Nr. 165 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Donnerstag 17. Juli 1903 Erscheint täglich außer Sonntags. -Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem KeMchen Landwirt die Gießener Zamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schalste atze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Gießener Anzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezngsprei-r monatlich 75Ps.,viertele jäbrlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg« Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal 12Pf- auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko: für ,Stadt und fionb* und „Gerichtssaal^: Eurt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Zur Ierie»ord««ng unserer höheren Schulen tzeht uns heute folgende Zuschrift aus unserem Leserkreise zu: Die in Nr. 162, 2. Bl. des „G. A." stehende Zuschrift aus Elternkreisen hat die über diese Krage durchaus notwendige Erörterung in dankenswerter Weise eröffnet. Es ist zu befürchten, daß die Umfrage des Gymnasiums viele Eltern noch nicht so unterrichtet über die vorliegenden Lhatsachen und die daran zu knüpfenden sachlichen Erwägungen angetroffen hat, wie es im Interesse dieser, wie die Redaktion richtig bemerkt, für weiteste Kreise hochwichtigen Frage wünschenswert wäre. Aber die Abstimmungen für die beiden anderen höheren Schulen, das Realgymnasium und die Realschule, sowie die höhere Töchterschule haben ja noch zu erfolgen; das Ministerium hat das Ergebnis der Gesamtabstimmung erst für den nächsten Januar einverlangt; denn eine etwaige Neuordnung der Ferien ist natürlich erst für das nächste Schuljahr geplant. Die noch, ausstehenden Ab- üimmungen werden naturgemäß bei der stark überwiegenden Schülerzahl der beiden in Betracht kommenden Anstalten das Gesamtresultat ganz wesentlich beeinflussen. Daher ist Aufklärung drinyend vonnöten, und der vorgestern gemachte Vorschlag: „Ernberufung einer öffentlichen Versammlung, in der Eltern, Aerzte und Lehrer gleichmäßig zu Wort kommen und das Für und Wider eingehend erörtert werden kann", freudig zu begrüßem Eine Diskussion in der Presse muß dieser Versammlung vorausgehen, wenn letztere ersprießlich verlaufen soll. Unter diesem Gesichtspunkte möge man die folgenden Erörterungen auffassen. Das Großh. Schulministerium hat bekanntlich zwei Vorschläge zur Wahl gestellt: 1. Beibehaltung der bisherigen Ferienordnung: 5 Wochen Herlbft- f e r i e n, beginnend Mitte August; 3 Wochen Oster- ferien. 2. Einführung einer neuen Ferienordnung: 6 Wochen Herbstferien, beginnend Anfang August; 2 Wochen Osterferien. Der letztere Vorschlag deckt sich im wesentlichen mit einem Gesuch, das vor einiger Zeit namentlich aus Universitätskreisen an das Ministerium gerichtet wurde. Die Universität schließt ihre Vorlesungen zwar offiziell auch erst am 15. August, aoey thatsächlich seit langer Zeit Anfang August. Diejenigen Universitätslehrer, die schulpflichtige Kinder besitzen (wobei hauptsächlich das Gymnasium in Betracht kommt), und die in der Lage sind, größere Ferienreisen zu unternehmen, haben nun den begreiflichen Wunsch möglichst bald nach dem Eintritt ihrer eigenen Ferien mit ihren Kindern die Reise anzutreten und sic möglichst lange (Ausnützung der 45tägigen Rücksahrtkarte) auszudehnen. Mit einem gewissen Recht führen solche Eltern außerdem an, bei weiterem Hinaus- schieben der Ferien in den Herbst machten sich für den Landaufenthalt mit Kindern die durch, den früheren Eintritt der Dunkelheit verlängerten Abende unangenehm bemerkbar usw. Das alles ist aber, wie man leicht einsieht, nur persönliches Interesse einer kleinen Minderheit von Eltern. Mas ist dagegen sachlich zu 6 Wochen Ferien von Anfang August an zu sagen? Zunächst das, was schon im vorgestrigen Artikel anaeoeutet worden ist. Aus leicht verständlichen schultechnischen Gründen sind 6wöchige Herbstferien nur unter der Voraussetzung denkbar, daß sie das Schuljahr nicht unterbrechen, sondern abschließen, bezw. dem Neuen vorausgehen. Mit anderen Worten: stimmt die Mehrzahl der Eltern für 6 Wochen Herfbstserien, so wird das Mmisterium zweifellos unser Schuljahr, das jetzt von Osterin zu Ostern läuft und schon durch die jetzt bestehenden öwöchigen Herbsfferien bedenklich gespalten wird, von Herbst zu Herbst lausen lassen müssen. Wenn nun vorgestern vorgeschlagen wurde, den Osterferien 2i/i Woche und den P f in g stf e ri eN 1/2 Woche zuzuweisen, so würde eine Verkürzung der Pfingstserien auf 1/2 Woche, also von Sonntag bis Mittwoch die beiden Feiertage eingerechnet, lebhaftem und berechtigtem Wider st and seitens der Lehrer begegnen. Tie Psingstwoche bildet fid); bekanntlich immer mehr als die Zeit für Kongresse aller Art heraus; den verschiedensten wissenschaftlichen Versammlungen von Philologen, Historikern, Naturwissenschaftlern 2c. wird sich in absehbarer Zeit wahrscheinlich ein deutscher Oberlehrertag anschließen. Aus diesem Gesichtspunkt muß die Pfing st Woche als schulfrei erhalten bleiben. Mithin bliebe für Ostern nur 2 Wochen übrig, da natürlich die Weihnachtsferien nicht gekürzt werden können, wenn nicht das Ministerium nach dem empfehlenswerten Vorschläge im vorgestrigen Artikel den vielen kirchlichen Feiertagen namentlich rheinhessischer Schulen entsprechend (in Darmstadt und anderswo kommen als schulfreie Tage der Ludwigstag, 25. August, und der Sedanstag, 2. September, zu den bestehenden Ferien hinzu) aus Billigkcitsrücksichten eine halbe Woche den Gesamtferien zufügen will. Diese 2 oder 21/2 Wochen Osterferien werden ohne Zweifel genügen, wenn sie, wie oben bemerkt, inmitten des Schuljahres zu liegen kommen. Andernfalls, d. h. wenn wider alles Erwarten trotz sechswöchiger Herbsfferien der Anfang des Schuljahres zu Ostern bestehen bliebe, müßten sich die Eltern auch auf eine notwendige Folge anderer Art gefaßt machen. Die bisher bestehende Einrichtung der ^Nachprüfungen, d. h. die einem eigentlich zum Sitzenbleiben bestimmten schwachen Schüler unter Umständen eingerüumte Möglichkeit, nach Ausfüllung seiner Lücken während der Osterferien doch noch in die höhere Klasse aufzurücken, würde bei kürzeren Osterferien unbedingt fallen müssen; 14 Tage, von denen etwa vier Feiertage noch abzuziehen sind, würden aus keinen Fall eine erfolgreiche Beseitigung bestehender Mängel erlauben. Daß aber bei Schluß des Schuljahres zu Ostern aus hygienischen Gründen eine Kürzung der Osterferien überhaupt nack)teilig ist, hat schon die vorgestrige Zuschrift mit Recht betont. Nunmehr kommen wir auf den dritten, vom Ministerium bis jetzt noch nicht ausgenommen, vorgestern an dieser Stelle gemachten Vorschlag: vier Wochen Juliferien und eine oder zwei Wochen Ferien Ende September, 1 Woche nämlich, wenn 3 Wochen Osterferien erhalten bleiben, oder 2 Wochen, wenn die Osterferien auf 2 bezw. 21/2 Wochen verkürzt werden. Die sachlichen Gründe, die für diese Ferienordnung sprechen, sind vorgestern so überzeugend dargelegt worden, daß es nur erübrigt, sie kurz zusammenzusassen: g l e i ch m ä ß i g e V e xr teilung der Ferien über die Schulzeit (durch eine oder zwei Wochen Ferien Ende September, den Pfingft- ferien entsprechend, würde endlich das übermäßig lange Tertial von Herbst bis Weihnachten unterbrochen), keine zu langen Ferien, Ferien im Hochsommer (Juli). Sehr richtig ist ferner schon vorgestern angedeutet worden, daß eine Einrichtung, die fast in ganz Preußen besteht ohne Widerspruch seitens der Universitäten, und die z. B. in Darmstadt mit seiner viel größeren Hochschule, wie Gießen, eingebürgert ist, nicht ernstlich mit Berufung auf das Interesse einer kleinen Minderheit, eben unserer Universitäts- kreise bekämpft werden kann, wenn sie sich anders als sachlich richtig und notwendig erweist. Richtig aber, sowie über> aus zweckmäßig sind und bleiben eben Juliferien, es müßte denn, wie in Süd deutsch! and, das Schuljahr mit längeren Herbsfferien geschlossen werden. Für eine Agitation zum Zwecke der Einführung der Juliferien ist nunmehr ein überaus geeigneter Moment gekommen. Wenn das Ministerium den Vorschlag einer ihm aus Universitätskreisen eingereichten Petition für längere Herbsfferien zur Wahl der Eltern stellt, so würde es eine sicher noch zahlreicher aus Beamten- und Bürgerkreisen unterschriebene Petition für Juliferien erst recht zur Wahl stellen müssen. Und dann könnte man ja sehen, welcher der drei Vorschläge die Majorität der Eltern gewönne, die Majorität der Eltern, die das Ministerium nach Fug und Recht als entscheidend anerkannt hat: möchten nur auch die Eltern nach wirklich sachlichen Gründer: ihre Wahl treffen! Wir fassen zusammen: Man setze aus Elternkreisen eine Petition um Julrferien ins Werk! Sodann werden drei Vorschläge zur Wahl gestellt werden müssen: 1. die alte, um im Sinne recht vieler Beteiligten zu sprechen, gute Ferienordnung: 3 Wochen Ostern, 5 Wochen Herbst (Anfang: Mitte August); oer „Universitätsvorschlag", um die obenerwähnte Petition kurzerhand so zu nennen: 6 Wochen Herbst, Anfang August beginnend, 2 Wochen Ostern. Diese Ordnung aber rrur unter der Voraussetzung der Verlegung des Schuljahrbeginns auf Herbst! 3. Der hygienisch schuö technisch re., kurz sachlich am nächsten liegende Vorschlag: 4 Wochen Juliferien, kurze Herbsfferien Ende September. Politische Tagesschau. Fortbildungsschulen für Mädchen. Ein geradezu klägliches Resultat haben die Bemühungen, in Deutschland Fortbildungsschulen für Mädchen zu errichten, zu verzeichnen. An Fortbildungs- und Fachschulen aller Art gieot es im Deutschen Reiche ungefähr 12 500 Anstalten für junge Leute männlichen Geschlechts. Diese haben in Zunder Summe 540 000 Schüler. Für das weibliche Geschlecht bestehen dagegen nur 2600 Fortbildungsund Fachschulen mit den verschiedensten Zwecken und Zielen. In ihnen finden rund 106 000 Heranwachsende Mädchen eine allgemeine oder berufliche Weiterbildung. Württemberg jund Baden haben auch für die schulentlassenen Mädchen den Pflichtbesuch und haben infolgedessen allein 68000 Fortbildungsschülerinnen. Bringt man diese in Abzug, so verbleiben für das ganze übrige Deutschland nicht mehr und nicht weniger denn 38 000 Mädchen übrig, denen für ihr späteres Leben eine bessere Ausbildung gegeben wird. /Um einem Sohne den Kampf um das Dasein ermöglichen, opfert selbst die ärmste Familie ihre mühsam erworbenen Ersparnisse, vrd in gar manchem Hause legt man sich die größten Entbehrungen auf, um dem Sohne eine glückliche Zukunft bereiten zu können. Staat und Gemeinde wetteifern miteinander, für die Ausbildung der Heranwachsenden münnlick)en Jugend die bestmöglichen Veranstaltungen zu treffen. Für die Ausbildung der Mädchen aber zur Hausfrau oder zu irgend einem geeigneten Berufe geschieht brtterwenig, in den meisten Orten gar nichts. Staat und Gemeinde haben die Frage der systematischen Fortbildung der schulentlassenen Mädchen in nicht zu billigender Weise vernachlässigt. Nur Württemberg und Baden bilden eine Ausnahme. Aber die Behörden trifft nicht allein die Schuld. Tie Landesgesetzgebung hat in verschiedenen deutschen Staaten, wie z. B. bei uns in Hessen, im Königreich Sachsen und in einigen thüringischen Staaten seit fast 30 Jahren den Gemeinden das Recht gegeben, den Schulzwang auch für Mädchen durchzuführen, und trotzdem diese Länder seit beinahe drei Jahrzehnten die obligatorische FortbiLungsschule für Knaben besitzen, sind die Erfolge auf dem Gebiete des Fach- und Fortbildungsschul- wesens herzlich unbedeutend, kaum besser als in den Staaten, welche keine landesgesetzlichen Bestimmungen haben. Die letzte Ursache ist in der Gleichgiltigteit unserer Bevölkerung zu suchen, von der vielfach die Mahnung, auch der Tochter eine bessere Bildung zu gewähren, zurückgewiesen wird mit dem traurigen Worte: „Es ist ja nur ein Mädchen!" Und das geschieht in einer Zeit, in der die scharfe Inanspruchnahme des Mannes durch den^Erwerb und das öffentliche Leben bewirkt hat, daß die Sorge für die Erziehung der Kinder und die Gestaltung des Haushaltes fast ganz allein auf der Frau ruht; in einer Zeit, in der hunderttausende von jungen Vtädchen dein Erwerbe nach- geheu müssen und keinerlei Vorbereitung für die Erfüllung der Pflichten einer Hausfrau erhalten; in einer Zeit, üt der die weiblichen Glieder der Bevölkerung unserer Nation der Zahl nach die männlichen um fast eine Million über» ragen. Man erhöht die Verantwortlichkeit der Frau und gewährt ihr nicht die Mittel, derselben gerecht zu werden. Man benutzt die Arbeitskraft der Frau für wirtschaftliche Zwecke und raubt ihr gleichzeitig die Möglichkeit, einstz einem Haushalte mit Erfolg vorzustehen. Gegen eine Million Frauen kann schon aus dem einfachen Grunde nicht in die Ehe treten, weil es gerade an so vielen Männern fehlt, und doch geschieht so gut wie gar nichts für die berufliche Ausbildung unserer Töchter. Das sind furchtbare Än- klagen gegen unsere Zeit. Wenn das Familienleben weiter Kreise nicht ruiniert werden soll, wenn die für den Erwerh ungeschickten unverheirateten vielen Frauen für unsere Na- tion nicht eine Kalamität werden sollen, muß eine Aende- rung in der Schulpolitik eintreten. Namentlich die Gemeinden müssen sich auf ihre Pflicht besinnen und durch Gründung von Fach- und Fortbildungsschulen für Mädchen beweisen, daß ihnen der weite Blick, das volkswirtschaftlich richtige Denken und die Sorge um das gemeine Wohlf nicht verloren gegangen ist. Zur Frage der Abschaffung der Gerichtsferieu äußert )id) in der „Deutschen.Juristenztg." der Land» gerichtsdirektor Dr. M e i s e l - D a r m st a d t folgen-, dermaßen: Ohne auf die grundsätzliche Seite der Frage ein« gehen zu wollen, möchte ich der öffentlichen Erwägung anheim geben, ob cs nicht möglich wäre, als Ferien-, fachen iin Sinne des § 2 G. B. G. außer den dort aufgeführten noch zu bezeichnen: alle Sachen, die von den Kammern für Handelssachen erledigt werden können, sowie die Handelssachen, die wegen der geringeren Höhe deI Streitgegenstandes vor die Amtsgerichte gehören, ferner außer den Handelssachen alle Forderungssachen, die chren Grund haben in den Rechtsgeschäften des Kaufes undt Tausches beweglicher Sachen, des Darlehens, des Dienst-, Werk- oder Makler-Vertrages, der Bürgschaft, des SchuÜ>» versprechens, des Schuldanerkenntnisses und der Anweisung. Damit wäre dem etwa vorl)andenen Verkehrs- bedürfnisse genügend Rechnung getragen, ohne daß die Gerichtsferien beseitigt werden müßten. In der auf- reiber.ocn Tyätigkeit, die heutzutage Richtern und Rechtsanwälten zufällt, sind sie für die Meisten eine Notwendigkeit geworden. Auch ist zu bedenken, daß die bei Wegfall: der Ferien unvermeidbar werdende Beurlaubung der einzelnen Richter und Rechtsanwälte im Laufe des Jahres viel größere Prozeßverschleppungen nach sich ziehen würde, als jetzt durch die Ferien verursacht werden, da ja bei jeder neuen Besetzung des Gerichts ein wiä>er- holter Vortrag des Prozeßstofses eintreten muß. lieber die Lage des Arbeitsmarktes berichtet Dr. Jastrvws „Arbeitsmarkt-Korr.": In der Reichshauptstadt, die bisher mit das düsterste Bild gezeigt hatte, hat der Andrang der Arbeitslosen jetzt etwas nachgelassen. Es kann kein Zufall sein, daß sowohl der Arbeitsnachweis von Berlin selbst, als auch die drei vor den Thoren gelegenen von Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf diese Verminderung übereinstimmend melden. Vielleicht kann dieses Ergebnis auch für manche Teile Norddeutscy- lands als bezeick)nend gelten, da Posen, Leipzig, Dortmund, München-Gladbach u. a. schon seit zwei oder mehr Monaten ähnliches zu berichten haben. Aber keineswegs kann man es für ganz Deutschland verallgemeinern. So nimmt von Süddeutschland höchstens noch das Großherzogtum Hessen ein wenig daran teil. Im großen und ganzen aber zeigt Süddeutschland, wo seinerzeit die Krisis spater, langsamer und schwächer eingesetzt hatte, wiederum Mich jetzt noch keine Anzeigen von einem Nachlassen ihrer Wirkungen; dies wird dadurch bestätigt, daß die Arbeitsnachweise in dem benachbarten Oesterreich und der Schveiz dasselbe Bild zeigen. Die Zolltarifkommisfion nahm am Mittwoch die Positionen 624—632, Möbel und Möbelteile, nach der Vorlage an und genehmigte zu Pos. 625 eine vom Abg. Blanlenhorn (nl.) beantragte Anmerkung, nach welcher Möbel und Möbelteile, grob, ungepolstert, uniurniert, aber aus massiv gebogenem Holz, einen Zuschlagszoll von 30 pCt. zahlen sollen. Die Kommission nahm nicht, wie gemeldet, die Pos. bis 632 einschließlich, sondern nur bis 626 an. Sodann wurde Pos. 627 in ab- geänderter Fassung gemäß einem Anträge Spahn-Müller- Sagan-Beckh-Coburg wie folgt angenommen: Tischler-, Drechsler- und Wagnerarbeiten, grobe, sowie sonstige grobe bisher ungenannte Holzwaren, roh, Holzspan- schachteln, Holzschuhe, Werkzeugstiele, aus Hicory- oder Eschenholz, Holzformen für N a ch t l i ch t e 3 Mk., Fenster» rahmen, Thüren, Treppen oder Teile davon, profilierte Holzleisten 8 Mk., andere 8 Mk. Die Pos. 628 böd‘ 633 wurden nach der Vorlage angenommen. Es folgt der Abschnitt Kortwaren. Die Pos. 634—637 wurden unverändert angenommen, die übrigen Pos. 638—640 gestrichen und dafür gemäß einem Anträge Gothein-Paasche ein einziger Artikel eingesetzt, nach dem Korkwarcn, soweit sie nicht durch ihre Verbindung mit anderen Stoffen in eine höhere Klasse fallen, 30 Mt. Zoll zahlen sollen. Es folgt der Abschnitt Waren aus anderen pflanzlichen Schnitzstoffen, als Holz und Kork. Pos. 641, Celluloid, und 642, Waren ganz oder teilweise aus Celluloid, werden unverändert genehmigt. Heer rmd Flotte. In dem beistehenden Bilde führen wir unseren Lesern den neuen Generalinspekteur der Fußartillerie, Generalien tuant v. Perbandt vor, dessen Ernennung vielfach Verwunderung erregt hat, da dieser Offizier aus der Infanteriewaffe hervorgegangen ist. Jedenfalls aber läßt feine Kommandierung darauf schließen, daß er ganz hervorragende Fähigkeiten und einen klaren, weitausschauen-' den Blick für alle militärischen Verhältnisse besitzt. General- leutnont v. Perbandt ist am L September 1845 geboren. Er trat mit 20 Jahren bei dem 4. Garderegiment zu Fuß ein und wurde am 9. Februar 1867 Offizier. Schon im folgenden Jahre wurde er Bataillonsaojutant, und den deutsch-französischen Krieg machte er als Regimentsadjutant mit Schon 1872 wurde er unter Beförderung zum Oberleutnant «und Versetzung zum 3. Garderegiment Brigadeadjutant der 4. Gardeiufanteriebrigade. Drei Jahre später wurde er zum Geueralstab aggregiert und am 18. Mai 1876 als Hauptmann in den Großen Generalstab versetzt, 1877 kam er zum Generalstab des 11. Armeekorps und 1880 zu dem der 5. Division. Bald daraus wurde er Kom- vagniechef im 75. Infanterieregiment, aber schon 1883 in den Großen Generalstäb zurückversetzt, wo er am 16. April 1884 zum Aiajor befördert wurde. Dann war er vier Jahre beim 14. Armeekorps thätig und wurde darauf zum Stab der 3. Armeeinspektion kommandiert. 1890 wurde v. Perbandt Oberstleutimnt und Ches der 4. Abteilung im Großen Generalstab, in welcher Eigenschaft er auch an der Kriegs- akcü>emie unterrichtete. Anfang 1899 avancierte er zum Oberst und wurde zum Kommandeur des 110. Regiments in Mannheim ernannt Am 18. Juli 1899 kam er als Generalmajor und Kommandeur der 67. Jnsanteriebrigade nach Hagenau. Seine Beförderung zum Generalleutnant und (Ernennung zum Kommandeur der hessischen Division erfolgte im Januar 1900. In dieser Stellung verblieb er .-bis zu seiner neuen Kommandierung. Der Leipziger Bankprozetz. XXL Leipzig, 16. Juki. Bei Eintritt in die Tagesordnung kommt der letzte Iunkt des Eröffnungsbeschlusses zur Verhand- Lung, nämlich die Anklage gegen Dodel, Exner nnoGentzsch wegen Untreue, begangen in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Auftichjtsrates der Leipziger Hypothekenbank, die infolge des Verhaltens der Beschuldigten am Tage der Konkurseröffnung ein Guthaben von 2 161415 Mark bei der Leipziger Bant hatte. Exner schildert eingehend die Geschäfte uni) den Entwicklungsgang der Leipziger Hypothekenbank und deren Beziehungen zur Leipziger Bank, p-elch letztere, wie er darlegt, die Hypothekenbank unter ihre Kontrolle nahm und gleichsam mit ihr identisch wurde, denn die Leipziger Bant habe jederzeit die Macht in der Hand gehabt, über die Gewährung von Hypotheken mitzuent- fcheiden. Exner sagt, er habe sich zuletzt vorwiegend mit der Organisation des Verkaufs von Pfandbriefen der Hypothekenbank beschäftigt, und als dies beendet war, seine Hauptaufgabe als beendet betrachtet In den letzten Jahren habe er sich weniger um die Hypothekenbank bekümmert Was die Emission von Pfandbriefen betreffe, fo seien U/s Million gezeichnet Wenn man behaupte, daß diese Subskription geschehen fei, um für die Leipziger Bank Geld zu machen, so sei dies entschieden unrichtig. Dr. Gentzsch schließt fidji den Ausführungen Exners an und bestreitet ebenfalls, die Absicht gehabt zu haben, zum ÄLachteil der Hypothekenbank irgend eine unrechte Handlung zu begehen. Dem Direktor Rothe von der Hypothekenbank, der direkt mit ihm «ch) über die Gerüchte wegen der Trebergesellschaft habe er nur allgemeine Andeutungen gemacht, aber niemals solche über die Höhe des Obligos, das Konto- korrentkonbo der Trebergesellschaft habe er in Höhe von 10 bis 15 Millionen genannt. Dodel erklärt, er habe nie geglaubt, daß, selbst im unglücküchsten Falle, die Leipziger Hypothekenbank bei der Leipziger Bank Geld einbüßen würde. Es sei ihm niemals der Gedanke gekommen, darauf zu dringen, daß das Guthaben der Hypochekenbank bei der Leipziger Bank abgehoben werde. Zeuge Rote, Direktor der Leipziger Hypothekenbank, erklärt, er könne sich bezüg- llch der A(ärz-Juni-Emissioneu im Jahre 1901 nicht erinnern, wer oer arrregende Teil gewesen sei. Er habe mit Gentzsch darüber Verhandlungen gepflogen, von denen Exner wußte. Ein besonders dringendes Bedürfnis zu Emissionen lag nicht vor, wohl aber hatte natürlich die Hypothekenbank das Bestreben, durch Ausgabe von Hypothekenbriefen vorwärts zu kommen. Gentzsch habe ihm die Treber- gesellschast als gut lohnende KontoLorrentverbindung und iÄrgagements von 10—15 Millionen als gedeckt bezeichnet Gentzsch bestreitet, daß er jemals Summen genannt habe. Er habe nur hie Engagements angedeutet. Zeuge Rothe sagt, es sei ihm nicht bekannt gewesen, daß die Leipziger Bank früher Hypotheken-Pfandbriefe lombardiert habe, wohl aber im Jahre 1901, wo sie bei der Lotterie-Darlehnskasse und bei der Reichsbank im ganzen 800 000 Mk. lombardiert hatte. Dieses Lombard-Konw löste die Hypothekenbank ein, um die Pfandbriefe nicht entwerten zu lässen. Der Zeuge fügt hinzu, daß niemals an die Hypothekenbank, weder von Exner noch Gentzsch herangetreten sei, um Beleihungen von Anlagen der Trebergesellschaft vorzunehmen. Alsdann werden auf Antrag der Verteidigung die Sachverständigen Büng, Direktor Hermann, Plauth, Schlieper, Lambert und Daltrop eingeh^rd darüber vernommen, ob die Bücher der Bank übersichtlich geführt feien und ob es bei Ausbruch des Konkurses möglich gewesen sei, eine Uebersicht über den Vermögensstand der Bank zu gewinnen. Die Gutachten gehen zumeist dahin, daß nach den angegebenen Zahlen der Vermögensstand festgestellt werden konnte, daß aber die Geschäfte nicht zu erkennen waren und daß bei der Bant eine klare Uebers ichrüber den Gesamt-Geschäftsverkehr gefehlt habe. Nach Vereidigung der Zeugen Wuthe und Premsler wird die Beweisaufnahme geschlossen. Morgen beginnen Plai- doyers. Aus Stadt und Aand. Gießen, den 17. Juli 1902. ** Gerichtsfe r i en. Aus juristischen Kreisen wird zu dem am 15. d. M. eingetretenen Beginn der Gerichtsferien auf folgendes aufmerksam gemacht: Vielfach adressiert das rechtsuchende Publikum seine Briefe und Eingaben an die betreffenden Beamten des Gerichts persönlich- wie z. B.: ,Herrn -Oberamtsrichter", oder „An Grjoßh. Amtsgericht, z. H. des Herrn Amtsrichters . . . ." Ist diese Art des Adressierens an sich schon unangebracht, jo können gerade während der Ferien den Absendern nicht allein unliebsame Verzögerungen, ja sogar große pekuniäre und rechtliche Nachtelle entstehen, wie z. B. durch Ablauf gesetzlicher Fristen und dergleichen. Während der Ferien ist ein Teil der Beamten immer beurlaubt und abwesend. Treffen nun Briefe unter der persönlichen Adresse eines der abwesenden Herren ein, so bleiben dieselben vielfach bis zu dessen Rückkehr uneröffnet liegen, und der Absender hat sich dann alle etwaigen Nachteile selbst zuzuschreiben. Es empfiehlt sich daher dringend, alle an die Gerichte abzusendenden Schriftstücke mit der richtigen Adresse, und zwar kurzweg: „Großh. Amts- oder Landgericht in . . . ." zu versehen. — Zugleich wollen wir nochplals darauf hiirweisen, daß während der Gerichtsferien nur in „Feriensachen" Termine abgehalten und Entscheidungen erlassen werden. Feriensachen sind: Strafsachen, Arreste und einstweilige Verfügungen, Meß- und Marktsachen, Mietstreitigkeiten, Streitigkeiten zwischen Dienstherrschaft und Gesinde, Arbeitgebern und Arbeitern, Wechselfachen und Bausachen. ** Das Iahresfest des Zweigvereins der, Gustav-Adolfstiftung im Dekanate Gießen wird am nächsten Sonntag in A l l e n d o r f a. d. Lumda gefeiert werden. Der Vormittagsgottesdienst, in dem Dekan Wagner von Grünberg predigen wird, wird um 10i/2 Uhr beginnen, sodaß er mit dem 8.oö Uhr hier ab geh enden Zug über Lollar bequem zu erreichen ist. Wer erst an der Nach?- mlltagsfeier teilnehmen will, die um 2 Uhr ihren Anfang nehmen wird, muß über Grünberg-Londorf fahren. Der Zug geht hier um 12.08 Uhr ab, in Grstnberg um 12.55 Uhr, und kommt in Allendorf um 1.45 Uhr an. Im Nach^- mittagsgottesdienst wird Pfarrer Glück von Heuchelheim predigen und Professor D. Stamm von hier den Jahresbericht erstatten. Daran wird sich, eine kurze Mitgliederversammlung anfchließen, in der Wahlen zum Vorstand vorzunehmen sind. Ueblicherweise entsendet dazu jede Gemeinde ihren Geistlichen und ein oder mehrere Mitglieder des Kirchenoorstcurdes. Für eine spätere Nachversammlung, die bei gutem Wetter im Freren stattfinden wrrd, sind noch allerlei Ansprachen vorgesehen. ** Der Mangel an T el e g r ap hen^-Se kre - tären macht sich bei der Reichspostverwaltung in fühlbarer Weise bemerkbar. Um demselben abzuhelsen urrd um gleichzeitig tüchtige Anwärter für Telegraphen-Sekretär- stellen in größerer Zahl als bisher zu erlangen, sind jetzt vom Staatssekretär des Reichspostamts wesentliche Erleichterungen für die Sekretärprüfung geschaffen worden. Zunächst können sich sür das laufende Etatsjahr zur Telegraph ensekretärs-Prufung auch schon die aus Zivilanwärtern hervorgegangenen Assistenten und Postverwalter melden, welche die Assistentenprüfung in der Zeit vom 1. April 1893 bis Ende Dezember 1894 bestanden habdn oder im gleichen Dienstaller wie diese stehen. Bei der Anmeldung zur Prüfung sollen alle unnötigen Erschwerungen fortfallen und die Prüfung selber soll wesentlich erleichtert werden. Zunächst soll die Vorprüfung gänzlich in Fortfall kommen. Das vom Amtsvorsteher abzugebende Urteil, daß der Beamte nach seinen Kenntnissen, seiner Befähigung und seiner Gefamthaltung zur Prüfung zugelassen werden könne, soll in der Regel als ausreichende Gründlage für die Entscheidung der Oberpostdirellion über die Zulassung angesehen werden. ** Roheiten. In neuester Zeit haben die Roheiten gegen die Radler wieder einmal zugenommen. Zwar hört man nicht oder doch nur äußerst selten beschimpfende Zurufe; auch körperliche Angriffe wegen des Radfahrens kommen nicht sehr häufig vor, wenn auch dumme Jungen öfters Holzstücke oder Steine Radlern in die Speichen werfen. Aerger aber werden Radler durch andere Bubenstreiche gefährdet. Oft werden die Radfahrerwege hinterlistig an Stellen, die besonders schwierig sind, mit Steinen verlegt, oder es werden Bierflaschen zerschlagen und die Flaschenhälse und die noch gefährlicheren Flaschenböden dort so hingelegt, daß der schnell fahrende ahnungslose Radfahrer hineinfahren und entweder stürzen oder sich die Luftreifen zerschneiden und zu Falle kommen soll. Was ist das doch in beiden Fällen für ein niederträchtiges Verhalten, um so unbegreiflicher, als doch jetzt so viele Handarbeller Rad fahren, für die eine Beschädigung der Maschine und Zerstörung der Pneumatik, und wenn nichts weiter passiert, einen schwerwiegenden Verlust bedeutet! Und wenn der stürzende Radfahrer sich schwer verletzt, was bann? Mit dieser Möglichkeit müssen solche Uebelthäter doch rechnen! Jeder, der über irgend welchen Einfluß verfügt, sollte diesen benutzen, um Kreise, zu denen man sich solcher Ruchlosigkeit versehen kann, zu ermahnen und auf die gefährlichen Folgen, die sehr leicht die eigenen Kameraden treffen können, hin- zuweisen. Geistlichkeit, Schule, Arbeitgeber, Polizei sollten die Presse nachdrücklichst unterstützen, Roheiten gegen die Radfahrer aus der Well zu schaffen. ** Niederschlagsbeobachtungen in Hessen. Wie wir von Zuverlässiger Seite erfahren, wird in den nächsten Tagen der erste Jahrgang der Niederschlagsbeobachtungen im Großherzogtum Hessen, bearbeitet von dem Großherzoglichen Hydrographischen Bureau vollständig im Druck Dornegen. Wir verfehlen nicht, aus diese Publikation hinzuweisen, da dieselbe für mannigfache Zwecke der Land- und Forstwirtschaft und besonders auch des Wasserbaues von wesentlichem Interesse ist. Für letztere dürsten neben den größten täglichen Niederschlagsmengen besonders die auf der letzten Seite jedesmal veröffentlichten zahlenmäßigen Nachweise über die „Großen Niederschläge in kurzer 3eit“ (sogenannte Wolkenbrüche, Platzregen) von Wert sein, die vor allem für Zwecke des Kanalbaues, der Bachregulierungen ic. die unbedingt notwendige Grundlage bilden. Während diese Veröffentlichung in halbjährigen Heften gedruckt wird, erscheint eine kurze Uebersicht über das Wetter vergangenen Monats mit ausführlichen Tabellen über Wärmeverhältnisse, Niederfchlag und die übrigen meteorologischen Faktoren von dem Hydrographischen Bureau bearbeitet jeden Monat in der „Darmstädter Zeitung", außerdem wrrd ein in Zukunft jährlich herausgegebenes meteorologisches Jahrbuch die reichhaltigen Materialien und Daten: weiteren Kreisen zugänglich machen, welche sich aus den Beobachtungen in dem durch das Hydrographische Bureau eingerichteten und sell Januar 1901 thatigen meteorologischen Beobachtungsnetz ergeben, wie auch das Hydrographische Bureau durch schon öfter in Anspruch genommene Erteilung von Auskunft über meteorologische und hydrographische Verhältnisse seine Thätigkeit für die Oeffentlichkeit nutzbar macht. Birkenau, 14. Juli. Unsere Kirchweih, die gewöhn- lich ruhig und friedlich verläuft, wurde dieses Jahr durch eine blutige Affäre recht unliebsam gestört. Drei junge Leute aus Weinheim bezw. Mainz gerieten in einer hiesigen Wirtschaft in Streit, wobei der eine der Raufbolde den beiden anderen eine Menge von Messerstichen versetzte. Beide liegen lebensgefährlich verletzt darnieder. (?) Vermischtes. • Kassel, 16. Juli. Das Ergebnis des PreisanS* schreibens für den Kasseler Rathaus-Neubau liegt jetzt vor. 180 Arbeiten aus ganz Deutschland sind einge* laufen. Den ersten Preis 'erhielt Karl Rohd-Darmstadt, zweite Preise F. Berger-Berlin, Felix Wild-Charlotten- burg, ferner Jürgen Kröger, Jürgensen und Bachmann- Wilmsdorf. * Paris, 16. Juli. Der gestern auf der Eisenbahn«, fahrt nach Versailles überfallene deutsche Arzt Dr. Ordenstein ist heute Vormittag seinen Verletzungen erlegen. Dr. Ordenstein war ein Onkel des Professors Ordenstein am Karlsruher Konservatorium für Musik. Dr. Ordenstein war vor seiner Uebersiedelung nach Paris in Worms als prak- trscher Arzt thätig und erfreute sich der allgemeinen Achtung und Beliebtheit. Seine zahlreichen Freunde werden die Kunde von dem ftechen Uederfall mit auftichtiger Betrübnis vernehmen. * Paris, 16. Juli. Die Gräfin Peyrone wurde gestern von einem Automobilwagen überfahren, wobei sie einen Beinbruch erlitt. * Innsbruck, 16. Juli. Vom Olperer in den Zillerthaler Alpen ist der Lehramts-Kandidat Hugo Schramm ab gestürzt. Er war sofort tot. * Venedig, 16. Juli. Unter den Beitragen für den Wiederaufbau des Glockenturms von San Marco, die dem Bürgermeister unausgesetzt aus allen Teilen Italiens und dem Auslande zugehen, befindet sich ein solcher des Senators Breda aus Padua in Höhe von 100 000 Lire. Die Bevölkerung bespricht mit viel Sympathie den Besuch des hiesigen deutschen Konsuls beim Präfekten. Namens des deutschen Kaisers drückte der Konsul, der hierzu eine eigene telegraphische Ordre aus Bergen erhalten hatte, das Beileid des Kaisers aus. Der Kaiser empfinde tiefste Täl- nahme wegen des Unglücks, das die Kunst, Italien und das von ihm geliebte und verehrte Venedig betroffen habe. Der Präfekt bat den Konsul, dem Kaiser das Gefühl des tiefsten Dankes der Bevölkerung zu übermitteln. * Tunis, 16. Julü Ein Soldat des StrafbataillonS namens Ehiboule überfiel heute Nacht den Wachtposten des Pulverdepots einer Kaserne. Der Posten schoß den Angreifer nieder. Nach dem Ergebnis der Untersuchung glaubt man, daß Ehiboule das Pulverdepot in Brand stecken wollte. • New-Pork, 16. Juli. In den zwei großen Pul» verbehältern der Daily West-Mine bei Park-City in Utah ereignete sich eine heftige Explosion. Zur Zeit des Unglücks waren 150 Mann in der Grube beschäftigt, 2 7 Leichen und 21 schwer verletzte Grubenarbeiter sind bereits herausgeschafft. Man fürchtet, der Brand werde sich auch auf die Ontariogrube ausdehnen, in der 100 Mann beschäftigt sind. * Frauen in leitender Stellung. Vor einiger Zeit ging durch die Presse eine Notiz, wonach in Vilpien an der Bozen-Meraner Eisenbahn in Tirol der erste weibliche Bahnhofs-Vorsteher angestellt worden fei. Wie jetzt die v(5t James Gazette" mitteilt, marschiert Oesterreich keineswegs an der Spitze der Kultur, wie man anläßlich der Mitteilung über die erste dortige Stationsvorsteherm annahm^ Das genannte Blatt führt eine ganze Reihe von Berufen anr in denen sich Frauen Posttionen geschaffen haben. In England ist die Stations-Vorsteherin nichts neues, denn eine ganze Anzahl von kleinen Bahnhöfen besindet sich unter der Obhut von Frauen. Im Betriebe der australischen Staatsbahn ist eine ganze Anzahl von Frauen thättg, und im Staate Viktoria giebt es nicht weniger als zweihundert Bahnhofs-Vorsteherinnen. Im Dorfe Bitten in Gloucester- shire versieht eine alte Dame seit 60 Jahren den Dienst als Briefträgerin. Das Grafschaftsgefängnis von Kent in Neuschottland untersteht weiblicher Leitung. Weibliche Direktoren giebt es in England sowie in Amerika, und eine der reichsten Frauen Englands ist Mitglied des Direttoriums eines der ersten Bankhäuser. Das britische Handelsamt verteidigt die See noch gegen die vordringenden Evastöchter und hatLady Ernestine Brudenelle Bruce das Käpitänscertifikat oerroeigert; die verwitwete Lady Clifford dagegen besitzt ein solches und segelt ihre eigne Pacht im Mittelmeer. Die Postbehörde beschäftigt etwa 30 000 Damen in ihrem Dienste und zwischen 5000 und 6000 Postämter Englands werden von Frauen verwaltet. * Ein akademischer Streit um den „Simpkin c i s s i m u s". Die „Kiel. Zkg-" veröffentlicht folgende Zu^ schrist: „In letzter Zeit ist an der Universität Kiel ein heftiger Streit um die Münchener Wochenschrift „Simpli- cissimus" (Verlag von Albert Langer) gesockten worden. Es wurde von studenttscher Seite beantragt, den „Simpli^ cissimus" in der Lesehalle auszulegen. Dieser Antrag wurde jedoch mit Entschiedenheit zurückgewiesen, indem man vorgab, der „Simplicissimus" sei ein schmutziges, die Sittlichkeit der akademischen Jugend gefährdeickes Blatt. Als! trotz des Ausschlusses des Blattes aus der Lesehalle unb trotz der feinolichen Stellung der Professoren dem „Simplicissimus" gegenüber der Kampf hartnäckig fortgesetzt wurde, verbot der Rettor der Universität aufs sttengfte> irgend einen Schritt zur Förderung der Tendenzen dieser Zeitschrift zu thun. Die „Freie akademische Vereinigung für Kunst und Litteratur" an der Universität, deren Vorstand! lange vor diesem Streite ans „künstlerische n" Beweggründen die Veranstaltung eines „Simplicissimus"-Abends hatte, wollte am 10. Juli Stücke aus dem „Simplicissimus^ zum Vvrttag bringen. Als dem Rektor dies Erhaben mit- geteilt wwLe, verbot et, Len Merrb unter Stefan* Ncmrerr ob^u^olten mid irgend etwas zur VerLreitmrg der ^Sttw- plicissinrus^'-Jüeeu zu thun. Die Vorträge aus dem „Sim- plicissinrus" wollte er zutasseu, aber nur unter der Bedingung, daß er die betreffendeu Stucke vorlher selbst auf ihren sittlichen Gehalt geprüft hätte. Die Vereinigung glaubte hiernach nicht mehrverechtiatFnsein, den Namen „Freie Vereinigung für Kunst und Litteratur" zu führen Sie löste sich deshalb am 9. Juli unter Zustimmung älter Mitglieder aus." * Gefälscht e Steinz eitfund e. Aus Baden wird berichtet: Der Drechsler Joseph Wuhak, der die prähistorischen Beinschnitzereien aus dem Halserriegel bei Baden gefunden haben wollte, hat nunmehr gestanden, daß er die Veinschnitzereien selbst angefertigt hat. ________________ Universitäts-Nachrichten. — Das sechzigjährige Doktor- In biläum feierte cm Mittwoch Eduard Henoch, der Altmeister der Kinderheilkunde in Deutschland, der länger als ein halbes Jahrhundert als ‘ Forscher, Lehrer und Arzt in Berlin eine segensreiche Thätigkeit ausübte, ehe er vor etwa neun Jahren in den Ruhestand trat. Pros. Henoch lebt seit einigen Jahren in Dresden. — Die bayerische Kammer überwies am Mittwoch die Petition Würzburgs zur Vorbereitung der Errichtung einer technischen Hochschule, um die auch Augsburg petitioniert hatte, der Regierung urr Würdigung für den Fall der späteren Wiederaufnahme des Projekts. Eingesandt. _E a c I. cs t—< cq cq 6 CD Cd o O CO 1O C> O Cd 00 Cd -S es S1 *cd O « 2 *J5 xT SS 00 00 CO CO o 00 cs #1 <3 E K § 53 ex ** «-L. SS C3. o _ s § XD ä-5 CD ♦ -S * W C -o c >-• CD «> E =E "E C 5* 3 ES CD CD E § s » wo . sZ’GS- Z O £ § 7-i G ÖS SH®.. — "cd It D o — UD - CS „ SCH« <5 VD I , ♦ L O> 1-1 E »g' E .E ’S--- Ä 2 E E i© .2 o de v q S? c öS? 8? in' cd" co" S'« w-w 2 . . CD _ c E je o» =E ö? R E 5 55 -g 3 CD o TJ iG- O o M 'o ED o CE- lE. 'S E a e E & CD E E CO y Cd XD CD E S 43D G E, 1O c ' 19 cÄ M-* Q CD E 03 W -C »S'jO S 5 E SS lEi Z Z 00 E CD . t . o p *E E — O — •-> an. K Z "Z CD-r- E Q 8«^ CD °y=> = E § >g. c l E iS ss -x c-> XD C cs XD CD E A § tXO o w ‘»öS uQ E -*-• >O »fff 2 S cd CD» E XD =» E an. — S J § "cd iE: ES .2S a • jC-C ® § £ - S'" ‘E C e CQ ® o c E CD^° § SS 5 Cb> 5 I 8 § 5'5’» - C.N *#— S Et E *** es s S Ei <33- a> Ä- Q ^*2 WUS. 5* S E o o 5» S> ä >C- 8" o> d — " « G E E E *" Ji c V 3 OE ’S t- ^7 E -E E E a ~ g - $5 DT § S E -ED C -2 ‘"■ß.st .. l-> G — 5i- w „ e c E ET E3 -Sro 3 q o G o -g C Q- E CD § -E Cd — S’eä 2 Serviteurs, Kragen, Manschetten, Kravatten, Socken, Handschuhe und Westen Ubvllvllvll, Hl dVcallvll, UVvävUj näflUüCflUne Uuü n vSlvDi 4954 Holterhoff Söhne, Seltersweg 20. 8 ------—---------------11 B 5186 6. u. letztes Abonnemenislconzert Anfang 8 Uhr. Eintritt 50 Pfg. und 5158 Krause®, Grossh. Musikdirektor. Tanz Der Vorstand. 5198 11 Abends 81/, Uhr: empfiehlt 5163 Der Borstand. 5215 Fluß- und Seefische Sonntag den 20. Juli 1902: MOaiisflng mit MW empfiehlt 4998 5201 Der Borstand. empfiehlt 5164 zu haben bei 5220 anerkannt ausgezeichneter Hnatltät. 4680 s Billards. 2 Billards. 22 Marburger straße 22. 5167 3000 1118 iy, 2V, Mitglied des Weimarer Verbandes. Gemeinsamer Einkauf mit ca. 200 Geschäften. ‘zuittiAa; Cognac Yllimafn .,»r»aF Atelier für Portraitmalerei von Otto Fritz, akad. Knnstmaler. Cnterrieht. Goethestrasse It, Atelierhans. Fernsprecher 7L Wilhelm Haas, 18. Familienfeier des Evangel. Arbeitervereins in sämtlichen Räumen von Steins Garterr. 4 Uhr: Kaffee, 7 Uhr: Abendessen, beides gemeinschaftlich. Zur Rückfahrt kann der Zug 10'/, Uhr abends ab Station Schiffenberg benutzt werden. Das Fest findet bei jeber Witterung auf dem Schiffenberg statt und bitten wir um recht zahlreiche Beteiligung. Flasche Mk. 1.*o bis Mk.5.—. Oognac zuokerfreiMk.3.-. Vorzüglich für Genesende und Zuckerkranke. 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Im Nachmittagsgottesdienst um 2 Uhr predigt Herr Pfarrer Gluck aus Heuchecheim. Alle Freunde der Gustav-Adolfssache werden zu dieser Feier herzlich eingeladen. 5210 Der Vorstand des Zweigvereius. Der Airchenvorstaud zu Alleudorf a. d. Lda. und Bohnenmesser Konsem-Mser uni) -Tosen Speiseschränke sowie sämtliche Sans- uni) Küchengeräte zu den billigsten Sommerpreisen, trockenes Brennholz per Raummeter 10 Mark Casseler Schirm-Fabrik Th. Bndde & Co. 5200 Seltersweg 9. Gießen. Seltersweg 9. Kaufmännischer Verein Giessen Sonntag den 20. Inti: Sommerfest Stencrerklümgen jeSer Art fertigt sachlich 5203 Ed. Rotte, Kaplansgasse 2. Emgel. Aldeitkl-Umin Gießen. XL MtelrheiilischeS LeebniW des Wittekrheiu. Aeröandes Kvangel. Arbeitervereine Sonntag den 27. Juli. J. M. Schulhof Telephon 119. 314 Prompter Versandt nach ausw. Geffentttche Aufforderung. Der mit unbekanntem Aufenthalt abwesende Reinhard Dickel wird hiermit gemäß § 149 G. F. G. als eingetragener Inhaber der Firina Reinhard Dickel in Lich öffentlich aufgefordert, binnen sechs Monaten von der ersten Einrückung dieses ab seinen Widerspruch gegen die seitens unterfertigten Gerichts beabsichtigte Löschung der genannten Firma geltend zu machen. 5208 Lich, am 11. Juli 1902. Großherzogliches Amtsgericht. Fertige Särge, tannene und eichene, poliert, habe stets auf Lager und halte mich bei etwaigem Bedarf bestens empfohlen. 4835 J ustus Heek Schreinermeister, Afterweg 46. ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Alle Sorten Konditorei und erstes Wiener Kas6 Ecke der Franksurterstraße und Südanlage häll sich auf das Beste empfohlen und offeriert täglisch frisch eine allergrößte Auswahl der feinsten Horten, Kuchen, Kaffee- u. Hheegeöäcke In separaten geräumigen Lokalen und schönem Garten ÄuSschauk des weltbekannten Pilsener „Urquell“ aus dem Bürgerlichen Brauhausc in Pilsen, des Münchener Bürgubrün, °°n Berliner Weißbier. Vorzügliche Taffe Kaffee, Chocolade und Thee. Zn verkaufen ZäIMeh! 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