ernennungen. Ter Großherzog hat am 19. März den Staatsanwall am Landgericht der Provinz Oberhessen Zimmermann zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen, den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gernsheim Gill er zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß-llmstadt, den Gerichtsassessor Maser aus Darmstadt Zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gernsheim, sämtlich mit Wirkung vorn 24. März 1902 ernannt. — Der Großherzog hat den Vortragenden Rat in der Abteilung des Ministeriums der Finanzen für Steuerwesen, Geh. Ober- fiuanzrat Dr. Becker, mit Wirkung vom 1. April an zum Ministerialrat in dem Ministerium der Finanzen und Vorsitzenden der Abteilung dieses Ministeriums für Steuerwesen ernannt. — Der Großherzog hat am 19. d. M. den mit der Leitung des Neubaubureaus für das neue Museum zu Darmstadt beauftragten Bauinspektor des Hochbauamts Bensheim, Diehl zu Darmstadt, zum Bau-Inspektor ohne Amtsbezirk mit dem Wohnsitz in Darmstadt, den Bauassessor, Bauinspektor Plock zu Bensheim zum Bauinspektor des Hochbauamts Bensheim ernannt. — Auf Grund Allerhöchster Ermächtigung vom 19. ist der Bauassessor, Bauinspektor K u b o zu Mainz mit der Versehung der Stelle eines Bauinspektors des Hochbauamts Mainz bis auf weiteres beauftragt worden .— Ernannt wurde am 15. März der Kanzleigehilfe am Landgericht der Provinz Oberhessen Geilsus zum Kanzlisten an diesem Gericht. — Mittelst Allerhöchster Entschließung vom 15. Marz wurde der Leib kämm erdiener Schön mit Wirkung vom 1. April an zum Schloßinspellor ernannt. — Ter Großherzog hat am 19. den Oberrechnungsrevisor bei der II. Justifi- katur-Abteilung der Oberrechnungskammer Schenck zu Darmstadt, mit Wirkung vom 1. April ab zum Ministerial- revisor und Beamten bei dem Forstvermessungs- und Taxationsbureau ernannt. * * Staatsprüfung für das Iustiz- und Ver- w a l t u n g s f a ch. Im Justizgebäude in Darmstadt findet gegenwärtig die Staatsprüfung für das Justiz- und Verwaltungsfach statt. Es haben sich hierzu 33 Kandidaten gemeldet, von denen jedoch einer von der schriftlichen Prüfung zurückgetreten ist. ** Hypnotismus. Heute und morgen abend wird Herr Freyd Nelson einen Experimentalvortrag über Hypnose und Suggestion im Hotel Einhorn halten. Dem Referat eines auswärtigen Blattes über einen Vortrag des Genannten entnehmen wir folgendes: Dem Vortragenden gelangen seine Experimente sehr gut. Von mehreren aus der Zuhörerschaft ausgewähllen Personen, die sich zu einem Versuche bereit finden ließen, erwiesen sich zwei Medien als besonders empfänglich für den Einfluß der Suggestion. Sie folgten dann willenlos allen Aufforderungen des Hypnotiseurs. Dieser suggerierte ihnen beliebige Vorstell- unäen. Auch die Einwirkungen der Suggestion auf die Gefühlsnerven, die bei kleineren schmerzlichen Operallonen schon mehrmals praktisch angewandt wurde, veranschaulichte der Vortragende, indem er nach Belieben den einen Arm der Versuchsperson gefühllos machte, in dem anderen aber die Empfindsamkeit steigerte. Schließlich zeigte der Hypnotiseur die Möglichkeit, durch Suggestion derart aus die Muskeln des Hypnotisierten zu wirken, daß der Körper plötzlich steif wird, und z. B. in ausgestreckter Lage, nur aus Hinterhaupt und Fersen gestützt, völlig gerade liegen kann. Zur Abwechselung gab dann Nelson noch einige Taschenspielerkunststücke zum besten, womit er lebhafte Heiterkeit hervorrief, besonders in der Schlußnummer, in der die Antispiritistin Fräulein Fay die Illusionen einer Spiritistensitzung in gelungenster Weise vorführte. ** Aus dem Theaterbureau. Als letzte Vorstellung dieser Spielzeit und als 12. Volksvorstellung geht am Freitag den 21. ds. Mts. Anzengruber's vieraktiges Volks- stück „Das vierte Gebot" nochmals in Szene. st. Butzbach, 19. März. Bei dem so schön verlaufenen deutschen Abend wurden durch Eintrittsgeld, Loseverkauf und durch Bazar etwas über 1000 Mark vereinnahmt. Da die Ausgaben sich auf etwas über 400 Mark belaufen, so dürften gegen 550 Mark den Bestrebungen des deutschen Schulvereins zu gute kommen. Bad-Nauheim, 18. März. Ter frühere Löffler- sche Weinberg, den vor zwei Jahren die Stadt angekauft hat, wird jetzt mit Wegen versehen und mit Tannen und Obstbäumen bepflanzt. — Die Stadt tritt, der „Darmst. Ztg." zufolge, dem Gedanken näher, die hiesige Höhere Töchterschule, die von etwa 100 Kindern besucht wird, in eigene Verwaltung zu nehmen. Vorläufig erfolgt ein Zuschuß von 1500 Mark Pro Jahr. e. Bad-Nauheim, 19. März. Das heute abend zu Ehren des Ober-Bergrats Pros. Dr. Chelius im „Sprudel-Hotel" veranstaltete Abschiedssest gestaltete sich zu einer großartigen Ovation für den am 1. April scheidenden außerordentlich beliebten ersten Beamten der hiesigen Großh. Hess. Kurverwaltung. Das Fest war von dem Stadtvorstand und dem Aerzteverein arrangiert und von sämtlichen Vereinen Bad-Nauheims besucht. Bis jetzt wurde noch keinem von Bad-Nauheim scheidenden Beamten ein solch großartiges Abschiedssest bereitet. W. Geiß-Nidda, 18. März. Einen schönen Beweis der Liebe und Anhänglichkeit gab ihrem Pfarrer die hiesige Gemeinde. Seine Frau war nach längerem Leiden gestorben und sollte nach ihre Heimat Rheinhessen verbracht werden. Am Morgen der Abfahrt der Leiche versammelte sich die Gemeinde im Pfarrhofe, die Lehrer mit den Schulkindern, der Krieger- und Gesangverein mit ihren Fahnen. Nachdem der Gesangverein ein Trauerlied gesungen, vollzog Pfarrer Werner von Nidda nach einer kurzen Ansprache über das Wort: „Der Herr hat's gegeben usw." die Einsegnung der Leiche, worauf die Schulkinder noch ein Lied sangen. Alle Anwesenden geleiteten die Leiche nach dem 20 Minuten von hier gelegenen Bahnhofe. Tie Verstorbene hatte sich durch ihr freundliches und liebreiches Wesen alle Herzen gewonnen. Ulrichstein, 18. März. Gegen einen vor mehreren Jahren am hiesigen Amtsgericht angestellten Amtsrichter ist, den „N. Hess. Volksbl." zufolge, ein Verfahren wegen unfreiwilliger Versetzung in den Ruhestand eingeleitet worden. Oberlandesgcrichtsrat Jung aus Darmstadt weilt mit einem Gerichtsassessor gegenwärtig hier, um die erforderlichen Erhebungen anzustellen, und wird sich dem Vernehmen nach zu demselben Zweck von hier nach einem anderen Ort Oberhessens begeben, wo der betr. Amtsrichter ebenfalls thätig war. Darmstadt, 19. März. Bei dem in nächster Zeit bevorstehenden Besuch des Großherzogs am russischen Hofe wird sich Prof. Olbrich im Gefolge des Fürsten befinden. Der Künstler ist von der Großfürstin Sergius nach Petersburg eingeladen worden, um das dortige Palais neu ausstatten zu helfen. Mühlheim a. M., 17. März. Ein Bomben- Attentat wurde gegen den Kreisstrußenwart Bauer wahrscheinlich aus Rache verübt, ist aber glücklicherweise ohne schlimme Folgen abgelaufen. B. wohnt an der Kreisstraße Offenbach - Mühlheim gegenüber der Kreis-Erziehungsanstalt, direkt am Waldsaum. Wie er erzählt, hat er in der verslossenen Nacht vergessen, die Fensterläden zu schließen. Plötzlich flog um Mitternacht ein schwerer Gegenstand klirrend durch die Fensterscheibe in das Schlaf- llmrner. Bauer sprang sofort aus dem Bett, um, mit dem geladenen Revolver in der Hand, nach dem Thäter auszuspähen. Dabei will er einen Mann mit brennender Zigarre gegenüber seiner Wohnung gesehen haben. Ein sonderbarer Brandgeruch, sowie glimmende Funken am Boden veranlaßten ihn jedoch, sich mit seinem Weibe schnell aus dem Zimmer zu flüchten. Kaum war dies gesck)ehen, so erfolgte ein furch tb arer Sch lag. Hierbei wurden Eisenstücke umhergeschleudert, die teils in die Zimmerdecke, teils in das Bell fuhren. Das Mordinstrument war wahrscheinlich aus einem Gasrohr gefertigt, und mit Pulver geladen, welches mittels einer Zündschnur zur Explosion gebracht wurde. Mainz, 17. März. Die Eisenbahndirektion Halle zum 17. Einladungen ergehen lassen zur Besichtigung von Durchgangswagen, welche im Anschluß an die durch den Offenbacher Eisenbahn-Unfall geknüpfter Erörterungen von der Firma Gebr. Gastell in Gemäßheit der von der Gemeinschaftsverwaltung erteilten Aufträge um geb aut worden sind, und nurnehr dem Betriebs übergeben werden sollen. Eisenbahndirektionspräsident Breitenbach, Gouverneur Baron v. Collas, Beigeordneter Baurat Kuhn, eine Anzahl Stadtverordnete, Ministerialrat Ewald und Oberbaurat Kullmann-Tarmstadt hatten sich eingefunden. Die Erklärungen des Umbaues gaben Eisenbahndirektor Heuer und Eisenbahn-Bauinspektor Schranke. Besondere Rücksicht ist bei dem Umbau auf die Fenster der Längsseite im Flur der Wagen genommen; diese können, entgegengesetzt gegen früher, jetzt vollständig heruntergelassen werden. Außen sind eiserne Griffe an den Wänden und Fußtritte angebracht, so daß man bei einer entstehenden Gefahr bequem hindurchschlüpfen kann. Es sollen aber noch weitere Verbesserungen vorgenommen werden. Die Sitzplätze sind unten durch starke Eisenteile verstärkt, so daß sie nicht so leicht zusammen gedrückt werden können. Von der Lokomotive aus erfolgt die Niederdruckheizung für den gesamten Zug. Die vorgenommenen Verbesserungen an den Wagen sind gegenüber der noch im Gebrauch befindlichen sehr zweckentsprechend. Thüren für jeden Abteil nach außen anzubringen, wurde als unmöglich bezeichnet. Die Wagenbauanstalten haben den Auftrag erhalten, sämtliche von ihnen früher gebauten T-Zugwagen den festgelegten Abänderungsvorschriften entsprechend umzubauen. Mitgeteilt wurde noch, daß bei neuen Wagen die Fenster ganz erheblich verbreitert und mit Metallrahmen versehen werden. Auch die Aborte sollen eine wesentliche Verbesserung erfahren. Wetzlar, 18. März. Der preußische Landtag hat in seiner gestrigen Sitzung die Mittel für das hier zu errichtende Seminar und die Präparanden-Anstatt bewilligt. Vermischtes. * Plauen i. V., 18. März. Der am hiesigen Stadt- theater wirkende Schauspieler Wedell unterhielt seit einiger Zeit mit der Tochter seines Direktors ein Liebesverhältnis, welches der Vater der jungen Dame nicht dulden wollte. Er brachte oaher seine Tochter auf seine in Bad Linda gelegene Villa, um sie den Einflüssen des genannten Herrn zu entziehen. Aber auch hier machte Wedell der jungen Dame seinen Besuch. Als dies der Vater des jungen Mädchens heute erfuhr, begab er sich sofort von Plauen nach Bad Linda. Als er an der Gartenecke seiner Villa ankam, hörte er in der Villa vier Schüsse fallen, die den Tod der beiden jungen Leute herbeiführten. Hoboken, 19. März. Gestern Nacht zerstörte eine Fe u er s brunst die Pier der Dampfschiffahrtsgesellschaft „Phönix", den Dampfer „British Queen" und eine Anzahl Boote. Der Verlust an Ladung beziffell sich auf nahezu 1 Mill. Doll. Ob Menschen umgekommen sind, ist noch nicht festgestellt worden. * Terlinden befindet sich an Bord des von New-Pork am 16. März nach Bremerhaven abgegangenen Dampfers sühlsroheit feige Lmnp müßte den Zuschauer mit Abscheu erfüllen. Herr Woisch haftete in seiner Charakterisierung Seiber ganz an der Oberfläche. Die würdige Dame Barbara hatte Frau Kruse anch nicht besonders realistisch angefaßt, und Frau Jenny blieb, wider alles Erwarten, als tüchtige alte Großmama — der Dichter hat mit dieser schönen Figur seiner eigenen Mutter ein Denkmal der Pietät setzen wollen — ganz eindruckslos. Der Stolzenthaler ist der anmaßende, protzenhafte, lockere und vor allem gefühlsarme reiche Wiener; Herr Schneider gab ihm in seinen großen Szenen der Leidenschaft und des Zornes einige Tiefe, was wohl dem dichterischen Bilde nicht ganz entspricht, es aber sympathischer macht. Jedenfalls führte er seine Auffassung durchaus naturwahr durch und erzielte eine sehr gute Wirkung. Für Frl. Feige bot die Figur der Hedwig in ihrer schlichten, einfachen Anlage viel ihrem eigenen Wesen Entsprechendes. Natürliche, nngeschminkte weiche Empfindung steht der Künstlerin gut an. Dagegen die sehr packende Abschieds-Szene von ihrem Kinde ging über ihre Kraft. Ganz prächtig war Herr Ramsey er als der herrische Polterer Hutterer, dem er die rechte temperamentvolle Unterlage gab; wieder einmal waren sein gesunder Humor, seine frische Derbheit, seine rauhe Kehle bei diesem eigensinnigen Starrkopf am rechten Platze. Herr G e r l a ch war als der aus einem Klavierlehrer zum Feldwebel sich mausernde edelmütige Frey im ersten Akte von diskreter Zurückhaltung, die fich dann später zur dramatischen Wucht steigerte. Den tölpelhaften Drechslergesellen gab Herr Zoder in seiner bekannten treffenden Art. Von den übrigen Damen und Herren ist nichts besonderes zu sagen; sie trafen im allgemeinen den rechten Volkston. Wir stehen nahe dem Ende einer thatenreichen Spielzeit, die uns viel Gutes und Interessantes und, was vor allem Anerkennung verdient, wenig leichte und seichte Ware brachte. Etwa 60 Neueinstudierungen wurden uns beschieden. Wir sahen Goethes Faust und Lessings Minna, Shakespeares Kaufmann von Venedig und Romeo und Julia. Kleist, Anzengruber, Laube, Hauptmann, Halbe, Sudermann, Fulda, Ernst wurden uns im wesentlichen, zum Teil ihren besten oder neuesten Werken geboten. Dazu kämen der Russe Tolstoi, der Norweger Björnson, der Niederländer Heyermanns, kamen Molißre, Dumas Sardou, Brieux und noch ein paar Franzosen. An guter Abwechselung also hat es wahrlich nicht gefehlt und an ernstesten künstlerischen Bemühungen. Was uns in erster Linie fehlt, das ist für's Ganze ein anderer Rahmen, ein anderes Haus . i . .1 Herr Direktor Kruse zieht demnächst für das Frühjahr mit seiner Künstlerschar nach Limburg und Bingen und dann für den Sommer nach Neuenahr, uni im nächsten Winter wieder zu uns zurückzukehren, zum größeren Teil in anderer Begleitung. Auf jeden Fall hat ein Theater von der Erhaltung erprobter Kräfte nur Vorteil, aber des Talents Drang nach vorwärts, das die kleinen Provinzbühnen nur als Durchgangsstation benutzt und seine Schwingen für stark genug hält zu höherem Fluge, sucht für seinen Ehrgeiz ein anderes Feld, es läßt sich nicht halten. Andererseits werden Minderwertige abgeschoben. Von der vorigen Spielzeit zu dieser, war uns nur Herr Ramseyer treu geblieben. Daß bei einer solchen nahezu totalen Neubesetzung der Schauspielfächer mancher Mißgriff nicht auSbleiben konnte, war nur zu begreiflich. Im Ganzen und Großen haben wir aber diesmal wesentlich besser abgeschnitten gehabt als im Vorjahre. Hoffen wir von der nächsten Spielzeit em gleiches Ansteigen l Die Bemerkenswerteren unter den Scheidenden sind die Damen Hohenfels und Brandau, die Herren Schneider, Leß- mann und Woisch. Frl. Hohenfels hat manchen schönen und echten Erfolg errungen, sowohl als jugendliche Heldin und sentimentale Liebhaberin, wie in jenen ganz entgegengesetzten Rollen als Dame v. Maxim re., und sich als eine unserer besten und talentvollsten Kräfte bewährt. Sie geht an das Stadttheater in Hanau. Frl. Brandau, die Naive, gefiel durch ein natürliches, liebenswürdiges Spiel, durch die schlichte Anmut ihres ganzen Wesens. Herr Schneider, der nach Liegnitz geht, zeigte in den meisten seiner Leistungen einen feinen Takt, Geschmack, Maß, Temperament. Der Charakterdarsteller, Herr Leßmann, ersetzte den leider zu schnell von uns durch höhere Gewalten und Pflichten abberufenen de Giorgi nicht ganz, erroieS sich aber als ernsthaft strebsam und bot namentlich im klassischen Drama recht Tüchtiges. Herr Woisch ist als Komiker vor allem ein vortrefflicher Darsteller für die Jovialität alter Herren, für die wehmütig Gutmütigen. Möge den Scheidenden die Zukunft hold sein! Zweifellos hat unser Kunstinstitut in diesem Winter erfreuliche Fortschritte gemacht. Es steht sichtlich im Begriff, sich immer höhere Ziele zu stecken, und würde dazu noch weit mehr im stände fein, wenn sich die Idee der Begründung eines Städtcbundtheaters verwirklichen wollte. Und wenn die heute schüchtern knospenden Blätter wieder fallen und der Vorhang unseres Theaters int nächsten Herbst zum ersten Male wieder in die Höhe geht, dann werden wir uns hoffentlich einem Künstler-Ensemble gegenüber sehen, mit dem einen Winter über tapfer mitzumarschieren auch dem kritischen Betrachter eine Freude ist. Paul Witiko. 1482 tjsoiur uestes Mundwasser der Welf! K'nen großen Wert legt mau in jedem Haushalt auf eine gute Taffe Kaffee. Diese erhalt mau für eiueu mäßigen Preis, weuu mau nicht eine billige und wenig ausgiebige, sondern eine bessere Sorte Kaffee nimmt und je «ach Geschmack i/b bis t r Kathreiners Malzkaffee zufctzt, wie es iu Tausenden von Familien geschieht. Dresden". Nach der Ankunft wird er in das Landgerichts- aefängnis zu Duisburg gebracht. * Ein gestörtes Hochzeitspaar. Ern Grenz- -wischenfall hat sich bei Udine ereignet. In einem Abteil der ersten Klasse des Nachtzuges reifte em ungarischer Hartmann in voller Uniform mit seiner jungen Gattin. Der Zufall wollte, daß ein italienischer Arzt in das unverschlossene Abtell trat und das Hochzeitspärchen in traulichem Zusammensein überraschte. Der Offizier stürzte sich auf den nichts ahnenden Eindringling und schlug ihm ins Gesicht. Als andere Reisende zu Hilfe eilten, sog er den Säbel. Auf der nächsten Station forderten die rtcllienifchen Carabinieri den ungarischen Offizier auf, auszusteigen und auf die Polizeiwache zu folgen. Allem der heißblütige Ungar weigerte sich und drohte, jeden, der ich heranwage, niederzuhauen. Der italienischen Polizei blieb nichts anderes übrig, als den Wagen abhängen zu lassen und zu bewachen. Andern Tags wurde der Wagen nach Udine geführt, wo sich der Offizier endlich unter den drohenden Zurufen einer großen Menschenmenge herbellreß, auszusteigen und auf die Präfektur zu wandern. Dort wurde mit Hilfe des Dolmetschers der Zwischenfall beigelegt und der Offizier, nachdem er Abbitte geleistet hatte, freigelassen. Sem Name ist Cornis Geza. Forma« — vorzügliches Schnupfenmittel! 2203 Gerichtssaal. Darmstadt, 19. März. Vorgestern begann vor der Strafkammer ' im großen Schwurgerichtssaal die Verhandlung gegen den am a Mm 1849 zu Bornheim in der Rheinprooinz geborenen nur - v f u s ch e r Ferdinand Schuhmacher wegen Betrugs. Die der Anklage zugrunde liegenden Vorgänge ereigneten sich in der aett von Herbst 1896 bis März 1897 und waren schon einmal Gegenstand einer längeren Verhandlung, die sich vom 16. bis zum 22 März v. I. vor derselben Strafkammer gegen die beiden JJtu- augeklagten Schuhmachers, den praktischen Arzt Dr. lang und den Apotheker Striebel abspielte. Schuhmacher war nach Aufhebung seiner hier gegründeten „Heilanstalt Isis un Marz 1897 in Untersuchungshaft genommen, spater Überwegen der langen Tauer der Ermittlungen gegen Kaution von 17000 Alk. (nachtrag- träglich aus 13000 Mk. herabgesetzt) vorläufig aus der Hast entlassen worden. Kurz vor jener, auch gegen ihn anberaumten Verhandlung brachte er sich durch Flucht nach Amerika m ©icbe^eit, so daß die gestellte Kaution der Staatskasse verfiel. Durch ferne Abwesenheit war die Verhandlung gegen Lang und Knebel sehr erschwert, und es kam jenen dieser Umstand zustatten. Leider konnte der von ihnen behauptete gute Glaube nicht genügend widerlegt werden, und es kam deshalb zur F r e i s p r e ch u n g. Inzwischen hatte Schuhmacher das Feld seiner Wirksamkeit nach der Schweiz verlegt und wurde aus Grund des s. Z. gegen ihn erlassenen Lsteck- brieses vor einigen Monaten verhaftet und ausgeliesert. Die Anklage umfaßt eine große Reihe von (als fortgefetzte Handlung angesehene) Einzelfällen, so daß zahlreiche Zeugen zu vernehmen sind. Dem wegen Betrugs rückfälligen und bereits mit Zuchthaus vorbestraften Angeklagten ist zur Last gelegt, zur Eingangs erwähnten steit dahier sich durch Vorspiegelung salscher Thatsachen des Betrugs schuldig gemacht zu haben, indem er die Anstatt -Isis gründete, den Dr. Lang als Spezialarzt und sich selbst als Doktor bezeichnete, ferner in einer Broschüre versicherte, aus Grund langjähriger Erfahrung und durch eine besondere Heilmethode und dazu gehörige Präparate, sowie eine individuelle Behandlung die größten Erfolge erzielt zu haben und in vielen Briefen dauernde Heilung in Aussicht stellte, sowie Verzicht auf Honorar, Lieferung der Medikamente zum Kostenpreis rc. vorspiegelte, während er auf Grund ungeeigneter Fragebogen wirkungslose, indifferente Heilerstatteten, das geradezu vernichtend für den Angeklagten ausstel. Geh. Rat Prof. Riegel verurteilte die auch im Frage,alle äuge wandte Fernbehandlung, die ohne Kenntnis nnd Untersuchung be3 Patienten erfolgte, in schärfster Weise und bezeichnete dieselbe als gemeinen Schwindel. Tie angebliche Heümethode „Schuhmachers" sei die „verrückteste", die jemals ersonnen wurde, und charakterisiere sich als der reine Blödsinn. Die von Dr. Lang benutzte Rezeptsammlung erscheine als Konglomerat aller möglichen, bunt und ohne Verständnis zusammen gehausten Mtttel, und die nach ihr verordneten Medckcr mente hätten zum mindesten den Pattenten nichts genutzt. Eine indirekte Schädigung der _ betreffenden Heilungsuchenden habe sich daraus ergeben, daß in vielen, bei sofortiger sachgemäßer Behandlung Erfolg versprechenden yallen die Kranken hingezogen und ihre Leiden dadurch verschlimmert wordev eien. Ebenso sprach der Sachverständige emem derartigen Unter nehmen die Bezeichnung einer „Heilanstalt" ab. Tie übrigen ärztlichen Sachverständigen sprachen sich im gleichen Turne aus, wobei nur Dr. Sellentin emige Emschrällkungenmachte. -Lurch Apotheker Lauer wurde der kolossal übersetzte Preis der Aledstamente fest- gestellt. Es begann hieraus das Plaidoyer Urteil: 4 Ja hre Zuchthaus und 4500 Mk. Geldstrase sowie 10 Jahre Ehr- oerlust. mittel verschreiben ließ u. dgl. m. imb für die Medikamente un- verhältniß hohe Preise nahm. Der Betrieb der „Isis bestand m ' brieflicher Behandlung, d. h. dem nut einigen diätettfchen -vor- i chriften verbrämten Absatz von Medikamenten (m dem reellen Wert von 2 Mk.) zum Preis von 20—30 Mk. pro Kur, und diese . Kuren mußten mehrfach wiederholt werden. Dr. Lang teilte aus einer ihm von Schuhmacher zur Dersügung gestellten Rezeptsammlung dem eine Abschrift derselben besitzenden Apotheker Krrebel in Flöha Sachsen die Rezeptnummern nut, dieser versandte unter Nachnahme die Medikamente an die Patienten und lieserte nach Abzug seiner Kosten den Löwenanteil an Schuhmacher ab. Schuhmacher war ursprünglich einsacher Arbeiter, wurde beim Militär als Lazarettgehilse ausgebildet und ergriff von da an den „Heuberus". Er betrieb ihn srüher allein unter Versandt verschiedener Geheimmittel in verschiedenen Städten Deutschlands, wurde deshalb mehrmals wegen Betrugs, zuletzt 1891 m Köln mst 2 7, Iahren Zuchthaus, bestraft, und verlegte seine Thatig- keit nach Holland, zuletzt nach Oesterreich. Von da an kam er, nachdem er sich mit dem damals in München sein Leben friftenben Dr. Lang vereinigt hatte, hierher. Vor feiner Verhaftung m der Schweiz hat er auch dort wieder seit Mai v. I. eine „Anstalt gegründet, die zur Zeit feine Frau mit einem Affocis betreibt Die ganze heutige Vormittagssitzung wurde durch Vernehmung des Angeklagten ausgefüllt. Als Sachverständige sind Geh.-Rat Prosenor Dr. Riegel von Gießen, Medizinalrat Dr. Lehr und Apotheker Lauer von hier, sowie Dr. Friedländer von Wiesbaden, ferner aus Antrag der Verteidigung Dr. Sellentin von hier geladen. —Gestern gelangten neben Dr. Lang und der damaligen Buchhalterin der „Jsis^ eine Anzahl der behandelten Patienten zur Vernehmung. Für Schuhmachers Geschäftsbetrieb ist bezeichnend, daß er tn möglichst weit von hier entfernten Zeitungen inserierte und hier sowie in der Nähe möglichst wenig hervortrat Unter den Hmem- gefaüenen befinden sich deshalb auch keine hiesigen Zeugen Er will in gutem Glauben gehandelt haben und schiebt die Hauptschuld auf seinen (im vorigen Jahre freigesprochenen) Genossen Dr. Lang. Dieser ist als Zeuge erschienen, glaubt aber an die Heilkraft der meist harmlosen Mittel und macht übrigens nach den Aussagen der Sachverständigen den Eindruck eines beschränkten Menschen, der ja auch besonders mit Rücksicht aus diesen Umstand im vorigen Jahre Freisprechung erzielte. Die Zeugenvernehmungen nehmen denselben Verlauf wie'im vorigen Jahre um) bringen absolut nichts neues. Für die verschiedenartigsten Krankhetten hat die Firma oft dieselben Mittel angewandt, trotz der offenbaren Zwecklosigkeit sich horrende Preise zahlen lassen. Interessant waren die gleichfalls verlesenen Briefe Dr. Langs, welche dem Engagement desselben vorausgingen und gerade keine große Skrupechaftigkeit bezüglich der Natur des beabsichtigten Unternehmens verraten. Dr. Lang kargte auch nicht mit Herausstreichung seiner Vorzüge und suchte sich bet feinem Partner nach Kräften sicher zu stellen. Immer erfolgten ivett= gehende Versprechungen durch die Zusicherung sicherer Heilung in den durch den Angeklagten, sowie Dr. Lang unterschriebenen Zirkularen, ganz schablonenhafte Behandlung auf Grund völlig unge= nügenber Fragebogen ufw. Mehrfach kehrt auch der ^all wieder, daß angeblich auf jedes Honorar verzichtet und der Apotheker zur Ermäßigung seiner Preise veranlaßt werden soll, während der letztere, der in allen Fällen seinen festen Satz von zwei bis fünf Mark berechnete und nie anders angewiesen wurde, natürlich den gebräuchlichen Satz von 15 bis 20 Mark für eine Kur erhob und das Geld an Schuhmacher übersandte. Zwei Fälle stechen besonders hervor, in denen ein Epileptischer und em infolge Sehnerven- schwunds völlig Erblindeter durch Heilungsverfprechen geködert wurden. Während gerade hier bei stattgehabtem Schwund des Sehnervs natürlich, wie ja auch für jeden Laien natürlich auf der Hand liegt, eine Behandlung überflüssig und wirkungslos erscheint, versichert der Zeuge Dr. Lang, daß er anderer Auffasstmg gewefen sei, uiid setzt sich mit allen Sachverständigen in Widerspruch. Die Quintessenz der Behandlung bestand, wie auch die Patienten inzwischen erfahren konnten, darin, daß sie die Kuren möglichst ost wiederholten, d. h. die jedesmal ungefähr für emen Monat berechneten Medikamente zu dem ganz abnorm hohen Preise bezogen und gläubig zu sich nahmen. Heute oormittag wurden Die letzten Zeugen vernommen, worauf die Sachverständigen ihr Gutachten Bekanntmachung, betreffend: Die Heichelheim'fche Stiftung. Aus obiger Sttstung find am 19. Juni d. I. die halb- jahrlichen Zinsen mit 525 Mark an eine in Gießen wohnhafte, würdige und bedürftige israelitische Familie oder Person zu vergeben. Anmeldungen werden bis zum 15. April auf unserem Büreau — Bürgermeistereigebäude, Zimmer Nr. 4 —- entgegen genommen. Gießen, den 18. März 1902. 2303 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Wolff._________ ___________ Gemlbkimk st Gießen. Eingetragene Geuoffenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. Die verehrlichen Mitglieder unserer Bank werden zu der Mittwoch den 26. März 1902, aöends8V»Zlhr im großen Saale des Hotd Einhorn dahier abzuhaltenden 43. orititl. GkmMechiilllMns ganz ergebenst eingeladen und bei der Wichtigkeit der zur Verhandlung kommenden Gegenstände gebeten, recht zahlreich zu erscheinen. Tages-Ordnung. L Erstattung des Geschäftsberichts pro 1901. 2. Ersatzwahl der verstorbenen und statutengemäß ausscheiden- den Wtttglieder des Aufsichtsrates. 3. Beschlußfassung über die Genehmigung der Jahresrechnung und Bilanz, sowie über die dem Vorstände und Aufsichtsrat zu erteilende Decharge. 4. Verteilung des Reingewinnes. Gießen, den 19. März 1902. 2277 HeweröeöanK zu Hießen. Eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht. C. Loos, Vorsitzender des Aufsichtsrates. Von einer angesehenen deutschen Versicherungs-Gesellschaft wird für die Lebens- und Haftpflichtbranche ein 2309 General-Vertreter unter günstigsten Bedingungen gesucht. Offerten unter F. BL an G. L. Daube & Co., Frankfurt a. M. Hofiverfleigerung im Hießeuer Staiitmali. Montag den 24. März 1902, vormittags 91/, Uhr beginnend, ollen im Gießener Stadtwald in )em Distrikt Haugelsteiu verlern ert werden: 3 Eichenstämme (Bauholz) mst 1,08 tm. 6 Eichenstämme (Grubenholz) mst 1,41 iw. 34 Fichtenstämme mit 9,51 fm. 239 Fichten - Derbstangen mit 9,65 fm. 245 rm Buchen-Scheitholz. 38 „ Eichen-Schestholz. 114 ,, Buchen-Knüppelholz. 24 „ Eichen-Knüppelholz. 53 „ Buchen-Stockholz. 24 ,, Eichen-Stockholz. 2 , Naoel-Stockholz. 3110 Wellen Buchen-Reisig. 670 „ Eichen-Reisig. 130 „ Nadel-Reisig. 50 „ Weichholz-Reisig. Die Zusammenkunft ist am Hangelsteiner Steinbruch. Gießen, am 17. März 1902. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Slecu m. 2284 Konkursverfahren. lieber das Vermögen des Rudolf Welkoborsky in Gießen, Inhabers der Firma Apparate - Fabrik Gießen, R. Welkoborsky, wird heute am 19. März 1902, vormittags 12% Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Jeau Boeck in Gießen wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 9. April 1902 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfaffung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und ein- ttetenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände, sowie zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Frestag den 18. April 1902, vormittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 9. April 1902 Anzeige zu machen. 2301 Großherzogliches Amtsgericht _________zu Gießen._________ K. 13/02. Donnerstag de« 10. April 1902, nachmittags 2'/, Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die dem Earl Schleenbecker und dessen Ehefrau vor Namen stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen: Flur 26/114,8 — 306 qm Hof- raite auf der Weißerde, auf den obersten Riegelpfad, Flur 26/U4871(lo — 1121qm(Sra§= garten daselbst, Flur 26 114<4/ioo — 185 qm Hof- raite daselbst, Flur 26 114" 100 — 231 qm Hof- raite daselbst, Flur 26/252810 — 46 qm Hof- raitegrunb am untersten Riegelpfad, Flur 26/251d/io — 359 qm Grasgarten daselbst, Flur 3/85 u. 86 — 2044 qm Wiese am Krofdorferweg, Flur 3/87 u. 88 — 1812 qm Acker daselbst, Flur 3/91 — 4056 qm Acker daselbst, Flur 5/438 — 1038 qm Wiese über dem Fabrieischen Acker auf den Fluthgraben, Flur 5/461 — 1869 qm Wiese am Krofdorf erweg öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 5. März 1902. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. 1890 Visitenkarten liefert rasch und billigst ßrühl’sche Oniv^DruckereL HolMrsteigerung Montag den 24. d. M. wird im hiesigen Gemeindewald, Abteilung Wurzel und See, folgendes Holz versteigert : 9 Eichenstämme von 27 bis 34 cm Durchmesser und 4 bis 6 m Länge mit 3,33 fm. 123 Kiefern- und Fichtenstämme von 13 dis 39 cm Durchmesser u. 4 bis 17 m Länge mit 51,41 fm. 4 Eichen - Derbstangen (Wagnerholz). 90 Fichten-Derbstangen von 8 bis 12 cm Durchm. 66 rm Eichen-Knüppel, hiervon 16 rm Nutzholz. 2660 Eichen-Wellen. 84 rm Eichen-Stöcke. 40 „ Nadel-Stöcke. 121 „ Nadel-Knüppel, hier- von 6 rm 3y2 m lang. 1480 Nadel-Wellen. Die Zusammenkunft fft vormittags V29 Uhr auf der Thalschneffe am Pflanzgarten. Großen-Linden, den 17. März 1902. Großherzogl. Bürgermeisterei Großen-Linden. Leun. 2262 Ach« PsMmMottm Ziehung: 4. April d. I. Hauptgew.: 1 eleganter Km spann er, 9 Merde und Kohlen u. s. w. Lose ä BOk. I.— sind m allen durch Plakate kenntlichen Geschäften und bei dem General-Debit 1823 Richard linchacker, Neuenbäue H, zu haben. | Daselbst 11 Lose für 10 Mk. Kolzv.rkauf. Montag den 24. er., von vormittags 10 Uhr ab, kommt in der Waldung des Herrn Oberst- leutnant von Knoblauch, in den Distrikten Hainbuch und Stein- brühl bei Lohra, nachstehendes Nutz- und Brennholz zur öffentlichen Versteigerung und zwar: 1. 9 Stück Elchenstämme, 3—6 m lang, 21—35 cm stark mit zusammen 3,32 fm. 2. 132 Stück Fichtenstämme, 8— 13 fm, 19—30 cm stark. 3. 1433 Stück Fichtenstangen 2. bis 7. Klasse. Brennholz. 2317 6 rm Buchen-Scheit. 3 w Eichen-Knüppel. 835 „ Eichen-, Buchen- und Nadelholz-Reiser. Zusammenkunft ist am Verbindungsweg Lohra—Kohna. Wie haben Sie es nur fertig gebracht, daß diesesmal die Fußböden so prachtvoll geworden sind ?— Mit „O.Jritzcs Bernstein-Oel-Lack- sarbe" ist es weiter kein Kunststück, dieselbe übertrifft an Haltbarkeit, schnellem Trocknen und elegantem Aussehen alle anderen Fußbodenlacke. Niederlage bei: 2008 AugAoll. 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