Freitag 18.Jirli1SOS 15Ä Jahrgang Erstes Blatt. morgen beringt. Man muß offen eingestehen, daß die Stellung des Staatsanwalts in diesem Prozeß recht schwierig gewesen ist. Die Thaten der Sanden und Schmidt lassen sich sicherlich nicht so ohne weiteres als die vereinzelten Ausschreitungen verbrecherisch veranlagter Personen erklären. Die Angeklagten verzichteten auf das Wort. Nur Eduard Sanden bat, man möchte den Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte nicht über ihn verhängen. Damit war die eigentliche Verhandlung geschlossen. Die Verkündigung des Urteils er- solgt heute (Freitag). Beredte Verteidiger und schweigsame Ktaats- Anwätte. Der letzte Verhandlungstag des Sand-en-Prozesses nahm einen überaus seltsamen, ja überraschenden Verlauf. Nachdem Justizrat Dr. Sello etwa sechs, Justizrat Munkel etwa eine Stunde lang gesprochen hatten, erhob sich der Vertreter der Anklage, Staatsanwalt Beek, zu der Erklärung, daß die Ausführungen der Verteidiger „wirklich glänzend" gewesen seien, er aber nichtsdestoweniger bei dem Standpunkte der Anklage verharren müsse. Er sprachs und — schwieg. Der Staatsanwalt hielt es nicht für notwendig, gegenüber den „wirklich glänzenden" Ausführungen der Verteidiger seine gegenteilige Ueberzeugung des näheren zu vertreten. Die Bewunderung, die er den Reden der Anwälte zollte, läßt es als undenkbar erscheinen, daß ihm die lebhaften Anfechtungen, die seine Anklage erfahren hatte, der Erwiderung unwert geschienen hätten. Ein Zwang, die Verhandlung möglichst rasch zu beenden, aus dem man die rednerische Enthaltsamkeit des öffentlichen Anklägers vielleicht erklären könnte, liegt aber nicht vor. Und ss wird es immerhin ein überaus merkwürdigesKurio- sum in der Geschichte berühmter Prozesse bleiben, daß ein Staatsanwalt auf die zwanzigstündigen Verteidigungsreden der Anwälte nichts, aber auch garnichts zu erwidern für notwendig fand. Aus dem Munde der beiden letzten Verteidiger haben wir erfahren, daß die Angeklagten Ehrenmänner von un- tadelhaftem Charakter seien. Justizrat Sello rühmte dem Angeklagten Otto Sanden „grundloses (soll wohl heißen unendliches) Gottvertrauen" und „unermüdliche Treue im Dienste der Bank", „Ehrlichkeit" und „Rastlosigkeit" nach. Ueber allen persönlichen Interessen sei ihm gestanden, „was seinen treuen Händen anvertraut war." Wenn auch „bei seinem hohen Sonnenfluge das Wachs seiner Flügel geschmolzen sei", untreu sei er doch nie gewesen! Alles in allem biete Otto Sandens Leben ein „rührendes und schönes Beispiel treuer und ernster Mannesarbeit" dar. Mit „tiefem Schmerze" habe er aus dem Munde des Staatsanwaltes die Behauptung gehört, die Angeklagten hätten wahrscheinlich fünfmal mehr verbrochen, als man ihnen nachweisen könne. — Verschiedene Briefe, in denen Otto Sanden nach der Auffassung des Verteidigers die Mißwirtschaft, die er getrieben, eingesteht, sind „das strenge Ringen einer mit ernsten Dingen beschäftigten Mannesseele" und „Stunden in sich gekehrten Selbstgesprächs." Die Einnahmen, über die Otto Sanden verfügte (nach den Einschätzungen der Steuerbehörde hat er durchschnittlich jährlich 2 00 0 00 Mark bezogen- und ein Vermögen von über 3 Millionen angehäuft) seien wohlverdient gewesen, die nur der Neid der ehrlichen Arbeit mißgönnen könne. Hier gelte das Bibelwort, daß jeder Arbeiter seines Lohnes wert sei. Justizrat Munckel meinte, nicht die Angeklagten trügen die Schuld an dem Zusammenbruch, sondern die zu weit gehende Aufsicht des staatlichen Organs hätte die Schwierigkeiten der Banken verursacht. Die Angeklagten seien insgesamt „anständige Menschen", und nur „unanständige Menschen" könnten sie des Tantiömenhungers beschuldigen. Eduard Sandens Einkommen (in den letzten 6 Jahren durchschnittlich 385000 Mk.l) sei wohlverdient gewesen! Schließlich erklärte R.-A. Bernstein, Eduard Sanden habe der Preußenbank bei chrem Zusammenbruch aus eigenen Mitteln freiwillige Zuwendungen gemacht, er habe ihr also nichts genommen, sondern ihr noch gegeben. Selbstverständlich sind es nicht nur diese Ausführungen allein, die der Staatsanwalt unerwidert gelassen hatte. Wie in den beiden voraufgeganenen Tagen beschäftigten sich die Anwälte auch diesmal wieder sehr eingehend mit wirtschaftlichen und juristischen Emzelfragen. Auch diesmal ging ihre Verteidigung in der Hauptsache dahin, daß eine Spannung zwischen den buchmäßigen Aktiven der Banken und ihrem wirklichen Wert nicht bestanden habe, sondern durch die Machenschaften einer Gegenmine künstlich hervorgerufen worden sei, wo sie aber dennoch vorhanden gewesen wäre, nicht auf den bösen Willen der Angeklagten zurückgeführt werden könnte. Justizrat Munckel behandelte u. a. das Thema der Bilanzverschleierung, erklärte, daß eine vollkommen durchsichtige Bilanz eine Unmöglichkeit sei, und forderte den Staatsanwalt direkt zu einer Aeußerung darüber auf, wo die gebotene Diskretion der Geschäftsberichte aufhöre und die verbotene Verschleierung beginne. Der Staatsanwalt ließ sich aber auf eine Erörterung dieser verwickelten Frage nicht ein. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß dem Großh. Bezirkskassier Dieter dahier infolge seiner Erkrankung die Genehmigung erteilt worden ist, sich von heute ab auf die Dauer von 8 Tagen im Dienste durch den Büreaugehilfen Adolf Ockel vertreten zu lassen. Der Letztere ist sonach während der genannten Zeit befugt, Quittungen für die Großherzogliche Bezirkskasse Gießen II auszustellen. Gießen, den 16. Juli 1902. Der Großherzogliche Kontrollbeamte der Lokalkassestellen des Bezirks Gießen. Schudt. wollen. Die Firma Kaufs mann L Co. hatte vor einiger Zett um Fristverlängerung zur Aufführung eines Vorderhauses am Schisfenberger Weg nachgesuclft, war aber abschläglich beschieden worden. Das neuerlich eingereichte Gesuch, für welches nach Ansickft der Baudeputation neue Gründe sprechen, wird mit der Bedingung befürwortet, daß die Gesuchsteller sich verpflichten, spätestens am 1. April 1904 mit dem Bau zu beginnen und bis 1. Oktober desselben Jahres den Rohbau vollenden. Gegen das Gesuch von August Scheppelmann um Erlaubnis zur Anlage eines Borgartens vor dern Neubau am Großen Steinweg Hut die Versammlung nichts em- zuwenden. Der Leipziger Bankprozetz. XXII. Leipzig, 17. Juli. Der Sitzung wohnten Justizminister Otto und General- staatsanwalt Goßler bei. Präsident Müller verkündet die formulierten Schuld frag en. Bezüglich Exners und Gentzschs werden den Geschworenen sechs Schuldfragen vorgelegt. Die Fragen lauten aus betrügerischen Bankerott, Verschleierung inzwei Fällen, namentlich bezüglich der im Februar 1901 herausgegebenen Bilanz für das Rechnungsjahr 1900 und bezüglich des in der Generalversammlung vom 19. März 1901 erstatteten Berichtes, wie bezüglich der beiden am 25. Juni 1901 veröffentlichten Communiquäs, aus Betrug in zwei Fällen, betr. die Bankhäuser von der Heydt u. Co. und S. Bleichröder, auf Untreue gegenüber der Leipziger Hypothekenbank. Betreffs Dodels lauten die Schuldfragen wegen Bilanzverschleierung und Untreue gegen die Leipziger Hypothekenbank. Schröder, Meyer und Wölker sind beschuldigt der Verschleierung, begangen bei der Aufstellung der Bilanz, bei der Anfertigung des Berichtes, sowie bei der Veröffentlichuna der beiden Communiques. Den Angeklagten Fiebiger, Barster und Wilken wird zur Last gelegt, daß sie avn der Verschleierung bezüglich der Bilanz und des Berichtes teilnahmen. Bezüglich sämtlichjer Schuldftagen für alle Angeklagten wird die Unterfrage auf Zubilligung mildernderUm stände Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 17. Juli 1902. Anweseitd: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Geovai und Grüneberg, die Stadtverordneten Brück, Emme-' lins, Euler, Faber, Dr. Gaffky, Dr. Gutfleisch, Hanau, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Hann, Jughardt, Keller, Kirch- Krumm, Leib, Löber, ^.oos, Orbtg, Petri, Pirr, Schassstaedt, Schmall unb Wallenfels. — Entschuldigt: die Stadtv. Dr. Fuhr, Dr. Schäfer, Schiele . Bürgermeister Mecum giebt nach Eröffnung her Der* sammlung Kenntnis von dem Ableben des Stadtverordneten Flett, sowie von einem Schreiben der Hinterbliebenen- in dem das Dahinscheiden des Genannten angezeigt wird. Herr Flett habe seit dem Jahre 1893 der Stadtverordnetenversammlung angehört und sich stets als eifriges Mitglied derselben bethätigt, besonders als bewährter Mitarbeiter in der landwirtschaftlichen, Markt-, Pferdemarkt- und Schlachthauskommission. Um den Da h ing es chied en en, den hervorragende Charaktereigenschaften auszeichneten, trauerten auch seine Mitbürger. Der Bürgermeister hebt emer hervor die Bereitwilligkeit, mit der der Dahingeschie- )ene manchem durch Rat und Thal beigestanden, und das Vertrauen seiner Mitbürger, die ihn mit über 1500 Stimmen wiedergewählt. Er werde weiter leben in dankbarer Erinnerung für das, was er der Stadl und für seine Mitbürger gethan. Zum Zeichen der Trauer um den verstorbenen Kollegen erhebt sich die Versammlung von den Sitzen, nachdem der Bürgermeister die Stadtverordneten, eingeladen, sich vollzählig an der Beerdigung zu beteiligen. — Die Versammlung stimmt hierauf dem Anträge zu, daß dem Wunsche des Verstorbenen gemäß derselbe neben der Grabstätte seines Vaters beerdigt wird. — Von dem Großh. Ministerium des Innern ist ein Schreiben ein gegangen, worin der Befriedigung über den von der Stadl bewilligten Zuschuß von 75 000 Mk. für die bei Gießen zu errichtende Irrenanstalt ausgedrückl wird. Der Zuschuß habe wesentlich zu dem Beschlüsse, daß die Anstalt in Gießen errichtet wird, beigetragen, und Halle zur Folge, daß die gleiche Summe zur Verwendung für eine in Grünberg zu errichtende Anstalt für Schwachsinnige verwendet werden kann. — Ein Schreiben der Direktion der höheren und erweiterten Mädchenschule in Betreff der Debatte in dar Versammlung vom 4. d. M. über das I u g e n d f e st besagt u. a.: Die Unterstellung eines Stadtverordneten, als habe die Direktion alles gethan, um die Schülerinnen vom Jugendeste abzuhalten, sei grundlos; für Schülerinnen, die sich am Jugendfest beteiligen wollten, sei der Unterricht früher geschlossen. Wenn die Begründung der ablehnenden Haltung in der vorigen Sladtverordnetensitzung im Wortlaut vor gelesen worden sei, sei es unbegreiflich, wie zu rmt?r- leUen sei, die Direktion habe unsitttiche Attentate der Studentenschaft auf die Kinder vorgeschützl; die Direktion habe nur von Unannehmlichkeiten, denen die Kinder ausgesetzt, zudringlichen Zuschauern, Keckheiten der männlichen Jugend gesprochen. Die Direktion verwahre sich entschieden dagegen, daß man es so deuten könne, wie es in einer Zeitung lehe. Die Kollegen der höheren und erweiterten Mädchen- chule glauben in Bezug auf Arbeitswilligkeit unb Arbeits- reudigkeit der Lehrer hinter den Kollegen anderer An- tatten nicht zurückzustehen; es sei falsche zu meinen, weil das Fest viel Arbeit bringe, beteilige sich die Anstalt nicht am Fest. Ebenso falsch sei der Vorwurf,,die Anstalt hielte ich für zu> gut, um gemeinschaftliche Feste mit der Volkschule zu feiern; die Direktion weist diesen Vorwurf entschieden zurück. Schon unter den Amtsvorgängern des Direktors, im Jahre 1891 und 1893, seien Bedenken vorhanden gewesen, ob sich die Anstalt am Jugeirdfeste beteiligen soll. Bürgermeister Mecum bemerkt dazu, daß die Versammlung in eine Erörterung hierüber wohl nicht einzutreten brauche; nach inzwischen gewordener Mitteilung sei gegen jenes Lokalblatt wegen des über die betr. Stadtverordnetenversammlung veröffentlichten Berichtes Strafantrag gestellt. — Von einer an die Stadlverordnetenver- ।ammlung gerichteten Einladung zum Berbandsfeste der mtttelrheinischen Evang. Arbeitervereine am 27. d. M wird Kenntnis genommen. — Einer in voriger Versammlung von dem Stadtv. Krumm gegebenen Anregung zufolge Hal Bürgermeister Mecum die Feldschützen angewiesen, ihr besonderes Augenmerk auf die durch Komblumensucher verursachte Beschädigung der Getreidefelder zu richten. — Mit Bezug auf eine in Nr. 163 des „Gieß. Anz." befindliche Notiz, wonach die Stadtverordneten in Marburg beschlossen, zur Einleitung der Verhandlungen über die Gründung eines Städtebundthearers eine Kommission zu wählen, und an diese Notiz der Wunsch geknüpft wurde, daß auch die städtischen Behörden zu Gießen sich entschließen möchten, der Frage näher zu treten — teilt Bürgermeister Mecum mit, daß die Stadt Gießen aus dem hessischen Städtelag durch den Stadtverordneten Kirch vertreten gewesen; weiter teilt der Bürgermeister mit, daß betr. des hiesigen Theaters Verhandlungen über Verbesserungen in chesters im Gange seien. (Das ist ja sehr erfreulich zu hören. So scheinen unsere öfter gegebenen Anregungen doch nicht ganz so- frucht- und nutzlos geblieben zu sein, als man jetzt seltsamerweise es darstellen zu wollen scheint. D. 9teb. des „Gieß. Anz.") Stadtv. Hanau führt Beschwerde über die Fahrgeschwindigkett der Automobile und fragt an, ob bezüglich derselben keine Bestimmungen beständen, bezw. ob nicht dagegen eingefchritlen werden könne. Bürgermeister Mecum erklärt, die Polizei darauf Hinweisen zu Nr. 166 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden rm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener ZamUien- dlätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Unwers.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 5L gestellt. Nunmehr beginnt Staatsanwalt Weber fein P Iaido y e r. Er schickt voraus, daß die Anträge bezüglich sämtlicher Schuld frag en bejaht werden möchten, und giebt eine ausführliche Uebersicht über die Ursachen und Wirkungen der Verhältnisse, welche den Sturz der Bank besiegelten. Als Wendepunkt zur Abwehr der gefährlichen Verbindung mit Kassel war das Jahr 1898 zu bezeichnen. Trotzdem glaubte die Leipziger Verwaltung erst am ö. April an eine Gefahr. Der Staatsanwalt stellt fest, daß durchaus nicht daran zu denken sei, die an der Katastrophe Schuldigen in Kassel zu suchen und zu meinen, daß die Leipziger die Getäuschten seien. Der Staatsanwalt ist nicht davon überzeugt, daß für Exners Handeln Geldgier die Triebfeder gewesen sei. Selbstverständlich sei aber die Absicht auf Gewinn nicht völlig in den Hintergrund getreten. Exner sei von falschem Ehrgefühl geleitet gewesen und habe ein großes Finanzgenie sein wollen. Alle Vorwürfe, die gegen Exner zu erheben seien, richteten sich auch gegen Gentzsch, der seil 1898 feine ruhige Stunde mehr gehabt haben wollte. Seiner Vertauschung der Rechtsanwallspraxis mit der Direktorial- Thäligkeit habe nur die Sucht nach größerem Gewinn zu Grunde gelegen, seinem Verbleiben bei der Bank, seinem Verlangen nach hohen Tantiemen, Fälschungen der Direktion kämen durchaus nicht in Frage. Aber auch ohne Sekretariat wäre es ihr nicht so leicht gefallen, die großen Engagements bei der Trebergesellfchafl so lange vor den Beamten und allen Interessenten zu verheimlichen und sie im Unklaren zu lassen. Mit Freuden wolle er festellen, daß sämtliche Beamte dem Verdachte, an den strafbaren Handlungen teilgenommen zu haben, fern ständen. Mit außergewöhnlichem Raffinement habe die Bank em viel verzweigtes System buchmäßiger Effekten in außerordentlich rieten Konten geschaffen, während die Verhältnisse gaiiz anders lagen unb andere Buchungen erfordert hätten. Der Staatsanwalt wendet sich dann der von der Bank fortdauernd geübten Verheimlichung der bestehenden Engagements in der Anlegung neuer Konten zu. Er führt weiter aus, daß das Schicksal der Leipziger Bank schon iy2 Jahre vor dem Ausbruch des Kontur,es besiegelt gewesen sei Das 22 Millionen-Geschäft mit den sechs Herren der Trebergesellschaft in Kassel, dessen Initiative auf Exner zurückzuführen sei, stelle die raffinierte,te Schwindelet Exners dar Das ganze Geschäft, wie das Solidarvorschuß- konto, sei ein Scheingeschäfl von Anfang bis zu Eiide gewesen nur um das Konio Ordinario zu ermäßigen. Der Staatsanwalt gehl alle Treberkontos und Obligos im einzelnen durch unb weist nach, wie in den Buchern der Bant volle Unklarheit über den Vermögensstand der Bank geherrscht habe, sodaß eine Uebersichl über denselben Ege,chlo,sen war, so harmlos die Buchungen and} aus sahen. Der staats- anroalt weist am Schlüsse v-züglia» der Anklage auf ben Paragraph 239, Ziffer 4 und den Paragraph 240 der Kon- kursordnnng hin nnd d-ruhrt den Pnnkt der Verhe.mlrchung der dortigen Korrespondenz und der Verheimlichung der ^Hauptbücher. Auf. Vorschlag des Vorfttzenden unterbricht der Staatsanwalt gegen 3 Uhr seine |aft volle sechs Siunbenbauernde Rede. Die Fortsetzung wurde auf _ _ Ä Bezugspreis, ■mmi'ijjw’W Jimonatlich7öPf.,viertele AW V Rf W V _ . jährlich Mk. 2.20; durch Gießener Anzeiger ° General-Anzeiger w .Gfc. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen DoS Gesuch der Inh. Web^r (Arbeit, die cm Stelle der soyen. Kroch enbu rg in den Neuenbauen einen Neubau errichten wollen, hat die Versammlung bereits vor einigen Jahren beschäftigt. Die G-esuchsteller beabsichtigen, die damals beanstandete lleberschreitung der zulässigen der Straßenbreite angepaßten Gebäudehöhe durch Anlage eines Vorgartens ausMgleichen. Das Gesuch wird nicht befürwortet. Das Gesuch der Firma Oskar Gutmann um Erlaubnis zur Vergrößerung seiner Fabrikanlage an der Frank- ßcrterstraße wird nicht beanstandet; die Dispensgesuche betr. des Lreuder'schen Neubaues in der Naustadt und des Blödner'schen Bauies in der Plockstraße (Punkt 6 und 7 der Tagesordnung) werden von der Tagesordnung abgefetzt. Betreffs des ^luchtlinienplans für die Ecke des Marktplatzes und der Schulstraße, an der nach Abbruch des Alexander May er schien und des Lederhändiler Keilschen Hauses Apotheker Schwieder einen Neubau errichten will, hat die Baudeputation beantragt, die Fluchtlinie an dem Marktplatz so §u ziehen, daß eine Stratzenbreite von 9.75 Meter verbleibt Apothäer Schwieder ist hiergegen, sowie gegen die beantragte Fluchtlinie in der Schulstraße vorstellig geworden. Es wird beschlossen, auf dem Anträge der Bau- deputation, die die angegebene Straßenbreite wegen einer später anzulegenden Straßenbahn für nötig erachtet, zu beharren. Der Lederhandler K e i l W w e., welcher aus dem Kaufverträge mit Schwieder ein Bauplatz an der Schul- ftratze (jetzt Aiayers' Hof) zusallt, soll die Errichtung eines Neubaues an der jetzigen Ärufkuch^tlinie gestattet werden, soieru die Velchandlungen über eine neue Baufluchtlinie tmt Schwieder scheitern sollten. Von der Herstellung eines befestigten Bürgersteiges auf der westlichen Seite der verlängerten Bismarcü-- straße, um die Weißbindermeister Chr. Schmidt ein- krmrmt, soll bis nach Fertigstellung des Mbliothekncubaues abgesehen, jedoch für Unterhaltung des Fußweges gesorgt werden. Die Lieferung von Pflasterklinkern zur Befestigung der Bürgersteige in der Plockstraße (36000 Stück zum Preise von 25 Mk. für das Tausend) wird der Gailschen Dampfziegelei übertragen; die Anfertigung von Kandelabern, Wandarmen und Laternen für den Friedhof zum Preise von 140, 60 bezw. 120 Mk. dem Schlossermeister Wiegand; die Anlage und Unterhaltung des Blumenbeetes im Borhof des Friedhofes zum Preise von 397 bezw. 307 Mark dem Gärtner Karl Becker, nachdem auf Ausschreiben dieser Arbeit von anderer Seite ein Angebot von 386 Mark für die Anlage und von 675 Mark für die Unterhaltung abgegeben worden. — Die Unterhaltungs- arbeiten am G-ebaude der höheren und erweiterten Mädchenschule und an der Stadtknabenschule werden dem Maler F. Groß^ der äußere Anstrich! der Realschule dem Weißbindermeister Chr. Petri II, die Dachdeckerarbeiten an demselben Gebäude der Firma Kröck & Müller zu geschlagen. — Zur Anschaffung eines Drehkrahnens für die Verladung von ÄanLlisaliorrsmaterial bei der Margarethenhütte werden 1400 Mk. bewilligt, für die Anschaffung eines photographische Apparates 400 Mk. Der Apparat soll zur Aufnahme voraussichtlich durch die Kanalisationsarbeiten gefährdeter Gebäude, bezüglich deren eventuell Entschädigung gefordert werden könnte, dienem — Tie Rechnungen über die wegen der Kanalisation vorgenommenen Bohrversuche, über einen Prüsungsapparat für Gement und Tratz, über den Truck der Verdingungsunterlagen werden genehmigt, dergleichen über verschiedene Schlosserarbeit en am alten Schloß, über Tagelohnarbeiten an der Böschung in der verlängerten Al'i >iraße. Der Firma F. F r i e d b e r g e . ö y n e soll ein Lagerplatz der Margarethenhütte pachtw c (2 Mk. pro Qm. und Jahr) überlassen werden. Tie Firma D e r n L C o. beabsichtigt, ihre an der Frank- furterstraße gelegene Fabrik mit elektrischer Energie zu versorgen. Tie Fortführung des Kabels nach dem mehrere hundert Meter vom Endpunkt desselben befindlichen Anwesen stößt insofern auf Schwierigkeiten, als die Anlieger, die zum Teil noch im Besitze des später zu dem Bürgersteig heranzuziehenden Geländes sind, zu hohe Forderungen gestellt, von der Herstellung einer Oberleitung aber grundsätzlich abgesehen werden soll. Die Versammlung beschloß auf Antrag der Baudeputation, die Kabelverlängerung nur dann auszuführen, wenn das erforderliche Gelände für die Fortsetzung des rechtsseitigen Bürgersteiges zu einem annehmbaren Preise erworben lüerben kann. Die Uebersucht über die Einnahmen und Ausgaben der Realschule und des Realgymnasiums für 1901— 1902 im Betrage von 119153 Mk. wird nicht beanstandet. Die Wahl der Zuchtrichtung für Rindvieh betr. wird, nachdem sich, von den zur Aeußerung vor dem Bürgermeister geladenen Viehbesitzern vier für Holländer und fünf für Simmenthaler Bullen ausgesprochen,^auf Antrag der landw. Kommission die Haltung von Simmenthaler Bullen beschlossen. Zu Mitgliedern des Wiesen-Vorstandes, soweit deren Wahl der Stadtverordnetenversammlung zusteht, werden die Herren Gg. Simon und Wilh. Löber, zum Stellvertreter Karl Euler gewählt. Dem Gesuche des Vereins Reichsdeutscher in Budapest um Unterstützung soll keine Folge gegeben werden. Dem Gesuche von Wilh. Kaltwasser Ehefrau um Wirtschaftserlaubnis im Hause Frankfurterstraße 7, sowie von Wilh. Schwall III. um Konzession für die Wirtschaft im Schlessingerschen Hause an den Bahnhöfen wird stattgegeben. Dem Wilh. Schmal! wird die Errichtung einer Pritsche an der Lahn für eine Bootanlegestelle widerruflich und gegen Entrichtung einer Anerkennungsgebühr von 1 Mk. pro Jahr Jahr gestaltet. Das Gesuch der Deutsch-Amerikanischen Petroleumgesellschaft uw Ueberlassung emes Lagerplatzes zur Anlage eines Petroleumtanks, auf das vorher schon Bürgermeister Mecum abschläglich geantwortet, wird auf Antrag der Baudeputation abgelehnt. Zur Feier der Immatrikulation des 1000. Studenten war s. Zt. ein Kredit von 4000 Mk. bewilligt worden. Wie Bürgermeister Mecum mitteilt, steht die Ueber- sicht über die Ausgaben noch nicht fest. einschließlich des bewilligten Kredits belaufen sich die Einnahmen auf M.. 5676,15, worunter 1671 Mk. für Festschleifen. Diese Summe werde voraussichtlich zur Deckung der Ausgaben reichen. Wenn trotzdem eine Krediterweiterung von 250 Mk. beantragt werde, so geschehe dies, um Gratifikationen für außergewöhnliche Dienstleistungen anläßlich der Feier an städtische Beamte und Arbeiter gewahren zu tonnen. Gegen die Kreditgewährung wendet sich Stadtv. Krumm, während Stadtv. Hanau erklärt, sich der Abstimmung darüber enthalten zu müssen. Die beantragte Krediterweiterung wird nach Befürwortung der Stadtv. Schwall, Kirch und Dr. Gafltzz genehmigt. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde beschlossen, die Stelle des Friedhofsaufsehers für den neuen Friedhof dem Gärtner Friedrich Sier aus Lich zu übertragen. Der Genannte war drei Jahre als Lehrling und zwei Jahre als Gehilfe bei Hofgärtner Junker in Lrch beschäftigt. Vermischtes. * Der Einsturz des Markusturmes in Venedig. Die „Agenzia Stefani" veröffentlicht folgende Note: Der Unterrichtsminister teilte nach Beendigung der Voruntersuchung in einer Versammlung der Ilntersuchungskommission und der Behörden seine Entschlüsse mit, die Einheitlichkeit in der Leitung zur Freilegung des Markusplatzes von den Trüm» mern bezwecken, wobei alles verwendbare Material auf- bemahrt und alles gesammelt werden soll, was für die Untersuchungskommission bei Beurteilung der Sache von Wert sein könnte. Zu diesem Zwecke übertrug der Minister dem Architekten Poni, der seit drei Jahren die Ausgrabungen auf dem Forum Romanum leitet, die Oberaufsicht über die Arbeiten. Dieser geht Hand in Hand mit der Untersuchungskommission vor und zieht gegebenenfalls die Regierungs- und städtischen Ingenieure zu Rate. Land- und Seesoldaten besorgen die Säuberungsarbeiten in der Weise, daß der Markus- platz in wenigen Tagen wieder für den Verkehr freigegeben werden kann. Die Arbeit wird einerseits dazu dienen, die Nachforschungen der Untersuchungskommission zu ergänzen, und andererseits auch den Interessen der Kunstgeschichte Rechnung zu tragen. Unter den Trümmern wurden sehr dicke, fast unversehrte Teile von Skulpturen und Bronceornamenten gefunden, die bei der Errichtung des neuen Glockenturmes Verwendung finden sollen. Dieser erhält auf solche Weise nicht nur die alte Form, sondern auch viel neues Material, sodaß die Wiederherstellung mehr als eine Nachahmung des alten Turmes sein wird. Der Minister beauftragte die Untersuchun gskommission, zunächst festzustellen, in welchem Zustande die in nächster Nähe des Glockenturmes befindlichen Kunstdenkmäler sich befinden. Daran soll sich später eine umfassende und durchgreifende Arbeit zum Schutze aller Kunstdenkmäler Venedigs schließen. Gascokes. Infolge Stadtv erordneten-Beschlusses vom 10. April d. I. tritt eine PMnmjWH nuferer MM ein und wurden die Preise derselben bis auf werteres festgesetzt wie folgt: Für den Gentner ab Verkaufsstelle: Stück-CokeS..............1,10 2D1L Nuß-CokcS, ausschließlich trocken gelagert, in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge O f ens ch ä ch t e passend zerckleinert: Größe 9tr. 1, etwas größer als durchschnitt- ' hebe Korngröße des Anthracit, gang« barste Sorte......... 1,25 Mk. Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit .....1,30 Mk. Zu Wagenladungen vo» mindestens 36 Gentnern: Stückcokes.......1,05 Mk. Nutzcokes Nr. 1.....1,20 , Nutzcokes Nr. 2.....1,25 , Bet Entnahme von mindestens 200 Gentnern: Stückcokes.......1,— Mk. Rutzcokes Nr. 1.....1,15 „ Rutzcokes Nr. 2.....1,20 „ Für Eokesabnehmer, welche zwei «ud mehr DoppelwaggouS beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Psg. pro Centner. Für Aufuhr au das HauS werden 5 Pfennig für den Centner berechnet. NB. Sofern das Verbringen der Cokes — bis zu 6 Centnern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall rc.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von Über 5 Centner Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Klkinmkmf der «teilte von 1 bis 5 Centner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H Hof, Bahnhofstraße 33 und 34, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Lrcherstraße 2, August Struck, Bismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gascokes samt Anfuhr wie das Gaswerk unb verabfolgen dieselben auch m Mengen unter 5 Centnern. Die Preise unserer Gaseokes für die Abnehmer außerhalb der Gemarkuufl Gießen ermäßige» sich um den Betrag der vctroirnckvergütuug von 4 Pfg. für den Centner. Gießen, den 16. April 1902. 3086 Städtisches Gas- uud Wasserwerk Gießen. Zur Einmachezeit empfehle EimachMchsen no^&8, Frucht- u. Tast-Preisen rc. Emil Pistor Nachfolger. . . pr. Pfd. Zucker ganz, Lindenplatz 12. Bahnhofstr. 27. Kommers auf dem Festplatz. Abends: Der Festausschuss. 5152 i 1 Backpulver Dr. Oetker's > Banilliu-Zucker J Puddingpulver ä 10 Psg. Millonenfach bewährte Rezepte gratis von den besten Geschäften. 567 ahrrader Erstklassige Deutsche. Laternen Luftpumpen 19. Hess. 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