Erstes Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 15. Juli 1902 E Feuilleton. Gemälde-Ausstellung in Worms. Man schreibt uns: Die Vorbereitungen zu dieser sehr aparten und viel versprechenden Gemäldeausstellung sind in vollem Gange Die Namen der an der Spitze des Ehrenausschusses stehenden Freiherr und Freifrau Leyl zu Herrnsheim bürgen im voraus für das Gelingen eines Unternehmens, das insofern auch in einen günstigen Zeitpunkt fallt, als von den vielen Tausenden, ine in diesen Sommertagen nach Düsseldorf pilgern, doch! gar Manche, namentlich die Kunstfreunde im engeren Sinne, die Gelegenheit ergreifen dürften, der alten Nibelungenstadt einen Besuch zu widmen. Das Charattertstische dieser Wormser Bilderausstellung besteht darin, daß sie quantitativ leine zu großen Dimensionen annehmen wird und gerade in diesem Umstande für eine ganze Reihe erster Künstler, welche sich, mehr und mehr von den geistigen Massenabfütterungen zurückziehen, der Antrieb gegeben war, der an sie ergangenen Aufforderung bereitwilligst Folge zu leisten. Es werden demnach mit interessanten Arbeiten vertreten fern: Trubner, Leistt- kow, Uhde, Bracht, Kaulbach Leibl, Thoma, Klinger, Stürk u. v. a. Im ganzen stellt sich die Zahl der eingegangenen Vollbilder, Aquarelle, Pastelle, Radierungen, Skulpturen rc. etwa aus 40(1 Dazu kommen alsdann noch über hundert Stück solcher Werke, die der Aufstellung ou3| Privatbesitz, bahnsch merzen, wie die Verbilligung des Verkehrs durch Reform der Personentarife, Einführung der Sonntags- karten und der Schülerkarten in ihrem früheren Umfange, sowie Gewährung einer Fahrpreisermäßigung zum Zwecke der Arbeitsvermittelung werden wohl vorerst ungefüllt bleiben. Seine Fürsorge für die Irren bethatigte das Haus durch Gewährung der Mittel für den Bau zweier neuer Ir r e n an sta It en. Bedauerlich erscheint die Ablehnung des von der Zweiten Kammer genehmigten Landwirt- schaftslammergesetzes durch die Erste Kammer. Hoffentlich ist der Tag nicht mehr allzu fern, an dem auch die Landwirtschaft eine Berufsorganisation erhält, wie sie andere Stände in den Handelskammern, den Handwerkskammern rc. bereits besitzen. Diese Aufgabe zu lösen wird eine der dankenswertesten Aufgaben des kommenden Landtages sein. 1901 und im Kreise einer bürgerlichen Familie. Dies drei- aktige Passionsspiel ist ein Meisterwerk subtiler Stimmungskunst. Für die Sünde des Vaters, der Mündelgelder unterschlagen hat, muß die Familie Heyst bluten und büßen. Der Sohn Elis, Lehrer, eine selbstquälerische Natur, leidet am schwersten unter diesem Drucke, dieser in tausend Gestellungen wiederkehrenden Seelenpein. Die Mutter stellt den Vater als unschuldig Verfolgten hin. Eleonore, das Töchterchen, ist von Trübsinn befallen worden; aus einer Heilanstalt rückkehrend, bringt sie eine entwendete Osterlilie mit, die nun als bedeutsames Symbol des Seelenfriedens aus dem Tische steht. Schließlich erscheint im Hintergründe der Hauptgläubige, Lindqvist. Das ist die Situation, die un£ der erste Akt (Gründonnerstag) entrollt. Der zweite atmet die Stimmung des Karfreitagszaubers, die jedoch Elis nicht hindert, den Prozeß seines Vaters nach einem Formfehler durchzusehen und auf ein unbedachtes Wort seiner Braut hin, an deren Treue er plötzlich zweifelt, sich von ihr zu trennen. Der dritte Auszug (Ofterabend) bringt uns und der gequälten Familie Heyst eine versöhnliche Lösung. — Aber was vermag hier eine bloße Inhaltsangabe? Die Kunst, mit der Strindberg den Einfluß der Charwochen- und Osterstimmung auf die Gemüter seiner Per;onen schildert, sie ist das eigentlich Bewunderungswürdige an dieser Dichtung, die in mehr als einer Hinsicht die Familienbnrmen Ibsens an Feinheit des poetischen und seelenmalerischen Gehaltes weitaus übertrifft. Nr. 163 tägrtch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem KeMschen Landwirt die Siegener ZamUien- Mtter viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erbens Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. VernsprechanschlußNr.51. scheidung der Privathypotheken für Nicht-Meliorationszwecke. Mit dem Gesetz über die Wohnungsfürsorge für Minderbemittelte ist das Großherzogtum auf diesem Gebiete sozialpolitischer Thätigkeit als erster Staat auf den Plan getreten in der richtigen Erkenntnis, daß von der Gestaltung der Wohnungsverhältnisse das leibliche und sittliche Wohl der Bevölkerung wesentlich abhängt, und durch die Beschaffung gesunder und preiswerter Kleinwohnungen auch die wirtschaftliche Lage der minderbemittelten Klassen in einem Maße gehoben wird, wie dies auf keinem anderen Wege zu erreichen ist. Sowohl im Interesse des Staates als auch int allgemeinen Verkehrsinteresse kann die Beseitigung der Verwaltungsorganisation der Main-Neckarbahn nur begrüßt werden. Die Rechtsverhältnisse unserer Sparkassen regelt das neue Sparkassenge s e tz, das die Voraussetzungen giebt, aus Grund derer eine Sparkasse als eine öffentliche im Sinne des Bürgerlichen Gesetzbuches betrachtet werden kann. Dabei hat man die Selbstverwaltung der Sparkassen, soweit als immer thunlich, zu erhalten gesucht aus der Erwägung heraus, daß das Blühen und Gedeihen dieser Kassen nur aus der Grundlage der Selbstverwaltung und der Dezentralisation möglich ist. Mit dem Denkmalschutz ist die hessische Regierung in der Pslege der noch vorhandenen Kunstdenkmäler bahnbrechend vorgegangen und hat hierfür volles Verständnis bei unseren Land ständen gefunden. Die unmittelbare Folge des Gesetzes, das die Kunst- und Ge- schichtsdenlmäler int öffentlichen Interesse unter st aal lick) en Schutz stellt, wird die begründete Hoffnung sein, daß das Publikum als solches sich mehr für die Kunst interessieren wird, als dies gegenwärtig der Fall ist, und es wtrd in Zukunft nicht mehr so leicht möglich sein wie seither, ein Kun std en km al kurzerhand verschwinden zu lassen oder es durch thörichte Umbauten oder Restaurierungen künstlerisch zu ruinieren. Das neue Handelskammergesetz faßt die Gesamtinteressen von Handel und Industrie des ganzen Landes in den Handelskammern zusammen unter Erwecke- rung der Rechten und Pflichten derselben und löst fomit eine der hervorragendsten Aufgaben des Staates, die im Interesse der erwerbstätigen Gruppen geschaffene Organisationen den stetig wachsenden Bedürfnissen entsprechend weiter auszubauen. Auf dem Gebiete der Steuergesetzgebung i)t das neue Gemeinde ft euergesetz zu erwähnen, das einen provisorischen Charakter trägt, da die endgültige Regelung des Gemeindesteuerwesens erst dann unternommen werden kann, wenn die nötigen Erfahrungen über die Wirkungen der mit dem 1. April 1901 ins Leben getretenen Staatssteuerreform oorliegen. Durch das Wandergewerbesteuergesetz wurde die Besteuerung des Gewerbebetriebes im Umherziehen durch ein besonderes Gesetz geregelt, da dessen steuerliche Heranziehung seither nur in rein mechanischer Weise ohne jegliche Rücksichtnahme auf die größere ober geringere Einträglichkeit des Gewerbebetriebes erfolgen konnte. Das neue Gesetz über das Besteuerungsrecht der Kirchen- und Religions- g e m e i n s ch a s t e n löst die settherige Verbindung der kirchlichen Umlagen mit den Kommunalsteuern und verbindet die konfessionellen Steuern ausschließlich mit den staatlichen Personalsteuern. Die Gefahren einer künftigen rückläufigen Bewegung in unserem Lotterieunternehmen hat man zu toupieren versucht durch den Lotterievertrag mit Oldenburg und den Thurinaisch-Anhal- tischen Staaten, wodurch dieser Teil der Staatseinnahmen, wie er durch die Lotterie dem Staate zufließt, zu einer gewissen Stabilität gebracht und vor einzelnen Störungen und Rückschlägen möglichst gesichert wird. Durch den Uebergang zu einjährigen Budgets wurden die Schwierigkeiten beseitigt, die sich aus der früheren dreijährigen Budgetperiode ergaben und eine leichtere Veranschlagung der Einnahmen und Ausgaben des Staates und deren Bilanzierung erreicht. Besonders schwierig gestattete sich diesmal die Bilanzierung des Budgets für das lausende Rechnungsjahr, die nur ermöglicht werden konnte durch größte Sparsamkett und Abstriche, an denen es die Kammer nicht fehlen ließ und durch eine kleine Erhöhung der Vermögenssteuer, zu der das Haus nach langen, schwierigen Kämpfen seine Zustimmung gab. Die in den Verhandlungen der Zweiten Kammer geäußerten Gis en- zugehen, und unter welchen sich zumeist Werke alter Meister, Italiener und Niederländer befinden. Biele dieser Sachen werden überdies in Worms zum allerersten Male zur Ausstellung gelangen. Daß Major Freiherr v. Heyl in Darmstadt einige sehr wertvolle Böcklins aus seiner reichhaltigen Sammlung bev= steuert, sei noch besonders hervorgehoben. Die für die Ausstellung gewählten Kasinoraume zeichnen sich durch günstige Lichtverhältnisse aus, sodaß man beim Placieren der Kunstschätze die in den letzten Jahren bestens erprobten Hängeprinzipien in Anwendung bringen tanu. Am 20. August soll die Eröffnung der Ausstellung stattfinden. Der Eintrittspreis ist der übliche von 1 Mk. Famllienkarten werden billiger abgegeben. M. Oster n", ein Passionsspiel in drei Allen von A u g u st S t r i n d b e r g. E. Piersons Verlag, Dresden. Preis 2 Mk. Dieses PassionSspiel" des berühmten Schweden, das wir nach der Premiere im Frankfurter Schauspielhcmse in den Ostertagen des vor. Jahres (in unserer Nr. 64 vom 16. März 1901) ausführlich besprachen, ist nicht etwa ein Mysterium im altchristlichen Sinne ober ein symbolistisches Drama in Riaeterlinks spintisierender Manier. Es ist em moberneö Drama, und dennoch ist es mystisch und recht- fertigt seinen Nebentitel durch die Intimität unb Tiefe ber menschlichen Passion, bie sich ba vor Miseren Augen in einer Glasveranda ab spielt, in einer modernen Stadt, im Jahre Der 31. hesstsche Landtag. Nufer Darmstädter politischer Mitarbeite schreibt «n§: Unseren zu Muttern eilenden Landboten hat der Präsident in seinen Schlußworten die besten Wünsche für ihr ferneres Wohlergehen mit auf den Weg gegeben unb mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unser schönes Hessenland bie letzte Sitzung geschlossen. Selbst einige „Unenttoegte" stimmten aus voller Brust in bas Hoch ein, sicher ohne sich momentan bewußt zu sein, baß darin auch die bösen Städte eingeschlossen waren, die das Land bei jeder möglichen iund unmöglichen Gelegenheit schädigen. Die Sozialdemokraten, aus Furcht, das Hoch könne sich in anderer Richtung bewegen, hatten sich vorher „inter- nattonal" empfohlen. Ob bie ausgesprochene Hoffnung bes Präsibenten, bie seitherigen Volksvertreter bei Eröffnung des kommenden Landtags alle vollzählig in dem Stänbe- hause wiederzusehen, in Erfüllung gehen wird, darüber wird in letzter Instanz das hessische Volk zu entscheiden haben. Jedenfalls haben bie Verhanblungen ber letzten Wochen so bebenkliche, grelle Streiflichter auf bas Niveau unserer hessischen Volksverttetung geworfen, baß die Frage angezeigt erscheint, ob bie Gesamtinteressen bes hessischen Volkes in ber seitherigen Zusammensetzung ber zweiten Stäubekammer entsprechenb gewahrt finb. Hatten schon die Debatten über bie Main-Neckar-Bahn-Vorlage in bieser Beziehung viel Unersreuliches gezelligt, so hat sich bei ber Wahlvorlage bie Zweite Kammer mit ihrem Schilbbürger- stückchen, sich selbst aus ber Vorlage zu streichen,, für alle Zeiten ber Lächerlichkeit preisgegeben. Daran änbert auch bie Thatsache nichts- baß auf außerorbentlich gekünstelte Weise bas reooeierte Dasein notdürftig in die .Vorlage wieder hineingeflickt worden ist. Eine derartige lächerliche Komödie, die ein oberhessischer Abgeordneter nicht ohne Unrecht mit „Carnevalssitzungen" verglich hätte unserem Lande erspart bleiben müssen; jedenfalls haben die Verhandlungen über die Wahlvorlage nicht zur Hebung des Ansehens unseres Hessenlandes und seiner Volksverttetung beigetragen. Km^ vor Thorschluß noch glaubte die Zwecke Kämmer auf den errungenen „Lorbeern" nicht ausruhen zu sollen und fügte ihrem ,Mihmeskranze" noch ein neues Blatt hinzu: Aus kindischem Trotz, daß ihr von der Ersten Kammer ihr Zuckerplätzchen, das birefte Wahlrecht, für bies- mal noch vorenthalteu ist, stellt sich die Zweite Kammer in den Schmollwinkel unb lehnt bie regierungssecks ber veränderten Steuergesetzgebung in burchaus loyaler Weise angepaßten Wahlvorschriften hinsichtlich der Voraussetzungen zur Wahlmännerwahl ab unb beseitigt mit diesem Schwabenstreich die Grundlagen, auf denen die Neuwahl sich vollziehen soll. In Berücksichtigung dieser Thatsachen wird es auf alle Fälle für unser hessisches Volk nicht von Nachteil sein, wenn b ei o er kommenden Landtags- Wahl eine frische Brise die Spreu von dem Weizen fegt Aber abge>ehen von diesen Unerfreulichkecken wird man ohne weiteres zugeftehen müssen, daß unsere zweite Kammer während der verflossenen Session vielfach recht Tüchtiges geleistet und eine Reihe wichtiger Vorlagen zustande gebracht hat, bie unserem Laube zum Segen gereichen werben. Besonberen Dank schuldet das hessische Volk den verschiedenen Landtagsausschüssen, die in aufopferndster Weise in langwierigen Sitzungen bie einzelnen Vorlagen ber Spruchreife entgegengeführt haben. Das Regentschaftsgesetz füllte eine vorhanbene Lücke in ber Verfassung aus. Durch die neue hessische P fan b brie f b an k, bie seitens des Gläubigers unkündbare Darlehen mck Tilgungszwang gegen hypothekarische Sicherheit giebt, werben nicht nur einseckig den länblichen Grundbesitzern Vorteile gewährt, sonbern insbesonbere auch den kleinen städüschen Gewerbetreibenden, bie bes Krebits in nicht geringerem Maße bebürftig finb Mck ber Errichtung dieses volkswirtschaftlich höchst bebeutungsvollen Jnstckuts ist ein weiterer Schrckt zur Ent- schulbung bes Grundbesitzes unb Gewerbebetriebs gethan. Daneben hat man bie seither bestehenbe Landeskr ebit- kasse beibehalten unter Erweiterung ihrer Zwecke auf Unterstützung ber Wohnungsbestrebungen sowie unter Ans- AmenLanermuen. lieber bie „amerikanische Gefahr" beginnt sich bereits eine Sitteratur anzusammeln. Die bebeutenbfte Erscheinung auf diesem Gebiete ist wohl das Buch des englischen Schriftstellers H. M. Stead über die Amerikanisierung der Welt. Hier wird mit einer Fülle von Belegen der wachsende Einfluß ber Vereinigten Staaten auf Jrlanb, Sübafrika, Westinbien, Neufunblanb unb Kanaba, ferner in Asien, Australien, Zentral- unb Südamerika nachgewiesen. Nicht ohne einen pikanten Beigeschmack ist dabei bie Rolle ber Amerikanerinnen. Durch sie vollzieht sich eine langsame Amerikanisierung der europäischen Diplomatie itznd im Anschluß daran des europäischen Adels überhaupt. „Wenige Menschen", so äußerte Lord Suff er in schon vor mehr als 20 Jahren zu Stead, „haben einen Begriff davon, bis zu welcher Ausdehnung die Diplomatie durch Heiraten amerikanisiert ist. Fast alle Attachees ber verschiedenen Gesandtschaften in Washington sind, noch ehe sich ihre Dienstzeit dem Ende zuneigt, in Banden von amerikanischen Schönheiten oder amerikanischen Erbinnen. Der Erfolg ist ber, baß bie Diplomatie, das einzig wckkliche internationale Gebiet, burck und durch amerikanisiert ist." Der deutsche Gesandte in London, Graf Hatzfeldt, war mit einer Ame-äkanerin verheiratet. Frhr. v. tfetteler, der deutsche Gesandte in Peking, hinterließ eine amerikanische Witwe. Von den Teilnehmern ber Haager Konferenz hatten zwei bekannte Vertreter europäischer Diptt>- matie, Baron b'Es to ur n eIles — lange Zeit Geschäftsträger in London — unb Baron be Bildt — schwedischer Gesandter in Rom — Amerikanerinnen zu Frauen. König Milan von Serbien schmiedete lange Zeit mit seiner Ehe- gespontin Natalie Pläne, den Thron der Obrenowcksch mck den Dollars einer amerikanischen Schwiegertochter zu befestigen. Vier, englische Staatsmänner sind mit Amerikanerinnen im ehelichen Joche vereint: Chamberlain, Sir Wckliam Harcourt, Mr. Bryce und Lord Ran- dolph Churchill. Zwei Herzöge von Marlborough hohen sich der amerckanischen Demokratie als Schwiegersöhne angeboten. Eine Amerikanerin, Miß Consuela Vander bilt, wird eines Tages bie Vizekönigin Irlands sein, eine Amerikanerin, Miß Leiter, mar noch vor kurzem gar Vizekaiserin von Jnbien. Stead führt noch eine lange Reihe französischer Adeliger an, bie ihre Wappen mck bemokratisch-metallischem Glanze vergol- beten, barunter den Grafen Casteliane, ber bekanntlich eine Erbin aus bem Hause bes Milliarbärs Jay Gould heimgeführt hat. Aber auch von beutschen Adeligen ist es bekannt, daß sie drüben immer noch ihr Glück machen. Ihre soldatische Erziehung unb stramme .Haltung sowie bie Abwesenheit irgenb eines gewerblichen Gepräges machen in amerikanischen Frauenherzen Furore. Schon mancher Sohn bes deutschen Abels hat brüben, nachdem er eine Zeck lang gerabe bas Leben gefristet, schließlich noch bie Millio- nenbraut errungen. Lehrreich finb in bieser Beziehung und ganz im Einklang mit Steads Buch bie Memoiren des Frhrn. v. Biedenfelb. Es ist nicht ausgeschlossen, baß burch diese vorgeschobenen weiblichen Vorposten, die ben Pantoffel über europäische Abeisherren schwingen, auch schon ber Nimbus des amerikanischen dcamens erhöht, unb bie Furcht, diese Gletzener Anzeiger« " General-Anzeiger " ‘SS v tot den pohL il allgem. Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen LWZ v -Nr » zeigenteil: Hans Beck. ÄTHmerin Der Kraft, vor der crmerikonffchen Gefahr tm- Gebührlich vergrößert wird. Wenn es wahr ist, was Stead und andere behaupten, daß ungleich mehr Amerikanerinnen ^Europäer, als Europäerinnen Amerikaner heiraten, dann dürste dies eigentlich ein Trost für uns sein. Offenbar fehlt «0, drüben in besserem Sinne an körperlich wie geistig Lmponier enden Männern, und dieser Fehler der ameri- ranischen Demokratie kann noch mancherlei andere Fehler nach sich ziehen. Andererseits hat man die Vermutung ausgesprochen, daß die Vergoldung europäischer Wappenschilder mit amerikanischer Münze dem Adel einen neuen Halt geben möchte. Das ist möglich; möglich aber ist auch eine demokratische Zersetzung der starren Adelsbegriffe eben durch die weibliche Amerikanisierung des europäischen Adels. Politische Tagesschau. Preußens Hegemonie im deutschen Reich. Die Verschiedenheit der Entwickelung der einzelnen Lander hat da^i geführt, daß der Anteil der deutschen ^Bundesstaaten an der Gesamtbevölkerung des Reichs sich in den letzten Jahrzehnten nicht unmerklich verschoben hat. Das Königreich Preußen umfaßt zwei Drittel des ReichA- igMets und stellt daher das größte Kontingent zur deutschen Gesamtbevölkerung. Das versteht sich von selbst, — aber die Zunahme der Bevölkerung innerhalb des heutigen Gebietes der preußischen Monarchie hat einen so rapiden ALaut genommen, daßdas tlebergewicht der Preußen !rmoeutschen Volkehe utenoch wesentlich höher Lst als früher. Auf dem ganzen jetzigen Flachenraum des preußischen Staates wohnten vor IjunDert Jahren nur >55 Proz. der Bevölkerung des heutigen Reichsgebiets, gegem wärtig stellt aber Preußen 61 Proz. zur Reichsbevölkerung lluter allen größeren Bundesstaaten hat nur noch Sachsen einen ähnlichen Gewinn auszuweisen, indem da in demselben Zeitraum der Anteil an der Reichsbevölkerung von 4 aus 7 Proz. gestiegen ist ;die anderen Länder sind in dieser Hinsicht — mitunter sogar ziemlich beträchtlich — gesunken. So hat Bayern vor hundert Jahren zur Bevölkerung des heutigen Reichs 14 Proz gestellt. Jetzt beträgt sein Anteil nm 11 Proz, Baden ist von 4 auf 3, unser Großherzogtum Hessen von 3 aus 2 und Württemberg gar von 5 auf 3 Proz gesunken. Ja, die württembergrsche Bevölkerung ist in diesem Zeitraum so langsam gewachsen, daß es heute nm ungefähr die Hälfte der sächsischen Bevölkerung erreicht, tvahrend es vor hundert Jahren eine viel größere Einwohnerzahl hatte als Sachsen. Natürlich ist auch infolge dieser Entwicklung das Verhältnis der Volkszahl zur Fläche wesentlich anders geworden. Die ganze Reichsfläche mißt gegenwärtig 540 000 Quadratkilometer. In demselben Gebiet kamen vor hundert Jahren auf ein Quadratkilometer nm 46, heute aber schon 104 Einwohner. Auch in dieser B^iehung haben sich die verschiedenen Teile des Reiches mangelhaft entwickelt. Am auffallendsten ist die Wandlung in Elsaß-Lothringen, das im Anfang des vor. Jahrhunderts Ä8 Einwohner aus das Quadratkilometer aufzuweisen hatte und damit bevölkerter war als jeder andere Teil des heutigen Deutschen Reichs, wogegen es heute nur ungefähr die durchschnittliche Dichtigkeit des Reichsgebiets hat. Gegen die Gnmdstückspeknlatiou. Wenn wir recht sehen, brüht sich in immer weiteren Kreisen das Verständnis für die Notwendigkeit einer vernünftigen Bodenpolitik Bahn. Mit großer Mehrheit hat z. B. die württemb ergische Kammer bei der Beratung der Gemeindesteuerreform den Gemeinden die Berechtigung erteilt, eine Bauplatzsteuer zu erheben. Ueber- steigt die Dreiprozentige Rente des Verkaufswerts eines Grundstücks den anderthalbfachen Betrag seines Grund- steuerkapitals, so darf eine Steuer im Höchstbetrage dieser Differenz erhoben werden. Der Minister des Innern Dr. v. Pischek führte dazu etwa folgendes aus: „Die Bauplätze haben meist keinen oder einen geringen Ertrag, und wenn sie einen solchen haben, so ist dies nicht ihre Zweckbestimmung. Eine innerlich richtige Besteuerung hat sich also nicht im Nahmen der Ertragsteuern, sondern einer Wertsteuer zu halten. Der Wert- zuwachs der Grundstücke entsteht nicht bloß drnch Ver- lechung der Eigenschaft als Bauplatz drnch den Ortsbau-. vlan, sondern namentlich auch, durchs die Aufwendung Der Gemeinden für Straßen usw., die sie nach den Bau- quartieren ziehen. Der Bauplatz-Eigentümer beziehe also einen besonderen Gewinn auf Kosten der Steuerzahler. Auch lasse sich drnch die Bauplatzsteuer vielleicht eine Beschränkung der Bauplatz^Spekulation erreichen. Ergehe davon aus, daß einfach Zonen bestimmt und daß innerhalb dieser Zonen die Wertsätze festgesetzt werden. Auch in Preußen sei die Bauplatzsteuer in einem Artikel abgemacht worden. Gegen die Steuer werde geltend gemacht, dieselbe werde nicht viel einbringen. Er wolle nur darauf Hinweisen, daß für die Stadt Stuttgart sich ein Betrag von 160000 Mk. berechne, trotz der niedrigen Sätze. Letztere könne man ja übrigens erhöhen. Daß sich keine Uebcrlastung herausstelle, das habe die Eingabe des Güterbesitzervereins gezeigt. Wenn keine Wertsteigerung eintrete, werde auch keine Bauplatzsteuer erhoben. Er könne sich nicht überzeugen, daß innere oder praktische Gründe gegen die Annahme des Entwurfes vorliegen, zudem die Steuer ja nur fakultativ sei." In einer Stadt Norddeutschlands ist kürzlich die Baupolizei in einem Einzelfalle gegen spekulative Absichten eingeschritteu, indem sie einer Gesellschaft bei Entziehung der Baukouzefsion die Vollendung der von ihr geplanten Fabrikanlagen innerhalb eines Jahres aufgab. Die Verfügung wurde angefochten, von der Berufsinstanz aber aufrecht erhalten. Das sind natürlich kleine Anfänge, die aber Mr die Stimmung immerhin bezeichnend sind. DiAkontogesellschaft. Die Kosten der Treberunternehmungen waren höher, als vorauszusehen war. Dadurch wurde der Kredit der Leipziger Bank in sehr hohem Grade nach und nach in Anspruchs genommen. Die Bank war und blieb die einzige Geldquelle, da der Trebergesellschaft durch die fortgesetzten Angriffe in den Zeitungen der Kredit nach und nach entzogen wurde. Mit Exner habe er nie eine Vereinbarung getroffen, von der der Aufsichtsrat in Kassel nichts wußte. Die Transaktion mit dem Aufsichtsrat sei so erfolgt, daß man größere Beträge von Dochteraktien an die Aufsichtsräte gab, von denen Dafür Akzepte ausgegeben wurden. Es habe nicht die Absicht Vorgelegen, diese Wechsel zu prolongieren. Es sei ihm nicht bekannt, daß bei dem Verkauf von Effekten im Jahre 1890 eine Neben- vereinbarung mit der Bank stattgefunden habe. 1900 habe wieder ein Verkauf von Aktien an die Bank stattgefunden. Er giebt zu, daß im Frühjahr 1900 aus die galizische Gesellschaft ein Wechsel in Höhe von 1600 000 Mark für eine Forderung lies und daß diese Forderung nicht gebucht war. Die Angriffe der Presse bezweckten lediglich die Vernichtung der Trebergesellschaft. Er bestreite nicht, daß alle Transaktionen mit der Bank den Zweck hatten, das Obligo in der Kasseler Bilanz nicht zum Ausdruck kommen zu lassen. Er hätte unrichtig gehandelt, wenn er anders gehandelt hätte. Schmidt giebt auch Zurückdatierungen auf verschiedenen Konten zu. Er habe eben alles aufbieten müssen, um seine Gesellschaft gegen Angriffe zu retten. Zum lpeparat- vorschußkonw bemerkt Schmidt, es seien darauf die an die Herren der Trebergesellschaft verkauften Forderungen an die Tochtergesellschaften gebucht worden. Bei der Buchung habe er im allgemeinen sehr vorsichtig gehandelt, er habe sich aber das ganze Jahr um die Bücher nicht kümmern können. Ein Fehler sei es gewesen, daß er statt der Tochtergesellschaften ein Konsortium habe belasten lassen. Schmidt fährt fort, fein Vermögen habe er durch günstigen Verkauf von Treberaktien bei Hereinnahme neuer Emissionen verdient. Seine Tantieme von 350 — 400000 Mark und die Dividende, sowie das nicht abgehobene Jahres- gehalt von 2 4000 Mark sei der Gesellschaft belastet worden. Beim Zusammenbruch seien Aktienkapital und Reservefonds vollkommen intakt gewesen. Bis heute sei die Herstellung eines ordnungsmäßigen Status nicht möglich gewesen. Alles Gegenteilige beruhe auf Trugschlüssen Sachf- verständiger. Die Trebergesellschaft habe wirklich, verdient. Daß er das Unternehmen für gut gehalten habe,, beweise, daß er Verwandten noch wenige Wochen vor dem Zusammenbruch geraten habe, ihre Treberwerte zu behalten. Gegen eine laufende Kontrolle durch Sekretär Wuthe habe er sich verwahren müssen, gegen eine zeitweilige Kontrolle habe er nichts einzuwenden gehabt. Daß eine Fusion Illusion gewesen sei, bestreite er. Er habe den Eindruck gehabt, daß Dr. Gentzsch wie die übrigen Herren der Bank Kenntnis von den Trebergesellschaften hatten. Daß er das Geheimbuch mit dem Konto der Bank dem allgemeinen Einblick entzogen habe, habe seinen Grund darin, daß er die jungen Leute das Konto nicht einsehen lassen wollte. Exner vor allem sei über alle Vorgänge bei der Treber- gesellschaft orientiert gewesen. Schmidt äußert sich bann über das Bergmannsche Patent und das neue Retorten- System. Schmück fährt fort, durch die Fusion habe er geglaubt, die Hauptschwierigkeiten der Gesellschaft beseitigen zu können Er selbst habe, um der Gesellschaft vorher neue Mittel zuzuMhren, bei einer privaten englischen Seite bis 11/2 Millionen lombardiert. Die Kasseler Herren seien nicht leicht zrn Uebernahme ihres Ooligos zu bewegen gewesen, aber die Kasseler Verwaltung habe sich doch moralisch verpflichtet gesiihll, für den aus dem Bergmannschen Verfahren erwachsenen Schaden einzutreten. Er habe aus der Trebergesellschaft eine Einnahme von 12 Millionen herausgerechnet. Wenn er mm die Engagements bei der Leipziger Bank mit 90 Millionen annehme und die Privatengagements der Aufsichtsratsmitglieder gleich 43 Millionen, der eigenen Hemixenaktien der Bank in Höhe von 4 Millionen, sowie drittens einen Teil der Wechsel auf Privatleute im Betrage von etwa 3 Mill, davon kürze, so blieben nm noch 40 Millionen. Vorausgesetzt ferner, daß man diese 40 Millionen mit 10 Proz. amortisierte — 4 Millionen — und das Treber-BetriebA- kapital von 20 Millionen ä 12 ProK. mit 2,4 Millionen verzinse und amortisier, so blieben immer no-dji 5,6 Millionen übrig, was einer Dividende von 25 Proz. des TrebeEktien- kapitals entsprochen haben würde. Schmidt giebt zu seiner früheren Aussage zu, daß der Leipziger Bank deshalb hohe Provisionen von Kassel bewilligt seien, um ihr ein Entgelt für die moralische Unterstützung zu bieten Zu der Bilanz von Kassel weisen Sachverständiger Dal- trop-Kassel unb Schließer- Fritzlar nach daß in der Bilanz 1895—96 Warenverkäufe noch Ende des Jahres gebucht, aber sofort im neuen Jahre wieder storniert seien. Dies habe eine vollständige Verschiebung des Gewinns ergeben. Statt einer Dividende von 10 Proz. würde Unterbilanz erziell worden sein Sachverständiger Plauth sagt über die persönlichen Eigenschaften Schmidts aus, derselbe habe ein so liebenswürdiges Wesen an den Tag gelegt, daß er fast alle täuschte. Man hielt ihn für einen Phantasten und Optimisten, aber nicht für einen schlechten Menschen. Ehemiker Dr. Schmidt, früher Angestellter der Kasseler Gesellschaft, bekundet, er sei ausgetreten, weil er d i e Gewissenlosigkeit v 0 n! Direktion und Aufsichtsrat nicht mitmach,en wollte. Er habe, als Schmidt mit dem neuen Retortensystem manipulierte, erklärt, daß die Gesellschaft auf diese Weise zu Grunde gehen müsse. Zeuge Adolf Schmidt erklärt, daß er seine Hand zu Buchungen nur geboten habe, um das Obligo der Leipziger Bank zu vermindern. Der Zeuge wird wieder nach Kassel entlassen und Die Verhandlung auf morgen vertagt. Aus Stadt und Sand. Der Leipziger Bankprozetz. XIX. Zeuge Adolf Schmidt wird vorgeführt. Er ist bereits in der Voruntersuchung vernommen. Schmidt schickt einige generelle Bemerkungen, voraus und bezeichnet Die Gutachten Der Kasseler Lochv er ständigen als absolut unrichtig. Man sei voreingenommen gewesen nnD habe hinter jeDer seiner Haud- togen eine Spitzbüberei erblickt. Die Kasseler Herren seien nicht befähigt gewesen zrn Beurteilung eines so großen Unternehmens. Des Weiteren habe man auch von Wechselreitereien in großem Umfange gesprochen. Dagegen müsse er protestieren. Die Trebergesellschaft sei seit Ende 1895 mit der Leipziger Bank in Verbindung getreten, lieber Den Trust, Der die Tochterattien nach und nach zu plazieren suchte, macht Schmidt uiitlarc Angaben. Er erklärt auf 'Betragen, Daß er sich außer bei Der Leipziger Bant noch anderweitig nach Kredit umgesetzeu habe, so auch, bei der Gießen, den 15. Juli 1902. ** Ein vor hergesehen er Widerruf. Wir lesen heilte in der „Dffenb. Ztg.": „Nicht S t a a t s m i n i st e r Rothe, wie wir infolge eines telephonischen Mißverständnisses meldeten, sondern der Unterstaatssekretär im Reichsamt des Innern, Rothe, soll seine Pensionierung nachgejucht haben." So hat sich unsere gestern ausgesprochene Vermutung bestätigt und Hessen steht nicht vor e i n e r Di i n i st e rk r i s e. Man wird diese Meldung im ganzen Lande mit großer Freude aufnehmen. Staatsminister Dr. Rothe hat heute, wie uns heute Drahtlich aus Darmstadt gemeldet wird, einen mehrwöchentlichen Er h olun gsurlaub angetreten, der aber keineswegs etwa dem des bayrischen Kultusministers Dr. v. Landmann gleichkommt. ** Oberh essisches Städtebund-Theater. Man schreibt uns heute aus Marburg vom 14. d. M.: „Die heute Abend abgehaltene Stadtverordnetenversannnlung beschloß, einen Antrag an den Magistrat jjn richten, zur Einleitung der Verhandlungen zur Gründung eines Städtebund- Theaters eine Kommission zu wählen. In Betracht kommen die Städte Marburg — Gießen — Nauheim — Wetzlar — Fulda —Salzschlirf und W i l d u n g e n. Der. „Gieß. Anz." ist bekanntlich berecks feit zwei Jahren auf das lebhafteste für die Begründung eines Städtebund- Theaters eingetreten. Er hat wiederholt die unwiderleglich großen Vorzüge, die ein solches für das Theaterwesen unserer Stadt wie aller anderen beteiligten Orte bieten würde, dargelegt. Nun endlich werden, nachdem unsere Anregungen auswärts auf fruchtreicheren Boden gefallen sind, wohl auch die hiesigen städtischen Behörden sich entschließen, dieser Frage näher zu treten, und wir hoffen auf einen erfreulichen Ausgang der Angelegenheit. !? Pferdemarkt. Unter dem Vorsitz des Stadtv. Kirch fand dieser Tage eine Sitzung der Pferdemarkt-Korw- mission statt, in der Brauereibesitzer Georg Dichter zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurde. Die Kommission beschloß, den nächsten diesjährigen Pferdemarkt am Mittwoch, den 10. Septem der, abzuhalten, dem sich am nächsten Tage die Verlosung anschließen wird. Auf dem Marktplätze sind verschiedene Verbesserungen in Aussicht genommen. An Prämien sind 1565 Mark vorgesehen. Zur Prämiierung für zur Vorführung kommender Reit-, Wagen- und Arbeitspferde, die einzeln oder paarweise vor- gefuhrt werden können (bei Reitpferden ist die Vorführung durch Reiter gestattet) wurde für jede Abteilung ein (Syrern- vreis vorgesehen. Die Lotterie ist auf 20 000 Lose bemessen. Deren Vertrieb das Stück zu eine Mark wieder an Richard. Buchacker, Neuen-Bäue, übertragen wurde. Als 1. Hauptgewinn wird angetauft ein viersitziges Halbverdeck mit Pferd und Bespannung (silberplattiertes Geschirr); weitere Gewinne werden bestehen aus 9 Pferden und Fohlen, landwirtschaftlichen Maschinen und sonstigen nützlichen Gebrauchsgegenständen. — Um Unglücksfälle zu verhüten, hat die Pferdernarkt-Kommission sich mit einer Eingabe an Die Verwaltung.der Bieberthalbahn gewandt, mit dem Ersuchen, am 10. September d. I., also am Tage des Pferdemarktes, während der Dauer deA Marktes ihren Zügen während der Fahrt über Die Lahnbrücke bis hinter Das Schlachthaus und umgekehrt einen Mann mit einer roten Fahne in der Hand voranzusendem Man will damit erreichen, daß Der Lokomotivführer hierdurch gezwungen wird, Schritt zu fahren. Die hier' gewünschte Maßregel wäre übrigens an jedem Viehmärkttage sehr am Platze. ** Personal-Nachrichten. Der provisorische Assistent bei der Gewerbeinspektion Darmstadt Dr. Heinrich Müller ist znm Assistenten bei dieser Behörde, der Lehrer Johann Lorenz Wagner in Alzey zmn Hauptlehrer an der Gewerbeschule zu Alzey, ernannt worden. — Der Kanzleidiener bei der Zentralstelle für die Gewerbe, Balthasar Henkel in Darmstadt, ist unter Anerkennung seiner mit Eifer und Pflichttreue geleisteten Dienste, auf fein Nachsuchen in den Ruhestand versetzt worden. — Der StationK- gehilfe bei der Main-^reckar-Eisenbahn Philipp Haun au$ Darmstadt ist zum Stationsassistenten bei dieser Bahn ernannt worden. ** Kreisgeometer. Dieser Tage hat das Großh. Katasteramt in höherem Auftrage die Besetzung der neu- geschaffenen Stellen' der Kreisgeometer erhalten und werden diese am 1. August ihren neuen Menst antreten. Da die Geometer seither als Privatleute auf Kundschaft angewiesen waren, hat man offenbar eine umfangreiche Veränderung der Wohnsitze eintreten lassen, well fie nunmehr als Beamte dem Publikum anders gegenüberzutreten haben Mit Verstaatlichung des Geometerwesens ist ein oft geäußerter Wunsch dieses Standes erfüllt worden Die Geometer erwerben Beamteneigenfchaft, d. h. größere Sicherheit der Stellung (Ruhegehalts-Berechtigung), Witwen- und Waisenversorgung. Sie verlieren daher die seitherige Unabhängigkeit ihrer Stellung und erleiden zumeist eine Einbuße der Einnahmen, da fie als Beamte selbstredend ihrer Vorbildung nach eingereiht werden. Trotzdem gtauben wir, daß der Stand als solcher durch die Verstaatlichung nur gewonnen hat. ** Der erste Jahresbericht der Handwerkskammer zu Darmstadt für die Zeit vom 25. Mai 1900 bis 31. Marz 1902 ist soeben erschienen. Der Bericht giebt ein umfassendes Blld von der Thätigkeit der Kammer seit ihrer Konstckuierung bis zum heutigen Tage. Das reich-- haltige Material ift forgfältig gegliedert, übersichtlich zusammengestellt und zerfällt in folgende Abschnitte: 1. Errichtung und Konstituierung der Kammer, 2. Personalien der Kammer, 3. Sitzungen, 4. Rechnungs- und Kastenwesen, 5. Sekretariat, 6. Amtliches Organ der Handwerkskammer, 7. Lehrlingswesen, 8. Organisation im Kammerbezirk, 9. Bestellung von Prüfungsausschüsten zur Abnahme von Gesellenprüfungen, 10. Errichtung von Prüfungskommissionen zur Abnahme der Meisterprüfungen, 11. Beauftragte, 12. Erstattung von Gutachten, Unterstützung der Staats- und Gemeindebehörden und der Förderung des Handwerks durch thatsächliche Mitteilungen, 13. Zur Lage des Handwerks, 14. Genossenschaftswesen, 15. Mitteilungen über die einzelnen Genossenschaften, 16. Die deutschen Handwerks- und Gewerbekammem, 17. Anhang, betr. Ergebnisse der Gesellenprüfungen Bad Nauheim, 14. Juli. Unterhaltun gen Mittwoch, 16. Juli, nachmittags von 41/,—6^ und abends von 8—10 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Schubert- und Weber-Konzert. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Der Hochzeüstag." Donnerstag, 17. Juli, nachmittags von 4x/2—61/, und abends von 8—10 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends von 8—10 Uhr im Saale Tanz. Freitag, 18. Juli, nachmittags von 41/, bis 6x/2 und abends von 8—10 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Der Bettelstudent. Samstag, 19. Juli, nachmittags von 4l/2—6l/t und abends von 8 bis 10 auf Der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Vorstellung des Zauberkünstlers W. Rößner aus Berlin. Sonntag, 20. Juli, Konzert der Kapelle des schwedischen Kroneberg-Regts. Nr. 11 aus Stockholm. Freitag, 25. Juli, Madame Pvette Guilbert. ** Heuchelheim b. Reichelsheim, 14. Juli. Der hiesige Kriegerve rein feierte gestern und heute sein Fahnenweihefest. Es hatten sich dazu 30 auswärtige Vereine mit ihren Fahnen eingefunden Der imposante Festzug bewegte sich durch unser schmuck aufgeputztes Dörflein nach Dem Festplatz. Hier begrüßte Lehrer Maurer die Festversannnlung und brachte das Hoch auf Kaiser und Großherzog aus. .Pfarrer Fischer von Rerchelsheiw hielt die Festrede und vnll- stücke und geschmolzene zog den Weiheakt. Fräulein Weitz überreichte die Fahne. Der Kriegerverein Reichelsheim hat einen goldenen Fahnen- uagel gesüftet und befestigte ihn an der neuen Fahne. Hierauf begann, durch das herrliche Wetter begünstigt, ein rechtes Festtreiben, das durch keinen Mißton gestört wurde. für Volksbelustigung. Offenbach, 14. Juli. Bei der heute vormittag er- rolaten Versteigerung der Schlosser'schen Liegenschaft wurde der Stadt Offenbach, die mit 193 500 Mk. das höchste Gebot abgegeben hatte, der Zuschlag erteilt. Außerdem war nur noch ein Gebot von 150 000 Mark erfolgt. Heusenstamm, 14. Juli. Heber den Kirchenbrand tirtrb noch gemeldet: Statt des allgemein bewunderten Gotteshauses bietet sich nun eine traurige, rauchgeschwärzte Ruine dem Auge dar. Schon von weitem zeigt sich dem Wanderer der kahle Turmstumpf, dem noch kleine Rauch? wölken entsteigen. Die ganze Kuppel ist ein gestürzt, die Uhr vernichtet, nur die drei Glocken hängen noch in dem verbogenen eisernen Stuhle, alle gesprungen und bis zur Unbrauchbarkeit beschädigt. Das Dach ist völlig eingesturzt, die Kirche außen ringsum ein Schutthaufen, innen b^ zur Unkenntlichkeit fast alles geschwärzt von Ruß und Staub. Die Partie der Kirche in der Nähe des Turmes ist am schlimmsten mitgenommen. Dort ist von der herrlichen Orgel nichts mehr zu sehen als einige verkohlte Holzstücke und geschmolzene Metallreste. Die icher der. P™*1 an der Decke angebrachten berühmten Freskomalereien aus '>em vorigen Jahrhundert (die Kirche wurde 1764 von der Gräfin Maria v. Schönborn erbaut und wird noch heute von genannter Familie, die hier stark begütert ist, unter- tützt) sind völlig herabgebrochen. Die übrigen Malereien >er Kirche sind von Ruß vollständig geschwärzt, und ist es raglich ob dieselben wieder renoviert werden können. Das Mcmerwerk der Decke selbst ist weniger beschädigt. Eine gestern nachmittag hier vorgenommene Untersuchung durch das Kretsbauamt Offenbach ergab, daß die Decke tragfähig sei. Ein Notdach wird erbaut und im Innern eifrig gereinigt, um womöglich noch am nächsten Sonntag den Gottesdienst wieder ab halten zu könnem Der in G-e- ähr schwebende Glockenstuhl wird da, wo die eichten Trag- chwellen verkohlt sind, sofort untermauert. Der Schaden läßt sich bis jetzt noch nicht annähernd bestimmen, doch dürfte er mit 100 000 Mark nicht zu hoch taxiert sein. Die Kirche ist bei der Landesbranükasse und bei der München- Aachener Feuerversicherungsgesellschaft mit insgesamt 159 000 Mark versichert. Der Blitz schlug in den Kirchturm, der keinen Blitzableiter hatte. Augenzeugen berichten, wie ein greller Blitzstrahl auf das Kreuz herniederzuckte, die Kuppel in zahllosen Strahlen umblitzte und dann in getellter Richtung seinen Weg in die Kirche nahm, der eine den Turm abwärts, der andere nach der Mitte des Daches. Doch wurde Feuer nicht alsbald bemerkt und in der Aufregung wegen des lichterlohen Brandes in der ebenfalls vom Blitz getroffenen Winterschen Hofraite auch gänzlich übersehen. Als man des Kirchenbrandes gewahr wurde, war es leider schon zu spät. — Im einzelnen wird noch gemeldet: Das große Gemälde „Die Auferweckung des Lazarus", das etwa die Hälfte der Decke im Schiff der Kirche aussüllt, ist zerstört. Die anderen Gemälde sind bedeutend beschädigt und werden nur unter großen Kosten hergestellt werden können. Graf von Schönborn, dem die Kirche sehr viel verdankt, telegraphisch benachrichtigt, hat sich sofort über Umstände und Ursache des Brandes erkundigt und seine tiefste Teilnahme ausgesprochen. — Die Gemälde selbst wurden kurz nach der Erbauung der Kirche hergestelll von Peter Scheffer aus Augsburg, seinerzeit eine Größe aus dem Gebiete der Kirchenmalerei. Von ihm rührt i B. auch die Malerei in der Paulinuskirche zu Trier her; das Interesse und Bedauern aller Kunstfreunde ist groß, ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Zentralvorstand des evangelischen Vereins der Gustav-Adolf-Stistung macht bekannt, daß die 55. Hauptversammlung des Gesamtvereins vom 22. bis 25. September in Kassel stattfinden wird. Vorträge sind bis spätestens L September beim Zentralvorstand in Leipzig anzumeldem — Im Laufe des nächsten Jahres findet in Mvinz der 15. deutsche Feuerwehrlag statt. Es wurde beschlossen, daß die Stadt Mainz diesen Feuerwehrtag nach jeder Richtung hin unterstützen wird, doch wurde ganz besonders von Seiten der Feuerwehrkommandos hervorgehoben, daß dieser Feuerwehrtag nur einzig allein den ernsten ' Beratungen und den Feuerwehrübungen gewidmet sein soll. ’ — Der „Vorstand der Frauengruppe Hanau des Allge- ÖrLel meinen deutschen Schulvereins zur Erhaltung des Deutsch- t? Nteber-Gemünden, 14. Juli. Wir berichteten unter dem 10. Juli den tragischen Tod des Bierverlegers Ö ; et? © an co O Ä Q L- (O u © o <0 Q CO s L. cn u 00 an co Eie co W sä*» e «’S €* x C 0 LG 2 '^G K c N- © 'S .2 ä ^E 2 s SS 2 2 E •& Ü e an CS i-> &Q ? c c 2 p E C — o Q> oo 8 3^22 2 CT © L S> S an o -2 i L SS <5 _ « 2 « s 5. EZ E C3 ♦ an _ re. .r.«1 an ä±_ b« 2 5 E E S a K 2 2 «2 2 vÖ* E VZK o «L. CM L 8 2 an an an E w l£E Fernsprecher mBgeführt von der 5092 Gtück-Eokes Karten im Vorverkauf ä 60 Pfg. handlung des Herrn E. Challier Neuenweg Carl Retter, Cigarrenhandlun; Sohulstrasee. Gentnern 5165 H. Elges 2 Billards, 2 Billard* SeoesGrünkorn eingetroffen, 5143 empfiehlt 4998 Prtma Abends Kommers auf dem Festplatz. Nachmittag, Der Festausschuss. 5152 mwwwAWMwwMw.ww onnenstraße 22 1,25 Mk. 1,30 Mk. i der Musikalien- sowie bei Herrn bleibt allzeit die beste! 40 Pfg. per Stück. Atelier für Portraitmalerei von Otto Fritz, aka Nicht feuergefährlich. In Flaschen \ 60 Pfg., t Mk., 1.50 Mk. erhältlich in Sonntag den 20. Juli. Frühkonzert, Empfang der auswärtigen Wehren. Um UUhrvorm.: Uebung der Bad-Nauheimer Freiwilligen Feuerwehr. Nachm. 3 Uhr: Festzug. Auf dem Festplatz : Militärkonzert, Tanz, Volksbelustigung etc. Montag den 21. Juli, 19. Hess. Feuerwehrtag zu Bad-Nauheim am 19., 20. und 21. Juli 1902. Programm: Samstag den 19, Juli. Nachm. 3*/, Uhr: Delegiertenversammlung i der Turnhalle. Giessener Brauhaus Ad. Denninghoff (Brauerei-Ausschank), Mittwoch den 16. Juli, abends 8 Uhr: Zur Reise-Saison empfehle &e" Wagdeöurger AU s N.W Lebens-Verficherungs-Gesellschaft gewährt Nnfallverfichernug auch fürSeereiscn und Aufersthalt in fremden Ländern zu billigsten Prämien u. günstigsten Bedingungen. Vertreter für Gießen: General-Agent H. Krieb, Goethestr. 46. Polsterwaren finden Sie in größter Auswahl zu den billigsten Preisen bei 4302 August Ossmann 89 Seltersweg 89. Für den Gentner ab Verkaufsstelle 1J0 All. beziehen, ermäßigt sich der Preis um weitere 5 Pfg. pro Gentner. Für Anfuhr an das Hans werden 5 Pfennig für den Centn er berechnet. NB. Sofern das Verbringen der Cakes — bis zu 6 Centnern — auf die bete. Lagerplätze (Keller, Stall re.) mit keinem außergewöhnlichen Zeitaufwand verbunden ist, geschieht dies ohne besondere Vergütung. I« Gaswerk findet nur ein Verkauf von über 5 Centner Cokes statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der Klkiumhmf her GuM» vo« 1 bis 5 Centner eingerichtet, nämlich bei den Herren: Zoh. Fischer, Alicestraße 19, H Hof, Bahnhofstraße 33 und 34, Gebr. Kahl, Frankfurterstraße 151, Ed. Kliukel, Bahnhofstraße 10, Emil Lotz, Kirchenplatz 9, Emil Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg Schäfer, Lrcherstraße 2, August Struck, Bismarckstraße 6, Georg Unverzagt, Kaplansgaffe 5. Diese Firmen berechnen obenstehende Preise unserer Gascokes latI^n^n^r ro^e aswerk und verabfolgen dieselben auch m Mengen unter 5 Centnern. Die Preise unserer Gascokes für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag der Detroirückvergütung von 4 Pfg. für den Centner. Gießen, den 16. April 1902. 3086 Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Meine Eiswagen fahren vom L Mai ab wieder regelmäßig. Bestellungen werden im Hess. Hof, sowie in dem Laden Jrautfurterstraße 9 entgegengenommen. Hochachtungsvoll 3235 Telephon 83. Emil Schmall. Wichtseuerwehr. Donnerstag den 17. Jnli d. Js., abends 8i/2 Uhr, im Turm hause am Brar d: Uebung der 1. u. 2. Rotte. Gießen, am 11. 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