Nr. 166 Zweites Blatt. 152. Jahrgang Freitag 18. Juli 1903 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bi. Brühl'sche Univer). Buch-u.Stei. dr ackere i (Pietsch Erben) öieoafuc. Expeditw.. um Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. ^ernsprechanschluß Nr. bl. GichenerAnzeiger Seneral-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen BezugSpreiSr monatuch75 Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6d Pf.; durch diePost Mk. 2.— viertel jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal 12Pf- auswärts 20 Psg, Verantwortlich: für den oolit. u. allgem« Teil: P. Wittko: für „Stadt und £anb* und „Gerichtssaal': CUri Plato; für den An- zeigenterl: Hans Beck, Die Heutige Dummer umsaßt 8 Seiten. Politische Tagesschau. Herrn von Podbielski's Festrede. Auch im agrarischen Lager wird der gestern von uns widergegebene Bericht des „B. T." über Herrn von Pod- bielski's eindringliche Festessen-Rede in Stolp auf seine Echtheit natürlich angezweifelt, sowohl von der ihn in knappester Kürze abdruckenden „Deutsch. Tagesztg." wie von der „Kreuzzeitung"; beide können „kaum annehmen", daß der Minister eine derartige Rede gehalten habe. Aber beide scheinen doch im Grunde die Möglichkeit zuzugeben, daß es der Fall sei. Wenigstens die „Kreuzztg." bemerkt im Zwischensatz, daß der Minister es ja ab und zu liebe, seinen Gedanken und Ansichten in, wie man zu sagen pflegt, „sprudelnder" Weise zum Ausdruck zu bringen. Weiter spricht dafür, daß die „Kreuzztg." die Möglichkeit der Rede nicht ganz von der Hand weist, eine längere Polemik gegen den Inhalt der Rede, insbesondere gegen den Satz von der Unnachgiebigkeit der Regierung in Sachen des Zolltarifs. Die „Deutsche Tagesztg. dagegen begnügt sich mit ihrem kurzen Zweifelsatze. Herr v. Podbielski hat den Bericht noch nicht dementiert; in der heutigen „Nordd. Allg. Ztg." findet sich nichts darüber. (In unserem gestrigen Artikel sollte es übrigens nicht heißen:. „Herr v. Podbielski hat leider mit seltener Aufrichtigkeit" :c., sondern „hat hier mit seltener Aufrichtigkeit" re.) Parlameutsmüde. Der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, 2Lbg. Frhr. b. Wangenheim, hat auf eine Anfrage bestätigt, daß er sich nach Ablauf seines Vertrages vollständig vonderpolitischenThätigkeitzurückzuziehen beabsichtige. So wird uns heute aus Berlin gemeldet. Merkwürdig, wie sich die Zahl der Parlamentsmüden mehrt. Es vergeht kaum eine Woche, ohne daß dies Register neuen Zuwachs erhält. Ist es der „Ton" in den Parlamenten, der mißfällt ? Sind es die immer mehr in die Länge sich ziehenden Sitzungen? Ist es die Zeit- und Berufsver- säumnis? Der Diätenmangel? Run, das hauptsächliche Motiv ist wohl die Enttäuschung, die in den meisten Fällen die Parlamentsmüdigkeit hervorruft. Der Erwählte des Volkes hat es sich so ganz anders vorgestellt, was er im hohen Rat ausrichten könne, durch, sein Auftreten, seine politischen und wirtschaftlichen Kenntnisse, seine soziale Stellung und, nicht zuletzt, durch der Rede „Zauberton". Das ist erklärlich: Wenn ein Wahlkandidat in so und so viel Versammlungen den „Leuten" klar gemacht hat, daß es „anders" werden müsse, mit bescheidener Anspielung, daß der rechte Mann dafür augenblicklich sich präsentiere, — dann bildet sich schließlich eine unumstößliche Ueberzeu- gung heraus, daß es sich wirklich so verhält. 'Wie Wenige sind es aber im Grunde, die im Parlament wirkliche Bedeutung besitzen, eine entscheidende Rolle spielen durch Handlung und Rede; wie Wenige, die von den Regierungsmitgliedern, wir wollen nicht sagen: umworben, jedenfalls stets ins Auge gefaßt werden, wenn die parlamentarischen Chancen einer neuen Vorlage zu erwägen sind! Eine „Handvoll" sozusagen. Da ist denn für ehrgeizige Politiker — und welcher Politiker hat nicht das Ziel oder den Traum, seinen Namen auf die eherne Tafel des Ruhms zu schreiben! — eine verstimmende, bedrückende Empfindung, nur zu den Berufenen, nicht zu den Auserwählten zu gehören. Je ereignisreicher die Politik sich gestaltet, je größere und wichtigere Aufgaben dem Parlament zufallen, umsomehr wächst dies Unbehagen, nicht mit an der Spitze zu sein. Es giebt Naturen, die sich absolut nicht in die zweite Rolle finden können. Ob dies auch vom Abg. Frhrn. v. Wangenheim gilt, wissen wir nicht. Aber es wäre nicht zu ücrtounbcrn, wenn der Vorsitzende des „Bundes der Landwirte" das Parlament satt hat, weil er sich unbefriedigt fühlt von der Position, die er dort einnimmt. „Tonangebend" ist der Nachfolger des Herrn v. Ploetz keineswegs auf der Rechten; das hat sich mit markanter Deutlichkeit gezeigt beim Zoll-Kompro- mißantrag, der hinter den Forderungen des „Bundes der „Bundes der Landwirte" beträchtlich zurückblieb. Die „Kreuzzeitungs-Konservatioen" fühlen sich geniert durch die „Kontrolle", welche gewissermaßen die Vertreter des „Bunds der Landwirte" über die agrarischen Gesinnungen ausüben. Die Herren erkennen den „Bund" durchaus nicht als Autorität an, und so werden denn oft von der Mehrheit der konservativen Fraktion Beschlüsse gefaßt, die der „Bund der Landwirte" kurz zuvor als „schwächlich", als „halbe Arbeit" in der Presse und in Versammlungen bekämpft hat. Frhr. v. Wangenheim kommt nicht au, gegen Führer wie die Grafen Kunitz und Limburg. Und das wird sein Schmerz sein. Daß der Verlust für den „B. d. L." erheblich ist, verzichtet Frhr. v. Wangenheim auf die Wiederwahl, das läßt sich kaum behaupten. Taktische Geschicklichkeit hat mau an Herrn v. Wangenheim nicht bemerkt, und als Redner wirkt er durch die Nüchternheit und Nonchalance des Vortrags wie eine Flasche Selters. Sturmlauf gegen die Gerichtsferien. Daß in diesem Jahre von den verschiedensten Seiten aus, von Handelskammern, von industriellen Vereinigungen, voll der Presse^ von angesehenen Privatpersonen und von Richtern selber ein förmlicher Sturmlauf gegen die Gerichtsf erien unternommen wird, beweist doch wohl. daß die Abänderung dieser veralteten und mit großen Nachteilen für den Rechtsuchenden verbundenen Einrichtung eine absolute Notwendigkeit ist. Es kann kein Zweifel sein, daß diese Reform auszuführen ist Was in jeoer anderen Verwaltung thunlich ist, was in dem größten Privatbetrieb durchgeführt werden kann durch das einfache Mittel der Ser? tretung, der Ablösung auf Grund zweckmäßiger Einteilung — warum sollte es in der Rechtspflege unthunlich sein? Die Strafrechtspflege kennt ja auch keine Unterbrechung. Es muß eben die Zahl der Richter gesteigert werden. Gegen diese Mehrbelastung des Justizetats wird man sicherlich in keinem Landtage Einspruch erheben. Zur Abänderung der Gerichtsferien ist, worauf die „Nottonalztg." aufmerksam macht, ein Rcichsgesetz erforderlich. Also möge das Reichsjustizamt baldigst in Aktion treten! Der südafrikanische Krieg im englischen Parlament. Im Untcrhause hielt am Donnerstag der Kriegsminister Brodrick eine bemerkenswerte Rede, in der er den Stab über den Helden Buller brach. Er sagte u. A.: Nach der Schlacht bei Colenso wurde General Buller nur aus dem Grunde nicht abberufen, weil kein anderer Offizier verfügbar war, der ihn hätte ersetzen können. Bullers Rede war ein schwerer Verstoß gegen die militärischen Regeln und zeigte einen solchen Mangel an Urteil, daß man seine Fähigkeit für den Posten bezweifeln mußte. Es wurde ja eine Kommission gebildet zur Anstellung einer Untersuchung über den Kri eg. Diese Kommission könne auch den Fall Buller prüfen. Er hoffe aber, daß die Verhandlungen, soweit sie das Verhalten der Generale betreffen, geheim gehalten würden. Er habe den Offizieren angezeigt, daß auf jeden Versuch, über die Sache öffentlich zu diskutieren, die Strafe der Entlassung folgen würde. Wenn man etwas anderes gestatten würde, werde die englische Armee der Welt zum Gespött werden. Er sei 15 Jahre mit Buller befreundet gewesen. Die Pflicht, die er zu erfüllen habe, sei für ihn sehr hart gewesen. Bullers Mißerfolg sei für ihn persönlich nicht minder schmerzlich, als für den Staat ein Unglück. Aber persönliche Gefühle könnten ihn nicht veranlassen, einen Offizier im Kommando zu belassen, sobald dessen Verbleiben auf seinem Posten für das Land nicht weiter von Vorteil fei. Campbell Bannermann legte nach dem Kriegsminister dar, man hege im Lande das Gefühl, daß Buller nicht recht behandelt worden sei. Brodrick habe jetzt selbst zugegeben, daß während Buller gepriesen und mit Danksagungen b.'dacht wurde, man nur auf eine Gelegenheit wartete, um sich feiner zu entledigen. Die Zolltarifkommisfion beriet am Donnerstag den Abschnitt Waren aus anderen Schnitzstoffen aus Holz und Kork bei Pos. 643 weiter. Diese wurde zusammen mit Pos. 643 nach der Vorlage angenommen, desgleichen Pos. 644. Die Positionen 645 und 646 waren bereits früher genehmigt. Sodann wurden die Pos. 647 und 649 genehmigt, letztere mit einer redaktionellen Aenderung. Pos. 650 wurde zurückgestellt. Die Kommission nahm unverändert Pos. 651, Waren aus formbarer Kohle oder Gast'ohle, an, und begann sodann den elften Abschnitt, Papier, Pappe und Waren daraus. Die Kommission nahm unverändert Pos. 652, Halbzeug aus Ge- spinnftabfällen, frei an und erhöhte in Pos. 653, Halbzeug aus Holzschliff und Cellulose rc., die Zölle von 1,25Mr. des Entwurfs auf 3 Mk. Ferner nahm tue Kommission die Pos. 654, Pappen, mit der Abänderung an, daß die Zollsätze der zweiten Staffel von 1,50 Mk. auf 4 Mk. erhöht, Strohpappe, Strenzpappe und Torfpappe von der dritten in die zweite Staffel versetzt und in die erste Staffel Vulkanfiber aufgenommen wurde, wodurch Pos. 650 erledigt ist. Die Kommission nahm Pos. 655, Pappen aller Art, unverändert an und erhöhte Pos. 656, gelbes Strohpapier und grobes, graues Lösch Papier von 1,50 Mk. des Entwurfes auf 4 Mk. Weiter wurde Pos. 657, Packpapier, einseitig glatt, unter Streichung des Wortes „gemeines" und Pos. 658, Papier nicht unter andere Nummern fallend, 10 Mk. nebst der Anmerkung unverändert genehmigt. Im Laufe der Debatte begründeten Dr. Müller-Sagan und Gothein die von ihnen eingebrachten Anträge auf Herabsetzung der Zölle für Papierhalbzeug, Pappe und Papier. Horn (nl.) begründete die von der Kommission angenommenen Anträge auf Erhöhung der Pos. 353, 354 und 356. Staatssekretär Graf Posadowsky bemerkte zu Pos. 653, Holzschliff und Holzstoff, die Frage sei schwierig, er sei für den Schutz des deutschen Waldes aus kulttirpoli- tischen Gründen, halte aber das ausländische »laterial nicht ganz entbehrlich Der Tarif sei nicht auf den zukünftigen, sonderns uf den gegenwärtigen Verhältnissen aufzubauen möglich. Er bitte, die beantragten Erhöhungen abzulehnen. Molkenbuhr greift sodann das P apier kar t e l l an, das die Papierpreise in die Höhe schraube. Man solle ihm nicht eine neue Waffe in die Hand geben. Handelsminister Möller erklärt, die Frage sei eine der umstrittensten des Tarifs. Man müsse zugeben, daß die Papierindustrie in den letzten Jahren unter einem Preisfall gelitten habe, andererseits bedenken, daß über 200000 Arbeiter m Betrieben welche Papier bereiten und verbrauchen, thätig seien Er warne vor einer Erschütterung der Grundlagen der Vorlage. Die verbündeten Regierungen behielten sich die enbgittige Entscheidung bis zum Plenum vor. Hasse (nl.) befürwortet möglichste Verbilligung der Rohstoffe von Papier mit Rücksicht auf das Buchgewerbe. Deutsches Reich. Berlin, 17. Juli. Aus Emden wird berichtet: Der Hafen wird auf Anordnung des Auricher Regierungspräfi- deuten am 30. d. M. aus Anlaß des Kaiserbesuchs von 7 Uhr morgens bis VA Uhr nachmittags für jeden Schiffsverkehr gesperrt werden. — Das „Berl. Tagebl." dementiert die Meldung eines Krakauer Poleublattes, wonach Graf Bülow und Graf Goluchowski ein Abkommen getroffen haben sollen, in dem die deutsche Regierung mit allen Mitteln der von den Alldeutschen in Oesterreich begonnenen Agitation in Deutschland entgegentritt, während andererseits die österreichische Regierung sich verpflichtet, die unruhigen Elemente unter der polnischen Bevölkerung Oesterreichs zu verhindern, die preußischen Polen zum Widerstand gegen die Maßnahmen der preußischen Behörden zu ermutigen. — Vom Rabbinertage verdient noch ein Vortag von Dr. Guttmann „Heber die Bedeutung d es Judentums in der Gegenwart" Hervorhebung, der in den Sätzen gipfelt: „Das Judentum dauert fort, weil es seine weltgeschichtliche Mission noch nicht vollendet hat, weil die Menschheit seiner noch nicht entraten kann. Wohin zielen die kühnsten Aufklärungsversuche unserer Zeit als auf eine Entlastung der Gvttesidee von den späteren Zu- thaten, als auf eine Wiederherstellung der reinen Gottes- idee...... Wir sind erwählt als Träger der Gottes, idee, welche dazu bestimmt ist, schließlich die Schranken der Nationalität zu durchbrechen. Der Fortschritt bez Menschheit läßt sich nicht aufhalten. Auf geheimnisvollen Wegen führt uns die Vorsehung dem Ziele entgegen." — Dem Vernehmen nach finden gegenwärtig bei dem Hauptzollamte in Eydtkuhnen Erhebungen darüber statt, welche Maßregeln zu treffen fein möchten, wenn die russische Grenze für die Einführ geschlachteter ganzer und halber Schweine geöffnet würde. — Im Dom zu Gn es en hat, wie die hiesigen „Reuest Nachr." hervorheben, am Jahrestage der Schlacht bei Tannenberg (in der der deutsche Ritterorden durch eine große polnische Hebermacht auf oftpreußischem Boden schwer geschlagen wurde. D. Red. d. „Gieß Anz.") ein feierlicher Dankgottesdienst stattgefunden. Tas genannte Blatt erblickt darin eine Herausforderung des deutschen Volkes und der preußischen Staatsgewalt und sagt: „Man darf erwarten, daß die Staatsregierung vom Posener Erzbischof v. Stablewski, der äußerlich doch stets eine gewisse korrekte Hnparteilichkeit zu wahren sucht, Rechenschaft für das Verhalten feiner Geistlichkeit bei der Tannenbergfeier fordern wird oder selbst die schuldigen Geistlichen zu treffen weiß." Dresden, 17. Juli. Die Entscheidung über die Ra ch- f o l g e des Kriegsministers v. d. P l a n i tz ist in diesen Tagen zu erwarten. In gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß als Nachfolger nur noch Generaladjutant v. Broizen und der Chef des Generalstabes Generalmajor Graf Paul Vitzthum von Eckstädt in Bettacht kommen. Stuttgart, 17. Juli. Ter deutsche Fleischer verband nahm in seiner heutigen Schlußsitzung noch Stellung zu verschiedenen, das Fleischergewerbe betteffenden Fragen. U. a. sprach er sich dafür aus, daß mit dem Meister titel größere Rechte, insbesondere das Recht der ausschließlichen Lehrlingsausbildung verbunden werden solle. Ein Antrag der pfälzischen Innung auf Loslösung von dem badisch? pfälzischen Verbände und Bildung eines eigenen Bezirk- Vereins wurde abgelehnt. Des weiteren nahm der Verband Stellung gegen eine staatliche Sch-lachtviehversicherung und gegen den Biehhandel nach Lebendgewicht- Der nächste Verbandstag wird in Potsdam ab geh alten werden. Ausland. London, 17. Juli. Das schöne warme Wetter unterstützt die Genesung des Königs. Amtlich wird gemeldet, es sei beschlossen worden, daß am 11. August eine Anzahl britischer Kriegsschiffe sich zu der einige Tage darauf stattfindenden Flottenschau in Spithead versammeln soll. — Der Vizekönig von Irland Earl Cadogan gab seine Entlassung, die vom König angenommen wurde. — „Daily Mail" meldet aus Berlin, Expräsident Krüger habe dem Berliner Burenkomitee brieflich mitgeteilt, daß er nicht beabsichtige, die Gastfreundschaft Eng- la nds anzunehmen, und auch nicht nach Transv aal zurückzukehren. Paris, 17. Juli. Aus London wird das Gerückt verbreitet, daß Lord Salisbury nicht nur aus Gesundheitsgründen demissioniert habe, sondern hauptsächlich deswegen, weil seine Beziehungen zur Krone sehr gespannt gewesen seien. — Bei dem heuttgen Empfange der Mitglieder des Kongresses zur Hnterdrückung desMädchen - handels richtete der schweizerische Gesandte Dr. Lardy namens der auswärtigen Vertreter eine Ansprache an den Präsidenten So übet, in der er den Wunsch auf Schaffung einer internationalen Gesetzgebung zur Hnterdrückung des Mädchenhandels ausdrückte. Derselbe solle mit Kerker und Gefängnisstrafen bedroht werden. Ferner müsse, eine internationale Heberwachungspolizei ins Leben gerufen werden, welche im stände ist, mit Geschick den internattonalen Kupplern entgegenzutreten. Dr. Lardy verbreitete sich sodann besonders über die zur Uebcrtoadyung erforderlichen Präventionsmaßregeln und Mittel, sowie darüber, wie den Opfern des Handels zu helfen sei. Präsident 2oübet erwiderte, alle zivilisierten Länder müßten in dem jetzigen Vermischtes. ♦ Frankenberg (Sachsen , 17. Juli. Ter 40 Jahre alte Feuermann Scl>neider, der -y tern abend in der Wieder Provinz Oberheffen anvertraut rvorden ist, richte ich, dem Herkommen rote eigenem Bedürfnis folgend, an Sie ein Wort der Begrüßung. Hat daS Vertrauen, welches mich berufen hat, von mir nur mit herzlichem Tanke und dem Entschluß, mich der mir anbefohlenen Arbeit nicht zu entziehen, beantwortet werden können, so bin ich doch mit einem, Ihnen allen wohlverständlichen, Zagen tn mein Amt eingetreten. Einem mir noch unbekannten Arbeitsbereich stehe ich gegenüber ohne den unschätzbaren Vorteil, von einem noch lebenden Vorgänger in dasselbe eingewiesen zu werden. Eine genaue Kenntnis der Personen, Sachen und Verhältnisse, ivie sie nur ein treuer Dienst von reichlich 27 Jahren bringen kann, lebte in dem Manne, an dessen Grab unsere evangelische Landeskirche und in ihr vor allen die Geistlichkeit der Provinz, in der seine hirten- amtliche Treue so lange im Segen gewaltet hat, vor wenigen Wochen trauernd gestanden hat. Ihm war es vergönnt, die jüngeren Amtsbrüder tn ihre Arbeit hmeinwachsen zu sehen und mit den älteren selbst alt zu werden, ohne daß sein Herz ausgehört hätte, jung zu bleiben in den Empfindungen urrd Beziehungen, die ihn mit ihnen verbanden. Es kann mich nur mit Bangen erfüllen, eines o hochverdienten, treuen, in Alles hmeingelebten und von der Ver- chrung aller getragenen Mannes Nachfolger zu jein, der Erbe zwar einer Arbeit, nicht aber des lebendigen Erfahrungsguts, das durch Gottes Gliade in langem Amtsleben ihm eigen wurde. In diesem Gefühle bitte ich herzlich: Helfen Sie mir erwerben, was ich noch mcht besitzen kann! Versagen Sie mir nicht das entgegenkommende Vertrauen und die brüderliche Fürbitte! „Als die Unbekallnten und doch bekannt!" das Wort des Apostels möchte ich für mich in Anspruch nehmen im Gedanken an den gemeinsamen Dienst, der, auch wo wir uns gegenseitig unbekannt waren, bisher uns verbunden hat und in Zukunst uns verbinden wird. Es ist der Dienst unserer teuren evangelischen Kirche, der Dienst am Evangelium, der Dienst des Herrn. Der Dienst unserer Kirche ist unsere Ehre. Was sie in der Wett zu vertreten und zu wahren bat, ist etwas so Großes, Heiliges, für das ganze Leben in Welt, Staat, Volk, Gesellschaft, Familie so Bedeutsames, daß dadurch das Leben ihres Dieners eine höhere Weihe empfängt. Möchten wir eins sein allezeit in dem Gefühl von dem, was wir unserer Kirche schuldig sind, in der Treue in der Erfüllung unserer Pflichten gegen die uns anvertrauten Gemeinden! Nicht ein stolzer Amtsoegriff, der zu dem äußerlich bescheidenen Wesen unserer evangelischen Kirche nicht paßt, noch das Ansehen einer eindriicksoollen Organisation trägt uns in unserer Arbeit. Ideale Werte und Güter sollen wir erhalten und schaffen nach bestem Gewissen. Ideen und Ideale sollen in uns ihre willigen, überzeugten, hingebenden Träger finden, und die Kirche des Evangeliums verlangt von uns, daß wir als Einzelne wie als Gesamtheit in brüderlichem Zusammenwirken unsere Pflicht thun. Unser Dienst ist Dienst am Evangelium. Eine göttliche Botschaft bringen wir als solche, die sich dessen stets bewußt sein sollen: „So sind ivir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott vermahnet durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott!" Mit Ihnen möchte ich mich allezeit getragen und getrieben wissen von der heiligen Ueberzeugung, daß unser Geschlecht nicht nur trotz seiner hohen geistigen und kulturellen Entwicklung, sondern gerade um dieser willen, nichts so sehr bedarf als das Evangelium von Christo, in dem die ewige Gnade Gottes uns heimgejucht hat und jucht und außer dem kein Heil ist, keine Rettung aus all den schweren inneren Gefahren, die unser Geschlecht bedrohen, keine Rettung aus Sünde und sozialer Not, keine wirkliche Erlösiing und wahre Versöhnung.. Haben wir auch nur das Wort zu bringen, hinter diesem Worte steht der lebendige Gott mit seinem heiligen Geiste und seiner ewigen Liebe, hinter diesem Worte möge Gott uns helfen selbst zu stehen mit einer in und für Gott lebenden Persönlichkeit. Lassen Sie uns gemeinsam danach streben, so in und von dem Evangelium zu leben, daß das Evangelium in uns lebe unb durch unfern schwachen Dienst sich als Lebens- und Segenskraft erweise! Unser Dienst sei ein Dienst des Herrn! Der Glaube an unfern Herrn und Heiland und die Liebe zu ihm ist, was uns am ttefsten und heiligsten verbindet. Wenn nur nichts von ihm uns scheidet, bleiben wir ungeschieden, auch wenn die Wege, auf denen Jeder von uns zu Christo gekommen ist und kommt, und die theologische Formulierung des einen Glaubens an Jesum Christum, des einzigen, der selig macht, verschieden sind. Der Glaube an den Herrn, fern Dienst und seine Nachfolge, unser pflichtmäßiges, überzeugtes, freudiges Bemühen, zu solchem Glauben und zu solcher Nachfolge die uns anvertrauten Gememden zu führen, sei das Sachliche, dem alles Persönliche und Individuelle bet uns dient, so werden wir in Frieden und gegenseitigem Verständnis im Dienst des Friede- fürften zu einander stehen können. Den Dienern der Kirche, des Evangeliums, des Herrn zu dienen, bin ich berufen und das foll fortan mein Bemühen fein. Jedes persönliche Charisma, das zur Erbauung der Gemeinde dient, zu pflegen, möge der Herr mir helfen. Tie Gemeinden weiß ich wie Ihnen so mir auf Herz und Gewissen gebunden. Unser Amt ist Seelsorge, Sorge um die Seele der Einzelnen, um die Seele der Gemeinden. Wolle der Herr der Kirche uns helfen, daß wir unser Herz in unser Amt hineinlegen, ein warmes Herz haben für Alle, zu denen unser Beruf uns führt! Der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hande bei uns, ja, das Werk unserer Hände wolle Er fördern! Amen. Diese Ansprache ist an die Gemeinden gerichtet und von den Kanzeln verlesen, auch den Kirchenvorstehern mitgeteilt worden. tt Grunina en, 17. Juli. Bei der heute stattge- habten Beigeordneten wahl wurde der seitherige Beigeordnete Christian Ernst Fay einstimmig gewählt. || Ober-Mockstadt, 16. Juli. Die Ernte hat hier bereits begonnen. Die ersten Kornhaufen schmücken die Felder. Quantität und Qualität des Roggens ist hier eine vorzügliche. Mainz, 17. Juli. Wie wir schon mitteilten, wird der Kaiser am 16. August in Mainz eintrefsen, um Truppenübungen beizuwohn'en. Unsere Nachricht wird durch folgende Meldung aus Köln bestätigt. Wie in der gestrigen Sitzung des Arbeitsausschusses der Düsseldorfer Ausstellung bekannt gegeben wurde, wird das Kais e rpaar bereits am 15. August, morgens 9 Uhr, daselbst zur Besichtigung eintreffen und bis 2 Uhr verweilen. Ihr folgt auf einem Dampfschiff eine Fahrt den Rhein hinaus. Da der Kaiser bereits am 16. August einer Truppenübung in Mainz beiwohnen will, mußte von einem Besuch der Städte am Rhein bis Mainz hinauf für diesmal abgesehen werden. Bingen, 16. Juli. Dem ersten Schützennteister der Schützengesellschiast Bingen, Karl Gräff, wurde auf seine Anfrage hin, ob der Großherzog geneigt sei, das Protektorat über das 1904 in Bingen stattfindende Verbandsschießen zu übernehmen, seitens Großh. Hofmarschallamts eine bejahende Antwort zu teil. Hanau, 17. Juli. Das kleine Mädchen, das, wie wir meldeten, vor einigen Tagen in Bir stein einer Zigeuner g e s e l l s ch a f t. ab genommen wurde, wurde heute am Landgericht der Frau Cassel aus Hannover, der vor einem Jahre ein kleines Mädchen von Zigeunern gestohlen worden ist, gegenübergestellt. Frau Cassel vermochte das Attid- chen n i ch t als ihr Kind anzuerkennen. Tas Kind sagt, seine frühere Mutter habe es Else genannt, die böse Mutter nenne es Maria. Zu der bösen Mutter mag es nicht wieder zurück; die schlage es sehr viel. Seine Mutter fei in Frankreich. Die Fürstlich Jserrburg'sche Familie in Birstein gedenkt sich des Kindes auch ferner anzunehmen. Aus Stadt und Kauö. Gießen, den 16. Juli 1902. ** Personalnachrichten. S. K. H. der Großherzog hat, wie uns aus Darmstadt ein eigener Drahtbericht meldet, dem ordentl. Profesior Dr. Gundermann die nachgesuchte Entlassung aus dem Großh. Hess. Staatsdienste zum 1. Oktober erteilt und den Ministerialrat Geheimrat Ferd. Emmerling zum Großh. Kommissar des ritter- schaAichen Anteils des Kaufunger Stiftsfonds ernannt. (Diese Stelle hatte bisher der verstorbene Geheimrat v. Bechtold imre. D. Red. d. Gieß. Anz.) •* Als Nachfolger des Provinzialdirektors Dr. Breidert in seiner bisherigen Stellung als Ministerialrat wird, wie man uns von gewöhnlich sehr gut unterrichteter Seite aus Darmstadt mttteilt, der Kretsrat Fey in Friedberg genannt. ** Personalien. Der Gerichtsassessor Eli en- b-er g er in Darmstadt wurde mit Wahrnehmung der Dienst- verrichchungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Reinheim, der Gerichtsassessor Kir stei n in Worms mtt Wahr- nehnrung solcher bei dem Amtsgericht Oppenheim, der Gerichtsassessor Schuhmann in Friedberg mit Wahrnehmung der Dienswerrichtungen eines Staaäanwalts am Landgericht der Provinz Oberhessen, der Gerichtsassessor Lutz in Friedberg mit Wahrnehmung der Dienstverricht- nngeu eines AmVanwalts in Friedberg beauftragt. ** Zur Ferienordnung. Heute bei uns eingegangene Zuschriften erklären ihr Einverständnis mit dem einen oder dem anderen der beiden bisher von uns veröffenttichten Attikel pir Ferienordnung, und allseitig wird vor allem der Wunsch unterstützt, eine öffentliche Versammlung zur erschöpfenden Diskussion über diese Angelegenheit zu veranstalten. Wir möchten hiermit, einer Anregung aus unserem Leserkreise folgend, die Aufforderung an unsere Bürgerschaft richten, uns durch eine Stadtpostkarte etwaige Bereitschaft zur Teilnahme an einer solchen Versammlung mitzuteilen. ** Zur Begrüßung des neuen Provinzial- öirektors Dr. Breidert veranstalteten gestern abend Bürgermeister und Stadtverordnete einen Bierabend im Hotel Viktoria. Im Verlauf desselben ergriff der Gefeierte das Wort zu einer kleinen Ansprache, in der er aus- führte, daß er gerne die Gelegenheit wahrgenommen, die Herren von der Stadtverwaltung persönlich kennen zu lernen, weil auf diesem Wege des persönlichen Bekanntseins und Verständigens ein viel besseres amtliches Zusammenwirken sich ergebe. Er hoffe, so schloß er launisch, der gemütliche Bierabend, dessen bescheidene Veranlassung er heute gewesen, werde eine dauernde Einrichtung der Veiffamm- lung, er werde dann gern und oft bei ihr zu Gast sein. In seiner Antwort sprach Bürgermeister Mecum den Dank der Stadtvertretung für oas liebenswürdige Entgegenkommen des Herrn Provinzialdirektors aus und ttank auf dessen Wohl. ** Das 6. und letzte Abonnements-Konzert sand gestern abend in Steins Garten statt. Gin außerordentlich großes Publikum hatte sich eingefunden, sämtliche Tische waren vollbesetzt. Das Programm wies keine sonderlichen Ueberraschungen auf, doch sanden einzelne Nummern großen Beifall, was sich zunächst durch Rufe nach Stille und später durch lebhaftes Händeklatschen dokumentierte. Musikdirektor Krauße dünkte durch einige Zugaben. Während die älteren Herrschaften an den Tischen dauernd vor Anker blieben, promenierte die junge, lebens- lusttge Welt in den Gängen umher, wohl ohne auf die Mustt sonderlich zu achten. Wenn es auch sonst den Meisten nicht an Gelegenheit fehlen mag, sich zu sehen, zu sprechen, so ist doch zweifellos ein Abendkonzert mit seinem verschwiegenen Halbdunkel, seiner angenehmen Witterung, der gedämpft herüberklingenden Musik, und last not least der legitimierenden Anwesenheit der Angehörigen ganz besonders geeignet, sich etwas mehr zu sagen, als es vielleicht unter der blendenden Sommersonne des Tages geschehen könnte. Und verständlich erscheint deshalb der von so Vielen geäußerte Wunsch, daß noch ein Abonnementskouzert stattfinden möge. . . . nur noch eins. Sperr Musikdirektor! ** Der Cirkus WalleS war auch gestern abend wiederum recht gut besucht, wenn auch, der Sperrsitz einige Lücken auf wies. Doch ist dies wo-hl auf Rechnung dcsALonne- ments-Konzertes, über das wir an anderer Stelle berichten, au setzen. Aus dem Programm heben wir die Produktionen Mr. Richardis hervor, der mit den Zähnen unglaubliche, Lasten hob, ferner die Leistungen der Trapezkünstler, die lebhaften Beifall fanden. Der Besuch, des Cirkus kann nur empfohlen werden. ** Wegen Sicherung der Bauforderungen hat sich der Ausschuß des hessischen Landesgewerbevereins mit einem eingehenden Bericht an das großherzogliche Ministerium gewandt. ** Gustav Adolfsfest in Allendorf a L. Zu der gestrigen Mitteilung über das Fest ist noch zu §merken, daß der Morgenzug nicht 8,55 Uhr, sondern 9,17 Uhr abgeht. • Der neue SuperiniendentWaldemar Petersen richtet an die eoangcl. Geistlichen der Supermtendentur- Gießen folgende Begrüßung: Hochgeehrte Herren Amtsbrüder! Nachdem mir durch die ®nabc S.K.H. des Großherzogs das Amt eines Superintendenten Stand der Dinge, der sÄbst die Gleichglltigen beunruhige, eingreifen. Sollten man denn das, was zum Schutze kleiner Vögel möglich sei, nicht auch in einer Frage thun können, deren sittliche Bedeutung so wesentlich sei. Petersburg, 17. Juli. Der König von Jta- kien hat heute nachmittag feine Rückreise an getreten. Die Verabschiedung vom Zaren wird als „herzlichst bezeichnet. Er erhielt das 14. lith. Drag^Regt. vom Zaren und überwies dem hiesigen italienisck)au Wohlthätigkeitsverein 1000 Rubel, den Armen von Petersburg 10 000 Rubel. Ein Austausch von zahlreichen Auszeichnungen hat natürlich, auch stattgefunden. Der italienische Minister' des Auswärttgeu, Prinetti, teilte einem Mitarbeiter der „Nowoje Wremja" mit, daß er die Frage der Handelsverträge mit dem russischen FincmLminister Witte in einer Unterredung berührt habe. Indessen könne an den Abschluß eines Handelsvertrages mit anderen Ländern schwerlich gedacht werden, solange nicht Deutschland das letzte Wort ge- fpvocheu habe. New York, 17. Juli. Der Buren-General A. P. Eronje, Wessels, Steijn, ein Bruder des früheren Präsidenten des.Oranje-Freistaates und 19 andere ehemalige Buren-Offiziere sind auf chrem Heimwege von der Ber- muda)Jnseln, wo sie in Gefangenschaft weilten, hier ein- getroffen. Unter ihnen befindet sich auch der 12jährige W. I. Dewet, ein Vetter des bekannten Burenführers. Im ganzen find es 82 Gefangene. , ’igen Stadtkirche die Feuerungsankage nachzusehen hatte, wurde heute früh in der Kirche tot aufgefunden. Er ist anscheinend an Kohlengas e r sti ckt. Brüssel, 17. Juli. In der Vorstadt St. Gilles ist eine große Feuersbrunst ausgebrochen, die noch fortwährend an Ausdehnung zunimmt. Vier Fabrikgebäude ind bereits total ausgebrannt. Fünf Feuerwehrleute türzten infolge Zusammenbruchs einer hohen Letter in die Tiefe. Drei erlitten schwere Verletzungen. * Paris, 17. Juli. Als heute vormittag Schüler der M i lit är s ch u l e von Samt-Cyr die Artillcriewerkstatten in Puteaux besichtigten, entlud sich durch Zufall das Geschoß einer Mitrcttlleuse. Zwei Schüler wurden am Schenkel getroffen. * Petersburg, 17. Juli. Dem ,Fiegierungsboteu^ zufolge ist Zizikar in der Mandschurei für chvlera- verseucht erklärt worden. In Jnkou erkrankten feit dem Ausbruch der Epidemie bis ^um 4. Juli 643 Personen, von denen 477 starben. In der Woche vom 27. Juni bis 4. Juli erkrankten dort 166 und starben 139 Personen. In CHarbin, wo die ersten Erkrankungen am 1. Juli sestgestellt waren, zählte man bis zum 10. Juli 575 Erkrankungen und 322 Todesfälle. Cholerafälle in der Mandschurei sind noch in den Ortschaften Tachokschi, Pelin, Kajuansan, Schanhaik- wan und Sinmintin vorgekommen. In der Mandschurei sind Cholerastationen eingerichtet worden. Die Züge werden von Sanitätsmannschaften besichtigt und von solchen begleitet. * Ein Unglücksfall, den sich jeder, soweit es chn angeht, zur Nachachtung dienen lassen sollte, berichtet nad>; einem Vortrage vouD-r. Hausy vor der Gesellschaft der Aerzte die „Wiener klinische Wochenschrift". In eine Wiener Uni- versitätsllinik kam unlängst ein 30jähriger Mann und machte ate Angabe, er hätte in der letztvergangenen Nacht sein Gebiß verschluckt. Zunächst war seinem ganzen Be- inden so wenig anz-umerken, daß man fast an der Richtigkett >er Angabe hätte zweifeln können, zumal weder das Schlucken ogar von festen Speisen Beschwerden verursachte, noch die Untersuchung mtt einer Sonde und mit Röntgenstrahlen einen sicheren Anhalt für den Sitz des verschluckten Fremdkörpers gab. Es vergingen jedoch, nur wenige Tage, bis zu einer sehr bedenklichen Verschlimmerung im Zustand des Pattenten. Die inzwischen eingetretenen Schluckbeschwerden steigerten sich zu krampfartigem Schsmerz, und da außerdem ein hohes Fieber, verbunden mit Erscheinungen der Luftröhren entzünduug eintrat, mußte zur Operation geschritten werden. Nun ist es aber ein übles Ding für den Arzt, wenn er operieren foll und nicht recht weiß, an welcher Stelle er den Sitz des Leidens finden wird. Da der verschluckte Körperteil tief zu sitzen schien, so entschloß sich Dr. HansY, die Operation vom Magen aus vorzunehmen. Die Behandlung gelang völlig, führte auch zu einer durchaus be- friedigendeii Heilung^ war aber in ihrem operativen Veu» lauf höchst ..mständlich. Das Gebiß sqh ganz tief in der Speiseröhre, aber doch nicht so tief, daß es vom MageU aus leicht zu erreichen gewesen wäre. Er mußte daher so wett geöffnet werden, daß der Fremdkörper mit der Hand gefaßt werden konnte. Eine derartige Operation ift bei dem heutigen glänzenden Stand der Chirurgie vielleicht keine sehr gefährliche, aber doch immerhin eine unange». nehme Sache, und der Besitzer falscher Zähne, der bisher etwa noch, nicht die Gewohnhett angenommen hat, sie zur Nachtzeit herauszunehmen, wird das gewiß thun, wenn a diese Zellen gelesen hat. * Aus den Alpen. In einer tiefen Schlucht am Säntis wurde die Leiche eines fett dem 6. Juli vermißten jungen Touristen aufgefunden. — In den Engadiner Alpen ist ein Kurgast aus Pontreima namens Mattin ©eile? aus Stein a. Rh. beim Aufstieg zur Tschierva, vom Herzschlag getroffen, plötzlich tot hingesunken. * Die Wiederverhaftung des Exdirektors L. O. Boeing in Vallendar soll erfolgt sein, weil Fluchtverdacht vorliegt, trotzdem eine Bürgschaft von 150 000 Mark gestellt ist. Die sttafrechtliche Verhandlung gegen Boeing wird Ende September oder Anfang Ottvber stott- finden. * lieber das Motiv der an dem Or. OrdensterA begangenen Mordthat werden allerhand Gerüchte verbreitet, die sich jedoch nicht bestätigt haben. Es scheint, daß Ordenstein seinen Mörder niemals vorher gesehen hatte, und daß es sich ausschließlich um einen Raubmord handelte. Dr. Ordenstein war Junggeselle; ein Bruder von ihm lebt in Paris als Börsenkommissionär. Ordenstein war Arzt im deutschen Hilfsoerein und Hausarzt der angesehensten deutschen Familien in Paris. Er war im beruflichen und persönlichen Verkehr stets liebenswürdig, zuvottommend und hilfsbereit. * Der langgesuchte Geheimsekretär der Humberts, dessen Vittuosität die jahrelangen Vertagungen der Verhandlungen über die Crawford-Attentate ermöglichte, ist gefunden. Man bestürmte den Untersuchungsrichter Leydet, seinen Namen zu nennen. Leydet antwortete, sein Name ist „Interview" und gab hierzu folgende Aufklärung: Fredsric Humbert, der schüchterne Malerpoet, wurde vov seiner Gattin veranlaßt, sich im Bedarfsfälle zu erinnern, daß er juristische Studien getrieben habe. Madame Humbeft schrieb ihm wenigstens einmal monatlich eine Anzahl Frage, auf, welche er bei Jnteroiews mit ehemaligen richterlicher Persönlichkeiten und anderen heroorragenden Kennern bei Prozeßwesens erörtern mußte. Jeder der Befragten gaJ bereitwilligst Auskunft. Jeden interefsiette der Fall. Einig« führten sozusagen akademisch den ganzen Prozeß mit dev Crawfords, erschöpften alle Eoentualitäten, und niemals kehtt« der braoe Frederie zu feiner Auftraggeberin heim ohne reiche- Notizenmaterial. Dann begann die Sichtung und Ver- wettung. Hier leistete ein verbummelter Advokat, Ballot, welcher eine Zeitlang 12 000 Francs Monatsgage be- zog, gute Dienste. Als die Huinbetts für Jahre hinaus mit lurislischen Auskunftsmitteln versehen waren, an deren Kraft zu zweifeln sie nach allen Präzedenzfällen keine Ursache hatten, wurde Ballot auf die Straße gesetzt. Er starb kürzlich elend in einem Hospital. UniverMs Nachrichten. — Wie die „Köln. Ztg." mittcilt, ist zum Kurator der Universität Halle der frühere Staatssekretär im Reichsschatzamt, Staatssekretär Aschen!) orn, auserseheii. — Heber das 50jährige Tokiorjubiläum des Gynäkologen von Freiburg i. B. Geheimrat Alfred Heg ar wird von dort berichtet: Der Dekan der medizinischen Fakultät der Universität Gießen, Pros. Dr. Sommer, und Pros. Dr. Psanirenstiel überbrachten das Jubilaums-Dokwr- Diplom. Für die ')<. qc medizinische Fakultät grainlirten Geh, Hosrai Projessor Tr. Ziegler unö Geh. Rat Pros. Dr. Bäumler. aus 4% Oesterr. Goldretne Tendenz: ruhig. . 102.50 . 93.20 . 102.50 . 92,70 . 100.50 . 99.30 . 103.75 Su/o Mexikaner . . W/o Chinesen . , Electric. Schuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Dis konto-Komm andit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden , . . Gotthardbahn , , , Laurahütte ... . Bochum . . , . . Harpener . . . . 8Vi% 3°/o 3V,% 3°/o 872% 37'3% . . 26.451 . . 9L301 . . 100.90- . . 108.0»! . . 214.401 . . 184.90 , . 136.60 . . 144.80 . . 156.50 . . 149.25 . . 18J.0' . . 16&50 . . 200.80 . . 19L00 . . 169.00 Reiohsanleihe do. Konsote . do. . . Hessen Oberhessen gemeinde. Vormittags 9% Uhr: Pfarrassiftent Vogt. Vormittags 11 Uhr: Rinderkirche für die Markusgemeinde. PfarrassisteM Vogt. Nächsten Sonntag, den 27. Juli, vormittags 107* Uhr, findet Anlaß des Verbandsfestes des Mittelrhemischen Verbandes evangel. Arbeitervereine Festgottesdienst in der Stadttirche statt. Sonntag den 20. Juli: Jahresfest des Gießener Zweig- vereius der Gustav-Adolf-Stiftung in Allendors a. d. Lda. Vormittags 10% Uhr hält die Festpredigt Herr Dekan Wagner aus Grünberg, den Bericht erstattet Herr Professor D. Stamm aus Gießen. Im Nachmittagsgottesdienst um 2 Uhr predigt Herr Pfarrer Glück aus Heuchelheim. Alle Freunde der Gustav-Adolf- Sache werden zu dieser Feier herzlich eingeladen. In der Johauneskirche. Vormittags 8 Uhr: Siehe Stadtkirche. Vormittags 9% Uhr: Repetent Becker. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukasgemeinde. Pfarrer Euler. 47,56 Oesterr. Silberrente 101.90 4% Ungar. Goldrente . . 102.50 4°/o Italien. Rente . 47,56 Portugiesen . 8% Portugiesen. . . 1% C. Türken . . Türkenlose .... Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. ©taufenberg, 18. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Der Landwirt Mutze aus Battenfeld wurde gestern vom Blitz erschlagen. Mainz, 18. Juli. (Eigener Drahtbericht.) Die hochbetagte Frau Lang stürzte beim Spülen von Geschirr in den Rhein und ertrank. Berlin, 18. Juli. Das Urteil im Sanden-Pro- zeß lautet: Eduard Sauden 6 Jahre Gefängnis, 15000 Mark Geldstrafe, 1 Jahr Gefängnis durch Untersuchungshaft verbüßt; Heinrich Schmidt 2 Monate Gefängnis, 2000 Mark Geldstrafe, beides durch Untersuchungshaft verbüßt; Puchmüller lJahr drei Monate Gefängnis, 4000 Mark Geldstrafe, Gefängnis verbüßt; Eduard Schmidt 1 Jahr Gefängnis, 10 000 Mark Geldstrafe, Gefängnis verbüßt; Warfinski 1 Jahr Gefängnis, 5000 Mark Geldstrafe, Gefängnis verbüßt; Otto Sanden 1 Jahr Gefängnis, 1500 Mark Geldstrafe, beides verbüßt; Hanschke 2 Monate Gefängnis, 1000 Mark Geldstrafe, beides verbüßt. Berlin, 18. Juli. Am Havelufer bei Gato wurde gestern die Leiche des 24 Jahre alten Schlossers Arthur Retzlaff aus Berlin mit schweren Wunden an Gesicht, Armen und Beinen ausgefunden. Ta nach den Angaben des Bruders des Gefundenen aus den Kleidern des Letzteren 300 Mark fehlen, so liegt der Verdacht eines Verbrech e n s vor. London, 18. Juli. Eine heftigeFeuerskbrunst brach gestern hier aus. Zwei größte Geschäftshäuser und sieben anstoßende Baulichkeiten wurden total vernichtet. 30 Feuerwehr-Abteilungen waren auf der Brandstätte thätiA. Der Schaden ist enorm. — Prinz Josef von Bra- gauza, österreichischer Husaren-Leutnant, erschien gestern zum vierten Male vor dem Polizeig ericht in der bekannten Sittlichkeits-Affäre. Der Prinz versicherte, er sei das Opfer eines Erpressungsversuchs geworden. Die Schuld dreier junger Leute, die gleichfalls vorgeladen waren, scheint festgestellt zu sein. Der Anwalt des Prinzen verlangte die Vorladung von neuen Zeugen und beantragte Vertagung aus nächste Woch>e. Dem Gesuch wurde stattgegeben Dover, 18. Juli. Eine internationale gesellschaftliche Zusammenkunft sand gestern abend im Klubhause des Cinque Ports Yacht-Clubs zu Ehren der deutschen IYachtman statt. Kapitän Finnis sprach die Hossnung Wäsche mit schlechtem Geruch hat schon manche Hausfrau verdrossen, wenn sie ihren Wäscheschrank- Öffnete. Dies kommt nicht vor, wenn sie zum Kochen der Wcischef die renommierte gemahlene Kernseife mit Salmiak und Terpentin der Firma I. Gioth, Hanau verwendet, welche garantiert teuren Geruch der Wäsche hinterläßt und kerne den empfindlichsten Stoffen schädlichen Bestairdteile enthält. Preis per Packet 15 Pfg. 166 aus, dgß diese internationalen Regatten alljährlich o6ge»< halten werden möchten als „ein Mittel, um die Freund- chaft zwischen England und Deutschland noch mehr zu befestigen." Herr von Buch überreichte den von ihm gestifteten Preis Herrn von Brüning, wobei er die ausgezeichneten Leistungen des „Meteor" pries. Jur nachten Jahre würde eine bedeutend größere Anzahl engün eher Yachten an der Kieler Woche teilnehmen. Die beste Äewährleistung für den Erfolg sei aber das Interesse teäj deutschen Kaisers. Im Namen des Kaisers und der deut- chen Gäste sprach, Admiral Thomsen. Er drückte den Wunsch auf baldige vollständige Wiederherstellung desjj Königs aus. Die Festlichkeit schloß mit Hochs aus Kmttg und Kaiser. , _J _ Paris, 18. Juli. Präsident Loubet wird ins nächsten Jahre einen italienischen Hafen anlaufen und dem König von Italien einen Besuch machen. Paris, 18. Juli. Dem „Gaulois^ zufolge werden die; Zöglinge der Schulen zur Auslösung kommenden Kongrega-i ttonen vor dem Schulschluß Kundgebungen gegen die; Regierung veranstalten. Paris, 18. Juli. Nach Meldungen aus Fort de France; macht die jüngste Eruption des Mont Pelse bat* Eindruck, als ob in unzähligen BiwabHeuern gleichzeitig dürres Holz zum Aufprasseln gebracht würde. Jetzt giebt es absolut keine Zwischjeulinien mehr zwischen deu Ruinen von St. Pierre und dem Meer. Die Trümmer der Phi^ lomena-Kirche stehen vollständig unter Wasser. Auf. den neu gebildeten Kanälen schwimmen die verwesten; Leichname ins Meer. Die sozialen und geschäftlichen.' Verhältnisse in Fort de Frauee sind überaus traurig. Die Bant von Martinique sah sich, genötigt, ihren Kredit archsj Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 8. Sonntag nach Trinitatis, den 20. Juli. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- GisenKchn-Zeiwng. Süddeutsche Eiseubahngescllschaft in Darmstadt. Im /hmi d. I. betrugen die prov. Einnahmen aus dem Personenver- 381 476 Mk., (t. 93. 386 856 Du ), aus dem Güterverkehr 83 473 Mk. (77 740 Mk.), unb die Nebeneinnahmen 2436 Mk. (2728 Mark), sodaß die Gesamteinnahmc von 467 385 Aik. gegen 467 324 Mark im Juni v. I. nur um 61 Mk. gestiegen ist. Dagegen ist die Gesamteinnahme des ersten Halbjahres von 1 353 786 Mk. gegen vorjährige 1 384 716 Mk. um 30 930 Mk. zurückgeblieben. Die Be° triebslänge der Nebenbahnen mit 289,02 Klm. hat sich um 8,69 Klm. verringert. Die Betriebslänge der Kleinbahnen ist sich mit 85,41 Kilometer gleichgeblieben. Berlin, 17. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Dte Einnahmeu der preußisch-hessischen Eisenbahn- bet r i e b s g e m ein s ch a f t ergeben im Juni gegen das Vorjahr beim Personenverkehr weniger 271000 (0,8 pCt.) beim Güterverkehr eine Mehreinnahme von 656000(1 pEt.) Vom L April bis Ende Juni sind die Einnahmen aus dem Personenverkehr gegen das Vorjahr um 4048000 (4 pEt.) zurückgegangen. Die Einnahmen aus dem Güterverkehr sind um 2 194 000 (1 pEt.) gestiegen. Die Mindereinnahme aus dem PÄ^onenverkehr ist so groß, wetl im Jahre 1902 das Osterfest in den März fiel. Der Güterverkehr hatte 3 Arbeitstage mehr gegen das Vorjahr. Zieht man den entsprechenden Betrag ab, so würde sich eine erh ebliche Mindereinnahme gegen das Vorjahr ergeben. Dresden, 17. Juli. Das „Dr. Jl/ schreibt: In den letzen Tagen sind in der Preffe mehrfache Meldungen über eine neue Schnellzugverbindung von Berlin über Kottbus-Görlitz-Hirschberg- Mittelwalde nach Wien erschienen unb baran Betrachtungen über ben ost behaupteten preußisch-sächsischen Eisenb ahn - krieg geknüpft. Wie wir zuverlässig erfahren, bat bie preußische Eisenbahnverwaltung beschlossen, von ber Herstellung bieser Ver- binbung abzusehen. Wenn letztere aber geplant war, so würbe es sich nicht um einen unsreunblichen Akt ber preußischen gegen die sächsische Eisenbahnverwaltung gehandelt haben, denn der Zug würde nicht in erster Linie dem direkten Bekehr zwischen Berlin uub Wien zu bienen haben, sonbern würbe dazu bestimmt gewesen sein, die Verbindung des westlichen Teiles von Schlesien mit diesen Städten zu verbessern. Das Recht eines Widerspruches hiergegen würde sich für Sachsen weder aus den Verträgen noch aus der Reichsverfassung haben herletten lassen. Die von einigen Blattern erhobenen Vorwürfe gegen die sächsische wie preußische Regierung bezeichnen wir als durchaus unberechtigt. Humor des Auslandes könnte man es nennen, wenn die Meldung nicht errst gemeint wäre, welche die B rüffel er Zeitung „La Gazette" bringt:„AufBefehldesKaisers sollen alle Stationsvorsteher gehalten werden, einen Papagei zu pflegen, den ihnen die Generalverwaltung der Reichseisenbahnen liefert. Diese Tiere werden darauf dressiert werden, den Namen der Station, der sie angehören, zu rufen. Es ist absolut verboten, ihnen irgend etwas anderes beizubringen. Aus diese Weise haben die Reisenden, wenn der Zug hält, nicht nötig, die Beamten zu belästigen, deren Aufmerksamkeit nun auch nicht durch unnütze Fragen abgezogen wird." Welcher Spaßvogel mag dem Brüsseler Blatt diesen Sommerglut-Papagei auigebunben haben? Zur Ersparung von Seife unb Arbeit, sowie zur Schonung, der Wäsche und als Ersatz sür bie Rasenbleiche hat bei General-- stabsarzr ber beutschen Armee angeorbnet, baß in ben Garrnsons- Waschanstalten bie Wäsche mit flüssigem Petroleum unb Seife behandelt werben soll. Die Amerikaner verwenden dieses Mittel in- ihren Waschmaschinen längst mit größtem Erfolg. - Von der Firma Taum u. Eo. in Wiesbaden wird nun seit einiger Zett ein petroleumhaltiges chemisches Präparat „Sersa" hergestellt. Dasselbe enthält die geeignete Sorte Petroleum so präparirt, daß es ber, jeder Art von Wäsche, ohne Uebelstände zu befürchten, angewandt werden kann. Gerichtssaal. Darmstadt, 17. Juli. Eine M i l ch p an tf ch erin Elisabeths Psenninger stand am Dienstag vor dem Schöffengericht hier. Sie wurde am 12. April von der Polizei betroffen, als sie sogen. Bäckermilch verkaufte, die so dünn war, daß sie konfisziert werden mußte. Bei der Gerichtsverhandlung ergab sich nach dem Gutachten des chemischen Untersuchungsamts, daß die Mttch etwa mit dem dritten Teil Wasser verdünnt wurde, mithin Sehr stark gewässert war. Tie Ausrede, sie hätte der Milch in der Gtte das zum Reinigen der Euter bestimmte Waffer zugemischt, hals ihr nichts; die Angeklagte wurde zu 60 Mk. Geldstrafe Lentuell 15 Tage Gefängnis und in die Kosten verurteil!. — Das Kriegsgericht der 12. Division m Ratrbor verurteilte wegen thätlichen Angriffs gegen einen Vorgesetzten, Nötigung, Ungehorsams und Meuterei den Gefreiten Hirth und ben Musketier Schuchalski zu je 5 Jahren, den Musketier Kupeztk zu 3 Jahren unb den Musketier Kuntze zu 11 Monaten Gefängnis, sechs weitere Angeklagte des 62. Jnf.-Regiments wurden frei’ 9^Paris, 17. Juli. Die Verlcumdungsklage von Frau du Gast gegen den Advokaten Barboux, der in einem früheren Plaidoyer die Klägerin als das Modell für das Gemälde „Tarne mit 2arve" von Gerfex hingestellt hatte, wurde von der 11. Strafkammer als gesetzlich unzulässig zurückgewiesen. — ^^r Prozeß^ hatte ein Nach» !pieL Fürst Helte von Talleyrand-Pengord, der Frau du Gast be- glettete, folgte dem Anwalt Barboux und ohrfeigte ihn. Bar- Telephonischer Kursbericht« Frankfurt a. 31., 18. Juli 1902. Katholische Gemeinde. Samstag ben 19. Juli. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 20. Juli. 9. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6>/2 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. , „8 Uhr: Die zweite heil. Messe. „ „ 9»/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 27, Uhr: Sakramentalische Bruderschafts-Andacht. Gottesdienst in der Synagoge, Siidantage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 19. Juli 1902. Vorabend: 7" Uhr. Morgens: 8'» Uhr. Nachmittags: 4 Uhr: Schrifterklärung. Sabctthausgang: 9'-’6 Uhr. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbctthseier am 19. Juli 1902. Freitag abend 7". Samstag vormittag 800. Nachmittag 4. Sabbathausgang 925. Wochengottesoienst: morgens 680 Uhr, abends 700 Uhr. äußerste einAuschränken. Rom, 18. Juli. In Hofkreisen wird nochmals auf iM bestimmteste versichert, daß indiesemJahre eine landreife des Königs nicht mehr erfolgen Werder Ebenso seien die Nachrichten unbegründet, wonach auf der Rückreise des Königs von Petersburg eine ZusammeuLuuft mit Kaiser Franz Joses stattfinden soll. Turin, 18. Juli. Eine Petersburger Depesche an die offiziöse Stampa bestätigt, daß in den Besprechungen zwischen dem Grafen Lambsdorff und Prinetti die Grundlage zu einer Handels-Verständigung gelegt sei^! die eine konkrete Form nach dem Abschluß des Hmrdels-- Vertrages zwischen Deutschland und Rußland nehmen wird. Venedig, 18. Juli. Das Thor Andreae hat sich aus einer Seite gesenkt. Alle Vorsichtsmaßregeln such, getroffen. , Sansibar, 18. Juli. Der Sultan von Sansr^ bar ist gestern gestorben. (Sultan Hamud brn, Muhammed ist im Jahre 1853 geboren. Er folgte seinem Vetter, dem Sultan Hamed bin Thwain am 2.7. August! 1896 in ber Regierung. Im Jahre 1890 wurde unter Mitwirkung des mm verstorbenen Sultans der bekannte deutsch- englische Vertrag geschlossen, der Helgoland unter deutsche Oberhoheit, Sansibar aber unter englisches Protektorat brachte. D. Red.) 103.20 47.30 . 29.30 28.20 113.80 4% Grieoh. Monopol.-AnL 44.30 47356 äussere Argentiner —.— Landwirtschaft. — Im Bericht über die Besichtigung der Versuchsfelder des landwirtschaftlichen Instituts ist ein Versetzen vorgekommen. Es muß heißen: „als Braugerste steht die Chevaliergerste mit in erster Reihe." Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. W. Friedberg, 17. Juli. Unser gestriger Ferkelmarkt schien nach dem lebhaften Geschäft am Anfang einen für bie Verkäufer guten Verlauf nehmen zu wollen; hoch balb änderte sich die Tendenz. Die Nachfrage ließ nach, die Preise sanken, unb ba bie Verkäufer nicht billig losschlagen wollten, mußten viele ihre Ferkel roieber mit nach Hause nehmen. Anfänglich kostete bas Paar schöner Ferkel 50 Mk., später 40—42 Mk. Nach Emlegschweinen würbe überhaupt nicht gefragt. Die sinkenben Preise für bie jungen Schweine finb jebenfalls bie Folge ber schleckten Aussichten für die Kartoffelernte. Sie gingen an vielen Orten, namentlich in schwerem Boden, mangelhaft auf unb leiben gegenwärtig unter zu großer Trockenheit. Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister wurde heute bezüglich der Firma „I. Happel" zu Gießen eingetragen: Der Ehefrau Louise Happel geb. Herbert daselbst ist Prokura erteilt. Gießen, am 17. Juli 1902. 5235 Großherzogliches Amtsgericht. Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute urrd morgen: Schmineflkisch 40 M Sdumftistcr- W« auf Stoff und Kolzdraht in geschmackvoller Ausführung liefert 1660 Keiimch HMiitter Schloßgasse 19. 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Lhlr. 137— 138— Provinz- und 4 Darmstädter Bk. 136.10 137.— 4 Frankf.Hypotbk. (Lomb.) 103— 103.05 10V.... Ausländische. 11 Deutsche Bk. . 208.60 209.- Serie 14 100.90 101 — 4 do..... 88.60 89.60 4 Oesterr. v. 1860 154.10 154.30 41/, 100.70 101.— 51ädte-Anleihe. 8 DiSconto-Ges. . 184.90 185.10 3V2 do. Serie 15 96.50 96.60 3 do. . . . 62.30 63.30 do. v. 1854 - Bosnier . . . 4 Dresdner Bk. . 144.80 144.40 4 Frkf.Hvp.-Cred.« Bcreln 1905. 3 Raab-Oedenbg. 3 Oldenb. Thlr.40 128.90 --. —■ 5 Griech.E.B. von 39.10 39.70 3)4 Oberhcffen . . 99.25 99.25 3 National-Bk. . 114.50 114.70 101.20 101.20 73 — 73 Türk. Frs. 400 113— 114.60 1890 . . Griech. Monop. 3)4 Starkenburger. 99.25 99.25 5 Schaffhsr. Bkv.. 118.60 119.30 37, 4 do. 1906. 96.30 96.30 4 Rudolfbahn. . 100.20 100*20 Unverzinsliche 43.20 44.10 4 Rhemprovinz . 104.20 104.— 87» Oest. Cred.-Att. 211.50 214.30 do. tilgbare 96.30 96 30 4 Italiener Rente 103.25 103.30 3ya do..... 100.10 100.- Frkf. Landwtsch. 98.— 98— ■■ pr. Stück u. 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