Erstes Blatt. Mittwoch 17. September 1903 153. Jahrgang Nr. 31S »rscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh loschen Unwers.-Buch-u.Stem- druckerei (Pietsch Erben) Redaktton, Expedition und Druckerei: Gchulstratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 5L __ Ä «ezugsprei-, V O monatlich7bPs^viertel^ Gießener Anzeiger W w General-Anzeiger " S v lür den ooliL u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen L-WZ U U zeigenteil: HanS Beck. KeKanntmachMg. Die Grünbergerstraße zwischen Moltkestraße und Wolf- straße wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten für den Äerkehr mit Fuhrwerken, Handkarren und Fahrrädern bis auf weiteres gesperrt. Gießen, den 16. September 1902. Gvoßherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Volltische Tagesschau. Zur Zolltarifvorlage liegen heute folgende Meldungen vor: In Reichstagskreisen wiÄ etnet parlamentarischen Korrespondenz zufolge jetzt behauptet, dalß nicht eine Unterkommission der Zolltarif- Kommission in offizieller Eigenschaft znsammentreten wird, sondern daß von den einzelnen Fraktionen bestimmte Vertrauensmänner die zweite Lesung vorberaten sollen. Auch soll der Zusammentritt dieser Fraktions^Delegierten für den 18. d. Mts. fraglich geworden sein. Falls die Kommission den geschüftsordnungsmäßigen Usus befolgt, würde die zweite Lesung bis zum 14. Oktober keinesfalls beendigt sein können. Es dürste Anfang November werden, bis der Tarif vollständig dem Plenum unterbreitet werden kann. — Tie Zentrums-Fraktion des Reichstages ist am Dienstag zusammengetreten, um Stellung zu den Beschlüssen der Zolltarif-Kommission in der ersten Lesung zu nehmen. Wie ein parlamentarischer Berichterstatter meldet, verlautet, daß im großen ganzen die Neigung vorherrsche, die Kommisswns-Bescblüsse erster Lesung zur Basis der weiteren Beratungen in der Zolltarif-Kommission zu machen. In dem agrarisch gesinnten Teile der Fraktion scheint man fest entschlossen zu sein, an dem Kompromiß bezüglich der Getreide- und Viehzölle festKu- h al t e n und der Regierungs-Vorlage in diesem Punkte keine Konzessionen zu machen. Auf bayerischer Seite wird namentlich Gewicht darauf gelegt, den Gerstezoll nach den Kommissions-Beschlüssen festzulegen. Wenn es zutrifft, daß das Zentrum im ganzen an den Kommissionsbeschlüssen der ersten Lesung festhalten will, dann könnte man sich das grausame Spiel sparen, lang und breit den Tarif nochmals durchzuberaten. Was soll denn da Neues noch gesagt werden? Ein paar Erklärungen der Parteivertreter, Erklärungen der Regierung, flottes Abstimmen — dann hat die Kommission ihre Schuldigkeit gethan, und das Plenum des Reichstags kommt endlich an die Reihe, entscheidende Stellung zu nehmen. Es wäre eine arge Zeitvergeudung und ein Attentat auf die politische Welt, Verhandlungen zu wiederholen, von deren Ergebnis- losigkeit man überzeugt ist. Der deutsche Tag in Dauzig. Ter vom Ostmarkenverein veranstaltete deutsche Dag in Danzig ist glänzend verlaufen. In der Sitzung des Gesamtausschusses erklärte Major v. Tiedemann-Seeheim, daß es mit dem Ostmarkenverein glänzend vorwärts gehe. Ter Gesamtausschuß nahm eine Reihe von Resoüitionen an, unter denen wir die nachstehenden hervorheben. 1. Ter fakultative Schreib- und Lehrunterricht in der .Volksschule der gemischtsprachigen Landesteile wird, wo er noch besteht, aufgehoben; 2. die für Westpreußen geltenden Bestimmungen über die Erteilung des Religionsunterrichtes in deutscher Sprache sollen aus alle Teile der Ostmarken ausgedehnt werden; der fakultative polnische Sprachunterricht an den höheren Lehranstalten wird beseitigt; 4. die Bestimmung, daß die aus den: Dispositionsfonds der Oberpräsidenten unterstützten Stipendiaten sich verpflichten müssen, Polnisch zu lernen, wird aiusgehoben. — Ferner wird verlangt, daß in öffentlichen Versammlungen nur die deutsche Sprache gebraucht werden darf. Bekanntlich hatten wiederholt Polizeibeamte, die des Polnischen nicht mächtig waren, Volksversammlungen sowohl in den Ostprovinzen als auch in Westfalen aufgelöst, weil sie eine Kontrolle bei den polnischen .Verhandlungen nicht ausführen konnten. Die Gerichte haben sich dieser Auffassung nicht angeschlossen. Bemerkenswert ist, daß der Ostmarkenverein sich mit voller Entschiedenheit gegen die Gründung einer Universität in Posen ausgesprochen hat. Gewiß sind die idealen Bestrebungen zur Förderung der kulturellen Lage in Posen im höchsten Grade anzuerkennen, und es ist gewiß, daß eine Universität zur Hebung der Kultur wesentlich beitragen würde. Dem gegenüber geben indessen politische Bedenken den Ausschlag. Ter Verein führt nun aus, daß unter den zur Zeit bestehenden Verhältnissen die Gründung einer Universität den aus Förderung des Teutschtums gerichteten Bestrebungen direkt zuwider laufen würde; die Hochschule würde ein Sammelpunkt der durchweg radikal gesinnten polnischen Jugend, insbesondere auch der ausländischen, galizischen und russischen Studentenschaft und damit ein Mittelpunkt national-polnischer Propaganda werden, während die deutsche Jugend sich größtenteils, wie bisher, den westdeutschen Universitäten zuwenden würde; statt ein deutscher Kulturträger zu werden, würde eine solche Hochschule in dieser Provinz sich zu einem Herde dauernder politischer Erregung auswachsen, und nur zu einer Verschärfung der bestehenden Gegensätze beitragen. Mit den Verhältnissen im deutschen Osten wird sich übrigens nach dem „Bert. Lok.-Anz." aller Voraussicht nach demnächst der preußische Kronrat zu befassen haben. — Im preußischen Kultusministerium fanden bereits, wie der „Konfektionär" meldet, Besprechungen über die Verwirklichung der Kultzurbestrebungen für die Provinz Posen statt. Es wurde mitgeteilt, daß sich der Kaiser bei ferner neu- liehen Anwesenheit in Posen unter AbletznuuL einer eig entlich en Hochschule für die Einrichtung fester akademischer Kurse in Posen entschieden hat. Infolgedessen wurde ein weiteres Vorgehen in diesem Sinne beschlossen. Vom Parteitage der deutschsozialen Reformpartei. Der Parteitag beschäftigte sich am Dienstag mit wirtschaftlichen Fragen, u. a. auch mit der Frage der Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes. Hierzu wurde folgender Antrag des Wahlvereins Berlin der deutschsozialen Neformpartei angenommen: »Der Erlaß des preußischen Landwirtschaftsrnmisters v. Pod- bielski, betr. die Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes, ist im Sinne der Thronrede 1894 mit Freuden zu begrüßen. Der Parteitag ist der Ansicht, daß unserer Landwirtschaft, wie allen anderen Gewerben, der Schutz auf der Scholle und an der Produktionsstätte gsgen die Gefahren des einseitigen Risikos und die Unbill des römischen Obligationsrechts nicht minder nötig ist, als ein Zollschutz, und spricht sich für die vorläufige Einführung einer Verschyldungsgrenze, einer Art von Ladelinie für Grundstücke aus, ferner gegen jede Erhöhung der direkten Besteuerung des Grundbesitzes, auch in Form der sogen. Zuwachsrentensteuer, da diese in den meisten Fallen nur auf eine Zwangsmobilisation und Erhöhung der Verschuldungsquote hinausläuft, während das mobile Kapital sich einer solchen Besteuerung leicht entzieht. — Der Parteitag will keinen neuen Spaltungen der germanischen seßhaften und produktiven Bevölkerung Vorschub leisten, und erachtet die Interessen des Grundbesitzes und der Gewerbe durchaus solidarisch." lieber den deutschen Kaufmann st and, seine Aufgaben, seine Notlage und seine Feinde berichtet Blobel- Wilmersdorf. In einem besonderen Antrag legte man dem bevorstehenden Bankier tag die Frage vor: »Wie wollen die Kreise der Börse und der Großfinanz die berechtigte öffentliche Mißachtung, die jetzt auf ihnen lastet, tilgen und sich bezüglich ihrer Berufsehre auf eine Stufe mit den anderen Ständen erheben? Insbesondere: Wie kann der jüdische Geist in den Kreisen der Börse und der Großsinanz bekämpst werden, ohne die Juden hinauszuwerfen?" Gegen die „Entidealifierung" unseres Volkes. Auf dem zu Düsseldorf abgehaltenen Reichsoerbandstag der Vereine der nationalliberalen Jugend hielt der Senior der nationalliberalen Partei Dr. Ham m acher eine Rede, in der er über das Hebe rhandneh men der wirtschaftlichen und materiellen Interessen und die Gegensätze im öffentlichen Leben unter anderem folgendes sagte: Tie Entidealisierung unseres Volkes muß von Ihnen, von der Jugend, entschieden bekämpft werden. Bei der Abwägung der Interessen gegeneinander hat das gemeinsame Interesse des Landes zu entscheiden und nicht das Sonderinteresse. Es ist nicht der Misthaufen vor dem Hause, der allein Berechtigung hat, bei der parlamentarischen Vertretung des Landes Berücksichtigung zu finden. Die Befriedigung der lokalen Interessen muß im Einklang sein mit den Interessen des Gesanrtvaterlandes. Das ist der Grundgedanke der nationalliberalen Partei. Das ist auch Ihr Grundgedanke, und er muß der Grundgedanke des deutschen Volkes werden. Ihre Aufgabe ist es, in diesem Sinne auf die Bevölkerung ehuurotrfeit. Ausgabe der uationalliberalen Männer ist es, die im Volke bestehenden Gegensätze so zu lösen, daß dadurch das Gesamtwohl des Vaterlandes befestigt wird und daß unser Volk sich nach Möglichkeit glücklich findet. Sie müssen in die Sümpfe unseres Volkes die nationalen Ideale hineintraaen. Das ist eine Phrase, wenn wir von Idealität auch auf wirtschaftlichem Gebiet reden. Unsere begeisterte Hingabe an das Vaterland muß dnrchdrungen sein voii der Notwendigkeit einer homogenen Fortentivickelung unserer öffentlichen Zustände auf allen Gebieten des Lebens. Nach dem Zuristentag. Es wird uns geschrieben: Keine gute Zensur bekommt hier und da der T e u t s ch e Juristenta g nach seinen Berliner Verhandlungen. Es fehlt nicht an Unbefriedigten und selbst nicht an ganz Enttäuschten. Richtig ist allerdings, daß mehrere wichtige Fragen — es fei nur erinnert an das Recht am eigenen Bilde, fahrlässige Falscheide, Kartell-Gesetzgebung — in der Schwebe geblieben sind. Aber verdient es nicht den .Vorzug, statt einen oberflächlich egründeten Beschluß zu fassen, eine weitere Erklärung abzuwarten? Speziell die Kartell-Gesetz- gebung wäre überhaupt besser nicht auf die Tagesordnung gesetzt worden, weil hier noch zu wenig sachliches Material vorliegt, und weil der Gegenstand an sich zunächst mehr die Volkswirtschaft als die Juristen angeht. Die Anerkennung darf dem Juristentag nicht versagt und geschmälert werden: von hohem Wert ist fein einmütiges .Votum für die Dringlichkeit der Reform des Strafrechts. Das geradezu klassische Referat des Professors Kahl über die hierbei hauptsächlich in Betracht kommend en Punkte hat dem Beschluß auf das wirksamste vorgearbeitet. Wie denn im allgemeinen die vorbereitende Thätigkeit für den Juristentag eine bedeutende Summe von Erfahrungen und Anregungen lieferte. Auch von Optimisten war de/ürchtet worden, die Diskussion über die Reform des Strafrechts werde mehr Gegensätze als Ueberetnftimmung der Meinungen zu tage fördern. Ein solcher Zwiespalt hätte unleugbar den Eindruck des Dringlichkeits-Beschlusses wesentlich abge- schwächt. Dadurch, daß man das Einigende in den Vordergrund stellte und Meinungsverschiedenheiten im einzelnen nicht zum Austrag brachte, sondern der künftigen Mitwirkung an der Reform überließ, dadurch hat der Juristen^ tag der Sache einen wesentlichen Dienst geleistet. Die Regierung kennt nunmehr nicht nur die Stimmung der Volkskreise, die längst ein neugestaltetes Strafrecht gefordert haben, sie steht auch einem Beachtung heischenden Beschluß der Sachverständigen gegenüber. Revision des Strafrechts und gleichzeitig eine solche der Strafprozeßordnung; mit der Inangriffnahme darf nicht gezögert werden. Bausteine zu diesen Werken werden von allen Seiten herbeigeschafft werden, von den Juristen wie von den Laien, die mit Interesse die Entscheidungen der Gerichte verfolgen. Wir müssen ein volkstümliches Recht bekommen, auch 'auf dem kriminellen Gebiete, und dazu ist es nützlich, daß der Bürger, der inmitten des praktischen Lebens steht, seine Beobachtungen mitteilt. Tas richterliche Urteil wird, mehr als dies früher geschah, der öffentlichen Kritik unterzogen. Sofern sie in ruhigen, sachlichen Formen, in einem angemessenen Tone erfolgt, kann die Rechtsprechung nur dabei gewinnen. Tenn es wird dadurch das Gefühl der Verantwortlichkeit bestärkt und das Verständnis erweitert für schlichte und gesunde Rechtsauffassungen im .Volke. Zur Ausschließung der sozialdemokratischen Konsumvereine aus dem allgemeinen Genossenschaftsverband schreibt der Anwalt des Verbandes Dr. Crüger in der von ihm herausgegebenen Korrespondenz: In einzelnen Tagesblättern ist behauptet, die verschiedenen wirtschaftspolitischen Richtungen der einzelnen Genossenschaften gingen den Anwalt des Verbandes nichts an. Wer dies schreibt, kennt nicht die Organisation des Allgemeinen Verbandes, dessen Bedeutung und die Aufgaben des Anwalts. Tie Thätigkeit des Allgemeiuen Verbandes und seiner Leitung beschränkt sich nicht und kanrr sich nicht beschränken aus Erledigung formeller Arbeiten. Der Allgemeine Verband würde seine Stellung einbüßen, er würde an Einstuß verlieren auf die Gestaltung des Genossenschaftswesens, aus die Gesetzgebung und die Maßnahmen der Behörden, wenn er nicht auf einem bestimmten wirtschaftspolitischen Programm beruhte, wenn er nichts anderes wäre als eine Organisation vereinigter Genossenschaften, die jeglichen inneren Zusammenhaltes entbehrten. Die Personen, die am ungehaltensten über den Ausschluß der Genossenschaften sind, wissen dies am besten zu würdigen, denn sie werden gewiß nicht ernstlich bestreiten, daß sie, sobald sie erst über eine gefügige Mehrheit im Allgemeinen Verbände verfügten, rücksichtslos vorgegangen wären gegen die ihren Tendenzen zuwiderlaufenden Bestrebungen anderer Genossenschaslsarten — sie hätte« dem Allgemeinen Deutschen Genossenschaftsoerband ihre Richtung ausgeprägt, sobald sie die Macht dazu hatten. Der Anwalt des Verbandes würde die Interessen desselben schlecht wahrgenommen haben, wenn er ruhig diesen Zeitpunkt hätte herankommen lassen. Es ist behauptet, daß der Anwalt in seinem Bericht auf dem Allgemeinen Genossenschaftstag alle Konfumvereins zum Austritt aufgefordert habe; das ist nicht wahr. Ter Antrag des Gesamtausschusses richtet sich nur gegen eine wirtschaftspolitische Richtung unter den Konsumvereinen; der Anwalt erklärte, daß mit der Ausstellung dieser Liste em Prinzip ausgestellt wäre, und daß die Konsumvereine, die auf dem Boden der neuen Richtung, der evolutionistischen Bewegung, sich befänden, ohne von Dem Ausschluß betroffen zu sein, nun jedenfalls auch den Allgemeinen Verband verlassen dürften, während für die übrigen Konsumvereine kein Grund zum Ausscheiden vorliege. Kiue neue ILede Kelletans. Die beiden einander feindlichen französischen Minister des Krieges und der Marine, General An d r e und Pelle - tau, scheinen sich in kriegerischen Redeergüssen gegenseitig den Rang ab taufen zu wollen. Mich einem Telegramm aus Biserta hielt der Marineminister Pelletan dort am Sonntag abend auf einer von der.Stadtverwaltung ihm zu Ehren veranstalteten Festlichkeit eine Rede. Der Minister hob die Wichtigkeit Bisertas als Mittelpunktes der Verteidigung Frankreichs am Südgestade des Mittelmeeres hervor und prophezeite, daff es ein neues Karthago fein werde ohne die Laster und Rohheit des alten. Frankreich wolle aus dem Mittelländischen Meer kein französisches Binnengewässer machen; es sei geheilt von seinen Träumen von Weltherrschaft. Aber ein Teck des Mittelmeeres fei französisch und werde französisch, bleiben. Mit Biserta, der mächtigen Schutzwehr, die in gleicher Weise für den Angriff günstig gelegen sei, ferner mit Korsika und Toulon vermöge Frankreich die Thür zwischen den beiden Hälften des Mittelmeeres, trotz Malta und Gibraltar, offen zu halten. Pelletan betonte, er wünsche feinen Konflikt mit England oder Italien. Da man jedoch nicht wisse, was Andere thun würden, fei es seine, Pelletans, Pflicht, den tyeiligen Krieg für das.französische Vaterland gegen seine Feinde, wer sie auch seien, vorzubereiten. Es gebe in der zivilisierten Welt keine Sicherheit mehr. Am Ende des 19. Jahrhunderts nach der Niederwerfung Frankreichs durch die Barbarei des alten Germaniens habe man einen Rückfall ins Gewaltrecht und einen Angriff erlebt, während deffen die ganze Welt von dem Grundsatz, daß Gewalt vor Recht gehe, beherrscht erschienen sei. Dem „Temps" zufolge fügte Pelletan in merkwürdiger Naivetät hinzu, er habe noch keine Gewohnheit, Minister zu fein, und er fürchte, daß er über Dinge spreche, welche ausschließlich den Minister des Aeußern, Delcasfe, angehen. Aber, fuhr Pelletan fort, wir sind unter Freunden, und wenn mir meine Zuhörev versprechen, nichts darüber zu sagen, dann gestehe er ihnen, daß er in vielen Punkten ihre Meinung teile. Herr Delcasse wird allerdings nicht wenig befremdet fein über den offensichtlichen Mangel an politischer Selbstzucht bei dem veranrwortlichen Leiter der Armee- und Marineverwaltung Frankreichs. Denn auch der Kriegsminister Andre hat bekanntlich seiner Zunge freien Lauf gelassen. Es dürfte in der Politik der neueren Zeit ohne Beispiel sein, bay ein verantwortlicher Staatsmann, noch dazu außerhalb des Parlaments, Angelegenheiten des Langen und Breiten, doch ohne alle Reserve, erörtert, die gar nicht in fein Ressort gehören. Befindet sich denn das Kabinett Combes im Zustande der Auflösung? Treibt jeder Minister auf eigene Faust Politik, zurzeit auswärtige Politik? Kein günstiges Zeugnis für die Autorität des Ministerpräsidenren. Solche Reden, wie die Pelletans, bewirken nur, daß Frankreich in den Rus kommt, die am wenigsten friedliebende Großmacht zu sein. Tas aber müßte doch eigentlich den Zaren veranlassen, seine Gefühle für den Alliierten einer Revision zu unterziehen. In Frankreich selber nicht nur, sondern auch in Oesterreich findet Pelletans Rede eine höchst abfällige Beurteilung. Die „Neue Freie Presse" nennt die Rede noch ungeschickter und taktloser als die in Ajaccio gehaltene. Pelletan scheine noch immer nicht zu wissen, daß er heute verantwortlicher Minister und nicht der radikal-sozialistische Klubredner sei und daß, wenn er heute spricht, er vor Europa und der ganzen Welt, nicht aber vor den Wühlern von Marseille eine Rede hält. Pelletan habe nicht nur seine, sondern auch die Stellung des gesamten Ministeriums arg gefährdet. Deutsches Reich. Berlin, 16. Sept. Die Enthüllung des Denkmals Friedrichs des Großen in Washington, das vom Kaiser gestiftet wurde, wird erst im nächsten Jahre erfolgen. — Dem Redaktionshülfsarbeiter und stellvertretenden Redakteur des Deutschen Reichs- und Königl. Preuß. Staatsanzeigers v. B a j a n o w st i ist der Charakter als Hofrat verliehen worden. Bremen, 16. Sept. Der auf der Werft des Bremer Dulkan in Vegesack für den „Norddeutschen Lloyd" erbaute neue Damvser „Erlangen", von ca. 5000 Bruttoregistertons, hielt heute seine Probefahrt ab, an der vom „Norddeutschen Lloyd" die Herren Präsident Plate und Direktor Leist teilnahmen. Der Dampfer erreichte bei einer Leistung von 2800 indizierten Pferdeträften eine mittlere Geschwindigkeit von vierzehn Meilen in der Stunde, womit die vereinbarten Bedingungen erheblich überschritten wurden. Das Schiff wurde sofort nach der Probefahrt von den Vertretern des Norddeutschen Lloyd übernommen. Der Dampfer „Erlangen" wird am 4. Oktober seine erste Reise von Bremen nach Brasilien an treten. Braunschweig, 16. Sept- Der Verein deutscher Wurstsabrikanten faßte heute in einer zahlreich besuchten Versammlung eine Resolution, in welcher hervorgehoben wird, daß, wenn das deutsche Fleischergewerbe und die Fleischernährung des deutschen Volkes nicht dauernd auf das Schwerste geschädigt werden soll, die Zufuhr ausländischen Schlachtviehes in größerem Maße unbedingt notwendig sei. Heer und Flotte. Gießen, 17. Sept. Militärdienst nachrichten. Zum Leutnant der Reserve ernannt: Riedesel, Frhr. zu Eisenbach (Gießen) des Garde-Jäger-Battls. Ter Abschied bewilligt: Zimmer, Leutnant der Res. des 1. Großh. Hess. Feldart.-RegtL. Nr. 25 (Großh. Art.-Corps) (Gießen). — Als Nachklang zum Krosigk-Prozeß wird die Thatsache gedeutet, daß Oberst Winterfeld, der Kommandeur des Dragoner-Regiments v. Wedel in Gumbinnen, in dem Rittmeister von Krosigk und die Unteroffiziere Hickel und Marten standen, seinen Abschied eingereicht hat und bereits nicht mehr zum Manöver ausgerückt ist. Kirche und Schule. Berlin, 15. Sept. Der „Llb. Korr." schreibt in einer Betrachtung über das Verhältnis der Kirchenbehärdcn zu den liberalen Geistlichen: „Uns ist ein Fall bekannt, wo das Konsistorium bei der Wahl eines liberalen Geistlichen in Berlin anfragte, warum er die Tochter seines ersten Superintendenten nicht geheiratet habe. Der betreffende Geistliche zog infolgedessen seine Bewerbung zurück, ny*^ »r vom Geiste der preußischen Landeskirche genug hatte.__ Ausland. London, 16. Sept. Dem „Daily Expreß" zufolge wurde im Woolwicher Arsenal ein neues Geschütz hergestellt, das alle auf dem Kontinent übertrifft. Zu schnellerer Handhabung des Geschützes, wird eine neue Lafette konstruiert werden. A m st e r d a m, 16. Sept. Ter Bruch zwischen Krüger, Reitz und Leyds sowie den Buren- General en hat sich derart vertieft, daß diese entschlossen sein sollen, ihren europäischen Aufenthalt abzukürzeu und alsbald nach Afrika zu rück zu kehren, wo das Vuren- volk wegen ihres bisherigen sowie ferneren Verhaltens selbst urteilen soUe. Tie Generale haben mit ihnen keine Fühlung mehr. Haag, 16. Sept. Tie Königin eröffnete heute die General st aaten mit einer Rede, in der sie zunächst aus die schwere Krankheit hinwieS, von der sie völlig wiederhergestellt sei. Tie Beziehungen zu dem Auslande seien nach wie vor sehr freundschaftlich. Tic Nachwirkung einer Kiüsis. die anderswo ausgebrochen sei, habe der Schisfahrt geschadet; die Lage deS Handels und der Industrie sei zufriedenstellend, die der Landwirtschaft nicht u n - günstig. Schlechte Ernten in einigen Gegenden Javas hätten eine große Unterstützung der Betroffenen seitens der Regierung erforderlich gemacht. Tie Thronrede kündigt sodann Vorlägen über Erweiterung der Zuckcrgesctzgebung jowie über das Telegraphen- und Telephonwesen au. — Tie Königin-Mutter besuchte Nachmittags die von Burenfreunden veranstaltete Ausstellung in Scheoe- ningen, wo sie mit Wolmarans zusammcntraf und sich nach der Gesundheit der Präsidenten Krüger und S t e i j n erkundigte. Paris, 16. Sept. Ter Schifssleutuant de la Motte, welcher wegen Teilnahme an einer öffentlichen Demonstration fünften der Kongregationen zur Disposition gestellt wurde, ersuchte, seine OLfi- ziercharge niederlegen zu dürfen. Turin, 16. Sept. Heute wurde in Gegenwart eines Vertreters des Ministers Baccelli sowie Teilnehmern aus Italien und dem Ausland der fünfte Kongreß der internationalen Vereinigung zum Schutze des Eigentums an den Erzeugnissen der In - d u st r i e eröffnet. ES sprachen der Vertreter Daccetlis, der Bürgermeister von Turin, ein Franzose namens der ausländischen Teilnehmer, Vertreter der Regierungen von Oesterreich-Ungarn, Frankreich, der Schweiz, Belgien und Schweden, der Tirektor des internationalen Bureaus in Bern, Morel, und andere. Tarauf begann der Kongreß seine Arbeiten. Sasvar, 16. Sept. Um 11 Uhr vormittags waren die Manöver beendet. Ter Kaiser und der d c u t s ch e K r o n - prinz kehrten hierher zurück, worauf ein Tiner stattfand. Abends 8 Uhr erfolgt die Abreise des Kronprinzen nach Berlin. Ter Kaiser begleitete ihn nach dem Bahnhof. Dort angelangt, salutierte der Kronprinz und küßte dem Monarchen die Hand. Ter Kaiser küßte den Kronprinzen auf beide Wangen. Budapest, 16. Sept. In Hatzfeld kam es gestern in einem öffentlichen Speisesaale zwischen mehreren deutschen Ortsinsassen und ungarischen BeVermischtes. * Breslau, 16. Lept. Wie au5 Marklissa gemeldet wird, entlud sich beim AuSsprengen eines Tunnels an der QueiSthalsperre ein Schuß, wodurch drei Arbeiter schwer verstümmelt wurden. Zwei der Verunglückten wurden nach dem MarNisfaer Krankenhause gebracht, während der dritte, am schwersten Verletzte, nach dem Laubaner Krankenhause überführt wurde. An dem Aufkommen des Letzteren wird gezweifelt. — In Leschwitz verunglückte der Obsthändler PiseUa dadurch, daß ihm die Pferde semeS Wagens durchgingen und er durch einen Anprall vom Wagen geschleudert wurde; er war sofort tot. Pisella hatte bereits bei einem früheren gleichartigen Unfall ein Auge verloren. amten zu einem Standale, weil letztere nicht zugeben wollten, daß die Musirkapelle die „Wacht am Rhein" spiele; die g^enc endete mit einer argen Schläg erei. Kapstadt, 16. Sept. In der gesetzgebenden Versammlung kündigte Premierminister Sprigg an, daß im Amtsblatt ein Erlaß veröffentlicht werden würde, durch den das Kriegsrecht in der ganzen Kapkolonie aufgehoben wird. New York, 16. Sept. General Wheeler, der soeben von den französischen Manövern nach Philadelphia zurück- gekehrt ist, erklärte dem Blatte „Mail and Expreß" zufolge, die Franzosen hätten aus dem südafrikanischen Kriege nichts gelernt. Die französische Arm ee, so äußerte er, sei n ur in e in zeln enJtleinig- keiten modern. In anderer Beziehung sei sie so weit hinter der Zeit zurückgeblieben, daß es ein Verbrechen sei, in einem solchen Zustande zu beharren. Sie besäße keine Geschütze für das Fernfeuer und könnte sich mit den Armeen der anderen Großmächte nicht vergleichen. ___________________________ Aus Stadl und Land. Gießen, 17. September 1902. * * Hofnachrichten. Ter Groß Herzog und dessen Tochter, Prinzeß Elisabeth, treffen am 23. von Friedberg wieder in Darmstadt ein. * * Universit ätsnach richten. Dr. jur. Heim- berg er, ordentlicher Professor für Strafrecht an der Universität Münster, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Gießen berufen. An seine Stelle in Münster tritt der av. Pros. Dr. Ernst Rosenfeld aus Königsberg als ord. Prof, für Strafrecht, Straf- und Zivilprozeß. * * Personalien. Dem Pfarrer Karl Scheuneman n zu Talheim ist die evangelisch^ Pfarrstelle an der Markusgemeindc zu Gießen, Tckanat Gießen, und dem Psarrverwalter August Offen bächer zu Albig, Dekanat Alzey, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen worden. * * Die Technische Hochschule zu Darmstadt beginnt ihr Wintersemester am 21. Oktober' Das Verzeichnis der Vorlesungen und Hebungen über Elektrotechnik, Chemie, einfchl. Elcttrochemie und Pharmacie, und M a s ch i n e n w i s s e n s ch a s t e n ist erschienen und auf der Expedition des „Gießener Anzeigers" einzusehen. * * Zu den Landtagswahlen. Die vor einigen Tagen durch verschiedene Blätter gegangene Notiz, wonach die Bürgermeister K r o m m in S ch o t t e n und Biehl in Ra in rod für den Wahlkreis Schotten als Kandidaten ausgestellt seien, wird von der „G. L. P." neuerdings d e m e n t ie r t. Wenn auch, wie arizunchmen ist, die Genannten ein Mandat ad gelehnt haben, so sind deswegen die Chancen für Herrn Weidner, den seitherigen Adgeordiieten, durchaus nicht günstiger geworden. Er hat sich jent gegen drei Kandidaten zu wenden: den Bürgermeister Jochem zu Laub ach, Sanitalsrat Tr. Vogel zu Laubach und Oberförster Dr. Weber zu Konradsdorf. Möglich ist, so sagt das Hungener Blatt, daß Herr Weidner zu Gunsten des Herrn Dr. Vogel (chrisli.-sozial) z u r u ck t r i 11, in diesem Falle würde sich veritiurlich uie Entscheidung zwischen diesem und Herrn Dr. Weber drehen. * * Zu unserer Notiz, Blu menp flege durch Frankfurter und Gießener Schulkinder, teilt man uns mit, oaß schon längere Zeit in verschiedenen Schulen des Kreises Büdingen die älteren Schüler durch die Lehrer mit Erfolg zur Pflege von Bluinen angehatten wurden. Die Kinder unterziehen sich stets gern öiejer Arbeit und haben ihre Freude an den schönen Topfpflanzen. Freilich begegnet man bei den Landbehörden nicht dem Verständnis und dem Entgcgentommen wie bei den städtischen Körperschaften, die durch Anerkennung und Bewilligung von Preisen die Sache sehr fördern. Deshalb find diese Schul- bturnen, wie unser Gewährsmann sagt, bisher auch wohl Blumen im Verborgenen gewesen. mp. Ein netter Student enulk ist, wie uns geschrieben wird, wieder einmal vor einiger Zeit in einer größeren Stadt Süodeutschlauds verübt worden. Erscheinen da früh Morgens aus dem Markte drei fidele Studios, die in aller Gemütsruhe eine regelrechte Marktbude aufschlagen, dann zu den umhersitzenden „Marktkollegeu und Kolleginnen" gehen, um hier einen beträchtlichen Vorrat an Gemüse und anderen Verkaufsgegenständen zu erstehen und damit ihren eigenen Marlistand zu füllen. Ta auch der übliche Obolus für das „Marktsitzen" bezahlt war, so konnten unsere Studios in aller Gemütsruhe ihr Ge- schäft eröffnen. Naturgemäß zentralisierte sich der ganze Marltverkehr an jener spaßigen „Studentenbude", selbst die „Elektrische" beförderte mit entsprechender Langsamkeit ihre Passagiere an jenem „Schaustück" vorbei, so daß schließlich die Polizei, die eine zeitlang ihre Augen zu- gedrückt hatte, dieselbe offnen und dem „Unfug" ein Ende machen mußte. Daß der schließlich ganz nette „Unfug" eigentlich ein „grober" gewesen war, konnten die armen „Marktschreier" nachher aus den ihnen übermittelten Strafbefehlen ersehen. Butzbach, io. Sept. Vorgestern beging ein Strafgefangener im Großh. ZclleugesängniS hier Selbstmord; es war der wegen Sittlichlettsvergehen inhaftierte Händler Leithmann von Worms, welcher sich am Ofen seiner Zelle aushängte. Seine Leiche wurde der Anatomie überwiesen. Bad Nauheim, 17. Sept. Heute nachmittag i/-6 Uhr trifft, wie uns telegraphisch gemeldet wird, der Grotzherzog hier etn und begiebt sich direkt nach dem neuen Kurhause, wo am Abend die Spitzen der hiesigen Behörden in Audienz empfangen werden. e. Bad» Nau he im, 16. Sept. Heute nachmittag weilte die Prinzessin Ludwig von Battenberg hier, um in Begleitung des Kreisrat Frey-Friedberg und des Baurat Dr. E s e r, Vorstandes der Badedirektion, das unter dem Protektorate der Prinzessin stehende Ko- nitzkystift anzusehen. Tas vor drei Jahren durch 5rau Konitzk y - Holland gestiftete HauS hat inzwischen mehrere bedeutsame Neuerungen erfahren, z. B den vau etned eigenen DadehauseS. Bürgermeister W ü r n e r - "2»$ - Nauheim stellte die Vorstandsmitglieder und den Verwalter der Anstatt vor, und zeigte dann den neuen Teil des HauseS. In einer längeren Ansprache dankte er der hohen Protektorin, durch deren Jntereue der Bau des eigenen Badehauses ermöglicht wurde. Dre Prin-eism erkundigte sich bei dem Arzte der Anstatt, Oberstabsarzt a. D Tr. Steinberg, nach dem ckrfolge der Sommerund auch der Ainterkrr. Letztere hat m jedem Jahre eine steigende Frequenz. Vorher hatte die Prinzellm der Kinderheilstätte „Elis ab eth Haus" einen Besuch ab- gestattet. L. Bleichenbach, 16. Ser Feldwcgverbindung folgend eine Ch aus seev er bin- ) un g in nächster Zeit entstehen. -i- Bad Salzschlirf, 16. Sept. Seit einigen Tagen hat man auf hiesigem Bahnhofe mit den Vorarbeiten zu einem neuen Bahnhofsgebäude begonnen. Dasselbe kommt einige Meter östlich von dem bisherigen zu stehen, mit welchem es die gleiche Tiefe erhalten und durch eine Halle verbunden wird. Das jetzige Gebäude wird ganz zu Beamtendienstwohnungen eingerichtet werden. Für den Neubau ist auch eine Bahnhvfs- rcstauration vorgesehen. Der Bahnhofsneubau war infolge des jährlich steigenden Verkehrs zu einem dringenden Bedürfnis geworden. Hoffentlich hat man bei Bemessung der Größenverhältnisse den steigenden Anforderungen des aufstrebenden Bades Rechnung getragen. fc. Büdingen, 16. Sept. Ten am 22. und 23. d. M. bei Büdingen und Birstein fiattfinbenben Angrisssübungen mit schwerer Artillerie wird auch der Grobherzog beiwohnen. Er ist während der Dauer der Hebungen Gast des Fürsten von Psenburg-Birstein. Auch eine Anzahl höherer Offiziere aus anderen Armeekorps wird dem interessanten militärischen Schauspiel beiwohnen. Darmstadt. 16. Sept. Eine eigenartige .Expreß- briefbeförberung" konnten gestern, Montag, 9lbenb kurz vor 7 Uhr einige Passanten bet unteren Grasenstraße beobachten. Um diese Zeit rollte ein mit einem Stückchen Eisen ober Stein beschwerter Bindfaben aus einem der oberen engoergitterten Fenster des dortigen Gefängnisses auf~ die Straße herab. Kaum war das oft zusammengeknüpfte Stuck bis auf Manneshöhe von dem Boden entfernt, als eiligen Schrittes von der Hofstallstraße her ein junger Mann erschien, mit dem Ende der Schnur einen Brief umwickelte, woraus das Packetchen in die Höhe flieg, hinter den Eisenstangen verschwand und gewiß von dem inhastitten Empsänger in Besitz genommen wurde. Worms, 16. Sept. Zur Feier des 50jährigen Ges chäftsjubiläumsderFirmaJ. Langenbach und Söhne sand gestern eine festliche Veranstaltung statt, die alle Freunde und Mitglieder des Hauses, wie die Vertreter der Behörden, der Industrie und des Handels zu- sani men führte. Dem Mitinhaber der Firma I. Langenbach u. Söhne, dem Kaufmann Rudolf Langenbach, wurde der Charakter als Kommerzienrat erteilt. Frankfurt a. M-, 16. Sept. Im Kaiserhof Jagte gestern nachmittag eine Versammlung des Verbandes Süd- w e st d e u t f ch e r Branntwein-Interessenten, die sich mit der Frage beschäftigte, welche Mittel anzuwenden feien, um die moiioüoii|ti|djcn Bestrebungen des Spiritus- Ringes zu unterdrücken. Nach einer kurzen Ansprache gelangte 1t. „Frist Ztg." folgende Resolution zur einstimmigen Annahme: ,^jii Anbetracht der unserem Gewerbezweige und allgemeinem Erwerbsleben drohenden Gefahr durch Kartelle, Syndikate und Ringe wird aus der Mitte der Ver- fammlung em ständiger Ausschuß von neun Mitgliedern gebildet. Ter Ausschuß soll alsbald das Nötige oeran- taijcn, um die breiten Schichten der Konsumenten auf die G^ayr, die folaje Vereinigungen Hervorrufen, aufmerksam zu machen, gemeinsam mit den anderen Vereinen bei der Reichsregierung und den gesetzgebenden Körperschaften für ein Kartell-Gesetz eintreten uird hierfür die nötigen Mittel fammeln. Gleichzeitig soll der Ausschuß prüfen, ob und auf welche Art im Prinzip der Gesell- oder Genosfenschafts- einfauf zu lösen sei." — Der internationale Kongreßzur Bekämpfung des Mädchenhandels findet vom 7. bis 10. Oktober statt- Die Verhandlungen gehen im Saalbau vor sich, am 7. Oktober giebt die Stadt den Kongreßteilnehmern eine Festlich kett im „Frankfurter Hof", eine zweite Festlichkeit ist für den 9. Oktober im „Fürstenhof" oorgeschen. Der Senator Verenger wird über die Ausgaben der Regierung bei Bekämpfung des Madchenhaiidels sprechen, außerdem beteiligen sich deutsche, holländische, englfiche und französische Redner an den Vorträgen und Diskussionen. Wiesbaden, 16. Sept- Das Vorturnen der Vorturner sch asten größerer mittelrheinischer Turnvereine fand am verflossenen Sonntag in der Turnhalle des Männertumvereins Wiesbaden statt. Um 9 45 Uhr traten 90 Turner zu den Stabübungen an, welche, nachdem der zweite Sprecher des Männertumvereins Wiesbaden dieselben begrüßt hatte, in Anbetracht der Schwierigkeit derselben recht gut ausgeführt wurden. Hieraus folgte das Turnen der einzelnen Bortumerschaften. Bei der Besprechung, welche lofort nach dem gemeinschaftlichen Mittagessen stattfand, wurde u. a- beschlossen, in Zukunft bie Zusammenkünfte im März abzuhalten. Als Ort des nächsten Turnens wurde Hanau bestimmt. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. DaS bekannte alte Hotel und Badehaus „jum Adler" in Wiesbaden, das mit dem 1. Oktober in den Besitz der Stadt Wiesbaden übergeht, die auf dem Terratn cm großes städtisches Bad errichten will, hat seine Pforten geschlosien. Der „Adler" ist wahrscheinlich das älteste in Wiesbaden existirende Bad, wenigstens ist es das einzige, daS schon vor dem Jahre 1600 einen Namen führte. — AuS Offenbach wird geschrieben: DaS große Etablissement .Schlossers Liegenschaft" ist nunmehr in die Hände der Stadt übergegangen und jetjt zur Benutzung für alle Parteien frei- gegeben worden. — Der Verein zur Wahrung der Jnteresien der chemischen Industrie Deutschlands, Vorsitzender Kommerzienrat Dr. I. F. Holtz, wird seine Generaloersammlung am 19. und 20. September in Frankfurt a. M. abhalten. Zur Beratung steht cme Anzahl wirtschaftlicher und lech- nischer Fragen, welche die chemische Industrie berühren. 4--?Ss tdl Ver M S^6**6 '!^ie Ps^E if* etfl ^BZ rMr * <5^‘ i’ft m?ben‘®’t* di- g!°iA r°"> n wird. Das fe er. Nmi^ w sS:® «■ >«Äft ?&5B ffe h der förohheriA j bet Hebungen Gast ?^^zahl höh^ b bem interessante« .nQrlt9e .Expreß. '' Montag, fHbenb unteren Grafensiraße mit einem Stückchen “,s einem btr oberen Nuw§ auf bie 'Ninengefniipiti Stück enlsernt, als eücgen unger Mann erschien, I umwickelte, wMs iter den Ecsenstangen iftiäen Empfänger in des 50jährigen ia Z. Langenbach e Leranstaltung statt, Hauses, wie die Lev inb des Handels zu- iyinna Z. Langenbach angenbach, wurde teilt 3m Kaiserhos tagte des Verbandes Süd- nteressenten,die e Mittel anzuwenden düngen des Spiritus- kurzen Ansprache ge- tum zur emslimmgen n Gewerbezweige und Gefahr durch Kar- der Aiitte der Är- m neun MitMern ) das 9lötige brraii' fam/urnenten auf die yrrufen, Mfmecham. en Vereinen Lei der n Mperschasten für i die nöligen Mittel Huh prüfen, ob und oder Genossenschasls- onale Kongreß zu^r ndels M vom . cngen geyen j® W , Ltadt den MgE cantsurter Hof", eme ober im tb über dre Aufgaben xhenhandels sprechen, mdifche, englüche 7 und DE Vorturnen ver ■?9 W 9.45 M Ä mW ” '-«dod-n bi» Itl*L iW i,e ’fö ® ort d-S galten. 6=I»«”L unb de« s f. ‘"b B-d-h-us [te Hotel ftobec m mü dem 1- bem ibergeht' . t [emt einj'9e> 15 9 Lbe 6“ SI1M m »J tifcien 1-°" z jü-«® ^gnte* cds, 1>Lo'Lriammllin9 ine ®ene%. abE Ai&ci und tech Telephonischer Kursbericht. fc'raukiurt m. u., 17. äepteaiber 4',,56 Oesterr. bilberrente 101.30 Tendenz: still. Darmstädter Möbelfabrik (160 Zimm.-Einricht.), Preist, grat. 3821 92.30 100.10 99.70 103.50 101.50 103.00 49.60 80.70 28.85 121.90 44.70 378% 87, 4% 3*/2% 3% Oberbestien . . 456 Oesterr. Goldrente . Reichsanleihe do. Konsole . do. . . Hessen . . 102.15 . . 92.50 . . 102.20 4% Ungar. Goldrente . 4°/ Italien. Rente . . 47,56 Portugiesen . . •>°/ Portugiesen. . . . 156 C. Türken . . . Türkenlose..... 4% Gneoh. Monopol.-Anl. 47,56 äussere Argentiner 3u/u Mexikaner 4>/r /., Chinesen Electric, öoi uckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien Diskonto-Kommandi Darmstädter Bank Dresdener Bank . Beniner Handelsges Oesterr. Staatobahn Lombarden , , Gotthard bahn . . Lauraiiütte . . . Bochum .... Harpener . . . 1902. . 26.70 . 91.95 . 89.80 . 107.00 . 216.50 . 188.10 . 137.80 . 144.10 . 158.00 . 152.20 . 20.80 . 176.50 . 199.50 . 182.50 Kunst und Wisjeistchajt. Eröffnung des neuen Theaters in Halle a. S. Bei aus- serkaustem Haute fand in Hatte die Eröffnung des Dleuen Theaters statt. Direktor E. M. Mauthner schuf mit dem neuen Theater ein kleines Schmuckkästchen für darstellende Kunst. Ter Zuschauerraum, ganz im modernen Stil gehalten, macht einen anheimelnden und vornehmen Eindruck. Eine Luslspielnovilät von Richard Franz, -Der erste Liebhaber-, ein amüsantes Stuck, errang vollen Erfolg. Neiv-Uork, 16. Sept. Der Nordpolfahrer Peary ist von der piilfsexpedition aufgefunden worden und befindet sich auf dem Rückwege. Peary telegraphierte aus der Ehaleau Bay in Labrador, sagte indessen nichts von den Ergebnissen seiner Reise. L Preis Heinrich Stein, Hungen. 2. Preis Heinr. Seibert VII., Hungen. 8. Preis Ph. Wilh. ttohlheyer. 4. Preis W. Steul, Bettenhausen. 5. Preis Konrad Becker, Hungen (Kuh, 2 Kälber). 6. Preis Wilh. H. Bender II., Hungen (3 Kühe). 7. Preis Philipp Bück, Langsdorf. 8. Preis Heinrich Kneipp, Langsdorf. 9. Preis Otto Leidner, Bettenhausen. 10. Preis Jakob Karl Bender, Hungen. — Vogelsberger Kühe. L Preis Gg. Wolf, Utphe. 2. Preis Ph. Hrch. Graf, Villingen. 8. Preis Hrch. Bender, Langsdorf. 4. Preis Zakob Fay. Langsdorf. 5. Preis Ph. Karl Bender, Hungen. 6. Preis Hermann Stoll, Villingen. 7. Preis Ph. Köhler, Langsdorf. 8. Preis Norm en roth. 8. Preis Gemeinde Dettenhausen. 4. Dreis Wilhelm Bopp IV., Bellersheim. 4. Preis Ph. Heinrich Köhler, Langsdorf. — Wegvergütung. Otto Fritz, Trais-Horloff. Friedrich Will, Holzheim. Konrad Merk, Ulfa. Karl Jung, Villingen. Kühe (Siminentaler). zget Ein allgemein bekannter Arzt, Spezialist von Magen- und Darmkrankheiten, schreibt uns dieser Tage: „Ihr Säntis z<— Magenbitter ist vorzüglich, i der Erfolg ist ein ganz außer» i E) ordentlicher." In der That, die & täglich einlaufenden Anerkennungen sind ganz überraschend. Jeder, oer mit „Dr. Knechts Magenbitter" 'rJ* einen Versuch gemacht hat, bezeugt, daß die Wirkung von .,Säntis" auf den Stoffwechsel eine ganz vorzügliche ist. Zu haben in allen feineren Kolontalwaren und Delikateß- Geschästen, sowie bei Eh. Ludw. Thomas, Bahnhofstr. 37. Dr. W. Knecht «3t Co., Frankfurt a. M. Herntann Stoll. Vrllinaen. 7. Prers Ph. Köhler, Langsdorf. 8. Preis Geißler, Steinbach. 9. Preis Grotefendt. Lich. — Wegvergülung. Hrch. Metzger 1L, Nonnenroth. Theod. Frutig, Hungen. Otto Lotz, Villingen. Karl Jung, Villingen. Rinder. 1. Preis Wilhelm Stork IV., Berstadt. 2. Preis Gg. Diehl, Ruppertsburg. 3. Preis Johs. Bender. Airklar. 4. Preis Friedr. Bopp, Bellersheim. 5. Preis Hch. Schmidt VH., Langsdorf. 6. Preis. Hch. Kneipp V>., Langsdorf. 7. Preis Wtth. Bopp, Bellersheim. 8. Preis Hch. Roth J., Langsdorf. 9. Preis Karl Müller, Bellen- Hausen. 10. PreisHch.Köhler XVIIi., Langsdorf. 11.Preis Johs. Aiathes, Bettenhausen. 12. Preis Wilh. Töll, Stemheim. 13. Preis Hch. Jockel Vli., Hungen. 14. Preis Wilh. Zimmer, Villingen. 15. Preis Karl Vogt, Ltch. 16. Preis Johs. Seipp, Betlenhauseit. 17. Preis Peter Hoppe, Nonitenroth. 18. Preis Bürgerinetster Kränter, Steinbach. 19. Preis Johs. Leidner, Bettenhausen. 20. Preis Wilh. Aug. Hofmaitn, Huttgen. 21. Preis W. Ph. Kohlheuer, Hungen. 22. Preis Hermann Stoll, Vittmgen. 23. Preis Hch. Ktcinknrt IIL, Langsdorf. 24. Preis Georg Lein, Huitgen. 25. Preis Hch. Kraft, Hungen. 26. Preis Koitr. Becker, Hungen. 27. Preis Gilbert Sames, Bettenhausen. 28. Preis Karl Schmidt V., Hungen. — Wegoergütung. Ludwig Hofmann, Steinheim. Wtth. Hau, Villingen. — Der Groß-Gerauer Herbstmarkt (Krämer- und Ferkelmarkt) sittdet nicht, wie oerfchiedentltch gemeldet wurde, am 29., sondern am Montag den 22. Sep t e m b e r statt. Gerichlslaai. Mainz, 16. Sept. Der 50jährige Wirth und Schreinermeister Wtthelin D n t t e n h ö f e r aus D t e n h e i in bei Oppenheim Halle m betrunkenem Zustande Aeußerungenaegen den Kaiser und den Großherzog fallen lassen. Tie Slrafkainmer ver° urteilte ihn wegen At a j e st ä t s b e l e i d i g u n g zu z w e i M o - n a t e n G e fängni s. infolge der gebesserten Aussichten die Konferenzen mit Chamberlain demnach st wieder aufnehmen. Paris, 17. Sept- „Jntransigeant" versichert, daß der italienische Botschafter in Paris Schritte bei Del- casss unternommen habe, um Erklärungen über den Vorfall Pellet an zu erhalten. Delcassö soll Peletan hierauf heftige Vorwürfe gemacht haben. Paris, 17. Sept. Hier verlautet, Delcassö werde nach dem nächsten Ministerrat vor seinen Wählern im Departement Arriöge eine die äußere Politik behandelnde, Rede halten, um Frankreichs Stellung zu den Mächten zu kennzeichnen. Nach den Reden Andros und Pelletans erscheine eine solche autoritative Kundgebung notwendig. Madrid, 17. Sept. Die König!. Familie wird bis Anfang Oktober in San Sebastian verbleiben. — Die Eröffnung der Cortes ist auf den 20. d. M. festgesetzt. — Der Karlistcnführer, den Don Carlos unlängst verleugnet hatte, weil er einen Aufruhr vorbereitete, veröffentlicht ein Rechtfertigungsschreibcn über sein Vorgehen und erinnert daran, daß die von ihm unternommenen Schritte von Don Carlos und allen Parteiführern vollkommen gebilligt worden seien und protestiert gegen ihre jetzige Haltung. Rom, 17. Sept. Bei der Durchsuchung der Villa Murri wurde die Dolchscheide gefunden, deren sich der Mörder bedient hatte. Tie Häuser verschiedener Freunde des Mörders werden polizeilich bewacht, so auch dasjenige des Direktors des Sozialistenblattes „Die Schelle" und zweier Redakteure. Es wird bestätigt, daß Advokät Murri auf der Volksbank von Bologna ein Guthaben von 60 000 Frcs. besitzt- Auch scheint fiel) zu bestätigen, daß die Ursache des Mordes in sexueller Richtung zu suchen ist. Wien, 17. Sept- Wie das „Reue Wien. Tgbl." erfährt, hat Kaiser Wilhelm der Bitte des Botschafters Fürsten Eulenburg um seine Enthebung in einem die hervorragenden Verdienste des Botschafters würdigenden Schreiben nicht willfahrt und den Fürsten gebeten, noch mehrere Monate auszuharren, während welcher sich dessen Gesundheitszustand hofsentlich zum Besseren wenden werde. Teplitz, 17. Sept- Im hiesigen physikalischen Inst i t ut sind durch einen Brand sämtliche Instrumente vernichtet worden. Agram, 17. Sept. (M Mitarbeiter des Sozialistenblattes „Swoboda" wurde auf Grund zweier Artikel in der letzten Äiummer des Blattes verhaftet. Warschau, 17. Sept. In Czenstochau sind mehrere tausend Fabrikarbeiter in den Ausstand getreten. Da Ruhestörungen befürchtet werden, wird Blttitär nach dort entsandt werden. Wer sich einen wirklich dauerhaften Schirm wünscht, lasse sich denselben genau nach Wunsch und Auswahl des Materials bauen. Stein Schirm-System, welches bei mir nicht repariert werden könnte. Stets sofortige u.billiasleBedienung. 4669 Schirmfabrik M. Levi. — In Woischnik schlug der Dlitt kn das HauS eines Stellenbesttzers, fuhr durch den Schornstein in die Stube und tötete dort ein junges Ehepaar, welches gerade beim Abendessen saß. Ein in der Wiege liegendes Vslähriges Kind blieb unverletzt. — In Zenyslona wurde eine unter Führung der Wirtsfrau Zyjok stehende Schmugglerbande ermittelt und sestgenommen. * Unwetter. Nach einer Meldung aus Erfurt sind über ganz Thüringen abermals Wolkenbrüche niedergegangen. Tue Ortschaft Heuthen ist vollständig unter Wasser gesetzt. Die Einwohner retteten sich von der Straße durch Flucht in die Häuser. In der Gegend von Gera ist die gesamte Herbsternte vernichtet. ^lliwLiIilüts-Uachrichlen. Vom Orientalistcuiougrcß ut Hamburg. Wir lesen in nnem längeren Artikel der ^Frankf. Ztg.": In der ersten Sektion — Sprachwissenschaft und Indogermanistik, Vor' sitzender Bartholomae-Gießen — erwecklen besonderes Interesse die Vorträge von T h u r n e y s e n - Freiburg L B. über das periphrastische Futurum im Altindijchen und von Johans. | o n - Upsala über ein indogermanisches Lautgesetz. — In der Sek» von Iran legte Prof. Dr. Barlholomae Bogen 1—14 feines alr- iranifchen Wörterbuches vor. Paris, 16. Sept. Der wissenschaftliche Delegierte La Broix reist heute nach Ai a r t i n i q u e ab, wo er eine Reihe von Be- obachlunasposten am MontPelse errichten wird, welche mit Fort de France telegraphisch verbunden werden sotten. La Broix glaubt nicht, daß eine Räumung der Insel notwendig sein wird und hat bereits eine diesbezügliche Vorlesung in der Akademie der Wissenschasten gehalten. ________ Kandel und Verkehr. Uolkswittschasl Darmstadt, 15. Sept. Zum Direktor der Hessischen Hypothek e n bank ist E. B a st i a n, Prokurist der Bayerischen Bodenkreditanstalt in Würzburg, ernannt worden. Berlin, 16. Sept. In der heutigen Generalversammlung der Deutschen Genossenschaftsbank von Soergel, Parrifius u. Co. waren 8 529 000 Mk. Kapital mit 14215 Stimmen vertreten. Tie Statutenänderung, ivonach das Geschäftsjahr am 30. Juni schließen und das Grundkapital aus 80 Mill. Mk. durch Rücklauf von 6 Aiill. Alk. Aktien ermäßigt werden soll, wurde einstimmig angenommen. Die persönlich haftenden Gesellschafter erklären sich mit der Aenderung einoerstandeil. Ter Antrag aus Einsetzung einer Revisionskommission zur Prüsung der Bilanz pro 30. Juni 1902 wird abgelehnt. Tie Bilanz wird genehmigt und Decharge erteilt Tie Zahl der Aufsichtsratsmilglieder wird von 10 auf 12 erhöht Als neue Mitglieder werden Staatsminlster Strenge-Gotha und Stadtrat Hase-Gera gewählt Leipzig, 16. Sept Gegenüber der Dieldung eines auswärtigen Blattes, daß der in der Klage des sächsischen Staates gegen die Konkursverwallnng der Leipziger Bank angekündigte Vergleich nicht zu stände gekommen und die gerichtliche Fortsetzung der Klage ans den 22. d. 11)1. vor dem Oberlandesgericht in Dresden anberaumt fei, kann das ^Leipz. Tagebl." feststellen, daß die Ver- gleichsoerhandlungen bis jetzt noch gar nicht stattgefunden haben. Markte. Hnngeu, 16. Sept. Wenn bei dem gestern hier abgehaltenen sogen. Präniiierungsmc'rkt (Vieh- und Krämermarkt) auch auch etwas regeres Leben nicht zu verkennen war, so lieferte doch auch er wieder den erneuten Beweis für den stetigen Rückgang der Kräniermärkte an kleineren Plätzen. Dieselben sind ähnlich den heute schon ganz bedeutungsloseii Aieffen in den größeren Städten auf dem Aussterbeetat angelangt und dürften über kurz oder lang lediglich nur noch in der (Erinnerung an die Vergangenheit bestehen. Es wird dies durch die gegen früher ivesenllich veränderten Verhältnisse hinsichtlich der Art des Ver- kauss, besonders durch das Umherreisen der Geschäftsleute, bedingt, vodnrch die Aufstapelung von größeren Warenposten an bestimmten lagen und Plätzen unnötig, ein Markt überflüssig wird. — Was )en gestrigen Viehmarkt, verbunden mit Verlosung und Prämiierung, mbetrifft, nahm die Prämiierung das Hauptinteresse in Anspruch, und der Aiiftrieb fand vorwiegend aus diesem Grunde statt, ivährend von einem Markt, d. h. von Verkaussabschlüssen, kaum roeiter zu reden ist, als es sich hierbei um den Ankauf der zur Ver- lofung bestimmten Rinder handelte. Doch wurden auch einige An- laufe von Gemeindebullen bewerkstelligt. Ein Schluß auf die Höhe der Preise sowie das Geschäft im allgemeinen läßt sich jedoch hieraus nicht ziehen. — Erfreulicherweise wesentlich verschieden hiervon ift der Schweinemarkt, der, abgesehen von der hierorts vor- läufig schwer zu lösenden Platzfrage, auch gestern wieder ein schönes :8ilb zeigte. Derselbe gestaltete sich infolge reichlichen Befahrens : :md entsprechender Nachfrage recht lebhaft, sodaß sich ein flottes Geschäft entwickelte. Tie Preise waren infolge Rückganges der , 'Preise für fette Schweine jedoch etwas gedrückt. — Bei der 1 Prämiierung wurden die Preise zuerkannt wie folgt: Bullen. 1. Preis Ferdinand Kammer, Hungen. 2. Preis Philipp i •Seibert, Hungen. 2. Preis Wilhelm Reichard, Rabertshausen. S. Preis Joh. Hch. Aiüller II., Ober-Hörgern. 3. Preis Gemeinde < äanümirtfdjaft. Barklh Eastr 16. Sept. Der ganze Bezirk wurde als von der R i n d e r p e st verseucht erklärt. Ta kein Vieh aus dem Bezirk entfernt werden darf, befinden sich die Farmer in großer Bedrängnis. ______________ Neuere Mewuugen. Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers. Berlin, 17. Sept. Staatssekretär von Thiel mann hatte eine Unterredung mit dem Abg. Dr. Spahn. Berlin, 17. Sept. Tas Berliner Gastspiel von Sarah Bernhard dürste als gesichert zu betrachten ein. Tie kaiserliche Genehmigung zum Gastspiel der SMnstlerin im königlichen Schauspielhause bezw. im neuen königlichen Operntheater ist erteilt worden. Magdeburg, 17. Sept- Ein Wilderer erschoß bei Wörmlitz den Jagdgebilsen Huß. Die Genossen des ersteren verstümmelten dann die Leiche bis zur Unkenntlich keit. Kopenhagen, 17. Sept. Hier will man von einer bevorstehenden Verlobung des russischen Thron- olgers mit der Prinzessin Beatrice von Kv- burg wissen. Die Verlobung soll angeblich nächste Woche in Kopenhagen stattfinden. Lortdon, 17. Sept. CH amberlain versprach dem General Botha privatim, die Summe für die ruinierten Burenfamilien zu erhöhen, doch müßten die Buren erst wirkliche Be weise ihrer loyalen Gesinnung geben. Chamberlain zeigte Botha gegenüber überhaupt den besten Willen, alle Schwierigkeiten zu beseitigen. (??) London, 17. Sept. Die Morgenblätter melden aus Peking: Auf einer Slonferenz, an der sich der Kommandant von Port Arthur und der Generaldirektor der Mandschureibahn beteiligten, wurde bekannt gegeben, daß die russische Regierung die Niutschwangbahn zum 18. Oktober an CHina zurückgeben werde. Auch die Freigabe der südlichen Provinz der Mandschurei werde erfolg en. Brüssel, 17. Sept. Die Blätter, welche die T h r o n - olgerfrage in Luxemburg anläßlich der Erkrankung )es Erbprinzen besprechen, machen den Vorschlag, das Großherzogtum, den Zantapfel der Großmächte, wieder an Belgien abzutreten. Brüssel, 17. Sept. General Bo tha wird am Freitag nachmittag in Antwerpen erwartet und vom Burenkomitee empfangen werden. Für den Abend ist eine große Festlichkeit geplant. Es steht noch nicht fest, ob sich ein Besuch in Brüssel anschließen wird. Haag, 17. Sept. Infolge der zu erwartenden antienglischen Kundgebungen dürften die Burengeneräle Gießen, den 17. September 1902. 6450 Die Rechnungen der vier evangelischen Kirchenge- «einden für 1901/02 und die Rechnung der v. Rabenau- ßchcn Stiftung für 1899/1902 sind acht Tage lang zu Jedermanns Einsicht öffentlich aufgelegt. Die Rechnungen der Matthäus- und Markusgemeinde Liegen offen im Pfarrhaus hinter der Stadtkirche, die der Lukasgemeinde in der Pfarrwohnung Alicestraße 13, die der Johannesgemeinde und der v. Rabenau'schen Stiftung im Pfarrhaus Südanlage 8. Statt. Schlachthaus. Freibank. Heule uui> morgen: Schal-ilristz 50 M Die Kirchcnvorstände der vier Kirchengemeindcn. £r. Raurnann. Schlosser. Euler. I. B.: Bogt. Obst- Dersteigerung. Dienstag den 23. September, dcii vormittags 9> 2 Uhr an, soll das Obst der Gemeinde Watzen- bom-Steinberg öffentlich meist- bi-etenb versteigert werden. Die Zusammenkunft ist am ihsgange von Watzenborn, am Watzenborn, 16. Septbr. 1902. Moßherzogliche Bürgermeisterei Watzenborn-Steinberg. Hirz. 6447 Morgen nachmittag 3—5 Uhr: Bücher- Versteigerung. Litteratur und Pädagogik. 6454 Schukstraße 10. Mobiliar- Versteigerung. Freitag den 19. September, nachmittags 21/, Uhr, werden aus dem Nachlaß der Fräulein Babette Dehaie, Sleuenbaue 2, IV., nachoer- zeichnete Gegenstände gegen Barzahlung versteigert: 1 vollständiges Bett, 1 Sopha, Komoden, Weißzeug- u. Kleider- fchränke, Tische, Stühle, Sessel, Bilder und Spiegel, 1 Wasch- und 1 Nachttisch, Haus- und Küchengeräte, Kleider und Weißzeug, sowie eine Partie Kohlen und Brennholz. 6452 I. A.: Schneider. 7/isitenAarten liefert rasch and billigst ßrühi'sche Univ-Druckcrct Alice-Kochschuie. Zer Kursus Beginnt am 22. Ltptember. Anmeldungen bei Frl. Renner in der Schule. 6432 Versteigerung. Donnerstag de» 18. d. Mts., nachmittgs 3 Uhr, sollen dahier 9leuenroeg 28 1. HauS- u.Küchengeratealler Art, 2. 2 Mille Cigarren, 3. eine Nähmaschine und 4. mehrere Taschenuhren gegen bar versteigert werden. Gießen, 17. September 1902. 04026 Seipel, Gerichtsvollzieher. Mftrstche, per Pfd. 40 Psg. -P 04022_______Settersweg 81. isiit erhaltener McrWtll sowie Wafchfchrank zu verkaufen. 04021 Steinstraße 66, 11 Haus in bester Lage zu jedem Geschäft geeignet, ist fofort mit 5 Mille Anzahlung sehr billig zu verkaufen. Schriftliche Anfragen befördert die Exped. d. Bl. unter 04028. ftlur Rinderdünger verkauft *£04020 Jungblut, Rodhmrstr. 2. 2 gut erhaltene fewlortn, Teutzer zu 2 und 4 PS. hat billig abzngeben die Brühl'fche Druckerei, 6442 Gießen. 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