Donnerstag 17. April LSVS ISS. Jahrgang Erstes Blatt SietzenerAnzeiger VezugSpretsr monatlich 7bPs., viertel^ jährlich Mk. 2.20; durch Aoholc- u. Zweigstellen' monatlich 60 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausfchl. Destellg. Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. M ZetlenpreiS: lokal 12Pf^ General-Anzeiger *' ässs.'S. v -*< für den poht. u. aQgem.1 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Nr. 89 Erscheint tSgttch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Selstschen Landwirt die Siebener Zamtllen- Wärter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Univers.-Buch- u.Slein- Druckerei (Pietsch Erben) ILedaktton, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. AernsprkchanschlußNr.51. Tie Selbsthilfe der Landwirtschaft. Tie Zeitungskorrespondenz des Generalverbandes länd ücher Genossenschaften für Deutschland zu Neuwied schreibt: Auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Selbsthilfe hat der Bauernstand schon seit langem in weitverzweigter Lbätig- keit eine Energie entfaltet, die Helle Bewunderung verdient. Tie ländliche Genossenschaftsbewegung Deutschlands steht der aller übrigen Kulturländer voyan; sie ist ein so stolzes Zeugnis deutscher Bauernkraft und Bauernzähigkeit, daß jeder Volksgenosse etwas davon wissen muß. Wolkenbruchartig kam über den Bauernstand die neue Zeit und fand chn gänzlich ungerüstet. Die Naturalwirtschaft wich der Geld- und Kreditwirtschast. Dampf und Elettrizität wurden Knechte des Menschen; sie verbanden ferne Länder; sie verbilligten durch Massenproduktion alle Waren und schufen neue Bedürfnisse. Neben der Landwirtschaft blühten Industrie uno Handel empor. Geld und Kredit waren die ersten Bedingungen des Mitkommens in dem anhebenden Wettlaufe der wirtschaftlichen Kräfte. Geld aber hatte der Bauer bisher wenig gebraucht; sein Kreditbedürfnis zu befriedigen, fehlten die geeigneten Stellen. Dadurch geriet er in große Bedrängnis. Der Wucher streckte seine gierigen Klauen nach den deutschen Dörfern aus. Ta war es Friedrich Wilhelm Raiffeisen, der den schützenden Wall baute in den nach ihm benannten Vereinen. Er erkannte, daß der Einzelne in seiner Vereinzelung ohnmächtig ist, dem Umschwung der Dinge zu begegnen, daß er mutlos und untüchtig werden muß. Er nahm einen möglichst eng begrenzten, ländlichen Bezirk, gewöhnlich den eines Kirchspiels, zur Grundlage für eine Genossenschaft, der die unbeschränkte Haftpflicht einen soliden, kapitalkräftigen Unterbau verlieh. Diese Spar- und Darlehnskassen sind mit der Zeit kleine Torfbanken geworden. Sie haben sich dann in Konsequenz des Gcnossenschaftsgedankens untereinander verbunden, und wenn wir hören, daß die Zentral- Darlehnslässe für Deutschland, die Geldausgleichstelle für alle dec Raiffeisen-Organisation angeschlossenen Vereine, im Jahr 1901 einen Jahresumschlag von ca. 453 Millionen Mark gehabt hat, so redet diese Zahl eine beredte Sprache. Tie Zeit wird kommen, da jedes Dorf seine Kreditverhält- niffe selbständig in der Hand hat und nicht — wie vordem — der Stadt zinspflichtig ist Mit der Befriedigung des Kreditbedürfnisses Hand in Hand ging sofort der genossenschaftliche Bezug von Wirtschaftsartikeln (Futter-, Düngemitteln, Maschinen, Saatgut 2C.). Die freibeweglichen Raiffeisen-Vereine wirkten von vornherein zugleich auch als landw. Konsumvereine, was wohl die einfachste Lösung sein dürfte und praktischer, als neben einem Spar- und Darlehns-Verein noch einen besonderen landw. Konsumverein zu schaffen. — Wenn auch auf dem Gebiete des gemeinsamen Bezugs, der den Konsumenten direkt mit dem Produzenten verbinden soll, noch viele Arbeit zu thun ist, besonders aufklärender Art, daß der Bauer je mehr und mehr die Vorteile dieses Weges begreift und „bei der Stange" bleibt, so sind andererseits doch schon herrliche Erfolge erzielt worden. Oder ist es nicht eine achtunggebietende Erscheinung, daß in der „Bezugsvereinigung deutscher Landwirte" die gesamte deutsche Landwirtschaft, soweit sie organisiert ist, dem Ring der Thomasmehlfabrikanten gegenüber gestellt werden tonnte? Allein längst sind auch die vorgenannten beiden Arbeitsgebiete nicht mehr die einzigen; den Kredit- und Ankaufs- Genossenschaften sind die Verkaufs- und Produktivgenossen- jchaften zur Seite getreten und nehmen einen immer breiteren Raum ein. Tie Tabakbauern der Pfalz haben sich (innerhalb der Raiffeisen-Organisation) zu einer großen Verkaufs-Genossenschaft zusammengethan, desgleichen die Hopfen- bauern Bayerns. In den Weingegenden Deutschlands finden wir Winzervereinigungen in hoffnungsfrohem Emporblühen. Immer größer wird die Zahl der Molkereigenossenschaften. Die genossenschaftliche Milchversorgung der Städte 'ist in Angriff genommen und wird unter viel Kampf und Kampfgeschrci mutig fortgesetzt. Ueber ganz Deutschland hin arbeitet die „G e n o s se n s ch a f t für Viehverwertun g". Obstbau-und Obstverwertungs-, Hühnerzucht- und Eierverkaufs- genossenschasten sind hier und da und dort entstanden. Kurz, wohin wir schauen, Leben, Bewegung, Regsamkeit! Tas erfreulichste jedoch ist die deutsche K o r n h a u s b e w e g u ng. Sie erscheint in Hessen und Pommern zur Zeit am meisten gefördert und erfolgreich. Ter letzte Bericht der (Raiffeisen- schen) Filiale Cassel, die aus diesem Arbeitsgebiete bahnbrechend gewesen ist, über die Entwickelung der fünf hessischen Kornhäuser zeigt, welch großen Vorteil für die betreffenden Gegenden diese Kornhäuser gebracht haben, läßt aber zugleich ahnen, ja mit Sicherheit vorausschen, wie die Kornhausdewegung in ihrer weiteren Ausbreitung den ganzen Getreidehandel auf gesundere Bahnen lenken wird zum Segen des Produzenten. Es mag jemand zum ländlichen Genossenschaftswesen stehen, wie er will — und die Zahl der Nörgler, "Neider und Feinde ist Legion — des Eindrucks kann fick niemand entziehen, wie auch darin zum Ausdruck kommt, daß der deutsche B a u e r n st a n d, wenn auch an Zahl nicht mehr der größte, so doch an innerer Kraft und Äebensenergie der erste im Vo lks g anze n ist. Wie sehr die deutschen Bauern denjenigen ehren, welcher sie auf den gekennzeichneten Weg führte, davon werden die auf den 10. Juli angesetzten Denkmals-Feierlichkeiten in Heddesdorf-Neuwied Zeugnis ablegen. Ter Kaiser hat mit Befriedigung davon Kenntnis genommen, daß dem hochverdienten Begründer des ländlichen Genossenschaftswesens, Friedrich Wilhelm Raiffeisen, ein Denkmal errichtet werden soll, und sich sehr über die oorgclegten photographischen Entwürfe des schönen und würdigen Denkmals gefreut. Bildhauer Arnold Künne hat nach seinen Entwürfen das Standbild und die Seitcnbilder nunmehr vollendet, »und die Modelle befinden sich auf dem Wege zur Gießerei Die Zoütariskommission. Berlin, 16. April. Die Zolltarifkommisjion nahm gemäß der Regierungsvorlage Position 106, Federvieh, an. Tanacy zahlen Gänse 70 Psg. pro Stück oder 24 Mk. pro Doppelzentner, Hühner uno sonstiges Federvieh 6 Mk. pro Doppelzentner. Die Anträge Müller-Sagan uno Gradnauer auf Erl)altung der bisherigen Zollfreiheit, sowie ein Antrag Wangenheim und Gen. aus 16 Mk. pro Doppelzentner für jegliches Federvieh wurden abgelehnt. Die Zolltarifkommission nahm Position 107 (Fleisch) gemäß dem Antrages Gamp an. Danach werden die Sätze für frisches, auch gefrorenes, für einfach zubercitetes und für zum feineren! Tafelgenuß zubereitetes Fleisch auf 45 bezw. 60 bezw. 120 Mark pro Doppelzentner erhöht. Ferner wird Sch w ein er speck besonders tarifiert mit 36 Mk. pro T-oppelzentner. Außerdem sollen diese Sätze vertragsmäßig nicht mehr' als um 20 Prozent ermäßigt werden dürfen. Beim Schweinespeck bleibt jedoch eine Bindung ausgeschlossen. Tie gleichzeitig beratene Position 111 (Fleis chextrak t! usw.) wird nach der Regierungsvorlage mit 30 Mk- für! den Doppelzentner angenommen. Position 112 (Würste)' wird aus Antrag Wangenheim von 45 aus 70 Mk. erhöht. Gras Posadowsky erklärte die Kommissionsbesch l ü s s e über Vieh- und Fleischzölle für unannehmbar. In der Debatte wurde auch das Bor-f sä ü re-Verbot berührt. In der Begründung des Antrages aus Zollfreiheit des Federviehs hebt Bebel das' Dar nieder liegen der deutschen Geflügelzucht hervor. Tas Geflügel sei eine wichtige Krankenkost! und ein Volksnahrungsmittel, v. Wan gen heim meint, Deutschland müsse den Bedarf an Federvieh selbst decken. Ohne Schutzzoll sei eine Vervollkommnung der deutschen Geflügelzucht unmöglich. Tas ausländische Federvieh! bringe die G e f lü g e l ch o le r a ins Land. v. Kardorfß sagt, die deutsche Geflügelzucht fei zurückgegangen, weil: überall das ausländische Federvieh die Märkte zu billigem Preisen überschwemme. Ministerialdirektor Wermut bemerkt, auf absehbare Zeit hinaus sei die Einfuhr auslän- dischen Geflügels noch unentbehrlich. Auch sei. Geflügel eine wichtige handelspolitische Position. Deshalb möge mau sich mit dem Satze der Regierungsvorlage begnügen. Nahezu ein Drittel unseres Geflügelbedarfs müsse heute aus dem Auslände eingeführt werden. Fischbeck führt! aus, wenn man durch exorbitante Zölle das österreichische und russische Federvieh von den deutschen Märkten ausschließe, würden Gegen maßregeln nicht ausbleiben. Gerade der kleine Bauer und der ländliche Arbeiter würden durch die Verteuerung der russischen Magergans geschädigt, da sie sich durch Fettmachung derselben einen1 Nebenverdienst zu verschaffen suchten. Herold spricht sich für die Regierungsvorlage aus, deren Zollsatz genüge. Nach weiterer Debatte folgt die gemeldete Abstimmung. In der Debatte über die Fleischzölle bemerkt An tritt!' (Soz.), die Agrarier wünschten einen Zollkrieg mit Amerika. Das Verbot des mit Borsäure konservierten Fleisches fei; eine Heuchelei der Regierung. Ter Vorsitzende Rettich rügt letztere Bemerkung. Gras Posadowsky' erklärt, das Borsäureverbot beruhe auf jahrelangen Stu-' dien. Tas Reichsgefundheitsamt habe sich einstimmig dafür ausgesprochen. Tie Regierung habe dabei nicht den geringsten Einfluß auf das Reichsgefundheitsamt aus- geübt. Bei dem Verbot handle es sich durchaus nicht um eine protektionistische Maßregel. Bezüglich des Wurstzolles liege keine Ursache vor, über den Zollsatz der Vorlage hinauszugehen. Bebel behauptet, das Borsäureverbot sei überstürzt. Graf P o s a d o w s k y bestreitet das entschieden. Tie Wurstindurstie mußte bald wissen, welche Stosse sie zur Konservierung des Fleisches gebrauchen dürfe. Nach der Abstimmung sagt Bebel, es müsse Klarheit geschaffen werden, ob eine Verständigung mit der Krau ooer Klaulein? Auf Grund einiger Zuschriften an uns aus unserem Leserinnenkreise, die Bezug nehmen auf unfern Artikel in Nr. 85, 4. Blatt, unter dieser Ueberschrist, sehen wir uns veranlaßt, noch einmal auf dieses belanglose Thema zurückzukommen. Nachdem bereits die französischen Frauenrechtlerinnen bor nicht langer Zeit der Deputiertenkammer eine Petition eingereicht hatten des Inhalts, die Titulatur Mademoiselle aufzuheben zu Gunsten der alleinigen Bezeichnung Madame, glaubten auch ihre deutschen Gesinnungsgenossinnen hinter diesem Vorgeyen nicht zurückbleiben zu dürfen, und so kam es, daß der Berliner „Verein Frauenbildung — Frauenstudium" eine Versammlung abhielt, in der die Frage, ob gegenüber der Bezeichnung Herr dem Weibe in der Anrede der Titel Fräulein oder Frau zukommen, zur Erörterung stand. Das Referat über dieses mit Frauenbildung und Frauenstudium allerdings in keinem ersichtlichen Zusammenhänge stehende Thema hatte ein weiblicher Toktor der Rechte, Fräulein Rafchke übernommen, welche die Sache sehr gründlich an fing, indem sie bis auf Germanen und die Cherusker zurückging und sogar darüber hinaus noch die Schöpfung der Welt in den Kreis ihrer Erörterungen zog. Zur Gegenwart übergehend, betonte sie die Thatsache, daß das neue Bürgerliche Gesetzbuch nur noch von Frauen spreche (einmal freilich von Weibsbildern bei Erwähnung einer gewissen Klasse weiblicher Wesen), die preußischen Rechtsbücher dagegen noch von Frauenspersonen reden, während die Bezeicynung Mannsperson aus ihnen verschwunden sei. Tie städtische Behörde Berlins habe den allgemeinen Titel Frau bevorzugt, indem sie mit dieser Anrede eine Lehrerin bei ihrer Beförderung zur Oberlehrerin „auszeichnete", trotzdem diese unverheiratet war. Tie Bezeichnung Fräulein, einer Verkleinerungsform, der eine gewisse Geringschätzung cmhafte (?) entspräche nicht der Würde und Stellung eines geschlechtsreifen und zu denkender Selbständigkeit herangewachsenen weiblichen Wesens. (!) Man sage ja auch nicht Herrlein zu einem jungen Mann. (!) Ein Weib als nicht verheiratet kenntlich zu machen, sei nicht nötig. Gesetzlich stehe auch nichts rm Wege, daß jedes Fräulein sich Frau nenne; letztere Seibflvezeiu-nung biete auch noch den weiteren Vorteil, daß sie unverehelichte Mütter von mancher schweren Pein befreie. Tie Versammlung nahm schließlich einen Antrag an, wonach jede in ihrem Kreise dafür wirken soll, daß künftighin die erwachsene roeibliaje Person mit dem einzig richtigen Titel Frau bezeichnet werde. — Sollten die Ausführungen des Fräulein Dr. Raschle und der daran sich anschließende Versammlungsbeschluß außerhalb der Gruppe der radikalen Frauenrechtlerinnen, die diese ganze Frage aufgeworfen und zu einer himmel- stürzenden gestempelt haben, wirklich Anklang oder auch nur ein die Kuriosität überschreitendes Jnterv,se in unserer Frauenwelt finden? Wir bezweifeln das sehr entschieden, denn die Mehrzahl unserer Frauen ist ganz gewiß nicht so thöricht, mit solchen durchaus giciajgiltigen Trugen ihre gute Zeit zu vergeuden. Die Gründe, welche Fräulein, oder, wie wir nunmehr sagen müssen, Frau Raschke für ihre Forderung vorgebracht hat, find zudem recht fadenscheiniger Natur. Ein Konflikt zwischen Volksüberzeugung und Spratt)gebrauch, der eine solche Forderung rechtfertigen würde, und wie ibn Frau Ra fache als vorhanden voraussetzt, liegt in Wirklichkeit gar nicht vor, denn mit Ausnahme jener Frauenrechtler, die es fertig gebracht haben, ein solches Thema überhaupt zur Diskussion zu stellen, hat in Deutschland gewiß noch keine unverheiratete Person die Anrede Fräulein als Zurücksetzung empfunden. Im Gegenteil würden zum mindesten gewiß alle heiratsfähigen und heiratslustigen Mädchen sich dafür bedanken, auf einen Titel zu verzichten, der keinen Zweifel darüber zuläßt, daß sie noch „zu haben" sind. Was aber jene unverehelia;te Mütter anbelangt, denen durch die Einführung der einheitlichen Bezeichnung Frau manche Sorge abgenommen werben soll, so kann die Fürsorge für solche Personen feinen Grund bieten, um das anständige Mädchen seines jungfräulichen Titels zu berauben. Ueberdies hieße, eine derartige Verschleierung des Thatbeftandes befürworten, dem Leichtsinn geradezu Vorschub leisten. Daß in der juristischen Amts- fvracyc lediglich von verehelichten und unverehelichten Frauenspersonen die Rede ist, trifft zu, und der Wunsch nach Beseitigung dieser Bezeichnung lafc sich zur Not rechtfertigen. Ein Bedürfnis nach Abschaffung der Unterscheidung zwischen verheirateten und unverheirateten weiblichen Personen ist aber nicht vorhanden, und überdies ist die Bezeichnung Fräulein so tief im Sprachgebrauch eingewurzelt, daß es eine höchst naive Auffassung verrät, zu glauben, daß es gelingen werde, durch die Agitation eines beschränkten Kreises, sie über den Haufen zu werfen. Tie Frauenbewegung selbst aber, deren berechtig ten Kern wir niemals verkannt haben, kann durch soltt)e Auswüchse wie die Fräuleinfrage nur diskreditiert oder lächerlich gemacht werden. Nene Rechtschreibung. Das vom Kgl. Preuß. Kultusministerium hrrausgegebuie amtlicheRegelheft für' die neue deutsche Rechtschreibung, wie solche yon allen deutschen Staaten, sowie Oesterreich und der Schweiz angenommen worden ist und künftig nicht nur in den Schulen, sondern auch im Verkehr sämtlicher Reichsund Staatsbehörden zur Anwendung kommen wird, ist soeben int Verlage der Weidmannschen Buchhandlung in Berlin erschienen. (Preis 15 P,g.> Derselbe Verlag oeröfsentlicht gleichzeitig ein ausführliches Wörterbuch für dte deutsche Rechtschreibung nebst 233 o r ter Harun g en und Verdeutschung der Fremdwörter, von Professor Dr. Gustav Gemß. 8. (280 S.) Gebunden 1.50 Mk. Das narchi den neuen, von den Regierungen des Teutschen Reiches festgesetzten Regeln für die Rechtschreibung, denen sich auch Oesterreich und die Schweiz angeschlossen haben, ausgearbeitete Wörterbuch läßt es sich in erster Linie angelegen sein, die Schreibweise der in der deutschen Schriftsprache vorkommenden Wörter und Redewendungen im weitesten Umfange vorzuführen und zwar in durchaus übersichtlicher Weise. Ten Fremdwörtern sind gute deutsche Uetwrfltzuugen be.g-geb.n, sowie Hinweise auf ihren Ursprung, der in vielen Fällen ihre Schreibweise erklärt. Da bei deutschen Wörtern ihre Herkunft angegeben ist und auch die sogenannten Lehnwörter nebst den Rück- lehnwörtern »and Rückfremdwörtern behandelt werden, so bietet das Buch wichtige Ausblicke auf die Entwicklungsgeschichte unserer Mutter!prache. Die Ausstattung des Buches ist eine vorzügliche, besonders ist-der grche und scharfe Druck hervorzuheben, der, wie das Papier, alle hygienischen Ansprüche erfüllt. Die Kniee waren um- unterm schnallt mit Schellen. Eine große Menge Zuschauer umschloß den Kreis, in dem das Volksschauspiel vvr sich gehen sollte Der Führer der Tänzer begann mit folgender Ansprache: „Ehrenverte, vorachtbare, fürsichtige, wohlweise Herren Schultheißen, Bürgermeister und Rath. Ich und meine Gesellen wünschen den Herren einen guten Tag. Hier sind wir gekommen auf diesen Platz und Plan — einen ehrlichen Schwerttanz wollen wir fangen an." Dann forderte er seine Gesellen auf: „Laßt Eure Schellen klingen — wie die Engel im Himmel singen!". Auf ein Zeichen des Trommelschlägers begann der Tanz in zierlichen Wendungen und begleitet vom Klange der Schellen. Dabei kreuzten sich die Schwerter kunstvoll. Nach dem Tanze wandte sich der Anführer in einem zweiten Spruch an die Zuschauer, indem er sie zum Spenden eines Trinkgeldes! aufforderte: „Ein Kopfstück oder vier — so komme ich mit meinen Gesellen zum Bier — ein Kopfstück oder neun — so komme ich mit meinen Gesellen zum kühlen Wein." Darauf Politische Tagesschau. Es wird „fortgewurstelt"! Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt 16. April: Aus Stadt und Kaud. Gießen, den 17. April 1902. ** Befihwechsel. Der Viehhändler Hermann NebHut wandte sich der Sprecher an die anwesenden Weiber mit der Aufforderung, eine Stiege Eier oder drei zu holen, auch ein Stück aus der Seiten (Speck). „Und sagt, die Katz' hätt's gethan — so wird die Katz belogen — und der Hausvater betrogen." Hierauf wurden das Trinkgeld eingesammelt und die Gaben der Weiber: Eier, Speck und Bratwürste, entgegengenommen. Unter derbem Humor wurden die Vorräte verzehrt. Bis zur einbrechenden Nacht dauerte die Volksbelustigung. Glücklicherweise verlief sie diesmal unblutig, was nicht immer der Fall war, denn das ungeschickte Handhaben der Waffen erforderte bisweilen seine Opfer. Darmstadt, 16. April. Die Hofhaltung des Prinzen Ludwig von Battenberg wird vom 25. ab während der Sommermonate nach Schloß Heiligenberg verlegt werden; Prinz Franz Josef und Familie, welche vom 3. bis 12. d. M. im Prinz Emil-Garten Wohnung genommen hatten, sind zu längerem Aufenthalt nach Baden-Baden abgereist. fc. Gonsenheim, 16. April. 60 Jahre, seit dem 15. April 1842, dient das jetzt 74jährige Dienstmädchen Susanna Ludwig aus Budenheim in dem früher Adjunkt Seib'schcn Hause hier. Geheimrat Provinzialdirektor v. Gagern überreichte der Jubilarin gestern die ihr vom Großherzog verliehene goldene Verdienstmedaille des Ludwigsordens. Susanna Ludwig ist noch in bester Gesundheit und will von einem otium cum dignitate noch lange nichts wissen. Worms, 15. April. Ter Voranschlag für das Rechnungsjahr 1902/03 der Stadt Worms schließt mit einem Defizit. Nach dem dem Voranschlag beigegebenen Vorwort haben die Anspannung der Anschläge für die Einnahmen, sowie die Ausnützung der Ausgabekredite in den letzten Jahren zum Zweck der Vermeidung einer Steuer- erhöhuug den Rest aus dem Vorjahre um nahezu Mark 30 000.— gegen das Vorjahr herabgcmindert. Eine weitere Belastung ist dem Voranschlag durch die im Etatsjahr 1901/02 gleichzeitig erfolgte Neuregelung der Gehälter der städtischen Lehrer und der städtischen Beamten entstanden, sowie durch die Zinsverpflichtung der Stadt bezüglich der 1901 er 31/2 Millionen-Anleihe. Da indes der noch vorhandene Anlehensrest noch ein Zinserträgnis von etwa Mk. 40 000.— erwarten läßt, die in der Einnahme eingestellt wurden, so wird die Zinsenlast erst später in volle Erscheinung treten. Ter erste Abschluß des Voranschlags ergab eine Ausgabe von Mk. 2 434 338.42, und eine Einnahme von Mk. 2 387 283.42, somit einen Fehlbetrag von Mk. 47 055.-x-. Diese Fehlsumme soll aufgebracht werden durch Erhöhung der Preise für Leuchtgas mit Ausnahme des Gasautomatengases und durch Umlagen im Betrage von 26 155.— Mark. werde. Gras Posadowsky erwidert, er könne heute eine bindende Erklärung nicht abgeden, erst müsse die zweite Lesung abgeschlossen sein. Weiterhin erklärte der Staatssekretär, die K 0 m m i si 0 n s b e s ch l ü s s e über die Vieh- und Fleischzölle seien unannehmbar. Darüber lasse er keinen Zweifel, da in diesem Falle Handelsverträge ausgeschlossen seien. Gras Kanitz bemerkt, die Absicht, Handelsverträge zu verhindern, bestehe bei der Kommissionsmehrheit nicht. Der Bundesrat in corpore müsse seine Stellung zu den Beschlüssen festlegen. Es sei nicht opportun, daß einzelne Mitglieder des Bundesrates Erklärungen abgäben. Graf Posadowsky bezeichnet als dringendes Bedürfnis Deutschlands, einen brauchbaren Zolltarif zu schaffen. Dr. Heim (Ztr.) hält die Bindung der Viehzölle für notwendig. Ohne Bindung .kein Zolltarif. Spahn, Gras Schwerin und Ganrp erklären, die Kommission sei zur Weiterberatung verpflichtet. Nächste Sitzung morgen- (Ä soll also doch^ die unfruchtbare Arbeit am Zolltarifentwurf fortgesetzt werden! Tas ist das Resultat der Ge- schästsordnungsdeüatte in der heutigen'Kommissionssitzung. Nach der Erklärung des Grasen Posadowsky besteht die Regierung aus der Durchberatung des Entwurfs, obwohl die Beschlüsse der Mehrheit bezüglich der Viehzölle „in jedem Stadium" ebenso unannehmbar sind wie be- züglick) der Getreidezölle. Ein Teil der Konimissionsmit- glieder, die Abgg. Bebel (Soz.), Fischdeck (freis. Vp.), Tr. Heim (Ztr.) und Dr. Paasche (nl.), drückten mit Recht den Wunsch nach einer baldigen Entscheidung aus. Leider fand der Vorschlag des Dr. Paasche, gleich in die zweite Beratung der bisher erledigten Positionen einzutreten, nicht die genügende Unterstützung. Anders würde es gekommen sein, wenn die Regierung zugestimmt hätte, durch dies Mittel eine klare Situation herbeizufüyren. Man hatte offenbar auf mehreren Seiten erwartet, daß der Regierung damit gedient sei, und man war erstaunt, daß die Regierung, wenigstens bis auf weiteres, vorzieht, die Tinge in der Schwebe zu lassen. Dies Erstaunen dürfte in weiten Kreisen geteilt werden. Ein solches Maß von Opitimismus ist unmöglich bei den leitenden Staatsmännern anzunehmen, daß sie eine „radikale Umkehr"" der Kommissiynsmehrheit durch den Einfluß der Zeit erhoffen. Man hat doch wahrlich bei den preußischen Kanalprojekten erfahren, was bei der Politik des „Fortwurstelns" herauskommt! Tie Kommissionsmehrheit wird um so starrer chren Standpunkt festhalten. Zum Glück ist das Zustandekommen einer Tiätenvorlage für die Zollkommission ausgeschlossen, wegen Nichtbewilligung allgemeiner Reichstagsdiäten. Tenn daß für derartige zwecklose Arbeit obendrein Geld ausgegeben wird, das möchte doch wohl manchem „Steuerzahler"" als ein schier verschwenderischer Luxus erscheinen. Regierung hinsichtlich der gefaßten Beschlüsse möglichslan^ heraopängenden Bändern, sei. Sei dies nicht der Fall, so solle die Kommission jetzt Schicht machen, damit nicht leeres Stroh gedroschen erwarb für 25 500 Mk. das Haus Westanlage 58, das bisher dem Bauunternehmer Gg. Pfaff u. Gen. gehörte. ** Verb and .d er Handelsgärtner Deutsch - land s. Die Verbandsgruppe Großh. Hessen des Verbandes der Handelsgärtner Deutschlands sendet uns folgendes Rundschreiben mit der Bitte um Aufnahme: Die Erklärungen des Staatssekretärs Frhrn. v. Richthofen in den beiden letzten Sitzungen der Zolltarifkommission, daß Zölle aus Gemüse, Blumen usw. in Rücksicht aus das Ausland, besonders Italien, für die Reichsregierung unannehmbar seien, hat in den Kreisen der deutschen Hanöelsgärtner eine gewaltige Erregung hervorgerufen. Mit der Landwirtschaft hat die deutsche Gärtnerei zu den wiederholten Versprechungen der Reichsregierung, die heimische Produktion schützen zu wollen, Vertrauen gehabt, und jetzt sollen die Interessen der Gärtner den Interessen des Auslandes geopfert werden. Daß die Reichsregierung über die schwierigeLage der deutschen Gärtner auch heute noch nicht genügend u n t e r r i ch t e t ist, hat sie durch die B e g r ü n d u n g zu den gärtnerischen Positionen des Zolltarifs bewiesen, trotzdem die zahlreichen gärtnerischen Vereinigungen an Aufllärungsarbeit das Möglichste geleistet haben. Ganz ohne Berücksichtigung sind bei dieser Frage auch die Interessen der mit der Gärtnerei und ihren Bedürfnissen in Verbindung stehenden zahlreichen industriellen Betriebe geblieben. Man will deshalb in gärtnerischen Kreisen immer noch nicht glauben, daß die Negierung verantworten will, daß nur den Interessen Italiens wegen ein zahlreicher Erwerbsstand und dessen Existenzbedingung preisgegeben wird. Man hofft auch, daß die Mehrheit des Reichstages ein derartiges Unrecht nicht zugeben wird, und man ist namentlich sehr enttäuscht darüber, daß sich in der Zolltarifkommission eine Mehrheit für Zölle auf Blumen und Bindegrün nicht hat finden lassen, trotzdem man berechtigt war, eine solche bestimmt zu erhoffen. Man wird es in den gärtnerischen Kreisen an einer ausgedehnten Agitation nicht fehlen lassen, um alles zu versuchen, damit die Kommission in der zweiten Lesung des Tarisentwurfs zu anderen Beschlüssen gelangt. ** Ein „Schwerttanz" in Lollar im Jahre 1650. Germanische Sitten und Gebräuche erhielten sich lange beim Volke auf dem Lande. Einem Reste aus der Zeit der germanischen Volksspiele begegnen wir in den bis zum 17. Jahrhundert üblichen „Schwerttäuzen", wenn auch vielfach abweichend von der ursprünglichen Form. Ein solches Volksspiel, das am 24. November 1650 in Lollar stattfand, ist uns überliefert worden. Veranlassung dazu bot die Vermählung des Erbprinzen Ludwig von Hessen (nachmaliger Landgraf Ludwig VI.) mit der Prinzessin Marie Elisabeth von Holstein-Gottorp, welches Ereignis überall im Lande festlich begangen wurde. Am genannten Tage zog Jung und Alt von Lollar hinaus in die Feldgemarkung; voran Bürgermeister und Rat der Gemeinde. Auf einem freien Platze angekommen, sollte hier der Schwerttanz be- ginnen. Gewöhnlich bestand die Zahl der Tanzenden aus 16 bis 20 Personen. Die Tänzer trugen blanke Schwerter in der Hand: ihre Hüte waren geschmückt mit bunten Bändern oder weißem Tuch. Dabei waren sie bekleidet mit einem Weißen Hemd. Ihre Arme waren umwunden mit Vermischtes. * Eine tiefsinnige Frage geht in Berlin von Mund zu Mund: „Können Sie mir fünf Wochentage ohne a in deutscher Sprache nennen?" Der Gefragte zieht — zumal wenn er Sprachkenner ist — die Stirne in ernste Falten, grübelt eine Weile und bekennt endlich sein Unvermögen. Der Fragesteller aber erwidert triunrphierend: „Nichts leichter als das: Vorgestern, gestern, heute, morgen und übermorgen". So dringen große Wahrheiten in die breiten Schichten der Bevölkerung . . . * Die neueste Mode in der sashionablen Gesellschaft L0nd0ns ist das Tabak-Schnupfen. Dieses Mal sind es aber nicht, wie früher, die alten Herren, die diesem Vergnügen fröhnen, sondern die jüngeren, die „smarten". Sie schnupfen mit ausgesuchter Eleganz, ihnen fehlt aber offenbar die Würde, mit der unsere Vorväter das zu thun pflegten. Der Londoner Sachverständige in Schnupfangelegenheiten ist Mr. Evans, der Besitzer einer schon über zweihundert Jahre alten Schnupftabakfabrik, die in Havmarket im Westend eine Niederlage besitzt. Dieser Herr ist natürlich prompt von einer der Londoner Tageszeitungen interviewt worden. Er bestätigte, daß jetzt bedeutend mehr Leute schnupfen, als in den letzten Jahrzehnten, der Unterschied gegen früher liege mir darin, daß man damals große Schnupftabakdosen benutzte und daß man jetzt die kleineren oorzieht. Der alte Schnupfer pflegte ein viertel Pfund Tabak mit sich herum zu schleppen, während der moderne eine kleine Dose führt, die nur einige Gramm enthält und bequem in der Westentasche getragen werden kann. Früher liebte man ferner einfachen, aber starken Tabak, während er jetzt sehr leicht und stark parfümiert sein muß. Die Nasennerven der heutigen Generation scheinen also empfindlicher zu fein, als die unserer Voreltern, denn niesen will man doch offenbar heute geradeso wie damals; vor hundert Jahren konnte das nur .mit einem schärferen Tabak erreicht werden. Mr. Evans produzierte dann einige in gelbem Leder gebundene Kontobücher, und zeigte, daß seine Firma vom Jahre 1764 an Schnupftabakkontos mit Königen und Peers gehabt habe. Uebrigens zeigen diese Bücher, daß die Schnupftabakpreise sich feit jener Zeit kaum verändert haben. Ein „Schnupftabakdosenfabrikant", der ebenfalls interviewt wurde, erzählte, daß die feinsten Dosen vor hundert Jahren aus einer Art Papiermache bestanden haben, das aus Kartoffelschalen her- gestellt wurde; diese Dosen standen in dem Rufe, das Aroma am besten zu erhalten. Die modernen Behälter werden aus feinem Holz verfertigt. * Aus den Erinnerungen eines Ariisten-Veterans, die er der „Bert. Artisten-Ztg." giebt, verdient folgende weiter verbreitet zu werden. Der Mann erzählt: „Ich stellte mich einmal in einer aübaycrischen Stadt dem Redaklionsgewal- tigen vor. Er erwiderte knurrend meinen Gruß, musterte I mich mißtrauisch und fragte mürrisch: „So fingen wollen's hier? Wo sind S' denn her?" — „Aus der Provinz Brandenburg," erwiderte ich unbefangen. „So", schrie er wütend, „will der Herr Preiß unsere schöne bayerische Trommelfell ruiniren? Der da draußen" — in diesem Augenblick brüllte nämlich auf dem nahen Hofe ein Stück Hornvieh — „ist a Nachtigall gegen so an’n preißischen Spatzenkräher!" — „Flegel", schrie ich erbost und warf die Thür ins Schloß. In der Rezension, die das Blatt des groben Menschen über die Vorstellung brachte, waren meiner Person folgende Zeilen gewidmet: „Auch ein süßlicher Schmachtlappen, ein waschechter Preiß, machte sich anheischig, uns was vorzusingen. Das ist keine Kost für einen gesunden Bayernmagen. Ich bekam Kopf- und Leibweh davon. Und trotzdem üerflieg sich die Geschmacksverirrung so weit, daß der fade Krähmeier beklatscht wurde." Universitäts-Nachrichten. Die Kieler Jnristeufacultät hat an das preußische Abgeordnetenhaus eine Petition gerichtet, in der die Ablehnung einzelner den Geist des Universitätsstudiums und das Ansehen der akademischen Lehrer bedrohenden Bestimmungen des Gesetzentwurfs über die j u r i st i s ch e n P r ü f u n g e n und die Vorbereitung zum höheren Justiz di en st gefordert sind. Als solche bezeichnet die Faeultät die Gestaltung der praktischen Hebungen zu Zwangsübungen, die Zmischenzeugmsse und vor allem die in Aussicht genommenen Controteommissare. Akademische Nachrichten. Man schreibt aus Magdeburg: Der hiesige Frauenarzt, Dr. Biermer, früher langjähriger Assistent des Prof. Fritsch in Bonn, ist als dirigirender Arzt des Elisabethinerinnen-Krankenhaus nach Breslau berufen worden. Nach einer im „Reichsanz." veröffentlichten Zusammenstellung der D 0 e t 0 r - I n g e n i e u r - P r 0 in 0 t i 0 n e n an Technischen Hochschulen wurden im Winterhalbjahr 1901/02 an der Technischen Hochschule zu Dresden 5, an der Technischen Hochschule zu Darmstadt 2 Promotionen vorgenommen. In Italien hat die Frauenbewegung, insofern sie auf die Eröffnung des Un iversitätsstudlums für Frauen abzielt, später begonnen, als in den anderen Eulturlandern, fand aber von Seiten der Behörden jegliche Förderung und macht deshalb reißende Fortschritte. Im Jahre 1900 waren an den italienischen Universitäten 250 Frauen und Mädchen ordentlich immatrikulirt. 1613 Mädchen besuchten die Gymnasien und 3900 Mädchen die Real- und Fachschulen. Inzwischen haben alle diese Zahlen noch erheblich zugenommen. Seit dem Jahre 1877 bestanden das italienische Staatsexamen 257 Frauen und Mädchen, und zwar 140 in Philologie, 37 in Philosophie, 20 in Mathematik, 30 in Naturwissenschaften, 24 in Mediein und 6 in Jurisprudenz. Don diesen 257 Damen scheint aber keine einzige von ihrer Gelehrsamkeit und ihrem Titel zum Erwerb ihres Lebensunterhaltes Gebrauch zu machen. Es handelt sich durchweg um Damen aus wohlhabender Familie, die bei ihren Universitätsstudien Bildung, aber kein Brod suchten. In Erwägung dieses Umstandes lassen auch die italienischen Prüfungseommissionen eine Dame, die sich nach regelrechten Studien dem Staatsexamen unterwirft, niemals durch fallen. (Das ist der Gipfel der Galaiiterie!) Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berlin, 16. April. In der heutigen Sitzung des Aufstchts- rates der Dortmunder Union wurde der Halbjahrabschluß per 31. Dezember 1901 vorgelegt. Derselbe weist bei 155 634 Mk. Gewinnvortrag nach Abzug der Schuldzinsen und Generalunkosten einen Verlust von 497 955 Mark auf. Der entsprechende Zeitraum des Vorjahres ergab für den 31. Dezember 1900 bei einem Ge- winnvortrag von 895590 Mark einen Gewinn von 3 344 595 Mk. Die Halbjahresbilanzziffern haben nur vorübergehende und relative Bedeutung, da erst bei der Jahresbilanz die Inventur und die verschiedenen Abrechnungen Berücksichtigung finden können. An, unerledigten Aufträgen lagen Ende Dezember vor 69 025 Tonnen im Verkaufswerte von 9 546 744 Mark, die sich bis Ende Februar auf 105 527 Tonnen im Verkaufswerte von 13 374 587 Mark erhöhten. Tie Bestände werden dis »um 1. Mai auf die normale Höhe herabgesetzt sein. An Stelle des am 1. Juli ausscheidenden Kommerzienrates Brauns wurde Regierungs- und Baurat Mathies-- Berlin als Generaldirektor gewählt. Mannheim, 16. April. Die Aktiengesellschaft für Eis eirund Bronzegießerei vormals Karl Flink schließt in 1901 mit 64132 Mark Betriebsverlust ab, den der Vorbesitzer deckt (i. Vorj. 109 974 Mark Reingewinn, 5 Proz. Dividende). London, 16. April. Dem „Evening Standard" zufolge wurde die heute aufgelegte Anleihe bereits zehnfach gezeichnet. New-Aork, 16. April. Die Firmen Morgan u. Eo., Baring und Magoun u. Co. in New-Aork, Drexel u. Co. in Philadelphia und Kidder rmd Peabody u. Co. in Boston sind ermächtigt worden, Anmeldungen auf die neue englische Anleihe entgegenzunehmen. Die Generalversammlung der Aktiengesellschaft für Schriftgießerei- und Maschinenbau in Offenbach genehmigte alle Vorschläge der Verwaltung und setzte die Dividende auf vier Prozent fest. Der bisherige Verlauf oes neuen Geschäftsjahres wurde als etwas besser bezeichnet. — Argentinische Werte. Die Kurse der argentinischen Werte haben sich in den letzten Tagen gebessert. Auch das Agio, das schon bis 146.60 gestiegen war, ist etwas zurückgegangen. Es heißt, daß das Gesetz, welches ein Fallen des Agios unter 127 pCt. verhindern sollte, zurückgezogen wird. — Bergwerksünternehmungeu in Deutsch-Südwestafrika. Wie die Swakopmunder „Deutsch-Südwestafrikanische Ztg." berichtet, ist mit dem Dampfer „Gertrud Woermann" am 5. Februar eine _Minenexpedition in Swakopmund eingetroffen. Sie ist von der Firma Ä. Goerz u. Cie., Johannesburg, entsandt und besteht aus den Ingenieuren Herren Kuntz, Stockreither, Cronin, ferner Herrn I. Cost-Budde als kaufmännischem Mitglied und 5 Prospektoren, Herren Hinspeter, Fischer, Schiller, Hamplon und Gadow. Mit 6 Wagen und der erforderlichen Anzahl eingeborener Arbeiter bricht die Expedition in diesen Tagen von Jakatswater aus nach dem zu untersuchenden Gebiete, zwischen Swakop und Kuiseb und weiter nach Süden hinaus, auf. Für die Erforschung und Untersuchung des Gebietes ist zunächst etwa ein Jahr in Aussicht genommen. Herr Ingenieur Kuntz war bereits vor etwa 1V2 Jahren einmal im Lande und hatte damals namentlich die nördlichen Gebiete bereist. — Bau! für Rheinland und Westfalen. Die Generalversammlung hat die Herabsetzung des Grundkapitals um 1666800 Mark durch Abstempelung und Zusammenlegung der Aktien beschlossen. Tie Aktionäre haben ihre Aktien in der Zeit vom 17. Juni bis 17. Juli d. I. einzureichen; erfolgt die Einreichung nicht innerhalb des angegebenen Termins, so werden die Aktien für kraftlos erklärt. Das abgelaufene Geschäftsjahr hat nach Aufzehrung des laufenden Gewinnes und der Reserve von 1 Mill. Ack. einen Fehlbetrag ergeben. Selbstverständlich giebt es für 1901 keine Dividende; für 1900 wurden 3 pCt., 1899 6h, pEt. und 1898 7 pCt. gezahlt. — Die Aktiengesellschaft für Anilinfabrikation hebt in ihrem Geschäftsbericht hervor, daß die Gesellschaft von dem wirtschaftlichen Rückgang weniger betroffen worden fei, weil dank der bestehenden Handelsverträge sich der Absatz über die ganze Welt erstrecke, sodaß der Ausfall in Deutschland durch den Mehrabsatz in anderen Ländern ausgeglichen werden konnte. Die Dividende wurde mit 16pCt. wie im Vorjahr festgesetzt. Märkte. Limburg a. d. L., 16. April. Frucht markt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 14.55 Mk., Weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 10.75 Mk., Gerste 9.46 M., Hafer 8.31 All., Erbsen 0.00 Mk., Kartoffeln 0.00 Mk. Formau — vorzügliches Schnupfenmittel! 2203 O (Ct o s o G (S> c VD o JO JO > -c> jO G G $4 O JO « o « CJ ^T- «» O *ö G o G rr « C-» - o CG G CT- G O G O Oft ,G G Ja *w G lGl L G >O G G §r G e "C -S »T O G " VD O (U) G - C L « -G2 c-> -—• D " Z G CD G G «r £ ö Hu — lGL VD G C <3 x ä g. -Sä N SPitz: G =2 O© o G 'S *§" G> L- «rr -« o >b, ZU uG:C G G ‘5 G G o C >b^ O G G ■__ G -2 *5 c s2"'5d<5^ <7* O >G'® ä G G _M g2*S G G ;d c -_> *3" r-As o £ CG*£ e - o V G « G --g ä C G G ~O E-e® 2Jj= C G G) N G>b.. g J± G 2- Ö gSG)SS o - J j° -- 5?S SL - o "G OG G O » g «r G o ._ • • o c » ® g3^ = r £ ~ o S >6"S 's s s -2. C CKt *2" -5 G _G o 2 CD — O ro O u— CD 2 C ° ° ö - o.S LR G -G «> c* - .L 0 K — «n G G <= G » G Jd LZ G Z .2 G o = © c . LG « G >b § L 2 's 2.^2 ~ C C= - ^ = = 2 =s = ° o ZKK «a (Ul G C 2 va o . <ß> ? ( o ♦*«=> Q $_» C «G <4t -= «S w <*r> C?> JL c _ :C G- 2. , 3 C?^ G G G =C 3 O-«S G G ä^°:E K §g® >b— ©5 JO jo ’c.S 8- ua ‘G «X Ö s r«e G GGh g " 3 O *7 -o 3 S' L 'S =^5 0^2 •e -2 — G® 2 O G cc. Bekanntmachung. Bei den dcnrnächst zu treffenden Anordnungen für Anschlüsse an die städtische Kanalisation werben voraussichtlich folgende Bestimmungen getroffen werden: Sämtliche Aborte sind mit Wasserspülung und Wasseroerschluß au versehen; die Spülung muss aus besonderen Spülbehälterm erfolgen; unmittelbarer Anschluß der Abortbecken an die Wasserleitung ist verboten. Zur Ableitung unreiner Flüssigkelten dürfen innerhalb der Gebäirde nur starkwandige gußeiserne Muffenrohre nach den im Jahre 1898 vom Architekten- unb Ingenieur-Verein aufgestellten Normalien verwendet werden. Die Fallrohre dürfen nicht mehr als 10 cm die annähernd wagerechten Rohre nicht mehr als 15 cm Durchmesser im Lichten haben. Die Dichtung der Muffen muß durch -Panfstrick und verstemmten Bleiverguß erfolgen. Tie Fallrohre sind im aleichen Durchmesser als Dunstrohre über Dach zu führen und mit Regenkappe zu versehen. Das eigentliche Dunstrohr, bezw. der letzte Llufjatz des Fallrohres kann aus Zinkblech bestehen. Es wird sich enipsehlen, bei Neubauten die betreffenden Anlagen schon jetzt entsprechend einzurichten. Gießen, den 7. Oktober 1901. 3068 Groß herzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister, Abt. A, wurde heute eingetragen: In die Firma „Heinrich Sack II." zu Heuchelheim ist Kaufmann Heinrich Iughardt zu Gießen als persönlich haftender Gesellschafter eingetreten. Firma ist geändert in „Sack & Iughardt" und offene Handelsgesellschaft seit 1. April 1902. Die Ausstände und Passiva sind weder auf die neue Firma, noch auf den Teilhaber Heinrich Iughardt übergegangen. Gießen, am 14. April 1902. 3085 Großherzogliches Amtsgericht. Julchneide -Lehranstalt Grünbergerftratze 14 a (Mittelbau). Matzuchmcu, Musterzcichueu, Zuschueiden und Verarbeiten kann jede Dame gründlich erlernen. 1819 Der Kursus beginnt am 21. April 1902. Lina Petri, geprüfte Lehren». Montag brn21. lprillD02, nachmittags 2‘ 8 Uhr, werden auf hiesigem Orlsgericht die den Christian Löbcr (1.) Erben gehörigen Grundstücke, ivie solche bereits im Gießener Anzeiger näher verzeichnet sind, einer drillen und letzten Versteigerung curSgesetzt. Bei annehmbarem Gebot wird der Zuschlag alsbald erteil:. Gießen, den 14. April 1902. Großh. Orlsgericht Gießen. Gros. 3012 Freitag den 18. April 1902, nachmitt.3 Nhr soll auf Anslehen des Vormundes Christoph Strich, der der Louise Rau von Wieseck zustehende Garten an der Chaussee von Oltenen nach Wieseck gelegen, mit Draht emgezaunt und mit Obslbäumen bepflanzt, 1604 qm hallend, an Ort und eteUe öffentlich meistbietend auf 3 Jahre verpachtet werden. 2951 Gießen, den 10. April 1902. Gr. Orlsgericht Gießen. Gros. Gascokes. Infolge Stadtverordneten-Beschlusses vom 10. April d. Js. tritt etne PttisemWWg unserer Wecks ein und wurden die Preise derselben bis auf welleres festgescht wie folgt: Für den Centner ab Verkaufsstelle: Stück-Cotcs .............. 1,10 Mk. Nuß-Cokcs, ausschließlich trocken gelagert, in zwei verschiedenen Korngrößen fürStubenheizung und für weite und enge Ofenfchächte passend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnitt-- llche Korngröße des Anthraeit, gang« barste Sorte . . . . . . . . . 1,25 Mk. Größe 9tr. 2, kleiner als durchschnitlliche Korngröße des Anthraeit ...... 1,30 Mk. Ju Wagenladungen von mindestens 36 Gentnern: Stückcokes ....... 1,05 Mk. Srutzcokes Nr. 1.....1,20 „ Nußcokes 9h:. 2.....1,25 „ Bei Entnahme von mindestens 200 Gentnern: Stückcokes.......1,— Mk. Nnßcokes 9ir. 1 .... . 1,15 „ Nußcokes Nr. 2.....1,20 „ Für Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons bezieheir, ermäßigt sich der Preis um loeiterc 5 Pfg. pro Gentner. Für Anfuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Centner berechnet. t , NB. Sofern das Verbringen der Cokes — bis zu 6 Gentnent — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall 2c.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centner Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der gkiiwtttof dkl Cascovs von 1 bis 5 Centner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alieestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 33 und 34, Gebr. Kahl, ^ranksurterstraße 151, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor 9!achfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Licherstraße 2, August Struck, Bismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgaffe 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise der Gascokes samt Anfichr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Gentnern. Tie Preise unserer Gascokes für die Tlbnehmcr außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Octroirückvergütung von 4 Pfg. für den Gentner. Gießen, den 16. April 1902. 3086 Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. 3087 aufgehoben. Fluß- und Seefische ÜesiliiageiauidenKopf WlWWen Gießen, den 15. April 1902. Großherzogliches Amtsgericht. Kstnkursnetfahttn. Das Konkursverfahren über den Nachlaß des Schriftsetzers Ludwig Rohrbach zu Wieseck wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins hierdurch J. M. Schulhof Telephon 119. 314 Prompter Versandt nach ausw. trifit jeder, der statt werthloser Nachahmungen nur das allein echte I iplijn’s Puddingpulver LiuUig .mildernBäckBrjonoBn* (D. R. P. A. No. 7402) verwendet, üeberall käuflich. Meine & Liebig, Hannover. Aelt. Puddingpulv.-Fabr. Deutschi. Man verlange ausdrücklich für Fahrräder Pneumatic beste und billi Fleischfaser- MM-Mea von 3008 Gebr. Herbst, Magdeburg Pfund 20 Pfg., 50 Pfd. 9 Mk. enrpsehlen Adolf Bieler, Marktstraße &. Carl Herber, Seltersweg 58. Tinoxa ist das beste, sicherste Mittel gegen. Motten. Pack 20 Pfg. 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