Nr. 167 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt bie Siebener Zamilien- biiitter viermal in der Woche beigelegt. Notattonsdruck u. Verlag bv Brü h l'sche Untvers. Buch»u.Stei. drucker^i (Pietsch Erben) heoafi' Expedttto.» um Drucrerei: Schul st raße 7. Adreffe für Depeschen: Auzetger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. bl. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Samstag 19. Juli 1902 Gietzener Anzeiger M General-Anzeiger ® Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezngsprets, monatlich75Pf., viertel jährlich Mk. 3.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMk.2,—viertel« jährl. ausschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf, auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den pellt, u. allgem. Teil: P. Witt ko; für .Stadt und Land* und „Gerichtssaal": Eurt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Z>ie heutige Wummer umfaßt 16 Seiten. Politische Tagesschau. DaS Urteil im Sandeuprozeß. Man schreibt uns: Berlin, 18. Juli. Aus dem Urteil im Sanden-Pro- z e ß ist noch nachzutragen, daß den Angeklagten Heinrich Schmidt, Otto Sanden und Hänschke auch die Geldstrafen als durch die Untersuchung verbüßt erachtet wurden. Eduard Sanden wurde, nachdem er von seiner Familie Abschied ge= nommen halle, ins Gefängnis zurückgebracht. Tie übrigen Angeklagten wurden freigelassen. Der Vorsitzende erklärte bei der Urteils-Begründung, daß die Beweisaufnahme sich in einem für die Angeklagten günstigen Sinne geändert habe. Es sei nicht nachgewiesen, daß oie ungeheuren Verluste von über 100 Millionen nur durch die Schuld der Angeklagten entstanden seien. Daß bei diesem großen Prozeß nicht viel herauskommen werde, in dem Sinne, daß es nicht gelingen werde, die durch verwegenste Machenschiasten ungeheuerlich verworrene Situation aufzuklüren, das stand seit längerem fest. Im Gegensatz zu dem unmöglich brs ins kleinste sachverständigen Gerichtshof verstanden die Angeklagten natürlich das, worauf es ankam, ausgezeichnet, die lange Tauer der Untersuchungshaft bot ihnen Gelegenheit, darüber sich vollends klar zu werden, wo bei ihren Handlungen die Grenze des gesetzlich Erlaubten war, und wo die strafbare That begann. Die Angeklagten sind denn auch im allgemeinen ihre „besten Verteidiger" gewesen. Selten war in ihren Ausführungen zu den einzelnen Punkten der Anklage ein Widerspruch zu entdecken. Beim Lesen der Prozeßberichte hatte man mitunter die Empfindung, als ob die Angeklagten und die Vertedigung die Beweisaufnahme übernommen hätten. Es war interessant, den gleichzeitigen Leipziger Bankprozeß zu verfolgen und .Vergleiche zu ziehen. Man wird dem Vorsitzenden des Berliner Prozesses nicht zu nahe treten, wenn man den Eindruck wiedergiebt, daß in Leipzig der Präsident mehr die Situation beherrschte, mehr als die „dirigierende" Persönlichkeit erschienen ist. Die m Leipzig von dem Vorsitzenden gestellten Fragen bewiesen nicht Nur eine ungewöhnliche Aktenkenntnis — diese besitzt selbstverständlich der Vorsitzende im Berliner Prozeß ebenfalls —, sondern auch ein tiefes;, fachmännisches Ändringen in überaus komplizierte kaufmännische und technische Angelegenheiten. Die in Leipzig im Verlaus der Beweisaufnahme von dem Vorsitzenden gestellten Fragen an die Angeklagten, an die Zeugen, die SachverMndigen trafen oftmals den Nagel aus den Kopf, waren mitunter so verblüffend geschickt in ihrer einfachen und klaren Logik, daß sie wie Scheinwerfer einen Teil des Aufklärungsfeldes in scharfe Beleuchtung setzten. Tas Urteil dürfte in der Oeffentlichkeit vielfach als eine unzureichende Sühne betrachtet werden. Zwar ist der Hauptanstister und bas Haupt derüThäter, Eduard Sanden, zu sechs Jahren Gefängnis und zu 15000 Mk. Geldstrafe verurteilt worden; aber die anderewBeteiligten sind sämtlich aus freien Fuß gefetzt worden. Bestehen bleiben die nicht sehr erheblichen Geldstrafen — bei dem Angeklagten Hänschke ist auch diese als verbüßt bezeichnet —, indem die Strafen der Mitangeklagten Ed. Sandens auf die Untersuchungshaft angerechnet wurden. Auch Ed. Sanden ist ein Jahr nachf- gelassen worden. Keinem der Angeklagten sind die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Tas ist das Resultat eines Prozesses nach Vorgängen, durch die, wie das Urteil sagt, „das öffentliche Vertrauen aus das tiefste erschüttert worden ist", „mühsam ersparte Gelder verloren sind." Hundert Millionen und mehr sind „verschwunden" — wo sie geblieben, wieweit die Angeklagten an diesem Jn-Rauch-Auflösen von Millionen beteiligt sind, die Verhandlungen haben das Tunkel nicht aufzuhellen vermocht. Gewinne sind „eingeheimst" worden, das steht fest. Wieviel davon auf diejenigen entfällt, die an dem „Raubzug" beteiligt waren, das konnte nicht sesh- -gestellt werden. „Allah weiß es," Deutsches Keich. Berlin, 18. Juli. Nach einem Telegramm aus Molde ist Kaiser Wilhelm nach 17ftündiger guter Fahrt dort eingetrosfen. Die Temperatur entspricht mehr dem November als dem Juli. An Bord ist alles wohl. Heute nachmittag lief hier die Dacht der Hamburg-Amerila-Linie „Prinzessin Viktoria Luise" ein. Das Schiff hatte Flaggenschmuck und umfuhr unter den Klängen der Nationalhymne die „Hohenzollern". Der Kaiser gestattete die Besichtigung derselben durch die Fahrgäste der Dacht, wovon in ausgiebigster Weise Gebrauch gemacht wurde. Zur Abendtafel wurden die- hervorragendsten Passagiere sowie der Ches des Ausrüstungswesens und der Kapitän der „Prinzessin Viktoria Luise" mit Einladungen beehrt. — Der Herzog Karl Eduard von Sachsen- Coburg und Gotha wird am 19. Juli 18 Jahre alt. Geboren als Sohn des verstorbenen Herzogs von Albany, jüngeren Bruders des Königs von England und der Prinzessin Helene zu Waldeck und Pyrmont, jüngeren Schwester der Königin der Niederlande, gelangte er zur Thronfolge infolge des Todes seines Oheims, des Herzogs Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha, ehemaligen Herzogs von Edin- burg, zweiten Sohnes der Königin Viktoria. Der Herzog hat noch eine ältere Schwester, die jetzt 19jährige Prinzessin Alice. Negierungsoerweser ist für ihn der Erbprinz von Hohenlohe-Langenburg, der Sohn des kaiserlichen Statthalter iji Elsaß-Lothringen. Die englischen Gefellschafts- blütter melden, der Eintritt des jungen Herzogs in das Alter der fürstlichen Großjährigkeit werde in Coburg mit großer Feierlichkeit begangen werden. Der Kaiser habe sein persönliches Erscheinen zugesagt, ebenso der Prinz von Wales. Aucy der Groß Herzog von Hessen werde kommen. — Prinzessin Beatrice von Coburg, die schon mehrfach verlobt gesagt wurde, soll sich jetzt mit dem Gr o ß- fürsten-Thronfolger Michael von Rußland verloben. Prinzessin Beatrice ist zu Costwell Park als jüngste Tochter des verstorbenen Herzogs von Sachsen-Coburg 1884 geboren, und durch ihre Mutter, Großfürstin Maria von Rußland, Tochter Kaiser Alexander II., eine Cousine des Großfürsten-Thronfolgers Michael Alexandrowitsch, des (alten Stils) zu Petersburg geborenen jüngsten Bruders des Zaren Mkolaus II. — Nachdem der polnischeAde l i n P o s e n anläßlich der bevorstehenden Kaiserfeste seine bekannte Enthaltungs-Kundgebung erlassen bat, soll nun, einem Polenblatte zufolge, auch die polnische Aristokratie in Berlin b e sch. lossen haben, an keinerlei Hoffestlich leiten ^nehr teilzunehmen und ihre Winter- Residenz nach Posen zu verlegen. Hierbei würde besonders Fürst Anton Radziwill in Frage kommen. (Ein furchtbarer Schlag für die bedauernswerten Berliner, in ihren obersten Schichten polenrein zu wetden! D. Red. des „Gieß. Anz.") — Zur Erhöhung der Betriebssicherheit sollen auf den preußisch-hessischen Staatsbahnen die Hauptbahnlinien nach und nach mit Fern- spuechanlagen versehen werden, die sowohl eine schnelle als auch bequeme Verständigung zwischen den Stationen und der Bahnwärterposten ermöglichen. Zwischen je zwei Stationen wird eine Leitung gelegt, in welche alle auf dem betreffenden Streckenabschnitt vorhandenen Bahnwärter- und Schrankenwärterposten eingeschaltet werden. Posen, 18. Juli. Der Köni g von Italien traf auf seiner Rückreise von Petersburg heute abend mit Sonderzug hier ein und setzte die Fahrt ohne auszusteigen nach einer Viertelstunde fort. Ein Empfang fand nicht statt. Ausland. London, 18. Juli. Oberhaus. Earl vf Camper- down fragt an, welche e(f);ritte die Regierung zu unternehmen gedenke, um die Niederländische Eisenbahn-Gesellschaft für ihre Beteiligung am Kriege zu bestrafen. In seiner Antwort macht der Parlaments-Untersekretär im Kolonialamte Earl Onslow auf den Unterschied zwischen den Inhabern von Obligationen und den Aktionären aufmerksam, indem er sagt, die Inhaber von Obligationen dürsten nicht für Handlungen verantwortlich gemacht werden, über die ihnen keine Prüfung zustehe. Mas aber die Aktionäre betreffe, so läge die Angelegen-- heit ganz in der Hand der Regierung, welche noch über* lege, was zu thun sei im Falle von Personen, welche im guten Glauben Geld in den Aktien der Gesellschaft angelegt haben. Der während des Krieges zugefügte Schaden würde nicht außer Rechnung gelassen werden bei irgend einem Arrangement, das mit den Aktionären getroffen werde. — Nach amtlicher Mitteilung ist die Krönung des K önigs und der Königin auf den 9. August festgesetzt. — Wie verlautet, findet die Flotten sch au in Spithead am 16. August statt. Lissabon, 18. Juli. Morgen schiffen sich 1200 Buren nach Südafrika ein. Auch Dr. Leyos ist in Lissabon eingetrosfen und beabsichtigt, sich nach Kapstadt einzuschissen. Bern, 18. Juli. Der Bundesrat beschloß heute den Beitritt zu d er durch die Berliner Konferenz im Juni 1901 aufgestellten deutschen Rechtschreibung. P r a g, 18. Juli. Die Meldung, daß der Statthalter dem deutschen Konsul in der Steckbrief-Angelegenheit einen Entschuldigungsbesuch abgestattet habe, wird als u n r i cy t i g bezeichnet. Zur Aerienorduung erfahren wir heute, oaß das Realgylnua,ium und die höhere Mädchenschule in Gießen in den letzten Tagen auch schon abgestimmt haben. Was die Direttionen zu solcher Eile veranlaßt hat, ist nicht bekannt geworden, und es giebt sich setzt die Ansicht kund, daß die Abstimmung nicht unter der wünschenswerten Aufklärung erfolgt ist. Unter diesen Umständen scheint aber, unserem Gewährsmanne zufolge, eine Beratung in einer öffentlichen Versammlung kaum mehr angebrücijt; sie käme post sestum. Ueßer die beiden vom Ministerium gestellten F-ragen ist schon entschieden: wie? wird die Zukunft lehren. Für Interessenten als der einzig richtige Weg ist also jetzt wohl der einer Petition anzusehen. Wir erhalten heute ferner noch zwei Zuschriften. Herr Tr. Bartholomae, ord. Pros, an der Universität, schreibt: 1) Tie Bezeichnung „Universitäts-Vorschlag" für die im Februar d. I. an das Ministerium gerichtete Eingabe in Betreff der Ferienordnung an den höheren Schulen Gießens ist nur insofern zutreffend, als sie von mir verfaßt und in Umlauf gesetzt worden ist. Aber von den etwa 75 Unterzeichf- nern der Em gäbe gehört die Mehrzahl ni cht der Universität an. — 2) Nach der Darstellung der in Nr. 165 abgedruckten Zuschrift müßte man annehmen, daß über die Unzweckmäßigkeit des „Unioersitätsvorschlags" in den Kreisen der Schulmänner volle Uebereinstimmung besteht. Dem gegenüber sei betont, daß erfahrene und maßgebende hiesige Schulmänner von dem Vorschlag im voraus Kenntnis erhalten und daß sie ihn gebilligt haben. — 3) Der „Universi- tätsvorschlag" will im wesentlichen nichts neues; er bezweckt vielmehr nur die Wiederherstellung der Ordnung, die bis zum Jahre 1900 einschließlicb bestanden hat, ohne daß Ein-. Wendungen dagegen öffentlich erhoben worden wären. Der Vorschlag, die Dauer Der Herbstferien von fünf auf sechjs Wochen zu verlängern, ist auf den Rat eben jener Schlußmänner yin erfolgt, die dadurch der übergroßen Ausdehnung des Herbstterzials vorgebeugt wissen wollten. Eine zweite, bedeutend längere Zuschrift müssen Mit wegen Raummangels für die nächste Nummer zurückstellen. Lee ^erpzrger Bankprozetz. XXIII. Leipzig, 18. Juli. Der Präsident, Landgerichtsdirektor Müller, stellt weitere Ergänzungssragen zu den Punkten eins und Drei der Anklage gegen Exil er und Gentzpt- wegen betrügerischen Danlerotts und Verschleierung, und gegen Mayer, Wölker und Schröder wegen Verschleierung, ob hier eine Einheit der Handlung öepeije. Alsdann fährt Staatsanwalt Weber in seinem Plaidoyer fort. Nachdem er gestern iv Feuilleton. — Das neue Stadttheater in Frankfurt a. M. wird nicht an dem ursprünglich in Aussicht genommenen Termin eröffnet werden können. Wegen der Schwierigkeiten in der Vollendung der umfangreichen inneren Einrichtung des neuen Musenheims, war es nütlg, anstatt Ende September ;eht Ende Oktober für die E rö fsnun g svo r st el tun g in Aussicht zu nehmen. Die Eröffnungsvorstellung wird durch einen von Ludwig Fulda eigens zu tiefem Zwecke verfaßten Einakter eingeleitet und ihm jedenfalls eine Vorstellung eines Goethe 'scheu Dramas folgen. — Im Münchener Prinzregenten-T Heater finden vom 9. August bis 12. September 20 Aufführungen Richard Wagner'scher Werke und zwar Tannhäuser, Lohengrin, Tristan und Isolde und die Meistersinger von Nürnberg, in, der Reihenfolge, daß sich acht Cyclen ergeben, deren jeder die zur Aufführung be° stimmten 4 Werke umfaßt in jedesmal veränderter Reihenfolge. Wiederholt erwähnten wir bereits an dieser Stelle die Bunte Theater- und Brettl-Zeitung „DaS moderne Brettl" (Ueberbrettl), die int Verlage „Harmonie' in üBerhn-W. 85 erscheint. Tie neueste reichhaltige 20 Psg.-Nummer (10 Seiten Lexikon-Oktav) bringt neben interessanten Aufsätzen, guten Portraits und eigenartigen Bildern eine Reihe zumeist feiner humoristischer Vorträge aus Berliner und Pariser Cabarets, vom Ueberbrettl und vom VariSts, darunter reizende Lieder-Texte, humorvolle Gedichte, lustige Skizzen, Humoresken rc. Recht hübsch ist vor allem Allem „Ter selige Lessing" von Erich Wunsch. Auch das graziöse Blimienmädel-Lied von Oskar Strauß liegt uns aus dem;eiben Verlage vor. Es ist ganz dazu geeignet, in frohen Kreisen Freunde zu finden. — Gemäß Beschluß der 1900 in Paris gebildeten und unter dem Protektorat der französischen Minister des Handels, der auswärtigen Angelegenheiten, der Finanzen und der öffentlichen Arbeiten stehenden ständigen Kommission der internationalen Handelsund Jndustriekongresse findet vom 26. bis 30. August d. Js. in Ostende ein Internationaler Handels- und In- d u st r i e k o n g r e ß statt. Das deutsche Komitee für den Kongreß bestebt aus folgenden Herren: 1. Bierm er, Professor Dr., Gießen. 2. Brentano, Geh. Hoirat, Professor Tr., München. 3. Dietzel, Prof. Dr., Bonn. 4. Frentzel, Geh. Kommerzienrat, Präsident des deutschen Handelätags, Berlin. 5. Gothein, Bergrat, Mitglied des Reichstags, Breslau. 6. Kaempf, 1. Vi^epräfident des des deutschen Handelstags, Berlin. 7. Lexis, Geh. Regierungsrat, Professor Dr., Göttingen. 8. Lotz, Professor Dr.. München. 9. Michel, Geh. Kommerzienrat, Vorsitzender der Handelskammer, Mainz. 10. Osterrieth, Dr., Generalsekretär des Deutschen und des Internationalen Vereins zum Schutz des gewerblichen Eigentums, Berlin. 11. Roesicke, Kommerzienrat, Mitglied des Reichstags, Berlin. 12. Soetbeer, Dr., Generalsekretär des deutschen Handelstags, Berlin. 13. Stegemann, Regierungsrat Tr., Syndikus der Handelskammer, Braunschweig. 14. Wagner, Geh. Regierungsrat, Professor Tr., Berlin. 15. v. Wcidert, Komnierzienrat, Vorsitzender der Handels- und Gewerbekammer, München. — Mit der Herausgabe eines Liefermigswerkes, wie es in dieser Art noch nicht dage'wcsen ist, hat der Verlag von E. A. Seemann (Leipzig) soeben begonnen. Es ist eine Sammlung, die den Titel „Hundert Meister der Gegenwart" führt, und, für einen sehr billigen Preis, farbige Facsimiles nach Gemälden moderner deutscher Künstler bringt. Das Werk erscheint in 20 Heften mit je 5 Bildern, und will in diesem Rahmen von den wichtigsten und hervorragendsten Malern aus Berlin, München, Dresden, Wien, Stuttgart, Karlsruhe, Düsseldorf, Worpswede, je ein Werk in Reproduktion durch Dreifarbendruck bieten. Tas neue Unternehmen Seemanns zeigt nun in dem soeben erschienenen 1. Heft mit wünschenswerter Deutlichkeit, wie sehr die Malerei der Gegenwart bem Treifarbendruckversahreii cutgegenfommt. Diese An'angslieferungs stellt sich als das erste Münchener Heft der Sammlung bar und enthält Facsimiles nach Lend ach (Bismarck- kopf), F. Ä. v. Kaulbach (Weiblicher Studienkops), Grützner (Falstaff), Leibl (Zeitungsleser) und Hans von Bartels (Holländische Mädchen in den Dünen). Zu jedem Blatte hat Fritz v. Ostini einen ausgezeichneten kurzen Tert geschrieben, der den betreffenden Künstler mit eindringlicher Knappheit und sehr anmutig charakterisiert. Geradezu verblüffend ist das Leibl-Blatt; man glaubt ans dem Papier die stark aufgesetzten Striche und Tupfen zu sehen, die dem Original eigen sind. Tie all« prima- Malerei dieses Mannes im Strohhut, der im Baumschatten eines Gartens seine Zeitung liest, ist fabelhaft echt herausgekommen, und es ist nicht zu viel gesagt, ivenn man behauptet, daß der Eindruck der Reproduktion thatsachlich unmittelbar an das Werk des Meisters selbst erinnert, daß er dem Eindruck des letzteren so nahe kommt, wie man das vor Kurzem noch für unmöglid) gehalten hätte, und Lenbachs Bismarck gehört zu den besten seinesgleichen. Wie der Prospekt zeigt, bringen die folgenden Lieferungen alle Großmeister deutscher Malerei: Menzel, Knaus, Thoma, Böcklin, Uhde u. s. w. Der Preis einer Lieferung ist bei Abnahme des Werkes auf nur 2 Mk. bemessen, sodaß man also für 40 Mk. eine ganze Gemäldegalerie erhält. Die Slusftattung des Heftes in Folioformat ist elegant und der Würde des Gegenstandes angemessen. ftttrfstürrdiger ALsführmrg zu Punkt eins bei Anklage gegen Exner und Gentzsch die Frage des betrügerischen Bankervtts behandelt hat, unter Hinweis des § 314 des Handelsgesetzbuches, wendet sich der Staatsauwa.lt heute dem Falle der Verschleierung zu, begangen im Geschäftsbericht, in der Bilanz für 1900, sowie im Expose anläßlich der Generalversammlung im März 1901, sowie in den beiden am 25. Statt 1901 veröffentlichten Kommuniques. Ueberall hatten die Direktoren der Bank es darauf abgesehen, unwahre Darstellungen zu geben und Verschleierungen hervortreten zu lassen. Der Staatsanwalt kommt auf die einzelnen Betrugsfälle zu sprechen, die Exner und Gentzsch zur Last gelegt werden. Das gerade liefere den Beweis, daß beiden Angeklagten eine unehrliche, betrügerische Handlungsweise zuzuschreiben sei. Der Staatsanwalt bespricht den Vorfall mit Direktor Seefried von der Frankfurter Filiale der Deutschen Bank im März 1901, den Fall mit Lohn, in Firma Warschauer L Co. in Berlin, wobei Exner die größten Lügen vorgelwacht habe, und die Betrugsfälle, die von Exner und Gentzsch bezw. Exner allein verübt wurden, durch Vorspiegelung falscher Thatsachen gegen die Firmen Heydt und S. Bleichröder in Berlin. Der Staatsanwalt bezeichnet am Schluß feinet Plaidoyers die Handlungsweise von Exner und Dr. Gentzsch als so frivol, wie sie kaum je da gewesen sei. Es sei so raffiniert vor- vorgegangen und in so unsagbarer Weise operiert worden, daß dem Gesetzgeber eine Strafnorm für die verschiedenen Delikte abgehe. Exner habe im vollen Einverständnis mit Gentzsch gehandelt, ebenso beide zusammen mit dem Aufsichtsrat Der Urheber alles dieses Unglücks sei Exner. Exner verdiene idie schärfste Verurtellung. Er sei schwerer zu strafen als Gentzsch Gegen beide müsse auf Zuchthausstrafe erkannt werden. Die Frage nach mildernden Umständen müsse beiden gegenüber verneint werden. Staatsanwalt Konz wendet sich in seinem Plai- öoyer gegen die sieben Aufsichtsräte der Bank, Dodel, Meyer, Vörster, Fiebiger, Willens, Wölker und Schröder, als Mitschuldige an dem Zusammenbruch Gegen keinen der Beschuldigten richte sich die Anllage wegen Beihilfe zum betrügerischen Bankerott, wohl aber komme § 314 Ziffer 1 des Handelsgesetzbuches bezügliche Verschleierung zur Anwendung. Es komme hierbei der Geschäftsbericht und die Bilanz für 1900 in Betracht, ebenso das Expose der Generalversammlung und die beiden Kommuniques bei der Zahlungseinstellung. Redner fährt fort, es sei unzweifelhaft, daß es den sieben Mitgliedern des Aufsichtsrates mögllch gewesen sei, den Stand der Trebergesellschaft zu erkennen. Sie mußten chn erkennen und haben ihn auch erkannt, und damit das Obligo der Trebergesellschaft, denn schon in den Sitzungen vom 13., 15., 18. Juni 1900 konstatierte die Verlesung des 55 Millionen-Verzeichnisses die außerordentliche Spannung der finanziellen Situation der Bank. Der Staatsanwalt wendet sich dann den einzelnen Angeklagten zu. Dodel, der seit 1887 dem Aufsichtsrate angehörte und unzweifelhaft um die Höhe des Treberobligos gewußt habe, werde beschuldigt, bei dem Geschäftsbericht, der Bilanz und dem Expose thätig gewesen zu sein. Schröder habe unzweifelhaft spätestens 1900 um die Höhe des Treberobligos gewußtz Meyer, seit 1885 im Aufsichtsrat, sei bei dem Geschäftsbericht, der Bilanz und dem Exposs und bei beiden Kommuniques thätig gewesen. Wölker sej die Kenntnis des Treberobligos noch nachzuweisen. Wie Vörster werde auch Wilkens der Verschleierung in mehreren Fällen beschuldigt. Der Staatsanwalt beantragt, daß für die sieben Auffichtsräte die vorliegenden Schuldfragen mit „Ja" zu beantworten seien. Wohl seien bei ihnen Gemeinheit der Gesinnung und Gewinnsucht nicht das Motiv gewesen, aber die Bejahung der Schuldfrage sei notwendig, vor allem bei den älteren Aufsichtsräten, Dodel, Mayer, Schröder und Möller, welche mildernde Umstände nicht verdienen. Dagegen könne man Vörster, Fiebiger und Willens mildernde Umstände zubilligen. Staatsanwalt Konz behandelt sodann die Schuldfrage betreffend das den Angeklagten Exner in Gemeinschaft mit Gentzsch und Dodel zur Last gelegte Vergehen der Untreue im Sinne des Handelsgesetzbuches zum Nachtelle der Leipziger Hypothekenbank, diach Ansicht des Redners haben die Angeklagten dieses Delikt durch Belassung des Guthabens der Hypothekenbank bei der Leipziger Bank verübt. Auch diese Schuldfrage, bei der § 312 des Handelsgesetzbuches in Berücksichtigung komme, sei zu bejahen. Der Staatsanwalt beantragt hierbei, für alle drei Angeklagten keine mildernden Umstande eintreten zu lassen. Nach der Mittagspause wendet sich Justizrat von Gordon, Verteidiger Exners, gegen die vom Staatsanwalt vorgeschlagene strenge Zuwendung der Gesetze. Seine (Redners) Sorge sei, ob cs für die Geschworenen möglich sei, über jeden einzelnen Punkt sich Klarheit zu schaffen. Der Verteidiger giebt ein umfassendes Bild von der Verbindung Leipzigs mit der Trebergesellschaft. Kassel habe einen äußerst soliden Eindruck gemacht, und es sei erklärlich, daß die Verwaltung der Leipziger Bank an die Prosperität der Unternehmungen glaubte. Exner, dessen Vermögen bedeutend überschätzt wurde und nur 800 000 Mk. betrug, hatte allein für 600 000 Mk. Treberwerte. Die Sorge um die Erhaltung der Bank habe den Sanierungs-Schrllt unterbleiben lassen, bis die Bank durch die Konsequenzen gezwungen wurde, in das unvermeidliche Weiterarbeiten sich zu fügen. Aufsichtsrat und Direktion waren vollständig eins. Memals habe der Vorstand dem Aufsichtsrat etwas verheimlicht. Der Verteidiger kann das Vorliegen des betrügerischen Bankervtts nutzt anerkennen. Justizrat von Gordon widerspricht sodann der Ansicht des Staatsanwalts bezüglich der Verheimlichung von Handelsbüchern und bestreitet, daß es unmöglich gewesen sei, aus den Büchern eine Vermögensübersicht zu gewinnen. Der Konkursverwalter, Rechtsanwalt Freytag, habe ausdrücklich erllärt, die Bücher seien so übersichtlich geführt worden, daß es binnen kruzem möglich war, eine Vermögensaufstellung zu machen. Auch sei nicht nachgewiesen worden, daß sich die Angeklagten bewußt waren, durch unübersichtliche Buchführung andere benachtelligt zu haben oder daß ihnen die Absicht einer derartigen Benachteiligung innewohnte. Der Verteidiger geht dann auf die Einzelheiten der Buchführung ein und sucht die Behauptung zu widerlegen, daß einige Konten verschwunden seien. Aus Stadl und Sand. Gießen, den 19. Juli 1902. ** Personalien. Dem Pfarrer Georg Zimmmer- mann zu Gräfenhausen ist die evangelische Pfarrstelle zu Wixhausen, Dekanat Darmstadt, und dem Pfarroerwalter Friedrich Heddaus zu Bischofsheim, Dekanat Groß-Gerau, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen worden. *• Geheimrat Oncken. Man teilt uns mit, daß in einem Anschlag am schwarzen Brett der Universität Geh. Rat Prof. Dr. W. Duden bekannt gebe, rote er von Montag an seine abgebrochenen Vorlesungen zu Ende bringen will. ♦* Das Promenaden-Konzert fällt morgen, Sonntag, aus. B. S. Kun st der ein. Die gegenwärtige Kunst-Ausstellung, die letzte vor den Sommerferien, enthält einige Werke, die besondere Beachtung wohl verdienen. Dies gielt vor allem von den vier Pariser Bildern des Brüsseler Malers Swyncop, die in durchaus moderner impressionistischer Auffassung bedeutende archllektonischc und landschaftliche Einorücke aus der Weltstadt wiedergeben. Im übrigen herrscht Landschaft (Krippin g-Hannover, Herbstabend am Walde, Rettich-Lübeck, Herbstabend) und Porträt (Kleinschmidt-Kassel). Historisches Interesse knüpft sich an die von Frau H. Duden sorgsam gemalte Kopie eines Damenporträts des Stuttgarter Hofmalers Philipp von Hetsch, eines Freundes von Schiller und Dannecker. Weniger als eigentliches Porträt denn als interessante Studie zu einem solchen ist das Bild von Stockmay e r-Malsch zu bezeichnen, dessen Arbeiten hier wohl bekannt und geschätzt sind. — Zieht man das Facit der Jahresleistung der Kunstausstellung, so darf man wohl behaupten, daß sie uns vieles Gute und Interessante gebracht und Fortschritte gegen frühere Jahre aufzuweisen hat. Kann sie so manches minderwertige Stück mit auszustellen nicht vermeiden — auch diesmal fehlte es an solchen nicht, die der gewohnte Turnus der Kunstausstellungen eben auch au uns führt, — so bemüht sie sich dafür umsomehr, das Wertvolle und Lehrreiche so günstig, wie es die Raumverhältnisse erlauben, der Anschauung und dem Genuß darzubieten. Der Zuspruch der Kunstfreunde war erfreulicherweise sehr lebhaft; hoffen wir, daß das auch künftig so bleibt und die Ausstellung zu einem immer wichtigeren, einem unentbehrlichen Faktor in den Bildungsbestrebungen unserer Stadt sich gestaltet. * * Ein Kinder- und Familienfest (ein sog. Strandfest) findet morgen, Sonntag, in Steins Garten stall. Um die Freude am Feste zu erhöhen, erhält jedes Kind an der Kaste einen Strandhut gratis. Ein Luftballon ist in Wirklichkeit riesenhaft zu nennen, denn er hat die respektable Höhe von zirka 20 Fuß. Eine Gratis-Ge- schenkverteilung findet auch statt. * * Ein alter Bekannter. Auf unserer Redaktion erschien heute Herr Fritz Hüne, der in den Jahren 1848 bis 1849 als Faktor an der Spitze unserer Druckerei stand. Der Eigentümer des Verlages des Gießener Anzeigers war damals Georg Daniel Brühl. Herr Hüne, der seit dreizehn Jahren Herausgeber eines in Brooklyn bei Newyork erscheinenden Blattes ist, befindet sich zur Zeit auf einer Weltreise, deren Strapazen chn seine ausgezeichnete Gesundheit und Rüstigkeit mit Leichtigkeit ertragen läßt. In Gießen ist er im Hotel zum Einhorn, in dem er vor mehr als einem halben Jahrhundert zu Mittag zu speisen pflegte, abgestiegen. Die besten Wünsche begleiten unfern „alten Bekannten", den die Liebe zur Heimat wieder zu uns führte, auf seiner weiteren Reise. * * Der Kreisveterinärarzt Schmidt wird sich im Auftrage des Ministeriums demnächst von hier nach Marburg begeben, um sich in dem dortigen hygienischen Jnstllute über das von Geheimrat von Behring entdeckte Tuberkulose - Immunisierungs -Ver- a h r e n zu unterrichten. Mi t der Immunisierung )e r Rindviehbestände gegen die Tuberkulose oll alsdann sofort in der Provinz Oberhes- ’en begonnen werden, und sind hierzu zunächst die Viehbestände der provinzialen Zuchthöfe in Aussicht genommen. Bekanntlich hat Geheimrat von Behring den von ihm errungenen Nobelpreis diesem Zwecke gewidmet. Die Ausführung des Verfahrens geschieht auf Staatskosten. * * Fahrplanlesen in der Schule. Wir brachten kürzlich die Nachricht, daß ein schlesischer Lehrer das Fahrplanlesen in seiner Schule eingeführt habe re. Dem können wir heute zufügen, daß in Hessen bereits jeder Lehrer mit Kindern älterer Jahrgänge das Fahrplanlesen alljährlich übt. Schon seit Jahren wurden wiederholt maßgebenden Orts diese Hebungen den Lehrern empfohlen. * * In der gestrigen Mitteilung über die Gründung eines Städtebundtheaters (s. Stadt- verordneten-Versammlung) ist aus Versehen eine Zeile weggeblieben. Es muß auf S. 1, erstes Blatt, Zeile 25 ff. von unten heißen: „weiter teilt der Bürgermeister mit, daß bett, des hiesigen Theaters Verhandlungen über Verbesserungen in der Zusammensetzung des Theaterpersonals und des Orchesters im Gange seien. -o- Alb ach, 18. Juli. Bei der heute stattgehabten Beigeordnetenwahl siegte der Landwirt Ludwig Arnold II. mit 42 Stimmen, sein Gegenkandidat Gastwirt Heinrich Euler III. erhielt 22 Stimmen. Die Wahl fand unter sehr reger Beteiligung statt. Darmstadt, 18. Juli. Ein äußerst dreister und frivoler Unfug wurde heute nacht durch eine Anzahl Studierender hier ausgeübt; dieselben haben, nachdem sie schon vorher längere Zeit randaliert hatten, auf dem sogen, alten Friedhöfe, welcher nicht mehr benutzt wird, auf welchem aber noch eine ganze Anzahl gut erhaltener Grabdenkmäler aus dem Anfang des Jahrhunderts stehen, das sog. Jacobs- denkmal, ein mä-rere Zentner schweres eisernes, viereckiges Denkmal mit Gewalt aus den Fugen gerissen und umge- worsen; den eifrigen Bemühungen der Polizei gelang es alsbald, die Thäter zu ermitteln. '* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Laubach hat der in voriger Woche verstorbene Rentner Krieger, ein Selfmademan, der mehrere Millionen hinterlassen hat, für den Bau einer katholischen Kirche 5000 Mark testamentarisch bestimmt. Vermischtes. * Venedig, 18. Juli. Von den fünf Glocken des Camanile dürfte nur die „Marangona" erhalten sein. Die Ecke des Togenpalaftes, die durch den Sturz des Campanlle beschädigt wurde, mußte gestützt werden. Minister Nasi wohnte heute der Sitzung des Gemeinderats bei. Ter Bürgermeister sagte: In dem Unglück, das jetzt die Stadt betroffen, habe Venedig den Trost, sich als Gegenstand des Mitgefühls des ganzen Volkes und der Unterstützung der Regierung zu sehen, deren Vertreter er herzlichen Gruß entbiete. Fortlaufend gehen von allen Seiten erhebliche Geldsummen für die Wiederherstellung des Glockenturmes ein. Bankier Morosini aus Newyork sandte eine halbe Million Ltte ein. Unter den Trümmern fand man heute eins der Bronzestandbilder von der Loggia des Sansovino. Dieselbe ist ziemlich gut erhalten. Um den hiesigen Kunstdenkmälern größeren Schutz zu sichern, übertrug der Minister Nasi die Aussicht über dieselben dem Architekten Boni, der auch mit der Leitung der Arbeiten an dem eingestürzten Glockenturm beauftragt ist. Der Präfekt löste die Intendanz der Markuskirche und das technische Bureau auf, das mit der Aufsicht über den Glockenturm beauftragt war, und enthob den Ingenieur Saccardo.seiner Funktionen. Ullioersltüts-Nachrichterk. — Das „B. T." erfährt, im Befinden des in Schierke im Harz sich aufhaltenden Professors Virchow sei eine Verschlimmerung eingetreten. Virchow halle in den letzten Tagen bedrohliche Schwächeanfälle. — Demselben Blatt zufolge liegt der Berliner Professor G e r h a r d t schwerkrank auf seiner Besrtzung Tamberg in Baden darnieder. Gerichtshml. Darmstadt, 18. Juli. Eine ganze Jagdgesellschaft, welche die Wilddieberei seit Jahren in großem Maßstabe betrieben, erhielt heute durch die hiesige Strafkammer ihre wohlverdiente Strafe. Dieselbe hat in den Jahren 1897—1902 in den Gemarkungen Biebersheim, Rockstadt, Schmitthausen und der Umgegend, woselbst sie zu jagen nicht berechtigt war, regelmäßig die Jagd ausgeübt, einige derselben haben sogar während der gesetzlichen Schonzeit gewildert. Die Strafen gegen 8 Wilddiebe bewegen sich zwischen 1 und 3 Monat Gefängnis. Der Wildpret- händler Zimmermann, welcher gewerbsmäßig die erbeuteten Jagd- stücke, von denen er annehmen mußte, daß sie durch eine strafbare Handlung erlanot waren, angekauft und wieder abgesetzt hat, wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Das Prozeßverfahren wegen der angeblichen Aeußer» ungeu des Kaisers über die Duellfrage ift nunmehr entgültig beendigt worden. Bekcmnntlich hatte der frühere Redakteur der „Potsd. Ztg.", Paul G r o l l, der wegen der in dem bekannten Artikel enthaltenen Beleidigungen der LeuMants von Kessel und von Goßler vom 1. Garderegiment z. F. zu 2 Monaten Gefängnis von der Potsdamer Strafkammer verurteilt war, Revision gegen das Urteil anmelden lassen. Letzterer roartete mit der Anmeldung den letzten Tag der siebentägigen Frist ab und schickte dann seinen Bureauvorsteher abends nach Potsdam, um dort im Landgericht das betreffende Schreiben abzugeben. Nach 6 Uhr, als die Bureaus geschlossen waren, traf der Bureauvorsteher im Landgericht ein unb gab das Schreiben nilnmehr an den Kastellan ab, ohne zu sagen, daß dasselbe noch an demselben Tage dem zuständigen Beamten zirr Präsentation vorgelegt werden müsse. Ter Bureauvorsteher glaubte, daß in Potsdam derselbe Usus wie bei den Berliner Land- gerichten, wo alle, auch nach Schluß der Dienststunden eingehende Schreiben sofort mit dem Präsentationsstempel versehen werden. Ta dies nnn nicht der Fall war, wurde die Revisivnsanmel- d u n g erst am nächsten Tage präsentiert und deshalb durch Ge° richtsbeschlilß als verspätet angemeldet zurückgewiesen. Diesen Beschluß focht Rechtsanwalt Halpert im Beschwerdewege beim Reichsgericht an, wurde aber nunmehr entgültig damit a b g e * wiesen, sodaß das Utteil gegen Groll jetzt rechtskräftig geworden ist. Landwirtschaft. Bon der Lahn, 19. Juli. Der K o r n s ch n i 11 hat, wenn auch vereinzelt, in hiesiger Gegend begonnen; hier und da erblickt man auf dem Felde schon Getreidehaufen. Nach Aussage der Schnitter tragen die kräftig herausgewachsenen Halme voll besetzte Aehren. Da die Blütezeit des Weizens, des Hafers und der Gerste günstig verlief, werden auch diese Halmfrüchte bei der herrschenden Hitze rasch der Reife entgegengehen. Sommerfrucht (Hafer und Gerste) ist infolge der Trockenheit etwas kurz geblieben, verspricht aber trotzdem einen guten Körnerertrag. Tie Gattengewächse haben einen sehr befriedigenden Stand, besonders die Bohnen, welche üppig grün sind und sehr reich blühen. Die Kartoffeln sind auch vielversprechend, jedoch liefern die Frühkartoffeln zwar recht viele, auch schmackhafte, aber nur kleine Knollen Die Bienenvölker hatten in diesen Tagen an den in voller Blüte stehenden Lindenbäumen eine reiche Honigtracht. Die Imker waren deshalb fleißig am Honigschleudern. Die allerdings wenig vorhandenen Baumfrüchte entwickeln sich vollkommen; es ist so,nit Hoffnung vorhanden, daß schönes Obst im Herbste geerntet werden wird. Die ausgesetzten Dickwurz- und Gemüsepflanzen entwickeln sich in zufriedenstellender Weise. Falls keine elementaren Ereigniffe die Feldfrüchte schädigen, darf der Landmann auch in diesem Jahre mit den Erträgnissen derselben zufrieden sein. Grünfutter ist hinreichend vorhanden. Wien, 18. Juli. Nach dem Saaten st and von Mitte Juli stehen Winter- und Sommersaaten überwiegend günstig. Eine mittlere bis gut mittlere Ernte ist zu erwarten. Hafer ergiebt voraussichtlich nur eine halbe Ernte, Mais steht größtenteils unbefriedigend, Raps besttedigend. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. ** Reichsbaut. Am 4. August d. Js. wird in Höhr (Hessen- Nassau) eine von der Reichsbankstelle in Koblenz abhängige Reichsbank-Nebenstelle mit Kaffeneinrichttmg und beschränktem Giroverkehr eröffnet. Köln, 18. Juli. In der heute hier abgehaltenen Versamm» lung der Vertreter des Rheinisch-Westfälischen Rob- eisen-Syndikats wurde einstimmig beschlossen, das Syndikat unter den bisherigen Bedingungen zunächst bis Ende nächsten Jahres au verlängern, und zwar mit Rücksicht darauf, daß die großen «tahlverbände jedenfalls mit Ende nächsten Jahres einer Neubildung entgegenfehen. Die Vorbereitungen zur Bildung einer festeren Form für oas Syndikat sollen inzwischen mtt Nachdruck betrieben werden. Berlin, 18. Jull. Die Voruntersuchung gegen bie früheren Direktoren der Porn rnerschen Hypotheken- Aktienban k, Kommerzienrat Schultz und Rom eich, ist abgeschlossen. Der Prozeß wird voraussichtlich im Herbst, bald nach Beendigung der Gerichtsferien zur Verhandlung kommen. Halle a. d. Saale, 18. Juli. Eine Versammlung der Vertreter der größten Paraffin- und Mineralölfabriken beschloß die Neubildung des Vereins für Mineralölindustrie. Zwecks Beratung über die Vorgänge in der Industrie wurde ein Ausschuß gewählt. — Bei der Leipziger Tabakfirma Oswald Seydel liegt eine Zahlungseinstellung vor. Eine Konkurserklärung ist nicht erfolgt. Die Firma wird voraussichtlich bestehen bleiben. Tie Aktiven betragen ca. 400000 'Mark, die Unterbilanz 100 000 Mark. Tie Firma hofft, die Gläubiger voll befriedigen zu können. Biehmarki. Während der abgelaufenen Woche konnte sich das Geschäft an den einzelnen Märkten wiederum nicht beleben, die Umsätze beschränkten sich fast überall nur auf den notwendigen Bedarf für den Konsum. Prima Fettvieh war rasch ausverkauft, an einigen größeren Märkten auch mittlere Qualitäten etwas besser beachtet unb abgesetzt. Ter Kälberhandel gestaltete sich im allgemeinen mittelmäßig, an einigen kleineren Plätzen blieb ziemlich Ueberstand. Fette Schweine gut abgesetzt, es bestand hierin fast überall rege Nachfrage, Läufer und Milchschweine ziemlich gut verkauft. Tabak. Im Lause der Berichtswoche wurden in Seckenheim 2-—300 Ztr. Tabak von Produzenten an Händler zu 28 Mk., circa 600 Ztr. Neckarthaler Tabak, Umlage mit Einlage zu anfang 40 Mk. von Händlern an Fabrikanten, weiter eine Partie (ca. 300 Ztr.) 1901er Gunditabake zu 30 Alk. von Spekulanten an Fabrikanten umgesetzt. Die meisten Fabrikanten sind im Einkauf noch sehr zurückhaltend. Beim Sortieren der Tabake, womit man zur Zeit allgemein beschäftigt ist, zeigt es sich, daß sehr wenig Umblatt vorhanden ist, aber auch sehr viel fauler Tabak findet sich vor. Natt'ir- lich haben die Händler den Verlust zu tragen, sie sind hieran jedoch selbst schuld, da sie alljährlich von der Gepflogenheit Tabake nur in abgehängtem Zustand zu faufen, trotz der vielseitigen Warnungen und den inanchmal sehr großen Verlusten immer wieder abweichen. In loser entrippter Einlage besteht vermehrte Nach- frage und wird für gute Qualitäten 80—85 Mk. bezahlt. Lose pfälzer Rippen geschäftlos, lose feine 9—9,50 Alk., gebündlte 11—11,50 Mk. Getreide. Auch diese Woche verlief das Getreidegeschäft in ruhiger Stimmung, nachdem von feiner Seite eine kräftige Anregung erfolgte. 'Amerika hat ebenso wie Rußland seine Preise ziemlich behauptet. Rumänien ist infolge des guten Ausfalls der Ernte auch wieder am Markt und es fanden in den ausgezeichneten Qualitäten, welche die Muster der Neuweizen zeigen, ziemlich Umsätze stall. Noauen unverändert. Gerste ohne Veränderung. Hafer preishaltend. Mais behauptet. — Die heutigen Notierungen sind: Redwinter II neue Ernte 131—132 Mk. Kansas II neue Ernte 130.5—131.5. Rnmän. Weizen neue ©rnte August-September- Abladung 127—131 Mk. Rufs. Roggen 109 Mk. Russ. Futtergerste 106—107 Mk. Russ. 133—144 Mk. Donau-Mais 96 Mk. Laplata- Mais r. L 97 Mk. Per Sonne cif Rotterdam. Märkte. Gieße«, 10. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr.Psd. 0,80—1,10 Mk., Hühnereier pr. St. 6—7 Pfg., 2Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 11—13 Pfa., Enteneier 7—8Psg., Käse pr.Stck. 5—7 Pf., Käsematte 2 Stck. 0—0 Psg., Erbsen pr. Liter 19Pfa., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr. Paar 0,70—1,00Mk., Hühner pr.St. 1,20—1,50 Mk., Hahnen pr. Stück 0,55—1,20 Mk., Enten pr. Stuck 2B0—2,50 Mk^ Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch £r. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., -Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pimrd 84 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 66—70 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,50—6,00 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 9,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Psg. Aepsel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Kirschen 20—30 Pfg. Tauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nur aus den bestimmten Verkaufsplätzen und nicht im Umherziehen feilgeboten werd em Sport. Gießen, 19. Juli. Der Gießener Radfahrerverein 1885 begiebt sich, wie uns mitgeteilt wird, heute nach Kassel zum Bundestag des deutschen Radfahrerbundes. Eisenbahn-Zeitung. Butzbach, 18. Juli. Die Einnahme von dem Personenverkehr der Eisenbahnstation Butzbach betrug 1898/99 76 678 Mark, im Jahre 1900 85795 Mark, vom Güter- und Viehverkehr 1898/99 197944 Mark, im Jahre 1900 208634 Mark; also ein Mehr von rund 20000 Mark. Zutritt von Reisenden dritter Klasse zu den Speisewagen. Bisher war Reisenden mit Fahrkarten 3. Klasse der Zutritt zu den Speisewagen der D-Züge und Schnellzüge, auch wenn sie Wagen 3. Klasse führten, sonderbarerweise nicht gestattet; da dies selbstverständlich zu Klagen führte, hat die bayerische Generaldirettion nun angeordnet, daß bei den Zügen Nr. 125, 126 und D 27 (bayerische und sächsische Linien) den Reisenden mit Fahrkarten 3. Klasse der Zutritt zum Speisewagen gegen Lösung einer Zuschlagkarte zum Preise von 50 Pfg. zur Einnahme warmer Speisen zu gestatten sei. Diese Zuschlagkarten werden im Zuge durch den Zugführer verkauft. — Im Bereiche der preußisch-hessischen Eisenbahngemeinschaft ist es den Reisenden 3. Klasse nach! wie vor gnädigst gestattet, auf längeren Reisen am Daumen zu lutschen! eiben. Dem Schmied Heinrich Becker em"Sohn, Wilhelm Friedrich Heinrich, geboren den 10. Jnni. — Johannesgemeinde. Den 12. Jutt. Dem Kaufmann Georg Schminke ein Sohn, Heinrich Otto Georg, aeboren den 8. Juni. Den 13. Juli. Dem Maurer Wilhelm Steinmüller ein Sohn, Ernst Gustav, geboren den 9. Mai. , Beerdigte. Matthausgemei nde. Den 18. Jitll. Loms Flett, Rentner und Stadwerordneter, ein Witwer, 67 Jahre alt, tarb den 17. Juli. _________________________________________ Litterarische Neuerscheinungen. (Besprechung vorbehalten.) D a a b, PH., Sonnenwende. Gedichte. (VII, 131 S.) Darmstadt, Jos. Waitz. 2 Mk. Mitzenius, Karoline, Unter den Bettelbrüdern u. a. Er- jählungen aus dem Odenwald. (XV, 134 S. mit 1 Illustration.) Edda. 1,60 Mk. Musgrave, Kurt A., Heidelberger Schöpfungsgeschichte, (42 S.) Berlin-V^ The German Times. Mk. 1,20. ©ollin, Ehr., Björnsons lieber unsere Kraft u. die grrech. Tragödie. (63 S.) München, Alb. Langen. B j o r n s o n, Björnstjerne, Neue Erzählungen. Antons, lieber- setzung ans dem Norwegischen. (359 o.) Ebda. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) W. S. L. Das können Sie in jeder Fahrradhandlung erfahren. G. St. Wir wollen Ihnen gern bestätigen, daß Ihre Begründung für die Lösung jenes Bilderrätsels, also für „Reisebekannt- chast", in vieler Beziehung zutreffend ist. Sie schreiben: „Du richtige Lösung ist nicht auch, sondern nur „Reisebekanntschaft ; da die Stellung des Apostrophs zu Anfang des R. den Abstrich eines Buchstabens zu A n f a n g des Wortes und nicht am Ende des Wortes bedeutet, abgesehen davon, daß die bildliche Darstellung nicht „Alte r" sondern „A11 e" zu lesen sein nnd nach Abstrich des e das Wort „A l t", nicht „A11 e" ergeben würde; es müßte denn die zwei Figur des Alten ohne Bedeutung sein. Schiffsnachrichten. „Red Star Linie" Antwerpen. Der Postdampfer „Switzerland" der Red Star Linie in Antwerpen ist laut Telegramm am 16. Juli wohlbehalten in Philadelphia angekommeir. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 18. 18. 19. 'S 42*2. e — a-.. W. Höchste Temperatur am 18. bis 19. Niedrigste „ „ 18. „ 19. 8. NW. ,79 91 76 19,0 15,8 14,2 747,1 746,2 747,0 2a 9“ y25 12,9 12,2 9,1 :a x7 § Wetter Bed. Himmel Sonnenschein Juli 24,0° C. „ 10,9° C. Auszug aus Den Kirchenbüchern htr Stadt Gieße». Evangelische Gemeinde. Getraute. Matthäusaemeinde. Den 13. Juli. Heinrich Emil Erle, Kaufmann zu Gießen, und Marie Luise Wilhelmine Muller, Tochter des Schreinermeisters WUhelm Müller zu Gießen. — Markusgemeinde. Den 12. Juli. Heinrich Martin Tilaes, Kaufmann zu Gießen, und Emma Elise Auguste Wolf, Tochter des Landwirts Ernst Wolf zu Otterbach. Den 15. Juli. Karl August Heinrich Lonv, Regierungsassessor zu Worms, und Mathilde Henriette Roth, Tochter des Kaufmanns Wilhelm Roth in Gießen. — Lukasgemeinde. Den 12. Juli. Friedrich Römer, Eisendreher zu Gießen, und Marie Seth, Tochter des Fuhrmannes Ludwig Seth zu Gießen. — Johannesgemeinde. Den 12. Juli. Friedrich Albert Hatz, Taglöhner zu Gießen, und Elisabeth Rücker, Tochter des verstorbenen Taglöhners Georg Rücker zu Bellersdorf. Getaufte. Matthäusgemeinde. Ten 13. Juli. Dem Schneider Gustav Paul ein Sohn, Albert Ernst Oskar, geboren den 5. Juni. Den 13. Juli. Dem Kaminfegermeister Wilhelm Keil eine Tochter, Katharine Dorothea Marie, geboren den 13. Juni. — Markusgemeinde. Den 13. Juni. Dem Lokomotivheizer Heinrich Linkmann ein Sohn, Ludwig, geboren den 16. Juni. Denselben. Dem Glaser Fritz Fenner ein Sohn, Karl Georg Martin Friedrich, geboren den 8. Mai. Denselben. Dem Schaffner Wrl- helm Schneider eine Tochter, Elisabeth, geboren den 25. Mai. — Lukasgemeinde. Den 13. Juli. Dem Heizer Andreas Reinhardt ein Sohn, Wilhelm Ludwig Earl .Adolf Emil Ferdinand. Den- Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. München, 19. Juli. In einem Interview mit dem Ministerpräsidenten Grafen Crailsheim bezüglich des Standes und Ausganges der Mini sterkrise sagte Gras Crailsheim, ein formelles Entlassungsgesuch des Kultusministers Tr. v. Land mann liege noch nicht vor, trotzdem stehe der Abgang desselben fest. Sehr entschieden verwahrte er sich gegen den Vorwurf, v. Landmann sei von seinen Ministerkollegen desavouiert und (dadurch zum Rücktritt gezwungen worden. Das Ministerium habe den Kulturminister bis zum Schluß des Landtages halten wollen, doch habe dieser erklärt, sein nervöser Zustand gestatte ihm unter keinen Umständen, weiter an den Arbeiten teilzunehmen. Justizminister Frhr. v. Leonrod bleibe im Amte. Die Augen-Operation, der er sich unterziehen mußte, sei völlig gelungen. Dr. v. Landmnan werde zu einem entsprechenden Amte berufen werden, sobald ein solches frei ist, In Bezug auf die Taktik des Z e n t r u m s in der Kammer sagte Graf Crailsheim, diese SchädigungderKunstinteressen wird den Regenten höchst empfindlichberühren. L o n d o n, 19. Juli. Eine neue Generalprobe für die Krünungsfeier hat bereits gestern stattgefunden. London, 19. Juli. Verschiedene Blätter bringen Eüd- zelheiten über die Konferenz der Minister der Kolonien. Obgleich die Verhandlungen geheim gehalten werden sollen, machen die Minister doch Mittellungen aus -enselben. Wie bekannt wird, sind große Meinungs» Verschiedenheiten an den Tag getreten. Der Minister von Neu-Seeland, Seedom, der bisher ein eifriger Befürworter des Zollvereins war, bezeichnete alle diejenigen, welche in England den Freihandel ableugneten, für Ketzer. Der Minister für Australien, Barton, erklärte, die Zustimmung Australiens zum Zollverein sei unmöglich. Dies würde den Ruin Australiens bedeuten. Der kanadische Premierminister er- llärte, Canada werde sich keine Mühe geben, eine Aende-- rung des Status quo herbeizuführen. London, 19. Juli. Lord Milners Reise nach Lourenzo Marquez soll den Zweck verfolgen, die dortigen Häfen und Gebiete noch stärker als bisher der englischen Interessensphäre zu unterstellen, um damll zu verhindern, daß diese Gebiete zu internationalen Rekta* mationen Veranlassung geben könnten. P a r i s, 19. Juli. Durch Zeugenaussagen ist festgestellt, daß der Mörder des Dr. Orden st ein, Thaöianeix, gelogen hat, als er an gab1, er habe den Arzt weder berauben noch auch entfliehen wollen. Ordenstein sagte im ersten Augenblick, als er noch völlig bei Bewußtsein war: Er wollte mich berauben, ich zog die Notleine. Paris, 19. Juli. In informierten Kreisen wird versichert, daß die Zusammenkunft zwischen dem König von Italien und Loubet in Rom stattfinden werde. Rom, 19. Juli. Der Spezial-Korrespondent der „Tri- buna" berichtet aus Petersburg, daß der Zar sich vom KönigViltor Emanuel mit den Worten verabschiedet habe: „Auf baldiges Wiedersehen in Rom". Hierauf antwortete der König: „Auf' baldiges Wiedersehen Mein Volk wird Sie mll dankbarer Anerkennung begrüßen.^ lieber das Datum der Reise ist noch nichts bestimmt, sie wird wohl zu Beginn des neuen Jahres stattftnden. Wien, 19. Juli. König Karol von Rumänien wird am 3. August Kaiser Franz Josef in Ischl besuchen. Im Läufe des Juli trifft in Ischl der Kronprinz Friedrich August von Sachsen ein, um dem Kaiser das Notifikations- Schreiben des Königs Georg zu überbringen. Petersburg, 18. Juli. Der Großherzog und die Großherzogin von Oldenburg traten auf der Yacht „Lensahn" die Heimreise an. Vorher fand an Bord der Yacht ein Frühstück statt, lvozu der Großfürst Wladimir und mehrere andere Großfürsten, der deutsche Botschafter mit allen Damen und Herren der Botschaft, Herzog Paul Friedrich von Mecklenburg und der Kommandant des Schulschiffes „Charlotte" geladen waren. Als die Yacht die Höhe von Peterhof passierte, verabschiedete sich der Kaiser nochmals vom Großherzogenpaar. Der König von Italien verlieh dem Großh,erzog den Annunziatenorden. New York, 19. Juli. In Portsmouth (New-Hamp- shire) ist ein Boot, in welchem sich 23 Personen befanden, umgekippt. 14 Insassen ertranken. Havanna, 19. Juli. Die kubanische Republik ist bis jetzt von den Vereinigten Staaten, (Ärgland, Frankreich, S panien, Haiti, Nikaragua, Venezuela und Guatemala anerkannt worden. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. M., 19. Juli 1902. 3ya°/o Reiohsanleihe . . 102.55 3°/o do. . . . 93.20 3 V,o/o Konsols ♦ . . . 102.50 ß% do. . . . . . 92.70 31/2% Hessen . . . . 100.50 3*/3% Oberhessen . . . 99.30 4% Oesterr. Goldretne . . 103.90 472% Oesterr. Silberrente 101.90 4% Ungar. Goldrente , . . 102.50 4°/o Italien. Rente . . . 103.10 4i/J% Portugiesen . . . 47.20 8°/d Portugiesen. .... 29.00 1% C. Türken . 27.70 Türkenlose 113.00 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.20 4’/,% äussere Argentiner —.— 3u/o Mexikaner .... 26.45 4,/2a/o Chinesen . . . . 91.20 Electric. Scbuckert . . . 101.00 Nordd. Lloyd . . . . 108.00 Kreditaktien 214.20 Diskonto-Kommandit. . . 184.65 Darmstädter Bank . , . 136.60 Dresdener Bank .... 144.80 Berliner Handelsges. . . 156.30 Oesterr. Staatsbahn . . . 149.20 Lombarden .... 18.40 Gotthardbahn . . , . < 168.70 Laurahütte ..... 198.70 Bochum . ..... 189.60 flarpener 168.60 Tendenz: still. i» 'ti333 Seidenstoffe es.» von Eiten & Keussen, geub Luna Krefeld. Sielbau Gießen. Die bei den diesjährigen Sielbau-Ausführungen benötigten Eisentetle für Spül- und Absperrvorrichtungen sollen öffentlich vergeben werden. Bedingungen und Angebotsformulare ausschließlich der Zeichnungen können gegen porto- und bestellgeldsreie Einsendung von Mk. 1.50 durch das Sielbauamt bezogen werderr. Ebendaselbst liegen die Zeichnungen, sowie sonstige Verdingungsunterlagen während der Dienststtmden zur Einsicht auf. Auskunft erteilt außerdem Herr Oberbaurat Schmick, Darmstadt, Michlstraße 60. Die Angebote sind versiegelt und mit der Aufschrift „Angebot auf Spül- und Absperr-Borrichtungen für den Sielbau Gießen" bis zum 4. August d. I., nachmittags 3 Uhr, bei dem Sielbauamt einzureichen, woselbst die Eröffnung der ein- gelaufenen Angebote un Beisein etwa erschienener Bewerber am genannten Termin erfolgt. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Gießeri, den 16. Juli 1902. 5265 Großherzoglrche Bürgermeisterei Gießen, Mecum._______________ Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß der städtische Baumwärter Heiurich Nockcr auf den Feldpollzeischutz, msbesondere für die städtischen Anlagen innerhalb der etabt, verpflichtet worden ist. Gießen, den 15. Juli 1902. . 5273 Großherzogiuye Bürgermeisterei Gießen. __________Mecum. _____________ Bekanntmachung. Nachdem Großh. Direktion der höheren Mädchenschule dahier eine Beteiligung der Schule an bem am 13. August abzuhaltenden Jugendfest wiederholt abgelehnt hat, fordern roir hierdurch alle Eltern, welche Kinder in der höheren Mädchenschule haben, auf, dieselben, soweit sie an dem Festzug teilnehmen wollen, auf dem Bürgermeisterei-Gebäude — Zimmer Nr. 15 — bis zum 26. Juli anmelden zu wollen. Die angemeldeten Schülerinnen werden in beförderen Gruppen unter besonderen Spielleitern dem Festzug angereiht werden. Gießen, den 19. Juli 1902. . 5282 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. In unserem Handelsregister wurde heute die Firma Johannes Weil zu Eberstadt gelöscht. Lich, den 16. Juli 1902. 5280 Großherzogliches Amtsgericht.______________ Krotpreise vom 20. Juli bis 3. August 1902. » ii 26 50 50 u (4 (2 (4 1 2 1 2 24 48 „ 72 „ Der hiesigen Bäcker. Kg. (2 Pfd.) Tafelbrot 28 1 Kg. (2 Pfd.) Schwarzbrot u 56 „ 2 Weißbrot 26 , 3 52 „ 1 Kilogramm (2 Pfund) Schwarzbrot ber: L. Schmidt, Gr.-Linden. .22 4 K.Stemmuller, Lang-Gons 22 L. Steinmuller, Gr.-Linden 22 , W.Wechel, Lang-Go^ . 22 Hch. Weber, Heuchelheim 22 2 Kilogramm (4 Pfund) «Mwarzbrot bei: cy ek swtpn Kircb-Göns 42 W. Weitzel, Lana-Gons. . 44 ÖÄ» 42? ®uft 3afo6j, äfiten-Sujed 44 L. Schmidt, Gr.-Linden. . 44 „ Karl Post, ÄKefeck - -. • 44 L. Steinmüller, Gr.-Linden 44 „ Hemr. Weber, Heuchelheim 44 W.Steinmüller, Lang-Göns 44 „ Jakob Appel, Krofdorf . .4 W. Schimmel, Kinzenb. M. 44 ,, * * 46 3 Kilogramm (6 Pfund) Schwarzbrot bei: W. Fabel, Wieseck ... 66 Gust- Jakoby, Alten-Buseck 66 Kari Post, Wieseck ... 66 „ Ernst Christ, Wieseck . . 69 Der Brotverkauser: Dieselben Preise wie bei den hiesigen Bäckern. Der auswärtigen Bäcker. 1 Kilogramm (2 Pfund) Weißbrot bei: L. Steinmuller, Gr.-Linden 24 Hemr. Weber, Heuchelheim 2o W. Steinmüller, L.°Göns . 24 „ W. Weitzel, Lang-Göns . . 25 L. Schmidt, Gr.-Linden. . 25 „ L. Stemmuller, Gr.-Lmden 25 W. Fabel, Wieseck ... 25 „ Karl Post, Wieseck . . . 2 Kilogramm (4 Pfund) Weißbrot bei: L. Steinmüller, Gr.-Linden 48 Jakob Appel, Krosdoft . . W. Steinmüller, Lang-Göns 48 „ W. Weitzel, Lang-Gons . . 50 L. Schmidt, Gr.-Lmden. . 50 „ Hemr. Weber, Heuchelheim 50 W. Fabel, Wieseck . . . 50 „ L. Stemmuller, Gr.-Lmden Karl Post, Wieseck ... 52 Gießen, den 19. Juli 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstraße 2 (Sfirgermeiftereigebäube) Zimmer Rr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und ArbeiMehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten nnd Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 Uhr geöffnet. Angebot der Arbeitnehmer: 1 Fahrbursche, 1 landwirtschaftlicher Arbeiter, 1 Taglöhner, 1 Hausbursche, 1 Kinderfrau, 2 Lauffrauen, 1 Putzfrau. Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Schlosser, 2 Schneider, 3 Schreiner, 1 Taglöhner, 5 Dienstmädchen. Lehrlinge: 2 Bäcker, 1 Friseur, 1 Schlosser, 2 Schuhmacher, 1 Schneider. ________________________________ Bekanntmachung. In der Zeit vom 12. bis 19. Juli 1902 wurden in hiesiger Stadt Gefunden: 1 Brille, 1 Serviette, 1 Brosche und 1 Schuhmachermaß. Verloren: 1 Portemonnaie mit 55—60 Mk. Inhalt und 1 Korallenkettchen. Entflogen ist: 1 grauer Papagei und 1 Kanarienvogel. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände, belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns gellend zu mache» Gießen, den 19. Jull 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Pflichtftuerwehr. Donnerstag den 24. Juli d. Js., abends 8% Uhr im Turmhaufe am Brand: Uebung der 3. u. 4. Notte. Gießen, am 18. Juli 1902. 5249 Traber, Branddirektor. Im Namen der Hinterbliebenen: Giessen, den 19. Juli 1902. 5277 5143 on 119. 32 Pferde. Dressierte Ochsen, Esel re. Preise der Plätze wie bekannt. 5281 Johannisbeeren u. Stachel- I. A.: Diefft, QtOrti> ru verkaufen. Dammftratze Fabrikant: 552 Schutzmarke. Carl Gentner in Göppingen chweizer-, Edamer- Schlossfreihsit 703 5267 5145] Der Vorstand. 'S WWWWlW Q) m Wasche mit Luhns WWS^ vervielfältige ich mein Vermögen erhöhe ich mein Einkommen mit geringen Mitteln^ohne Mitwirkung, ohne Vorbereitung? 2tu§- künfte (kostensr.)gibtRedaktion,Budapcst, Postgasse 10,Mezz.5 Lechgestern. Heß. zwar: Maurerarbeiten. Zimmerarbeiten. Dachdeckerarbeiten Spenglerarbeiten Schlosserarbeiten Schreinerarbeiten Glaserarbeiten . Weißbinderarbeit. Friihrosen- Kas'toffeBn 50 Kilo Mk. 4 mit Sack versend. 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Angebote auf Vordruck, der daselbst erhält- üch, sind spätestens bis zum genannten Termin bei uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 16. Juli 1902. Das Stadtbauamt. Schwankt. 5227 i------------------------------------------------------------ Vergebung von Kauarbeiten. . Die zur Herstellung eines eisernen Thores mit Lungstein- thorpfeilern beim Kesselhaus der neuen Kliniken nötigen Steinhauer- und Schlosserarbeiten nebst Materiallieferung werden hierdurch unter Hinweis auf den Ministerial- erlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf den Submissionsweg ausgeschrieben. Die Ausführungsbedingungen und Arbeitsbeschreibungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen und können letztere, mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebotsvermerk versehen, daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden. Angebote sind bis zum 25. d. Mts., vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abzugeben. Zuschlagsfrist 2 Wochen. Gießen, den 9. 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