Nr. 217 Erstes Blatt. 152. Jahrgang Dienstag 16. September 1VV2 «»scheint täglich außer Sonulag«. DemVießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien« blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Untvers^Buch- u.Stein- druckeret (Piets ch Erben) Redaktion, Erpeditloa und Druckerei: Gchulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. ßernsprechanschluß 9?r.5L Gießener Anzeiger w General-Anzeiger " 'äs* Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis, monatlich 7bPs^viertela jährlich Mk. 2L0; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk.2.— viertel- fährt. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bie TageSnummer bis vormittag« 10 Uhr. Zeilenpreis: lokallLP^ auswärts 20 Psg. verantwortlich, für den pollt u. allgem. teil: P. Wtttko: für .Stadt und £anb* und .Gerichtssaal*: Eurt Plato; für den Anzeigenteil: HanS Deck. Gießen, den 16. September 1902. Betr.: Die Herbstübungen der Großh. (25.) Division im Jahre 1902; hier: Die Abschätzung der Flurschäden. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Die Kommission für die Abschätzung der Flurschäden im Kreise Gießen wird ihre Thätigkeit am 22. September d. I. beginnen. Es ist deshalb erforderlich, daß die von Ihnen gefertigte Zusammenstellung der angemeldeten Schäden auf vorschriftsmäßigem Formular alsbald nach Beendigung der Manöver in Ihrer Gemeinde, spätestens bis znm2ü. l. M., Mittags 12 Uhr, an den Regierungskommissar für die Flurschäden-Abschätzung im Kreise Gießen, Großh. Kreis- amtmann Dr. Kranzbühler, eingesandt werden. Wir erwarten pünktliche Erledigung unserer vorstehenden Anordnung. Dr. Breidert. Bekanntmachung. Betr.: Schweinerotlauf in Allertshausen. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß dem Spezereihändler Wilhelm Dort zu Allertshausen ein Schwein an Rotlaufseuche erkrankt ist. Stallsperre ist angeordnet. Gießen, den 15. September 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. "< • Dr. Breidert. Au den «^andtagsrvahleu in Kessen. Nur eine kurze Spanne Zeit trennt uns noch von den Landtagswahlen, die die Hälfte der Zweiten Kammer erneuern sollen. Während von den Bauernbündlern und den Sozialdemokraten bereits längst eine lebhafte Agitation in Szene gesetzt ist, herrscht in den Kreisen der übrigen politischen Parteien überall noch auffallende Ruhe. Wir geben im Nachstehenden Aeußerungen zweier politischen Parteien rur Information unserer Leser wieder, betonen aber dabei ausdrücklich, daß wir durch den Abdruck dieser Artikel selbstverständlich keineswegs etwa unsere Zustimmung zu Einzelheiten offenbaren wollen. * * ♦ Die „Demokratische Korrespondenz" schreibt: Mit dem Schluß des 31. hessischen Landtags am 1L Juli war das Mandat der Hälfte der Abgeordneten, 25 an der Zahl, erloschen, und am 28. Oktober sollen die Wahlmännerwahlen für die Neuwahl vorgenommen werden. Das Nichtzustandekommen der Landtagswcchlrechts- reform, die das direkte Wahlsystem bringen sollte, macht es notwendig, daß die Bevölkerung noch einmal nach dem alten indirekten System wählt, bietet aber auch den politisch aufrichtig fortschrittlich gesinnten Parteien eine willkommene Wahlparole. Man sollte meinen, daß bei dieser Sachlage die Aufmarschlinie der einzelnen Parteien zu einander ohne Weiteres gegeben wäre. Das ist aber, bis setzt wenigstens, durchaus nicht der Fall. Vielmehr macht sich bei den einzelnen Parteirichtungen, allein von den Sozialdemokraten abgesehen, eine Unsicherheit und ein Hin- und Herschwanlen bemerkbar, sodaß aus den sich vielfach widersprechenden Stimmungsbildern ein llares Bild der Situation sich noch nicht ergiebt. Es ist den einzelnen Parteien allerdings auch nicht leicht gemacht, eine llare und zweifelsfreie Haltung einzunehmen : Sind doch die inneren Verhältnisse der meisten Parteien derart verworren und unsicher, daß sie über Programm und Taktik sich selbst zumeist noch in voller Unsicherheit befinden, einzig wiederum ausgenommen die Sozialdemokraten. Am schlimmsten sieht es tn der größten Partei des Großherzogtums, in der nationalliberalen, aus. Sie, die noch vor einem Jahrzehnt unumschränkt im Hessenlande schalten und walten durfte, hatte im letzten Landtag zwar nicht mehr die Majorität, wohl aber immer noch die respektable Stärke von 20 Mandaten. Sie wäre danach berufen gewesen, einen entscheidenden Einfluß auf die Landesgesetzgebung auszuüben. Das hat sie aber nicht vermocht, weil sie in sich selbst zerfallen war und auch nicht in einer einzigen größeren gesetzgeberischen Frage zur Geschlossenheit gelangen konnte. Tie alten kultur- und sozialistenkämpferischen Elemente der Partei fanden in den jüngeren, kirchlich zum Frieden und sozialpolitisch zu Reformen und Konzessionen geneigten keine zuverlässigen Mitstreiter mehr, der agrarische Flügel hatte mit dem immerhin wirtschaftlich doch etwas anders gerichteten industriellen zu rechnen, und die Anhänger des Kammerpräsidenten Haas hatten sich nicht selten über Quertreibereien und Gehässigkeiten derer um Heyl zu beklagen. Unter diesen Umständen bot die stärkste Fraktion des Landtags ein Bild kläglicher Ohnmacht und Zerrissenheit, und die Partei ist in der Nachwirkung dieser Gegensätze immer noch nicht zu der seit Jahren namentlich von Worms aus betriebenen Reform gelangt. Cs ist sehr wahrscheinlich, daß dieser Zwiespalt sich auch xm Wahlkampfe fühlbar machen wird: Man hört bereits, daß eine Anzahl der Alten sich verstimmt von: Kampfplatz zurückziehen will, und um einzelne Mandate, beispielsweise um das Wormser, das Herr von Heyl seinem Antipoden Reinhart entreißen und seinem getreuen Oberbürgermeister Köhler zuwenoen möchte, wird bereits jetzt eifrig gemarktet. Aus Die eigenen grafte allein angewiesen, würbe.: "die Nationalliberalen sicherlich alle Muhe haben, ihren Besitz- tzand zu behaupten, und namentlich, in Oberh eisen sind Verluste an die Bauernbündler nicht ausgeschlossen. Die Nationalliberalen haben zwar alle Veranlassung, sich in agrarischem Bewilligungseifer kühn den Bauernbündlern än die Seite zu stellen, sie haben auch in rein politischen Fragen, wie bei der Wahlrechtsreform im allerbeschränktesten und einseitigsten ländlichen Interesse Stellung genommen. Nichtsdestoweniger sind ihnen die Bauernbündler in vielen Wahlkreisen sehr bedrohlich auf den Leib gerückt, weil sie noch weniger, wie die nationalliberalen Agrarier, mit Versprechungen und Forderungen an die Regierung sparen und eine „Politik" in Aussicht stellen, die allein dem Bauer die Daseinsberechtigung zugesteht. Wenn da den Nationalliberalen nicht ein Helfer in einer anderen Partei erwächst, so kann es ihnen schlecht gehen. Tas Zentrum scheint nun in einzelnen eigenartigen Exemplaren wenigstens den bedrängten Nationalliberalen beispringen zu wollen. Ihr größtes hessisches Organ, das ^Mainzer Journal", scheint wenigstens nicht übel Lust zu haben, alle grundsätzliche Gegnerschaft und alle gehässigen Kämpfe, die sich bis in die neueste Zeit hineinziehen, zu vergessen und den Nationalliberalen dort zu Hülse zu kommen, wo sie sich mit den Sozialdemokraten auseinanderzusetzen haben. Es wäre zwar eine politische Kurzsichtigkeit allerersten Ranges, die in einem Flügel wenigstens reaktionärste hessische Partei in ihrer Stärke zu erhalten oder ihr gar die Möglichkeit zu eröffnen, die Majorität wieder in die Hand zu bekommen, und das lediglich, um eine Partei zu schwächen, die, wie die sozialdemokratische, in rein politischen und sozialen Fragen mit dem Zentrum weit mehr Berührungspunkte hat wie die nationalliberale, dem Zentrum auch weit mehr Garantie für die objektive Behandlung kirchenpolitischer Fragen bietet und zudem mit ihren sechs Mandaten, die sie bisher besaß und die vorerst wenigstens eine nennenswerte Vermehrung nicht erfahren können, eine gefahrdrohende Macht nicht werden kann; die Leidenschaft aber, die manche Zentrumsführer aus rein persönlichen Gründen gegen die Sozialdemokraten zur Schau tragen, könnte doch wohl hie und da blind machen gegen die Gefahren einer Gefühlspolitik, und es ist somit nicht ausgeschlossen, daß die Nationalliberalen sich in einigen Wahlkreisen der Hülfe ihrer ultramontanen Todfeinde zu erfreuen haben. Es wäre ein Schauspiel für die Götter, wenn es den Nationalliberalen auf diesem Wege gelänge, sich trotz aller inneren Schwächen wieder zur ausschlaggebenden Partei in Hessen zu machen, und das durch die Freundschaftsdienste des Zentrums, ohne jede politische Notwendigkeit und ohne erhebliche Gegenleistungen. Wir glauben indessen, daß es sich die besonneren Führer des Zentrums und die wirklichen Politiker in seinem Schoße noch sehr überlegen werden, ehe sie zur Galvanisierung des toten nationalläe- ralen Körpers ohne Not und am Ende zum eigenen größten Schaden bereit finden werden. Einem Artikel des llerikalen „M ainzer Journal" entnehmen wir folgende Ausführungen: Tas Zentrum hat diesmal zwei Wahlkreise zu verteidigen; es wird sie halten, wenn die Katholiken ihre Schuldigkeit thun. Man sollte meinen, es wäre dies selbstverständlich,-und zwar um so selbstverständlicher, als Freund und Feind anerkennen müssen, daß die hessischen Zen- trumsabaeordneten ihre Schuldigkeit in hohem Maße ge- than haben. Was die sieben Herren an Arbeit geleistet haben, ist gar nicht zu sagen. Ein Mitglied war zweiter Präsident, ein anderes Präsident des wichtigen Gesetzgebungsausschusses, in allen anderen Ausschüssen saßen andere Mitglieder der Fraktion. Bei einigermaßen eifriger Thätigkeit ist es nicht ausgeschlossen, daß das Zentrum noch das eine oder andere Mandat gewinnt, was für die Gesamtstellung von erheblichem dttitzen wäre. Besonders interessant wird sich der Wahlkampf in Offenbach gestalten. Gilt es doch hier den Sozialisten Ulrich, dessen Macht bei der letzten Stadtverordnetenwahl eine schwere Niederlage erlitten hat, auszuscheiden. Möglich wird das nur sein durch ein zielbewußtes und energisches Zusammenhalten der Nicht-Sozialisten. Würde Herr Ulrich seinen Stammsitz verlieren und würde er in einem Landkreise einen Unterschlupf suchen müssen, so wäre sein Prestige dahin. Würde die sogenannte freieVereinigung wirllich eine „Vereinigung", nicht aber thatsächlich eine fortwährende ,^Veruneinigung" sein, würde sie Personen von polirischer Begabung und festen politischen Grundsätzen als Führer haben, so könnte sie in Oberhessen und Starkenburg erhebliche Gewinne machen, so aber, wie die Verhältnisse liegen, wird sie kaum Erhebliches zu leisten vermögen. So wird es allem Anscheine nach im Großen und Ganzen beim Alten bleiben. Ter Freisinn wird in der Stärke von einem Mann, einem fingen, politisch toleranten und hochachtbaren Advokaten wiederkehren. Tie in sich gespaltenen Lib e r a l e n, welche die enra- giertesten Agrarier und die ausgeprägtesten Manchesterleute in ihren Reihen haben, welche insbesondere bei der Wahlrechtsdebatte das Beispiel einer Fraktion, wie sie nicht sein soll, darboten, werden voraussichtlich wieder mit ihren 18 bis 20 Mgeordneten einziehen. Gerade weil aber nicht zu verkennen ist, daß unter ihnen wohlwollende und ruhig denkende Männer zu finden sind, wäre dies nicht als ein sonderlicher Nachteil zu erachten, wenn es gelingen könnte, den garrz unwürdigen sozialistischen Bann zu brechen oder doch wenigstens erheblich einzudämmen. Würdc dies das Resultat der Wahl sein, so könnte man mit ihm im Allgemeinen sich zufrieden geben. Uolitische Tagesschau. Der Parteitag der deutsch-sozialen Resormpariev ist in Eisenach eröffnet worden. Die erste Ansprache hielt Chefredakteur Zimmermann aus Dresden, der den Vorsitz führte und nachher auch über den Aufmarsch der Parteien zur nächsten R e i ch s t a g s w ah l referierte. Er wandte sich dabei, wie die „Ttsch. Tagesztg." berichtet, gegen die Schlagworte vom Brotwucher und Fleischwucher, die geeignet seien, die Massen aufzuhetzen und zu verwirren. Wenn man vorn Brotwucher spreche, so wolle man die Tifferenzspieler und die jüdischen Spekulanten dafür verantwortlich machen. Ebenso fei es mit dem fogenannten Fleischwucher. Die Wahlparole der Partei müsse also sein, das Volk darüber auszuklären, wo die wirklichen Brvt- und Fleischwucherer zu suchen seien. Was die Stellung zu den Parteien anlange, so msüsse im allgemeinen gesagt werden, in wirtschaftlichen Fragen stehe die deutsch-soziale Reformpartei der konservativen, in nationalen Fragen der nationalliberalen Partei näher, die Partei müsse aber im allgemeinen ihre Selbständigkeit wahren. Tie BLziehungen zu dem Bunde der Landwirte hätten sich gegen früher gebessert. Ueber ein Zusammengehen mit ihm und anderen Parteien müsse von Fall zu Fall entschieden werden. Zeitungsverleger W. Bruhn aus Berlin meinte, die Massen würden vom Bunde der Landwirte abgestoßen durch den junkerlichen Charakter der Bundesleitung. Ter Bund sei übrigens unzuverlässig, indem er immer wieder zu seiner ersten Liebe, zu den Konservativen, zurückkehre. Dadurch werde ein Zusammengehen mit dem Bunde für die Partei mehr Nachteile als Vorteile bringen. Er empfahl bei den nächsten Wahlen rücksichtslos selbständig vorzugehen, dann würden die Erfolge nicht ansbleiben. Chefredakteur Zimmermann entgegnete darauf, daß die von ihm unter gewissen Umständen empfohlenen Kompromisse selbstverständlich nur auf Grund völliger Gleichberechtigung abgeschlossen werden könnten. Er machte dann noch Mitteilungen über die Abmachungen in Dresden, wobei Dresden-Neustadt den Konservativen, Tresden-Altstadt der Reformpartei überlassen worden ist. Tie Stellung der Partei zum Zolltarif kennzeichnete der Mg. Gäbel. Er kam zu dem Ergebnisse, daß die Partei, soweit es mit dem allgemeinen Interesse vereinbar sei, im agrarischen Sinn«; stimmen werde. Differenzen bei den Antisemiten. Zwischen dem deutschen Antisemitenbund und dem Vorsitzenden des Wahlvercins Berlm der deutschsozialen Reform- partei hat bei der Wahl der Stimmführer zum Parteitag der Reformpartei, wie erst jetzt-bekannt wird, eine Auseinander^ setzung stattgefunden. Die „Antisem. Korresp." der Lieber-' mann von Sonnenberg'schen deutsch-sozialen Antisemiten be»; richtet hierüber folgendermaßen: Bei der Wahl der Stimmführer kam es am 12. ds. Mts. in, Berlin infolge zweier Anträge, die sich mit dem Pückler- Rummel und der staatspolitischen Haltung der „Staatsbürgeräg." beschäftigten, zu einem Zusammenstoß zwischen dem Vorsitzenden des „Deutschen Antisemitenbundes", Herrn W. Bruhn,, und dem Vorsitzenden des Wahlvercins Berlin, Herrn Zahnarzt; Strlimpf. Da diesem das Wort abgeschnitten wurde, beteiligte sich' anscheinend der Wahlverein nicht an der Stimmführerwahl, sodag an stelle der sonst üblichen zwölf Stimmführer, die je zur Hälfte, die beiden Vereine stellten, nur neun gewähü wurden, dre sämtlich' dem Antisemitenbund angehören. Kon den deutschen Sozialistinnen. München, 13. Sept. Zu der heutigen Konferenz der sozialistischen Frauen waren von Vollrnar, Haller, Löwenstein und Vandervelde-Brüssel erschienen. Ottilie Baader erstattete den Bericht über die ziemlich umfangreiche Thcttig- keit der Frauen und betonte, daß die Genossinnen zur Agitation die Hilfe der Parteikasse nicht in Anspruch zu nehmen brauchten. Das Bureau besteht aus den (&> noninnen Zetkin 1. Vorsitzende, Baader 2. Vorsitzende, Zertz, Schriftführerin. Zu der Frage der Agitation und Organisation lagen zwei Anträge von Düsseldorf und Köln vor, welche abgelehnt wurden. Die österreichische Genossin Popp gab darauf eine kleine Schilderung der Frauenbewegung in Oesterreich; auch Genossin Schlesinger aus, Wien schilderte die dortige Bewegung. Zum zweiten Punkt der Tagesordnung: „Wie bilden wir Agitatorinnen heran?" sprach Zintz-Hamburg, die einen großen Mangel an weiblichen Agitatoren konstatierte. Ans kleinen Kreisen heraus seien „Offiziere" zu gewinnen. Sie müssen theoretisch vorgebildet werden und dann in engerem Zirkel sich nach und nach daran gewöhnen, ihren Gedanken freien Ausdruck zu verleihen, bis fie das auch in der großen Öffentlichkeit können. Greifenberg-Augsburg verlangt eine Schulung für Agitatorinnen, in der Rhetorik, Kunst, Gesetzeskunde, Kenntnis- ber einzelnen religiösen Bekenntnisse, weibliche Arbeiten, Sprachen und Dialekte usw. gelehrt werden. Köhler-Chemnitz ist nicht damit einverstanden, daß man die Ansprüche, an die Bildung, die Kleidung und Ausdrucksweise der Agitatorinnen zu hoch schraubt, sonst verstehen die Arbeiterinnen ^>as nicht, was ihnen begreiflich gemacht werden soll. Schlesinger-Wien hat gute Erfahrungen mit Lehrabenden gemacht. Die Arbeiterin soll daran gewöhnt werden, sich an jeder Diskussion zu beteiligen. Vor der Fortsetzung der Diskussion zum zweiten Punkt der Tagesordnung entwickelt sich eine Disc: an über die Giltigkeit des Mandats der Genossin Bra ore nur zum Parteitag, nicht zur Frauenkonferenz i Jtert ist. Genosstn Braun verzichtet auf die Zuerkennung oes Mandats und sprint dann zu Punkt 2 der Tagesordnung uns wünscht Werkstättenorgantsation. Hofmann-Hamburg ist der Ansicht, daß man zuerst mehr in der gewerkschaftlichen Richtung arbeiten muß. Man muß die Arbeiterinnen zuerst für ihre beruflichen Interessen, dann erst für die politischen interessieren. Bet Punkt 3, „Gesetzlicher Schutz der Frauen-, Kinder - und Heimarbeit liegt eine Resolution vor, in der gefordert wird: weitere Ausgestaltung des gesetzlichen Arbeiterinnenschutzes, Verkürzung der Arbeitszeit, Achtstundentag, Herabsetzung der Arbeitszeit der jugendlichen Arbeiter auf 4 oder 6 Stunden, Erhöhung der Altersgrenze auf 18 Jahre, Einführung eines obligatorischen Fortbildungsunterrichts. Weiter wird gefordert: Verbot der Beschäftigung von Frauen acht Wochen nach der Niederkunft, wenn das Kind lebt, sechs Wochen nach der Niederkunft bei Tot- oder Fehlgeburten oder im Falle des Ablebens des Kindes. Recht der Schwangeren auf kündigungslose Einstellung der Arbeit vier Wochen vor der Niederkunft, Verlängerung der Schutzfrist für Wöchnerinnen auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses. Ausgestaltung der Schwangeren- und Wöchnerinnenfürsorge seitens der Krankenkasse durch Zubilligung eines Pflegegeldes an Schwangere und Wöchnerinnen für die Dauer der Schutzfrist und in der vollen Höhe des durchschnittlichen Tagesverdienstes, obligatorische Ausdehnung der betreffenden Bestimmungen auf die Frauen der Kassenmitglieder. Vereinheitlichung der Krankenversicherung, Zusammenschluß der Kassen zu kapitalkräftigen Verbänden, weitgehendes Selbstverwaltungsrecht der Versicherten und Zuschüsse vom Staat sollen die Erfüllung dieser Forderungen ermöglichen. Auch die Errichtung von Entbindungsanstalten, Schwangeren- und Wöchnerinnenheimen, Beschäftigungsanstalten für stillende Mütter, die Organisation der Wöchnerinnenhaus- ,pflege durch die Gemeinden wird verlangt. In der anschließenden Diskussion verlangt Genossin Braun auch Abschaffung der Ueberstunden, der Nachtarbeit und Freigabe der Samstag Nachmittage. Eine allgemeine Mutterschaftsversicherung sei anzustreden und zwar ohne Anschluß an die Krankenversicherung. Das ganze Volt habe die Kosten hierfür zu tragen. Line Resolution betreffend Beschwerdekommis- ionen will, daß die Arbeiterinnen die gesetzlichen Betimmungen kennen lernen, daß sie Kräfte für die Gewerbe- nspektion schaffen. In allen Industriezentren sollen Be- chwerdekommissionen, die nach einheitlichen Grundsätzen arbeiten, errichtet werden. In der Resolution über K'i n- d er sch utz wird gefordert: Verbot jeglicher Erwerbs- thätigteit schulpflichtiger Kinder, Erhöhung des schulpflichtigen Alters auf 14 Jahre, Herabsetzung der täglichen Maximalarbeitszeit auf 4 uni>- 6 Stunden, Einführung -eines obligatorischen Fortbildungsunterrichts. Zu Punkt Heimarbeit wird aus die Resolution des 4. Genossenschaftskongresses in Stuttgart hingewiesen. Tie Konferenz ist der Ansicht, daß trotz aller Schwierigkeiten Versuche zur Organisierung der Heimarbeiterinnen gemacht werden müssen durch Zusammenschluß der einzelnen Berufe in Sektionen. In der Debatte erklärte sich Genossin Braun insbesondere auch noch für Witwen- und Waisenversicherung in ausreichender Form. Die einzelnen Resolutionen sanden schließlich Annahme. Tie Konferenz forderte bei der Beratung über das Wal)lrecht der Frauen volles freies Vereins- und Versammlungsrecht. Man nahm die entsprechende Resolution an. Der Schluß der Konferenz brachte noch die Annahme einer Resolution, die sich gegen die Steigerung des Fleischpreises und gegen die Grenzsperre richtet. Aus Stadt uiü> Saud. Gießen, den 16. Sept. 1902. Mitteilungen aus dem Publikum werden gern entgegengenommen und angemessen honoriert. ** Zur Fleischtheuerung. Aus Worms schreibt der dortige „Generalanz.": „Bei der gestrigen Vergebung der Fleischlieferung für das städtische Krankenhaus wurde, wie uns von gut unterrichteter Seite versichert wird, die Lieferung des nötigen Schweinefleisches incl. Koteletts zu 6 6 Pfg. pr. Pfund übernommen. Wie bekannt, lassen sich die Metzger vom Publikum für die gleiche Ware 90 Pfg., für Koteletts sogar 1 Mk. pr. Pfund bezahlen. Hierbei ist noch zu berücksichtigen, daß das Hospital die allerbeste Qualität verlangt und bekommt." ? Lich, 15. Sept. Der Fürst zu Solms-Hohen- solms-Lich ist gestern, einer Einladung Sr. K. H. des Großherzogs folgend, auf einige Tage nach Friedberg abgereist, um den dortigen Manövern der hessischen Division bejzuwohnen. Butzbach, 15. Sept. Ein Ehepaar, das kürzlich aus Australien hier eingetroffen ist und in einem hiesigen Gasthof logiert, erlebte gestern, wie die „B. Z." schreibt, an einer an Kindesstatt angenommenen, jetzt 19jährigen Pflegetochter bittere Enttäuschung. Während das Ehepaar in der Kirche war, wurde cs von der Pflegetochter bestohlen, und diese suchte nun mit einer Barschaft von über 3000 Mk., den Rückfahrkarten nach Australien und vielen wertvollen Schmucksachen das Weite; angeblich lüste sie am hiesigen Billelschalter eine Fahrkarte nach Kassel. Da die Bestohlenen mit der polizeilichen Anzeige gezögert hatten, ist es bis jetzt noch nicht gelungen, die Diebin zu erwischen. Bad-Nauheim, 15. Sept. Unterhaltungen oom 17. — 21. September. Frühkonzert der Kurkapellc täglich von 77a—8*/a Uhr am Kurbrunnen. Mittwoch nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Bei gutem Wetter Lampionsbeleuchtung der Terrasse. Bei einbrechcnder Dunkelheit Feuerwerk vor der Terrasse. Eintritt wie Sonntag. Donnerstag, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Rezitationen des Großh. Hofschauspielers Hcrin. Knispel auS Darmstadt. Freitag, nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Wagner-Konzert. Samstag, nachnnttags und abends auf der Terrasse Konzen der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung des Wiesbadener Operetten-Ensemble. Sonntag, Konzert der Kapelle deL Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) 3K. 116 aus Gießen. m. Friedberg, 15. Sept. Man muß es den Friedbergern nachrühmen, sie hatten sich aufs äußerste bemüht, ihrem hohen Gaste, dem Groß Herzog, den herzlichsten Empfang zu bereiten. Leider war das Wetter trübe, wolkig und cmpsindlich kühl, dennoch war der Zudrang, besonders auch von den umliegenden Orten sehr stark. Emen öffent '»ichen Empfang ieit-nö der Vereine rc. hatte der Großherzog abgelehnt, ebenso ursprünglich auch daS Aufstellen der Schulkinder und der Schloßwache. Erst gestern Vormittag kam ein Telegramm, der Großherzog wünsche, daß die Schulkinder in der Burg Spalier bildeten. Diese Nachricht wurde sofort auf ortsübliche Weise bekannt gegeben und von der Bürgerschaft mit Freuden begrüßt. Um 4 Uhr sammelten sich m- solgedeffen die Lehrer mit den Schülern, letztere mit zahlreichen Blumensträußchen bewaffnet, in der Burg und der Empfang verlief, wie wir schon gestern meldeten, in würdigster Weise. Der Aufenthalt des Großherzogs in Friedberg dehnt sich auf die Dauer der Manöver aus, voraussichtlich bis zum nächsten Sonntag. §§ Gedern, 15. Sept. Während des gestrigen Nachmittagsgottesdienstes ertönte das Feuersignal. Eine Scheune mit Stallung stand in Hellen Flammen. Auch wurde das angrenzende Wohnhaus bis zum untersten Stock ein Raub derselben. Die beiden hiesigen Wehren hatten vollauf zil thun, das verheerende Element auf seinen Heerd zu beschränken. Der Abgebrannte war nicht versichert. Einige kleine Leute, die Heu und Frucht in der Scheune mietsweise untergebracht hatten, sind dadurch ebenfalls hart mitgenommen worden. Die Entstehungsursache des Feuers ist unbekannt. § Schotten, 15. Sept. Einen großartigen Anblick gewährt unser neurestauriertcs Rathaus. Tie innere Ein- richtung entspricht allen Erwartungen. Der Stadtdiener hat in dem Gebäude bereits Wohnung genonunen. Die Maurerarbeit führte der Maurermeister Böhm, die Zimmerarbeit ein Meister aus Mücke aus. -h- Wenings, 15. Sept. Ein Scharfschießen der hessischen Artillerie findet in der Nacht vom 22. auf 23. Sept, in unserer Gemarkung statt. Schon seit voriger Woche treffen 2 Compagnien Pioniere vom 21. Pionier-Bataillon, die gegenwärtig in Gedern einquartiert sind, und jeden Tag dorthin marschieren, die nötigen Vorkehrungen. Ta auch ein Festungsgeschütz aus Mainz dorthin gebracht wird, so wird das Schauspiel recht interessant werden und viele Zuschauer herbeiziehen. — Bei Erdarbeiten wurde einem Pionier mit einem Pickel die eine Hand durchhauen. fr. Herbstein, 15. Sept. Hier brach heute morgen gegen 10 Uhr bei einem Landwirt inmitten unserer Stadt plötzlich Feuer aus. Trotzdem die schnell erschienene Pflichtfeuerivehr die grüßten Anstrengungen machte, war an Rettung nicht mehr zu denken; es brannte die ganze Hofraite nieder. Der Besitzer ist nicht versichert. Das Feuer soll in der reichlich gefüllten Scheuer entstanden sein. Die Ursache konnte bis jetzt noch nicht ermittelt werden. li. Darmstadt, 15. Sept. Die in diesem Jahre entstandene „Hessische Missions-Konferenz" welche vorläufig die Missionsfreunde in Starkenburg und Oberhessen umfaßt, und den Ziveck hat, ihre Mitglieder und Freunde auf dem Wege wissenschaftlicher Arbeit tiefer in das Verständnis der Theorie und Praxis der Missionsfragen einzuführen, gedenkt ihre Jahres-Versamnilung Donnerstag, den 18. d. Mts., vormittags 10 Uhr, im Vereinshaus der Mühlstraße 24 zu Darmstadt zu halten. Zu derselben werden hiermit nicht nur die Geistlichen der Provinz Starkenburg, sondern auch diejenigen Oberhessens herzlich eingeladen, welche gesonnen sind, der Missionskonferenz sich anzuschließen. Der Vorstand wird es mit Freuden begrüßen, wenn auch Geistliche aus Rheinhessen sich entschließen wollten, an dieser wissenschaftlichen Missionskonferenz, welche sich über das ganze Großherzogtum erstrecken soll, teilzunehmen. Nach der Erüffnung mit Gebet und Schriftauslegung durch den Ober- konsistorialrat Petersen, den neugewählten Superintendenten der Provinz Oberhessen, wird Herr Pfarrer Paul Eppler von Basel ein Referat erstatten über „Katholische imd evangelische Missionspraxis". Nicht nur für jeden evangelischen Geistlichen, sondern für jeden evangelischen Christen ist dieses Thema von großem Interesse und ailch der evangelische Bund hat dasselbe als. ein sehr zeitgemäßes auf das Programm seiner diesjährigen Tagung zu Hagen i. W. (6.-9. Oktober) gesetzt. Da Herr Eppler Fachniann auf dem Gebiete der Missionsivissenschaft ist, so dürfte seinem Vortrag ein allgemeines Interesse von Seiten der evangelischen Bevülkerung entgegengebracht werden. Ta unsere Konferenz es sich zi,r Aufgabe geiiiacht hat, auch rein praktische Fragen aus dem Gebiet des Missionslebens jiini Gegenstand der Betrachtung zu machen, so sott in diesem Jahre „das Missionsfest" einer brüderlichen Besprechung unterzogen werden. Hofkaplan Palmer von Schünberg wird diese Besprechung einleiten. Mainz, 13. Sept. Nach einem Beschluß des Landes- auSschusses der hessischen Zentrumspartei wird der hessische Katholikentag am 12. Oktober in der Stadthalle ab- gchalten. Kassel, 15. Sept. In der Lokomotivfabrik Henschel u. Sohn fand heute anläßlich der Ablieferung der 6 0 00. Lokomotive und der 50jährigen Thätigkeit des Direktors August Schäffer in der Firma eine Feier statt. Hierbei teilte der Chef der Firma mit, daß sie verschiedene Wohlfahrtseinrichtungen für die Arbeiter und deren Angehörige beschloßen, sowie 200 000 Mark zu gleichen Teilen der Bc- amten-PensionS-, der Witlven- und Waisenkasse und der Jnvaliden-Witwenlaffe für die Arbeiterschaft überwiesen habe. Kleine Mitteilungen auS Hessen und den Nachbarstaaten. Auf der Station Heller Hof wurde am 13. September nachmittags der Eiscnbahnvorarbeiter Jakob Astemer aus Kirdorf (bei Homburg o. d. H.) von einem Materialzuge überfahren, indem er vom Wagen stürzte. Die Räder durchschnitten den Unterleib. Der Tod trat sofort em. — Der AuSsichttturm auf dem Feldberg wird am 12. Oktober eingeweiht. Die Kosten desselben belaufen sich auf 70 000 Mk. Bis zur endgiltigen Tilgung der Kosten wird von Nichtmitgliedern de§ TaunusklubS bei Besteigung des Turmes ein Eintrittsgeld erhoben. — Im Elisabethhospital in Kassel fiel am 13. d§. Mts. morgens ein Petroleumofen, an dem eine alte Frau Kaffee kochte, um. Tie Kleider der Frau singen dadurch Feuer, und noch ehe Hilfe herbeikam, war die Frau tot. Die Leiche ,var halb verkohlt. — In Kassel feierte die Kohlen-Großhandlung Rhederei Adolph Harloff mit ihren Filialen GustavSburg, Ruhrort, Iserlohn, Mannheim und WormS ihr 2üjähriges GeschäftSjtibiläum und fand auS diesem Anlaß eine größere Feier m Kassel statt. Vermischtes. ♦ Stendal, 15. Sept. In dem Nachbardorfe Arnim wurde die Frau eines Stendaler Arbeiters im Kornfelde schwer verletzt aufgefunden. Tie Frau, an welcher ein Sittlichkeitsverbrechen begangen sein soll, fand im hiesigen Krankenhause Aufnahme. An ihrem Älufkommen wird gezweifelt. Der Thäter, ein zwanzigjähriger Kutscher, ist entflohen. ♦ Luckenwalde, 15. Sept- In einem hiesigen Alteisenwarengeschäft explodierte eine Granate, die sich zwischen altem Eisen befand. Der Inhaber des Geschäfts und ein Arbeiter wurden getötet, ein Sohn deS Inhabers schwer verletzt. * Breslau, 15. Sept. Ter Getreidekaufmann Y. Courant verübte heute früh wegen bedeutender geschäftlicher Verluste Selbstmord. * Hamburg, 15. Sept. In der Nacht auf Sonntag wurde in der St. Petrikirche ei'n gebrochen. Tie Einbrecher erbrachen die schwere Eingangsthür und -stiegen nach Zertrümmern einer Fensterscheibe in die Sakristei, wo sie alles durchsuchten, ohne etwas zu finden. Aus Wut darüber warfen sie einen Schrank mit mehreren Flaschen Wein um, zerrissen mehrere neue Bibeln und verunreinigten den Altar und das Taufbecken. * Bremen, 14. Sept- Betreffs des Standbildes des Kaisers Friedrich III., für dessen Errichtung, wie gemeldet, der Großkaufmann Franz Schütte der Stadt Mittel zur Verfügung gestellt hat, läßt der Senat der Bürgerschaft folgende Mitteilung zugehen: „Ter Kaufmann Franz Ernst Schütte hat der patriotischen Gabe, mit der er sich jüngst um die Ausschmückung der Stadt durch ein edles Kunstwerk verdient gemacht hat, eine neue Gabe gleichen Sinnes hinzugefügt. Unser hochverdienter Mitbürger hat dem Senat angezeigt, er wünsche ein bronzenes Reiterstandbild des Kaisers Friedrich III. auf dem am Kreuzungspunkt der Kaiser Friedrichstraße und Caprivistraße geschaffenen Platz zu errichten, das er der Stadt als Geschenk anbiete. Ter bewährte Künstler Tuaillon in Rom, dem wir den Rosselenker am Theater- berge verdanken, und dessen hervorragendes Meisterwerk, die Amazone, neben dem Museum in Berlin Aufstellung gefunden hat, ist bereits mit der Anfertigung dieses neuen Kunstwerks beschäftigt, das im nächsten Frühjahr vollendet sein wird. Es soll den verehrten Kaiser in idealisierter Auffassung in antifer I m p e r a t o r e n t r a ch t, unter Anlehnung an die berühmten Mediceergestalten Michel Angelos in San Lorenzo zu Florenz, darstellen. Ter Name des Künstlers dürfte die Bereicherung Bremens um ein hervorragendes Kunstwerk verbürgen. Der Senat zlveifelt nicht, daß gleich ihm die Bürgerschaft mit Freuden und mit warmem Tank dieses neue Geschenk aus der Hand des hochsinnigen Gebers entgegennehmen und die Aufstellung des Standbildes an dem bezeichneten Platze genehmigen wird, wie es der Senat hiermit beantragt." * München, 15. Sept- Heute nachmittag 5 Uhr entgleise bei der Einfahrt des Weilheimer Lokalbahnzuges in die Station Geltendorf infolge vorzeitiger Weichenumstellung der erste Personenwagen mit dreißig Personen, von denen mehrere leicht verletzt wurden. Ter Betriebsleiter der Lokalbahn Tischler wurde schwer verletzt, ebenso die Gattin eines Münchener Malers. * P a r i s, 15. Sept. Aus Martinique eingetroffene Reisende erzählen, daß auf der Insel jeder Verkehr und jede Arbeit stockt. Man befürchtet, daß, wenn im Herbst der Eintritt des Nordwindes erfolgt und falls zu dieser Zeit ein neuer Vulkanausbruch statt findet, die glühende Asche sich über die Südseite der Jnfel verbreiten und dort eine Katastrophe herbeiführen werde. * 23 r e ft, 15. Sept. Ein Soldat vom 118. Infanterie- regiment, der bei einem Pulverturm Posten stand, wurde von einem Unbekannten angegriffen und erhielt einen Schuß in den rechten Arm. Tie Gendarmerie stellte Nachforschungen nach dem Thäter an, bis jetzt aber ohne Erfolg. * 23 r i a n <; o n, 15. Sept. Beim Besteigen der Eoste- Vieillespitze stürzte der Alpenjägerleutnant Saint G u i l h e m ab. Tie Leiche wurde in einem Schiefer- bruche nitfgcfunben. Wien, 15. Sept. Die Wiener Mittagszeitung meldet aus Graz, daß im dortigen Spital der barmherzigen Brüder ein choleraverdächtiger Krankheitsfall vorgekommen sei. * Colombo, 15. Sept. Ter englische Dampfet „Nithsdale" ist in der Nähe der Insel Garfarm (?) gescheitert. Ein Teil der Mannschaft wurde nach Colombo gebracht. Man vermutet, das» der Kapitän und 13 Leute der Mannschaft ertrunken sind. * R a u b m o r d v c r s u ch. An der am Winterhudenweg in Hamburg wohnenden Frau Kirchner wurde ein Raubmordversuch verübt. Zwei Uhren im Werte von IGO Mark wurden geraubt. Tie Verletzungen der Frau sind nicht lebensgefährlich. * Selbstmord. Nach einer Meldung aus Wien hat sich dort der in den deutschen und österreichischen Spvrt- kreisen sehr bekannte Generalmajor Ritter von I o e l s o n wegen eines schweren Leidens erschossen. *Der Mörder seiner Mutter und seiner Braut. Seit Wochen sucht die Chicagoer Polizei von einem Ende des Landes zum anderen nach William Bartholin, den Abkömmling einer angesehenen dänischen Familie, auf dem der schwere 23erdacht ruhte, seine Mutter und seine Braut Minnie Mitcheck ermordet zu haben. Jetzt ist seine Leiche mit einer Schußwunde im Kopse in einem HKttreidefelde in der Nähe von Faxsield im Staate Iowa gefunden worden. In einer Tasche steckte ein Brief, in dem Bartholin die Morde eingesteht, ohne aber die Motive anzugeben. Anfang Juli verschwand Frau 23artholin, eine wohlhabende Witwe. Das erregte aber leinen Verdacht, da ihr Sohn das Gerücht aussprcngte, sie bejuche 23elannte aus dem Landsitze in der Mhe von Milwaukee. Einige Wochen später sanden spiclenoe Kinder aus einem mit hohem Unkraut dcwachscnen Grundstücke die Leiche eines erschossenen jungen MadchenS, in der man Winnie Mitchell erkannte. Sie war schon seit längerer Zeit verschwunden und mit ihr Bartholin, der sie zu einem Spaziergänge abgeholt hatte, von dem beide nicht wicdertchrten. Statt dessen traf damals einige Tage später ein Bries aus San Francisco ein, in welchem Barchockn meldete, er sei mit Minnie durchgebrannt und habe sich mit ihr trauen lassen. Man möge Geld schicken, damit fie zurückkehren könnten. TaS geschah, aber man hörte nichts mehr von Bartholin. ES wurde später festgestellt, daß Frau Bartholin aar nicht bei jenen Bekannten war. Die Polizei entwickelte eine fieberhafte Thätigteit und ermittelte zwei Freunde Bartholins, die ihm eines Morgens geholfen hatten, ein verdächtiges Paket fortzuschafsen. Jetzt ist durch das Geständnis des Mörders der Verdacht zur Gewißheit gewor- der Saalburgfreunde beteiligte fick die vegetabilische Abteilung des 1902 Selbstmord beging. Museums der genannten Hochschule an der auf der Saalburg bei strafcheit war die Ange Gerichtssaal. 14. Sept, bis 15. Sept. vom 15. 14. Kunst und Wissenschaft. iurt a. 2)1 wird gemeldet: 160° 0 9,5° O ien 103 Höchste Temperatur Niedrigste v geführt. — Hump Llnfang der cu .,ven Engelbert Hmnperdinlls Märchen- . .. uuil Ebeling-Filhes) erworben. euauj der Landwirtschaftlichen Hochfchulc Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. »iue Oper wird ihre Erst-Ausfiihrtlng zu .. utiurt n. 9)1. erleben. Wie die Jn- Lrndanz mitten, spiel „Dornro. .. . — Die Au»,------- -------......, . - , - ... - H« Berlin auf der Saalburg. Auf Ersuchen der Vereinigung Zandwirtschast. — In dem Bieberthal steht für diesen Herbst eine Aepfel- ernte bevor, wie kaum in einem früheren Jahre. Am vollsten hängen die Bäume an der Straße zwischen Heuchelheim, Rob- heim und Bieber. Am einträglichsten sind die Goldparmänen. .Die Aepfel auf hessischem Gebiete werden vom Kreis Gießen gepflückt, in Gießen ausgestellt und verkauft. quäle" in der neuen Bearbeitung von _ _ . W. Kleefels sand nach allen Aktschlüssen lebhaftenBetsall. bei dem äußerst zahlreich erschienenen Publikum. Der Hauptanteu gebührt Frau Schacko. Den Schluß des Abends bildete das einaktige Ballet .Zwischen zivet Feuern", von Eugen Brück, Musik von Joh. Bayer. Die Tänze ivurden in dezenter Weise mit Chic und «Grazie von den warnen Earnesi, Reisinger und Sedlmayr aus- Veber trockene Flechten schreibt Herr Oberstabsarzt u prakt. Arzt F. N. in 9)1.: Ihre „Herba- Seise" hat in zwei Fällen von trockenem, abschilferndem Ausschlag, beidesmal an den Beinen, geradezu brillant gewirkt und zwar in dem einen Falle nach dreijähriger erfolgloser Anwendung aller niöglicher Salben. Z. h. in Apotheken, Drogerien u. Fabrikant I. Gioth, Hanau 4. Best.: 90% Seife, 3% Ärmca, 2% Salbei, 1,5% Wasserbecherkrt., 3,5% Harnkrt. 5712 7 Dr.W. Knechts Magenbitter SÄNTISIsi der beste der Welt. Das Heim wie ein Schmuckkästchen zu halten ist der Hausfrau größte Zierde. In erster Linie spielen dabei die Putzmittel eine große Rolle. Sollen Gegenstände aus Gold, Silber, Nickel,Alienid, Messing, Kupferte, so schön wie neu erhalten werden, müssen sie unbedingt mit dem bekannten:,,GlobuS- Putzcxtratt" geputzt werden, denn nur mit Globus-Putzextrakt erzielt man schnell und mühelos einen herrlichen prachtvollen Hochglanz von langer Dauer. Ter Herstellung des Globus-Putzertrakt wird von der Firma Fritz Schulz jun. Aktiengesellschaft in Leipzig, eine außerordentlich peinliche Sorgsalt zugewandt. Laut Gutachten von drei gerichtlich vereidigten Chemikern ist Globus-Putzextrakt frei von allen schädlichen Bestandteilen, er kratzt nicht die zu putzenden Flächen, er schmiert nicht und greift die Metalle nicht im geringsten an. Da aber alles Gute und Aechte Nachahmer findet, so ist Vorsicht beim Einkauf geboten, zumal mehr oder minder schlechte Nachahmungen selbst mit der Bezeichnung „Putzextrakt" angeboten werden. Man verlange in allen -£ rogen-, Kolonial-, Eisen- und Kurzwarenhandliingen nur „Globus-Putzextrakt" in Tosen ä 10 und 25 Pfennig, kenntlich an der Schutzmarke Globus iv rotheu Ouerstreifeu. Gießen, 13. Sept. Ferien st rafkammer vom 12. September. Schluß der Verhandlung. Gustav Braun von Gettenau war durch Urteil des Schöffengerichts Nidda am 27. Juni 1902 wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt worden. Dieses Urteil hatte er mit dem Rechtsmittel der Berufung angefochten. Es wurde in der heutigen Hauptoerhandlung, im Wesentlichen übereinstimmend mit dem Vordergericht, festgestellt: Am 8. 9)lai l. Js. trank mit anderen ein gewisser Rühl ein Quantum Bier, das jedoch nicht geschenkt sein soll, rote in erster Instanz angenommen rouroe. Wie darauf der an einem anderen Tische sitzende Angeklagte ausgefordert wurde, mitzutrinken, sagte er: „Ich bin nicht so ein Schmarotzer, es geht mir nicht so, wie anderen Leuten." Rühl frug den Angeklagten, ob er gemeint sei. Alsdann gerieten beide in einen Wortwechsel, bei dem der Angeklagte zu Rühl sagte: „Du bist der größte Schwindler in Gettenau; du hast mir 2 Malter Kartoffeln abgekaust, hast aber mir nur für 5 Mk. geholt, roenn es billiger gewesen wäre, hättest du auch noch das andere geholt." Es wurde auch in der heutigen Verhandlung festgestellt, daß Rühl das Wort „Nichtsnutzer" gebrauchte. Jedoch tonnte nicht sicher ermittelt werden, ob nicht Angeklagter vorher schon beleidigende Aeußerungen gethan und ob mit diesem Ausdruck Rühls der Angeklagte gemeint gewesen war. Das Gericht üeß es nach diesen Feststellungen unter Verwerfung der Berufung und Verurteilung zu den Kosten der zweiten Instanz bei der erkannten Strafe. — Karl de Groote von Ortenberg war beschuldigt, am 11. März 1902 Nachmittags beim Fußwegübergang in km 5817 der Nebenbahn Stockheim-Gedern Baumstämme über die Bahn geschasst und hierbei die Cberbaubettung und den Seitengraben beschädigt und oerunreimgt zu haben. Durch Schöfsengenchtsurtheil vom 7. Juli 1902 war der Angeklagte freigesprochen worden. Dagegen hatte die Gr. Staatsanwalt Berufung verfolgt. Es wurde jedoch, festge- stellt, daß der Angeklagte gar nicht bei dem Transporte des tlem- gemachten Holzes zugegen gewesen war, sondern nur seinen 2 Arbeitern Auftrag zum Wegbringen des Holzes gegeben hatte. Diese waren allerdings unangemessen zu Werke gegangen, da sie das Holz nicht über den Bahnkörper trugen, sondern schleiften und so die erwähnten Beschädigungen anrichteten. Da also der Angeklagte feine Uebertretung begangen und strafrechtlich für andere nicht emstehen kann, so wurde er freigesprochen. - In der Prroatklagesache des Heinrich Gillmann IV in Steinfurth gegen die Heinrich Alban V Ehefrau in Steinfurth wird die Berufung der Angeklagten gea das Urteil Gr. Schöffengerichts Bad-Nauheim vom 10. Juli ltii als unbegründet verworfen. Durch genanntes Urteil war die Angeklagte zu einer Geldstrafe von 40 Alk. verurteilt worden, weil sie die Ehefrau des Privatklägers - mit der sie in Streit lebte - mit Beleidigungen verfolgte, welche auf em Verhältnis anspielten, das die Ehefrau Gillmann angeblich mit einem Schweitzer unterhalten sollte. Dafür wurde aber keinerlei Beweis erbracht. _ Die Beleidigte äußerte einer Zeugin gegenüber, die Angeklagte lasse sie Nicht gehen, sie habe keine Ruhe mehr. Sie war gemütskrank und früher |a)on einmal in einer Heilanstalt gewesen, diese Beleidigungen uerbuiieucii ihr Gemüt noch mehr, sodaß sie schließlich am 3. Mai Universstäts-Nachrichten. — Ter bisherige außerordentliche Professor in der philosophischen Fakultät der Universität zu Kiel Dr. Adelbert Matth aei ist zum ordentlichen Professor iu derselben Fakultät ernannt worden. — Der bisherige Privatdozent in der philosophischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg Dr. Paul Holdesleiß ist zum außerordentlichen Professor in derselben Fakultät ernannt worden. — Dem Schriftsteller uni) Astronomen Dr. Hermann Klein in Köln a. Rh. ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden. — Aus Marburg wird uns geschrieben: Der Privatdozent in der theoligoschen Fakultät der hiesigen Hochschule, Professor Lic. theol. Bauer wurde zum a. o. Professor ernannt. — Die Meldung, Professor Dr. Wien in Würzburg habe den Ruf nach Leipzig als Nachfolger des Physikers Boltzmann angenommen, bestätigt sich nicht. — Der o. Professor der Archäologie an der Universität Greifswald Dr. August P r e u n e r feierte feinen 70. Geburtstag. Prof. Preuner ist in Oehringen In Württemberg geboren. In Greifswald wirkt er seit 1866. — Der a. o. Professor für Dogmatik an der Universität Basel Dr. Paul M e $ g e r ist zum o. Professor ernannt worden. Der Privatdozent für neutestamentliche Exegese lic. theol. Vischer wurde zum a. o. Professor ernannt. — Der von der Schweizerischen Natursorschenden Gesellschaft zu vergebende Schläfli-Preis ist dem Professor für Botanik an der Universität Bern Dr. Eduard Fischer zuerkannt worden. Berlin, 16. Sept. Der geschäftsführende Ausschuß für die Virchow-Stiftung touftituirte sich gestern zu einem Komitee, welches dem Professor Virchow an öffentlicher Stelle in Berlin ein Denkmal errichten will. Zum Vorsitzenden wurde Professor Wal- deyer gewählt. ausgesetzt. Güstrow, 13. Sept. Tie Strafkammer des hiesigen 2anb- gerichts verurteilte heute den Lokomotivführer Neubert II. au8 Neu-Brandenburg, welcher angeklagt war, den Eisenbahnunfall auf Bahnhof Bützow am 5. Juli verschuldet zu haben, bei welchem 12 Personen schwer verletzt wurden und ein Materialschaden von 15 000 Mk. entstand, zu zwei Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 2 Monaten auf die Untersuchungshaft. «SSt«* Sau' *er bej'ÄM ct" ;teibetaufn, t fir te ,lub Bä hochverdienter f' er tounify ein yW UI. auf und n™M das er btr Fährte sünjiltt Denker am Theqte» Mendes MeistelMf, i Berlin AussteilM -rtigung dieses neuen n Frühjahr vollendet ai{er in idealisierter orentracht, unter reergestallen Michel H darstellen. Ter -reicherung Bremens -rbürgen. Der Senat Bürgerschaft mit Freu« ime Geschenk aus der egennehmen und die n bezeichneten Platze t hiermit beantragt." e nachmittag 5 Uhr Scilheimer Lokalbahn« infolge vorzelliger mwagcn mit dreißig verletzt wurden. Ter vurde schwer verletzt, Malers. tique eingetroffeiu ' jeder ÄerkeHr Ärchtet, daß, wenn -uch MrMel, die der W verbreiten M werde. vom 118. Infanterie. , Posten stand, wurde n md erhielt eim idarmerie stellte Ach jetzt aber ohne Er/olg. , Besteigen der Coste- 'njagerleutnant tbe in einem Ähchr- kheitssallmge. gli!ch°«°K r elbuna a4Uttn i|»<( °°» utter un° . V0It ihenen ba^Atutler ht ruhte, fei -etzt ewordet einem ibe.u»^[flate ?ow i jle^ hl. WS' yivano Zerdachh L aber lernen nt( 'S w. 1 von lucht * M ei» 'AÄ izut ’P "kbeit r Snilvet uni) -erlrehr. Uolkswirlschafl. Frankfurt a. M., 15. Sept. Tie Deutsche Essekten- u n d W e ch s e l b a n k beantragte die Zulassung weiterer bereits in Umlauf befindlicher 9 300 000 Pesos 5 proc. amortifabeler innerer Mexikanischer Anleihe vierte Serie zur Frankfurter Börse. Hamburg, 15. Sept. In Betreff der heutigen Melbuna des Londoner „Standard", vom 16.—20. September werde in Ostende eine Konferenz der Leiter der den Verkehr zwischen Europa und Südamerika unterhaltenden Tampferlinien stattfinden, aus der dte Bildung eines neuen atlantischen Schifffahrtstr u st es emgeleitet werden solle, und Generaldirektor Ball in von der Hamburg-Amerika-Linie sowie Vertreter mehrerer führender englischer Dampfergefellschasten hätten die Einladung zur Teilnahme an der Konferenz angenommen, wird der „Hamb. Börsen- halle" von der Tirektion der Hamburg-Amenka-Lmie folgendes mitgeteilt: Tie Nachricht von der Bildung eines neuen atlantischen Dampfertrusts ist n n b e g r ü n b e t. Tie Konferenz in Ostende solle lediglich bei Besprechung ber Frachtverhältnisse unter ben an ber südameiikanischeii Fahrt beteilgten Linien bienen. Nach den neuesten Nachrichten roirb übrigens bie Konferenz wahrscheinlich überhaupt nicht ftattfinben. . Leipzig, 15. Sept. In der heutigen Aufsichtsratssitzung der Leipziger Bank in Konkurs wurde auf Antrag des Rechtsanwalts Bliimenfeld-Hamburg, welcher 2 400 000 Mk. Aktien deponierte, beschlossen, behufs Geltendmachung von Ansprüchen gegen den früheren Aussichtsrat und die Konkursmasse eine Generalversammlung der Aktionäre auf den 10. November einzuberufen. Märkte. Gießen, 16. Sept. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr.Pfd. 1,20—1,30 Alk., Hühnereier pr. St. 6—8 Psg^ 2Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 00-00 Psg., Enteneier 0—OPfg^ Käse. vr.Stck. 5—9 Pf., Käsematte 2 Stck. 0—0 Psg., Erbsen pr. Liter 19 Psg^ Linsen pr. Liter 32 Psg., Taubenpr. Paar 0,6o—0,80 Mk., Hühner pr. öt 1,00—1,40 Alk., Hahnen pr. Stück 0,60—0,90 Alk., Enten pr. Stück 2,00—2,30 Alk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Psund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Psg., Schweins-, fleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 68—70 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Psg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 5,00—7,00 3)lf., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 4,50—5,00 Alk., Milch per« Liter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Die Marktzeit dauert von morgens 8 Uhr bis nachmittags 2 Uhr. Gegenstände des Wochenmarktverkehrs dürfen vor Beginn ber Marktzeit überhaupt nicht unb währenb ber ersten brei Stunben ber Marktzeit nur auf ben basür bestimmten unb angewiesenen Verkaufsplätzen, also auch nicht im Umherziehen, feilgeboten werben» Mit Rücksicht auf ihre bisherige llnbe- geflagte mit einer Freiheitsstrafe verschont worben. — In der Pnvatkiagesache Wien gegen Faulstrob wurde die Verkündung der Entscheidung mif den 19. Septemoer 1903 Meratur. — Bunte Bühn-, Fröhliche Tonkunst, gesammelt von Richard Baika, herausgegeben vom Kunstwart. 3. Folge, 1 Mk. (Alünchen, Kunstwart-Veilag Georg D. W. Callwey.) Äer Verlag schreibt uns darüber: Erne wie gute Ausnahme schon den ersten 2 Folgen der „Bunten Bühne" von Seiten der Presse zu teil wurde, beweist das Urteil der Leipziger „Signale für bie Musikalische Welt", welche schreiben: Hier ist eine sicher führende Hand und jeder Dlusiksreund, ber sich an echtem Humor zu erquicken wünscht unb bessen Magen noch nicht für bie Ausnahme wirklich gefunber musikalischer Kost verborben ist, sollte nach biesen Heften greifen, er roirb sich nicht enttäuscht finden. Wenn bie Folge hält, was ber Anfang Gutes, ja Vortreffliches verspricht — unb bas steht bei dem Ernst und der ehrlichen Begeisterung der Kunstroart- leute wohl fast außer Zweifel —, so verdient die „Bunte Bühne" die weitgehendste Unterstützung aller wahren Kunstsreunde." Tie 3. Folge enthält nebst den Begleitworten zu jedem einzelnen Notenwerke folgende 17 Stücke: 1. Mozart Mädchen ich komm mit der Zither. 2. Beethoven, Mormotte (Goethe). 3. Wei v, Quodlibet. 4. Loewe, Ter Zahn (Al. Claudius). 5. Haydn, Tas böse Weib (Lessing). 6. Schumann, Tie Kartenlegerin iChamisso). 7. Mendelssohn, Abschied vom Wald (Eichendorff). 8. Blech, Tie Waldprinzessin. 9. Schumann, Abendlied. 10. Weber, Handwerks- burschen-Abjchied. 11. Schubert, Tie Advokaten. 12. Mozart, Die Alte. 13. Mozart, Der Zauberer (Chr. F. Weisse). 14. Der Krähwinkler Landsturm. 15. Altfranzösisches Jagdstück. 16. Schubert, Marsch. 17. Schubert, der Goldschmiedgesell (Goethe). Ter Preis ist wiederum nur 1 Alk. und der Band ist durch alle Buch- und Musikalienhandlungen zu beziehen. den. Bartholin war ein Müßiggänger, der all sein Geld ans die Rennplätze trug. Seine Mutter woUte ihm nichts mehr geben, und im Aerger darüber wird er sie ermordet haben. Man nimmt an, daß seine Braut Verdacht hegte, dem sie auf jenem Spaziergange Ausdruck gab, worauf er das Mädchen erschoß. Die Polizei glaubt auch, daß Bartholin ein Fräulein Walther, eine Freundin seiner Mutter ermordet hat. * Ueber die judenfeindltchen Tumulte in der russisch-polnischen Stadt Czenstochau geben wir im Anschluß an unsere gestrigen Mitteilungen folgende Schilderung der konserv. „Schles. Ztg." wieder: Am Donnerstag um 10 Uhr morgens verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, eine christliche Frau wäre von einem jüdischen Obsthändler mißhandelt worden, da die Frau gekauftes Obst als verfault und ungenießbar zurückgewicsen habe. Das Gerücht erwies sich als zutreffend. Es hatte in der That auf dem Obstmarkt ein Streit stattgefunden, bei welchem die christliche Frau von dem jüdischen Händler arg mißhandelt wurde, sodaß sie sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Gatte dieser Frau (ein Arbeiter) erregte nun durch sein Jammern und Klagen die Volksmenge derart, daß sofort in der ganzen Stadt eine vollkommene Judenhetze entbrannte. J'.t die Fenster und Thüren der jüdischen Wohnungen und Läden wurde mit schweren Ziegel- und Pflastersteinen geworfen. Wo sich ein Jude auf der Straße sehen ließ, wurde er sofort mit Messern und Knütteln bearbeitet. Die beiden Synagogen, sowie die jüdischen Schulen enthielten binnen kurzem keine ganze Fensterscheibe mehr. Als nach mehreren Stunden endlich Militär heranrückte, wurde es ein wenig ruhiger. Am Abend jedoch wurde der Tumult noch viel ärger. Auf dem „Neuen Ringe" versammelten sich mehr als 2000 Menschen. Mit Mühe gelang es den Soldaten, das Volk auseinanderzutreiben. Auf dem „alten Ringe" und in den sich daran schließenden Gassen, welche zum größten Teil von Juden bewohnt sind, schritt das Militär nur zeitweise ein und zog wieder ab, sobald in seiner Gegenwart keine Exzesse vorkamen. So konnten dann die Auf- rührer hier ungehindert ihre Wut auslassen. Tie Ver- kaufsläden wurden ausgebrochen, die Waren auf die Straßen geworfen oder fortgeschleppt. Militärische Patrouillen kamen nur vereinzelt an, wurden aber oft von der schreienden und mit Steinen werfenden Menge zurückgeschlagen. Mehrmals sah sich das Militär zum Gebrauch der Feuerwaffe genötigt, wobei fünf Menschen erschossen wurden. Auch unter den Revoltierenden sah man einzelne Mchsen und Karabiner blinken. Um * *9 Uhr abends verbreiteten sich Feuerrufe durch die Stadt. Die Panik war furchtbar. Niemand glaubte sich mehr seines Lebens sicher- Es brannte indessen nur an einer Stelle in der Nähe des „Alten Ringes", und die Feuerwehr brachte den Brand bald zum Verlöschen. Bis tief in die Nacht hinein tönten Schüsse und wilde Rufe durch die Stadt. Die christlichen Familien stellten brennende Kerzen und Heiligenbilder in die Fenster und hielten aus diese Weise die Tobenden von sich fern. Der Gouverneur von Petrikau, welcher noch am Donnerstag abend eingetroffen war, saß bis 4 Uhr morgens wach im Hotel Angielski, empfing Meldungen und erteilte Befehle. Erst als am Freitag morgen von allen Richtungen her die telegraphisch herbeigerufenen starken Kojakeuabteilungen aus Petrikau, Bendzin und Noworadomök eintrafen, zerstreute sich die Menge. Mehr als 100 Verhaftungen wurden vorgenommen. * Berühmte Bauern. Unter diesem Titel erzählt Heinrich Bergmann im „Rhein. Courier" allerhand Hübsches von Bauern und Bauernsöhnen, die durch ihr Talent in Wissenschast, Kunst, Litteratur usw. Hervorragendes geleistet haben. Ein Bauer aus der Lausitz, Joh. Getan sky, besaß ein so bedeutendes Sprachgenie, daß er 38 Sprachen erlernte, von denen er sieben (die wendische, deutsche, böhmische, italienische, sranzch'ische, lateinische und hebräische) perfekt las und sprach. Zwei Landsleute und Berufslameraden von ihm, Christoph Arnold und Johann Georg P a l i tz s ch, gewannen einen ausgezeichneten Rus als Astronomen, also auf einem Gebiete, das, wie man meinen sollte, der praktischen Natur des Landwirts eigentlich am fernsten liegt. Diese drei gehörten dem 17. oder 18. Jahrhundert an. Aus dem 19. Jahrhundert ist zu gedenken des österreichischen Bauernphilosophen und Freidenkers Konrad Deuhler. Dieser schlichte Dauer stand im Briefwechsel mit berühmten Forschern.und Philosophen, so mit David Friedrich Strauß, dem Verfasser des „Leben Jesu", mit Ludwig Feuerbach usw. Seine Briese haben ihm einen großen Ruf eingetragen. Seine Biographie, seine Tagebücher und Briefe gab Professor Dodel- Port in Zürich in zwei Bänden heraus. Der Bauernsohn Heinrich Bebel wurde 1501 zum Dichter gekrönt. In Tübingen wirkte er an der Universität als Lehrer des Rechts und der Aesthetik. Valentin D u p a l (geboren 1692, gestorben 1772 zu Wien) brachte es vom Hirtenjungen zum angesehenen Professor der Geschichte und Altertumskunde an der Universität zu Luncoille, und Johann Michael Georg (geb. 1740 im Fichtelgebirge) ebenfalls vom Viehhüter bis zum Regierungsdirektor von Bayreuth. Der bekannte Dichter Johann Gottfried Seume war ein Thüringer Bauernsohn, der Maler Franz v. Defregger (geboren 1835) eines Tiroler Bauern Sohn. Auch Rosegger, der gefeierte Schriftsteller, entstammt einem Bauernhause in Steiermark und nahm seinen Weg zum Parnaß durch eine Schneiderwerkstätte. bräunt, bie Asche in Paraffin eingebettet unb bann burch bie Asche bie mikroskopischen Schnitte geführt, welches bie mikroskopischen Eigenschaften des Holzes auf bas genaueste zeigt. Arbeiterbewegung. Paris, 15. Sept. In Lens roirb am Mittwoch ein internationales Bergarbeiter - Komitee aufammentreten, um über bie Frage des allgemeinen Ausstanoes unb bie Verlegung beS internationalen Bureaus von Lonbon nach Brüssel zu beraten. Museums ber genannten Hochschule an ber auf ber Saalburg 1 Homburg im August veranstalteten ersten deutschen Archäo- logifchen Ausstellung. Hauptsächlich rouroen von bem Leiter ber vegetabilischen Abteilung Geh. Reg. Rat L. Wittmack unb Dr. I. Buchroalb prähistorische verkohlte Pflanzenreste beutfchen unb anberen Ursprungs ausgestellt, so unter anberen von Virchoro in Troja gesammelte Weizenkörner unb Erbsen, Mumiengerste aus Memphis, altegyptisches, 4500 Jahre altes Gerstenbrot, antike aber erst ca. 600 Jahre alte peruanische Maiskolben ic. — Von beutschen ©etreibearten unb ©etreibeunfräutern waren u. a. solche aus ber Hünen- ober Frankenburg an ber langen Wanb beiNinteln a. Weser (um 1000 n. Chr. zerstört) ausgestellt, welche Dr. Konrab Plath bafelbft ausgegraben hatte. Aus ber Hünenburg würben ebenfalls eine Reihe von Holzproben ausgestellt. Durch Photographien mikroskopischer Schnitte unb mikroskopische Präparate würbe ferner eine von Wittmack unb Buchroalb ersonnene neue Methobe veranschaulicht, genannte Hölzer mikroskopisch xu bestimmen, genau so wie es mit frischem mobernem Holz ber Fall ist. Nach bem Verfahren werben bie verkohlten Hölzer ganz zu weißer Asche ver- Rom, lo. Sept. Heute vormittag fand auf bem Kapitol bie feierliche Eröffnung des 4. internationalen gynäkologischen Kongresses statt. Ter Feier wohliten ber Unterrichtsminister Nasi, bie Spitzen ber Behorben, zahlreiche Mitglieder bes Kongresses aus Italien unb bem Auslände bei, darunter hervorragende Gelehrte, und mehrere Damen. Der Mmilier hielt dt« Eröffnungsansprache, in welcher er des Todes Virchows gedachte, welcher so oiel zu ben modernen Triumphen auf allen Gebieten der Medizin beitrug. Bezüglich der Entbindungsanstalten hob ber Aimiiter hervor. es sei eine große Ehre für Frankreich, Belgien unb Deutschland, sie gegründet zu haben. — Der neu bearbeitete „Ton Pasquale". Aus tfranf- Tonizettis graziöse Oper „Ton Pas- :unq von Otto I. Bierbaum unb September Barometer auf 0° S f £ der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 15. 2“ 749,1 15,2 9,7 75 SW. 2 Sero. Himmel 15. 9“ 748,7 13,4 9,6 85 bW. 1 Bed. Himmel 16. 736 746,1 12,9 9,1 83 sw. 2 Beb. Himmel Gascokes. Preise seit 10. Heil IM: Für den Gentner ab Verkaufsstelle: »Stück-CokeS.............. 1,10 Mr. Nuß-GokeS, ausschließlich trocken gelagert, in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für wette und enge Ofens ch äch te passend zerkleinert: Größe Str. 1, etwas größer alS durchschnitt- ltche Korngröße des Anthracit, g a n tz- bar ste Sorte . . . ......1,25 Mk. Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße deS Anthracit......1,30 All. Zu Wagenladungen vou mindestens 36 Gentnern: * StückcokeS ...... 1,05 Mk. NußcokeS Nr. 1.....1,20 , NußcokeS Nr. 2.....1,25 , Bei Entnahme von mindestens 200 Gentnern: StückcokeS.......1,— Mk. Nußcokes Nr. 1 .... . 1,15 •, NußcokeS Nr. 2.....1,20 „ Für Lokcsabnehmer, welche zwei und mehr DoppelwaggouS /beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Gentner. Für Anfuhr au daS HauS werden 5 Pfennig für den Leuttrer berechnet. NB. Sofern das Verbringen der Cokes — bis zu 6 Centnern —- auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall rc.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Im ÄaSwerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centuer Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der glrimitrtaf der Gascokks von 1 bis 5 Gentner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Zoh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 84, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Ptstor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Lrcherstraße 2, August Struck, Bismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gascokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch m Mengen unter 5 Gentnern. Die Preise unserer Gascokes für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Vctroirückvergutung vou 4 Pfg. für den Gentner. Gießen, den 16. April 1902. 3086 Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. 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