Nr. 165 Erscheint tSgttch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siegener Zamilien- blätler viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bu. Brüh lösche- Untoerl. Buch-u.Stei. btudervt (Pietsch Erben) heOofnL,. ©rpebitiou utu Druckerei: Gchulstratze 7, tldresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr.bl. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Donnerstag 17. Juli 1903 GietzenerAnzeiger General-Anzeiger w ** Amts- und Anzeigeblatt für den Meis Gießen Bezugspreis, monatlich 7bPf., viertel jährlich Mk. 2.20; butdj Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePostMk.2.— viertel jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprets: lokal 12 Pf* auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für »Stadt und Land' und »Gerichtssaal*: Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. B Die heutige Kummer umfaßt 8 Seite«. Nähtische Tagesschau. Der preußische Landwirtschaftsmiuister von Podbielski hielt, wie dem „B. T." nachträglich berichtet wird, auf seiner Reise zur Besichtigung der Moor-Kulturen und des kleinbäuerlichen Besitzes bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Festessen in Stolp am 24. Juni eine Rede, in der er erklärte, er habe die Moor-KÄturen noch sehr im arigen gesunden. Es seien noch Millionen vergraben. Etwas sei schon geschehen, aber noch lange nicht genug, um alles nutzbar zu machen. Die Landstraßen seien vielfach verwahrlost und befänden sich in traurigem Zustande. So lange Sie, sagte der Minister, zu den Landwirten, am alten Zovfe festhalten, können Sie nicht verlangen, daß Sie vorwärts kommen. Sie sollen nicht immer nach dem Staate schreien. Die anderthalb Mark Zoll über die Regierungs-Vorlage hinaus, und die Differenzierung des Spiritus werden Ihnen wahrlich nichts nutzen. Arbeiten Sie zunächst an der Ausbesserung aller Wege und halten Sie nicht an dem alten Zopfe fest. Hüten Sie sich in die Fuhstapfen der Sozialdemokratie zu treten. Halten Sie treu zu Kaiser und Reich wie Ihre Vorfahren es gechan, und wenn Sie glauben, daß die Regierung Ihnen nicht alles nach Wunsch macht, bilden Sie sichnicht ein,b aßd ieRegierungauchnur einen Pfifferling nachgiebt." Die anfängliche Begeisterung für den Minister machte, so fügt das „B. T." hinzu, im Verlaufe der Rede allmählich einer kühleren Stimmung Platz und man konnte die Aeußerung hören: Dasistkein Mi nister für uns. Herr v. Podbielski hat leider mit seltener Aufrichtigkeit seine Meinung geäußert, und das sogar auf einem Fe st ess en, wo man sonst anderes zu vernehmen pflegt. Die Aeußerung, die Landwirte sollten sich nicht einbilden, daß die Regierung auch nur einen Pfifferling nachgiebt, bezog sich offenbar auf die Zolltarif-Wünsche. Die gleiche Überzeugung soll Herr v. Podbielski privatim schon öfter zu erkennen gegeben haben, zum Teil in noch drastischerer Form. Der Minister scheint sich hier an einen größeren Kreis haben wenden zu wollen. Vorläufig aber wird man diesmal abzuwarten haben, ob dieser Bericht des genannten freisinnigen Blattes authentisch ist. Zunächst hat setzt die „Dtsch. Tagesztg." das Wort. Die großen und die kleinen Brenner. Aus Berlin, 16. Juli, wird uns geschrieben: Die Jnteresseuverschiedenhett zwischen dem Großgrundbesitzer und dem kleinen Landwirt, die in der Getreioezoll- frage zum Ausdruck kommt, indem der kleine Landwirt nichts an den hohen Getreidezöllen hat, weil er Getreide noch zukaufen muß, diese auf agrarischen Bundestagen sorgsam verhüllte Differenz zeigt sich auch wieder bei dem Plan zur Einschränkung der Spiritusproduktion. Die kleinen Brenner haben gar bald den „Pferdefuß" bemerkt, der dabei herausblickt. Eine Einschränkung der Spirituserzeugung zum tzochbringen des durch Ueberproduk- tion gesunkenen Spirituspreises würde hauptsächliche zum Vorteil der großen, bemittelten Brenner sein. Diese haben, wie in der agrarischen „Deutschen Tagesztg." jemand aus der Schule plaudert, „mehr gebrannt, um bei der künftigen Konzentrierung ein höheres Kontingent zu erlangen." Natürlich half die Mehrproduktion den Preis herabdrücken. Zur Belohnung, meint der Kritiker des Planes satirisch, sollen also jene Herren ihren über Bedarf gebrannten Spiritus noch höher bezahlt erhalten. Ein anderer Einsender setzt auseinander, daß durch die gleichmäßige Pro- oukttonseinschränkung von 18 Prozent gerade diejenigen am meisten betroffen würden, die an der Krisis (der Ueber- produktion) unschuldig sind. Diese Stimmen des Mißvergnügens kennzeichnen die Auffassung über das so überraschend auf getauchte Projekt. Die kleinen Brennerei-Be- besitzer müßten in der That, um Miquels klassisches Wort zu gebrauchen, „Esel" sein, wenn sie einer Vereinbarung zustimmten, die den Nutzen den großen Brennereien gewährt. _______ Ausländische Anleihen. Man schreibt uns aus Berlin, 16. Juli: Die Neigung des Publikums, fest verzinsliche Werte zu erwerben und die Dividendenpapiere zu veräußern, macht sich fast mit jedem Tage mehr bemerklich. Es wird zwar immer — auch heute wieder — angekündigt, daß eine Belebung in der Eisenindustrie, die mit der Kohlenindustrie nun einmal „tonangebend" für den Markt ist, sich vollziehe; aber es fehlt einstweilen noch das rechte Zutrauen zu diesen Botschaften. Und solange die Eisenmdustrre nicht floriert, kehren auch für die Kohlenindustrie nicht die guten Zeiten wieder. Außerordentlich gesteigert hat sich die Nachfrage nach ausländischen Anleihen. Selbst nach Anleihen zweiten und dritten Ranges mit entsprechend verminderter Sicherheit. Bei mehreren dieser Anleihen smd bie tm Lause der letzten Monate erfolgten Kurserhöhungen ziemlich beträchtlich. Daß die ausländischen Anleihen vor den einheimischen bevorzugt werden, erklärt sich einfach daraus, daß der kleine Kapitalist, verwöhnt durch die hohen Erträge, die ihm früher Eisen-, Kohlen-, Elektrizitäts-Werte rc. einbrachten, mehr wie allenfalls vier Prozent von seinem Gelde haben will. Es scheint, daß auswärtige, geldbedürftige Staaten diese Neigung aufmerksam verfolgen und den Zeitpunkt für günstig halten, Emissionsprojekte zu verwirklichen, die in den Jahren der industriellen Hochkonjunktur nicht cm den Mann gebracht werden konnten. Noch manche neue auswärtige Anleihe dürfte darnach zu erwarten sein« Schwierigkeiten in Südafrika. In der Entscheidung über die Verfassungs-Aussetzung in der Kap-Kolonie ist Lord Milner, der die Suspension empfohlen hatte, unterlegen. Chamberlain erklärte sehr entschieden, von einem solchen Mittel nichts wissen zu wollen. Die Frage, ob Lord Milner, nach dieser scharfen Zurückweisung seines Rates seine Entlassung anbieten werde, tauchte bei dieser Gelegenheit auf und sie scheint jetzt der Lösung nahe zu sein. Zwar behauptet der Londoner „Standard", der Rücktritt Milners von seinem Posten als Gouverneur der südafrikanischen Kolonien stehe nicht unmittelbar in Aussicht; er warnt auch davor, die alarmierenden Nachrichten aus Südafrika ernst zu nehmen, den Buren sei derzeit die Arbeit viel wichtiger als die Polittk, Reibereien zwischen Burghers und den Natwnal- Scouts seien unvermeidlich aber ohne jede Einzel-Bedeutung. Aber er scheint doch nur zu bestätigen, daß Milner geht. Möglicherweise ist von London ein „sanfter Druck" auf ihn äusgeübt worden, um ihn zu diesem Entschluß zu bringen. Milner ist, im Gegensatz zu Lord Kitchener, außerordentlich unpopulär in der Burenbevölkerung. Die gestern von uns wiedergegebenen Nachrichten von wachsen- >er Unzufriedenheit unter den Buren, von Feindseligkeiten zwischen denjenigen Buren, die allzurasch mit dem ehemaligen Gegner Freundschaft geschlossen haben, und den „Unversöhnlichen", können nicht leicht genommen werden. Es erweist sich daß die triumphierenden englischen Berichte über die „Zufriedenheit" der Buren mit dem Friedensvertrag mindestens stark opttmistisch gefärbt waren. Mit dem Verzicht auf die Nationalität hat es noch, gute Wege. Die schwerste Ausgabe beginnt erst für England: die Unterlegenen moralisch zu erobern. Mit Gewalt wird gegenüber diesen harten Köpfen nichts auszurichten sein, Entgegenkommen aber sicherlich gewürdigt werden. Und wenn zunächst Lord MUner abberufen würde, unter Ernennung eines Nachfolgers von miloer und wohlwollender Gesinnung, so dürfte dies wesentlich zur Beruhigung der Gemüter beitragen. Mehrere Londoner Blätter berichten, daß die Rückkehr Kitcheners Anlaß zu einer Untersuchung des Kriegsamtes über den südafrikanischen Feldzug geben wird. Im Parlament werden demnächst mehrere Interpellationen über die Vorkommnisse während des Krieges eingebracht werden. Im Unterhaus teilte am Mittwoch in einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage Kriegsminister Brodrick mit, daß den kriegsgefangenen Buren, die den Treueid zu leisten bereit, und im Besitze von Mitteln zu ihrem Lebensunterhalt sind, die Rückkehr nad): Südafrika auf ihre Kosten gestattet werde, vorausgesetzt, daß der Oberkommissar Milner und der befehlsüyrende Offizier der Lager, in denen sie gefangen gehalten werden, damit einverstanden sind. Die Gefangenen könnten sich auch anderswohin begeben, verwirken bann aber jeben Anspruch auf Heim- beförberung auf Regiernngskosten. Wenn sie sich ohne Ableistung bes Treueids fortbegeben, ist ihnen die Rückkehr nach Südafrika nicht gestattet. Sir Arthur Lawley ist am Mittwoch zum Vize- Gouverneur von Transvaal ernannt worden. Deutsches Deich. Berlin, 16. Juli. Der Kaiser begab sich heute mit den Herren der Umgebung zu Wagen nach Stal- beim, wo das Frühstück eingenommen wurde, und kehrte gegen 5 Uhr auf die „Hohenzollem" zurück, die heute vor Gudwangen eingetroffen ist. Hier bleibt die „Hohen- zollern" bis morgen, Donnerstag, früh, um dann nach Molde weiter zu gehen. Das Wetter klärte sich auf. An Bord ist alles wohl. --Die Prinzessinnen Heinrich und Friedrich Karl von Hessen machten gestern einen Ausflug von Hemmelmark nach Kiel, nahmen das Diner im Kaiserlichen Yachtklub ein, und besichtigten dann das Kruppsche Hotel „Seebadeanstalt". — Freiherr von Wangenheim, der Vorsitzende des Bundes der Landwirte, soll nach dem „N. Pomm. Tageblatt" beabsichtigen, bei der nächsten Wahl ein Mandat nicht wieder anzunehmen, wohl aber seine Stellung als Vorsitzender des Bundes der Landwirte beizubehalten. Die Ausübung seiner parlamentarischen Thä- tiakeit soll nachteilige Folgen für sein Gut gehabt haben. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Nachdem die englische Regierung bie Abreise ber in Kriegsgefangenschaft befinblichen Deutschen ans ben Gefangenenlagern genehmigt unb bas deutsche Buren- hilfsbureau für ben Transport ber mittellosen Gefangenen 60 000 Mark bereit gestellt hat, finb vom Auswärtigen Amt Vereinbarungen mit ben beutfchen Rhedereien getroffen, um eine möglichst balbige unb billige Beförderung zu bewirken Von ben auf Ceylon internierten 110 Deutschen finb 7 Offiziere unb 48 Mann bereits am 8. Juli mit dem Dampfer „Oldenburg" von Colombo abgefahren. Der Damp er trifft in Bremerhaven fahrplanmäßig am 8 Aug. ein. 8 Mann traten am 9. Juli mit dem Dampf er „Sultan von Colombo die Fahri nach Ostafrika an Der Rest ber Gefangenen wirb voraussichtlich am 1— August mit dem Dampfer „Gera", der am 19. September in Bremerhaven eintreffen soll, von Colombo fortbeforbert. Von ben beutfchen Gefangenen auf ben Bermudamseln fuhren 13 mit bem Dampfer „Roland" am 11. Juli nach Europa ab. Der Dampfer wird am 24. Juli in Bremerhaven erwartet Die Beförderung ber Gefangenen auf St. Helena kann voraussichtlich in ber ersten Hälfte bes August mit dem Dampfer „Herzog" ber Deutschen Ostafrikalinie erfolgen. Für bie Heimschaffung ber Gefangenen in Jnbieu ist gleichfalls die Vermittelung der Deutschen Ostafrikalinie in Aussicht genommen worden, dabei Dürfte ein Umweg über Deutsch-Ästasrika in Frage kommen. Soweit die Ge- angenen mittellos finb, erhalten sie auf ber Heimfahrt neben freier Verpflegung ein tägliches Zehrgelb, unb bei etwaiger Ausschiffung in fremden Häfen, im Bedürfnis- alle, weitere Gelbunterstützung. — Nachdem erst vor einigen Tagen gemeldet wurde, ;aß eine Gesamtorganisation des deutschen Judentums gerinnt sei, schreibt jetzt das „Berl. Tgbl.", daß ein Ausschuß oeben einen Verein für jüdische Statistik mit ber Zentrale in Berlin gegrünbet hat. —• Wie ber „Reichsanz." melbet, ist bie polnische Zeitschrift „Przeglad Wszechpolski" auf bie Tauer von zwei Jahren für Deutschland verboten worden. — Der „Tägl. Rnndsch." zufolge meldet ein Berichterstatter, bei den letzten Kontrollversammlungen und Gestellungen zur Ableistung einer Reserve- unb Laud- wehr-Uebung fei von verschiebenen Personen beim Namensaufruf statt bes üblichen „£ier" bie polnische Wort- bezeichnung „Z b e" gebraucht worden. Die Uebelthäter seien wegen Vergehens gegen ben militärischen Anstanb mit Arreststrafen bis zu 10 Tagen Haft bebacht worden. Kiel, 16. Juli. Das amerikanische Geschwader, das gegenroartig in Christiania liegt, wird nach einem Besuche Stockholms und Petersburgs längere Zeit Aufenthalt in Kiel nehmen und zwar nach Beendigung der Flottenübungen. Die Reise hierher ist als eine Courtoisie dem Prinzen Heinrich gegenüber aufzufassen. Köln, 16. Juli. Auf die Fertigstellung der Vorlage über die Errichtung von kaufmännischen Schiedsgerichten dringt, der „Köln. Ztg." zufolge, das Reichsamt des Innern mit aller Entschiedenheit. Allerdings finb, wie von gut unterrichteter Seite verlautet, bie Schwierigkeiten, bie namentlich in einigen preußischen Ressorts entgegenstehen, noch nicht vollstänbig behoben, und es läßt sich z. Zt. noch nicht besttmmt übersehen, wann bieS ber Fall fein wird. Stuttgart, 16. Juli. Unter dem Vorsitz von Marx aus Frankfurt a. M. hält der Deutsche Fleischerver. band heute und morgen in der hiesigen Liederhalle feinen 25. Verbandstag ab. Der heutigen Eröffnungssitzung wohnten Vertteter ber württembergischen Regierung, ber königlichen Zentralstelle für Gewerbe und Handel, der Kreis-- regierung des Neckarkreises und der Stadtverwaltung, sowie mehrere Gäste aus Oesterreich-Ungarn, Holland und der Schweiz bei. Der Verbandstag sprach sich heute einsttmmig für die Aushebung des Verbots der Einfuhr von lebenbem Schlachtvieh und gegen bie von ber Zolltarifkommission beschlossene Erhöhung ber .Biehzölle aus. Ausland. London, 16. Juli. Amtlicher Krankheit bericht. Der König überstand die Reise von London nach Cowes außerordentlich gut und litt in keiner Weise unter der Ueberführung. Er verbrachte eine gute Nacht. Das Allgemeinbefinden ist ausgezeichnet. Der König fühlte sich sehr wohl infolge der Veränderung der Lust und der Umgebung. Das Lager, auf dem der König ruhte, wurde gestern nachmittag zwei Stunden unter dem offenen Deck aufgestellt. — Die Genesung des Kolonialministers Chamber* la in wird durch häufige Schwächeanfälle verzögert, welche eine Folge des Blutverlustes sind. Der Puls schwankt. Die Aerzte haben dem Patienten volle Ruhe und Luftveränderung verordnet. Die baldige Rück- kehr des Kolonialministers zu den politischen Geschäften ist nicht zu erwarten. Paris, 16. Juli/ Der deutsche Botschafter Fürst Radolin als Ehrenpräsident des deutschen Hilfs-Vereins und der bayerische Geschäftsträger Freiherr von der Tann als dessen Präsident sprachen den Verwaiidten des ermordeten Dr. Orben- ft e i n, der sich seit 25 Jahren in opferwilligster Weise als Arzt und Ehrenmitglied dieser Vereinigung betätigt hatte, die tiefste Teilnahme aus. — „Echo de Paris" veröffentlicht ein Telegramm aus London, worin es heißt, Kaiser Wilhelm werde sich demnächst zur Stärkung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Drei- und Zweibund-Alächten nach Paris begeben. (???) Konstantinopel, 16. Juli. Tie russische Botschaft überreichte der Pforte eine Note, in der sie im Namen russischer I.lnterthanen bie Zahlung von 932000 Pfund türk, verlangt, als Schadenersatz mit Zinsen für bie lange Verzögerung ber Bezahlung der Indemnität im Betrage von 250 000 Pfund, welche eben diese russischen Untertanen als Entschädigung für die im russisch-türkischen Kriege erlittenen Verluste zu verlangen haben. — Die gestern fällige vierte Rate in ber So r an* bo-Tubini-Angelegenheit ist nicht gezahlt worben. Petersburg, 16. Juli. Der Zar ernannte ben Prinzen Louis Napoleon zum Kommanbeur ber kaukasischen Kavallerie-Di Vision. Kronstadt, 16. Juli. Heute traf bie kaiserliche Yacht „Alexanbria" mit bem Kaiser unb bem Könige von Italien an Bord von Peterhof kommend hier ein. Auf ber Rhebe lag der italienische Panzer „Carlo Alberto" vor Anker. Die „Alexandria" hatte die Standarte des Kaisers und die italienische Königsstcmdarte gehißt. „Carlo Ätoerto", strwre iner russffche Danzerschiffe nnb 20 Torpedoboote in Flagg eng ala und die italienische Flagge am Großtopp salutierten die Kaiser standarte mit 31 und die Wrngsstandarte mit 24 Schuß. Der König von Italien begab ftch mit Gefolge von der „Alexandria" auf einer Schaluppe rwch dem „Carlo Alberta'". Der Kaiser Eam etwas spater an Bord einer Dampfschaluppe zum „Carlo Alberto"". Der S5nig begrüßte am Fallreep den Kaiser, der von den Großfürsten und der Suite begleitet war, worauf das Schiff 31 Salutschüsse abgab. Der Kaiser begrüßte hierauf den italienischen Botschafter, den italienischen Militärattachee und den Erfinder Marconi. Kaiser und König begaben sich nach Besichtigung des Schiffes zum Besuch bei dem Admiral Mirobello auf das Achterdeck. Hier war ein Marconi- Apparat ausgestellt und ein ebensolcher befand sich auf dem Vorderdeck. Die Depesche „Vive l'empereur de Russie!" und „Bive le roi d'Jttllie!" wurde vor den Augen der Monarchen vom Vorderdeck her ausgenommen. Der Kaiser sprach Marconi, der seine Apparate erklärte, seine Befriedigung aus. Dieser legte sodann dem Kaiser die vorgestern vom Kap Lizard erngegangenen Funkentelegramme vor, welche die Buchstaben s, v, e und andere Zeichen enthielten. Hieraus begaben sich die Monarchen und die .Großfürsten nach dem Salon des Admirals, wo Cham- paaner gereicht wurde. Der Kaiser toastete auf den Admiral, auf das herrliche Panzerschiff, sowie auf die ganze italienische Marine. Nach einem Aufenthalt von etwa einer Stunde verließen der Zar und der König mit Begleitung den „Carlo AÄerto" und fuhren auf einer russischen Dampf- fchaluppe zur kaiserlichen Yacht „Polarstern"", die der König von Italien besichtigte, ,odann auf der „Alexandria" nach Peterhos zurück. Durch Flaggensignal gaben der Kaiser dem iEenischen Panzer und der König der russischen Flotte ihren Dank kund. — An dem Festmahl, das Gras Lamsdorf heute abend zu Ehren des italienischen Ministers des Aeußeren Prinetti in der kaiserlichen Villa auf Jelagin giebt, nahmen teil der Fmanzminister Witte mit Gemahlin und Tochter, Generaladjutant Dolgoruki, die Departements-Direktoren im Ministerium des Aeußeren, der italienische Botschafter mit Gemahlin, sämtliche Mitglieder der italienischen Botjchast, die russischen Botschafter in Rom und Konstantt- nopel und andere hohe Würdenträger. Aus Stadt und Kand. Gießen, den 17. Juli 1902. • * Zum Rektor der Landesuniversität ist vom I. Oktober an D. theol. Dr. phil. Prof. Gustav Krug er ernannt worden. * * Professor Dr. Sommer, der Dekan der hiesigen rnedizinischen Fakultät, überbrachte dem bekannten Gynäkologen Geh. Rat H e g a r in Freiburg i. B., der sein fünfzigjähriges Doctorjubiläum beging, ein neues Diplom der Um- versität Gießen. * * Personalien. Der Regierungsassessor Paul Emmerling zu Gießen wurde mit Versetzung der Stelle eines Polizeikommissärs für den Landbezirk des Kreises Offenbach vom 16. Juli ab beauftragt. Herr Emmerling ist ein Neffe des verstorbenen Provinzialdirektors o. Bechtold. — Der Fußgendarm Steeg in Ruppertenrod wurde in gleicher Diensteigenschaft nach Gießen versetzt. An seine Stelle ist der Fußgendarm Lampe getreten. — Der Regierungsassessor Martin Emmerling in Offenbach wurde mit AushilfÄeistung bei dem Ministerium des Innern beauftragt. § Die Funktionen eines Amtsanwalts bei den Gcoßh. Amtsgerichten Bad-Nauheim, Butzbach, Friedberg und Vilbel werden in den Gerichtsferien von Ge- richtsaffeffor L u tz - Friedberg wahrgenommen; der seitherige Amtsanwalt des Bezirks, Gerichtsassessor Schuhmann, ist für genannten Zeitraum mit Versetzung der Dienstverrichtungen eines Staatsanwalts bei Großh. Landgericht Gießen beauftragt worden. * * Das Großherzogliche Regierungs b latt Nr. 39, ausgegeben am 15. Juli d. I., enthält den Landtagsabschied vom 11. Juli 1902. •* Sta dtverordneter Flett -f. Im Alter von 67 Jahren ist heute Morgen der Stadtverordnete Louis Flett nach kurzer, schwerer Krankheit verschieden. Der Verstorbene gehörte dem Stadtvorstand etwa 10 Jahre an. Wenn er sich auch m dem ihm durch das Vertrauen seiner Mitbürger übertragenen Ehrenamte nicht als Redner im Plenum des Collegiums hervorthat, so war seine auf Sachkenntnis beruhende, und von dem Bestreben, nur der Gesamtheit zu dienen, geleitete Thätigkeit in den Kommissionen wertvoll. Sein gerader Sinn führte ihn öfter in die Opposition, immer von dem Bestreben beseelt, das Beste für seine Vaterstadt zu thun. Politisch stand Flett auf Seiten des entschiedenen Freisinn, was ihn aber nicht hinderte, auch das Handeln Andersgesinnter vom Standpunkte des gerecht denkenden Menschen zu beurteilen. Von Beruf Landwirt, verstand er es, die Interessen seines Standes so zu wahren, daß sie mit den allgemeinen Interessen nicht collidirten. Dies und manches andere sicherten ihm die Zuneigung der Einwohnerschaft Gießens, die sie dadurch bethätigte, daß sie ihn im November v. I. zum zweiten Male, und zwar mit der stattlichen Zahl von 1535 Stimmen, in den Stadtvorstand wählte. Eine vor etwa anderthalb Jahren ihm zugestoßene Augenkrankheit, die die Entfernung eines Auges nötig machte, hielt ihn nicht ab, sich von neuem in den nicht immer angenehmen Dienst eines Stadtverordneten zu stellen. Ehre seinem Andenken! *• lieber einen Einbruch in die hiesige Gewerbeschule wird uns gemeldet: Als heute morgen die Reinmacherleute das Haus betraten, fanden sie die Haupt- thüre erbrochen und einzelne Räume durchwühlt vor. Bei genauerer Nachforschung entdeckte man, daß ein Einbrecher ein Fenster eingedrückt und geöffnet hatte und so in das Innere des Hauses eingedrungen war. Offenbar hat der Dieb nach Geld und Geldeswerl gesucht und zwar mit der größten Bequemlichkeit. So hatte er die Rouleaux im Bibliothekzimmer herimtergelaffen und dann sein Suchen tn aller Ruhe begonnen. Dabei hat er jedoch kein Glück gehabt, denn Geldeswert ist ihm nicht m die Hände gefallen, dagegen wird das für die Schulen sehr wichtige Hauptbuch vermißt. In demselben besinden sich wertvolle Adressen, Unterschriften 2C., die der Einbrecher event. zu weiteren Schwindeleien benützen wird. Von dem Thäter hat man z. Z. noch keine sichere Spur. •• S. K. H. der Groß Herzog empfing am 16. d. M. Herrn Provinzialdirektor Dr. Breidert. •* Vom Kreisamt. Gleichzeitig mit Herrn Provinzialdirektor Dr. Breidert ist gestern auch Herr Kreisamtmann Dr. Kranzbühler hier eingetroffen und hat alsbald seinen Dienst angetreten. ** Herr Provinzialdirektor Dr. Breidert ist, wie uns mitgeteilt wird, im Hotel ,zurn Rappen" hier abgestiegen. - Zirkus Walles. Die gestrige Eröffnungsvorstellung )e§ Zirkus Walles war recht gut besucht. Dem Zirkus steht im allgemeinen ein vortreffliches Pferdematerial zur Verfügung, wovon besonders die drei dressierten Hengste, vor- gefützrt von Frau Direktor Wilke, hervorzuheben sind. Diese gute Besetzung des Stalles ist um so höher einzuschätzen, als ja bekanntlich gerade bei kleineren Etablissements für gewöhnlich kein so großer Wert auf das Pferdematerial gelegt wird. Aus dem mannigfaltig gehaltenen Programm erwähnen wir noch die Voltige ä la Richard von Frl. Clara und die Prodilktionen des Jokeys Mr. William. Tie ganze Vorstellung fand großen Beifall beim Publikum. Der Zirkus wird noch einige Tage hier bleiben. ** Der Jahresbericht der Großh. Handelskammer für die Kreise Friedberg, Büdingen und Schotten ist erschienen. Wir werden ihn in den nächsten Tagen eingehender besprechen. -k . Staufenberg, 16. Juli. Seit acht Wochen be- retts weilen hier mehrere Amerikaner zur Sommerftische, darunter der ordentl. Professor der deutschen Lltteratnr an der Universität Chicago, Hatfield. Unter den amerikanischen Damen, die zum Teil auch akademische Bildung haben, befindet sich eine Dame aus New-York, die dort die Stelle einer Bibliothekarin bekleidet. Man sieht, unser Städtchen genießt als Luftkurort einen Weltruf. Darmstadt, 16. Juli. Heute nacht gegen 2 Uhr war in der Scheuer und Stallung des Landwirts Heldmann, Schießhausstraße 53, Feuer entstanden, wahrscheinlich durch Blitz, welcher den Dachstuhl in Flammen setzte. Das Feuer fand Nahrung an den daselbst gelagerten Heu- und Strohvorräten; em Wagen, eine Häckselmaschine und verschiedene andere Geräte wurden durch das Feuer stark beschädigt. Eine Kuh wurde getötet, es wird angenommen durch Blitzstrahl. Das andere Vieh konnte in Sicherheit gebracht werden. Der entstandene Schaden ist immerhin bedeutend. H e u s e n st a m m, 16. Juli. Dem „M. I."" wird geschrieben: Die leider stark beschädigten herrlichen Gemälde, welche in den Kunstdenkmälern des Kreises Offenbachs durch Hofrat Schäfer ausführlich beschrieben werden, und von denen unseres Wissens keine Aufnahmen existieren, sind keine Freskomalereien, aber auch keine bloßen Del» gemälde. Sie wurden nicht durch Eduard v. Steinle renoviert, wie überhaupt von einer eigenUioxn Renovation derselben nicht die Rede sein kann. Karl Beckers zu Köln nahm in den Jahren 1870 und 1871 die Dekoration der Kirche vor und ließ die Bilder, welche im Verlaufe von 130 Jahren durch Staub, Feuchtigkeit infolge der Ausdünstung der Menschen und des Witterungswechsels und durch Rauch verdunkelt und in einzelnen Teilen schwer erkenntlich waren, mit Schwämmen und Wasser abwaschen, was genügte, die Farben nahezu in ihrer ursprünglichen Schönheit wieder zum Vorschein zu bringen, sodaß sie fast wie neu erschienen. Nur an einem einzigen blauen Gewände, welche Farbe sonst in der ganzen Kirche nicht mehr vorkommt, war eine Nachhilfe notwendig. Die Kirche war eben eingerüstet, als der deutsch-französische Krieg ausbrach. Beckers, auch durch andere Herstellungen, so namentlich durch die Dekoration der Kapelle des Fürsten v. Löwenstein in Klein-Heubach, woselbst v. Steinle mit anderen Malern die Gemälde ausführte, beschäftigt, geriet durch die Einziehung mehrerer seiner Arbeiter zu den Truppen in nicht geringe Verlegenheit, und so kam es, daß die Kirche anstatt im Nachsommer 1870, erst an Mariä Lichtmeß 1871 fertiggestellt werden konnte. Dem Stile entsprechend war die Kirche ehemals in weißem Marmortone gehalten. Allein da die kostbaren Gemälde, deren Herstellung nach der Schätzung des Dom- baumeisters Wessike und Beckers jetzt einen Kostenaufwand von 150 000 Mk. erheischen würde, den hervorragendsten Schmuck der Kirche bildeten und dieser ihren eigentümlichen Charakter verliehen, zog es Beckers vor, die Dekoration mit den Farben der Bilder, in welchen ein rötliches Violett vorherrscht, und mit der Stimmung, die sie mit der 3eit angenommen hatten, in Einklang zu bringen. Es wäre Prinzipienreiterei gewesen, wenn er einen weißen Ton gewählt hätte aus dem einzigen Grunde, weil dieser, da die Kirche neu war, angeroenbct wurde und angewendet werden mußte. Nachdem die Bilder 130 Jahre alt waren, mußte er sich denselben in seinen Farben akkommodieren, und er hat auf diesem Wege eine überaus wohlthuende Harmonie erzielt. Bei dem Betreten der Kirche hatte man durch,- aus nicht den Eindruck, als seien einige Teile, die Bilder, alt, und andere, die Dekoration, neu, sondern es erschien alles wie ans einem Gusse. Hanau, 16. Juli. In 23 Ufte in wurde, wie wir meldeten, dieser Tage Zigeunern ein allem Anscheine nach gestohlenes Kind, ein Mädchen im Alter von 6 bis 7 Jahren, abgenommen und die Zigeuner unter dem Verdacht des Kindesraubes verhaftet. Haut und Haare des Kindes, das bei der fürstlich Menburg-Birsteinschen Familie Aufnahme fand, sind bedeutend heller, als dies bei den Kindern der Zigeuner der Fall ist, auch kennt das Kind manches, was den Zigeunern gänzlich unbekannt ist. So wußte es beispielsweise die Verwendung der Zahnbürste ganz richtig zu bezeichnen, während die Zigeunermutter sagte, es wäre eine Bürste zum Einfetten der yaarc; ferner spricht es gut hochdeutsch, benimmt sich wie ein gut gezogenes Kind, kennt die Einrichtung eines Schlafzimmers ganz genau und der gl. mehr, lieber feine Herkunft weiß es jedoch nichts, und die Zigeuner verweigern jede Auskunft darüber. Die über die Herkunft des Kindes angeftetlten Ermittelungen haben nun dahin geführt, daß eine Frau aus Hannover, der seiner Zeit ein kleines Vrädchen von Ziaeunern gestohlen wurde, auf Donnerstag, den 17. Juli vor das hiesige Landgericht zur Agnoszierung des Kindes geladen worden ist. Balduinstein, 16. Juli. Königin Wilhelmine der Niederlande reift mit dem Prinzgemahl am Samstag früh von Schaumburg ab. Kassel, 16. Juli. Die Anti-Tuell-Liga, welche hier unter dem Vorsitz des Fürsten Löwenstein-Wertheim- Rofenberg tagte, hat befchloffen, die Liga einheitlicher zu organifiren und weiter auszubauen, auch den Versuch zu machen, für die Bestrebungen die Monarchen, insbesondere den Deutschen Kaiser, zu intcrefsteren. Neustadt, 16. Juli. Der Verbandstag der drei am Feste (Verbandsschießen) beteiligten Verbände, des mittelrheinischen, badischen und pfälzischen Verbandes, wurde gestern früh 11 Uhr in der Aula der königlichen Realschule hier adgehatten. Als Delegierte waren vom mittelrheinischen Bund folgende Herren anwesend: Meister- Frankfurt, Grünig-Wiesbaden, Jakobs-Mainz, Müller-Os- fenbach und Brück-Gießen. Im därmen des pfälzischen Bundes hat Gebhard-Ludwigshafen den folgenden Antrag eingebracht: „Paragraph 4 der Verbandssatzungen ist dahin abzuändern, daß die Zulassungskarten für Mitglieder des deutschen Schützenbundes, welche außerhalb des 23er* bandes wohnen, auf 20 Mk. erhöht werden. (Tie Zulassungs- gebühr hat bekanntlich bisher nur 5 Mk. betragen.) 23on dem Betrag fließt die Hälfte in die Verbandskasse, die andere erhält die das Fest ausrüstende Stadt."" Nach kurzer Debatte wird der modifizierte Antrag Gebhard auf Erhöhung der Zulassungsgebühr auf 10 Mt. mit 11 gegen 3 Stimmen angenommen. Dagegen stimmen Goebel* Landau, Jakobs-'Mainz und Meister-Frankfurt. Des weiteren liegt ein Antrag vom Mittelrheinischen' Schützenbund vor (eingebracht von Brück-Gießen), der lautet: „Paragr. 27 der Schießordnung zum 19. Verbandschießen dahin abzuändern, daß der Passus gestrichen wird, welcher lautet: Um Anspruch auf einen Preis zu haben, muß der Schütze mindestens die Einlage von fünf Serien bezahlen."" Jakobs-Mainz begründet den Antrag. Meister-Frankfurt und Müller-Offenbach ersuchen wiederholt, diesen Zwang, der erst seit dem Gießener Fest bestehe, fallen zu lassen. Der Ausfall, der dadurch zu erwarten sei, werde leicht gedeckt werden, da nachher vielleicht viermal so viel geschossen würde. Bei der Abstimmung wird der Antrag auf Aufhebung des Zwanges, 5 Serien zahlen zu müssen, um einen Preis beanspruchen zu können, angenommen. Roeßler-Heidelberg hält es für dringend not* wendig, daß zu jedem .Verbandstage eine fertige Tagesordnung vorliege, die mindestens acht Tage vor der Sitzung in den'Händen der Delegierten fein müsse. Dies sei bislang unmöglich gewesen, da der mittelrheinische Bund seinen Verbandstag erst an demselben Tage abhalte, an dem auch der allgemeine Verbandstag sei. Er fragt an, ob sich das> nicht ändern lasse. Darauf teilt Brück-Gießen mit, der mittelrheinische Bund habe in seiner eben stattgehabten Sitzung beschlossen, den Wünschen Badens und der Pfalz nachzutommen. Die Sitzung der Bundesdelegierten werde von jetzt ab mindestens 8 Tage vor dem allgemeinen Verbandstag stattsinden. Für das Nächste Fest wird ohne Debatte Bingen als Festort bestimmt.. In die Schieß-, ordnungskommission werden folgende Herren gewählt: Vom Mittelrheinischen Bund: Brück-Gießen, als, dessen Ersatzmann Meister-Frankfurt; aus Baden: Kallen- berger-Mannheim, Roeßler-Heidelberg und als deren Ersatzleute Estelmann-Karlsruhe, Joerger-Baden-Baden; aus der Pfalz endlich: Tropf-Frankenthal, Gebhard-Ludwigshafen, und als deren Ersatzleute Cron-Neustadt und Goebel-Landau.^ Nach, einem Hoch auf die drei Verbände schließt sodann der Vorsitzende den Verbandstag. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Das attrenommirte Gundlach'sche Weinrestaurant in Mainz, Emmeransstraße 30, ging durch Kauf für 115 000 Mk. in den Besitz eines bortigen Privatmannes über. — Am 10.Juli feierte in Klein-Gerau der Lehrerveteran Klein in bester Rüstigkeit seinen 88. Geburtstag. — Am Rheinufer wurden, wie aus Biebrich gemeldet wird, am 14. ds. Mts„ auf einer Bank liegend, Kleidungsstücke, Rock, Hut, Manschetten und Stock, aufgefunden. In der Tasche des Rockes befanden sich Visitenkarten auf den Namen Adolph Presser lautend. Da ein junger Mann dieses Namens, Buchhalter in einem Wiesbadener Geschäft, seit gestern abend vermißt wird, nimmt man an, daß der Betreffende einen Selbstmord verübt hat oder ihm ein Unglück zugestoßen ist. — Zu unserer Notiz „Vorn großen Feldberg" wird mitgeteilt, daß es sich bei dem Adler, der die Spitze des Feldbergturmes krönt, keineswegs um den römischen Adler handell; vielmehr ist es der Frankfutter Adler, wie dies ja durch die Thatsache, daß der Turm vom Frankfurter Taunusklub erbaut wird, leicht erklärlich erscheint. Vermischtes. • Magdeburg, 16. Juli. Der Lustmörder Lin», bemann aus Diesdorf wurde verhaftet und in das hiesige Gefängnis eingeliefert. Er hatte ein Dienstmädchen bet Helmstedt vergewaltigt und dann ermordet. Das gleiche Verbrechen hatte er vor einiger Zeit an einem 12jährigen Mädchen in Mecklenburg begangen. Letztere That hat der Mörder eingestanden. • Trier, 16. Juli. Wegen des niedrigen Wassern standes der Mosel ist die Dampfschiffahrt eingestellt. Es herrscht andauernd große Hitze. * Saint Etienne, 16. Juli. Ein schreckliches Gewitter veranlaßte heute eine Ueberschwemmung der Straßen. Das Wasser drang in die Keller und unterbrach den Sttaßenbahnverkehr. Der Fluß Furens glich einem Gießbach, er schwemmte 4 Personen weg, die ertranken. De> Schaden ist beträchtlich. * Algier, 16. Juli. Gestern wurde in Akbon ein starkes, 7 Sekunden dauerndes Erdbeben verspütt. Menschen sind dabei nicht zu Schaden gekommen. Mehrere Häuser sind eingestürzt. * Ein Duell von Zuchthäuslern fand im Bagno von Pozzuoli unter ganz eigenartigen Umständen statt. Zwischen den dott untergebrachten sicilianischen und neapoli- tonischen Gefangenen herrscht ein traditioneller grimmiger Haß, der sich in zahllosen Reibereien kund that und endlich dazu führte, daß von den beiden feindlichen Patteien jede einen der Ihrigen auslooste, welcher in einem Duell die Ehre seiner „Landsmannschaft" vetteidigen sollte. Für die Neapolitaner trat Franzeseo di Girolamo, für die Sicilianer Calo- gero de Carlo ein. Die beiden bewaffneten sich mit hölzernen gespitzten Stilets. Der Kampf zwischen den Sträflingen, der lautlos in einem Winkel des Arbeitshofes geführt wurde, um die Wärter nicht aufmerksam zu machen, war entsetzlich. Schließlich brach de Carlo zu Tode getroffen zusammen. Aufseher eilten jetzt herbei, banden Girolomo und fühtten ihn unter dem frenetischen Beifall der Neapolitaner in seine Zelle. Tie Regierung hat eine strenge Untersuchung dieser merkwürdigen Zustande im Zuchthaus von Pozzuoli angeorbnei. Gerichtssaal. — DaS Kriegsgericht in Manila, das gegen den General Srnith wegen des rhm zur Last gelegten grausamen Vorgehens verhandelte, erklärte Smith für schuldig und erkannte, daß er die Verwarnung durch die Oberbehörde verwirkt habe. Präsident Roosevelt erteilte Smith diese Verwarnung und versetzte ihn zu den pensionierten Offizieren. Kunst und Wissenschaft. — Städtebuudtheater. Die Errichtung eines Städtebund- Lheaters für die ganze Provinz Posen bezw. für die beiden Regierungsbezirke Bromberg und Posen je eines, werd im „Berliner Tageblatt" angeregt und dabei u. a. folgendes ausgefuhrt, was allgemeiner Beachtung wert erscheint: Der g e r st r g e n V e r ö d u n g unserer Provinzstädte, die nicht zum wenigsten daran schuld ist, daß gerade die besten Elemente diese Städte verlassen, sobald sie nicht mehr durch Amt und Beruf an Ire gebunden sind, konnte so bis zu einem gewissen Grade wirksam abgeholfen werden. Den Bewohnern der Umgegend solcher Städte wird die bisher schmerzlich vermißte Gelegenheit, die Eintönigkeit ihres Daseins oster einmal durch den Besuch einer guten Theatervorstellung unterbrechen zu können, verschafft- den höheren Schulen in unseren Provinzstädtchen würde eine wünscheiiswerte Förderung und Belebung des litterarischen Interesses zu Teil und dem gesamten Volkstum würde ein frischer Impuls gegeben. — Frank Wedekinds Brettllieder, die wir bereits kürzlich fGelnchr Zu knien zesucht schöner Garten mit massivem Gartenhäuschen. Offert, m. Preisangabe unt. 03062 an die Exped. (Qu kaufen gejuxt rentables O Wohnhaus mit schönem Garten und Nebenbau. Offerten mit Preisangabe unt. Nr. 03061 an die Exped. d. Bl. Packheu I kaufen Kauffmann & Cie. WlWtzMs ) Herren können gut., bürgerl. Mittagstisch erh. Bleichstr. 21,1 Existenz. findet ein tüchtiger Mann durch Fabrikation eines Haushaltungsartikels. Anlage mir 50 Mark. 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