Zweites Blatt. 152. Jahrgang Montag 17. Februar 1902 Nr. 40 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger «Neben im Wechsel mit dem kesstschen Landwirt die Siebener Kamiiien- blLtter viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch- u. Steindrucke re i (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: echulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kern sprrchanschluß Nr. 81. Stz 2U jls. Ä Bezugspreis: MD rnonalIicb7dPs.,viertel- GietzenerAnzeigerW W General-Anzeiger " ’SST Amts- und Anzeigeblatt für den «reiz Gietzen WM- _________________ _______________ -eigenteil: Han« veck. Bekanntmachung. Betreffend: Schießübungen. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das Jnf.-Regnnent Nr. 168 am 26., 27. und 28. Februar ds. Jahres, jedesmal von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags gefechtsmäßiges Schießen mtt scharfer Munitton, mit Schußrichtung von Rockenberg gegen den Buch-Berg (Teller- Berg) südlich Münzenberg, abhall. Das für den Verkehr gesperrte Gelände wird begrenzt: Im Osten: durch die Sttaße Bellersheim-Obbornhofen- Wohnbach. Im Süden: durch die Linie Wohnbach-Komthurberg (südwestlich Wohnbach)-Gabelpunkt der Chaussee Oppershofen-Södel mit dem Feldweg nach Wölfersheim. Im Westen: durch die Straße Rockenberg-Oppershofen und Oppershofen-Södel bis zu dem nach Wölfersheim führenden Feldweg. Im Norden: durch die Straße Rockenberg-Münzenberg und Trais-Münzenberg-Bellersheim. Die als Grenze angegebenen Wege sowie die genannten Ortschaften dürfen betreten werden, jedoch muß das innerhalb dieser Grenzen gelegene Gelände 1 Stunde vor Beginn und bi3 1 Stunde nach Schluß des Schießens von jedem Verkehr frei bleiben. Gießen, am 14. Februar 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- v- Bechtold. Gießen, den 14. Februar 1902. Bett.: Wie oben. Das Groscherzagliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien Bellersheim, Obbornhofen, Utphe, Trais-Horloff, Inheiden, Hungen, vettenhaufe«, Mnfchenheim, Eberftadt und Ober- Hörgern. Die vorstehende Bekanntmachung rvollen Sie in ortsüblicher Weise zur Kenntnis aller Einwohner bringen und dieselbe nochmals am Tage vor dem jedesmaligen Schießen wiederholen. Auch sind die Einwohner darauf Hinzuwersen, daß sie den Anordnmrgen der Poften strikte Folge zu leisten haben. V- Bechtold. KeKanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten DurchschnittsmarkIPreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat Januar 1902 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg. betragen: Hafer Mk. 18,20, Heu Mk. 10,00, Stroh Mk. 8,40. Gießen, den 14. Februar 1902. Großherzogliches Kreis amt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 19. Februar ds. IS. in Wetzlar anstehenden Viehmarktes an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine den Markt in Wetzlar betreffende Bekanntmachung m Nr. 292 des Kreisblattes von 1901 veröffentlicht worden sind. Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr vormittags. Aus der Provinz Oberheffen des Großherzogtums Heffen dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden. Wetzlar, den 11. Februar 1902. Der Königliche 2andrat. Politische Wochenschau. Das parlamentarische Klein gew ehr feuer, das seit geraumer Zeit schon in oer inneren deutschen Politik hörbar ist und noch unausgesetzt im Reichstag sowohl tote in den einzelnen Kommissionen hinüber und herüber wechselt, ist m der vergangenen Woche von den groben Kanonenschlägen der hohen Politik übertönt worden, Kanonenschlägen, die m aller Welt gehört worden und nirgends unbeachtet geblieben sind. Es war thatsächlich eine Art explosiver Wirkung, die das Bekanntwerden des englisch-japanischen Bündnisvertrages allenthalben, wo man Interessen im fernen Osten wahrzunehmen hatte, ausübte, und ob nun Deutschland oder Amerika, Frankreich oder Rußland oder sonst welche Macht in Frage kam, darüber war man sich einig, daß man es hier mit einem polttischen Ereignis zu thun hat, dessen Tragweite sich zur Zeit noch gar nicht übersehen läßt. Es ist zu verstehen, wenn die zunächst beteiligten Staaten bemüht sind, den friedlichen Charakter des Abkommens zu betonen und ihm offiziell den Wert einer Art Gegenseitigkeitsversicherung beizulegen, recht fraglich aber bleibt, ob sie in der Lage sein werden, diesen Charakter zu wahren, wenn die Verhältnisse im Osten sich derart gestalten, daß irgend welche Reklamationen der einen oder anderen, außerhalb des Vertrages stehenden Macht erforderlich werden. Die gegen Rußland und seine chinesische Politik gerichtete Spitze ist in dem Vertrag zu Politische Tagesschau. Vom Zolltarif-Kompromiß. Offiziös wird jetzt bestätigt, daß ein Teil der Mitglieder der Zolltarif-Kommission vereinbarte, einen Kompromiß-Antrag einzubringen, nach dem der Minimalzoll des Weizens auf 6 Mark, des Roggens, Hafers und Gerste auf 5,50 Mk., der Maximalzoll des ersteren auf 7,50 Mk., des Roggens, Hafers und der Gerste auf 7 Mark zu erhöhen sei. Die „Germania" begrüßt den Antrag und bemerkt , die Vereinbarung wurde durch einen Vertrauensmißbrauch bekannt, das Zentrum werde am 18. Februar Stellung nehmen. Die „Dtsche. Tagesztg." dagegen erklärt den Anttag vorläusig für unannehmbar. Sie schreibt unter anderm: Zur Sache selbst haben wir wenig zu sagen. Daß daS Kompromiß, lediglich an sich berrachtet, uns nicht im mindesten genügt, brauchen wir nicht besonders zu sagen. Stellung nehmen können wir erst bann, wenn der gesamte Tarifenlwurf so vorliegt, daß ein allgemeines Urteil möglich ist. Das ist erst nach Beendigung der ersten Lesung in der Kommission möglich. Bis dahm bleiben wir bei den Forderungen des Bundes der Landwirte, deren sachliche Begründung über allen Zweifel erhaben i|t. Wir glauben auch, daß der Abg. Frhr. v. Wangenheim unseren Standpunkt teilen werde. . . . WaS den Kompromißvorjchlag anlangt, so i|t er schon deswegen an sich unannehmbar, weil er nod) hinter den Mindestforderungen des Ausschusses des deutschen Landwirtschastsrals und der ständigen Kommission des Landesokonomie-Kollegulms zurückb leibt. Wie das Blatt hört, scheint das Kompromis der Rom» Missionsmehrheit noch nicht der äußerste Punkt zu fern, bis zu dem sie zu gehen geneigt ist. Dian glaubt, daß die Mehrheit sich schließlich auf den kürzlich erörterten Vorschlag des Herrn o. Zedlitz — Weizenmmdestzoll von 6 Mk., für alle übrigen Getreidesorten ö Mk. — einigen würde. Ueb- ngens verlautet auch, daß die Regierung mit einer Erhöhung des Gerstenzolles (in der Vorlage 5 Mark Maximal- und 3 Mark Minimalsatz) sich abfinden würde. Herr v. Kardorff hat inzwischen die Absicht, eine Wiederwahl zum Kommissionsvorsitzenden anzunehmen. Er selbst hat dahingehende Aeußerungen gethan, und bei der Weigerung der anderen Parteien, den Vorsitzenden zu stellen, dürfte das Faktum seiner Wiederwahl sich ereignen l Von anderer Seite wird dagegen gemeldet, daß der jetzige Stell- die sich jeder deutet, wie es ihm am besten behagt. DaS sprechendste Beispiel dafür sind bic Erklärungen der offiziösen Blätter wie des Reichskanzlers, die noch immer ihre Schalten werfen, auch nachdem der Blund der Landwirte im Cirkus Busch darüber zu Gericht gesessen Hal. Diesseits sieht man in den halbamtlichen Kundgebungen zürn Zolltarif das, aut—aut, auf der anderen öelle bemüht man sich, noch irgend ein winziges Hirllcrthürcken zu erblicken, und so wogt gegenwärtig der Strett der Meinungen auf und nieder. Ader es laßt sich nicht verkennen, daß der Nachgiebigkeitsbazlllus sich bemerkbar zu machen beginnt. Ein Kompromiß über die Getreidezölle soll zwischen dem Zentrum und den Konservativen dem Abschluß nahe sein. Einige Vertreter dieser Fraktionen sollen sich in der Zolltarif-Kommission dahin verständigt Haden, den Minimatzoll für Weizen auf 6 Mk. und für anderes Getreide auf ü.50 Mk. seftzusetzen. Oll jedoch sämtliche Mitglieder des Zentrums dafür zu haben find, bleibt vorerst ziemlich zweifelhaft. Jedenfalls ist nach den Versicherungen der offiziösen Presse anzunehmen, daß ein solches Kompromiß die Zustimmung der verbündeten Regierungen nicht fände. Oder sollte Graf Bülow schließlich doch zur Nachgiebigkeit gezwungen werden? In der Z o lltar isko mMission, die z. Z. ohne Vorsitzenden ist, sind mancherlei wichtige Beschlüsse gefaßt worden, wie die Aufhebung der Kommunalaogaben auf Lebensmittel, deren Zustandekommen erkennen lie& daß die Gegensätze bei aller Tiefe ein gelegentliches Zusammengehen eines* Teiles der Mehrheit mit der Minderheit nicht hindern. Die entscheidende Schlacht wird aber doch erst später geschlagen werden. Die „Nat.-Ztg." erfährt, daß von den gegenwärtig der Zolllar if-Kommission angehörenden nationalliberalen Mitgliedern niemand den agrarischen Antrag, in dem eine Erhöhung der Mindestzölle für alle vier Getreidearten gefordert wird, unterzeichnet hat. Frhr. v. Hehl ist nun thatsächlich aus der Kommisswn aus- geschieden und durch den Abg. Si e g ersetzt worden. Im Reichstage selbst ist man nach demselben Blatte der Meinung, es werde in der Kommission „fortgewurstelt" werden. In weitesten parlamentarischen Kreisen giebt man sich der Erwartung hin, daß die Beratungen der Kommission nach einer Vertagung während der heißen und Reisezeit noch in diesem Jahre ein Ende finden toerbe. An eine Erledigung der Vorlage im Plenum dieses Reichstages noch vor den nächstjährigen Neuwahlen glauben im Parlament nur wenige, ebenso wenige aber bis jetzt an einen Abbruch der Kommissionsberatungen, durch einen kurzen Entschluß der Regierung. So gehörte auch die letzte Woche in der Hauptsache in innerer Beziehung den zollpolitischen Erörterungen, und wenn auch im Reichsparlament die nicht minder wichtigen Fragen über eine Revision des Strafgesetzbuches lang und breit erörtert und dabei besonders auf die Notwendigkeit der Verschärfung der Strafen für T u e l l v e r g e h e n hingewiesen wurde, wenn auch die Beratung des Postetats Fragen von Bedeutung aufs Tapet brachte, so blieb das Hauptinteresse doch der Frage zugewendet, deren Lösung für die Zukunft entscheidet. offenbar, als daß man sie an der Newa nicht erkennen sollte, andererseits aber hat sich die russische Polllik in Ehina bereits zu sehr engagiert, um noch ohne Gefahr für ihr Prestige zurück zu können. Und Prestige bedeutet im Osten Macht Wer sie in Zukunft dort ausüben soll, ob Rußland, ob Japan, ob England oder sonst welcher Staat, dieser Frage Lösung sucht der Vertrag vorzubeugen, aber auch an ihm kann sich möglicherweise bewahrhellen, daß allzu große Vorsicht das Gegenteil vom Stützen bringt. Aber wie dem auch sein mag, das eine muß man den englischen S.aatsmännem zugestehen, daß sie sich in diesem Falle nach langer Zell wieder einmal auf der Höhe ihrer Aufgabe befunden haben. Ten miserablen Eindruck indes, den ihre Politik in einem anderen Falle hinterlassen hat, vermag dieser Erfolg natürlich nicht zu verwischen, denn einen blamableren Ausgang konnte der unter den Auspizien der englischen Regierung unternommene Versuch, angesichts des Besuches des Prinzen Heinrich in Amerika jenseits der Atlantieus eine Mißstimmung gegen das Deut- sche Reich zu erzeugen, kaum nehmen, als er infolge der bekannten Veröffentlichung des „Reichsanzeigers" gefunden hat. Wenn ein amerikanischer Deputierter in diesen Tagen im Repräsentantenhaus zu Washington ein paar dumme Aeußerungen über Deutschland machte und den Prinzen Heinrich einen „kleinen Dutchman" nannte, wegen dessen man nicht so viel Aufhebens machen sollte, so hat das weiter nichts zu sagen; Nörgler giebt es überall, und es charakterisiert die amerikanische Stimmung aufs beste, daß der Führer der Republikaner diese vorlcmten Alber eien seines Kollegen aus irgend einem Hinterwälderdistrllt unter großem Beifall des Hauses scharf verwies und einen würdigen Empfang des deutschen Kaisersohnes durchaus billigte. Die Engländer haben aber, trotz ihres sonstigen gründ- licken Abfalles in dieser Sache, doch ihre Freude an solchen bedeutungslosen Episoden, und den kalten Wasserstrahl, den einem ihrer Minister wegen einer neuen frechen Thatsachen- verdrehung die deutsche Regierung ins Gesicht schüttete, werden sie so kaltblütig aufnehmen wie gewöhnlich. Ter Wasserguß Hal .alber just zur rechten Zeit die englischen Jntriguen in ihrer ganzen Nacktheit getroffen Und diese Nackthell, sie bewegt sich durchcms nicht in ästhetischen Linien, die es auch in der Politik giebt. Immerhin gehört schon eine so gehörige Dosis Charakterlosigkeit, wie man sie in den englischen leitenden Kreisen besitzt, dazu, einer anderen Macht das zum Borwurf zu machen, was man selbst gethan hat, womll man acher gerade bei dieser Macht auf Widerstand gefloßen ist. Aber was ist den Engländern Charakter, waS sind ihnen Bedenken und Erwägungen allgemein sllt- licher und humaner 9ättur. Schall und Rauch, nichts weiter. Im Anschluß an die letzte Erklärung des Unterstaatssekretärs Cranborne im englischen Unlerhause, daß der Botschafter Pauncesote bei der im April 1898 in der englischen Botschaft ju Washington asbgehaltenen Versammlung der Botschafter der europäischen Großmächte auf eigene Faust die Initiative ergriffen hat, bemertt die „Nat.-Ztg.": In Berliner unterrichteten Kreisen sei das bereits seit einigen Tagen ausgenommen worden, nachdem die Veröffentlichung des "Reichsanzeigers" erfolgt und dann von maßgebender englischer Seite die Initiative der englischen Regierung be- strllten war. Daß von anderer Seite eine solche Unterscheidung zwischen der englischen Regierung und einem ihrer Botschafter thatsächlüh ausgestellt werden durfte, leuchtet um so mehr ein, als in wichtigen Angelegenheiten Botschafter sonst nur gemäß den Instruktionen ihrer Regierung zu handeln pflegen. So erklärt sich auch, daß alle übrigen Botschafter die Auffassung bet deutschen teilten, während sie «andernfalls sicherlich Bedeuten mürben getragen getragen tjaben, ihrer eigenen Regierung den englischen Entwurf der Kollektivnote zu übermllteln. Gerade der englische Morllaut dieser Note sei ein weiteres bedeutsames Moment für die von allen Botschaftern geteilte Auffassung, daß die Initiative von Lord Pauncefote ausgegangen sei, da andernfalls ein französischer Text überreicht worden wäre. In einem Telegramm der „Times" aus Washington, das wohl unmittelbar auf Pauncefote zurückgeführt werden mu& wird jetzt unumwunden zu gestanden, daß der deutsche Botschafter berells in jener Botschafter - Versammlung einer Intervention durchaus nicht günstig gesinnt gewesen ist. Diese Angelegenhell ist also glänzend zu unseren Gunsten erledigt, nicht so aber die englische Weigerung, dem Deutschen Bürenhilfsbund zu gestatten, den Jammer der Konzentrationslager zu stillen und den Insassen derselben die Früchte der deutschen Liebeslhätigkeit in vollem Umfange zu teil werden zu lassen. Wenn man auch der deutschen Regierung zugestehen will, daß sie sich redlich geroillt zeigt, wenigstens nach dieser Richtung hin ihre in Wort und Schrift hyperängstlich gewahrte Neutralität hintanzusetzen, so hätte man doch rmmerhm annehmen dürfen, daß sie die englische Untiebenswurdigkell in gebührender Form öffenlltch charakterisieren würde. Andererseits aber durften wir erhoffen, daß unsere Regierung von der englischen eine Erklärung erreicht hätte, die etwas mehr wie nichts besagt; denn erheblicher ist der In hall der dem preuß. Landtage mitgeteilten Erklärung thatsächlich nicht, wenn man nicht etwa Worte für bare Münze nehmen will. Ter geschäftsführende Ausschuß des Buren-Hllfsbundes hat trotz dem beschlossen, sofort 300 000 Mk. für die Buren zu bewilligen. Tie eine Hälfte davon soll in barem Gelbe durch Vertrauensmänner und Komitees an die richtigen Stellen geleüet, die andere Hälfte zum Ankauf von Waren benutzt werden. Dem geschäftsführenden Ausschüsse sind neuerdings die Abgg. Prinz Arenberg, Tr. Frhr. v. Heeremann und Trimborn beige- treten. Was sind ErLärunge»-! Worte, nichts als Wortes Vertreter des Vorsitzenden, der nationalliberale Abg. Dr. Paasche zum Präsidenten gewählt werden dürste. Der Kompromisantrag ist aus der Mitte des Centrums und zwar aus der Initiative deS Abg. Herold hervorgegangen. In einem ^Morgenröte" überschriebenen, beachtenswerten Artikel bespricht die „Köln. Ztg." die „lange gesuchte und endlich gefundene Mittellinie" in Sachen des Zolltarifs, das Blatt sagt: „Hat man (regierungsseitig) die kleine Eitelkeit der großen Parlamentarier weise berücksichtigt, so hat man etwas weniger angeboten, als man geben wollte. Jedenfalls verringert sich die Spannung zwischen Angebot und Forderung derart, daß es verfehlt wäre, an solchen Lapalien das große Werk scheitern zu lassen. Bemerkenswert ist der beginnende Konflikt im konservativen Lager. In Elbing-Marienburg stehen sich zwei konservative Kandidaten gegenüber, Graf Dohna und Herr v. Oldenburg-Januschau. Der Elbinger konservative Verein, der den Grafen Dohna unterstützt, veröffentlicht in der konservativen „Elb. Ztg." eine Begründung seiner Stellungnahme gegen Herrn v. Oldenburg, in der sich u. a. folgende Sätze sinden: Der Vorstand weiß, daß Herr ». Oldenburg sich von je als extrem agrarisch gezeigt hat, und daß er allgemein als einer der radikalsten Führer der agrarischen Bewegung angesehen wird. Für die Reichstagswahl hält der Vorstand die Kandidatur Oldenburg für eine Gefahr für den Wahlkreis, wie er die un- gemäßigte Agitation der Führer der agrarischen Beweguna für eine Gefahr für konservative und monarchischeGe- sinnung im Volke und nicht zum mindesten auch f ü r di e berechtigten Ansprüche der Landwirtschaft hält. Er hat die Genugthuung, diese Auffassung durch die jüngsten Vorgänge in Berlin bestätigt zu sehen. Mit der Parteileitung dort würde auch er es gerade für die Landwirtschaft für ein Unglück halten, wenn der Reichskanzler, Graf Bülow, der für diese daS weitgehendste Interesse bethätigt hat, durch die verhöhnende Agitation der Führer des Bundes genötigt würde, fein Amt niederzulegen. Wir sind überzeugt, daß bei einer Kandidatur v. Oldenburg viele unserer Gesinnungsgenossen, die es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, einem der lautesten Schreier im Streit der agrarischen Opposition ihre Stimmen zu geben, im Wahlkamps versagen werden. Die Kekse des Artuzeu Kemrich. Prinz Heinrich von Preußen traf am Sonntag nach- -wittag gegen 1 Uhr, von Kiel kommend, in Bremen ein und nahm mit seinem Gefolge im Fürstenzimmer des Bahnhofs das Frühstück ein. Um 1 Uhr 40 Min. kam das weitere Gefolge des Prinzen Heinrich, von Berlin kommend, dort an, worauf um 1 Uhr 55 Win. die Abfahrt nach Bremerhaven erfolgte. Dort wurde der Prinz von den Spitzen der Militärbehörden empfangen. Beim Empfange waren außerdem anwesend der amerikanische Marine attache Bechler aus Berlin und der amerikanische Konsul in Bremen, Diedrich. Prinz Heinrich, der Marineuuiform trug, begab sich sodann an Bord des Schnelldampfers „Kronprinz Wilhelm", wo er vom Kapitän empfangen wurde. Der Obersteward begleitete alsdann den Prinzen und die Herren des Gefolges in die für sie bestimmten Kabinen. Das Publikum, das äußerst zahlreich erschienen war, brach beim Erscheinen des Prinzen in stürmische Hochrufe auA. Die Musik spielte die Preußen-Hymne. Nach kurzer Zeit erschien der Prinz wieder an Deck, vom Publikum abermals jubelnd begrüßt. Um 10 Minuten vor 4 Uhr ließ der Dampfer die Leine los. Die Musik spielte „Muh i denn, muh i denn zum Städtle hinaus" und die Menge rief dem Prinzen herzliche Abschiedsgrüße zu. Um 4 Uhr hatte der Dampfer den Hafen verlassen und dampfte seewärts. Kurz nach 6 Uhr war der Rote Sand-Leuchtturm und eine halbe Stunde später das Wcserfeuerschiff passiert. Der Prinz verbrachte den größten Teil des Abends auf dem Verdeck. Das Diner nahm der Drinz mit seinem Gefolge an einem besonderen Tische in oem gemeinsamen Speisesaale ein. Die Kapelle der zweiten Matrosen-Division aus Wilhelmshaven gab die Tafelmusik. Zuerst wurde ein Potpourri, dann amerikanische und vaterländische Weisen gespielt. Nach dem Tiner verweilte der Prinz längere Zeit mit seinem Gefolge in dem gemeinsamen Rauchsalon und zog sich etwa um 10 Uhr zurück. Der Dampfer hatte während der Nacht die prachtvollste, ruhigste Fahrt bei sorrdauerndem Frost und klarstes windstillem Wetter. Am Sonntag früh um 8 Uhr ertönte als Morgenmusik „Das tst der Tag des Herrn!" und „Ein feste Burg ist unser Gott!" Im herrlichsten Sonnenschein ging die Fahrt an der Küste Südenglands entlang. Bald nach 10 Uhr kamen die Insel Wight und die Forts von Portsmouth in Sicht. Der Solent-Lootse stieg an Bord. Der Prinz hatte nach dem gemeinsamen Frühstück gearbeitet und war später auf der Kommandobrücke, und sprach es wiederholt aus, wie sehr er sich auf den Besuch Amerikas freue. Kurz nach 12 Uhr erfolgte die Einfahrt in die Bucht von Siout- ha m p t o n. Zum Empfang erschienen an Bord der deutsche Marine-Attache in London Kapitän z. S. Cörper und der deutsche Konsul in Southampton Keller. Dieselben wurden zum Frühstück am Prinzentisch eingeladen. Tie Meiterfahrt erfolgte um 4 Uhr nachmittags. Eine neue - ©pifobe vor der Landung in Southampton verdient noch erwähnt zu werden. Als der „Kronprinz Wilhelm" 70 Meilen vom Cap North Foreland passierte, erhielt er eine Mareoni-Tepeschein englischer Sprache: „Ein großer Dampfer lies in der vergangenen Nacht auf Goodwin Sands auf. Rettungsboote und Schlepper sind von Ramsgate zur Hilfeleistung und Befreiung abgegangen." An Bord dos „Kronprinz Wilhelm" befinden sich 300 Kajüten- und etwa 700 Zwischendeckspassagiere. Prinz Heinrich bewohnt nicht die Prunkgemächer des Dampfers, sondern die Kapitänswohnung. Die Passagiere bewegen sich int Speisesaal und im Rauchzimmer in taktvoller Weise um den Prinzen, dessen liebenswürdiges und herzgewinnendes Wesen alle entzückt. Prinz Heinrich wird in Newyork vom Admiral Evans an der Quarantäne-Insel auf einem Bugsierdampfer der Marine erwartet werden, auf dem der Prinz und fein Gefolge dann nach der nahen Evans' Flotte bei Tompkins- ville ankernden „Hohenzollern" fahren werden. Dort kommen zur Begrüßung des Prinzen der stellvertretende Sekretär des Staatsdepartements Hill und der zum Ehrendienst bestimmte General Corbin an Bord der „Hohenzollern". Nach dem Austausch der Besuche wird die Flotte Die „Hohenzollern" an die 34. Straße geleiten, wo die kaiserliche Yacht vor Anker geh-t. Der Besuch des Prinzen Heinrich in der City Hall wird am 25. & M. 4 Uhr nachm. statt finden. 2Äe weiter aus Newyork telegraphiert wird, ist die „Hohenzollern" fortgesetzt Gegenstand von Ovationen. Graf Bauoissin wohnte am Samstag in Zivil der Vorstellung im Brodway-Theater bei. Er wurde erkannt. Im Zwischenakt spielte das Orchester die „Wacht am Rhein". Tas Publikum stand auf und schwenkte die Taschentücher, und als der Admiral sich verneigend erhob, ertönte orige* meines Hurra Graf Baudissin tauschte mit Evans Besuche aus. Aus Stadt und Sand. Nachrichten von allgemeinem Jnieressc finö uns stets willkommen und werden angcmcsjen honoriert. Gießen, 17. Februar 1902. ** Dekorierung. Der Kaiser hat dem vortragenden Generaladjutanten, Generalleutnant Grafen v. Hülsen- Haescler, Chef des Militärkabinets, unddeem Oberleutnant ä la suite der Armee Alexander Erbgrafen zu Erbach- Schönberg die Erlaubnis zur Anlegung des ihnen verliehenen Großkreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt. E. Ch. Konzert-Verein (am Sonntag den 23. Februar). Professor Joachim hat, fast in fester Minute, seine sämtlichen auswärtigen Verpflichtungen für den Februar gelöst und damit überall, wo er konzertieren sollte, Enttäuschungen und Verwirrung angerichtet. Es ist durchaus nicht leicht, für eine erste Kraft vollgiltigen Ersatz zu finden, und der Vorstand des Konzert-Vereins kann hiervon ein Liedchen sinden, was beinahe einen Konzert- Abend füllen könnte. Aber schließlich, nach Entgegennahme von gewuchtigen Körben, ist es ihm denn doch gelungen, in Frau Emma Rückbeil-Hiller, der vortrefflichen Sängerin, eine Künstlerin zu gewinnen, die manchem vielleicht willkommener ist, als der zuerst in Aussicht genommene. Unterstützt wird die Dame durch ihren Gatten, einen sehr achtungswerten Geiger, und durch Herrn ChristianGer- Hard Eckel, einen jungen Pianisten aus Frankfurt, der in engeren musikalischen Kreisen bereits Beweise seines- Könnens geliefert hat. ** Jagdverpachtungen. Die Jagd im Lützellindener Markmald hat der seitherige Pächter Rechtsanwalt Grünewald für 250 Mk. jährlich gegen 360 Mk. früher wiedergepachtet. — Die Langsdorfer Gemeindejagd wurde in 4 Teilen verpachtet. Jagdbezirk I—III erhielt für 1490 Mk. Jahrespacht der Langsdorfer Wildschaden-Abwehr-Verein zugeschlagen, während Jagdbezirk IV für 1005 Mk. jährlich an den Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich verpachtet wurde. Der Gesamt-Erlös beträgt für die Gemeinde Langsdorf somtt jährlich 2495 Mk. gegen seither 2790 Mk. ** Die Gewerkschaft Gießener Braunstein-Bergwerke norm. Ferme läßt für ihren Direktor am Oberhof, also in nächster Nähe der Betriebsstätten, ein Wohngebäude im Stile eines Landhauses errichten. Wie verlautet, soll die Gewerkschaft damit umgehen, den seither betriebenen Ackerbau aufzugeben und die für die Landwirtschaft benutzten Flächen zu verpachten. i. Röthges, 15. Febr. Bei der Bürgermeisterwahl ging Georg Henkel als Sieger aus dem Wahlkampf hervor. Nach der Wahl versammetten sich die Wähler, um sich durch einen kräftigen Trunk von den ausgestandenen Strapazen zu erholen. .. . - »■.!'.!!!-JU—, . — Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 18. Februar, abends 7 Uhr: „Margarethe." Schauspielhaus. Dienstag den 18. Februar, abends 7 Uhr: „Alt-Heidelberg.* Detaillisten- und Kaufmännischer Verein Vorträge des Herrn Rechtsanwalt Dr. Spohr, Giessen mit nachfolgender Diskussion. Erster Abend Dienstag den 18. Februar: Das erste Buch des neuen Handelsgesetzbuches. Zweiter Abend Dienstag den 4. März: Das Gesellschaftsrecht. Dritter Abend Dienstag den 18. März: Drittes Buch, I. und II. Abschnitt des H.-G.-B. Vierter Abend Zmlkgesetzte lmscrm vorzüglicher Qualität soweit Vorrat: 1391 2 Pfd.-Dosen Schnitt-Bohnen 29 Pfg. Junge Erbsen 39 tf Brech-Spargel mit Köpfen 95 •f do. ohne Köpfe 80 Stangen-Spargel 1.20 Junge Carotteu 60 ft Kirschen mit Stein 60 tf Pflaume» ohne Stein 75 „ Birnen rot und weiß 85 „ I. M. Schulhof. OOOOOOOOOOO Aetos. Mittwoch den 9. April: Drittes Buch, III. bis VII. Abschnitt des H.-G.-B. Kopf-UNdKaarwasser - w>mnnmniintt UM m-WEfiKZEUGiKöRZWAASENHANOlUNG Die Vorträge finden im Hanse des Kaufmännischen Vereins 8V« Uhr pünktlich. — Teilnehmerkarten für Nichtmitglieder ä Mk. 3. sind bei Herrn Hausverwalter Rinn zu haben. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. statt und beginnen jeweilig abends —, zu sämtlichen Vorträgen gütig, 1812 Die Vorstände. Reinen Milchzucker nach Vorschrift des deutschen Arzneibuches, empsiehlt 1142 Vietorla-Drogerie Adolf Bieler, Marklstraße 5. das desto der Welt. Reinigt die Kopfhaut und erhöht chre Thättgkeit, wirkt stärkend aus den Haarwuchs und verhütet das Ausfallen der Haare. Dieses Haarwasser, nach langjähriger Erfahrung heraestellt, ist als das denkbar beste Kopfwasfer erprobt und anerkannt. 1249 Flasche 1 Mark 50 Pfg. nur allein zu haben 1249 Adler-Drogerie Seltersweg 39 Otto Schaaf. Wir empfehlen: 394 Garantie-Werkzeuge für Schreiner, Glaser, Zimmerleute. Bau- und Möbelbeschläge, Sargverzierungen. Stechbeitel. Alle Arten Schlösser. Schippen. Hobel. Fischbänder. Ketten. Feilen. Thürbänder. Dunggabelo. 394 Sägen. Fensterbeschläge. Striegel. Sägeblätter. Drathstifte. Verzinkte Eimer. Bohrer. Kaminschieber. Ofenrohr. /Brüder Schmidt, Seltersweg 83 Ganz vorzüglichen Tafel Bienenhonig empfiehlt billigst 1248 Otto Schaaf. Haematogen per Flasche 2 Mk. 0231 Gust. Walter, Mäusburg 13. Wer auf die längere Haltbarkeit seines Wäschevorrates Wert legt Da bei richtiger Befolgung ihrer einfachen Wasch- Methode der Sodazueatz wegfällt und bei besserer Haushaltungswäsche das Kochen und Brühen unnötig ist, wird die Wäsche nicht durch versuche gimlighl Seife Zusatz schädlicher Mftmittel wie Soda etc. angegriffen. Theater - Verein 8. Vorstellung: Montag den 17. Februar: Haus Rosenhagen. Schauspiel in 3 Akten von Max Halbe. Gast: Otto Fricke, Frankfurt a. M. Anfang 8 Uhr pünktlich. Ende 10V2 Uhr. Billets im Vorverkauf bei Ernst Challier (Rudolphs Nachfolger) —— und abends an der Kasse. 1275 — 3 Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet 1303 Der Vorstand. Giessener Eeselulle-Verein. Donnerstag den 20. Februar 1902, abends 8% Uhr: Ordentliche Mitglieder - Persminliing in den Räumen der Lesehalle. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr. — 2. Neuwahl des Vorstandes. Permanente Ausstellung moderner Schlafzimmer von Mk. 300.— bis Mk. 2000.—. Fritz Nowack, Scltersweg 66 parterre und erste Etage. 1101 Verlobten besonders empfohlen. GeSattfch goacKulzL 1232 Zum bevorstehenden Versandt bitten wir unsere geschätzten Abnehmer um gefl. baldige Auftrage. O'0' Unserer heutigen Ausgabe liegt ein Prospekt von I. Butzbach in Friedberg, Verkaufsstelle von Losen der Großh. Hessischen Landes-Lotterie, bei. 1398