Nr. 41 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Dienstag 18. Februar 1SOS Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Sletzrner Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. -iotattonsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch- u.Stein- bruderet (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Ldresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprkchanschluhNr.bl. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 7öPf.,viertel« läbrhd) Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich Go Ps.; durch tacPosl 9)ir.2.— viertel- ährl. auöschl. Bestellg. '«nähme von Anzeigen ir die Tagecnummer s vormittags 10 Uhr« ,.tlenoretS: lokal 12Ps^ luSwärts 20 Psg. verantwortlich: ür den polit. u. allgem. ^eil: P. Wittko: für .Stadt und Laut/ und .Gerichtösaal':R.Ditt- maiin; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Politische Tagesschau. Ermittelung der Warenwerte. Die Kommission zur Ermittelung der Warenwerte unseres auswärtigen .Handels für das Jahr 1901 ist zur Zeit im Kaisers. Statistischen Amte zu Berlin versammelt, Bei der Bedeutung, welche die Ermittelungen für unsere Landelsstatistik und damit für unser ganzes Wirtschaftsleben haben, werden einige Mitteilungen darüber, wie diese Werte zu stände kommen, von Interesse sein. Die Schätz- ungslommission besteht zur Zeit aus 100 sachverständigen Vertretern aus allen Erwerbsaruppen. Dadurch, daß ihre Zahl, die anfänglich nur 20 betragen hat, im Laufe der Jahre stetig vermehrt wurde, ist es möglich geworden, den einzelnen Sachverständigen thunlichst nur die Schälung derjenigen Waren zu übertragen, deren Kenntnis ihm nach seiner wirtschaftlichen Bethätigung am nächsten liegt. Durch Uebersendung der Monatshefte des auswärtigen Handels unmittelbar nach ihrem Erscheinen werden die Sachver- ständigen von Monat zu Monat in den Stand gesetzt, den Handel mit den ihrer Beurteilung unterstellten Waren zu verfolgen. Für jeden Warenartikel werden in der Regel drei oder mehr Sachverständige als Referenten bezeichnet, lieber diese Waren unterrichten sich die Sachverständigen im Laufe des Jahres. Sollten die Waren nicht ihrem eigenen Geschäftskreise angehören, ziehen sie sachgemäße Erkundigungen bei andcrwetten geeigneten Interessenten ein. Auch seitens des Kaiser!. Statistischen Amts werden solche Erkunoigungen Über einzelne Waren bei Produzenten, Importeuren, Exporteuren, Körperschaften re. eingeholt und Den Sachverständigen bekannt gegeben. Außerdem werden ihnen im Lause des November Spezial-Uebersichten über Ein- und Ausfuhr der länderweise zu bewertenden Waren für die ersten 10 Monate des Berichtsjahres zugestellt, damit sie sich bereits vor dem Vorliegen der Jahresergebnisse ein vorläufiges Bild von der Entwickelung des Handels mit den von ihnen zu beurteilenden Waren machen können. In den ersten Monaten des Jahres treten die Schätzer in sieben nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zerlegten Gruppen im Stat. Amte zusammen. Bei diesen Beratungen wird der von jedem Sachverständigen geschätzte Wert einer Ware in der Kommission beraten. Die auf solcher Grundlage geführten Verhandlungen werden von dem durch die Sachverständigen aus ihrer Mitte selbst gewählten Vorsitzenden nicht eher geschlossen, als bis sich sämtliche Referenten über den sestzustellenden Einheitswert geeinigt hüben. Die so ermittelten Daten bilden bet der Feststellungs- des Wertes unseres auswärtigen Warenverkehrs den Multiplikator, mit welchem die amtlich bereits festgestellten Mengen vervielfacht werden. Die Schätzung erfolgt für die Einfuhr und die Ausfuhr getrennt, teils ohne Rücksicht auf das Herkunftsland oder das Bestimmungsland der Ware, teils unter spezieller Berücksichtigung dieser Lander. Letzteres geschieht besonders da, wo aus den einzelnen Ländern nur bestiinntte Spezialitäten eingehen oder wo der Umfang einer Warengruppe eine solche Detailschätzung erwünscht erscheinen läßt. Ob es möglich und rötlich ist, an Stelle des geschilderten Verfahrens, das noch werter ausgebaut werden kann, eine von den Importeuren und Exporteuren abzugebende Wertdeklaration treten zu lassen, wird zur Zeit von den zuständigen Verwaltungsorganen eingehend erwogen. Die Mädchenbildung unserer weniger gut jitui.rien oer t«emoürgerlichen und Ai> beiterkreise leidet unter der Thatsache, daß in den meisten Fällen mit dem 14. Lebensjahre jede systematische unterrichtliche, oft auch erzieherische Einwirkung in Wegfall tritt. Es wird auf diesem Wege den Mädchen die Neigung zu weiterer ernsthafter Arbeit nicht gegeben und die geistige Selbstständigkeit wird nicht gefördert. Daß Württemberg und Baden in dieser Beziehung eine rühmliche Ausnahme bilden, ist bekannt. Beide haben nicht allein die obligatorische Fortbildungsschule für Mädchen, sondern auch ein dichtes Netz von gewerblichen Schulen für das weibliche Geschlecht. In jüngster Zeit sind es zwei deutsche Staaten, die sich in ernsterer Weise der Mädchenbildung anzunehmen anfangen. In Elsaß-Lothringen ist es die vom Staate reichlich unterstützte Straßburger Frauen-Jndustrie- und Fortbildungsschule, die in fast allen Städten des Landes Frauenarbeitsschulen errichtet. Die preußische Regierung hat in ein paar Städten Schulen geschaffen, welche die gewerbliche und kaufmännische Ausbildung der Mädchen, wie deren gründliche Vorbereitung für das Haus durchführen. An drei Stellen erhalten die Mädchen bei ihrer Arbeit an praktischen Aufgaben ein wirtliches Verständnis für das Leben und seinen Inhalt. Wenn dieselben auch geschickt gemacht werden, in einem kaufmännischen oder gewerblichen Berufe sich den Lebensunterhalt selbst zu erwerben, so erlangen sie doch gleichzeitig auch diejenige Ausbildung, die ihnen ermöglicht, einst als Frau und Mutter ihre Pflichten in vorzüglicher Weise zu erfüllen. Unser in so vielen ähnlichen Dingen an der Spitze marschierendes Hessen bleibt in dieser Beziehung leider hinter den genannten Ländern zurück. Die Thätigkeit der Frau in Bezug auf die Kinder- erziehuna und die Wirtschaft für das Haus ist viel wichtiger, als die der Männer. Tüchtige, ihre Aufgabe gut lösende Aiänner sind reichlich vorhanden; an Frauen, die ihren Pflichtentreis in zeitgemäßer Weise erfolgreich zu erfüllen vermögen, ist leider ein Mangel vorhanden. So sehr wir uns jedes Fortschritts freuen, so hoffen wir doch, daß die Errichtung geeigneter Schulen für Atädchen sich nunmehr auch bei uns vollzieht. Aus Aludt und Kund. Ter Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Ortgiual-Nachrichtcu st nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 18. Februar 1902. ** Religionsgeschichtliche Vorträge. Freitag abend hielt Professor. Holtzmann den letzten dieser Vorträge ; er sprach über das Evangelium und die Äon* fessionen. Jesus nennt seine Predigt ein Evangelium; er verkündigt die 'Nähe der ersehnten goldenen Zeit, da Sünde und Not ein Ende haben; auch seine Bußpredigt schildert nur die Eigenart der ßlücflid)en Menschen jener Zeit. Wer seinem Wort nachlebt, wird fest und fieber, wahrhaft groß und wahrhaft glücklich. Weil Jesus bad bieten kann, deshalb erkennt Petrus in ihm den Messias. Aber das Judentum verwirft diese Frömmigkeit, kreuzigt Jesus, sein Gesetz verflucht jeden Gekreuzigten. Da preist Paulus das Kreuz des Messias durch ivelches das enge jüdische Gesetz verurteilt und den Heiden ohne den Zwang des Gesetzes das Gottesreich geöffnet sei. Also nicht Jesu Lebensauffassung, sondern sein Kreuzestod, seine Auferstehung als die Bestätigung seines Mcssiastums durch Gott, weiterhin auch seine Menschwerdung sind für Paulus die Thatsachen, an die sich der Glaube hält. Mit dem mono- thistischen Bekenntnis und einer gedrängten Auszählung der (Men der Erlösung zusammengefaßt, bilden sie das schon sehr frühe festaestellte apostolische Glaubensbekenntnis. — Schon für Pau ins handelt es sich also nicht um Zustimmung zu Jesu Lebensauffassung, sondern um Zugehörigkeit zu der Gemeinde, der das heil verheißen ist. So legt er^Gewicht auf die Zungenrede als Zeichen des Geistes Gottes, gestattet sogar die Taufe für Tode und leitet vorzeitiges Sterben vom unwürdigen Genuß des Abendmahls ab. Auf die Erkenntnis der Geheimnisse Gottes legt er großes Gewicht, die vom Judentum und Heidentum gepriesene Weltflucht läßt auch ihn die Eheschließung widerraten. — Die Christenheit hat bekämpft, was vom ursprünglichen Ziel wegführte: sie sammelt ihre heilige Schrift, die allein im Gottesdienst verlesen werden darf, sie befiehlt Gehorsam gegen ihre Beamten, die dadurch heilige Personen werden. Die Büßer, Einsiedler, Mönche hält sie hoch, zwingt aber nicht die Laien zu solch harter Frömmigkeit. Aber diese Büßer pflegen die Geheimnisse unb legen auf den großen Konzilien der Gesamtchristenheit ihre Lehre als Gesetz auf: die Lehre von der Dreieinigkeit in Nicäa und Konstantinopel, die Lehre von den Naturen Christi in Ephesus unb Kälchedre. So wird der Gottesdienst zum Vorschmack künftigen Heils; der .Mampf um die Bilder entspricht ganz der beschaulichen Frömmigkeit, die das Göttliche schon im Diesseits gemeßen will. Damit hat die griechische K.i r ch e ihre endgiltige Form erreicht: sie pflegt eine Religion heiliger Gebräuche, durch welche das Herz zur Vereinigung mit der Gottheit bereitet wird. Das hat Jesus gewiß nicht gewollt. Dio lateinische Kirche macht diese Entwickelung mit, aber mehr bewegen sie die Fragen nach der sittlichen Heiligkeit des Einzelnen und der Gemeinden. Deshalb legt fie großes Gewicht auf ihre Verfassung: die Völker sollen durch sie erzogen werden. Das erstrebte Leo I. im Gebiet des weströmischen Reichs, Gregor I. begründet nach dem Zusammenbruch des Reichs die geistige Weltherrschaft Roms im Abendland. Ein wichtiges Ziel war erreicht, als die Bischöfe allerorts als Beamte ,des Papstes galten; dann wieder, als die Wahl des Papstes in die Hände der Kardmäle Gießener Tßeaterverein. Haus Rosenhagen. •) Drazna in 3 Auszügen von Max Halbe. Mit dem kleinen Realismus des jüngstdeutschen Dramas geht es zu Ende. Der Hauch der Jugend, der uns über manche Schwächen hinwegtröstete, ist allmählich geschwunden. Auch Hauptmann, das Haupt des deutschen Realismus, liefert dafür ein Beispiel. Seine letzten beiden Dramen, „Michael Kramer" unb „Der rote Hahn", brachten ihm grämliche Mißerfolge. Ein Stück war immer blasser, ohnmächtiger als das andere. Sein respektables Ringen scheiterte hilflos, als es zu großem Stoffe tummelte, zum „Florian Geyer". Heyermans' „Hoffnung" bedeutete für uns den letzten großen Erfolg des Realismus; kein Zweifel, wir lernten da einen echten Dichter unb eine echte Dichtung kennen; fie trug ganz deutlich den Stempel „Dlade in Germany“, was wahrhaftig kein Fehler war, aber sie arbeitete mit den alten Mitteln, die noch immer versagt haben, wenn es einen großen Stoff zu bewältigen galt. Darum konnte diese „Hoffnung" keine neuen Hoffnungen wecken. Der Berliner Bühnen-Mißerfolg von Björnsons Maria Stnatt-Drama „Darnley", das als Buchdichtung mit seinem zwiespältigen Doppelkonflikt, einem psychologischen und einem historischen, nicht eindruckslos bleibt, bestätigt das Gesagte durchaus. Just vor Jahresfrist vollendete Max Halbe sein Drama „Haus Rosenhagen". Am vorjährigen Faschingssonntag übersah er noch einmal das noch tintenfeuchte Werk unb fügte ihm folgendes WibmungSblatt vor: „Meiner Heimat in treuer Erinnerung. Euch grüß' ich, bunte Felder, blaue Wetten, Euch dunkle Wälder, fern am Horizont. Fremd seid ihr mir fett Kinderdämmerzeiten Und gabt mir alles doch, was ich gekonnt." Mit biesen Versen charakterisiert der Dichter trefflich sich selber. Halbes Kunst ist Heimattilnst im besten Sinne des Wortes; seine Kunst ist nichl groß zwar, aber wurzelecht, und lyrisch dazu. Neun Jahre ist es jetzt her, als wir in Berlin dem jungen Dichter zujubelien unb uns an der zarten Stimmungslyrik seines Erstlingswerkes, der „Jugend", berauschten. Dilles, was er seitdem als Dramatiker geschaffen *) Die Dichtung erschien als Buch 1901 bei Georg Bondi in Berlin. Preis 2 All. hat, auch fein Bestes, die „Mutter Erde", zeigte eine so ausgesprochene Begabung für das Lyrische, daß häufig das eine dem anderen im Wege stand. Auch sein neuestes Werk, das „Haus Rosenhagen", zeigt den Januskopf der Halbe'schen Muse. Das lyrische Moment, die feine unb duftige Stim- mnngsmalerei üben fottgesetzt einen hemmenden Einfluß auf die Handlung aus, die keinen Fottgang nimmt, unb bei schärferem Zusehen erkennt man, daß der ganze dichterische Vorwurf nicht dramatisch, sondern episch-lyrisch ist, wie Hauptmanns „Michael Kramer" u. g. novellistisch, wie Björnsons „Darnley" ein Romanstoff. Darum ist die Lektüre des Buches eindrucksvoller als die Bühnendarslellung. Das Drama ist eine altpreußische Dorf- und Bauern- geschichte, eine Uebertragung des Gottfr. Keller'schen Montecchi unb Capuletti auf dem Dorfe ins Westpreußische. Es handelt sich um Bauernhaß, was an sich eine sehr respektable Sache ist. Ein starker Haß ist eines Dramatikers durchaus würdig, vorausgesetzt, daß der Dichter uns mit dem Haß auch die starke Persönlichkeit gibt, in der er wohnt. Das ist nun leider bei Halbe nur halb der Fall. Christian Rosenhagen hat die Seele eines „Eroberers". Er hat, dem Vorgänge seiner Väter mtt noch hättcrer Hand folgend, die Andern im Dorfe „mtt Gottes und Deiwels Hülfe so langsam raus- gebiffen und rausgeschmiyen". Tas ganze Torf Hohenau mit dem gesamten Grundbesitz der Einzelnen hat er an sich gebracht mit dem Weitblick eines Großkaufmanns unb der Rücksichtslosigkeit eines Wucherers. Rur einer hat ihm widerstanden, einer, der ihm gewachsen ist, Thomas Voß. Das Haus Voffens mit einer Wiese davor bildet, wie unser Oberheffen inmitten preußischen Besitzes, eine Art Enklave im großen Gute Rosenhagens; diese Enklave ist ein schmerzender Dorn m seinem Herzen, lieber den starrköpfigen Nachbar Thomas ist der alle Christian nach neuerlichen Aergermssen wieder einmal so aufgebracht, daß ihn ein Schlaganfall als Sterbens- siechen aufs Krankenlager geworfen hat. Und als er kommt zu nerben, muß ihm der Sohn und Erbe, Karl Egon, schwören, auf feiner Scholle auszuharren und nicht eher zu ruhen, als bis er auch den Voß mit seiner Wiese kaput gemacht hat. Ter alte Rosenhagen also, in dem der Bauernhaß ungebrochen, wild und rücksichtslos lebte, sinkt ins Grab; diesen Prachtkerl schafft Halde aus der Welt, um den jungen Rosenhagen emführen zu können unb, wie in seiner „Mutter Erde", zu deren Schaden, Litteratenerlebniffe einzuflechten. Der junge Rosenhagen Halbes ist ein Halber, halb Bauer, halb moderner Mensch, schließlich keines von beiden. So ist denn der schön geschürzte Knoten schon im ersten Akte durchhauen. In dem nach dem prächtigen tragischen Vorwurf des ersten Aktes neu einsetzenden Liebesroman Karl Egons spielen zwei Frauen eine Haupttolle: Martha Reimann, eine arme, elternlose Cusine des jungen Herrn auf Hohenau, und Hermine Diesterkamp, die wie Rich. Vossens „Alexandra" die Tochter einer Kunstreiterin ist. Sudermanns „Heimchen" im „Johannisfeuer" hat Halbe halbiett: die sympathischen Seiten ihres Charakters besitzt Mattha, die anderen Hermine. Die letztere ist eine Sirene, die ihren Verehrer hinauslockt zu Freiheit, Ruhm und Glanz da draußen, em sphinxartiges Weib, wie die Lydia in Björnsons „Labore- rnus", nur nicht so geistreich wie diese. Mattha aber verkörpert symbolisch die dämonische Macht der schölle. „ Karl Egon, diese Epigonennatur nut dem empfindlichen Nervensystem der Jugend von heute, hat die schönsten Pläne. Er verlobt sich mit Hermine, der er ein Schloß bauen und einen Park anlegen will, um, wie Halbes Landsmann L-kowronneck, eine „neue Zeit" zu schaffen für — Hohenau. Tenn Karl Egon ist gefesselt durch Schwur und lleberliefcrung an die ererbte Ackerkrume. Der neue, der Liebeskonflikt, der den ersten, den Konflikt des Haffes, abgelöst hat, hat sich spannend zu entwickeln begonnen. Doch nun fommt das Malheur. Als die Sache brenzlich wird unb Halbe nicht weiter kann, da besinnt er sich auf Schillers schöne Worte von deni Frömmsten, der nicht in Frieden leben kann, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt« Ter Dichter dttickl also kalt lächelnd dem Nachbar die Flinte in die Hand, um den jungen Rosenhagen mederzuknallen! Der Schuß trifft auch das Stück ms Herz. Er ist opernhaft, wie es der der „Jugend" war. Es ist gar fein Schluß. Tenn roa§ wirb mü diesem Schlüsse gejagt? Etwa wie baS Haus Rosenhagen auSsurbt? Wollte unS denn Halbe wittlich nichts Anderes geben als nur eine Tüntzersche Erläuterung der, Unterprimanern wie dem Fritz Tieslerkamp zum schönen Auffatzthema dienenden Goethe-Wotte: „Was Du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es um es zu besitzen" ? Will Halbe nur die platte Moral auSkramen, daß wuchettscher Erwerb Unheil bringt? Ter Tob Karl Egons ist keine Notwendigkett, die sich aus der Handlung ergiebl, sondern, ganz im Gegenteil, btinbefrer Zufall, herbeigesuhrt durch ein eifersüchtiges :O Wetter Februar § K w Bed. Himmel Schmackhafter waren, um in jenem Bilde zu bleiben, die Wie die Ewigkeit sieht diese Frau und neuen Sonnenschein abgeklärter Weltklugheit, alles be- Butterbrote, zwischen denen dies „Sandwich lag. Die ver- y ...... ° -.v. -r Y ......hpnfp(a rprhf nur n 9 2 2 2 “d 3 <35 3 *s* können. x— Friedb erg, 16. Febr. Die seit Donnerstag hier im Saalbau aufgeführten Werning'scheu Kriegsse st- spiele erfreuen sich größten Besuchs auch seitens der Militärvereine der Umgegend. Heute gingen mehrere Sonderzüge, die am Abend die Besucher wieder nach Hause brachten. Am Samstag waren die Karten bereits bis zum nächsten Freitag verkauft. Zahlreiche Vereine, die sich zu spät anmeldeten, mußten zurückgewiesen werden. Ter Erlös der Festspiele wird zum Teile in den hiesigen Kriegerdenkmalsfonds fließen. — Der hier in Pension lebende Dekan Buch ho ld ist gestorben. th Aus dem Nidder-Scementhale, M. Febr. Erst neulich brachten wir eine Notiz über einen Raubanfall auf der Straße Düdelsheim-Lindheim. Heute können wir weiter mit- teilen, daß in dem zwischen Düdelsheim und Hainchen gelegenen Walde kurz nacheinander ein Mann und eine Frau von umherstreichenden Vagabunden angepackt wurden. Ersterem sollen die Strolche eine ansehnliche Barsumme abgenommen haben, während sie sich bei letzterer mit em paar Pfennigen begnügen mußten. ~ ö Himbach (Kreis Büdingen), 17. Febr.^ Im Begriff, Kartoffeln aus dem Keller zu holen, kam am Samstag abend eine hiesige sehr korpulente Frau auf der Treppe so unglücklich zu Fall, daß sie einen schlimmen Knöchelbruch davontrug. Der Knochen war nicht bloß durch die Fleischteile des Fußes, sondern auch noch durch den Strumpf gedrungen. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte allein wenig ausrichten; es mußte deshalb gestern ein zweiter Arzt konsultiert werden. Biebrich, 14. Febr. Em Schwindler, der in Uniform eines Reserveoffiziers hiesige Familien um hohe Beträge durch allerhand Vorspiegelungen betrogen hat und seine Gläubiger mit gefälschten Wechseln bezahlte, wurde in Spandau verhaftet. Auch in Wiesbaden und Mainz trieb der Schwindler sein Unwesen. In Wiesbaden wohnte er bei einem Schuhmann, während er von der Kriminalpolizei gesucht wurde. bringen wollte. Herr Fricke hat, wie jeder Besucher des Frankfurter Schauspielhauses weiß, cm wohlklingendes Organ und em sehr regelmäßiges Gesicht, das mancher für so schön hält, daß jetzt die Rede geht, er sei als Nachfolger von Christians, der auf drei Jahre nach Amerika geht, fürs kgl. Schauspielhaus in Berlin in Aussicht genommen. Aber ein großer Menfchendarsleller ist er nicht. Sein Mienenspiel besteht im Aufziehen der Augenbrauen und Dehnen der Nasen- flügel. Seine Charakterisierungskunst ist für einen Karl Egon Rosenhagen nicht ausreichend. Wenn er, der Nervöse, nach der großen Erregung z. B., die ihm der Bruch mit Hermine brachte, mit der Miene gemütlichster Gemächlichkeit sich von Voß schmähen und bedrohen läßt, ohne etwas von der seelischen Depression m^ubeuten, in die ihn die letzten Augenblicke versetzten, wenn er dann kurz vor seinem Ende, nach dem Geständnis Marthas, nichts von den umwälzenden Vorgängen m semem Innern zu zeigen weiß, so zeichnete er unS gemacht. Die Regie hatte geschickt eine gewisse Geschlossenheit erreicht. DaS Publikum war in bester Stimmung und spendete reichen Beifall. W. in jeder beliebigen Schriftart und Karton. I forte, sowie mit Zirkeln aller studentifcben Vereinigungen, liefert zu mähigen preisen vrühl'sche Universitäts-Druckerei, Schulstrahe 7 Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. ehrfurchtgebietend da, in < greifendem Humor und unverwüstlichem Natursinn. — Aber die Wirkung des Stückes ist eine Wirkung der Situationen. Wo ist der wagemutige Kletterer von 1893 geblieben? Ist er wirklich schon ein beschaulicher, mit sophokleischer Behäbigkeit gesegneter Wanderer der breiten Ebene geworden? Dürfen wir, trotz allem, noch hoffen, daß uns die nächsten Jahre die Erfüllung unserer auf Halbe einst gesetzten Erwartungen bringen Universitüts Nachrichten. Der Regierungsassessor im Kultusministerium Dyroff wurde zmu ordentlichen Professor des Staatsrechtes der Universität München ernannt. Er tritt an die Stelle )e§ verstorbenen Professors Max von Seydel. Der Piw- sessor für Experimentalphysik am Eidgenössischen Polytechnikum zu Zürich Jean Perne t ist im Alter von 53 Jahren gestorben. — Wie verlautet, haben die Kommt) jurnen des elsässischen Landesaus,chufses den in den beiden letzten Jahren abgelehnten Kredit für ein pharmazeutisches Jn- Htut an der Universität Straßburg angenommen. Schisssnachrichten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 14. Februar. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschraubenoampfer „Kassel", Kapitän B. Pctermann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 7 Uhr morgens wohlbehalten in Newyork angekommen. führerische Hermine gab Frl. Hohenfels recht gut, als schillernden Schmetterling. Ihre Szenen mit Karl Egon waren lebensecht, prickelnd, hatten auch etwas von dem sprühenden Feuerwerk einer Ciree. Dagegen versagte sie in der großen Auseinandersetzung mit Martha; da hatte ste auf einmal auf- aehört, das tändelnde, kokette, oberflächliche Ding zu fern, da wurde sie zu ernsthaft, zu wuchtig. Für die Martha fand Frl. Feige echte und herbe Töne, vielleicht gab sie diesen weiblichen Brackenburg manchmalzu herb. Die sympathische Künstlerin hätte es vermeiden müssen, ihr Herz auf dem Antlitze zu tragen; Karl Egon ist doch nicht blmd. Also etwas mehr Beherrschung, mehr Zurückhaltung wäre angebracht gewesen. Herr Ger lach machte aus dem alten Rosenhagen eine effektvolle schauspielerische Leistung, und Herr L eß mann bemühte sich ehrlich den alten Voß darzustellen mit seinem finftern Trotz und seiner starrköpfigen schwerfälligen Kraft; er blieb aber dabei in einer gewissen Verlegenheit. Frau Jenny als die alte Großmutter mit dem ewigen Leben hielt den glücklich gelvählten Ton geschickt fest. Zu guter Technik und sicherer Charakterisierung gesellte sich ein gesunder Humor, um d'ic Alte zur besten Figur des Stückes zu machen. Herr Zo der war a lsPrimanerFritz zwar ettvas laut aber doch von mitreißendem Humor; bemjungcn Künstler, der zusehends die beiten Fortschritte macht, gelingt seit einiger Zeit fast jede Aufgabe. Dem Allerwelts- agenten Wegner gab Herr Hertz o g eine fast vollkommen gelungene westpreußische Färbung; dialektisch roar, das g nicht immer richtig, das dort oben keineswegs wie j, sondern vielmehr zunicist annähernd wie das ch ausgesprochen wird. Herr Sandor war als friedenstiftender Pastor etwas steif und fand auch den milden, überredenden Ton nicht recht, und Herr Ramsey er führte den unglaublich redseligen und sonderbarerweise überall herumstehenden grobknochigen Inspektor Rathke derb und nicht ohne Leidenschaft durch, schielte aber wieder unaufhörlich ins Parkett und blieb darum in der Wirkung allzu äußerlich. Eine vortreffliche Maske als Landarzt hatte für seine kurze Episode Herr Schneider HD werden? Die Darstellung bei uns war in manchem Wesentlichen gut. Die Hauptfigur, Karl Egon, stellte der Gast, Herr Fricke aus Frankfurt, dar, nicht als schwankenden Schwächling, wie ihn der Dichter gegeben hat, nicht als zwiespältige Natur, sondern niehr als großsprecherischen Philister mit den Manieren eines Gentleman. Er gestaltete ihn nichts weniger als tragisch, aber auch keineswegs so „aus der Art geschlagen", wie sie alle behaupten. Nach französischem Bühnenbild heißt das Männlein, das von zwei Weiblein ins Gedränge gebracht wird, „Sandwich". Mit der angelsächsischen Gemütsruhe jenes Grafen Sandwich, der beün aufregendsten Spiel Butterbrote zu essen pflegte, die hepte nach ihm jenen historischen Namen tragen, hatte Herr Fr. den Karl Egon angefaßt und diesen Romeo vom Dorfe obendrein frisiert, als ob er Herrn Anton v. Werner in Berlin eine Huldigungsadresse über- Mädchen, das obendrein eine schwer glaubliche Dummheit : beging; sie hetzt den Feiiid des angebeteten Vetters gegen । diesen auf, macht sich dem Liebsten verhaßt und bei der ■ Rivalin lächerlich, um zum Schluß ein paar Thränen ins Sacktüchlein zu vergießen. Alle Momente sind gegeben, um die Feindschaft zwischen den Nachbarn aus der Welt zu schaffen. Das gewaltsame Ende ist nur das Produkt einer momentanen Aufwallung des alten Voß, dem man einen gemeinen Meuchelmord gar nicht zutraut, zumal wir ja sein eingewurzeltes Rechtsgefühl kennen gelernt haben. Und ist denn mit dem Funde der alten Dokumente der Streck zivischen Rosenhagen und Voß wirklich schon im Voraus zu Ungunsten des Letzteren entschieden? Es ist kein Zweifel, so dringend nötig hätte er es nicht gehabt zu schießen, denn daß er sich vor einem bloßen Prozeß so scheut, um zur Gewalt zu greifen, das ist von einem Bauern überhaupt nicht, und vom alten Voß am wenigsten anzunehmeu. Es bleibt dabei jedenfalls interessant, daß dieses Drama Halbes zu einem Compendiuni fürs Grundbuchrecht benutzt werden könnte. — Wie einen Dampfkessel bat Halbe seinen agrarischen Kraftgesang zum Schluß überhitzt und bringt ihn zur Explosion. Die wirkliche Explosion, die Björnson im zweiten Teile seines Dramas „Ücbcr unsere Kraft" bringt, bildet ein wesentliches Hauptmoment der Dichtung; die bildliche Explosion, die Halbe's Drama beschließt, ist der ganzen Dichtung größte Schwäche. Aber die Dichtung Halbe's hat doch ihre schönen Vorzüge, die uns in alter „Jugend"-Frische seine blauäugige deutsche ehrliche Kunst zeigen. Alle die Leute, die wir da vor uns sehen, sind samt und sonders echte Wrenschen, mit denen es einem geht wie mit manchem alten Porträt, deren Originale vor Jahrhunderten lebten, denen man es aber mit aller Bestimmtheit ansieht, daß sie ähnlich sein müssen; denn ihr ganzes Wesen spricht aus ihnen. Halbe ist ja ivabrlich kein Hebbel, der von Meister Antons Werkstatt an§ in weite Tiefen hineinleuchtet. Aber seine Charakterzcichnung ist doch von wunderbarer Sicherheit. Das beste, was er uns hier gab, ist eine Großmutter. Schon in seiner Novelle „Frau Weseck" hatte er ein köstliches altes Frauenporträt geschaffen. Tie Großmutter Rosenhagen ist 93 Jahre alt geworden; sie hat miterlebt, was drei Generationen hier geschaffen haben; nie gelegt war; das dreizehnte Jahrhundert ist die Blütezeit 1 der römischen Kirche: durch die Beichte, durch Predigt und i Unterricht, durch die Inquisition erzieht sie die Völker. Und : nach dem Niedergang des Einflusses vom vierzehnten bis । zum sechzehnten Jahrhundert brachte ihr die Gesellschaft Jesu durch umsichtige, vielgeschäftige Thätigkeit einen neuen Aufschwung. Die lateinische Kirche hat weit mehr charakter- bildende Art als die griechische; aber auch im Mittelpunkt ihres Gottesdienstes steht das Wunder der Verwandlung, auch ihr ist das Mönchtum die höchste Art der Frömmigkeit. Vor allem verweisen beide Formen des Katholizismus den Einzelnen nicht auf das Lebensziel Jesu, sondern fordern seine Eingliederung unter die Ordnungen einer mit Verheißungen ausgestatteten Gemeinde. Als der Orden des Franz von Assisi mit feinem Ziel der Nachfolge Jesu bestätigt war, kämpfte er, wenigstens in einzelnen Vertretern, gegen die tzeilsnotwendigkeit bestimmter kirchlicher Ordnungen und bahnte so die Reformation art. — Lu th ers That ist ein klares Verständnis des Werkes Jesu Christi. An den Thesen von 1517 wurde gezeigt, daß Luther die Forderung unablässiger Selbsterziehung, die ohne viele Kämpfe nicht gedacht werden kann, als das heilige Grundgebot Gottes betrachtet, wobei ihm die Fürsorge für den Nebenmenschen als erste Pflicht gilt, daß er aber dem bußfertigen Christen ohne besondere Vermittelung die Sündenvergebung zuerkennt. Das ist die klar verstandene Lebensauffassung Jesu. Allerdings ist dieser ursprüngliche Gedanke Luthers später verschoben worden, sofern in den lutheri'chen Gemeinden die Zusage zu bestimmten Lehrsätzen als Bedingung des Heils gedacht wurde; die reformierten Gemeinden forderten immer den Gehorsam gegen die Ordnungen des Gottesvolks, nur daß im Unterschied vom Katholizismus alles Mchtbib lisch e abgelehnt wurde. — Aber das Bleibende im Wechsel kirchlicher Lehre und Ordnungen ist die Eigenart, nämlich das frohe Vertrauen, daß ein Vielen nützliches Leben auch bei Gott nicht verloren ist. ** Zur Hilfeleistung bei Eisenbahnunfällen. Die Vorkehrungen zur Hilfeleistung bei .Eisenbahnunfällen sollen, nach einem neueren Erlaß des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten, verbessert werden, damit die Hilfe so schleunig und so wirksam wie nur irgend möglich gebracht werden kann. Indem der .Minister sich vorbehätt, hierfür allgemeine ergänzende An- weifungxn zu geben, hat er die Eisenbahndirektionen beauftragt, sofon die in ihren Bezirken bestehenden Vorkehrungen und Vorschriften zu prüfen und etwa erforderliche Ergänzungen unverzüglich anzuordnen. Um einen Ueberblick über die vorhandenen Einrichtungen dieser Art zu gewinnen, haben die Eisenbahndirektionen dem Minister 'für jede mit einem Hilfsgerätmagen ausgestattete Station eine Aufzeichnung einzureichen und gleichzettig zu prüfen, und zu beleuchten, welche Verbesserungen wünschenswert erscheinen. Dabei ist Insbesondere auch zu prüfen, ob und an welchen Orten eine Vermehrung der Hilfsgerätschaften geboten ist, ob es sich empfiehlt, neben jedem Hilfsgerätwagen mindestens einen mit aufhängbaren Tragbahren und den erforderlichen Einrichtungen für ärztliche Hil)eleistungen ausgerüsteten Personenwagen bereit zu stellen; ferner ist auch zu prüfen, ob eine Erweiterung der telephonischen Einrichtungen von Vorteil sein werde, damit z. B. die Meldungen von der Strecke nach der Station beschleunigt werden Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die alten Pensionäre scheinen auch in diesem Jahre wieder leer ausgehen zu sollen; wenigstens ist für die Erhöhung ihrer Pensionen in dem jetzt den Standen vorgelegten Hauptvoranschlag kein Betrag vorgesehen. £>te haben zwar in verschiedenen Denkschriften an Regierung und Stände die Berechtigung ihrer Forderung schlagend, nachgewiesen, eine Anzahl Abgeordneter — Vertreter sämtlicher Kammerfraktionen — hat einen darauf bezüglichen Antrag an die Regierung gerichtet, diese selbst hat durch ihre Vertreter wiederholt versichert, daß sie den alten ver- )ienten Beamten das größte Wohlwollen entgegenbringe: und — däs Resultat gleich nichts. Für die vor dem Jahre 1896 pensionierten Volksschullehrer ist zwar ein Betrag in den Voranschlag eingestellt, allerdings nur für Unter- tützungen, den früheren Staatsdienern versagt man aber elbst diese. — Wo bleibt da das Wohlwollen der Regierung? Ja, wird es wieder heißen, wir wollten schon, aber es ist kein Geld da! Und doch hat man. Geld in Ueberflufr für alle sonstigen Zwecke. Man vergteiche nur einmal die Summen für die in Aussicht genommenen Bauten, die wenigstens teilweise keineswegs so nötig oder doch nicht so drängend sind, und man wird finden, daß es an Geld auch für unproduktive Anlagen keineswegs fehlt. Nur für die alten, eines anderen Erwerbes unfähigen Männer, die ihre besten Kräfte im Dienste des Staates verbrauchten, kann man keine Mittel finden. Vielleicht ist es noch möglich in Eingaben, an die Ständekammem eine Aenderung herbeizuführen, aber dann ist ein rasches Eintreten geboten! Hoffen wir, daß die Stände ihr Wohlwollen nicht blos theoretisch, wie die Regierung, sondern auch praktisch betätigen. Einer für Viele. Höchste Temperatur am 17. Februar 4- 2,3° C. Niedrigste „ „17. „ — 7,7° C. Risse in den Händen, in den Gelenken der Handfläche, kommen häufig bei Handwerkern, sowie bei Köchinnen und Spülmädchen vor, und zwar so chlimm, daß die Arbeit mck solchen Händen eine reme Qual ist. Wenn Sie die Handfläche über Nacht fest mck Obermeyers Herbaselfe em- schmieren, so werden die Risse in 8—14 Tagen verschwinden, was unmhüae Zeugnisse bestätigen. Aerztlich warm empfohlen und verordnt. Mwndteile 90°" Seife, 2% Salbei 3°/ Arniea l^ arab. Wasserbecherkraut und 3,5% Harnkraut. In allen Apotheken und Drogerien per Stück Mk. 1.25 zu haben oder Versandt durch den alleinigen Fabrikanten I. Gioth in Hanau a. M. ist sie von der Scholle gekommen. Doch an§ Sterben denkt t ~ sie noch lange mcht. Jeder Morgen bringt ihr neue Freude deutlich btt Grenzen ferner Kunst. Arbeiterbewegung. Rom, 16. Febr. Die Arbeiter uub Arbeiterinnen der staatlichen Tabakmanusaktur sind in einen Streik einaetreten. Sie hatten eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen (Lohne, Arbeitszeit u. s. w.) verlangt. Die Direktion lehnte nicht nur diese Forderungen ab, sondern weigerte sich auch, mit einer Kommission zu verhandeln. Daraus stellten dre Arbeiter ihre ThaNgkeck em; sie haben nun beschlossen, eine Eingabe an den Fnanzmmister zu machen. ____________________ Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. th. S t o ck h e i m, 15. Febr. Die Campagne für 1901/02 an der hiesigen Zuckerfabrik ist vollständig beendet. Der Hauptbetrieb, d. i. das eigentliche Rübenverarbeitungs- aeschäft erforderte einen Zeitraum von etwa 15 Wochen. Es kamen ettoa 560 000 Zentner Zuckerrüben in 188 Arbeitsschichten zur Verarbeitung, was rund 3000 Zentner pro Schicht ausmacht. Die Arbeitsschichten erstrecken sich auf den Tag und die Nacht und sind ununterbrochen eingehalten worden. In der Haupteampagne waren ungefähr 300 Arbeiter — in Tag- und Nachtschicht je 150 — beschäftigt. Die Nacheampagne nahm noch etwa 5 Wochen in Anspruch, ^n dieser Zeit wurde namentlich auch im Nachtbetrieb das zweite und dritte Produkt des Rohzuckers geschleudert. — Die Rüben zeigten im allgemeinen gegen das Vorjahr einen niederen Zuckergehalt. Sie hatten einen Prozentsatz von 10 3 bis 17,5. Das Hauptlieserungsquantum wurde durch die Aktionäre in Form von Pflichtrüben gestellt. Gegen das Vorjahr war der Anbau um 200 Normalmorgen gestiegen. Je nach Gehalt kamen 85 bis 90 Pfg. pro Zentner zur Bezahlung. Die Rübenschnitzel gingen an die Landwirte zurück, und zwar wurden sie teils grün, teils getrocknet verkauft. Auch stellte die Fabrik sogenanntes Me- lafsesutter her. Der Preis eines Zentners davon betrug etwa 4.60 Mk. Außerdem versuchte man durch Denaturierung von dritten Zuckerprodukten mit Reisfuttermehl ein Viehfuttermittel zu gewinnen. 17. 225 744,5 + 1,4 3,8 74 N. 17. 9“ 745,3 + 0,2 4,1 89 N. 18. |J25 746,4 + 1,2 4,4 87 N. E S R e© -r r- -LL o A A cd _K Lo o JO o . . jo c K . CD O o rH r° . CJ E '—*■ -6 N *ö :c JO »L--3 --R CD —• •> 2 £ 's 5$ c er? 6 . Ti CD QJ v tH C>1 •S^£ s?« cn<~) 5 H s o •’S jo *5 . *C) O «R '■g S? ö .3 wt jo 5 N H - K c-» S ° N = C u CS-Z 5* C) M CD o ~ it •2*J5 2Ä >b.. IM JO o c <3- o = © L' 3 ’S' 5 CD .. O Si. 3 » 5^2^ § « 3 C o Z a ^•0' 4=r <—» JO 3 c .2L •— = 3 o O« ^ZZR-kZ- SE? M o «tJ vC- :c W e M göQ -Z c — H-Z g©6> ?. S 6 OJ e csi - -c i 2 CD — O o =3 Q 3 O o « Q . S ° «e - »SS s Di N c o _ 2 Ea y W U 3 >—> . — W3 «e— :O Z C 3ti) «E §*2ec = x= v S «— es JO <=c- e '-< CO T-H CO «n c* JO o y rts 3 .-3 J2-JJ CD "2 !-- 3 O CD y, 3e> E- 3 JO 3 c-' ,E 5 3 S 3. - ’S 01 ?'«* _ jo 13 _ jj 3 _ y jo — o — 3 JO 3 z: e cu co &?_2i O - u 8-s; M . •-• _ . co -3 -Z Q CO S§^ C) c- *3 - CO 1-1 CD । _ 3 . V ry. V U o 3 I-3-U3 iS= ä'cSäS 2 ^>b^»b Ü= « *£■ 3 *K cd c *g'S'3 “ 3 - L •- ä -3 Ä s ,y jo jo Trs >C7 CT 3 r? » c*— "5 r E •= 5 5 u ® = co* -2 _ S' 3 jo 2 cdO ss 5- 55 3 *; ^31 v — j3 S ~ p o CD (Sv 5! 3 ->2 S g pri'g'ä HolMstcigcruiMN im Haltcnröder Gemeindewald. Es sollen versteigert werden: Donnerstag den 20. Februar 1902: 3 Buchenstämme in Abschnitten von 4 bis 7,4 m Länge und 40 bis 44 cm mittlerem Durchmesser; 220 Stämme Eichen-Bau- und Nutzholz von 16 bis 46 cm mittlerem Durchmesser und bis 14 m Länge; hierunter 40 Stämme Eichen-Schnittholz; 108 Stämme Fichten-Bauholz von 12 bis 33 cm mittlerem Durchmesser und bis zu 22 m Länge; 50 Stämme Kiefern-Bauholz von 14 bis 28 cm mittlerem Durchmesser und bis zu 12 m Länge; 65 Fichtenstangen mit 5,60 fm; sämtliche Stämme sind ohne Rinde gemessen. Der Anfang ist des Morgens 9’/2 Uhr in dem Distrikt Alte Mhunter am Nicderbessingener Weg. Ferner sollen: Freitag den 21. Februar 1902 versteigert werden: 54 rm Buchen-Scheitholz; 24 rm Eichen-Rundscheit-Nutzholz für Wagner, Küfer und Glaser; 9 rm Kiefern-Nutzholz-Knüppel, 3 m lang (Pfostenholz); 123 rm Buchen-, Elchen- nnd Nadel-Knüppel; 3880 Wellen Buchen-, Eichen- und Nadel-Reisig; 115 rm Buchen-, Eichen- und Nadel-Stäcke. Der Anfang und die Zusamnienkunft ist des Morgens 91/, Uhr im Buchenberg auf dem Vicinalweg von Hattenrod nach Albach am Waldeingang. Hattenrod, den 13. Februar 1902. Großherzogliche Bürgermeisterei Hattenrod. Rock. 1382 Kohlenlitfemg. Für die Großh. chirurgische und ophthalm. Universiläts- Klinik soll für das Rechnungsjahr 1902/3 auf dein öffentlichen Submissionswege die Lieferung von ca. 800 Etr. Nußkohlen, ca. 2 500Etr.Anthracitkohlen u. ca. 1800 Etr. Hüttencoaks vergeben werden. Ministerialerlaß und Bedingungen liegen an Wochentagen, nachmütags von 3—5 Uhr, auf dem Verwaltungsbureau offen. 1436 Offerten versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis zum 8. März d. I. vormittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau einzureichen. Die Zuschlagsftist bettägt 3 Wochen. Gießen, 18. Februar 1902. Großh. Verwaltungs-Direktion der chirurg. und opthalm. Univ.-Klinik. Poppert. Vsssius. Konkursverfahren. Das Konkursverfahren über das Vermögen des Landwirts Christian Nebe in Gießen wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. 1433 Gießen, 15. Februar 1902. Großherzogl. Amtsgericht. Hchvrrsteigerung Montag, 24. Februar d. I. werden aus den Distrikten Ochsenstall und Alter Haag der Forst- wartei Reinhardshain verstelgert: Scheiter rm: 388 Buche, 55 Eiche, 6 Nadelholz, 20 Aspe; Knüppelrm: 63 Buche, 41 Eiche, 19 Nadelholz, 11 Aspe; Reisig rm: 426 Buche, 130 Eiche, 45 Nadelholz; Stöcke rm: 100 Buchen, 32 Nadelholz, 8 Linde. 1441 Zusammenkunft vormittags 10Uhr imDistrOchsenstall b.Geils- hausen bei Brennholz Nr. 1626. Die Nummern des zur Versteigerung kommenden Holzes sind blau unterstrichen. Nur cm Teil des Holzes im Distrikt Ochsenslall wird bet der Versteigerung vorgezeigt, alles übrige Holz wird ünvorgezeigl verkaust. Grünberg, 17. Februar 1902. Großh. Oberförsterei Grünberg. _________Schober._________ Hohversteigerung im örmrittbrm. llmmmrotlj am 21. Februar. Zusammenkunft im Ort präzis 10 Uhr. 1439 Es kommen zur Versteigerung: 20t'w Kiefern-Schnittholz- stämme von 4—10 m Länge, 24—33 cm Durchm., 60 fm Fichten-Bauholz von 16—24 m Länge, 16—33 cm Durchm., 60 trn Kiefern-Bauholz von 15—22 m Länge, 15—25 cm Durchm., 20 fm Eichen-Bau- und Nutzholzstämme, darunter einige Schnittklötze. Großherzogl. Bürgermeisterei Nonnenroth. I. A.: Jacob. Jagdverpachtung. Freitag, 28. Februar, nachmittags 2 Uhr, soll die der Gemeinde Zell zustehende Feldjagd in der Seibschen Wirtschaft dahier auf weitere 6 Jahre an die Meistbietenden verpachtet werden. Dieselbe enthält 800 Hektar Feld. Die Statton Zell - Romrod der Oberhessischen Eisenbahn liegt mitten im Jagdbezirk. 1418 Zell, 16. Februar 1902. Großh. Bürgermeisterei Zell (Kreis Alsfeld). Dippell. Nutzholz- Versteigerung imGemmdelvüldLbrrsgSllS. Dienstag, 25. d. Mts., Beginn vormittags 10 Ustr, Distr. lb „Rückertsberg". Eichen: 38 St. 3. Kl. = 16,95 fm, 45 St. 4. Kl. = 8,26 fm u. 8 Stangen 1. Kl. Nadel: 1 St. 2. Kl. ----- 1,29 fm, 131 St. 3. und 4. Kl. ----- 40,54 fm, 5 Stangen 1. Kl. und 49 rm Nutzholz. 1359 Groß-Rechtenbach, 13. Febr. Das Bürgermetster-Amt. Cnipftlilullgen Hämatogen Flasche 2 Mk. emppehlt 501 Bictoria-Drogcrie Ab. Nieter. Marütllraße 5. Emaille-Wichse § nur wirklich den schönsten Hochglanz picbt! Mckr & MinMsen Vertreter: Chr.LM.AsMs, Siegen Bahnhofstraße 37. 393 Vorzügliches Sauerkraut Lchnciöcbchien Rote Rüben Sch- n. Cssig-Cneken Preiselbeeren,..60% 3^ !°wi° Fisch-, Fleisch-, Lbst- nni> lSemnse-Krnserven empfehlertzuden billtgstcnPreisen Ä. & G. Wallenfels Markt 21. Telephon 46. Ganz vorzüglichen Tafel bieneuhonig empfiehlt billigst 1248 Otto Schaaf. 5Ciferne chubKarren von 75 bis 100 Liter Inhalt, werden angefertigt bei Karl Germer in Heuchelheim bei Gießen. 50 Karren stets auf Lager. (111 "11... gebt euren Kindern lllllnW bei Husten, Katarrh Ackermanns Fenchel- Honig. Fl. 60 iu 100 Psg. Philipp Lchwager Wwc., Drog., Markts. onfirmanden- «V Regen- u. 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Februar: Das erste Buch des neuen Handelsgesetzbuches. Zweiter Abend Dienstag den 4. März: Das Gesellschattsrecht. Dritter Abend Dienstag den 18. März: Drittes Buch, I. und II. Abschnitt des H.-G.-B. Vierter Abend Mittwoch den 9. April: Drittes Buch, III. bis VII. Abschnitt des H.-G.-B. Die Vorträge finden im Hause des Kaufmännischen Vereins statt und beginnen jeweilig abends 81/« Uhr pünktlich. — Teilnehmerkarten für Nichtmitglieder ä Mk. 3.—, zu sämtlichen Vorträgen gütig, sind bei Herrn Hausverwalter Rinn zu haben. 1312 Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Die Vorstände- Besonders günstige Gelegenheit! la. Qualität. Preislise bei 10 Dosen sortiert 15 Gebrüder Berdux 12 Lindenplatz 12 27 Bahnhofstraße 27 1426 Karotten . , Staugeuspargel Brechspargel. Brechbohneu. . Schnittbohnen . Wachsbohnen . Erbsen . . . . Auf unsere 2 Pfd.-DGen. . von 60 Psg. a . „ 1.20 Mk. , . r 95 Psg. Habait. Bäumungs - Ausverkauf. Gemüse-Konserven, C. Th. Lampe, Braunschweig. 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