Nr. 88 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Greßener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- ilätler viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schea Ünivers.-Buch-u.Slein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Erveditton und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FrrnsprkchanschlußNr.51. Zweites Blatt. ISS. Jahrgang Mittwoch 1«. April LSOS Bezugspreis! monatlich 7öPs., viertele jährlich Alk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch die Post Mk. 2.—viertel« jährt ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilen preis: lokal I2Ps* auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. il allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ” U zeigenteil: HanS Beck. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Are Heutige Yummer umfaßt 12 Seiten. Dalitische Tagesschau. Das Attentat gegen den rusfischen Minister des Innern. Nach dem „Minister der Volksaufklärung" Bogoljepow — der Minister des Innern Ssipjägin! Man must sagen, die russischen Revolutionäre wissen ihre Opfer mit Sicherheit zu treffen. Tmitri Ssergejewitsch Ssipjägin entstammt einem alten Moskauer Aoelsgeschlechte, und ist 49 Jahre alt geworden. Man hoffte vielfach, daß er als Minister den Verfolgungen von Protestanten, Katholiken und Sektirern ein Ende machen würde. Aber er hat, wie alle anderen russischen Minister vor ihm, auch nichts neues zu thun gewußt, als die in Rußland noch immer beliebten gewaltsamen Unterdrückungen aller der Regierung unangenehmen Bestrebungen. Daß die Revolutionäre den Minister des Innern sich zum Opfer auserwählt haben, ist dadurch zu erklären, daß dieser die Hauptrolle sowohl bei der Unterr- drückung der Presse als auch b-e.1 der Bekämpfung der Straßen-Demonstratiou gespielt hat. Im übrigen wird man das Attentat nicht sowohl als gegen die Person, denn als Protest gegen das ganze Regterungssystem anzusehen haben. Minister Ssipjägin hatte das Reichsratsgebäude betreten, um sich in die Sitzung des Ministerkomitees zu begeben. Der Mörder, der kurz vorher in einer Equipage eingetroffen war, wartete auf den Minister und übergab ihm ein Schreiben. Als der Minister das Schreiben eutgegen- nahm, feuerte der Ueberbringer 4 Schüsse auf den Minister ab und verwundete ihn schwer. Der Verwundete wurde alsbald in das naheliegende Maximilianowski-Hospital gebracht. Er verschied trotz ärztlicher Hilfe nach etwa einer 6tunbc. Der Mörder wurde sofort verhaftet. Er ist, wie wir bereits in unserem heutigen Morgenblatt mitteilten, Student. Es ist bekannt, daß die russischen Studenten und Studentinnen, die „Kursistki", zum größten Teil Bevölkerungsklassen entstammen, die mit irdischen Gütern nicht gesegnet sind. Wie groß die Not unter den „Kursistki" ist, kann man aus den Angaben des kürzlich erschienenen Rechenschaftsbericht des „Moskauer Vereins zur Unterstützung Studierender^ ersehen. Ein trübes Bild sozialen Elends entrollt sich da dem Blick. Die Kursistki bringen es fertig, ihre Ansprüche so herabzuschrauben, daß sie für Wohnung, Essen und Kleidung monatlich nur drei bis sieben Rubel verausgaben. Ihre Nahrung besteht aus Thee und Brot, das Mittagessen kostet 5 bis 6 Kop. und es giebt so manchen Tag, an dem sie überhaupt nicht zu Mittag essen. Viele Kursistki schlagen sich monatelang auf diese Weise durch und wenden sich erst dann an den Unterstützungsverein, um endlich einmal chre Leibwäsche oder ihre abgetragenen Kleider und ihr Schuhwerk ausbessern zu können. r ■ ■ ■— ■ - —-...... Deutsches Keich. Berlin, 15. April. Der Kaiser hörte heute den Vortrag des Chefs des Militärkabinetts und Marinevorträge. — Für den 21. Juni ist ein Besuch des Kaiser - Paares in Wesel in Aussicht genommen. — Im Befinden des F ü r st e n von R e u ß ä. L. ist, dne in Greiz nunmehr auch offiziös zugestanden wird, seit gestern eine bedeutende Verschlimmerung eingetreten. Ter Zustand giebt zu großen Besorgnissen Anlaß. — Tie „diordd. Allg. Ztg." schreibt: Aus Wiesbaden und Frankfurt a. M. wird in der Presse verbreitet, daß nach Erledigung des ersten Flottengesetzes vom Kaiser dem Abg. Dr. Lieber ein höheres Reichsamt oder ein Oberpräsidium angeboten worden sei. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß ein derartiges Angebot niemals erfolgt ist. — Wie die „Naü-Ztg." erfährt, haben sofort nach Abschluß der Brüsseler Zuckerprämienkonvention die Vorarbeiten betreffend die Genehmigung der Konvention begonnen und sie werden derart gefördert, daß die Ein- br ingung der Vorlage im Reichstage noch vor der Unterbrechung der Sitzungen desselben bis zum Herbst zu erwarten ist. — Tie Geschäftsordnungskommission des preuß. Abgeordnetenhauses beschäftigte sich heute vormittag mit einem Anträge, dem Abg. v.' Bülow-Bothkamp die Erlaubnis zu erteilen, in einer Privatklagesache als Zeuge vor Gericht zu erscheinen. Tie Kommission beschloß, dem Plenum zu cinpfehlen, die Erlaubnis zu v erjag e n. Es wurde dabei hervorgehoben, daß dieser Beschluß keine prinzipielle Bedeutung habe, sondern nur dem vorliegenden Einzelfall angepaßt erscheine. Wilhelmshafen, 15. April. Prinz und Prinzessin Heinrich sind zur Grundsteinlegung des Seemannshaufes heute hier eingetrofsen und begaben sich, von der Bevölkerung lebhaft begrüßt, sogleich durch die reichgeschmückten und beflaggten Straßen nacl) dem Festplatze. Nach der Grundsteinlegung, bet der Admiral Thomsen die Festrede hielt, fand im Marineoffizier-Kasino ein Frühstück statt, dem auch die Spitzen der Behörden und die Leiter der See- mannshaus-Gcsellschast beiwohnten. Prinz und Prinzessin Heinrich sind um 41/2 Uhr wieder von hier abgereist. Dessau, 15. 2lpril. Eine neue landesherrliche Verordnung bestimmt, daß Personen, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, an einer öffentlichen Tanzlustbarkeit auch dann nicht teilnehmen sollen, wenn sie in Begleitung Erwachsener sind. Coburg, 15. April. In einer ösfenrlichcn Versammlung sprach der Führer der Gothaer Sozialdemokraten, Abg. Bock, dem jetzigen Ministerium Hen- tig sein volles Vertrauen aus. Den ihm vom vom „Gothaer Tagebl." verliehenen Titel eines „herzoglich sächsischen Hofsozialdemokraten" lehnte Bock ab, indem er sagte, die Sozialdemokraten seien zw arhöflich, aber würden nicht zu Hofe gehen. Karlsruhe, 15. April. ZweiteKammcr. Staatsminister v. Brauer bemertt, daß er erklärt habe, daß Baden an seiner Eisenbahnhoheit festhalten werde. Wenn er sich ein paar Worte über die Zukunft der deutschen Bahnen gestatten dürfe, so glaube er nicht, daß die preußisch-hessische Gemeinschaft vorbildlich für andere große Staaten sein werde. Er hoffe, daß eine immer größere Einheitlichkeit unter den deutschen Bahnen eintreten werde, doch könne dies nur schrittweise geschehen. Das nächste Ziel sei, zu einer völligen Personentarifgemeinschaft zu gelangen. Mit ihr werde für das reisende Publikum die Hauptbeschwerde erledigt sein. Sei dies erreicht und seien auch die Gütertarife im einheitlick>en Sinne weiter ausgebildet, dann werde eine weitere Aufgabe sein, zu gemeinsamen Wagengestellungsvorscyriften zu gelangen, um einen gemeinsamen deutschen Wagenpark zu erlangen. Alle diese Einheitsbestrebungen könnten durchgesührt werden, und die Verwaltung der Eisenbahnen könnte doch bei den Einzelstaaten bleiben. Ausland. London, 15. April. Das Unterhaus nahm den Antrag auf Erhöhung der Stempelabgaben auf Cheks, Kupons und Sichtwechsel von einem Penny auf zwei Pence an. — Schatzsekretär Hicks Beach beantragt eine Resolution, durch welche die Regierung zur Aufnahme einer Anleihe von 32 Millionen Pfund in zweidreiviertelprozentigen Konsols ermächtigt wird. Paris, 15. April. Aus Brazzaville (Weftafrika) vorliegende Depeschen vom 10. April bestätigen, daß die Eingeborenen die Faktorei N'doci am Sangha plünderten, der Direktor Labbe wurde ermordet und aufge- g e s s e n. In der Gegend des Tschadsees wurde der L e u t - n an t Pradier im Kampf mit den Tuaregs getötet. In Quesso sind zwei Kompagnien Senegalschützen eingetroffen, eine dritte ist unterwegs. Tie Regierung hofft, daß dieselbe zur Wiederherstellung der Ruhe genügen. — Im heutigen Ministerrat teilte Minister Del- casse ein Schreiben des Präsidenten Roosevelt mit, in dem Präsident Loubet ein ge laden wird, der im Mai stattfindenden Enthüllung des Denkmals des Marschalls Grafen Rochambeau in Washington beizuwohnen. Der französische Botschafter in Washington erhielt den Auftrag, Roosevelt den Dank Loubets auszusprechen. Er wird ihm gleichzeitig die Namen der Mitglieder der zur Vertpet- u n g des Präsidenten ausersehenen Abordnung mitteilen, welche sich auf einem Kriegsschiff nach Amerika begeben, sollen. Bern, 15. Llpril. Die Geschäfte der schweizerischen Gesandtschaft in Rom werden durch den belgischen Gesandten Loo weitergeführt. Der Bundesrat ließ heute der Bundesversammlung eine Botschaft betr. den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Italien Angehen. Tie Botschaft schließt: Wir bedauern aufrichtig, daß die diplomatischen Schiebungen zwischen unserem Lande und dem Nachbarstaate, mit dem uns alte Freundschaft und gemeinsame Interessen verbinden, abgebrochen sind, aber wir sind überzeugt, daß der Abbruch der Beziehungen in keiner Weise durch unsere Schuld veranlaßt worden ist. — InR 0 m wurde heute ein Grünbuch veröffentlicht, das neun Dokumente umfaßt. Wien, 15. April. Im Einlaufe des Abgeordnetenhauses befindet sich eine Interpellation Bennati über die Nichterhebung der Anklage gegen den Fasten- prediger Colleoni, der in Dignano sagte, wer sich dem Pap st widersetze, ende im Elend;Humbert sei durch eine von Gott bewaffnete Mörder Hand gefallen; man werde sehen, wie der jetzige König enden werde. Tie Voruntersuchung wurde eingeleitet und Italien davon verständigt, daß die Staatsanwaltschaft in Rovigno nicht Anklage erhebe, was die Loyalität gegen Italien in ein schlechtes Licht rücke. Der Juftizminister wird aufgefordert, im Einvernehmen mit dem Kultusminister dem systematischen Mißbrauch des Altars und der Kanzel Schranken zu setzen. (Collconi ist inzwischen aus Oesterreich ausgewiesen worden.) Washington, 15. April. Im Repräfentantenhause hat Modersott eine Resolution auf Ab s cha s f un g des Zolles auf fremde Biere eingebracht. N e w y 0 r k, 15. April. „Mail anö Expreß" sagt, Kaiser Wilhelm habe drei amerikanische Offiziere zu den deutschen Manövern eingeladen. Der Ausstand in Belgien. Während in der Provinz der allgemeine Ausstand die üblichen Gewaltszenen zeiiigt, hat in Brüssel die Menge wieder Vernunft angenommen und ihre vier großen Meetings in aller Ruhe abgelfalten. Voraussichtlia> wird der Brüsseler Ausstand nicht so allgemein werden, wie die So- üalisten hoffen, denen aus der anderen Seile durch den Beschluß einer Gruppe von Großinoustriellen des Henne- gaues, den König (im Intervention anzugehen, ein unerwarteter Sukkurs erwachsen ist. Die Zahl der Ausständigen wird z. Zt. aus 250 000 geschätzt. Am Montag sand im Volkshause eine Volksver,ammlung statt. Tie Abgg. Tesuet, Telporte und Vandc^oelde mahnten zur Ruhe, sordcrten aber zugleich die Arbeiter zur Energie und Beharren int Widerstände aus. Wir sordern eine yteform, welche in Deutschland ein Mann, der gewiß kein Sozialist war, fteiwillig durchgeführt habe, und wir werden siegen! Seit heute ist die Lage der von 1899 ähnlich geworden. Tantals habe das Gewitter eines Abends entschieden, diesmal werde das Unwetter länger dauern. Die Entscheidung liege nun bei Leopold von Coburg. Der König hatte eine längere Unterredung mit dem Minister des Innern und dem Bürgermeister von Brüssel, welche die Ereignisse der letzten Tage zum Gegenstand hatte. In Löwen sind Schulen und Universität vorläufig geschlossen worden. In Bastogne explodiere vor der Wohnung des Geheimrats Dr. Gribaumont eine Dynamit- Patrone. Der Materialschaden ist bedeutend. Personen wurden jedoch nicht verletzt. Der Brüsseler Polizei sind bisher 3000 Patronen abgeliefert worden. Während der letzten Gendarmerie-Attacke wurden zwei Frauen derart in Schrecken versetzt, daß sie an dessen Folgen gc • st 0 rben sind. Die Zugänge zur Repräsentantenkammer sind- von der Bürgergarde bewacht. Die Kammersitzung am Dienstag endete ohne Zwischenfall. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten forderte Abg. Neujean die Regierung auf, um den Bürgerkrieg zu vermeiden, die Auflösung der Kammer zu dekretiren. Cabinetschef Smet de Raeyer erklärte, diesen Vorschlag nicht annehmen zu können. Das Auflösungsrecht stehe dem König zu, die Kammer habe darüber nicht zu entscheiden. Das Gerücht, wonach die Regierung sich mit Auf-: lösungsgedanken trage, sei unrichtig. Der liberale Abg.Janson unterstützte den Vorschlag Zieujean's und erklärte, die Regierung dürfe nicht vergeffen, daß man sich vor dem- Bürgerkriege befinde. Der Abg. Woeste (Führer der Kath.) erklärte, die Regierung dürfe nicht kapttuliren und werde die Ruhestörer zur Ordnung bringen. Man verlange von der Regier nung die Demission, sie werde dies aber nicht thun. Vor dem Bankgebäude der Societö Generale in Brüssel wurde eine Bombe gefunden. Aus Stadt uud Land. Gießen, 16. April 1902. ** Um Früherlegung des Arbeiterzoges Nr. 791 haben eine große Anzahl von Arbeitern aus Lang-Göns und der Umgegend in einer Eingabe an die Kgl. Eisenbahn-Direktion zu Frankfurt a. M. gebeten. Der Zug wird 4.59 morgens von Friedberg abgelassen und trifft 5.49 in Gießen ein. Die aus der Umgegend kommenden Arbeiter, die ost 25 Minuten und mehr zu ihren Arbeitsstellen zu gehen haben, kommen deshalb häufig zu spät dort an, da die Arbett faft ausnahmslos um 6 Uhr ihren Anfang nimmt. Derselbe Zug wird, wie man uns schreibt, auch ab Station Gießen von Arbeitern benutzt, die in Lollar beschäftigt sind, wegen des dort herrschenden Wohnungsmangels, jedoch in Gießen wohnen müssen. Diese können erst um 6 Uhr in Lollar eintreffen, also gerade zu der Zeit, in der die Arbett beginnt Friedberg, 15. April. Nach längeren Verhandlungen der israelitischen Gemeinde mit dem Ministerium soll nunmehr, nachdem auch die Gesellschaft zur Erforschung jüdffcher Altertümer in Köln einen größeren Beitrag zu den Kosten der Wiederherstellung des Judenbades zeichnete, mit der Erneuerung dieses hochinteressanten Baudenkmals begonnen werden. Diese wird unter Aufsicht des Kreisamts nach den Plänen des Architekten H. Kratz dahier ausgeführt und geleitet. )( Reichlos, (Kr. Lauterbach) 15. April. Seit etwa 16 Wochen wurde die Wittwe des Kaufmanns und Gastwirts Philipp Walther von hier vermißt. Ein Landwirt aus Weidenau entdeckte nun zufällig den Leichnam der Frau in dem sog. „Sauer Bach", der sich auf dem Wege von hier nach Freiensteinau befindet. Dem Leichnam war ein Bein bis zum Knie und ebenso das eine Ohr abgefressen. Der Körper soll, wie man hört, erst wenige Tage im Wasser gelegen haben. Der Vorfall erregt in der ganzen Umgegend großes Aufsehen. ö, Grebenhain, 15. April. Dem hiesigen Landwirt Emil Ruhl sind innerhalb einer Woche zwei wertvolle Kühe plötzlich verendet, wie man vermutet an Rausch- oder Milzbran d. X Ha tmannshain, 14. 2lpril. Heute Nachmittag gegen 5 Uhr ertönte hier plötzlich der Ruf „Feuer". Es brannte die Hofraite des hiesigen Landwirts und Flurschützen Heinrich Adolf IX. Den sofort herbeigeeilten Feuerwehren gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschranken. Das zweistöckige Anwesen aber brannte vollständig ab. Das Gebäude war mit etwa 6000 Mk. versichert. Gewiß ein großer Nutzen für den Beschädigten. Das Feuer ist m der Scheune entstanden. Ob Brandstiftung vorliegt, ist bis jetzt nicht bekannt geworden. 8. Tarm8adt, 16. April. (Original-Telegr. des „Gieß. Anz.") Die Abreise des Großherzogs nach Italien wird morgen Abend erfolgen. — Gestern Mittag wurde Oberbürgermeister Morneweg zur Hoftafel gezogen. — Der Gesetzgebungs-, sowie der Sonderausschuß der Zweiten Kammer werden von Donnerstag bis Samstag hier zusammentreten, um eine Anzahl wichtiger Fragen zu erledigen. Kunst und Wissenschaft. Paris, 15. April. Der Bildkauer Jules Dalou, der Schöpfer des vor drei Jahren enthüllten Kolossaldenkmals der Republik, ist heute morgen gestorben. — Die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft ernannte den Botschafter White zum Ehrenmitglied. Die Verkündigung wird am 23. April bei der Jahresversammlung in Weimar erfolgen, die mit einem Nachruf auf die Kaiserin Friedrich eröffnet werden wird. — Prof. Josef M. Olbrich in Darmstadt ist von einer- englisch ° amerikanisch - österreichischen Mtienaesellschaft, die das Metternich'sche Bad Königswart bei Marienbad in einen Kurort größter: Stils umwandelrr will, eingeladen worden, sämtliche neu anzulegenden Baulichkeiten nach seinen Ideen auszuführen. Da sollen Hotels, Restaurants, Cafts, Theater, Kasino, Korrzerthalle, Tanz- und Vcrsammlungssäle, Ausstellungs- und Unterhaltungs- Etablissements, Wohnhärrser, hydropathische Anstalten errichtet werden. Ferner sind Gas-, Wasser-, elektrische Licht- und Kraftwerke, Tramways, Straßen usw. anzulegen. Prof. Olbrich soll sich bereits entschlossen haben, diesen Antrag, der ihn in seine engere Heimat zurückberuft (der Künstler ist von Geburt Deutschböhme) cmzunehmen. — Die Leipziger Studenten in Holland. Ein ausverkauftes Haus bereitete am Dienstag der Räuber-Ausführung der Leipziger Studenten in Utrecht einen äußerst roartnen Erfolg. Die durch die Studenten prächtig gegebenen Räuberszenen wurden auf offener Bühne stürmisch applaudiert. Zu Beginn der Vorstellung wurde stehend gesungen: „Die Wacht am Rhein" und „Wilhemus van Nassauen". — In letzter Minute entschloß man sich, wegen der Unruhen nicht nach Antwerpen zu gehen, dafür aber morgen in Amsterdam zu spielen.— Ter deutsch-holländische F e st- kommers gestaltete sich zu einem Verbrüderungsfest zwischen deutschen und holländischen Studenten; sowohl an Kaiser Wilhelm wie an Königin Wllhelmina wurden folgende Depeschen abgesandt: „Deutsche und niederländische Studenten bringen Ihrer Majestät ehrerbietigste Huldigung dar." — Ausgrabungen in Pompeji. Im letzten Heft des Be° ,richts der Wissenschaftlichen Akademie zu Rom findet sich eine interessante Betrachtung des Prof. Sogliano über die Ausgrabungen in Pompeji. In den 60er und 70er Jahren wurde offenbar gar nicht darnn gedacht, daß eines Tages die Ausgrabungen sich auch über die Mauern Pompejis hinaus würden ausdehnen muffen. Jetzt, da diese Notwendigkeit aus wissenschaftlichen Gründen sich immer mehr aufdrängt, sieht man erhebliche Schwierigkeiten vor sich. Wer in früheren Jahrzehnten Pompeji besucht hat, weiß, daß ein stattliches Bauernhaus sich gerade im Zentrum des Stadtgebiets, über der vom Seethor nach dem Sarnothor führenden Hauptstraße, dem Tecumanus Minor, erhob, neben dem der Osteingang zu den Ausgrabungen sich befand. Die letzteren hatten hier Halt gemacht und sind heute zwar im Norden und Süden neben diesen: Hause weiter vorgerückt, haben das Besitztum aber noch immer respektiert, das heute natürlich doppelt so viel wert ist als vor dreißig Jahren. Ebenso wenig wie dieses sind andere Privatgrundstücke in und bei dem Stadtgebiet rechtzeitig angekauft worden; ja man hat es mit angesehen, daß auf dem Gebiet der antiken Stadt eine immer anwachsende neue Ansiedelung und ein Wallfahrtsort mit vielbesuchter Madonnenkirche entstanden sind, wovon vor 25 Jahren noch keine Spur vorhanden war. Die Erforschung der südwärts und ostwärts von Pompeji auslaufenden Landstraßen mit ihren Grabmälern wird dadurch unmöglich gemacht. Und ebenso sind den späteren Ausgrabungen unnötige Hindernisse dadurch bereitet worden, daß die ausgegrabenen Erbmassen in nächster Nähe der Stadtmauern, wo- nicht innerhalb der letzteren, abgeladen wurden, sodaß sie zum zweiten Mal entfernt werden müssen. Die Gleichgiltigkeit, mit der man der Entstehung neuer Besitzrechte am Grund und Boden in dem alten. Stadtgebiet zngesehen hat, hat dahin geführt, daß jetzt die interessanten und reiche:: antiken Villen am Fuß des Vesuvs, wie die von Boscoreale, und die Hafenvorstadt von Pompeji in den Händen vonPrivatleuten sind, die dort auf eigneFaustNackgrabungen veranstalten. Umsonst ist die frühereLandstraße von Torre-Annunziata nach Scafati, die dicht im Süden von Pompeji hinlief, verlegt und eine Strecke von ihr seitens der Provinz 1878 abgetreten worden; die neu entstandenen Gasthöfe und Wirtschaften haben Zeit gehabt, zu ihren Gunsten Servituten zu schaffen, deren Beseitigung schwere Mühe und Opfer erheischen wird. ($rft die De Pctrasche Verwaltung hat — seit 1893 — einen Wandel geschaffen und neben der kräftigen Förderung der Ausgrabungen die allmähliche Beseitigung der privaten Mllbesitzrechte an: Gebiete der alten Stadt nicht aus den Augen gelassen. Was nicht minder wichtig ist, ist die Ausstellung eines wissenschaftlichen Planes für die Ausgrabungen neben dem technischen. Die Arbeiten sollen nunmehr auf die Lösung der großen historischen Fragen des Ursprunges, oer Entwickelung und Ausdehnung Pompejis gerichtet werden, wozu Nachforschungen längs des Sarno-Flusses, an: Meer und längs der von Pompeji aus- laufenden Straßen, insbesondere aller Gräberstraßen, notwendig sind, lieber die Anwesenheit der Etrusker, über die Beziehungen zum übrigen Italien und zum Auslande, über die Geschichte der Gegend nach der großen Katastrophe des Jahres 79 und über vieles andere kann nur so Aufschluß erlangt werden. Die Zeit ist vorüber, in der man die verschüttete Vesuvstadt nur als eine Fundstelle interessanter Museums-Objekte betrachten durste. Gerichtssaal. Leipzig, 15. April. Tas Reichsgericht verwarf die Revision des Gerichtsresercndars Karas und 7 Mitangeklagter, sämtlich Polen, welche vom Landgericht Posen am 9. Novbr. 1901 wegen Geheimbündelei zu Gefängnisstrafen bis 4 Monaten verurteilt worden waren. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers» München, 16. April. Aus Anlaß des 7 0. Geburtstages Wilhelm Busch's fand gestern abend im Künstlerhaus ein Festmahl statt, an dem Prinz Rupprecht teilnahm. Erste Kräfte der hiesigen musikalischen Welt trugen Lieder und Konzertstücke vor. Kunstmaler Prof. Stieler hielt eine warmempfundene Ansprache, in der er Busch als Philosophen und Künstler feierte. Einige kleine von Busch gedichtete, in Musik gesetzte lustige Szenen wurden aufgeführt. An Busch wurde eine Adresse mit den Unterschriften der Festteilnehmer und ein Glückwunschtelegramm abgesandt. London, 16. AprU. Die „Daily Mail" erfährt, iu den Friedensverhandlungeu fei eine Stockung eingetreteu. Das Ministerium lehnte absolut und einst.mmig das dringende Ersuchen der Burenführer um Waffenstillstand während der Verhandlungen ab. Man erwarte nicht, daß dies zum Weggang der Burenfuhrer von der Konferenz führen werde. Aber die Frage der Amnestie und Kitcheners Verbannuugs- Proklamation drohten einen Stillstand herbeizuführen. Milner kam auf Weisung der britischen Regierung von Johannesburg nach Pretoria, um festzustellen, was die Buren als unreduzierbare Mindestforderungen aufstellteu. Die Grundzüge der Burenforderungen, die gelegentlich in Pretoria aufgestellt wurden, find folgende: Sie erklärten sich zu allgemeiner Uebergabe bereit und find mit dem Verlust der Unabhängigkeit einverstaudeu, verlangten aber den Wiederaufbau und die Wiederausstattuug der Farmen, Amuestierung der aufständischen Kolonialburen unter denselben Bedingungen wie die der Burghers, Zurückziehung der Verbannungsproklamation und Beachtung der von der englischen Regierung in Ausficht genommenen Frist, innerhalb welcher in den Burengebieteu wieder eine repräsentative Regierung eingesetzt werden soll. Schließlich solle England die gesetzliche Verpflichtung der Regierung übernehmen. London, 16. April. Ueber die bei den Friedens- Verhandlungen aufgetretenen Schwierigkeiten wird gemeldet: Milner ließe weniger mit sich reden als früher. Er sei verantwortlich für die Schwierigketten, welche während der Verhandlungen entstanden sind. Die Buren verlangen eine Entschädigung von 5 Millionen Pfund. Außerdem fordern sie die Einsetzung einer verantwortlichen Regierung und die Anerkennung aller Schulden, welche von beiden Republiken gemacht worden sind. Zn der Hauptsache drehen sich aber die Verhandlungen um die Frage betreffend eine verantwortliche Regierung. London, 16. April. Ter gestrige Kabinettsral faßte noch keine definitive Beschlüsse. Es werden weitere Mitteilungen von Kitchener erwartet und man glaubt, daß das Kabinett heute wieder zusammentreten wird. London, 16. April. In Kreisen, die in nahen Beziehungen zum Hofe stehen, wird versichert, daß vor einigen Tagen eine hohe holländische Persönlichkeit nach London gekommen sei, um zu Gunsten der Buren einzuwirken. Der König habe aber die nachgesuchte Audienz abgelehnt unter Hinweis darauf, daß solche Verhandlungen nicht ohne Mitwirkung der Kabinetts-Mitglieder gepflogen werden könnten. Die betreffende Persönlichkeit sei darauf unverrichteter Sache wieder abgereist. Loudon, 16. April. Eveuing Post berichtet aus Neu- York: Tie amerikanischen Firmen Morgan, Barmg und Magoun haben es unternommen, 125 Millionen der neuen englischen Anleihe zu zeichnen. London, 16. April. Nach der „Times" wird die neue Anleihe sofort zur Zeichnung aufgelegt, und zwar zum Kurse von 93'/,. „Standard" bestätigt diese Meldung und fügt hinzu, daß die Hälfte der Anleihe bereits privat untergebracht ei, wovon 5 Millionen von führenden New-Yorker Bankhäusern übernommen seien. B r ü s s e l, 16. April. Die Erklärung der Regievung, Laß ie nicht die Initiative zur Auflösung der Kammer dem Könige Vorschlägen könne, scheint die Lagezuver schlimmer n. Die Stadt war gestern abend wie ausgestorben. Aus polizeiliche Empfehlung hin schlossen um diese Zeit die Läden. Jeder Verkehr stockte aus Angst vor Gewalt- thaten der Streikenden. Selbst die Droschkensührer wollen heute in den Ausstand eintreten. Das internationale sozialistische Bureau erlieHI gestern einen Aufruf an die Solkda- rität aller internationalen Arbeiter zum Zwecke motialU scher und materieller Unterstützun-g der belgischen Genossen. Tie Polizei nahm wenige Verhaftungen vor. Die Zahl der Streikenden wächst noch immer. Tie meisten Arbeitgeber der Brüsseler Metall-Industrie unterstützen die Aus- standsbewegung ihrer Arbeiter und zahlen hohe Löhne. — Tie Advokaten aller Parteien gründeten ein Komitee, um arreftierte Manifestanten ohne Entgelt vor Gericht zu verteidigen. Amsterdam, 16. April. Das Amtsblatt veröffentlicht folgendes Bulletin: Die Königin ist seit einigen Tagen unwohl und hütet das Bett. Die Ursache ist allgemeines Krankheitsgefühl und Erhöhung der Temperatur. Wien, 16. April. Der Spiclerprozeß gegen die Mitglieder des Jockeyclubs fand in der gestrigen Comite- sitzung ein Nachspiel, indem der Klubpräsident, Graf Collo- redo-Mansfeld, der Vizepräsident Fürst Auersperg, der Renndirector und ein Teil des Vorstands, soweit er der Sitzung beiwohnte, ihre Mandate niederlegten. Petersburg, 16. April. Zu der Ermordung des russischen Ministers Ssipjägin wird gemeldet: Gegen 1 Uhr mittags übergab ein in Adjutanten- Unisorm gekleideter Unbekannter dem Minister bei dessen Ankunft im Vestibül des Reichsrats-Gebäudes ein versiegeltes Kouvert mit dem Bemerken, er habe es im Auftrage des Großfürsten Sergius zu überbringen. Im selben Moment feuerte er vier Schüsse auf den Minister ab und traf ihn tätlich. Gestern abend fand im Ministerium eine Totenmesse für den verblichenen Minister statt, welcher der Zar, die Zarin, sämtliche Großfürsten, die Minister, der deutsche Botschafter Graf Alvensleben, sämtliche Tevarte- mentschess und idie Beamten der Ministerien beiwohnten. Tie Leiche war zwischen tropischen Gewächsen aufgebahrt. Tas Zarenpaar war tief bewegt. Nack) Beendigung der Messe begab sich der Zar und die Zarin in ihre inneren Gemächer, wo die Witwe Ssipjägins längere Zeit verweilte. Washington, 15. April. Bezüglich der Untersuchung gegen Maier Waller in Manila, wegen der gegen ihn erhobenen Anklagen unerhörter Grausamkeit gegen Filipinos und bezüglich Wallers Freisprechung wies der Kriegssekretär General Chaffee an, wenn die Blättermeldungen über die Untersuchung gegen Waller richtig feien, den General Smith, auf dessen Instruktionen hin Waller gehandelt haben soll, vor das Kriegsgericht zu stellen. Washington, 16. April. Ter amerikanische Geschäftsträger in Berlin Jackson telegraphierte an den Staatssekretär Hah, der deutsche Kaiser ersuchte ihn, bei Entgegennahme der Dankadresse der Havard-Universität, nochmals seinen Dank für alle dem Prinzen Heinrich in den Vereinigten Staaten bewiesene Freundlichkeit in Washington amszudrücken. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. M.. 16. April 1902. 378% Reichsanleihe . . 101.75 8% do. ... 92.16 37,0/0 Konsols .... 101.75 3% do.....91.90 372% Heesen .... 100.10 3% Hessen ..... —.— 426 Oesterr. Goldreine . . 102.50 47,56 Oesterr. Silberrente 101.70 4% Ungar. Goldrente . . 101.10 4°/, Italien. Rente . . . 100.90 47a% Portugiesen . . . 43.50 3 imheuser ßamea-lSoden Markt 9-10. Herren-Moden Damen-Mäntel Kkfoerft* Anfertigung nach Erlass- Tinoxa ist das beste, sicherste Mittel gegen Motten. Pack 20 Psg. Adler-Drogerie Leltcrsweg39 Otto Schaaf. 2143 Ä!k- null Mrimmck, Imchiegelei Äug. Gabriel jr., Gießen. L94« Massen-Fabrikakion. Bahnanschlüsse. Werke. Abendster«. Schöne Aussicht Schöne Aussicht Alb. Kuhnd, Aesther 2754 iTj Allein-Verkauf der berühmten Fabrikate 0. Herz & Co., A.-G. Billige Preise. IW Gute Bedienung. 1081 2910 im Gambrinus. 3072 2015 la. Mittwoch, Donnerstag, Freitag WLZ? la. Schellfisch 3065 Fluß- und Seefische 2346 empfiehlt zum Waschen u. 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