Montag 18.AugustLSOS ISS. Jahrgang Me heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. femt liegt. H o m bu r g v. d. H, 16. Ang. Glied standen 40 Ritter des Eisernen Kreuzes. Um 12 Uhr 45 Min. fand im Schloß Frühstückstafel statt, an der außer dem Kaiser und dem Großherzog Prinz uni) Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, der Kronprinz von Griech^enland mit seinem 12jährigen Sohne, dem Prinzen Georg, das beidersettige Gefolge, General v. Lindequist, der Gouverneur der Festung Mainz, General v. Gollas, Generalleutnant Frhr. v. Gall und Generalleutnant von Deines teilnahm. Die Tafel trug einen streng militärischen Charakter. Ter Kaiser sandte gestern abend sofort nach seiner Ankunft an die Oberpräsidenten der Rheinprovinz und Provinz Hessen-Nassau folgendes Telegramm: Mainz, den 15. August Ich habe heute bei meiner herrlichen Fahrt von Düsseldorf nach Mainz überall an den Usern des Rheins von allen Ortschaften so zahlreiche schöne ergreifende Beweise patriottscher Gesinnung erfahren, daß ich gleich bewegten Herzens hierfür meinem Dank Ausdruck geben will. Ich beauftrage Sie, dies den Beteiligten bekannt zu machen. Wilhelm. Gestern abend kamen zur Ankunft des Kaisers und zur Besichtigung der Rheinbeleuchtung außerordentlich viele Fr em d e hierher, die Hotels waren überfüllt. Der Sicherheitsdienst war sehr umfangreich. Leider kam auch ein schwerer Mißgriff vor. Ein Gendarm verhaftete am Rheinufer während der Kaiserankunft eine fremde Dame, angeblich- weit sie sich ,-auffällig" benommen habe. Die Dame wurde von dem Gendarmen nach dem ersten Polizeibezirk verbracht, hinterher folgte deren weinendes Dienstmädchen und Hunderte von Neugierigen. Die Dame konnte sich, auf der Polizei als Kurgast aus Wiesbaden auswetsen, sie ist eine Baronin aus Berlin. Sie wurde von der Polizei sofort unter EntschuldigungK. Worten entlassen, während der Gendarm in ihrem Beisein eine scharfe Rüge wegen Ueberschreitung seiner Amtsbefugnisse erhielt. Ueber einen noch unaufgeklärten Vorfall schreibt der der „M. Ai" unter der Spitzmarke: „Ein Attentat «er?"' Zum Wachthabenden der Bingerthorwache kam gestern nachmittag ein in den vierziger Jahren stehender, unbekannter Mensch und erzählte ihm, daß er auf den deutschen Kaiser schießen müsse; er habe in Brühl bei Köln mit zwei anderen Genossen gelost und ihn habe das Los getroffen. Der Wachthabende ließ den Unbekannten, der geistig nicht ganz normal zu sein schien, durch einen Schutzmann abholen. In seinem Besitze befand sich ein Notenblatt mit der französischen Nationalhymne. Waffen führte er nicht bei sich, er gab jedoch an, daß ihm hier von einem Parteigenossen ein Revolver verabreicht werden würde. Zur Ausführung seines Vorhäbens will er die Reise von Brühl hierher gemacht haben, in Dingen sei ihm sein Geld ausgegangen, weshalb er seine Uhr habe versetzen müssen . Der K a i s e r reiste heute mittag 4 Uhr mittelst Sonder- zugs nach 5>omburg roeiter, während der GroHerzog nach, Schloß Wolfsgarten fuhr, woselbst der Hofhalt bis zum 12. September bleibt. Von diesem Tage ab bis zum Schluß der Manöver wird der Großherzog Wohnung im Schlosse zu Friedberg nehmen, da das anfangs vorgesehene Jagdschloß Romrod zu wett von dem Manöverterrain ent- märsche statt. Das erste Mal, die Infanterie in Kompagniefront, die Kavallertt im Schritt, das zweite Mal die Infanterie in Regimentskolonnen, die Kavallerie im Trab, die Arttllerie auf Befehl des Kaisers in russischer Formation (Batteriefront). Der Kaiser, der Großherzvg und die Prinzessin Friedrich Karl von Hess en führten beide Male ihre Regimenter persöinrich vor. Nach beendeter Parade formierten die Regimenter auf Wunsch des Kaisers Spalier, durch das der Monarch- um von jedem seiner Soldaten gut gesehen werden zu können, in langsamem Trab an der Spitze der Fahnenkompagnie das Paradefeld verließ, um durch die Stadt nach dem Schloß zu reiten. Der ganze Weg war von Tausenden von Menschen besetzt, die den Kaiser jubelnd begrüßten. Auf dem Schloß- rlatz hatten die Krieger^Bereine der hiesigen Kreise Aufteilung genommen, um chrem Kriegsherrn ihre Huldigung darzübringen. Als der Kaiser und der Großherzog an der Spitze der Fahnenkompagnie in das Schloß einritten, wurden sie von einer zahlreichen Menschenmenge mit begeisterten Zurufen empfangen. Auf dem Schloßplatz hatten die Krieger vereine des Bezirks „Hassia" mit 12 Fahnen unter Oberstleutnant Cramolini Aufstellung gefunden, die dem Kaiser Huldigungen bereiteten. Im ersten Ter Kaiser sprach am Bahnhof längere Zett mtt dem Landrat Dr. v. Meister und dem Bürgermeister Mtter von Marx. Beim Austritt aus dem Kaiser-Pavillon und auf der Fahrt nach dem Schlosse wurde das Kaiserpaar von! der dichten Zuschauermenge mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Während der Fahrt nach dem Schlosse läuteten die Glocken. Homburg, 17. August. Ter Kronprinz traf zu längerem Aufenthalt am kaiserlichen Hofe heute morgen hier ein Die kaiserliche Familie wohnte heute vormittag dem Gottesdienst in der Schloßkirche bei. Der Kaiser besuchte später den Herzog von Cambridge und den Großherzog von Mecklenburg-Stte- litz Prinz und Prinzessin FriedrcchCarlvouHessen, der griechische Kronprinz und die Kronprinzessin sowie Erbprinz und Erbprinzessin Bernhard von Sachsen-Meiningen 'tatteten heute nachmittag dem Kaiser und der Kaiserin einen Besuch ab._______________________________________________ Politische Wochenschau. P. W. Gießen, 18. August. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel war die Wirkung der kaiserlichen Depesche an den Prinzregenten von Bayern. Wir haben vorausgesehen, daß man sich in Bayern über die angebliche Einmischung in die Rechte des Parlaments entrüsten würde, wenn auch ohne rechnen Grund. Die bayerische Kammermehrhett hat die. Summe für Kunstzwecke gestrichen, und diese Summe bleibt gestrichen. Daß der Kaiser demgegenüber seinen Gefühlen kräftigen Ausdruck gegeben hat, tarnt jeden Kunstfreund nur von Herzen erfreuen und erfrischen, mußte aber jeden politisch Wägenden mit schweren Bedenken erfüllen, die, schon nach den von uns wiedergegebenen bayerischen Preß- stimmen, sehr berechtigt gewesen sind. Die Depesche, von der jetzt bekannt wird, baß Graf Bülow beim Prinzregenten, der sie als Privat suche behandelte, die Erlaubnis zur Veröffentlichung nachsuchte, wird in Bayern §u scharfer Agitation benutzt. Man will in nächster Zett überall Protest Versammlungen abhalten. Daß es sich thatfächlich nur um eine rein persönliche Meinungsäußerung, die keineswegs rückwirkende Kraft haben sollte, handelt, ging ja schon aus der Absicht des Kaisers hervor, die gestrichene Summe dem Prinzregenten sofort zur Verfügung stellen zu wollen. Aber das geniert die Agitatoren weiter nicht. Ein reicher Kunstfreund in Bayern war freilich schon längst dem Kaiser zuvorgekommen und hatte für seine 100 000 Mark-Spende bereits fürstlichen Dank geerntet, als das Kaisertelegramm in München eintraf. Die Thatsache, daß man, wie wtt voraussahen, den Inhalt des Telegramms als einen derben Hieb auf die bajuvarischen Reservatempfindungen auslegt, entbehrt indes nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik; wie man sich erinnert, waren die Münchener garnicht böse, als anno 1894 der Kaiser die ihm testamentarisch vermachte Galerie 115. Infanterie-Regiments. Alsdann, nach der Besichtigung des Dragoner-Regiments, fand Gefechtsübung statt, zu der Generäl von Lindequist die Idee angab. Generalmajor v. Viebahn und Flügeladjutant Oberst v. Jacobi führten die Truppen gegeneinander. Wahrend des Gefechts übermittelte ein optischer Telegraph fortwährend Kommandos. Plötzlich überbrachte ein Generalstabsoffizier einen persönlichen Befehl des Kaisers, demzufolge das 88. Infanterie-Regiment in den Kampf eingreifen sollte. Das Regiment war völlig überrascht; es hatte nicht einmal Platzpattonen bei sich, Tie Reservetruppen rückten mit klingendem Spiel ins Gefecht. Ter Kaiser verließ mtt seinem Stabe feinen bischerigen Standpunkt und schoß sich den Reservettnppen an. Die zwei Kavallerie-Regimenter waren zur Attacke an einander geraten, und die Schützenlinien, welch Burentaktik ausübten, waren sich ebenfalls schon bedenllich nahe gerückt. (Tie Biirentaktik besteht darin, daß die Schützenlinien ganz weit auseinandergezogen werden, um dem Ar- tillerieseuer ein weniger ausgedehntes Schießfeld zu geben.) Hierauf ertönte das Signal „Das Ganze Halt" und gleic daraus der Offiziersruf. Tas Gefecht war zu Ende und die Truppen fteftten sich zum Parad emarsch auf. An deni Vorbeimarsch, der em glänzendes militärisches Schauspiel bot, beteiligten sich die Infanterie-Regimenter 80, 87, 88, 1 16, 11, 118, die Unteroffizrerzchüler aus Biebrich, das Fuß-Art.-Regiment General-Feldzeugmeister, die Feldarttllerie-Regimenter Nr. 27 und 63, und die Dra- gouer-Legimenter Nr. 23 und 24. Es Landen m Vorbei- N des Grafen Schack in München ließ! Die ganze Entrüstung jetzt ist schließlich auch garnicht so schlimm; fast wird man, nach der Aachener Rede, geneigt zu der Einsicht: „Was s i ch l i e b t, d a s neckt sich"! Es wird ja jetzt zweifellos innerhalb der blauweißen Pfähle viel geschwatzt werden von Anmaßungen und Uebergriffen Preußens, doch dem bierbankbösen Bayer vergeht auch wieder hinter dem Maßkrug der Aerger, zumal es sich in der ganzen Angelegenheit um eine Kunst frage handelt, wofür die Vertreter des bayerischen Volkes in ihrer Mehrheit, wie man ja gerade aus dieser Veranlassung'wieder einmal mit krassester Deutlichkeit erkennt, nach Intellekt unb Erziehung weniger inklinieren. Kennzeichnend ist die taktvolle Zurückhaltung und Ruhe der west- und norddeutschen Zentrumspresse; sie ist fing genug, zu schweigen, um der gesamten anderen Presse Kritik mit umso größerer Genugthnung aufzunehmen und sich daran zu erfreuen. Andere holen für sie die Kastanien aus dem Feuer! „Dös is g'scheidt!", werden die schlaueren Bayern verständnisvoll schmunzeln. Alles in allem genommen: eine Anteilnahme des Kaisers an parteipolitischen Dingen farm unter' allen Umständen als für die ruhige Entwickelung einer schwebenden Frage nicht günsttg beurteilt werden, wenn auch dem Kaiser niemand das Recht seiner Meinungsäußerung beftreiten kann. Der Staatssekretär Graf Posabowsky ist in Urlaub gegangen, unb die Zolltarifkommission hat die erste Lesung beendet, sich aber nun auch gleich bis zum 22. September vertagt. Allen 102 Sitzungen hat der Gras mit beigewohnt. Man sagt, er sei nun nicht allein kom- missions-, sondern sogar amtsmüde und wolle nur noch stanbhalten, bis der Zolltarif gesichert sei. Nun, dann darf der Herr Graf aber noch nicht zu müde sein. Die Fettenzeit soll nun zu Verständigungen der Fraktionen untereinander und mtt der Regierung benutzt werden. Wir fürchten nur, daß auch hierbei nicht viel herauskommen wird. Ob die Kommission in ihrer zweiten Lesung positive Ergebnisse zu verzeichnen haben wirb? Es scheint einigermaßen fraglich, ob sie in ber kurzen Zeit vom 22. Sept, bis 14. Dfty an welchem Tage ber Reichstag seine Pforten roieber öffnet, mit ber Durchberatung fertig wirb. Dann wirb viellttcht ber Reichstag mit ber zweiten Plenarberatung der Teile, bie inzwischen in ber Kommission erlebigt sind, beginnen. Jedenfalls kann er einen dahingehenden Beschluß fassen. Daß ber Reichstag freilich in bie Sage kommen wirb, über bie]en Zolltarif sein enbgilttges Urteil zu sprechen, ist nicht besonbers wahrscheinlich. Im Auslanbe ging es in ber letzten Woche auch leb* härter zu, als in den vergangenen Juli- unb Augusttagen. Die Schließung ber K o n g r e g a t i v n e n i n F r a n k r e i ch, bie in ber Großstabt Paris verhältnismäßig ruhig von ftatten ging, stößt in Iber Provinz aus energischen Widerstand. EZ sind, in einem Städtchen sogar schon Barrikaden zmn Tie K a i f e r i n empfing gestern den Besuch, ber iß rin» zessin Friedrich Karl von Hessen, die mit ihren Söhnen von Schloß Fttedrichjshof emgetroffen war. Am Nachmittag unternahm die Kaiserin in Begleitung des Prinzen Joachim unb der Prinzessin Viktoria Luise, der Hof- bame Gräfin Keller unb des Leibarztes Tr. Zunker eme Spazierfahrt nach der Saalburg, wo Baurat Jaeobi die Führung übernahm. Heute mittag war Professor von Esmarch mit Gemahlin, geb. Prinzessin von Schleswig-Holstein, zur Tafel geladen. . Ter Graf von Turin traf heute Bier emunb stattete ber Gemahlin des amerikanischen Gesandten in Rom einen Besuch ab. „ Der Kaiser traf mittels Sonderzuges um 5 Uhr 2o Minuten in Begleitung des Kronprinzen von Griechenland und des Prinzen und der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen hier ein. Zum Empfange waren am Bahnhofe die Kaiserin mtt dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise erschienen. Ter Kaiser verabschiedete sich auf dem Bahnhofe von dem Kronprinzen von Griechenland und den hessischen Herrschaften, welche sich nach Schloß Fried- ttchMo f begaben. Der Kaiser in Kessen. Bünden, 15. August. Zur Begrüßung des Kaisers hatten sich Dauseiche I von Menschen aus Bingen und Umgegend am Rhein ausgestellt. Um 7 Uhr kamen die Schulkinder und die Vereine, um Spaliere zu bilden, die Häuser wurden, obwohl ' es noch hell war, beleuchtet. Die Ufer, die Häuser der Stadt waren reich beflaggt. Um 8 Uhr gab ein Schütz auf der Insel am Mäuseturm das Zmchen, daß das Kaiserschiff eben lujm die Ecke komme. Auf der Eisenhöhe, oberhalb Bingerbrück, vom Rochüsberg, Scharlach,köpf, auf allen Rheinschliffen ertönten Böllerschüsse, in prächtigem bengalischen Feuer erstrahlen die Ruine Ehrenfels, die Burg Klopp und das drattonaldenkmal. Das Kaiserschiff „Auguste Bik- totta" nahm die birefte Richtung auf Bingen und fuhr nur wenige Meter vom Ufer entfernt vorbei. Der Kaiser winkte unaufhörlich mit ber Hand. Bei der Vorbei fahrt tönten feierlich die Glocken der Rochpskapelle. Auch am Ufer bei Kempten waren hohe Feuer angezündet. . Einen herrlichen Eindruck machte das gegenüberliegende Rüdesheim, wohin das Kaiferfchliff jetzt die Richtung nahm. Ta die Dunkelheit schon toeiter fortgeschritten war, gewährte das freundliche Rheinstädtchen, in dem jedes GÄäUde, staatlich oder privat, illuminiert und bekränzt war, em prachtvolles Bild. An den Ufern waren mit Fähnchen und Lampions die Schulkinder ausgestellt, weiter die Vereine, und hinter diesen drängten sich Hundette von Menschen. Bei der Durchfahrt hat sich der Kapitän des Dampfers „O v e r st o l z" in durchaus nicht rücksichtsvoller Weise gegenüber dem am Ufer entlang stehenden Publikum benommen. Als das Kaiserschffs um die Ecke kam, hatten aUe7 Schiffe still zu stehen, bis es vorbeigefahren. Ter „Overstolz" manövriette nun noch- bis das Schliff des Kaisers in nächster Nähe, vielleicht 10 bis 15 Meter am Ufer vorbeikam, in geradezu beängstigender Weise in dessen Fahrwasser herum, dann drehte er direkt vor den Kriegervereinen bei, denselben vollständig die Aussicht verlegend. Der „Overstolz" hätte ganz gut dem Beispiel der anderen Schiffe folgen und sich weiter draußen bei» orehen können, aber trotz wiederholter Aufforderung wich der Dampfer nicht vom Platze. Mainz, 16. August- Heute früh halb 8 Uhr empfingen Ob erbürgerm erster Dr. Gaßner und Provinzialdirektor Fahr. v. (Sfagetn im Auftrage des GrohherzogK am Bahnhofe die drei Schwestern des Kaisers, die Erbprinzessin von Meiningen, die Kronprinzessin von Griechenland und die Pttn- zessin Fttedrich Karl von Hessen. Letztere hatte die Uniform ihres Regiments v. Gersdorff angelegt. Born Bahnhofe begaben sich die Prinzessinnen sofort zu Wagen nach dem Truppenübungsplatz. Um 6 Uhr ftüh waren die Fahnen von einer Konrpagnie des 116. Jnsantette-Regi- ments aus dem Gouvernement abgeholl und zu den Regimentern gebracht worden. Ter Kaiser verließ gegen 8 Uhr das Schloß und begab sich über die Rheinallee, also auf einem anderen Wege, als erst vorgesehen war, nach dem Großen Sande. Dirett nach der Ankunft begann die Besichtigung des 23. Dragoner-Regiments. Der Presse stand Leutnant Gttseler vom 63. Infanterie-Regiment zur Sette und erteilte bereitwilligst jede Auskunft. Nach einer kurzen Kritik, bei welcher der Kaiser sagte, daß das Regiment flotteTempi genommen und von seinem Kommandeur, Oberstleutnant v. Werder, gewandt vorgefühtt worden sei, setzte sich der Kaiser an die Spitze des Regiments und fühtte es selbst zur Attacke. Im Gefolge befand sich! auch der Erbprinz von Meiningen. Nach ber Attacke machte das Regiment plötzlich eine Schwenkung. Leutnant Geiseler rief den Vertretern der Presse zu, bie Erhöhung, auf der sie ständen, zu verlassen, und im nächsten Augenblick sauste auch schon das Dragoner-Regiment über die Erhöhung und nahm bann in kurzer Entfernung davon eine tadellose Aufstellung. Der Kaiser trug die Uniform des Gießener! 116. Regiments, der Grotzherzo g die Uniform des Nr. 192 drsch sirrt täglich außer Sonntags. DernGießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zmnilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u. Stein- druckerei(Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schttlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. _ Bezugspreis: monatlich 7bPf., viertel- ▼ MI ▼ - jährlich Mk. 2.20; durch Eichener Anzeiger- ** General-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WWZ V zeigenteil: Hans Beck. rh Vkutz-f^n geftllschastlrchen DrrDech r 3c treten miträremm MsTSREgiment Ui o ne Chocolade Waffeln ÄS j 2. Tapezierarbeit 42.55 5768 Das JÖEAL einer preis. 5771 ia. Mkiler- 5785 *) Giessen: Pelikan-Apotheke. 5049 Victoria-Drogerie, Marktstrasse 5, Adolf Bieler. ■____ Ä V Syrnq>ock.h-i e einander näher getreten und haben wahrend der ganzen Dauer der Begegnung in geradezu herzlicher Freundschaft miteinander verkehrt. Bei dieser Gelegenheit hat zweifellos der Kaiser aus dem Munde des Zaren die Bürgschaft für die dauernde Aufrechterhaltung des Weltfriedens erlangt. So erklärt es sich daß der Kaiser nach seiner Rückkehr aus Rußland wiederholt zu betonen in der Lage war, jetzt halte er den Weltfrieden aus lange Jahre hinaus für gesichert. Petroleum-, Gas- und elektrische Beleuchtungskörper: in grösster Auswahl, jeder Preislage und Geschmacksrichtung. Gasherde und Petroleumherde neuester Konstruktion und äusserst sparsamen Brand. 4628 Angebote sind verschlossen bis zum 21. d. Mts., vormittags 11 Uhr, mit entsprechender Aufschrift portofrei auf hiesiger Bürgermeisterei einzureichen und wird an diesem Tage auch die Ocffnung der Offerten stattfinden. Voranschlag und Bedingungen können vorher daselbst versetzten Leu tn-auch der nur bürgerlich und nicht auch kirchlich getraut war. — Man macht dem Minister den Vor- Ludwigsplatz 5 5702 esugesehen werden. Allendorf a. Lahn, am 15. August 1902. Großh. Bürgermeisterei Allcndorf a. Lahn. Volk. Marcus Bauer 11 Kirchenplatz 11 Telephon 269 $firrn», Knuden, n.^iu^rr^npigt Anfertigung nach Maß unter Garantie für gute Paßform in eigener Werkstätte. Arbeitsvergebung. Die zur inneren Herstellung einer Lehrerwohnung zu Allendors a. Lahn nötigen Arbeiten sollen auf dem Sub- ^uissionswcg vergeben werden: 1. Weißbinderarbeiten veranschlagt zu 115.85 Mk. Schrche der Lorrneu errllHtet worden. SSmn ie Verweigerung findet bestimmt statt. 5776 Born, Gerichtsvollzieher. Couverts mit Krim billigst Vrühl'jche Universitäts-Druckerei. rourf, daß er höhere Offiziere, die an den Gebraten der k a t h o - lischen Kirche tellnehmen, von der Beförderung ausschließt und er hat im Oktober o. I. thatsächlich auch diejenigen Leute, welche sich um Freiplätze in den Schulen von St. Cyr bewarben, ohne weiteres zu rückgewi es en, wenn sie aus von Geistlichen geleiteten Schulen kamen. Für das Heiraten der Offiziere hat er alle beschränkenden Bestimmungen, wie z. B. Nachweis von Vermögen, aufgehoben und es kann nun jeder Offizier jedes beliebige Mädchen heiraten, wenn sie nur das vom Genbarmen desWohnortes ausgestellte Leumundszeugnis beümngen kann. — Im vorigen Jahr wurde der General Bourgogne einer von ihm veröffentlichen Broschüre wegen ohne weiteres verabschiedet und im Januar d. I. wieder angestellt, weil der Minister die Beschwerde des Generals im Senat zu gewärtigen hatte. — Im Juli d. I. beklagte sich im „Gaulois" der Oberst Heiligmeyer vom 1. Kolonial- regiment über die Rücksichtslosigkeit, daß man ihn, obgleich er in -eyn Monaten die Altersgrenze erreicht, nun nochmals nach Tonking sendet. Bei Verabschiedung von feinem Regiment wünscht er int Tagesbefehl seinen Kameraden, daß sie am Ende ihrer Laufbahn besser behandelt werden und er protestiert gegen diese Behandlung, die ihm nach 22 Feldzügen zu teil geworden ist. Solche und ähnliche Fälle werden in den großen politischen Blättern fortgesetzt besprochen; eS geht daraus hervor, daß sich seit Andres Ministerschast jeder Offizier, der mit seinen Vorgesetzten unzufrieden ist, unter ausführlicher Darlegung seines Falles an die breite Oeffentlichkeft wendet, ein für das soldatische Auge gewiß eigenartiges Bild. Der Ton, in dem die nationalistische Preffe den Kriegsminister behandelt, entspricht denn auch der Stimmung im OffizierkorpS. Der „GauloiS" nannte ihn einen „Don Ouichote" mit der berühmten Rosinante, die seit 48 Stunden keinen Hafer gesehen, und „L'Jntransigeant" erzählt, daß in einer Kürassierkaserne in Fontainebleau eine Anzahl von TySenterie-Fällen vorgekommen seien, daran wäre der Genuß von schlechtem Wasser schuld. „Der Trunkenbold Andrö", fährt „L'Jntransigecmt" fort, „kollert unterdessen von Bankett zu Bankett. Alle Tage wurde dieser elende Trunkenbold in den Rinnsteinen auf- ; ekesen. Er hat einen so unwiderstehlichen Abscheu vor dem Wasser, daß ihm die Versorgung der Armee mit dieser Flüssigkeit ganz untunlich erscheint. Natürlich, ein Kriegsminister, der schon eit langer Zeit keinen Tropfen Wasser in seinen Abfvnt gemischt hat, kann dieser Frage keinen Geschmack abgewinnen. Gegenwärtig begiebt sich der ministerielle Trunkenbold nach Bonville, angeblich um dort den Divisions-Manöoem beizuwohnen." Diese kleinen Stichproben genügen, um neben anderem zu zeigen, bis zu welchem Grade von Verhetzung daS Hineintragen von Politik in andere Dinge Ahrt. Und wenn man auch den Umstand in Rechnung zieht, raß der republikanische StaatSgedanke die Verhältniffe im ranzösischen OffizierkorpS ohnehin schwierig macht, — der redselige Kriegsminister trägt wenig dazu bei, die fich daraus ergebenden verhängnisvollen Gegensätze auszugleichen. Bei unS zu Lande wirkt natürlich alles Revanchegebrüll nur lächerlich. Zudem hat, wie wir ja wissen, unser ftaifer in R eval den politffch nicht hoch genug zu veranschlagenden Erfolg gehabt, die Zurückhaltung zu überwinden, die der Zar selbst dem Kaffer gegenüber bei allem sonstigen gegenseitigen Einvernehmen bisher noch immer beobachtet hatte. Die beiden Monarchen sind, wie wiederhott sehr bestimmt auf beiden Seiten versichertwurde, mit der rückhaltlosesten Allszaz ans iikll Kirchelllmcheril irr Stadt Sießtn. Evangelische Gemeinde. Getraute. Matthäusgemeinde. Ten 9. August Peter Schomber, Taglöhner zu Gießen, und Franziska Kaczmarek, Tochter des oerftorbenen Arbeiters Stanislaus Kaczmarek zu Bary (Kreis Wrefchen). Ten 10. August. Otto Willy Müller, exhloffer zu Gießen, und Karoline Eharlotte Marie Meinhardt, Tochter des Obst- und Gemüsehändlers Christian Meinhardt zu Gießen. — Markusgemeinde. Den 14. August. August Albert Georg Nikolaus Schönwetter, Lehrer zu Mensfelden, und Mathilde Stockbaufen, Tochter des Bäckers und Mirts Julius Stockhausen zu Allendors a. d. Eder. — Lukasgemeinde. Ten 10. August. Johann Jakob^Laun, Schuhmacher ju Gießen, und Elise Kreiling, Tochter des Taglohners Johannes Kreiling zu Gießen. August Haberkorn, Forstasseffor zu Treieichenhain, und Johanna Mathilde Elisabeths Hermann, Tochter des Kaufmanns Heinrich Karl Hor- mann zu Gießen. — Johannes gemeinde. Den 10. August. Geora Ludwig Heinrich Beck, Großh. Steueraufseher zu GietzQ: und Anna Luise Spies, Tochter des Fuhrunternehmers Christoph Spies zu Gießen. Den 12. August. Kaspar Otto Urftabt, Oberlehrer am Gymnasium zu Gießen, und Marie Wilhelmine Henriette Karoline Luise Tiehm, Tochter des Kaufmanns Franz Tiehm zu Lauterbach. Getaufte. Matthäusgemeiude. Den 10.August. Dem Dachdecker Wilhelm Fischer eine Tochter, Marie, geboren bet 24. Juli. Dem Lokomotivheizer Heinrich Etzelmüller eine Tochter, Marie Lina, geboren den 1. Juli. Dem Bureauvorsteher Heinrich Rothe ein Sohn, Johann Georg Heinrich, geboren den 25. 9)Iol Den 12. August. Dem Barbier Adolf Langsdorf ein Sohn, Albett Hermann, geboren den 16. Juli. — Markusgemeinde Den 10. August. Dem Lokomotivheizer Konrad Alt em Sohn, Heinrich Johann, geboren den 12. Juli. Dem Lokomotivheizer Ludwig Äff eine Tochter, Ottilie Amalie Helene, geboren den 22. Juli. Den 14. August. Dem Gastwirt Michael Kreiling eme Tochter, Philippine Marie Anna Hedwig, geboren den 11. 5silli.— Lukasgemeinde. Ten 10. August. Dem Bahnarbeiter Philipp Bohrmann eme Tochter, Ella Maria Getrude Friederike Kathanne, aeboren den 17. Juli. Dem Schlosser Johannes Roth eine Tochter, Marie, geboren den 15. Juli. Dem Schuhmacher und Witt Louis Luter em Sohn, Erich, geboren den 11. Juli. — Jo Hannes- gemeinde Den 10. August. Dem Straßenkehrer Daniel Müller eine Tochter, Johanna Sidonie Margarethe, geboren den 11. Juni. Dem Schuhmacher Robert Mader ein ^ohn, Georg Johannes Rodert, geboren den 12. Juli. Beerdigte. Johannes gemein de Den 13. August Ehristine Rühl, geb. Wagner, Witwe des Werksührers Theodor Rühl, 64 Jahre alt, starb den 11. August. W.McnieurLW^ allen Fächern des Baufaches^ Off. erb, unter Nr. 03491 an die (^p. süchtige Leute suchen eine gut» ~ gehende Wirtschaft. Kaution kann m jeder Höhe gestellt werden. Offert, mit. A 03499 an die Gxped. d. Bl. abzugeben.______ Student erteilt während der Fetten Nachhilfestunden. Off. unter Nr. 03530 an die Exped. Iwiedrldilheii Dienstag, Donnerstag und Samstag, 5017 von vormittags Uhr an bei B. Schomber, WallihoiA-hr. Prima Kognak i Spezialmatte, garantiert, stanz. Verschnitt, ärztlich empfohlen, per Ltterflasche 2 Mk., ist der preis- roertefte und beliebt wegen seines vorzüglichen Geschmackes. Ferner gelten meine französischen Kognaks unter Ottainalverschluß als die besten, welche der Niarkt bringt E. Dort, Wallthorstr. 45. Fritz Eccarius, Giessen: Markt 7. Wilhelm Orbig Nachfolger. Markt 7. <