9h?. 65 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Dienstag 18. März 1902 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem yesflscheu Landwirt die Siebener Kamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Unrvers.-Buch-u.Stem- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, (Srpebttton und Druckerei: Tchnlstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fcrnsprechanschluß Nr. 51. GietzenerAnzeiger vjr General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Netzen Bezugspreis: monatlich 75 Pf.,viertel jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausfchl. Bestellg.^ Annahme von Anzeigen für dle Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr»> Zeilenpreis: lokal 12 Pf^' auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den oolit. u. allgem.' Teil: P. Wittko: für „Stadt und Land" und „ G erich tssaal": R. D i t t- mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Bekanntmachung. In Nieder--Wöllstadt, Kreis Friedberg, ist die Maul- urrd Klauenseuche erloschen. Gießen, den 17. März 1902. Großherzo glich es Kreiscrmt Gießen. v- Bechtold. Gießen, den 16. März 1902. ödru Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen, hier: Darstellung des Zustandes derselben. Die Großh. Kreisschulkommission Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 4. v. Mts. (Kreisblatt Nr. 18) noch nicht entsprochen haben, werden au deren alsbaldige Erledigung erinnert. v. Bechtold. Politische Tagesschau. Die Warschauer Spioneugeschichte. Polnische Blätter melden aus Warschau, Kwan zig Offiziere seien wegen Verbindung mit dem Oberstleutnant Grimm verurteilt worden. In einer der letzten Nächte seien wieder eine größere Anzahl horerer Offiziere, darunter am Hofe bekannte Personen, eingeliefert worden, sodaß die Gesamtzahl der Verhafteten 60 betrüge. Russische Geheimpolizisten seien nach Krakau gekommen, um aridere Mitschuldige, die sich durch Flucht der Verhaftung entzogen hätten, dort zu verfolgen. Grimm soll selber als russischer Kundschafter im Auslande gewirkt und ein Doppelspiel getrieben haben, sodaß sein Verkehr mit verdächtigen Personen nicht auffiel. Er habe im Palais Zamoyski gewohnt, wo auch die Generalftabsbureaus untergebracht sind, und eine Abteilung geleitet, die besonders die Mobilisierungspläne, die Rückzugspläne, die Festungspläne von Warschau und anderen Orten umfaßt habe. Grimm habe sie sämtlich, nach, den polnischen Blättern, an Deutschland verkauft. Die Polizei habe ihn durch einen Brief in das Hotel Anglais gelockt, das von Gendarmen umstellt worden sei, während man seine Wohnung durchsucht habe.. Gegenwärtig sei er in der Warschaue-r Zitadelle in Haft. Der Lemberger „Slovo Poliki" meldet aus Warschau, Grimm wurde von der russischen Armeeleituug selbst zu, Spionage im Auslande benutzt und hatte Befehl, mit allen als Spionen bekanntne Personen in Verkehr zu treten. «Er soll in dieser Beziehung wertvolle Dienste geleistet haben und genoß daher das volle Vertrauen seiner militärischen Vorgesetzten. Daher konnte er unbehindert mit ausländischen Spionen verkehren. Grimm soll nach Angabe der Einen durch seine eigene eifersüchtige Frau, nach Angabe Anderer durch eine aristokratische Dame, die sich zeitweise in Wien aufhalt und mit der er in Verbindung trat, verraten worden sein, weil er ihr das Honorar, mehrere tausend Rubel, für früher geleistete Dienste vorenthielt. Uebrigens soll der durch Auslieferung der Pläne verursachte Schaden nicht allzu groß sein, weil die Mobilisierungspläne alle drei Jahre gewechselt werden. Trotzdem soll der Zar tief niedergeschlagen sern. Der Kriegsminister erteilte den Auftrag, sofort alle Plüne, die Grimm kopiert habe, gänzlich umzuarbeiten. Es steht ein vollständiger Personenwechsel in allen oberen Militärstellen bevor, da sich das Mißtrauen aller gegen alle bemerkbar macht. Der zweite Chef des Generalstabes, General Hertavann, demissionierte. Außerdem sollen noch überraschende Enthüllungen bevorstehen, die als „europäische Sensation" bezeichnet werden müßten. Es wird aber wohl so schlimm nicht sein! 2. Sitzung Grotzh. Handelskammer Gießen, fiir die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protoko ll-Aus zug. Gießen, 14. März. Anwesend find die Herren: Kommerzienrat Koch, Vorsitzender, Kommerzienrat Heichelheim, Balser, Dürbeck, Grünewald, Hoos, Jhring, Katz, Moll, Nowack, Rinn, Röhr, Schirmer, Schmall, Steinecke, Wallach und Zurbuch, sowie der Sekretär Karl Vogel. Entschuldigt fehlte Herr Ramspeck. 1. Ges chüs ts b er icht. Aus dem Geschäftsbericht ist hervorzuheben: Durch Ausnahmetarif für Eisenerz, abgerösteten Schwefelkies zum Hochofen- und Bleihütt-enbetrreb sowie Koks zum Hochofenbetrieb vom 1. Juni 1901 war der Einheitssatz pro Tkm. bei 1 bis 100 Km. Entfernung aus 1.8 Pfg., bei 101 bis 190 Km. auf 1.5 Pfg., bei 191 und mehr Kilometer aus 1 Pfg. festgesetzt. Dadurch sind die hessischen Gruben für ihren Versand nad). dem rheinisch? westfälischen Jndustriebezirk ungünstiger gestellt worden als die elsaß-lothringischen, da sie für den Vorzugsfrachtsatz von 1 Pfg. wegen der geringen Entfernung nicht in Betracht kommen. Die Kammer hat daher im Interesse der Berg- und Hüttenwerke unseres Bezirks beim Herrn Minister für öffentliche Arbeiten in Berlin eine weitere Frachtermäßigung für den Versand von Hessen nach dem rheinisch^- westsälischen Bezirk beantragt, um unsere Gruben konkurrenzfähig zu erhalten. An die Königl. Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. war das Ersuchen gerichtet worden, für den Sjo mm ersah rpl an einen Anschluß des bayrischen Schnellzugs 166, welcher nachmittags 4.21 in Frankfurt a. M. eintrifft, mit dem S.-Zug 77 der Ma i n - We s e r- Bahn — Abfahrt in Frankfurt a. M. 4.20 — herbeizu- sühren. Unser Antrag wurde ab gelehnt-, weil eine solche Maßnahme eine gleichzeitige Späterlegung der unmittelbar nachfolgenden Personenzüge 797 Frankfurt-Cassel und 721 Frankfurt a. M.-Homburg bedingen und ferner die wichtigen Anschlüsse dieses Zuges in Gießen an den Personenzug 643 nach Coblenz und in Marburg an den Personenzug 779 nach Cassel ausgehoben werden würde. Aus eine Anfrage der Königl. Eisenbahn-Verkehrsinspektion Fulda erklärte sich die Kammer, nach Anhörung der betreffenden Interessenten, mit Verlegung des Abfertigungsschlusses der Güterabfertigungsstelle in Lauterbach von abends 7 auf 6 Uhr einverstanden. Die Neuerung ist am 1. Februar in Kraft getreten. Der uns gegenüber geäußerte Wunsch, für eine Verlegung des Bahn Hoss Ranstadt eintreten zu wollen, ist an die Großh. Betriebs-Inspektion II Gießen mit der Bitte um Berücksichtigung weiter vermittelt worden. Die Großh. Bürgermeisterei Alzey teilte mit, daß beabsichtigt sei, für bevorstehenden Sommerfahrplan den Zug 431 Kaiserslautern-Mainz und Gegenzug 438 in Wegfall kommen zu lassen. Wir treten im Interesse unseres Bezirks bei Königl. Preuß. uni) Großh. Hess. Eisenbahn- Direktion Mainz für Beibehaltung der betreffenden Zugverbindung ein. Im Januar d. I. trat die Kammer auf Antrag aus beteiligten Kreisen für tägliche Einstellung des bis jetzt nur an Sonn- und Feiertagen fahrenden Nach- mit tagszuges Hungeu-Laubach (ab Hungen 6.50) em, indem sie zugleich im Interesse des Arbeitervcrkehrs eine geeignete Späterlegung befürwortet. Dem Antrag ist nicht entsprochen worden. Unter Betonung der un- lohnenden Frequenz dieser Strecke erklärte die Großh. Ver- kehrs-Jnspettion, nur dann für die tägliche Einlegung des Mendzuges 1073 — Abfahrt 7.20 — und des Gegenzuges! 1074 befürwortend eintreten zu können, wenn auf bte bisher im Sommer beförderten Züge, Hungen ab 6.35 vorm., Laubach an 7.05 — Laub ach ab 8.15 vorm., Hungen an 8.47 verzichtet würde. Die Kammer wird auch fernerhin für die oben erwähnte, nötige Verkehrsverbesserung ein- treten. Aus dem Kreise unserer Mitglieder wurden wir auf die vielfachen Klagen über die ungenügende Reinig u n g d e r A b s u h r st r*a ß e vom G ü t e r b a h n h o f hingewiesen. Wir haben deshalb die Großh. Verkehrs-Inspektion um Abstellung dieser Uebelstande ersucht. Auf Anfrage teilten wir dem Großh. Ministerium der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen mit, daß wir gegen einen Antrag des Hauptfteueramts Gießen, auf Verlegung der Geschäftszeit für Zoll- und Steuerabfertigungen an den Wochentagen von i/22 bis V26 auf 2 bis 6 Uhr nichts einzuwenden hätten, ihn vielmehr nur befürworten könnten. Die betreffende Bestimmung ist am 1. Februar 1902 in Kraft getreten. Nachdem' »das Ministerium des Innern den von der Gießener Stadtthcater. Es lebe das Lebe«, Drama in 5 Akten von Hermann Sudermann. (Buchausgabe bei Cotta in Stuttgart, 172 S., 3 Mk.) Kurz vor Thoresschluh bescherte uns die Direktion unseres Stadttheaters noch die bedeutendste Novität des jungen Jahres. Das Urteil Berlins und Frankfurts, das nicht günstig lautete und in der Regel die Provinzialbühnen zu bestimmen pflegt, verliert bei Sudermann seine Geltung. Bei ihm darf jeder Theaterdirektor stets zum mindesten auf einen äußeren Erfolg hoffen, denn er bewährt sich immer als Freund und Liebling des deutschen Theaterpublikums in seiner weit überwiegenden Mehrzahl, wie Sardou der Liebling der Franzosen und der Deutschen ist; Beweis dafür: der erneute Erfolg seiner längst abgespielten „Madame Sans-Gene" in unseren Tagen. Und vielleicht wird nach Jahren Sudermanns „Es lebe das Leben" in französischen Provinztheatern die nämlichen Triumphe feiern, wie Sardous ungeniertes Drama heute noch bei uns; ba§ Zeug dazu hat das Sudermann'sche Stuck. Hat Sudermann den Berliner und Frankfurter Mißerfolg verdient ober nicht? Hat man das Recht, ihn auch nach seinem neuesten Drama in einen Topf mit dem geschickten Theatermacher Sardou zu werfen? Die Kritik in Hamburg, Köln und anderen bedeutenden Theaterstädten urteilte, nach den kurzen Notizen, die uns darüber vorlagen, anders als die „maßgebenden" Rezensenten an der Spree und am Main. Und Gerhard Hauptmann sagt einmal sehr richtig: „Das große Mißlingen kann mehr bedeuten, als je das beste Gelingen vermag." Die Worte stammen aus seinem als Drama mit Recht allenthalten schmählich abgefallenen „Michael Kramer", der m. E. eine Meisternovelle in Dialogform ist. — Unser Theaterpublikum, das überaus zahlreich erschienen war, entschied sich zu Gunsten Sudermanns. „Es lebe das Leben!" Wie fioh das klingt! Geltung hat's leider nur sehr bedingt. Sudermann hat uns in feinen Dramen zumeist das Evangelium des Lebens verkündet. Die kleine Alma in der „Ehre" lachte noch naiv zu ihrer Sünde; Frau Ada in „Sodoms Ende" ist die bewußte eitle Sünderin ohne geistige, im Boden einer persönlichen Lebens- anschauung wurzelnde Anwartschaft auf eine Sondermoral, die Verführerin, an der des Mannes Leben zu Grunde geht; Magda in der „Heimat" erringt sich, ohne Rücksicht auf ihre Nächsten, ein freies persönliches Leben, zu dem sie frei- üch sich selber mehr prahlerisch überredet als andere überzeugt; Elisabeth im „Glück im Winkel" wird aus der Stille der Resignation zum überwundenen Leben und Lieben neu aufgerüttelt, um bann roieber im Sinne des Lessing'schen Sichbescheidens selbstlos hinter dem Glück der Ihren sich zu verbergen; die „Morituri" spielen mit dem Leben, werfen es von sich wie etwas Verbrauchtes als seine Uebenmnber und Verächter; sie haben sein schmerzliches Glück genossen, im Gegensatz zu dem Lebensüberwinder „Johannes", der um die geistige Wiedergeburt des Lebens ringt; Marikke im „Johannisfeuer" endlich sttehlt sich ihr bischen Recht auf Lebensfreude, entsagt aber, um von einem kurzen Genuß zu zehren, ehe sie der Pflichten gegen andere vergißt. Von denen, die sterben müssen, weil sie ihr eigenes Leben gelebt haben, und denen, die leben müssen, weil sie in sich gestorben sind, handelt Sudermanns letztes Stück. Wägen wir die Fülle der Sudermann'schen Gestalten von seinem dramatischen Erstling an gegen einander ab, so sehen wir, daß Sudermanns Motivirungen von Stück zu Stück edler, das Psychologische feiner, jede einzelne Gestalt gereister geworden ist. Und einen Schritt vorwärts auf der ansteigenden Bahn bedeutet auch „Es lebe das Leben". Beate Gräfin v. Kellinghausen hat an der Seite eines prächtigen, lebensfrischen Mannes von kerngesundem Geist und Körper, dem aber leider, wie seinem älteren Kameraden v. Räcknitz, die Pferde noch höher im Werte stehen als die Weiber, zwanzig Jahre ganz glücklich gelebt. Er hat sie in seiner Art riesig gern, sie aber verlangt von ihrem Manne doch etwas mehr. Denn sie ist eine Höhennatur, die Blüte einer geistig und körperlich vollendeten Kultur. Ihr Gatte war jahrelang eins der beliebtesten Mitglieder einer großen Reichstagsfraktion und so gelang es ihr durch ihn, als eine neue „Egeria" die Fäden der gesamten Parteipolitik mit ihren zarten Fingern zu spinnen. Ihre „polizeiwidrig klugen Augen" beherrschen das Leben aller derer, in das sie blicken. Ihren durch lange Krankheit geschwächten Körper hält eine starke geistige Thätigkeit, unterstützt durch die Fläschchen eines Medizinmannes, aufrecht. Sie liebt das Leben mit ihrer ganzen Schönheit und Gewalt und will es bis zum letzten Atemzuge auskosten. Und sie hat es auch gekostet. Im Baron Richard v. Völkerlingk, der an einer oberflächlichen Frau leidet, hat sie eine wahlverwcmdte Natur gefunden, den Mann, der ihr die Harmonie des eigenen Lebens, das Leben selber bedeutet. Ihm gab sie sich hin, als sie bereits die Gattin des Grafen Kellinghausen, ja die Mutter eines Töchterchens war. ~ Ihr bedeutet die Hingabe keine Sünde, ihr „war es eine Stufe empor zu ihrem Selbst — zur endlichen Erfüllung der Harmonie, die die Natur mit ihr im Auge hatte" (4. Akt, 11. Szene). Beate, die „Glückselige", hat sich, überzeugt vom natürlichen Recht der Persönlichkeit, auf den Boden einer Sondermoral gestellt; Nietzsche's Philosophie hat ihre Lebensanschauung bestimmt. Sie sieht in seiner Universalmoral das alte Astartenideal, dem man noch heute wohl unsere Seelen opfert. Sie bestreitet den Segen einer allgemeinen Moral, die der Gesamtheit das ethische Gleichgewicht und möglichste Reinheit sichern soll, denn der Begriff Gesamtheit scheint ihr nicht in logischem Zusammenhang zu stehen mit einer Moral, die die Einzelnen zu Millionen verderben läßt, „wenn nur die Gesamtheit hübsch gesund bleibt". Von dem anerzogenen Gewissen der Allgemeinheit wird sie verdammt, von dem eigenen Gewissen freigesprochen. Dieser Persönlichkeitsmoral, einer Moral, die zweifellos den Standpunkt von „Sodoms Ende" und von der „Heimat" überragt, stellte Sudermann geschickt die Praxis einer staatserhaltenben, die traditionelle Moral schützenden politischen Partei gegenüber. Zu Völkerlingks Gunsten hat Graf Kellinghausen auf fein Reichstagsmandat verzichtet. In der Ersatzwahl siegt Völkerlingk. Der unterlegene Gegenkandidat aber hat, wie das im breiten bürgerlichen Leben wohl auch eine schmutzige Konkurrenz in neidvoller Niedertracht thut, nach bekanntem Muster im Wahlkampfe vor keiner Gemeinheit zurückgeschreckt, die zwölf Jahre zurückliegenden intimen Beziehungen zwischen Völkerlingk und Beate agitatorisch ausgenützt und mit plebejischem Behagen in einem Winkel- und Skandalblättchen breitgetreten. Die Klatscherei einer Sorte Menschheit, die, gestohlenes Material in der Hand, andere mit Kot bespritzt, ruft natürlich in den Kreisen der betroffenen Partei Bestürzung hervor, denn Völkerlingk wird von ihr als eine Leuchte, als die kommende Größe angesehen. Der Parteichef selber bemüht sich die Sache schleunigst zu vertuschen. Ihm kommt es darauf an, daß die Gesamtheit seiner Partei vor allem nach außen hin gesund dasteht. Ob unter der Zwangsjacke der Gesell- schastsordnung auch eiternde Beulen am Körper der Einzelnen wuchern, ob diese knechtende Moral auch die Seele des Einzelnen zerstißt — man darf um keinen Preis „aus dem Stil fallen". Herr v. Brachtniann warnt eindringlich, der Sache irgend welche Bedeutung beizulegen oder gar die Gerichte in Bewegung zu setzen. Er erzählt ganz munter, daß er von gegnerischer Seite als Brandstifter, Wechselfälscher, Verleiter zum Meineid und ähnlichen Gesellschaftsspielen verdächtigt worben ei. So etwas bringt eben jebe exponierte Stellung im öffentlichen Leben mit sich, zu der nun einmal ein besonders Delegiertenkonferenz der hessischen Handelskammern (7. Dezember 1901 Mainz) für Verteilung des Sraats - Zuschusses an die kau fmänn sichen Fachschulen ausgestellten Bedingungen seine Genehmigung erteilt hat, wurde durch die Kammer der Zuschuß für die Schulen in Gießen (1360 Mk.), Alsseld (230 Mk.) und Lauterbach (230 Mk.) aus gezahlt. Die kaufmännische Fachs chule Gießen hat sich entsprechend der Verfügung Großh. Ministeriums der Oberaufsicht der Handelskammer unterworfen; als deren Vertreter gehören die beiden Vorsitzenden der Schulkvrn- mission an. Gleiche Unterordnung seitens der kaufmännischen Fachschulen Alsfeld und Lauterbach ist demnächst zu erwarten. Im Hauptvoranschlag für 1902/3 ist erstmalig der Betrag von 5000 Mk. zur Unter st ützung von R v h st o s f- einkaufsgenossen schäften der Handwerker gefordert worden. Aus Anregung des Vereins der Detaillisten unterstützten wir eine Eingabe des Verbandes deutscher Eisenwarenhändler zu Mainz an die Zweite Kammer, diese 5000 Mk. nicht bewilligen zu wollen, da wir in einer staatlichen Unterstützung des genossenschaftlichen Zusammenschlusses, welchen wir nur dann für berechtigt halten, wenn er aus sich heraus erfolgt und sich aus eigenen Mitteln lebensfähig zu erhalten vermag, einen gefährlichen Eingriffins Wirtschaftsleben erblickten, der nur geeignet sein kann, den Konkurrenzkampf im Zwischenhandel selbst zu verschärfen. Die betreffende Summe ist trotz des Einspruchs im Landtag nunmehr bewilligt worden. Bezüglich des hessischen Handelskammergesetzes unterstützten wir eine Eingabe der Handelskammer Bingen, worin die Landstände ersucht werden, den § 19 des Entwurfs, wie er vom Hess. Handelskammertag vom 21. Oktober 1900 gebilligt worden ist, anzunehmen; wir sprechen uns also für eine sechsjährige Dauer der Wahlperiode mit jedes zweite Jahr stattfindender Ergänzungswahl aus, im Gegensatz zur Handelskammer Darmstadt, die eine jährliche Ergän zungswahl eines Drittels der Kammermitglieder befürwortet. Dem Kaiser!. Patentamt wurde Bericht über die Benutzung der Patentschriftenauslegeftelle in Gießen erstattet. Es wird an dieser Stelle ausdrücklich und wiederholt auf die in der Grvßh. Universitätsbibliothek aus- liegenden Patentschriften (Klassen 2, 4, 6, 21, 22, 28, 30, 34 i, 42, 45, 49, 51, 57, 68, 70, 79, 80 und 85) aufmerksam gemacht. Auf eine bezügliche Anfrage wurde dem Kaiser!. Patentamt mitgeteiü, daß die grundsätzliche Eintragungsversagung von orientalisch klingenden Namen für Tabakfabrikate nicht erwünscht erscheine. Immerhin aber würde Morten, die infolge besonderer Bildung und Gestaltung geeignet seien, den Eindruck eines Firmennamens hervorzurufen, die Eintragung ins Zeichenregister unbedingt zu versagen sein. 2. Einführung von Gewichtsstücken zu 250 und 125 Gramm. Ausprägung von Scheidemünzen zu 25. Pfg. Ter Zentralverband deutscher Kaufleute und Gewerbetreibender hat dem StaatsseLetär des Innern, Berlin, die Bittc: unterbreitet, „für die Einführung von Gewichtsstücken von 250 und 125 Gramm, für die Ausprägung von Scheidemünzen im Nennwert von 25 Pfennig feinen Einfluß geltend machen zu wollen.^ Die Kammer beschließt, die Bestrebungen des Zentral- Verbandes an zuständiger Stelle zu unterstützen. 3. Beseitigung der kleinen Wechsel, lieber den von der Handelskammer Heidenheim beim deutschen Handelstag gestellten Antrag (Beseitigung der Wechsel unter 100 Mark) wird zur. Tagesordnung übergegangen. 4. Vervollständigung des polizeilichen Meldewesens. Der Verband der Vereine Kreditreform hat den Ministerien der Bundesstaaten den Vorschlag unterbreitet: „Die polizeilichen Meldämter möchten angewiesen tucrben, in allen Fällen den letzten Anferttbaltsort neu an gemeldeter Personen zu ermitteln und dorthin die erfolgte Anmeldung zu berichten." Die Kammer erkennt die Zweckmäßigkeit einer derartigen Bestimmung für die Erleichterung der Krediterkundigung an, und beschließt einstimmig, für den Antrag einzu- treten. 5. Verstaatlichung des Mobiliar-Feuer- Bersicherungswesens in Hessen. Die Kammer ist ersucht worden, dahin vorstellig zu werden, daß dem in der zweiten Ständekammer einstimmig angenommenen Antrag betr. Errichtung einer staatlichen Mobiliarfeuer- versicherung im Großherzogtum Hessen seitens Großh. Staatsbehörde stattgegeben werde. Nach einem Referat des Sekretärs und einer kurzen Vorbesprechung werden die Verhandlungen aus die nächste Sitzung vertagt. 6. Eingänge. 1. Mitteilung des Großh. Polizeiamts, daß für das Jahr 1902 die gleichen Ausnahmetage betr. Offenhaltung der Geschäfte vor den Feiertagen wie für 1901 festgesetzt worden sind. 2. Mitteilung der Großh. Bürgermeisterei, daß der Vorentwurf für die Haltestelle am Nordende Gießens seitens der Eisenbahndirektion Frankfurt und der Großh. Bürgermeisterei einer Umarbeitung unterzogen wird. 3. „Der deutsche Handelstag in feiner Entwickelung und Thätigkeit 1861—1901", bearbeitet von Dr. Genfels. 4. Amtlicher Katalog der Ausstellung des deutschen Reichs auf der Weltausstellung in Paris. 5. Bedingungen für die Ausführung von Fernsprechanschlüfsen für Aussteller der Düßeldorfer Ausstellung. 6. Mitteilungen über zweifelhafte Firmen in Paris, St. Franziseo, Kiew, Barcelona, London, Natal, Tunis, Niederlande. 7. Mitteilungen über: Verdingungswesen in den Niederlanden. Lieferung von Eisenbahnwagen nach Belgien. Lage der Textilindustrie in den Vereinigten Staaten. Handelsverkehr mit Kanada. Geschäftskrsiis in Argentinien. Handelsbeziehungen mit eingeb. Firmen in Bombay, Siam. Hande! zwischen Deutschland und den ausstral. Kolonien. Industrie Kanadas. Jnteresfenten erhalten nähere Auskunft auf dem Sekretariat. 8. Anfrage der Zentralstelle für Vorbereitung von Handelsverträgen betr. den soeben veröffentlichten Entwurf eines neuen schweizerischen Zolltarifs. Da, wie uns bereits mitgeteilt worden ist, auch Firmen unseres Bezirks durch Zustandekommen dieses Tarifs geschädigt würden, ersuchen wir hiermit die betr. Interessenten, ihre event. Wünsche baldigst zu unserer Kenntnis zu bringen. Wir machen an dieser Stelle auf die vor einiger Zeit für die Zwecke des Jahresberichts versandten F r a gebogen aufmerksam und bitten dieselben baldmöglichst ausgefüllt der Handelskammer zugehen lassen zu wollen. Einer liebenswürdigen Einladung der Herren Kommerzienrat Gai! und Kommerzienrat Heyligenstaedt folge leistend, besichtigte die Kammer im Anschluß an heutige Sitzung die Gail'sche Dampsziegelei und Thon- warenfäbrik, sowie die Maschinenfabrik und Eisengießerei von Heyligenstaedt u. Co. Die Besichtigungen sanden ihren Abschluß mit einem von Kommerzienrat Heyligenstaedt in feiner Kantine freundlichst gebotenen Abendtrunk. Unser Vorsiüender, Kommerzienrat Koch, sprach bei dieser Gelegenheit den beiden Herren, die in zuvorkommendster Weise selbst die Führung ihrer Gäste übernommen hatten, in herzlichen Worten den Dank der Handelskammer aus. Aus Stadt und Sand. Gießen, den 18. März 1902. •* Tagesordnung fiic die Sitzung der Stadtverordueten-Ver' sammlung Donnerstag, den 20. März, nachmittags 4 Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Den Neubau einer höheren und erweiterten Mädchenschule hier: a) Bekanntgabe des Urteils des Preisgerichts und Ankauf eines Entwurfs, b) Ueberwölbung. des Stadtringgrabens in der Nordanlage zwischen Damm-- und Schillerstraße. 3. Baugesuch der Firma Birkenstock u. Schneider für den Brandplatz; hier: Dispens. 4. Baugesach von Schäfer u. Größer für die Noonstraße. 5. Gesuch des Wilh. Seipp II um Befristung zur Erbauung eines Vorderhauses in der Liebigstraße. 6. Bepstanzung der östlichen Dammböschung der Main-Weser-Bahn an der Westanlage. 7. Begießen der Straßen; hier: Vergebung des Fahrens der Gießfässer. 8. Geländeerwerb zwischen Medizinischer Klinik und Cholerabaracke. 9. Gesuch des Bäckermeisters Jacob Klingelhöffer um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes. 10. Anlage erhöhter Trottoirs in der Hofmannstraße; hier: Vergebung von Lieferungen. 11. Vorlage der Rechnung der Gememdekrankenversicherung pro 1901. 12. Vorlage der Rechnung und des Verwaltungsberichts der Stadt Gießen pro 1900/01. 13. Gesuch des Lesehallenvereins um Ge- ivährung eines Zuschusses aus städtischen Mitteln. 14. Voranschlag der Stadt Gießen für 1902/03; hier: Erteilung von Dekreturen zu Lasten derselben. 15. Gesuch des Wilhelm Krätzer um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Haufe Schützenstraße 1. 16. Desgl. des Ferd. Harnickel daher im Hause Sonnenstraße 8. 17. Desgl. des Emil Freund dahier im Hause Seltersweg 13. 18. Desgl. des Reinhold Choschick in Marburg im Hause Bahnhofstraße 48. 19. Desgl. des Hans Prottengeier dahier im Haufe Schanzenstraße 18. ** lieber Zwangserziehungskosten. Im Juni 1887 wurde für das Großh. Hessen das Gesetz über die Zwangserziehung der Kinder und deren Fürsorge erlassen. Seit dieser Zeit wurden aus dem ganzen Großherzogtum Heften bis zum 31_ März 1901 1869 Kinder in Zwangserziehung gegeben, und zwar aus Starkenburg 834, aus Rheinhessen 545 und aus Oberhessen 490. Von diesen 490 entfallen auf Gießen 165, Alsfeld 43, Büdingen 54, Friedberg 115, Lauterbach 82 und Schotten 31. Am 1. März 1901 befanden sich noch 302 Kinder aus Oberhesfen in Zwangserziehung. Für Kinder wurden aufgewendet 1 225 632,08 Mk., wovon 595136,12 Mark der Staat und 630 495,96 Mk. die Gemeinden leisteten. Zu den Kosten für Starkenburg steuerte der Staat 298 268,93 Mark, die Gemeinden 332 331,32 Mk. bei, für Oberhessen der Staat 137 795,82 Mk., die Gemeinden 135 703,78 Mk., für Rheinhessen der Staat 159 071,37 Mk., die Gemeinden 162 460,86 Mk. Die im Etatsjahr 1900/01 für die Zwangszöglinge aufgewendeten Kosten belaufen sich für das Großherzogtum auf 163783,51 Mk., wovon 81969,30 der Staat und 81814 die Gemeinden tragen, für Starkenburg auf 83 651,49 Mk. (41805,86 Mk. trägt der Staat, 41845,63 Mk. die Gemeinden), für Oberhessen auf 33 340,74 Mk. (16 450,35 trägt der Staat, 16,890,39 Mk. die Gemeinden), für R h einh e ff en 46 791,28 Mk. (23 713,09 Mark trägt der Staat, 23 078,19 Mk. die Gemeinden). Auf Gießen entfallen in 1900/1901 6518,48 Mk. (Staatszuschuß 6078,44 Mk.), Alsfeld 2013,44 (2013,43) Mk., Büdingen 1276,80 (1276,80) Mk., Friedberg 4295,99 (4295,99) Mk., Lauterbach 1989 (1989) Mk^ Schotten 796,68 (796,61) Mark. Frankfurt a. M., 17. März. Der Großherzog und die Großherzogin vnn Baden sind heute Vormittag hier angekommen. Zn ihrer Begrüßung war die Prinzessin Friedrich Karl am Bahnhofe erschienen. Sodann begaben sich die Herrschaften gemeinschaftlich zum Besuch der Königin von Schweden nach dem „Frankfurter Hof". Frankfurt a M., 16. März. In der Waldgegend zwischen Darmstadt und Frankfurt finden sich in der Nähe des Schlosses Kran ich st ein und der Försterei guter Magen und ein besonders guter Humor gehören. Und der betrogene Gatte geht darauf ein! Das, so meinen nun vielleicht manche, ist also, wie Sudermann hier beweist, ist die Moral der oberen und der unteren Zehntausend: die Einen rühren mit mehr oder minder unlauteren Hülssmitteln rücksichtslos alle Geschichten auf, die durch schwere Seelenkämpfe gesühnt sind, und bemühen sich in ihrer Prositwut ganze Famllien ins Unglück, ja ganze Gesellschaftsklassen ohne Not dem Pesthauche des verallgemeinernden Straßenklatsches preis zu geben; auf der anderen Sette sündigt man und geht, allem natürlichen Gefühl zum Trotz, scheinbar unangetastet und unantastbar vor den Augen der großen Welt kalt lächelnd zur Tagesordnung über. Doch Sudermann will keineswegs verallgemeinern; ihm ist es gerade um den Beweis dafür zu thun, daß Moralttät oder Immoralität federn Einzelnen in besonderer Form eignen, die jeder für und vor sich allein zu verantworten hat. Das Eine wie das Andre, das Individualisieren und das Verallgemeinern, muß für unsere Tage zu den unhaltbarsten Extremen führen, und daß schließlich unsere uralte Gesellschafts- und die Nietzsche'sche Persönlich- kettsmoral ihre Fehler haben und ihre Vorzüge, das bedarf weiter keiner Auseinandersetzung. Die Allgemeinheit unserer Zeit braucht eben die Gesellschaftsmoral, der Einzelne kann sich mit einer Sondermoral abfinden, so lange es die Allgemeinheit nicht angeht. Es schwebt aber über dem Stücke in Momenten wie ein feiner Hauch von Größe. Das sind die unterdrückten Gefühle und nach Freihett ringenden Gedanken einer Zett, in der aus dem alles nivellirenden Maschinenzeitalter die Sehnsucht nach dem Individualismus an- und aufwächst. ' Nur leider bleibt, wie wir alle, auch der Dichter am Zeitlichen häng en, er findet nicht das erlösende Wort, nach dem wir hungern, er giebt uns Steine statt Brot, äußeres Geschehen und wirkungsvolles Geschehenlaffen, wo seelische Vorgänge entstehen und vergehen, und das wirre und bunte Gewebe einer episch breiten romanhaften Handlung. Just zu der Zeit, da die Künde kommt, daß Gerhart Hauptmann nach seinen letzten dramatischen Mißerfolgen an einem Roman schafft, setzte uns Sudermann diesen dramatisierten Roman vor, der uns bis zu seinem traurigen Ende sehr spannt und beinahe glaubhaft erscheint. Beinahe, denn wir sollen glauben, daß dieses starkgeistigen Weibes „Erwecker und Erlöser" ein so unselbständiger, unentschlossener Zauderer ist wie dieser Richard Völkerlingk, der sich von ihr hin und her schieben läßt, ganz passiv, dessen geistige Freiheit von seinem Sohne, einem unreifen Jüngling, mit ein paar für ein kleines Feuilleton oder einen Leitartikel leidlich geeigneten Worten überwunden wird. Um dieses Schwächlings Leben willen geht, unauffällig, Beate, die Sterbenskranke, fteiwillig in den Tod, sie, die das Leben so glühend liebt. Muß sie bei ihrem Glauben an den Edelmut ihres Richard nicht annehmen, daß nach ihrem Tode dieses Mannes Leben gänzlich freudenlos dahinfließen, daß es ihm nur eine dauernde Qual sein wird? Kann sie daran glauben, daß schaffenskräftige Lebenslust nun noch für ihn bestehen wird, der immer sie als Stachel brauchte, als Beraterin, Führerin und Förderin? Er sieht es ein, daß nach ihrem Tode er leben muß, weil er gestorben ist — an ihr l So soll einst ein indischer Kaiser gesagt haben, ähnlich spricht sich Ibsen in seinem dramatischen Epilog aus. Aller Lebensgenuß ist nun für ihn dahin, unwiederbringlich, gestorben sind seine Lebensgeister, sein Leib aber muß leben, zur Reue, zur Sühne, — zum besten der Partei! Ihren freiwilligen Tod aber führte sie doch herbei, um ihn dem Genuß des Lebens zu erhalten! Ihr letzter Ausruf „Es lebe das Leben" ist seine vernichtende Lebensverurteilung. Das ist nur ein winziger Bruchteil von all den zahllosen Unwahrscheinlichketten und Schiefheiten des Stückes, aber der bedeutsamste, einschneidenste. Es fehlt auch nicht an herzenskalten Geschmacklosigkeiten, von denen die Designierung Völkerlingks zum moraltriefenden Parteiredner über die Scheidungsfrage und der bei den Haaren herbeigezerrte Ur- teilsspruch des Sohnes über den Vater mir die schlimmsten scheinen. Trotzdem ist doch viel innerlich Erlebtes in dem Stück, das just in unseren Tagen der Erörterungen über die Frauen-, die Duell- und andere geschickt behandelte aktuelle Fragen besonderes Interesse hat. Ob es gleich die Szene zum Tribunal macht, wie Brieux, so steht es doch wett über diesem, auch über dem Theatertraliker Sardou, ja es ist eigentlich direkt untheatralisch. Es macht fast den Eindruck, als hätte der Dichter den Stoff ursprünglich zu einem Roman formen wollen, in dem er weit besser Gelegenheit gehabt hätte zu geistigen Feinheiten, zum architektonischen Ausbau der ihm vorliegenden Lebensfülle, zur Ausarbeitung einer vertieften Menschenbeurteilung. Jedenfalls aber hat uns Sudermann hier gezeigt, daß er ein Mann ist, der etwas zu sagen hat und Jntereftantes interessant darzustellen versteht. Unsere Darstellung des neuen Dramas kann sich neben der des Frankfurter Schauspielhauses sehen lassen. Fräulein Hohenfels gab die Beate und brachte geistige Stärke, Selbstbeherrschung und Vornehmheit ebenso überzeugend zum Ausdruck, wie die anmutige Innigkeit eines reichen Gefühlslebens. Seelisches und körperliches Leid, in rechtem Maße marfirt, wirkten in ihrer Beate zusammen zu einer ergreifenden Wirkung und brachten das Tragische des Lebenswillens voll zur Geltung. Allerdings verträgt ja diese Gestatt noch höheren seelischen Schwung, blendenderes Hervortreten eines überragenden Innenlebens. Dagegen hatte Herr G e r l a ch aus der wenig günstigen Rolle des Richard v. Völkerlingk nicht das Wenige an Temperament und Sonderart herausgeholt, was aus ihr herauszuholen sehr schwer ist und dem Frankfurter Darsteller Bauer ebenso mißlang. Vielleicht wird nach ein paar Jahren ein geeigneter Darsteller für diesen Reichstagsbaron Herr Z oder sein, der in der Darstellung von Schwächlingen seine Stärke besitzt und der gestern aus einem jugendlichen Naiven, einem liebesseligen oanä.^ur., eine sympathische Gestalt schuf. Herr Ramsey er, der als deutscher Michel sich wie Herr Gerlach mit dem bekannten Sudermannbarte geschmückt hatte, trug ja wohl zuweilen zu stark rusttkal auf, blieb aber einheitlich und tüchtig. Er beherrschte diesmal seinen Part vollkommen, hatte ihn gut und klug durchdacht und durchfühlt. Nur gebrach es ihm leider an der schönen Jovialität, an der unerschütterlichen herzhaft-treuen Zuversicht- kett dieser kerndeutschen Prachtgestalt. Ein paar dem Dichter vorzüglich gelungene Episodensiguren sind der ostelbische Großgrundbesitzer und der dekadente Prinz, der sich in cynischer Weise über sich selbst, seine Abstammung und seine Standesgemässen lustig macht. Sudermann hat vielleicht an Lichnowsky gedacht, jenen reaktionären Polenprinzen, der sich Anno 1848 im Frankfurter Parlament durch beißenden Witz und Geist hervorthat und später vom Pöbel so schmählich ermordet wurde. Ihn stellte Herr Schneider dar, leider nicht markant genug. Herr Woisch erfüllte seine gestrige Doppelaufgabe mit viel Geschick; als Meixner war er diskret und maßvoll, ganz charakteristisch, leicht schwärmerisch, vielleicht nur, als Reichstagskandidat der Zukunft, allzu leidend. Ganz Angemessenes leisteten auch die Herren Sandor, Kruse, Leß- mann und Hertzog, die beiden letzteren in schwierigen Repräsentationsrollen, sowie die Damen v. Aspernburg und v. Hellbronn. P. Wittko. Paris, 17. März. Das Blatt „Patrie" hat unter den hiesigen Studenten eine Umfrage veranstaltet bezüglich des eventuellen Empfanges der zur Aufführung von Schillers „Räuber" hier eintreffenden deutschen Studenten. Die Mehrzahl der Pariser Studenten sprach sich dahin aus, daß keinerlei feindliche Kundgebungen zu befürchten seien. Nur einige Wenige verhielten sich reserviert. Wien, 17. März. Das Kuratorium der Bauernfeld- schen Prämienstiftung erkannte dem Dichter Schoenherr für sein Drama „Sonnenwendtag" den Ehrenpreis von 4000 Kronen zu. logie studieren. Wetter März Z io to Gegen Schnupfen: Forman-Aether-Watte (Dose 3 Pfg). 2025 Leibniz, 'Marmelade Cakes-Tabrih 226 925 7 25 56 89 98 2 2 2 9,7° C. 0,9° C. W. 8. 8. 5 752,7 752,8 752,0 Bed. Himmel Bew. _ Nebel liches und ein Krnvergerippe befand, zergten Spuren vom Schmucksachen aus Bronze oder Bernstem: euren Dolch, Ringe, Armspangen; zum Teil waren diese Verlagen auch sehr gut erhalten, was namentlich von einer schönen Nadel üilt. Auch Gesäße von Thon wurden in den Gräbern gefunden aber nur rohe Arbeit. Die Bedeutung dieser Gräberfunde liegt in ihrem Alter. Der Vortragende bezeichnet sie als die L l te st e n aus der genannten Periode, die in hessischer Erde aufgedeckt sind. — An dre,en Bericht über die Funde und ihre Fundstätten knüpfte tzos- rat Kofler noch Betrachtungen allgemeinen Inhalts. Er verglich die von ihm in Hessen gemachten Funde mit den in Bayern gesammelten und von I. Naue bekannt gemachten und trat bei dieser Gelegenheit einzelnen von Naue ausgestellten Hypothesen entgegen. — Wenn schon die Bestimmung des Zeitalters, dem diese Fundreste angehören, ehre großen Schwierigkeiten hat, so ist das noch weit mehr der Fall hinsichtlich der Rasse, die sie hinterlassen hat. Leine Spur von Wohnstätten bei diesem Gräberfetde ist weit und breit zu entdecken. Wo haben die Ansiedler gewohnt, deren Knochenreste hier ihre Ruhestätte fanden? Die Beantw'ort- ung dieser Frage ist ebenso unmöglich wie die: wo sind die Bronze und der Bernstein hergeyolt, die da unten vergraben waren? Der Vortragende würde die Gegend am Odenwald als Lieferant für die Bronze ansehen, wenn nicht rn der Bronze neben 90 Prozent Kupfer auch 10 Prozent Zinn steckten, aber im Odenwald giebt es kein Zinn. Der Vortragende ist schließlich zu der Konjektur genötigt, anzunehmen, daß schon in jener frühen Zeit die Handelswege nach dem östlichen Mittelmeer erschlossen genug waren, um mit Zinn und vielleicht auch mit Bernstein die Ecke zwischen Odenwald, Rhein und Taunus zu versorgen. der Volksschule bei einem Maschinenbauer in die Lehre trat und kurz vor Beendigung seiner Lehrzeit das Unglück hatte, durch eine Verletzung das Augenlicht zu verlieren. Ohne sich durch sein fürchterliches Schicksal entmutigen zu laßen, beschloß Prieß, den Gelehrtenberuf zu ergreifen, m dem er als Blinder eher sein Fortkommen zu finden glaubt. Er besuchte die Hamburger Blindenanstalt und brachte es durch rastlosen Fleiß so weit, daß er sich der Maturitätsprüfung eines preuß. Gymnasiums ohne Furcht unterwerfen konnte, und bestand das Examen sogar mit rühmlicher Auszeichnung. Seine schriftlichen Arbeiten macht Prieß mit der Schreibmaschine. Die schriftliche Prüfung in der Mathematik wurde ihm beim Abiturienten-Examen erlassen. Max Prieß wird nun Philo- + 6,8' 4,1 + 1,2 4,4 + 2,7 5,5 Kirchliche Nachrichten. In der Stadtkirche. Mittwoch, den 19. März, abends 6 Uhr, 6. Passions- a n d a ch t. Pfarrer Dr Grein. Vermischtes. • Budapest, 17. März. Der Direktor der Alt-Ofener Sparkasie Samuel Augenstein erschoß s ich wegen der Flucht des Sekretärs Adler, welcher einen großen Betrag defrau- diert hatte. Infolgedessen fand ein derartiger Ansturm auf die Sparkasie statt, daß die Kassen gesperrt und Polizei zur Aufrechterhaltung der Ordnung requiriert werden mußte. * Eine unglaublich rohe That soll ein Metzger und Wirt am letzten Samstag in Handschuhsheim bei Heidelberg an seinem eigenen Kinde verübt haben. Das 5jährige Söhnchen des Betreffenden soll einen Hundertmarkschein, der dem Kind zufällig unter die Finger gekommen, in kleine Stücke zerrissen haben. Der Vater sei hierüber so in Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 17. 17. 18. Ä Wn Elten & Keussen, $S£ä Krefeld. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurt a. M., 17. März. In der heutigen ordentlichen Generalversammlung der Mitteldeutschen Kreditbank wurden die Anträge der Verwaltung einstimmig genehmigt und die Verteilung einer Dividende von 51/, Prozent beschlossen. An Stelle des verstorbenen Geheimrats Dr. Kircher wurde Justizrat Dr. Braun in Berlin, an Stelle des nach Ablauf seines Mandats aus- geschiedenen Herrn James Hardy Geh. Oberregierungsrat a. D. von Friedberg in Berlin in den Aufsichtsrat gewählt. Griechische Staatsanleihen. Die Ausschreibung des auf den 1. April verfallenen Koupons aus die 4prozentigen Griechen von 1899 und auf die 5prozentigen Fundinganleihe von 1893 läßt erkennen, daß aus den Ueberschüssen der internationalen Finanzverwaltung auch diesmal die reduzierten Kouponsbeträge eine Aufbesserung erfahren. Auf die Zinsen der 4prozentigen Anleche von 1889 wird aus den Erträgnissen von 1901 eine Aufbesserung des Auszahlungsquote um 2 Prozent (wie i. V.) ■ der ursprünglichen Jahreszinsen gewährt. Die Aufbesserung ist nach der Fassung des Gesetzes auf einmal zu zahlen, nicht in Raten wie der Zins. Chemische Werke vorm. und C. Albert Amöneburg bei Biebrich a. Rh. Wie man erfährt, dürfte die Unternehmung in der Lage fein, für das Jahr 1901 eine Dividende von 13*/e Proz. gegen 12*/2 Prozent i. V. zur Auszahlung zu bringen. Zur Kasseler Trebertrottuungsassaire. Von der „Hess. Korresp." wird folgende sensationelle Meldung verbreitet: Exdirektor Schmidt hat vor dem Untersuchungsrichter em weiteres Geständnis abgelegt, dahingehend, daß alle Tochtergesellschaften der Treber- trocknungsgefellfchaft von Anfang an mit Verlust gearbeitet haben. Sämtliche Gründungen vom Jahre 1899 ab erfolgten auf Veranlassung der Leipziger Bank, welche die Garantien übernahm. Insgesamt habe die Trebergesellschaft 120 Mill. Alk. von der Leipziger Bank erhalten. An den fortgesetzten Bilanzschiebungen sind zwei andere kleinere Batikinstitute beteiligt gewesen. Gerichtssaal. 8. Darmstadt, 16. März. Wegen Nahrungsmittel- ä l s ch u n g wurden der Prokurist einer Ehokolade-Gewürzfabrik Fritz Sandmann zu 500 Mk. und der Vorarbeiter Georg Oehlenschläger zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt. Auch wird die Veröffentlichung in der „Darmst. Ztg." angeordnet. S. ist übev- stihrt, als Geschäftsleiter der Finna Wehner u. Fahr hier bet einzelnen Fabrikaten den Zusatz von fremden Substanzen bis zu 90 pEt. geduldet resp. veranlaßt zu haben. — Das Kriegsgericht verurteilte gestern den Sergeanten Ernst Hch. Sch ö p p e r von der 4. Eskadron des Drag.-Regiments Nr. 23 aus Haste bet Osnabrück wegen Soldatenmißhandlung und unoorschriftsmäßiger Behandlung eines Untergebenen zu 4 Wochen gelindem Arrest. Sch. hat einen Rekruten wiederholl mit dem flachen Säbel auf den Schenkel geschlagen. ____ Nevers-Eich noch viele Gruppen uneröffneter Hügel- Wut geraten, daß er dem armen Kinde cnff dem Hackklötze rüber Von den fast anderchalb Dutzend einer solchen beide Händchen abgehauen habe. Eme Bestättgung Gruvve sind diesen Herbst unter Leitung des Hosrats Fr. dieser bestialischen That bleibt abzuwarten. Kotier fünf geöffnet und chr sehr wertvoller Inhalt bloß- • @in blinder Prüfling im Abiturienten- aeleat worden. Heber diesen Gräberfund, der bis in bw gramen. Am Gymnasium in Wandsbek bestand soeben ein erste Hälfte des zwecken Jahrtausends v. Ehr. zurückreichen Abiturient die Reifeprüfung. Das kommt wohl öfter ÄTÄttidÄSt “auf chr° Z°r. und suh erst später rn-chdem er im Jünglmgsalter plötzüch brechlichkeck angänglich war. In den Grabstätten der ge- erblindet war, durch Privatunterricht weitergebildet hat. E öffneten Waldhügel fariden sich Gerippe, Waffen, Gefäße, handelt sich um emen letzt un 22. Lebensjahre stehenden Schmucksachen. Die Skelette, unter denen sich auch ein weib- jungen Mann namens Max Prieß, der nach Absolvierung .. , < .-i i.w rv 1 hOtl < Qohro trnf Märkte. Gießen, 18. März. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochen» markt kosteten: Butter pr. Pfund 0,90—1,10 Mk., Hühnereier pr. Stück 6 Pck Gänseeier 18—14 Pfg., Enteneier 8 Pf^ Käse pr. Stück 5—8 Pf., Käsematte 2 Stck.0—0Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,90—1,20 Mk., Hühner pr. Stück 1,00—1,70 All., Hahnen pr. Stück 1,20—1,70 Mk., Enten pr. Stück 2,40—2,70 All., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg^ Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg^ Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfq., Kalbfleisch pr. Pfd. 60—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,20-3,80 M., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr.ZenMer 7,50—8,50 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 9—15 Pfg., m Körben 12—15 Pfg. Trauben 35—50 Pfg. z Dauer der Märklzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nicht im UmherziehLii feilgeboten werden. Höchste Temperatur am 16.—17. Marz Niedrigste „ „ 16.—17. „ Preisausschreiben zur Erlangung von Entwurfsskizzen für den Neubau einer höheren und erweiterten Mädchenschule in Gießen. Das Preisgericht hat einstimmig beschlossen den 1. Preis dem Entwurf 11, Kennwort: Im besten Licht, Verfasser: Professor Eugen Beck, Karlsruhe, den 2. Preis dem Entwurf 6, Kennwort: Fastnacht, Verfasser Architekten Paul Weber, Leipzig, und Arthur Werner, Leipzig-Connewitz, den 3. Preis dem Entwurf 53, Kennwort: Nordostklasse, Verfasser: Architekt Alwin Genschel, Hannover, zuzuetckennen und den Entwurf 28, Kennwort: Vortrefflich, Verfasser: Architekten Ferdinand Köhler und Paul Kranz, Charlottenburg, zum Ankauf zu empfehlen. Die eingegangenen 104 Entwürfe werden vom 20. bis einschließlich 29. d. Mts., vormittags 10 Uhr bis nachmittags 2 Uhr, in der Turnhalle der Stadttnabenschule, Nordanlage 8 Hierselbst, öffentlich ausgestellt. Die Verfasser der nicht preisgekrönten und nicht ange- -tauften Entwürfe werden gebeten, bis zum 31. d. Mts. dem Unterzeichneten eine Adresse sür die Rücksendung der Entwürfe anzugeben, widrigenfalls die beigegebenen Briefumschläge geöffnet werden. Gießen, 15. März 1902. 2224 Meeuw, Bürgermeister. Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister wurde heute bezüglich der Firma „Wilhelm Orbig" zu Gießen eingetragen: die Firma ist geändert in „Georg Wilh. Orbig". Gießen, 17. März 1902. 2246 Großherzogliches Amtsgericht. GeskükMiifmg ta Krßlks Klh. Die diesjährigen Gesellenprüfungen finden im Monat April d. I. statt. An derselben können alle jungen Handwerker teilnehmen, deren Lehrzeit spätestens am Schluß der Prüfungen beendet ist. Anmeldungen zur Prüfung sind unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars (bei dem Unterzeichneten erhältlich) bis zum 1. April an den unterzeichneten Ausschuß zu richten. Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mark und ist mit der Anmeldung an den Unterzeichneten einzusenden. Wir machet: insbesondere darauf aufmerksam, daß die Ablegung der Gesellenprüfung u. a. als Vorbedingung für die Anleitung von Lehrlingen und die Führung des Meistertitels erforderlich ist, ihre Versäumnis daher später empfindliche Nachteile im Gefolge hat. Lich, den 3. März 1902. 1825 Der Prüfungsausschuß des Ortsgewerbevereins zu Lich. L. Scherff, Vorsitzender. Submissions -Holzverkauf. In den Waldungen der Gemeinde Großen - Buseck lagert in verschiedenen Distrikten nachverzeichnetss Fichten- Stammholz zum Verkauf: Abtell. I, Distrikt Kirschbaum re. 164 Stämme von 12 bis 20 cm Durchmesser mit 57,96 fm. 190 , , 20 , 30 r „ , 149,54 „ 25 , „ über 30 „ , „ 42,65 „ Abtell. II, Distrikt Beuerergraben. 74 Stämme von 12 bis 20 cm Durchmesser mit 22,83 fm. 122 , „ 20 „ 30 , „ , 109,51 „ 21 , „ über 30 „ „ , 40,81 „ Abteil. III, Distrikt Entenpfuhl. 195 Stämme von 12 bis 20 cm Durchmesser mit 65,59 fm. 233 , „ 20 , 30 „ „ „ 200,— „ 26 „ , über 30 „ „ „ 43,98 „ Das Holz kann den Herren Kaufliebhabern bis vor dem Eröffnungstermin durch Forstwart Wagner dahier vorgezeigt werden, und lagert etwa 4 Kilometer von der Bahnstation. Die Gebote können getrennt für jede einzelne Abteilung, für jede einzelne Dimension, aber auch für das gesamte Holz eingereicht werden, ohne jeden Vorbehalt. Die Gebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift bis zum 22. März d. Js., mittags um 1 Uhr, bei der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen. Die Eröffnung findet am 22. d. Mts., mittags um 2 Uhr, im Rathaussaale statt, wozu die Interessenten eingeladen sind. Der Ortsvorstand behält sich die Genehmigung im einzelnen wie im ganzen vor. Bei annehmbaren Geboten und gegen vorschriftsmäßige Bürgschaft kann Zahlungsfrist für die erste Hälfte des Betrages bis zum 1. Juli, für die zweite Hälfte bis zum 11. November 1903 gewährt werden. Großen-Buseck, am 10. März 1902. Großh. Bürgermeisterei Großen-Buseck. Schwalb. 2000 Spar- und Nihkaffe Gießen. Es wckd hierdurch zur öffenttichen Kenntnis gebracht, daß der Verwaltungsrat beschlossen hat, den Zinsfuß für alle Einlagen bei unserer Kasse auf 33/4 Proz. zu ermäßigen und zwar für neue Einlagen mit alsbaldiger Wirkung, für bereits bestehende vom 1. Juli l. I. ab. Diejenigen Einleger, welche mit dieser Zinsermäßigung nicht einverstanden sind, werden ersucht, dies bis zum 1, k. Mts. bei unserer Kaffe anzuzeigen, worauf dann Rückzahlung der Einlagen am 1. Juli l. I. stattfinden wird. Erfolgt eine solche Anzeige nicht, so wird unterstellt, daß die betreffenden Einleger mit der Ermäßigung des Zinsfußes einverstanden sind und chre Kapitalien bei unserer Kaffe stehen lasien wollen. Gießen, am 11. März 1902. Der Direktor der Spar- und Leihkasie Gießen. Wiener. 2042 Gesellenprüfung. pie biesjäljr. Gesellenprüfunge« finiun im Monat April statt An derselben können alle jungen Handwerker tellnehmen, deren Lehrzeit spätestens am Schluß der Prüfungen beendet ist. Zum Bezirk gehören die Orte Lollar, Staufenberg, Mainzlar, Treis a. Lda., Daubringen und Ruttershausen für das Maurer-, Metzger-, Schlosser-, Schmiede-, Schneider-, Schreiner-, Schuhmacher- und Spenglergewerbe. Anmeldungen zur Prüfung sind unter Benutzung des vorgeschriebenen Formulars (bei dem Unterzeichneten erhältlich) bis zum 10. April an den unterzeichneten Ausschuß zu richten. Die Prüfungsgebühr beträgt 3 Mark und ist mit der Anmeldung an den Unterzeichneten einzusenden. Wir machen insbesondere darauf aufmerksam, daß die Ablegung der Gesellenprüfung u. a. als Vorbedingung für die Anleitung von Lehrlingen und die Führung des Meistertitels erforderlich ist, ihre Versäumnis daher später empfindliche Nachteile im Gefolge hat. Lollar, den 17. Atärz 1902. Der Prüfungsausschuß des Ortsgewerbeverems zu Lollar. H. Rohrbach IV. 2233 Hosiversteigerung im Gießener Atadtumid. Freitag den 21. März 1902, vormittags 9% Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadtwald m den Distrikten Waldöhnte, Nen- hege, Heegstrauch, Oberhaag und Unterhaag versteigert werden: 13 Kiefernstämme mit 8,47 fm. 210 Fichtenstämme mit 80,44 fm. 32 rm Nadel-Scheitholz. 163 „ Nadel-Knüppelholz. 97 „ Nadek-Stockholz. 7630 Wellen Buchen-Reisig. 2360 „ Nadel-Reisig. 120 „ Eichen-Reisig. 300 „ Aspen-Reisig. Die Zusammenkunft fft auf dein allen Steinbacherweg an der 5. Schneise. Gießen, am 17. McnH 1902. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Meeum. 2225 Die Hohvecheigenmg vom 14. März in der Oberförsterei Schiffenberg ist genehmigt. Die Abfuhrscheine können vom 22. März an bei den zuständigen Hebestellen bezogen werden. Die Ueber- weisung des Holzes erfolgt Montag den 24. d. Ntts., morgens 8 Uhr. Gießen, den 17. März 1902. Gr. Oberförsterei Schiffenberg. Heyer. 2239 Die Hohversteigerung vom 13. d. Mts. ist genehmigt. Die Uederweisung des Holzes erfolgt Mittwoch den 26. d. Alls. Die Abfuhrfcheine können von diesem Tage an in Empfang genommen werden. Londorf, 17. MÄH 1902. Freiherr!. Oberförsterei Rabenau. ________Nico laus._____2229 Versteigerung. Freitag den 21. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Geschäftslokal MäusburglO gegen Barzahlung: 2230 gi:är 1 Kassaschrank. ""ÄS Gießen, den 18. März 1902. Mulch, Pfandmeister. Versteigerung bestimmt._______ □OQOOOOOQQQ Skjjtntr Nwdcmktlottene Ziehung: 4. April d. I. Hauptgew.: 1 eleganter Einspänner, 9 Fserde und Kohlen u. f. w. Lose ä Mk. I, sind in allen durch Plakate kenntlichen Geschäften und bei dem General-Debit 1823 Richard Buchacker, Neuenbäue 11, zu haben. Daselbst 11 Lose für 10 Mk. oo-ooooooooa ooooooooooooooooooooooooooooooc 9 Kirchenplatz 9 alle ähnlichen feotu^iü । Maggi s Suppenwürfel ’ B w kkw . w-n Ä_ m A Ei hm 1111?) ßamemberts-, Krone«-, ArüMücKs-Kase Fromage de Brie A. & G. Wallenfels fPlarft 2i.Telephon 4(j. Lacke uaieS KSateriaSwareBt aläer» SSrtttgetAta&e, Fußbodenlack, trvlüeue Aaröcu. chekfarSeu, LaLfaröen, Nalenl-Amtzoodeu-^ackfaröe, beste '-BcnS stein - Fußboden - Glauzlackfarbe, das Beste was hprnpFtpnf »exiws tarnt, Futzbo-.mfarl.eu jeder Art cmpfichll hergestE Otto 8elaaaL, Zelterswell 39. Wfir will hörpn? ___■ Hotel Einhorn, Mtttw., abdö. UVI vU 6 ■ SV« Mir. Th^ia: „9htr bag, ^cue Testament. nur Jesus (Matth. 28,20). - Kein jüdischer Gab- H.^th' ^b^ 3. Mch. 20,10 —;ferne alttestamentl. Speisegefetze, aber Apostelgesch. 15,29 —; feine Beschneidung, aber L Korinth. 7,19 —" 01117 Prä. H. G. Baumann. I ustb Maggi s Bouillon-Kapseln. Ern Versuch überzeugt. Bestens em» ! Pfohlen von j 31. Schult» of, Kolonialwaren, Marktstraße 8. 1717 Alkchoiftkiks Srträxtz. l8omril Perlender Apfelsaft. Bestes Erfrischungsmittel für Jedermann. 1485 Aerztl. empfohlen für Zucker-, Nieren-, Blasen-. Nerveu- uno Gicht-Leioende. Preis 40 Pfg. per Vi Flasche. 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