Nr. 217 VrsHetut täglich außer Sonntags. De«r Gießener Anzeiger - werden im Wechsel mit , dem ffesfischen Landwirt dre Gießener Familien. Hatter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unioers.-Buch- u.Stein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FrrnsprechanschlußNr.51. Zweites Blatt. 152. Jahrgang Dienstag 16. September IDOL ZQH? O Bezugspreis: ▼ fr MF W monatlich7bV'.,viertel- Gießener Anzeiger General-Anzeiger ” ,‘SS Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZW- _ ____________ _______________ zeigenteil: Hans Beck. Kie heutige Mmmer umfaßt 8 Seiten. KeKanntmachung. Betr.: Die Nebenbahn Butzbach—Lich. Neuerer Bestimmung zufolge finden die in unseren Bekanntmachungen vom 19 v. und 3. l. M. („Gießener Anzeiger Nr. 197, 1. Blatt, und Nr. 206, 2. Blatt) erwähnten Erörterungstermine für die landespolizeiliche Prüfung des Entwurfs zum Bau der Nebenbahn Butzbach—Lich nach Vorschrift des § 6 der Verordnung vom 18. Juni 1885, den Bau und Betrieb der Nebenbahnen betr., nunmehr statt am 26. September l. I. in Ober-Hörgern vormittags 8 Uhr 00 Min. auf Großh. Bürgermeisterei, in Eberstadt . . vormittags 9 Uhr 30 Min. auf Großh. Bürgermeisterei, in Hof-Güll . . vormittags 11 Uhr 00 Min., , Muschenheim mittags 12 „ 00 „ auf Großh. Bürgermeisterei, in Arnsburg. . nachmittags 2 Uhr 30 Min., , Kolnhausen . , 4 , 00 „ • Lich . „ 5 „ 00 „ auf Großh. Bürgermeisterei. Die beteiligten Großh. Bürgermeistereien werden beauftragt, 1) Die ihnen mit nächster Post zugehenden Verzeichnisse der durch die Eisenbahnanlage veränderten Wege und Wasserläufe mit Angabe der Unterhattungspflicht, Bewachung der Wegeübergänge und herzustellenden Einfriedigungen bis zum 26. l. I. zur Einsicht der Beteiligten offen zu legen. 2) Die vorstehend erwähnten Termine, sowie die Offenlegung der vorstehend erwähnten Verzeichnisse wiederholt ortsüblich bekannt machen zu lassen, 3) Bescheinigung hierüber im Termin am 26. l. M. vor- zulegen. Gießen, 16. September 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen- Dr. Breidert. Die Iüyrung auf dem Großen Hzeau. Als nach der Zusammenkunft Kaiser Wilhelms und des Zaren vor Reval die Pacht „Hohenzollern" den Bug heimwärts wandte, soll der Kaiser dem Zaren durch Flaggesignal einen Abschiedsgruß übermittelt und ihn darin als „Admiral des Großen Ozeans" angeredet haben. Die Meldung ist offiziös nicht dementiert worden, sie erscheint auch glaubwürdig insofern, als Kaiser Wilhelm mit dieser Bezeichnung wohl auch auf die durch Fertigstellung der asiatischen Weltbahn bewirkte Stärkung der politischen Position Rußsands im fernen Osten hat Hinweisen wollen. Der Satz ist ja oft genug aufgestellt worden, daß die hauptsächlichen politischen Entscheidungen des zwanzigsten Jahrhunderts auf dem Großen Ozean fallen werden. Und es ist eine einfache Konsequenz, der Oft- asien-Politik Rußlands, daß es genötigt sein wird, seiner Machtstellung zu Lande durch Ausgestaltung seiner Seewehr im Großen Ozean den imponierenden Rückhalt und Hintergrund zu geben. Die Politik muß eben der wirtschaft- Uchen Entwickelung parallel gehen, und diese Entwickelung weist dem Großen Ozean je länger, je mehr die Stelle zu, die früher das Mittelmeer und nach ihm der Atlanttsche Ozean einnahmen. Die Führung auf dem Großen Ozean wird der russischen Flagge allerdings nachdrücklich streitig gemacht werden durch das Sternenbanner. Es ist erst wenige Jahre her, daß im Senat zu Washington das stolze Wort gesprochen wurde: „Der Große Ozean ist unser Meer!" Und damals hatte die Frage des Baues des mittelamcrikanischen Kanals, dieser Pforte zum Pacific, wenig Aussicht auf Lösung. Nachdem nun am 30. Juni dieses Jahres die gesetzgebenden Körperschaften der Union sich endgiltig für die Herstellung des Panama-Kanals entschieden haben, ist Raum geschafft für reale Pacific-Politik. Zaudern und Tiplomalisieren ist die Art der Amerikaner. Sie gehen mit Energie aufs Ziel los, und offenbar zu keinem anderen Zweck als zu Gunsten einer strammen Pacific-Politik hält jetzt Präsident Roosevelt seine vielbemertten Reden, deren Tendenz sich kennzeichnet in den Worten: „Mehr amerikanische Kriegsschiffe!" Auf immer zahlreicheren Steamern flattert das Sternenbanner in den Großen Ozean hinaus. Erst jetzt wieder ist in Newyork die „American Asiatic Stamshig Eo." gegründet worden, deren Dampfer vom nächsten Monat ab den Verkehr zwischen der Union und Manila, Yokohama, Shanghai, Hongkong und Singapore vermitteln sollen. Alle amerikanischen Interessenten arbeiten also darauf hin, daß der große Moment der Eröffnung des Panama-Kanals eine entsprechend gerüstete Nation vorfindel, gerüstet, dem Sternenbanner die Führung im Wettbewerb der flaggen um den Großen Ozean zu jiajern. Rußland ^isi in dieser Hinsicht der Union gegenüber im Rückstände, «seine ^rifische Schifffahrt bedarf noch sehr der Hebung. Es wird hierin überflügelt von Japan, England und auch von eut sch land, das so umfassende Interessen, wie Rußland, am Großen Ozean nicht hat. Rußland dürfte es umso schwerer werden, feine Flagge als führende auf dem Pacific zu entrollen, als die sibirisch-mandschurische Transkontuienlalbahn in Bezug auf Leistungsfähigkeit und Billigkeit mit dem Seeweg zum Großen Ozcan nicht konkurrieren kann, mag nun Politische Tagesschau. Politische Ansprachen des Zaren. Der Zar hat dieser Tage in Kursk auf dem Bahnhof, wo er Abordnungen des Adels, der Landschaft und der Bauern empfing, zwei Ansprachen gehalten. Zu den Vertretern des Adels sagte er u. A.: Der Schutz des Großgrundbesitzes werde seine unaufhörliche Sorge sein. Tie Abordnung der Landschaft wurde vom Zaren ermahnt, dessen eingedenk zu sein, daß es die Aufgabe der Landschaft sei, die Befriedigung der örtlichen wirtschaftlichen Bedürfnisse zu regeln. Es ist auffallend, daß der Zar die Aufgaben der Landschaften auf das wirtschaftliche Gebiet beschränkt sehen will. Zweifelsohne wurden die Reden nicht aus dem Stegreif gehalten, sondern sie sind ttotz ihrer Kürze als Kundgebungen von nicht geringer politischer Bedeutung anzusehen, die vermutlich auf Veranlassung des Ministers des Innern von Plehwe erfolgten, der beim Empfang der Abordnungen in Kursk zugegen war. dieser Seeweg durch den Kanal von Suez oder den von> Panama führen. Dem Pacific gehört die Zukunft; ob auf ihm den Russen, erscheint gegenwärtig zweifelhaft. Verlockende Aussichten. Tie „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet nach Erkundigungen an maßgebender Stelle, daß die von der Presse neuerdings' besprochene Angelegenheit der Schaffung eines eigenen Kolonial beamten- standes einstweilen noch der Erörterung des beteiligten Ressorts unterliegt. Es handle sich vorerst um einen beschränkten, etwa Anfang 1903 beginnenden Versuch, im übrigen bestehe die jetzige Art der Beamtenauswaht fort. Tie „Nordd. Allg. Ztg." legt letztere ausführlich dar, wobei sie bemertt, daß vorzugsweise Bewerber berücksichtigt wetden, welche die einheimischen Prüfungen des mittleren Justizdienstes, des Verwaltungs- und Zolldienftes bestanden Haven und sich einige Jahre im praktischen Dienst bewährten. Neuerdings seien auch Eisenbahnbeamte erfolgreich herangezogen. Tie Anwärter müssen zur selbständigen Bearbeitung von Rechnungssachen befähigt sein. Tie „Nordd. Allg. Ztg." legt sodann im einzelnen die Anstellungs- und Besoldungsverhältnisse der Kolonialbeamten dar und bemerkt schließlich, die Höhe dieser Gehaltssätze rc. und die bedeutenden Vorteile, die den Pensionären und Hinterbliebenen gegenüber den Funkttonären des heimischen Dienstes jetzt zugewendet werden, t ergeben, daß sich die Laufbahn der Kolonialbeamten gegen frühere Jahre wesentlich gebessert hat. — Natürlich laufen diese Beamten vor allem auch gesundheitlich ein viel größeres Risiko. Es ist erfreulich, daß die fett längerem in der Oefsent- lichkeit lautgewordenen Wünsche bei der Beamtenaus- wahl für die Schutzgebiete den Kreis der Zulassung zu erweitern, Berücksichtigung finden sollen. Zwar wird es sich vorerst nur um einen Versuch nach dieser Richtung hin handeln, aber man sieht doch den guten Willen, den erhobenen Ansprüchen Rechnung zu tragen. Tie Anfangsbezüge schwanken zwischen 4800 und 5400 Mk. Rasch steigendes Gehalt, gute Pensionierungsperhälttlisse, freigebige Sorge für die Hinterbliebenen, . ausgedehnter Heimatsurlaub mit Urlaubsbeihilfe — was kann man nach dieser Richtung mehr verlangen? Wer auch hier ist dafür gesorgt, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. „Rechnungsfachen", das Wort nimmt sich schon etwas nüchterner aus; das Bild eines wohlorganisierten, akkuraten Bure au di en st es steigt vor dem inneren Auge thaten- lustig Veranlagter auf und läßt den Traum von Abenteuern, Besiegung von Gefahren, wohl gar von kolonialem „Ueber- menschentum" zerrinnen. Arbeit, ganz prosaische Arbeit wie daheim am grünen Tisch wird verlangt, an diesem grünen Tisch, der so viel Hoffnungen erweckt und enttäuscht hat. Tie „jungen, tüchtigen Leute", die zum Kolonialdienst ermuntert werden, tragen nicht gerade „den Marschallstab in der Tasche". Verstand int Bureau, in der Kalkulatur, bei der Kasse: daS sind im allgemeinen die höchsten Staffeln, die der Strebsame erklimmen kann. In materieller Hinsicht winken Besoldungen von 6900—9000 Mk. Doch,Mer alles das weiß und wer alles das kemtt, der wird noch immer nicht Meister genennt". Tie „Dienstperivden" wollen durchgemacht sein, es gehört Ausdauer zu diesem Dienst, und wer sich bindet, der prüfe die Festigkeit seiner Gesundheit und — nicht zuletzt — seiner Widerstandskraft gegen die in den Tropen gefährlichen alkoholischen Reizmittel. Ein wirklich gesundes, auf die Tauer zuträgliches Klima hat kein einziges Schutzgebiet. Ein Aufenthalt von drei Jahren in Teutsch-Südivesiafrika und den Schutzgebieten der Süd- fee bildet die Grenze desjenigen, was dem kräftigen Körper zugemutet werden kann. Tie Mitteilungen der „Nordd. Mlg. Ztg." sprechen mit Bedeutung von den „durch den Kolonialdienst gänzlich dienstunfähig gewordenen oder später vorzeitig dienstunfähig werdenden Beamten." Tie Möglichkeit einer Pensionserhöhung für solche Beamte ist ja oankenswert, aber es ist eben nur eine Hilfe, keine vollwertige Entschädigung. Alles in allem, die Laufbahn der Kolonialbeamten hat ihre Licht- und Schattenseiten. Wer Lust zur Sache mttbringt, auch den trockenen Arbeiten sich unterziehen will, eine robuste Gesundheit und Charakter- sestigteit besitzt, den amtlichen Anforderungen genügt, für den hat der Kolonialdienst seine Chance. Ter Aufenthalt in fernen Ländern erweitert den Gesichtskreis, die Selbständigkeit wird ausgebildet. Es ist aber durchaus zweckmäßig, daß auch etwas Wasser in den Wein gegessen wird, so sehr die Bestrebungen der Kolonialverwalmng nach Besserstellung der Beamten anzuerkennen sind. Dem Regierungsboten zufolge wurden in Kursk auf Befehl des Kaisers einige Wolostälteste (Dorfälteste) aus den Gouvernements Kursk, Poltawa, Charkow, Tschernigow, Drei und Woronesch im Hause des Gouverneurs versammelt. Der Kaiser richtete an sie folgende Ansprache: Im Frühling plünderten in einigen Gegenden des Gouvernements Poltawa und Charkow Bauern die benachbarten Wirtschaften aus. Die* Schuldigen werden die verdiente Strafe erhalten, die Obrigkeit wird, dessen bin ich sicher, in Zukunft derartige Unruhen nicht zulassen. Ich erinnere auch an die Worte meines seligen Vaters, die er in den Tagen der Krönung an die Wolostältesten richtete: Hött auf Eure Adelsmarschälle, glaubt keinen thörichten Gerüchten. Denkt daran, fuhr der Kaiser fort, daß man nicht durch Besitzergreifung von fremdem Gut reich wird, sondern durch ehrliche Arbeit, Sparsamkeit und Leben nach den Geboten Gottes. Teilt alles, was ich Euch gesagt habe, den anderen Leuten in Eurem Dorfe mit, sowie auch, daß ich ihre wirklichen Bedürfnisse nicht ohne meine Fürsorge lassen werde. Deutsches Keich. Berlin, 15. Sept. Die „N. A. Ztg." schreibt: „Der „Daily Expreß" hat kürzlich über Aeußerungen berichtet, die der Kaiser unlängst zur britischen Heeres- re form in eiiner Unterredung mit einem „Spezialkovre- spondenten" gemacht haoen soll. Wir stellen fest, daß der Kaiser einen derartigen Herrn niemals empfangen hat. Die gegenteiligen Angaben des „Daily Expreß" sind erfunden. — Die ministerielle „Berl. Korresp." schreibt: Unter der Ueberschrift: „Zurückgezogene Gardelitzen" erschien in der „Deutschen Warte" eine Mitteilung, es wäre beabsichtigt gewesen, das Grenadierregiment Nr. 6 gelegentlich der diesjährigen Kais er Parade bei Posen durch Verleihung der Gardelitzen auszuzeichnen. Die Haltung des Offizieriorps des Regiments in der Angelegenheit Löh- n in g solle indes an Allerhöchster Stelle solchen Anstoß erregt haben, daß der die Auszeichnung anordnende Befehl, der schon zur Unterschrift vorlag, zurückgezogen wurde. — Diese Nachricht beruht in allen Teilen auf freier Erfindung. — Aus Posen wird depeschiert: Galizische Blätter hatten geschrieben, daß infolge der Posener Rede des Kaisers unter den Polen die Absicht aufgetaucht sei, sich wieder der preußischen Regierung zu nähern. An der Spitze dieser neuen Ver,öhnungspolitik stände eine Anzahl polnischer Großgrundbesitzer. Herr Josef v. Mycielski aus Kobylepole tritt nun im „Kuryer Poznanski" diesen Bestrebungen, von deren Vorhandensein er nichts wisse, entgegen und meint, daß die richtige Devise der Polen sei: „Legalität, aber nicht Loya litat". — Die Lemberger „Gazeta Narodowne" mahnt eindringlichst von den beabsichtigten Protestkundgebungen gegen den Führer der Polenpartei im deutschen Reichstage, Furzten Ferdinand Ra dziwill, wegen dessen Beteiligung an den Posener Kaisertagen ab. Das Polenblatt fügt hinzu, der Fürst habe das poliiisch-nationale Banner stets hoch gehalten und werde sein Vorgehen sicherlich vor der Polenpartei rechtfertigen. — Der Schah von Persien traf heute nachmittag auf dem Schlesischen Bahnhofe in Berlin auf der Durchfahrt nach Rußland ein. Zur Begrüßung waren Staats- jetretär v. Richthofen, der Wirkt Legationsrat v. Rosen, Legationsrat Zahn und der Attaches v. Richthosen erschienen- Der Staatssetretär hatte im Auftrage des Kaisers den Schah zu begrüßen und ihm eine glückliche Fortsetzung der Reise zu wünschen. Der ächah unterhielt sich mit den Herren in Gegenwart des Großveziers auf das Liebenswürdigste. — Wie die „Kreuzztg." hört, ist in dem Befinden des Reichstagsabg. v-Levetzow eine Besserung eingetreten, welche zur baldigen Wiederherstellung des Erkrankten führen dürfte. Danzig, 15. Sept. Ter hier versammelte Deutsch e n t a g richtete nachstehendes Telegramm an den Reichskanzler Grasen Bülow: „Euerer Exzellenz, dem unermüdlichen Kämpfer für Deutschlands Macht und Größe bringen die aus dem Teutschentage zu Tanzig versammelten 12 000 Deutschen der Ostmark, ermutigt und gehoben durch die ' kraftvolle Entschiedenheit, mit der Ew. Exzellenz die Ostrnarkenpolitir leiten, ehrerbietige Grüße dar." — Der Reichskanzler antwortete darauf mit folgendem Telegramm: Den auf dem Deutschentage zu Danzig ver- sammelleii 12 000 Landsleuten sage ich herzlichen Dank für die freundliche patriotische Begrüßung. Ja) bin überzeugt, daß die erhebenden Kaisertage in Posen für die Deutschen der Ostmark ein Sporn fein werden, sich unter lieber» Windung aller trennenden Momente einmütig um die nationale Fahne zu scharen. Tann wird auch einer stetigen, zielbewutzten Ostmarken-Politik der Rückhalt nicht sehlen, dessen sie sür den Schutz der deutschen Sache im Osten bedarf. Oldenburg, 15. eept. Wie die „Weserztg." berichtet, ist liberaierseits in die Agitation für die olden- burgischen Landtagswahlen eingetreten. ES wird ein Aufruf veröffentlicht, in dem die Wählerschaft aufgesordert wird, diejenigen Abgeordneten nicht wiederzuwählen, die für die Erhöhung der Ctvil liste des Großherzogs gestimmi und dadurch den Staatsbürgern schwere Lasten aufgebürbet haben. Breslau, 15. Sept. In einer von der schlesischen Gruppe des Verbandes deutscher Handelsgärt n er gestern hier abgehaltenen Protestoersammlung wurde folgende Resolution einstimmig und debattelos angenommen: „Die verdammetten sMesffchen (Stiftner sprech enlhr M- dauern unb ihre Enrruflun g ifDer Die Beschlüsse der Zolltarifko-nmissivn des Reichstages aus, da dieselbe die ebenso bescheidenen als berechtigten Forderungen des deutschen Gartenbaues, betreffend Verzollung aus- lündischer Gartenprodukte unberücksichtigt gelassen hat. Wir erwarten indessen vom Gerechtigkeitssinn der Kommission, daß dieselbe ihre Fürsorge so wie allen anderen Berufen auch dem deutschen Gartenbau angedeihen lassen wird. Insbesondere erwarten wir, daß Schnittblumen, Blätter, Bindegrün und Treibgemüse mit einem mäßigen Holl belastet werden, da gerade durch die Masseneinfuhr dieser Artikel der Lebensnerv des deutschen Gartenbaues unterbunden wird." Tiefe Resolution soll sowohl an die Zölttariskom- mission als auch an die schlesischen Reichstagsabaeordneten, mit Ausnahme der sozialdemokratischen, gesanvt werden. München, 15. Seht. Tas Ministerium des Innern hat die Verfügung erlassen, daß die bisherige dreitägige Schlach kung ssri-ir für österreichisches V'ieh aus fünf Tage verlängert wird, sodaß nunmehr leichtere Cinjugr ermöglicht ist. — He Beratungen ves sozial -'friichen Parteitages wurden heute morgen kurz vor 9 Uhr durch den Reichstagsabg. Singer-Berlin eröffnet, welcher seiner Freude über den so zahlreichen Besuch des Parteitages durch auswärtige Genossen Ausdruck gab. Genosse S e l i g e r - Teplitz überbringt die Grüße der österreichischen Genossen, NemeoPrag die der tschechischen. Askow- London spricht für die englische Arbeiterpartei, Vander- v e ld e-Brüssel versichert die deutschen Genossen der herzlichsten Sympathien seitens aller Genossen französischer Zunge und hob besonders hervor, daß die in der deutschen Presse verbreiteten Gerüchte über eine Spaltung der sozial- ■ lemokratischen Partei in Belgien stark übertrieben worden eien. Eine gleiche Erklärung gab namens der italieni- chen Arbeiterpartei Genosse Lerda-Genua ab. Schließlich sprach noch namens der Schweiz Genosse Müller- Zürich. Hierauf wird eine Reihe von Begrüßungs-Telegrammen verlesen und dann in die Tagesordnung eilige« treten, deren erster Gegenstand die Erstattung des Geschästs- berichtes durch die Genossen Auer und Ger isch bildet. — Zn der Nachmittagssitzung erstattete G e r i s ch den Kassen bericht. Er schilderte die Finanzlage als u n g ü n st i g. Nachdem Meister den Bericht der Kontrolleure erstattet hatte, begannen die Erörterungen. Bei Besprechung der Preßverhältnisse wird namentlich über den Fehlbetrag der „Neuen Zeit" Klage geführt. Eine große Erörterung entsteht über die Monatshefte. Tie einzelnen Redner werden häufig durch Beifall und Widerspruch ja selbst Zischen unterbrochen. Tie Erörterung wird schließlich bis Dienstag vertagt. Kirche und Schule. Ein General als Erzbischof. Die „Post" hat den Generaloberst v. Loe als Kandidaten für den Kölner Erzbischofsstuhl proklamiert. Die „Nationall. Korresp." äußert dazu: „So weit sind wir in Preußen, wo die Regierung die zartesten Rücksichten auf die Wünsche des Zentrums nimmt, doch wirklich nicht gekommen, daß ein General zur Besetzung eines Bischosssluhls abkommandiett wird. Aber die „Post" scheint fest daran zu glauben, denn sie hat ihre heitere Nachricht, so viel wir sehen, noch nicht widerrufen." Ausland. London, 15. Sept- Die Entwaffnung der Eingeborenen in Transvaal vollzieht sich nach einer Meldung der „Morning Post" ohne Schwierigkeiten. Haag, 15. Sept. Staatssekretär Reitz äußerte einem Zournalisten gegenüber: „Ich habe nichts gegen England; ich verurteile nur Ch am b erlai ns Politik, seine Lügen und diejenigen, die ihm folgen. Ich habe die Beweise von so und s o v i e l S ch ä n d l i ch k e i t e n der englischen Politik uiid ,Kr i e g füh r u n g in Händen, inan kann nun überlegen, was besser ist: zu schweigen und hinzunehmen, oder die Wahrheit zu sagen. Die Generale und die Deputation haben das Erstere gewählt, ich das Letztere, infolgedessen bin ich von ihnen geschieden. Sie sind meine Freunde geblieben, und ich der ihre, aber sie fragen mich in nichts mehr um Rat und ich will auch nicht um Rat gefragt werden. Ich stehe heute ganz für mich allein; ich gehöre selbst meinem Lande nicht, mehr an, da ich mich nicht unterwerfe." Reitz wird in zehn Tagen nach Newyori gehen. Brüssel, 15. Sept. Die belgische Postverwaltung, die, wie wir meldeten, dieser Tage eine Anzahl deutscher Blätter deren Abonnenten nicht zugestellt hat, weil sie deutsche Lotterie-Inserate enthielten, hat diese Maßregel bereits wieder aufgehoben. Paris, 15. Sept- Zm ganzen Departement Finistöre begann heute in den von der Regierung gestatteten Privatschulen der geistlichen Brüder und Tonnen oer Unterricht wieder. Die Kongreganistenschulen in Saint- Meen, Le Folgoet, Ploudaniel, Ploumoguer, Plougonvelin und Landerneau bleiben geschlossen. Tie meisten Kinder- Werden zu Hause behalten. Ein Zwischenfall hat sich nicht ereignet. Paris, 15. Sept- Ter Marineminister Pelletan hat in Asaccio am Sonntag eine Rede gehalten, in der er u. a- die Bemerkung machte, daß die Insel Eorsica Italien inS Herz ziele. Diese Worte werden hier als eine mutwillige Verletzung der Gefühle Italiens empfunden. — Hiesige Zeitungen veröffentlichen einen vom 15. August datierten Brief des Burengenerals Cronje an feine Freunde in Europa. Cronje spricht darin mit großer Wärme seinen Tank für die mannigfachen Dienste aus, welche ihm und seiner Familie während der Gefangenschaft enviesen wurden. Den Friedensschluß streift er nur mit folgenden Worten: „Was es uns immer kosten und wie schwer es uns immer scheinen mag, wir können in dem Geschehenen mir den unerforfchlichen Willen und die leitende Hand des Allmächtigen erblicken. Uns armen Menschen kommt es nur zu, uns zu resignieren und mit in den Tod betrübter Seele und mit zitternden Lippen zu sagen: „Ter Wille des Herrn geschehe!" Wien, 15. Sept- In Trient fand gestern eine Versammlung der italienischen Societa degli studenti tridentini statt, an der etwa 500 italienische Studenten teil» nahmen. Zunächst war die Versammlung eine Demonstration gegen den Kleritalisrnus. Ferner beschloß die Versammlung eine Resolution, worin energisch die Errichtung einer italienischen Universität in £ rieft verlangt wird. Bis dahin seien die Diplome der italienischen Universitäten in Oesterreich als gittig anzuerlcnncn. Andernfalls möchten an der Innsbrucker Universität italienische Parallelkurse für alle Fakultäten errichtet werden, dis eine italienische Universität in Triest eröffnet sei. Alle italienischen Studenten in Oesterreich werden aufgefordert, nach Innsbruck zu kommen, um die dortige Universität zu einer doppelsprachigen zu machen. Newyork, 15. Sept- Das amerikanische Kriegsschiff „Panther ist, dringenden Befehlen aus Washington gemäß, gestern abend mit 320 Marinesoldaten und 6 Feldgeschützen an Bord von League Island nach Colon in See gegangen. Kolonialpost. AuS der Schutztruppe für Kamerun scheidet der Oberleutnant Leszner, der ihr seit 6. Juli 1900 angehört hat, mit dem 28. d. M. aus. Er wird beim 118. Jnf.-Regt. in Worms eingereiht, nachdem er vor seinem Eintritt in die Schutztruppe dem 61. Jnf.-Regiment in Thorn angehöri hatte. Jetzt, da der Herbst ins Land zieht, laden wir die Bewohner von Stadt und Land zum Abonnement auf den Gießener Anzeiger ein. Herbst und Winter pflegen eine Zeitung ihren Lesern wesentlich näher zu bringen. Wenn die Hcrbslstürme durchs Land brausen und des Winters Machtwort jeden mehr an seine vier Pfähle bannt, dann greift man um so lieber nach „seinem" Blatt und weiß es als Berichterstatter, Unter« richtcr und Unterhalter am besten zu schätzeu. Man kennt in Lberhcffen und den angrenzenden Gebieten den Gieß. 21nz. zur Genüge. Man weiß, daß er sich unausgesetzt bemüht, den Interessen und Wünschen seines Lcsepublitums nach Möglichteit eut- gcgeuzukommen. Um rechtzeitige und ununterbrochene Zustellung zu erwirken, ist baldigste Bestellung geboten. Lurch unsere Zeitungsbotcn und Zweigstellen wird der „Gießener Anzeiger" weiterhin ins Haus gebracht, wenn nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Ans Stadt und Sand. Gießen, 16. September 1902. *' Personalien. Tie Geometer 1. Klasse Hermann Lanz zu Ober-Ramstadt, Adam Kredel zu Reichelsheim und Wilhelm Hofmann zu Bad-Nauheim sind zu Katastergeometern ernannt worden. st. lieber die DivisionSmanöver in der Wetterau wird uns aus Friedberg, 15. September, geschrieben: Heute morgen 5.15 Uhr marschierten die hier einquärtierten Truppen ab in der Richtung Berstadt—Reichelsheim—Södel, um das am Samstag abgebrochene Gefecht wieder aufzunehmen. Die 168er stellten sich auf der Straße Melbach—Wölfersheim—Södel auf, das Gefecht zog sich dann nach der Richtung Münzenberg und Butzbach hin. Heute und morgen erhalten wir zirka 3000 Mann mit dem Divisionsstab. Mittwoch ist großer Ruhetag; Donnerstag findet Gefecht zwischen den beiden Divisionen (21. und 28.) statt. Dieses zieht sich gegen Altenstadt, wo in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag Divisionsbiwack ist. Freitag geht das Gefecht in der Richtung nach Rothenbergen bei Gelnhausen weiter. Hier vereinigt sich voraussichtlich am Samstag das ganze Arnieekorps und geht gegen einen markirten Feind vor, der in der Gegend von Heldenbergen— Windecken Stellung nimmt. Nächsten Montag manöveriert die Festungsartillerie Nr. 3 in der Gegend von Hanau— Seligenstadt. — Dem „Darmst. Anz." wird noch mitgeteilt, daß nach Beendigung der Korpsmanöver auf einem Gelände bei Gedern—Wenings Artillerie - Scharfschießen stattfindet. Hie und da verlautet auch, daß die Kaiserinanöoer im nächsten Jahre im Bereiche des 18. Armeekorps abgehalten werden sollten. 8 Liß berg, 15. Sept. Der gestrige Tag hat in unserem Dorf die Erinnerung an schwere Zeiten der Bedrängnis geweckt. 9(m 14. September 1796 fielen abends etwa 500 Franzosen von der Armee Jourdans bei uns ein und hausten schrecklich; etwa 60 Wohngebäude wurden damals in Brand gesteckt und über 100 Bewohner, die nicht mehr flüchten konnten, erschossen. Ter greise Pfarrer Sommerlad, welcher den Franzosen entgegenging und um Gnade flehen wollte, war einer der Ersten, die fielen. Nach der Chronik von Wagner erfolgte die Zerstörung deshalb, weil die unbesonnenen Einwohner sich dem Durchmarsch und der (Einquartierung der vor den heranrückenden Truppen des Erzherzogs Karl auf dem Rückzug begriffenen Franzosen widersetzten. n. Nidda, 15. Sept. Heute haben uns die letzten Manövertruppen verlassen. Tie verflossene Woche stellte an unsere Bevölkerung keine geringen Ansprüche; aber gern und willig werden unsere Krieger nach Kräften verpflegt und werden dieselben mit dem ihnen bereiteten Empfang mit ganz geringen Ausnahmen zufrieden sein. Einen Ersatz für ihre Mühe wurde unseren Einwohnern in den herrlichen musikalischen Genüssen der Kapellen der 117er und 118er, welche gleich vorzügliche Leistungen boten. Die Vorräte des hiesigen Proviantamts wurden heute auf zahlreichen Wagen in die Wetterau befördert. •• Groß-Umstadt, 15. Sept. In Richen starb das 3 Jahre alte Töchterchen eines Heilgehilfen. Aus Gram über den Verlust ihres Kindes vergiftete sich die Mutter, eine noch junge Frau, neben der Leiche desselben. Offenbach, 15. Sept. Nachdein am 24. August v. I. bereits die Großschiffahrt der Rhein-Main-Wafferstraße bis Offenbach eröffnet worden war, wurde heute der Offenbacher Hafen dem Verkehr übergeben. Es ist eine Hafenanlage geschaffen, die sich sehen laffen kann. _ Die 200 000 Kubikmeter betragende Kaimauer ist in der Hauptsache aus Zementbeton hergestellt. Die hochwafferfreien Lagerplätze betragen über 40 000 Quadratmeter, wovon 18 000 Quadratmeter als Kohlenlagerplätze vorgesehen lind. Tie Lade- uud Löscheinrichtungcn entsprechen den neuesten technischen Fort- schritten; die zwei vorhandenen Ladebrücken sind in ähnlicher Ausführung nur im Mannheimer Hasen vorhanden. Die Hafenbahn ist 4 Kilometer lang und führt vom Hafen auf dem rund 1700 Meter langen, mit Quai- und Krahnen« anlagen versehenen Mainufer entlang bis zur Bürgeler Gemarkung und von dott in einem großen Bogen zur Staatsbahnstrecke. Tie vorhandenen Kohlenlagerplätze sind für rund 20 000 Mk. Mieterträgnis jährlich bereits längst vergeben. Platz für weitere Lagerplätze und für Lagerhäuser ist ausreichend vorhanden. Mainz, 15. Sept. Ein hiesiger Arbeiter karn^gestem Nachmittag nach seiner Wohnung und fand den Schlüssel nicht in der Thür stecken. Von seinen Wirtsleuten hörte er, daß der Schlüssel verschwunden sei. Nach gewaltsamer Oeffnung der Thüre fand der Arbeiter, daß ihm ein im Zimmer stehender Schließkorb ausgeschnitten und aus demselben eine Summe von 4 00 M k. gestohlen worden war. Ein des Diebstahls verdächtiges Mädchen, das sich durch bedeutende Ausgaben verdächtig gemacht hatte, wurde verhaftet. — Ter Sohn eines hiesigen Schneidermeisters, uer seine Lehre bei einem Gärtner kürzlich bestanden hatte, begab sich an den Niederrhein, um daselbst eine Stellung anjutreten. Statt eines Briefes, bi<", er gesund daselbst angekommen sei, erhielten aber feine Eltern die Mitteilung der Polizei, daß ihr Sohn als Leiche im Rhein geländet wäre. Ter junge Mann halte im offenen Rhein ein Bad genommen, ohne mit den Stvomverhältnissen bekannt zu sein. — Aus Kastel wird gemeldet: Im „Gasthaus zum Himmel" hat sich, ein Verein gegründet gegen den Alkoholgenu h. Frankfurt a. M., 15. Sept. Wenige Städte haben ihre Signatur in den letzten Jahren so ausfällig verändert, wie Frankfurt, das sich nach Westen, Norden und Osten mit Riesenschritten vergrößert. Tie neueStadtimWesten, das Hellerhofviertel, besteht auM 76 freundlichen Däusern, von denen z. Zt. 50 feniggestellt und teilweise bezogen sind. In dem vornehmen Nord-Westend ist ein riesiges Terrain durch asphaltierte Straßen erschlossen worden, das nördlich durch die langgestreckte monumentale Anlage des neuen Lessinggymnasiums und die Irrenanstalt abgeschlossen wird; vor einem halben Jahre war es Wiesen- unb Ackerland. Tas nördliche Villenviertel Holz- hausastraße ist mit modernen Luxusstraßen mitten in die Felder hineingewachsen und das weite Terrain zwischen Friedhof und Stadt durchziehen jetzt breite Straßen, an denen die lebhafteste Baulhätigkeit herrscht. Zur Befriedigung des Baubcdürfnisses ui Sachsenhausen wird zwecks Schaffung von Bauland die lex Adickes zu Hilfe genommen werden müssen. — Ein raffinierter Einbruch wurde heute nacht bei dem Goldwaren- und Uhrenhändler Z i m a,. Schäfergasse 42, verübt. Tie Einbrecher drangen vom Hofe aus in den Laden ein und räumten den Erker völlig aus. Ter Kassenschtank wurde an der Rückseite angebohrt und seines Inhaltes von rund 1000 Mk. beraubt. Ter Gesamtwert der gestohlenen Sachen beläuft sich auf etwa 20000 M k. Marburg, 15. Sept. Der „O.-H. Z." wird geschrieben: Vor Errichtung des Schlachthauses in Marburg habe ich mehrere Jahre hindurch die fetten Ochsen mit 3 6 M k. pr. 100 Pfd. lebend Gewicht verkauft, und ist damals weder von Theuerung beS Fleisches und noch weniger von Fleischnot im Publikum die Rede gewesen. In den letzten Jahren dagegen habe ich nur 84 Mk. pr. 100 Pfund gelöst und noch gegen Pfingsten dieses Jahres wollten mir Marburger Metzger nicht mehr als 34 bezahlen. Die Metzger sind freilich mit schweren Abgaben belastet und können deshalb das Fleisch heute nicht billiger verkaufen, als sie thun, wenn sie einen Nutzen für ihre Mühe haben wollen. Eine Verbilligung des Fleisches könnte nur für die Konsumenten eintreten, wenn die Stadt den Metzgern wenigstens zeitweilig die Schlachthausabgabe erließe." Die Tragödie von Bologna. Man schreibt der „Ttsch. Ztg." aus Rom: Vor ein paar Wochen ward in Bologna ein reicher Lebemann, der Gras Bonmartini, ermordet aufgefunden. Ta man im Bett Unterkleider von der Art sand, wie sie saft nur in den oberen Schichten der Halbwelt getragen werden, außerdem zwei halbgefüllte Ehampagiierkelche sowie in der Brieftasche eine auf die Liebschaften des Grasen hindeuteride Korrespondenz, während das Geld daraus verschwunden war, so lag die Annahme nahe, es handle sich auch in diesem Fall um eines jener schauerlichen Kokotten- und Zuhälterdramen, wie sie sich atkch anderswo nicht selten ereignen. Tie plötzliche Enthüllung über die Person des Mörders gießt dem Bolognesischen Vorgang indes ein so sensationelles Gepräge, daß man nicht wohl^ darüber Hinweggleiten kann. Ter Name des Mörders ist durch dessen eigenen Vater bekannt geworden; eS ist eine int Vordergrund des öffentlichen Lebens der Stadt Bologna stehende Persönlichkeit, der Provinzialrat und Führer der intransigenten sozialistischen Gruppe, Direktor des Sozialistenblattes „Squilla" Rechtsanwalt Tr. Tullio Mirri, Sohn des Universitätsprofessors, der als einer der ersten Kliniker Italiens gilt. Jetzt, wo die kaum faßbare Enthüllung erfolgt ist, behauptet die Polizei, ihre Untersuchungen seien^ auf jene Spur gelenkt worden, doch habe man sie aus Furcht vor einem möglichen Irrtum nicht weiter zu verfolgen gewagt. Andererseits treten aber jetzt Einzelheiten über das Leben in den beiden Familien Mirri und Bonmartini zu tage, die doch ganz danach angethan sind, wenigstens den Verdacht eines Verbrechens zu rechtfertigen Gras Bonmartini lebte von seiner Frau, Linda, einer Tochter des Prof. Mirri, getrennt, unterhielt aber doch feit einiger Zeit wieder Beziehungen zu ihr. Linda unterhielt ihrerseits ein Verhältnis mit einem Handlungsreisenden, Sohn des Universttäts- professors Secchi, der ihr im nämlichen Hause, unterhalb der Wohnung des Gatten, ein kleines Appartements gemietet hatte, dessen Zins aber die Gräfin bezahlte. Diese liejj vor einiger Zeil aus Asti 60 Flaschen Eancia-Cham- pagner kommen, und es ist soeben festgestellt worden, daß die bei der Leiche vorgefundene Flasche mit jenen überein- ftimmt. Wenn in Bologna von einer bevorstehenden sensationellen Verhaftung gesprochen wird, so dürste sich das auf die Witwe des ermordeten Grafen Bonmartini, Tochter der Universitätsprofessors Mirri, beziehen. Ich erinnere daran, daß in Italien nur Trennung, aber nicht Scheidung einer Ehe möglich ist, was häufig Anlaß zu Gattenmord gewesen ist als einzigem Ausweg, um eine neue gesetzliche Verbindung einzugehen. Ter Provinzialrat Mirri besaß nun eine zärtliche Neigung für seine Schwester und sie für ihn, derart, daß gelegentlich Linda die Vermittlerin bei ihrem Vater machte, als dieser dem Sohn wegen seiner fast anarchistischen Gesinnung und arideren Dingen das Storr eten der Schwelle seines HauseH verboten hatte. Aber Tullio hatte feine eigene Wohnung, die er abwechselnd mit unzähligen Kokotten teilte, zuletzt mit einer angeblichen Schneiderin Ro-snra Sottetti, ine wagen Verdacht der TeU- nähme am Mord verhaftet worden ist, wie man auch Jagd aus kinen jungen Arzt, Freund und Hazardaefährten Tullios, macht, der aber inzwischen das Weite gesucht und aefunden hat. Was nun den Mörder selbst anbelangt, so behauptet er durch den Mund seines Vaters, an dessen tragischem Schicksal man übrigens in Bologna den lebhaftesten Anteil nimmt, es sei zwischen ihm unb feinem Schwager zu einem Streit gekommen, in dessen Verlauf er den Grafen Bonmartini aus Notwehr getötet habe. Mit Recht macht man gegen diese Darstellung geltend, daß der gewiegte Jurist Tullio Mirri dann nicht einmal nötig gehabt hätte, ins Ausland zu fliehen, viel weniger aber mit so ausgesuchtem Raffinement den Verdacht der Täterschaft in eine falsche Bahn zu leiten. Erstaunlich tote die ganze Sache, ist übrigens die Geschichte der Flucht Tullios, wie sie in ihrem lebten Teil ein Assistent seines Vaters, Prof. Daguini, erzählt. Als der Mord vollführt war, ging Tullio in gewohnter Weise seinen Geschäften nach, redete im Provinzialrat und im Kreis der Parteigenossen, errang wie immer durch die glänzende Art, wie er die Verderbnis der modernen Gesellschaft schilderte, stürmischen Beifall, und bewies ein paar Tage später, als der Leichengeruch zur Entdeckung des Verbrechens führte, im Anblick des toten Verwandten einen Gleichmut, der für die Gemeinheit seiner Seele charakteristisch ist, ebenso wie Die geschäftsmäßige Ueberlegung, mit der er den irreführenden Apparat der Beinkleider, Champagnergläser rc. in Szene setzte. Nach Entdeckung des Mordes bat Professor Mirri seinen ersten Assistenten, die „gebeugte" Witwe nach der Schweiz zu begleiten. Tullio schloß sich an und erzählte unterwegs, nachdem man die Lanoesgrenze überschritten, wie er bei Gelegenheit eines Streites mit seinem Schwager eine Wunde empfangen hätte, die er den Arzt bittet, anzusehen und zu behandeln. Alles im Eisenbahnzuge! Prof. Daguini ahnt sofort die Zusammenhänge und ist starr vor Entsetzen. Tullio seinerseits sieht ein, daß er eine Dummheit gemacht, steigt unter irgend einem Vorwande bei der nächsten Station aus und — ward nicht mehr gesehen. Vom Vater weiß man aber, daß er sich nach Belgrad begeben hat, welches auf Hallunlen aller Art großen Wert legt und selbst Mörder, sofern sie über Gelo verfügen, nicht ausliefert — dagegen einen Paß verlangt, den Tullio vom zuständigen Präsekten erbeten, aber natürlich nicht erhalten hat. Vermischtes. * Kiel, 15. Sept. Die Schulfregatte „Stosch* hat auf 6er Fahrt von Christiana nach Vigo einen französischenFisch- dampfer im Aermelkanal hilflos treibend getroffen. Der „Stosch" nahm das Schiff in das Schlepptau und brachte es ohne Zwischenfall nach seinem Heimatshafen Boulogne. Der Fischdampfer hatte 20 Mann Besatzung. * Naumburg a. S-, 11. Sept. Bei einer Tiefbohrung am Dechantsgrund ist eine starke Soolquelle erschlossen worden, die in einer Menge von etwa 30 000 Liter pro Tag aus der Erdtiefe an die Oberfläche tritt. Aus der Quelle steigen /unausgesetzt zahllose Blasen auf, welche dem Soolspieget das Ansehen von kochendem Wasser verleihen. Vermutlich sind es tohlensaure Gase. * Calcutta, 15. Sept. Die Flüsse Brahmani und Banslai in Südbengalen traten aus und schwemmten 25 Dörfer fort, wodurch 6000 Personen obdachlos geworden sind. * Dem Deutschen Tag in Danzig (Siehe: Deutsches Reich) hat Professor Dr. Felix Dahn in Breslau folgenden Festgruß gewidmet: Der Wunsch-Hort der Germanen. Es ruht versenkt an stillem Ort, tief unter Urwalds Eichen, Ein teurer, weltentrückter Hort, ein Wunsch-Hort ohne Gleichen. Da liegt Herrn Wotans Runenspeer, dabei Frau Friggas Spule, Tort bilntt der Becher, goldesjchwer, des Königs Ring von Thule. Der Amalungen weißer Schild, das Schwert Herrn Karls, das scharfe, Leis' tönet, wie verträumt so mild, des Vogelweiders Harje: Der Schoppenspruch aus Pergament, der Schapel holder Ataide, Manch' Lied, desj' Sänger niemand kennt, und sleinbespangl Geschmeide. Des Rotbart flatternd Kreuzpaiiier, des Rathausdaches Giebel, Der Hansa stolze Flaggenzter und Doktor Luthers Bibel. Darüber hin ein Hauch, ein Dust kernftrnen Rheinweins brütet. Er dringet kühn in diese Grust, die quellend Leben hütet. AUauf, Genossen, unverwandt, laßt nach dem Schatz uns schürsen, Nur reines Herz und reine Hand wird den erheben dürfen. Er ist nicht lot, er wächst, er blüht, er steigt uns selbst entgegen, Er will in Geist uns und Geinüt uiis seinen Segen legen: Den Segen deiitscher Herrlichkeit, die Heldenschast der Ahnen, Laßt Ulis ihn heben alle Zeit, den Wunsch-Hort der Germanen! * Kaisercigarren. Jrn verflossenen Kaiser-Manöver ist so mancher Soldat für eine glänzende Augenblicksleistung durch den Kaiser durch Ueberveichung einer Cigarre geehrt worden. Diese Cigarren sinö etwa 17 Ctm. lang und haben einen Durchmesser von 3 Ctm.; sie stammen aus Havanna und werden für den Verkauf nicht hergestellt. Verpackt sind sie zu je 25 Stück, tragen einen „Havannaring" mit dem Bildnis des Kaisers und kosten dem Kaiser pro Stück 1.25—1.50 Mk. Gleichartige Cigarren sind hier nicht unter 5 Mk. das Stück zu haben. — Tie Cigarette des Kaisers hat ebenfalls Großformat; sie ist etwa lu Ctm. lang, wovon 5 Ctm. aus das Mundstück entfallen, hat einen Durchmesser von ungefähr 8 Mm. und wird vom Kaiser zumeist bis ans Mundstück ausgeraucht. ♦ Im Gewölbe Der Ban k von Frankreich. Wie wir neulich berichteten, sind aus der Bank von Frankreich auf unerklärliche Weise 22 000 Francs gestohlen worden. Wie schwierig eine solche „Arbeit" ist, geht am besten aus einer Schilderung des Gewölbes hervor. Auf einer sehr festgefügten und sehr engen Steintreppe, so eng, daß ein erwachsener Mensch nur von der Seite dieselbe hmabsteigen lann, gelangt man in das Gewölbe, welches 420 Meter lang ist. Am Ende der Treppe befindet sich eine schwere, eiserne Thür. Hat man dieselbe geöffnet, so befindet man sich in einer Art Vorraum, und vier weitere eiserne Thuren schließen diesen Vorraum von dem eigentlichen Gewölbe ab. Jede dieser vier Thüren ist mit drei sogenannten Kckinst- schlössern versehen. Die drei Schlüssel, welche zu jeder Thür gehören, befinden sich — je einer — in den Händen desj Bankdirektors, des Haupttassierers und eines hohen Beamten. Mari sieyt also, daß der Diebstahl auf ganz rätselhafte Weise ausaejüyrt sein muß. In dem E^wolbe lagert durchschnittlich Silber im Werte von tOO Millionen bis zu einer Milliarde. Gijmilmhn-ZeiUmg. Brüssel, 15. Sept. Die drei Verwaltungsmitglieder der Staatseisenbahn, Ramaeckers, Garnier und de Ruidder, sind nach Berlin abgereist, um mit der preußischen Regierung über die Bedingungen zu beraten, unter denen diese geneigt wäre, die direkte Eisenbahnlinie Aachen-Brüssel zu bauen. Durch eine solche Linie würden, abgesehen von der kurzen Fahrtdauer, auch die vielen Steigungen zwischen Aachen und Brüssel umgangen werden. Zankel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. Marburg, 15. Sept. Zu dem morgigen Herbst-Pferdemarkte trafen heute schon zahlreiche auswärtige Interessenten, zum Teil mit dort aufzustellenden Pterdematerial hier ein. Tie Lose scheinen so gut wie vollständig ausverkauft zu sein, denn überall hörte man heute noch nach solchen nachfragen. Die Verlosung findet morgen nachmittag um 3 Uhr auf dem Viehmarktplatz statt. Landwirtschaft. Gießen, 14. Sept. Schlechte Ernte. Die wenig günstige Witterung des verflossenen Sommers hatte zur Folge, daß im nördlichen Teile der Provinz Oberhessen das Getreide so spät reiste, daß jetzt noch Gerste und Hafer auf dem Felde sind. Die Obsternte, Die in Bezug auf Birnen und Aepfel reichlich zu werden verspricht, ist ebenfalls durch die Mißgunst des Wetters hintan- gehalten worden. Was zur Frühblüte kam, erfror, und was sich dann in der Blüte verzögerte, will nicht reif werden. In manchen Gemarkungen Oberhesfens, auf dem Westerwalde rc. hängen die Zwetschenbäumen zum Brechen voll, aber den Früchten fehlt die Wärme zum Reifen, ebenso geht es mit den Aepfeln, die übrigens in ihrem Wachstum infolge des ungünstigen Sommerwetters zurückgeblieben find. Das überreiche Quantum an Aepfeln befriedigt sonach hinsichtlich der Qualität nicht, auch wird von Kennern prophezeit, daß sich die Aepfel nicht lange halten werden. Mit der Aepselkelterei ist bereits begonnen worden; ob das Produkt aber an Gehalt demjenigen früherer Jahrgänge gleichkommt, ist noch ungewiß. Büdingen, 13. Sept. Zur Förderung der Geflügelzucht findet bekanntlich am 3.-6. Oktober im Schulhaus am Marktplatz die dritte oberhessiche Geflügelausstellung statt. Anmeldungen zu dcrselb-n laufen fetzt täglich ein. Dieselbe scheint recht stack beschickt zu werden. Tas Ausslellungskomitee bittet, die Anmeldungen mögt ich st frühzeitig einzusenden. Außer einer ansehnlichen Summe, die für Geldpreise vorgesehen, sind weckvolle Ehrenpreise in Aussicht gestellt. Berlin, 15. Sept. Das Komitee für die Einschränkung der Spiritusproduktion bat in feiner heute obgehaltenen Sitzung festgestellt, daß die geforderte Mindestbeteiligung durch vorbeballloseu Beitritt von 9Q Prozent des landwirtschaftlichen Kartofselkontingents erreid)t ist, daß weitere 51/* Prozent des Kontingents in ihrer Erzeugung fest gebunden sind, und hat einstimmig beschlossen, die Verpflichtung zur Produktionseinschränkung vom 1. Oktober 1902 in Kraft zu fetzen. Aus Grund dieses Beschlusses ist der Abschlagspreis für die Mitglieder des Verwertungsverbandes mit Geltung vorn 1. Oktober d. I. an auf 36 Alk. erhöht worden. hielt einen tödlichen Schuß, ein Infanterist vom 44. Regiment einen Schuß in den Hals. Tie sofort ein geleitete; Untersuchung hat bisher kein Ergebnis gezeitigt. Belgrad, 16. Sept. Wie verlautet, wird das Königspaar die Reise nach Livadia in der Zeck vom 3. bis- 7. Oktober antreten. Petri kau, 16. Sept. Der von den preußischen Behörden an Rußland ausgelieferte angeblich anarchistische Student Kalajew wurde von dem Bezirksgericht zu sieben Jahren Zwangsarbeit im nördlichen Sibirien verurteilt. Warschau, 16. Sept. Der Bankier Krolopp in Nuwalka ist nach Unterschlagung von Depotgeldern in Höhe von anderthalb Millionen Rubel flüchtig geworden. Washington, 16. Sept. Die kolumbische Gesandtschaft erhielt ein Telegramm des Generals Marroquin vom 13. d. Nits., worin dieser berichtet, daß General Pennowo an der Spitze von 5000 Mann durch das Thal des Magda» lenenflusses m der Richtung noch Colon marschiert. Ein Telegramm des amerikanischen Vertreters in Bogota meldet, daß der Jnsurgenten-General Korreado, welcher gestern an der Spitze einer bedeutenden Streitmacht in der großen Ebene östlich von Bogota operierte, sich ergeben hat. Die Behörden sind der Ansicht, daß die Pacification der östlichen Gebiete nunmehr gesichert ist. Die kolumbische Regierung teilt ebenfalls mit, daß ein kolumbisches Kriegsschiff vor einigen Tagen einen Angriff der Aufständischen an den Ufern des Magdalcnenflusses zurückgeschlagen habe. Kapstadt, 16. Sept. Der „Kap-Times" zufolge wird der Gouverneur von Ceylon, Sir Ridgeway, zum Nachfolger Milners ernannt werden. Telephonischer Kursbericht. 3‘/8o/o Reichsanleihe 30/0 do< d*/*% Konsole 3% do, 4‘,2% Oesterr. biiberrente 101.40 101.50 103.30 49.10 30.70 28,80 122.20 44.25 . 102.25 . 92.50 . 102.10 . 92.40 . 100.30 . 99.70 . 103.50 3*/20/.i Hessen . . 3% Oberhessen 4% Oesterr. Goldrente 4% Ungar. Goldrente . 4°/ Italien. Rente . . 4’/a% Portugiesen . . . ■1°/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose..... 4% Uriech. Monopol.-Anl. 4’/,% äussere Argentiner S'/o Mexikaner 4>/z /„ Chinesen . Electric. bcLuckert Nordd. Lloyd . . hreditaktien . . Diskonto-Kommandii Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatabahn Lombarden . . Gottbarubahn . . Laurahütte . . . Bochum .... Harpener . . . Frankfurt ». Al., 15. September 1902. . 26.70 . 92.80 . 90.00 . 107.25 . 217.20 . 188.60 . 187.95 . 144.70 . 158.20 . 153.60 . 21.50 . 177.00 . 200.00 . 182.50 . 166.60 Tendenz: still. Neueste Melsungen. Originaldrahtmclduttgen des Gießener Anzeigers. Hanau, 16. Sept. In der Stadtverordneten- Versaulinlung wurde nach Ablehnung eines Antrages auf sofortige respektive baldige Aufhebung der städtischen Fleischsteuer folgender Antrag angenommen: Die Sladtoerordneten-Versammlung und der Magistrat werden bei dem Bundesrat und den zuständigen preußischen Ministern dahin vorstellig, daß die Grenzsperre für Schlachtvieh mit Rücksicht auf die bestehende Fleischnot baldmöglichst aufgehoben werde. Berlin, 16. Sept. In dem Prozeß des Herausgebers der „Allg. Musik-Ztg." Otto Leßmann gegen den Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der Kunst Hinz W oll - ro d t fand vor dem hiesigen Landgericht 111 Berufungstermin statt. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu 100 Mark Geldstrafe. Wittenberg, 16. Sept. Auf der Feldmark zwischen Elsterwerda und Königsbrück wurden sechs Ausflügler vom Blitze getroffen. Zwei sind tot, drei schwer verletzt. Lübeck, 16. Sept. Ein Schuhmachergeselle feuerte auf die 15jährige Stieftochter seines Bruders einen Schuß ab, da diese seinen Liebesantrag zurückgewiesen hatte, wodurch das Mädchen tätlich verletzt wurde. Dann feuerte der Geselle noch auf eine andere Tochter des Bruders, die ebenfalls tätlich verletzt wurde. Hierauf tötete er sich durch einen Schuß in den Kopf. London, 16. Scpt. Ter Shanghai-Berichterstatter des „Standard" meldet aus CH eng tusu: Gestern drangen bewaffnete Boxer sch ar en in die Stadt ein. Hierbei wurden einige Personen getötet oder in den Straßen gefangen genommen. Tie Läden sind geschlossen. Tie Lage soll ernst sein. Paris, 16. Sept. In Decazeville ist die Ruhe bisher nicht gestört worden. Der Präfekt hat den Vorschlag gemacht, die Vermittlerrolle zu übernehmen. Er macht darauf aufmerksam, daß die Grubendirektion die Wiederaufnahme der Arbeit verlangt, ehe sie sich bereit erkläck, mit den Arbeitern zu verhandeln. Man glaubt, daß der Aus stand großen Umfang annehmen wird. Rom, 16. Sept. Der Senator Murris beabsichtigt infolge der Ermordung seines Schwiegersohnes - die Praxis niederzulegen und Italien zu verlassen. Es wird versichert, der Advokat Murris sei aus Serbien zurückgekehrt und auf dem Bahnhofe von Bologna von seiner Mutter empfangen worden. Verona, 16. Sept. Während einer Festlichkeit in Bovolone machte ein Luftschiffer mit seinem Ballon „Polarstern" einen Aufstieg. Als er landen wollte, fiel er aus unbekannten Gründen aus dem Korb und war auf der Stelle tot. Wien, 16. Sept. Auch hier beginnen die Preise aller Fleisch waren erheblich zu steigen. Die mährischen, galizischen und böhmischen Viehzüchter und Schlächter motivieren die Preiserhöhung mit dem steigenden Export nach Deutschland. Agram, 16. Sept. Das für den 18. ds. geplante Serben-Meeting gegen die kroatischen Exzesse wurde von der Regierung aus Furcht vor blutigen Ausschreitungen verboten. Dasselbe soll nun in Budapest stattfinden. Agram, 16. Septhr. Die Untersuchung wegen der Exzesse ist bereits abgeschlossen. In Anklagezustand versetzt werden 96 Personen, darunter 4 Frauen, mehrere Hausbesitzer, Universitätslehrer und Journalisten. Budapest, 16. Sept. Bei den Manövern in der Nähe von Pyoska wurde, als sich das 18. Honved-Regiment und das 69. Infanterieregiment gegenüberstanden, scharf geschossen. Ein Zugführer des letzteren Regiments er- Unerreichter Insectentödter! Kaufe aber nur in Flaschen/wo Plakate aushangen. Preislisten durch den Vertreter: Fernspr. 135. Frankfiirterstr. 27. Otto FlCkCrt 111 Giß SS OH. 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