E31 der Regierungsvorlage stehen, vorgesehene Entwurf der die im treter Steuerklausel mißfällt durchaus auf Seiten Städte Darinstadt, Mainz, Offenbach, tars Grafen v. Posadowsky, in dem dieser Namens der Reichsregierung auch ferner die Ziele und Zwecke der nationalen Anstalt zu fördern versprach. Erster Bürgermeister Dr. v. Schuh sprach namens der Stadt dttirnberg. Der preußische Kultusminister Dr. Studt überreichte namens der preußischen Unterrichtsverwaltung eine Sammlung von Lichtbildern nach den Denkmälern der Baukunst in den preußischen westlichen Provinzen. Es folgte eine große Reihe von Ansprachen, darunter die des Professors Erich Schmidt-Berlin für die preußische Akademie der Wissenschaften, des Geheimrats v. Weber für die Münchener Akademie, des Professors Wilmanus-Bonn für die nicht bayerischen Universitäten, des Professors v. Hei-- gel namens der Universitäten München und Würzburg, des Prof. Frank-Boston, des Generaldirektors der Berliner Museen Dr. Schöne- Berlin, des Professors Schul z- Prag. Mit besonders starkem Beifall wurde die Rede des Proftssors Schwind-Wien ausgenommen, der sehr warm im Namen der österreichischen und Wiener Gelehrtenwelt sprach, ferner die Ansprache des Schweizer Professors Vetter-Bern, sowie die Worte des Stadtrats Dr. Wes- selsky, der die Stadt Wien vertrat. Zahlreiche Adressen und Ehrengeschenke wurden überreicht. Direktor v. Bezold dankte für die Wünsche und erwähnte die von der württem- bergischen und der badischen Regierung geschenkten Gipsabgüsse, sowie mit besonderer Freude die Fader'sche Stiftung int Betrage von 500 000 Mark und die Stiftung eines ungenannten Nürnbergers im Betrage von 10000 Mark. Hierauf hielt Professor L i ch t w a r k - Haniburg eine Festrede über den niederdeutschen Künstler Meister Bertram, dessen Hauptbilder er schilderte. Gesang schloß die Feier. Hierauf folgte ein von der freiherrlich Tucher- schen Brauerei gegebenes Frühstück auf dem reich geschmückten Hose des Museums, wobei die Brünkuechtc in Büttner- Tracht das Nürnberger Bier kredenzten und schmucke und mehr noch die Vermehrung der Ber- Gießen und Worms. Obwohl diese fünf Städte, wie der nationalliberale Abg. Reinhart sehr richtig hervorhob, die Hälfte der gesamten Einkommen- und Vermögenssteuer aufbringen und heute verhältnismäßig nicht genügend in der Kämmer vertreten sind, so fürchten die ländlichen Vertreter doch das Uebergewicht' der Städte ganz außerordentlich. Ganz besonders schlecht ist der Abg. Wolf auf Gießen zu sprechen, dem er einen zweiten Vertreter in der Kammer absolut nicht gönnt. Ein ganz unverständliches Argument gegen die Städte brachte der Abg. Erck (nl.) vor. Er sieht in den Städten eine größere Intelligenz als aus dem Lande und hält darum den Einfluß der Städte schon ohnehin für überwiegend, obwohl er weiß, daß gerade heute die ländlichen Vertreter in der Kammer durch ihre Ueberzahl stets obsiegen. Wenn im zukünftigen Landtag 40 ländliche und 15 städtische Sitze vorhanden wären, so konnte man doch nicht von einem Uebergewicht der Städte sprechen; das Verhältnis würde vielmehr annähernd der wirtlichen Bevölkerungszahl entsprechen, die für die Städte aus 230 000 und für das Land auf 890 000 Seelen anzunehmen ist. Herr Erck will aber, wenn man seinem Gedankengange folgt, der Unintelligenz direkt eine Prämie zu teil werden lassen; zöge er logische Konsequenzen, dann müßte er für nichts arideres als für die Erteilung von zwei Stimmen an jeden einzelnen städtischen Landtags-Vertreter sich ins Zeug legen! Ter Abg. Ulrich träumt von einer Verteilung der Mandate durch die Einteilung des ganzen Großherzogtums in Wahlbezirke mit annähernd gleicher Bevölkerungszahl, aber er hat wohl selbst nicht die mindeste Hoffnung darauf. Der im Ausschuß von nationalliberaler Seite geäußerte Gedanke auf Einführung der Wahlpflicht findet zwar bei den Sozialdemokraten und den Zentrumsvertretern Sympathie, allein schon heute sieht man, daß mit der Regierung die Mehrheit dagegen ist, weil ihre Durchführung außerordentlichen Hindernissen begegne, die ohne Verletzung berechtigter Interessen nicht zu überwinden seien. Es verdient hervorgehoben zu werden, wie sich der Staatsminister Rothe über die Wahlpflicht ausgesprochen hat. Er führte folgendes aus: „Was die Wahlpflicht anlange, so sei sie von namhafter Seite ungünstig beurteilt. Bei der Mehrzahl der Nichtwählenden sei Gleichgiltigkeit der Grund chrer Passivität. Daran aber müsse man festhalten, daß Gleich- giltige sich in allen Schichten der Bevölkerung fänden und daß die extremeren Parteien rühriger seien als die anderen und deshalb mehr Erfolg hätten. Tas Wahl- r e ch t sei bisher nur als ein Recht gekannt worden, wohl auch verbunden mit einer moralischen Pflicht, aber ungekannt sei in Deutschland eine gesetzliche Wahlpflicht. Daß von Staatswegen mit Zwangsmitteln vorgegangen werden solle gegen Säumige, dagegen sprächen sehr gewichtige Gründe. Uebrigens kämen die staatserhaltenden während der interessanten Schlußsitzungen des Reichstages. Singer griff in der Person Eugen Richters den Lrbe- ralismus an, und warf ihm Inkonsequenz in Hinsicht aus die Behandlung der Frage der indirekten Steuern vor, weil die Liberalen nicht eine Verbrauchssteuer für Zucker ganz ablehnten. Gleichzeitig meinte Singer: Die Liberalen kommen nur noch durch die sozialdemokratische Hilfe zu Mandatssitzen. Aber Eugen Richter entgegnete unter stürmischer Heiterkeit, daß er durchaus nicht mit Hilfe der Sozialdemokraten aus dem Wahlkampfe hervorgegangen sei, sondern vielmehr als Sieger gegen sie. Es gab demnach im Reichstage zuletzt noch genug interessante Vorgänge. Aber auch unser' hessischer Landtag machte im ganzen Reiche von sich reden. Zunächst ist dieMain-Neüarbahn-Vorlaae im Sinne der Regierung enffchieden worden. Gegen die Vorlage stimmten geschlossen die Sozialdemokraten und das Zentrum, mit Ausnahme des Abg. v. Brentano, der der Abstimmung ferngeblieben ist. Für die Vorlage stimmten außer einigen Abgeordneten vom Lande, die anfangs schwankend gewesen waren, die Nationalliberalen und die beiden Freisinnigen, diese unter Betonung ihres Gefühls der Resignation: „Wer A sagt, muß auch B sagen!" Für den Vertagungsantrag hatten noch am letzten Tag 20 Abgeordnete gestimmt, gegen 29. So ist denn der Regierung der Wurf gelungen, und die Vorlage mit einer größeren Mehrheit angenommen, als mancher erwartet hatte. Und es hat auch nicht anders kommen dürfen. Vor allem stellt sich der neue Vertrag lediglich als eine Konsequenz des 1896er Staatsvertrags dar; ferner ist die Main-Neckarbahngemein- schaft auch im Falle des Nichtzustandekommens des gegenwärtigen Staatsvertrages durch die Kündigung Badens erfolgt. Was dann noch als höchst wirksam sich erwies, war die Drohung unseres allseits geschätzten Finanzministers Dr. Gnauth mit seinem Rücktritt. Die Schwankenden wurden durch dieses Vorgehen des Ministers umgestimmt. Nicht fortzuleugnen aber ist, daß nicht nur die Minderheit, sondern auch Mitglieder der Mehrheit Unwillen über die Behandlung Hessens durch Preußen äußerten, und es darf behauptet werden, daß der 1896er Staatsvertrag, wenn er dem jetzigen Landtage zur Enffcheidung vorgelegen hätte, nicht zur Annahme gelangt wäre. Baden hat mit erheblicher Stimmenmehrheit und Preußen mit Einstimmigkeit für den neuen Vertrag sich ausgesprochen. Tie Annahme in Hessen erfolgte mit 31 gegen 1 ( Stimmen, also säst mit einer Zweidrittelmajorität, auf die der Zentrumsabg. Pennrich auch bei der W a h lr e cht s v o r la a e hofft, die die übrigen Arbeitstage des Landtages in der vergangenen Woche voll einnahm. Nach dem geltenden Wahlrecht ist in Hessen stimmberechtigt „Jeder wenigstes 25 Jahre alte männliche Hesse, der in keinem fremden Unterthanenverbande steht, wenigstens drei Jahre in Hessen wohnt und seit Anfang des Rechnungsjahres, in dem die Wahl stattfindet, zu einer direkten Staalssteuer herangezogen oder, wenn dies nickst der Fall ist, kommunalsteuerpflichtig ist." Nach dem Entwurf soll stimmberechtigt fein: „Jeder wenigstens 25 Jahre alte männliche Hesse, der wenigstens drei Jahre in Hessen wohnt und wenigstens seit drei Jahren die hessische Staatsangehörigdert besitzt, auch seit Anfang des Rechnungsjahres, in dem die Wahl stattfindet, zu einer direkten Staats- oder Gemeindesteuer herangezogen ist." Sckon die Majorität des Gesetzgebungsausschusses hielt neben der dreijährigen Staatsangehörigkeit eine einjährige Ansässigkeit für ausreichend, während der sozialdemokratische Vertreter lediglich die Staatsangehörigkeit und die Zurücklegung des 25 Lebensjahres eoneedieren wollte. Er erklärte sich gegen die Bedingung hinsichtlich der Steuer- Die Jubelfeier des Kermanischerr Museums, i. Nürnberg, 15. Juni. Die Stadt Nürnberg ist zum Empfange der Majestäten mit Guirlanden, Triumphbögen und Fahnen prächtig geschmückt. Vielfach haben altdeutsche Banner und Standarten Perwendung gesunden, die sich der Architektur der Stadt sehr schön anpassen. Die Feier des bOjahrrgen Jubiläums des Germanischen Museums begann heute Vormittag mit einem Festakt in der großen neuen gothischen Waffenhalle des Museums, wo das Geschenk des Kaisers, ein kostbarer Schrein im altdeutschen Stil mit der Siegelsammluug der deutschen Kaiser, bereits Aufstellung gefunden hatte. Davor standen die Büsten des Kaisers und des Prinzregen- ten. Gesang leitete die Feier ein. Der erste Direktor des Museums v. Bezold begrüßte die Gäste und dankte dem deutschen Volke für die Förderung des Museums. Redner gedachte des Gründers Freiherrn von und zu Aufseß und dankte insbesondere dem Protektor Prin^regenten Luitpold. Der bayerische Kultusminister Dr. v. Landmann versicherte das Museum der weiteren regen Antellnahme der bÄerischen Regierung und teilte mit, der Prinzregent bade "dem Museum als Geschenk die Originalpartitur der „Meistersinger" überlassen, sowie eine große Anzahl Nürnberger Originaldrucke aus der Staatsbibliothek. Ter Minister kündigte ferner eine Reihe von Auszeichnungen an. Verliehen wurden dem erstell Bürgermeister der Stadt Nürnberg Dr. v. Schuh der Rang eines Geh. Hofrats, Geheimrat Prof. Tümmler-Berlin der Michaels-Orden 2. Klasse, den Museumsdirektoren von Bezold unb Bösch der Michaelsorden 3. Klasse, ebenso dem Prof. Alwin Schulz-Prag., Der Geheime Oberregie- xrmgsrat Lewald verlas ein Schreiben des Staatssekre- Politische Wochenschau. Der Reichstag ist bis zum 14. Oktober vertagt worden. Tie paar Sitzungen der letzten Tage sind von hohem Interesse und ihre Ergebnisse in mancher Beziehung von nicht gering zu achtender politischer Bedeutung. In erster Linie haben die Sitzungen gezeigt, daß es im Reiche um den viel geschmähten Parlamentarismus doch nicht so schlimm bestellt sein muß. lleber dreihundert Abgeordnete waren zur letzten Sitzung zur endgiltigen Entscheinung der Zuckersrage erschienen, oder richtiger zu den letzten Sitzungen am Mittwoch. Denn das Haus tagte in einer Doppelsitzung von früh 9 Uhr bis abends i/28 Uhr mit nur kurzer Unterbrechung. Und wie war das parlamentarische Bild der ^Verhandlung verändert! Was wurde in der verhältnismäßig kurzen Zeit gearbeitet! Freilich stehen nur selten so wichtige und interessante Gegenstände auf der Tagesordnung, wie Süßstoffgesetz, Zuckersteuergesetz und Brüsseler Konvention. 9hm sollte man aber auch den richf- tigen Schluß ziehen, daß ein vollbesetzter Reichstag arbeitslustiger und produktiver ist als ein leeres Häus, und man sollte demgemäß den Reichstagsabgeordneten die lange begehrten Diäten gewähren, um auch bei weniger interessanten Verhandlungen sich dieses vollbesetzte Haus zu sichern und damit zur rascheren Erledigung der Vorlagen zu gelangen. Als zweite bedeutungsvolle Erscheinung möchten wir die Annahme des Sü ß st o f f g e s e tz e s bezeichnen, bedeutungsvoll im Hinblick auf die Konsequenzen. Es wurde mit dem Saecharinverbot eine ausblühende Industrie vernichtet, die, mit modernen technischen Mitteln arbeitend, hunderten von Leuten verschiedenen Standes Beschäftigung und Brot gab. Daß ein paar Fabrikanten damit einverstanden sind, sich für fbie Aufgabe ihrer Fabriken gut entschädigen zu lassen, ist noch kein Beweis von der Notwendigkeit, einen frischen Zweig vom Stamme unserer Industrie abzubrechen. Und war nicht das Saccharin bereits zum Zucker des armen Mannes geworden? Ein unbehagliches Gefühl überkommt einen, wenn man sieht, wie hier ein Produkt der des fein-kombinierenden menschk- Üchen Geistes, dessen Ergebnis mit Achtung begrüßt und mit Fleiß verwertet werden sollte, das uns wieder einmal an des alten Sophokles schönen Spruch! erinnern dürfte: ,Meles Gewaltigen Allergewaltigstes ist der Mensch!", unterdrückt wurde. Die Gesetzgebung tritt das Recht des Geistes mit Füßen. Tas Hauptergebnis der letzten Reichstagswoche ist unleugbar der Sieg der Linken. Aus Seiten der Rechten §-ei^t sich demzufolge eine nachhaltige und tiefe Depression, die um so ernster wirkt, als man eine solche quantitative Kundgebung gegen altgewohnte Ansprüche niemals erwartet hatte, und sie drückt sich jetzt im Sinne des göttlichen Tante-Wortes aus: lasciate ogni speranza (Lasset alle Hoffnung fahren)! Man bezeichnet auf der rechten Seite die Verhandlungen über die Zuckerfrage als Präludium zu den Tarifverhandlungen, von denen man auf den Ausgang dieser wichtigsten wirtschaftlichen Frage schließen könne. Bülow steht jetzt als Sieger vor dem Auslande glänzend da. Deutschland hat als erster Staat die Brüsseler Konvention desinitiv ' an g emo mm en. Und dieser Sieg ward dem Kanzler durch die Hilfe der Linken. Aber es war eine Hilfe ohne gegenseitige Liebe.... Ein Wesentliches ist dabei festzustellen: Unser Reichskanzler ist in der letzten Zeit energischer geworden. Kurz nach dem berühmten Exodus kam es zu einem scharfen Renkontre mit dem Fürsten Herbert Bismarck. Neben dieser Episode Bülow-Bismarck, wie sie als natürliche Begleiterscheinungen einer angeregten Parlamentssitzung auf» treten, fehlte es auch nicht an weiteren Zusammenstößen teiftungen und der Ausschuß kam ihm auch insoweit entgegen, als er gegen die Ansicht der Regierung beschloß, daß eine durch Gemeindevorstandsbeschluß bewirkte, Befreiung einzelner Einkommen klassen von der Gem eindesteuer das Wahlrecht nicht berühren soll. Im Plenum zeigt sich nun ein den vorigen Wochen ganz entgegengesetztes Bilb. Man sieht einen Teil der 9iationalliberalen als Gegner der Regierung, deren treueste Freunde sie bei der Main-Neckarbahnvorlage waren, und als Stützen der Regierung das ganze Zentrum, das allerdings gern das Proportionalwahlsystem hätte, die freie wirtschaftliche Bereinigung, der aber, wie den Sozialdemokraten, die sonst Dirnen Radis anboten. Die Kapelle des 14. Regiments spielte. Im weiteren Verlaufe der Jubelfeier veranstaltete am Nachmittag die königliche Vokalkapelle aus 9Nünchen in der Lorenzkirche ein großes Konzert unter Mitwirkung namhafter Solokräfte und Kammermusiker der königlichen Oper. Das Programm bot eine Reihe von Kompositionen aus der Kirchenmusik der letzten vier Jahrhunderte. Die weiten Räume der Kirche waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Anwesend waren die am Vormittag bei dem Festakt versammelt gewesenen Herrschaften, ferner der bayerische Ministerpräsident Graf v. Crailsheim, der bayerische Gesandte in Berlin Graf von und zu Lerchenfeld und die preußischen Oberpräsidenten v. Goßler und v. Bötticher. Zu erwähnen haben wir noch, daß aus Gießen der Rektor der Universität Prof. Dr. Hansen, aus Marburg Prof. Schröder hier eingetroffen ist. Der letztere überreichte im Namen der dortigen Universität eine Gratulationstafel. Heute abend fand im Hotel Strauß ein Festmahl statt, bei welchem Direktor v. Bezold einen Trinkspruch auf den Kaiser und den Prinzregenten von Bayern ausbrachte. Kultusminister v. Landmann toastete auf das Germanische Museum, Bürgermeister Dr. Schuh auf die Gäste, Ober- prchident v. Bötticher auf die Bürgerschaft Nürnbergs. Tie Stadt ist festlich beleuchtet. — Aus Greifswald wird gemeldet, daß dort Dr. Fer» dinand Sommer, vormals ordentlicher Professor der Anatomie und Direktor der anatomischen Universttätsanstalt ae- storben ist. — Dem ordentlichen Professor der Universität Breslau, Geh. Regierungsrat Galle in Potsdam ist der Stern zunr Kronenorden 2. Klasse verliehen worden. — (Der Astronom Galle, der Eindecker des Planeten Neptun, feierte am 9. Juni seinen 90. Geburtstag.) vrr. 138 Erstes Blatt. ISS. Jahrgang Montag iv.Jmn gsss a** A*f^T***A* aam sssieS seä liil PkpIi PT J| niPl 11 vT EBS VjVL11Vllvl 44IllvlUvl BSSSe Univerl.-Buch-^StÄ I 8eiäXärt8120lml$U druckerei (Pietsch Erbens General-Ameiaer v Deranlwortltchr Redaktion. Spedition v für den polit. u. allgem. -äsffi- Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen DWW FrrnsprechanschlußNr.51. ** _________zeigenteil: Hans Beck. Parteien auch ohne solchen Zwang aus und wer seine Pflicht bei den Wahlen versäume, höre damit eben aus, staatserhaltend zu sein. Er sei der Meinung, die direkte Wahl an sich würde das Interesse an den Wahlen schon so erhöhen, daß das künstliche Mittel des Wahlzwanges nicht nötig sein dürfe/' Tie Generaldebatte ist am letzten Freitag beendet worden; die Zahl der Redner war erschöpft. Das bisherige Ergebnis ist, daß von den 21 Rednern zur Generaldebatte sich 18 mit der Grundidee, dem direkten Wahlrecht, einverstanden erklärt haben, während nur drei der Abgeordneten chren rundweg ablehnenden Standpunkt motivierten. Trotzdem ist der Ausgang noch nicht abzusehen. Zudem hat der Staatsminister gleich in seiner einleitenden Rede zur Begründung des Entwurfs verraten, daß die Regierung die Erste Kammer zur Gegnerin hat. Nach den Bestimmungen der hessischen Verfassung hat nun, wenn die eine Kammer die Beschlüsse der anderen ablehnt, die sog. Durchzählung einzutreten. Das geschieht in der Weise, daß beide Kammern gemeinsam und durch Stimmenmehrheit entscheiden. Wenn also ein von der Regierung eingebrachter Gesetzentwurf in zwei aufeinander folgenden Landtagen von einer Kammer angenommen, von der anderen aber abgelehnt wird, und die Regierung den Entwurf nicht zurückzieht, so werden die bei der letzten Ab- stimmung in beiden Kammern abgegebenen Stimmen zu- fammengezählt und die so gewonnene Stimmenmehrheit ist entscheidend. Stellen wir nun der vielleicht einige 30 Stimmen starken Mehrheit der Zweiten Kammer den Rest von etwa 16 bis 18 Stimmen und die 36 Stimmen der Ersten Kammer gegenüber, so ergiebt sich die glatte Ablehnung der Vorlage. Ein vorzeitiges Frohlocken aller Freunde eines liberalen Wahlrechts nach den Ergebnissen der Beratung könnte also zu arger Enttäuschung führen. Auch für uns Hessen von Interesse ist der bevorstehende Rücktritt des Leiters des preuß.-hesssichen Eisenbahngemeinschaftswesens, des preuß. Verkehrsministers v. Thielen. Als echt preußischem Bureaukraten weinen wir ihm keine Thräne nach und erhoffen von seinem Nachfolger weniger Fiskalismus. Im übrigen hätten wir es nicht gedacht, daß Herr v. Thielen gehen würde, ohne vom Glanze der unter seiner Aegide durchgebrachten großen preußischen wasserwirtschaftlichen Vorlage umstrahlt zu sein. 'Nun ist es anders gekommen. Krankheit und Ruhebedürfnis werden als Grund zum Scheiden angegeben. Wenn man erwägt, daß der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten stets mit Eifer und Energie für das große Projekt eingetreten ist, er, der Präger des Wortes „Gebaut wird er doch", so tonnte man die Aussichten der Vorlage beim Weggehen Thielen's für verloren halten, andererseits aber werden mit Bezug darauf große Ueberraschungen mystisch prophezeit. Im Ausland geschah Erwähnenswertes in letzter Woche auch nur im parlamentarischen Leben, nachdem der Friede in Südafrika geschlossen ist. Nach dem ersten Siegesrausch wird nunmehr im englischen Unterhaus die Frage der K r i e g s k o st e n behandelt, die die Engländer recht bald ernüchtern werden. Die Finanzbill ist trotz des Widerstandes der Liberalen gegen die Kornzölle angenommen worden. Taktlose Hetzereien des Berliner Berichterstatters der „Times", der trotz seiner berüchtigten Artikel gegen Deutschland die Dreistigkeit besaß, auf dem letzten Parlamentärs chen Abend des Staatssekretärs von Poja- dowsky zu erscheinen, wurde durch Frhrn. v. Ri ch th of en gebührend gekennzeichnet, und ebenso brauchen uns die Frechheiten des radikal-tschechischen Maulhelden Klofac im ö st e r r e i ch i s ch e n Abgeordnetenhaus gegen den deutschen Kaiser nicht auszuregen, eie wurden von den Regierungsvertretern Oesterreichs und seiner Presse bereits auf das schärfste verurteilt und zurückgewiesen. Wenn sich jetzt trotzdem im Einlaufe des österr. Abgeordnetenhauses eine neue Interpellation Klofac befindet, die denselben Gegenstand betrifft, so ist dazu zu bemerken, daß selbst ein Lemberger Polenblatt die Polen auffordert, gegenüber der Marienburger Rede kaltes Blut zu bewahren, und sie sehr eindringlich warnt vor Ausbrüchen des nationalen EhauvinismuS, die dem Polentum nur Schaden zufügen könnten. ES habe auch keinen Sinn, dem Abg. Klofac, der im Reichsrate gegen den Marienburger Trinkspruch keineswegs aus Polenliebe aufgetreten sei, Ovationen zu be- bereiten. In Frankreich trat das neue Kabinett Combes zum ersten Male vor die Deputiertenkammer unter dem Vorsitze Bourgeois zusammen mrd hat sein Programm entwickelt, das bei der Mehrheit Beifall sand. Tas neue Kabinett ist vorwiegend radikal. Loubet's Traum von einem „Versühnungsministerium" hat sich also nicht erfüllt. Frankreich sieht sich seit langer Zeit nun von Radikalen regiert. Die Zukunft wird lehren, wie ihr Programm sich in der Praxis bewährt. Aus die Beziehungen zum Ausland wird das Ministerium eine direkte Aenderung nicht bringen. Kriegsminister Andre und Minister des Auswärtigen Telcasse gehören auch diesem Ministerium an. Politische Tagesschau. Geistlichkeit und Schulvorstand m Hessen. Das Gesetz, das heute vor 28 Jahren, am 16. Juni 1874 in Kraft trat, entzog bei uns in Hessen die Schule im wesentlichen dem Machtbereiche der^ Kirche. Die einzelnen Bekenntnisse durften jedoch in den Schulvorstand einen Vertreter entsenden, sodaß anfangs Evangelische und Katholcken dort über je eine Stimme verfügten. Später durften auch Rabbiner in deren Körperschaft eintreten, und so gehören bei uns in Gießen drei Geistliche, Pfarrer Dr. Naumann, Dekan Bayer und Rabbiner Dr. Sander, dem Schulvorstande an. Eine Vorlage der Regierung will nun den Kreis d er Geistlichen abermals erweitern. Der zweite Ausschuß der zwecken Kammer aber betrachtet diese Vorlage als unnütz, denn schon die jetzigen Bestimmungen lassen es zu, daß z. B. in Offenbach 6 Geistliche: ein protestantischer, ftanzösisch-reformierter, israelckischer, alttatholischer, deutsch- und römisch-katholischer, dem Schulvorstande angehören. Einzelne Mitglieder des Ausschusses vertreten die Ansicht, daß die Geistlichen als solche übe rh a upt nicht Mitglieder des Schulvorstands sein sollten, daß aber die Regierung an Hand des bestehenden Gesetzes schon in der Lage sei, auch die Geistlichen mid Religionslehrer der auf Grund der Großh. Verordnung vom 23. Februar 1850 zugelassenen Religionsgemeinschaften in den Schulvorstand eintreten zu lassen, sodaß es des Erlasses eines neuen Gesetzes gar nicht bedürfe. Des Meckeren wurde der Anschauung Ausdruck gegeben, daß, wenn die geistlichen Mckglieder des Schulvorstandes so, wie im Ge- setzenbvurfe vorgesehen, verniehrt werden sollen, dann ebenso auch die Zahl der weltlichen Mitglieder des Schulvorstands zu erhöhen sei und demnach dann eine Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen über die Bildung der Schulvorstände überhaupt angezeigt erscheine. Zum Dritten aber wurde die Ansicht vertreten, daß die Zahl der die Schulen besuchenden Kinder, welche der evangelischen und katholischen Konfession nicht angehören, gegenüber den Kindern der letzteren beider Konfessionen so gering fast verschwindend sei, daß eine Vertretung der ersteren Konfessionen im Schulvorstand mit denselben Rechten, wie solche den Geistlichen der evangelischen und katholischen Konfession zustehen, mit den Forderungen der Toleranz wohl nicht zu vereinigen und daher nicht zu billigen sei. Im Ausschüsse hatte keine dieser Ansichten eine Majorität für sich. Der Ausschuß kam daher, da es ihm bekannt geworden ist, daß die Auslegung des Artikel 69 des Volksschulgesetzes noch nicht durch höchste Entscheidungen festgelegt wurde, zu dem Beschlüsse, zu beantragen, die Kainmer wolle den vorliegenden Gesetzentwurf ablehnen. Preußisches Herrenhaus. 15. Sitzung vom 14. Juni. Tagesordnung: Bericht der Her-Kommission über die Polcnoorlage. Die Kommission beantragt unveränderte Annahme. — Es liegt hierzu vor ein Antrag v. Stein, das Gesetz auf die Kreise Neidenburg, Osterode, Ortelsburg, Lyck der Provinz Ostpreußen auszudehnen. — Ein weiterer Antrag des Grafen v. d. Osten bezweckt die weitere Ausdehnung auf die Kreise Laucnburg und Bütow der Provinz Pommern. In der Generaldebatte nimmt das Wort Graf Kw ilecki. Er führte aus, die von der Regierung behauptete Gefährdung des Deutschtums beruhe auf Einbildung. Wenn der Ministerpräsident sage, er könne den Kampf nicht eher aufgeben, bis die Polen sich der Regierung gegenüber auf den Boden der Loyalität stellten, so erwiderten ihm die Polen, daß sie auf diesem Boden alle stünden. Aber sie seien nicht geneigt, ihre Nationalität wie einen Ueberzieher zu wechseln. Die poliiischen Geistlichen seien sich ihrer seelsorgerischen Pflicht gegen deutsche Katholiken wohl bewußt; die Vorwürfe gegen sie seien unbegründet. Im Felde seien die polnischen Regimenter stets zuerst ins Feuer geschickt worden. (Murren.) Alan bekämpfe die Polen durch Gesetze und Administrativmaßregeln, und in diesem System sei die Vorlage ein neuer Schritt. Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben legt entschieden Protest ein gegen die Behauptung des Vorredners, daß die polnischen Regimenter stets zuerst ins Feuer geschickt worden seien. (Lebhaftes Bravo.) Die Kulturarbeit, die durch Jahrhunderte in Posen unter den Hohenzollern geleistet sei, dürfe man nicht verfallen lassen, sondern nach deni Grundsätze des großen Kurfürsten solle gehandelt werden, der der auf ihn eindringenden Verzweiflung den Mut entgegengesetzt habe. (Lebhafter Beifall.) Dr. v. Dziembowski tritt für die Vorlage ein. Kultusniinister Studt erklärt, die Regierung beabsichtige, nanientlich auch an eine energische Förderung des Volksschulwesens in der Provinz Posen zu gehen, sie sei hierzu im Stande Dank der im Jahr^ 1900 bewilligten Summen für Schulzwecke. Besonders beklagenswert sei, daß die polnische Agitation sich auch auf das Gebiet dec Voksschule geworfen habe und dessen Entwickelung zu stören suche. Herr v. Stein begründet seinen Antrag, zieht ihn aber alsbald zurück und auch den des Herrn v. d. Osten, weil er überzeugt ist, daß die Regierung in einiger Zeit von selbst- auf diesen Weg gedrängt werde, den die beiden Anträge in Vorschlag brächten. Gaaf Mirbach bedauert den Wechsel in der Polenpolitik. Eine Aufteilung der großen Güter sei bedenklich. Frhr. v. Durant tritt den Ausführungen des Grafen Kwilecki entgegen. Oberbürgermeister Bender-Breslau meint, man solle suchen, den Polen Gefallen an deutscher Kultur beizubringen (Unruhe) und nicht die Kluft zwischen zwei Völkern, die miteinander zu leben benötigt seien, erweitern. Die Generaldebatte wird geschlossen. In der Spezialdebatte wird nach kurzer Diskussion § 1 angenommen, ebenso die §§ 2 und 3; in der Gesamtabstimmung gelangte die Vorlage ebenfalls zur Annahme. Aus Stadt und Sand. Gießen, den 16. Juni 1902. * * Parlamentarisches. Der 3. Ausschuß der 2. Kammer hat sich mit dem bekannten Anträge auf Errichtung einer hessischen Landwirtschaftskammer sehr eingehend beschäftigt. Er stimmt dem Entwürfe im wesentlichen bei und beantragt dessen Annahme mit einigen Aenderungen. Wir beabsichtigen in besonderem Artikel näher hierauf einzugehen. — Der 2. Ausschuß beantragt Annahme des Entwurfs eines Gesetzes über die Ergänzung und Abänderung des Gesetzes vom 28. September 1890, die Brandversicherungsan st alt für Gebäude sowie auch des Entwurfs eines Gesetzes, die Aenderung des Gesetzes vom 8. März 1898 über die Bildung der Stadtver- ordneten-Versammlung der Stadt Worms für die Zeit vom 1. April 1898 bis zum 31. Dezember 1902. Die zweite Kammer hat im Februar die Anträge bett, die Abänderung des Gesetzes die Versicherung von Mobilien in Feuerversicherungsanstalten, die von den Abgg. Ulrich und Genossen und Köhlec-Langsdocf eingebracht waren, mit allen Stimmen angenommen. Die erste Kammer trat aber diesem Beschlüsse nicht bei. Ihr im März gefaßter Beschluß lautet: Die Regierung zu ersuchen über die Ausführbarkeit einer staatlichen allgemeinen obligatorischen Mobiliar-Feuerversicherung in einer den Interessen des Staates sowohl als auch der zu Versichernden entsprechenden Weise nähere Ecmitte- lungen eintteten zu lassen und von dem Ergebnis den Ständen Kenntnis zu geben. Der 2. Ausschuß der zweiten Kammer beantragt jetzt Beittitt zu diesem Beschlüsse der 1. Kammer. * * Die frei schlagende Verbindung Frankonia feierte gestern und an den vorhergehenden Tagen ihr 30jähriges Stiftungsfest. Am 13. d. M. waren bereits viele A. H. A. H. von außerhalb eingetroffen, und in: „Großherzog von Hessen" hatte sich ein reges Treiben entwickelt. Die Feier, die nahezu der ganzen Stadt einen festlichen Charakter gab, erreichte ihren Höhepuntt in dem Kommers, der am eam»tag abend in „Steins Garten" stattfand und einen glänzenden Verlauf nahm. Während des Samstages war noch eine größere Zahl A. H. A. H. einaetroffen; und diese sowie deren Angehörige, ferner mehrere Professoren der hiesigen Universitär, und endlich die aktiven Mitglieder der Verbindung selbst mit ihren Kommilitonen füllten den großen Saal des genannten Etablissements vollständig und verliehen dem Feste ein ebenso mannigfaltiges wie feierliches Relief. Stud. Trautmanu eröffnete den Kommers mit einer Begrüßungsrede, in der er namens seiner Verbindung seiner Freude und seinem Danke Ausdruck gab für die so große Beteiligung der A. H. A. H. und anderen Gäste an der Feier. Insbesondere erfülle cs ihn mit großer Genugthuung, seine Kommilitonen, Vertreter der Gießener Burschenschaft Germania, willkommen heißen zu dürfen, da gerade mit 11)11 en durch Gleichartigkeit der Prinzipien und Interessen eine enge Verbindung bestehe. Leider müsse er die Vertreter der Burschenschaft Attemania missen, da diese durch strenge Trauer um den Tod eines der Ihrigen am Kommen verhindert sei. 'Nachdem der Redner dann mit zündenden Worten die A. H. A. H. aufgefordert hatte, alte Sorgen für diesen Tag zu vergessen und mit den Jungen jung zu jein, schloß er mit einem ih> kräftigen Salamander auf die Gäste. 'Nach ihm gedachte Stud. Hensell der Schirm- und Schutzherren des Reiches, des Kaisers und des Großherzogs, denen zu Ehren die 'Nationalhymne angestimmt wurde. Nachdem alsdann Stud. Bausch auf die A. tz. A. tz. getoastet hatte, ergriff Professor Weyel das Wort zur Festrede. Ec dankte seinem Vorredner und gab dann einen kurzen Ueberblick über die Entwickelung der Verbindung in den vergangenen 30 Jahren; ec betonte ferner, daß die jetzige Verbindung Frankonia die Hauptprinzipien des früheren naturwisjenjchaftlichen Vereins wahre, nnd daß die A. H. A. H. auch das Zutrauen haben könnten, daß die Frankonia ihre Füchse zu strammen Burschen und zu zielbewußten und vaterlandsliebenden Männern erziehe. Tas frohe Zusammensein mit den A. tz. A. H., der rege, ungezwungene Bericht zwischen den A. H. A. H. und den Aktiven beweise, daß das neue grüne Reis, das der alte Stamm des naturwissenschaftlichen Vereins getrieben, von echter, alter Art sei. Die A. H. A. H. könnten versichert sein, daß die Frankonia die Prinzipien aller freien Verbindungen: „Ehre, Freiheit, Vaterland" wahren würden. Nachdem 'Jietmer dann noch den Wahlspruch der Verbindung einer eingehenderen Besprechung unterzogen hatte, kommandierte er auf das ewige vivat, slorcat, crescat der Frankonia einen Salamander, der mit Begeisterung ausgenommen wurde. An diese Rede schloß sich das Lted: „O ale Burtschenherrlichteit . . .", das gewiß oei vielen Teilnehmern freudige oder auch wehmütige Empfindungen auslöste. Der A. Thwinn feierte dann die Tamen, und Stud. Löhr überbrachte Grüße seiner Verbindung Germania. Eine große Zahl von Telegrammen gab endlich Kunde, daß auch in der Ferne von den A. tz. A. tz. des heutigen Jubelfestes gedacht wurde. Erst gegen Morgen nahm dcr Kommers, der in heiterster Stimmung verlief, ein Emde. Am Vormtitag des „nächsten" Tages, d. h. nach einer nicht allzu langen Ruhepause, folgte iu der Reihe der Festlichketten im „Prinz Karl" ein Frühschoppen, der ebenfalls rege besucht war. Um 2 Uhr begann das Tiner im selben Hotel. Nach Beendigung desselden wurde von sämtlichen Teilnehmern per Wagen ein Ausflug nach dem Gleiberg unternommen, womit die offizielle Feier des Stiftungsfestes ihr Ende erreichte. Es waren frohe Tage, die die ftemden Gäste in der ihnen so vertrauten Stadt verlebt haben, und das Andenken an das schöne Gießen und ihre dortige Studentenzeit werden die A. A. H. erneut mitnehmen bis in die weiteste Ferne. * * Das Wettturnen bei der gestrigen, um 8 Tage zurück- gesetzten Gauturnfahrt des Gaues Hessen nach dem Hainig bei Lauterbach war zu Beginn vom Regen sehr beeinträchtigt, konnte aber bei späterem Sonnenschein noch befriedigend beendigt werden. Von den 108 angetretenen Turnern erhielten folgende Preise: 1. Preis, 30l/2 Punkte, Hch. Schmidt, T.-V. Gießen; 2. Pr., 30 P., Karl Kreiling, T.-B. Wieseck; 3. Pr., 29 P., Balch. Dort, T.-V. Großen-Bufeck; 4. Pr., 28 P., Jakob Lippert, T.-V. Butzbach; 5. Pr.,. 27h, P., Ludw. Noll, T.-V. Gießen; 6. Pr., 27 P., Karl Möser, T.-V. Grünberg; 7. Pr., 26% P., Lorenz Schnialz, T.--V. Gießen, Ph. Hörr, T.-V. LMMSdach; tt. Pr., 26 P., Ehr. 'Schmidt, T.-G. Gießen; 9. Pr., 25‘/2 P., Hrch. Geiz, T.-V. Gießen, Erich Jünger, T.-B. Kirchhain; "10. Pr., 25 P., Peter Bangert, T.-V. Anspach; 11. Pr., 24% P., Hch. Prediger, T.-V. Kirchhain; 12. Pr., 24 P., Karl Duchardt, T.-V. Alsfeld, Hch. Bauer, T.-V. Lauterbach, W. Schmidt, T.-V. Launsbach; 13 Pr., 23% P., Karl. Rees, T.-V. Butzbach, Ehr. Savelsberg, T.-V. Gießen, Fritz Hartmann, T.-V. Bad-Nauheim; 14. Pr., 23 P., Georg Dickhaut, T.-V. Alsfeld; 15. Pr., 22% P., Alfr. Held, T.-V. Butzbach, Adolf Feger, T^V. Aiispach, Ernst Wagner, T.-V. Krosdors, Hch. Hofmann, T.-V. Giegen, Hch. Hüttenberger, T.-V. Gießen; 16. Pr., 22 P., Hrch. Müller, T.-V. Großen-Buseck, Georg Freitag, T.-V. Butzbach, Georg Bücking, T.-V. Alsfeld, Th. Ernst, T.-V. Anfpach, Hrch. Henes, T.-V. Bad-Nauheim, Karl Schivarz, M.-T.-V. Gießen, Willy Förtsch, M.-T.-V. Gießen; 17. Pr., 21% P., W. Wiederstein, 'M.-T.-V. Gießen, Hch. Butz, T-V. Kirchhain, Albert Münch, T.-V. Wetzlar; 18. Pr., 21 P., Ferd. Hain, T.-V. Friedberg, Karl Bender, T.-V. Alsfeld, Wilh. Menges, T.-V. Leihgestern, Ad. Totzenrod, T.-V. Gießen, Otto Pfeifer, T.-V. Launsbach; 19. Pr., 20% P., Fritz Herbert, T.-V. Kirchhain, Ehr. Högel, T-Gem. Laubach; 20. Pr., 20 Wilh. Rühl, T.-V. Großen-Bujeck, Adr. Muhl, T.-V. Schlitz, Fr. Sack, T.-V. Heuchelheim, Karl Wagner, T.-V. Krofdorf, Karl Gries, T.-V. Bad-Nauheim, Gg. Gi'unbtein, M.-T.-V. Gießen. ** Unbestellbare Postsendungen. 'Nach der Statistik des Reichspostamts ist die Zahl dec wegen Un- bestellbarkeit alljährlich der Vernichtung anheimfallenden Postsendnngen immer noch sehr groß. So find binnen Jahresfrist allein 50 580 Ansichtskarkeu und und 26 700 andere Postsendungen unanbringlich geblieben und durch Feuer vernichtet worden, die überhaupt keine Aufschrift trugen, die Zahl der wegen mangelhafter Aufschrift unanbringlichen Gegenstände hat sich in demselben Zeitraum sogar auf 250600 Stück — darunter 145 370 Ansichtskarten— belaufen. Unter den endgültig unbestellbar gebliebenen Sendungen befanden sich 888 400 Stück, daA sind 66,8 Prozent der Gesamtzahl, in denen der Absender sich nicht genannt hatte. Wie viel Unannehmlichkeiten mögen den Adressaten beziv .den Absendern durch die Unanbringlichkeit dieser Sendungen erwachsen sein, und wie viel ungerechte Vorwürfe über Unzuverlässigkeit sind gegen die Postverwaltung und deren Beamte erhoben worden! Jeder Absender sehe daher in seinem eigenen Interesse darauf, daß die Postsendung, bevor er sie dem Brieftasten anvcctraut, eine vollständige Adresse trage, also alle Angaben enthalte, die zur Auffindung des Empsängers notwendig find, und daß die Frankierung ausreicht. Bei den Ansichtskarten gewöhne man sich daran, stets die Adreßseite zuerst zu beschreiben. Besonders aber vergesse man nicht, aus .oder in dcr Sendung die v 0 lle; OTfcne oes -rrvsenvers anAugeven, varnrr für alle Fälle die Rückgabe erfolgen kann. Angaben wie „Deine Anna", ,-Dein Vater" rc. genügen nicht, die kann die Post bei aller Findigkeit nur in den seltensten Fällen verwerten. ** Postverkehr. Entgegen der früheren Bestimmung ist es nunmehr den Offtzieren des Beurlaubtenstandes gestattet, den Portosreiheitsvermerk der von ihnen ausgehenden Militärdienstsendungen durch den Abdruck irgend eines amtlichen Siegels oder Stempels, z. B. des Gemeindevorstehers, zu beglaubigen. Es ist somit die Beidrückung des amtlichen Siegels oder Stempels einer Militärbehörde nicht mehr erforderlich. D. FL-V. Das Präsidium des Deutschen Flotten-Vereins in Berlin beabsichtigt, im kommenden Winterhalbjahr in allen größeren Städten des Reichs biographische Vorführungen zu veranstalten, nachdem die bisherigen Versuche damit in 19 deutschen Städten bei einer Besucherzahl von 225 000 Personen außerordentlich Beifall gefunden haben. Im Großherzogtum Hessen sind für diese Vorführung lebender Photographien aus dem Gebiete des Seewesens zunächst bie Städte Darmstadt, Mainz und Gießen in Aussicht genommen. Außerdem sollen Rundreisen eines Kinematographen derartig veranstaltet werden, daß für bestimmte Bezirke Touren mit ein-, zwei- oder dreitägigen Vorführungen in einer Ort- 'chast festgesetzt werden. ** Guteuberg-Gesellfchaft. Die erste Generalversammlung der Gutenberg-Gesellschaft in Mainz, die bereits an 600 Mitglieder in allen Ländern gewonnen hat, findet am Johannistage, 24. Juni, vormittags 11 Uhr, im Stadthause dort mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erstattung des Jahresberichtes, 2. Vortrag des Prof. Dr. Velke: „Die Gutenberg-Gesellschaft, ihre Aufgaben und Ziele", 3. Ablegung der Jahresrechnung und Feststellung des Voranschlages, 4. Wahl des Vorstandes, 5. Bericht über Gutenberg-Museum und Gutenberg-Bibliothek, 6. Sonstige Gesellschafts-Angelegenheiten. — Die erste Veröffentlichung der Gutenberg-Gesellschaft (der neu aufgefundene Kalender für 1448, mit 18 Tafeln) kann in der Versammlung von den Mitgliedern in Empfang genommen werden; die Versendung der Schrift beginnt alsbald darnach. Die nur für die Mitglieder hergestellten Veröffentlichungen erhalten diese unentgeltlich (Jahresbeitrag 10 Mk.). •* Die Motten, jene kleinen Schmetterlinge, die im Haushalte ost so großen Schaden anrichten, fliegen jetzt am häufigsten umher. Die Weibchen legen ungefähr 200 Eier in Wollentuch, Pelze, Polster, Federn usw., aus denen Räupchen hervorkriechen, die sich ein Gespinnst machen und mit ihrem scheerenförmigen Gebisse fast unausgesetzt das Tuch benagen. Sie bleiben in diesem Zustand fast ein Jahr, ruhen im Winter, verpuppen sich im Frühjahre und kommen nach ettichen Wochen als Schmetterlinge zum Vorschein. Ein sicheres Mittel, sie zu töten, ist das Erhitzen der Pelze über 30« R., entweder durch künstliche Wärme oder heißen Sonnenschein. Bei 34° eicht eine Stunde zur Tötung der Motten und ihrer Eier hin. 28° halten sie nach eingehenden Beobachtungen mehrere Stunden aus. 36° Hitze tötet sie in einigen Minuten. Gute Mottenvertilger sind auch die Spinnen, die man des- )alb nicht töten, sondern schonen sollte. Das Einstreuen der Kleider mit Kampfer, Naphthalin, Zigarrenasche und wie die Mittel alle heißen, hat sich auch als vorteilhaft erwiesen. Doch müssen derartige Einstreuungen immer in trockenem Zustand erfolgen, damit keine Flecken entstehen. ** Blumenzwiebeln. Die Frühjahrsauspflanzungen in anseren Gärten haben abgeblüht. Die Zwiebelgewächse, Tulpen, Hyazinthen und wie sie heißen, sind ausgehoben worden und an ihrer Stelle bilden jetzt Sommerblumen unsere Schmuckbeete. Sollen die abgeblühten Blumenzwiebeln uns un nächsten Jahre wieder durch ihre Blüthen erfreuen, so bedürfen sie jetzt .einer sorgfältigen Behandlung. Die Zwiebeln werden schattig in trockenen Raum gelegt, wo sie langsam abtrocknen. Danach werden sie geputzt und am besten in Sand eingeschlagen. Man nimmt hierzu eme Kiste, füllt diese zur Hälfte mit Sand an, legt auf diesen die Zwiebeln, füllt dann die Kiste noch vollends mit Sand und stellt sie dann an einen kühlen, trockenen Ort. Zwiebeln, welche vor ihrer völligen Reife, d. h. kurz nach dem Verblühen, aus der Erde genommen wurden, erfordern eine größere Sorgfalt als ausgereifte. Ausgereift sind die Zwiebeln, wenn chr Kraut abgestorben ist. ** Die Ueberreichung der Gesellenbriefe an die Gesellen, welche in diesem Jahre hier die Gesellenprüfung bestanden haben, verbunden mit einer Ausstellung von Lehrlings arbeiten fand gestern Vormittag in der Turnhalle der höheren Mädchenschule statt. Ein groß?. Publikum .itte sich eingefunden, um der Freisprechung der 65 Lehrtmge, die diesmal zum ersten Male unter Oberaufsicht der Handwerkskammer erfolgte, beizuwohnen. Hauptlehrer Traber, der Vorsitzende des Gesellen-Prüfungsausschusses, hielt eine Ansprache, aus der heroorgmg, daß sich die 65 Prüflinge aus 14 verschiedenen Gewerben rekrutierten. Vertreten waren hierbei: 3 Maurer, 2 Zimmerer, 1 Weißbinder, 6 Bildhauer, 30 Schlosser, 5 Eisendre 5 Maschinenschlosser, 2 Schmiede, 1 Wagner, 2 Glaser, > Schreiner, 2 Mechaniker, 2 Sattler und 1 Uhrmacher. Unter den besten Wünschen für die Zukunft sprach Redner dann die Lehrlinge namens des Prüfungsausschusses zu geprüften Gesellen. Nachdem er geendet, richteten noch einige andere Herren Worte der Ermahnung an die jetzt selbstständig werdenden 'jungen Leute und dann erfolgte die Ueberreichung eines interimistischen Prüfungszeugnisses, dem in einigen Wochen der definitive, künstlerisch ausgeführte Gesellenbrief folgen soll. * * Darmstadt, 15. Juni. Das 15 jährige Bestehen der Darmstädter freiwilligen Sanitätseolonne vom Rothen Kreuz gab Veranlassung zu einer großen Uebung, welche gestern Nachmittag auf dem südwestlichen Telle des Exerzierplatzes stattfand. Der Groß Herzog nebst Gefolge, Generalkonsul Map pes aus Frankfurt a. M., Delegierte des 18. Armeeeorps, Oberconsistorialpräsident Buchner, Stadtkommandant Generalmajor v. Ly n cker, Genera,.- Arzt Dr. Kühlewein, sowie zahlreiche Gäste wohnten der Uebung bei. — Das hiesige Corps „Rhenania" feierte in diesen Tagen sein 30jähriges Stiftungsfest in überaus glänzender Weise. Am Freitag den 14. fand großer Empfangsabend und Samstag den 15. Frühschoppen im Schützenhof, nachmittags O. A. H.-C. auf dem Corpshause statt. Die Hauptfeier blldete ein abends y29 Uhr im Kaisersaale stattgehabter solener Jesteommers, zu welchem sich zahlreiche alte Herren, der Reetor magnifiens der Techn. Hochschule, zahlreiche Professoren und Ehrengäste, sowie last not least auf der Gallerte ein herrlicher Damenflor eingefunden hatte. — Eine zahnärztliche Poliklinik insbesondere im Interesse der Darmstädter Volksschulen soll demnächst in dem städtischen Gebäude Luisensttaße 20 dahier errichtet werden. Die Stadt unterstützt die Idee in überaus bereitwilliger Weise. * * Darmstadt, 15. Juni. Der Großherzog empfing u. A. den Künstler Huber und zum Vortrag den Kabinettsbibliothekar Holzamer. Sport. * * Gaufahrt des Gaues IX des D. R. B. und Große Radrennen aus dem Sportplatz an der Hardt. Trotz des drohenden unfreundlichen Wetters eilten gestern schon in aller Frühe Radler von nah und fern unserer Stadt zu. Gleich nach 11 Uhr trafen u. a. die Mannschaften des Gaues IX, welche sich in Frankfurt a. M. gesammelt hatten, ca. 80 Fahrer, von dort kommend hier ein. Nach einem gemeinsam eingenommenen Mittagsbrod sannnelte sich gegen 3 Uhr eine große Zahl von Radfahrern am Seltersthor, um von hier aus mit Atusik nach der Rennbahn an der Hardt zu ziehen, wo sie den Großen Radreimsahrten beiwohnen wollten. Wohl tausend Zuschauer hatten sich hier ebenfalls eingefunden. Von den Ehren-Dorsitzenden der Vera istallung bemerkten wir Provinzialdirektor Geh. v. Bechtold, Bürgermeister Mecum unb Oberst v. Dewitz. Die einzelnen Rennen nahmen bei denkbar bestem Sportwetter folgenden Verlauf: E r st f a h r e n, 2000 Attr. — 5 Runden, bei nur schlecht be- etztem Feld. 1. Hugo Kirsch- Siegen 3.13*/., 2. F. Pieroth- Klein-Steinheim 3,1376/ 3. Friedr. Roth- Niederrod 3.14. Zwischen Kirsch unb Pieroth, welch letzterer beim Eubsport die Führung hatte, sanb ein heftiger Endkampf statt. Kurz vor dem Band erst gelang der Sieg mit J/z Radlänge. — Gauverb ands- Wanderpreis-Fahren, 2000 Mr. — 5 Runden. Vorläufe (2 Runden). L Vorlauf. 1. Georg Drescher- Mainz 1,5, 2. Ernst Schweinsberg- Frankfurta.M. 1,5*/,. 2. Vorlauf. 1. H.Struth- Mainz 1,13, 2. Wilhelm Kellner- Frankfurt a. M. l,13*/6. Ent° fcheidungslauf. 1. H. Struth- Mainz 4,8. 2. Georg Drescher- Mainz 4,8'75. Ernst Sch iveinsberg -Frankfurt a. Ai. 4,8‘/5. Der Entscheidungslauf wurde unverantwortlich langsam gefahren. Erst bei etwa 150 Mtr. vor dem Band kam Leben in die Fahrt. Das Resullat konnte nicht überraschen. Hauptfahren, 8000 Mtr. — 20 Runden, mit einspurigen Schrittmachermaschinen jeder Art. 1. Georg Drescher - Mainz 10,40. 2. Michael Schmidt- Ludwitzshafen 11,467«. 3. Eduard Sier- Köln 12,35. Das Feld war diesmal sehr gut besetzt. Drescher machte die 8 Kilometer hinter seinem 2sitzigen Schrittmachermotor mit großer Sicherheit und Ruhe und hatte nach 8 Runden feine Koiikurrente» rmt Ausnahme Schmidt's-Ludwigshafen überrundet. Dieser hielt sich als Zweiter wacker, bis auch er nach unb nach gegen Drescher adsie! und bei der 17. Runde ebenfalls überholt wurde. Tie Zuschau« beobachteten das Rennen mit wachsendem Interesse und empfingen den Sieger und den Zweiten, der nur durch einen einsitzigen Motor als Schrittmacher bedient wurde, mit lebhaftem Bravo. — Vorgabefahren, 2000 Mtr. — 5 Runden. 1. Carl Lurz - Frankfurt a. Main (50) 3,3676. 2. H. Stru t h- Mainz (0) 3,367s. —3. Ernst S ch w e i n s b e r g-Frankfurt a. At. (30) 3,37. Das Feld war gut besetzt und setzte sich von Anfang an gut in Bewegung. Nach der dritten Runde fchon waren die Vor- gaben geholt. — Motor-Rennen nur offen für die Schrrtt- niacher des Hauptsahrens 8000 Meter — 20 Runden. Es starteten der 2sitzige Motor Dreschers mit den Fahrern H a tz m a n n unb Schulte gegen Motor Lier (Einsitzer) Fahrer De ls ort, Lek- lerer erhielt eine Vorgabe von 450 Meter, deren es jedoch nicht bedurft hätte, denn Delfort siegte über seine Gegner in 10,137g rmt 800 Meter Vorsprung. Er Hal also aus der Fahrt, wenn man die Vorgabe außer Ansatz läßt, Hatzmann und Schulte um 250 Meter geschlagen. Das Motor-Rennen war unstreitig das mtereffantefn des Tages. Es war eine wilde, verwegene Jagd von Anfang bis zu Ende. Der Franzose brachte feine Alafchine auf die äußerste Schnelligkeit, holte so 350 Meter auf, unb kam damit dicht hinter seinen Gegner, den er bann gleichsam als Schritmacher benutzte. Der fortgesetzte Versuch Delsorts, den Zweisitzer zu überholen, glückte indessen nicht. Brausender Jubel empfing aber den Sieger, der es fertig gebracht Halle, durch sein wahrhaft verwegenes Fahren die Zuschauer in die größte Aufregung zu versetzen. — Mehrsitzer-Fahren 2000 Meter = 5 Runden, 2 Verläufe, 1. Vorlaus: 1. Struth-Mainz und Schmidt-Ludwigshafen 1,377g. — 2. Kellner und Berg Haus- Frankfurt a. M. 1,377-. — 2. Vorlauf: 1. Schweinsberg unb L u r z-Frankfurt a. M. 1,59, 2. Schnütter unb Eb. Li er-Köln 1,59 */6. Entscheidungs-» lauf: 1. Struth unb Schmibt 3,457g. — 2. Kellner und B e r g h a u s 3,457s. — 3. Schweinsberg unb Lurz 3.46. Es wurde besonders in dem Entscheidungslaus sehr flott gefahren. Damit war der sportliche Teil der Veranstaltung am Fuße der Hardtterraffe beendet. Die Veranstalter derselben können mit Befriedigung aue deren Verlauf zurückblicken. Die Lektsteuer ist nunmehr in dritter Lesnug mit 50 Pfennig per Flasche angenommen und wird am 1. Juli 1902 in Kraft treten. — Schaumwein im Besitze von Hanshattuugsvorstäudeu, die weder Ausschank noch Handel mtt Getränken betreiben, bleibt, sofern die Gesamtmenge nicht mehr als 30 Flaschen beträgt, von der Stachsteuer befreit! Wir empfehlen den Gönnern unseres „Heukett Trocken" hiervon Gebrauch zu machen und sich zum Bezug au deu Weinhaudel zu wenden. Henkell & Co«, Mainz. Vertreter für Gießen: Carl Petri, Hier. 3696 AMTLICH GLANZEND BEGUTACHTET: FRANZ JOSEF Bitterwasser ist das beste natürliche Abführmittel. 8998 ------------ Erhältlich überall. ------------ Eine Frau altert frühzeitig, wenn sie sich mehr Arbeft macht, als ohnedies nötig ist. Dies geschieht unbedingt, roemt sie sich bei der Wäsche mit einem billigen schlechten Waschpulver plagt, das nicht reinigt und chr noch nebenbei die Wäsche ruiniert, anstatt bequem zu arbeiten mit Gioth's gemahlener Kernseife mit Salmiak und Terpentin, die höchste Waschkraft besitzt, und infolgedessen kolossale Arbeitsersparnis bringt Enthält kein Chlor oder den Händen ober ber Wäsche schäbliche Substanzen. Täglich steigender Absatz beweist allgemeine Beliebtheit und vorzügliche Qualität. Per Packet 15 Pfg, Fabrikant I. Gioth, Hanau a. M. TU-one- Biscuits Zu haben bei Hofl. J. JtKOux, Marktplatz No. 6. 8505 KMsche KeimatKunst. Heimatkunst l Das Wort hat jetzt einen guten Klang. In allen deutschen Gauen, wo immer litterarische und künstlerische Anlagen gepflegt werden, da ist auch die Losung von der Heimatkunst ausgegeben. Sie entspricht im Wesentlichen den modernen Kunstbestrebungen. Diese zielen ja auf das Heroorkehren der Individualität, auf das bewußte Ausleben der Persönlichkeit ab. Die Persönlichkeit aber wurzett im Heimatboden und kann sich künstlerisch am behaglichsten ausleben, wenn sie die Bilder der künstlerischen Darstellung einer teuren und vertrauten Umgebung, dem heimischen „Milieu" entnimmt. Jeder Mensch kennt und liebt die Oerttichkeit, an der er aufgewachsen oder wo er thätig ist, er ist ein Produkt der Dinge um ihn, von ihnen abhängig; sie erregen seine Gefühle und beschäftigen seine Gedanken, manchmal auch, wie wir es z. B. bei den großen nordischen Poeten, bei Ibsen und Björnson, wie bei Tolstoi sehen, mehr Kummer und Groll als Stolz und Freude. Vor allen anderen ist heute der Dichter nichts weniger als ein von der Welt getrenntes Einzelwesen. Sein Naturgefühl verklärt die Landschaft seiner Heimat, in seine persönlichen Erfahrungen spielt die Gesinnung und Gesittung seiner Landsleute fortwährend hinein. Diese Beobachtung machen wir in ganz besonderem Maße bet der Betrachtung ber Werke unserer besten hessischen Erzähler, Alfreb Bock unb Wilhelm Holzamer. Von Holz- am liegt seit kurzem roieber ein neues Buch vor, „Peter No ckler. Die Geschichte eines Schneibers" (Herrn. Seemann Nachf. in Leipzig). Wir sehen, daß der Dichter mit seinem neuesten Werke' über seine bisherigen gewachsen ist. Außer den „Spielen", den feinen kleinen lyrischen Prosa-Gedichten in dramatischer Form, die in Darmstadt so arg mißverstanden wurden, allerdings auch als Nachempfindungen Maeterlmck- scher und Jaeobsen'scher Dichtungen nur einem ganz kleinen, zartesten Momentstimmungen zugänglichen Publikum, Schumann'scher Kammermusik vergleichbar, etwas bieten, waren Holz- amers frühere Schöpfungen zumeist Novellen. „Peter Nockler" aber ist der Ansatz zu einem Roman, einem Roman auf allerbescheidenster Basis, mit den schlichtesten Mitteln schlicht erzählt. Wir lernen nur zwei bis drei Personen kennen, ein Dorfschneiderlein nebst seiner Geliebten, daneben noch allenfalls den alten Lehrmeister Peters. Unb bet giebt es keine großen Leibenschaften, keine Kompliziertheiten in ber Hanblung unb im Fluß ber Erzählung, keine „romanhaften" Vorgänge, aber um so mehr Gefühlsinnigkeit, Treuherzigkeit und klare kluge Lebensphilosophie. Wir lieben diesen braven Peter und wir lieben den Dichter, ber ihn uns schuf. Unb wir würben uns noch mehr über bas Buch gefreut haben, wenn es nicht gar so sehr an Wieberholungen litte unb seine Hanblung gar so langsam in bie Breite flösse. Der Dichter scheint im Begriff zu stehen, burch die Protektion unseres kunstfreudigen Landesherrn, der seine Leute sicher zu wählen weiß, aus seinem halb ländlichen Milieu von der Bergstraße nach der Residenz verpflanzt, in materiell in jeder Weise vorteilhaftere Verhältnisse berufen zu werden. Das eröffnet uns die Aussicht, daß uns sein nächstes Buch, wohl ein echter Roman, vielleicht in andere, städtische Kreise führt. Wir wollen aber hoffen, daß trotzdem ber Dichter ber alte bleibt, baß er sich feine zugleich zarte unb frische, starke unb reine länbliche Lebensauffassung bewahrt. Dann werben wir von ihm noch manches vortreffliche, herzerquickende Buch erhalten. Im Anschluß hieran sei kurz berichtet, baß bie Wiener Zeitschrift „Neue Bahnen", herausg. von Ottokar Stauf o. b. March (Wien VIII, Wickenburggasse 5, pro Heft 60 Pfg.), ihr 8. Heft bes taufenben Jahrganges Holzamer geroibmet hat, von dem sie ein paar anziehenbe Gedichte, Porträt sowie einen betrachtenden Aufsatz von F. W. v. Oefteren bringt. Gleichzeitig haben wir von dem jüngsten hessischen Poeten, Reinhard Strecker, zu berichten. Der jugendliche Autor. der auf wissenschaftlichem Gebiete bereits durch eine Abhandlung über den „ästhetischen Genuß" hervorgetreten ist, fteltt sich mit einem Bändchen, „Maifrost" (I. Rickers Verlagsbuchhandlung in Gießen) betitelt, wohl zum ersten Male als Poet vor. Sechs längere Gedichte, die man wohl lyrische Novelletten nennen könnte, vereinigte der Verfasser unter dem genannten Titel. Das erste Gedicht nennt er „Versehen". Es endet mit dem schmählichen Niedergange des jugendlichen „Helden", der seiner ganzen mühsam errungenen und immer wieder hervorgehobenen Gelehrsamkeit zum Trotz beim ersten Liebes-Konflikt, den ihm das Leben bringt, die Flinte ins Korn wirft unb sich in halb kinblicher Spitzsinbigkeit, die ihm selber eine Art freubiger Genugthuung zu bereiten scheint, zum gewaltsamen Tobe überrebet, um „ihr" ein paar Momente neroenkitzelnber Aufregung zu gewähren. Eine geistige Bankerotterklärung von bemitleidenswerter Jämmerlichkeit! Der Rückzug aus ber besten aller Welten wird von biefem in Jugendthorheit befangenen Gelehrten angetreten, noch ehe ber eigentliche Lebenskampf begonnen hat. Psychologisch freilich, vermeint wohl ber Autor, triumphiere sein Held gerade in dem Augenblick, wo er sich tief gebemütigt fühlt. Das wäre aber ein schwerer Irrtum, denn wer so oberflächlich unb kindlich über den Wert des Lebens urteilt wie dieser gelehrte Jüngling, wer aus so nichtigem Grunde seinen Kadaver über Bord wirft, der ist fein Triumphator, sondern ein kleinmütiger Hasenfuß. Was an dem Büchlein erfreulich ist, das ist die im ganzen leichte und anmutige Form, unb ein lauterer Kunstgeschmack. Noch aber fehlt es dem jungen Poeten an umfassender Lebenserfahrung unb eindringlicher Menschenkenntnis. Wenn er diese errungen haben wirb, beschert auch er uns vielleicht noch manches gute Buch. 'Das läßt uns bieser erste Streckersche Schritt zum Parnaß erhoffen. -o. Cossmann s Kaffee-Geschäft Lindenplatz mit schön dekorierten Porzellan- Tassen und ganzen Porzellan- Kaffee-Servicen alS 3873 Gratis-Zugaben- ■W Bekanntmachung. Nachdem der Vorstand beschlossen hat, daß künftig Dienstags, Mittwochs und Samstags, jedesmal von 8 bis 12 Uhr und Mttwoch auch nachmittags von 2 bis 4 Uhr Geschäftslage abzuhalten sind, wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß der erste Geschäftstag im neuen Gebäude — Johanuesstr. 5 — Mittwoch den 18. l. Mts. abgehalten werd. Gießen, den 9. Juni 1902. 4326 Der Direktor der Spar- und Leihkaffe Gießen. Wiener. Gascokes. tritt ^udtverordneten-Beschlusses vom 10. April b. I. PreiSemißiM msem ßnätito ein und wurden die Preise derselben bis auf weiteres festgesetzt roie folgt: Für den Lentner ab Verkaufsstelle: Stück-EokeS.............. i,io 9)5. Nuß-CokeS, ausschließlich trocken gelagert, in zwei verschiedenen Korngrößen für Stubenheizung und für weite und enge Ofenschächte passend zerkleinert: Größe Nr. 1, etwas größer als durchschnittliche Korngröße des Anthracit, gang- bar st e Sorte . . . . . . . . . 1,25 Mk. Größe Nr. 2, kleiner als durchschnittliche Korngröße des Anthracit ..... 1,30 Mk. Za Wagenladungen von Mindestens 36 Centnern: StückcokeS.......1,05 M. NntzcokeS Nr. 1.....1,20 v Nutzeokes Nr. 2.....1,25 r Bei Sutuahme von mindestens 200 Centnern: StückcokeS.......1,— Mk. Nutzestes Nr. 1 .... . 1,15 . NutzeokeS Nr. 2 .... . 1,20 M Für Cokesabnehmer, welche zwei und mehr Doppelwaggons beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 6 Pfg. pro Lentner. Für Anfuhr an daS HauS werden 5 Pfennig für den Centn er berechnet. NB. Sofern das Verbi-ingen der Cokes — bis zu 6 Centnern — auf die betr. Lagerplätze (Keller, Stall rc.) mit fehlem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. Itm Gaswerk findet nur ein Verkauf von Über 5 Centn er Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Klmmkmf dkl Emökes von 1 bis 5 Centuer eingerichtet, nämlich bei den Herren: Joh. Fischer, Alicestraße 19, H. Hof, Bahnhofstraße 33 und 84, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Ed. Klinket, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz. Kirche,wlatz 9. EmU Pistor Nachher, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Lrcherstraße 2, August Struck, Vismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgasse 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gascokes samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch m Mengen unter 5 Centnern. Die Preise unserer GascokeL für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der vetrotrückvergütuug von 4 Pfg. für den Lentner. Gießen, den 16. April 1902. 3086 Städtisches GaS- und Wasserwerk Gieße». WL'anz am 31 Dezember 1901. Aktiva. H 1. AuSgeliehene Kapitalien 261407.70 L. Kassenvorrat 7369.28 3. Ausstände 19467.26 4. Mobilien 131.40 278355.64 Passiva. JL $ L Aufgenommene Kapitalien 268097L6 2. Stammguthaben 6250.— 3. Reservefoud 2407.65 4. Kapitalkonto 1600.04 278355.64 Spar- «nb LeMaffe WahenSoni-Steinöerg Aktiengesellschaft. Philipp Schaefer. Hirz. AkademischerGesangvereinGiessen Mittwoch den 18. Juni, nachmittags 5L/Z Uhr: Aufführung* in der Stadtkirche Missa solemnis von L. v. Beethoven für Solostimmen, Chor, Orchester und Orgel. Mitwirkende: Dirigent: Grossh. UniversitÄtsmuBikdirektor 6. Traotmann. Solirien: Frl. Aenni Wlefland aus Frankfurt a. M. (Sopran). Frl. Agnes Leydhecker aus Berlin (Alt). Herr Richard Fischer aus Frankfurt a. M. (Tenor). Herr Rudolph Hellmrich aus Frankfurt a. M. (Bass). Herr Ad. Redner ans Frankfurt a M. (Violine). Herr Otto Görlaoh, Giessen (Orgel). Chor: der Akademische Gesangverein. Orchester: Kapelle des Infanterie-Regiments „Kaiser Wilhelm“, verstärkt durch auswärtige Künstler. Eintrittskarten zu 2 Mk. — Sperrsitz 3 Mk. — sind bei Herrn E. Challier zu haben. Für Studierende zu ermässigten Preisen bei Herrn Hausverwalter Storck im Kollegiengebäude. Am Nachmittage der Hauptprobe und der Aufführung befindet sich die Kartenverkaufsstelle bei Herrn Cigarrenhändler Lind, Kirchenplate. Hauptprobe Dienstag den 17. Jnnl, nachmittags 51/, Uhr. Eintrittskarten zu 1 Mk. — Schülerkarten 50 tng. — bei Herrn E. Challier. 4l8C ■Boroiheeabad, Gotha i. JhS”. xLÄ'HiB kaUesMätet^ct.s Heilanstalt. — 2 Aerzte. — Prosoektv. ; Die Geschäftsräume | Ilitsch - Amill Mlslkm - Grsklschsst Vertreter: Wilk Meyer 02657! befinden sich vom 8 F, Juni du Ja ab 8 Vleichstvaße 8, patter«. Die Annoncen Spedition Cicssener ° Hn^eigers empfiehlt sich )ur Vermittelung von Nnieigen für sämtliche Zeitungen des Jn* u- Auslandes M Onginalpreifen Versteigerung. Dienstag den 17. dss. MtS, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: 1. ein Fahrrad, 4424 2. zwei Bande Scklagwort-Ka- taloo, eineLeihoibuothek von co. 800 Bänden, eine Nähmaschine und diverse Möbel. Versteigerung zu 1. bestimmt. Born, Gerichtsvollzieher. Iahrrader Erstklassige Deutsche. Laternen Luftpumpen Glocken, Sättel Lauimäntel, Luft- schläuche,Oel,Carbid u. Flickzeug. 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