-stv. 13 Erscheint tSglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Kamilien- btätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brü h l'schen Univers.-Buch-u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei: Gchulstratze 7. Adresse für Depeschen: «u-eiger Gießen. FernsprkchanschlußNr.51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Donnerstag 16. Januar 1003 GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger ** ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen VezngSvreis: monaUich75 Pf., viertel- jährlich Mk. 2L0; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.—viertel- jährt. ausschl. Bestcllg. Annahme von Anzeigen für dre Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprcis: lokal 13 Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. öligem. Teil: P. Wittko; für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal":R.Ditt' mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck Die heutige Kummer umfaßt 10 Seite« Politische Tagesschau. Graf Bülows Sorgen. Mrs Berlin, 15. Januar, wird uns geschrieben: Wer in diesen Tagen Gelegenheit hatte, den Grafen Bülow im Parlament zu sehen, gewann den Eindruck, daß der Reichskanzler mit ernsten politischen Sorgen zu kämpfen bat. Graf Bülow sieht abgespannt, überarbeitet aus, er besitzt zwar Selbstbeherrschung genug, um in Haltung und Miene die ihm gewohnte Ruhe und Kaltblütigkeit auszu- vrägen, aber ein schärfer hinvlickender Beobachter bemerkt doch, daß es eben die Kvaft des Willens ist, vie der Env- psindungen Herr wird. Graf Bülow folgt den Rednern mit gespannter Aufmerksamkeit — das geht ja auch aus den Erwiderungen hervor, bei der Etatsdebatte im Reichstag, bei der Polen-Debatte im preußischen Abgeordnetenhause; trotzdem hat es zuwellen den Anschein, daß ihn Fragen beschäftigen, die weit abliegen von dem Gegenstände der parlamentarischen Erörterung. So ausgezeichnet insbesondere die Polen-Rede des Grafen Bülow war: der Sprecher hatte nicht in dem vollen Maße wie sonst die Sicherheit, die mühelose Leichtigkeit des Vortrags. Man ist gewohnt, vom Gra fen Bülow so gleichmäßig dahin fließende Sätze, ohne jegliche Verlegenheitspause, ohne jedes „Sichversprechen" LU Kören, daß die lleinste Stockung oder die korrigierende Wiederholung von Worten auffällt. Jene heitere Gelassenhell, dre so häufig in kritischen Momenten angenehm beruhigend auf das Parlament wirkte, — eS sei nur an die Beantwortung der Interpellation über die deutschen Dampfer-Beschlagnahmen von englischer Selle erinnert — jener liebenswürdige, alles von der besten Seite nehmende Optimismus und Humor kamen in den jüngsten Reden des Kanzlers nur an wenigen Stellen zum Durchbruch. Auch [in den Gesten war Graf Bülow unruhiger, nervöser als er sonst zu sein pflegt. Mll dieser En^gie und Schärfe spricht jemand, der einen starken Unmut sich von der Seele wälzen will. .... Es ist nur zu begreiflich, daß die erregten Formen, welche die deutsch-englischen Auseinandersetzungen nach der Bülow'schen Rede über Chamberlain und den Dreibund sehr bald annahmen, llr erster Reche den Reichskanzler beschäftigt haben. Daß Graf Bülow nicht die Zustimmung des Kaisers zu dieser Erklärung gefunden, ist eine von der englischen Presse aufgestellte Behauptung, wobei der Wunsch der Vater des Gedankens war. Aber es läßt sich immerhin annehmen, daß der Kaiser diesen neuen Zwist zwischen England und Deutschland gern aus der Well geschafft sieht und dem Kanzler gegenüber den Wunsch aus- gedrückt hat, das Seiniae dazu beizutragen. Man kann eine Versöhnung, ein friedliches Einvernehmen sehr lebhaft erstreben, trotzdem es rückhaltlos billigen, daß Anmaßungen und Beleidigungen eine entsprechend kräftige Antwort er- sahreu Wir sind überzeugt, daß Graf Bülow, bevor er Herrn Chamberlain in die Schranken wies, sich der Billig- üng seiner Ausführungen au der maßgebenden Stelle versichert hat. Es handelte sich ja um kerne spontane Allion, sondern um eine Stellungnahme, aus welche die Oeffentlich- ckell feit langem vorbereitet war. Heute, Mittwoch mittag hat der Kaiser den aus Eng- sland zurückgekehrten Chef des Marinekäbinetts, Freiherrn to. Senden-Bibran in Audienz empfangen. Freiherr w. Senden hat dem König Eduard ein kaiserliches Schreiben überreicht. Die Vermutung liegt nahe, daß Herr von (Senden auch ein Schreiber: des Königs zurückgebracht hat. Db nun die Auffassung im Recht ist, daß am englischen Hofe Der Zwischenfall Bülow-Chamberlain mehr als eine persönliche Auseinandersetzung der beiden Staatsmänner betrachtet 'wird, oder ob diejenigen Recht haben, die von einer ernsten ÄZerstimmung auch des englischen Hofes sprechen, das dürfte -sich bald Herausstellen. Der Besuch des Prinzen von Males zum Geburtstage des Kaisers war in Aussicht gestellt werden. Ein Londoner Blatt hat es sich eine Extra- Ausgabe kosten lassen, der Welt mitzuteilen, der Besuch 'werde verschoben werden. Indessen ist bisher von einer Absage des englischen Thronfolgers nichts bekannt an unter- gTichteten Stellen. Der Fall Chamberlain war u. E. eine vorübergehende -Sorge. Dagegen wäre es zu verstehen, wenn der Gang der Dinge in der Zolltarif-Kommission den Grafen Bülow auf das äußerste verstimmt. Die erste Beratung des Entwurfs lln Reichstag ließ sich so hoffnungerweckend an. Aber die Obstruktion, die auch in der heutigen Sitzung der Kommission mll vollständigem Erfolge operierte, scheint unbesiegbar. Und das Gefährlichste ist, daß auch die Freunde der Tarif- Vorlage reichlich Zeit bekommen, sich auf Bedenken und Anträge zu besinnen. Eine solche zerfahrene Situation kann schon den leitenden Staatsmann nervös machen! Für die alten Krieger! Aus dem Reichstage schreibt man uns uuterm 15. Januar: In Dr. Arendt (Rp.) und dem hessischen Grafen Oriola (nclll.) besitzen die alten Soldaten, die Kriegsinvaliden Und Veteranen, zwei unermüdliche parlamentarische Anwälte. Es ist in hohem Grade anerkennenswert, daß diese Volksvertreter ' der Regierung immer wieder „das Gewissen schärfen" und auf eine finanzielle Aufbesserung der Kriegsteilnehmer drängen- Bei Begründung feiner diesbezüglichen Interpellation forderte Dr. Arendt heute in warmherziger Weise die Bereitstellung der entsprechenden Geldmittel in einem Nachtragsetat. Wenn auch die gegenwärtige Finanzlage ungünstig sei, so, lverde und müsse für die allen Soldaten Hilfe sich schaffen lassen! Die Antwort des Reichsschatzsekretärs dürste in den beteiligten Kreisen schwerlich Genugtuung erregen. Frhr. v. Thiel- mann hielt, gewohnten kühlen Tones, einen langen Vortrag, in dem gar viel vom „Wohlwollen" der Regierung die Rede war. Doch: „Man spricht vergeblich viel, um zu versagen. Der andere hört von allem nur das Nein". Der Reichsschatzsekretär hielt sich streng an die Bestimmungen — an den „Buchstaben", meinte Graf Oriola — des Gesetzes, unterschied scharf zwischen unterstützungsberechtigten Invaliden und den rnchtberechttgten „Anwärtern", den Veteranen, verwies auf die verfügbaren Mlltel, durch die dem Wohlwollen eine Grenze gesetzt werde, wie auf die „Untuft" des Reichstags, neue Steuerquellen zu erschließen, und vertröstete schließlich auf eine — finanziell — „bessere Zukunft". Der Reichstag war einig im Gefühle lebhaften Unmuts über diese Antwort; es fielen bittere Worte über das „arme" deutsche Reich, das nicht im stände sei, seiner Ehrenpflicht gegen die bedürftigen Vaterlandsverteidiger angemessen zu genügen- „Man stelle die erforderlichen Millionen sofort in den Etat ein, und überlasse die Verantwortung getrost der Vollsvertretung!" — mit Donnerstimme rief's der konservative Württemberger Abg. Schrempf dem Reichsschatzsekretär zu, unter dem einhelligen Beifall der Versammlung. Die Regierung kann nach dem Verlauf der heutigen Debatte nicht mehr im Zweifel sein, daß schon das System, das bei der Beurtellung der Unterstützungsbedürf- tigkell obwaltet, den Wünschen und Intentionen des Reichstags nicht entspricht. Hier hätte also zunächst Remedur einzutreten. Es berührte peinlich, daß der Schatzsekretär von einer tellweisen „Begehrlichkeit" der Veteranen sprach. Dies herbe Wort hätte vermieden werden sollen. Man versteht überhaupt nicht recht, daß die Regierung -in dieser Sarde eine Zauderpolllik für angebracht hält. Niemals würoe doch eine Etatsforderung bereitwilliger und einmütiger bewilligt werden, als eine solche zu Gunsten der bedürftigen Kriegsveteranen. Hier ist eine Gelegenheit, den „Jnponderabilien" Rechnung zu tragen, die Fürst Bismarck bekanntlich nicht gering bewertete. — In der Debatte wurde auch des Projetts der Wehrsteuer Erwähnung gethan. Abg. Stadthagen (Soz.) empfahl an deren Stelle eine Reichs-Ordenssteuer, wenn das Geld für die Veteranen anders als durch eine neue Steuer nicht beschafft werden könne. Die Budgetkommission des Reichstages wird, beim Etat des Reichs-Jnvalidenfonds, sich mit der Frage der Veteranenfürsorge weiter beschäftigen und fte hoffentlich der wünschenswerten Lösung zufühven- Deutsches Deich. Berlin, 15. Jan. Zur gestrigen Mittagstafel im König! Schloß war der österr.-ung. Botschafter von Szö g- yeny-Marich geladen. Am Abend wohnte der Kaiser im Offizier-Kasino des Leib-Garde-Husar en-Regiments einem Vortrage des Leutnants von Stolzenberg über dessen Erlebnisse in China bei- Heute morgen hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Zivilkabiuetts Wirll- Geh. Rats Dr. von Lucanus und des Landwirtfchaftsministers von Podbielstt. Um 12 Uhr empfing Se. Majestät den Chef des Marinekabinetts Vize-Admiral Frhr. v. Senden- Bibran nach dessen Rückkehr aus England. Die „Nordd. Allg. Ztg." schrellt: Der Pariser „Matiu" bezeichnete kürzlich eine Berliner Meldung, wonach der Kaiser bei der 25. Wiederkehr des Tages seiner Einstellung in die preußische Armee eine „große Rede" halten werde. Welcher Wert dieser Meldung beizulegen ist, er- giebt sich daraus, daß der Kaiser bereits im Jahre 1894 das 25. Jubiläum seiner Zugehörigkeit zur Armee begehen konnte. — Der „Post" zufolge ist an den hiesigen beteiligten Stellen von einer Absage des geplanten Besuches des Prinzen von Wales in Berlin anläßlich des Geburtstages Kaiser Wilhelms nichts bekannt- — Prinz Heinrich tritt seine Amerikareise mit dem Schnelldampfer „Kronprinz' Wilhelm" des Norddeutschen Lloyd am 15. Februar an. Nach einer Meldung aus London ist unter den Festlichkeiten, die in New-Pork geplant werden, ein Kommers lln Rathause vorgesehen. Wegen der Kosten wird dem Kongreß eine entsprechende Forderung unterbreitet werden. Ob Prinz Heinrich als Gast der Nation in der deutschen Botschaft oder beim Präsidenten Roosevelt in Washington Wohnung nehmen wird, dürfte von seinen eigenen Wünschen abhängen. Wahrscheinlich wird das Kriegsschiff „Illinois" dem Prinzen zur Begrüßung entgegengesandt werden. — Das nordatlantische Geschwader, das den Prinzen auf hoher See begrüßen wird, soll vom Admiral Evans befehligt werden. — Wie in der heutigen Sitzung der Budaetkom- Mission des Reichstages mitgeteilt wurde, wird der Zen- trumsabg. Dr. Lieber in den nächsten Tagen an den Arbellen des Reichstags, besonders der Budgetkommission wieder vollen Anteil nehmen. Die Budgetkommission stellte den vom Abg. Prinzen Arenberg bearbeiteten Bericht über den Gesetzentwurf betreffend die Uebernahme einer Garantie des Reiches in Bezug auf eine Eisenbahn von Dar-es-Salaam nach Mrogoro fest. — Tie Interpellation Radziwill über die Wreschener Vorgänge scheint, nach einer Berichterstattermeldung im Reichstage vorläufig zurückgestellt zu fein- Es herrscht an offiziellen Stellen mit Rücksicht auf die polnische Interpellation im Abgeordnetenhaufe wenig Neigung, die Verhandlung im Reichstage fortzuführen. — Der schweizerische Gesandte Dr. Roth konnte heute am Jubeltage seiner 25 jährigen amllichen Thätigkell in Berlin zahlreiche Ehrungen entgegennehmen. Der Kaiser sandte mit einem Handschreiben eine kostbare Vase aus der König! Porzellan-Manufaktur. In Vertretung der deutschen Reichs-Regierung erschien der Reichskanzler Graf Bülow und der Staatssettetär Freiherr v. Richthofen. Im Äufttage des schweizerischen Bundesrats war der derzeitige Wiener Gesandte gekommen, um eine Adresse und einen kostbaren Tafel-Aussatz zu überreichen. Die Vorstände der schweizerischen Wohtthätigkeits-Gesellfchaft, des Schweizer Vereins und Schweizer-Klubs hatten eine Abordnung entsandt, die eine kunstvolle Adresse überreichten. Während, des ganzen Tages erschienen zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps und persönliche Freunde, um dem Jubilar ihre Glückwünsche auszusprechen. — Heber die Duellforderun gen im Falle Endell schrellt man aus Posen: Major a, D. Endell hat dem Vorsitzenden des Hakcllistenvereins, v. Tiedemann, sowie einem Landrat der Provinz Posen durch einen Kartellträger Fragen vorlegen lassen, ob sie die Verfasser oder Urheber des Artikels in der „Tägl- Rundsch." seien. Falls sie die Fragen nicht zu verneinen vermöchten, hatte der Kartellträger den Herren eine Herausforderung auf gezogene Pistolen und Kugelwechsel bis zur Kampf- unfähigkett zu überbringen. Beide haben die sonderbare Zumutung, sich ausfragen zu lassen, abgelehnt und damit auch die Forderung des Majors Endell, die Angelegenheit im Wege des Zweikampfs auszutragen. — Die Zolltarif-Kommission des Reichstages (vgl. Parlamentsbeilage) verhandelte heute auch über einen Antrag Bebel, der das Klagerecht desjenigen feststellen will, der sich zur Entrichtung eines zu Unrecht erhobenen Zolles nicht verpflichtet glaubt oder gegen die Höhe desselben Einspruch erheben will. Ueber diesen Antrag, der auch von feiten der Freisinnigen unterstützt wurde, fand eine lange Debatte statt. Die Freisinnigen wiesen darauf hin, daß ein ähnlicher Antrag bereits vor Jahren bei dem ersten Zolltarif vorn Abg. Hausfeld gestellt worden sei. Der sozialistische Antrag wurde schließlich gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten ebenfalls abgelehnt. — Ueber die finanziellen Ergebnisse der preußischen Einkommensteuer-Veranlagung für 1901 entnehmen wir der erwähnten amtlichen Statistik folgende Angaben: Auf den Kopf der Bevölkerung entfallen im Staat 4,94 (4,73) Mk. Änkommensteuer, in den Städten 8,61 (8,34), in den Stadtkreisen 11,27 (11,11), auf dem Lande nur 2,15 (2,03) Mk. Abgesehen vom Stadt- tteis Berlin, der mll 14,10 Mk. well obenan steht, ist der Betrag in Hessen-Nassau am höchsten, mit 8,17 Mk. auf den Kopf. Von den Regierungsbezirken steht Wiesbaden mit 11,69 obenan, Gumbinnen mit 1,45 Mk. untenan. Br annsch weig, 15. Jan. Heute wurde der Braunschweigische Landtag eröffnet. Staatsminister von Otto teilte mit, daß der Etat zwar mit einem erheblichen Fehlbetrag ab sch ließe, daß derselbe aber ohne Erhöhung von Steuern durch Ueberschüsse ftüherer Jahre gedeckt werden könne. Köln, 15. Jan. In der Vorftandssitzung des in- j dustriellen Verein s kam u- a. auch der neue Zoll- w tarifenttourf zur Sprache, und zwar in der Fassung, wie er dem Bundesrat zugegangen ist. Es waren zum Teil Erhöhungen der vorgeschlagenen Zolltarifsätze, zum Teil auch Ermäßigungen verlangt worden. Darunter befinden sich auch Beschwerden der rheinischen Thonindusttie über Herabsetzung der Zollsätze, für die die amtliche Begründung nach Ansicht des Vorstandes keine genügende Erklärung gebe. Es wurde beschlossen, auch diese Aeußer- ungen zur Kenntnis des Zentralvorstandes deutscher Industrieller zu bringen, dessen Ausschuß in einigen Wochen zur Beratung des Zolltarifentwurfes zusammenireten wird- M ün ch en, 15. Jan. Bei der Beratung des Postetats in der Kammer der Abgeordneten sprachen sich alle Redner energisch für d i e B e i b'e h a l k u n g des bayerischen Postreservats aus- Bezüglich der eigenen bayerischen Postmarken forderte allein Diehl (pfälzischer Llleraler) die Einführung einer deutschen Einheitsmarke. Ministerpräsident Graf von Crailsheim ertlärte: Ich lege der Sache keine nationale Bedeutung bei und ich glaube, wir können sehr gute Deutsche sein, wenn wir auch unsere bayerische Marke behalten. Die bestehenden Abmachungen würden bei Aufgabe der eigenen Postmarken verschoben. Ich bin der Ansicht, daß durch die Einführung der Einheitsmarke unser Reservatrecht berührt und bis zu einem gewissen Grade beeinträchtigt wird. Aus diesem Grunde kann die bayerische Regierung die Hand zu einem solchen Vertrage nicht bieten- Ausland. Kopenhagen, 15. Jan. Bei der heutigen zweiten Beratung her Etatvorlage im Folkething sprach sich der Minister Deuntzer anläßlich des s o z ia l d e m o k r a t i s ch e n Antrags auf Eins chränkung b er diplomatischen Ver tr etun g Dänemarks dahin aus, daß Dänemark selbstverständlich nicht große Politik nach außen treiben solle, aber bei jeder Gelegenheit die Unabhängigkeit und Selbständigkeit mit Festigkeit verteidigen müsse. Die Politik der Gegenwart beruhe in hohem Grade auf wirtschaftlichen Interessen, und hier müsse Dänemark ebenso gut seine Interessen wahren, wie die Staaten, und dürfe die diplomatische Vertretung nicht ab schaffen, was dem Lande schaden könne. Möglicher- weise würde es sogar in Zukunft notwendig werden, in Ostasie n einen Gesandten zu haben. Brüssel, 15. Jan. Die Aertte Tirirad und Bourne-> Caere find niach Spa Mr Königin berufen worden. Man trimmt an, daß der Gesundheitszustand der Königin sich neuerdings verschlimmert hat. Paris, 15. Jan. Die Reise des Präsidenten L o u b e t »ach Petersburg soll, wie nunmehr verlautet, in den Ersten Tagen des April stattfinden. Das den Präsidenten begleitende Geschwader wird unter dem Befehl des Admirals Gourdon stehen. Konstantinopel, 15. Jän. Gestern hat die Pforte ■mit 350 000 türkischen Pfund die Rate der russischen Kriegsentschädigung bezahlt, die am 1./14. Jan. fällig war. San Sebastian, 15. Jan. Volkshaufen veranstalteten Kundgebungen, weil die Gemeindebehörden eine beliebte Volksbelustigung verboten hatten. Das Stadthaus und zahlreiche Privathäuser wurden mit Steinen beworfen. Der Präfekt wurde ausgepfiffen. Die Gendarmerie und das Militär mußte eingreifen und von der Waffe Gebrauch machen. Viele Personen wurden verwundet. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Vom Burenkrieg. Wie dem „Reuterffchen Bureau" aus Lindley vom 13. d. M. gemeldet wird, soll sich Dewet nordöstlich vom genannten Platz befinden. Aus London wird vom 15. Januar gemeldet: Der König besichtigte heute 1300 Mann Gardetruppen, die sich morgen nach Südafrika einschiffen. In einer Ansprache em die Mannschaften sprach der König die Hoffnung aus, daß der Krieg bald zu Ende geführt werde. — Das wird ganz an ihm liegen. Er kann zu jeder Stunde einen Frieden ab- .schließen, der für beide Telle rühmlich wäre. — In Londoner »City-Kreisen verlautet, der holländische Ministerpräsident habe -einen Tag in London geweilt, um sich zu vergewissern, unter welchen Bedingungen der Krieg in Südafrika durch einen für beide Teile ehrenvollen Frieden zum Abschluß gebracht werden könnte. Der Ministerpräsident soll nicht direkt mit Salisbury, Lcmdsdowne und Chamberlain, sondern mit anderen leitenden Persönlichkellen, die der Regierung nahestehen, konferiert haben, lieber das Ergebnis der Verhandlungen ist nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen. Ein Vortrag, den der Burenführer Sandberg im Chatelet- Thecller zu Paris am 14. ds. Mts. zu gunsten der Buren- Stiftung hielt, hat eine Einnahme von 12000 Frs. ergeben. Aus SIM und Iand. -Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, den 15. Januar 1902. — Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat dem Kammerherrn Maximllian Frhrn. v. Bellersheim den -Rang eines Kammerherrn mit Hofcharge d. h. diensühuenden 'Kammerherrn und dem Arbeller H. H e ß I. zu Rumpenheim, lim Dienst der Firma Dick u. Kirschten in Offenbach, das Allgemeine Ehrenzeichen mll der Inschrift „Für treue Arbeit" verliehen. — Ernannt wurde der Hilfsschaffner bei der Main- Neckar-Bahn Ehr. Schmidt aus Bickenbach zum Schaffner ;bei dieser Bahn. ** Das Krankenkaffenwesea im Großherzogtum Hessen. -Einer statistischen Zusammenstellung über das Krankenkassen- wesen im Großherzogtum Hessen vom Jahre 1899 entnehmen Wir, daß in diesem Jahre sich im Großherzogtum 1007 Krankenkassen befanden, von diesen haben in diesem Jahre 609 mit einer Ueberschuß-Einnahme und 398 mit einer Mehrausgabe als Einnahme gewirtschaftet. Die Gesamteinnahme .aller Krankenkaffen betrug 4,269,909 Mk., darunter 3,492,999 Mark Beiträge der Arbellgeber und der Arbeitnehmer. Die ^Gesamtausgaben beliefen sich auf 3,992,745 Mk. und kamen 'davon auf Krankheitskosten allein 3,168,198 Mk. Das Rein- Ivermögen der Kaffen beträgt 3,269,164 Mk. Auf ein Kasse- ! Mitglied berechnen sich die Krankheitskosten auf 14,29 Mk. 'im Jahr, die Aufwendungen für jeden einzelnen Krankheits- :fall hingegen betrugen 37,90 Mk., auf einen Krankheitstag 2,23 Mk. * * Die Sterbekaffe des Heff. Landesgewerbevereins hatte im abgelaufenen Jahre eine Einnahme von 18377 Mk., denen 16 600 Mk. Ausgaben gegenüberstehen. • * In die hiesige Klinik mußte sich ein Holzhauer aus Ruppertenrod begeben. Er hatte im Walde beim Holztragen einen Stoß in das Auge erhalten. Er hielt die Verwundung anfangs für nicht gefährlich. In der Klinik erfuhr er nun zu seinem Schrecken, daß das Auge rettungslos verloren sei. * * Dienstpflicht in den Niederlanden. Unter Hinweis auf das Inserat in der gestrigen Nummer machen wir auch an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß alle Niederländer, die in Deutschland wohnen, in ihrer Heimat dienstpflichtig sind. Die im Jahre 1883 Geborenen haben sich vor dem 31. Januar 1902 zur Ziehung zu melden. + Heuchelheim, 15. Jan. Die Hausschlachtungen sind größtenteils beendet; während in früheren Jahren in vielen Haushaltungen im Laufe des Winters zweimal geschlachtet wurde, haben diesmal sich zahlreiche Besitzer mit einer „Hauptschlacht" begnügt, ja viele Familien bei den hohen Schweinepreisen überhaupt nicht schlachten können. Die fetten Schweine werden nach wie vor mit 64 Pfennig das Pfund verkauft, ein Preis, wie er wohl noch nicht erzielt worden ist. b. Bettenhausen, 15. Jan. Dem Lehrer Krug er wurde die hiesige Schulstelle definitiv übertragen. Kruger erfreut sich großer Beliebtheit in unserer Gemeinde. E. Ermenrod, 15. Jan. Unserer Bürgermeisterwahl war die behördliche Genehmigung nicht zu teil geworden. Der Kreisausschuß bestätigte die behördliche Entscheidung und verwarf die Wahl. Der Provinzialausschuß dagegen, an den Rekurs erging, hob das Urteil des Kreisausschusses auf und bestätigte den Gewählten in seinem Amt. — Ober-Ohmen, 15. Jan. Die Preise bei der ersten Brennholzversteigerung in den Frhrl. Riedesel'schen Waldungen, Revier Ober-Ohmen, zeigen im Vergleich zu den vorjährigen eine bemerkenswerte Verbilligung. Die Hoffnnung, daß das Sinken der Werk- und Bauholzpreise auch ein Herabgehen der Brennholzpreise int Gefolge haben würde, hat sich demnach als berechtigt erwiesen. Bezahlt wurden für vier Raummeter Buchenscheitholz 1. Klasse ausnahmsweise 30 und 31 Mk. (sonst 27 bis 28 Mk.) gegen 38 bis 40 Mk. im Vorjahre, für Buchenscheitholz 2. Kl. und geringerer Güte 22 bis 24 bezw. 26 Mk., für gewöhnliche Buchenprügel 18 bis 20 Mk. Auf den vorjährigen letzten Holzversteigerungen in anderen Waldungen waren die Brenn- holzpreise gleichfalls schon unter dem normalen Tarif. Die Folge davon soll eine starke Verminderung des Holzschlagens sein. Alsfeld, 15. Jan. Am nächsten Sonntag hält im Gasthaus zum „Mainzer Hof" hier Handelskammer-Sekretär Eng e l b a ch von Darmstadt einen Vortrag über „Die Thätig- keit der Handwerkskammern, insbesondere auf dem Gebiete des Lehrlingswesens" und erteilt danach auf Befragen Auskunft über einschlägige Angelegenheiten. 8. Darmstadt, 15. Jan. Während des Hoffestes im Residenzschloße konzertterte die Kapelle des Jnf.-Regts. Nr. 115 und des Drag.-Regts. Nr. 23. In den Nebenräumen waren Buffets aufgestellt. Es entwickelte sich ein lebhaftes Treiben, das von % 9 bis gegen 11 Uhr dauerte und an dem auch der Großherzog mit seinen hohen Gästen in animierter Sttmmung teilnahm. — Das Konzert der Herzoglichen Hofkapelle unter Leitung des Generalmusikdirektors Fritz Steinbach erfreute sich eines guten Besuches. Die tüchtigen Leistungen der Kapelle fanden viel Beifall. — Der Großh erzog hat heute früh von drei Komiteemitgliedern der hiesigen Karneval- Gesellschaft, die er in besonderer Audienz empfing, die närrischen Insignien entgegengenommen und zu der am 1. Februar stattfindenden Damen- und Herrensitzung seinen Besuch bestimmt zugesagt. Mainz, 15. Jan. Seit einigen Tagen treibt sich hier ein elegant gekleideter Mann herum, der angeblich im Auftrage eines reichen Herrn bei Pferdebesitzern um den Ankauf von P*erden handelt. Der Unbekannte giebt sich als Jockey aus, ist in dem Alter von ungefähr 25 Jahren, hat einen Anflug von hellem Schnurrbart, trägt einen hellbraunen Anzug und Ueberzieher und einen schwarzen, weichen Filzhut. Der Fremde weiß sich bei den Pferdebesitzern gut einzuführen und gelingt es ihm dann sehr häufig, die Leute um Geldbeträge zu beschwindeln. Nach den Ermittelungen beruhen alle Angaben desselben über beabsichtigte Pferdekäufe tej auf völliger Erfindung. Seligenstadt, 15. Jan. Das historisch denkwürdige nunmehr Millitzersche Wohnhaus am Marktplatz wurde neuerdings in ein Gasthaus „Zum Einhart" umge- schassen. Au dieses Etablissement knüpft sich die Volks-, jage, daß sich in ihm Einhart verborgen hiell, als einst! Kaiser Karl der Große gelegentlich eines Jagdzuges ihn1 gegenüberliegenden Gasthaus „Zum Stern", der jetzigen .Hofrestauration „Frankfurter Hof", in der Wirtin, welche sich durch die Zubereitung der Lieblingsspeise des Kaisers! verraten habe, seine vom Hofe verbannte Tochter EmnuLi erkannt habe. Die aus dem Gebiet des altertümlichen, Erkers des Millitzerschen Gasthauses herauslugende Figur wird darum auch als das Bild des sich versteckt haltenden! Einhart angesehen. Frankfurt a. M., 14. Jan. In der Stadtveord- neten-Versammlung kam es heute zu einer längeren Debatte über die Notstandsarbeiten und die von der Stadt getroffene Fürsorge für die Arbeitslosen. Stadtverordneter Quarck ließ sichs natürlich nicht nehmen, in den schärfsten Tönen gegen die städtische Verwaltung loszuziehen, die ihrer Pflicht nicht genügend nachkäme, und gegen die- Polizei, die zu scharf gegen die Demonstranten vorgegangen' sei. Verschiedene Stadtverordnete äußerten sich dahin, daß von der Stadt mehr hätte geschehen können. Es wurde aber i vom Magistrat dargethan, daß insgesamt über eine Million Mark für Notstandsarbeiten bereitgestellt sind und verausgabt werden. Nach einer vom Stadtverord. Quarck produzierten Statistik haben sich 745 Arbeiter als momentan i arbeitslos gemeldet, davon seien an 200 verheiratet. Die! meisten der Arbeitslosen seien ungelernte Fabrikarbeiter. Ein! Antrag des Sozialdemokraten, bei der Polizei gegen das! scharfe Einschreiten gegen die Demonstranten zu protestieren,! wurde abgelehnt. Dagegen fand ein Antrag Annahme, nach! welchem sich die Versammlung von der Auskunft des Magistrats - für befriedigt erklärt, und ihn auffordert, auf dem beschrittenen; Wege fortzufahren. — Den Streckenarbeitern der Bahn-j meisteret Idstein ist auf eine Eingabe an die Eisenbahn-! direktion die Antwort zugegangen, daß, entgegen ftüherer! Anordnung, die Arbetten auf der Strecke nicht unterbrochen werden sollen. Dagegen ist den Werkschlossern der Taunusbahn und der ehemaligen Hessischen Ludwigsbahn, die auf den Stationen die Weichen, Signale u. s. w. in Ordnung halten, die Mitteilung geworden, daß ihnen 50 Prozent ihres Zuschlagslohnes in Abzug gebracht werden. Hanau, 15. Jan. Gestern wurde vor dem hiesigen Schöffengericht eine Privatklage verhandelt, die in Dörnigheim vorgekommene anonyme Briefschreibereien betraf. An ein achtbares Mädchen waren anonyme Briefe, voll der gemeinsten Schmähungen und Beleidigungen, gerichtet worden, die der Wahrheit entbehrten. Angeklagt, diese sauberen Briefe verfaßt zu haben, war die Eheftau eines Bildhauers und die Eheftau eines Schreiners. Durch die Umstände und das Gutachten des Schreibsachver- ständigen wurde festgestellt, daß die Briefschreiberin din Ehefrau des ersteren war, und diese wurde deshalb wegen Beleidigung zu der exemplarischen Strafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Mttangeklagte wurde wegen mangelnden Beweises fteigesprochen. (:) Hohensolms, 15. Jan. In Gegenwart des £anbrat§ Dr. Sartorius- Wetzlar, Bürgermeisters Huttel-Hohensolms sowie mehrerer Geistlicher, Gemeindevorsteher u. a. wurde in dem benachbarten Erda die Prüfung des Ha usHaltungskursus für junge Mädchen abgehalten. Es haben 22 Mädchen an dem sechswächentlichen Kursus teckgenommen. Die Haus- haltungskurse haben sich als eine nützliche Einrichtung bewährt. Auch für die nächsten Kurse liegen schon wieder zahlreiche Anmeldungen vor. (:) Wetzlar, 15. Jan. Es ist nunmehr sichere Aussicht vorhanden, daß unsere Stadt ein Lehrerseminar erhalten wird. In dem preußischen Etat ist eine Forderung für ein Lehrerseminar in der Rheinprovinz mit dem Sitze in Wetzlar vorgesehen. In Anbetracht des fortdauernden empfindlichen Lehrermangels wird der Landtag den Posten sicher genehmigen, und man nimmt an, daß das neue Seminar schon recht bald, wenn auch vorläufig in Aushilfsräumen, eröffnet werden wird. Auch wird die am 1. Juni v. Js. hier begründete Schillers Weltgeschichte. Bd. IL in. Berlin u. Stuttgart, W. Spemann. 1901. gr. 8°. Es ist in den letzten Jahrzehnten üblich geworden, daß die Bearbeitung einer Wettgeschichte, die auf Wissenschaftlichkeit Anspruch erheben darf, nur noch von einer Art wissenschaftlicher Betriebsgenossenschaft unternommen wurde. Man fürchtete nicht rntt Unrecht, daß bei der immer ausgedehnteren Arbeitsteilung auf historischem Gebiet, der immer mehr anschwellenden Flut der Einzel- unteriuch ungen, es für den Einzelnen unmöglich würde, sich durch die Masse des Stoffes hindurchzufinden und in allen Teilen seines Werkes gleich Tüchtiges und Wertvolles zu leisten. So kam man zu dem, was Ufert und Heeren schon 1819 begonnen hatten, zu einer „Staatengeschichte", oder zu einer „Weltgeschichte in Einzeldarstellungen", wie sie Oncken herausgab. Das war aber schließlich feine „Wettgeschichte" mehr, kein Werk, das man von der ersten bis zur letzten Seite hätte lesen können. Einem solchen Verlangen Rechnung zu tragen unb doch die einzelnen Abschnitte von Spezialforschern bearbeiten zu lassen, versuchte Hans F. Helmolt in der von ihm herausgegebenen noch nicht abgeschlossenen Weltgeschichte. Aber gerade dieser Versuch scheint die Unmöglichkeit eines solchen Unternehmens zu beweisen. Denn ganz abgesehen von der Ungleichmäßigkeit des Stcks, die schon den Wert des Buches als Kunst- iwerk sehr beeinträchtigen muß, kann die Darstellung nicht so ineinandergreifen, wie es im Interesse der Einheitlichkeit wünschenswert wäre. Das Helmoltsche Werk weist denn auch gar viele Wiederholungen auf, die in der Hand -rines einzigen Verfassers vermieden worden wären- Ein solcher aber hat weiter für sich den Vorzug der größeren Möglichkeit einer gleichmäßigen Durcharbettung aller Teile und vor allem den einer einheitlichen Auffassung. Freilich ,toirb man von ihm wcht verlangen dürfen, daß sein Werk überall auf eigener Forschung beruhe, wenn er auch die Quellen kennen muß. Hat es der Verfasser einer „Weltgeschichte" verstanden, die Ergebnisse der neuesten Spezialforschung zu einem Ganzen zu verarbeiten und dem Leser -schne Gesamt anjchcmrmg vovKutrsAWs so hat er seine Aufgabe gelöst. Deshalb hat Schiller Recht, wenn er in der Vorrede des ganzen Werkes sagt: „Möglich ist ein solches Unternehmen (eines einzelnen), da es meist nicht an den erforderlichen Vorarbeiten fehlt." Es kommt eben auf die Beantwortung der Frage an: was will und soll eine „Weltgeschichte"? Meines Erachtens darf man von ihr nicht mehr erwarten — aber auch nicht weniger — als das, was ich eben auseinandergesetzt habe- Für Einzelfragen sind eben die Spezialwerke da, deren Studium dem Fachmann überlassen bleiben kann- Dem großen Kreis der Gebildeten kommt es nicht auf Einzelheiten an- Darum ist .es auch durchaus nicht schlimm, wenn der Verfasser in diesen hie unb da nicht ganz- das Richtige trifft, oder eine Jahreszahl ungenau angiebt Gerade dies hat man Schiller vielfach vorgeworfen — m- E. genügt es in den meisten Fällen, den Zeitpunkt annähernd genau anzugeben. Einzelnen Versehen nachzugehen, ist f)ier nicht der Ort, ich will nur bemerken, daß viele Flüchtigkeiten und Mängel in der überaus schnellen Arbeitsweise Schillers ihren Grund haben und bei einer zwecken Auslage leicht zu verbessern sind- Die Frage, ob Schiller die oben begrenzte Aufgabe des Geschichtsschreibers erfüllt hat, beantworte ich mit einem runden Ja- Durch den von ihm länger als zwanzig Jahre in der Gymnasial-Prima erteilten Geschichtsunterricht hat er sich eine vollkommen selbständige Anschauung der historischen Entwickelung gebildet. Er hat dabei richtig erkannt, daß in der Darstellung die Kulturgeschichte einen breiten Raum einzunehmen habe- Dadurch wird der Wert seines Buches für den großen Leserkreis, an den er sich wendet, erhöht- In der Einteilung der Weltgeschichte in Perioden weicht Schckler von der seitherigen Gepflogenheit ein wenig ab- Er läßt das Altertum mit dem Tode Justinians schließen, da um diese Zett „mit der politischen auch die kirchliche und die Rechtsentwickelung einen gewissen Abschluß erhielten". Das Mittelatter beginnt er dementsprechend mit der Begründung des Frankenreiches. Schwieriger aber war die Bestimmung des Endes biefer Periode und des Be- iwe-Steuert- ordnet, daß der Salonwagen des Kronprinzen! niemals an das Ende des Zuges gelegt toiriki Bisher stand es den Direktionen frei, ihn an beliebigen Stelle z-u placieren. Berlin, 16. Jan. Wie das „Kl. I." von zuverlässiger Seite erfährt, erhält Prinz Friedrich Leopold das 3. Armeekorps (Brandenburg), während dessen bisheriger Kommandeur v. Lignitz das 1. Korps erhält. Das Garde-Korps übernimmt v. Kessel, der frühere Kommandeur des 1. Garde-Regiments zu Fuß- Mann heim, 16. Jan. In der chemischen Fabrik „Rhenania" zu Rheinau wurden zwei Tagelöhner aus Ketsch^ die damit bcsd)ästigt waren, Sulfat abzuladen, beim Ueber- schreiten des Fabrtrgeleises von einer Lokomotive erfaßt unix überfahren. Einer war sofort tot, der andere ist lebensgefährlich verletzt. London, 16. Jan. „Daily Mail" sagt, wenn eine Ministerkrisis eintreten sollte, so geschehe dies nicht aus Anlaß des Krieges, sondern daher, daß die Re» gierung mit der Londoner Telephon-Gesellschaft einen Vertrag abgeschlossen hat. Die Regierung würde diese Frage wählen, um den Schein zu wahren, wenn eine Minister^ krisis wegen des Krieges eintreten würde. London, 16. Jan. Anläßlich der heutigen Parlaments-Eröffnung heben gestern die üblichen traditionellen Diners vor der Parlamentseröffnung stattgefunden. Lord Salisbury hatte seine Kollegen der konservativen Partei bei sich versammelt, desgleichen Lord Balfour, während Sir Campbell Bannermann und der Herzog von Devonfhire ebenfalls ihre liberalen Freunde bewirteten. Entgegen dem bisherigen Gebrauch wurde diesmal der Text der Thronrede der Presse nicht im voraus mitgeteilt. — Aus Amsterdam wird berichtet: Der Vertreter von Chile ist von seiner Regierung ermächtigt worden, den Buren ein bedeutendes Gebiet in Chile anzubieten. Die Regierung übernimmt den Transport der Ansiedler und besorgt ihnen Vieh und will ihnen sogar Geld lechen. Haag, 16. Jan. Der Buren-Delegierte Wolmaran stattete gestern in Utrecht dem Präsidenten Krüger einem Besuch ab. i ' Paris, 16. Jan. Das von nationalistischer Seite verbreitete Gerücht, der Botschafter in Konstantinopel Constans werde dentnäck)st von seinem Posten zurücktreten, um wieder eine Rolle in der inneren Politik $u spirten, wird vc 'ehreren DLättern als durchaus unbegründet be-eichnrt.^ Ball in Steins Saalbau. Abends 8 Uhr: noonmais ergebens! ein. erakn? KullgUWe zesllU. Ein gut eingeführtes Maß-Geschäft mit Stofflager liefert 0147 Hotel Nassauer Hof. elegante Herren-Anzüge. Die Anfertigung geschieht unter eigener ^^j.1----ß,>nrrt | ^ertung.^ Für Stoff und guten Sitz wird Garantie geleistet. Erft- <■- „ . , Mk. Große Auswahl sehr guter Anzüge m to: Preislage von 45-54 Mk. Wegen der Billigkeit versteht sich der Prers gegen sofortige Kaffe oder Teilzahümg. Offerten mrt derSuppen, __ Saucen, Gemüse 2C. findet seit Jahren bei Allen, JrJ die auf xeme fchmackyafte, gesunde und doch sparsame Küche schen, die größte Anerkennung. Ein Zusatz von wenigen Tropfen — vor dem Anrichten — genügt. 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