Wf. 66 Erstes Blatt. 15L. Jahrgang Mittwoch 1S.MärzLS«S ** Bezugspreis: Wrscheirrt täglich jw'Msy /m iÖk 'xeS^T monatuch75Pf.,viertel«' außer Sonntags. AZWM W «M W ▼ jährlich Mk. 2.20; durch ä" /Ja a AM el U4A| A AM rff^Ä Im All All Ar f I T| T 1>T ff AT ®ÄrS blätter viermal m der M WWW |;3 W W # W W W W LM ^3 BtiT W rtnnadme von Anzeige»! Woche betgelegt BkHP ■ ■ B ■ H B Bk, I I» W Wy B BL B Bk*, für die Tagesnummer' BMS.Ä XZ»VllVIlVt IM▼ *ZXS kss.ä rz General-Anreiaer v sxa Siedaktion, Spedition VVHV* ** jur den polit. u. allgem.' ML- Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW Fernsprechanschluß Nr.51. —— ———^—— Yach der Schlacht. s. Gießen, 18. März 1902. Die hessische Kammer ist, nach heißer Schlacht um die Balanzierung des Etats, in die Osterferien gegangen. Der Sieg gehört der Regierung. So hoffnungsfreudig die Abgeordneten in den Kampf zogen, so fest sie ihre anfängliche Position einnahmen, so sehr es auch bei Beginn der Etatsberatungen darnach ausfah, da verschiedene Abstriche des Finanzausschusses die Zustimmung des Hauses erhielten, als brauche die Steuerschraube nicht angezogen zu werden, all- mählich wurde die Situation für die Regierung immer günstiger, durch geschickte Reden ihrer Vertreter wurde ein Feld nach dem andern erobert, dazu tarn noch die Uneinigkeit in der Kammer selber, und, wenn auch einen schweren, aber darum um so glänzenderen Sieg hat die Regierung erfochten. Für 809 091 Mk. war im Staatsbudget keine Deckung vorhanden. Das Defizit belief fich freilich auf 1690 000 Mk. Der Rest sollte aber durch Ueberschüsse früherer Finanzperioden ergänzt werden. Der Finanzausschuß dagegen nahm eine Erhöhung der Einnahmen vor, insbesondere beantragte er die Aufhebung des Bad-Nauheimer Kurfonds und dessen Zuführung in die Staatskasse, machte sehr radikale Abstriche in der Höhe von 348 000. ML, so daß das Budget eine Verbesserung von rund 490 000 Mk. erfuhr uni) nur ein Rest von 1 200 000 Mk. blieb, zu dessen Deckung frühere Finanzüberschüsse sollten herangezogen werden. Im Verlauf der Debatte wurde auf andere Einnahmequellen hingewiesen. Vor allem wurde die uns sehr sympathische Weinsteuer hervorgeholt,- die dank einer ganz maßlosen Propaganda in Rh ein Hessen zum Leidwesen aller Steuerzahler von der Regierung mußte fallen gelassen werden und die so schnell nicht wieder erstehen wird. Wenigstens wird die Regierung nach den Worten des Finanzministers mit einem ähnlichen Projekte nicht wieder erscheinen. Auch der Vorschlag einer progressiven Vermögens st euer, für die wir vor kurzem in einem Leitartikel (Nr. 48, 1. Blatt) uns aussprachen, wurde, da sie nur ein Mehr von 713000 Mk. für die Staatskasse auswerfe, als nicht acceptabel bedauerlicherweise von der Regierung verworfen. Eine gleichmäßige stärkere Heranziehung der Vermögens- und Einkommensteuer fand ebensowenrg Anklang, wie der Gedanke des Abg. Weidner, auch die bis jetzt nicht besteuerten Vermögen unter 3000 Mark zu belasten. Und so war es richtig. Denn hierdurch wäre gerade den schwächsten Schultern die stärkste Last aujerlegt worden und die ganze Steuerreform, die zur Schonung der geringen Einkommen und kleinen Vermögen durchgeführt worden, wäre völlig illusorisch gemacht worden. So viele der Wege auch, keiner wurde betreten. Und als nun «am Schlüsse der Etatsberatungen in der vorigen Woche, da viele von den durch den Finanzausschuß ge-- machten Abstriche durch die Kammerbeschlüsse wieder her- gestellt waren und man notgedrungen mit greifbaren Vorschlägen auf dem Plane erscheinen mußte, waren es zwei Anträge, die zur Diskussion standen, der der Mehrheit und der der Minderheit des Finanzausschusses. Der erstere wollte die Steuererhöhung der Vermögen nur über 15 000 Mark zulassen — also eine Art Progression — der letztere wollte allgemein die Einkommensteuer um 5 Proz. und die Vermögenssteuer von 55 auf 60 Pfg. für je 1000 Mk. steuerbares Vermögen erhöhen. Daß dieser Vorschlag keine Aussicht auf Annahme hatte, war von vornherein klar, es war für die Regierung, die, wie Dr. Guauth sich drasttsch ausdrückte, in der Gesetzgebung verfassungsmäßig ein gleichberechtigter Faktor und nicht etwa der Hausknecht sei, unannehmbar. Der Antrag der Ausschußmehrheit wurde mit 20 gegen 21 Stimmen abgelehnt. So blieb nur noch die Regierungsvorlage mit einer allgemeinen Erhöhung der Vermögenssteuer von 55 auf 75 Pfg. auf je 1000 Mk. Vermögen übrig, die mit allen gegen 5 Stimmen angenommen würde. Daß es ohne eine Steueverhöhung nicht abgehen würde, hatten wir vorausgesehen und auch unsere Gedanken unlängst dahin ausgesprochen; daß aber die ganze Regierungsvorlage, gegen die fast sämtliche Abgeordneten cmfängtich fich ausgesprochen, Annahme fände, hat man nicht angenommen. Denn nicht unbedeutende Abstriche wurden von der Kammer vorgenommen, wodurch das Budget eine starke Entlastung erfuhr. Nun bedürfte man aber zur Deckung des gesamten Defizits von etwas über 800 000 Mk. nur der Vermögenssteuererhöhung auf 75 Pfg. Da Lne- selbe aber trotzdem die Genehmigung der Kammer erlangte, sind wiederum, ähnlich wie bei der Steuerreform, Steuern auf Vorrat verwilligt. Wir wollen hoffen, daß infolge dessen eine geringere Heranziehung der Ueberschüsse der früheren Finanzperioden eintrete. Von der Regierung wurden drei Punkte angeführt, die die schlechte Finanzlage, die bekanntlich in fast allen Staaten des Reiches herrscht, verschuldeten. Einmal die durch die niedrige Konjunktur im wirtschaftlichen Leben veranlaßten bedeutenden Ausfälle der Eisenbahneinnahmen. Es scheint, baß darin baldigst eine Besserung eintrete, wenigstens schauen einige Gebiete in der Industrie jetzt viel hofsnungs- freubiger in die Zukunft, als es noch vor einem Jahre der Fall gewesen ist. Ferner wird bei den Einnahmen der Forstdomänen durch die geringeren Holzpreise mit einem Ausfall von rund 600 000 Mk. gerechnet. Vielleicht ist diese Summe zu hoch gegriffen. Die Holzpreise int Vogelsberg haben sich fast durchweg auf der früheren Höhe erhalten oder nur geringe Mindererlöse bei den heurigen Versteigerungen erzielt. Die ungünstigen Verhältnisse der Einzelstaaten zum Reiche sind auch bei uns spürbar und haben einen Mehrzuschuß von 480.000 Mk. für Hessen zur Folge. Aber neben diesen müssen wir auch noch auf an - >ere Faktoren Hinweisen, dte unsere Staatsfinanzen in die mißliche Lage gebracht haben. Finanzminister Gnauth hatte sich mit aller Macht gegen den Vorschlag >es Finanzausschusses gestemmt, das von diesem übrig gelassene Defizit ourch frühere Ueberschüsse zu decken. Er motivierte dies dadurch, daß dieselben nicht mehr hoch eien, das ließ sich denken. Tenn wir müssen sagen, daß zu des Finanzministers Weber Zeiten ganz unverständlich mit dem Gelde verfahren wurde. Wir denken an das Gehaltsgesetz. Gewiß ist es eines Staates unwürdig, wenn er seine Beamten schlecht bezahlt, und wir sind für die Erhöhung der Beamtengehälter, als einer großen Kultur- aufgabe, mit freudigem Bewußtsein eingetreten, daß man aber die Erhöhung noch fünf Vierteljahre zurückdatierte und dadurch die Beamten, ohne daß sie daran dachten, Tausende von Gehaltsnachzahlungen erhielten, das war der Freigebigkeit etwas zu viel. In den Beamtenkreisen elber hatte man das nicht vermutet, viel weniger verlangt. Man war mit der Gehaltserhöhung ohne Rückdatierung vollauf zufrieden und begnügte sich auch mit ihr; dieser große Fehler rächt sich jetzt. Die Ueber- chüsse vorderer Jahre sind so sehr zusammengefchmolzen, )aß sie mit den nächsten Etats, die nur notwendigerweise ebenso große Defizits bringen müssen, saft völlig verschwun- )en sein werden. Unsere Finanzen waren schon bei dem Amtsantritt Knchlers gänzlich in Unordnung geraten und nur eine durchgreifende Reform konnte ihnen wieder aufhelfen. Leider wurden die Vorteile, die die Reform gebracht, durch die oben angeführten Momente paralysiert, sodaß sich Wiederum aufs neue überall Lücken aufthun, die wir ohne Steuererhöhung und ohne ein Zurückgreifen auf die früheren Ueberschüsse nicht zustopfen können. Wir glauben es daher Dr. Gnauth gern, wenn er sagte, „es sei keine begehrenswerte Aufgabe für ihn gewesen, als er vor anderthalb Jahren die Leitung des Finanzministe- riums übernommen habe." Wir Gießener wissen die Persönlichkeit des Finanzministers zu schätzen und machen uns darum die Worte des Aba. Köhler-Darm st adt zu eigen: „Wir freuen uns, daß wir einen Mann wie Den Finanzminister an der Spitze der Finanzverwaltung haben." Die kurze Zest seiner Wirksamkeit hat auch schon gezeigt, daß er der rechte Mann an dem rechten Platze ist. Trotz der Ungunst der Verhältnisse ist das Defizit zurückgegangen. Darum haben wir das Vertrauen, daß sich die Frage immer bessern werde und daß die Voraussicht des Finanzministers in Erfüllung gehe, daß die nun vorgenommene Erhöhung der Vermögenssteuer eine vorübergehende Erscheinung sei und möglichst bald wieder verschwinde. Dazu bedarf es der größten und gewissenhaftesten Sparsamkeit auf allen Gebieten der Verwaltung. Freilich dürfen nötige Kultur aufgab en keine Vernachlässigung erleiden und es war darum das Vorgehen des Finanz-Ausschusses, der auch derartige Tinge verkürzte, etwas sehr radikal. Doch bleibt noch manches übrig, auf das wir hier im Zusammenhang Hinweisen müssen. Tas noch unter Finger-Weber geschaffene Gehaltsgesetz erfreute sich trotz der starken dauernden Mehrbelastung des Etats deshalb so großen Entgegenkommens, weil es ein Gesetz ausgleichender Gerechtigkeit der Beamten war mit dem Grundsatz, daß gleicher Vorbildung auch gleiche Bezahlung zustehen müsse. Bezüglich des Gehaltsbezugs war das auch so ziemlich durchgeführt, doch war es ein Fehler, daß damals nicht auch zugleich die oft sehr reichlichen Nebengebühren in Gestalt von Tiäten, Ueberschüssen von Transportkosten u. dgl. eine durchgreifende Regelung erfuhren. Hier könnten jährlich Tausende gespart werden, wenn die Verwilligungen mehr den wirklichen Ausgaben angepaßt würden. Es giebt Beamte, die 1000 Mark und mehr auf diese Weise nebenher „verdienen". Es scheint auch Neigung vorhanden zu sein, an diese Uebelstände die bessernde Hand anzulegen. Und das ist bitter nötig und angesichts unserer Finanzlage dringend nötig. Es ist z. B. unverständlich, daß den Oberförstern für Tienstgeschäfte im eigenen Bezirk bei mehr als 2 einhalb Kilometern Entfernung vom Wohnort und mehr als fünf Stunden Zeitaufwand 4 Mark an Diäten zustehen. Wir fragen, für was beziehen diese Beamten ihren Gehalt, der ihnen die Verpflichtung auferlegt, den mit der Stelle verbundenen Dienst gewissenhaft zu versehen, wenn ihnen bei einer bloßen Entfernung von 2 einhalb Kilometern und einem Zeitaufwand von fünf Stunden noch besondere Tiäten zugebilligt werden? Wo ist im Wald Gelegenheit zu besonderen notwendigen Ausgaben? Dazu kommt, daß jedem Oberförster für ein Dienstpferd jährlich 800 Mark zustehen. Mancher wohnt fast am Ende seines Bezirks und nahezu bei jeder Fahrt in den Wald müssen über 2 ein halb Kilometer zurückgelegt werden. Tiefe Zustände haben sich noch immerhin einigermaßen gebessert. Bis jetzt bestand sogar die Bestimmung, daß nur die Entfernung von über 2 einhalb Kilometer zum Bezug von Träten genügte, ohne einen Zeitaufwand von fünf Stunden. Wir loben diesen Schritt zur Besserung und hoffen, daß bei der nächsten Budgetvorlage die in Aussicht gestellte Reform der 'Nebengebühren zur besseren Ausgleichung der Gerechtigkeit vorliegt. Tie Beamten mit Dienstwohnung haben eine große Bevorzugung vor den anderen. Jene erleiden eine Kürzung des Gehalts auf dem Lande von 5 Prozent, in den kleineren Städten von 7 Prozent, in den größeren von 10 Prozent. Mr wissen, daß Häuser zu Dienstwohnungen mit einem Kostenaufwand von 40 000 Mark und darüber angekauft wurden. Rechnen wir den höchsten Satz von 10 Prozent, so erfährt die Staatskasse bei einem Gehalt von durchschnittlich 4000 Mark, eine Einnahme von nur 400 Mark, während sie bei einer Verzinsung zu 4 Prozent jährlich 1000 Mark an Zinsen für den Ankauf zahlen muß, also, bei Außerachtlassung von Reparaturen, einen Verlust von jährlich 1200 Mark erleidet. In manchen Fallen istS aber noch mehr. Auch hier eröffnet sich ein Gebiet, auf dem manches zu bessern wäre. Es muß aber darauf gedrungen werden, daß billiger gebaut und billiger gekauft werde und dem Staate dauernde Verluste erspart bleiben. Villenartige Bauten für Dienstwohnungen sind so lange unmöglich, als die Mieten hierfür so lächerlich gering sind. Mit dem Ausgang des Kampfes um die Balanzierung des Etats sind wir im ganzen und großen einverstanden/ eine Steuererhöhung war kaum zu umgehen, da die Finanzlage, durch unglückliche Konstellationen und wegen früherer Sünden derart berangiert war, daß ihr einmal kräftig aufgeholfen werden müßte. Um so mehr dürfen wir nun auch wünschen, daß durch richtige Sparsamkeit zu den früheren Steuersätzen baldigst zurückgekehrt werde. Die Rederei rm Reichstag. Ueber die „Rederei" im Reichstag, das breite Erörtern aller möglichen und unmöglichen Dinge mit philisttösem Behagen, wird seit längerem Klage gefühtt. Unbestritten ist, daß das Interesse der Oeffentlichkeit an den Verhandlungen seit Beginn dieses Jahres, also nach der ersten Lesung des Zolltarifentwurfs, außerordentlich nachgelassen hat. Die Tarifdebatten waren frisch und anregend. Dagegen entbehtte die erste Lesung des Etats fast gänzlich der fesselnden Momente, die in anderen Jahren diese Generalmusterung aller bedeutenderen Vorkommnisse auf politischem und sozialem Gebiet mit sich brachte. Die zweite und dritte Etatslesung vollends erklätte geradezu die Langeweile in Permanenz. Man hat gesagt, die Debatte habe mitunter an eine Stadtverordnetenversammlung erinnert, aber der Vergleich enthält eine unverdiente Herabsetzung der letzteren. Nicht so leicht würde eine solche Versammlung soviel an stundenlangen Salbadereien und Quengeleien sich bieten lassen. Bei uns zum mindesten üben die Stadtverordnetenversammlungen keine so narkotische Wirkung aus! Nicht mehr in Bezug auf Inhalt und Form der Rede, sondern auf deren Ausdehnung scheint sich im Reichstag der Wettstrett zu erftreefen. Hak Einer eine Stunde lang gesprochen, dann behält sein Gegner mindestens einundeinhalb Stunde das Wott. Das nennt man eine gründliche Abrechnung halten. Alles rettet, rennet, flüchtet, sogar die Parteigenossen, und nur einige Dutzend Personen bleiben, so schreibt man uns aus Berlin, im Parkett zurück — um Briefe zu schreiben, Zeitungen zu lesen oder um ungestörter und unbeobachteter eine Unterhaltung zu pflegen, als dies in der Wandelhalle mit ihrer verräterisch guten Akustik möglich ist. Zum Hören verurteilt sind der Präsident, die amtlichen Stenographen und die Journalisten. An dem schlechten Besuch im Reichstag ist keineswegs allein der Diätenmangel schuld. Die Dauerreden, die An- ödung wirken abschreckend. Ein konservatives Organ, die „Kreuzztg.", giebt offen zu, daß „in dieser Hinsicht eine Gesamtschuld besteht und daß keine Pattei davon ganz freigesprochen werden kann." Kürzlich tauchte der Vorschlag auf,, der Präsident solle, nachdem ein Abgeordneter eine halbe Stunde das Wott gehabt, das Haus befragen, ob es mit der Fortsetzung der Rede einverstanden sei. Dazu bedarf es einer Aenderung der Geschäftsordnung, die sicherlich keine Aussicht auf Annahme hat, denn niemand wird sich der unangenehmen Situation aussetzen wollen, daß ein Mehrheitsbeschluß ihm das Wott abschneidet. Die Sitzungen des Reichstags sind zu lang; da steckt der Fehler. Früher wähtten die Sitzungen in der Regel bis gegen 5 Uhr nachmittags, ausnahmsweise nur wurde diese Stunde überschritten. Es steht jetzt mehr Zeit zur Verfügung, folglich wird mit der Zeit weniger haushälterisch umgegangen. Man führe die Dauer der Sitzung, auf das frühere Maß zurück; die Parteien werden dann selbst sorgsamer darüber wachen, daß nicht ein Einzelner die Geduld mißbraucht und alle Anderen vettürzt. ..... ■ ■■■.■* Volitijche Tagesschau. Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt neuerdings: „Bekanntlich hat sich der Gegensatz zwischen den Vertretern der verbündeten Regierungen und der Mehrheit der Zolltcr rifko m ° Mission am stärksten zugespitzt bei den Zöllen auf gärtnerische Erzeugnisse. Tas ist um so auffälliger und unverständlicher, als ja bekannt geworden ist, daß mindestens eine von den verbündeten Regierungen den Standpunkt der Mehrheit der Zolltaris- kommission, vielleicht nicht in allen Einzelheiten, aber doch grundsätzlich geteilt hat. Wir haben schon früher hervorgehoben, ohne Widerspruch zu finden, daß die sächsische Regierung im Bundesräte für Zölle auf gärtnerische Erzeugnisse eingetreten ist. Wenn also eine Regierung, auf deren Stimme doch sonst Wert gelegt zu werden pflegt, mit der Kornmissionsmehrheit einverstanden ist, so muß es doch Wunder nehmen, daß die Beschlüsse dieser Mehrheit von dem Vertreter der verbündeten Regierungen in so entschiedener und ungewöhnlicher Art zurückgewiesen worden sind. Man hat uns einen Vorwurf daraus gemacht, daß wir die Art der Zurückweisung als nervös bezeichneten. Wir haben das lediglich in loyalster Weise gethan, um eine Form der Stellungnahme zu ettlären, die ohne die Annahme einer gewissen Nervosität schlechthin unei> klärlich sein würde. Hoffentlich benutzt man die Zeit der Waffenruhe in den Kreisen der verbündeten Regierungen zu nochmaliger ruhiger, emfter und vorurteilsfreier Erwägung. Man möge sich daran erinnern, was den Vertretern der Landwirtschaft versprochen worden ist. Man möge sich vor Augen halten, wie man sie immer und immer wieder auf den jetzigen Zeitpunkt vertröstet hat Man möge sich vorstellen, welchen Eindruck es auf die loyalsten Arbeiterfchutz. Hanau, 18. März. Einen M o r d ve r such auf seine von ihm geschiedene Frau unternahm gestern nachmittag der hier wohnhafte Taglöhner Karl Tacke. Die in Offenbach wohnende Frau war gestern hierher gereist, um erkrankte Familienangehörige zu besuchen. In der Römerstraße begegnete sie ihrem früheren Ehemanne und ergriff alsbald, nichts gutes ahnend, die Flucht. Tacke verfolgte die Frau und versetzte ihr in einem Hausflur mit einem langen Messer eine Anzahl Stiche in den Rücken. Die Frau brach blutüberströmt zusammen, wahrend der Messerheld die Flucht ergriff, in der Fischergasse aber von Schutzleuten ergriffen werden konnte. — Eine Gasexplos ion ereignete sich gestern morgen in dem oberen StoLverke eines Hauses am Heumarkte. Jedenfalls hatte man den Gaskrahnen nicht recht zugedreht. Als eine Frau mit einem brennenden Lichte das Zimmer betrat, erfolgte die Explosion. Tie Wirkung war stark, indem die Fenster zertrümmert und Zimmergegenstände beschädigt wurden. Tie Frau selbst blieb glücklicherweise unverletzt. pflege" erst seit dem Jahre 1882, also seit 20 Jahren trägt, daß aber die ersten Statuten des Vereins, der früher ** Die General-Versammlung des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege fand gestern nachmittag im oberen Saale des * Ein Gatten Mordversuch eigner Art beschäftigt die Berliner Kriminalpolizei. Im Keller eines Hauses an',der Krausnickstraße zu Berlin betreibt ein Ehepaar Schilling eine Gastwirtschaft. In dieser verkehrte auch ein Metallschleifer Faust. Seit einem halben Jahre hatte Sch. ihn in Verdacht, daß er ihn mit seiner Frau betrüge. Am Sonntag Abend war F. nicht in der Wirtschaft. Daher ging Schilling um 2 Uhr mit uni so größerer Ruhe zu Bett. Gegen 3 Uhr wurde Schilling durch seinen Hund geweckt. Das Thier war sehr unruhig und kratzte seinen Herrn fortwährend im Gesicht und an den Händen. Als Schilling sich den Schlüf aus den Augen gerieben hatte, merkte er, daß Stube und Küche mit Gas angefüllt waren. Er ging ans Fenster, schlug eine Scheibe ein und verschaffte so dem Gas Abzug. Als er sich dann von der Betäubung erholt hatte und näher umsah, fand er, daß die Gasleitung geöffnet war. Seine Frau war verschwunden, mit ihr einige Wertsachen, 400 Mark bar Geld und zwei Sparkassenbücher über 900 und 400 Mark. Es besteht die Vermutung, daß Frau Schilling nach Verabredung mit Faust die Gashähne aufgedreht habe, um ihren Mann durch Vergiftung zu beseitigen. Der durch seinen Hund gerettete Ehemann machte der Polizei Anzeige. Alle Bemühungen, seine Frau zu ermitteln, waren bis jetzt erfolglos. Gemeindehauses, Kirchstraße 9, statt. Ter Vorsitzende, Pfarrer Schlosser, eröffnete die Versammlung mit einer Ansprache, in der er darauf hinwies, daß der Verein nun sein 50. Vereinsjahr vollendet habe. Die nähere Ausführung gab er nachher in dem Jahresbericht, aus dem wir hier schon ergänzen, daß der Verein zwar seinen Namen: „Allgemeiner Verein für Armen- und Kranken- Forman (Schnupfenäther) klinisch erprobt und ärztlicherseits mehrfach als geradezu ideales Schnupfenmittel bezeichnet! Bei leichtem Schnupfen Forman-Watte (Dose 30 Pfg.) In hartnäckigen Fällen Forinan-Pastillen zum Jn- haliren 50 Pfg. Wirkung frappant! In allen Apotheken. Man frage seinen Arzt. 2053 W: • Vermischtes. • Berlin, 18. März. Der 74 Jahre alte pensionierte Kriminalschutzmann Krenz, der mit seinem Sohne, einem Postschaffner, und dessen Frau zusammenwohnte, hat die letztere, die er wiederholt mit ungehörigen Zumutungen belästigte, heute Morgen in Abwesenheit seines Sohnes durch zwei Revolverschüsse schwer verletzt und sich dann selbst durch einen Schuß in die rechte Schläfe getötet. * Zwönitz (Sachsen), 18. März. Ein Großfeuer hat hier eine Hälfte der Rathausstraße völlig in Flammen gesetzt. Zenta, 18. März. Heute Vormittag stürzte mit großem Krachen die 200 Meter lange über die Theiß führende Holz brücke ein. Ein Transportdampfer, welcher gerade unter der Brücke lag, wurde vernichtet. Menschen sind, soweit bisher festgestellt worden ist, nicht verunglückt. Stuttgart, 18. März. Ein scheußliches Ver- Kirchliche Nachrichten. In der Stadtkirche. A c Ettwoch, den 19. März, abends 6 Uhr, 6. Passions-- andacht. Pfarrassistent Vogt. Katholische Gemeinde. Donnerstag den 20. März und Freitag den 21. März, abends o Uhr: Fast en predigt, gehalten von einem Ordens- Priester. liebten nach einer voraufgegangenen Eifersuchtsszene mit einem Faustschlage zu Boden gestreckt und darauf durch einen Fußtritt in die Schläfengegend getötet. Der Thäter, ein Güterschaffner, ist verhaftet. * Beese (Ungarn), 18. März. Rach Mitternacht wurden hier zwei Erdstöße verspürt, die mit starkem Getöse verbunden waren. Aus Stadt und Saud. Gießen, den 19. März 1902. ** Die Zweite Kammer der Land stände tritt ^ach ihren Osterferien am 25. d. M., wieder zusammen. Die Tagesordnung der ersten Sitzung nach den Ferien bringt u a. folgendes: Antrag des Abg. Haas (Darmstadt) auf Einsetzung eines aus neun Mitgliedern bestehenden Sonderausschusses zur Berichterstattung über den .Antrag, die Errichtung einer Landwirtschaftskam- mer betreffend, und event. Wahl der Mitglieder dieses Sonderausschusses; Regierungsvorlage, den Entwurf eines Gesetzes, die Abänderung des Gesetzes vom 4. April 1888, die Ausführung der Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen betreffend, sowie Antrag der Wgg. Jöckel und Genossen hierzu; Anfrage der Wgg. Graf von Oriola und Genossen, die Getreidezölle betreffend; Anfrage des Abg. Bähr, die Bureaukoften der Bürger- m ei st er betreffend; Anfrage des Abg. Cramer, die Ueber-- schreitung des Züchtigungsrechts seitens des Lehrers Brei- denbach zu Eberstadt betreffend; Anfrage der Wgg. Weidner und Leun, die E r r i ch t u n g .e i n e r Güterauslade- stelle auf Station Schiffenberg betreffend; An- frage der Wgg. Dr. David und Gen., die Arbeitsver- yialtnisse der Beamten und Arbeiter der preußis ch-h es fischen Eisenbahngemeinschaft betreffend; Antrag des Abg. Schönberger, Artikel 88 des Gesetzes vom 1/. ^uni 1899, die Ausführung des Bürgerlichen Gesetzbuches betreffend; Rückäuherungen der ersten I Lübeck u. a. Es sei das Verdienst gerade jener Zeit gewesen, die Humanitätsgedanken des Christentums zur Geltung zu bringen. Wer diese Vereine wären doch nur dadurch lebensfähig geblieben, daß sie verstanden/ ihre gesunden und lebensvollen Grundgedanken den wechselnden Zeitverhältnissen und ihren veränderten Ansprüchen anzupassen. Auch die 50 Jahre unseres Vereins hätten eingreifende Veränderung der sozialen Verhältnisse und weitgehende Wandlungen in den sozialen Anschauungen gebracht. Wenn der Verein trotzdem noch in vielseitiger Thätigkeit seine Aufgabe erfüllt, und nicht dem Schicksal verfallen sei, in die Rumpelkammer geworfen zu werden, oder als Mumie sein Leben zu fristen, so sei das ein Zeichen, daß der Geist, in dem der Verein gegründet worden, in ihm noch lebendig sei. — Tie Rechnung des Vereins schließt mit einer Einnahme von 42842,34 Mark und einer Ausgabe von 40 130,44 Mark ab. Da die Prüfung durch Rendant Doering keinen Anstand ergeben hat, so wird dem Rechner, Eisenbahn-Sekretär A Wilker, auf Antrag des Vorsitzenden mit dem Ausdruck herzlichen Dankes für seine Mühewaltung Entlastung erteilt. — Aus dem von dem Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht sei noch folgendes hervorgehoben. Der Vorstand hat zwei Mitglieder durch den Tod verloren, Dr. med. Baur und Frau Mathilde Schlatter. Die einigermaßen gewissen Einnahmen beliefen sich auf 22 307,96 Mark, die ziemlich festen Ausgaben auf 27 487,57 Mark, sodaß 5179,61 Mark ungedeckt waren. Das ist ein steter Gegenstand der Sorge. Der Verein ist deswegen stets auf besondere Einnahmen an Geschenken und Vermächtnissen angewiesen. Daran sind auch im verflossenen Jahre 4352 Mk. eingegangen. Die Helferabteilung unter dem Vorsitz des Pfarrer Dr. Grein hielt 21 Sitzungen ab, und unterstützte 112 Personen und Familien in 506 Fällen mit insgesamt 2831 Mk. Im Schwesternhaus wurden 145 Kranke mit 1747 Verpflegungstagen und 98 Nachtwachen verpflegt, und in der Gemeinde pflegten die Schwestern in 548 Familien mit 17 965 Pflegebesuchen, 116 ganzen Tagpflegen und 801 Nacktwachen. In der Krippe waren im ganzen 54 Kinder mit 4799 Verpflegungstagen ausgenommen. Das Hospiz wurde von 83 Gasten besucht, die Martha- herberge von 14 stellenlosen Dienstmädchen. Im Mietspatronat ist keine Veränderung eingetreten. 5 eigene und zwei der Stadt gehörige Häuser standen in der Pflege des Vereins. Leider mußten die Nähabende wegen Mangels eines passenden Lokals wiederum ausfallen. Endlich wurde die Wahl des Medizinalrats Dr. Haberkorn zum Mitglied des Vorstandes an Stelle des Dr. Baur genehmigt. Zum Schluß gab Herr Beigeordneter Wolff den Tank der städtischen Verwaltung, und besonders der städtischen Armenpflege für die ihr so wertvolle Mitarbeit des Vereins Ausdruck, die der Vorsitzende mit dem Dank für die verständnisvolle Förderung, die dem Verein allezeit von feiten der städtischen Behörde zu teil geworden sei, • erwiderte. mehrfach vorbestrafte Christian Hermann Voigt aus Rothenberg wird wegen Betrugs zu einer Gefängnisstrafe von 3 Wochen verurteilt; unter Einbeziehung einer früher verhängten Strafe von 8 Monaten 2 Wochen 2 Tagen Gefängnis wird eine Gesamtgefängnis-i träfe von 8 Monaten 4 Wochen 2 Tagen gebildet. — Der Dienstknecht Lorenz Heeg und der Zimmergefelle Marthin Veith, beide zuOberivollstadt sind des gemeinschaftlich begangenen Hausfriedensbruchs und der Bestechung angeklagt. Heeg ist außerdem des Widerstands gegen die Staatsgewalt, Veith der Be- amtenbeleidigung beschuldigt. Veith bat im Oktober 1901 ohne Veranlassung von den Fenstern einer Wirtschaft an§ nach dem m seinem Dienst befindlichen Nachtwächter von Oberwöllstadt ausgespukt, damit den Ausdruck seiner Mißachtung dokumentiert und sich der Beleidigung schuldig gemacht. Da jedoch kein Strafantrag wegen Beleidigung gestellt ist, muß das Verfahren in dieser Richtung eingestellt werden. Die weiteren Beschuldigungen gründen sich auf folgenden Vorfall. In einer Nacht des Dezember 1901 begeg-- neten die angetrunkenen Angeklagten dem Nachtwächter des Orts' bei seinem Rundgang und vechichten ihn auf allerlei Weise zu necken und zu verspotten. Schließlich nahm der Nachtwächter den einen, den Heeg, fest. Die Anklage behauptet nun, Heeg tjabe sich mit Gewalt losgerissen, sich also des Widerstandes gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht. Da Zweifel bestehen, ob dem Heeg von dem Nachtwächter die Thatsache seiner Verhaftung begreiflich gemacht worden war und ob er überhaupt sich losgerissen und nicht etwa für einen Moment losgelaffen, die Gelegenheit zum Entweichen benutzt hat, spricht das Gericht den Heeg bezüglich des Widerstandes frei. Noch in derselben Nacht setzten die Angeklagten den Unfug fort, zogen vor das Wachtlokal und drangen wiederholt trotz des Verbotes des Nachtwächters in dasselbe em. Später begaben sie sich dann zu der Frau des Nachtwächters, boten jeder derselben Mk. 5 an mit der Bäte, ihren Mann von Erhebung einer Anzeige abzuhalten. Wegen des gerneinsamen Hausfriedensbruchs und derBestechung erhalten unter mildernder Berücksichtigung ihrer Unbestrastheit Heeg 1 Woche Gefängnis und Mk. 15 Geldstrafe — ev. 3 Tage Gefängnis —, Veith 5 Tage Gefängnis und 10 Mk. Geldstrafe — ev. 2 Tage Gefängnis. — Der Maurermeister Heinrich Keil von Ober-Ohmen wird beschuldigt, einem bei ihm beschäftigten Maurer Lohnbeträge als angebliche Beiträge zur Krankenversicherung in Abzug gebracht, diese Beträge aber an die Krankenkasse nicht abgeführt zu haben. Mangels zureichender Beweise wird er freigesprochen. — Der Landwirt Heinrich Knöß aus Utphe hat eine Urkunde fälschlich angefertigt, inhaltlich derer ein gewisser Lehr die Spar- und Leihkasse zu Inheiden beauftragt, Mk. 100 für ihn an den Angeklagten auszuzahlen. Knöß hat diese gefälschte Urkunde dem Rechner der Kasse präsentiert und die Mk. 100 erhalten. Da ihn große Not zu der schweren Urkundenfälschung getrieben hat, billigt ihm das Gericht mildernde Umstände zu, verurteilt ihn nur zu einer zweimonatlichen, durch die erlittene Untersuchungshaft zur Hälfte verbüßten Gefängnisstrafe und hebt den Haftbefehl gegen ihn auf. — Der Hüttenarbeiter Karl Geißler aus Rutterssausen war wegen Körperverletzung von dem Schöffengericht Gießen zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Er hat nachts auf der Landstraße — wie er behauptet in Notwehr — einen Arbelter aus Wismar durch Schläge mit einem dicken Knüppel erheblich verletzt. Das Gericht schenkte seinen Angaben infofern Glauben, als es ihm eine gewisse Erregung, in die er durch seine furcht vor einem Uebersatt gerateil sei, zn Gute hält, und wandelt unter Zubilligung mildernder Umstände die Freiheitsstrafe in eine Geldstrafe von Mk. 100 um. — Der Schlosser Hans Ohne müll er aus Bayreuth ist des Verbrechens im Sinne des § 175 St.G.-B. 6 angeklagt und wird in eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen, abzüglich emes Monats erlittener Untersuchungshaft, verurteilt. Grrichtssaal. M. Gießen, 14. März. Strafkammer. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Reuß. — Unter Ausschluß der Öeffentlichkeit wird gegen den Arbeiter Karl Kaiser aus Ockstadt wegen Verbrechens r. S. der §§ 1768, 173 Str.-G.-B. und wegen des Vergehens der Körperverletzung verhandelt und auf eine Gesamtzuchthaus- st r a f e von acht Jahren und einem Monat erkannt. — Der Es macht das den Eindruck einer einseitigen Mion, tvelche in der allzu stürmischen Verfolgung des gutem Mnzelzieles nicht beachtet, daß dadurch andere gleichbe- wechti^e Wirtschuftsinteressen geschädigt werden. Wir glauben, ba£ gerade jetzt, wo der Entwurf erst vorbereitet wird, eine Warnung angebracht ist. Daß die Reichsregier- ung, um uns kurz auszndrücken, „zu viel" thuu will, geht ffchou aus zwei Thatsachen hervor: erstens hat die Gewerbeordnung dem Bundesrate bereits das Recht zur Ausdehnung des- Arbeiterschutzes auf die Hausindustrie gegeben, jDer Bundesrat wird mit gebotener Vorsicht, aber aufmerksam und ausgiebig von diesem seinem Rechte auf dem Werwaltungswege Gebrauch machen. Zweitens enthalten Die Zusatzbestimmungen zur Gewerbeordnung eine Reihe von Vorschriften, welche, richtig angewandt, die Arbeiterinnen! — und zwar die Arbeiterinnen im weiteren Sinne des Wortes, d. h. einschließlich der weiblichen Angestellten in kaufmännischen Geschäften — gegen gesundheitsschädliche Ausbeutungen ihrer Arbeitskraft sicher stellen. Nach beiden von der offiziösen Ankündigung heraus- tzehobenen Richtungen hin ist also der erstrebte Schutz bereits gewährleistet. Es bedarf daher nach unserer Meinung keiner neuen Gesetzes arbeit, weil fein unbefriedigtes Be- Idürfuis mehr zu erfüllen bleibt. Will das Reichsamt des [Innern, daß die Gesetzgebung trotzdem „umfassender und ^eingreifender" vorgehen soll, so schießt sie über das Ziel [hinaus. Wenn man die Kinder der Familien in ihrer häuslichen Beschäftigung kontrollieren und beschränken will, so ist das ein Krieg mit der Familiengewalt. Dann toäre es logisch richtiger, direkt zu der staatlichen Kindererziehung überzugehen. Und, will man die Arbeiterinnen absolut gegen jeden Schaden an ihrer Gesundheit schützen, so mußte man erst eine unerbringliche und einwandsfreie Definition dessen, was „gesundheitsschädlich" ist, finden. Ja, selbst wenn diese unmögliche Aufgabe gelöst wäre, bliebe Noch die Frage, ob ^ede einzelne Industrie und Wirtschafts- bethätigung, in welcher die Arbeit eine noch so geringe Beeinträchtigung der Gesundheit bewirken kann, aufgegeben werden soll. Wohin würde man mit solchen Gesundheitssätzen kommen? Der Arzt, der Lehrer, der Richter, sie Alle Und noch viele Andere könnten ja dann auch erklären, daß der '-Beruf, dem sie dienen, ihre physischen und häufig selbst ihre igeiftigen Kräfte vor der Zeit aufreibt. Die Arbeiterschutzbestimmungen, die in Deutschland während der vergangenen Jahre erlassen wurden, mögen vielleicht nicht absolut vollkommen sein, aber sie stellen immerhin einen gewaltigen sozialpolitischen Fortschritt dar, wie chn bisher kein anderer Staat erreicht hat. Insbesondere ist durch perschiedentliche Novellen zur Gewerbeordnung auch die menschenwürdige Behandlung und der gesundheitliche Schutz der Arbeiter und Angestellten, namentlich der Kinder und Frauen, in hohem Maße gewährleistet. [Das kann nicht ohne astlerhand Eingriffe von polizeilichem !Charakter abgehen, die unser Volk nun einmal nicht liebt, nur als „Frauenverein" bestanden habe, aus dem Februar yub ebenso wenig ohne Opfer, welche selbst den kleinen, des Jahres 1852 stammen. In den ersten 23 Jahren war schwer um seine eigene Existenz lamp send en Unternehmer es der im Jahre 1875 verstorbene Pfarrer Gustav Landerheblich belasten. Wer diese unabwendbaren Begleitfolgen m ann, der den Verein aus sehr bescheidenen Anfängen .müssen um des guten sozialpolitischen Zweckes willen mit zu einer sehr gesegneten Wirksamkeit und einer sehr ge- |in den Kauf genommen werden, wenn nur dem Nachteile achteten Stellung förderte. Nach seinem Tode übernahm !aus der einen Seite ein größerer Vorteil auf der anderen der jetzige Vorsitzende d:e Leitung des Vereins. Im Jahre !gegenuberfteht. 1877 wurden die ersten Diakonissen in den Dienst des Die letztere Voraussetzung muß, so meinen die „Dresd. Vereins berufen, im Jahre 1882 wurde er zum Allge- iN. Nachr.", immer erst vorweg festgestellt sein, ehe die meinen Verein erweitert, im Jahre 1883 die Krippe er- sReichsgesetzgebung auf dem beschrittenen Wege noch weiter öffnet, 1886 das erste Schwesternhaus eingeweiht, 1889 vorwärts geht. Die Wahrnehmung der Interessen irgend das Mietspatronat, 1891 die Kochschule, und nach deren einer Wirtschafts gruppe oder irgend eines Teiles der Be-! üebergang an die Stadt 1896 der Nähabend begonnen, 1899 völkerung läßt sich einseitig durch die Gesetzgebung stets das neue Schwesternhaus in der Johannesstraße bezogen, {•nur bis zu einer gewissen Grenze verfolgen, jenseits Ter Vorsitzende betonte in seiner Ansprache, daß 50 Jahre welcher ein unverhältnismäßig schwerer Nachteil anderer für einen solchen Verein eine recht lange Zeit fei. Aller- Mcht minder schutzbedürftiger Volksglieder droht. Diese Be- dings gebe es ähnliche Vereine, die schon aus dem 18. !trachtungen drängen sichj uns mit einiger Sorge auf in! Jahrhundert stammen, wie z. B. den Verein freiwilliger sdiesem Wgenblicke, wo wir in verschiedenen Blättern die Armenfreunde in Kiel, die gemeinnützige Gesellschaft in !anscheinend offiziöse Wkündigung lesen, daß das Reichs- m ” [amt des Innern eine Erweiterung der Arbeiterschutzbestimmungen bearbeitet Es handelt sich dabei teilweise um Heuen, wie bekannt, schon seit längerer Zeit borbereiteten und in der Hauptsache bereits fetriggestellten Entwurf eines Sondergesetzes zwecks Ausdehnung der bestehenden Kinder- schutzbestimmungen auf die Hausindustrie. Das Reichsamt des Innern will jetzt ^grundsätzlich überhaupt alle Hausindustrie in den Arbeiterschutz einbezieheu. Zunächst soll jdemselben die Heimarbeit in der Cigarren-J>n-j dustrie unterworfen werden. Die Reichsregiermig hielt leine solche neueste Novelle zur Gewerbeordnung besonders wegen Einbeziehung der eigenen Kinder des Unternehmers .für notwendig. Das Reichsamt des Innern plant des Weiteren noch ein umfassendes und gründliches Vorgehen ,'zwecks absoluten Ausschlusses derweiblichenArbeits- ckräf te von jeder Art g.e sun dh eits schädlicher Be- ffchäftigimg. Die mysteriöse offiziöse Mitteilung spricht bei plledem immer von starken unb- kräftigen Eingriffen der Gesetzgebung. SÄsSWi»» A. N ffff o ff u <«» S ff H «P $4 --V 0» ff *• s öd e e & N SS sr «» = © N ff CD öS ss N-Z 2 s <ö> N iS ® ÖS ff’-E Z © is «2 ff 0» 3 S L? K Q 2 e «ft 3 m 03 s T L> - CD© c» :p 3 • & o 3 3 ö e N » 03 -3 <» ff L eo o er? C *b ff S-, = s 8 :s «0 IS s © & t-p c - 2 ’e « 3 e Ä 5 D L2 L 8 g _ K E E p -8 2 § E^ 2 •B Oft IS: 2 03 fe "2 'S SN jQ öS 'S sä'"2 «S3 $?a § ElS 3 2 «ft r-n tl 2 L2 . 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