Zweites Blatt. 152. Jahrgang Dienstag 15. Juli 1903 Zulage feilt 'Mäße tem Tarten all« Nr. 163 Srscheiut täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesstschen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Verlag bi. Brühl'sche- Univers. Buch-u.Stei. druckerc: (Pietsch Erben) Vredakrii. Expedition, um Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Kernsprechanschluß Nr. 5L jpwewry Bezugspreis: A W WF ÄW W monatlich 7b Pf., viertel» GletzenerAmelgerW General-Anzeiger w ää _ _ v ** für den polit. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den weis Gießen Mk°Z v zeigenteil: Hans Beck. sition ihren Vorrat von Waffen erschöpft hatte, benutzte Graf .Bütow den Moment, um in rascher, schlagfertiger Unterhaltung die Herren Prinetti und Goluchowski für eine Erneuerung ohne Bedingung, ohne Klausel und Vorbehalte zu gewinnen. Dasselbe „mündliche Verfahren", scheint es, wird seinerzeit beim Zolltarifentwurf zur Anwendung gelangen. Wenn die Ergebnisse der Kommissionsberatungen vollständig vorliegen, wenn die Wortführer der Parteien gesagt haben, was sie auf dem Herzen hatten, dann dürfte man eines Tages von einer Einlcckmng „nationalgesinnter Parlamentarier" zur Kvnferenz im Reichskanzlerpalais lesen. Dann wird Graf Bülow seine oft bewährte diplomatische Geschicklichkeit, seine Kunst der Ueberzeugung entfalten, um mit den Parteihäuptlingen zu einer Verständigung über die Frage zu gelangen, von der im Grunde das Sein oder Nichtsein der Tarifvorlage abhängt: über die Bemessung der landwirtschaftlichen Zölle. Politische Tagesschau. Der König von Italien in Rußland. Der König von Italien in Begleitung des italienischen Botschafters Morra, des russischen Ehrendienstes und Gefolges ist am Montag an Bord der „Alexandra", die den italienischen Königswimpel am Großtop gehißt hatte, in Petersburg eingetroffen. Bei der Ankunft des Königs überreichte eine Abordnung des Magistrats, mit dem Bürgermeister Leljanow an der Spitze, dem König auf einem prächtig ausgeführten silbernen Teller Salz und Brot. Der König schritt die Front der Ehrenkonlpagnie ab, worauf ein Parademarsch erfolgte. Alsdann begab sich der König nach der Peter-Pauls-Kathedrale. Als der Dampskutter an der Peter-Paulsestung anlegte, wurde ein Salut von 21 Schuß abgefeuert. Der König wurde vom Kommandanten und den hohen Offizieren der Festung empfangen, und begab sich hierauf nach der Kathedrale, an deren Eingang er von der Geistlichkeit begrüßt wurde. Der König legte sodann, aus dem Sarkophage Alexanders III. einen Silberkranz nieder und verweilte längere Zeit am Sarge. Hierauf bestieg der König mit seinem Gefolge die bereitstehenden Wagen und stattete dem Grafen Lamsdorff und den übrigen Ministern und Botschaftern Besuche ab. Gegen 12 Uhr traf der König in der italienischen Botschaft ein, wo ein Frühstück stattfand. An dem Frühstück nahmen außer dem Gefolge und dem russischen Ehrendienst Graf Lamsdorff und andere Würdenträger teil, ebenso die Gemahlin des Botschafters, die vom Krankenlager ihres Kindes aus Italien sich hierher begeben hatte, um den König zu begrüßen. Nach dem Frühstück empfing der König eine Abordnung der Petersburger italienischen Kolonie unter Führung des Generalkonsul Muser und Abordnungen anderer Städte. Die Petersburger Kolonie überreichte eine künstlerisch ausgeführte Adresse, die anderen Kolonien wertvolle Teller mit Brot und Salz. Von der italienischen Botschaft begab sich der König nach dem Winterpalais, wo er das diplomatische Korps empfing. Nach dem Empfang reiste der König nach Peterhof ab, von dort begab er sich mit dem Kaiser nach Kraß- noje Selo. Dort war auf dem reich geschmückten Bahn- Hofe eine aus Gardetruppen bestehende Ehrenwache aufgestellt. Nachdem die Majestäten die Front abgeschritten hatten, überreichte eine Abordnung der Ortsbehörde aus einem aus Holz geschnitztem Teller Salz und Brot. Sodann besichtigten die Monarchen das Lager. Die beiden Kaiserinnen fuhren in einem Wagen vorauf, ihnen folgten die Souveräne mit großem Gefolge zu Pferde. Nachdem das Lager abgeritten war, wurde vor dem Kaiserzelt eine reisen sollten, um die nötigen Maßregeln zu treffen, wobei denselben die weitestgehenden Vollmachten für alle dringend notwendigen Schritte erteilt wurden. Am Montag erhielt der Unterrichtsminister Telegramme von den Behörden in Venedig, in denen gemeldet wurde, daß der Glockenturm eingestürzt sei und in seinem Falle den königlichen Palast und die Loggetta des Sansovino beschädigt habe. Eine Mitteilung darüber, daß der Einsturz des Turmes zu befürchten sei, war dem Ministerium nicht zugegangen; vielmehr hatte im vorigen November eine dorthin entsandte technische Kommission eine solche Gefahr für ausgeschlossen erklärt. Der Minister ordnete au, daß eine Kommission sich nach Venedig zu begeben habe, um genau fest zustellen, wen etwa die Verantw ort lich Leit treffe und zugleich zu untersuchen, in welchem Zustande sich die anderen Monumente der Stadt befinden. Der Campanile di San Marco hat seit etwa einem Jahrtausend aus Venedig herabgesehen. Er war Zeuge der Entwickelung von Venedigs Macht, Zeuge des Glanzes der Dogenherrschaft, als die Lagunenstadt die Meere beherrschte, Jeuge ihres Verfalls. Er überdauerte die Herrschaft der Oesterreicher in Venedig, und 36 Jahre stand er unter italienischer Königsherrschaft auf seinem Platz. Der Campanile ragte fast 100 Meter hoch in die Luft, viereckig und trotzig. Sein Geburtsjahr war das Jahr 888. Später wurde an ihm mehrfach gebaut; so werden Restauvierungsarbelten aus dem Jahre 1329 gemeldet, und im 16. Jahrhundert erweiterte ihn San Sovino durch die Loggetta, den öst- lick)en Vorbau, der ursprünglich von den Nobili Venedigs benutzt wurde. Darauf dienten die Rauuie als Sitz der staatlichen .hauptwache, wenn die venezianische Regierung drüben im Dogenpalast im Saal des^Großen Rates ihre weltbewegenden Sii'ungen abhielt. In der Neuzeit war oben auf dem Turin das Quartier eines Feuerwächters, der Ausschau hielt, ob die Bürger Venedigs sorgsam Feuer Serenade und ein großer Zapfenstreich von etwa 2000 Musikern und Spielleuten ausgeführt. Leider brach jetzt ein schwerer anhaltender Regen aus. Die Majestäten begaben sich sodann nach dem Palais, wo Familiendiner und Marschalltafel stattsand. Nach dem Diner fand im Theater die Ausführung zweier Ballets statt. Die Nacht über verblieben die Monarchen in Kraßnoje Selo. Heute früh fand große Parade statt. Die zwischen dem Zaren und dem König von Italien gewechselten Trinksprüche werden in Paris einigermaßen enttäuschen. Die Toaste sind zwar freundschaftlich, aber keineswegs auf den lebhaften Ton gestimmt, den der Zar dem verbündeten Frankreich gegenüber anzuschlagen pflegt. Einstweilen erscheint der Triumvh verfrüht, den man in Paris zu erkennen gab, weil der erste Auslandsbesuch Viktor Emmanuels dem Zaren galt. Italien ist dem Zweibund noch nicht so nahe gerückt, als man wünscht und von dieser Begegnung erhofft. Freilich werden die weiteren Kundgebungen abzuwarten sein; eine kunstvolle Steigerung in den Ansprachen wird auf russischer Seite gern beobachtet. Die Abschiedsworte bringen in der Regel erst die Pointe. “ Die englische Ministerkrife. Daß Lord Salisbury seine Entlassung genommen hat, ist nur insofern eine Ueberraschung, als man noch kürzlich versicherte, der englische Premier werde noch die Krönung König Eduards ab warten, bevor er sich von der Leitung zurückziehe. Im übrigen wurde seit Jahren Salisburys Rücktritt erwartet; er hatte als Staatsmann ungefähr dieselbe „ornamentale Bedeutung", wie sie in Deutschland Reichskanzler Fürst Hohenlohe besaß. Thatkräftige Initiative zu entfalten, verboten Lord Salisbury die Jahre, körperliche Beschwerden, verhinderte vor allem die Betriebs-' samkeit Chamberlains, der seit dem südafrikanischen Kriege die kaum bestrittene Führung in der Regierung an sich, gerissen hatte. A r t h u r B a l s o u r, der n e u e P r e?n i e r, Salisburys Neffe, wird sicherlich sich nicht damit begnügen, den Premierminister vorzustellen, sondern der: Anspruch erheben, die erste und maßgebeiide Persönlichkeit zu sein. Balfour hat sich ztvar alsbald mit Mr. Chamberlain in Verbindung gesetzt, und die berühmte „weitgehende lieber- einstimmung" wird auch bei dieser Gelegenheit bereits konstatiert. Aber es wäre zu verwundern, wenn diese beiden Staatsmänner auf die Dauer mit einander auskämen. Lord Salisbury ließ Chamberlain gewähren, auch dann, wenn die Draufgänger-Politik des Kolonialministers ernste Gefahren für den Weltfrieden heraufbeschwor. Balfour ist bei alt seiner Mäßigung kaum der Mann, „rollenwidrige Seitensprünge" zu dulden. Die englische Politik verspricht nun ganz besonders interessant zu werden. Man wird die Entwicklung der Dinge unter Balfour und Chamberlain mit Spannung verfolgen. Chamberlain hat einstweilen die größere Popularität hinter sich. Gerade dies Bewußtsein wird ihn verleiten, auszutrumpfen. Mit welchem Effekt, das muß sich zeigen. Das Ausland darf Arthur Balfour Vertrauen entgegenbringen. Als am Montag Premierminister Balfour das Unter» Haus betrat, wurde er von den Konservativen und Liberalen mit lautem Beifall begrüßt. Campbell Banncrmann erhob sich sogleich un,b wünschte Balfour Glück zu der Ehre, die ihm dadurch zu Teil geworden sei, daß er zur Bildung der Regierung ausgefordert wurde. Er wünsche Balfour Erfolg und Glück nicht nur in der Bildung der Regierung, sondern auch in der Führung derselben. Balfour war sichtlich aufs tiefste bewegt und dankte für die Glückwünsche unter erneutem Beifall. Alsdann erhob sich Balfour wiederum und zollte Salisbury warme Anerkennung, indem er sagte: EZ und Licht bewahrt hätten. Aber der Mann dort oben führte kein einsames Dasein. Er bekam gar viel Besuch von Touristen aus aller Herren Ländern, die den treppenlos sacht ansteigenden Weg 98 Meter in die Höhe auf Schneckenwindungen sich nicht hatten verdrießen lassem Die Anstrengung wurde belohnt durch die herrliche Aussicht. Weit schweifte das Auge über die Stadt Venedig hinaus, bis zu den schneebedeckten Zügen der Alpen, hinaus über die Lagunen zum Adriatischen Meere, und tief unter sich sah man das Gewimmel der Menschen auf dem Marcusplatz als durcheinander huschende dunkle Punkte, die Kuppeln der Marcustirche und den Dogenpalast. Und die Tauben von San Marco umschwirrten den Tk)urm, der festgefügt für die Ewigkeit erschien, und nun geborsten am Boden liegt. Aber ist sein Wiederaufvau wirklich eine Notwendigkeit? Wir meinen: nein! Er gereichte u. E. in seiner grellfarbigen Buntheit und seiner starren, steifen Unförmlichkeit dem unvergleichlich wundervollen Bilde des sonst so einzigartig harmonischen Martusplatzes nicht zur Zier. Seine Proportionen wirkten vielmehr gegenüber der in ihren Formen fast zierlich zu nennenden Markirskirche, gegenüber dem goldstrotzenden Uhrturm und den beiden Prokuratien störend, ja es beeinträchtigte erheblich alle die sonstigen berühmten Bauwerke des Markusplatzes. Darum scheint uns die Anordnung des W i e d c r au s b aiu e s, die, nach venetianischen Meldungen, durch eine nationale Subskription geschehen soll, kein besonders glücklicher Gedanke. Dagegen ist die sofortige Wiederherstellung der leider zum Teil mit zerstörten neuen Prokuratien, des kgl. Palastes, eine dringende Notwendigkeit. -tt- — Friedrich Kaulbach erhielt anläßlich seines 80. Geburts? tages am 8. d. Rlts. den Kronenorden 2. Klasse. Fr. Kaulbach ist Professor an der technischen Hochschule zu Hannover. Er i|t em Vetter Wilhelms v. Kaulbach imb als Porträtsmaler sowie durch seine Gemälde in dem Münchener Maximilianeum weiteren Kreye bekannt. Aie Heutige Wummer umfaßt 8 Seite«. Da berilhmle Glockeutnm in Venedig riegrfifirgt. Wir erhielten gestern kurz nach Redaktionsschluß folgendes Telegramm aus Venedig: Der Glockenturm von Marco ist eingestürzt. Die Gallerie des San Sovino sowie ein Flügel des Palazzo Reale sind weggerissen. Man hegt die Hoffnung, daß niemand unter den Trümmern begraben ist. Der Marcusplatz und hie nächste Umgebung sind mit Steinen und Schutt bedeckt. Unter der Bevölkerung herrscht furchtbare Aufregung. Die Behörden verfügten rasche Wegräumung der Trümmer. Heute früh lagen folgende Meldungen vor: Der Cin- sturz des Campanile von Venedig erfolgte um 10 Uhr. Der Marcusplatz war indessen schon früher geräumt, sodaß Menschen nicht verunglücrt zu sein scheinen. Erst kürzlich hatte eine Kommission von Architekten den Turm besucht, wobei es sich um eine neue Bemalung handelte. Die Kommission fand keinerlei Beschädigungen. Die ersten Risse wurden am 12. b. M. bemerkt, doch schienen sie nicht bedenklich. Vom Turme .ist nichts erhalten. Die Ursache scheint auf Unterwaschung des Erdreuches und Zerstörung Les Pfahlwerks zurückzuführen zu fern. Mittlerweile hat der Unterrichtsminister |ofort den Wiederaufbau des Turmesverfügt. , _ Der Glockenturm riß nicht nur die Loggia des ^on Sovino, sondern auch einen Bogen der neuen Prokuratien und den Bibliotheksaal des königlichen Palastes mit sich. . , .... „ Die offiziöse „Agenzia Stesam" veröffentlicht etn langes Kommunique des italienischen Unterrichtsmunsteriums, wonach der Präfekt van Venedig das Ministerium davon in Kenntnis setzte, daß der Glockenturm von San Mareo bedeutende Risse zeige und daß entsprechende Vorsichtsmaßregeln getroffen seien. Das Ministerium ordnete daraufhin jau daß die Architekten Boito und Calderinr und derGeneral- Stuftor der Altertümer Fiorilli sofort nach Venedig ofc Mas wird Kras ZLülow thrm? Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter unterm 14. Juli: Graf Bülow hat sich wiederholt, in Parlamentsreden wie in Unterhaltungen mit Journalisten als ein Mann bekannt, der an eine „bessere Zukunft" glaubt in der Politik. Der Kanzler hat eine Abneigung gegen Pessimisten, und diese beruhigte Auffassung des „Mannes am Steuer" über das, was da kommen wird, übt begreiflicher Weise Einfluß aus die gesamte „Besatzung". Alle Welt glaubt die Herren von der Regierung in sorgenvollster Stimmung ob des Schicksals des Zolltarifentwurfs. Die Luft ist mit schlimmen Prophezeiungen erfüllt; die Parteiführer rechnen weit mehr mit einem bösen als mit einem guten Ende dieser langwierigen Arbeit; Wg. Bassermann von den Nationalliberalen erklärte schon vor Wochen, er verstehe den Optimismus des Grafen Bülow nicht; die Presse aller Parteirichtungen ist ausnahmsweise einig in der Voraussage des Unhells; schon legen sich volkswirtschast- liche Schriftsteller das „Material" zurecht zu einem „Nachruf für den verunglüÄen Taris; den Vertrauensmännern der Parteien wird empfohlen, beizeiten nach dem Rechten zu sehen int Fall einer Reichstagsauflösung und Neuwal)len — in dieser wild onbräuenben Flut aber fährt Gras Bülow mit den Seinen unverzagten Herzens dahin. Es herrscht nicht gerade srohe Zuversicht in unseren Regierungskreisen, doch man giebt dort, nach allem, was man hört, keineswegs die Sache des Tarifs für verloren. Ja, man hält den Tarif nicht einmal für ernstlich gefährdet. Eine Maßregel wie die Reichstagsauflösung ist wohl überhaupt noch nicht in Betracbt gezogen worden. Auf welche Weise will Graf Bülow die Vorlage durchsetzen, die wichtiger als irgend eine andere seit einem Dezennium und Länger, die Volksvertretung und die Oef- Keit beschäftigte? Wir glauben nicht feblzugehen, if Bülow zur Erreichung des Ziels dasselbe Mittel Wahlen wird, wie bei der Erneuerung des Dreibundvertrags. Das ist das Mittel, die Beteiligten, die „Gegen- kontrahenten" zunächst einmal „ausreden", alle ^denken und Gegenmeinungen bis zur Erschöpfung Vorbringen zu lassen, um dann, in dem Augenblick der Abspannung, der sich immer einstellt nach einem solchen Tournier, seinerseits mit frischen Kräften einzugreifen und die Diskussion auf wenige, verhältnismäßig einfache Punkte zurückzuführen. Cs dürfte ausgefallen sein, daß die offiziöse Presse so gut wie gar keine Anstrengungen macht, den Zolltaris- entwurs zu verteidigen, ober bie Vorzüge dieses Werks dem Verständnis des Publikums näherzubringen. Auch in der Zollkommission legen sich die Vertreter der Regierung bemerlliche Zurückhaltung auf. Wenn die offiziöse Presse — die „Berl. Pol. Nachr." äußern sich in ihrer Eigenschaft als Organ des „Zentralverbands deutscher Industrieller" — sogar in der jetzigen polllisch stllleren Zeit sich nicht mit einem so ergiebigen und dankbaren Thema beschäftigt, rote es die Zolltarifvorlage ist, so haben zweifellos entsprechende Weisungen des Grasen Bülow diese Reserve veranlaßt. „Ausreden lassen". Auch gegenüber der beispiellos heftigen Agitation in Wort und Schrift gegen die Erneuerung des Dreibunds war offenbar die gleiche Direktive gegeben worden. Der Reichskanzler hielt Anfangs Januar seine bekannte Dreibund-Rede; auf alles das aber, was vorausgegangen war und was folgte an seinen und plumpen Versuchen in der Presse des Auslandes, bie Erneuerung bes Bündnisses zu hintertreiben, antwortete unsere offiziöse Presse nicht. Und als die Dreibund-Oppo- Kl IIÄ Thtt. Äqi ätafföin ad Messer ttÄ-W äiMche W 4998 ilm Orbig, ratze 10. Ift Dkl rmm größter Auswahl igtzev Preise« 4302 Ossmans rewegSd. DMA Preis von 5 üHt aler C. Fritz, 46, Alelierhaus. rärge, & bt5 sHeck i, WWVk > rankenM I *1 * ^Lyanb*, W. jed.Art,s^ ■f ft'ber Nlchm der englischen Politik, daß wir unsere Partei- Whrer nicht anders betrachten, denn als Vertreter des Landes. Wenn ich bedenke, daß Lord Salisburh viermal Staatssekretär des Auswärtigen und dreimal Mrnisterprä- siderrt gewesen und daß es wohl keinen Mann unserer Generation giebt, dessen Namen ein größeres Gewicht im Ausland hatte, !und der dem englischen Staate größere Dienste geleistet hat, so kann ich die Gelegenheit nicht vorübergeheu lassen, ohne meinen tiefen Schmerz über den Verlust, welchen das Land durch den Rütckritt Salisburys erleidet, Ausdruck Kl geben. Campbell Bannermann erklärte, das Gefühl des Bedauerns über den Rücktritt Lord Salisburys sei nicht ans die konservative Partei beschränkt Bei der Leitung der auswärtigen Angelegenheiten habe Lord Salisbury wieder und wieder den Beifall, die Billigung und das Vertrauen seiner Landsleute geerntet In Beantwortung einer Anfrage erklärte Balfour, er könne den Tag, wann die Vorlage betreffend Ratifikation der Zuckerkonvention eingebracht werde, nicht bestimmen. Die gestrige .Versammlung der Unionistenpartei koar sehr stark besucht. Lord Salisbury und Chamberlain waren nicht anwesend. Balfour wurde mit großer Begeisterung empfangen. Alle seine Anhänger begrüßten ihn Ahend mit lauten Zurufen. Balfour hielt eine Ansprache, tü der er über den Verlust des Führers sprach, der nahezu fünfzig Jahre lang im politischen Leben gestanden, und dem die Ruhe, die er so wohl verdient, niemand mißgönne. Der Verlust sei unersetzlich Cr — Balfour — habe die große Aufgabe, die der König ihm anvertraut habe, nicht in allzu übermächtigem Vertrauen auf seine Fähigkeiten, sondern darum übernommen, weil er Grund zu der Annahme habe, daß er aus die Achtung und das Vertrauen derjenigen rechnen dürfe, mit fcMmen er seither gearbeitet habe. Er bedauere, daß er den Beistand eines seiner hervorragendsten Ministerkollegen, des Schatzkanzlers Hicks- Beach verlieren werde. Obgleich er nutzt weiter mit einiger Sicherheit auf dessen Beistand rechnen könne, habe er die sichere Ueberzeugung, daß er auf dessen vollkommenes Vertrauen und seine guten Wünsche für ihn bauen könne. Sodann erklärte Balfour, er habe keine Geheimnisse und Ankündigungen persönlicher Art zu machen. Es könnten Veränderungen eintreten, die Politik der unionistischen Partei aber werde unverändert bleiben. Nach! Balfour sprach Hicks-Beach, der erklärte, er werde noch kurze Zeit im Amte blechen, um Balfour seine Hochachtung zu bezeugen. Infolge der Erklärung Balfours gelten noch eine Anzahl von Veränderungen im Kabinet als sicher bevorstehend. Salisbury, der den Wunsch baldiger Abdankung bereits vor acht Tagen zu erkennen gegeben hatte, war am Freitagnachmittag zur Audienz beim Könige. Er bat mit Rücksicht auf sein zunehmendes Alter und seine nicht nrehr hinreichend widerstandsfähige Gesundheit um Entlassung aus seinem Amte. Der König gewährte ihm dies in den gnädigsten Ausdrücken und sprach den Wunsch aus, seiner Anerkennung der hohen Verdienste Salisburys durch Verleihung der Herzogswürde Ausdruck zu geben, was der Minister jedoch mit Dank ablehnte. Salisbury empfahl dem Könige Balfour als seinen Nachfolger, der sich mit Chamberlain in Verbindung setzte, bevor er das Portefeuille des Ministerpräsidenten annahm. Chamberlain soll Balfour als den gegebenen Nachfolger Salisburys bezeichnet und chm seine volle Unterstützung zugesichlert ■ haben. _______ Kornhans-Geuosseuschastru. In Kassel fand kürzlich die Konferenz der deutsche n Kornh aus-Gen o ssens chaften statt. Den Vorsitz führte Geh. Regierungsrat Haas-Darmstadt; als Vertreter des preuß. Landwirffchaftsministers wohnte Geh. RegDerurrgsrat Haas-Darmstadt; als .Vertreter des preuß. Landwirt, chaftsministers wohnte Geh. Regierungsrat Kapp- Berlin den Verhandlungen bei. Um die erforderlichen Mittel für die Geschäftsführung zu erhalten, wurde beschlossen, eine Gebühr von 50 Psg. für jede verkaufte 1000 Zentner Getreide zu erheben. Auf eine Anfrage, ob die Regierung den Genossenschaften die Kornhäuser belassen werde, antwortete Geheimrat Kapp, für die preuß. Regierung bestehe keine Veranlassung, die Kornhäuser in eigene Regie zu nehmen. In den weiteren .Verhandlungen wurde auch über den Bau von neuen Koruhäusern und die Aufbringung der Mittel dazu gesprochen. Während der Referent, v. Brockhausen-Stettin, die Auffassung darlegte und begründete, daß die Beschaffung der Baugelder aus den Erträgnissen der alten Kornhäuser anzustreben sei, führte Rittergutsbesitzer v. Köppcn-Soest dagegen aus, daß der Staat die Verpflichtung habe, das Anlagekapital herzugeben, um neue Kornhäuser zu bauen, es bleibe dann den Genossenschaften iu)d)i genug, wenn sie das Betriebskapital auf- Drächten. Geheimrat Kapp erklärte dem gegenüber, daß Pie preuß. Staatsregierung jede Verpflichtung hierzu in iAbrck>e stellen müsse. Die Genossenschaften müssen sich jetzt ffelbst weiter helfen. Deutsches Reich. Berlin, 14. Juli. Aus Bergen wird gemeldet: Die Kaiseryacht „H o h en z o llern ist heute nachmittag nach Molde in See gegangen. — Frau Anna v. Bennigsen, die Gattin des früheren Oberpräsidenten Rudolf v. Bennigsen, ist im 69. Lebensjahre g e ft o r b e n. Wiesbaden, 14. Juli. Bei der heutigen Land- tagsersatzwahl für Dr. Lieber im 3. irassauischen Wah.l- ikreü erhielt der Zentrumskandidat Dr. Dahlem 181 Stimmen, der Landrat Schmidt-Montabaur 26;" un- 'giltig waren 3 Stimmen. Nicht erschienen waren zu der Wahlhandlung 41 Wahlmänner. Dr. Dahlem ist somit ge- iwählt. Ausland. Mons, 14. Juli. Der sozialistische landwirtschaftliche Kongreß ist gestern hier eröffnet worden. Anwesend sind zahlreiche sozialistische Führer und Abgeordnete. Paris, 14. Juli. Das Ratio Halfest wurde heute bei prachtvollem Wetter gefeiert. Die Truppenschau in Longchamps fand unter ungeheurem Andrange des Publikums statt. Präsident Loubet wohnte derselben in seiner Loge bei, umgeben von mehreren Ministern und Botschaftern. Die Revue verlief aufs Glänzendste. Bei der Truppenparade litten die Soldaten schwer unter der Hitze. M kamen über hundert Krankheitsfälle vor. General F-aure-Biguer, Gouverneur von Paris, erlitt einen Sormensttch und ftel vom Pferde. Sein Zustand erscheint wicht bedenklich. Auch General Perein, >labinettschef des Iriegsminifters, erlitt einen Sonnenstich und ist schwer Drei Personen find durch Sonneustich getötet worden. Die Mitglieder der Patriotenliga zogen zu dem Denkmal der Stadt Straßburg und der Statue der Jungfrau von Orleans und legten dort Kränze nieder. Die Kundgebung verlief ruhig und ohne Zwischenfall. Loubet hatte an den Kriegsrninister Andre einen Brief gerichtet, in dem er konstatiert, daß Ausbildung und Haltung der Armee nichts zu wünschen übrig ließen. Trotz der erschlaffenden Temperatur seien die Truppen in ausgezeichneter Ordnung und Haltung vorbeimarschiert. Die Pariser Bevölkerung habe die Tricolore begrüßt und die Armee, die sie schirme. Der Brief hebt mit lebhafter Freude hervor,, daß das Land für die Armee die gleiche Zuneigung hege. Seine Anhänglichkeit an die Einrichtungen Frankreichs sei die beste Bürgschaft für die Sicherheit des Vaterlandes und die Größe der Republik. — Die Verhaftung eines der Spio nage verdächtigen Oesterreichers in Lyon wird damit motiviert, daß derselbe angeblich photographische Aufnahmen längs der Alpengrenze gemacht hatte. Prag, 14. Juli. Der Beamte, durch dessen Verschulden das aus Kaiser Wilhelm bezügliche Inserat im Polizeianzeiger abgedruckt würde, ist vorläufig nur auf sechs Wochen des Dienstes enthoben. Gestern erschien der Polizeidirektor Krikäva beim deutschen Konsul Frhrn. v. Seckendorfs, und informierte ihn aufs Genaueste über den Vorfall, wobei er nachdrücklichst betonte, daß dem schuldtragenden Beamten jede böse Absicht fernlag. Entgegen Behauptungen einzelner Blätter, das Inserat sei in polnischer Sprache eingeschickt worden, verlautet von maßgebender Seite, daß der Text in deutscher Sprache abgefaßt gewesen ist. (Wie das „Berl. Tagebl." zu wissen glaubt, ist seitens der deutschen Regierung in Wien keine Beschwerde erhoben worden, da man es der österreichischen Regierung selbst überlassen wollte, hier Remedur zu schaffen.) Peking, 14. Juli. Heute haben die Vertreter der Mächte an die chinesische Regierung eine identische Note wegen Aufhebung der provisorischen Regie- rung in Tientsin abgesandt. Aus Stadt und Sand. Gießen, den 15. Juli 1902. ** Der neu ernannte Pro vinz ial direktor, seitherige Ministerialrat im Ministerium des Innern, Dr. Breidert, wird morgen früh in sein Amt eingeführt werden. Dr. Breidert hatte seine bisherige Stellung seit dem 1. August 1888 inne. Früher war er während einiger Jahre als Sekretär im Staatsministerium thätig und hat dann nacheinander die Kreisratsstellen in Erbach und Worms bekleidet, wobei er sich, wie heute das „Darmstädter Tagebl." schreibt, nicht nur durch berufliche Tüchtigkeit auszeichnete, sondern auch durch fein liebenswürdiges und leutseliges Wesen überall ungeteilte Sympathien erwarb. Durch Uebertragung der Stelle des ersten Verwaltungsbeamten der Provinz Oberhessen an Herrn Breidert ist für den in Gießen und Oberhessen allgemein betrauerten Herrn von Bechtold zweifellos der geeignetste Ersatz geschaffen. — Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung, Donnerstag, den 17. Juli 1902, nachmittags 4 Uhr. 1. Mitteilungen. 2. Gesuch der Firma Kauffmann u. Co. um Fristverlängerung zur Aufführung eines Vorderhauses am Schiffenbergerweg. 3. Baugesuch des August Scheppelmann dahier für den Großen Steinweg, hier: Vorgartenanlage. 4. Baugesuch der Johann Georg Weber Erben für die Neuenbäue Nr. 20, hier: Dispens. 5. Vergrößerung der Fabrikanlage des Oskar Gutmann, Frankfurterstraße 114, hier, Dispens. 6. Neubau von Kreuder, Neustadt, hier: Dispens. 7. Baugesuch von Ernst Blödner, Plock- straße 4, hier: Dispens. 8. Fluchtlinienplan für Ecke Marktplatz und Schulstraße. 9. Herstellung eines Bürgersteigs auf der westlichen Seite der verlängerten Bismarckstraße. 10. Lieferung von Pflastecklinkern für die Befestigung der Bürgersteige in der Plockstraße. 11. Vergebung von Arbeiten. 12. Dekretur von Rechnungen. 13. Geländeerwerb für den Ausbau des Riegelpfad. 14. Verpachtung von Gelände aus der Margarethenhütte. 15. Versorgung der Fabrik von Dern u.Co. mit elektrischer Energie. 16. Ilebersicht über die wicklichen Einnahmen und Ausgaben des Großh. Realgymnasiums und der Realschule zu Gießen für 1901/02. 17. Beschaffung eines Fahrrades für die Beaniten der Baupolizei. 18. Wahl der Zuchtrichtung für Rindvieh. 19. Bildung des Wiesenvorstandes. 20. Gesuch des Vereins Reichsdeutscher in Budapest um Unterstützung. 21. Gesuch der Wilhelm Kaltwasier Ehefrau zu Gießen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrleb im Haufe Frankfurterstraße 7. * • Die Direktion des Großh. Gymnasiums hat, wie wir bereits mitteilten, eine Umfrage au die Eltern der die Anstalt besuchenden Schüler gerichtet, worm sie um eine Aeußerung ersucht, welche von zwei in Vorschlag gebrachten Ferienordnungen die erwünschtere sei. Wir erhalten zu dieser für weiteste Kreise hochwichtigen Frage aus Elternkreisen folgende sehr bemerkenswerte Zuschrift: Schon die Veranstaltung der Umfrage läßt darauf schließen, daß die Rkeinungen in dieser Angelegenheit sehr auseinander gehen. Die Direktion stellt den Eltern anheim, zwischen zwei Ordnungen zu wählen. Es dürfte dadurch bei den meisten Eltern die Meinung entstehen, daß überhaupt eine dritte Löftmg der Frage nicht möglich, bezw. ausgeschlossen sei. Soweit uns nun die Ansichten aus Interessentenkreisen bekannt geworden sind, dürfte keiner der beiden zur Wahl gestellten Vorschläge den Eltern so ohne weiteres zusagen. Wir möchten mit Rücksicht auf die Mehrzahl der Schüler und besonders die noch un Entwickelungsstadium befindlichen Altersklaffen uns erlauben, die Aufmecksamkeit der Eltern auf folgende Punkte zu lenken, die u. E. bei einer Aenderung der Ferienemterlung besondere Berücksichtigung verdienen. Es scheint uns nämlich vom gesundheitlichen Standpunkte aus betrachtet in erster Linie geboten, die Ferien nach Zwischenräumen und Dauer rmgefähr gleichmäßig über das ganze Schuljahr zu veckcilen, und nicht alles auf eine lange Erholungszeit, die zudem noch mitten im Schuljahre gelegen wäre, zu konzentrieren. Aus dieser Erwägung folgert, daß es sich dann empfehlen dürfte, die Herbstferien zu teilen, davon vier Wochen in den heißen Juli und zwei Wochen m den Herbst, vielleicht Ende September, zu verlegen. Etwa die Hälfte der Anstalten des Landes hat Juliferien, darunter Darmstadt, da§ doch ebenfalls eine bedeutende Hochschule besitzt, woselbst die sogenannten Hundstagsfecken schon zu unserer Jugendzeit ein» geführt waren, welche Einrichtung sich heute noch der Be» liebtheit sämtlicher Eltern und Interessentenkreise erfreut. Wenn man sich bei den jetzt konkurrierenden Vorschlägen vielleicht auf Süddeutschland mit seinen langen Herbstferien beruft, so daff dabei doch nicht übeffehen werden, daß dort das Schul» fahr im Herbst schließt. Bei uns in Gießen folgen die Osterferien auf den Schluß des Schluß des Schuljahres und auf das wegen der Versetzung besonders arbeitsreiche TeckiaO Eine Kürzung dieser Ferien würden wir aus hygienische« Gründen für nachteilig erachten, weil die Schüler nach fa langer und angestrengter Geistesthätigung doch sehr der Ausspannung und Erholung bedürfen. Da nun außer den zwei^ Wochen Wechnachtsferien, die unverändeck erhalten bleibe« sollen, nur noch 9 Wochen im ganzen zu oerteiten und 6 Wochen bereits vergeben sind, so möchten wir im Interesse des Wohlergehens unserer Kinder voffchlagen, die Osterferien auf mindestens 2 1/2 W ochen festzusetzen, selbst auf die Gefahr hin, die Pfingstferien um i/2 Woche kürzen oder die fehlende halbe Woche den Gesamtferien zufügen zu müssen. Wir tragen kein Bedenken, das letztere Auskunftsmittel zu empfehlen, da nach unserer Information beispielsweise in Rheinhessen infolge der katholischen Feiertage den Schülern dock auch einige freie Tage zu gute kommen, was hier nicht der Fall. Wir haben in Hessen an den höheren Lehranstalten bereits zwei von einanderver- schiedene Ferienordnungen, nun soll für Gießen vielleicht noch eine dritte, besondere Ordnung geschaffen werden. Selbst das große Preußen mit seiner größeren Zahl von Universitäten, wo doch noch vielgestaltigeren Interessen und Wünschen Rechnung zu tragen ist, hat fast in sämtlichen Provinzen Juliferien. Darum wird es unserer Ansicht nach auch möglich und zweckmäßig sein, für Gießen und Darmstadt etwa die gleichen Einckchtungen zu treffen. Nicht vereinzelte Ab- stimmung, sondern Einberufung einer öffentlichen Versammlung, in der Eltern, Aerzte und Lehrer gleichmäßig zu Wocke kommen und das Für und Wider eingehend erörtert werden kann, dürfte den infrage kommenden Direktionen unserer höheren Lehranstalten die einzige Möglichkeit bieten, das Beste und allen Beteiligten zumeist Zusagende hinsichtlich der neuen Feckenordnung ausfindig zu machen." * * Personalien. Der Landgestütsdiener Hermann Breitwieser in Darmstadt ist wegen geschwächter Gesundheit und unter Anerkennung seines Wohloerhaltens in den Ruhestand versetzt worden. * • Das Amtsblatt des Großh. Ministeriums der Justiz Nr. 18 vom 30. Juni d. I. enthält ein Ausschreiben an die Großh. Amtsgerichte, betreffend die staalliche Betriebskrankenkasse, hier den Beitritt der Amtsgeckchtsdiener- Substituten. — Die Enteignung des Klinikgeländes. Unserem Bericht über die Enteignungsverhandlungen des Klinikgeländes haben wir noch nachzutragen, daß der geforderte Preis für die gesamte Gabriel'sche Besitzung in der Klinikstraße, die mit in das Gelände der neu zu erbauenden Kliniken fällt, sich nicht, wie wir angaben, auf 122 Mk. für den Quadratmeter, sondern auf insgesamt 122 000 Mk. beziffert. — Uebngens werden wir, um einerseits unsere bisherigen Be- ckchte über das Enteignungsveffahren zu ergänzen, und um andereffeits die Beweggründe, die das Enteignungsveffahren veranlaßt haben, zu erläutern, in den nächsten Tagen einen ausführlichen Situationsbeckcht über das zu enteignende Gelände bringen. ^Stenographisches Wettschreib en. Bei dem gelegentlich des 23. Stenographentages des Verbandes der Gäbelsberger Stenographen des Main-Rh eingaues und von Hessen und Nassau Vjm 1. Juni in Wetzlar abgehaltenen Preisweckschreiben entfielen nach Gießen 4 Preise. In der Abteilung von 80 Silben pro Minute erhielt Oswald Ulbricht (Gesellschaft) den 1. und Alex. Karnbach und Fcktz Kalbfleisch (Verein) je einen 3. Preis, während in der W- teilung 100 Silben Emil Rau (Gesellschaft) den dritten Preis errang. * * Aus dem Polizeibericht. Gestern Abend gegen 11 Uhr wurde eine mehrfach wegen Trunkenheit verhaftete Frau im Mittelweg von zwei Männern in unverschämter Weise angehalten. Auf ihre Hilferufe effchien ein Schutzmann, worauf die beiden Männer, ohne erkannt zu werden, flüch- teten. Die Frau, die sehr betrunken war, wurde verhaftete — Auch ein fremder hier zugereister Handwerker, der gestern' Abend nach 9 Uhr in der Wallthorsiraße durch seine Trun- kenheit einen Menschenauflauf verursachte, mußte in Haft genommen werden. * * Wegen eines Spazierstockes. Ein kaum 14jähriger junger Mensch von hier, welcher schon seit vier Wochen die elterliche Wohnung meidet, obdach- und arbeitslos sich in der Stadt umheckreibt, wurde gestern abend wegen Diebstahls in Haft genommen. Er hatte am vergangenen Sonntag Nachmittag in einem Laden auf dem Kreuzplatze einen wertvollen Spazierstock entwendet, mit dem er sich auf dem Turnfest im Philosophenwald dadurch verdächtig machte, daß er ihn beständig im Rockärmel versteckt trug. * * Von der Schloßfreiheitslotterie. Wie uns von der Lotteriedirektion zu Darmstadt nntgeteilt wird, sind die Lose der Darmstädter Schloßfreiheitslottecke an die Kollekteure vollständig ausverkauft worden. Da aber bei einigen der letzteren noch eine Anzahl Lose unverkauft geblieben ist, so ist die Ziehung erster Klaffe auf den 14. August verschoben worden. Bei dem Termin für die Ziehung der 2. Klasse bewendet es. sd. Die Stelle eines kaufmännischen Direktors der H e s sis ch e n L and e s-H Y p 0 th e k e n- b a n t' wird vom Großh. Finanzministerium soeben ausgeschrieben. Bewerber wollen sich unter Vorlage von Lebenslauf und Zeugnissen und unter Angabe sowohl ihrer derzeitigen Bezüge an Gehalt, Tantiemen re. als auch ihrer Gehalts ansp räche für die obige Stelle bis 25. Juli d. I. melden. * * Im hiesigen Schlachthofe entsprang heute morgen ein zum Schlachten bestimmter Stier, als er in der Schlachthalle zum Schlachten geführt werden sollte. Das wild gewordene Thier lief auf dem Fußweg der Westanlage entlang, doch konnte es bald wieder eingefangen werden. * * Briefkastenleerung. Um dem entfernt vom: ,tr. geschätzt. rat -Anl. 4’/,% äussere Argentiner 3Va% 3% 3V,% 8% 102.20 92.85 102.50 92.50 100.20 99.30 103.45 103.20 47.35 29L0 27L0 114.00 43.40 4°/o Italien. Rente 4‘/,56 Portugiesen 8°/e Portugiesen. . 156 C. Türken . Türkenlose . . . 4% Griech. Monopo 13,32 gegen 13,02, der des Hafers auf 11,18 der Geräte auf 12,29 gegen T“ "" " Hauptpostamt wohnenden Publikum noch Gelegenheit zur Auflieferung eiliger Briefe nach der letzten allgemeinen Briefrastenleerung zu bieten, ohne daß die Absender sich zum Bahnhof zu begeben haben, wird jetzt, wie uns das Kaiserl. Postamt mitteilt, der Briefkasten am Postamt 2 in der Schulstraße um liy8 Uhr abends noch einmal geleert. Frankfurt a. 9JL, 14. Juli. Der Schutzmann Hartl vom 9. Polizeirevier in der Eichwaldstraße nahm gestern auf der oberen Bergerstraße eine Arretierung vor und bemühte sich mit der Fortbringung des Festgenommen. Plötzlich kam von hinten ein Unbeteiligter und versetzte dem Schutzmann einen Messerstich in den Rücken. Der Stich ist etwa ungefähr 10 cm tief unterhalb des rechten Schulterblattes eingedrungen. Der Gestochene hatte noch die Kraft, den Säbel aus der Scheide zu ziehen und den Messerhelden durch einen wuchtigen Hieb über den Kopf kampfunfähig zu machen. Der Schutzmann ist schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Die Samariterwache aus der Friedberger Landstraße brachte ihn nach seiner Wohnung, den Mesierstecher, der bewußtlos war, nach dem Bürgerhospital. Dort fand heute eine Vernehmung des Attentäters durch Kriminalkommissar Kuno statt. Er hat durch den Säbelhieb einen Schädelbruch erlitten. Er ist ein Fahrbursche und soll Philippi heißen. Neustadt a. d. H., 14. Juli. Gestern hat hier das 19. Verbandsschießen des Badischen Landesschützenvereins, des Pfälzischen und des Mittelrheinischen -Schützenbundes begonnen. Schon am 12. Juli fand abends ein Festbankett statt. An dem großartigen Festzug gestern früh beteiligten sich etwa 100 Vereine. Beim Kon - kurrenzschießen wurden folgende Becher herausgeschossen: Standscheiben: 1. F. Bartels (Wiesbaden), 2. Aug. Kilbinger (Gießen), 3. Ph. Witzel (Bockenheim), 4. Georg Roth (Frankfurt), 5. Friedrich Müller (Heidelberg), 6. Hans Dietrich (Landau), 7. Karl Dotter (Mannheim), 8. F. Harbach (Offenbach), 9. Franz Diehl (Mainz), 10. Ph. Winkler (Kreuznach). Feld scheibe: 1. Otto Selig (Wiesbaden), 2. Karl Bock (Frankfurt), 3. W. Hock (Offenbach), 4. A. Weigand (Worms), 5. Karl Gauß (Mainz), 6. Franz Brurein (Mannheim), 7. I. Maier (Ludwigshafen), 8. Jakob Hofmann (Heidelberg), 9. Wilhelm Friedrich (Neustadt), 10. H. Platt (Bockenheim). ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Machbarstaaten. In Frankfurt a. M. kamen am 12. und 13. Juli 3 Fälle von Hitzschlag vor. — Auf einem Hofe in Vilbel warf ein Hahn ein spielendes 2jähriges Kind um und pickte ihm mit dem Schnabel in die Augen. Das eine Auge lief aus. — In Heppenheim spielte ein zweijähriges Kind mit Streichhölzern. Diese entzündeten sich, und die Kleider des Kindes fingen Feuer. Das Kind starb an den erlittenen Verletzungen. — Um dem Ueberhandnehmen der Hamster zu steuern, beschloß der Gemeinderat in Erlenheim, für jeden erlegten Hamster 20 Pfg. Fauggeld zu bezahlen. 8u/o Mexikaner . . 4*/a% Chinesen . , Electric. Sohuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Gestern Staats bahn . Lombarden , . , Gotthardbahn . . . Lauraliütte . . . . Bochum ..... Harpener .... Tendenz: fest . 264K> . 9L15 . 10010 . 108.50' . 215.10 . 185.10 . 137.00: . 145.30- . 157.30 . 150.30 . 17.90 . 168.80 . 200.50 . 192.50 . 169.70 3l/e°/o Hessen • • • 3V»% Oberhessen . . 456 Gestern Goldretne . Familien Nachrichten. Ludwig Rosenthal zu Gießen mit Bella Rosenthal, geb. Heil- brunn, zu Hofgeismar, Vermählte. Bekanntmachung, Betr.: Die Besetzung einer Schutzrnannsslelle. Bei unterzeichneter Behörde ist eine weitere Schutzmannsstelle mit einem Anfangsgehalt von Mk. 1320.—, steigend jährlich um Mk. 30.— bis zum Höchstgehalt von NU. 1800.—, am 1. Oktober l. Js. zu besetzen. Geeignete Bewerber wollen sich unter Vorlage selbstgeschriebener Gesuche, denen die Militärpapiere, sowie Führungszeugnisse anzuschließen sind, bis spätestens 20. August l. Js. melden und vormittags zwischen 10 und 12 Uhr vorstellen. Gießen, 15. Juli 1902. Großherrogliches Polizeiamt Gießen. Hechler./ 4x/256 Gestern Silberrente 101.80 456 Ungar. Goldrente . . 102.40 Reiohsanleihe do. Konsole . do. . . Vermischtes. • Berlin, 14. Juli. Infolge einer Unachtsamkeit bei der Behandlung einer schadhaften Gasleitung, erfolgte im „Bad Alexanderplatz" eine Gasexplosion, wodurch zwei Personen schwer verletzt wurden. * Friedrichroda, 14. Juli. Stadtrat Kauffmann erlitt vor 4 Tagen einen Schl aganfall, wodurch die linke Seite leicht gelähmt wurde. Der Patient befindet sich aber bereits wieder auf dem Wege der Besserung» * Neuwied, 14. Juli. Der ehemalige Generaldirektor der Fabrik feuerfester und säurefester Produkte in Vallendar, Boeing, wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft wieder verhaftet. * Brüssel, 14. Juli. JnKchorde wurde heute morgen eine Dame, die sich in Begleitung eines Herrn befand, von der Gattin desselben durch zwei Revolverschüsse getötet. Die Mörderin wurde verhaftet. * Innsbruck, 14.Juli. Der Tourist Tiefenthaler aus Kematen ist im Saltorianer Gebirge abgestürzt und blieb sofort tot. Hanschke 1500 Mark event noch 100 Tage Gefängnis. Ferner beantragte der Staatsanwall für Otto Sanden und Hanschke je ein Jahr mid 2 Monate, bei Eduard Schmidt und Warsinski je ein Jahr und 4 Monate Untersuchungshaft anzurechnen und gab anheim auch bei den übrigen Angeklagten einen Teil der Unter- uchungshaft in Anrechnung zu bringen. Neueste Wewuugen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 15. Juli. Die gestrige Pückler-Ver- sammlung mußte polizeilich abgesperrt werden da der Andrang so kolossal war, daß such dre Menge auf der Straße vor dem Lokale staute. An der Kasse entstanden jo tumultarische Szene n, daß Schutzleute ern- schreiten mußten, weil nur Leute gegen ein Entree hon 20 Pfennig eingelassen wurden. Selbst Zeitungs-Be^ richterstatter mußten an der Kaf.se umkehren, weck diesen der Eintritt verweigert wurde. Dre Versammlung verlief ohne jeden Zwischenfall. .. London, 15. Juli. Aus der Ankündigung des Rücktritts des Schatzkanzlers Hicks Beach schlreßt man, daß Hicks Beach zwar aus dem Minister rum scheiden, die Regierungspolckik jedoch als unabhängiges Mckglred weiter im Unterhause stützen wird. Andererseits wird darin ein Beweis erblickt, daß die Absicht besteht, Balfour zum Peer zu erhöhen und ins Oberhaus zu Telephonischer Kursbericht« .Frankfurt a. JBL, 15. Juli 1902. Landwirtschaft. — T>er genossenschaftliche Getreideabsatz in Deutschland. Nach einer Zusammenstellung der Deutschen Kornhauskommission betragt der genossenschaftliche Getreideverkauf im Jahre 1901 etwa 7 Mill. Ztr. im Wert von 55 Mill. Mk. Eine genaue Feststellung der Größe des genossenschaftlichen Getreideabsatzes, so heißt es in den Mitteilungen, ist nicht durchführbar, da für die vielen Hunderte von genossenschaftlichen und sonstigen landwirtschaftlichen Organi- ationen, welche sich mit dem gemeinsamen Getreideabsatz befassen, keine vollständige Ermittelung diesbezüglicher Angaben möglich ist. An dem Getreideabsatz im verflossenen Jahre 1901 sind folgende Genossenschaften beteiligt: 1. Haupt--Ein- und Verkaufs-Genossen- chast Dortmund 201 000 Ztr. 2. Westfälische Zentralgenossenschaft Münster 30 000 Ztr. 3. Genossenschaften in Preußen, welche aus dem Kornhausfonos unterstützt würben, 2 250 000 Ztr. 4. Zentral - bezugsgenossenschaften des Allgem. Verbandes (Darmstadt) 300000 Ztr. 5. Genossenschaften des Neuwieder Verbandes 1 400 000 Ztr. 6. Bayerische Genossenschaften 580 000 Ztr. 7. Bayerische Darlehnskassen im Allgem. Verbände 370 000 Ztr. 8. Fichtelgebirgsverkaussgenossenfchast in Ansbach 100 000 Ztr. 9. Getreideverkaussgenossenschaften im Königreich Sachsen 200 000 Zentner. 10. Getreideverkaufsgenossenschaften im Königreich Württemberg 38 000 Ztr. 11. Hauptgenossenschaft zu Berlin 194 000 Ztr. Wenn man erwägt, daß die deutschen Landwirte jährlich etwa 9—10 Mill. Tonnen zum Verkauf bringen, so ist der genossenschaftliche Verkauf noch gering. Der Kornhausfonds in Preußen ist, wie aus dem Nachweis über den Verbrauch hervorgeht, fast vollständig für den Bau von Kornhäujern aufgebraucht. Am Ende des Jahres 1901 waren noch etwa 800 000 Mk. vorhanden; mit 4 Genossenschaften wurden damals noch Unterhandlungen gepflogen. Budapest, 14. Juli. Nach dem amtlichen Saaten st and s- bericht vom 10. Juli wird der Ertrag des Weizens auf 41,95 Mill. Mtr^Zentner gegen 40,80 am 30. Juni, der des Roggens auf ' ----* ‘ fers auf 11,18 gegen 10,73 und der 12 Mick Mtr.-Zentner am 30. Juni Eisenbahn-Zeitung. Bilbel, 14. Juli. Die Linienführung der Nebenbahn Vilbel —Höchst a. d. Nidda — Stockheim ist laut der an 'i>er Linie belegenen Gemeinden zugegangenen offiziellen Mitteilung nunmehr endgiltig festgelegt, sodaß wohl demnächst jur Bauausführung der genannten Nebenbahn, die für unser südöstliches Ober» Hessen von großer Bedeutung ist, geschritten werden wird. Gerichtssaal. Berlin, 14. Juli. Im Prozeß Sanden beantragte der Staatsanwalr gegen Eduard Sanden 6 Jahre Gefängnis und Verlauft der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre, gegen Heinrich Schmidt 2 Jahre Gefängnis, gegen Puchmüller 4 Jahre Gefängnis, gegen Eduard Schmidt 2 Jahre Gefängnis, gegen Warsinski ein Jahr 9 Monate Gefängnis, gegen Otto Sanden 4 Jahre Gefängnis und gegen Hänschke 1 Jahr 3 Atonale. Außerdem beantragte der Staatsanwalt folgende Geldstrafen: Gegen Eduard Sanden 15000 Mark event. noch em Jahr Gefängnis, gegen Heinrich Schmidt 3000 Mark event. 200 Tage Gefängnis, gegen Puchmüller 5000 Mk. event. für 15 Mark je einen Tag, gegen Eduard Schmidt und Warsinski je 3000 Mark event. 200 Tage Gefängnis, gegen Otto Sanden 10000 Mark event. noch ein Jahr Gefängnis uno gegen Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfrage« bleiben unberücksichtigt.) P. Der am 7. d. M. verstorbene Prooinzialdirektor Geheim- v. Bechtold gehörte dem Heidelberger Corps Rhenania an. Dr. M. Herr Pfarrer Dr. Grein stand bereits im Februar 1901 in Verhandlung wegen Uebernahme einer erledigten Darmstädter Pfarrstelle. Damals aber gelang es, ihn seiner hiesigen Gemeinde zu erhalten, was die zahlreichen Freunde, die Pfarrer Grein in den weitesten Kreisen unserer Stadt hat, sowie feine Gemeinde damals mit Freuden begrüßten. K. R. Prof. Dr. Preuße (früher Kreistierarzt in Wittlich (Reg.°Bez» Triers, wurde im Januar 1901 hierher berufen. berufen, tmt Chamberlrnin durch Dnfrücken tit W Position als Unterhausführer für ben entgangenen leit enden Ministerposten zu entschädigen, da man annehmen darf, daß nur der Widerwille gegen die Unterordnung unter Chamberlain den Schatzkauzler Hicks Beach zu seinem Rücktrckt veranlaßt Haden kann. M verlautet, er werde erst während der bevorstehenden Herbft- ession sein Amt thatsächlich niederlegen. Ms mutmaßliche? Nachfolger werden bisher genannt: Chamberlains Sohu. Austen, George Hamilton und Mr. Hanbury. In R.egro- rungstreisen ist die Ansicht verdrecket, daß man an leiten* der Stelle an Neuwahlen zum Parlament denke, weck' mit dem Friedensschluß die letzte Wahl-Parole erfüllt sei. Doch glaubt die überwiegende MehtMck vorläufig nicht! an eine Parlaments-Auflösung. London, 15. Juli. „Daily Maik" teilt amtlich mit^ daß die Krönung nunmehr endgültig am 9. Auguststatb,: inden werde. — Wie die Blatter zu berichten wissen, be* giebt sich Lord Kitchener demnächst zur Besichtigung der Nitbewässerung nach Aegypten und wird auch Khartum besuchen und sich dann nach Indien einschiffeu, um. den Oberbefehl über die indischen Truppen zu übernehmen. London, 15. Juli. Balfour wurde gestern tom König empfangen und zum Lor d-Ge heirn-SiegeL-! bewahrer ernannt. Da der Rücktritt des Premiers Ministers nominell das Erlöschen der bisherigen^ R e g i e r u n g in sich schließt, eracfjtet Balfour es für nötig, sämtliche Kabinettsmitglieder in ihre Stellungen aufs Neue einzusetzen bezw. darin zu bestätigen Eine Neubesetzung) oder Bertauschung einiger Ministerposten vor dem Zusammen trckt der Herbsttagung des Parlaments gilt al§r wahrscheinlich, doch erwartet man nicht, daß noch irgenb eine bedeutungsvolle Veränderung im Kabinet vor sich gehen werde. London, 15. Juli. Amtlich wird bekannt gegeben- Der König verlieh Lord Salisbury, den er am 1L JUL in Audienz empfing, das Großkrenz des Royal WiL* toriaordens in Brillanten lVeuedig, 15. Juli. In der gestrigen Sitzung deH Stadtrates verlas der Bürgermeister Teleguamme der SSrt nigin Margherita und des deutschen Reichskanzlers Grafen' Bülow, in denen diese chr Mitgefühl ausdrücken. Währen« das gaumen Tages strömte die Bevölkerung nach dem Markus^ platz. Die Truppen sperrten die cknglücksstätte ab. Infolge- einer Beschädigung der Gasleitung war der Markusploch nscht beleuchtet. Er bot in dem Düster einen überaus traurigen Anblick Der Stadtrat bewilligte gestern abenb den ersten Kredit von 500000 Lire für den Wieders aufbau des Glockenturmsund der Loggia be$ San Sovino. Die Sparkasse eröffnete eine öffentliche Subskription für den gleichen Zweck und zeichnete dafür; 10Ö 000 Lire. Wien, 15. Juli. Der Lecker der Laibacher Erdbeben-, warte Professor Belar ist folgender Ansicht über den Einsturz des Glockenturmes in Venedig. Der Zusammensturz war feit Jahrhunderten vorbereitet durch die Beschasfenheck des Untergrundes, die Einwirkung der Zeck und dre häufigen Erd- und Seebeben. Nicht ausgeschlossen! ist, daß das jüngste Erdbeben bei Saloniki, das etn^ volle Stunde hindurch den Campanile erschüttert haben mn&. das Zerstörungswerk vollendete Zu Ostern bereits beobachtete Prof. Belar eine starLe Neigung des TurntaH gegen die Stadt zu. Wien, 15. Juli. Die „Arck-Zta." veröffentlicht ernt ihr aus Rußland zugegangenes geheimes Rund schreibendes Rektors desMowgoroder geistlichen Seminars, ar weL-i chem auf die in den geistlichen Seminaren w sich greifende revolutionäre Bewegung anfimfE» fam gemacht und die Eltern der Zöglinge aufgefordert wer-, den, alle notwendigen Maßregeln gegen diese Bewegung zu ergreifen. St.Moritz, 15.Juli. Der Kaufmann SchmoNer anZs, Berlin ist beim Edelweißsuchen abgestürzt und hat sW schwere Verletzungen zugezogen. Lemberg ,15. Juli. Polenb lütter berichten aus Ri gam Zahlreiche UnglluMalle, die durch das rasche Fahren den elektrischen Straßenbahn in letzter Zeck verursacht wurden, hat die Bevölkerung von Riga in große Aus-' regung versetzt. Die der Straßenbahn auferlegten Strafen», brachten keine Abhilfe. verging kein Tag ohne Unfall.. Als vorgestern wieder ein achtjähriges Mädchen überfahren und getötet wurde, stürzte sich die Bevölkerung auf alle Straßenbahnwagen, zertrümmerten Fenster und Wagen-Einrichtungen, zerschnckten die Leckungsdrähte, prügelte Motorführer und Kondukteure, so-- daß die Polizei einfchrecken mußte/um Ordnung zu schaff^ Krakau, 15. Juli. Die Polizei gestattete den anAi Anlaß der hiesigen Grünwald-Feier geplantenr Straßenumzug'unter der Bedingung, daß keine pren^ ßischfeindliche Demonstration oder Reden statts-i finden. Dagegen wurde die sozialistische Separat-Feier verboten. Die anläßlich der Feier in Lemberg gesammelten! Gelder, die einen hohen Betrag erreicht haben, sollen §nm Ankauf der Aktien der polnischen Bank ixv. Posen, die der preußischen Ansied elnngs^ bank entgegenwirken soll, verwendet werden. Sport. -Büdingen, 13. Juli. Ihr sechstes Gauturnfest eierten vom 12. bis 14. Juli hier die Turner des Kinzig- aaues. Das Fest selbst bewegte sich im Rahmen der üblichen Veranstaltungen. Außerordentllch viele Teilnehmer hatten sich eingefunden, und der Festplatz, der alle möglichen Vergnügungen bot, war bis in die späte Nacht belebt Es herrschte ein gemütliches Treiben, das auch noch anhielt, als sich der große Schwarm verlaufen, d. h. das Dampfroß die Auswärtigen in ihre Heimat ent- führt hatte. Handel und Uerkehr. Uolkswütschaft. — Die neue Berichtswoche hat einen kleinen Umsch wung in der Tendenz mit sich gebracht Bessere Berichte von Oesterreich, die in Aussicht stehende glänzende Ernte wckkten auf bte Kurse. Auch London sandte auf Befierung nn Befinden König Eduards höhere Kurse. — Oesterreichische Kredit fest. Deutsche Bank, Diskonto Kommandit und Dresdner einige Bruchtelle höher. Hüttenaktien allgemein fester. Bergwerksaktien unverändert. Deutsche Fonds auf die Geldflüssigkell immer noch steigend. Von Ausländern waren Portugiesen, Serben und besonders Türken fest — Kohlen. Im Juni mußten über 25 Prozent der Kokskohlen, Erzeugung der Syndikatszechen, als Femkohlen zu neuem um 2 Mark per Tonne nredrigeren Preise ins Ausland abgesetzt werden. — Am Mittwoch findet die Subskription auf 20 Millionen Mark (9 Millionen bereits fest begeben) 4proz. Teilschuldver- chrellrungen der Dentsch-Arlantischen Telegraphengesettfchaft tatt. — Stück 20 000 k 1000 Mark. — Rückzahlbar ab 1906. Ver- tärkte Tilgung und Gefamtkündiqung bis 1912 ausgeschlossen. Hinsichtlich des Zmsen- und Amortisationsdienstes durch Verträge mit dem Reichspost amte sichergestellt — Rekonstrnttion der Treber-Konkursmasie. Bei dem schon erwähnten Rekonstruktionsplane handett es sich um die Bildung eines chemischen Syndllats, welches die Holzdestillations- fabrrken in Oesterreich unter einen Hut bringen will. Den: Syndikat gehören an: die Gold- und Silberscheideanstatt in Frankfurt a. 2JL, Hugo Blank, Bantlin, die Kreditanstatt und die Darmstädter Bank. Die Frankfurter Gesellschaft wird das Zentralbureau für den Export unb deruschen Absatz der Syndllatsfabrllate in essigsaurer Kohle, Methylalkohol sein, während das Derkaufs- bureau für das Inland sich in Wien befinden wird. Der Vertrieb der Holzkohle wckd dagegen dem neu gegründeten Holzkohlenkartell überantwortet werden. Das Syndikat hat sämtliche Aktien der chemischere Aktiengesellschaft „Union" und die Majorität der bosnischen Holzverwertungsaktien erworben. Ferner verfügt es über die Bcmtlische Fabrik m Peraeseny (Ungarn) unb über die österreichischen Fabriken der Firma Hugo Blank. Die Bosnische Holz- verwertungs-Aktiengesellschast ist bereits saniertz die „Union" muß es erst werden. Die anderen Tochtergesellschaften der Trebertrock- nung (die „Kasza" und die galizische Holzdestillationsaktiengesell- schäft) von denen sich erstere im Konkurse befindet, aber deren Fabrllen noch teilweise betrieben werden, wird das Syndikat nicht erwerben. Vorläufig handelt es sich im Wesenttichen rmr um die einheittiche kommerzielle Leitung der Holzdestillationsindustrie in Oesterreich-Ungarn. An die finanzielle Zusammenschweißung zu einem Aktientrust wird wenigstens jetzt noch nicht gedacht. Amversttäts-Nachrilytra. — Die am Sonntag in Olten versammelten Rektoren der Universitäten Zürich, Bern und Basel beschlossen, entsprechend der Anregung der deutschen Regierung, für die genannten Universitäten die Zustimmung zur e i n h e r t l i ch e n R e g e l u n g der Doktorprüfungen für Deutschland und die Schweiz zu er- tellen. Dem Bundesrat soll eine Mittellung in diesem Sinn gemacht werden. Darmstadt, 15. Juli. (Drahtbericht des Gieß. Anz.) S. K. H. der Großherzog hat den o. Professor an der Technischen Hochschule Geh. Baurat P f a r r als R e k t o r der Hochschule für die Zeit vom 1. September d. I. bis 3L August n. I. bestätigt. — Die Berner Regierung ließ dem Univerfitätsprosessor Vetter eröffnen, er müsse sich bis nächsten Samstag endgiltig entscheiden, ob er auf seiner Demission beharre oder sie zurück- nehme. Man nimmt allgemein an, Vetter werde bleiben. Er wird über die ganze Angelegenheit eine Broschüre veröffenttichen. Der Theologieprofeffor Wiegand in Erlangen hat einen Nuf nach M a v b u r g angenommen. Kunst und Wisse»schüft. — Hofmusikdirektor Benjamin Bilse ist in Liegnitz, saft 86 Jahre alt, gestorben. 32 Pferde. Dressierte Ochsen, Esel re. Hotel Seipp Anfang 8 Uhr. Ph. Herr. 5032 Gg. Appel. Stellung an 5117 Eberhard Metzger. SchiWügen Lirr Mädchen kann das Bügeln erlernen. Riegelpfad 34, III Ein Pferdeknecht gesucht. 03032 Ehr. Haubach L. 3'üd)t Frau sucht Beschäst. im * Waschen oder allen häuslichen Arbeiten. Mühlgasfe 18. Italienische Macht. Reine Weine. Eintritt frei. Heirat. Große, schlanke, gebildete Dame ohne Anhang wünscht Wiederver- mahlung mit einem gebild. Herrn nicht unter 35 Jahren. Anonym unberücksichtigt. — Offerten mit Photographie unter 03048 an die Exped. d. Bl. erbeten. Italienische Yacht. Vorzügliche Küche. Anfang 8 Uhr. [5170] Auskünfte Familien- u. Prwat- verhältnisse aus jedem Ort gewissenhaft und diskret besorgt das Auskunftsvurea« von A. Wolffeky, Berlin N.37 desgl. 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