\ Nr. 5816 Erstes Blatt. 1558. Jahrgang Montag 15. September 1SV2 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Familien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Antvers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: «chnlstratze 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. /tzernsprechanschluß Nr. 51. GietzeimAnzeiger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis, monatlich75Ps.,viertelH ährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel jährl. ausschl. Bestellg« Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenpretS: lokal 12 Pf^ auSwärtS 20 Pfg. Verantwortlich: für den poliL u. allgem. Steil: P. Witiko: für .Stadt und fimür und .Gerichtssaal': Carl Plato; für den Anzeigenteil: HanS Beck. weise gehen die Schützen vor, jede Deckung benutzend. Damit ist man wohl von einem Prinzip der preußischen Fechtweise abgegangen, wonach bisher als oberster Gesichtspunkt die Ausnützung jeder Gelegenheit zur möglichst vorteilhaften Schußabgabe im Feuergefecht maßgebend war, die Rücksicht auf Deckung aber erst in zweiter Linie kam. Desgleichen hat man von der Bildung endloser Artillerielinien Abstand genommen, die Batterien gehen vielmehr einzeln in Stellung. Die Frage, inwieweit diese neuen taktischen Momente des Burenangriffs sich für große Verbände bewähren, wird zum Teil immerhin schon durch die. Manöver beantwortet werden können. Ein Hauptbedenken gegen diese Gesechtsart, daß nämlich die Nachteile, die daraus entstehen könnten, wenn die einzelnen Mannschaften aus den Händen der Führer gegeben sind, durch den Vorteil der zerstreuten Schützenlinie nicht ausgewogen werden, dieses oft geäußerte Bedenken kann im Frieden auf seine Stichhaltigkeit freilich nicht erprobt werden. Erst der Krieg kann zeigen, ob die dazu notwendige, sehr hohe Stufe der F e u e r d i s zip l in in unserer Armee schon erreicht ist. Ein weiterer anziehender Punkt im Kaisermanöver war die Anwesenheit der vielen fremdländischen Offiziere, unter dem die neuen Erscheinungen der Engländer und Amerikaner die allgemeine Aufmerksamkeit aus sich lenkten. Hatte unser Landheer in seinen großen herbstlichen Friedensübungen somit wieder ausreichende Gelegenheit, das im Jahre auf den Exerzier- und llebungsplätzen Erlernte im fremden Gelände und in gemischten Verbänden zu vervollkommnen, und zeigte unsere Heeresleitung, daß sie an keiner neuen Erscheinung auf taktischem Gebiete achtlos vorüberaeht, so hat die deutsche Marine bewiesen, daß auch sie jederzeit bereit ist, für Deutschlands Sache einzutreten. Die dreiste Handlungsweise des haitianischen Kanonenbootes „Erste ä Pierrot" an dem Hamburger Dampfer „Marcomania" hat schnelle Sühne gefunden. Der „Panther" hat das Schiff der Aufständischen in den Grund gebohrt. Die deutsche Regierung hält damit den Zwischenfall für erledigt und versteift sich nicht etwa auf weitläufige Schadenersatzforderungen. So sehr die Promptheit, mit der die Angelegenheit für Deutschland aus der Welt geschafft wurde, zu begrüßen ist, so sehr wäre .es zu mißbilligen, wenn das Vorgehen unseres Kreuzers als eine große Hcldenthat der deutschen Marine hingestellt werden würde. Der Anfang damit ist leider schon gemacht, indem die Leitung der Düsseldorfer Ausstellung sich gemüßigt sah, ein Glückwunschtelegramm an den Kommandanten des „Panthers" zu senden. Möge dieses Beispiel keine Nachahmung finden; der günstige Eindruck, den das entschlossene Haitdeln Deutschlands auf das Ausland gemacht hat, und der sich in dessen gesamter Presse mit geringen,' wenig beachtenswerten Ausnahmen widerspiegelt, könnten durch renommistische Freudenkundgebungen über eine angebliche Heldenthat leicht wieder verwischt und abgeschwächt werden. In der Fleischüotfrage stehen sich natürlich nach wie vor zwei Anschauungen feindlich gegenüber. In zahlreichen städtischen Kollegien und neuerdings auch in großen Volksversammlungen wird über allzu hohe Fleischpreise und über Mangel an Schlachtvieh Beschwerde geführt und in teilweise leidenschaftlichen Ausdrucken die Oeffnung der Grenzen gefordert. In München ist am letzten Samstag die sozialdemokratische Frauenkonferenz nach Annahme einer Resolution, die sich gegen die Steigerung des Fleischpreises und gegen die Grenzsperre richtet, geschlossen worden, und in Berlin lassen die Hausfrauen eine Petition verbreiten, worin die Kaiserin um die Geltendmachung ihres Einflusses zur Milderung der Sperrpolitik Bekanntmachung. Vetr: Gesuch des Wilhelm Rinn VIII zu Heuchelheim um Genehmigung zur Erbauung eines neuen Ringofens. Wilhelm Rinn VIII zu Heuchelheim beabsichtigt auf dem Grundstück Flur III Nr. 4266/10 der Gemarkung Heuchelheim einen Ringofen zu errichten. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang oom Erscheinen dieses in der Darmstädter Zeitung bezw. im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Heuchelheim zur Einsicht der Jn- teresienten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meidung des Ausschlusses bei Großh. Bürgermeisterei Heuchelheim vorzubringen. Gießen, den 11. September 1902. Großherzogliches Kveisamt Gießen- I. 23.: Dr. Wagner. Bekanntmachung. In der Zeit vom 6. bis 13. September 1902 wurde in hiesiger Stadt gefunden: 1 Uhr; entlaufen: 1 brauner Jagdhund und 1 Truthuhn. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 13. September 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. __________________I. V.: Roth.___________________ Politische Wochenschau. An die Kaisertage in Posen schlossen sich in dieser Woche die großen Manöver des 3. brandenburgischen und 5. posenschen Korps, denen Teile der Garde und des 17. Armeekorps beigegeben sind. Das diesjährige Käisermanöver ist aus verschiedenen Gründen überaus interessant. Schon das Gelände bietet besondere Schwierigkeiten für die Truppenführung, da ein großer Teil desselben bewaldet ist, und von Seen und Sümpfen durchzogen wird. Im Süden und Osten bildet die Oder die natürliche Grenze, im Norden und Westen die Warthe, während ihr Nebenfluß, die.Obra, mitten durch das Manövergeviet geht. Die gewaltigen Truppenmassen der Ostarmee (rot) unter dem Kommando des Generals von Stülpnagel setzten sich x von Osten aus gegen Frankfurt a. Oder in Bewegung, >während die Divisionen des 3. (blauen) Armeetzrps unUw Führung des Generals von Lignitz bei dieser Stadt über die Oder gingen und auf Posen marschierten. Vor den Jnsanteriekörpern bewegten sich auftlärend die aus verschiedenen Brigaden zusammengesetzten Kavalleriedivisionen, denen reitende Abtellungen Artillerie beigegeben sind. Waren schon durch die Zusammenziehung so bedeutender Kavalleriemassen die der Wirklichkeit möglichst getreu entsprechenden Bedingungen gegeben, so sollte in diesen Mauövern auch der Train feine Tüchtigkeit und Brauchbarkeit für den Ernstfall bewähren. Auch hier wurden Verbände hergeftellt, wie sie in ähnlichem Umfange unseres Wissens im Manöver noch nicht verwendet wurden. Auch die Taktik des sog. Buren- angrisfs wurde im diesjährigen Kaisermanöver auf ihre Brauchbarkeit für größere Truppenkörper erprobt. Das Ausschwärmen in langen, Richtung haltenden Schützenlinien ist dabei aufgegeben, sektions- und rottengebeten wird. Der Bund der Landwirte dagegen leugnet mit Beharrlichkeit eine Fleischnot, und der preußische Landwirtschaftsminister v. Podbielski hielt in Düsseldorf eine Frühstücksrede, worin er den gleichen Standpunkt vertrat. Die bayerische Regierung erkennt eine Notlage auf dem Fleischmarkt an, wie aus einer von ihr veranstalteten Enquete über die Schlachtungen hervorgeht. Vielleicht übt die Bewegung einen Einfluß auf die näher und näher rückende Zolltarif frage aus. Tie Teilnahme der Gelehrtenkreise aus allen Gauen Deutschlands und des Auslandes am Begräbnisse des verstorbenen Rudolf Virchow ist nahezu allgemein. Was die leidende Menschheit an Virchow verlöre:: hat, braucht hier nicht nod) einmal betont zu werden. Sein Name wird unvergessen fortleben. Tie letzte Konferenz der Burengeneräle mit Chamberlain in London zeigte deutlich, daß die 23uren beim Friedensabschlusse von den Engländern gründlich, übers Ohr gehauen worden sind. Die Bitten der Generäle um Einhaltung der zugesagten Friedensbedingungen stoßen jetzt auf fortwährenden Widerstand bei Chamberlain, sodaß Botha, Tewel und Delarey die englische Hauptstadt nicht mit freundschaftlichen Gefühlen verlassen haben. Die pessi- mistische Auffassung Dewets, die ihm das besondere Mißtrauen der Jingo-Presse eingetragen hat, wird nun die künftige Richtschnur in dem Verhalten der Generäle liefern. Rücksichtslos wollen sie der Welt die Wahrheit über den Krieg und s eine Einzelheiten enthüllen und den ungeheuren betrug, dem sie zum Opfer fielen, aufdecken. Gleichzeitig werden auch die in drei Sprachen verfaßten Memoiren Krügers erscheinen, und so steht Europa gewissermaßen von neuem vor der südafrikanischen Frage, die schon viele verderbliche Leidenschaften entfacht hat und zweifellos wieder Stürme der Entrüstung entfesseln wird. Ein Teil der englischen Presse selbst verurteilt die jüngste Haltung Chamberlains und bezeichnet sie offen als einen schweren Fehler. In Ungarn weilt der deutsche Kronprinz als Gast Kaiser Franz Josefs bet den Mauövern und ist dort herzlich empfangen worden, ein neuer Beweis für da? Zusammenhalten der beiden verbündeten Mächte. In Frankreich bereitet die Affaire des abberufener Botschafters Montebello vom russischen Hofe dem Mini/ sterium Combes nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Politische Tagesschau. Was thut der Hessische Staat für das landwirtschaftliche Unter' richts- und Versuchswesen im Jahre 1902/31 Kapitel 72 des Voranschlags des Staatshaushaltes he* handelt in drei Titeln die landwirtschaftliche Versuchsstation, die Weilt- und Obstbauschule zu Oppenheim und schließlich die Obstbauschule und landwirtschaftliche Winterschule zu Friedberg. Infolge der genauen Registrierung! erhalten wir ein getreues Bild von den Kosten dieser gerade heute so wichtigen Anstalten, über die inf folgenben kurz berichtet werden soll. Während für die ersten Teile bisher an Einnahmen 37 200 Mark zu verzeichnen waren, sind nach dem Voranschlag dieselben im laufenden Jahre geringer anzuschlagen. Die Ausgaben sind dagegen gestiegen, so daß ein Zuschußbedarf von 37 220 Mark erforderlich ist gegen 30 500 im vorjährigen Etat. Der Grund für Erhöhung der Ausgaben liegt in einer erheblichen Betriebserweiterung und einer Erhöhung der Bezüge der Lehrer, beides durchaus erfreuliche Thatsachen, die von dem Blühen der Anstalt Zeugnis ablegen. Feuilleton. Die Werke Arnold BöckliuS in der Schackgalerie zu München. 12 Photogravüren nach den Originalen, mit erläuterndem illustriertem Texte von Professor Dr. Paul Seidel, Dirigent der Kunstsammlungen in den kaiserlichen Schlössern. Prachtband. Großfolio-Format. Mk. 50. Photographische Union München. Geben die 16 Bilder in der Schackgallerte auch kein vollkommenes Bild von Böcklins ganzem Lebenswerk, da sie alle aus seinen früheren Jahren (das letzte aus 1874) stammen, so hat doch die Schöpfung des Grafen Schack außerordentlich vrel zur Kenntnis und Popularisierung des so lange verkannten Schweizer Meisters beigetragen. Wird doch München jährlich von sausenden und Abertausenden durchflutet, von welchen nur Wenige unterlassen, bte Schackqallerie, diese Perle unter den deutschen Prwatgallerren zu besuchen. Von den 16 Bocklms der Gallerte sind hier 12 m hervorragend schönen Photograoüren, die übrigen vier autolyplsch tm Texte von Professor Paul Seidel wiedergegeben. In sehr anregender Weise schildert der Verfasser zunächst das Verhältnis Bocklms zu Schack, um dann auf die Besprechung der einzelnen Bilder uberzugehew Außerordentlich lehrreich ist hierbei der Vergleich, beit der Verfasser zwischen einigen Bilbern aus der Schackgallerte und ihren im Text abgebildeten, teilweise bisher noch völlig unverostenllichten Varianten aus anderem Besitz anstellt. -tte sich als Prachtwerk präsentierende Publikation wird gewiß manchem unser^ Leser, der bewundernd vor beit Meisterwerken Bocklms m der ©$adgauerie, wie ber „Villa am Meere", bem „Ritt des A-obes , ber „Idealen Frühlingslandschaft", gestanden hat, eute t)ochwillkomme:te sem. — Hübners Geographisch-statistische Tabellen, Ausgabe 1902. (Herausgegeben von Hofrat Prof. Dr. Fr.v. Jilraschek. Verlag von Heinrich Keller in Frankfurt a. M. ber gant gebundenen Buch-Ausgabe Mark l.oO, der Wandtafel- Ausgabe 60 Pfg.) Sorveit die, etatiftif, bte „stillstehende Geschichte", vorgedrungen, hat sie derZ Verfasser unter Benutzung d^ zuoerlässigiien Quellen jeder Sprache behandelt und übersichtlich dargestellt. Daß dabei auch vielfach über das rem geographische Gebiet hinausgegangen ist, so wenn die Verhaltmsie der Volksbildung, der Schulen, der Hygiene zahlenmäßig vorgewiesen werden, kann nur mit Freude begrüßt werden. Die Unsumme von Klein- und Großarbeit, die in den 97 Seiten nieder- aelegt ist, wird dem Historiker, Geographen, Völkerpsychologen, Volkswirtschastler, Politiker u. a. gute Dienste leisten. — Pole« und Deutsche. Ein Mahnwort an die deutsche Jugend. „H a u s l e h r e r s ch r i f t e n" 2. Band, Leipzig 1902, bei K. G. Th. Scheffer. Preis 60 Pfg. Die „Berliner I l l u st r i e r t e Z e i t u n g" beginnt in ihrer heute erschienenen Nummer 37 mit dem Abdruck des neuesten Romans von Ompteda „D e r^ E i s k ö n i gk, der den Humor und die feine Charakterzeichnung des Dichters tn glänzendstem Lichte zeigt. Wer die „B. I. Z." noch nicht abonniert hat, hat jetzt gute Gelegenheit, dieselbe für 10 Pfg. wöchentlich bei einer Buchhandlung oder für 1,30 Mk. vierteljährlich bei der Post frei ins Hau^, zu bestellen. — Der Kurrstwart. Rundschau über Dichtung, Theater, Musik und bildende Künste. Herausgeber Ferdinand Aoe- n ar ius. Verlag von G e o rg D. W. C a llwe y in München. (Vierteljährlich 3 Mark, das einzelne Heft 60 Pfg.) Inhalt des zweiten September Heftes: Der Dürerbund begründet. Vom Herausgeber. — Tie Litteratur-Waisen. Von E. Platzhoff. — Friedrich Hebbel. Von Adolf Bartels. — Schulgesang fürs Leben. Von Friedrichs. — Festrede in Nürnberg bet der Jubelfeier des Germanischen Nationalmuseums, gehalten von Professor Dr. Licht- wark. — Lose Blätter: Austritte aus Hebbels Dramen. — Rundschau : Egidys „Ilse Bleiders." Spanisches. Im Prinzregenten- Theater zu München. „Bunte Bühne" und Theater. Sommermusik. Die Große Berliner Kunstausstellung. Neue Vervielfältigungen. Baudenkmäler der Stadt Pirna. Das Gesetz zum Schutze der Landschaft. — Notenbeilage: August Reuß, Abendregen. — Bilderbeilagen: Bildnis Friedrich Hebbels; Albrecht Dürer, „Großes Rajenstück"; K. D. Friedrich, zwei Landschaften. Tas Lee-Gigerl ist der Titel eines humorstrotzenden Gegenstückes zu Desteggers weltbekanntem „Salontiroler". Tas packende Bild, das Maler E. Eltze geschaffen hat, bringt uns das 1. Heft des neuen 17. Jahrganges der „Modernen Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin W. 57 — Preis des Heftes 60 Pfg). Wie da der Gegensatz herausgearbeitet ist zwischen waschechten ^eebaren und der geschniegelten Landratte in Seesport-äre»«, die m lauschiger Schifferstube zusammensitzen, das ist köstlich. Man muß es selbit sehen, dieses große, zweiseitige farbige Bild. Aus dem Bilderfchmuck heben wir ferner hervor die farbige Kunstbeilage „Rosen gefällig?" von P. Hoeltz, sodann ebenfalls farbige Zeichnungen und Biwer von Meister Ferdinand Keller, der auch das stilvolle Titelblatt schuf, von E. Eucuek, dem geistreichen Feuilletonisten des Aguarell- pinsels 20. Eine nicht bloß Sammlern höchst willkommene Spezialität der Modernen Kunst sind die Meisterholzschnitte nach Werken zeitgenössischer Künstler, wie dieses Mal Timoleon von Neff, Blair Leighton, Solomon I. Solomon. Sie sind immer von einer Vollkommenheit, wie sie heute sonst kaum noch erreicht wird. Auf der Höhe des Bilderschmuckes steht auch her Text. Vincenz Chia- vacci und Wolfgang Kirchbach bringen pickante Plaudereien. Mit gutem Gewissen läßt sich behaupten, daß in unserer so kunstfreudigen Zeit die „Moderne Kunst" in keinem Salon, in keinem Bürgerheim fehlen dürfte. — Dem Inhalte des Toppel-Heftes Nr. 15/1/6 der bekannten Halbmonatschrift ,,Dic Gesellschaft" (Herausgeber: Dr. Arthur Seidl in München — Verlag von E. Pierson in Dresden) gtebt das Zusammenfließen mehrerer besonderer Zeit-Umstände sein lebendiges Gepräge. So werden z. B. der Ausgang der Bayreuther Festspiele, das Gedächtnis des (im August geborenen) unglücklichen Bayernkönigs, welcher der Wagnerschen Kunst ein Schirmherr gewesen, und der Wieder-Beginn der Wagner-Vorstellungen am Münchner „Prinzregenten - Theäter" begrüßt u. a. in einem kritischen Artikel, in dem der Herausgeber zum neuen „Parsifal-Bunde" Stellung nimmt, und durch bte äußerst belangreiche „technische Betrachtung" über den „Saal bes Prinzregenten- Theaters" von Abolph Appia, ber bie erheblichen Thorheiten ber mobernen Baumeister sehr einläßlich auszeigt unn haarscharf nachweist. Außerbem verbreitet sich Dr. Hofmiller über bie zahlreichen wertvollen Neu-Erscheinungen ber Goethe-Litteratur. Geistvolle und ernste Beiträge bilden ferner ber anregenbe Leitaussatz von Pros. Dr. Schneidewin über bie Folgerungen aus bem Unglück von St. Pierre für unseren neuzeitlichen Gottesbegriff, sowie Oskar Friedländers tief eindringende Studie über die „Mode", ein Bericht über die sehr besuchenswerte „Karlsruher Jubiläums-Kunstausstellung", das vielseitige und pikante „Münchener Tagebuch" der Schriftsteller-Kumpanei „Höhenmensch" und „Münchener Kindl" re. rc. ist. Es der Denk- Mo ine* l egen morgen aus. Darmstadt, 13. Sept- Ein Telegra/inm der Kaiserin von Rußland anläßlich mals-Enthüllung. Oberbürgermeister weg sendet folgende Bekanntmachung: mir eine angenehme Pflicht, nachstehendes Telegramm, amtlichen Entwürfe zum Schutze der Bauforderungen das Signal zum Abschlüsse dieses Themas beoeuten! — Zur Erholung nach des Tages Arbeit folgten die Teilnehmer (ohne Tarnen; am Mittwoch einer Einladung der Stadt Berlin in die prächtigen Räume des Rathauses, am Tonnerstag fand Festvorstellung im Neuen königlichen Lperntheater (gegen Zahlung der üblichen Kassenpreise statt, wo nach einem Prolog Carmen glanzvoll aufgeführt wurde. Heute abend ist Festessen im Zoologischen Garten, Samstag nachmittag Ausflug nach Wannsee, wo ein Tänzchen die Feierlichsten abschließt. Aus Ztüdt und Sani). Gießen, 15. September 1902. " Auszeichnungen. Der Groß Herzog hat der Freifrau Sophie Heyl zu Herrnsheim in Worms die Erinnerungsmedaille mit dem Bildnis der verstorbenen Großherzogin Alice mit dem Bande des Ludewigs-Ordens, den, Verwaltungsdirektor Julius Menges in Worms das Ritterkreuz 2. Klasse des Ludewigs-Ordens verliehen; und dem Bildhauer Ludwig Habich in Darmstadt den Charakter als Professor erteilt. ** Absperrung der Wasserleitung. Wir verweisen auch an dieser Stelle auf die heutige Bekanntmachung des städtischen Gas- und Wasserwerks, nach welcher morgen vormittag in der Nordanlage und in der Wallthorstraße vorübergehend die Wasserleitungen abgesperrt werden. ** Der Theaterverein beginnt seine Borstel - langen am Fre itag, den 24. Oktober, mit einem Gastspiel von Mine. Charlotte Wiehe, die mit einem Ensemble erster Pariser Künstler auf einer Gastspielreise durch Deutschland und Oesterreich-Ungarn begriffen ist. Mme. Wiehe, welche als Darstellerin mimo-dramatischer Rollen einen Weltruf genießt, wird hier als Tänzerin Vivette in dem Mimodrama „Die Hand" — welche Rolle sie bei der letzten Pariser Weltausstellung creierte — und in dem Mimodrama „Seine Puppe" sowie in Schnitzlers Lustspiel „Das Abschiedssouper" auftreten, welchen drei Stücken als Einleitung des Abends der französische Einakter „Noend de Cravate" vorhergehen wird. Mme. Wiehe hat auf ihrer Reise bis jetzt die Hoftheater von Wiesbaden und Baden-Baden und das Residenztheater in Köln besucht, gastiert diese Woche im Lessingtheater in Berlin und berührt weiterhin eine Anzahl der größten deutschen Bühnen. Bilder der Künstlerin sind bereits im Laden des Herrn Ernst Challier ausgestellt. Als zweite Abonnements-Vorstellung am Samstag den 15. November folgt sodann ein Gastspiel von Agnes Sorma, der ersten unter den lebenden deutschen Künstlerinnen, deren Spielabende schon ein Jahr zuvor sämtlich vergriffen sind. Nur durch einen Zufall wurde es möglich, uns in Gießen einen Kunstgenuß zu sichern, den große Städte — z. B. Darmstadt — noch nicht gehabt haben. Auf ihren besonderen Wunsch wird Agnes Sorma uns ihre „Nora" Vorspielen, die sie selbst für ihre beste Rolle hält. Einesbeträchtliche Erhöhung der Kassenpreise für Nichtmitglieder des Vereins ist zur Deckung der enormen Kosten des Sorma- wie des Wiehe- Gastspiels unumgänglich nötig. Ein Gastspiel von Irene Triesch ist für Januar mit der Künstlerin verabredet. Die Festsetzung des Tages erfolgt Anfang Oktober. ** Stadttheater. Wie man uns mitteilt, beginnt die diesjährige Spielzeit im hiesigen Stadttheater am Sonntag, den 28. d. M., mit Gustav von Nioser's [unfähigem Lustspiele „Der Hypochonder"; Mittwoch, den 1. Oktober a. c. soll als zweite Vorstellung Schillers „Maria Stuart folgen. — Von Novitäten gelangen voraussichtlich zunächst Felix Philippis Schauspiel „Das große Licht" und Oscar Blumenthals Lustspiel „Die Fee Caprice" zur Aufführung. ** Eine Ausschußsitzung des landwirtschaftlichen Proviuzialvereins findet am nächsten Donnerstag nachmittags im Hotel „Zum Prinzen Carl" hier statt. Gegenstände der Verhandlung werden u. a. fein: Ueberficht über Einnahmen und Ausgaben des Vereins für 1901/02 1. und 2. Teil; Aeuderuug des Voranschlags pro 1903/04 infolge einer Zuschrift des Großh. Ministeriums >es Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe; die Werbesferung der Hutweiden im Vogelsberg und zwar 1. die Errichtung von Jungviehweiden in den Gemeinden Volkartshain, Ober- und Nieder-Seemen, 2. Rückzahlung des Meliorationskapitals von der Gemeinde Radmühl; Verwilligung von 500 Mark an den Hessischen Landwirtschaftsrat für Belehrung in Rechtsfragen in der Vereinschrist; Anerkennung des Kreisziegenzuchtvereins Alsfeld und des Rindviehzuchwereins Kirtorf. ** Rückgang der Schweineschlachtungen. Die „Allg. Fleisch.-Ztg." stellt aus verschiedenen Teilen des Reiches die Zahl der Schweineschlachtungen in den ersten 6 Monaten des Jahres 1901 und 1902 an 51 Schlachthöfen großer und kleinerer Städte gegenüber. An diesen Schlachthöfen ist die Zahl der Schweineschlachtungen um 197 214 Stück zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 1902 ind an Schweinen 411142 pCt. weniger geschlachtet worden trotz Zunahme der Bevölkerung, trotz des Einfuhrverbotes irr Würste und Büchsenfleisch. Im zweiten Halbjahr wird ich das Verhältnis noch viel ungünstiger stellen. Und da leugnen Regierung und Agrarier noch den Notstand! ** Schloßfreiheitslotterie.. Wer seine Absicht, an der Darmstädter Schloßsreiheitslatterie sich zu beteiligen, noch nicht ausgeführt haben sollte, möchte dies nun schleunigst thun, denn die Hauptziehung dieser Lotterie, in welcher außer dem Hauptgewinn von günstigsten Falls einer Viertel Million Mark der bei weitem größte Teil des Spielkapitals zur Verlosung gelangt, findet von Tonnerstag, den 18. bis am 22. d. M. statt. — Diejenigen, die nicht schon die ausgespielte kleine erste Klasse bezahlt haben, dürften sich durch Nachfrage bei den bekannten Losver- kaufsstellen Lose das Zehntel für 6 Mk., das Fünftel für 12 Mark noch verschaffen können. ** T ic Gericht sferien endigen mit dem heutigen Tage. Die Gerichte nehmen chre Arbeiten nun wieder im ganzen Umfange auf. ** Em Fahnenflüchtiger des Jnf.-Regts. Nr. 87, der es verstanden hat, sich mittelst falscher Papiere 4 Monate lang ungehindert in und bet Gießen herumzutrelden, ist jetzt ;ier erwischt und durch ein Kommando des 116. Jnf.-Regts. in das Mainzer Militär-Arresthaus eingeliefert worden. fr. Tie Manöver beginnen heute wieder bei Ech- jidl, und ziehen sich südwärts nach Assen heim und Altenstadt. Tie 5ü. Brigade nimmt ungefähr die Richtung der Bahn Gießen-Gelnhausen nach Gelnhausen zu. Donnerstag beginnt in der mittleren Wetterau >corps- m a n ö v e r, welches sich südwärts zieht und in der Gegend Hanau - Offenbach endet. Donnerstag, den 18. dieses Mas Titel 2, Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim angeht, so erfahren wir, daß für dieselbe sich die Einnahmen von 24 000 auf 25 000 Mark erhöhen läßt. Tie Ausgaben sind auch hier wieder höher geworden und Mar soll ein neuer Spaliergarten, und ein Sortimentsweinberg angelegt werden. Damit es der Anstalt an neuesten Instrumenten nicht fehle, werden Beiträge gefordert und bewilligt für einen Polarisationsappart zum Zwecke der Zuckerbestimmung, für eine neue Luftpumpeneinrichtung u. bergt Das Personal hat durch endgiltige Be- willlgung durch die Kammer Der Landstände ebenfalls um einen Weinbaugehilfen vermehrt werden können. Unter Titel 3 wird die Anstalt in unserer Nachbarschaft Friedberg abgehandelt. Hier sind die Einnahmen die gleichen geblieben, dank eines reichlichen Zuschusses der weitsichtigen Stadtverwaltung. Auch an dieser Schule macht sich ein reger Fortschritt bemerkbar, indem neue Treibhäuser angelegt werden müssen, da die vorhandenen nicht mehr ausreichen. Ferner soll die Kesselanlage zur besseren Ausnutzung umgebaut werden. Das Treibhaus dient zurzeit zugleich zum Unterricht für Gärtner. Das öeiamtrefultat der Einnahmen und Ausgaben an sämtlichen Drei Anstalten stellt sich folgendermaßen: Es kommen ein Sa. 63 000. Es werden ausgegeben Sa. 153 470. An Staatszuschuß ist also zu leisten 91470 Mk. Gegen das Vorjahr ist der Zuschuß insgesamt erhöht worden um ein Beträchtliches, ein Beweis dafür, daß die Staatsregierung unablässig bemül)t ist, durch Förderung dieser für unser zu großem Teil Landwirtschaft und Weinbau betreibendes Hessen wichtige Schulen Ackerbau und Weinbau auf der Höhe der Zeit zu erhalten. — Des Dankes der Bevölkerung für ein solches Interesse kann sie auf der anderen Seite dafür sicher sein. Monats ist in der Gegend von Heldenbergen bei Hanau-Offenbach-Gelnhausen; Sonntag Rückkehr in die Garnisonen. Tie Reserve der 49. Brigade wird am 23. September, die der 50. am 24. September entlassen. Bei Friedberg ist eine Feldbäckerei und ein Proviantamt für Heu, Haser, Stroh errichtet. m. Garbenteich, 13. Sept. Unsere Gemeinde, die in den letzten Jahren vielfach Neuerungen erfahren hat, wie Fcldbcreinignng, Gründung einer Spar- und Darlehns- kafse, Fernsprechau.chluß und bergt, i)t jetzt wieder um einen Schritt weiter gebracht. Durch den Gemeinsinn eines edeldenkenden, ungenannt bleibenden Mitbürgers ist die Stationierung einer Krankenschwester in unserer Gemeinde in Anregung gebracht, und der Unbekannte hat zu diesem Zwecke bereits 100 Mark zur Verfügung gestellt. Wir wollen auf baldige Ausführung dieses dem Allgemeinwohl dienenden Vorschlages hoffen. l Echzell, 13. Sept. Zwei strapaziöse Gefechtstage hatten heute und gestern unsere Soldaten, nicht sowohl wegen ihrer bedeutenden Marschleistungen, als auch besonders wegen des sehr schlechten Detters. Freitag und Samstag waren, einige Pausen abgerechnet, ausgesprochene Regentage. Die zwei rheinischen Regimenter kamen von den Dörfern bei Nidda herum das Gefechtsfeld bei Berstadt-Wohnbach zu erreichen, wahrend die beiden anderen hessischen Jnsanterie-Regimenler von Butzbach ihnen entgegen tarnen. Trotzdem die Ostabteilung zurück- geschlagen wurde, hat sie doch ihre Ausgabe, Aufhalten des Gegners bis eine hinter ihr stehende Armee den Aufmarsch vollendet, erfüllt. fr. Ranstadt, 14. Sept. Gestern mittag gegen y24 Uhr brannte die Scheuer und die daran stoßenden StäUe des Schreinermeisters Karl Bernhardt hier total nieder. Am selben Datum, vor 13 Jahren, waren die Gebäude schon einmal abgebrannt. pH. Friedberg, 14. Sept. Ter Großherzog, seine Tochter, Prinzessin Elisabeth, und seine Schwester, Prinzessin von Battenberg, trafen soeben 4.40 Uhr mittels Ertrazuges hier ein. Zum Empfang waren an der Bahn anwesend: Kreisrat Fey, Oberstleutnant Mooz und Bürgermeister Sandmann. Nach einer kurzen Begrüßung, bei der Die Tochter des Kreisrats Fey der Prinzessin Elisabeth zwei prächtige Bouquets mit roten und weißen Rosen überreichte, bestiegen die Herrschaften die bereitstehenden Wagen. Im ersten nahmen die letztgenannten Herren Platz, im zweiten saßen der Großherzog, neben ihm die Prinzessin von Battenberg, gegenüber Prinzessin Elisabeth mit ihrer Erzieherin, Hofdame v. GraiuH. In dem dritten Wagen hatten Generaladjutant Oberst von Wachter und Flügeladjutant Freiherr von Röder» Diersberg Plan genommen. Die folgenden Wagen waren für das Gefolge bestimmt. Der Großherzog trug die Uniform des Leibgarderegiments Nr. 115, Prinzessin Elisabeth und Prinzessin von Battenberg waren hell gekleidet. Eine tausendköpfige Menschenmenge aus Stadt und Land bildete am Bahnhose und in der Haag- und Kaiserstraße Spalier, während in der Burg die gesamte hiesige Schuljugend, gegen 1000 Kinder, zur Begrüßung aufgestellt waren. Alle empfingen die Gäste mit begeisterten Hoch- und Hurrarufen. Ter Großherzog war durch den überaus herzlichen Empfang sichtlich erfreut und gerührt und grüßte freundlich nach allen Seiten. Er hatte ein überaus frisches, gutes Aussehen. Prinzeßchen Elisabeth schien sich über die jubelnde Kinderschar, die ihr auf dem ganzen Wege unaufhörlich Blumen zuwarfen, sehr zu freuen. Tie Stadt Friedberg und in erster Linie die zu passierenden Straßen waren prächtig mit Fahnen, Fähnchen und Guirlanden geschmückt, besonders hübsch nahm sich das städtische Rathaus aus. Ten Empfang ourch hiesige Vereine- hatte sich der Groß- jerzog verbeten. Auch die Schloßwache zog nicht auf, ba der Eroßherzog feinen hiesigen Aufenthalt ungestört und zurückgezogen verbringen will. Tie hiesigen Polizeibeamten trugen heute zum ersten Male, Schutzmannsuniform. — Friedberg hat gestern zirka 1500 Mann Einquartierung erhalten; es liegen hier: das ganze Regiment 168er, eine Schwadron 23er Tragoner, ein Bataillon 115er, je eine Abteilung 25er Artillerie und Train. Im Hotel Trapp ist Oberst v. Schmidt, Kommandeur der 25. Kavallerie- Brigade, abgestiegen. Montag werden noch etwa 3000 Mann eintreffen. — Zu Ehren des Großherzogs oeranftaUeteni die Bürger und Vereine heute abend 8l/j Uhr einen Facke l- ;;ug, an den sich eine Serenade im Schloßhof schloß. Am Mathilbenstift wurde der Zug um 8 Uhr aufgestellt; es beteiligten sich daran: der Kriegerverein, Turnverein, Feuerwehr, die Zöglinge des hiesigen Lehrerseminars, der Kriegerverein Fauerbach, die zehn hiesigen Gesangvereine und der Stadtvorstand. Tie Kapelle der 168er voran, mar* chierte der Zug, im ganzen über 300 Leute, nach der Burg- >er Schloßhof war dicht gefüllt, vor dem Thore mußte noch eine tausendlöpfige Menge zurückbleiben. Bürgermeister Sandmann hielt eine Ansprache an den Großberzog, hieß ihn namens der Stadt herzlich willkommen, versicherte ihn der vollsten Ergebenheit der Bürger Friedbergs, die nun fast 100 Jahre treue Unterthanen des Hess. Fürstenhauses seien. Er bat den Großherzog!, die Stadt allezeit in gutem Andenken behalten zu wollen. Begeistert stimmte die Menge in das Hoch auf das Hess .Fürstenhaus. Der Großherzog unterhielt sich hierauf sehr angelegentlich mit dem Bürgermeister. Die Serenade wurde von 250 Sängern aufgeführt. r Fauerbach-Friedberg, 11. Sept- Ein furchtbares Gewitter zog vom Winterstein kommend über unsere Gegend und richtete besonders an Obstbäumen, die ehr beloben sind, Schaden an. Schwarz war der Himmel, ölitz und Donner waren von größter Heftigkeit, mehrfach chlug es in Bäume ein. In Fauerbach traf ein kalter Schlag das Gebäude des Oekonomen Meisel, richtete aber nur geringen Schaden an. Im benachbarten Dorheim chlug es ins Wohnhaus des Weißbinders Hofmann. Von )er anwesenden Familie wurde wunderbarerweise niemand verletzt, nur der Verputz an Wänden und Decken wurde teilweise losgerissen. s. Bruchenbrücken bei Friedberg, 12. Sept. TaS Bahnwärterhaus von der Main-Weserbahn brannte vollständig nieder. Tie Kinder konnten kaum noch aus dem brennenden Hause gerettet werden. Sämtliches Be- itztum, Kleider, Geräte :c. verbrannten. Leider soll der Zahnwärter nicht versichert sein. Man nimmt an, daß ein Blitz bei dem schweren Gewitter wie in anderen Orten so auch hier einschlug, das auf dem Boden liegende dürre Futter entzündete und weiter glimmte. Ter Brand brach Ker Iuristeutag in Aerlin (von unserem be-Korrespondenten.) Berlin, 12. Sept. Schluß. In der zweiten und letzten Plenarsitzung am 12. September verlas der Vorsitzende Geheimrat Professor Dr. Brunner die Danktelegramme des Kaisers Wilhelm und des Kaisers Franz Josef auf die am ersten Tage abgesandten Huldigungsdepeschen. Den Vorsitz übernahm alsdann der Sektionschef im österr. Justizministerium Dr. Klein, welcher die Berichterstatter aufforderte, in Kürze über die in den Abteilungen gefaßte Beschlüsse zu berichten. Diese Beschlüsse sind nebst kurzer Begründung bereits mitgeteilt. Nur ein Punkt war der Plenarversammlung nicht zur Kenntnisnahme wie die übrigen, sondern zur Erörterung überwiesen, nämlich die Frage: welche Maßregeln sich für die rechtliche Behandlung der Ringe oder Kartelle empfehlen. Aber auch hier zeigte die Versammlung keine Neigung, den Gegenstand zur Erledigung zu bringen. Zahlreicher als in der gestrigen Versammlung waren die Gegner jeglichen Eingreifens der Gesetzgebung erschienen, nämlich die Herren Dr. Sch a r l a ch - Hamburg, die Justizräte Simon und Kemp n er-Berlin und der Kaufmann Tr. S o l m ß e n - Berlin, denen vor allem wieder österreichische Juristen und Professor Dr. Waentig- Münster i. W. opponierten. Jene hielten die Vorschrift des Bürgerlichen Gesetzbuches, daß, wer in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weife einen anderen vorsätzlich schädigt, diesem zum Schadensersätze verpflichtet ist, für eine genügende Handhabe, um Auswüchsen der Kartelle ■ entgegenzutreten. Diese wiesen an der Hand der Erfahrungen . darauf hin, daß das nicht der Fall sei. Die Kompetenz des Juristentages, Stellung zu den Kartelle» zu nehmen, wurde anscheinend überall anerkannt, die Frage wurde aber noch nicht als spruchreif erklärt, wie auch die Thatsache, daß Freunde und Gegner gesetzgeberischer Maßnahmen sich in zwei ziemlich gleich starke Hälften teilen, beweist. Von den Freunden eines Eingreifens der Gesetzgebung, die fast sämtlich schon in dem Bericht über die gestrige Abteilungssitzung genannt sind, wurde deshalb selbst die Vertagung beantragt, aber nicht bis zu einem der nächsten Juristentage, wie die Gegner wollten, sondern bis zum nächsten. Der erstere Antrag wurde mit sehr großer Majorität abgelehnt und gefordert, daß das Thema schon auf die Tagesordnung des nächsten Juristentages gesetzt werde. Vertagt wurde die Beratung über die Frage, inwieweit ein Recht am eigenen Bilde zu schützen sei. Es war dazu schon ein Antrag von Professor Leh m an n - Marburg eingegangen, zu beschließen, es sei ein allgemeines Recht auf unbehelligtes Privatleben anzuerkennen und aus diesem Gesichtspunkte auch ein Recht am eigenen Bilde. Tie Zeit war schon zu weit vorgerückt und wollle man dies wichtige Thema nicht über das Knie brechen. Professor Brunner, welcher inzwischen den .Vorsitz wieder übernommen hatte, berichtete, daß die Mitgliederzahl auf 1500 gestiegen sei, und machte die Namen der 20 Herren, welche die ständige Teputation bilden, bekannt. Er brachte einen Antrag zur Abstimmung und Annahme, wodurch die Teputation ersucht wird, durch eine Kommission Vorschläge zur Feststellung einer einheitlichen Zitierweise für die Reichsgesetze, nach Befinden auch Landesgesetze, Entscheidungssammlungen zc. zu machen. Der Vorsitzende zollte dem Fleiße des Juristentages in der bewährten Arbeitsatmosphäre Berlins Anerkennung, dankte den Referenten, den staatlichen und städtischen Behörden, auch der königl. Regierung für ihr ständiges Wohlwollen und schloß den 26. deutschen Juristentag. — Ueberblickt man die Leistungen dieser drei Tage, so muß man den höchsten Wert für die Entwickelung unseres Rechts der Erörterung der Frage noch einer Reform unseres Strafrechts zuerkennen. Die eingehenden Gutachten der Professoren Dr. v. Liszt-Berlin und van Calker- Straßburg, sowie das ungemein gründliche Referat des Professors Tr. Kahl- Berlin, bilden vorzügliche Wegweiser für die ^Inangriffnahme der Reform. In der zweiten großen Sitzung hat ditz Erörterung der Frage, ob das Gericht ober die Parteien, insbesondere also die Rechtsanwälte, die wirllichen Herren der Prozeßleitung sein sollen, die bestehenden Meinungsverschiedenheiten nicht ausgeglichen. .Sie bestehen nach wie vor ungeschwächt fort. Ter Anwaltsstand besteht auf der Beibehaltung des bisherigen Verfahrens, die Richter sind nach wie vor größtenteils entgegenstehender Ansicht, wennschon eine Aenderung Der neuen deutschen Zivilprozeßordnung von einer großen Mehrheit der Versammlung als nicht empfehlenswert bezeichnet ist. Tie Stellung der Minderheit kam m dem Zusatze zum Anträge, bay der Vereitelung von Terminen vorgebeugt werden |otfe, zu einem matten Ausdruck. In der Kartellsrage ist nichts beschlossen, trotzdem Dürfte der Tag nicht wertlos gewesen sein, sondern das Signal zu gründlichen Vorarbeiten hüben und dem ui gegeben . .ben. kWÜnschen wir, daß die Besprechung der "beiden neuen Vor T etiahrie 3727 et zu acht Monaten Gesang aber damals nach Amerika. ist ein ausserordentlich f nahrhaftes Getränk, welches einen wohl- 'v thuenden Einfluss auf die Nerven ausübt ) Unübertroffen für den täglichen Gebrauch.4' VAN HOUTEN’i CACAO Vermischtes. * Dresden, 13. Sept. Aus allen Teilen Sachsens und Thüringens werden seit gestern früh verheerende Orkane gemeldet. Viele Dächer wurden abgedeckt. Zahlreiche Personen wurden verletzt. Auf den Höhen ist das Thermometer bis auf 0 Grad gesunken. Der Schaden beziffert sich auf Millionen. * Bamberg, 13. Sept. Die städtischen Kollegien be- schloffen die Erbauung eines großen Schlachthofes. Die Kosten betragen l'/4 Millionen Mark. • Paris, 14. Sept. Gestern Abend gegen 11 Uhr wurden auf dem Boulevard Arago in kurzer Zeit fünf Wohnhäuser durch eine Feuersbrunst zerstört. Das Feuer griff so schnell nm sich, daß es den Einwohnern nur mit Mühe gelang, das nackte Leben zu retten. — In Dinant erschoß ein Marineoffizier aus Liebesgram ein junges Mädchen, das ihm ihre Hand verweigert hatte. * Mons, 14. Sept. Gestern wurden hier zwei Grubenarbeiter durch einen Förderkorb erfaßt und getödtet. Eiweiss Cakes Zu haben bei Hofl. J. iioux, Seltersweg No. 25. 8505 Grrichtssaal. Berltv, 14. Sept. Einen betrübenden Anblick bot eine Verhandlung, welche vor der siebenren Ferienstrafkammer des Landgerichts 1 statlfand. Auf der Anklagebank befanden sich sieben Knaben qu§ einer hiesigen Gemeindeschule, welche des Bandendiebstahls beschuldigt waren. Die Beweisaufnahme zeigte bei den jungen Burschen eine grenzenlose Berwahrlosung. Sie batten eine organisierte Diebesbande gebildet und' wie die Raben gestohlen. Zunächst machten sie die Laubenkolonien im Osten der Stadt unsicher, wo sie Kaninchen und Hühner stahlen. Dann wandten sie sich den Läden und großen Basaren zu und entwendeten hier alles, was in ihrem Bereich sich befand. Die Angeklagten waren durchweg Kinder von Eltern, welche des Morgens auf Arbeit gingen und erst des Abends nach Hause zurückkehrten, so daß bte Knaben außer der Schulzeit sich selbst überlassen waren. Ein Teil von ihnen ist inzwischen in Zwangserziehung gegeben worden. Ter Gerichtshof verurteilte sämtliche Angeklagten au Gefängnis st rasen, die sich zwischen zwei und neun Monaten bewegten. bas ich sofort geziemend erwidert habe, zur allgemeinen Kenntnis zu bringen. Peterhof, 12. Sept Unsere treusten Gedanken weilten heute in der geliebten Heimat und bitten Wir Si daher, der Stadt Darmstadt Unser tiefstes Bedauern ^uszusprechen, daß Wir der Enthüllung des Denkmals, errichtet von den Frauen und Jungfrauen Hessens zur Erinnerung an Unsere teure Mutter, nicht haben beiwohnen können. Elisabeth. Alexandra. habe man nichts bemerkt von der Leidenschaft und sorge nach Besprechung mit dem Hausarzt für Unterbringung des Patienten in eine geschlossene Anstalt. Rur dadurch ist eine Heilung möglich. Freilich 7 " der Kranke auch nach Entlassung aus der Anstalt noch^jahre^ lang fortdauernd überwacht wird, denn in Bezug auf das Morphium ist dem Patienten niemals zu trauen — trotz gegenteiliger Versicherungen wird er stets sich heimlich von dem geliebten Gift zu verschaffen suchen. Insbesondere aber bringe man dem Kranken Liebe und Freundschaft entgegen und man vergesse nicht, daß es Unglückliche sind, die nicht Verachtung, sondern Mitleid verdienen! v. S- •F Dr.W.Knecht’s Magenbitter ÄSÄNTISjst der beste M der Welt. Schauspielhaus. Dienstag den 16. September *): „Der Erbförster/ Mittwoch den 17. September: „Graf Essex." Donnerstag den 18. September: „Die Ränder." Freitag den 19. September: „Die zärtlichen Verwandten." Samstag den 20. September: Dramen-Zyklus zum Abschiede vom alten Schanspielhause. 14. Abend. Dr. Salomon Hermann Mosenthal (geb. 1821, gest. 1877). Reu einstudiert: „Deborah." Sonntag den 21. September, nachmittags halb 4 Uhr: „Alt-Heidelberg", abends 7 Uhr: Deborah." Montag den 22. September: „Die versunkene Glocke". Dienstag den 28. September: „Rosenmontag." • ) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Morpyinistcn. Bekannt ist es, daß die Morphiumsucht immer weiter um sich greift und besonders auch in gebildeten Kreisen ganz außerordentlich verbreitet ist. Der Grund ist wohl darin zu suchen, daß das Morphium anfänglich seine Opfer m ihrer Arbeit bedeutend fördert und unterstützt; den Künstler versetzt es in „Stimmung", dem Astronomen hilft es die schwierigsten mathematischen Probleme lösen, den Forschungsreisenden läßt es die Strapazen seiner Märsche vergessen. Aber, der Rückschlag tritt bald ein. Schon nach geringen Dosen wird das Morphium zur Leidenschaft unb übt dann auf seine Opfer eine furchtbare demoralisierende Wirkung aus, ja treibt sie geradezu dem Verbrechen in die Arme. Es ist noch nicht lange her, da wurde in Karlsruhe ein Student der technischen Hochschule wegen Urkundenfälschung zu Gefängnisstrafe verurteilt. Dieser Unglückliche hatte, lediglich, um seiner zur unwiderstehlichen Leidenschaft gewordenen Morphiumsucht sröhnen zu können, ein Rezept gefälscht und sich auf die Weile Morphium verschafft. Ein solcher Fall giebt zum Siachdenken Anlaß. Jener junge Mensch wurde zum Fälscher, aber er wurde es nur, weil er ohne Morphium thatsächlich nicht mehr existieren tonnte. Bekennt doch ein Arzt, der selber morphiumsüchtig war, dem ihn behandelnden Kollegen offen: „Ich wurde gewiß zum Betrüger, allein kam ich freiwillig dazu? Nein." Auch dieser morphiumsüchtige Arzt hatte sich in betrügerischer Weise Morphium selbst dann doch verschafft, als er sich in einer Heilanstalt befand, um eine Entziehungskur durchzumachen. Das Furchtbare und Gefährliche der Morphiumsucht ist zunächst die verheerende Wirkung, die das Gift aus den Intellekt seiner Opfer ausübt, und dann ganz besonders auch die Zerrüttung der Moral des Kranken. Durch zahlreiche Beobachtungen ist sestgestellt, daß die Kranken, — denn unglückliche Kranke sind die Morphinisten — vollständig den Begriff von „Gut" und „Böse" verlieren. Wenn sich das Bedürfnis nach einer Einspritzung einstellt — bekanntlich wird Morphium mittels einer kleinen Spritze, an der sich eine Hohlnadel befindet, unter die Haut gespritzt (injiziert) —. so erstirbt in dem Kranken jedes Gefühl für gute Sitte und Anstand. Morphinisten würden zweifellos alles verpfänden und verkaufen, was sie haben, um ihr Bedürfnis zu befriedigen, aus gleichen Gründen würden Frauen ihre heiligsten Güter preisgeben, und schließlich greifen solche unglückliche Kranke zu Betrug und Diebstahl, ja zum Einbruch. S-o z. B- erbrach einmal ein hochangesehener französischer Rechtsgelehrter während einer Ozeanfahrt, als ihm das Morphium ausgegangen war, nachts gewaltsam die Schifssapotheke und entwendete den ganzen Morphiumvorrat. Vor wenigen Jahren geriet in Deutschland ein bis dahin hochgeachteter Herr in Vermögensverfall, er hatte, wie n achher im Gerichtsverfahren sestgestellt wurde, täglich nicht weniger als 20 Spritzen der stärksten Morphiumlösung zu sich genommen, und außerdem noch zahlreiche Spritzen einer 15prozentigen (!) Cocainlösung. Und schließlich, als seine Geldmittel erschöpft waren, hatte er sich nicht gescheut, zum Betrug zu greifen, um seiner Leidenschaft weiter sröhnen zu können. Ein Sachverständiger, Professor Ball, sagt: „Das Morphium gestattet wohl der Intelligenz immer noch Spannkraft genug, um ein Verbrechen zu ersinnen und aus- zusühren, ohne jedoch die schweren Folgen begreifen zu lassen, welche daraus resultieren." Vielfach vergleicht man die Morphiumes,er mit den Alkoholikern, aber sehr zu Unrecht. Der Trinker wird stets durch eigenes Verschulden Knecht ferner Leidenschaft, während das Morphium in den weitaus meisten Fällen den Patienten erst von Aerzten z. B bei schmerzhaften, Krankheiten gereicht wird. . In Deutschland ist ja der freihändige Berkaus von Morphium verboten im Gegensatz zu Holland und Frankreich, aber merkwürdigerweise ist der Engros-Handel mit Morphium erlaubt, also ein Kranker bracht sich nur von einer Groß-Firma ein paar Kilo senden zu lassen, um seiner Leidenschaft sröhnen zu können. Auch lassen sich solche Leute vielfach vorn Ausland, z. B- aus Paris, Mor- ohiürn schicken. Zum Schluß noch ein Wort zur Behandlung von Mor- irhiophagen. Vor allem nehme man niemals plötzlich dem Franken die Spritze oder das Morphium fort, es könnten sonst durch plötzliche gewaltsame Entziehung schwere Erscheinungen auftreten, z. B Herzschwäche, auch Tobsucht, Anter Umständen sogar der Tod. Man thue vielmehr, als Rothe ist nach Beendigung seines Urlaubs heute nachmittag aus Bad Wildlingen wieder hier eingetroffen und wird am Montag wieder seinen Dienst an treten. Mainz, 13. Sept. Bezüglich der Erbauung eineß neuen Hauptpostgebäudes wird milgeteilt, daß von der Garnisonbauverwaltuug hier gegenwärtig Berechnungen über den Wert des Geländes gemacht werden, welches der Militärsiskus Ecke der Schillerstraße und großen Bleiche nächst dem Münsterplatze besitzt. Nun soll aber merkwürdiger Weise die Idee ausgetaucht sein, daß die städtische Verwaltung das Terrain durch Kauf oder Tausch von dem Militärfistus erwerbe und der Postbehörde zum Bau eines neuen Postgebäudes zur Verfügung stelle, wofür die Stadt durch die Uebertragung des jetzigen Hauptpostamtgebäudes auf dem Brand teilweise entschädigt würde. Was die Stadt mit dem Terrain des jetzigen Postgebäudes auf dem Brand, das, beiläufig bemerkt, in keinem Verhältnis zu dem Werte der Militärgebäude am Ecke der Schillerstraße und der großen Bleiche steht, beginnen will oder soll, erscheint sehr rätselhaft. M. A. Couverts mit Firma liefert billigst Brühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 St. Friedberg, 11. Sept. Der Sträfling Alt aus Florstadt machte heute einen Fluchtversuch aus hiesigem Arresthaus. Er floh in der Richtung nach Ossenheim, schwamm durch Ufa und Wetter und wurde nach langer Jagd vom Arresthausverwalter Igle und zwei Maurern bei Ossenheim e ingeholt und trotz verzweifelter Gegenwehr hierher zurückgebracht. Alt war vor fünf Jahren wegen Schlägerei zu acht Monaten Gefängnis verurteilt worden, ging sechs Wochen zurückgekehrt, wurde er sofort verhaftet. Darmstad 1, 13. Sept. Der Staatsminister Spielplan der vereinigten Frankfurter StadtiHeater. Opernhaus. Dienstag den 16. September'): Zum ersten Male wiederholt: „Don Pasquale". Hierauf, zum ersten Male wiederholt: „Zwischen zwei Feuern". Mittwoch den 17. September, abends halb 7 Uhr: „Der Ring des Nibelungen." Zweiter Tag: „Siegfried." Donnerstag den 18. September: „Zar und Zimmermann." Freitag den 19. September, abends Halo 8 Uhr: Festvorstelluna zu Ehren des deutschen Bankiertages: „Hoffmanns Erzählungen? Samstag den 20. September: „Ter Ring des Nibelungen" Dritter Tag: „Götterdämmerung." Sonntag den 21. September: „Undine." ttoitW3l’kie M ®tfe4lä 'bM-chnk, “9 -W shS De den Aus, gegen iu senden StG $tet total nieder ,aien die Gebäude ° IW Stal«, len soeben 4.40 ,in; Zum Empfang l §ey, Lberftleuv nann. Nach einer des Kreisrats Feh öouquets mit roten ;n d)e Herrschaften nahmen die letzt- >en der Großherzog rg, gegenüber Svsdame v. Grair djutant Oberst r?n err von Rö-tr- enden Wagen Men erzog trug die ilni- Prinzessin Elisabeth hell gekleidet Eine dt und Land bildete ÜLiserslrahe Malier, hiesige Schuljugend, gestellt waren. Ale >ch- und Hurrarufen, herzlichen Wang 3te freundlich nach risches, gutes Lus- über die Mnbe Wege Kärlich ie Stabt Friedberg 11 Straßen tooitn rlanden tzejchmüät, sche Mhaus aus. itte sich der Groß- : zog nicht auf, da chalt ungestört und igen Polizeibeanckn MLNnsunisorm. -* roMtquartie» nie Aegimenl 166er, Bataillon 115er, je i > Hotel Lapp hei 25. Kavallerie- ch etwaMMM veraMüK Meinen Ml- i)*i M.1® t wNKr 1 "it Es Ä.,5 -S'S.'" jeserbah" j* noch konnten Les Se- de- L. Leide- p. ellI nimlnt o%rtcn so andere«« biirre eyeilve- Am Sonntag wird die Kapelle deS Husaren-RegtS. „König Humbert von Italien" Nr. 13. eine Stunde vor Beginn im Freien und , „VM,„ ... während der Vorführung in der Halle konzertieren. Bei günstiger Freilich ist Hauptbedingung, daß Gerung finden auch am Montag und Dienstag Militär-Kon- Absöiürgbesres iMündwassen OeBWelf Schiffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 11. Sept. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer „Hannover", Kapitän I. Jantzen, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen. Der Doppelschrauben-Schnellposldampfer Kaiserin Maria Theresia Kapitän P. Wetttn vom Norddeutschen Llovd in Bremen, ist gestern 10 Uhr morgens wohlbehalten in Newyort angekommen. „Red S t a r L i n i e" Antwerpen. Der Postdampser „Vaderland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 8. September wohlbehalten in New-Pork angekommen. Eingesandt. (Für Form unb Inhalt aliei unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Einer Rohheit sondergleichen machten sich am gestrigen Sonntag einige Einwohner Heuchelheims anläßlich eines von einer Gießener Gesellschaft veranstalteten Lampionzuaes, schuldig. Als nämlich die Gesellschaft in durchaus ruhiger Weise den Heimweg antrat, wurden sie von mehreren Heuchelheimern belästigt und schließlich mit großen Steinen bombardiert, wobei ein Kind und ein Erwachsener nicht unerheblich am Kopf verletzt wurden. mk- , Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben nnberückfichttgt.) St. Wer Salzgurken in gewöhnliche irdene Töpfe einlegen will, verfährt wie folgt: Die Gurken werden gewaschen und gebürstet und mit sauren Kirsch-, Weinblättern uno Dill in die Töpfe geschichtet. Dann bedeckt man sie mit kaltem, abgekochtem Salzwasser (10 Liter Wasser - J. Pfund Salz) legt ein Brett obenauf und bedeckt dies mit einem sauberen Stein, der den Zweck hat, die Gurken immer innerhalb der Lake unterzutauchen. Man läßt sie vier bis fünf Tage am warmen Ofen stehen, bewahrt sie dann aber kühl auf. Nach vierzehn Tagen sind sie reif. Kunst und Wissenschaft. — Sensationelle Mitteilungen MarconiS über sein System der drahtlosen Telegraphie gelangen durch italienische Blätter in die Oeffentlichkeit. Marconi jagt, sein Snstem sei heute schon dermaßen vervollkommnet, bah 'em im Mtttelmeer liegendes Geschwader bequem mit einem anderen Geschwader im Indischen Ozean telegraphisch verkehren könne. Während der letzten Reise auf dem Kreuzer „Earlo Alberto" ließ Marconi an Bord täglich ein Journal drucken, das auf Grund der Depeschen, die von überallher auf dem Schiff» einliefen, zujammengestellt war. Die leichte Schwierigkeit, welche das Sonnenlicht dem drahtlosen Telegraphieren entgegensetze, habe er bereits überwunden, lieber die Ausdehnung seines Systems bemerkt Marconi. daß bereits 60 englische Kriegsschiffe und 27 Handelsdampfer oas System angenommen hätten. Allein in England beständen bereits 41 Marconi-Stationen, sodaß der finanzielle Erfolg des Unternehmens völlig gesichert sei. — In Hallstadt ist der Wiener Portrattmaler Swoboda im Alter von 80 Jahren gestorben. Kandel und UerKehr. Volkswirtschaft. Mainzer Straßenbahn. In dem am 31. März abgelaufenen Geschäftsjahr erzielte die Gesellschaft einen Reingewinn von 83380 Mk. (i. 93. 82 689 Mk.) woraus eine Dividende von 6 vEt. (i. 93. 6,6 pCt.) auf das von 1 Mill. Mk. auf 1,18 Mill. Mk. erhöhte Aktienkapital verteilt wird. Gut beschäftigt sind Gärtnereien sowie die Arbeiter der Cigarren- und Handschuh -Fabrikation, wenn auch die Dauer der jetzigen Saison recht fragwürdig bleibt. Zur Wein- und Tabakbau-Statistik in der Pfalz. Das Bezirksamt Neustadt besitzt die größte Fläche für Weinbau (5184 Hektar mit 156 897 Hektoliter Ertrag), die geringste Fläche Kaiserslautern mit 1 Hektar. Der Gesamtbau betrug nach dem Jahresbericht der „Pf. Handels- und Gewerbekammer" für das Jahr 1901 16 493 Hektar mit einem Mostertrag von 688791 Hektoliter zu je 23 Mk. — Die mit Tabak bebaute Fläche betrug 2006 Hektar, der Wert der Ernte 3 749 165 Mark. — Der Wert des Mostertrages beträgt 688 791 mal 23 ist 15 842 193 Mk. Rechnen wir hierzu noch die 3 749 165 Mk. Tabakbauerträgnis, so ergiebt sich als Gesamtertrag des pfälzischen Wein- und Tabakbaues die Summe von 19 591 358 9)tf. — Diese trockenen Zahlen führen eine beredte Sprache über die Bedeutung des psälzijrnen Wein- und Tabakbaues. Nebenbei sei erwähitt, daß die ^Qualität des 1901 Mostes seitens des Jahresberichtes die Note 8 erhielt, so daß bei besserer Qualität erheblich höhere Beträge hätten erzielt werden können. — Eiuhuudertmarknoteu der Bank für Süddcntschlaud. Während beim Erlaß des Bankgesetzes im Jahre 1875 noch 33 Banken das Recht zur Ausgabe von Banknoten hatten, ist die Zahl dieser Banken im Laufe der Jahre recht stark zusammen- geschmolzen. Neben der Reichsbank geben nur noch wenige Banken Banknoten aus. Eine derjenigen Banken, welche m letzter Zeit auf dieses Recht verzichtet haben, ist die Bank für Süddeutschland in Darmstadt. Sie hatte beim Erlaß des erwähnten Bankgesetzes einen ungedeckten Notenumlauf von 10 Millionen Mark. Es ist darauf aufmerksam zu machen, daß nach den Einziehungs-Bestimmungen, welche dcr Bundesrat getroffen hat, die Emhundert- marfnoten der Bank für Süddeutschland bis zum 31. Dezember des lausenden Jahres bei der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt und bei deren Filiale in Frankfurt a. M. gegen Bargeld umgetauscht werden können. Nach diesem Termine Horen bte mit der Firma ber Bank für Sübbeutschlanb umlausenben Noten auf, Zahlungsmittel zu fein. Sie behalten jeboch bie Kraft einfacher Schuldscheine unb werben als solche bis zum Enbe 1905 von ben oben bezeichneten Kassen eingeläst werden. Markte. Frankfurt a. M., 13. Sept. Für den diesjährigen Herbst- Pf erb em ar kt, ber vom 21. bis 24. September stattfindet, hat infolge ber reichen Zufuhr von Pferben bas Marktkomitee beschlossen, L fSSfcSS™ SBtttSS markt statt! Dadurch ist cm großer Platz m d-r Nahe der Halle frei geworden, welcher stir die Voriuhrung und Musterung der Luxuspferde beftimmt ist, Tie Händler bringe» auch diefes Mal wieder prächtiges material, fodaß für dieEhrenpreste am Sonnta, den 21. bS. eine scharfe Konkurrenz entstehen wird. Die frhre». preife werden in der Woche uom 14. bis jum 20 d. M. UI dem Laden des Englifche» Hofes neben der »mie Tauon ausgestellt. I ly gierte ■r Indem ich Bernhard Meyer, Asterweg 6. Samstags und Feiertags bleibt wem Geschäft geschloffen. i um 6384 r MAr- Geschäfts-Eröffnung. "« 0 Einem verehrlichen Publikum von Gießen und Umgegend zur gefl. Nachricht, daß ich mit heutigem Tage Afterweg 6 eine r 93223 Metzgerei eröffnet habe. — Es wird mein Bestreben sein, meiner Kundschaft nur das Beste in FiGBSCtx" un?2 Wurstwarfn zu liefern. ♦ gütigen Zuspruch und Unterstützung zu meinem neuen Unternehmen bitte, zeichne Hochachtungsvoll HandarbeitsschulemMLandmann Gießen, Südaulage 7. Wiederbeginn des Unterrichts: Montag den 15. September. Unterricht in allen Fächern der weiblichen Handarbeiten: Weiß- und Maschinennähen, Weiß- und Buntsticken* rc., sowie Kunst-Handarbeiten Schnitzen, Brandmalerei, Lederarbeit rc. 6264 $9^7* Für Auswärtige ganze oder teilweise Pension im Hause. 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Da die betreffenden Parzellen noch nicht im Grundbuch der Gemarkung Klein-Linden eingetragen sind, so werden alle diejenigen, wel- che Ansprüche an die betreffenden Parzellen zu bilden haben, hiermit aufgefordert, diese Ansprüche binnen 6 Wochen, vom Tage der Einrückung an, bei dem Großherzoglichcn Ortsgericht Klein-Linden oder bei dem unterzeichneten Gericht geltend zu machen, als sonst die beantragte Eintragung mit dem Erwerbtitel »Ersitzung" erfolgen würde. 6371 Gießen, 13. September 1902. Großh. Amtsgericht. Wversttigeimg. Dienstag, 23. September d. I., von morgens 9J/3 Uhr an, soll das Obst der Gemeinde Eberstadt, sowie dasjenige des fürsll. Hofkonsortiums an Ort und Stelle öffentlich meistbietend versteigert werden. Eberstadt, 13. Sept. 1902. Gr. Bürgermeisterei Eberstadt. Görlach. 6378 DM Versteigerungen Mittwoch de» 17. September, mittag- 1 Uhr, in der Gemarkung Hofgill, Anfang bei der Bergermühle, ferner: mittags 8 Uhr in der Gemarkung Arnsburg, Anfang an der Hofgiller Grenze. Muschenheim, 11. Septbr. 1902. 08941 Eifer, Beigeordneter. Morgen nachmittag 3—5 Uhr: Bücher- Aersteigerung. Lte Bücher können vorrnurags besichtigt werden. Karl Krebs, Buchhandlung, Schnlstraße 10. Die Lieferung von 300 Gentnern Nußtoks Nr. 2 für Kirche und stiftischen Gemeindesaal zur Heizung pro 1902/03 soll vergeben werden. Schriftliche, verschlossene Angebote sind bis zu>n 20. dss. Mts. zu richten an: den Vorstand des ev. Marienstifts zu Lich. Klingelhöffer. 6379 roh und gebrannt, per Pfund von 80 Pfg. an bis zu 2 Mk. Bei Mehrabnahme entspr. billiger. HocbfeineMischungen Prompter Versand. 6233 CbristianWallenfels 17 Marktplatz 17 am Kriegerdenkmal Telephon 262. Gegründet 1826. Ztiettn! 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