Nr. 141 erftieiitt täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfifchen Landwirt die Gießener Kamilien- Mätttr viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bc< Brüh lösche Univers. Buch- u.odanngegen 5 Stimmen angenommen. Der Antrag Weidner wird abgelehnt, ebenso die Vorschrift der Pos. 9, wonach der Großherzvg 12 ausgezeichnete Staatsbürger berufen könne. Geh. Staatsrat v. Krug macht darauf aufmerksam, daß jede Verfassungsänderung mit Zweidrittelmajorität beschlossen werden müsse, was hier bei Pos. 9 nicht der Fall sei. Abg. Ulrich (Lvz.) hält die jetzige Abstimmung nur für eine provisorische; die definitive Abstimmung solle bei der beschlossenen zweiten Lesung stattfinden. Abg. Jockel (nl.) glaubt, daß jetzt schon diese Zwei- drittelmajorität erforderlich fei. Es entspinnt sich hierüber eine Längere Debatte, ob jetzt der ganze Artikel abgelehnt sei oder ob die Schlußabstimmung bei ber zweiten Lesung mit Zweidrittelmajoritäit gengüe. Hierbei wurde festgestellt, daß, soweit in einzelnen Punkten eine Ablehnung erfolge, das frühere Gesetz in Kraft bleibt. Auf Antrag des Abg. Gutfleisch tritt eine längere Pause ein, damit die Parteien sich über diese Frage schlüssig machen können. Nachdem wieder in die Tagesordnung eingetreten worden ist, erklärt Präsident Haas int Anschluß an die Geschäftsordnungsdebatte, daß die Pof. 9, die mit einfacher Majorität abgelehnt worden sei, in dem 1872er Gesetz enthalten sei, das einen Bestandteil der Verfassung bilde und deshalb nur mit Zweidrittelmajorität abgeändert werden könne. Ebenso sei für die Pos. 10 diese Mehrheit iwtwendig, deshalb sei diese Position hier als abgelehnt zu betrachten, weil diese Mehrheit nicht vorhanden sei. Es folgt die Beratung des Artikels 3, der von ber Zusammensetzung der zweiten Kammer handelt. Ter Entwurf sieht 15 städtische Abgeordnete vor: Darmstadt uni) Mainz je 3, Gießen, Offenbach und Worms je zwei, und Friedberg, Alsfeld und Bingen je einen, sowie vierzig Abgeordnete aus den nicht mit einem besonderen Wahlrecht begabten Städten und den Landgemeinden in den zu diesem Zweck gebildeten Wahlkreisen. Hierzu liegt eine Reihe von Anträgen vor, die eine Verminderung der städtischen Abgeordneten vorsieht. Abg. Wolf (fr. w. V.): Den Städten Darmsiadt, Mainz und Offenbach solle man je einen Vertreter mehr geben, nicht aber sei dies angebracht bei Worms und Gießen. Sein Kompromißantrag bezwecke also die Vermehrung der städtischen Abgeordneten um drei statt um fünf. Auch die Statistik gebe ihm in dieser Beziehung Recht. In Starkenburg käme nach ver Vorlage auf 3,00 Wähler ein Vertreter, in Rheinhessen auf 3500 und in Oberhessen sogar nur auf 3100; außerdem zahle an Einkommensteuer Starkenburg 3,380 000 Mk., Rheinhessen 3 352 000 Mk. und Ob erheben nur 1368 000 Mk. Von irgend einer schlechten Behandlung Oberhessens könne man deshalb nicht reden, und er begreife nicht den lebhaften Widerspruch der Locrhejsen ^Trotzdem das Zentrum von der Vorlage wenig Nutzen'habe stimme es doch in volksfreundlicher Weise geschlossen für Deutscher Gastwirlstag in tSera. Gera, 17. Juni. Der internationale Arbeiterversicherungskongreß. Düsseldorf, 18. Juni. Die Katastrophe auf Ver Hrube Aricdrich. (Originalbericht des „Gieß. Anz."- p. Hungen, 18. Juni. Wie wir gestern bereits mitteilten, hat die Brandkata- strophe auf der Kohlengrube und Brikcttsabrit Friedrich bei Trais-Horloff eine Reihe von Opfern gefordert. Tie Arbeiter Friedrich Lotz aus Inheiden und Wilhelm B o m - bad), aus Trais-Horloff find getötet, bie Arbeiter Lrnd Unter starker Teilnahme, besonders von Vertretern der L deutschen und ausländischen Regierungen, begann heute Nachmittag der Jnternatiorrale Ärbeiterverficherungs-Kon- arefL Ten Vorsitz führte Wirkt. Geh. Ober-Regrerungsrat Boediker, der den Kongreß mit einer Ansprache eröffnete, in der er betonte, der Kongreß bilde eine Manifestation aller zivilisierten Völker zu Gunsten der Arbeiter- ürsorge. Mit ungefähr oO Referenten werde der Kongreß dafür Zeugnis ablegen, daß man mit der Arbeiterfüriorge und Versicherung nur vorwärts gehen tonne. Redner fuhr fort: Schon als ich in Brüssel meinen Rus „Envoiture ergehen ließ, betonte ich, es käme nicht so sehr auf die I Wagenart und den Reiseweg an, und wies auf das gemeinsam zu erstrebende Ziel hin. Mit Genuglhuung kann ich ,1m Hinblick auf das seither Erreichte jene Aufforderung heute mit den Worten bekräftigen „Sempre avanti . Auch hier werden wir einen Sdjritt wcilerkommen und uns von utopistischen Bestrebungen fernhalten. . Sodann nahm Stoatsfetretar Gras P o f a d o m s kh da^ Wort und führte aus: Tas zahlreiche Erscheinen i)t ein Beweis ^afür, wie tief der sozialpolitische Gedanke nicht nur b i den Regierungen, sondern auch bet deren Ber- tretern der praktischen Verwaltung und wissenschaftlichen Forschung, wie des gewerblichen Lebens Wurzeln faßte. I In der (Gegenwart, da die Bevölkerung schnell anwachfl, I wo der handwerksmäßige Einzelbetrieb in weitem Umfange von dem fabrikmäßigen Massenbetrtebe abgelost ist, wo der Grundsatz der allgemeinen Freizügigkeit, unterstützt durch die gegenwärtigen Verkehrsmittel, gesetzlich oder thatsächlich sich überall Bahn gebrochen hat, wo endlich an Stelle des persönlichen Ärbeitgeoers vielfach ;u- ristische Personen und große Erwerbsgenosscnschaften ge-^ treten sind, tritt naturgemäß das persönliche Verhältnis zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern hinter die normalen Vertragsverhältnisse zurück. £ei, bicfer grundlegenden Umwälzung der früheren wirtschaftlichen Grund- .lagen mußten neue Wege gesucht werden, um dem Arbeiter, dessen einzige Existenzgrundlage die ArbeitSfahig- I (eit ist, eine umfassendere Gewähr gegen die Gefahren I des Berufslebens zu geben. Do entstand die sozialpolitische Gesetzgebung, die für Deutschland in dem berühmten Erlaß des ersten Kaisers im neuen Deutschen Reich klassischen Ausdruck fand. Sie wissen, daß der praktisch Sozialpolitik ^Treibende gesunde Nerven und ein starkes Herz besitzen muß wenn er nicht der Gefahr unterliegen soll, zerrieben , zu werden zwischen feindlichen Mächten politischer Kurz- > sichtigkcit, herzloser Gleichgiltigkeit, träger Gewohnheit oder und Friedrich Völbel sind so schwer verletzt,dfejl! an eine Genesungkaumgedacht verletzt sind die Arbeiter Lind, em Bruder des oben Genannten, Streb und Schreiber, '^lwa ^Bergleute,! die zur Nachtschicht in die, 67 Meter nefen Bergwerks- schachte eingefahren waren, konnten gerettet werden, dal es gelang, das Feuer von den Schachten fernzuhalten. Wie bisher ermittelt ist, entstand der Brand abends zwischen 8 und 8i/2 Uhr über ober in einer ber trichterförmigen Staubkammern, die den Kohlenstaub fammein und! zur Brikettpresse führen. Ter eigentliche Vorgang babei ist noch nicht ganz aufgeklärt. Man nimmt an, baß sich eine Welle warmgelauien und den Kohlenstaub entzündet habe. Einer der getöteten Arbeiter muß dann versucht haben, das Feuer zu löschen; denn es erfolgte eme Expl o s i o n, die das über der Staubkammer bennoliche Stockwerk und das Tach ,ortriß und den beim Loschen beschäftigten Arbeiter in großem Bogen fortschleuderte. Man sand den gräßlich Verstümmelten und Verbrannten spater zwischen den Briiettstapeln. Tas Feuer breitete sich dann, !dant dem reichlich vorhandenen Kohlenstaub uno dem mit Theer und Oel getränkten Holzwerk rapid aus und äscherte in kurzer Zeit bis auf die Umsassungsmauern ade I Gebäude mit Ausnahme des Hauses über den tforoer* schachten, dem Kontor und einem Teile der Maschinen- und Kesselhäuser ein. Gewaltige Rauchsäulen wirbelten empor, blitzartig durchzogen von roten Flammen, den Bewohnern der benachbarten Törser einen schaurig schonen Anblick I gewährend. Löschfahrzeuge kamen von allen Leiten herbei, doch beschränkte sich ihre Thätigkeit nur auf den Lchutz der noch nicht vom Feuer ergriffenen Gebäudeteile. Sehr pefährlia; wurde die Situation, als das Feuer das Kessel-1 haus mit den sieben großen Kesseln beorohte Eme Explosion derselben schien unvermeidlich. Ta eilte der Direktor der Grube herbei, drang unerschrocken m das Kesselhaus und öffnete die Sicherheitsventile. Namenloses Unglück wurde durch diese mutige That verhütet. Als oann die Gefahr für das Kesselhaus beseitigt war, rourßen Die Kessel wieder unter Dampfdruck gesetzt, so baß Die intatt gebliebenen Dampfpumpen sich an der Loscharoeit beteiligen konnten. Ter Brand wütete die ganze Nacht hindurch uno war selbst gestern abend noch nicht gedämpft. Erü gegen I Moraen gelang es, das Feuer unter Kontrole zu bekommen. Von den Gebäuden waren die Flammen, angesacht durch einen, ihnen sehr günstigen Wind, auf die Brikett - stapel übergesprungen. Ungefähr 700 Waggons Briketts, also gegen 140 000 Zentner, sind verbrannt. Tie I weiter entfernten Stapel wurden durch Awei Meter breite Gräben zu retten versucht. Ter MaterialsckMen ist sehr bedeutend, man schätzt ihn neuerdings auf u-toOOOU Mark. Er ist nur teilweise durch Versicherung gedeckt. Tie Grube ist Eigentum des H e s s i s cp - R h e in i - scheu Bergbau-Vereins in Berlin. Einer ihrer Hauptaktionäre ist der bekannte Bankier Sternberg, der zur Zeit in Berlin eine Zuchthausstrafe verbüßt. Der Verlust ist für die Gesellschaft um so empfindlicher, als sie erst int vergangenen Jahre ein Kapital von circa 130 000 Mark für Neuanlagen und Verbesserungen auf- I gewendet hat. Bis das Wert wieder in Betrieb gefetzt werden kann, dürsten 4-5 Monate vergehen. Von feiten der Gi e ß e n e r St a a t s an w a 11 f ch a f t ist die Untersuchung eingeleitet, doch hat sie, wie wir hören, ein positives Resultat bisher nicht ergeben. _ Die Mittags- und Nachmittagszüge brachten gestern | eine große Zahl von Besuchern nach der Unglucksstätte. Ein trostloses Bild zeigte sich ihnen hier. Zur Linken - die brennenden Brikettstapel, zur Rechten die ausgebrannten G-'bäude. Gruppen von Fremden und von Arbeitern : standen zwischen den rauchenden Trümmern, bic Katastrophe . — die größte in unserer Gegend seit langer Zeit — teil- - nahmsvoll besprechend. Tenn für oie*ca. 230 Arbeiter des Werkes bedeutet das Feuer eine fchwere Lchadigung idreS Erwerbes. Wenn sie auch augenblicklich bei den Auf^ räumungsarbeiten beschäftigt werden uni) weiterhin auch die Grubenhaltungen instand bleiben, so werden doch mne ganze Anzahl von chnen eine unfreiwillige Pause machen müssen. (Vgl. auch Neueste Meldungen.) wirtschaftlicher Unbesonnenheit, die vorzeitige unreife Forderungen stellt oder Anfpruche erhebt, die ohne ernstliche Gefährdung des g e f amten Erwerbslebensüberhauptnichterfullt werden können. Es heißt deshalb, das Steuerruder fest halten, wenn man zwischen feindlichen Gegenströmungen überhaupt vorwärts kommen und nicht von ihnen schlangen werden will. Es mag weder Dem einzelnen Mann noch der einzelnen menschlichen Generation oe- schieden sein, im Kampf gegen menschliches Elend Die Palme des Sieges davon zu tragen, aber weil die foziale Frage mit der wachsenden Bevölkerung, und Der Vielgeftal- tiafeit und Verfeinerung des modernen Lebens immer schwieriger und dringender wird, deshalb darf auch die soziale Arbeit niemals ruhen, um am besten ! den Ansprüchen der Gegenwart einigermaßen gerecht zu werden und deshalb muß diese Arbeit auch mit Recht die erleuchtetsten Köpfe und edelsten Herzen fedes Volles in Anspruch nehmen. Ich sehe das Schwergewicht ^hrer Versammlung in dem sichtbaren Ausdruck der gemeinsamen internationalen sozialpolitischen Ueberzeugung. Mögen Ihre Verhandlungen dazu beitragen, bie Erkenntnis immer mehr zu vertiefen, daß die praktische Sozialpolitik zwar eine der schwierigsten, aber auch vornehm- slenAufgaben einer zeitgemäßen Staatskunst ist. Mögen Sie dazu beitragen, eine großherzige Lebensauffassung zu fördern, ohne welche hohe ethische Aufgaben weder erfolgreich noch mit heilender Versöhnlichkeit erfüllt werden können Wenn Sie alle in diesem Sinne arbeiten, wird vielleicht dereinst doch der Tag kommen, wo die tiefen Gegensätze, die das lebende Geschlecht belasten, fich mildern oder ganz ausgleichen. Möge diese Hossnung die belebende Kraft Ihrer Verhandlungen sein." Nach Posadowsky ergriff Handelsmini,ter Moller das Mort. Die Regierung halte unentwegt an dem ,ozialpolt- tischen Ziele, das der Vorredner entwickelte, fest. In anderen Ländern und auf früheren Kongressen mürben die lebhaftesten Zweifel an der sozialen Versichenuig, Wie ste in Deutschland eingeführt worden, erhoben. A/ie Erfolge in Deutschland sollten heute alle derartigen Bedenken §um Schweigen bringen. Er erneuere den dringenden jRat, den Weg der Zwangsversicherung zu betreten. Die Zahl Der schweren Unfälle habe in Deutschland durchaus abgenommen, das sei ausschlaggebend. Wir in Deutschland tonnen der Arbeiterbewegung mit ruhigem Gewissen gegenüber,tehen. Wir können ihr gegenüberstehen in dem Bewußtsein, un,ere Pflicht erfüllt zu haben. Ich hoffe, daß die soziale Zwangs- I Versicherung bald in allen Ländern den Lieg davontragen werde. (Lebhafter Beifall.) . C h e y s s o n - Paris überbrachte Gruße der französischen- Regierung, und Mag al di die der italienischen Regierung. Fror. v. Winkler lud im Auftrage der österreichischen Regierung die Kongreßmitglieder ein, das nächste Mal in Wien zu tagen. Landeshauptmann Klein verbreitete sich über die Verhältnisse der Versicherungsanstalt der Rhem- provinz. Ter ehemalige italienische Justizmmister EHirn irrt beantragte, ein Begrüßungstelegramm an den Reichskanzler Grafen Bülow zu senden, was Zustimmung ; sand. Sodann organisierte sich der Kongreß. Hierauf begannen Vorträge unter Vorsitz von CH e y sson-Parts. Lie Vorlage. Er empfehle seinen Kompromißantroy aufs I wärmste, auch feinen oberhessischen Freunden. Für tue Vor- < läge müsse man dem Ministerium Rothe seine volle An- ! erfennung zollen. Die Vorlage werde ja für manchen Ab-st geordneten ein memento mori sein. Durch das geitrige st „Ja!" hätte sich mancher Abgeordneter mit einem gewißen Nimbus umgeben wollen, um sich seinen Wählern gegenüber rechtfertigen zu können: aber jetzt müsse es sich zeigen, ob dieses „Ja" auch ehrlich gemeint gerne,en iei. sei letzteres der Fall, so müsse man im Interesse des Zustandekommens der Vorlage für feinen Komprvmißantrag stimmen. -Tie Regierung könne umsomehr auf Worms und ließen verzichten, als sie es in der Hand habe, deren Bürgermeister in die erste Kammer zu berufen. 9(bg. David (Soz.) erklärt, daß er fernen Antrag, der auf Beseitigung des Unterschieds zwischen ländliche^ uno städtischen Vertretern abzielt, und das Land in cmnayernd gleiche Wahlkreise eingeleitet wissen will, zuruckziehe, um ben Einfluß des Abg. Weidner hier nicht aufkommen zu lassen; deshalb werde er der Regierungsvorlage zustimmen. Tie städtischen Vertreter seien den agrarifchen Wünschen stets entgegengetommen und von einer ausschließlichen Bevorzugung der Städte könne man nicht reden. Man könne doch nicht die Universität nach Herchenham oder Langsdorf legen. Oder würden die Abgg. Weidner und Köhler vielleicht selbst zustimmen, wenn man die Technische Hochschule oder eine Irrenanstalt nach Herchenham lege! Die Vermehrung der städtischen Vertretung sei em Akt der Gerechtigkeit. Der Antrag Wolf sei geeignet den Boden für eine Verständigung abzugeben. Auch den Herren von der wirtschaftlichen Vereinigung zeige dieser Antrag den richtigen Weg; andernfalls würden ,ie oas £bium auf sich nehmen, aus einer Frage der Gerechtigkeit eine Machtfrage zu machen. , ... Abg^Brauer (fr. w. B.) bte,e Frage nicht für eine Machtfrage, sondern für eine Notfrage. Tie ganze seitherige Gesetzgebung fei nur im Interesse des Handels und der Industrie gewesen, während das Land Not lerne. Deshalb stimme er nach wie vor gegen die Vermehrung der städtischen Abgeordneten. . Abg. Weidner (fr. w. V.): Man ,olle doch anerkennen, daß die Vorlage in der Fassung für das Land nicht annehmbar sei. Ter rapide Aufschwung der Städte musst eme Schwächung des Landes zur Folge haben und deshalb solle man ihn nicht noch begünstigen. Die Beoolrerungszahl dürfe man der Vertretung nicht zu Grunde legen. Ter Abg. David habe billige Witze aemacht. An dem Vogelsberg, dem seit einer Reihe von Jahren vieles entgangen sei, sei ungeheuer viel gefehlt worden. Sie verlangten Gleichberechtigung; eine Vermehrung der städtischen Abgeordneten würden sie nicht gutheißen, da dies eme Schädigung des ohnehin benachteiligten Landes bedeuten würde. Abg. Graf Oriola (nl.): Man könne bisher von ihm nicht sagen, daß er einseitig für die Städte ein getreten sei. Man solle nicht Stadt und Land gegeneinander ausspielen,! sondern solle dem Wolf'schen (Grundsatz folgen: Ltadt und Land, Hand in Hand! Aber trotzdem könne er dem L 3 in der Fassung der Regierungsvorlage nicht zustimmen. Er hatte es lieber gesehen, wenn der 2lbg. Wolf fernen Antrag in der zweiten Lesung eingebracht hätte; denn man könne heute nicht sagen, bie Stadt soll einen Abgeordneten mehr haben und die nicht. Lenn er wun,che eine Verständigung über die Vorlage. Man müsse zu em em Kompromiß gelangen und sowohl den Städten als auch dem Lande entgegenkommen. Ties könne bei der zweiten Lesung erreicht werden. Abg .Gutfleisch (freisch: Die Regelung der Sache gemäß dem Anträge David wäre ihm am sympathischsten gewesen. Die alten Privilegien der Städte seien heute nicht mehr berechtigt; man müsse diese alle ausheben und Wahlkreise einrichten mit verständiger Verteilung der Be- völterungsziffer. Ties halte er für das Beste. Gr fjabe aber für den Antrag David im Ausschuß nicht zugestimmt, weil eine zu große Opposition dagegen vorhanden gewesen sei. Ein solcher Gegensatz zwischen Stadt und Lano bestehe seines Erachtens nicht und er müsse sich dagegen verwahren, daß jemals seine Abstimmung und Gesinnung unter der Herrschaft dieses Gegensatzes zu leiden gehabt hätte. Im Reichstag have er Stadt und Land vertreten und jedem sein (Genüge gethan. Tie gestrige Rede Weidners müsse er bedauern, obwohl dieser heute etwas abgewiegelt habe. Bei der Zollfrage sei sowohl in den Städten als auch auf dem Lande selbst bie größte Verschiedenheit der Ansichten vorhanden gewesen; deshalb könne man nicht lagen, I daß die Städter von vornherein gegen das Land seien. Man solle ihnen doch nicht die Dummheit zutrauen, daß ,'ie prinzipiell gegen ländliche Interessen seien. Ter .Wahlkreiseinteilung müsse man nur die Bevölkerungszisstr zu Grunde legen; dann erst erhalte man ein gleiches Wahlrecht, denn bann werde zwischen Stadt und Land fern Unterschied mehr gemacht werden. Ten Gedankengang der Regierung bezüglich der Vermehrung der städtischen Vertreter halte er für richtig. Gieße n habe sich wesentlich vergrößert und schließe nicht 2500, sondern 3a00 Wähler in sich. Tabei gehe er nicht von persönlichen Jntere,,en aus. Ob er wieder ein Mandat annehme, stehe sehr fraglich, wahrscheinlich nicht; aber wenn er trotzdem wieder ein Mandat annehme, so fei es chm persönlich lieber, wenn er als einziger Abgeordneter gewählt werde, weil man nicht wissen könne, was aus dem anderen werde, ob Dieser ihn nicht durch feine Anschauungen kompensiere. Nur aus Gerechtigkeit, wie es die Regieruiig hervorgehoben habe, solle man Gießen d en z ip c i == ten Abgeordneten gewähren. Ter Unterschied zwischen Stadt und Land solle man beiseite schieben und nur die Gerechtigkeit malten lassen. Zu dem allgemeinen und direkten Wahlrecht solle man auch noch das gleiche fügen. (Lebhafte Zustimmung!) Abg. Schönberger lnl.) spricht sich gegen bie Vermehrung der städtischen Abgeordneten aus. Staatsminister Rothe: Die Zahl ber Wahlfähigen dürfe nicht in Betracht kommen, da ber Abgeordnete die ganze Bevölkerung zu vertreten habe. Teshalb müf|c man lediglich die Bevölkerungszahl zu Grunde legen. Abg. Haas-Mainz (Soz.) ist mit der geplanten Ver^ mehrimg der städtischen Abgeordneten einverstanden. Schluß 1 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 9 Uhr. Tagesordnung: Wahlvorlage. Heute Vormittag eröffnete ber stellvertretende Verbands- vorsißende A. Ringel-Berlin bie Sitzung ber Beoollmäch- tiaten bet Vereine des Deutschen Gastwirts-Verbanbes. Dieser umfaßt 465 Vereine mit über 30000 Mügliebern. Im abgelaufenen Geschäftsjahre sinb 63 Vereine mit aeaen 3000 Mitgliebern neu eingetreten. Herr A. Ringel hieß bie Delegierten willkommen. Der Vorsitzenbe bes Eharlotienburger Vereins Rau erstattete im Namen ber Kassen-Revisoren Bericht. Danach besitzt die Verbanbskasse am 31. Mai 1902: 47 982.19 Mk., l Re Th. Müller-Stiftung: 109 961.57 Mk., bie Witwen- unb Waisen-Unterstützungskasse: 122 446.69 Mß, bie Unterstützungskasse für Kollegen: 3458.26 Mk., bie S erbege eimaung (Sicherhcitsfonbs) 5439.50 Mk., bic Sterbegelb-Ver- einigimq (Beiträge): 2430.76 Mark, Verbanbsabzeichen: 1895 86 Mark. Tas Gesamt-Vermögen bes Verbandes be- irägt 293 614.82 Mk. Die Aufstellung des Etats für 1902/3, ber in Einnahme unb Ausgabe mit 14 740 Mark balanciert, würbe genehmigt. Es folgten Anträge auf Aenbe- runq bet Vetbandssatzungen. Den Antrag „im § 35 bie Absätze 5 unb 7 dahin zu ändern, daß die in Betracht kommenden Einnahmen auf einige Jahre nicht der Verbands- Witwen- und Waisen-Unterstützungskasse, sondern ber neu» qegrünbeten Unterstützungskaste für unvetschulbet in Not geratene Verbanbsmitglieber Angeführt werben" vertrat, kurz । ’uoor bechargierte Schatzmeister Keck-Berlin, er teilte mit, daß u. a. ber Verein Breslau bet neuen Unterstützungskaste 1000 Mark, bet Verein bet Berliner Gastwirte 1500 Mark, der-Verein ber Berliner Brennereien 5000 Mark, bie Firma Stolwerck-Köln 1000 Mark überwiesen haben unb weitere reiche Zuwenbungen m Aussicht stäuben. Der Antrag würbe einstimmig angenommen. Ter Antrag, im § 34 an Stelle der Worte „bet Krankheitsfällen" zu fetzen „besonders bei Krankheitsfällen" fand gleichfalls Annahme. Auf Votfchlag des Vorsitzenden Ringel-Berlin soll das Verbandsvermögen von ber Reichsbant abgehoben unb bei ber Deutschen Bank niebergelegt werben. Der von Dr. Merker-Berlin gestellte Antrag im § 45 Abs. 1 eine Bestimmung zu treffen, derzu- folqc weibliche Treubienenbe für 6jährige Dienstzeit eine silberne Brosche als Auszeichnung erhalten sollen, fanb Majorität. Abgelehnt würbe ein von Charlotten- bürg, Spanbau unb Königsberg gestellter Antrag: „bem jeweiligen VerbanbsprÄibenten festzubestimmenbe Reprafenta- tionsgelber zu bewilligen". Eine lebhafte unb scharfe Debatte zeitigte ber Antrag Kiel: „Regelung ber Stellung bes Vcr- I banbsorgans „Das Gasthaus" zum Verbanb unb bes Verbands-Schriftführers." Lindemann-Kiel richtet heftige Angriffe gegen den Verlag des Verbandsorgans und befürwortet die Schaffung einer Kommission, welche ein bic angefochtene Stellung regelnbes Statut ausarbeiten solle. Wiefe-Berlin solle mit je zwei Mitgliebern bes Berliner Gastwirte- unb Weißbierwirte-Vereins bas Statut auSarbeiten unb bem nächsten (30.) Verbanbstage vorlegen. In ber Diskussion würbe zunächst von allen Rebnern die Bemängelung Linbe- manns, baß bas „Gasthaus" beim Tobe bes Präsibenten Müller eine unwürdige Haltung gezeigt habe, zurückgewiesen. Der Verlagsftrma des „Gasthaus" wurde vom Vorsitzenden und anderen Rebern (Keck, Feuerstein, Vehfe re.) Zusneben- yerr ausgefprocyen. Da der beide Teile (Verband und Verlag) bindende Vertrag noch bis 1904 läuft und der Antrag selbst von allen Seiten bekämpft wurde, war seine einstimmige Ablehnung die Folge. Aus Stadt und Kaud. Gießen, den 19. Juni 1902. * Personalien. Die GerichtSaecessistcn Hennann von Bechtold aus Gießen, Hans Becker aus Darnistadt, Hermann Braun aus Reinheim, Heinrich Espenschied aus Mainz, Friedrich Karl Fischer aus Bensheim, Ludwig Gaus aus Eppelsheim, Karl Hager aus Offenbach, Dr. Ernst Emil Hoffmann aus Darmstadt, Hans Hofmann aus Offenbach, Dr. Franz Kirstein aus Mainz, Ferdinand Lutz aus Hornburg, Dr. Friedrich Wilhelm Möbius aus Gießen, Josef Nostadt aus Bensheim, Emanuel Rothschild aus Alsfeld, Dr. Hermann Rothschild aus Alsfeld, Gustav Schneider aus Mainz, Dr. Philipp Wahl aus Arnshain, Robert Weitert aus Darmstadt, Johannes Welter aus Darmstadt, Ferdinand Willen büch er aus Gießen, Heinrich Zwilling aus Worms roucben zu Gerichtsassessoren ernannt. — Der Nevisionskontrollcur bei dem Hauptsteueramt Mainz, Ludwig Seitz, ist mit Wirkung vom 1. Juli d. I. zum Niederlagcverwalter bei genanntem Amte ernannt worden. ** & ie Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft setzt ihre Bemühungen, den hiesigen Markt zu erobern, fort. In der vergangenen Woche gründete die Gesellschaft hier in der Bleichstraße ein Bureau und ließ durch ca. acht Herren Gießen und die Umgegend bereisen. Obgleich sic den Konsumenten den Liter Petroleum für nur 15 Pfg. franko Haus anbot, gelang es ihr doch nicht, irgend welche Erfolge zu erringen. Die kleinen Händler habe:: für den kommenden Winter bereits abgeschlossen, und der Sommerkonsum ist zu gering, als daß er in Anschlag gebracht werden könnte. Die Gesellschaft droht nun, mit dem Preise so lange herunterzugehen, wie die hiesigen Kaufleute ihr folgen, sodaß sie also stets billiger sein will, als die letzteren. Bei den ungeheuren Kapitalien, die der Gesellschaft zu Gebote stehen, erscheint das auch ausführbar. Tabei ist nun allerdings zu berücksichtigen, daß die Gesellschaft nach Unterdrückung der Konkurrenz mit den Preisen wieder stark in die Höhe gehen muß; denn der Liter amerikanisches Petroleum kostet sie mit allen Zoll- und sonstigen Unkosten mindestens 16 Pfg. Tie Preise werden für das konsumierende Publikum dann bedeutend höhere sein, wie jetzt. Vorläufig ist nun die Gefahr der Unterdrückung der hiesigen Detaillisten noch nicht allzu groß; denn sie können im Sommer mit seinem geringen Petroleumbedarf die Konkurrenz ohne sonderlichen Nachteil aushalten. Wie sich aber die Zukunft gestalten wird, ist z. Z. noch nicht abzusehen. Siegt die Petroleum-Gesellschaft, so wird die Kosten wie gewöhnlich das Publikum zu tragen haben. Es kann deshalb nur erwünscht sein, daß das Publikum die hiesigen Kaufleute in chrem Kampfe gegen die Eindringlinge unterstützt. ** Der Umtaus ch der Po st marken mit dem «Ausdrucke „Reichspost" erfolgt nur noch bis Ende Juni. *♦ Erhebung der Gemeindesteuern. Im laufenden Monat sind die zwei ersten Ziele der Gemeindesteuern füllig. Es empfiehlt sich, mit der Zahlung derselben nicht bis zu den letzten Tagen zu warten, sondern möglichst bereits in Ider laufenden Woche zu zahlen, da jetzt noch kein Andrang an den Zahlschaltern herrschst ** Militür-Ernteurlaub. Der Kaiser hüt in seiner Ordre vom 13. Februar d. I., welche die Bestimmungen für die diesjährigen Reserve- und Landwehr- Uebungen enthält, gesagt, daß bei der Ansetzung dieser Hebungen namentlich die Ernteverhältnisse zu berücksichtigen sind. Dementsprechend finden denn auch während der Haupterntezeit keine Militärübungen statt, um der Landwirtschaft nach Möglichkeit alle Kräfte zu erhalten. Diese Kräfte sollen indessen auf Veranlassung des Kaisers noch vermehrt werden, indem den Landwirten, die wenig Arbeitspersonal bekommen konnten, Soldaten für die Ernte zur Verfügung gestellt werden. Dieser Ernteurlaub darf von den Truppen bis zur Dauer von drei Wochen gewährt werden, und zwar gegen freie Wohnung und Kost und Zahlung eines entsprechenden Tagelohnes. ** Staatliche Betriebskrankenkasse. Die Meinungsverschiedenheiten, welche zwischen dem Landes^ verein hessischer Aerzte und der staatlichen Betriebs^ krankenkasse für das Großherzogtum Hessen bestanden und un März d. I. zu einer Interpellation des! Abg. Reinhart-Worms in der 2. Hessischen Ständekammer Veranlassung gaben, sind durch Vermittelung der Ministerialabteilung für Gesundheitspflege im Wege beiderseitigen Nachgebens geschlichtet worden. Die Betriebst krankenkasse hat bezüglich der ärztlichen Besuche die Minimal- taxe von 1 Mark pro Besuch eingeräumt, dagegen haben die Aerzte einer Herabsetzung der Kilometergebuhreit von 1 Mark auf 80 Pfg. pro Kilometer der Entfernung für die Extrabesuche außerhalb des Wohnortes der Aerzte zugestimmt. Ein Unterschied i» der Honorierung der Stadt- unb Landärzte soll grundsätzlich nicht mehr stattfinden. ** Der Ausschuß dcr Deutschen Handwerkskammern Berlin, Breslau, Darmstadt, Dortmund, Dresden, Hannover, Lübeck und München tritt am 28. Juni, vormittags in Eisenach zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung steht insbesondere die Vorbereitung des im September in Leipzig stattfindenden dritten Deut- schen Handwerks- und Gewerbekammertages. nm. Klein-Linden, 17. Juni. Das am 12. Juni abgehaltenc Jahresfest des luth. Missionsvereins für Oberhessen hat einen erhebenden Verlauf genommen. Missionar Kabis, der über 25 Jahre in Indien wirkt, erzählte in der Kirche von den beiden luth. Stadtgemeinden in Madras, die schon so weit kirchlich gefestigt sind, daß sie, von eingeborenen Pastoren bedient, nahezu auf eigenen Füßen stehen, zumal sie sich durch große Opferwilligkeit auszeichnen, und zum größeren Teile aus Angehörigen der höheren Kasten, besonders der Süden, bestehen. Er schilderte dann die elende Lage der Paria und berichtete über die Erfolge seiner Arbeit unter diesen Aermsten der Armen, unter denen er in den letzten Jahren Tausende habe taufen dürfen, lieber den Charakter und Zweck des feiernden Vereins sprach in der Kirche Pfarrer Nies von Melbach. Der Ortsgeistliche schloß das schöne, auch durch eine reiche Missionskollektc (142 Mark und 15 Mark für verkaufte Missionsschriften) ausgezeichnete Fest mit herzlichen Dankesworten. — Auch in Schlitz fand vor einigen Tagen das alljährliche Schlitzenländer Missionsfest statt, bei dem ebenfalls Missionar Kabis einen Vortrag über seine indische Missionsthätigkeit hielt. Gründ er g, 18. Juni. Lehrer Kunkel ist von hier an die höhere Mädchenschule nach Gießen versetzt worden und hat dort seine neue Stellung bereits angetreten. Er hat sich hier besonders um die Hebung der Zcichenschule verdient gemacht, bei der ihn vorläufig der Geometer 1. Klasse Ritter, der voraussichtlich bis zum Herbst d. I. hier bleiben wird, ersetzen wird. Für die 1. Klasse der Zeichenschule, gegenwärtig von 40 Schülern besucht, wird ebenfalls ein neuer Lehrer beschafft werden. Hierzu hat der hiesige Vorschußverein jät)rlich 100 Mark bewilligt. § Ostheim, 19. Juni. Demnächst soll hier mit dem Ban des projektierten neuen Schulhauses begonnen werden. Als Platz ist der nordöstliche Ortsausgang rechts der Straße nach unserer Bahnhaltcstelle gewählt loorden. F e h l h e i m bei Bensheim, 17. Juni. Interessante Funde wurden dieser Tage von dem hiesigen Gastwirt Marx Schmitt gemacht. Bei den Ausgrabungen zu Keller und Fundamenten seines neu zu errichtenden Wirtschaftsgebäudes fand man verschiedene zinnerne, irdene und kupferne Eß- und Trinkgefäße, die dem 17. Jahr- hundert entstammen dürften. Sie waren zum Teil mit Sprüchen und Verzierungen versehen und ziemlich gut erhalten. Bereits vor zwei Monaten wurden an derselben Stelle zahlreiche Silbermünzen aus der Napoleonischen Zeit aufgefunden. a. Marburg, 18. Juni. Heute morgen fand auf dem städtischen Viehmarktplatze die vom hiesigen landwirtschaftlichen Kreisverein veranstaltete mit Prämiierung verbundene Ausstellung von reingezüchtetem Simnienthaler und Vogels« berget Rindvieh statt. Infolge des anhaltenden Regenwetters war dieselbe nicht so stark beschickt, rote man erwartet hatte. Vorhanden waren 87 Simmenthaler (10 Bullen, 24 Kühe, 27 Rinder, 25 Kälber) und 52 Vogelsberger (10 Bullen, 22 Kühe, 16 Rinder, 4 Kälber). Zur Verteilung kamen 2030 Mark, 2 silberne und 2 broncene Medaillen sowie 3 Diplome. Von 9 Uhr an fand in der Halle des Viehmarktplatzes Kon- -n § schreibt, vom 21. Juki vis 2. August an Der röntgu HrnverMü W it r a b u r g abgehalteu. ______ Kunst und Wissenschaft. Darmstadt, 18. Juni. Pros. Ehri ft i a n s c n ist aus dem Verband der K ü n st l e r f o I o u i c ausgeschiedo n, es ist ihm aber die Beibehaltung seines Ateliers sowie einer Reimmeratton ans ein Jahr noch bewilligt worden. Trier, 17. Juni. Die von dem verstorbenen Professor Fr. H. Kraus sur Sichtung und Herausgabe seines l'tterarischen "Nachlasse» eingesetzte Konnuission hat beschlossen, den Antrag, tue Sp ek tator - Briefe in Buchform herauszugeben, abzulehnen, da dies dem eigenen Wunsche des Verstorbenen nicht entsprochen haben würde. «ad Pyrmont, 18. Juni. Das am 28. und 29. Ium biet stattsindende T s ch aikowskysest erregt in den maßgebenden Kreisen durch die Ausführung mehrerer Manuskripte Interesse. Außer Modest Tschaikowsky, dem Bruder des verewigten russischen Meisters, werden viele Freunde Tschaikowsky's und hervorragende Musiker des In und Auslandes der Feier beiwohnen. — Im Fürstentum Reuß j. L. hat sich, wie u n s aus G e ra geschrieben wird, eine Vereinigung gebildet zum Zweck der Errichtung eines Denimals für den Dichter Jnliuö Sturm. Das Denkmal soll im Heimatsort des Dichters, dem Badeort K ö st r i tz, errichtet werden. Dem Komitee gehört u. a. auch Pros. Dr. theol. Drews in Gießen an. — „Menschen" ist der Titel eines neuen dreiaktigen Dramas, das B j ö r n s o n soeben vollendet hat. Das Werk behandelt ein modernes Thema und bildet eine Art Fortsetzung von „Sa- boremus". Kandnmlschast. Petersburg, 17. Juni. Saaten st andsbcricht von Mitte Ai a i. In Südrußland stehen Winter- . und Sommergetreide allgemein gut, in einigen Gegenden des Südwestens sowie in der Krim und den Asowdistrikten befriedigend; in einigen Gegenden der Gouvernements des Zentrums steht Weizen unbefriedigend, in anderen Gouvernements befriedigend. 9loggen steht jenseits der Wolga gut, in anderen Bezirken befriedigend. Die Frühjahrsfrucht steht im allgemeinen besser als Wintergetreide; ihr Stand ist in einigen Gegenden des Westens nicht ganz befriedigend, jensvits der Wolga gut, in anderen Bezirken ganz befriebigenb. — Wie wir hören, würbe anläßlich ber 38. Wanberversamm- (ung bayerischer Lanbwirte auf ber Ausstellung in Kaiserslautern bie Firma Heinrich Lanz in M a n n h e i m mit ber höchsten Auszeichnung, ber goldenen Mebaille bebacht für baselbst ausgestellte Lokomobilen unb Tampfbreschmaschinen in vorzüglicher Ausführung. — Der Verband der Hcrdbnchgesellschasten für bas V o p e (3 b c r g e r Rinb hält am 11. Juli in Wetzlar seine bieMhrige GeneralversammlunH^b^ Gerichtssaal. Laubach, 17. Juni. Das hiesige Schöffengericht fällte kürzlich ein Urteil, das für viele eine heilsame Lehre ab« geben sollte. — Die Unsitte, am Neujahrstage sogen. „llz- karten" zu schicken, nimmt mit jedem Jahre zu, ja es ist soweit getommen, daß man sich wundert, wenn tn einem Hause eine solche ausbleibt. Im vorliegenden Falle wurde der Schreiber einer solchen Karte zu drei Wochen Gefängnis und zum Tragen sämtlicher, nicht unbe« deutenden Kosten verurteilt. Eisenbahn Zeitung. Danzig, 17. Juni. Der Vorstand des Vereins deutscher Lokomotivführer ist heute hier zur geschäftlichen Tagung au [am men getreten. Anwesend sind 50 Delegierte aus allen Teilen Deutschlands, welche 18 603 Mitglieder Oertreten. Der Verbandsvorsitzende Claus-Leipzig erstattete den Geschäftsbericht, nach welchem die Mitgliederzahl von 16 634 im Jahre 1899 auf 18 306 gestiegen ist. Das Vereinsvermögen beträgt 97 647 Mark, weiterhin sind so viel Mittel gesammelt, daß der Bau eines Erho- lungs- und Genesungsheims gesichert ist. zcrt statt. Marburg, 18. Juni. Zwei Versammlungen hielt jüngst Herr von Gerl ach-Berlin in dem Wahlkreis Mar- burg-Frankenberg-Kirchhain ab. In den Dörfern Haine und Bottendorf, in denen Herr von Gerlach am 14. und 15. d. M. über den Zolltarif sprach, erklätten sich die Versammlungen einstimmig gegen jede Erh ö h ung der Getreidezölle; ans der Mitte der Versammlungen wurde — so schreibt man — zum Ausdruck gebracht, daß in beiden Dörfern Niemand vom Bund der Landwirte etwas wißen wolle. Die in den Versammlungen in der Mehrheit befindlichen Bauern, die Bürgermeister an der Spitze, waren mit den Zollerhöhungen nicht einverstanden. fc. Höchst a. M., 16. Juni. Im Wahlkreise Höchst- Ufingen-Homburg, den jetzt der bekannte Zentrumsabgeordnete Dr. Müller-Fulda vertritt, soll bei der nächsten Reichstagswahl als Zentrumskandidat der Gymnasialober- lehrer G. Brötz aus Höchst aufgestellt werden. UniverMs Nachrichten. — Ein Ferienkurs f ü r L e h r e r u n d L e h r e r i n n e n an Volksschulen und anderen Bildungsanstalten wird, wie man Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Juni Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 18. 2" 748,9 15,2 10,4 81 NE. 1 Bed. Himmel 18. 916 749,4 12,8 10,2 94 N. 1 19. 728 748,7 13,7 9,0 78 NE. 1 Sonnens^ein Höc Nie )ste Te brigfte mperat nr an 17. 17. Ks 18. „ 18. Juni 1 -J-2 6,50 0. 0P° C. FRANZ S v. rOSEF Bitterwasser ist das beste natürliche Abführmittel. 3993 ---------- Erhältlich überall. ------------- Bekanntmachung. In dem hiesigen Handelsregister wurde heute vorgemerkt und zwar: 1. Bezüglich der Firma „H. Plank" zu Gießen: Inhaber Hermann Plank ist verstorben. Geschäft wird unter Zustimmung der Erben von der Witwe unter der alten Firma weitergeführt. 2. Die Firma „C. Klebe" zu Gießen ist erloschen. Gießen, am 17. Juni 1902. 4510 Großherzogliches Amtsgericht. Bekanntmachung. Bis Ende dieses Monats sind bei Meidnng der Beitreibung zu bezahlen: 1. Gemeindesteuer 1. und 2. Ziel 1902/03. 2. Schulgeld für die höhere und erweiterte Mädchenschule fürs 1. Vierteljahr 1902/03. 3. Dcsgl. sür die Vorschule des Gymnasiums. 4. Desgl. für Nealgymnasium uud Realschule. 5. Beiträge zur land- und forstwirtschaftlichen Be- rufsgeuossenschaft für 1901. Zahltage: Jeden Vormittag von 8 bis 12 Uhr. Gießen, den 18. Juni 1902. Stadtkasse Gießen. / Doepfer. 4509 Meiner verehrlichen Kundschaft empfehle ich besonders m ü6 "üBfW i>& X küd A 12 und 16 Pfg. für 2 getrennte Pottionen, weil diese Marke in Güte und M-nfi lu ud in praktischer Verwendbarkeit alle Präparate, die dem gleichen Zwecke dienen wit■ 1 wlwoUcn, )ucü Übertrifft. Carl Schwanb, Hast., Sellersweg 23. 3'2% Welrr Stnlit-Wigiitionni Bei der heute stattgehabten Verlosiing wurden folgende gknnmern gezogen: Lit. A, Nr. 3 mit 1000 Mark, „ C, „ 5, 18, 67, 69 mit je 200 Mark. Die Rückzahlung erfolgt vorn 1. Oktober d. I. an entweder bei der Stadttasse Vilbel, „ „ Deutschen Genossenschaftsbank in Frankfurt a.M. oder bei dem Bankhause I. Grüucwald in Gieße». Die Verzinsung dieser Obligationen hört vom 1. Oktober 1902 ab auf. Vilbel, am 13. Juni 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Vilbel. ______________ Mühlschwein.____________4517 Eittladttug. Freitag den 20. Juni d. J*., abends Sl/2 Uhr, findet im Hotel Schütz die Generalversammlung des hiesigen Tierschutzvereins statt, zu welcher die Atuglieder ergebenft eingeladen werden. Gießen, den 7. Juni 1902. 4256 Hahn, Vorsitzender. Donnerstag, 26. Jam 1902 nachmittags 2'/a Uhr soll auf piefigem OrtLgericht die vor dem Namen des Hermann Bogt stehende Parzelle der Gemarkung Gießen 1/491 — 56 qm Hofraite auf dem Seltersweg nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 4. Juni 1902. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. 4176 K. 26/02. Donnerstag. 10. Inti 1902 nachmittags 2>/a Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Namen des Eduard Riemer und Ehefrau, geb. Elsbach stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen Flur 19/125iU,/100 — 100 qm 126»"/,00 — 100 qm 127""/1OO - 194 qm Hofraite unter dem Weiherchen, Flur 19/133 b“/.o — 38 qm Hc°- raum daselbst, Flur 19/131,5 — 5 qm Weg rechts der Chaussee am Weiher öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 4. Juni 1902. Großh. Ortsgencht Gießen. Gros. 4174 K. 25/2. Donnerstag, 10. Inti 1902 nachmittags 2>/e Uhr, werden auf hieftgeni Ortsgericht die vor dem Namen des Eduard Riemer und Ehefrau, geb. Els' bad), stehenden Grundstücke der Gemarkung Gießen Flur 19/125""/. 00 - 100 qm 126“"/100 - 100 qm 12738/1OO - 194 qm Hofraite unter dem Weiherchen, Flur 19/133 b"/.o — 38 qm Hof- raum daselbst, Flur 19/131,5 — 5 qm Weg rechts der Chaussee am Weiher öffentlich meistbietend versteigert luerben. Gießen, den 4. Juni 1902. Großh. Ortsgericht Gießer,. Gros. 4175 Steins Garten 3. MMWM« 11 Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg. fli * Der Vorstand. 4506 N' Ä. Schmid. 4516 Fluß- und Seefische Oorotoeenbad, Goiha i, 7kvr. pädische und physl- ______kallsch-diätetlsche Heilanstalt. — 2 Aerzte. — Prospekte. 4512 6, Klingelmeyer & d 4472 Weinhandlung. Markt 21. Telephon 4tt. Markt 21. Telephon 46. de ll Pneumatic 4314 hat abzugeben. Puth, Marburgerstraße 24. 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