Nr. 14 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- blätler viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Bei lag der Brühl'schr. Unwers.-Buch- u.Stein d rucke rei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstraße 7. Adresse für Depeschen. Anzeiger Gieße«. Fernsprkchanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Freitag 17. Januar KNVS O monatlich 75Ps.,viettel- B ▼ A iährlich Alk. 2.20; durch GietzenerAnzelgerW General-Anzeiger v ää V ^7 für den poht. u. allgem. Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen V -Nr ' zeigenteil: Hans Beck. 3>ie yeutige Mummer umfaßt 12 Seiten. Aus dem preußischen Landtag. Aus Berlin, 16. Januar wird uns geschrieben: Im preußischen Abgeordnetenhause hat heute die erste Lesung des Etats begonnen. Wie vorauszusehen war nach den langen und im Ganzen nicht hervorragenden Etats- debatten des Reichstags, bleibt dem Landtag wenig zu fügen übrig. Selbst Abg. Richter vermochte diesmal nicht viel aus dem Etat hercmszuholen. Neben der Erörterung der preußischen Finanzverhaltnisse, die denselben Rückgang auf- wetsen wie die Finanzverhältnisse anderer Bundesstaaten, nahm die Kritik innerpolitischer Vorgänge und Verhältnisse einen geringeren Raum ein als in anderen Jahren. Satirisch gefärbte Bemerkungen über die Minister-Verabschiedungen im Mai vorigen Jahres und das Ausbleiben der Kanalvorlage gaben dem Grafen Bülow, der mit bemerkenswertem Eifer an den Arbeiten des Landtages teilnimmt und dadurch das Interesse an diesen Verhandlungen erhöht, Veranlassung zu einer Erwiderung. Die Ernennung und Entlassung der Minister sei ausschließlich das Recht der Krone. Er, Graf Bülow, siehe nach wie vor auf dem Boden der Kanalvorlage, könne aber über den Termin der Wiederem- bringung nicht mehr sagen, wie die Thronrede. Nun ist man so klug als rote zuvor; denn die Thronrede erwähnte eben auch nur, daß die Regierung „seiner Zeit" auf die arg mitgenommene Vorlage zurückkommen wird. — Vom Wortführer den Zentrums, Abg. Fritzen, wurde der Wunsch nach Zustandekommen des Zolltarifentwurfs geäußert. Andernfalls erleide der Reichstag große Einbuße an Ansehen. (Zustimmung.) An dem guten Willen des Zentrums, dem Zolltarifentwurf über die Schwierigkeiten hinwegzuhelfen, ist nicht zu zweifeln. Ob aber die Anträge, die vom Zentrum eingebracht imd verbreitet sind, und die vor allem den Zweck haben, die agrarfreundlichen und die industriefreundlichen Mitglieder der Fraktion unter einen Hut zu bringen, nicht schließlich den Effekt haben, daß ein Pferd vor, eines hinter den Wagen gespannt wird, sodaß der Zoll-Wagen nicht vom Fleck kommt, und bei der Abstimmung die Stimmen Für und Wider das Gleichgewicht halten: das ist eine Besorgnis, die den Wert der „Unterstützung" des Zentrums in der Zollfrage für die Regierung einstweilen ziemlich herabmindert. Im Zentrum soll es andererseits mißfällig vermerkt worden sein, daß der Vorschlag von der Verwendung der Ueberschüsie aus den Getreidezoll - Erhöhungen zur Waisen- und Witwenversicherung von der „Köln. Ztg.", anscheinend offiziös, so absprechend beurteilt wurde. Herr v. Heydebrand forderte namens der Konservativen mit dürren Worten die Kündigung der bestehenden Handelsverträge, falls die preußische Regierung nicht eine Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle im Bundesrat durchsetzen könne oder wolle. Herr v. Heydebrand gedachte in warmer Weise der Verdienste Miquels als Staatsmann und Reorganisator der preußischen Finanzen. Das ehrt den konservativen Parteiführer selbst, bringt aber in beschämende Erinnerung, daß man im deutschen Reichstage nach der Ausscheidung des Fürsten Bismarck aus dem Amt in keiner der Parteien, die von chm den Glanz empfingen, ein Wort übrig hatte für die Bedeutung dieses Großen. — Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben ließ bei aller Reserve, die er sich auferlegte, in seiner Rede durchblickcn, daß die preußische Regierung durch die „mahnende Stimme" zur Befürwortung höherer landwirtschaftlicher Zölle sich nicht bewogen fühlt. Der Mahnung setzte Frhr. v. Rheinbaben, der beiläufig — ein seltenes Ereignis — ein Kompliment vom grimmen Richter einheimsen durfte über die Klarheit seiner, des Ministers, Finanzausführungen, eine Warnung an die Agrarier entgegen. Durch weitergehende Forderungen gefährde man die Zugeständnisse an die Landwirtschaft un ZolltaEentwurs. Das heißt: es bleibt bis auf Weiteres beim 3x/2 Mk.-Gelrcide-Zoll, wenn der Zolltarif abgelehnt wird, well das Erreichte nicht genug erscheint. Aus den Äußerungen des Kultusministers ist erwähnenswert, daß über em neues Volksschulgesetz die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Das wird auch wohl sobald nicht der Fall sein — diese Vorlage ist ein ebenso „heißes Elsen" wie die Kanalvorlage. Are Eröffnung des englischen Aarlamertts. London, 16. Januar. Der König und die Königin begaben sich heute in voller Gala nach dem Parlamentsgebäude, um die Session zu eröffnen. Die Majestäten fuhren in einem prächtigen Galawagen, der Prinz und die Prinzessin von Males, sowie alle übrigen Mitglieder der königlichen Familie, auch der Prinz und die Prinzessin Karl von Dänemark folgten in anderen Wagen. Der König trug Feld- marschalls-Uniform, die Königin den Hermelinmantel und die ticine Diamantkrone. Auf den von einer dichten Menschenmenge gefüllten Straßen blldeten Truppen Spalier. Die Thronrede, mit welcher der König das Parlament eröffnete, beginnt mit dem Hinweise auf die glückliche Heimkehr des Prinzen und der Prinzessin von Wales von ihrer Reise nach .wcw)iedenen Teilen des Reiches, wo sie überall mit Kundgebungen lebhaftester Anhänglichkeit empfangen worden seien- Der König sei überzeugt. daß ihre Anwesenheit daselbst dazu gedient habe, die Bande gegenseitiger Achtung und Loyalität fester zu knüpfen, auf denen die Lebenskraft des Reiches beruhe. Meine Beziehungen zu anderen Mächten, fährt die Thronrede fort, sind andauernd freundschaftlich. Ich bedaure, daß der Krieg in Südafrika immer noch nicht beendet ist, obwohl er Dank der Operationen sich gün st igfüruusere Waffen gestaltet hat. Der Schauplatz des Krieges ist erheblich kleiner geworden- Die Industrie wird in meinen neuen Kolonien wieder aufgenommen. Trotz des ermüdenden Charakters des Kampfes zeigten meine Soldaten durchweg Freudigkeit in der Ertragung der Beschwerden der Guerillakrregführung und eine Humanität, sogar zu ihrem eigenen Schaden, in der Behänd luu g des Feindes, die das höchste Lob verdient- Die Notwendigkeit, diejenigen Truppen, welche am meisten den Beschwerden des Krieges ausgesetzt waren, ablösen zu lassen, gab mir Gelegenheit, wiederum von dem loyalen und patriotischen Anerbieten meiner Kolonien Gebrauch zu machen- Die neuen Kontingente aus Kanada, Australien und Neuseeland werden binnen kurzem in Südafrika eintresfen- — Die Thronrede fährt fort: Auf Einladung des Königs der Belgier ist eine internationale Konferenz Wr Beratung über die Zuckerprämien vor kurzem in Brüssel zusammen getreten- Ich hege die Zuversicht, chre Entscheidung wird zum Verlassen eines Systems führen können, durch das die Zuckererzeugung der Kolonien und die Fabrikanten int Mutterlande beim Betriebe dieses höchst wichtigen Industriezweiges in unbilliger Weise belastet worden sind- Die Thronrede erwähnt sodann den Vertrag mit den Bereinigten Staaten betreffend die Erbauung eines interozeanischen Kanals unter der Bürgschaft, daß dessen Neutralität aufrecht erhalten bleibe und der Kanal dem Handel und der Schiffahrt aller Nationen offenstehe. Die Thronrede berichtet sodann den Abschluß eines Vertrages mit Brasilien über die schiedsgerichtliche Entscheidung der Frage betreffend die Grenze von Guyana und bemerkt, mit großer Freude teile der König mit, daß der König von Italien sich bereit erklärt habe, das Amt des Schiedsrichters zu übernehmen. Ferner heißt es in der Thronrede: Die Re gen fälle in Indien seien weniger reichlich als zu wünschen sei- Die Fortführung von Notstandsvorkehrungen sei darum in geringem Maße in einzelnen Teilen des Landes nötig und die Unterstützungsmaßnahmen gegen die Hungersnot sollten in Bezug auf das einzuschlagellde Verfahren und dessen Wirksamkeit noch weiter verbessert werden. Sodann gedenkt die Thronrede des Todes des Emirs von Afghanistan, Llbdurhaman, und der Thronbesteigung seines Nachfolgers, Habib Ullab, der den ernsten Wunsch ausgedrückt habe, die sreunoschastlichen Beziehungen Afghanistans zum Indischen Reich aufrecht zu erhalten- Schließlich werden einzelne Vorlagen angekündigt betreffend Verbesserungen im Unterrichtswesen, Erleichterung des Verkaufs und Ankaufs von Land in Irland, sowie andere Maßnahmen lokalen Charakters. Die Verlesung der Thronrede wurde bei der auf die „Humanität der Truppen" bezüglichen Stelle dem sonstigen Brauch entgegen von lautem Beifall des Parlaments unterbrochen. Das Oberhaus bot ein prächtiges Schauspiel während der Verlesung der Thronrede- Es war in allen Teilen dicht gefüllt. Die Toiletten der Gemahlinnen der Pairs, die reichen Brillantschmuck trugen, sowie die scharlachroten Roben der Pairs boten einen farbenprächtigen Anblick- Unter den Anwesenden bemerkte man den deutschen, den österreichisch-ungarischen und den französischen Botschafter- Der Prinz von Wales saß zur Rechten, die Prinzessin zur Linken des Thrones- Prinz und Prinzessin Carl von Dänemark saßen ebenfalls zur Rechten- Die Pairsdamen trugen in der Mehrzahl weiß, aber auch blau, grün und verschiedene Schattierungen rosa waren zu sehen- Die Prinzessin von Wales hatte eine prächtige Robe gewählt, die aus schwerem weißen Atlas, mit juwelenbesetzter Spitze eingelegt, ist- Der Rock ist sehr lang- Die Spitze am Fuß ist so arrangiert, daß man einen Schimmer des Unterrocks sieht, der ein Schaum aus weißen Mohnblättern ist- Die Taille ist besonders lleidsam für ihre Trägerin, und an einer Seite mit einem Strauß weißer Mohnblüten mit Sammetrand und einem funkelnden Diamanten in der Mitte gehalten- Die zierlichen Aermel sind aus besonders schöner, mit Juwelen besetzter Spitze- Eine andere sehr schöne Toilette ist aus türkisfarbenem Sammet mit einem langen Mantel, eine Pariser Toilette ist aus hellrosa Atlas- Eure der kostbarsten ist eine Parlamentstoilette, deren Taille ein Chemisette aus kanariengelbem Crepe de Chine mit einem Jäckchen aus Alemronspitzen hat; zur Verbindung dienen Chiffonschärpen, die von einer großen Rosette zur andern gehen. Der plissierte Rock endigt in Spitzenstreifen, und Spitzenfalbeln sind unten auf den Crepe appliziert. Tie sehr schöne und neue Schleppe ist aus Spitze, die aus gelbem Atlas, eine oder zwei Schattierungen dunkler als kanariengelb, appliziert, mit Silber, Stahl und Krystall - Verzierungen geschmückt und mit Chiffon gefüttert ist- Lord Spencer schließt sich herzlich dem Lobe und der Bewunderung an, b.e den britischen Soldaten gezollt werde. Er erkennt völlig an, daß die Unabhängigkeit der südafrikanischen Republiken nicht gewährt werden könne- Ministerpräsident Salisbury: Spencer sprach von Bedingungen- Seine Ansicht scheine zu sein, oaß wenn eine Nation absolut ohne Provoralion m das Gebcet einer, anderen Nation eingedrungen sei, es Pflicht der anderen Nation sei, die Eindringlinge zu schlagen und sie zu ftagen, unter welchen Bedingungen sie in den Frieden willigen wolle. Er weise die Idee gänzlich zurück, daß es Sache Englands sei, da es unbillig angegriffen sei, hervorzutreten und zu sagen, unter welchen Bedingungen England sich den Angreifern ergeben wolle. Bei der Wiederaufnahme der Sitzung gab der Sprecher die seit dem Schlüsse der Session erfolgten Neuwahlen bekannt, darunter die für Galway. Graf Percy wollte hierauf als Prinzipiensache beantragen, daß die Wahl Lynchs, (Lynch wurde jüngst ins Unterhaus gewähll, obwohl er in den Reihen der Buren als Offizier gekämpft bat. D. Red.) eines notorischen Rebellen, als eine Beleidigung für das Haus erftärt, und eine Kommission ernannt werde, die in dieser Beziehung Schritte unter nehmen und berichten solle. Horner führt aus, daß, sobald Lynch sich im Hause einfinden würde, um seinen Sitz einzunehmen, er beantragen würde, ihn nicht zur Eidesleistung zuzulassen- Das Haus begann hierauf die Adreßdebatte- C a m» bell Bannermann will jedoch die Frage des südafrikanischen Krieges heute nicht erschöpfend behandeln, da sie durch einen Unterem trag zur Adresse von einem seiner Freunde mit seiner Ermächtigung aufge worfen werden solle. Wenn die Buren Frieden nachsuchen würden, werde Zeit genug sein, zu sagen, unter welchen Bedingungen der Frieden vorgeschlagen werden könne. Die Buren hätten stets den Gedanken, daß sie um Frietum nachfucheu würden, zurückgewiesen. Es sei nicht Sache Englands, zukünftige Amnestieen, Verfassung usw- als Lockspeise für den Feind auszusireuen, um ihn zu bestimmen, die Energie, mit der er den Frieden gebrochen, die Rechte Englands verachtet, und die Besitzungen be. Königs mit Elend und Verwüstung überzogen, zu mäßigen- Wenn der Feind den Frieden wünsche, müsse er kommen und dies sagen, und bis er dies thue, glaube er, daß die Regierung besser so wenig als möglich darüber sage. Ministerpräsident Salisbury verteidigt die Verhängung des Belagerungszustandes- Deutsches Reich. Berlin, 16. Jan. Der Kaiser hörte heute die Vorträge des Kriegsministers v. Goßler, des Chefs des Generalstabes der Armee, Grafen Schlieffen, und des Chefs des Militärkabinets, Grafen Hülsen-Häseler. — Heute morgen tra: der Kronprinz im Neuen Palais ein. — Der Großherzog von Baden beabsichtigt, zum Geburtstag des Kaisers nach Berlin zu kommen. — Der Führer der konservativen Fraktion des preuß. Herrenhauses, Frhr. v. Manteuffel, legte heute vormittag in ihrem Namen am Grabe Stahls (Friedr. Jul. Stahl, geb. 1802 zu München, war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts der Führer der preuß. Feudalpartei. Von jüdischer Abkunft, trat er schon im Alter von 17 Jahren dem cvang. Bekenntnis bei, seit 1840 wirkte er als ord. Professor an der Universität Berlin. Als Rechtsphilosoph vertrat er die Ansicht, daß der Staat wegen der biblischen Lehre vom göttlichen Ursprung der Obrigkeit eine göttliche Institution sei, und folgerte daraus, daß die Befehle der Obrigkeit die Macht eines göttlichen Gebotes haben, dem sich der Einzelne unbedingt fügen muß. D. Red. des Gieß. Anz.) anläßlich dessen 100. Geburtstages auf dem alten Matthäikirchhof einen Lorbeerkranz mit schwarz-weißer Schleife nieder. — Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung u. a. dem Entwurf von Bestimmungen über Beschäftigung von Gehilfen und Lehrlingen in Gast- und Schank- wirtschaften die Zustimmung erteilt. — Der „Deutsch. Tagesztg." zufolge sollen sich einige Vertreter der verbündeten Regierungen dahin ausgesprochen haben, daß der Bundesrat voraussichtlich nicht geneigt fein werde, bezügl. der landwirtschaftlichen Zölle, insbesondere der Getreidezölle, über die Sätze des Tarif entwurfs hinauszugehen. Ferner uerlaute, daß mehrere Bundesfürsten keinen Zweifel darüber gelassen haben, daß sie nicht in der Lage seien, die Vertreter ihrer Staaten im Bundesrat anzuweisen, für eine Erhöhung der genannten Zölle zu stimmen. — Die Budgetkommission des Reichstages begann heute die Beratung des Militäretats. Die ersten Kapitel der ordentlichen Ausgaben blieben unbeanstandet; nur die Mehrausgaben für dasMilllärkabinet wurden vorläufig ausgesetzt. — Dem preuß. Landtag ist ein Gesetzentwurf zugegangen, wonach die Landespolizeibehörden befugt find, zur Verhinderung der Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden Reklameschilder und sonstige das Landschaftsbild verunzierende Aufschriften und Abbildungen außerhalb der geschlossenen Ortschaften zu verbieten. — Der Abg. Graf Douglas hat dem Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurf vorgelegt, in dem er ersucht, die Staatsregierung aufzufordern, einen Gesetzentwurf zur Verhütung der schädlichen Folgen des Branntweingenusses einzubringen. Ausland. London, 16. Jan. Die Stadtverwaltung Londons beschloß, Chamberlain eine Adresse in Anerkennung für die den wahren Interessen des Landes geteiltsten Dienste zu überreichen. (!) Die Ad reffe wird in einem goldenen Kästchen dem Minister überreicht werden- (Wer rann sich lächerlicher machen, als die Londoner Stadt-Verwaltung! D- Red.) — „Daily Chronicle" meldet aus Rom, der Papst habe gestern beim Empfang amerikanischer Pilger einen Schwächeanfall gehabt, sodaß man ihn m seine Privatgemächer habe bringen müssen. Triest, 16. Jan. Das deutsche Sckulschiff „Charlotte" ist heute unter dem Salut der Strandbatterieen und des österreichischen Geschwaders in den Hafen eingelaufen. Der Statthalter, sowie die Spitzen der Militärbehörden und der dem Prinzen Adalbert von Preußen zugeteilte Offizier begaben sich sofort an Bord der „Charlotte", wo sie der Prinz begrüßte- Vom Bureukrieg. Eine Meldung des „Reuterschen Bureaus" aus Pretoria lautet: In den Flüchtlingslagern von Krügersdorp, Pot- chefstroom und Klerksdorp wurden kürzlich von dem General Andries Cronje und dem Kommandanten Vermaas Versammlungen von Burghers abgehaltcn, in denen Beschlußanträge angenommen wurden, welche gegen die nutzlose Fortsetzung des Kampfes von Delarey und anderen sich aussprechen; ferner wurde eine Resolution angenommen betreffend die Bildung einer neuen Abteilung von Nationalschützen zum Dienst im südlichen Transvaal; es sind Namen genug unterschrieben, so daß die neue Abteilung unverzüglich zu unabhängigen Operationen wird ab gehen können. Im englischen Parlament ist, wie wir an anderer Stelle heute ausführlich berichten, gleich in der ersten Sitzung des neuen Jahres von dem neu gewählten Abg. für Galway in Irland Oberst Lynch, der in Südafrika auf Seite der Buren gekämpft hat, die Rede gewesen- Man will in London absolut nicht mit diesem Manne au einer Bank zusammensitzen. Es heißt, daß er in Dover von englischen Detektiven erwartet wird, die die von Calais kommenden Boote beobachten- Die englische Regierung hat einen Verh aftsbefehl gegen ihn wegen Hochverrates erlassen. Herr Lynch wird sich dafür bedanken, nach London zu gehen, um die undankbare und gefährliche Rolle eines weißen Raben zu spielen- Der Ziegenzuchtvereirr der Provinz Oberhefsen. B. Gießen, 17. Januar 1902. Gestern versammelten sich die Vorsitzenden der Zicgen- zuchtvereinc und die Vorsitzenden der Sektionen im „Prinzen Carl" in Gießen zu einer Sitzung. Der landwirtschaftliche Prooinzialverein hat Normalsatzungen für die Ziegenzuchtvereine aufgestellt, die von dem Ausschuß des ersteren genehmigt sind, und auch nach längeren Ausführungen von den Vorsitzenden der angeschlosienen Vereine angenommen wurden. Interessant waren die Mitteilungen der Vorsitzenden über die Verhältniffe in ihren Vereinen. So wurde mitgeteilt, daß der Ziegenzuchtverein Gießen ca. 200 Mitglieder zählt. Die Zahl der Ziegen dieses Vereins beträgt 240 Stück. Die Tiere sind innerhalb des Vereins auf Gegenseitigkeit versichert; e§ werden pro Jahr 8 Prozent des Versicherungskapitals an Prämien bezahlt, und es konnten damit die ziemlich starken Verluste an Tieren bisher gedeckt werden. Es werden reine Saanenziegen oder doch nahezu race» ächte Tiere gehalten, die monatelang, nachdem sie Junge geworfen haben, bis 5 Liter Milch täglich liefern. Die Tiere sollen nn Durchschnitt des Jahres 21/, Liter Milch pro Tag geben. Da bekanntlich die Ziegenmilch weit gehaltreicher ist als die Kuhmilch und eine Ziege mit verhältnismäßig geringen Futtermengen erhalten werden kann, und keinen allzu großen Raum, nur ziemlich viel Bewegung in freier Luft beansprucht, so nennt man sie mit Recht die Kuh des kleinen Mannes. Wäre nur das Vorurteil gegen die Ziegen- hattung nicht so groß! Viele kleinen Leute, auch auf dem platten Lande hungern lieber eine Kuh durch, als daß sie sich dafür 2 Ziegen hielten und sie mit derselben Futtermenge reichlich ernährten. Die beiden Ziegen würden jedenfalls eine viel größere Milchmenge liefern als die schlecht .ernährte Kuh. So wurde aus dem Kreise Lauterbach berichtet, daß viele kleine Leute auf ihrenr kleinen Besitz nicht im Stande sind, eine Kuh zu halten, aber nicht zur Ziegenhaltung übergehen. Nicht selten pachten sie Aecker zum Preise von 25—30 ^Mk. pro 1/i Hektar, um bei diesem enormen Pachtpreise eine oder gar zwei Kühe halten zu können. Daß dies unwirtschaftlich ist und diese kleinen Leute nicht selten nur für den Händler arbeiten, der ihnen die Kühe auf Kredit geliefert hat und sie ihnen wieder nimmt in dem Augenblick, wo es ihm vorteilhaft erscheint, liegt auf der Hand. Auf dem Lande und in den kleineren und größeren Städten sollte von den Gemeindcvorständen eifrigst die Ziegenhaltung begünstigt und gefördert werden. Nicht selten geschieht aber das gerade Gegenteil. Man witzelt und spöttelt gern über die berechtigten Ansprüche der Ziegenhalter und läßt alles beim Alten. Eine wie wichtige Rolle spielt aber eine gute Ziege in der Familie der kleinen Leute bei der Ernährung der Kinder und der Erwachsenen. Liefert die Ziege bei sorgfältiger Haltung, wie von aßen Seiten von erfahrenen Ziegenhaltern behauptet wird, durchschnittlich täglich 2 >/z Liter- Milch und kommt diese Milch in einer Familie von 4 bis 5 Köpfen zum Konsum, so ist damit das Gedeihen der Kinder in erster Linie gewährleistet. Brot, Kartoffeln, Gemüse füllen wohl den Magen der Kinder, die Ziegenmilch aber ernährt und kräftigt den Organismus der Kleinen am besten, sodaß die Aufnahme schwerer verdaulicher Speisen weniger schädlich wirkt. So ernährte Kinder braucht man später in der Regel nicht in die Soolbäder zu schicken. Der Landwirtschaftliche Provinzialverein, dem im laufenden Jahre die Staatsmittel stark beschnitten sind, wird es sich trotzdem angelegen sein lasten, die Ziegenhaltung mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu fördern. So ist u. a. die Errichtung einer Zlegenzuchtslatton geplant, die den Ziegenzuchtvereinen und den Gemeinden, die beim Inkrafttreten des neuen KörgesetzeS gezwilngen sind, auf 80 Ziegen einen Ziegenbock zu hatten, gutes Material liefer, damit Vereine und Gemeinden nicht immer auf den Import von Zucht- material auS der Schweiz angewiesen sind. Die Tiere dieser Zuchtstatton sollen sich bei gutem Wetter tagsüber im Freien aufhalten, dabei kräftig ernährt und eine sorgfältige Auswahl nach Leistung getroffen werden. Der größte Fehler, der heute noch bei der Ziegenhaltung gemacht wird, ist der, daß man die Tiere zu jung zur Zucht verwendet und das an stete Bewegung gewöhnte Tier nicht selten jahraus jahrein an die Kette legt. Mindestens freie Bewegung im reinlichen, gut gelüfteten Stalle ist erforderlich zum Gedeihen des Tieres, natürlich bei angemessener Ernährung. Aus Stadt und Ianö. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und iverden angemcstcu honoriert. Gießen, den 17. Januar 1902. ** In der gestrigen geheimen Sitzung der Stadtverordneten iviirde u. a. beschlossen, die Stelle des Betriebsleiters unseres Elektrizität swerkes bis auf weiteres unbesetzt zu lassen, aber den Monteur L a n g e, der seit etwa 20 Jahren in elektrischen Betrieben beschäftigt ist, darunter die letzten 9 Jahre dauernd bei Schuckert n. Co., und der die Dynamomaschinen des hiesigen Werkes montiert und seit Eröffnung des Betriebes ständig den Maschinenbetrieb geleitet hat, im städtischen Dienst anzustellen. Ferner wurde beschlossen, die Stelle des Buchhalters beim Elektrizitätswerk dem bisherigen Materialverwalter des Wasserwerks Reitz zu übertragen und dessen Stelle durch den Kaufmann Karl Müller, einen geborenen Gießener, zu besetzen. — Die Stelle eines Gehilfen beim Gas- und Wasserwerk, die bisher der jetzige Bürgermeistereigehilfe Loh bekleidete, wurde vorläusig dem Gehilfen Eger und das Amt eines Rechners für die Gemeinde-Krankenversicherung, das früher der jetzige Standesamtssekretär Nau versah, dem Bürgermeistereigehilfen Loh übertragen. — Weiter wurden die Neuwahlen der Deputationen und Kommissionen vorgenommen, die folgendes Ergebnis hatten: Baudeputation: Dr. Gaffky, Haubach, Heiligenstaedt, Keller, Petri, Schiele (wie bisher). Finanzdeputation: Grüneberg, Emmelius, Heichelheim, Kirch, Loos, Schmall (wie bisher). Deputation für das städtischeGaS - und Wasser- werk: Georgi, Haubach, Heichelheim, Heiligenstaedt, Huhn, Schiele (wie bisher). Juristische Kommission: Georgi, Grüneberg, Wolff, Heichelheim (an Stelle von Grünewald), Dr. Gutfleisch, Dr. Schäfer. Landwirtschaftliche Kommission: Euler, Faber, Flett, Helfrich, Huhn, Löber (wie bisher). Schuldeputation: Georgi, Dr. Fuhr, Heichelheim, Krumm, Löber, Jann (an Stelle von Schmall). Marktkommission: Euler, Faber, Flett, Helfrich, Jughardt, Loos (wie bisher). Einquartierungs-Kommission: Brück, Faber, Huhn, Keller, Löber, LooS (wie bisher). Wirtschaftskommission: Hanau, Jughardt, Keller, Kirch, Orbig, Pirr (an Stelle von Löber). Armendeputation: Neugewählt wurde Löber (an Stelle vou Emmelius); im übrigen wie bisher. Beurkundungskommission: Helfrich, Jughardt, Keller, Wallenfels (wie hisher). Vorschlagskommission: Heichelheim, Jughardt, Keller (wie bisher). Deputation für den Arbeitsnachweis: Emmelius, Faber, Heyligenstaedt, Kirch (soweit die Mitglieder von den Stadtverordneten gewählt werden, wie bisher). Kuratorium der städt. Mädchenschule: Georgi, Jann (an Stelle von Schiele), als Ersatzmann Emmelius und Direktor Dr. Rausch. Brenn materialien-Kommission: Heyligenstaedt, Schaffstaedt (an Stelle von Kirch), Löber. Spezialkommission für die Wiederbelebung der Gießener Pferdemärkte: Wie bisher. Die Besetzung der Schlachthaus-Kommission wurde vertagt und beschlossen, für zwei dem Metzergewerbe angehörige Mitglieder Vorschläge der Innung abzuwarten und für einen dritten Metzger, der der Innung nicht an- gehören soll, Vorschläge durch die Bürgermeisterei von den der Innung nicht angehörenden Metzgern einzuholen. — Ferner wurde auf Antrag des Stadtv. Krumm beschlossen, eine sozialpolitische Kommission einzusetzen, die bestehen soll aus dem Bürgermeister oder dem besoldeten Beigeordneten als Vorsitzendem und 6 Stadtverordneten. Als Mitglieder dieser Kommission wurden gewählt die Stadtv. Gui- fleisch, Hanau, Heyligenstädt, Huhn, Krumm und Schaffstaedt. ** Otto Beck, das beliebte Mitglied des Cölner Stadttheaters, der im kaufmännischen und Ortsgewerbeverein schon mehrmals als Rezitator großen Erfolg hatte und im letzten Winter dem hiesigen Theaterpublikum sich als ein ausgezeichneter „Kollege Crampton" vorstellte, wird am Montag dem 20.d.M. im Theaterverein in einer seiner besten Rolle gastieren. Die Rolle des Null-Anerl in dem bekannten Volksstück „s'Nullerl" wird Herrn Beck Gelegenheit geben, uns sein Können von einer ganz neuen Seite zu zeigen, lieber ein Gastspiel Becks als Nullerl in Coblenz schreibt die dortige Kritik: „Wir kannten Herrn Beck bis jetzt nur als trefflichen Rezitator, der besonders in Dialektstückem Hervorragendes bot. Seit gestern können wir auch verstehen, warum das Cölner Publikum ihn zu seinem Liebling gewählt hat. Herr Beck ist kein Virtuose, der mit Effekthascherei zu blenden versteht, er ist ein Künstler mit chlichtesten Mitteln, aber gewaltigem Können. Sein Nullerl trat nirgends aufdringlich hervor, er lenkte nicht durch sonst bei Gästen beliebte Mätzchen bei jeder Gelegenheit die Aufmerksamkeit der Zuschauer zum Nachteil des Ganzen auf sich. Be cheiden, aber im Innersten ergreifend trat er vor uns hin, in der äußeren Erschein- ttng wie in Sprache nnd Spiel die lebenswahrste Verkörperung des gequälten und doch so zufriedenen, anspruchslosen Torfarmen. Ob er weint oder lackt, ob er frostbebend dasteht oder mit brüchiger Stimme seinen Juchser ausftößt, immer ist er echt und währ. Wir haben den berühmten Schweighofcr wiederholt in dieser seiner Paraderolle gesehen, stelle,i aber seinen Null-Anerl nicht über den des Herrn Leck". ** Allerhöchste Verordnung, betreffend c 0 r b cn und Ehrenzeichen. Der Großherzog hat folgende Verordnung betr. d,e Orden und Ehrenzeichen erlassen, die im Verlaufe eines Feldzuges oder einer militärischen Expedition erworben werden: Ich habe Mich bewogen gesunden, unterm heutigen Tage nachstehendes zu verordnen: Um den Teilnehmern an einem Feldzüge , oder an einer militärischen Expedition eine besondere Auszeichnung zu verleihen, sind von jetzt ab sämtliche Orden und Ehrenzeichen — Kriegsdenkmünzen ausgeschlossen —, welche im Verlause eines Feldzuaes oder einer militärischen Expedition erworben werden, am Kriegsbande zu tragen. Das Kriegsband ist das Band Meines Militär- Verdienstkreuzes. ** B e st ä t i g u n g. Der Großherzog hat den von dem Frhru. v. Leonhardt auf die evang. Pfarrstelle zu Kaichen, Dek. Nodheim, präsentierten Pfarrassistenten Sch aab zu Vilbel für diese Stelle bestätigt. ** Das Regierungsblatt Nr. 1, ausgegeben am 15- Januar 1902, enthält u. a. eine Bekanntmachung, die Dienstbücher der Schiffsmannschaft auf deutschen Rhein- schiffen betreffend, ferner folgende Bekanntmachung, den Urlaub der Staatsbeamten betreffend: 1) lieber Gesuche von Staatsbeamten um Erteilung von Urlaub hat das vorgesetzte Ministerium zu entscheiden- Das Ministerium kann die ihm unterstehenden Behörden oder Beamten allgemein oder für bestimmte Fälle zur Erteilung von Urlaub ermächtigen, sofern dieser Urlaub für sich allein oder in Zusammenrechnung mit Urlaub, der dem Beamten innerhalb desselben Kcv- lenderjahres bereits bewilligt worden ist, die Dauer eines Monats nicht übersteigt- 2) Die Bekanntmachungen vom 17. Juli 1820 (Reg^ Bl. S. 355) und vom 21. März 1872 (Reg.-Bl. S. 101), den Urlaub der Zivildiener betreffend, werden aufgehoben. * * Verein zur Beschäftigung Arbeitsloser für das Groß« Herzogtum Hessen und die Provinz Heffeu-Naffau. Dem Berichte des Vorstandes des Vereins entnehmen wir, daß der Stillstand in der Industrie zunächst noch ohne wesentlichen Einfluß auf den Besuch der Arbeiterkolonie Neu- lllrichstein in der Betriebszeit vom 1. Juli 1900 bis 30. Juni 1901 geblieben ist, daß aber für den Winter mit höchster Wahrscheinlichkeit auf eine wesentlich gesteigerte Inanspruchnahme der Kolonie gerechnet werden muß. In der That ist die Zahl der Kolonisten Ende Oktober 1901 bereits auf 70 gestiegen. Bedauerlich ist der Rückgang der Mitgliederzahl und damit der Rückgang der Einnahmen aus Beiträgen, welche zum Gegenstand ernster Sorge für die Zrckunft zu werden droht. Abermalige Zuschüsse haben geleistet der Regierungsbezirk Cassel mit 1500 Mk. und der hessische Staat mit 3000 Mk. Außerdem erhielt der Verein von den Kreisen Frankfurt a. M. 150 Mk., Schlüchtern 50 Mk., Hofgeismar 50 Mk., Rotenburg 50 Mk., Hersfeld 100 Mk., Fulda 100 Mk., Kirchhain 50 Mk., Eschwege 100 Mk., Landkreis Cassel 60 Mk., Marburg 50 Mk., Frankenberg 50 Mk., von der Stadt Darmstadt 100 Mk. * * Gießener Zither-Orchester. Eine größere Anzahl hiesiger Zitherspieler hat sich unter dem Namen ,,D' Lahnthaler Gießener Zither-Orchester" zu einer Vereinigung zu« sammengeschlossen, die sich die Förderung der Zithervereins« musik zum Zweck macht. Da die Vereinigung nur aus spielenden Mitgliedern besteht, so ist gewiß anzunehmen, daß sie schöne Erfolge erzielen wird. Die Leitung liegt in Händev des Herrn Rud. Rödiger, der schon längere Jahre einem hiesigen Zithermusikverein als Dirigent vorgestanden hat Die Proben werden wöchentlich Dienstag abends im „Post- keller" abgehalten. Dem Verein noch fernstehende Zitherspieler finden jederzeit Anschluß und weitere Ausbildung. * * Der Maschinenbauerverein veranstaltet morgen, deu 18. Januar, im Saale des Lass Leib einen Maskenball« Wie man uns mitteilt, sind zur Erheiterung der Teilnehmer zwei schöne Gruppen, sowie sonstige Ueberraschungen vorgesehen. Der Verein hat weder Mühe noch Kosten gescheut, um den Abend zu einem recht humoristischen zu gestalten. t. Leihgestern, 16. Jan. Hier fand ein Bauer beim Aus- leeren eines Pfuhlloches ein Frauenhemd, gezeichnet M. M Es entrollte ihm ein Gegenstand, der in dem Loch versank und den man trotz eifrigen Suchens bis jetzt noch nicht fand. Auch die Gendarmerie hat sich der Sache angenommen. B. Gleiberg, 17. Jan. In vergangener Nacht brannte ein dem Maurer Ph. Leib gehöriges Stallgebäude nieder. § Butzbach, 16. Jan. Im Frühjahr soll hier ein außerordentlicher Sän gertag ftattfinben. — Unser Altertümer- und Trachtenmuse um wurde im letzten Jahre von mehr als 500 Gästen besichtigt, während das Jahr 1900 nur 380 auswärtige Besucher aufwies. Marburg, 16. Jan. Ein junges Mädchen in Oberurff bei Zwesten hat ihr heimlich geborenes uneheliches Kind auf ihrer Schlafkammer alsbald nach der Geburt um gebracht und den Leichnam im Bettstroh verborgen. Die unnatürliche Mutter hat darauf volle 15 Nächte in demselben Bett mit dem Leichnam geschlafen, bevor der Mord entdeckt wurde. Die Mörderin legte nach anfänglichem Leugnen ein Geständnis ab, und wurde in das hiesige Landgerichtsgefängnis überführt, um demnächst vor das Schwurgericht gestellt zu werden- Vermischtes. * Hannover, 16. Jan. Der Rendant Thomas Schütz von der Gronauer Sparkasse ist unter Mitnahme von 10 000 Mark, die er an die dortige Fi li a l e d e r Darm- st ä d t e r Bank senden sollte, flüchtig geworden- * Komotau, 16. Jan. Infolge eines Felssturzes entgleiste heute zwischen Schlackenwerth und Puenstcin der Schnellzug. Der Lokomotivführer und der Heizer wurden chwerverwundet, mehrere Reisende, darunter ein Graf Nostiz, kamen mit leichten Verletzungen davon. * London, 16. Jan. In der Nobelschen Sprengstoff- abrif wurden durch eine Explosion 3 Personen getötet Paris, 16. Jan. Der Kassationshof bestätigte das Todesurteil gegen ben Bauern Briere, der bekanntlich seine Kinder ermordet hat. Rom, 16-Jan. Bei Carrara wurden in einer Hütte )ic Leichen des Polizeikommissars Levis und einer vornehmen verheirateten Dame aufgefunden. Wie festgestellt wurde, sind die beiden von dem Gatten der Dame beim Stelldichein überrascht und luedergeschossen worden. Der Mörder ist flüchtig. "Brüx, 16. Januar. Der Kaiser spendete für die Hinterbliebenen der bei der Katastrophe Verunglückten 10000 Kronen. Im Jupiterschacht ist der Wasserstand 0,45 Meter über bei Füllsohle. Im Förberschacht brennt Licht, woraus zu schließen ist, baß ber Ventilator auf die Wetter- ührung wieder einwirkt. Sobald die Füllortsohle wasserfrei wird und die Förderschale freigemacht ist, wird mit Pumpen begonnen. Die benachbarten Schächte bleiben vorläufig außer Betrieb. Bergungsarbeiten sind von der angeordnetcn Ver- stürzung der obertägigen Pingen-Gefahr unzulässig. 'Agram, 16. Januar. Hier wurden gestern und heute früh leichte E r d st ö ß e, in Kostjanica am Unaflusse ein stärkerer Erdstoß verspürt. Unfälle sind nicht vorgekommen. * Warschau, 16. Jan. Der 23 jährige Sohn des Aonditoreibesitzers Thur schost auf eine 19 jährige Christin und richtete den Revolver darauf gegen sich selbst. Der Zustand der beiden Verletzten ist levensgejährlich. * Schnee st urmnachrichten kommen aus verschiedenen Gegenden Mitteleuropas. Irr Berlin verunglückten in heftigem Schneefturm vier Personen, die zum Teil erhebliche Verletzungen davontrugen. Ein Halberfrorener wurde in ein Krankenhaus gebracht- — Im Logt lande und in Thüringen hat der Wettersturz schweren Schaden angerichtet. In Mittel-Thüringen liegen die niedergegangenen Schneemasien tetlwe-ise 1 Meter hoch. Auf zahlreichen Eisenbahnlinien wurde der Verkehr erheblich gestört. — Auch in Görlitz hat der orkanartige Sturm großen Schaden angerichtet. Das Wellblechdach des dortigen Stadttheaters wurde abgehoben und eine Person durch die Trümmer des Daches nicht unerheblich verletzt. — In Oberschlesien sind alle Chausseen verschneit; der Straßenbahnverkehr mußte im ganzen Jn- dustriebezirk eingestellt werden- Auch auf der Staatsbahn erleiden die Züge große Verspätungen. — In Wien richtete ein Orkan an Gebäuden und Kulturen großen Schaden an. Ueber 50 Personen sind zum Teil schwer verletzt, und die Telegraphen- und Telephonleitungen meist vernichtet- 'Die edlen Polen. In Strasburg in Westpr. herrschen seit einiger Zeit unheimliche Zustände. Zuerst wurde seitens einiger Schreihälse den Deutschen mit „Sensenmännern" gedroht, und neulich wurde ein Wachtposten überrumpelt und mißhandelt. Am letzten Sonnabend wurden wiederum zwei Soldaten der dortigen Garnison angefallen. Die Uebelthäter sind allem Anschein nach Polen, und sie sollen sich zur Aufgabe gemacht haben, an der Strasburger Garnison Rache zu üben „für Wreschen". Es han- dell sich hier zweifellos um die Arbeit von Aufwieglern, die einen bestimmten Zweck im Auge haben. Die Graudenzer polnische Zeitung warnt in einem Extrablatt die Strasburger Polen vor unbesonnenen Schritten und Gewaltthätigkeiten und meint, jene Aufwiegler wären jedenfalls bezahlte Agenten, die eine polnische Revolution machen sollen, um den Feinden des Polentums willkommenes Material zu einer neuen Polenhetze zu verschaffen. Das polnische Blatt sagt, wer auf die Stimme jener Aufwiegler hört, sei ein gefährlicher Feind des Polentums, und das polnische Volk werde sich von chm lossagen.__________ Hande! und Verkehr. Volkswirtschaft. Creseld, 16. Jan. Die erste Rate der Hafen-Anleihe in Höhe von 5 Millionen Mark wird durch das Bankhaus Delbrück, Leo u. Eo. in Berlin zum Kurse von 102,28 aufgelegt. — Amerikanischer Gctrcidcschwiudel. Daß die amerikanischen Getreideschwindler schon oftmals großartiges leisteten, ist bekannt und so war auch das neueste Ereignis auf diesem Gebiete, von den: wir gestern kurz berichteten, keine allzu große lieber» rafchung. Man ist allmählich gewohnt, von drüben Sensationsmeldungen erhalten. Zuerst kam ein Preissturz des Kupfers, dann ein solcher des Zuckers und nun des Getreides; alles, Produkte, in denen Terminhandel getrieben wird. Die betreffenden Märkte sind der Tummelplatz für das frivolste Spekulantentum. Der „M a i s k ö n i g" Phillips, in Firma George SDl. Phillips u. Lo, in Chicago hat seine Zahlungen eingestellt. Er war schon im August d. I. einmal in der Lage, seine Zahlungen einzustellen, da er sich verspekuliert hatte. Freunde halfen ihm, sie werden ihn auch diesmal nicht sitzen lassen. Leute dieser Sorte gehen nicht unter in Amerika. — Im übrigen hat weder der Berliner noch der Frankfurter Getreidemarkt unter der amerikanischen Baisse zu leiden, denn beide Plätze haben keinerlei Beziehungen zu Spekulanten von der Sorte des berüchtigen ßiiter, der 1898 einen Corum in Weizen zu inszenieren suchte und damit scheüerte und von der Sorte eines Phillips, dem seine Freunde so schnell geholfen haben. — Zur Lage der Textilindustrie. Man begegnet den Versicherungen, daß sich einzelne notleidende deutsche Industriezweige auf dem Wege der Besserung befinden, nicht mit Unrecht mit Zweifeln. Doch soll auf dem Gebiete der Textilindustrie die Krisis chatsächlich beendet sein. Der „Konfektionär" meldet, daß in Sachsen und im Vogtlande die Industrie reichlich mit Aufträgen versehen ist. Ferner sei die Chemnitzer Strumpf- und Trikotageindustrie reichlich beschäftigt, desgleichen die Spitzen- und Gardinenfabrikation in Plauen und die Lausitzer Tuchfabrikation. Aus Elsaß, Süd- und Mitteldeutschland kommen ebenfalls günstigere Berichte und in der rheinischen Seidenindustrie macht sich einiges Leben bemerkbar. — Die neuen Staatsanleihen. Zu der demnächst statt- findenden Emission ist noch au erwähnen, daß außer den nunmehr begebenen Beträgen das Reich für späterhin die Ausgabe von 182 Millionen Mack neuer Reichsanleihe, Preußen von 125 Mill. 3 Prozent Konsols in Aussicht nimmt. Tie Ausgabe der neuen Reichsanleihe ist vorerst im nächsten Frühjahr zu erwacken. Leipzig, 16. Jan. Vor dem Kgl. Amtsgeckcht fand beute ein Prüflings, errnin für die nachträglich anaemeldeten Forderungen der Leipziger Bank statt. Größere Beanstandungen erfolgten nicht. Im Ganzen find nunmehr an 11,020 Gläubiger zu berücksichtigen. Die Konkursverwaltung teilt mit, die Gläubiger würden von heute ab benachckchtigt, daß an sie vom Montag ab in der Reihenfolge der Anmeldungen der Forderungen die ersten Raten der Dividende zur Auszahlung gelangen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Gottesdienst. 2. Sonntag nach Epiphanias, den 19. Januar. m 3« der Stadtkirchc. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Dr. Grein. Nachmittags 2*/g Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrassistent Vogt. Abends 5 Uhr: Siehe Johanneskirche. Donnerstag den 23. Januar, abends 8 Uhr im unteren Konfirmandensaal, (Kirchstratze 9): Bibelstunde. Jac. 5, ff. Pfarrer Dr. Grein. Am Sonntag den 26. Januar, findet im Abendgottesdienst Deichte und heil. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. In der Johanneskirche. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Lukasgemeinde. Pfarrer Euler. Nachmütags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Montag den 20. Januar, abends 8 Uhr, B i b e l st u n d e im Konfirmandensaale der Johanneskirche. Pfarrer Euler. Die auf Dienstag den 21. Januar verabredete Zusammenkunft der neukonfirmierten Mädchen der Lukasgemeinde im Sckwesternhause, findet erst 8 Tage später — am 28. Januar — Wt Pfarrer Euler. Katholische Gemeinde. SamStag den 18. Januar. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. Sonntag den 19. Januar. 2. Sonntag nach Epiphanie. Vormittags von 6', Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. w um 7 Uhr: Tie erste heil. Messe. vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. w w 8 Uhr: Die zweite heil. Meffe. Militärgottesdienst mit Pregigt. „ „ 9l/i Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 6 Uhr: Christenlehre; darauf sakramentalische Bruderschafts-Andacht. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Wetter Januar = Jd o ° c aJS Ä 16. 16. 17. 2» 756,2 + 5,3 5,9 89 NW 9" 758,4 + 5,9 6,3 91 W. 7“ 759,1 + 4,7; 5,9 92 W. Bed. Himmel Äew. „ Höchste Temperatur am 15. Jan. bis 16. Jan. 4- 6,7° C. Niedrigste „ „ 15. „ „ 16. „ — 0,1° C. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. London, 17. Jan. Im Oberhause erklärte Lord Rosebery, keine Regierung werde geneigt sein, den Großmut von 1881 zu wiederholen. Er wünsche zu wißen, ob Friedens- rroffnungen in jüngster Zeit gemacht Word n seien. Salisbury erwidert, daß es nicht der Fall sei. Rosebery fährt fort: Es gebe kein Land, wo der britische Rame nicht mit Feindseligkeit angesehen werde. Tas sei ein sehr gefährlicher Zustand. Bezüglich der letzten Rede Chamberlains glaube er, daß Chamberlain darin die richtigeAntwort getioffen habe. Toch erregt n die fortwährenden Kontroversen mit Deutschland und anderen Mächten, wozu Chamberlain beitrage, seine ernste Besorgnis. Lord Lawsdowne erklärt, es sei nicht wahr, daß England allgemein inEuropaverabscheut werde; und selbst wenn es wäre, hätte Rosebery das nicht im Rat der Ration proklamieren dürfen. England genieße zwar eine sehr große und unbequeme Unpopularität aus dem Fest- lande infolge des südafrikanischen Krieges. Er könne aber nicht zugeben, daß Englands Stellung gegenüber den Großmächten unbefriedigend sei. Was nun die militärische Stärke betreffe, so habe man in Süd • Afrika doch wohl die ganze Zeit über eine Streitmacht von über 200000 Mann aufrecht erhalten, und augenblicklich gebe es kaum eine leere Kaserne im Königreich. Tas höchste Ziel sei die Beendigung des Krieges. Die Adreße wird sodann angenommen, worauf sich das Haus bis Montag vertagt. London, 17 Jan. Gestern spät abends wurde ein Blaubuch über die Lage in Südafrika ausgegeben. Milner er- klärt darin: Ohne allzugr-ßen Optimismus an den Tag zu legen, sei es unverkennbar, daß seit seiner achtmonatlichen Rückkehr nach Südafrika dort große Veränderungen eingetreten seien, vor Allem absolute Sicherheit der Eisenbahn und Pazifizierung größerer Distrikte im Innern. — Trotzdem die Opposition in der ersten Sitzung scharf zu Tage getreten ist, so waren die Verhandlungen doch nicht sensationell. — „Daily Mail" sagt, daß die Thronrede die Ehre der englischen Armee gerächt habe. London, 17.Jan. Unterhaus. Fortsetzung. Chamberlain wurde bei seinem Erscheinen im Hause mit andauerndem Beifall auf den ministeriellen Bänken begrüßt. Im Laufe der Adrcßdebatte beklagte sich Campbell Bannerman über die Unzulänglichkeit der von der Regierung bezüglich des Krieges gegebenen Aufklärungen und verlangte eingehende Mitteilungen übee die Anwendung des Kriegsrechts. Es sei nicht im Zntereffe der gedeihlichen Entwickelung Südafrikas, wenn man unerbittlich die Politik der Gewalt und Eroberung fortsetze. Die Hauptsache sei, die Buren wißen zu laßen, daß man zu einer Lösung gelangen müße, die auf gegenseitiger Zu- stimmung und nicht aus Gewalt beruhe, dies ist die Politik seiner Partei. Redner protestierte gegen die Einführung von Zwaugsmaßregeln in Irland. Balfour erwiderte: Die Regierung habe keinerlei Nachrichten über den Krieg unterdrückt. Die Regierung sei entschloßen, die Buren zu unterjochen und ihr Land zu annektieren. Auf eine Anfrage bezüglich des Zwischenfalles am persischen Meerbusen erklärte Cranborne, die Politik Englands habe in dieser Frage keine Aenderuug erfahren. Tas Ziel der Politik sei der Einfluß Englands in dem Golf. Da England dort thatsächlich ein Handelsmonopol besitze, so sei es infolge des Zwistes zwischen zwei Scheiks genötigt gewesen, zur Aufrechterhaltung des Status quo eine Flottenmacht dorthin zu entsenden. Mafeking, 17. Jan. Die Buren unter Kemp und Collier machten in der letzten Woche einen kombinierten Vorstoß, indem sie die Bahnliaie von Osten nach Westen ab- schritten. Em Kontigent traf in Millowdamm wenige Meilen von Mafeking ein, und überraschte die dort stehende eng- lischt Besatzung. Es folgte ein Gefecht. Ein anderes Kont'gent zog bis 5 Meilen vor Janmaribasstadt, nahm dort das Vieh weg und verbrannte die Wagen, die ihnen in die Hände fielen. Andere Buren griffen die Besatzungen von Maritzani und Kraaisstan an. Die Engländer brachten einen Panzerzug ins Gefecht. 3 gefallene Buren wurden aufgefunden, e ner wurde gefangen genommen. Einige Stück Vieh wurden den Buren wieder abgenommen. Man nimmt an, daß der Feind mit 1000 Stück Vieh entkommen ist. Die Haupt- maße der Buren ist am 10. Januar über die Bahnlinie zurück- gegangen. Berlin, 17. Jan. So weit bis jetzt feststeht, wird Prinz Heinrich am 20. Äiärz die Heimreise auf dem Lloyddampser „Deutschland" der Hamburg-Amerikcv-Linie antreten. Auf der Hinreise wird der Prinz in Newport News die Hohenzollern besteigen, den Potomac hinauf direkt nach Washington fahren und von dort aus in Begleitung des Präsidenten nach New-Iort zur Taitfe der kaiserlichen Jacht abgehen. In New-Bork wird er mit den hervorragendsten amerikanischen Hacht-Eigentümern konferieren, und diese im Auftrage des Kaisers zur Teil* nähme an der Kieler Woche einladen. Ebenso wird Prin^ Heinrich den Präsidenten ersuchen, das amerikanische Mittelmcer-Geschwader zur genannten Zeit nach Kiel zn entsenden, damit die amerikanischen Matrosen an däw Matrosen-Wcttfahrcn teilnehmen können. Der Prinz nimmt ein wertvolles Geschenk des Kaisers für Miß Roosevelt mit Hannover, 17. Jan. Ter Zustand des Landratsf von Bennigsen ist bedenklich. Sein Gegner im Duell, Falkenhagen, reiste sofort nach Hameln ab, um sich der Behörde zu stellen- London, 17. Jan. Das Mitglied des Unterhauses, Karr, beabsichtigt die Regierung zu interpellieren, ob der deutschen Regierung Versicherungen bezüglich der C h a m b e r l a in'schen Rede gegeben loor- den, und welcher Art dieselben seien. Brüx, 17. Jan. Gestern nachmittag fanden ein Ingenieur und ein Bergwerks-Kommissar, die in den säst gänzlich vom Wasser befreiten I u p ite r-Sch acht einstiegen, einige Meter von dem Schacht-Eingange die erste Leiche. Es wird nun ununterbrochen cm der Bergung der Umgekommenen gearbeitet, und man hofft heule die gefundenen Leichen heranfbesördern zu können, Im Radetzky-Schacht sollte gestern mit zwei Drittel Belegschaft gearbeitet werden. Der Guido-Schacht ist noch auper Betrieb- Die feiernden Arbeller werden so weit wie möglich beschäftigt. Gestern fand sich ein vermißt geglaubter Bergmann wieder em. Er hatte sich vor Freude über seine Rettung einen Rausch angetrunken, den ec erst nach zwei Tagen wieder ausgeschlafen hatte. Telephonischer Kursbericht. 3 */8% Reicheanleihe 30/, do. 37,0/. Konsole . . . 3% do .... 31 8°/ > Heesen . . . 3% Heesen .... 4% Oesterr. Go'drente 4‘ 6% Oesierr. bdherrente 4% Ungar. Goldrente . 4°/ Italien Rente . . 4’2% Portugiesen . . 0/ Portugiesin . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose ..... 4°/o.ürieoh. Monopo 1-Anl 4l/2% äussere Argentiner Frankfurt a. M., 17 . 101.50 . 90.40 . 101.70 . 90 35 . 100.05 ' 102^60 100.50 . 100.95 . 100.90 . 40.65 . 26.80 . 27.60 . 105.70 42.30 8'/o Mexikaner 47g / Chinesen El< ctric. bei ackert j Nordd. Lloyd . . | Kreditaktien . . Diskonto-Kommandii Darmstädti-r Bank Dresil n >r Bank . Ber iner Handelsges. Oesterr Staatobahn Lombarden . . Gott har bahn . . Lauranütte . . . Bochum .... Harpener . . . Tendenz: fe«t Januar. . . 26.70 . . 88.35 . . 117.25 ' 203*80 . . 185.60 . . 129.90 . . 135.50 . . 144.50 . . 140.70 . . 20.40 . . 169.80 . . 195.00 . . 183.20 . . 164.60 Holz-Versteigerung. Dienstag den 21. Januar d. I., vormittags 9 Uhr anfangcnd, sollen im Lang-Gönser Gemeindewald, Distrist Haide, versteigert werden: 9 rm Buchen- und Nadel-Scheiter, 650 „ Birken-, Eichen- und Nadel-Knüppel, 8000 Stück , nun Wellen, 170 rm „ „ „ „ Stöcke. Zusammenkunft an der Kreisstraße nach Holzheim, cm der Landhöhe; sowie Mittwoch den 22. Januar d. I., vormittags um 9*/r Uhr anfangend, in demselben Distrikt: 10 Eichenstämme von 15—34 cm Durchm., 4—7 m lang — 4,57 fm, 190 Fichten- und Kiefernstämme von 15—37 cm Durchm., 6—15 m lang — 69,00 fm, 18 rm Kiefern-Rundfcheiter, 1,25 und 2 m lang, 45 „ „ -Knüppel, 3 m lang. Zusammenkunft an der Kreisstraße nach Holzheim, an der Landhöhe. Ferner sollen um 9 Uhr vormittags am westlichen AuS- gang des Ortes, vor der Hundtstaaten-Straße 8 Pappel-Schnittstämme von 38 cm mittlerem Durchm., 14 m Länge — 9,81 fm versteigert werden. Lang-Göns, den 16. Januar 1902. Großherzogliche Bürgerineisterei Lang-GönS. Rompf. 576 Cokespreise dcs Städtischen Gas- und Wasserwerkes Gießen. Für den Centner ab Verkaufsstelle: Stück-Cokes..............1,20 Alk. Ruß-Cokes in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge O s e n s ch ä ch t e passend zerkleinert: Größe Rr. 1, etwas größer als durchschnittliche Körngröße des Amhractt, gang- barste Sorte......... 1,30 Mk. Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthractt......1,35 Mk. In Wagenladungen von mindestens 36 Gentnern: Stückcokes ....... 1,15 Mk. Nußcokes Nr. 1.....1,25 „ NußcokeS 9tr. 2.....1,30 „ Bei gleichzeitiger Entnahme von mindestens 200 Gentnern: Stückcokes.......1,10 Mk. Nußcokes 9tr. 1.....1,20 „ Nußcokes 9tr. 2.....1,25 „ Für Cokesadnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Psg. pro CeMner Für Aufuhr an das Haus werden 5 Pfennig für den Centner berechnet. NB. Sofern das Verbringen der CokeS — bis zu 6 Centnern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall rc.) mit keinem, außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Ceutuer Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der KkumdMf der teilte von 1 bis 5 Centner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 33 und 34, Gebr. Kahl, Franksurterslraße 151, Cd. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Cruil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Ltcherslraße 2, Georg Unverzagt, Kaplans gaffe 5. Diese Firmen berechnen obcnstehende Preise der Gascokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch in Mengen unter 5 Centnern. o n Mänsbnrg’ 5 HUF^MvMTNLNUVWH HX" SÄ"^W ^läwsbiirg 5 Manufaktur-, Mode- u. Seidenwaren IgJÄi »amen- Konfekt! zeigt hierdurch ergebenst die Eröffnung seines H£~ Inventur-Ausverkaufes Bitte meine Schaufenster zu aussergewöhnlich billigen Preisen an. 353 zu beachten! "HMff Bitte meine Schaufenster zu beachten! Zur Anfertigung von Drnckarbeiten aller Art empfiehlt eich die Bröhl’scbe Dniv.-Bnch- und SleiDilmekerei (Pietsch Erben) Giessen, Schuletrasse 7. U Danksagung Giessen, den 17. Januar 1902. 570 I Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Louise Ruckstuhl. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem uns betroffenen schweren Verlust, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Dr. Naumann am Grabe des Verstorbenen sagen hiermit unsem tiefgefühlten Dank Emma Seuling Waschiluustrickerei 567 45 Wetzsteiustraße 45. Größte Auswahl in la. wollen. Strickgarnen p- Lot 4, 5, 6 Pfg. uno höher, sowie daraus gefertigte Dameu-- u. Kiuderstrümpfe u. Socken, awr Stricken u. Austricke« von Strümpfen wird SiLigst besorgt. Krankheiten E schleppen die Ratten u. Mäuse ins Laus. Vertilgt dies, mit,Ackerfon* PhlllppSchwagerWw.^roq.^irftS Feinsten Medizinal- Adolf Bieler. Marktstrasse 5. in Flaschen und <09 ausgewogen. 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Reiskirchen, 16. Jan. 1902. Gr.Bürgermeisterei Reiskirchen. ______Wagner.____565 WvMchtmg litt -er Genunde Villingen. Die auf Dienstag den 28. A. Mts. an beraumte Jagd- > Verpachtung fällt aiL. 575 Die Verpachtung findet Freitag den 7. Februar, vormittags 10 /, Uhr, in dem Rathaussaale dahier statt. . Villingen. 16. Januar 1902. ^Gr. Bürgermeisterei Villingen. !________Rühl. echte zraiiks.Mr-chen re. re. re. empsiehll 573 CHHion Wallenfels, 17 Marktplatz 17 am Kriegerdenkmal Telephon 262 Gegründet 1826. Mit der berühmten Gentner*» Wichse in rote« Dosen können Sre geschmierte Schuhe sofort glänzend machen. Zu haben in den meisten Geschäften. Fabrikant: Karl Gentner, Göppingen. eifjwttatatonrsl8“1'«“ BrmM.Lkdtkmrß • - „ Lardellelllebemarß „ Mettwurst Wontag den 20. Januar. 638 Der Vorstand. 27 Rm. Nadel-Stöcke. Die Zusammenkunft ist ober» halb des Ortes auf der Hohl .am Wald« Rödgen, 17. Januar 1902. iGroßh Bürgermeisterei Rödgen. I Stein.560 Montag den 20. Januar Js., nachmittags 2 Uhr, -werden im Bieker'schen Saale Zwangsweise versteigert: 2 pol. Stegttsche, 2 Kücheuschränke !Mtt GlaSaufsatz, 1 Lücheutisch, [2 Bettstellen, 4 aroße Vorhänge, fl Tisch mit Wachstuch bezug, ein !Bücl)ergestell, 1 Bauerntischchen, 1 EL Schränkchen, 7 Stühle, ein jLreppenstuhl u. a. I Die Bersteigernug findet bestimmt statt. Die Sachen, iroekhc neu, können vormittags besichtigt werden. 569 ' Deißler, Gerichtsvollzieher. ) Backpulver Dr. Oetkers Bauilliu-Zucker I Puddingpulver h 10 Pfg. Millonenfach bewährte Rezepte gratis von den besten Geschäften. 567 Handschuhe für Herren und Damen in allen Qualitäten und Preislagen. August Waag 60 Seltersweg 60. Handschuhe werden gewaschen. 527 Frankfurt a. M. 562 arbeit. aunstr. 14. UWitzWWst Wletgelüche ZuWrnKlen «Offcnr Strllrn 0177] Schön möbl. Zimmer in ruh. Lage z. verm. Diezstr. 6III. Junger Kaufmann, mit Buchführung und Korrespondenz vertraut, sucht unter bescheidenen Ansprüchen Stellung auf einem Kontor. Gest. 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