Mittwoch 16. Juli 1908 Zweites Blatt. 152. Jahrgang Nr. 164 Erscheint tSgUch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Siegener Familien, blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bt< Brüh l'sche" Untvers. Buch-u.Stei. druckerei (Pietsch Erben) jfoeoofuu.. Expedition. um. Druckerei: «chnlstratze 7. Adresse für Depeschen! «uzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 51. JCSI9 X> Q GletzenerAnzelgerW W General-Anzeiger " IEEE- v für bcn polit. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen MMZ ________________________ ” U zeigenteil: Hans Deck» Z>ie Heutig« Wummer umfaßt 10 Seite«. Volttische Tagesschau. Die Beurlaubung des bayerischen Kultusministers vor der Kammer. Die bayerische Kammer der Abgeordneten nahm am Dienstag die Beratung des Kultusetats wieder auf. ALg. Geiger (Ztr.) weist auf die Beurlaubung des Kultusministers Yin. Diese sei nur der erste Schritt zur Entlassung. Die Mehrheit ber Volkskammer sehe diesen Schlag gegen den Kultusminister als einen gegen sich gerichteten Schlag an, zumal der Kultusminister der liberalen Minderheit geopfert sei. Die Mehrheit der Kammer hege infolgedessen die zrößten Befürchtungen für die Zukunft, be- onders, da sicht kein Freund zur Verfügung stände, der >em Regenten am nächsten stehe. Redner giebt namens der Mehrheit ein Mißtrauensvotum in vollstem Umfange ab, zumal die Thatsache, daß der Kultusminister durch seine Kollegen im Stiche gelassen sei, ihre Be- türchtungen noch vermehre. Ministerpräsident Crailsheim erklärt: Die Sachlage ist die, daß der Minister wegen zu großer Anstrengung und Aufregung erkrankt ist, und deshalb um Urlaub nachgesucht hat. Jeder, der den Kultusminister kannte, weiß, daß er wirklich krank war. Ueber die weiteren Dinge steht derzeit die Entscheidung noch aus. Soviel steht jedoch fest, daß der etwaige Rücktritt des Kultusministers nicht als Aenderung der Politik des Gesamtmini- fteriums betrackstet werden kann. Wir tragen den parlamentarischen Verhältnissen Rechnung, identifizieren uns aber nicht mit einer politischen Partei, infolgedessen kann die Frage der Entlassung des Ministers auch Niemals als Schlag gegen eine Partei betrachtet werden. Die Frage des Verbleibens des Kultusministers ist lediglich eine P e r - soneNfrage. Völlig falsch ist die Ansicht des Abg. Geiger, daß der Kultusminister dem Mißtrauensvotum der Minderheit geopfert sei. Zudem ist dies Mißtrauensvotum bereits vor fünf Wochen erfolgt. Von einem Jnstichlassen des Ministers durch seine Kollegen wegen Meinungsverschiedenheiten Latin keine Rede sein. Redner bespricht dann den Würzburger Vorfall. Es handle siel) bei dem Enthebungsgesuch der Würzburger zehn Senatoren nicht um direkte Untergebene des Kultusministers im gewöhnlichen Sinne, sondern um ein dem Kultusminister unterstelltes Organ der Selbstverwaltung, um eine öffentliche Korporation. Die Sache könne nicht ex abrupto entschieden werden, sondern bedürfe einer vorherigen Untersuchung. Gin gerechtes Urteil habe einer Regierung noch nie geschadet, wohl aber ein voreiliges. ALg. Schädler (Ztr.) antwortet dem Ministerpräsv- denken Crailsheim in schärfster Weise. Crailsheim stelle sich naiv. Wenigstens erfahre man jetzt, .daß das Rücktrittsgesuch des Kultusministers vorliegt, daß aber darüber rtodi, nicht entschieden sei. Es gebe Leute, die es für schwierig halten, einen 9lachfolger für den Kultusminister zu'finden. Die Rücksicht auf den Landtag erfordert die Vertretung des Kultusetats durch einen Minister. Das Ministerium identifiziere sich freilich nicht mit einer parlamentarischen Partei, besorge aber auss beste die Geschäfte der Minorität. Der Kultusminister müsse gehen, weil er eigene Meinung gehabt und weil er an die geheiligte Majestät des akademischen Senats gerührt habe. Die Angelegenheit Landmann untergrabe die Autorität. Crailsheim entgegnet, er habe sich nur gewundert über die Auffassung, daß das Entlassungsgesuch des Kultusministers ein Schlag gegen die Mehrheit sei. Der Kultusminister sei nicht nur nicht im Stiche gelassen, sondern in jeder Weise von seinen Kollegen unterstützt worden. Der Einfluß der Geheimkanzlei auf die Krone, von dem Geiger gesprochen habe, sei nickst derart vorhanden, wie dieser glaube; ein Gegensatz zwischen Ministerium und Geheimkanztei habe nie, auch nicht unter dem Vorgänger des jetzigen Vorstandes der Geheimkanzlei bestanden. Noch nie sei von der Krone ein Beschluß gefaßt worden, für den die Minister nicht volle Verantwortung übernehmen. Wenn man das Schulgesetz als Grund der jetzigen Lage anführe, so vermöge er thatsächlich nicht einzusehen, auf welcher Grundlage eine solche Auffassung beruhe. Gr habe nicht gefolgt, daß ein Rücktrittsgesuch des Kultusministers vorliege, sondern nur über einen etwaigen Rücktritt gesprochen. Es sei noch keinerlei Entscheidung getroffen worden. Auch ein neuer Minister könnte schwerlich die volle Verantwortung für das Kultusbudget übernehmen. Redner wiederholt dann nochmals seine Aus- führungen betr. das Mißtrauensvotum der Liberalen und den Würzburger Fall, und schließt mit den Worten: Ich kann nur sagen, daß, wenn der Kultusminister zurücktritt, parlamentarisches Mißtrauen mcist der Grund dieses Rücktrittes ist. Nach weiteren Ausführungen des Abg. Schädler und des Ministerpräsidenten wirst der Abg. Segitz (Soz.) dem Zentrum vor, es kannoniere blos, es solle doch einmal die Konseauenzen aus der Kannonade ziehen, und das Budget verweigern oder anderes. Es erreiche mit der ganzen Angelegenheit nur, daß es fid) vor dem ganzen Lande lächerlich mache. , ~ t Ä. Der Abg. Wagner (lib.) erklärt, seine Freunde hätten keinerlei Anlaß, sich in den Streit des Zentrums und Staats- Ministeriums einzumischen. , Abg. Pasch (Bauernbund) spottet gleichfalls über das Zentrum. Darauf wird der Gegenstand verlassen. Es kann, wie aus München gemeldet wird, als feststehend angesehen werden, daß der bayrische Gesandte in Wien, Baron von Podewils, in das Ministerium eintreten wird. Doch ist es zweifelhaft geworden, ob er das Kultusportcfeuille übernehmen wird. Es sprechen allerlei Anzeichen dafür, daß der Justizminister Frhr. v. L e o n - rod, der unmittelbar nach der Beurlaubung des von Landmann sich einer Augenoperation unterziehen mußte, die Geschäfte seines Ressorts nicht wieder übernehmen wird. Es steht vielleicht eine allgemeine Verschiebung im Ministerium bevor, doch ist noch ungewiß, ob der Regent nicht die Entscheidung um zehn Tage hinaus schieben wird, da er im Begriff ist, sich wie alljährlich zur Erholung an den Chiem-See zu begeben. Schuld und Sühne. In dem Riesenprozeß gegen Sanden und Genossen steht die Fällung des Urteils bevor. Obschon die von der Staatsanwaltschaft beantragten Strafmaße, von sechs Jahren Gefängnis für Eduard Sanden bis zu 15 Monaten Gefängnis abwärts für den Angeklagten Hanschke, an sich hoch sind, vernimmt man im Publikum Stimmen der Verwunderung, daß nicht die Zuchthausstrafe beantragt worden ist. Diese Ahndung konnte nach den hier zur Anwendung gelangenden Strafgesetz-Paragraphen nicht m Betracht kommen; hätte sich eine Handhabe für die Beantragung der soviel schwereren Strafart geboten, so würde die Möglichkeit sicherlich nicht unbenutzt geblieben sein seitens des öffentlichen Anklägers. Hier ist wieder einmal ein Fäll, wo das Rechtsgefühl des Volkes im Gegensatz sich befindet zu den Bestimmungen des Gesetzes. Das Volk beurteilt eine That nach der schädlichen Wirkung, die sie hervorgebracht hat. Der französische Schriftsteller Maupassant, dessen Werke unlängst in einer vorzüglichen deutschen Uebersetzung bei F. Fontane u. Co. in Berlin erschienen, bringt dies gelegentlich scharf und klar durch den Satz! zum Ausdruck" „Die Folgen entscheiden über die Bedeutung der That." Der Satz verdient mit großen Lettern überall da angebracht zu werden, wo Recht gesprochen wird; er sollte jedem Richter und jedem als Schöffe oder als Geschworener zur Mitwirkung Berufenen immer vor Augen stehen. Mer der Richter ist an das Gesetz gebunden. Auch bei einem flüchtigen Durchblättern des Strafgesetzbuchs muß demjenigen, der von solchen Erwägungen sich leiten läßt, das Mißverhältnis auffallen, das auf mancher Seite dieses. Buches besteht zwischen der Bedeutung der That und der darauf stehenden Strafe. Es würde zu weit führen, Gegenüberstellungen zu machen. Wer tritt man einmal ernstlich an die Revision des Strafgesetzhuchs heran, wozu ja jetzt erfreulicherweise Aussicht vorhanden ist, dann wird man Vergleichungen dieser Art sorgfältig ziehen müssen, um zu einer Abwägung der Vergehen und Verbrechen zu gelangen, die mehr als jetzt dem Rechtsempfinden des Volkes entspricht. Es ist wahrlich nicht zum Schaden des Bürgerlichen Gesetzbuchs gewesen, daß bei einer ganzen Reihe wichtiger Bestimmungen aus tief int Volke wurzelnde Auffassungen Rücksicht genommen wurde. Das hat auch dazu bei getragen, das einheitliche Recht rascher, als erwartet wurde, einzuführen, ja, einen gewissen Grad von Vertrautheit mit dem Bürgerlichen Gesetzbuch herbeizuführen Luch in den Laienkreisen. IM Sanden-Prozeß hat es sich! um die Ahndung von Thaten gehandelt, die eine Vernichtungskatastrophe über Tausende von Menschen hereinbrechen ließen. Nicht nur, daß eine halbe Milliarde Nationalvermögen verloren gegangen ist durch grenzenlose Mißwirtschaft, durch Leichtsinn und vor allem durch niedrigste Habsucht — die eigennützige Bereicherung des Hauptangeklagten Ed. Sanden und seiner Helfer, ausgenommen etwa den Angeklagten Schmidt, steht über jedem Zweifel fest. — Das noch Traurigere ist, daß eine Anzahl von Personen sich das Leben genommen hat, aus Verzweiflung über den plötzlichen Ruin dieser für goldsicher gehaltenen Hypothekenbank. Schwer, furchtbar schwer fällt in die Wagschale der Angeklagten dies unsägliche Elend. Auf ihnen bleibt die moralische Verantwortung haften für die Vernichtung der Existenz vieler Witwen und Waisen, für die erschütternden Selbstmorde. Und wenn man nun liest, daß das Gesetz diesen Verbrechen gegenüber mit der Wirkung einer Massenverheerung die Gefängnisstrafe als Sühne bereit hat, wenn man in die Erinnerung zurückruft den einen und den anderen Fall, wo mehrjährige Zuchthausstrafen Thaten getroffen hat, die nicht Zürn tausendsten Teil den Schaden anrichteten, nicht entfernt dies Maß von Ehrlosigkeit des Thäters dokumen- tierten — z. B. jemand ist von bitterer Not verleitet zum Verbrecher geworden, oder der verderbliche Einfluß von Familienmitgliedern hat einen schwachen Charakter dahin gebracht —: Dann wird man doch nachdenkltch gestimmt über die Weisheit und Zweckmäßigkeit des Strafrechts. ________ Die Zolltarifkommisfion setzte am Dienstag die Beratung des 10. Abschnitts a) Waren aus tierischen Schnitzstoffen fort, erhöhte Position 609 HorM- sbäbe, geebnet, glatt und sonst zur Verwendung bereits vor- gerichtet, auf Antrag Spahn von 40 aus 60 Mk., änderte auf Antrag Spahn Position 610 folgendermaßen ab: gepreßte, gefräste und gedrehte Knopfe aus Horn, Horinmafse oder Knochen, und genehmigte im übrigen dte Posctmnen 608 bis 613 nach der Regierungsvorlage. Dte Kommission ging sodann zu dem Abschnitt H o l z w a r en über. M)- sition 614 verlangt für rauhes Bauholz und Nutzholz 6 Mk. (gegen bisher 3 Mk.), für bearbeitetes 10 Mk. tote bisher. Es liegen mehrere Anträge aus Herabsetzung vor. Staatssekretär Graf Pofadowsky erklärt einen höheren Zollsatz für dringend nötig. Es gäbe bei uns weite Flachen Ackerland, die wenig ErträgNisfe brächten, die sich aber .vorzüglich zu Waldbau eignen würden, wenn sich der Wald^ bau nur besser lohnte. So aber seien beispielsweise vor» Jahren in Posen abgeholzte Rotbuch forsten verfault, weil der Fiskus das Holz nicht so billig verkaufen konnte, als e$ auf der Warthe aus Galizien kam. Die Position wird dann nach der Vorlage genehmigt. Die Kommission nahm unverändert die Position 615 Fourniere, roh 10 Mk., bearbeitet 30 Mk., an, ferner die Positionen 616, 617, 618, Stabbodeni teile und Täfelbodenteile, Position 619 Holzspunde, Position 620 Holzdraht und Holzstifte. Die Kommission nahm bis Position 621, Hv lzstö cke und die Position 646 Rohr- stücke an, setzte jedoch in der Position 621 den Zoll für grobe, bearbeitete Holzstöcke von 15 Mk. des Entwurfs auf 10 Mk. herab, strich ferner dabei die Bestimmung, daß durch Brennen und Aetzen hergestellte Holzstöcke unter seine Stöcke fallen und nahm schließlich unverändert die Position 622, Fässer, Böttcherwaren, Position 623 Spulen, Spindeln usw. aus Holz, sowie die Position 645, dieselben aus Rohr an. Deutsches Wich. Berlin, 15. Juli. Aus Bergen wird drahtlich berichtet: Der Kaiser entsprach am Montag einer Einladung des hiesigen deutschen Konsuls Mohr zu einem Mahle aus dessen Landsitz. S. M. Dacht „Hohenzollern"? und S. M. Kreuzer „Nymphe" hatten aus Anlaß des Geburtstages des Prinzen Adalbert, der an diesem Tage sein 18. Lebensjahr vollendete, und damit großjährig wurde, über die Toppen geflaggt. Heute wurde bei schönem Wetter die Fahrt Nach Gudwangen fortgesetzt. An Bord aLless wohl. Chemnitz, 15. Juli. In der heutigen zweiten Haupt» Versammlung des deutschen Glasertages wurde be» chlosfen, bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu wer- )en, daß Glaserarbeiten für Staatsbauten allein an selbst- kündige Glasermeister und große Aufträge in Lose geteilt vergeben toeroen, damit auch kleinere Meister mit konkurrieren können. Als Ort zur Whallung des nächstjährigen Glasertages wurde Görlitz bestimmt. München, 15. Juli. Der „Allg. Ztg." und den „M N. N." wird von der Münchener Nuntiatur mitgeteilt, daß der Jnternuntius in Brasilien, Monsign. Giuseppe M a echi, zum Nuntius in München ern annt ift, und Anfangs Oktober diesen Poften übernimmt. Der bisherige Geschäftsträger der Münchner Nuntiatur Monsignore Nieotra. tritt im Oktober den ihm 1901 verliehenen Posten des ersten Uditore der Wiener Nuntiatur an. Ausland. London, 15. Juli. Um den König, der in der Rache der Insel Wight weitere Genesung suchen wird, Dottt Buckinghampalast nach dem Bahnhose zu verbringen, erschienen heute vormittag eine Abteilung Seeleute von der königlichen Hackst im Schlosse. Unter Aufsicht der Leibärzte brachten sie das Sofa, auf dem der König ruhte, nach deL Vorhalle und von da nach dem am günstigsten gelegenen Ausgangsthore, wo der König in einem Krankenwagen, der zur Vermeidung jeglicher Stöße für diesen Zweck besonders gebaut war, untergebracht wurde. Dem Wagen folgten drei Landauer, in denen die Prinzessin Viktoria, Prinz und Prinzessin Karl von Dänemark, sowie die nächste Umgebung des Königs Platz genommen hatten. Bei der Ankunft am Bahnhof wurde der König von den nämlichenMarinemannschasten in den königlichen Wagen gehoben. Am Wagen war ein Windschirm aufgestellt, sodaß selbst die wenigen bevorzugten Persönlichkeiten, die am Bahnsteig zugegen waren, den Könige nicht erblicken fonnten. Im Krankenwagen befand sich auch dte Königin. Die Majestäten trafen kurz vor 2 Uhr in: Portsmouth ein. Matrosen trugen den König auf die frucht. Als sich der König einschiiffte, wurde der Künigssalut gefeuert. Auf allen Schiffen und im Hafen standen die Riann- schaften in Parade-Aufstellung. Der König überstand die Reise nach Cowes, ohne Ermüdung zu zeigen. Er hab bereits große Zufriedenheit über die Veränderung ausgesprochen. Das Wetter ist sehr günstig für die Genesung des Königs. - - Die „Times" erklären, Chamberlain denke nicht daran, das Kolonial-Sekretariat Mit einem andern Ministerposten zu vertauschen, und nennt als einen der g-avoriten' für ben Schatzkanzler den Kriegsminister B r o d r i ck s. Daß Balfour ins Oberhaus berufen werden wird> gilt in best unterrichteten Kreisen als ausgeschlossen. Eine wesentliche Verstärkung des Chamberlainschen Einflusses im Unterhause wird jedoch als sicher angenommen. Paris, 15. Juli. Nach einer Meldung wurden bei bet Revue auf dem Felde von L o n g ch a m p im ganzen etwa 650Erkrankungen art Sonnenstich gemeldet. Den Nachmittag und Abend über sah man Ambulanzwagen durch Paris fahren, doch wird bisher nur ein Todes fctkl, der Tod eines Sergeanten gemeldet. — Der angebliche Lyoner Spion entpuppt sich als eirt geistig ge st örter österreichischer Offizier des vtuhestandes, den seine Wirtin nach einem Streit aus Rach? bei der Polizei als Spion angegeben hat. — Die internationale Konferenz zur Unterdrückung des Mädchenhandels ist heute int Ministerium des Aeußem eröffnet worden. Kr akau, 15. Juli. Gestern traf hier zur G r ü n w a l d» feier an bet Spitze einer tschechischen Abordnung bet Reichsrats-Abg. Klofae ein, den das auf dem Bahnhöfe versammelte Publitllm lärmend empfing. Klofac richtete namens seiner Partei auch an das Lemberger Grunwald- feier-Kolnitee ein Schreiben, in dem er mit Hinweis auf die Marienburger Kaiserrede die slawilchc Solidarität gegenüber der gemein säm cn Abweyv de sPanger inanismus als notwendig bezeichnete. Dte GrLrwalbferer ist rührg verlaufen. Irr d er WarrenRrche fand dn Gottesdienst statt. Die Stadt ist mit Fahnen geschmückt. Die Sozialisten beteiligten fid); an dem Umzüge nicht, hielten vielmehr heute abend eine geschlossene Ber- ^onmlnng ab. Kra ßnsj^iSfero, t5. Juli. Zn Ehren des Königs tum Italien fand ans bcm großen Paradefelde eine Heerschau unter dem Kommando des Großfürsten. Wkv- dimir jiatt Die beiden Kaiserinnen, die Großherzogin von Oldenburg, die Großherzogin-Witwe von Mecklenburg, die Her-ogdr von Coburg und die Großfürstinnen trafen zu Wagen ein. Der Kaiser und der König von Italien mit glanzMder Suite zu Pferde. Nach beendeter Heerschau wurde das Frühstück in Zelten eingenommen. Danach begaben sich! die Herrschaften nach Peterhof. Ne w y o rk, 15. Juli. Wie hier verlautet, wttd König ILeopold der Belgier demnächst der Millionärß-Fa- milie Walsch in Newyvrk einen Besuch abstatten und bei dieser Gelegenheit ineognito eine längere Reise drrrch die Bereinigten Staaten unternehmen. Pretoria, 14. Juli. Nach, dem Gefühl der Erleich,- terung, das die Einstellung der Feindseligkeiten hervorgerufen hat, macht sich! jefjt überall eine Reaktion bemerkbar. Die früheren National Scouts, die sich Steen zusammensetzten, welche sich ergeben hatten, Gegenstand der Verfolgung und bitterer Feindschaft seitens der Burghers, welche bis zum Ende Wwpfteu. Eurige dieser National Scouts wurden sogar er s chos san. Diese feindselige Gesinnung ist so stark, bah dte Burghers gnme Abzeichen tragen, um sich von den National Scouts und den Buren, welche während des Krieges den Treueid geschworen, zu unterscheiden. Die Buren lassen in keiner Weise erkennen, daß sie ichre Nationalität verloren haben. Sie tragen die Wtzeichen ganz offen. Viele Burgher erklären, sie feien durch falsche Darstellung der Bedingungen, die mrgerechtfertigt seien, zur llebergabe verleitet worden. In hiphm Fallen werden die Führer von den Burghers des Treubrnches beschuldigt. In einem Falle hatten sich viele Buren nach einer Ansprache ihres Führers ergeben, der hayn sagte, er sei mißverstanden worden, er habe nicht zur llebergabe geraten. In Transvaal sind die Schwierigsten größer, als in der Oranje-Kolonie. Aos Sta-t UN- Land. Gießen, den 16. Juli 1902. • * Zur versuchsweisen Leerung der Briefkasten abends II1/, Uhr hat, wie uns mitgeteilt wird, die hiesige Handels-kammer der Post die Anregung gegeben. * • D-as Amtsblatt des Großh. Ministeriums der Justiz Nr. 19 vom 5. Juli d. I. enthält ein Ausschreiben an die Großh. Amtsgerichte, betr. die Veröffentlichungen aus dem Genoffenschaftsregister. — Nr. 20 desselben Amtsblattes vom 7. Juli hat zum Inhalt ein Ausschreiben an die Großh. Amtsgerichte, bett, die Eintragung der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit in das Handelsregister. * * Militärisches. Zahlreiche Lehrer aus dem Großherzogtum Heffen wurden zur Absolvierung ihrer letzten 28- tagigen Uebungszeit bei verschiedenen Infanterie-Regimentern in den Dienst gestellt. Die Gestellungspflichtigen aus Ober- heffen traten bei den 116em zu Gießen, jene aus Rheinhessen beim Regiment Nr. 117 zu Mainz und die aus Starkenburg beim Regiment Nr. 115. ein. Die Uebungspflich- tigen werden indessen nicht zu besonderen „Lehrerkompagmen" zusammengezogen, sondern den einzelnen Kompagnien zugeteilt. • * Ruderregatta. Die Mannschaften der Gießener Rudergesellschast üben jetzt fleißig für die am 27. Juli stattsindende Regatta auf der Lahn. Heute trainiert die Mannschaft des in Ems siegreich gestatteten akademischen Vierers. Diese Mannschaft wird am 27. Juli gegen die beiden Heidelberger Mannschaften statten und zwar nächst dem Heidelberger Rudettlub gegen die Rudergesellschaft Heidelberg, welch letztere wohl alles aufbieten wird, die in Ems erlittene Schatte wieder auszuwetzen. Hungen, 15. Juli. Seitens Interessenten war auf vorigen Sonntag eine Versammlung einberufen worden zwecks Errichtung einer Badeanstalt. Es konnte leider keine Einigung erzielt resp. kein bestimmter Entschluß gefaßt werden. — Am Sonntag stürzte beim Läuten in der hiesigen Kirche der Klöppel der großen Glocke, beinahe 2 Zentner schwer, herunter. Verletzt wurde Niemand. — Geflügelzuchtverein. In einer gut besuchten Generalversammlung am vorigen Sonntag fand die Statutenberatung statt, die Satzungen wurden nach dem mustergiltigen Entwurf angenommen. Ebenso wurde der provisottsche Vorstand mit kleiner Aenderung einstimmig definitiv gewählt. W. Nidda, 15. Juli. Eine freche Gaunerei wurde hier verübt. Ein Frauenzimmer, das sich als Kurgast Salzhausens in eine hiesige Wirtschaft einlogiert und 14 Tage gewohnt hatte, verduftete am Sonntag unter Mitnahme einer goldenen Uhr und verschiedener Kleidungsstücke. Einem Kauf- lnanne schwindelte sie zwei Hüte ab und etteichtette ihn noch um 38 Mk. bar. Sie soll aus Würzburg sein, ist aber bis jetzt nicht ermittelt worden. — Am Sonntag wurde unter Mitwirkung des Friedberger katholischen Kirchengesangvereins die hiesige katholische Kapelle eingeweiht. Angehörige beider Konfessionen nahmen Teil. Die Weihe vollzog ein Domgeistlicher aus Mainz, derselbe hielt auch die Predigt. Das Hochamt celebritten Gefftliche aus Gießen und Gelnhausen. Auch fand die Feier der Erstkommunion statt. Mittags ver- fammelten sich zahlreiche Gäste zu einem einfachen gemeinsamen Mittagsmahl im Gasthaus ^zur Krone". Darmstadt, 15. Juli. Die Angaben über eine irrtümliche Verhaftung (vergl. in 3Zr. 162, 1. Bl., den Artikel „Polizeiliche Mißgriffe^) sind, wie den „M Hess. VolkSbl." auf Erkundigung bestätigt wird, zutreffend. Der Kriminalwachtmeister, welcher eigenmächtig und inkorrekt gehandelt hat, ist, sobald Polizeiaffeffor Kraemer, welcher den in Urlaub befindlichen Polizeirat vertritt, von dem Vorfall Kenntnis erhiett, sofott disziplinär bestraft worden und wird wegen des durch seine Fahrlässigkeit er- fiiachsenen Schadens wohl noch gerichtlich belangt werden. Das Polizeiamt selbst soll aber an dem höchst be- dauettichen Vorkommnis nicht die gettngste Verschuldung treffen, es hat, sobald es von der Verhaftung Kenntnis erhielt, sofott um halb 10 Uhr vormittags hiervon das Amtsgericht in Kemttms gesetzt. Infolge eines widrigen Zufalls verzögerte sich aber das Verhör des Derhasttten bis zum Nachmittag. — Wie dasselbe Blatt noch nachträglich erfuhr, hat das Polizeiamt die Akten bereits der Staatsanwaltschaft eingereicht. f* Mainz, 15. Juli. Der von der Insel St. Helena entlassene BurevgefangeneHenneg von hier wollte hier über seine Erlebniffe einen Vottrag hatten. Hierzu hatte er vorher der Polizei seine Papiere vorzulegen, woraus dieselbe ersah, daß Henneg s. Z. seiner Militärpflicht in Deutschland nicht genügt hatte. Henneg wurde deshalb sofort als unsicherer Heerespflichttger in die 2. Kompagnie des hiesigen Jnf.-Regiments Nr. 117 eingestellt. — In der Rheinischen Brauerei in Weisenau brach heute nachmittag infolge einer Kessel-Explosion ein Brand aus, der erheblichen Schaden anrichtete. Zwei Brauknechte, Weiß und Huber aus Düsseldorf, die aus den Stallungen Pferde retten wollten, werden vermißt. Man nimmt an, daß dieselben verbrannt sind. * * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. — In der dem Ludwig Steinhauer zu Dornholzhausen gehörenden Lochmühle haben, wie aus Langenhain gemeldet wird, Stromer oder andere arbetts- scheue Subjekte unlängst Einbruchsdiebstähle verübt, ohne daß die Thäter ermittelt wurden. Heute fand eine gerichtliche Lo- kalinspektton an Ott und Stelle statt. — In Gambach stürzte der Kirchendiener Johannes Nlohr in seiner Scheune von einem Gerüst und ettitt hierdurch sehr schwere Verletzungen an Kopf, Armen und Beinen rc. — Die seit- herige Oberförsterei Rimbach hat wegen Verlegung des Wohnsitzes derselben nach Bittenau die amtliche Bezeichnung „Oberförsterei Birkenau" erhalten. * * Im „Orpheum" konzertiert vom 16. bis 31. Juli das rühmlichst bekannte, Erste Magdeburger Damen- Orchester. Der Besuch desselben kann nur empfohlen werden. Näheres ist aus dem Inseratenteil ersichtlich. Der Leipziger Barrkprozetz. Leipzig, 15. Juli. Zeuge W u t h e war von den Konkursverwaltungen der Leipziger Bank und der Treber-Gesellschaft, sowie dem sächsischen Finanzministerium beauftragt worden, Erhebungen über die Erhaltung und Verwertung der Anlagen der Tochtergesellschaften anzustellen, und darüber Beruht zu erstatten. Nach Aussage des Zeugen dürfte die mit 6 Millionen Rubel gegründete russische Gesellschaft ihrem heutigen Werte nach einem Kapital von 1800000 Rubel entsprechen, wenn die entsprechenden Abschreibungen vorgenommen werden. Die „Ural-Wolga-Gesellschaft" fit mit 2 Millionen Rubel gegründet worden, man erstand einen Wald ohne Grund und Boden, der ursprünglich 30000 dann 60 000 Rubel wert w ar, für 1600000 Rubel und gab 400000 Rubel bar gegen Anteilscheine aus. Den wirklichen Wert der Ural- Wolga-Gesellschaft schätzt man auf 53000 Rubel. Die Verhältnisse liegen trostlos,die laufenden Ausgaben werden von den beteiligten bestritten. Die „Finnische Gesellschaft" wurde mtt 1850 000 sinnischen Mark gegründet (von der Leipziger Bank mit 3 600 000 Mark Forderungen belastet), sie hat bei teueren Holzverträgen gearbeitet und überflüssige Holzabschlüsse vorgenommen. Bei der Liquidation dürften blos 100—125000 Mark erzielt werden. Die Gesellschaften in Fr e d e r i kstadt wurden mtt 300 000 Kronen gegründet, und dürften vielleicht einen Erlös von 30 000 Kronen bringen, dabei ist noch ein Vorschuß von 10000 Kronen einbegriffen, den die Konkursverwaltung der Leipziger Bank gegeben hat, um den Betrieb aufrecht zu erhaltem Die galizischen Gesellschaften, mit einem Kapital von 3 700 000 Kr. gegründet, repräsentieren nach Wuthe einen Betriebswert von 500000 bis 600000 Kronen, wenn man die Rente von 5 Prozent kapttalisiert. Sachverständiger Plauth sagt bezüglich der Gesellschaft in Casza aus, Exner habe wissen müssen, daß die Dividende von 7 pCt. nicht von ihm, sondern durch Garantie der Trebergesell- schaften geschaffen sei Zeuge Wuthe giebt Ausschluß über den Gang der Verhandlungen, die am 3. Juli 1901 in Kassel zwischen einer Abordnung des Leipziger Gläubi- gerausschusses und den Kasseler Herren über die Lage der Trebergesellschaft gepflogen worden sind. Schmidt legte damals die sogenannte Fusions-Bilanz vor, die aber abgelehnt wurde. Wuthe giebt an, für bestimmte Zwecke eine von ihm bei der Leipziger Bank deponierte Summe von 4000 Mark am 24. Juni 1901 abgehoben zu haben, nachdem er durch die plötzliche Abreise Exners und Gentzschs, die nach Berlin gefahren waren, stutzig geworden sei Exner roirb hierauf über seine Thätigkeit als Aufsichtsrat der Trebergesellschaft und der'Tochtergesellschaften befragt lieber die italienische und bosnische Gesellschaft war Exner genau unterrichtet. Zeuge Landrichter Mittelstadt, der die Voruntersuchung geführt hat, giebt zunächst Aufschluß über die von ihm ausgeführte Beschlagnahme von Briefen aus der Privatkorrespondenz der Direktoren der Bank. Zeuge erklärt toeiter, dah noch, viele Briefe zur Ergänzung der verttaulichen Korrespondenz zwischen Leipzig und Kassel fehlten. Aus den vorgefundenen Briefen spreche ein schlechtes Gewissen. Auch durch die Buchungen seien vielfach Schiebungen vorgenommen worden. Es folgt die Vernehmung des Sachverständigen Büttger über feine Prüfung des Obligos der Trebertrocknung bei der Leipziger Bant Er hat 187 Konten ermittelt. Zeuge giebt eine Zusammenstellung dieses Obligos innerhalb der Jahre 1898, 1899, 1900 und 1901 bis zum Juni und fügt hinzu, daß die vom Sekretariat abgetrennte Hauptbuch- Haltung und Haupt lasse der Bank niemals den Charakter der Buchungen erfahren, da alle Buchungen auf Sekretariatskonto mit Ziffern ohne Flamen geführt worden sind, also geheim waren. Sodann wird die Wetterverhandlung aus morgen vertagt.________________ Dermischies. * Paris, 15. Juli. Wie verlautet, ist keine Möglichkeit vorhanden, die Mitglieder der Familie Humbert ausfindig zu machen, da die Betteffenden ihren Fluchtplan schon seit längerer Zeit entworfen und zu diesem Zwecke jedes Mitglied seine Jnstticktion über Abfahtt, Be- stimmungsott und Führung eines falschen Namens erhallen hatte. Außerdem hatten sämlliche Familienmitglieder ihren zukünftigen Aufenthaltsort in jedem Jahre auf kürzere Zeit unter falschen Flamen besucht, sodaß es nunmehr nach dem Krach nicht auffällig erschien, als dieselbeu sich dott ein- scmden. * Vom Glockenturm in Venedig. Eingestürzt ist der obere Teil des Campanile in der Höhe von 68 Metern. Der Präfell von Venedig giebt der Vermutung Raum, der verhängnisvolle Mauerriß, der die unmittelbare Ursache der Katastrophe war, sei eine Folge des letzten Erdbebens in Dalmatien gewesen. Architell Boni, der die Grundmauern des Turmes geprüft hat, erklärte, daß diese allerdings auf dem noch unversehrten Pfahlroste ruhen, aber so wenig tief seien, daß sie höchstens einen Turm von 30 Meter hätten tragen können. Im Volke hält man die in letzter Zett um den Turm ausgefühtten Pflaster- und Kanalarbetten, sowie die Entfernung der an den Turm angebaut gewesenen Bottegen als die Ursache des Einsturzes. Thcttsache ist, daß sett Jahren daran gearbeitet wurde, das verwitterte Mauerwett zu festigen, und diese Arbeiten vor 4 Monaten eingestellt wurden. Am 9. Juli zeigten sich die ersten Sprünge, die sich stündlich erweiterten. Der Einsturz erfolgte nach Berichten von Augenzeugen in der Weise, daß der Turm ungefähr von der Mitte abwätts sich erweitette und die obere Hälfte in sich aufnahm. Das Getöse war so groß, daß selbst in den entferntesten Stadtteilen, wo man gar nicht wußte, was geschehen war, Panik entstand. — Minister Nasi besuchte am Dienstag Nachmittag mit den Vertretern der Behörden und der Unter» suchungskommffsion die Trümmerstätte. Die Trümmer des Campanile bedecken den dritten Teil des Marllplatzes und machen jeden Verkehr zwischen ihm und der Piazetta unmöglich. Die herrlichen Bronzegitter vor der Loggia des San S o v i n o sind fast unbeschädigt geblieben. Die Loggia selbst ist völlig zerstört. Man sieht im Schutt einzelne Stücke des berühmten Reliefs. Der Bibliotheksaal des königlichen Palastes auf der Seite nach dem Markusplatz zu ist auf 10 Meter 3erftört Man hofft, die Gemälde von Tintoretto und andere, welche sich darin befinden, zu retten. Die Reste der Engelsfigur, welche die höchste Spitze des ein* gestürzten Campanile bildete, werden in der Mattüskirche auf- bewahrt. Die Besichtigung der Markuskirche und des Dogenpalastes ergab, daß diese Gebäude in keiner Weise durch den Einsturz des Glockenturmes beschädigt sind. Die für den Wiederaufbau des Glockenturmes und der Loggia des San Sovino benötigte Summe wird auf 6 Millionen Lire geschätzt. Dem Bürgermeister gehen schon aus allen Tetten Italiens und des Auslandes Geldmittel für den Wiederaufbau zu. Den ganzen Tag über umstand eine große Menschenmenge die Trümmer des Turmes. 2)ät allen Zügen treffen zahllose Fremde ein, welche die Trümmerstätte besichtigen wollen. — Ein Mitarbeiter des „Wiener Fremden- blatts" hatte in Wien eine Unterredung mit dem Oberbaurat Prof. Otto Wagner über den Einsturz des MarkusturmeS, Nach Ansicht Wagners ist ganz Venedig dem Untergang geweiht. Der Unterbau ist schlecht geworden, die Piloten werden morsch und verfaulen. Sie können dem ungeheuren Druck von oben nicht mehr lange widerstehen. Sett 30 Jahren werden Schwankungen und Senkungen beobachtet, und es muß fottwährend an verschiedenen Bauten ausgebessert werden. Wenn die amlliche Kommission trotzdem keine Gefahr konstatierte, so ist das damtt ettlärlich, daß gerade in Venedig der Unterbau schwer untersuchbar ist, ferner damit, daß die italienischen Archttekten zwar in künstlerischer Beziehung in erster Reche, aber betreffs der Konstruktion und des Unterbaues nicht auf gleicher Höhe stehen. Wagner ist nicht für den Wiederaufbau des Turmes, der keinem Bedürfnis mehr entspreche. Wenn aber em Wiederaufbau doch vorgenommen werden sollte, so möge er nicht als Imitation, sondern in modernem Stil erfolgen. — Des Reichskanzlers Grafen Bülow Telegramm lautete: „Tief gerührt vom Einsturz des wunderschönen Turmes bitte ich Sie, Herr Bürgermeister, den Ausdruck meiner warmen Sympathie für die märchenhafte Stadt Venedig entgegenzunehmen. Ich hoffe, daß dieses Monument wieder aufgebaut werden und zu seinem alten Glanze zurückkehren wttd." — Beim Einsturz wurden 20 Personen meist leicht verletzt. Kunst und Wissenschaft. Ein Protest des hessischen GoethebundeS. Der Heff. Goethebund, der schon lange nichts von sich hören ließ und der es bisher keineswegs verstanden hat, die ihm anfangs in Mengen zuströmenden Mttglieder — Gießen allein zählte anfangs mehr als 50 — zu fesseln sodaß einer nach dem andern abspnngt und die Mitgliederbeiträge gewissermaßen zwangsweise einkaffiett werden müffen, giebt jetzt ein Lebenszeichen von sich. Er erläßt folgende „Erklärung", die man allerdings in wetten Kreisen Deutschlands gern gut heißen wird: Der Uebersetzer und der Herausgeber von Tolstois „Antwott an den heiligen Synod" sind von der wider sie erhobenen Anklage freigesprochen worden; gegen dieses Urteil ist von der Staatsanwaltschaft bei dem Reichsgericht Revision eingelegt worden. So selbstverständlich die erste Nachricht erscheint, so unerfreulich ist die zwette. Der Hessische Goethebund protestiert dagegen, daß Ittera- ttsche Aeußerungen eines der ersten lebenden Schttftsteller, die selbst in seinem Heimatland straflos gelassen worden sind, in Deutschland Gegenstand strafgerichtlicher Verfolgung werden, und dadurch Deutschland in eine Stellung gebracht wird, die seiner ttodittonellen hohen geistigen Bethätigung und Führerschaft nicht entspricht. Die Persönüchkett Tolstoi's, sowie all' seine Veröffenllichungen bürgen dafür, daß es Wahrheit ist, wenn er in der „Antwott" schreibt, er habe „viele Jahre darauf verwandt, theoretisch und praktisch die Lehre der Kirche zu erforschen." Die Resultate so gewiffen- hafter Forschung stehen unter dem Schutz der Freihett der Wiffenschast, sie können nicht der Beutteilung des Sttafrichters verfallen, auch wenn sie in starken und heftigen Ausdrücker vorgetragen werden. Denn diese Ausdrücke entspringen nicht der Rohheit, die sich in Lästerung oder Beschimpfung äußert, sondern dem kräftigen Wahrheitssinne, der nach ungehemmter Aeußerung verlangt. Die „Antwott" des Grafen Tolstoi läßt aber überdies auch die tiefe Erfurcht vor der chttsllichen Religion in so feierlicher Weise erkennen, daß auch darum jeder Gedanke an eine frivole oder böswillig herabwürdigende Absicht ausgeschloffen bleiben muß. Indem der Vorstand hofft, mtt diesem Protest die Ueberzerzeugung vieler Gleich- spekts au Luterh a.u.s. Im Laufe der richtet, daß ausreichender Regen im größeren Leite Indiens gefallen fei, weniger in Birma, im südlichen Indien, im südlichen Pundschab und Leiten von Rajuputana und Sindh. Etwas Regen, der durchaus, notwendig war, ist in Gudscherat gefallen. Die AussiHLeu in den vereinigten Provinzen Agra Anglo und den mittleren Provinzen Haden sich sehr gebessert, obgleich in Tellen der letzteren mehr Regen gewünscht wird. Die Aussichten in Rajaput-ana berechtigen zu größerer Hoffnung. London, 16. Juki 6 Millionen Mark 3V,proz. Anleche ohne Einreichung eines Prober Berliner Börse zugelassen zu sehen gewünscht. Die Aettesten hatten der Genehmigung des Antrages wider- KriesKaflen der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Assistent Zang. Für Ihren und Ihrer Herren Kommilitonen Gruß von der botanischen Exkursion nach demHohe- r o d s k o p f besten Dank! aefrrmter zum Ausdrucr zu bringen, giebt er zugleich der festen Zuversicht Ausdruck, daß auch das Reichsgericht das Recht freier Aussprache der Ergebnisse ernsten Wahrheits- suchens durch sein Urteil anerkennen wird. Sitzung kritisiert Gibson Bowles in scharfer Weise den eng- llschen Botschafter in Rom, Currie, indem er sagte, er glaube, Currie habe sich iu Rom so unb eliebt gemachjt, daß mau seine Abberufung gefordert habe. Er macht ferner Currie den Verlust der freuu dschaftlichen Beziehungen zu Italien zum Vorwurf. Lord Cvcup- borne verteidigt Currie und beisllellet, daß man dessen Abberufung gefordert habe. Ec fügt hinzu, es giebt kein Land iu Europa, zu dem unsere Beziehungen freundschaftlicher sind, als zu Italien. Wir haben Hand in Hand mit Italien in Somaliland, an der Grenze des Sudan, gehandelt. ' Paris, 16. Juli. Aus Petersburg wird gemeldet: Oberst Grimm ist gestern abend gesessell nach seinem Verbannungsorte gebracht worden. Der Oberst weinte. Man glaubt nicht, daß er lebend zurückkehren wird. — Nach Telegrammen aus Saloniki wurden dort gestern neue Erdstöße wahrgenommen. Mehrere Häuser, darunter dasjenige des Gouverneurs, zeigen Naffende Risse. — Aus Havre wird berichtet: Hier sind Meldungen aus Island eingetroffen, wonach zwei französische Fischerboote wahrend Unwersttäls Nachrichten. — Laut „Reichsanzeiger" wurde zum Vorsteher der von der SLftung „Deutsches evangelisches Institut für Altertumswissenschaft des heiligen Landes in Jerusalem zu errichtenden Anstatt der Professor der Theologie Dalman in Leipzig gewähtt und vom Kaiser bestätigt worden. — Kaiser Wilhelms-Universität. Der westfälische Provinzial- ansfchuß beschloß einstimmig, die Eingabe des Senats der Königs. Akademie zu Müllst er i. W., der neuzugründenden Universität den Namen Kaiser Wilhelms IL zu verleihen, aufs wärmste zu unterstützen. München, 15. Juli. Der Professor der Hygiene Grnber an der Universität Wien hat Berufung erhalten, die Stelle des Vorstandes des Münchener Hygienischen Jnstttutes anzunehmen und hat dem Ruf Folge qckeistet. — Zum Kall Vetter. Laut dem „Oberl. Vol^bl." hat Prof. Vetter der Regierung auf chren Beschluß gearttwortet, daß er sich für den Rückzug seiner Demission eine Frist von zwei bis drei Wochen ausbedmge, da er — trotz Abratens von wohlmemender Sette — vorher selbst noch den Fall veröffentticheu will. Die Regierung dürtze nach Ansicht des genannten Blattes hierauf kaum eingehen, vielmehr Prof. Detter eure Frist von drei Tagen zum Entscheide stellen. — Der Großherzog von Baden erncumte den a.-o. Professor Dr. Alfred Hoche an der Universität Straßburg mit Wirkung vom L Oktober d. Js. zum ordentl. Professor der Psychiatrie und Direktor der psychiatrischen Klintt an der Universität Freiburg, sowie den a.-o. Prof. SX Robert Haußner an der Universität Gießen unter Verleihung des Titels „O berb ibliothekar" zum Vorstand der Bibliothek der Technischen Hochschule in Karlsruhe und zum ordentt. Professor der Mathematik und vertteh dem Httfsarzt der psychiatrischen Klinik der Universttät Freiburg, Privat- dozenten Dr. Fr. H. P f i st e r, den Charakter als a.-o. Professor. Berliner Aettesten hatten der Genehmigung raten unter Hinweis auf die hohe Verschuldung der Stadt, welche den Betrag von 450 Mark pro Kopf der Bevölkerung erreiche. Infolge eines Schreibens des Oberbürgermeisters von Offenbach hat sich berausgestellt, daß diese Zahl irckünlich, und zwar durch die Zugrundelegung der 1895 ermittelten Offenbacher Bevölkerungsziffer von rund 40 000, „ berechnet worden ist, während sich bei der jetzt vorhandenen Bevölkerung von rund 54000 der Schuldenbetrag auf nur 350 Mark pro Kopf der Bevölkerung stellt. Der Oberbürgermeister von Offenbach hat zugleich wettere Mitteilungen über die Dermögensverhältnisse der Stadt gemacht, aus welchen hervorgeht, daß die neueste ausgenommene Änleche für allerlei produktive Zwecke bestimmt ist, rote denn überhaupt das Vermögen Offenbachs die Schulden gegenwärtig um rund 5 Million en Mark übertreffe. Die Ausgaben für Schuldentilgung und Kapttalzinsen würden zu einem erheblichen Teile durch Einnahmen aus Kapitalzinsen, sowie aus Schuldentilgungen seitens Schuldnern der Stadt gedeckt, so daß der Schuldendienst wirllich nur rund 500000 Mark gleich etwa 18 Prozent des städtischen Etats in Anspruch nehme. Gerichtssaal. Salzschlirf, 14. Juli. Der Direktor der Aktiengesellschaft -Bad Salzschlirf" Jean Berlit, welcher s. Z. von der Strafkammer zu Fulda wegen Beleidigung des Pfarrers Nau zu dreihundert Mack Geldstrafe veruckettt worden war, hatte gegen das Urteil beim Reichsgericht Revision eingelegt. Die Revision wurde vom Reichsgericht verworfen unter Auferlegung der Kosten für die Beschwerdesührung. Wien, 14. Juli. Heute begannen die Geckchtsverhandlungen ba dem Prozeß des Bürgermeisters von Wien, Tr. Karl Lueger, gegen seinen früheren Freund, den Fleischbauermeister und Herausgeber der „Wiener Fleischhauer- und Fleischselcherztg." Valenttn I e d e k, wegen Ehrenbeleidig u na. In der genannten Zeitung war ein Ackttel unter der Aufschrift „Besprechen und Halten" erschienen, in dem gegen Tr. Lueger der Vorwurf erhoben wurde, daß er der Deputation der Fleischhauerund Selcher-Genoffenschaft, welche bei ihm vorgesprochen, um für die Wahl des Gemeinderates Hütter in den Stadtrat einzutreten, versprochen habe, mit seinem Einfluß für die Wahl Hütters einzutreten, trotzdem aber wenige Tage später gegen Hütter Stellung genommen habe; daß er einen unerhörten Gewaltakt begangen, ein Versprechen nicht gehatten habe, ferner, daß er sich Landwirtschaft. -k-Lich, 15» Juli. Der Bezirkszuchtverein Bch hielt gestern eine Schau über Simmenthaler Rindvieh und Saanenziegen ab, die aus Lich und der Umgebung gut beschickt war. Die Fortschritte, welche dieser Verein mit der Simmenthaler Zucht gemacht hat, sind sehr anerkennensweck und man kann den Züchtern dazu von Herzen gratulieren. Junge Kühe und tragende Rinder waren besonders gut ausgestellt, Bullen fehlten nahezu und nur 1 junges Tier konnte auf dem Schauplatz prämiirt werden. Die meisten Preise für Rinder und Kühe sielen nach Bettenhausen und Lich. Ein Preis nach Langsdorf. Leider war dces Dorf nur durch einen Züchter vertreten, dessen Tiere auch prämiiert wurden. Die Mtt- gUeder des Zuchtvereins Langsdock, soweit sie da waren, behaupteten, chr Zuchtverein schlafe, der Vorsitzende chres Vereins, der Landtags- und Reichstagsabgeordnete Köhler-Langsdorf habe an= scheinend keine Zeit sich um den Verein zu kümmern, sie müßten einen anderen Präsidenten haben. Der Faselstall der Gemeinde Lich wurde gleichfalls besichtigt, derselbe war in ausgezeichnetem Zustande. Von den drei Simmenthaler Bullen, prächtigen Tieren, wurde der jüngste prämiiert Der Bullenwärter erhielt für die ordentliche Führung des^Sprungregisters eine Prämie von 20 Mk. Außerdem waren Saanen-Ziegenböcke und eine große Zahl Ziegen and Lämmer ausgestellt Zahlreiche Preise sielen den Ausstcklern zu: der Gemeinde Lich für Bocke, den Ausstellern und besonders Ausstellerinnen für Ziegen und Lämmer. — Ueber die Mttchergiebig- keit der ausgestellten Tiere wurde lebhaft gesprochen. Danach sind Simmenthaler Kühe, die bis 25 Liter Milch geben, durchaus nicht leiten. Saanen-Ziegen geben das ansehnliche Quantum von 4—5 Liter ausgezeichneter Milch. Wird ein solches Quantum Mttch im Haushatt kleiner Leute verwendet, so kann das nur einen ausgezeichneten Einfluß auf die Ernährung die Gesundheit unb die Entwickelung der Kinder haben. Allein aus diesem Grunde sollte die Ziegenhaltung immer mehr gefördert werden. ** Wetzlar, 15. Juli Im Anschluß an das diesjährige Tier- lchausest wurde die Generalversammlung des Verbandes oer Herdbuchgesellschaftcn für das Vogelsberger Rind ab- gehalten. Nach einer kurzen Beratung des Vorstandes fand unter oem Vorsitz des Landrats v. Heirnburg-Biedenkops die Generalversammlung statt, welcher etwa 70 Herren beiwohnten. Erschienen waren die einzelnen Vertreter für die Provinz Oberbessen und die Kreise Marburg und Kirchhain, sowie die Vertreter oer Landwirtschaftskammern der Rheiirprovinz, von Wiesbaden und Kaffel. Sowohl der Vorsitzende als auch der Vertreter von Oberhesien können beide von einem rührigen Fortschritt der „Vogelsberger Reinzucht" aus ihren Bezirken berichten. — Zur Provinzial-Tierschau in Düsseldorf sind aus dem Kreise Wetzlar etwa 20 Stück Vogelsberger Raffe angemcldet, während 24 Preise vorgesehen sind. Man hat aus diesem Anlaß den Anmeldetermin um einige Tage verlängert. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. München, 16. Juli. Die Kammer der Abgeordneten lehnte zu Beginn der heutigen Sitzung ein Postulat für die Vorbereitung der Arbeiten zur zweiten technischen Hochschule in Bayern ab. — In Westerhofen, eine halbe Stunde von Schliersee, ist eine Dorfschmiede niedergebrannt. Zwei Personen erlitten bei den Lösch-urb eiten Verletzungen. London, 16. Juli. Nach einem Telegramm anä. Johannesburg haben Präsident Stein und seine Gattin Johannesburg verlassen und sind in Kapstadt eingetrofsen, wo sie sich heute nach Europa einschiffen. London, 16. Juli. Nur sehr wenige auswärtige Fürstlichkeiten werden Mm neuen Krönunfts- termin wieder nach London kommen. Angemeldet sind bis jetzt nur Prinz Waldemar von Dänemark, der Kronprinz von Griechenland und der Herzog von Aosta. London, 16. Juli. Der Vicetönig von Indien be- chierbck durch den ^EiVslnß einer cmanzrpckerben Frau leiten" ließ,daß dieser Einfluß auf ihn machtvoller sei, als der Wunsch vieler tausen-der Wähler, endlich, „daß die bekannte Kommandeurin der Lueger- Amazonen" mit ihrem launischen Willen bei Lueger mehr auszurichten vermag, als das bringenbe Verlangen von tausenden ehrlichen Geschäftsleuten. Dr. Lueger behauptet, baß er der genannten Deputation keine Versprechungen gegeben habe und auch die übrigen Behauptungen seien unbegründet. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Frankfurter Börse. Die heuttge Börse zeigte, trotz aller Geschäftsstille, die in den letzten Tagen vochanden war, befestigte Tendenz. Nachdem sich die Ernteaussichten besser übersehen lassen, setzte sich auch heute der Anstoß, den die Wiener Börse feit einigen Tagen gegeben hat, fort Von New-Pock und London lagen bessere Meldungen vor, die besonders auf amerikanische Eisenbahnaktien einwickten. Banken zeigten feste Haltung und trugen wettere Besserung davon. Auch die im Uebngen freundliche Tendenz trug dazu bei, so konnten Oesterreichische Kredttaktteu 1 Prozent anziehen. Von Deutschen Banken stiegen Diskonto-Kommandtt und Dresdner. Bergwecks- unb Hüttenaklienmackt ließen ebenfalls bessere Tenbenz erfennen, Deutsche Fonds fest, ebenso Oesterreichisch-Ungacksche Anlechen, Italiener, Spanier, Serben, Portugiesen und Tücken. — Die Stadt Offenbach hatte chre in diesem Jahre emtttierten eines MurmeS g-e^ nicken find. (Kn Teil der Besatzung konnte gerettet werden. Paris, 16. Füll Der Mann, welcher gestern troac* mittag auf der Fuhrt von Paris nach Versailles einen! Mordanfall auf Dr. Ordenstein verübte, hertzti Firmin Chcckan-eix und ist ein seit 4 Monaten entlassener ehemaliger Postbeamter. Er stammt aus Champagnac (Departe^ ment Hoatte Vienne). Eine in seiner Wohnung vorgenonv, mene .Haussuchung ergab nichts auf das Verbrechen bezüg-. liches. Man tzlaubt nicht, daß Diebstahl der Beweggrund dar That ist Die Untersuchung ist bemüht, die bisher inDnuLL gehüllte That auszucklären. Chalon sur Saone, 16. Juli. Gestern nachmittag zwischen 6 und 7 Uhr sind durchs einen h eftigeu Wirbelsturm kleinere Häuser umgerissen, Bäume entwurzelt und Boote auf der Saone zum Sinken gebracht worden. Mit dem Sturme war ein wollenbrncharttgerRegest verbunden, welcher Straßen und Geschäftslokale unterlWasser setzte. Rom, 16. Juli. Anläßlich des französischen National festes hat das französisch-ttalienische Komitee den Gemeinde- Behörden eine Büste Victor Hugos überreicht trief im Kapitol Ausstellung finden wird. Venedig, 16. Juli. Der Einsturz das (S-ant* panile erfolgte noch unter den günstigsten Umständen. Der Ingenieur Caspari unternahm, von einer ungewissen Angst getrieben, eine genaue Untersuchung mit einer 18 Meter langen Leiter und entdeckte hierbei rechtzeitig den Schaden. Er rief von der hohen Letter mit voller Kraft seiner Lungen auf den Platz hinab: „Fliehet, der Turm! stürzt ein." Gr hatte kaum Zett, sich selbst zu retten. Die Trümmer der Loggetta schoben sich beim Auseinandev- gletten des Schutztegels bis dicht an die byzantinischen Säulen vor. Der Schaden auf der Libreria des Königs- Palastes ist groß. Trümmer, die in die JnnenräumL drangen, vernichteten zwei Gemälde von Tin«- t o r e t t o, zwei von Schiavoni und „Abrahams Opfers von einem anderen Meister. In dem Bibliotheksaale San Sovinos sind vier berühmte Gemälde verloren, Unverletzt blieb eine Reihe von Allegorieeu über Musik, Gesang und Ehre. Der Bau-Fonds verzeichnet bereits Privatspenden in der Gesamthöhe einer halben Million Lire. Die Petttion um Bewilligung eines Los-Anlehens an die Deputiertenkammer ist beretts ab gegangen. Der Schutt wird in Gegenwart einer archäologischen Kommission abgeräumt werden, um die wertvollen Prunkstücke für dem Neubau zu verwenden. Der Schutt wird jetzt streng be- wacht, da zahlreiche Fremde Manerstücke an sich- genommen Hecken Wien, 16. Juli Der roei möblierte Zimmer zu ver- >0 mieten. Licherstraße 13. Stübchen mit Bett zu vermieten. Seltersweg 81, Nebenhaus. f&iit Fräulein kann Logis er- Halten. Nahrungsberg 7. 5135] Ein möbl. Wohn- und Schlafzimmer an ruhigen Herrn zu verm. Seltersweg 60^ II. 4298] Fein möbl. Wohn- u. Schlafz. fof. zu v. Ludwigstr. 30, part. 4959] Gut möbl. Wohn- u.Schlaf- zimmer zu verm. .Asterweg 16. 3701] In der früher Linden- struty'schen Hofraite Tiefenweg 18, ist das im Hinteren Hof gelegene mehrstöckige Lagerhaus alsbald zu vernüeten. Näheres bei Großh. 23ürger-= meistere^ Zimmer Nr. 15. Achön möbliertes Zimmer, evtl. mit Pension, zu mieten gesucht. — Offerten mit Preisangabe unter E M 03073 an die Expedition dieses Blattes._______ 3 immer m. Kabinett od. 2 kleinere Zim. m. Küche v. einz. Leuten zu mieten gesucht. Offert. nuPreis- angabe unt. l4 5066 an die Exped. Cfcn Nähe der proj. 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