Nr. 42 Erscheint täglich außer Sonnlags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mü dem hessischen Landwirt die «iehener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unwers.-Buch- u.Stein- druckerei lPretsch Grben) Redaktion, Erpeditton und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FrrnsprkchanschlußNr.bl. Zweites Blatt. ISS. Jahrgang Mittwoch 19. Februar 1003 GietzenerAnMger " Seneral-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monattich7bPs.,viertele jährlich WIL 2.90; durch Abholc- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk. 2.— viertel* lährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige» für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal 12Ps. auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. aNgem. Teil: P. Wittko; für ,Stadt unb Land' und ,Gerlchtssaal':R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: HanS Beck. 1 Are heutige Yummer umfaßt 12 Seiten. V Kas Jubiläum des Papstes. Pcrpft Leo XIII. (eigentlich Joachim Pecci) entstammt einer wohlhabenden Familie in Earpineto und wurde am 2. März 1810 geboren. Er wurde im Collegia romano erzogen und trat nach dreijährigem Besuch der Academia pontifacia in die Prälatur ein. 1837 wurde er von Gregor XVI. zum Hausprälaten und darauf zum Delegaten in Benevent ernannt, wo er sich durch Unterdrückung des Räubcrunwesens verdient machte. Sechs Jahre später wurde er 3um Erzbischof von Tamiette in partibus insi- beliunt präkonisiert und ging 1843 als Nuntius nach Brüssel, wo er der katholischen Kirche Brüssels ihre unabhängige Stellung eriverben half, zugleich aber durch sein gewandtes Benehmen die Gunst des Königs Leopold I. erlangte. Im Herbst 1845 von Belgien abberufen, wurde er (Azbischos von Perugia und Kardinal, aber in p-etto reserviert. Gregors Nachfolger, Pius IX., ließ Pecci aus den Rat des eifersüchtigen Antonelli in feinem abgelegenen Bistum Perugia und bestätigte erst am 19. Dezember 1853 dessen Ernennung zum Kardinal. Erst nach Antonellis Tode im 9Lovember 1876 wurde er nach Rom berufen und erhielt im September 1877 das Amt eines Kämmerers der römischen Kirche. Als solcher leitete er nach Pius IX. Tod (7. Februar 1878) die Geschäfte der Kurie, ward nach kurzem Konklave am 20. Februar 1878 zum Papst erwählt und am 3. März gekrönt. Ohne den prinzipiellen Standpunkt seines Vorgängers zu verleugnen, trat er doch in milderen Formen für die Sache des Papsttums auf. Er knüpfte mit den weltlichen Machthabern wieder persönliche Beziehungen an und suchte über die streitigen Fragen eine die Prinzipien unberührt lassende Verständigung herbeizuführen. Dies gelang ihm namentlich mit Preußen, wo unter seiner wesentlichen Mitwirkung der Kulturkampf beendigt wurde. Mit Bismarck trat er in gute Beziehungen und zeigte sich sehr erfreut, als ihm dieser 1885 das Schiedsgericht in dem Streit mit Spanien über die Karolinen übertrug. Italien gegenüber hielt er dagegen die Ansprüche auf die Wiederherstellung der weltlichen Macht des Papsttums unverbrüchlich aufrecht. Er förderte die wissenschaftlichen Studien und eröffnete 1883 oie vatikanischen Archive für die historische Forschung. Zu seinem fünfzigjährigen Priesterjubiläum am 31. Dezember 1887 empfing er die Glückwünsche fast sämtlicher europäischer Fürsten. Tas fünfzigjährige Bischofsjubiläum des Papstes wurde am 19. Februar 1893 mit großem Pomp gefeiert und an diesem Tage wurde er auch von allen Herrschern Europas beglückwünscht und beschenkt. Aie Stras-ßrpedttion des Höersileutnants Aavel. 1. Durch Vermittelung des kaiserlichen Gouverneurs in Kamerun sind jetzt eingehende Berichte des Oberstleutnants Pavel (bekanntlich früher in Gießen) über den bisherigen Verlauf der Expedition eingetroffen, denen wir aus einem Bericht des Kolonialblatts folgendes entnehmen : Nachdem sich die Expedition am 5. November 1901 in Tinto vereinigt hattet befahl ich zunächst den Angriff auf die Bangwa; ich teilte die Truppen in zwei Kolonnen. Tie rechte Kolonne, bestehend aus der zweiten Kompagnie unter Oberleutnant Stieber erhielt den Auftrag, am 9. November über Tcfang—Tale nach Fontemdorf zu marschieren; die linke Kolonne, bestehend aus der ersten Kompagnie unter Oberleutnant v. Madai, sollte am 7. Nov. ausbrechen und über Sabu—Foto das gleiche Ziel zu erreichen suchen: bcibe Kolonnen sollten versuchen, am 11. vrovember in Fontemdorf einzutreffen. Tas feindliche Gelände ist Gebirgsland mit Höhen von 800 mit 1500 Meter, steil emporsteigend, mit dazwischen liegenden tiefen Fluß- thälern. Tie Ueberwindung dieser enormen Gelande- schwierigrc-ien durch die Truppe und bie Träger muß eine glänzende Leistung genannt werden. Tie zweite Kompagnie trat am 9. November morgens 6 Uhr an, unb es gelang ihr bei dein schwierigen Gelände erst abends gegen. 10 Uhr in Edyuengang anzukommen. Am 10. November frühzeitig wieder aufbrechend, stieß die Kompagnie gegen 12 Uhr mittags auf eine am jenseitigen User des zu überschreitenden Bago angelegte Fenz. Diese Fenz, etwa 2o0 Meier lang, war aus dicken Felssteinen zwischen starken Baumstämmen erbaut, drei Meter hoch und ein bis zwei Meter stark, mit Schießscharten versehen. Als die Kompagnie an dem diesseitigen Ufer des Bago angekommen, entschloß sich der Kompagnieführer, die Fenz anzugreifen. Das Maschinengewehr wurde etwa 120 Meter von der Fenz aufgestellt. Tie Kompagnie entwickelte sich an dem diesseitigen Uferrande mit 21/2 Zügen, gedeckt durch den Urwald, rechts des Maschinengewehres. Ein Halbzug blieb zur Deckung der Trägerkolonne zurück. Nach Beobachtung der Fenz meinerseits konnte ich feststellen, daß dieselbe von 200 bis 300 Mann besetzt war, wie sich später herausstellte, unter Führung des Häuptlings Fontem. Nachdem ich dem Maschinengewehr die Ziele angewiesen und Oberleutnant Stieber das Zeichen zum Beginn des Feuers gegeben hatte, wurde schon nach etwa fünf Minuten eine lebhafte Unruhe beim Gegner bemerkbar. Man sah schon einzelne Trupps sich in den Urwald zurückziehen. In diesem Moment gab Oberleutnant Stieber den Befehl zum Sturm, und wurde der hier 80 Meter breite Bago bis an die Hüften durchwatend mit Hurrarufen überschritten, die Fenz erklettert und genommen. Mit meinem Stabe machte ich den Sturm mit, und fanden wir innerhalb der Fenz 21 Todte. Nach den in den Urwald rührenden Blutspuren muß eine große Anzahl Verwundeter gewesen Jein, die aber nach Negerart alle mitgeschleppt wurden. Oberleutnant Strümpell war der erste in der Fenz und leitete nach dem Sturm mit seinem Zuge die Verfolgung des Gegners in ruhiger, sachgemäßer Weise ein, wobei beim Gegner noch acht Mann getöbtet würben. . Am 11. vormittags wurde ber Marsch nach Fontemdorf fortgesetzt, in dem nun schwierigsten Teil des Geländes; die Schwerverwundeten mußten in den Hängematten mitgetragen werden. Der ganze Weg, an steilen Abhängen loorbeiführend, bis 60 und noch mehr Grad steigend, war rechts und links eingefenzt, außerdem waren elf große Fenzen quer über die Anmarschrichtung gebaut worden, die Annäherungswege mit Fallgruben besät. Aber keine dieser ^Befestigungen wurde mehr verteidigt, trotzdem es ein Leichtes gewesen wäre, der Kompagnie durch einige wenige Verteidiger den Marsch unmöglich zu machen. Die Eroberung der Fenz am Bago, die von dem Häuptling Fontem für uneinnehmbar gehalten war, die Bewegungen der ersten Kompagnie über Sabe—Foto—Fontemdorf, also dem Gegner in den Rücken kommend, schienen bei ihm eine solche Panik hervorgerufen zu haben, daß die zweite Kompagnie gegen 5 Uhr abends, nach Ueberwindung der unsäglichen Schwierigkeiten, in Fontemdorf ein rücken konnte. Daselbst wurde nach Sicherung des Ortsbiwaks und Freilegung des Schußfeldes Unterkunft genommen und Patrouillen nach allen Richtungen vorgetrieben. Schluß folgt. Volttische Tagesschau. Das Reichsdefizit im Reichshaushaltsetat für 1900/01 wird sich, wie wir bereits gestern mitteilten, auf nahezu 7 0 Millionen belaufen. Im Einzelnen schätzen die verschiedenen Verwaltungen ihre Etatsgestaltung nach dem bisherigen Finanzergebnis wie folgt: Beim eigenen Neichshaushalt betragen die Mehrausgaben im Ganzen 7 752 000 Mk., unb zwar bennAuswärtigenAmt 797 000 Mk., beim Reichsarnl des Innern 1 511 000 Will. bei ber Heeresverwaltung 3 271 000 Mk., bei der Marineverwaltung 1 726 000 Mk., bei der Reichsjustizverwaltung 13 000 Mk., beim Rechnungshof 31 000 Mk. und bei ber Verwaltung der Reichsschulden 343 000 Mk. Tie Mehreinnahmen dürsten sich auf 947 000 Mk. belaufen, und zwar erwartet man an Mehreinnahmen bei ber Salzsteuer 120 OoO Mk., beim Spielkartenstempel 18 000 Wik., bei der Wechselstempelsteuer 792 000 Mk., bei der Statistischen Gebühr 97 000 Mk. Die Mindereinnahmen belaufen sich im Ganzen aus 44 111 000 Mk., und zwar: bei der Zuckersteuer 443 000 Mk., Maischbottichsteuer 2 007 000 Rik., Brennst euer 2 635 000 Mk., Braust euer 156 000 Mk., an Aversen für Zuckersteuer u. s. w. 2000 Mk. Ter Minderüberschuß ber Reichspost- unb Telegraphenoerwaltung wirb auf 15 Millionen, der Minberüberschuß der Reichseisenbahn- oerwaltung aus 12 241000 Mk., ber aus bem Bankwesen u. s. w. auf 2 162 000 Mk. beziffert. Ferner sind an Minbereinnahmen zu erwarten bei ben zum Ausgleich für nicht allen Bundesstaaten gemeinsamen an bas Reich zu entrichtende Abgaben: Mmder-Em- nahme der Brausteuer von Bayern 21700, Württemberg 7600, Baden 6600, Elsaß-Lothringen 6100, für den Minderüberschuß der Reichs-, Post- und Telegraphenverwaltuna von Bayern 1 935 000, Württemberg 675 000, zusammen 2 610 000 Mk., Mindereinnahme beim Heere von Bayern 446 000 Mk. Zieht man die Mehreinnahmen mit 947 000 Mk. von den Minder-Einnahmen ab, so bleibt eine Minder-Einnahme von 43164 000 Mk.; dazu mit die oben angeführte Mehrausgabe mit 7 752 000 Mk.; es stellt sich also der Fehlbetrag beim eigenen Reichshaushalt auf 50 916 000 Mk. ober runb 51 Millionen. Tie Ueberweisungssteuern stellen sich folgendermaßen: Zolle mehr 11172 000 DU., Tabaksteuer mehr 329 000 M., Branntweinsteuer und deren Zuschläge weniger 728 000 Wck., Aversa für Zölle und Tabaksteuer weniger 2000 Mk., Stempelabgabe für Wertpapiere weniger 28 478 000 Mk., im Ganzen also weniger 17 907 000 M. bei einem Etats-Soll von 570 933 000 Mk. Mithin stellt sich der Fehlbetrag auf 69 oder rund 70 Millionen Mark. Der preußische Landwirtschastsmimster v. Podbielski. Von den „Gefahren im Programm des Landwirts chaftsministers" handelt eine Zuschrift, der die »Kreuzztg." Raum giebt. Sie sollen darin liegen, daß Herr v. Podbielski den 'Ackerboden 8. Klasse preisgegeben hat. Er hat nämlich im preußischen Landesdkonomie-Kollegium sich wie folgt geäußert: „Ich. holte es für ein Lügen in die Taschen, wenn man ben Leuten noch die Hognung läßt, sie könnten aus emern Boden 8. Klaffe noch etwas herausschlagen. Ich negiere das. Ich meine, je offener und freier wir das aussprechen, desto mehr werden uns diese Leute auch in Zukunst Tank wissen." Es ist nicht verständlich, bemerkt dazu die Zuschrift an die „Kreuzztg.", wie sich der Minister damit den Dank verdienen will von den vielen Leuten, die nur Boden 7. und 8. Klasse, vielleicht mit kleinen Parzellen 6. Klasse untermischt, besitzen, wenn ihnen gesagt wird: Ihr müßt auf Rente verzichten und mit theueren Kosten aufforsten. DaS ist gleichbedeutend mit der Abschreibungstheorie des Herrn v. Caprivi, die man überwunden hoffte. Der lücitcre Inhalt der Zuschrift ist, daß, die Regierung für „angemessene Getreidepreise* durch „ausreichende Zölle" sorgen müffe, um uns vor einer „Ueberflutung mit ausländischem, im Raubbau gewonnenem billigen Getreide" zu schützen. Ohne Zuhilfenahme desAckerS 8. Klaffe produziere Deutschland das erforderliche Brotgetreide nicht selber. Hessischer Landtag. Zweite hessische StändeLammer. 78. Sitzung. Darmstadt, 18. Febr. (Fortsetzung aus dem Parlamentsblatt.) Als zweite Position figuriert auf der Tagesordnung die Regierungsvorlage, den Entwurf eines Gesetzes bie Regentschaft betreffend. Nach Eröffnung der Generaldebatte erklärt Staats- minister Rothe Exz.: Durch diese Vorlage werbe eine Lücke in der Verfassung ausgefüllt für ben Fall, bah eine Stellvertretung des aus irgenb einem Grunde zur Regierung nicht fähigen Herrschers einzutreten habe. Diese Stellvertretung finde in der Form einer Regentschaft statt. Eine solche habe auch die hessische Verfassungsurkundc von 1820 in Artikel 5 Absatz 4 für den Fall der Minderjährigkeit oder anderer Verhinderung des Großherzogs ausdrück-, lich vorgesehen, die näheren Bestimmungen aber bem Hausgesetz überlassen. Da aber ein solches bisher nichd erlassen worden sei, so bestehe infolgedessen bezüglich der Regentschaft im Verfassungsrecht des Großherzogtums eine Lücke. Diese für das Interesse des Staats bedenkliche Lücke auszufüllen und den geregelten Fortgang der Landesregierung in allen Fällen bei Zeiten sicher zu stellen, sei der Zweck des gegenwärtigen Gesetzentwurfs. Wenn dabei bie Großh. Regierung der Form eines Staatsgesetzes vor der durch die Verfassung, in Aussicht genommenen hausgesetzlichen Regelung den Vorzug gegeben habe, so fei für sie in erster Linie die Erwägung maßgebend gewesen, daß es sich bei der Regentschaft nicht nur um eine innere private Angelegenheit des Großh. Hauses, sondern um eine äußerst wichtige in bas gesetzlich normierte Verfassungsrecht eingreifende Staatsangelegenheit handele. Auch sei die Regelung der Regentschaftsfrage in allen übrigen deutschen Staaten der von der Großh. Regierung! vertretenen Auffassung entsprechend auf dem Wege ber staatlichen Gesetzgebung erfolgt. Ta das Vorhandensein der Voraussetzungen einer Regentschaft nicht immer außer allem Zweifel stehe, so müsse dasselbe durch einen be,onderen Beschluß ausdrücklich seftgestellt werden. Tas Recht zu dieser Beschlußfassung stehe ben beiden Kammern in vereinigter Sitzung und Beratung zu; das Recht zur (Einberufung der Stänoe stehe unabhängig von der Zustimmung des Großher^ogs lediglich dem Slaatsministerium zu. Nach staatsrechtlicher Auffassung sei bei Eintritt einer Regentschaft der nächste volljährige Agnat berufen. Sei ein regierungsfähiger Agnat nicht vorhanden, ober liege eine Ausschlagung vor, so sollten die Stände das Wahlrecht unter den bezeichneten Familie st (landesherrlichen ober vormals reichsständigen Familien) haben. Sodann wird in bie Specialdebatte eingetreten. Art. 1 ber Vorlage wirb debattelos angenommen gemäß dem Anträge des Ausschusses. Bei Art. 2 beantragt die Minorität des Ausschusses (bestehend aus den Abgeordneten Dr. David und Joutz) die Streichung der Worte in Absatz 2: „aus den volljährigen nicht regierenden männlichen Mitgliedern einer landesherrlichen ober vormals reichsstänbifchen Familie" in Anbetracht bessen, daß diesen ein Privileg nicht zukomme. Falls ein regierungsfähiger Agnat nicht vorhanden sei, solle den beiden Kammern ein freies Wahlrecht bezüglich ber Person des Regenten zustehen. Abg. Wolf (freie wirtsch. Vereinigg.) bittet im Namen, der Majorität des Ausschusses, diesen Antrag der Minorität; abzulehnen, da sonst vielleicht eine Persönlichkeit gewählt: werden könnte, bie an den Rockschößen einer Partei hänge. Abg. David (Soz.) erklärt, bie Beschränkung auf biefen Personenkreis fei durchaus ungerechtfertigt unb biete nicht: bie erforderlichen Garantien. Teshalb müsse diese Be- ftimmung fallen, bie weder sachlich noch historisch begründet sei . Er bitte dringend um Annahme des Minoritäts-Antrages. Abg. v. Brentano (Zentr.-: Bei Eintritt einer Regentschaft sei nach allgemeinen staatsrechtlichen Ansichten der nächste Agnat berufen. Tie Zahl ber Agnaten sei nun so groß, baß in absehbarer Zeit eine Wahl durch die Landstände nicht in Frage fommc. Eine solche liege auch durchaus nicht im Interesse des Staates und der Monarchie. Es könnte sonst Vorkommen, baß, falls kein Agnat vorhanden fei, ber zukünftige Regent in VoUsversamm,« langen und m bei Presse st-^cckgesetzt werbe. ALg. BL Hr (freie wirtsch. Vereinig».): Abg. David habe behauptet, die Stanbesherren hätten reut historisches Recht zur Stellevrtretung; Redner fei es indes durchaus nicht gleichgiltig, wer regiere. Die Stanbesherren in Hessen Heirateten nur standesgemäß.; dadurch werde wenigstens verhindert, daß event. ein Judenabkörmnling zur Stellvertretung berufen werde. Abg. Dr. David (Soz.): Wenn Abg. Bähr glaube, daß die Standesherren ein historisches Recht besäßen, weil sie früher einmal regiert hätten, so sei diese Deduktion des historischen Rechts unthunlich. Man solle doch einmal etwas weiter zurückgehen. Vor ein paar Jahrhunderten seien es einfache Beamten der Fürsten gewesen, die sich nach und nach emporgeschwungen hätten. Er entsinne sich, aus Zeitungen erfahren zu haben, daß es auch in diesen Kreisen Elemente gegeben habe, die es nicht verschmäht haben, ihren alten Wappenschild mit modernem Gold zu vergolden. In der Vorlage stehe von Ebenbürtigkeit gar nichts. Auch wenn einmal eine Heirat mit einer Unebenbürtigen geschlossen worden sei, so bewirke dies doch keinen Verlust des Rechts auf Stellvertretung. Er kenne in Deutschland auch Regenten aus bürgerlichen Kreisen idic in Hamburg und Bremen. Die Volksvertretung dürfe nicht gebunden werden an einen gewissen Personenkreis, deshalb werde and) Hessen nicht zusammenfallen. Es erfolgt Abstinimung über den Majoritätsantrag, der mit allen gegen 6 Stimmen Annahme findet; damit ist der Antrag der Minorität abgelehnt. Die Artikel 3, 4, 5 und 6 werden debattelos angenommen. Bei Artikel 7 beantragt Abg. Wolf (f. w. V.) die Streichung des Absatzes 2: „Falls (durch die Kosten der Hofhaltung und Repräsentation des Regenten, die aus der Civilliste zu bestreiten sind) hierdurch eine zu starke Belastung der Civilliste eintreten würde, ist dem Regenten ein Beitrag zu diesen Kosten aus der Staatskasse zu leisten, dessen Höhe mit den Landständen zu vereinbaren ist." Abg. Ullrich (Soz.) stimmt mit Rücksicht auf die ganzen Verhältnisse, die der Bewilligung der Zivilliste zugrunde liegen, dem Anträge Wolf zu. Bei Regenten mit großen Ansprüchen könne man wie seinerzeit in Baiern, traurige Erfahrungen machen und es könnte dann mit Forderungen an das Land herangetreten werden, die mit den finanziellen Verhältnissen des Landes nicht im Einklänge stünden. Run sage man, die Landstände hätten es ja in letzter Linie in der Hand, die Zioilliste festzustellen; aber hätten die Kammern einmal einen Regenten gewählt, so werde die Mehrheit, die ihn gewählt habe, auch die Konsequenzen ziehen und die Zivilliste erhöhen. Redner empfiehlt die Annahme des Antrags Wolf. Abg. v. Brentano (Zentr.) bemerkt demgegenüber, daß der Fall vorkommen könne, daß aus irgend welchem Grund, Krankheit oder dergleichen, die Zivilliste, die auch die Kosten der etwaigen Regentschaft enthalte, vorübergehend nicht ausreiche. Die Landständc, von deren Bewilligung die Erhöhung abhängig sei, prüften die Verhältnisse ja doch; er verstehe nicht, wie man diesen Absatz ablehnen könne. Abg. Weidner (freie wirtsch. Vereinigg.) kann den Ausführungen des Vorredners nicht zustimmen. Sobald der Artikel in dieser Fassung angenomrnen sei, handele es sich nicht mehr darum, ob diese Erhöhung zu gewähren sei oder nicht, sondern nur darum, wieviel zu bewilligen sei. Doch könne man einen Regenten nicht ohne entsprechende Mittel lassen und dieser eine Umstand zwinge ihn, dem Absatz 2 zuzustimmen. Hierauf wird zur Abstimmung geschritten. Absatz 1 des Art. 7 wird angenommen ebenso Absatz 2 mit allen gegen 8 Stimmen. Die Artikel 8, 9, 10 und 11 finden debattelose Annahme ebenso wie der weitere Ausschußantrag: „Hohe Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, alsbald cineu Gesetzentwurf nach Maßgabe des Artikels 5 des gegenwärtigen Gesetzes vorzulegen." Des weiteren steht auf der Tagesordnung die Regierungsvorlage, den Entwurf eines Gesetzes, die Abänderung des Gesetzes vom 4. April 1888, die Ausführung der Unfall- und Krankenversicherung der in land- und forstwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen betreffend. Die Abänderung wird erforderlich wegen Aenderung des Reichsgesetzes vom Jahre 1886 bezüglich seines Abschnittes „Unfallversicherung", an dessen Stelle das „Unfallversicherungsgesetz für Land- und Forstwirtschaft" in der Fassung des Reichsgesetzes vom 30. Juni 1900, betreffend die Abänderung der Unfalloersicherungsgesetze, getreten ist, und sodann wegen Aenderung der hessischen Steuergesetzgebung, da die Grundsteuer, nach deren Maßstab die Beiträge umgelegt werden, als Staats st euer in Wegfall gekommen ist. Wenn auch z. Zt. die Grundsteuerkapitalien zunächst noch einen Maßstab für die Veranlagung zur Gemeindesteuer bilden, so stellt letzteres nur ein Provisorium dar, dessen Beseitigung in Bälde nicht ausgeschlossen ist. Staatsminister Rothe bittet um Annahme der Regierungsvorlage in der vorliegenden Form. Abg. Jöckel (nat.-lib.) stellt den Antrag auf Rückver- roeisung des Gesetzentwurfs an den Ausschuß, um eine andere Organisation vorzuschlagen mit niedrigeren Verwaltungskosten, die zur Zeit viel zu hoch seien. Abg. Leun (fr. ro. 93.) will auch Kinder unter 14 Jahren mit in die Versicherung einbegriffen haben. Redner pflichtet dem Antrag auf Rückverweisung bei und macht auf eine weitere Ausdehnung aufmerksam. Bei einem Unfall in der Hauswirtschaft erhalte der Verunglückte keine Rente; dadurch würden viele veranlaßt, falsche Angaben zu machen; deshalb solle man das Gesetz möglichst auch auf Unfälle in der Hauswirtschaft ausdehnen. Auch solche Personen könnten dann die Wohlthaten des Gesetzes genießen, die keinen Grundbesitz, wie z. B. eine ganze Anzahl Arbeiter, besitzen. Abg. Schönberger (nl.) findet die Verwaltungskosten viel zu hoch; in Bayern seien sie wesentlich geringer. Abg. Weidner (fr. ro. V.) stimmt für Rückverweisung. Man solle der Verminderung der Verwaltungskosten an der Hand der Organisation Bayerns einmal nahe treten. Hierauf wird der Antrag Jöckel auf Rückverweisung an den Ausschuß einstimmig angenommen. Das Gleiche geschieht mit den Anträgen der Abg. Schönberger und Lang, die Entschädigung direkter Verluste der infolge des letzten Maul- und Klauenseuche-Ausbruchs gefallenen Tiere betreffend sowie mit dem Anttag Korell und Genossen, die Erweiterung der beslehen- be-u Seuchengeqetzgebung auf die Maul- und Klauenseuche betreffend. Ebenso wird tter Anttag des Abg. Ohl, den Ausbau der Realschule zu Groß-Umstadt zu emer Oberrealschule betreffend, sowie die Vorstellmigen der Stadt Alsfeld und sieben Gemeinden, die Bahnverbindung Alsfeld-Hersfeld betreffend und die Vorstellung der Gemeinde Birklar, den Bau der Eisenbahn Lich- Butzbach betteffend zur Berichterstattung an den Ausschuß verwiesen. Bezüglich des Antrages der Abg. Leun und Wolf, Portofreiheir für Postpackete an Militär- Personen betreffend erklärt Abg. Noack als Referent des Ausschusses: Es 'bestehe keine Aussicht, daß dem Anträge folgegegebeu werde, da nirgends eine Absicht vorhanden sei, die Porteifreiheit zu erweitern. Abg. Leun (fr. w. V.) bedauert, daß der Referent zu dieser ablehnenden Haltung gekommen ist. Gegenwärtig betrage das Porto für Pakere bis zum Gewicht von drei Kilogramm an Militärperfonen 20 Psg., sobald aber das Paket dieses Gewicht überschreite, komme die allgemeine Taxe zur Erhebung. Da nun in letzter Zeit hessische Rekruten, er habe hier speziell zwei Gießener Fälle im Auge, auch für preußische Regimenter, deren Gariilsonen bis in d ieo r i11e Zone entfernt liegen, ausgehoben würden, so scheine es billig, da die Angehörigen dem Staate schon genug Opfer bringen, derartige Pakere portofrei zu befördern. Wenn der Antrag auch teilte Annahme finden werde, so schade es keineswegs, wenn die Sache einmal angeregt werde. Geh. Staatsrat.v. Krug erklärt, diese Angelegenheit falle in die Kompetenz des Reichs. Abg. Wolf (fr. w. V.) ist überrascht durch den Antrag des Referenten. Der Antrag sei aus den Bedürfnissen des Volkes heraus geboren. Man sollte den Versuch machen, ob die Reichspost nicht auf die berechtigte Forderung des Volkes eingehen werde. Redner beantragt Ueverweis u n g an den Ausschuß. Der Antrag Wolf wird angenommen. — Zu dem Antrag Ulrich und Genossen, die Milderung der Arbeitslosigkeit betreffend, erklärt Abg. Frenay (Zentr.) als Berichterstatter des Ausschusses: Der Antrag beabsichtige, Mittel und Wege zu finden, um der ArbettSlosigkeit zu steuern. Es handele sich hier um die -g roße Masse derjenigen, die durch den '.Rieb er gang der Industrie Not leiden. Der Gedanke, der dem Anträge zu Grunde liege, sei berechtigt und werde taum Widerspruch finden. Es gäbe kein niederdrückenderes Gefühl als das, arbeiten zu wollen und keine Arbeit zu finden; es sei dann kein Wunder, wenn die Arbeiter unzufrieden würden. Nicht nur im menschlichen Interesse liege es, diesen Mißständen entgegenzuarbeiten, sondern es sei hier auch eine Pflicht des Staates, einzugreifen. Die Großh. Regierung habe in der Sitzung vom 19. Nov. v. I. Aufschluß über statistisches Material gegeben; er dürfe heute wohl erwarten, daß von dieser Seite weiteres Material gegeben werde, insbesondere inwieweit sie in dieser Beziehung praktisch thätig gewesen sei. Das allgemeine Urteil gehe dahin, daß die Verhältnisse schlimmer geworden seien, und vorläufig sei a n e i n e B e s s e r u n g n i ch t zu denken. Er ersucht die Negierung? auch weiterhin die Sache im Ange zu behalten und event. eine Notstands- vorlagezu machen. Bei u n v e r s ch nl d e ter A r b e i ts- los i g k e i t sollte eine o b l i g a t o r i s che Versicherung eintreten. Die Versicherung gegen Arbeitslosigkeit bilde den letzten Schlußstein m dem Versicherungswesen. Schluß li'i Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 10 Uhr. Iueüzwang und Keschichtsschreivuug. Ter Hauptmann a. D. Fritz Hönig hat vor etwa drei Jahren eine Schrift veröffentlichr „Die Wahrheit über die Schlacht von Vionville-Mars la Tour aus dem linken Flügel", in der er auf Grund seiner militärisch-kritischen' Stuoieu zu einem für den General v. Schwartztoppen ab- günstigen Urteil gelangte. Honig verbreitete sich in der genannten Schrift ausführlich über die Haltung des Generals an jenem Schlacyttage, die er zum Teil aus den Charaktereigen|cyasten yerieitete. Es habe ihm nach Hönigs Ermefsen „das Ingenium gefehlt, der Götterfunken der Di- vinativn, der erst den wahren Kriegsmann ausmacht." Er sagte ferner von dem General aus: „Die Einen beurteilen ihn wegen feiner Strenge in den Disziplinarstrafen als Polizeigeneral; andere erblickten in ihm einen Polterer, und Blender, wieder andere hielten ihn für einen Schauspieler." Ueber diese Urteile in einer militärisch-kritischen Schrift fühlte sich der Sohn des verstorbenen Generals, der Oberst v. Schwarzcoppen beleidigt, weil er in ihnen eine Verletzung der Ehre seines Vaters erblickte, und er sandte daher den Generalmajor Grafen v. Moltke zum Hauptmann Honig, um ihn zu fragen, ob und welche Beweise er für jene die Ehre des verstorbenen Generals herabsetzenden Behauptungen erbringen könne. General v. Moltke gab selbst in der Unterredung zu, daß bei der in Rede stehenden Schrift von einem „Pamphlet" nicht die Rede fein könne. Es sei im Gegenteil „em sehr ernstes Buch". Allein er, der Graf v. Moltte, könne dem Oberst v. Schwarz- koppeu es nach fühlen, daß er sich als Sohn des angegriffenen Generals sehr wohl veranlaßt sehe, für die Ehre feines Vaters einzutreten. Hönig, oer von den nahen verwandtschaftlichen Beziehungen des Over|ten v. Schwarzkvppen zum General gleichen Namens bis dahin nichts gewußt, erklärte trotzdem rundweg, daß es um die Geschichtsschreibung geschehen wäre, wenn der Geschichtsschreiber auf Söhne und liessen Rücksicht nehmen mutzte. Er würde seine Hand unter keinen Umjiänben dazu bieten. Schließlich verlangte der General, Honig möchte einen vom Obersten v. Schwartzkoppen aufgelegten Widerruf unterzeichnen oder ihm im Aolehnungsialle seine Zeugen nennen. Hönig lehnte diese Zumutung rundweg ab. Wer aber glauben mochte, daß mit dieser Ablehnung, den Widerruf zu unterschreiben, die Sache beendet sein würde, der hatte sich gewaltig verrechnet. Im Gegenteil. Jetzt trat der militärische Ehrenrat auf den Schauplatz. Es wird eine neue Erklärung abgejafjt und bei der Verhandlung vor dem Ehrenrate der Stabsoffiziere des Garde- torps Herrn Honig vorgelegt. Hierbei stoßen die Gegenfätze in den Anschauungen über die Grenzen der historischen Kritik zwischen dem Vorsitzenden des Ehrenrates, dem Obersten Grasen Kirchbach, und Hauptmann Hönig scharf auf einander. Die Verhandlung verläuft wiederum ergebnislos. llnd nun fit die Angelegenheit für die Einleitung eines ehrengerichtlichen Veriohrens gegen den Haupimann Hönig reif geworden. Eine weitere Kompli- tation eriuhr die Angelegenheit dura) das Eingreifen des Obersten u. Bernhardi; allein bei dieser Epfiode treten augenscheinlich rem persönliche Momente so stark in den Vordergrund, daß es zweckmäßig ist, darauf nicht totüeS einzugehen. Honig verteidigte sich vor dem Ehrenrate. Er bekannte sich zu dem Grundsätze der wissenschaftlichen Frev- heit. Belehrungen ober Tadel könne er nur von Fachmännern hinnehmen, und diese mürbe er beachten, falls er von ihrer Berechtigung überzeugt sein würde. Hönig er» klärte ferner, daß er sich von niemandem das Recht nehmen oder schmäl, rn lasse, historische Persönlichkeiten historisch zu beurteilen. „Es wäre mit jeder Wissenschaft aus, wenn sie Rücksicht auf Söhne und Enkel nehmen sollte!" rief er vor dem Ehrenrate aus, und er fügte hinzu, seine Grundsätze machen es ihm unmöglich, jemals dazu beizutragen, „daß wissenschaftliche Kämpfe mit Pistolen ausgetragen werden." Mit dieser Erllärung hatte Honig in den Kern der Sache getroffen. Hier tritt die allgemeine Bedeutung dieses Ehrenhandels hervor: die wissenschaftlichen Interessen sind dadurch bedroht. Tarin liegt das Wesentliche dieses Ehrenhandels. Tie Thatsache, daß jemand wegen einer kritischen Beurteilung einer Persönlichkeit vor einen Ehrenrat gefordert und zu einer empfindlichen Strafe verurteilt werden kann, ist jedenfalls nicht unbedenklich. Aus Stadt und Land. Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, 19. Februar 1902. * * Oberrealschuleu. Die „Darmst. Ztg." schreibt: Die Großh. Regierung hat innerhalb der letzten Jahre in die Errichtung von nicht weniger als 5 Oberrealschulen^ingewilligt, von beten diejenige in Darmstadt schon seit 3 Jahren aus- gebaut ist, diejenigen in Mainz und Offenbach tm Frühjahr 1. I. zum erstenmale Abiturienten aus der Oberprima entlassen werden. Die Oberrealschule in Worms wird im Frühjahr 1903 das gleiche Ziel erreicht haben, während diejenige in Gießen ins Leben treten soll, sobald die nötigen Räumlichkeiten beschafft sind. Hiermtt dürste dem öffentlichen Bedürfnis reichlich Genüge gethan sein; ja, wenn man die Zahl unserer höheren Lehranstalten mit der Bevölkerungszahl des Landes vergleicht, wird man sich des Eindrucks kaum erwehren können, daß auf diesem Gebiete des Guten fast schon zu viel gethan ist. Man beachte nur folgende Ziffern: Es kommt eine militärberechtigte höhere Lehranstalt: im Reich auf je 52 000 Einwohner, in Preußen , „ 57 000 „ „ Bayern „ , 49 000 „ „ Württemberg „ „ 44 000 „ im Königreich Sachsen auf je 75 000 Einw. in Hessen auf je 33 000 Einwohner. Bringt man aber unsere nicht militärberechtigten, weil der Mehrzahl nach nur bis einschließlich Obertertia reichenden höheren Bürgerschulen mtt in Rechnung, so kommt eme höhere Lehranstalt sogar auf nur 20 000 Einwohner. Diese That- sachen dürsten es ausreichend rechtfertigen, daß die Großh. Regierung dem Drängen einer Reihe von kleineren Stadtge- meinden nach Errichtung noch weiterer Oberrealschulen, vorerst unter keinen Umständen nachzugeben entschlossen ist. Denn wenn auch immerhin ein blühendes Unterrichts wesen jedem Lande zum Ruhme und zur Förderung gereicht, so muß doch im Interesse gesunder Zustände auch hierin das richtige Maß gehalten werden. * * Prinzessin Heinrich von Preußen ist heute Morgen 7 Uhr 57 Min., von Kiel kommend, mit dem O-Zuge auf unserem Bahnhofe eingetroffen. Sie nahm in ihrem Salonwagen das Frühstück ein, woraus die Weiterreise nach Darmstadt zum Besuche des Großherzogs erfolgte. * * Aus dem Theaterbureau Am Freitag findet das Benefiz für die erste Liebhaberin Fräulein Margarethe Feige und für die Naive Fräulein Helene Brandau statt. Die beiden Damen haben den humorvollen Schwank „Zwei glückliche Tage" von Schonthan und Kadelburg ausgewählt. ** Die Haushaltungen im Deutschen Reich. Bei der Volkszählung am 1. Dezember 1900 wurden 1 260 012 Haushaltungen ermittelt. Davon waren 11308081 (92,2 v. H.) gewöhnliche Haushaltungen (mit 2 und mehr Personen) und 870 601 (7,1 v. H.) Haushaltungen Einzelnlebender. Der Rest von 81330 (0,7 v. H.) waren Anstalten (Gasthofe, Pensionate, Kranken-, Straf-, Arrnenanstallen, Erziehungs-, Versorgungsanstalten, Kloster, Kasernen). Von der mit 56 367178 Millionen festgestellten Reichsbevölkerung leben 53 866 405 Personen in gewöhnlichen Haushaltungen, unter denen der Zahl nach Haushaltungen mit 3 und 4 Perosnen, der Zahl der Mttglieder nach solche mit 5 Personen vorwiegen. Auf die Anstaltshaushaltungen treffen 1630172 Personen. Bei den Haushaltungen Einzel- lebender kommen 272 742 männliche, 597 859 weibliche Personen in Betracht. Die Mitglieder der gewöhnlichen Haushaltungen setzen sich zusammen aus 47 979041 Familien-, angehörigen (89,1 v. H.), 1337 321 Dienstboten (2,5 v. H.) und 4 550 043 anderen Personen (8,4 v. H.), wie Schlaf-, gänger, Aftermieter, Pensionäre, Pflegekinder ic. G. Garb enteich, 17. Febr. Die hiesige Sparund Darlehnskasse hielt ihre Generalversammlung ab. Die Genossenschaft, die vor ungefähr drei Jahren mit 25 Mitgliedern gegründet wurde, zählt jetzt 126. Ueber 60 000 Mark sind im Laufe^ dieser drei Jahre an Spareinlagen eingegangen. Der Sparsinn in unserer Gemeinde ist also ein sehr reger. Das verflossene Geschäftsjahr wies einen Kassenumsatz von 140 000 Mark auf, demgemäß war auch das Geschäftserträgnis durchaus befriedigend. Es konnte eine vierprozentige Dividende an die Mitglieder verteilt werden. Die Tagesordnung wurde glatt erledigt. U. a. wurde die Anschaffung eines Krogmannschen Kassenschrankes beschlossen. Darmstadt, 18. Febr. Die Landgräfin Margarethe von Hessen kam gestern Nachmittag zum Besuch des preuß. Gesandten Prinzen Hohenlohe hier an. Sie wurde von ihm am Bahnhof empfangen und nahm in seinem Palais den Thee ein. Um 7 Uhr 32 Min. reifte sie wieder nach Frankfurt a. M. zurück. — Das Anwesen Marienplatz 5, Karl Emil Callmann gehörig, wurde von dent Verband der Hess. Landw. Genossenschaften zum Preise von 200 000 Mk. käuflich erworben. Dieburg, 17. Febr. Der um 3 Uhr 35 Min. nachmittags in Aschaffenburg fällige Schnellzug mußte gestern auf seiner Fahrt nach Darmstadt in Dieburg liegen bleiben, weil während der vollen Fahrt des Zuges zwischen Babenhausen und Dieburg ein Wasserrohr in der Lokomotwe geplatzt war, wodurch das dampfende Wasser in dichtem Strakl entwich. Die schwerfällig pustende Maschine vermochte den Zug noch bis Dieburg zu schleppen, wo der Zug liegen blieb, bis eine telegraphisch aus Darmstadt beorderte Maschine zum Entsatz eingetroffen war. — Ein ähnlicher Unfall ereignete sich gestern nachmittag in Reinheim, wo die Maschine des um 3 Uhr 30 Min. von dort nach Offenbach abgehenden Personenzuges aus der Weiche über die Schienen sprang und sich tief m den Bahnkörper einbohrte. Glücklicherweise gingen beide Fälle ohne weiteres Unglück ab. Universitäts-Nachrichten. — Professor Tr. Franz Köntg in Berlin, der Direktor der chirurgischen Charitee-Klinik, hat seinen 70. Geburtstag gefeiert. Der Tag war durch eine Vorfeier cmgelcitet worden, dre Geheimrat von Bergmann in seinem Hause dem Speziatkollegen veranstaltet hatte. Dem Festmahl wohnte Kultusminister Lr. otubt bcu xas Korps „Teutonia" in Marburg hatte seines „alten verrn' gedacht und ihm eine Adresse übersandt. Ter Aerzle-Verein der Provinz Hessen-Nassau hatte mit einer Ehrenspende deil Geh. Sanitätsrat Endemann entsandt, vom ärztlichen B e r ein der Hessen war em Diplom eingegangen, das Rönig zum Ehrenmitglied ernennt Kunst und Wissenschaft. Otto Ernsts Lustspiel „Jugend von heute" ist ins Spanische übersetzt worden und wird demnächst in Mexiko die erste spanische Aufführung erleben. Die Oasen. Ein bekannter Dichter, der zugleich an einer großen Universität eine juristische Professur bekleidet (Felix Dahn also! Tie Red. d. Gieß. Anz.), fragte neulich einen Rechtskandidaten unmittelbar vor Beginn des Examens, wie es ihm gehe. Der Kandidat erwiderte: „Es geht mir nicht besonders, denn ich sehe eine große Wüste ui meinem Wissen." Darauf der Professor: „Es werdfen sich in dieser Wüste doch noch manche Oasen finden." Hierauf der Kandidat: „Wenn doch nur die Kamele auf diese Oasen reagieren würden." Meyer-Försters Schauspiel „Alt-Heidelberg" wurde bei seiner Premiere im Kölner Stadttheater mit stürmischem Beifall ausgenommen. $ anbei und Verkehr. Volkswirtschaft. Die Fusion der Breslauer Diskontobank mit der Darmstädter Bank ist gescheitert. Frankfurter Bank. Ter Aufsichtsrat beschloß die Dividende für 1901 mit 81/2% in Vorschlag zu bringen gegen 91/2% im Vorjahr. Deutsche Vereinsbank. Wir haben bereits nut» geteilt, daß das Institut eine Dividende von 6%, wie im Vorjahr, zu verteilen in der Lage ist. Heute tragen wir nach, daß die Bank an den im Berichtsjahr eingetretenen Katastrophen vollständig unbeteiligt geblieben ist. Sie stand mit keiner der zusammengebrochenen Firmen weder in direkter noch indirekter Beziehung. Dagegen ist ihr ein Verlust aus dem Konkurse einer im Rheinland domilizierten Kammgarnspinnerei erwachsen, deren Leiter durch betrügerische Manipulationen und Vorlegung gefälschter Bilanzen sich einen Kredit zu verschaffen gewußt hatte. Der die Bank voraussichtlich treffende Ausfall (ca. 45 000 Mk.) ist durch Eingänge aus früher ab geschriebenen Forderungen gedeckt. Pflanzen dieser DersuchSbeete erfroren sämtlich, wahren^' die ausreichend mit .'hüi gedüngten Beete der gleichen Felder wenig oder gar nicht beschädigt wurden Pflanzen ohne. Phosphorsäure oder Srickstoffdüngung wurden ebenfalls nicht beschädigt, wenn sie hinreick;end Kali erhalten hatten. Tie Thatjache dürfte damit zu erklären sein, daß an die Kalisalze der Transport der Kohlehydrate (Stärke, Zucker) in der Pflanze gebunden ist, kaltarme Pflanzen also weniger Kohlehydrate in ihren Geweben führen können. Die Kohlen Hydrate aber dienen zur Veratmung und Wärmeerzeugang. tialiarmc und hiermit kohlehydratarme Pflanzen werden darum weniger Wärme erzeugen und eher erfrieren als solche, die mehr Kali, also auch mehr Kohlehvdrate enthalten. ist ein ausserordentlich f nahrhaftes Getränk, welches einen wohl-' thuenden Einfluss auf die Nerven ausübt. Unübertroffen für den täglichen Gebrauch. VAN HOÜTEN’s CACAO Gcrichtssaal. * Eine wichtigc Entscheidung zu der von bec gesamten Handlungsgehilfenschaft fortgesetzt bekämpften Konlurrenzklausel finden wir in der neuesten Nummer der juristischen Zeitschrift „TaS Rechen "Nach derselben hat daS Reichsgericht folgenden Rechtssatz aufgestellt, der für den gesamten Handel von einschneidender Bedeutung sein dürfte: „Tarin, daß jemand, der sich bei Strafstipulationcn verpflichtet hat, innerhalb eines beftünniten Bezirks lein Jton- kurrenzunternehmen zu betreiben, ein Geschält außerhalb des Batiubezirls anlegt, ober Waren in demselben verlauft und absetzt, liegt keine Uebertretung des Verbots." Diskonto-Kommandit-Antcile sind an der gestrigen Börse stark gekauft worden und nahezu 2% ge fliegen. Es heißt, daß das ungarische Konversionsgeschäft vor dem Abfchluß steht. Neue Anleihe der Stadt Ludwigshafen. Ter Stadtrat hat den Beschluß gefaßt, daß von der durch die Bürgerversammlung unterni 16. Aug. 1901 genehmigten Anleihe von Mk. 1915 500 rund l1 _• Millionen durch Ausgabe städtischer Obligationen vergeben, die Restsumme aber je nach Bedarf für Straßenzwecte städtischen Fonds leihweise entnommen werden soll. Mit der IV2 Millionen- Anleihe ist für die bevorstehende Dchlachtboj-Anleihe dem emittierenden Bankinstitut das Opnonsrecyt einzuräunien. Für beide Anleihen ist ein Zinsfuß von 3i/2%, eine fünfjährige Unkündbarkeit und eine Rückzahlung in 35 Annuitäten festgestzt. Argentinische Anleihen. Der Kurs der argen- tinischen Anleihen ist neuerdings zurückgegangen, da das Goldagio sich um 4% höher stellt. Auch heißt es, daß der Konflikt mit Chile sich wieder verschärft hat. Dividende der Deutschen Reichsbank. Mali hat die Dividende dieses Instituts bisher auf 6o;o geschätzt. Soviel jedoch aus der gestrigen Sitzung des Zentralaus- fchu,ses bekannt geworden ist, können 6y4% zur Verteilung gelangen. Für 1900 konnten bekanntlich auf das alte Kapital und unter dem alten Verteilungsmodus 10,96% aus geschüttet werden. Dividenden. Die Aachen-Mastri eher Eisenbahn schlägt für die Genußscheine eine Dividende von je 15 Mk. (i. V. Mk. 21) und für die Aktien eine solche von Mk. 39 vor, d. i. 61/2% (i. V. 7y2°/o)- Die Vereinigten Smyrnateppich-Fabriken, Akt.-Ges.-Berlip, . < 1,2% (i. V. 9%). Tie Banca Italia in Rom zahlt 18 üire Dividende wie im Vorjahr. — Tie Akt.-Ges. der Gerres- heimerGlashütten werke vorm. F e r d. tz e Ye haben einen Reingewinn von Mk. 352 705 (gegen Mk. 352164) erzielt und schlagen eine Dividende von 12% gegen 10% im Vorjahre vor. — Der Tuxer Koh len verein wird, wie im Vorjahre, 15% in Vorschlag bringen. Schwerin, 18. Febr. Der Aussichtsrat der Mecklenburgischen Hypotheken- und Wechselbank beschloß die Verteilung einer Dividende von 11 Proz. 200 000 Mark sollen dem Reservefonds 2 und 50 000 Ätark dem Beamtenpensionssonds überwiesen werden. Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) H. K. Wilh. Meyer- Hörsters Novelle „Karl Heinrich", nach der der Autor sein fünjaftigeS Stück Mtt-Heidelbera" schuf, ist nicht bet Krabbe, sondern m der Deutschen SßerlagSanftalt zu Stuttgart erschienen, nachdem sie bereits vor ein paar Fahren in „lieber i^anö und Meer" zum Abdruck gekommen war. L. N. Ter Genuß von gefrorenem Obste ist immer schädlich. Am besten ist es immer, gefrorene Aepfel oder Birnen gleich zu kochen. Um gefrorenes Obst zum Genüsse wieder benu- ftellen, wird empfohlen, dasselbe in Schnee oder in ein mit Grs und Satz gemischtes Wasser zu bringen. Das Gefäß wird an einen kühlen Ort gestellt nnd nach 4 Stunden wird das Wasser abgegeben, das Obst mit einem Tuche getrocknet und darnach an einen im'ngen, iroinreien Ort gebracht. Couverts mit Firma liefert billigst Brühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 Landwirtschaft. Schutz Wirkung des Kalis gegen Frostgefahr. Zn der soeben erschienenen neuesten Arbeit der D. Lawdw. Ges. finden wir einen Artikel des Tr. Baumann in Bernau, der geeignet ist, auch in weiteren Kreisen Auf sehen zu erregen. Der genannte Herr hattö einige Versuchs felder mit Kali gedüngt, während andere eine solche Tüng- ung entbehrt hatten, und er machte die wunderbare Wahrnehmung, daß Kartoffelpflanzen, die nicht mit Kali gedüngt waren, bei einer Temperatur, die nur wenig unter Pen Gefrierpunkt sank, völlig ab froren, während die mit Kzrli gedüngten Pflanzen nicht ge s chädigt wurden. Im Jahre 1900, in einer Frostnacht Anfangs September, trat diese Schutzwirkung des Kalis in auffallendster Weise hervor. Drei Versuchsbeete, die im zweiten Anbaujahr standen, hatten noch feine Kalidüngung erhalten. Die Beete lagen auf drei verschiedenen Feldern und hatten einen Umfang vor: je 1 Ar. Die 1453 eingestellt. 4 15 800 Ctr. Nußkohlen, ca. 11 10 1436 bnrecm offen. 6 354 rm u Schott euer Straße. der Die Zusammenkunft ist an morgens 8 Uhr. 1455 Mine Nußkohlen züglicher Herdbrand zu Mk. 1.20 per Ctr. vor- 1459 2 rm Stöcke, 1074 152 200 1 8 20 103 sehr geeignet, Buchen-Scheitholz, Buchen-Prügelholz, Eichen-Prügelholz, Buchen-Stockholz, Eichen-Stockholz, 105 75 16 54 24 Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Johann Baptist Lehner von Gießen wird mangels Vorhandenseins einer den Kosten des Verfahrens entsprechenden Masse rm Buchen-Reisig, „ Eichen-Reisig, „ Fichten - Baum- und Bohnenstangen. Gießen, 18. Februar 1902. Großherzogl. Oberförsterei Schiffender g. Heyer. ca. 2500Ctr.Anthracitkohlenu. ca. 1800 Ctr. Hütteneoaks vergeben werden. Ministettalerlaß und Bedingungen liegen an Wochentagen, nachmittags von 3—5 Uhr, auf dem Verwaltungs- 1,45 fm Eichenstämme (Schwellen) mit 2.49 fm Eichenstämme (Grubenholz) mit 4,34 fm Eschenstamm mit 0,12 fm Fichtenslämme mit 2,34 fm Eschenderbstangen nu 0,65fm rm Buchenscheitholz Buchen: 259 rm Derb, 35 rm Stöcke und 975 rm Reiser. Gr.»Rechtenbach,15.Febr.l902. Das Bürgermeister-Amt. der Versender abaeholt und zum Bahnhof Ehringshausen i. H. verbracht. Tie Gefchäftsslunden für den Verwaller der Güternebenstelle sind im Sommerhalbjahr von 7—12 Uhr vorm. und von 2 bis 7 Uhr nachm.; im Winterhalbjahr von 8—12 Uhr vorm. und von 2—7 Uhr jaenm. An Vergütungen für Sendungen bis zu 50 kg werden erhoben: für Zeu- bach und Kestrich 30 Pfg., Groß- ielda und Ermenrod 25 Pfg., Schellnhausen 20 Pfg., Oberndorf 10 Pfg.; für je wertere 50 kg für alle Orte 5 Pfg., außer für Oberndorf 2 Pfg. Fulda, den 15. Februar 1902. Der Vorstand der Königl. Eifenb.- Verköhrsmspttnon. [1471 franko Keller offeriert Kcinr. Kof, Kohlenhandlg. (Bestellungen Bahnhofstr. 33, im Laden links). 974 Hungen, den 17. Februar 1902. 1468 Fürstliche Oberförsterei. IieSchvechigening vom 14. d. Mts. in der Oberförsterei Schiffenberg ist genehmigt. Die Abfuhrscheine können vom 22. Februar an bei den zuständigen Hebestellen bezogen werden. Die lieber» Weisung des Holzes erfolgt Montag den 24. Februar, Hohverstcigentng im Sirßklikr Stahtmali). Montag, 24. Februar, vormittags 97? Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald in den Distrikten Annabera und Förstersbrunnen versteigett werden: 2 Eichenstämme (Bauholz) mit BM-M-USLkeuhch-Weigermz in dem Distrikt Tiergarten bei Hungen der fürstlich SMs-KlaimftlsWn Oberförstern Hungen. Es sollen versteigett werden: Montag den 24. Februar, von vormittags 10 Uhr an: Bekanntmachung, betreffend: Das Beschneiden der Hecken. Das Polizeireglement vom 24. Februar 1882, wonach die Gatten- und Feldbesitzer die ihren Grundbesitz an öffentlichen Fahr- oder Fußwegen einfriedigenden Hecken m jedem Frühjahr bis zum 1. März auf 1,25 Meter Höhe und 0,50 Meter Brette zurückzuschneiden haben, wird mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Zuwiderhandlungen auf Grund des Art. 31 des ^eldslras- gesetzes mit Geldstrafe von 1 bis 10 Mark bestraft werden. Gießen, den 14. Februar 1902. 1448 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. 19 rm Eichenscheitholz 2 rm Birkenscheitholz 60 rm Buchenknüppelholz 13 rm Eichenknüppelholz 2 rm Nadelknüppelholz 26 rm Buchenstockholz 3 rm Nadelstockholz 9,9 rm Eichenstockholz 2290 Wellen Buchenreisig (leib’ weise Durchforstung) 1900 Wellen Eichenreisig (teilweise Durchforstung) 930 Wellen Nadelreisig. Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße an der 9. Schneise. Gießen, 15. Februar 1902. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Mecum. 1447 Wuhholz-Mrkäufe. Königliche Obersörsterei Krofdorf (Kr. Wetzlar) verkauft öffentlich meistbietend: 1. Dienstag den 18. März 1902, vormittags 10 Uhr, im Frcund'fchen Saale zu Krofdorf: Eichen = 153 fm Langnutzholz, wovon 130 fm von 16—40 cm, 21 fm von 40—57 cm, 2 fm von 70 cm Dchm. und zwar: Schutzbezirk Krofdorf, Distrikte 7, 13b, 15, 22d, Jungferannen- wald, Kreuzschläge, Kühbett = 28 fm Langnutzholz. Schutzbezirk Waldhaus, Distrikte 34, 35, 54, 58, Bäuerstädt, Münzenhau, Lindenschied = 42 fm Langnutzholz, 75 rm Schichtnutzholz, 4 und 2 m lang. Schutzbezirk Salzböden, Distrikt 77c Hardt = 83 fm Langnutzholz. Buchen = 451 fm, saft durchweg astreine und glatte Nutzstämme, von 32—76 cm Durchm. und zwar: Schutzbezirk Krofdorf, Disttikte 7, 13b, 15, Jungferannenwald und Kreuzschläge == 26 fm Langnutzholz, Schutzbezirk Waldhaus, Distttkte 54, 55b, 57a, 58, Münzenhau und Lindenschied = 422 fm Langnutzholz, Schutzbezirk Salzböden, Distrikt 77c, Hardt = 3 fm Langnutzholz. Fichten aus dem Schutzbezirk Krofdorf, Distttkte 2b, 3c, 4, 8b, 9b, 22b, 24b — 60 fm Abschnitte und Derbholzstangen, wovon 44 fm in 24b Kühbett. II. Mittwoch den 19. März 1902, vormittags 11 Uhr, im „Römischen Kaiser" zu Wetzlar: Schutzbezirk Stoppel- berg' Eichen — 212 fm von 20—55 cm Durchm., 8 rm Schichtnutzholz, 2 m lang, Fichten ----- 6 fm Abschnitte und Derbholzstangen. . _ . Tas Elchen- und Buchenholz kommt m großen Losen jum Ausgebote, nachdem vorher zur Befttedigung des Lokalbedarfs kleinere Lose ausgeboten worden sind. Verladestattonen zu 1 Lollar, Fronhausen, Kinzenbach, zu II Wetzlar. Aufmaßliften durch Sekretär Möller, Krofdorf, 100 Nummern 50 Pfg. 1454 Niitzholz-Verstcigeriing im Kemeindervald Aeiskirchen Montag den 24. Februar d. F., beginn vormittags 10 Uhr im Distrikt 2a „Haide". Eichen: 2 Stämme 1. Kl. = 7,27 fm, 2 et. II. Klaffe = 311 fm, 71 St. 1IL Kl. = 34,69 fm, 57 St. iy. ' 13,20 fm und 33 rm Nutzholz. Wcichholz: 16 Stangen I. Klaffe. Nadel : 76 Stämme 111. und IV. Kl. = 21,98 fm, 6 Stangen II. Kl., 65 Stangen IV. Kl. und 15 rm Nutzholz. Gr.-Rechtenbach, den 13. Februar 1902. 1401 Das Bürgermeister-Amt. Bekanntmachung-| Mit dem 1. Februar 1902 ist in Großsetda im Anschluß an die Gülerabferttgungsstelle Ehringshausen (oeffen) eine Guterneben- ftelle errichtet, deren Geschalte dem Unternehmer Carl Gundrum in Großselda übertragen und und deren Roll- bezw. Geschäftsbezirk die Orte Ermenrod, Gromelda, Kestttch, Oberndorf, Schellnhaufen und Zeilbach umfaßt. Dreimal wöchentlich, am Alontag, wocy und Sonnabend, werden Güter bis zu einem Höchstgewicht von 500 kg den in den genannten Orten wohnenden Empfängern m die Behausung zugeführr, abgehende Sendungen auf Verlangen Stück Eichenstämme, 4—7 m lang, 36—57 cm Durchm. = 9,36 fm, Stück Buchenstämme, 5—10 m lang, 36 49 cm Durchm. — 11,20 fm, Stück Lindenstämme, 4—8 m lang, 22 23 cm Durchm. — 1,33 fm, Stück Fichtenstangen = 5,18 fm, zu Baumpfählen usw. Gießen, 17. Februar 1902. Großh. Amtsgericht. KohlenlitstiMg. Für die Großh. chirurgische und ophthalm. Unwersitäts- Klinik soll für das Rechnungsjahr 1902/3 auf dem öffentlichen Submissionswege die Lieferung von Offerten versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis zum 8. März d. I. vormittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau einzureichen. Tie Zuschlagsfttst beträgt 3 Wochen. Gießen, 18. Februar 1902. Großh. Verwaltungs-Direktion der chirurg. und opthalm. Univ.-Klinik. Poppert. Vossius. Brennholz- Versteigerung im Gemeinden!. Sirhrrklrrn. Mittwoch, 26. Februar d.Js. Beginn vorut. 9b 2 Uhr in Distr. 18 Konradstneb. Eichen: 10 rm Derb und X__ la. Qualität Besonders günstige Gelegenheit! 2 Pfd.-Dosen Srbfeu . 36 ♦♦♦♦♦♦ | V y y Auf unsere Preisliste bei IO Dosen sortiert H5% Rabatt Gebrüder Berdux 27 Bahnhofstraße 27. 12 Liudenplatz 12. 1426 Karotten . . Stangenspargel Brechspargel. 2 Pfd.-Dosen. von 60 Pfg. an. „ 1.20 Mk. „ ,, V5 Pfg. „ Brechbobucn . 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