Nr. 139 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem yesstschen Landwirt die Gießener ZamUien- dlätter oiermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bu Brüh l'sche» Unwers. Buch-u. Stell druckerei (Pietsch Erbens Redakr il.. Expeditiou unv Druckerei: Echnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. Erstes Blatt. 152. Jahrgang Dienstag 17.Jimr 1908 GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.— viertel- jahrl. ausschl. Beftellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Teil: P. Wittko; für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Politische Tagesschau. Vorlesung und Urheberrecht. Tteses Thema, das durch den bekannten Prozeß des Berliner Professors Sch moller gegen einen Studenten wogen Veröffentlichung von Teilen einer Vorlesung aktuell geworden ist, wird in der „TeuHchen Juristenztg." von Landrichter Dr. Mittelstaedt in Leipzig behandelt. Der Verfasser ist der Meinung, dah das Berliner Gericht, das den Studenten verurteilt hat, von einer Auffassung des Urheberrechts ausgegangen sei, die sich aus dem Boden des geltenden Rechts nichthalt en lasse. Zur Begründung dieser Ansicht führt er aus: „Zwar gehört die akademische Vorlesung zu den int, 8 1 Ziff. 1. des Gesetzes vom 19. Juni 1901 unter den! geschützten „Werken der Litteratur" aufgeführten „Vor- rügen", welche „der Belehrung dienen", und die Vor- chrift des § 17 L c., hie gewisse öffentlich gehaltene Vorrüge für die Presse freigiebt, ist auf die Hochschulvor- lesung nicht anKuwenden. Besteht hiernach an der Vorlesung als solcher ein Urheberrecht, so ist deshalb doch nicht jede Aenßerung, die vom Katheder aus fällt, ge- schüttt, und andererseits nicht jede Mitteilung aus der Vorlesung verboten. . . . Das Urheberrecht hat seinen Grund nrcht im Schutze der Persönlichkeit und des Ansehens des Autors . . . sondern das Urheberrecht ist begründet auf den Schutz der geistigen Arbeit, deren ökonomische Ausnutzung dem Verfasser allein gewahrt werden soll. Nicht die weale Rücksicht auf die Persönlichkeit des Autors, sondern der wirtschaftliche Gedanke, daß die litte- rarische Verwertung der Arbeit ausschließlich dem Verfasser zustehen soll, hat zur Anerkennung des Urheberrechtes geführt. . . . Auch nach dem neuen Gesetz ist das Urheberrecht ein wirtschaftliches Recht, ein Schutz der Arbeit, nicht ein Schutz der Persönlichkeit als solcher. . . . Tas Gesetz verbietet weiter bei solchem Werke nicht jegliche Mitteilung, sondern nur die als Konkurrenz in der literarischen Ausnutzung geltende gänzliche oder teilweise Wiedergabe des Werkes als solche." Selbst wenn das Referat des Studenten eine getreue Wiedergabe der Aeußerung Schmollers wäre, dann könnte es sich, so heißt es weiter, nicht um die ^Veröffentlichung eines geistigen Werkes" handeln, sondern nur um die Wiedergabe einer politischen Meinung, yhm hat aber Prof. Scbmoller erklärt, das Referat sei eine ganz unzureichende und vielfach mißverstandlrche Wiedergabe eines etwa einstündigen Vortrages. Tier Student hat also nicht den Vortrag als solchen veröffentlicht, nicht einmal den „wesentlichen" Inhalt. „Tie Veröffenllichung einer einzelnen Meinungsäußerung ans einem Vortrage, noch dazu in entstellender Form, aber ist eine Indiskretion und nicht die Vervielfältigung eines Geisteswerkes. Sollte durchaus eine strafrechtliche Ahndung der Indiskretion stattfinden, so hätte es vielleicht näher gelegen, die Handlung des Studenten aus dem Gesichtspunkt der Beleidigung zu beurteilen. Ich möchte sogar fast glauben — so schreibt Dr. Mittelstaedt —, daß selbst der Varagraph des groben Unfugs', der schon so manchesmal ausgeholfen hat, im vorliegenden Falle dem allgemeinen Rechtsgefühl eher zugesagt haben würde, als der Begriff des Nachdrucks." «^audesversamwlmrg des Evangelischen Mundes. E. Gießen, 16. Juni. In den beiden heutigen Versammlungen wurden zunächst Dinge mehr interner Natur verhandelt. Wir heben das für die Allgemeinheit Wichtigere heraus. In der um Die Jubelfeier des Oermarnscherr Museums. ii. Nürnberg, 16. Juni. Heute früh nm 9 Uhr trafen der Kaiser, die Kaiserin und Bülow hier ein. Sämtliche Fürsten trugen bayerische Uniform, der Kaiser auch den Marschchlstab. Bei der! Begrüßung im Bahnhof feierte der Erste Bürgermeister den Kaiser, der das kostbare Gut des Weltfriedens mit starker Hand erhalte. Der Kaiser erwiderte, als Burggraf ziehe er in Nürnberg ein, als Burggraf von Nürnberg begrüße er die Nürnberger und als erstes Amt, das er a'.s Burggraf heute vollziehe, bringe er ein Hurra aus auf den Prinzregenten. Die Herrschaften begaben sich sodann unter Regen auf den Platz vor dem Bahnhof zum Prinzregenten-Tenk- mal, wo der Kaiser sein aus Amberg hergekommenes vor dem Denkmal aufgestelltes Regiment besichtigte. Hierauf fuhren die Gäste in und durch die Stadt und kehrten über den „Plerrer" auf das Glacis vor den Manern zurück, wo am Farberthor Paradevorbeimarsch von acht Regimentern erfolgte. Für die Kaiserin war ein Zelt er- *^Als der Kaiser durch die Stadt fuhr, sprang auf den Tritt seines Wagens, vermutlich um eine Bitte vorzubringen, ein Mann, der aber sofort entfernt wurde. Nach der Begrüßung zwischen dem Kaiser, der Kaiserin und dem Prinzregenten zeichnete Letzterer den Reichskanzler Grasen Bülow durch eine längere Unterredung aus. 'Nach der Parade konferierte Graf Bülow mit dem Ministerpräsidenten v. Crailsheim. — Der Prinzregent verlieh dem Grafen Bülow sein von dem Bildhauer Hildebrandt in Bronze ausgeMrtes Reliefporträt. Bald nach IQ Utzr fuhr der Kaiser mit dem PrinKregerr- Gründe liegen vor, daß die evangelischen Gemeinden Oberhessens gerade jetzt mehr als seither an den Aufgaben und Als- „Welche schritt berichtet werden. Nicht nur sind die Einnahmen in Hessen wiederum gegen das Vorjahr gewachsen, vor allem in Oesterreich selbst geht es stetig vorwärts. Die Zahl der Uebertritte von der römischen Kirche ist auch im ver8 Uhr tagenden Versammlung des hessischen Hilfsausschusses I seine Mühewaltung Entlastung erteilt, zur Unterstützung der evangelischen Bewegung in Oesterreich, oann wurde in die Besprechung der Frage: konnte von allen Seiten mit Befriedigung von stetem Fort- Gr" flossenen Jahre wieder größer gewesen, als im Vorjahre, uno es ist nicht mehr zu bezweifeln, daß man es da mit einer elementaren Bewegung der Volksseele zu thun hat, und zwar nicht, wie es immer wieder zu ihrer Verdächtigung behauptet wird, einer politischen, sondern einer tief religiösen. Ist auch das, was von Hessen aus aur Förderung der Bewegung geschehen ist, und geschehen kann, nur bescheiden, so gereicht es, gerade im Blick auf die gestern Abend von Herrn Pfarrer Diehl vorgetragenen Thatsachen, doch zur Befriedigung, daß wieder ein tüchtiger junger hesssicher Geistlicher dort in die Arbeit eingetreten ist. Zu seiner Unterstützung wurden für den Bau eines Betsales in der zu seiner Pfarrei Judenburg gehörenden Filialgemeinde Zeltweg 1000 Mark bewilligt. In der sich daran schließenden Mitgliederversammlung wurde nun der Jahresbericht erstattet, dem wir folgendes enntehmen: Die Zahl der Zweigvereine beträgt zurzeit 46 gegen 34 im ersten Berichtsjahr. Davon sind 25 in Starkenburg, 11 in Rheinhessen und nur 9 in Oberhessen. Neugegründet wurden in Starkenburg 11 (Babenhausen, Büttelborn, Groß-Bieberau, Heppenheim, Kleestadt, Lee- Heim, Lengfeld, Nieder-Namstadt, Ober-Burbach, Richen, Rüsselsheim, dazu eine zu Offenbach gehörende Ortsgruppe Bürgel), 1 in Rheinhessen (Flonheim). Infolge dieser Neugründungen ist die Zahl der Mitglieder von 5632 im Vorjahr auf 6517, oder wenn man fünf angeschlossene Vereine mit 2413 Mitgliedern binzunimmt, auf insgesamt 8930 gestiegen. Auf Starkenburg entfallen davon 4655, auf Rheinhessen 2380, auf Oberhessen nur 870 Mitglieder. Der Vorstand und dessen Ausschuß hatten Stellung zu nehmen zu der Frage des evangelischen Kirchenbundes, sowie der Aushebung des Jesuiteilgesetzes. Die Sache der evangelischen Diakonie wurde wirksam unterstützt und gefördert. Durch ein Abkommen mit dem evangelischen Tiakonieverein des Professors Zimmer in Zehlendorf ist sie in ein neues Stadium getreten. Auch in den Zweigvereinen herrschte vielfach ein reges Leben. Die „Kirchliche Korrespondenz" wurde in 1439 Exemplaren, die monatlichen Mitteilungen in 2835, der Evangelische Bundesbote in 900 Exemplaren gehalten, Kalender, Flugschriften und dergl. wurden zahlreich verbreitet. Vereinsbüchereien wurden in sechs Zweigvereinen begründet. Regelmäßige Vereinsversammlungen fanden in 85 Prozent aller Ortsvereine statt. Sie waren in nur verschwindendem Maße polemischer Art. Vielmehr wurden vorzugsweise teils grundsätzlicher Fragen religiöser Art, teils zeitgeschichtliche Ereignisse, teils Thatsachen und Persönlichkeiten aus Welt- und Kirchengeschichte behandelt. Daneben fanden vielfach Lutherfeiern statt, auch Festspiele. In Darmstadt und Friedberg wurden apologetische Vorträge über religiöse Zeitfragen mit anschließender Diskussion veranstaltet. Eine größere Anzahl Zweigvereine, wie Birkenau, Darmstadt, Friedberg, Groß-Umstadt, Groß-Zimmern, Maulbach, Nie- der-Jngelheim, Offenbach, Weisenau, Wörrstadt, haben auch die Förderung der Diakonie zu ihrer Aufgabe gemacht. So stand überall im Vordergrund nicht Polemik, sondern die Arbeit des geistlichen Aufbaus, die Verfolgung positiver Ziele und Bestrebungen, die Weckung des deutsch protestantischen Bewußtseins, die Pflege evangelischen Gemeindelebens. — Tie von dem Rechner des Hauptvereins, Herrn Kaufmann Rummel aus Darmstadt vorgetragene Jahres- Rechnung fand die Genehmigung der Versammlung. Herrn Rummel wurde mit dem lebhaften Dank für Arbeiten des Evangelischen Bundes sich beteiligen?" ein- getreten. Herr Pfarrer Fritsch aus Ruppertsburg ging m seinem einleitenden Vortrag zunächst den Gründen nach, aus denen sich die bisherige Zurückhaltung Oberhessens gegenüber dem Evang. Bund erklären. Neben mancherlei Vorurteilen sei es besonders die Thatsache, daß, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Oberhessen bisher ein fast ungemischt evangelisches Gebiet gewesen sei, daher hier der Trieb zu einem besonderen Zusammenschluß der Evangelischen, wie er in konfessionell gemischten Gegenden bestehe, naturgemäß fehlt. Das beginne allmählich anders zu werden. Während man früher in den meisten Gemeinden gemischte Ehen kaum gekannt habe, nehme ihre Zahl jetzt zu. Vor allem aber dränge die gesamte kirchliche uno politische Lage dazu, daß auch Oberhessen sich auf seine Verpflichtung, in dem großen Geisterkampf mit einzustehen für die Sache unserer evangelischen Kirche mehr als bisher besinne, und der Boden sei dafür bereitet. Es bedürfe nur einer kräftigen Anregung, die von dieser Versammlung erwartet weLde. In der Besprechung des mit großem Beifall aufgenommenen Vortrags wurde von den Kennern der oberhessischen Verhältnisse besonders betont, daß die Städte der Provinz die gegebenen Mittelpunkte seien, von denen die Arbeit ausgehen müsse. Dementsprechend wurden die anwesenden Vertreter der städtischen Zweigvereine ersucht, mit den Geistlichen und Vereinsvorständen sämtlicher oberhessischer Städte zusammenzutreten, um über die ganze Provinz, soweit die örtlichen Verhältnisse das gestatten und wünschenswert erscheinen lassen, ein Netz von Zweigvereinen auszubreiten. Außerdem wurde folgende von Herrn Pfarrer Fritsch vorgeschlagene Resolution angenommen: „Tie in Gießen am 16. Juni abgehaltene 7. Ljandesver- sammlung des hessischen Hauptvereins des Evang. Bundes richtet an die evangelischen Geistlichen Oberhessens und durch sie an ihre Gemeinden die herzliche Bitte, mehr als seither den Aufgaben und Arbeiten des Evang. Bundes ihre Aufmerksamkeit und thätige Mithilfe zuwenden zu wollen. Die in Oberhessen geringere Teilnahme läßt sich wohl erklären aus dem fast ganz evangelischen Charakter und aus manchen Vorurteilen, die man bis jetzt gegen den Evang. Bund gehegt hat. Aber der Ernst der interkonfessionell bewegten Zeit, das Vorgehen des Ultramontanismus zwingt alle Evangelischen zu bewußter, vereinter Abwehr, und die große Aufgabe der Gegenwart, welche der Evang. Bund durch den Hessischen Hrlssausschüß für die österreichische Bewegung übernommen hat, erfordert thatkraf- tige Mithülfe aller evangelischen Gemeinden. Wir hoffen, daß alle Geistlichen und die für unsere Sache interessierten Gemeindeglieder sich uns anschließen, einzeln, und womöglich in Zweigvereine, welche in geregelter Vereinsthätigkell zur Mitarbeit und regelmäßigen Gaben anregen. Unser Verein, auf dem Boden des Evangeliums der Reformation stehend und arbeitend, darf auf Beachtung und Erhöruna dieser brüderlichen Bitte rechnen." Endlich gelangte nach eingehender Begründung durch Herrn Direktor D. Weifsenbach aus Friedberg folgende Resolution zu einstimmiger Annahme: „Die zu Gießen am 15. und 16. Juni tagende 7. Landesversammlung des Hessischen Hauptvereins des Evang Bundes spricht: 1. der Eisenacher Kirchenkvnferenz, und damit auch dem Großh. Oberkonsisdorium warmen Dank aus für die ebenft entschiedene wie besonnene Wahrung der evangelischen Interessen bezüglich der religiösen Erziehung der Scinbei aus den gemischten Ehen gegenüber dem von dem Reichstag angenommenen „Toleranzantrag" des Zentrums. ten, von Ulanen eskortiert, zur Burg. Die Kaiserin folgte unter Eskorte von Cheveanxlegers. Das kaiserliche Paar und der Prin^reaent nahmen auf der Burg Wohnung, die übrigen Fürstlichkeiten nahmen in der Stadt Absteigequartier. Auf dem Wege zur Burg bildeten Vereine und Schulen Spalier. Gegen 2 Uhr begaben sich die Fürstlichkeiten zu Wageu, von einer Kavallerieeskorte begleitet, noch dem Germanischen Museum, wo die große Feier begann. Im Waffensaal waren die Deputationen, sämtliche hier anwesenden Würdenträger und die Herren und Damen des Gefolges versammelt. Um 2 Uhr erschienen der Prinz- regent, der die Kaiserin führte, der Kaiser mit der Prinzessin Leopold, der König von Württemberg, der Großherzog von Baden, Prinz Ludwig und Prinz Leopold, ferner der Reichskanzler, der bayerische Ministerpräsident und die übrigen bayerischen und preußischen Minister. Direktor von Bezold dankte in kürzer Rede den Fürstlichkeiten für ihr Erscheinen und ihre bisherige Antellnahme. Ter Kaiser verlas hierauf eine Urkunde. Diese Urkunde weist darauf.fyin, wie das Germ. Museum nach dem Willen seiner Begründer in einer Zeit, da die deutsche Einheit fern zu liegen schien, durch Aufdeckung und Sammlung der Denkmäler uni) Zeugnisse der großen gemeinsamen Geschichte den Gedanken an die Wiedergeburt des Deutschen Reiches wachhielt und an seinem Teile den Boden wiederbereiten half, auf dem der stolze Bau des geeinigten Deutschlands sich erheben sollte. Von bescheidenen Anfängen ausgegangen, ist das Germanische Museum unter dem Schutz des bayerischen Königshauses, getragen von der Teilnahme und dem einmütigen Zusammenwirken der deutschen Fürsten, des Adels deutscher D^ation, der deutschen Städte und Bürgerschaften und der alteingesessenen Ge- Wechter der ehrwürdigen Stadt Nürnberg," sowie ungezählter, für die Wiedererweckung der deutschen Vergangenheit begeisterter Vtäuner und Frauen aus allen Gauen Deutschlands, geleitet von Männern wie dem hochverdien-. ten August von Essenwein zu einer der hervorragendsten Sammlungs- und Blldungsstätten Deutschlands empor- gewachsen. Tank der unmittelbaren Einwirkung Kaiser Wilhelm I. haben Bundesrat und Reichstag dem Germanischen Museum als erste der voin neuen deutschen Reiche geförderten wissenschaftlichen Unternehmungen that- krästige Hilfe geleistet, und so war mit dem Staat und der Stadt dtümberg eine feste Grundlage für die gegenwärtige große Blüte der nationalen Anstalt geschaffen. „Nach dem Vorbilde unserer in Gott ruhenden (SItern, Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin Friedrich, deren teure Namen als Zeugnis für erfahrene Gunstbeweise in bedeutsamen Thaten des Museums fortleben, wollen wir dem Germanischen Nationalmuseum bei seinem 50jährigen Jubiläum einen erneuten Beweis unserer kaiserlichen Huld und Fürsorge dadurch gewähren, daß wir die S a m m lung deut- scher Kaiser siegel des Dr. Otto Posse, welcher die Entwickekung der deutschen Geschichte von den Tagen der Karolinger bis zum Ende des römischen Reiches deutscher Nation eindrucksvoll veranschaulicht, ergänzt durch die Siegel Wilhelms des Großen und Friedrichs III. sowie durch das von uns geführte kaiserliche Siegel, dem Museum zum dauernden Besitz überweisen. Möge das Germanische Museum unter dem friedenverbürgeuden Schutze von Kaiser und Reich, unter der ferneren Obhut kunstsinniger Landesherren, nach dem Beispiel seines dermaligen erhabenen Protektors, S. K. H. des Prinzregenten Luitpold von Bayern, des Königreichs Bayern Verweser, unter der opferwilligen Beteiligung aller Glieder der Nation auch in Zukunft wach,en und gedeihen als Hüter großer Ueberlieferungen, als Mehrer deutscher Kunst und Wissenschaft, als Bewahrer kostbarer Denkmäler, die das Wirken der göttlichen Bvv« dauernd gefährden würde. gs- 1902. Wilhelm, deutscher Kaiser nnd König von Preußen. 16. 15. Westanlage bei Tribus und Sundheim, der Beleuchtung in der Hofmann- und c. Versetzen je eines Kandelabers in der in der Ostanlage. 13. Anschaffung einer Schiffenbergerweg Gäßchen an der b) Verbesserung Frankfurterstraße. 15,50 c. 4,2U C. bis 16. Juni „ 16. „ Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Aus Studt und Land. Gießen, den 17. Juni 1902. *• Von der Universität. An der juristischem Fakultätsprüfung des laufenden Sommersemesters haben sich 30 Rechtskandidaten beteiligt. Hiervon haben 18 bestanden, und zwar vier mit der Note gut (2), sechs mit der Note im ganzen gut (3), acht mit genügend (4). Die Prüfung eines Kandidaten steht noch aus. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtver- ordneten-Versammlung Donnerstag den 19. Juni 1902, nachmittags 4 Uhr. 1. Baugesuch des Karl Bergmann für die Ederstraße. 2. Herstellungsarbeiten im ehemals Nolte'- schen Hause an der Licherstraße; hier Arbeitsoergebung. 3. Befestigung der Bürgersteige in der Plockstraße. 4. Ausbau der Bahnhofftraße nächst dem Bahnhof; hier: Abtretung von Straßenland an die Eisenbahnverwaltung. 5. Beschädigungen im Haus Katharinengasse 11 durch die Wasserleitung. 6. Straßenkostenbeiträge für den Eichweg. 7. Reklamation des Dr. A. Mettenheimer gegen die Heranziehung zu den Kosten des Ausbaues iber verlängerten Alicestraße. 8. Erhebung von Anerkennungsgebühren; hier: Reklamation des Fabrikanten Louis Lotz. 9. Antrag der juristischen Kommission auf Abänderung des § 13 des Ortsbaustatuts. 10. Betrieb der Pumpstation; hier: Rechnung der Firma Heyligenstaedt und Co. 11. Gesuch des Kommerzienrats Wilh. Gail zu Gießen um Erlaubnis zur Anlage einer Privatstraße vom ab. 12. Straßenbeleuchtung; hier: a) das Kunst und Wissenschaft. Düsseldorf, 16. Juni. Unter Teilnahme von 1500 Mitgliedern begann heute die 43. Hauptversammlung des Vereins deutscher Ingenieure. Aach einer Ansprache des Vorsitzenden, Generaldirektors Oechelhäuser, wurde Regierungsrat Prof. Slaby die Grashos-Denkmünze verliehen. Es folgte die Erstattung' des Geschäftsberichts, woran sich Vorträge schlossen. — „Die Kölnische Zeitung" ging am 9. Juni 1802 in den Besitz der Erben S ch a u b e r g ' s über. Zur Feier des Hund e r t- jährigen Besitzes versammelten sich Besitzer, Letter und Mitarbeiter in der Druckerei zu einem Festakt, bet dem Kommerzienrat Dr. Josef Neven-Tumont einen historisch-kritischen Rückblick gab. Er teilte dann die anläßlich des Jubiläums erfolgten Stiftungen mit. Zunächst soll von jetzt ab jedem Arbeiter, der 5 Jahre unmtterbrochen dem Hatise angehört, ein Urlaub von a ch t Tagen gewährt werden, ohne seine Bezüge zu kürzen. Weiter beschloß die Firma, 100000 Mk. zum Andenken der Hundertzahr- feier verschiedenen Kassen zu überweisen. Davon erhalte,i: Die Jnvalidenkasfe 10 000 All., die Witwen- und Waisenkasse des Personals 40 000 Alk., die restierenden 50 000 Mk. fließen in die Ver- sorgungskasfe der Angestellten. Regierungspräsident v. Balan teilte eine Reihe von Ordensauszeichnungen an Angestellte mit, die 40 und 30 Jahre bei der Firma lhätig sind und betonte, der Kaiser- Habe den sonst übliche,l Rnhmen überschritten und auch Angestellte mit nur 30jähriger Dienstzeit ausgezeichnet. Glngefanöt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Nachruf für die allzufrüh dahingeschiedene Frau Oberst Spohr, geb. 1847 am 26. Februar zu Neuenmühle b. Pirglitz in Böhmen, gest. 1. Juni 1902 zu Pirglitz. Hygiaia, die göttliche, weint! Ist doch die Freundin geschieden, Tie mit der Weisheit Rat und mit warmem, liebendem Herzem Krankes Leben erneute zum freundlichen Lichte der Sonne. Ja, Tu fehlst uns allen. Du Linderin jeglicher Schmerzen, Du, die Freundin der Menschen, die auf Erden manchmal Verkannte, Andre zu retten, mißachtetest Du die eigne Gesundheit. Freudiger Hoffnung voll betratst Du die teuere Heimat, Um in den trauten Bergen aufs Neue Kräfte zu sammeln Für den schweren Beruf, den Du Dir selber erwählt hast. Doch es sollte nicht sein! Es nahte der Engel des Todes, Senkte Ruhe und Frieden aus Dich, die von Vielen Verehrte! Und so rinnen Dir nach die heißen Thränen der Liebe, Thränen des Danks und der Trauer nm Dich, Du edle Verklarte! Sie sind ein Denkmal Dir, das keine Zeit kann zerstören. > Droben wandelst Du jetzt, dort über den ewigen Sternen, Und der Gesundheit Quell, von dem Du hiemeden geträumt hast, Sprudelt Dir kosend entgegen und letzet die ewige Seele. bert, sind historisch wie künstlerisch gleich bedeutsame Darstellungen. Die Schrift der alten Siegel geben sic m voller Klarheit wieder und bieten ein in dieser Vollständigkeit nirgends mehr vorhandenes Material. Die Sammlung wird ergänzt durch Nachbildungen der Siegel des Kaiser Wilhelm, des Kaisers Friedrich und des regierenden Kaisers sowie durch die Siegel des neuen Deutschen Reiches. Die untere Hälfte des vierthürigen Schrankes enthält in o6 Schubfächern die ganze zeitlich geordnete Sammlung. ^>m oberen Teile des Schrankes, der für eine Vergrößerung der Sammlung Raum bietet, sind eine Anzahl besonders interessanter Stücke zur Schau gestellt, so die Siegel Giptns, Karls des Großen, Ottos des Großen, Ludwigs des Bayern, Maximilians und anderer. Der Prunkschrank ist von Baurat Erhardt, dem Restaurator der Tome in Schleswig und Bremen, in romantischer Stilform entworfen und vom sächsischen Hoflieferanten O. L. Friedrich in Dresden ausgeführt. Er ist aus altem braun getönten Eichenholz gearbeitet, mit reichen Messingbeschlägen graviert, gepunzt, darauf galvanisch verkupfert und brüniert. Ueber den Thüren, unter der flach modellierten Kaiserkrone befindet sich eine Metalltafel mit der Widmnngs- schrift: Museo Gcrmanico Wilhelmus II. Imperator. Jm- peratorum Sigilla, in großen römischen Buchstaben. Die Inschrift ist dem aus dem 11. Jahrhundert stammenden Liber Aureus in Brünn entnommen. Den Abschluß der Inschrift bildet das Verbriefungswappen der hohenzollern- schen Burggrafen von Nürnberg. Der über drei Meter hohe Schrank, der mit silberglänzenden Siegeln und wie bei Altarbildern geöffneten oberen Flügelthüren einen prächtigen Anblick gewährt, steht auf einer Estrade des. neu eröffneten Waffensaales ausgestellt. und der zahlreichen Festlichkeiten in der Umgegend, mar der Burggarten stark besetzt. Zur Verschönerung des Festes trug der hiesige Turnverein in dankenswerter Weise bei. Am Abend führten die Turner auf dem Tanzboden einen Fackelreigen auf und stellten auf der oberen Terrasse des Gartens bei bengalischer Beleuchtung mehrere Pyramiden. Auch eine Musterriege am Reck wurde vorgeführt. Erwähnt ei noch, daß an den Eingängen des Torfes prächtige Ehrenpforten errichtet waren. pr„ r. Eberstadt, 16. Juni. Der Geflügelzucht- v er ein für Lich und Umgegend hat sich u. a. auch zur Aufgabe gemacht, durch Vorträge für die Hebung der Ge- lügelzucht zu wirken. Lehrer Sußner von Birklar sprach gestern über die Aufzucht der jungen Hühnchen. Der Vortrag, der in der Wirtschaft zum Löwen gehalten und vom Bürgermeister Görlach eingeleitet wurde, fand zahlreiche aufmerksame Zuhörer. Schließlich traten mehrere Hörer dem jungen Verein bei, sodaß dessen Mitgliederzahl jetzt über 90 beträgt. , . Gernsheim, 14. Ium. Wenig nachahmenswerte Zu. stände herrschen in der hiesigen Stadtvertretung. Wenn der Bürgermeister die Stadtväter zu einer Stadtratssitzung zusammentrommeln will, so muß er jedesmal die gesamte Poli- zeimacht in Aktion treten lassen. Und selbst dann bekommt er sie oft nicht zusammen. So mußte gestern wiederum trotz Polizeiaufgebots eine Stadtratssitzung infolge Beschlußunfähig- t'eit ausfallen. Die Landgemeinde-Ordnung giebl zwar dem Bürgertneister Mittel und Wege in die Hand, um solche Mißstände in einer über 4000 Einwohner zählenden Stadt zu beseitigen, aber der Herr Bürgermeister will sich mit keinem seiner Getreuen verfeinden. 2. sie beauftragt ihren Vorstand, bei der Großh. Regierung dabin vorstellig zu werden, daß diese im Bundesrat nachdrücnichst für Hie Ablehnung eines Antrages eintrete, der elterliche Vereinbarungen über die religiöse Erziehung der Kinder uneingeschränkt für giltig erklärt, und welcher der den Vater überlebenden Mutter die unbegrenzte Möglichkeit,, die Kinder dem väterlichen Bekenntnis zu entziehen, gewährt, welcher dadurch im Falle seiner Annahme durch den Bundesrat die Interessen der evangelischen Kirche auf dem Gebiet der gemischten Ehmi tief schädigen und den interkonfessionellen Frieden im paritättschen Staat Höchste Temperatur am Niedrigste „ „ Kaiserin links. Rechts folgten Prmzesftn Leopold, der König von Württemberg, Prinz Ludwig, die Pcllastdame Gräfin Keller uxib der Reichskanzler; nach links der Großherzog von Baden, Prinz Leopold, die Hofdame Fräulem v. Gers- dorff, Staatsminister v .Bötticher. Gegenüber dem Prinz- regenten saß der württembergische Gesandte Frhr. v. Soden zwischen dem badischen Gesandten v. Bodmann und dem bayerischen Gesandten v. Lerchenfeld rechts und Oberhos- marschalt Graf Seinsheim, dem preußischen Gesandten Grafen Monts und dem bayerischen Gesandten v. d. Psordten links. Tie Tafelmusik wurde von der Kapelle des 14. Infanterieregiments ausgeführt. Es erhielten den Roten Adlerorden 1. Klasse Oberhofmarschall Graf Seinsheim, das Großkreuz des Roten Adlerordens Finanzminister v. Riedel. Den Roten Adlerorden 3. Klasse erhielten die Direktoren des Ausftchtsrctts des Germanischen Rruseums Kommerzienrat v. Grundherr und Frhr. v. Tücher. Den Kronenorden 3. Klasse erhielten die Direktoren des Germ. Museums v. Bezold und Bösch, ferner der zwette Bürgermeister Jager. Die Brillanten zum Kronenorden 2. Klasse erhielt der Sohn des Begründers des Germanischen Museums, Fhr. v. Auf- sc ß-Regensburg. z , . Die vom Kaiser geschenkte Siegelfammlung enthält Nachbildungen der von den deutschen Königen und Kaiser in der Zeit bis 1806 geführten Siegel, denen sich auch die der Siegel der Kaiserinnen, der Laud- frieder sowie Reichsvikariate beigesellen und unter denen die Fälschungen eine besondere Abteilung bilden. Tiefe Abformungcn sind von dem kgl. sächsischen Staatsarchivar Oberrcgierungsrat Dr. Posse in Dresden in dreißigjähriger unermüdlicher Sammelarbeit zusammen geb rächt. Die Bildschön und blendenweiss ist heute mal wieder die luftig im Winde flatternde Wäsche der Nachbarin. Frau M. zerbricht sich vergeblich darüber den Kopl, mit welchen Mitteln die Nachbarin eine so tadellose Wasche erzielt. Hätte sie doch nur den Mut, eine Frage zu stellen. otmt N. würde ihr das Geheimnis gewiß gerne verraten: „ö er f a , das neue und gesetzlich geschützte Waschmittel ist es, der sie ihr schneeweißes Leinen verdankt. Mit „Serfa behandelte _ Wasche bildet eine Zierde für jeden Wäscheschrank und wer „Sepa nur einmal versucht, der wird nie wieder ein anderes Waschmittel als „Serfa" benutzen. Dammstraße und _ _ Geldwage für die Stadtkasse. 14. Dienstverhältnisse der Forstwarte der Stadt Gießen. 15. Gesuch der Arbeitslehrerin i. P. Anna Müller zu Gießen um Uebernahme der Unterhaltung von Begräbnisplätzen auf dem alten Friedhof. 16. Gesuch des Gitst. Trinkhaus zu Gießen um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft im Hause Seltersweg 50. 17. Desgl. des Friedr. Geisel zum Flaschenbierverkauf und Kleinhandel mit Branntwein im Hause Wagengaffe 7. 18. Desgl. des Heinrich Erle dahier um Erlaubnis zum Branntweinausschank im Hause Westanlage 2. 19. Desgl. des Friedr. Mages zur Vergrößerung seines Wirtschastsbetriebes im Hause Lindengasse 2. 20. Desgl. des Heinrich Monick im Hause Waltthorstraße 46. 21. Desgl. des Heinrich Rühl zum Schankwttckschaftsbetrieb im Hause Neustadt 31. 22. Desgl. des Heinrich Schmidt zum Betriebe der Kantine des 3. Bataillons Jnf^-Regts. Kaiser Wilhelm Nr. 116. ** Auszeichnungen. T^r Großherzog hat dem evangelischen Pfarrer, Kirchenrat Friedrich Kalb Henn zu Burggräfenrode die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüttgen., dem Bürgermeister, Ortsgerichtsvorsteher und Standesbeamten Michael S chmid t III. zu Braunsl-ardt das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Philippsordens verliehen. ■ n. Klein-Linden, 16. Juni. Gestern feierte unser Gesangverein Harmonie" sein 15jähriges Bestehen im Burggarten. Ura Mittag wurden die auswärttgen und hiesigen Vereine zum Festplatz geleitet. Am Festzug, der sich um 3 Uhr durchs den Ort bewegte, nahmen folgende Vereine teil: Krieger-Verein Klein-Linden, „Avion" ättein- Linden, „Liedertafel" Launsbach, „Männergesangverein" Lollar, „Eintracht" Klein-Linden, Turnverein hier, Gesangverein Lützellinden, „Liederkranz" Dutenhofen und zuletzt der festgebende Verein. Aur dem Festplatz begrüßte der Präsident Wahl die Festgäste und Sangesbrüder, worauf er einen Rückblick auf die Gründung und Entwickelung des Vereins warf. Die Rede schloß mit einem Hoch aus das deutsche Lied. Darnach sangen die Gesangvereine. Cs wurde durchweg Vorzügliches geleistet. Ein Teil der Gießener Regimentsmusik ließ nunmehr flotte Tanzweiscn erllingen. Trotz der etwas kühlen Witterung Graf Posadowsky." Der Kaiser verneigte sich gegen den Prinzregenten. Dieser dankte. Hierauf besichtigten die Fürstlichkeiten den ausgestellten Schrank und uitternahmen einen Gang durch das Museum. Nach dem sehr ausgedehnten Rundgange kehrten die Fürstlichketten nach dem Wasfensaal zurück, wo nunmehr nach einem Prolog des Bürgermeisters Jäger Mttglieder des Nürnberger Turnvereins zwei Reim- spiele von Hans Sachs, nämlich „Die ungleichen Kinder Evas" und „Der Krämerskorb" in der ganzen vom Dichter gewollten Urwüchftgkeit zur Darstellung brachten. Nachdem die dNajcstäten noch Cercle abgehalten, kehrten der Kaiser und die Kaiserin, sowie der Prinzregent auf die Burg, die übrigen Fürstlichkeiten in ihre Absteigequartiere zurück. Am Eingänge vor der Burg und aus der Wiese vor der Kapelle hatten sich Mttglieder der Schnäpper- Schützengesellschaft in mittelalterlichem Kostüm mit Armbrust und Hellebarden neben Zelten malerisch gelagert. Tie Hans Sachs-Rettnspiele wurden im Lause des Nachmittags in der Katharinenkirche vor einem großen Publikum wiederholt. Heute vormittag hatte die Tuchersche Brauerei den Festteilnehmern aus dem Ludwigsthor-Zwinger ein Frühstück gegeben. Heute nachmittag veranstaltete die Stadt Nürnberg ein Gartenfest aus der Aiazwiese. Prinz L u d w i g von Bayern nahm das Frühstück mtt dem Reichskanzler Grafen Bülow und dem Ministerpräsidenten Crailsheim ein. Nach dem Festakt statteten die Minister v. Riedel und v. Feilitzsch dem Grafen Bülow einen Besuch ab. Kurz vor 7 Uhr fuhren der Kaiser und der Prinzregent US offenen Vierspänner zur Hoftafel im Rathause. In ^isem Metten Wägen folgte die Kaiserin mit ihrer .Hofdame Gerichtsftml. Breslau, 14. Juni. Ein Erbschafts-Prozeß gegen den Kardinal Kopp ist vorn hiesigen Landgericht zu Ungunsten des Beklagten entschieden worden. Die im Jahre 1899 verstorbene, drei Jahre vorher wegen Attersblödigkeit entmündigte ^ischler- meisterswittve Preuß hatte testameMarisch ihr Vermögen von 42000 Mark dem Konvent der barmherzigen Brüder und un Falle der Nichtannahme dem Kardinal Kopp vermacht. Dr. Kopp nahm, da für die barmherzigen Brüder die Genehmigung nicht zu erlangen war, • zu deren Gunsten die Erbschaft an. Die im Testa» ment auf den Pflichtteil gesetzte T^ter beschritt den Prozeßweg und führte den Beweis, daß die Erblasserin bei Abfassung des Testaments nicht mehr zurechnungsfähig gewesen sei. Das Gericht erkannte hierauf, daß Kardinal Kopp gehalten se,, d,e Ungültigkeit des Testaments anzuerkennen und den Nachlaß an die Klägerin herauszugeben. ~ , £. , — Die Angriffe, die im Sommer v. Js. der „Deutschnationale Handttmgsgehilfen-Verband" bezw. sein Vorsteher Wilhelm Schack gegen den „Verein für Handlungs-Kommis von 1858 (Kaufmännischer Verein) in Hamburg" im Organ des Verbandes veröffentlicht haben, sind Gegenstand eines Zivilprozeffes gewesen, den der 58er Verein gegen den „D. H.-V." und seinen Verbandsleiter angestrengt hatte. Die Beklagten hatten uom 58er Verein behauptet, „er befinde sich in Zahlungsschwierigkeiten", habe 1899 mit einer „Unterbilanz abgeschlossen" und er „suche seinen völligen Znsam- menbruch hinauszuschieben". Von der Penslons-Kaffe des 58er Vereins, einem Versicherungsinstitute, das über 7 Millionen Mark Vermögen besitzt, hatten die Beklagteii behauptet, sie „habe eine schwankende Grundlage", „mit der Streichung der Mariinalbelrage seien viele Mitglieder schändlich betrogen bezw. getauscht worden und „zwischen der Kasse und dem Verein sei Jahre lang eme falsche Buchführung getrieben worden". Dann war noch gesagt, „bei _emcr Versicherungsgesellschaft würde sich der Staatsanwalt mit der trxxche beschäftigen^ und „die Pensionäre erhielten im günstigsten H-alle nur wenige 100 Mark in die Hände gedrückt". Der ober Verem hat auf Einstellung dieser Angriffe geklagt und ist mit einem Klagebegehren durchgedrungen. Die Angriffe des „D. H.-V. werden in der Begründung des GerichtsurteiE samt und sonders aSb Unwahrheiten bezeichnet. Das Gericht spricht aus, daß da^ Vw- halten der Beklagten „unzweifelhaft gegen die guten Sitten verstoßen hat" und dem 58er Vereine und feiner Pensions-Kape „vorsätzlich dadurch Schaden zugesügt sei". Tas Gericht bezeichnet ferner einen Teil der Angriffe Schacks sogar als „wider belieres Wissen" ausgestellte Behauptungen und hat das Urteil sofort für vollstreckbar erklärt. Ter „D. H.-V." ist mit ferner Widerklage abgewiesen. Der 58er Verein kündigt an, daß er wegen der vom ^ivilqencht als Verleumdungen gekennzeichneten Angriffe des D H-V." damals oud) sofort Strafantrag wegen Beleidigung gestellt hat; die Entscheidung des Schöffengerichts dürfte bald zu erwarten sein. ______ — Handel Md Verkehr. Uolkswirlschafl. — Anatolische Eisenbahucn. Tie Einnahmen der Gesamt- Linien betragen feit 1. Januar 4269000 Fr., oder Fr. 1025000 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. — Die Verwaltung des Bergischen Gruben- und .vutten- vereins schätzt die Dividende für 1901 2 auf zehn Prozent gegen 25 Prozent im Vorjahre bei großen Rückstellung wegen schweben- bet ^0^'cc\8cr^ani>(undCU beir. Abschlüsse einer 4> °pro> bosnischen Anleihe im Betrage von 75 Millionen mitsr Mitwirkung der Deutschen Bank und Berliner Handelsgesellschaft dürften in den nächsten Tagen zum Abschluß gelangen. — Frankfurter Börse. Lffangels jeglicher Anregung ver» kehrt die Börse in außerordentlicher Geschästsstille. Tie Umsätze sind so minimal, daß die Kurse kaum nennenswerte Aenderungen erfahren. Bon den auswärtigen Plätzen fehlt aber auch jegliche Anregung, es herrscht dort dieselbe Geschästsstille wie hier. Der Markt der festverzinslichen Werte ist das einige Gebiet, das m ausnahmslos günstiger Haltung verkehrt. Insbesondere sind 3proz. Reichsanleihen und 3'/,proz. Stadtanleihen gefragt. . _Die Neuen Aktien der Siemens Glas-Jndustrre werden erst nach Verweisung des 80 Prozent betragenden Aufgeldes an die Reserve an der Frankfurter Böfte zugelasfen werden. Leipzig, 16. Juni. Die Eingänge aus den noch vorhandenen Bermögeusobjekten der Konkursmasse der Leipziger Bank werden von der Konkursverwaltung auf insgesamt höchstens rund 32 Alill. und mindestens 25 Millionen Matt beziffert. Jmü Barometer auf 0° reduziert - c C £ a der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative V D Windrichtung Windstätte Wetter 16 225 743,9 13,6 7,2 62 SS3¥. 4 Regen 16. 926 744P 10,3 8,4 90 E. 1 KlarerHimmet 17. iy35 745,6 7,0 7,2 9< NW. 1 Nebel ’S sr © © «ft 3 CD 3 ö । X <» ^L«°Z ö , CT. 'S c 5 ZL^I^L ti*» _, L V § c X « . Suat? •s §®S LL SOM tl P Ö M 3 JExr ° o i©CQ-+3 jQ X> c__ 'S' 5 e*9 2 CJ X tt *3 e e> CD 3 'S 3 X 1 ® A ±? C1J wOliU 9 85<2 «Di. EX «ft Ü GQ6“2X2 «ft 'S' KN 3>o S« £ 3 «r s~«Ä2 Z !£) E c <® fj ö L-® G <» cj CI « c 8 £ £ S c sr L) ►s E E «- S 3 EK « co «> AZ «ft O“ <® e cd U 3 ■• £ c £ «p N jQ & CJ oicQ^iiocd -5^ E E M 3. 'S >< L a E R ti Ea VD C E 8 E 3 'S «ft 5 c Q 8 es g B 'S V S y <® W ES*; ~EE £ <® gti £§. ° jQ 'S 3 S.g 'S £ ä r® 3 3 eo f-r ES £ 8 E 3 O e E o s£ 3 § E o 3 QܱÜ) ä.« P CD — o k « g ^>Z> F£ Ö “ u£ V CD XE tO P y «* s CDvd 3 C 'S LEZ •So; >>> t> M . c gw si -3 3 LrS.E E £ yb LZ xd E C !p- = 2 CD« C5>&' 3 c i p a e 6Z E^ ä c <® Wo x-'Z'g ÄS CD Q> o o CJ CJ xr x x) zd x x CD O ■x N O C» s v N L- cc c IO «o CO <® c A 3 :3 CJ CJ X Q CJ ISD- C 1O 03 CO a ® a S O tf> 3 tgi co CO ® .9 o a 5 a O Ä P •s m cf ® -o CD © s s CJ N G . O ti sr l3L C £ u s- Xd CJ xr- tfQ Z <5 , W L r»» 5* N S. E- S; b. c *^l 3 «gb G CJ 'S CJ Ä L 0© 5 'S .3 CJ CB Ck> CQ JO . 3 P 3 cj » « c 1-1 n. ti SJ ■—T Q X » UZ §T cj sä' X> tJQ O - w CJ — • CD 13 03 SJ CJ o -3 V E _cj e 3 CJ CJ UU r >b .5 ss SN «L. r» x> 2 c E OR f® c mE § X» x> CJ SS 3 cj rcw- PA KA § jO. A 's 3 «K>S i« CJ -Z 2® ’S o r* 3 Cj <-*- Ö r— !>»' eo 1 ö A P |p <□» X J* -a Z s ’E <® 4> I. g A Ä C4 I C E se e 3 r-X Ex CJ 3 X “ ZS 3 R . CD W ^ZZ ö oj®yx> w ü 3 j H --- cj _p V Ä § r- 3 O v o Sx© ä-XT- Et & • s«.i o . ~ o -zS -Xti 3 Ä 8 c r- CD 03 E rs CO O)'' CO CD »o 00 CO 03 03 CO a = a a er1 co co 3* »O 1O *T T-l 3 CO H OJ xO 3 CD' 3 jQ CJ X3 3 X^ CJ X" X) .» x -3 8 02 <® X CDZ_ C <® 3( e o 3 9» x o B E CJ X) «ft » CJ 3 x> c CJ CD'» i E J CD X ^ZD 0 3 3 ti c° Q ä 2 jO 3 as -o o CJ ti X) w 2 .aLÄ&B.-S 3-’ <® tj 'S 3 «e 2 ? pX £ «s XD SS 3 x CD SS 3 C 3 c Gi X E W CJ O C cj X> CD O OD Grosser Inventur-Ausverkauf. Infolge Todesfalls des Mitinhabers, Herrn H. 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