Nv.«4 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem k-sfllchev Landwirt die Siegener Zanrilien- dlätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Univers.-Buch- u.Slein- druckerei (Pietsch Erdeis Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Ftrnsprrchanschlutz Nr. 51. Zweites Blatt. 15Ä. Jahrgang Montag 17. März 1903 Bezugspreis: monatlich 75Ps., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für bte Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MM " " zeigenteil: Hans Beck. GietzenerAnzeiger *'-y General-Anzeiger v ** $U heutige Yummer umfaßt 10 Seite«. Deutsches Reich. Berlin, 16. März. Aus Kiel wird fron heute gemeldet: Das Linienschiff ,Kaiser Wilhelm IL" mit dem Kaiser und der Kaiserin sowie dem Drinzen Adalbert an Bord, ist vorgestern nachmittag in die Schleuse eiu- gelaufen. Der Kaiser und Prinz Adalbert befanden sich auf dem Achterdeck. Später ging letzterer auf die „Charlotte" über. Heute vormittag fand auf Deck des „Kaiser Wilhelm IL" Gottesdienst statt. An dem Gottesdienst nahmen der Kaiser, die Kaiserin, Prinz Adalbert und die Prinzen Eitel Friedrich, August Wilhelm und Oskar teil. Später begab sich der Kaiser, in der Uniform des 1. Seebataillons, mit Gefolge nach dem Exerzierschnppen der Kaserne des 1. Seebataillons, wo die Ue b ergäbe des Fp-hn en- bpndes der Chinamedaille stattfand. Im Exer- zierhause hatte das Seebataillon Paradeaufstellung genommen und dort empfingen Admiral v. Köster und Generalmajor v. Hopfner den Kaiser. Auch waren zahlreiche Offiziere der Garnison zugegen. Die Musik spielte den Präsen- tirmarsch. Se. Majestät schritt die Front des Bataillons ab und hielt eine kurze Ain sfr rache. Hierauf liest der Kaiser das Fahnenband überreichen, woraus der Bataillons- kommaudeur Major v. Barsewisch seinen Dank aussprach Beim Verlassen des Exerzierhauses nahm Se. Majestät den Parademarsch des Seebataillons ab. — Wie aus Hamburg telegraphiert wird, hat der Kaiser dem Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie Ball in den Roten Adlevorden 2. Klasse mit der Krone und dem ersten Vorsitzenden des Aufsicytsrats der Ham- brg^Amerika-Linie Tietgend den Roten Adlevorden 3. Klasse verliehen. Gleichzeitig wird aus Bremen telegraphiert, daß der Kaiser dem Präsidenten des Norddeutschen Lloyd Geo Plate und dem Generaldirektor des Norddeutschen Lloyd Wiegand den 'Kronenorden 2. Klasse mit Brillanten verliehen had — Dem Präsidenten des Bremer Senats Oberbürgermeister Gröning ist von dem Kaiser folgendes Telegramm zugegangen: Der herrliche Empfang, der Mir gestern in der altehrwürdigen Hansestadt bereitet ist, hat Meinem Herzen besonders wohl gethan und wird Mir unvergeßlich bleiben. Dem Senat wie der Bürgerschaft danke Ich daher auf das Innigste für diese große Aufmerksamkeit. Hocherfreut hat Mich auch die reiche und geschmackvolle Blumenspende der Frauen und Jungfrauen Bremens, denen allen Ich von ganzem Herzen Meinen wärmsten Dank ausspreche. Aüf Wiedersehen! — Der Kaiser wird front 10.—16. Mai in Wiesbaden während der im dortigen Königlichen Schauspielhause stattsindenden Festspiele -anwesend sein und bei diesem Anlaß, nach hem Trauerfall in feiner Familie, zum er flennt nie wieder öffentlich Has Theater besuchen. — Aus Bermuda wiä> gemeldet: Die „Hohenzollern" ist, nachdem sie Kohlen eingenommen hat, am 14. d. M. von hier wieder in See gegangen. — Prinz Heinrich soll nach den diessommerlichen Flottenübungen das Kommando über das erste Geschwader, das er dann zwei volle Jahre inne hatte, abgeben. — Der Prinzregent fron Bayern hat auf ein von dem stellvertretenden Staatssekretär des Reichsmarineamts an ihn gerichtetes Glückwunschtelegramm nachfolgende Antwort gesandt: ,stDie Mir namens der kaiserlichen Marine zu Meinem heutigen Geburtsfest dargebrachten freundlichen Glückwünsche haben Mich, aufrichtig erfreut und sage Ich hierfür von Herzen Dank. Gerne gebe Ich hierbei die Versicherung, daß Mein Interesse für das ferne Gedeihen der Marine derselben stets erhalten bleiben wird." — Dem Generalfeldmarschall Grafen Waldersee wurde der ihm von der Stadt Hamburg verliehene Ehrenbürgerbries durch, den SenatssekrehLr Dr. Hagedorn überreicht. — Die Veränderungen in den höchsten militärischen Kommandostellen, die am 22. Marz erfolgen, werden außergewöhnlich umfangreich sein; denn es handelt sich nicht nur um die Besetzung zweier Korpskommandos, sondern auch um die einer ganzen Anzahl Divisionen, einer Kavallerieinspektion und mehrerer Festungsgouvernements. Es ist sicher, daß eine Versetzung von Armeekorpsbomman- beuren nicht ftattsinden wird, es wird also der General fr. Lign itz das dritte Armeekorps weiterführen, da Prinz Friedrich Leopold ein Armeekorps nicht erhält. — Reichskanzler Graf Bülow ist von seinem Unwohlsein, während dessen er die Geschäfte übrigens nicht abgegeben hatte, wiederhergestellt. — Wie in vatikanischen Kreisen verlautet, wird Erzbischof fron Köln, Sim ar, im nächsten Konsistorium den Purpur erhalten. — Ein Berichterstatter will wissen, das Trauerreglement vom 7. Oktober 1797 betreffend die Landestrauer und die als Ergänzung dazu ergangene Kabinettsordre vom 18. November 1845 würden demnächst auf Bestimmung des Kaisers abgeändert werden, — Das deutsche Vizekonsulat in Fez wurde in ein Konsulat mit diplomatischem Charakter verwandelt. England und Frankreich haben nur Vizekonsulate dort, andere Mächte sind überhaupt nicht vertreten. Nürnberg, 16. März. Heute abend ift der Kron- prinz über Augsbrrrg aus der Schweiz kommet», hier eingetroffen und von iben Spitzen der Bahnbehörden sowie den Bürgermeistern empfangen worden. Ausland. London, 15. März. Wie aus Peking gemeldet wird, empfingen die Gattinnen der Vertreter der verschiedenen Mächte fünf Prinzessinnen des kaiserlichen Hofs. Eine derselben war von der Kaiserin beauftragt, den Damen der Gesandtschaften ihre Grüße zu übermitteln und gleichzeitig die Hoffnung auszudrücken, daß die gegenwärtigen guten Beziehungen auch in Zukunft fortbau em. Paris, 16. März. Wie die Blätter berichten, soll ein Attentat gegen den General Roussai in Vincennes verübt worden sein. An zuständiger Stelle will man die Meldung weder dementieren noch bestätigen. Budapest, 16. März. Aus Anlaß der Jahresfeier zum Gedächtnis der Einführung der Preßfreiheit bekränzte das Publikunt das Petösi-Denkmal. Von dort zog eine tausendköpfige demonstrierende Menge vor das Nationaltheater, wo keine nationale Trikolore gehißt war. Berittene Polizisten schritten gegen die lärmende Menge ein. Die Geschäfte in der Straße wurden geschlossen; ein Polizist wurde durch einen Steinwurf verletzt. Mehrere Verhaftungen erfolgten. Da die Menge sich trotzdem wieder zusammenrvttete, zersprengte eine zweite Attacke berittener Polizisten die Demonstranten. Newyork, 16. Vtärz. Nach einem Telegramm aus Colon ist General Castro mit 400 Mann Negierungstruppen dort angekommen und nach Panama vorgerückt. Wie berichtet wird, sind am 22 .Februar bei Aguadnlce 550 Liberale und 250 Regierungstruppen getötet worden. Der Oberst fron den Liberalen llribe befindet sich unter den Gefallenen. Newyork, 16. März. Botschafter fr. Hol leben dinierte bei dem Präs identen Roosevelt. Dies wird als Zeichen dafür angesehen, daß die Afsaire Witte vollständig einflußlos geblieben ist. König Eduard hat, einerseits angesichts der bevorstehenden Krönungs- feierlichleiten, andererseits angesichts der fortwährenden Mißerfolge seines Heeres auf dem südafrikanischen Kriegsschauplätze, schwere Sorgen. Er sieht, daß die Kriegstüchtigkeit der britischen Truppen immer mehr abnimmt, und das muß nachgerade zu erheblichen Bedenken führen. Nachdem es erst vor wenigen Tagen, kurz nach Delareys Sieg über Lord Methnen bei Twee- bosch, Dewet und Steyn geglückt war, die verschiedenen Blockhauslinien attscheinend unbemerkt zu passieren und die Eisenbatzn Bloemfontein—Pretoria in westlicher Richtung nördlich von Wolvehoek Station zu überschreiten, ift es nun auch dem Gros der im nördlichen Teil des Oranje- Freistaates bis dahin stationiert gewesenen Buren unter Führung des schon früher mehrmals genannten Kommandanten Meutz gelungen, die Blockhaushütte zwischen Heilbron und Wolvehoek zu forcieren. Dies ist das Resultat des neuen großen Kesseltreibens des britischen Oberbefehlshabers. Es ist daher nicht verwunderlich, daß das Gerücht geht, Lord Wolseley begebe sich im Auftrage des Königs nach dem Kap, um dem Monarchen persönlich über die wahren Zustände auf dem Kriegsschauplatz Bericht zu erstatten. Lord Wolseley besitzt das hohe Vertrauen und die Freundschaft des Königs, der ihn seiner Zeit als Delegierten zur Ankündigung seines Regierungsantritts an die fremden Höfe schickte, steht aber mit dem Kabinett und der jetzigen Armeeleitung auf schlechtem Fuße. Deshalb ift die Regierung bemüht, seine Reise als privater Natur und bedeutungslos hinzustellen. Wie dem Pariser Blatt „Rappel" aus dem Haag berichtet wird, hat ein Kurier des Präsidenten Krüger die Reise nach Transvaal angetreten, mit Telegrammen für die Burenführer. In den letzten Tagen traf ein Kurier aus Südafrika bei ihm ein mit wichtigen Depeschen, die geheim gehalten werben, um die Pläne Bothas nicht zu durchkreuzen. Ter Bruder des französischen Obersten Villebois Ma- reuil hat sich mit der Bitte an die englische Regierung gewandt, eine Ambulanz den Buren zur Verfügung stellen zu dürfen. Man glaubt allgemein, daß diese Bitte gewährt werden wird. In der italienischen Kammer richteten zwölf Deputierte der äußersten Linken an ben Minister des Aeußern die Frage, ob er nicht glaube, daß in An betracht der Ereignisse in Südafrika der Augenblick gekommen sei, eine Intervention Europas zu veranlassen. Minister Prinetti erklärt, um eine solche Initiative zu ergreifen, müßte wenigstens einige Hoffnung vorhanden sein, daß sie Erfolg haben könnte. Ihm — Prinetti — schienen die Antwort Englands auf die niederländische Note und die wiederholten Erklärungen der englischen Regierung im Parlament nicht die Hoffnung zuzulassen, daß eine Einmischung in den Streit mit den Buren bei der englischen Regierung wohlwollende Aufnahme finden könnte. Ter Minister sagt, er könne sich den Wünschen der Fragesteller bezüglich einer baldigen Beendigung d:s Krieges, der beiden Setten so viel edles Blut koste, anschließen, er könne aber nicht versprechen, eine Initiative zu ergreifen, die von vornherein jede Wahrscheinlichkeit auf Erfolg aus sch ließe. Tie Weigerung, die gewünschte 'Initiative zu ergreifen, sei aber keineswegs als Beweis einer wenn auch noch so geringen Erkaltung in unseren Beziehungen zu England anzusehen. Die wiederhergestellten guten Beziehungen zu Frankreich hätten die Freundschaft zwischen England und Italien in feiner Meise beeinträchttgt. Zum Beweise dessen würde es genügen, auf die „edlen und herzlichen Worte" hinzuweisen, die kürzlich der englische Kolonialminister Chamberlain gegenüber Italien gesprochen hat, als er zur Verengung der Sympathie für Italien erklärte, daß eine Verfügung, die eine Verletzung unseres Gefühls und unserer Sprache bedeute, abgeändert werde. Die Beziehungen zwischen Italien und England könnten niemals herzlicher und inniger als jetzt fein.___________________ AgrarMc. Eine Antwort an Herrn Professor Weh. Auf den Artikel in Nr. 63, 3. Blatt, des „Gieß. Anz." gestatte ich mir folgendes zu erwidern: Auch ich bin der Ansicht, daß die Zugrundelegung der Verhältnisse im Kreise Lauterbach durch die Gießener Handelskammer nicht zutreffend ist, ebensowenig zutreffend ist es aber auch, wenn man aus einzelnen Betrieben schließen will, daß schon bei drei Hektar die Grenze beginne, bei der im Durchschnitt Getreide verkauft lverde. Es giebt große Bezirke in Deutschland (Gebirgsgegenden), bei denen auch bei 7 bis 10 Hektar nicht ein Loth Getreide verkauft wird, dafür mache ich mich anheischig, jederzeit den Beweis zu liefern. Nehmen wir aber aucy an, alle Besitzer unter zehn Hektaren verkaufen Getreide, der Durchschnittspreis des einzelnen Besitzers ift 3 ein Drittel Hektar, der gesamte Besitz dieser Größenklasse beträgt im Reiche 8 222 723 (von insgesamt 31869 972 Hektar also rund 26 Prozent). Also um den wirklichen Bauern (d. h. den Kleinbauern) von den Zöllen 26 Prozent zuzuwenden, müßten 74 Prozent an den großen Besitz gezahlt werden. Die 24 991 Besitzer über 100 Hektar haben beinahe soviel Besitz (7 786 263 Hektar) wie die 4 617 412 Eigentümer bis zu 10 Hektar. Gerade diese Ziffern sind es, die doch auch Freunden der Getrlldezölle zu denken geben sollten. Ist einmal eine Unterstützung der kleinen Besitzer geboten, dann muß eben ein anderer Weg gefunden werden. Die paar Pfennige, die der kleine Besitzer an Getreidezöllen! einnimmt, werden mehr wie abferfriert durch die Zöll e auf alle anderen Gebrauchsgegenstände und gerade die schlechte wirtschaftliche Lage der Kleinbauern, zeigt deutlich, daß eine 24 jährige Getreidezoll - Aera ihnen keinen Nutzen gebracht hat. Aber es kommt noch ein weiteres hinzu. Gerade in Hessen find in den letzten 20 Jahren Preise für die Aecker bezahlt worden, die viel zu hoch sind, um rentieren zu können. In Eckartshausen, Kreis Büdingen, sind 6—8000 Mark pro Hektar bezahlt worden; in Erksdorf, Kreis Kirchhain, (mittlere Höhen- und Bodenlage) wurden noch voriges Jahr ca. Mark 4000 pro Hektar bezahlt. Erhöhte Zölle würden diese, für bie Landwirtschaft ungesunde Entwickelung fördern und jeder derzeitige Besitzer befindet sich genau wieder in der mißlichen Sage seiner Vorgänger. Ebenso werden die Bodenzinse steigen; unter den 921759 Betrieben von 1—5 Hektar in Preußen sind nur 387-207 mit eigenem Besitz, die übrigen sind ganz oder teilweise Pächter; für das Pachtland wird ein Steigen der Getreidepreise erhöhte Pachlpreise im Gefolge haben und dem Bewirtschafter glitte nur ein größeres Stück Geld durch die Hand, aber nichts davon ferne in seine Tasche. Einem großen Pächter in Utphe bei Hungen wurde bereits vor einigen Wochen 16 Mark pro Hektar Pacht mehr gefordert mit dem ausdrücklichen Hinweis auf die durch erhöhte Zölle zu erwartenden' höheren Getreidepreise. Sind nun die Bevölkerungsklassen, die hauptsächlich die Zoll-Opfer bringen sollen, wirklich fo- fituiert, um die hunderte Millionen aufzubringen? Ich kann Herrn Wetz nur empfehlen, auch einige Zeit die Lage der Handwerker, kleiner Geschäftsleute, Arbeiter, kleiner Beamten usw. zu studieren; ich habe allen Respekt vor feinem Mitgefühl für die Landwirtschaft; fron seinem Gerechtigkeitsgefühl darf man aber auch Haffen, daß er die Not betet Stände, welchen neue Lasten aufgebürdet werden sollen, nicht außer Betracht läßt. Läge die Sache so einfach, daß man ein „Eselein streck Dich" hätte, dessen Dukaten man den Landwirten nur zu geben brauchte, fein Mensch in ganz Deutschland würde auch nur ein Wort gegen erhöhte Zölle sagen, solange aber von den ärmsten Bevölkerungsklassen die Mittel aufgebracht werden sollen zu einer Zollpolitik, so lange haben diese das Recht sich zu wehren. Mancherlei Mittel sind es, die ohne der Allgemeinheit zu schaden, zum Nutzen der Landwirtschaft angewandt werden können; ich nenne nur einzelne: Verkürzung der Militär dien st zeit, Herabminderung der Gemeindelasten, event. Uebernahme auf den Staat, Feldbereinigungen unter möglichst er Schonung der kleinen Bauern, Staatskredite gegen billigen Zinsfuß an die Gern e i n d e n, Förderung der Viehzucht, des Obstbaues, volle Entschädigung der Verluste durch Viehseuchen, Feuer- und Hagelver« sich ernng auf staatlicher Grundlage mit billigen Prämien, usw. uüv. Fehlt es hierzu an Geld, stimme ich mit Vergnügen für einen Zuschlag zur Einkommensteuer frei Ein kommen ü b er 3000 M ar k. So stelle ich mir die Wege vor, der Landwirtschaft zu helfen, ohne die übrigen 64 Prozent der Bevölkerung in ihren unle ist urig sfäh igsten Massen hart zu belasten. Sein Schlußurteil, „landwirtschaftliche Zölle ober Rotstandsarbe iten" halte ich für ganz unzutreffend. Im Gegenteil: Bei den derzeitigen Forderungen der Agrier ist, wenn sie durchdringen, ein Zollkrieg aller gegen alle die sichere Folge. Damit ist unser Export vernichtet und hunderttausende Menscherr sind brvt- resp. arbeitslos. Sck>on jetzt ist die Notlage der Industrie nicht zum kleinsten Teil hervor gerufen durch die wirtschaftliche Unsicherheit d-er gesamten ^Exportiudustrie. Alle Zölle werden dem Bauern nichts nützen, wenn nicht kaufkräftige Konsumenten vorhanden sind. Die ganze Schutzzollpolitik, wie sie durch den Bund der Landwirte und seine Freunde getrieben wird, laust in letzter Linie auf eine schwere Schädigung der Konsumenten und eine Bereicherung des Großgrundbesitzes hinaus. Die Zucker- und Spiritus-Protektionswirtschaft sind warnende Beispiele, wohin uns mitsamt den Produzenten die Hochschutzzöllnerei hinführt. Trusts und Syndikate, die sicheren Folgen jeder wirtschaftlichen Absperrung würden schon dafür sorgen, daß der eventuelle Gewinn durch Zölle nicht den Bauern, sondern den iGr o ß- kapitalisten zu gute käme. Auch diese Seite der Zollpolitik dürfte manchem die Freude an Zöllen gründlich verbittern. E. Krumm. Aus Stadt und Sand. --achrichterr von allgemeinem Interesse sind uns stets willlommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 17. März 1902. — ' Ähre Königliche Hoheit die Großherzogin hat in einem .an den Vorsitzenden des Vereins zur Erhaltung ober- jhessischer weiblicher Volkstrachten gerichteten Schreiben .mitgeteiti, daß sie sich bewogen gefunden habe, das Protektorat über den Verein niederzulegen, — mit der Bitte, dem Vor- -siand und den Mitgliedern des Vereins hiervon in geeigneter Weise Kenntnis geben zu wollen, und mit dem Wunsche, daß tote vereinten Bestrebungen zur Wahrung hessischer Eigenart und Sitte immer weiteres Verständnis finden und auch fernerhin von den besten Erfolgen begleitet sein möchten. * * Audienzen. Der Großherzog empfing am 15. März ti. a. den Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich von Gießen. * * Ernennungen. Der Großh erzog hat den Bau- aufseher-Apiranten Haller aus Offenthal zum Hochbau- auffeher bei dem Hochbauamt Dieburg und den Gefangen- auffeher Lang zu Gießen mit Wirkung vom 17. März zum Steueraufseher bei dem Salzsteueramt Wimpfen ernannt. * * Das Regierungsblatt Nr. 11, ausgegeben am 14. März 1902, enthüll eine Anweisung, die Sterbcquartale der Staatsbeamten und Volksschullehrer betreffend. * * Die hessische Landeslotterie scheint mit der thüringrsch- anhaltischen Staatslotterie vereinigt werden zu sollen. Wenigstens kommt aus Weimar die Nachricht, daß der dortige Landtag den Beitritt des Großherzogtums Hessen ßur Gemeinschaft der thüringisch -anhaltischen Staatslotterie beraten und der weimarischen Regierung die Ermächtigung erteill haben soll, einen solchen Vertrag abzuschließen. Wir meinen, daß uns eine solche Vereinigung nur erwünscht sein kann; denn dadurch wird auch die Möglichkeit geschaffen, die Chancen der Lotteriespieler wesentlich zu erhöhen. * * Hessische Handwerkskammer. Am Freitag Nachmittag trat in den Räumen der Handwerkskammer Hannover der Ausschuß der Deutschen Handwerks- und Gewcrbekammern zu einer Sitzung zusammen. Anwesend waren die Vertreter von Berlin, Darmstadt, Dortmund, Hannover, Lübeck und München. Zur Beratung standen die Fragen über Einführung bes Befähigungsnachweises für das Baugewerbe und Gewinnung von Material zur Feststellung der Grenze zwischen Fabrik- und Handwerksbetrieb. Mit letzterer Aufgabe wurden betraut die Kammern Berlin, Darmstadt, Dortmund und Lübeck. Der Einführung möglichst einheitlicher Meisterbriefe und dem Erlaß eines Preisausschreibens zum Erhall eines Leitfadens über die allgemeinen Kenntnisse, welche bei der Meisterprüfung gefordert werden sollen, sttmmte der Ausschuß zu. In Ausführung der Verhandlungen des letzten Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages hatte die Kammer Darmstadt einen Entwurf zur Regelung des Submissionswesens dem Ausschuffe unterbreitet, der ebenfalls in allen Teilen eingehend durchberaten wurde. Die nächste Ausschußsitzung wird Anfang Juli in Eisenach stattfinden und als Ort für die Abhaltung des 3. Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages wurde mit Rücksicht auf die günstige Lage Leipzig gewählt. * * Erlaubniserteiluug. Der Kaiser hat dem Gesandten in Darmstadt, Prinzen zu Hohenlohe Oehringen, die Erlaubnis zur Anlegung des demselben verliehenen Großkreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteill. * * Eisenbahnpersonalien. Versetzt wurden die Stations- Assistenten Lotz von Curye nach Butzbach, Unverdroß von Vllbel nach Frankfurt, Bibricher von Butzbach als Stattonsverwalter nach Kerkerbach. — Ernannt: Packmeister Ohr von Gießen zum Zugführer. * * Das Verordnungsblatt für die evange- lische Kirche des Großherzogtnms, Nr. 2 hat folgenden Inhalt: Ausschreiben Nr. 3 vom 14. Febr., betr. Gehalt der Organisten. Verzeichnis der im 4. Vierteljahr 1901 genehmigten Schenkungen und Vermächtnisse für evangelisch? kirchliche Zwecke. Dienstnachrichten. Aufforderung zur Bewerbung. Notiz. Nr. 3 hat folgenden Inhalt: Ausschrleiben Nr. 4 vom 28. Febr., betr. die Feier des allgemeinen Buß^- und Bettags. Ausschreiben Nr. 5 vom 28. Febr., betr. die Palmarums-Kollekte. (Auch in diesem Jahre soll mit Genehmigung des Großherzogs am Sonntag Patmarum in den evangelischen Kirchen vor- und nachmittags eine Kollekte zur Unterstützung von hilfsbedürftigen evangelischen Gemeinden unseres Landes, die an Orten mit überwiegend katholischer Bevölkerung bestehen, erhoben werden.) — Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben: die evangelische Pfarrstelle zu Dalheim und die evangelische Psarrstelle zu W o l f s k e h l e n; dem Frhrn. v. Gemmingen steht das Präsentattonsrecht zu. Ernannt wurden: Pfarrverwalter Be rnbeck zu Schlitz (erste Pfarrstelle) zum Verwalter der zweiten Pfarrstelle daselbst; Pfarrer Waldeck zu Beerfelden, Verwalter der ersten Pfarrstelle, zum Verwalter der zweiten Pfarrstelle daselbst; Pfarrvikar Becker zu Hopfgarten zum Pfarriverwalter daselbst. — Gestorben sind: der evangelische Pfarrer Frey zu Hopfgarten in Naurod i. T. am 10. Febr.; der Verwalter der evangelischen Pfarrstelle Holzhausen Schuldirektor i. P. Pfarrer Vigelius zu Holzbausen am 18. Febr.; der evangelische Pfarrer Sachs zu Dalheim am 20. Febr.; der evangelische Pfarrer i. P. Dr. Müller von Petterweil in Friedberg am 23. Febr. * * Der Fahrplan der zur Kgl. Eisenbahndirektion Kassel gehörigen Strecken, der vorn 1. Mai 1902 ab gültia ist, ist soeben erschienen. *♦ Das Verordnungsblatt für die eyangelische Kirche des Großh. Heffeu Nr. 3, ausgegeben am 7. März, enthält I. Ausschrciben des Großh. Obeckonsistoriums an die evangelischen Pfarrämter (Nr. 4) vom 28. Februar 1902, die Feier des allgemeinen Buß - und Bettags betreffend. Für dieses Jahr haben der alten frommen Sitte gemäß Seine Kgl. Hoheit der Großherzog für den allgemeinen Buß- und Bettag, der am Sonntag Palmarum (23. März) stattfindet, die in allen evangelischen Kirchen der Predigt zu gründe zu legenden biblischen Texte ausgewählt und bestimmt, und zwar: 1) Für den Vormittag: Lukas 19, 42. Jesus sprach: Wenn doch auch du wüßtest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet I Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. 2) Für den Nachmittag: Hebräer 13, 9. Es ist em köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade. Sodann folgt der Wortlaut einer am Sonntag vorher zur ernsten, würdigen Begehung ermahnenden Ansprache. II. Ausschreiben Nr. 5 vom 28. Februar 1902, die Palmarums-Kollekte betreffend. III. Aufforderung zur Bewerbung. Zur Wiederbesetzung wird ausgeschrieben: die evangelische Pfarrstelle zu Dalheim, Dekanat Oppenheim. ** Die neuen Postwertzeichen. In Bezug auf die Einführung der neuen Postwertzeichen vom 1. April ab hat das Reichspostamt nähere Bestimmungen erlassen, nach denen in der Zeit vom 20. bis einschließlich den 31. März alle beteiligten Stellen alte und neue Postwertzeichen neben einander vorrätig zu halten haben. Das Publikum ist in der Zeit vom 20. bis 31. März beim Einkauf aller Postwertzeichen darauf aufmerksam zu machen, daß diese nur bis einschließlich den 31. März gelten, und beim Einkauf oder Eintausch neuer Postwertzeichen darauf hinzuweisen, daß diese erst vom 1. April ab Giltigkeit haben. ** Das Regierungsblatt Nr. 10, ausgegeben am 12 März, enthält: Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldverschreibungen auf den Inhaber durch die Stadt Bad-Nauheim betreffend: Der Stadt Bad-Nauheim ist in Gemäßheit des § 795 des Bürgerlichen Gesetzbuchs und des Artikels 67 des Hessischen Ausführungsgesetzes zu demselben vom 17. Juli 1899 mittels Entschließung des unterzeichneten Staatsministeriums vom Heutigen oie Genehmigung zur Ausgabe der nachbezeichneten 3‘ %= prozentigen Schuldverschreibungen auf den Inhaber erteilt worden: Lit. E. 600 St. zu je 1000 M. (Nr. 1—600) — 600000 M., „ F. 720 „ „ „ 500 „ (Nr. 1—720) = 360000 „ „ G. 200 „ „ „ 200 „ (Nr. 1—200) = 40000 „ ** Wissenschaftlicher Fortbildungskursus für Volksschullehrer an der Landesuniverfität. Unserer Notiz vom 3. können wir nach dem „Schulboten für Hessen" ergänzend hinzufügen, daß für den Kursus gewonnen sind die Professoren Geh. Hofrat Oncken, Dr. Groos und Dr. Sievers. Geh. Hoftat Oncken wird über „Bismarcks Weltpolitik" sprechen und damit seine vorjährigen Vorlesungen fortsetzen und zu Ende führen. Prof. Dr. Groos liest über „das Seelenleben des Kindes", während Professor Dr. Sievers Kapitel aus der physik. Geographie (Entstehung der Erde, klimat. Verhältnisse u. s. w.) auswählen wird. Die Anzahl der Vorlesungen wird vielleicht um zwei bis drei erhöht werden; beginnen werden sie voraussichtlich am ersten Mittwoch des Monats Mai. Der Beitrag zu den Kosten wird etwa derselbe sein wie im Vorjahre, doch werden sich neu zutretende Teilnehmer einen kleinen Aufschlag (1 bis 2 Mk.) gefallen lassen müssen. Anmeldungen sind an den Vorsitzenden des Gießener Lehrervereins, Lehrer Valentin Müller, Ludwigsttaße 27 zu richten. ** Dee Landesverein akademisch-gebildeter Lehrer für das Großherzogtum Hessen hiell unlängst in Mainz seine erste Vorstandssitzung in diesem Jahre ab, in der der Hauptvoranschlag für 1902/03, innere Vereinsangelegenheiten besprochen wurden. Auch wurden in jener Sitzung die Vorarbeiten für die am 4. nnd 5. April in Mainz tagende 17. Hauptversammlung des Vereins erledigt. Nach dem Beschlüße des Vorstandes sind für diese Versammlung zwei Tage vorgesehen und zwar mit nachstehendem Programm (Aenderungen vorbehalten): Freitag 4. April Besichtigung der Stadt unter Führung der Mainzer Collegen. Zusammenkunft von zehn Uhr ab in der Aktienbierhalle am Hauptbahnhofe. Nachm. 3 Uhr Besichtigung des Domes unter Führung des Prof. Neeb ; halb 5 Uhr Besuch des römffch-germanisch en Museums, Führer Direktor Schuhmacher. Abends ist gesellige Vereinigung in der „Liedertafel". Samstag, 5. April, vormittags Hauptversammlung in der „Liedertafel", Begrüßung der Versammlung und der erschienenen Gäste, geschäftliche Mitteilungen, Rechnungsablage, Wahl des Vorstandes, Be- sttmmung des Ortes für die nächste Hauptversammlung und dann folgen drei Vorträge; nachmittags halb 3 Uhr findet im Bankettsaale der „Liedertafel" ein gemeinschaftliches Effen statt. Zu der Hauptversammlung, der ersten, welche auf hessischem Gebiete abgehalten wird, werden nach Beschluß des Vorstands eingeladen werden: der Staatsminister, der Vorsitzende und die Mitglieder der Schulabteilung, der Provinzialdirektor von Rheinhessen und der Oberbürgermeister von Mainz, ferner die Vorsitzenden und Mitglieder der benachbarten Vereine akademisch-gebildeter Lehrer. ** Bezüglich der Lahnkanalisation fand am Dienstag im Kreishaus zu Diez auf Einladung des Landrates eine informatorische Besprechung von Interessenten aus dem Unterlahnkreis statt. Unter den etwa zwanzig Teilnehmern waren die Städte Diez, Nassau und Ems durch ihre Bürgermeister oder sonstige Mitglieder der städtischen Behörden vertreten, die industriellen Werke durch ihre Direktoren. Mehrfach wurde das von der Regierung in Aussicht genommene sogenannte „kleine Projekt" (Verbesserung der Schiffahrt auf der Unterlahn von der Mündung bis Ems einschließlich) als Gefährdung des großen Projektes bezeichnet, das bekanntlich den ganzen Lahnfluß von der Mündung bis nach Wetzlar umfaßt und 31 Millionen kosten würde. Der Regierung wird über die von lebhaftem Jntereffe zeugenden gutachtlichen Aeußerungen Bericht erstattet werden. ** Kinderfest. Am Samstag Abend fand in Stein's Saalbau das von Lehrer Bernhard Klein veranstaltete Kinderfest unter sehr starker Beteiligung statt. Die ganz vorzüglichen Leistungen der Jugend legten Zeugnis davon ab, mit welcher Hingebung und Opferwilligkeit sich Herr Klein seiner Aufgabe unterzogen hat, und gaben gleichzeitig einen glänzenden Beweis für die Anhänglichkeit und Liebe der Kinder zu ihrem Lehrer. Die Darstellungen, bestehend in mehreren Theaterstückchen, lebenden Blldern, Soloszenen re. fanden stürmischen Beifall. Einen envenwouenoen laus erregte besonders die letzte Programmnummer (Eine Bauernhochzeit, Verkleidungsaufzug). Es war wohl jedermann aus dem Herzen gesprochen, als Banner I. Grünewald mit beredten Worten die Verdienste des Lehrers Klein feierte und ihm im Namen der zahlreich erschienenen Gäste seinen Dank für das schön verlaufene Fest abstattete. Als äußeres Zeichen der Anerkennung überreichte er ihm mr Namen der Schuljugend einen prachtvollen Tafelauffatz. Er schloß seine Ansprache mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Lehrer Klein. Bewegt dankte dieser für die ihm gewordene Ehrung; sein Hoch galt der lieben Jugend. Ein Tänzchen hielt die Gäste bis zur frühen Morgenstunde in fröhlichster Stimmung beisammen. ** Das 25 000. Kaps-Instrument. In derHofpianoforte- fabrik von Ernst Kaps, deren Flügel und Pianos Weltruf erlangten, ist soeben das 25 000. Instrument — die Firma wurde 1858 in Dresden gegründet — fertiggestellt roorben, das nach Samarkand (Turkestan) zum Versand kommt. Bekanntlich ist Herr Wilhelm Rudolph hier Vertteter der Fabrik. § Lollar, 15. März. Gelegentlich eines Vortrags des ehemaligen Burenkämpfers Butz aus Pretoria wurde hier eine Sammlung zu Gunsten der notleidenden Buren vei> anstaltet, welche die Summe von 64,50 Mk ergab. Butzbach, 15. März. Der Sparkassenverein Butzbach hat sich iin abgelaufenen Geschäftsjahr günsttg entwickelt. Eingelegt wurden 207 252,94 Mk., zurückerhoben 183 934,51 Mark. Somit wurden mehr eingelegt 23 318,43 Mk., wonach der Einlagebestand Ende 1901 die Höhe von 651718,37 Mark erreicht hat. An Kapttalien wurden im Rechnungsjahre 1901 ausgeliehen 74 895 Mk., hingegen zurückbezahlt 50 802 Mk., mithin mehr ausgeliehen 17093 Mk. und beträgt der Stand der ausgeliehenen Kapitalien Ende 1901 einschließlich des Rechnungsrestes 689 025,12 Mk. Das wirkliche Vermögen des Vereins beträgt sonach 37 306,75 Mark und hat sich im verflossenen Rechnungsjahre um 537 Mark erhöht. Im Jahre 1901 sind 22 neue Einleger zugetreten^ sodaß ihre Zahl jetzt 776 beträgt. Der Zinsfuß für alle Darlehen beträgt 4% Proz., für Einlagen werden 4 Proz. vergütet. § Butzbach, 16. März. Die jüngst hier gegründete Ortsgruppe des Deutschen Schulvereins veranstaltete int Interesse der Erhaltung des Deutschtums im Auslande gestern in dem Saale des „Hessischen Hofes" einen „deutschen Abend". Eröffnet wurde die Feier durch einen Jnstrumen- talvortrag der Kapelle des Infanterie-Regiments 168, welche auch im wetteren Verlaufe der Veranstaltung die Musikpiecen ausführte. Oberlehrer Alten darf-Gießen, der früher in Butzbach war, sprach einen schönen Festprolog. Sodann wurde das lebende Bild „Germania die deutsche Jugend im Ausland beschützend" dargestellt, deffen Wirkung gewalttg war. Als Germania trat Fräulein Luft-Ostheim auf. Es folgte der Vortrag des Gedichtes „Das deuffche Gewissen"' durch Lehrer Storch, ferner mehrerer Koschatlieder, die Fräulein Weide mann sang. Auch verschiedene Reigen, sowie ein gut gespieltes Theaterstückchen wurden aufgeführt. An eine Verlosung von über 150 Preisen schloß sich ein gemütlicher Ball. Dank der Sympathieen, die unsere Bevölle- rung dem Verein und seinen Bestrebungen entgegenbringt, wurde ein nennenswerter Reinertrag erzielt. Die Tettnehmer trennten sich erst in vorgerückter Stunde. & Aus der südlichen Wetterau, 16. Mürz. Der Ausbau der Bahnstrecke Stockheim —Vilbel, von dem man vielfach angenommen hatte, daß er der herrschens den Arbeitslosigkeit wegen schon in diesem Frühjahre begonnen werde, soll nun, wie man hört, doch wenigstes besttmmt im Herbste in Angriff genommen und der Ge- ländeettverb in diesem Sommer geregelt werden. Hoffentlich werden diese Erwartungen nicht noch einmal getäuscht. Schon feit über zwanzig Jahren ist dieser Babu- bau Gegenstand der Erörterung. Daß die Bahn von der größten Bedeutung sein würde, bedarf wohl nicht eines immer wieder erneuten Nachweises. Der ganze Verkehr der hiesigen Gegend gravitiert nach Frankfurt, und besonders würde den zahlreichen Arbeitern eine große Erleichterung geschaffen, die aus den in der Nähe der pro- jektterten Bahn gelegenen Orten, wie Hainchen, Oberau, Rommelhausen, Höchst «Ld.Nu.a- als Maurer, Weißbinder und Handlanger in Frankfurt ihren Verdienst suchet müssen, und die jetzt zum teil zwei Stunden bis zur nächsten Station zu gehen haben, was namentlich auf dem Heimweg von der Arbeit als sehr beschwerlich empfunden wird. Außerdem aber würde der Vogelsberg, namentlich nach dem Ausbau der Strecke Grebenhain—Gedern durch diese Bahn erst dem Verkehr völlig erschlossen. Die Bahn wird durch ihre Rentabilität gewiß am besten ihre Not-/ Wendigkeit erweiftn. m Dannenrod, 16. März. 4 Förster des Frhrn. von Schenk zu Schweinsberg hatten ein Rekontr e mit einem Wil derer. Als letzterer das Gewehr nicht niederlegen wollte, gaben die Förster Feuer, ohne jedoch zu treffen. Der Wilderer ergriff die Flucht, wurde aber eingeholt und dingfest gemacht. Es war der wegen Wilddieberei bereits vorbestrafte Landwirt Wiesner aus Dannenrod. Er wurde in das Amtsgerichtsgefängnis nach Homberg a. O. gebracht. W. Nidda, 15. März. Heute wurde unter großer Beteiligung von hier und auswärts der Brauereibesitzer Louis Uhl, der im Alter von 48 Jahren einer hartnäckigen Krankheit erlegen war, zur letzten Ruhe bestattet neben seiner vor einem halben Jahr rasch verschiedenen Gattin. Als Kommandanten der Feuerwehr gab ihm diese mit der Kapelle an der Spitze das letzte Geleit; der Kriegerverein gab am Grab Ehrensalven. In der Grabrede hob Pfarrer Werner des Toten herrliche Geisteseigenschaften und seine große Geduld im Leiden hervor. — Gestern Abend führte die hiesige Kasinogesellschaft zum Besten des Vereins für Krankenpflege einige Theaterstücke in Krafts Saalbau auf, welche großen Beifall fanden. Der Reinerttag beziffert sich über 100 Mark. lr Gedern, 12. Marz. Der hiesige Vorschuß- und Kreditoer ein feiert am 20. sein 25jähriges Jubiläum. Die Aktieninhaber werden sich an diesem Tage bei Gastwirt Stiebeling zu einem Festessen vereinigen. Der Lehrer und Kantor Roth feiert im Juni sein 50jährige§ Amtsjubiläum. Seit nahezu 12 Jahren in unserer Gemeinde ihätig, hat er sich die Achtung und Liebe sämtlicher Ortseinwohner erworben. 1852 erhielt er seine erste Schulstelle in Bmckhards. 1 ■ K 4*/»% Oesterr. tiilborrente 101.70 Tendenz ^eAhn re M5 87a% 8% 3V,% 3°/o 3 72% 3% Hessen . . . 4% Oesterr. Go)dreine 4% Ungar. Goldrente . 4% Italien. Rente . . 4V2% Portugiesen . . 5<>/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . . Türkenloao...... 4% Griech. Monopol -Anl. 472% äuaeere Argentiner refen, : alle 4,bl wo« 18,37 ing8« ezahlt d be- 1901 wirf« Mark des hier ver» N )tk, irrna rben, Be« der 101.85 92.70 101.75 92.30 100.05 113*00 Orts« re int zestem chchen umen- welche piecrn )et in lobonn ind im wattig rf. Ls mfien1' x, die Reigen, esthrt. w §e- oöike- M» tchmec .'it Reichsanleihe do. Konsole . do . . Hessen . 218.50 . 196.30 . 142.10 . 138.30 . 156.90 . 145.70 . 18.70 . 169.80 . 201.10 . 198.70 . 164.50 3j/q Mexikaner 4V2 /, Chinesen Electric, tici uckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien , . Diskonto-Kommandi Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Hundelsges Oesterr. Staatobahn Lombarden . . Gotthar ibahn . . Lauranütte . . . Bochum . , , Harpcner . . . lustlos. Vermischtes. • Troyes, 15. März. In einem nahen Wald wurde gestern die Leiche eines 50jährigen Mannes gefunden, der der Kopf vom Rumpf getrennt war. Man nimmt an, daß der Mord bereits vor 8 Monaten begangen worden ist. * Wien, 15. März. Der Journalist und Millionärs- sohn Pollak hat sich krankheitshalber erschossen. Derselbe war unter dem Schriftstellernamen Pahlen bekannt. * Agram, 16. März. In dem kroatischen Gewerbeverein sind große Unterschlagungen entdeckt worden. Der Präsident und der Sekretär des Vereins wurden verhaftet. * Bukarest, 15. Marz. Bei einem Brand in der Zuckerfabrik in Roman wurde gestern ein Teil des Fabrikgebäudes, die Maschinen und eine große Menge Zucker vernichtet. Der Schaden wird auf 2*/2 Millionen Francs geschätzt. * Suez, 16. März. Im Suezkanal geriet ein Petroleumschiff in Brand, ein anderes ist aufgelaufen und verlassen worden. Es wird eine Explosion befürchtet. Der Verkehr durch den Kanal ist voraussichtlich auf drei Tage behindert. * Valparaiso, 16. März. Ein Teil des Marineiarsenals der Regierung wurde in der vergangenen Nacht durch Feuer zerstört. Der Schaden ist sehr bedeutend. * New-Pork, 16. März. Dem „New-Pork Herald" wird aus Lima telegraphiert: Bei der Eröffnung einer neuen Brücke über den Maranon (Oberlauf des Amazonenstroms) sei die Brücke plötzlich eingeftürzt und über hundert Menschen seien ertrunken. * Seuchen. In der letzten zwei Tagen sind in Mekka HZ Erkrankungen und 16 Todesfälle, in Medina 10 Todesfälle an Cholera vorgekommen. — Unter den Mannschaften des in Triest stationierten Regimentes „König der Belgier" ist Scharlach ausgebrochen. "Eine interessante Reminiscenz frischt angesichts der neuesten deutsch-amerikanischen Freundschaftsbezeugungen die „Tägl. öiundschau" auf, indem sie daran erinnert, daß schon einmal ein Prinz Heinrich von Preußen nahe daran war, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Es war der Bruder Friedrichs d. Gr., der einzige General, der im siebenjährigen Krieg keinen Fehler gemacht. Als einmal vor Annahme der amerikanischen Verfassung in einem Kreise von Freunden die Frage der Regierungsform verhandelt wurde, und es noch nicht entschieden war, ob her Präsident blos mit den Befugniffen des höchsten bürgerlichen Beamten oder nach dem Muster der Niederlande mit den mehr fürstlichen Privilegien eines Statthalters bekleidet werden sollte, wandte sich einer der Anwesenden an den ftüheren preußischen Offizier v. Steuben mit der Frage, 101.20 101.00 44.10 28.50 28.25 114.40 45.40 «ne der- ine- Ötin Mte Al? bn Er ttiert 'hm Ein irr eines «kehr id be- je Er- rpro- berattr Weih' suchen s zur rs dem stmden Dann wirkte er in Nieder-Ohmen, Gedern, Nieder-Seemen und Ober-Seemen. Von dort wurde ihm die hiesige erste Schulstelle übertragen. . Darmstadt, 16. Marz. Prinz Heinrich von Preußen wird mit seiner Gemahlin die Osterfeiertage am hiesigen Hofe verbringen. Darmstadt. Prinzessin Elisabeth ist am 13. abends wohlbehalten in Nizza angekommen. Fc Mainz, 16. März. Der Gauner, der als „Telephonarbeiter" Diebstähle ausführte, wurde in Mannheim in der Person des 18jährigen Mechanikers Tidgenfe st genommen. Er wohnt in Frankfurt a. M. Von dort aus machte er seine Raubzüge nach den benachbarten Städten. b. Mainz, 16. März. Die Schwierigkeiten, mit denen die hessische Regierung zu kämpfen hat, um das Gleichgewicht des hessischen Staatsbudgets herzustellen, haben mehrere müßige Finanzgenies auf wunderliche Einfälle gebracht, wie sich der leere Staatssäckel am leichtesten wieder füllen ließe. Den merkwürdigsten dieser Vorschläge machte ein hiesiger Großkaufmann und unterbreitete ihn sowohl dem hessischen, wie dem preußischen Finanzministerium. Er schlägt vor, daß von allen Personen, welche sich nach zwölf Uhr nachts noch in einem Wirts-, Gast- oder Cafshaus befinden, eine Steuer von 50 Pfennigen erhoben werden soll, für deren richtigen Eingang der betreffende Wirt verantwortlich zu machen sei. Das allermerkwürdigste bei der Sache ist, daß sie auch bei dem Finanzminister Dr. Gnauth Beachtung fand. Dem findigen Großkaufmann wurde nämlich aus Darmstadt mitgeteilt, daß das Projekt zwar recht schön, aber wegen der Unmöglichkeit einer Kontrolle nicht durchführbar sei. Worms, 15. März. Hier wurde auf dem Wochenmarkt Butter angehalten, die durch ihr verdächtiges Aussehen auffiel, worauf eine Probe dem chemischen Untersuchungsamt zur Untersuchung und Begutachtung überliefert wurde. Das von diesem erstattete Gutachten enthielt u. A. folgende sehr zutreffende Bemerkung: „Die Butter stellt eine übelriechende, käsige Schmiere dar, die den Namen Butter nicht verdient; dieselbe besteht zu fast der Hälfte aus Käse und Wasser. Ware von derart erbärmlicher Zusammensetzung ist noch selten beobachtet worden. Es ist fast unglaublich, wie etwas Derartiges zum Kauf ausgeboten werden kann." Auf Grund dieses Gutachtens ist gegen die Verkäuferin der sog. Butter Strafverfahren eingeleitet worden. ** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Herr Dr. Baur verkaufte seine an der oberen Parkallee in Bad-Nauheim gelegene Villa zum Preise von 150 000 Mark an Dr. Friedlaender. — In Auerbach verübte die Eheftau des pensionierten Bahnwärters Seipp Selbstmord, indem sie sich von einem Zuge der Main-Neckar-Bahn überfahren ließ. Der Kopf wurde vom Rumpfe getrennt und erst am andern Morgen auf der Strecke gefunden. — Das Töchterchen einer im Hauptweg in Mainz wohnenden Familie wollte einem Spielzeug, das zum Fenster hinaus auf eine daselbst befindliche Altane gefallen war, nachlaufen. Auf der Altane, die ziemlich defekt war, verlor das Kind das Gleichgewicht und stürzte vom 3. Stockwerk hinab in den Hof. Furchtbar verletzt wurde es seinen Eltern gebracht, doch starb es unter furchtbaren Schmerzen alsbald infolge der er* haltenen Verletzungen. - — Die Abiturientenprüfung bestand am Gymnasium in Bernburg die Tochter des KreisphysikuS Dr,Esleben. Dieselbe will in Marburg Medizin studieren. — Der 24 Jahre alte Telegraphenarbeiter Stetenfeld erhängte sich in seiner Wohnung in Frankfurt a. M. . 26.45 . 90.80 . 113.70 5. Der l, voll rschen- ■W Mies er Ge- fffent- il ge- ar. von [ einem Zerlegen n. Der r ding- ,t§ vor- uiitbe in iper Sf- >r Louis igronk- •ntt vor », Jföm* ielle an n Pfarrer > seine icte die ins für in auf' jert ß-und Munn iier und jbiläu'N- , h-t “ hn« ff«)* Kandwirtschast. — Zur Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, welche vom 5. bis 10. Juni in Mannheim abgehalten wird, hat der Grobherzog von Baden sein Erscheinen zugesagt; er wird die Ausstellung mit einer Ansprache eröffnen. Die Ausstellung selbst wird ein Bild von der Leistungsfähigkeit der süddeutschen Landwirtschaft geben. In der Tierabteilung kommen 373 Pferde, 720 Rinder, 210 Schafe, 363 Schweine und 200 Ziegen zur Vorführung. Pferde und Schweine werden also in so großer Anzahl wie auf früheren Ausstellungen vertreten sein, während die Rinder, die zum größten Telle Höhenrinder sind, und ebenso auch die Schafe in geringerer Anzahl als früher ausgestellt werden. Die Anmeldung der Ziegen übertrifft bei weitem die früheren Zahlen. Besonderes Interesse wird die Erzeugnisabteilung bei dein ausgedehnten Handelsgewächsbau in Süddeutschland Hervorrufen. Hier wird vor allen Dingen Tabak, Hanf und Flachs ausgestellt werden. Ferner wird in Mannheim, mitten im Weinland gelegen, eine Traubenweinkosthalle mit 120—130 Proben deutscher Gewächse beschickt werden. Die Molkereiausstellung wird sich durch reiche Beschickung von Butterprobcn und Käsesorten auszeichnen. Um die in Mannheim zur Ausstellung kommenden Geräte aufzunehmen, ist ein Platz von 31400 Quadratmeter im Freien und 3560 Quadratmetern in Schuppen erforderlich. Submisstorrskaleirder. 18. März. Butzbach, Direktion der Zellenstrafanstalt, Lief»-' rung von Verzehrungs- und Verbrauchsgegenständen. Bedingungerr gegen^Sc^reirgebühi'eMen, ^^ßh. Staatsanwaltschaft, Lieferung von Verzehrungs-- und Verbrauchsgegenständen, sowie von Brennmaterialien für das Großh. Proomzial-Arresthaus. Bedingungen daselbst. _——k —Spiehrlan der^rrinigteu Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 18. März, abends 7 Uhr: „Carmen." Schauspielhaus. Dienstag den 18. Marz, abends halb 3 Uhr: Zweites und letztes Gastspiel des Herrrn Coquelin mll dem Ensemble deS Theaters de la Porte 8t. Martin ' „Cyr Gerichtssaal. L. Gießen, 15. März. Schöffengericht. In der gestrigen Sitzung des Schöffengerichts wurde u. a. gegen einen hiesigen Dienstknecht verhandelt, der sich im vorigen Sommer mit einer Anzahl bereits abgeurteilter Genossen an einer Schlägerei beteiligt hatte, bei der Latten von den Zäunen abgerissen und als Wurf- aeschosse benutzt wurden. Wegen Ruhestörung, groben Unfugs und Sachbeschädigung wird der Angeklagte zu Geldstrafen von 10 Mk., 20 Mk. und 15 Mk. verurteilt. Die Strafe wegen groben Unfugs wird als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet. — Wegen Holzdiebstahls erhält die Witwe eines Taglöhners aus Gießen eine Gefängnisstrafe von 1 Woche. — Die in der Marburger Straße wohnende Ehefrau eines Fabrikarbeiters hatte einer, Strafbefehl erhalten, weil sie während Frostwetters Wasser auf die Straße geschüttet haben sollte. Tie Verdächtigte erhob Einspruch und wurde wegen Mangels an einem ausreichenden Beweise freigesprochen. 8. Darmstadt, 15.März. Kriegsgeriebt Der Musketier Karl Christ von der 5. Kompagnie des Jns.-Regiments Nr. 116 in Gießen heute sich heute wegen unerlaubter Entfernung, wissentlich unrichtiger Erstattung einer Dienstmeldung und Widerstands gegen die Staatsgewalt zu verantworten. Er war in seine Heimat (Darmstadt) beurlaubt und schrieb kurz bevor sein Urlaub zu Ende ging, an seinen Hauptmann, er möge ihm wegen Erkrankung seiner Mutter einen Nachurlaub von 2 Tagen bewilligen. Tas geschah auch, er erhielt 2 Tage, worauf er das Manöver wiederholte, diesmal aber ohne Erfolg, da der Hauptmann den Angaben Christs keinen Glauben mehr schenkte, wie sich herausstellte, mll Recht. Christ wurde von einem Unteroffizier abgeholt. Bald darauf begab er sich wieder nach Darmstadt. Als er abermals abgeholt werden sollte, widersetzte er sich, wurde aber mit Hilfe von Schutzleuten verhaftet. Er ist geständig, aiebt aber an, daß er mit seiner wiederholten Entfernung nur den Zweck erreichen wollte, in ein anderes Regiment versetzt zu werden. Er erhielt 3 Wochen strengen Arrest. fc. Mainz, 17. März. (Original-Telegr. des „Gieß. An z.") In dem Aufsehen erregenden Sttafprozeß des Dr. Fie dl er- Monsheim gegen den Bürgermeister von Monsheim wegen Beleidigung des letzteren in einer Broschüre wurde Dr. Fiedler heute zu 600 Wik. Geldstrafe und sämtlichen Kosten verurteilt. Von der Anklage wegen falscher Anschuldigung wurde er fteigesprochen. Die Vernichtung der Broschüre wurde angeordnet. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Tabak. Im Laufe der Berichtswoche wurde in Mannheim wenig gebanbelt, es beroeat sich das Geschäft immer noch in sehr ruhigen Bahnen. Von der Spekulation wurden von einigen Händlern verschiedene Posten Schneid- sowie Cigarrentabake gekauft, und zwar in der Preislage von 32—37 Alk., je nach Qualität und Empfangszeit. Ferner wurden zirka 1000 Zentner Abfälle in der Preislage von 18—22 Mk. per sofort genommen, in ungereinigtem Zustande abgesetzt. In losen Pfälzer Rippen geschäftslos, lose feine 8.50—9 Mk., gebündelte 11—11.50 Mk. Märkte. ko. Frankfurt a. M., 17. März. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notterungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen All. 17.25—17.50, Kurhessischer Mk. 17.50—00.00, La Plata Mk. 17.75—18.00, Kansas Mk. 00.00—00.00, Roggen (hiesiger) Mik. 14.25—14.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.75—16.50, Kleie Mk. 00.00—00.00, Hafer Mk. 16.50—17.00, Mais Mk. 12.50 bis Mk. 12.75, Weizenmehl 0 Mk. 25.50—26.00, 2. Qualität Mk. 23.50 bis Mk. 24.00, 3. Qualität Mk. 21.50—22.00, Roggenmehl 0 Mk. 21.50—22.00. L Qualität Mk. 21.25—21.50, Weizenkleie Alk. 8.75 bis Mk. 9.00, Roggenkleie Mk. 9.25—9.50, Maiskeime Mk. 9.50 bis All. 10.00, Frankenpfälzer Rieb Mk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 17. März. (Telegr. Oria.-Bericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen 387 Ochsen, darunter 104 aus Oesterreich, 29 Bullen, darunter 1 aus Oesterreich, 744 Kühe, Fersen, Sttere und Rinder, 308 Kälber, 193 Schafe und Hämmel, 1289 Schweine. 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 00 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 66—68 Mk., 2. Qual. 60—64 Mk., 3. Qual. 54—57 Mk.; Bullen 1. Qual. 55 bis 57 All., 2. Qual. 51—53 Mk.; Kühe 1. Qual. 59—61 Mk., 2. Qual. 56—58 Alk., 3. Qual. 43—45 Mk, 4. Qual. 32—34 Mk., 5. Qual. 30—31 Mk. Kälber: L Qualität78—80Pfg.,Lebendgewicht 46—48 Pf., 2. Qual. 71—74 Pfg., Lebendgewicht 42—44 Pfg., Schlachtgewicht 60—63 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 64—66 Pfg., 2. Qual. 58—60 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 66 Pfg., Lebendgewicht 52—00 Pfg., 2. Qual. 65 Pfg^ Lebendgewicht 51 Pfg., 3. Qual. 56 bis 58 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft bei Hornvieh gut, bei Kleinvieh gut. Markt: geräumt ob der Prinz Heinrich von Preußen wohl ein guter Regent sein und inwiewell er einem Rufe Folge leisten würde. „O nein", antwortete Steuben, „so weit ich den Prinzen kenne, wird er nie daran denken, hierher zu kommen, um sich zu Eurem Herrn machen zu laffen, ich habe chm längst geschrieben, was für ein Völkchen Ihr seid, er würde es keine drei Tage unter Euch aushalten. So zerschlug sich die Sache wieder. Die Folgen sind aber kaum auszudenken. Wa§ wäre daraus geworden, wenn ein voltairisierender Prinz Präsident des jungen Freistaates geworden wäre? * Ein amerikanischesDuell. Eine drollige Anekdote aus den „Memoiren" der schönen Lina Cavalieri, erzählt der „Temps": Zwei Amerikaner, die auf einander eifersüchtig waren, beschloßen, sich zu duellieren. Das Duell sollte mit Pistolen ausgefochten werden, und zwar in einem Hotelzimmer und — im Dunkeln; jeder sollte nach Belieben schießen, aber als Leitstern sollte das Feuer der Zigarette dienen, die jeder rauchen sollte. So geschah es; die Waffen wurden geladen, und als der tragische Moment gekommen war, erschütterten zwei furchtbare Knalle das Hotel; der Wirt und das ganze Personal stürzten ins Zimmer — schon glaubten sie ein schreckliches Schauspiel zu sehen. Aber es war nichts, man ist nicht umsonst Pankee. Die beiden Rivalen lagen jeder friedlich auf feinem Bett, und nirgends sah man einen Tropfen Blut — beide hatten dieselbe lichtvolle Idee gehabt, die Zigarette angezündet auf einen Schrank zu legen und vom Bett aus zu schießen. Ueuelle £tUlvinujfiL Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers» Berlin, 17. März. In Potsdam ist man, der „Wett am Montag" zufolge, auch jetzt noch der lieber^eugung, daß der Kaiser thats'ächlich vor Offizieren eine Rede gegen den Duell-Unfug gehalten habe und daß dabei sehr harte Worte gefallen seien. Es heißt jetzt, er habe die Rede bei den Garde-Ulanen gehalten und die Versetzung eines Assessors wird auf eine Indiskretion zurückgeführt, deren sich derselbe im Hinblick auf diese Rede schuldig gemacht habe. (Die genannte Zeitung ist ein Sensationsblatt vom Range des „Lokalanzeigers" und höchst unglaubwürdig. D. Red.) Cöthen, 17. März. Der Präsident des anhaltischen Landtags, Geh. Justizrat Lezius, ist gestorben. Karlsruhe, 17. März. Das Großherzogspaar ist heute früh 8 Uhr 50 Min. nach Frankfurt a. M. gefahren, um dort mit der Königin von Schweden und Norwegen zusammenzutreffen und den heuttgen Tag zu verbringen. Die Königin reift dann nach Honnef zu längerem Aufenthalt. London, 17. März. Der „Standard" meldet aus Durban vom 14. März: In Ladysmith ist die Nachricht eingegangen, daß eine Buren abteilung in der Richtung auf Ermesdal im Vormarsch begriffen und daß Yeomanry zu ihrer Verfolgung aufgebrochen sind. London, 17. März. Die „Times" veröffentlicht ein Telegramm aus Prätoria, wonach Botha nur über 700 Mann verfügt und sich in östlicher Richttmg von Vryheit vor den Truppen Hamiltons zurückzieht. Schalk Burger und die Buren-Regierung halten sich nördlich von der Delagoa-Bai- Bahn auf. — Infolge der Niederlage der Kolonne Donop ist der englische Gef e chtsplan gestört worden und ein neuer müsse auSgcarbeitet werden. — Vor Ende des Monats würden 10000 Mann Verstärkungen nach Südafrika abgehen. Weitere Truppen sollen folgen. — Aus Heilbronn wird gemeldet: Der Burenkommandant Gallier ist verwundet in Gefangenschaft geraten. Dewet und Stein befinden sich westlich von der Hauptbahn-Linie, des Oranjestaates und werden von englischen Kolonnen zwischen Heilbronn und Frankfort verfolgt. Man glaubt, Botha versuche, sich Delarey anzuschließen. London, 17. März. Lord Kttchener meldet aus Pretoria von gestern: Lord Methuen sandte an mich einen Stabsoffizier mit einer von ihm diktierten Depesche, ans der hervorgeht, daß die Nachhut der berittenen Truppen in der Dämmerung überfallen und überwältigt wurde, während sich die Ochsen- und Maultiertransporte einige Aieilen ab Ms befanden. Sofort ließ Methuen alle verfügbaren berittenen Truppen zur Unterstützung der Nachhut abgehen, die mit einem Zuge der 38. Batterie den Feinden eine Stunde lang Widerstand leistete, während der Konvoi ohne jede Unordnung aufschloß. Tesgü entsandte Methuen 200 Mann Infanterie zur Abweisung des Angriffs, die von den Buren hart bedrängt wurden. Als die Truppen sich auf die berittene Infanterie zurückzuziehen versuchten, gerieten sie in Unordnung, rissen die Hauptmasse der berittenen Truppen mit in die Verwirrung und ließen zwei Geschütze der 38. Batterie ohne jede Deckung. Diese setzten den Kampf fort, bis die gesamte Bedienungsmannschaft außer Gefecht gesetzt war mit Ausnahme des Leutnants Wesham. Da dieser sich weigerte, die Waffen zu strecken, wurde er getötet Methuen wurde mit 200 Nort- humberlandfüsilieren und zwei Geschützen der 4. Batterie ad geschnitten, hielt aber drei Stunden aus. Während dieser Zeit hielt die übrige Infanterie, 100 Mann des Lancashire-, regiments und 40 Berittene, die meist der Koppolizei aw- gehörten, einen Kraal in der Nahe des Wagenkonvois besetzt und erwehrten sich der wiederhotten Angriffe der Buren. Alsdann wurde Methuen verwundet. Die Verlusts waren ganz außerordentlich schwer. Die Munition wurde zum größten Teil verbraucht Die Uebergabe fand 9.30 Uhr früh statt Die Abteilung, die den Kraal besetzt hielt, verharrte solange in ihrem Widerstand, bis zwei Geschütze vom Feinde in der Nähe des Kraals in Position gebracht wurden. Die meisten Buren trugen englische Khakiuniform, viele sogar mit englischen Rangabzeichen. Es ist unzweifelhaft, baß die Infanterie sich sehr brav geschlagen hat und die Artillerie chre Tradition aufrecht erhiett, während außer den bereits erwähnten 40 Koppoliziften einige kleinere Abteilungen des 5. Regiments der Reichsgeomanry nach der Panik, die «oiie Hauptmasse der berittenen Truppen weggefegt hatte, noch standhietten. Budapest, 17. Attirz. Gestern abend wurden abermals durch Arbeitslose Kundgebungen veranstaltet. Hierbei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die die Menge auseinandertrieb. 50 Verhaftungen wurden vorgenommen. Lemberg, 17. März. Die hiesigen Damen-Konfek- tions-Arbeiterinnen sind roegeu Lohn-Differenzen und Herabsetzung der Arbeitszeit in den Streik eingetreten. T eiephonischeB1 ^rsbergeht. Welchen, . Dank 2216 AamMe Klrz. Nerrmühle, Stemb^rg bei Gießen, 16. März 1902. Danksagung. Mc die vielen Beweise herzlicher und auf* riähtiger Teilnahme bei unserem schmerzlichen Verlust, sowie für die trostreichen und erhebenden Worte des Herrn Pfarrer Somme rlad sagt herzlichen Die Annoncen-exMUion des Giessener Anzeigers empflchli fid) zur verminciung von Anzeigen für sämtliche Zcimngen des In* u- Auslandes zu Originalpreifen Gießen, 15. März 1902. Schöne Aussicht. 2015 91 rdeiter können Kost und Logi erhalt. Schiffenbergerthal 5i 2093J Eins. möbL Zimmer sofort I.iphio'SlflTSBGGßS Q7 I zu vermieten. Sellersweg 61. Qi; L, Handschuhe sind die bjfligsten! Ernestine Hopfner Grimbergerstratze 17. Stelle, d. Bl. Es bleibt doch wahn Sie besten Zutbaten Nebenverdienst Personen mit ord. Handschrift erhalten gegen Einsendung von Mk. 1.50 in bar (ob. per Nachn.) Anleit, und Muster zu gar. lohn. Nebenverdienst. Es befassen sich überall sehr viele u. darunter auch den besseren Ständen angeh. Personen mit dieser Schreibarbeit, wie Lehrer, Beamte, Kaufleute rc. Wtlh. 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Arthur Werner, Leipzig-Connewitz, Lw ft, Preis dem Entwurf 53, Kennwort: Nordostklasse, Verfasser: Architekt Alwin Genscher, Hannover, -nzuerkennen und den Entwurf 28, Kennwort: Vortrefflich, Verfasser: Architekten Ferdinand Köhler und Paul Kranz, Eharlottenburg, zum Ankauf zu empfehlen, eingegangenen 104 Entwürfe werden vom 20. bis! temschlreßüch 29. d. MtS., vormittags 10 Uhr bis nach- ,mittags 2 Uhr, in der Turnhalle der Stadtknabenschule, Nord-1 «»läge 8 Hierselbst, öffenttich ausgestellt. Die Verfasser der nicht preisgekrönten und nicht ange- Duften Entwürfe werden gebeten, bis zum 3L d. Mts. dem Unterzeichneten eine Adresse für die Rüch'endung der Ent- würfe anzugeben, widrigenfalls die beigegebenen Brief- Wrschlage geöffnet werden. 1666] Für einen 18jährigen Würtnergehltferr ivird Stellung gesucht. den neuen Kliniken ,auf etwa lVs Jahre zum 1. April gesucht. Großh. Baubehörde 2 20 ür die Universitäts-Neubauten. 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