Nr. 87 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Zamilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Univers^Buch- ruSteia- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 15. ApE LS«S A ■ ■ LHLF Ä Vfck XTf o monatlich7bPs.,viertele JßHpl V W ▼ _ jährlich Mk. L20; durch GlchenerAnzeigerW " General-Anzeiger v s"?. v v für den pollt. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen WW Die heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. Politische Tagesschau. Ein Gradmesser. Mau schreibt uns aus Berlin, 14. April: Bei den Ausfallen in den Reichseinnahmen für das letzte Etatsjahr spielt auch die Geschäftsentwickelung der Reichsbank eine, wenn auch bescheidene, Rolle. Im Voranschlag war der Gewinnanteil des Reiches auf 15 Mill. Mark berechnet. Thatsächlich betrug er 2 Millirnen, gegen die Gewinnquote des Jahres 1900 sogar 10 Millionen, weniger. Dementsprechend mußten sich die Inhaber von Anteilscheinen der Reichsbank mit einer um vier und fünf Achtel Prozent geringeren Dividende begnügen. In einer Besprechung des Jahresberichtes der Reichsbank wird zutreffend darauf hingewiesen, daß der im Durchschnitt um 1 und drei Viertel Prozent niedrigere Stand des Bankdiskonts hauptsächlich den Gewinnaussall im Jahre 1901 bewirkt hat, beim Wechselgcschäft volle ?i/2 Millionen Mark. Die Diskontbewegung ist bekanntermaßen ein zuverlässiger Gradmesser für die Lage der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse. Deshalb ist es zur Beurteilung der wirtschaftlichen Entwickelung des laufenden Jahres empfehlenswert, zeitweilig einen Blick auf diesen Gradmesser zu werfen. Tie Geldflüssigkeit war bisher größer als in der gleichen Zeit des Vorjahres; soweit jetzt ein Urteil möglich ist, dürfte sich der Bankdiskont geraume Zeit hin aus mittlerer Höhe halten. Solche Stetigkeit des Diskontsatzes würde einen günstigen Rückschluß auf die Gestaltung des Wirtschaftslebens zulassen Ein zarter Wink. An der Flottenschau zu Spithead zu Ehren der Krönung König Eduards sollte deutscherseits ursprünglich das ganze erste Geschwader unter dem Oberbefehl des Prinzen Heinrich beteiligt sein. Auf Wunsch des Königs ist die Beteiligung später jedoch auf ein Schiff beschränkt worden, sowohl bei Deutschland wie bei den anderen Mächten Eine Ausnahme macht allein Japan, das durch zwei Kriegsschiffe vertreten sein hrirb. Es liegt nahe, hierin eine Aufmerksamkeit Englands gegen den Verbündeten zu erblicken, und dieser hat darauf insofern reagiert, als er für die Huldigungsfahrt noch England zwei Meuzer auswählte, die auf englischen Werften erbaut worden sind. Es ist dies aber zugleich ein zarter Wink für die Engländer, der sie erinnert, daß Japan stets ein guter Kunde der englischen Industrie gewesen ist, während die angemessene Gegenleistung no*ch aussteht, eine Lücke, die das politische Bündnis nicht auszufüllen vermag, aus die es im Gegentell um so eindringlicher hinweist. Daß die Engländer den Wink verstehen werden, dürfte kaum zu bezweifeln sein. Ob sie ihn befolgen, ist schon fraglicher. Die wirtschaftliche und speziell die finanzielle Kraft Englands hat durch den Burcnkrieg denn doch eine Einschränkung erfahren, die ihm eine Bethätigung zu Gunsten Japans ungemein erschwert. Preußisches Abgeordnetenhaus. 58. Sitzung vom 14. April. Tagesordnung: Fortsetzung der Spezial-Beratung des Eisenbahnetats beim Kapitel: Vom Staate verwaltete Eisenbahnen. Abg. Göschen (nl.) spricht sein Bedauern aus über den Rückgang der Zahl der Assistentenstellen im Eisenbahnbuveaudienst. — Reg.-Kommissar Geh. Rat Wehrmann erwidert, daß diese Stellen zu einem erheblichen Teile entbehrlich seien durch die Zentralisation des Eisenbahnverwaltungsdienstes; dafür seien aber die Sekretärstellen vermehrt und die Assistenten in diese eingerückt. — Abg. Goldschmi dt (freis. Sßp.) kommt nochmals auf die unzureichende Besoldung der Arbetter zurück, wird aber vom Präsidenten von Kroch er darauf aufmerksam gemacht, daß dies in die Generaldebatte zurückgreife, die bereits geschlossen sei. Redner tritt dann für eine Besser st ellung der Lokomotivführer und Heizer ein. — Abg. Dr. Crüger- Bromberg (freis. Vp.) findet, daß die Beamten der vom Staate übernommenen Bahnen im Avancement hinter den Beamten älterer Staatsbahnen zurückbleiben. Beim Examen der Sekretäre seien die Anforderungen in den verschiedenen Direttionsbezirken ganz verschieden. — Reg.-Kommissar Geh. Rat Wehrmann erwidert, die von den Privatbahnen übernommenen Beamten rückten in die Stellen von Militäranwärtern ein und würden als solche behandelt. Tie Anforderungen beim Sekretariatsexamen seien dem Wunsche des Hauses gemäß gemildert und es hätten infolgedessen über 1000 Assistenten das Examen abgelegt. — Abg. Dr. Sattler (nl.) wendet sich gegen die bei der Beratung des Etats des Ministers des Innern vom Abg. v. Willssen vorgebrachten Klagen über die Benachteiligung der Militär- anwürter: diese Klagen seien unbegründet. — Abg. Werner (Antis.) begründet den von ihm gestellter: Antrag: entsprechend wiederholten Beschlüssen des Hauses an die Regierung das Ersuchen zu richten, den Beschwerden der aus dem Supernumerariat hervorgegangenen Beamten des Eisenbahnabfertigungsdienstes, soweit sie vom Hause als berechttgt anerkannt sind, im nächsten Etat gerecht zu wechen. — Reg.-Kommissar Geh. Rat Wehr mann erklärt diesen Anttag praktisch für schwer durchführbar, da die besser qualifizierten und examinierten Beamten durch denselben benachteiligt würden. Es würden im Sinne des Antrages Werner Billigkeitsrücksiü)ten genommen. — Abg. Oetker (fr. Vp.) tritt für eine Gehaltsauftesserung der Bahnsteigschaffner und anderer llnterbeamten ein, deren Dienst ein schwerer sei und ungenügend bezahlt werde. — Minister v. Thielen tritt diesen Ausführungen entgegen. Eine Erhöhung des Einkommens dieser Beamten lvürde sofort die Militäranwärter zu neuen Forderungen veranlassen. — Abg. Schmidt-Warburg (Ztr.) tritt für eine Besserstellung der Eisenbahnbau- und Maschinen-Jnspektoren ein. Auch sei eine Titelerhöhung für diese Beamten zu wünschen. — Minister v. Thielen wünscht allerdings, den Beamten einen Teil ihrer diätarischen Dienstzeit anzurechnen. Wenn es auf diese Weise gelinge, die Gehaltsfrage zu regeln, könne man die Titelfrage wohl aus sich beruhen lassen. Deutsches Reich. Berlin, 14. April. Zu der Nordseefahrt, die der Kaiser nebst Gefolge am Mittwoch abend aus dem Schnelldampfer „Kronprinz Wilhelm" antritt, haben Einladungen erhalten Geh. Baurat Rathenau, Kommerzienrat Arnhold und Kommerzienrat Löwe. — Der Kaiser empfing heute den Maler Fechner und hörte die Vorträge des Chefs des Zivilkabinetts von Lucanus und des Hausministers v. Wedel. — In Gegenwart der Kaiserin hielt heute das Zentralkomitee zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke im Reichstage seine Generalversammlung ab. — Die „Köln. Ztg." meldet aus Aachen: Wie amtlich mitgeteilt wird, trifft der Kaiser am 16. Juni hier ein. Er wird die Restaurierungsarbeiten in der Krönungskirche, das Kaiser Wilhelm-Denkmal und das Rathaus besichtt- gen, woraus er einen Ehrentrunk nimmt. Der Kaiser kommt nachmittags voraussichtlich mit der Kaiserin an. — Wie der „Frkf. Ztg." aus Darmstadt mitgeteilt wird, beträgt die Summe, zu deren Zahlung der Großherzog für den standesgemäßen Unterhalt der Großherzogin sich verpflichtet hat, 50 000 Mark jährlich. — Reichskanzler Gras Bülow hatte gestern eine Besprechung mit dem Oberpräsidenten der Provinz Hmr- nover Grafen Stolberg-Wernigerode. Nach seiner Rückkehr aus Wien hatte Graf Bülow längere Besprechungen mit den Staatssekretären Graf Posadowsky, Frhr. v. Nichthosen und Frhr. v. Thielmaun. — Einer Sitzung des preuß. Staatsministeri- ums, die am Samstag abgehalten wurde, wohnte Graf Bülow nicht bei. Den Vorsitz führte Minister v. Thielen. — Am 13. d. M. ist der Vortragende Rat im Reichs- Eisenbahnamt, Wirkt. Geh. Oberbaurat Streckert, im 72. Lebensjahre plötzlich verschieden. Streckert wurde 1830 in Kassel geboren, begann seine Beamtenlaufbahn 1848 als kurfürstlich hessischer Baueleve, war bis 1865 als Ingenieur beim Bau verschiedener Eisenbahnen im ehemaligen Kurfürstentum Hefsen. Nach seinem Uebertritt aus dem kurhessischen in den preußischen Staatsdienst wurde er 1868 in das technische Bureau des Handelsministeriums berufen. — Der beabsichttgte Ausflug des Alldeutschen Verbandes nach Siebenbürgen und den Städten des Banats ist vorläufig aufgeschoben worden. Als Grund wird angegeben, daß sich nur wenig Teilnehmer gemeldet haben und unter denselben verhältnismäßig viele Damen, die man nicht eventuellen Insulten aussetzen wollte. — Die „Nat.-Ztg." erfahrt, infolge Klagen der Bauhandwerker habe der Eisenbahnminister bezüglich der Ausschreibung und Vergebung von Kleinwohnungsbauten die Eisenbahndirektionen angewiesen, nach Möglichkeit dafür zu sorgen, daß eine hinreichende Gewähr für die Mitbeteiligung mehrere Handwerke geboten ist. — Laut der „Nationalzeitung" werden von der sozialistischen Abteilung des Statistischen Amtes Vorbereitungen getroffen, um einen Arbeitsnachweis über das ganze Reich zu organisieren. — In den Räumen des preuß. Abgeordnetenhauses erfolgte Mittags die konstituierende Sitzung der Berliner Handelskammer. Minister Möller eröffnete die Sitzung mit einer Rede, in der er nach einem Rückblick auf die Verhältnisse, welche die Errichtung der Handelskammer durch die Entscheidung des Ministers notwendig machten, die Versammlung zu der Feststellung eines Statuts aufforderte, das auch bezüglich der Aufnahme von Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf Vorsorge treffe. Der Minister erwähnte die eben im Landtage eingebrachte Gesetzesvorlage und bemerkte, solange die Handelskammer nicht eingelebt sei, solle eine Reihe von Funktionen in passender Weise zunächst dem Aeltesten-Kollegium verbleiben, so vor allem die Aufsicht über die Börse. Später müsse ein Modus vivendi über die Teilung der Arbeit beider Korporationen geschaffen werden. Die Kammer wählte den Präsidenten des Aeltesten-Kollegiums, Geheimrat Herz, einstimmig zum Vorsitzeüden, Heckmann und von Mendelssohn zu dessen zwei Stellvertretern und wählte eine Wahlprüfungskommission, sowie eine Kommission für vorbereitende Maßnahmen. — Ter „Post" zufolge wird eine staatliche Frauen-Gewerbe schule, für die sich die Kaiserin lebhaft interessiert, voraussichtlich in der nächsten Zeit in Potsdam errichtet werden. Tie Potsdamer Stadtverordneten beschlossen, der Regierung ein städtisches Grundstück kostenlos zur Verfügung zu stellen. Tie Schule soll zur Ausbildung von Lehrerinnen für den Haushaltungsund Handelsunterri ckck dienen. Hamburg, 14. April. Prinz Heinrich ist heute nachmittag hier eingetroffen und nahm an einem Liebesmahl des ostasiatischen Vereins teil. Morgen begiebt sich der Prinz nach Bremen und Bremerhaven. Wiesbaden, 14. April. Tas „Wiesb. Volksblatt" schreibt heute weiter: „Wir können besttmmt versichern, daß die Dr. Lieber nach Durchdringung der Flottenvorlage gemachten Angebote von allerhöchster Stelle gekommen sind, und daß der K a i s e r Tr. Lieber, nachdem dieser alle Staatsämter abgelehnt, sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift zum Geschenk gemacht hat." Karlsruhe, 14. April. Ter Staatsminister von Brauer erklärte in der Kammer, die badische Regierung könne der A n r e g u n g S a ch s e n s, den T a r i f e r m ä ß i- gungen gemeinsam ein Ende zu machen, n icht folgen. Ausland. London, 14. April. Tie „Times" meldet aus Pekings den 13. April: Die Befehlshaber der verbündeten Truppen kamen gestern überein, die vorläufige Regierung in Tientsin aufrecht zu erhalten entweder bis.zur Schleifung der Forts, wie in der Zusammenkunft der Befehlshaber am 6. April 1901 beschlossen war, oder bis zum 1. Juli; die Regierung sott aber auf keinen Fall früher aufgelöst werden als vier Wochen nach Annahme gewisser Bedingungen durch die chinesische Regierung. Zu biejen Beomgungen gehören auch die folgenden: Tie chinesische Regierung muß sich verpflichten, die Forts nicht wieder aufzurichten, auch keine neuen Forts zwischen Peking, Taku und Schanhaikwan zu bauen. Die chinesische Poli- zettruppe in der Stadt darf nicht mehr als 2500 Döanu betragen und chinesische Truppen dürfen sich der Stadt nicht auf weniger als 30 Kilometer nähern. Die Eisenbahn Peking-Schanhaikwan soll an die chinesische Regierung erst zurückgegeben werden, wenn die Befehlshaber der verbündeten Truppen ihre Zustimmung erteilt haben. — Unterhaus. Das von Hicks Beach eingebrachte Budget schätzt das Defizit dieses Jahres auf 45y2 Millionen Psund. Es wird beantragt, das Defizit zu decken durch Suspendierung der Schuldentilgung, Erhöhung der Einkommensteuer um einen Penny pro Pfund, Erhöhung der Stempelabgaben auf Checks, Coupons und Sichtwechsel auf zwei Pence, Erhebung von Zöllen von drei Pence für den Zentner Korn, fünf Pence für den Zentner feines und grobes Mehl, Ausnahme einer Anleihe von 32 Millionen Pfund und Ausgabe von Schatzwechseln in gewisser Höhe. In seiner Budgetrede führt Schatzkanzler Höcks Beach aus, aus dem Vorjahre sei ein Saldo von vier Millionen geblieben, der Kohlenzoll und der Zuckerzoll waren erfolgreich. Letzterer erbrachte 6 390 000 Pfund, letzterer 1300 000 Pfund. — Tas Unterhaus nahm nach längerer Debatte, in der die Liberalen und Iren gegen den Korn- zoll und die Konservativen dafür sprachen, mit 254 gegen 135 Stimmen den Vorschlag des Budgets, betreffend den Korn- und Mehlzoll, an. Haag, 14. April. Tie Königin ist wegen einer leichten Erkältung genötigt, das Zimmer zu hüten. Tie jede Woche stattfindende Audienz der Minister ist abbestellt worden. Bern, 14. April. Die Regierung ist entschlossen, um eine Verschärfung des Zwistes mit Italien zu verhüten, alle lärmenden Kundgebungen, namentlich solche der in der Schweiz lebenden Italiener, zu unterdrücken. Wien, 14. April. Morgen, am 70. Geburtstag von Wilh elm Busch, überreicht die alldeutsche Vereins gung im Abgeordnetenhause eine Jubiläumsanfrage, betr. das in Oesterreich bestehende Verb o t des Buches „D e r heilige Antonius von Padua", dahingehend, ob dem Justizminister der Wortlaut bekannt sei, und er der Unterdrückung solcher Tichtung zustimmt, und welche Begründung dieses Verbot gerechtfertigt erscheinen lassen soll. Es folgt nun der Wortlaut „des heiligen Antonius" und Unterschriften. Ein Exemplar dieser Jubiläumsansrage ist als Prachtband — schwarz-rot-goldener Ledereinband mit Siegelkapsel, deren Inneres die Figur des Antonius nach der Busch'schen Zeichnung zeigt — gebunden und ist als Widmung für Wilhelm Busch bestimmt. Das dem Präsidenten zu überreichende Exemplar ist ebenfalls schwarz^ rot-gold in Leder gebunden. Belgrad, 14. April. In einer geheimen Sitzung der Skupschtina wurde heute der Bericht der Kommission verlesen, der mit der Prüfung des Tispositionsfonds aus Anlaß des bekannten Mißbrauches dieses Fonds durch einzelner Mitglieder des Kabinetts Wladan Georgewitsch beauftragt war. Der Bericht stellt fest, daß mit den Geldern des Dispositionsfonds zur Zeit des Ministeriums Wladan Georgewitsch großer Unfug getrieben wurde; es wird beantragt, die Schuldigen auf zivilrechtlichem Wege um Schadenersatz zu belangen. Konstantinopel, 13. April. Ter deutsche Botschafter war am Samstag Abend in den Jildispalast geladen. Ter Sultan teilte dem Botschafter in der Audienz mit, daß ein Jrade erlassen worden sei für die strafrechtliche Verfolgung der orthodoxen Mönche, die katholische Mönche deutscher Staatsangehörigkeit bei der Prügelei in der Jerusalemer Grabes- kirche verletzt hatten. Warschau, 14. April. Englische Kapitalisten beabsichtigen, hier eine große Schlächterei für die Ausfuhr von Schweines le isch nach England zu errichten. Newyork, 14. April. Vor dem Staats-Komitee sagte der Infanterie-Sergeant Niley aus, daß auf den Philippinen im Beisein von Offizieren und Mannschaften gefangene Filipinos gefoltert worden seien. Aer Ausstand in Aetgieu K jetzt allgemein in den Kohlengruben, Glasfabriken und Hüttenwerken im Bassin du Centre einschließlich derjenigen -von Mariemont und Bascoup. Im Bassin von Seraing i der Ausstand allgemein in den Kohlengruben Vieille Marie- chaye bei Seraing, Bon Buveur, Concorde bei Jemappes, Gerard Close, Petitc Bachure bei Herstal und den Gießereien von Kettin zu Selessin. In Charleroi legten von 40 000 ^Arbeitern über 15 000 die Arbeit nieder. In den Fabriken !der Metallindustrie in Charleroi dagegen sind die Arbeiter fast vollzählig zur Arbeit erschienen. Am Montag Vormittag veranlaßte eine Schar Ausständiger in Marlinelle die Einstellung der Arbeiten in allen Fabriken der Metallindustrie, ebenso in der Kohlengrube des Boisducazier und in der Brikettfabrik Wattin. Auch in den meisten großen Spinnereien ist der Ausstand allgemein. Die Zahl der Ausständigen in Mons wurde auf 18 000 geschätzt. Eine Anzahl 2hte= -ständiger durchzog die Straßen von Jumet, um die Arbeitenden in den Kohlengruben, Werkstätten und Glasfabriken von der iArbeit abzuhalten. Die Bürgergarde in Jumet wurde unter 'Waffen gerufen. Ferner traten die Arbeiter der Steinbrüche Jim Amblevethale in den Ausstand. In Poulseur wurden -Steine in die Fenster des Pfarrhauses und des Hauses des ,'Vikars, sowie des Klosters der katholischen barmherzigen Schwestern und der Wohnungen der Steinbruchbcsitzer geworfen. Ein erstes Anzeichen liegt vor, daß der Generalstreik im Lande zu blutigen Szenen führen wird. Wie verlautet, wurden in Regisia bei Huy in der Provinz Lüttich drei Gen dar in en von streikenden Steinbrucharbeitern durch /Revolverschüsie schwer und einer tätlich verwundet. Auch in Flandern wird die allgemeine Arbeitseinstellung verkündet werden. Vorige Nacht platzte eine Dynamit- bombe in der Wohnung des Pfarrers von Timeon bei Gosielies; sie richtete aber nur Sachschaden an. Wegen des Ausstandes wird in Brüssel das Kammergebäude, das Rathaus, das Vollshaus und mehrere Staatsgebäude durch starke Abteilungen der Bürgergarde geschützt. Die Truppen sind konsigniert. Die Regierungskreise scheinen Kem Ausgang der Krise ohne Besorgnis entgegenzusehen. Während der Abgeordnete Band ervelde am Samstag Abend in der Umgebung des Volkshauses von Gruppe zu -Gruppe ging, um die Menge zur Ruhe aufzufordern, wurde er durch einen Steinwurf in den Rücken verletzt. — Das Btatt 9tationale teilt mit, daß die eingeleitete Untersuchung ergeben habe, daß es sich bei einem Attentate gegen die .Wohnung des O b e r st e n A n s p a ch um einen Dummenjungen- iStrcich handelt. Die angebliche Bombe war vollständig unschädlich. Die Verwaltung der Brüsseler Straßenbahn hat Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, daß die eisernen Kästen, die längs der Untergrundbahn angebracht sind, nicht mehr entfernt werden können, um den Demonstranten zur -Erbauung von Barrikaden zu dienen. Die Stadtverivaltung hat aus dem gleichen Anlaß den Befehl erteilt, sämmtliche Bretterverschläge von den Brücken zu entfernen. Den verschiedenen in Brüssel garnisonirenden Regimentern sind scharfe und Platzpatronen zugeteilt worden, damit alles bereit ist, sobald das Militär zur Unterstützung der Bürgerwehr berufen werden sollte. Die Polizei in dem Brüsseler Vororte Schaerebeeck hat einen der Meuterer ergriffen, der an der Ermordung des Polizeisergeanten Hoffeld beteiligt war. In Antwerpen wohnten eine nicht unbedeutende Anzahl Soldaten — von der Polizei wird dieselbe auf 30 angegeben — dem sozia listischen Meeting in Uniform bei und sang die Marseillaise. In Arlon durchzog _ die Menge die Straßen zum Vereinslokal. Nach der Versammlung wurden mehrere Revolverschüffe abgegeben. Die Lage in La Louviöre ist ernster geworden. Die Arbeiter sind erbost darüber, daß sie jüngst nicht allgemein unterstützt wurden. Außerdem sind die Unterstützungskassen leer. — In Enghien fand eine Kundgebung zu Gunsten des allgemeinen und gleichen Stimmrechts statt. Der Christlich- Soziale Dhäns sowie mehrere sozialistische Abgeordnete hielten Ansprachen. Der König, der am Sonntag nach Ostende abgerefft war, ist bereite wieder nach Brüssel zurückgekehrt. Die Ilriedensveryandlriugeu und Englands Ainanzerr. Im englischen Unterhause erklärte am Montag Balfour, eine Botschaft von den Burenführern sei der Regierung durch Kitchener am Samstag mitgeteilt worden. Tie Regierung erwarte weitere Mitteilungen. Dem Bernehmen des Reuterschen Bureaus nach enthält die von den Burenführern dem General Kitchener gemachte Mitteilung wenig mehr als die Bitte, man möge ihnen gestatten, den Telegraphen zu benutzen zur Befragung Krügers und der Burendelegierten in Europa in Betreff der Grundlagen eines Abkommens, das man vorzuschlagen beabsichtigt. Bisher sind, wie Reuter zu melden weiß, als Ergebnis der Klerksdorper Konferenz der britischen Regierung keine umfassenden oder abschließenden Vorschläge gemacht worden. Der Schatzkanzler hat aber am Montag im Unterhause klar einer Hoffnung Ausdruck gegeben auf ein g lücr- liches Ergebnis der Konferenzen der Bärenführer. Nichts sei, so führte er weiter aus, mehr geeignet, in der gegenwärtigen Krisis zum Frieden beizutragen, als der Entschluß des Parlaments des Landes, daß, wenn un- glücklicherweise die Hoffnungen sich nicht erfüllen sollten, der Krieg bis zum erfolgreichen Ende geführt wer den müsse, koste es, was es wolle. An Extraausgaben des Jahres sind zu decken vom englischen Parlament vor allem die Kosten eines Teiles der südafrikanischen Polizeitruppe und die Zinsen der neuen Schuld. Diese Erfordernisse sind zu schätzen auf 18i/2 Mill. Pfund. Tie übrigen Erfordernisse der Staatsausgaben sind auf 174,6 Millionen veranschlagt, während die Einnahmen auf Grund der bestehenden Besteuerung auf 147 785 000 Pfund geschätzt werden, sodaß das zu deckende Ges am t d e fizit 4öv2 Millionen beträgt. Man könne ch" fragen, was geschehen solle, wenn binnen einigen Wochen der Friede eintrete. Er möchte dem Hause bemerken, daß wenn es auch eine kostspielige Sache Äwfl öu führen, es doch gleichfalls kostspielig sei, ihn -jU Ende zu bringen. Wir werden für Belohnungen und Ehrengeschenke für Soldaten zu sorgen haben, eine beträchtliche Truppenzahl in Südaftüka halten, für Unterstützung unserer dortigen Kolonien, für Wiederaufbau und Wiederaus st attung der Farmen sorgen müssen, nicht nur der unserer Freunde, sondern auch derjenigen, die kühn und ehrenhaft unsere Feinde gewesen sind, und diewirzu unseren Freunden zu machen hoffen. (Beifall.) Wenn der Friede unter befriedigenden, Tauer und Sicherheit verbürgenden Bedingungen zu stände kommt, wird das Haus zweifellos in diesen Dingen generös sein. Die Kr ie gs aus gab en betrugen bisher 160 Mill. Redner unterbreitet dann die Vorschläge zur Deckung des Defizits und bemerkt dazu, die Suspendierung der Schuldentilgung würde ergeben 41/2 Millionen, die Erhöhung der Einkommensteuer zwei Million, die Erhöhung der Korn- und Mehlzölle 2,6 Mill. Tie Form, in der die Anleihe v 0 n 32 M i l l i 0 n e n ausgenommen werden soll, soll später bekannt gegeben werden. Mährend Schatzkanzler Hicks - Beach sprach, wurde Chamberlain ein Telegramm überbracht, das, wie man Grund hat, anzunehmen, sich auf Friedensverhandlungen bezog. Ter „Standard" bringt die wichtige Mitteilung, daß Lord Miln er ebenfalls nach Pretoria gegangen ist. Dies bestärkt die Meinung, daß die englische Regierung nunmehr erfolgreiche Verhandlungen über die Zivil-Verwaltung nach Beendigung des Krieges erwartet. Instruktionen darüber, was Lord Kitchener den Burenführern zugestehen, und was er rundweg verweigern soll, sind also bereits abgegangen. Tas Letztere wird einen größeren Raum einnehmen, denn Mr. Chamberlain ist — das beweist nicht nur der in feiner Wohnung abgehaltene Ministerrat, ondern auch die lange Audienz mit anschließendem Mahl beim König — auch jetzt wieder der leitende Staatsmann. Auffällig ist, wie sehr bei diesen Entscheidungen von allergrößter Bedeutung Lord Salisbury im Hintergründe bleibt. Mcm hält ihn in Hatfield durch Seelgramme auf dem Laufenden. Der Umstand, daß Chamberlain die Friedensbedingungen diktiert, ist an und für sich nicht gerade geeignet, die Verhandlungen zu erleichtern. Chamberlain ist nicht der Mann, um des Friedens willen Frieden zu chließen, d. h. mit dem festen Vorsatz in die Aktion emzw- treten, dem blutigen Krieg selbst unter Verzicht auf die eine oder andere Forderung ein Ende zu machen. Chamberlain wie Hicks Beach stehen auf dem Standpunkt, daß England als Sieger den Besiegten großmütig gewisse Erleichterungen gewähren kann, und daß die Buren alle Ursache haben, für die gütige Verzeihung ,chankbar" zu fein. Daß König Eduard den Kolonialminister zu sich entbot und ihn zum Frühstück einlud, braucht nicht ein Akt >er Huldbezeigung zu fein; es läßt sich annehmen, daß König Eduard, der, wie man weiß, auf das sehnlichste wünscht, daß vor der Krönung der Friedensschluß perfekt ist, Herrn Chamberlain zu erweichen versucht hat. Mit welchem Erfolge, das muß eine nahe Zukunft lehren. Die Friedensvorschläge der Buren sind sicherlich in London bereits vollinhaltlich, bekannt, obgleich dies von >en der englischen Regierung nahestehenden Blättern be- ’tritten wird. Ter Hauptpunkt ist und bleibt die Frage, )b die Buren auf die Unabhängigkeit verzichten und ich mit der Selbstverwaltung unter britischer Oberhoheit legnügen wollen? Alles andere ist verhältnismäßig neben- ächlich. In letzter Zeit schien es, als ob die Buren die Unabhängigkeitsforderung nicht mehr mit derselben Ge- chlosfenbeit und Bestimmtheit vertreten wie früher. Krüge r und Dr. Leyds allerdings versicherten wiedevholl, an das Fallenlafsen dieser Bedingung sei nicht zu denken; aber diesen Aeußerungen standen andere, minder kategorische gegenbüre von militärischen Burenführern. Daß auf Seiten >er letzteren Neigung vorhanden ist, mit sich reden zu lassen, geht aus der Fahrt nach Pretoria hervor. Diese Fahrt würde doch von vornherein völlig zwecklos fein, wenn die zur Verhandlung Bereiten nicht ein Titelchen der Unabhängigkeit zu opfern entschlossen wären. In diesem Punkt giebt England keinesfalls seinen Anspruch auf Anerkennung der Oberhoheit auf. Da jedenfalls zu allererst über diese Frage in Erörterung eingetreten wird, so wäre es als ein günstiges Symptom zu betrachten, wenn die Verhand- ungen mehrere Tage hindurch fortgeführt würden. Dann ist man „über den Berg" gelangt. Vom Kriegsschauplätze liegen heute folgende Depeschen Lord Kttcheners aus Pretoria vor: Oberst Co- lenbrander griff am 8. April Beyers Lager an. Oberst Murray wurde dabei schwer verwundet, Leutnant Lincoln getötet, ein Leutnant und 5 Mann verwundet. Ter Verlust des Feindes an Toten, Verwundeten und Gefangenen betrug 106 Mann. Die Streitmacht >es Obersten Term an wurde in der Nähe von Bulfon- tein von einer numerisch stärkeren fern blichen Macht angegriffen. Ein Offizier und zwei Mann ind gefallen, 14 Mann wurden verwundet, ein Teil der Patrouille wurde gefangen genommen. — In Westtransvaal in der Nähe von Rooiwal griff der Feind am 11. April den Obersten Kekewich an. Es entspann ich ein heißer Kampf. Der Feind wurde zurück- gemorfen und ließ 44 Tote, darunter den Kommandanten Potgieter, auf dem Schlachtfelde. 34 Verwundete und 20 Unverwundete wurden gefangen genommen. Der Verlust der Engländer war: ein Offizier und 5 Mann tot, 52 Mann verwundet. Bei der Ver- olgung erbeutete Oberst Kekewich 2 Kanonen und 1 Ma- chinengefchütz. — Seit dem 7. April wurden von ver- chiedenen britischen Abteilungen 55 Buren getötet, 43 verwundet^ 167 sind gefangen und 5 ergaben sich. In der Kapkolonie find die Buren iuxl) in zerstreuten Trupps, die zumeist nach dem äußersten Westen gezogen sind. Nach der neuesten Verlustliste fand am 12. April bei Machavie (?) ein Eifenbahnunfall statt, bei dem 13 britische Soldaten u mgefommen und 13 v erwun det find. Aus Stadt und Sand. Gießen, den 15. April 1902. ** Auszeichnung. Wie uns ein Privattelegramm ans Darmstadt meldet, hat der Großherzog dem ordentl. Professor an der Landesuniversität Dr. Heim bürge r das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. Justizdienstnachricht. Wegen Erkrankung des General- aatsanwalts Geheimrats Dr. Schlippe, der auf einige Zeit beurlaubt wurde, ist, wie man uns ans Darmstadt telephonisch meldet, Oberstaatsanwalt Dr. Preetorius mit Versetzung von dessen Dienstverrichtungen beauftragt worden. Die Amtsgeschäfte des Oberstaatsanwalts der Provinz Starkenburg besorgt bis auf weiteres Staatsanwalt Schutt, besten Funktionen dem Gerichtsastestor Dr. Rückert in Darmstadt übertragen wurden. ** Neubau der Universitäts-Bibliothek. Der Zuschlag für die Ausführung der Maurerarbeiten zur Weiterführung des Neubaues der Universitäts-Bibliothek wurde dem Maurermeister Martin Abermann, der bereits das Kellergeschoß auszuführen übernommen hatte, erteilt. Mit den Artretten wird bereits in den nächsten Tagen begonnen werden. ** Eisenbahn - Persoualuachrichten. Versetzt wurden die Stations-Assistenten Besier von Hungen als Stations-Verwalter nach Weilmünster, Kehres von Limburg nach Gießen,. Lokomotivführer Schäfer III. von Fulda nach Grebenhain. Ernannt zum kgl. Güterexpedienten der Stations-Assistent Frank in Gießen, zum kgl. Stations-Assistenten für den Bahnhofs- und Abfertigungsdienst Telegraphist Reissen- racber in Lollar, Lokomotivheizer Orbig in Nidda zum Lokomotivführer. ** Omnibus-Verkehr. Die Einladung des Vorstandes der Gießener Omnibus-Gesellschaft zu einer für den 22. ds. cm- gesetzten außerordentlichen Generalversammlung, .auf deren Tagesordnung u. a. die Auflösung der Genossenschaft steht, hat unter den Geschäftsleuten unserer Stadt, besonders unter den Ladeninhabern, eine gewisse Besorgnis heroorgerufen, es könnte nun doch noch zur Einstellung des Omnibus-Verkehrs in unserer Stadt kommen. Nach von uns an zuständiger Stelle eingezogenen Erkundigungen ist jedoch daran nicht zu denken. Dieser Punkt muß aber nach Lage der Verhältnffse ventiliert werden, um dem Vorstand darüber Klarheit zu schaffen, in welcher Weise die zunächst Beteiligten, nämlich die einzelnen Genossenschafter, über die Weiterführung des Unternehmens denken. Bekanntlich ist die Omnibus- Angelegenheit in der letzten nichtöffentlichen,, Sitzung ber Stadtverordneten-Versammlung erörtert mordest. Wie die städtische Verwaltung über das Weiterbestehen der Omnibus- Verbindung in der Stadt denkt und in welcher Weise sie das! Unternehmen unterstützen will, darüber wird den Genosten- schaftern in der Generalversammlung Mitteilung gemacht werden. Es liegt nicht nur im persönlichen Interesse ber Inhaber von Anteilscheinen der Gesellschaft, sondern ganz besonders auch im Interesse der Allgemeinheit, die das Weiterbestehen des Omnibusoerkehrs für notwendig hält, wenn die Beteiligten die Generalversammlung am 22. April recht zahlreich besuchen. ** Von der Reichspost. Die von der „Franks. Zig." verfrüht gebrachte Nachricht von der Versetzung des Ober-Post- direkiors H olfel d bestätigt sich nunmehr. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, ist Holfeld vom 1. Juli ab die Verwaltung der Ober-Postdirektion Halle a. d. S. übertragen. Zu seinem Amtsnachfolger in Darmstadt ist thatsächlich der seitherige vortragende Rat im Reichs-Postamt in Berlin, Geh. Ober-Postrat (also nicht Direktor des Reichspostamts, wie die „Franks. Zig." irrtümlich gemeldet hatte. D. Red. des „Gieß. Anz.") Kobelt bestimmt. Herr Kobell ist von Geburt Hesse; seine Gattin (geb. v. Siebold) stammt aus Bingen. ** Manöver des 18. Armeekorps. Das diesjährige Manöver des 18. Armeekorps wird in Teilen der Kreise Frankfurt, Hanau, Horüburg v. d. H. und Gelnhausen sowie der Provinz Oberhessen abgehalten. Die 21. Division manövriert in südlichen, die 2 5. Division in nördlichen Bezirken dieser Gebiete. Hauptmanövertage find der 18., 19. und 20. September. Am letzten Tage ist Schluß der Herbstmanöver des 18. Armeekorps. ** Der Verbandstag des Rhein-Main-Gastwirte VerbandeL wird in den Tagen vom 26.—28. Mai in unserer Stadt abgehalten. Die Gießener Gastwirthe wollen es sich nicht netz-- men lassen, den zahlreichen von auswärts kommenden Kollegen nach den Beratungen auch einige vergnügte Stunden zu bereiten. Ein Festausschuß trifft bereite Vorbereitungen dazu. t Krofdorf, 13. April. Heute wurden die Konfirmanden, von Krofdorf-Gleiberg durch Pfarrer (Seibel aus Dutenhofen in hiesiger Kirche konfirmiert. Die Konsirmation pflegt sonst am ersten Sonntag nach Ostern stattzufinden, mußte aber wegen der Vakanz der Pfarrei diesmal verschoben werden. st. Butzbach, 13. April. Die Leyerzapf'sche Wohnung ging in den Besitz des Bäckers Renner über. — In der letzten Gemeinderatesitzung wurde die Lieferung einer neuen Rathau suhr Uhrmacher Lotter, die für die Spitalskirche Uhrmacher Haltmeier und die Reparatur der Uhr auf der St. Markuskirche Uhrmacher Löb übertragen. T Bermutsham, 12. April. Dem Vernehmen nach ist die hiesige Bürgermeisterwahl beanstandet worden;' die Sache wird dem Kreisausschuß bei seinem nächsten Zusammentritt zur Entscheidung vorgelegt werden. 0. Nieder-Moos, 13. April. Die Frhrn. Riede sei zu Lauterbach beabsichtigen die hiesige sogenannte Katzen- mühle samt den dazu gehörigen Grundstücken käuflich zu erwerben, zur Anlage einer Molkerei, eines Sägewerkes usw. Auch soll die hier bestehende Bierniederlage der Riedesel'schen Brauerei nach den genannten Grundstücken verlegt werden. Der Besitzer der Mühle Präscher ist bereit, sie zu verkaufen. Verhandlungen werden bereits gepflogen. Auch die hiesige Gemeinde möchte das Anwesen gern erwerben. Mainz, 14. April. Die Katholiken begingen gestern die Feier des Tages, an dem Papst Leo XIII. in das 25. Jahr seines Pontifikats eingetreten ist, durch eine größere Feier. Philipp Stein begrüßte die Erschienenen mit einer Ansprache, m der er darauf hinwies, daß die Versammlung, wenn sie in erster Linie auch zu einem großen Freudenfeste zusammengekommen sei, doch auch Gelegenheit zu einem Proteste gegen die maßlosen Angriffe und Beleidigungen gebe, welche ganz besonders gerade in den letzten Tagen durch Zeitungsartikel gegen das Testament des Papstes und dadurch den heiligsten Gefühlen der Katholiken zugefügt worden eien. — Auf Vorschlag des LandtagSabg. Frenay wurde an den Papst ein Telegramm in lateinischer Sprache ab» gesandt, das in deutscher Uebersetzung folgendermaßen lautet: An Papst Leo XIIL, Rom. Heiliger Vater! Die katholischen Bürger der Stadt Mainz, zur Feier deS Jubiläums Deines Pontifikats versainmelt, erflehen von dem Urheber des Heiles alles Glück und Segen für Deine Heiligkeit und ür die heilige Kirche, die sich schon durch fünf Lustren Deiner trefflichen Führung und Senkung erfreut, und, wenn die Gebete der Deinen Erhörung finden, noch lange Zeit erfreuen soll. Worms, 14. April. Am Samstag Abend fingen vor einer Wirtschaft als gefährliche Raufbolde bekannte Handarbeiter von hier, nämlich der 36 Mal zum Teil schwer vorbestrafte Heinrich Dietz, der 12 Mal vorbestrafte Moritz Berg und der 5 Mal vorbestrafte Joseph Knopp mit 3 Metzgerburschen ohne jede Veranlassung Streit an. Ein Metzgergeselle erhielt von Dietz einen Faustschlag ins Gesicht, so daß ihm die Rase blutete und von dem Knopp einen solchen Stoß, daß er rücklings zu Boden stürzte. Als der Metzger- burfche sich wieder erhoben, fielen die beiden Raufbolde aufs Neue über chn her und bearbeiteten chn mit den Fausten. Der Metzgergeseselle Gauß aus Stein, B.-A. Bretten L B., trat an die Streitenden heran, um sie zu trennen. Knopp zog ein offenes langes spitzes Tischmcsser aus der Tasche und versetzte dem Gauß damit einen wuchtigen Stich in die linke Seite unterhalb des Herzens. Mit den Worten: »Ich bin gestochen" lief Gauß noch einige Schritte, verfolgt von Berg, der auf den Schwerverletzten noch einhieb. Bald fiel Gauß zusammen und gab nach wenigen Minuten seinen Geist auf. Nach in der Nacht wurde Dietz hinter Schloß und Riegel gebracht, die beiden anderen sarrberen Kumpane waren flüchtig gegangen. Knopp wurde gestern nachmittag eingeliefert. Berg ist bis jetzt noch nicht ergriffen, hinter ihm ist Steckbrief erlassen. — Sonntag früh wurde der 65 Jahre alte Barbier Johann Schall IV., Witwer, in seiner Scheuer in der Alzeyerstraße Nr. 215 zu Worms-Pfiffligheim an einer Leiter erhängt aufgefunden. Erbach, 14. April. In der Lehmgrube des Ziegeleibesitzers Wilhelm Müller hier wurden dieser Tage die Reste eines riesigen vorsintflutlichen Tieres zu Tage gefördert. Soweit das Tier bloßgelegt ist, zeigt es die Gestalt eines Riesenpferdes, der Kopf hat die Form des Kopfes eines Flußpferdes. Auch eine versteinerte Wallnuß mit Schale wurde aufgefunden. ko. Höchst a. M., 14. April. Heute Mittag brach in der Bau- und Möbelschreinerei Roos Feuer aus. Der Materialschaden ist bedeutend. Wiesbaden, 14. April. Die städtische Behörde hat be- karmtÜch den Kaiser emgeladen, gelegentlich seiner Anwesenheit in unserer Stadt während der Theaterfestspielzeit der Weihe des in seiner künstlerischdn Ausstattung seit einiger Zeit schon vollendeten Festsaales des Rathauses beizuwohnen. Dem Vernehmen nach wird der Kaiser dieser Einladung am 12. oder 13. Mai Folge leisten und voraussichtlich dabei auch den ersten Eintrag in das neue goldene Buch der Stadt vollziehen. Die Vorbereitungen für diesen Kaiserbesuch sind im vollen Gange, sie treten auch äußerlich dadurch in die Erscheinung, daß gegenwärtig das Innere des Rathauses, wie das Vestibül, das Haupttreppenhaus und der große Flur des ersten Obergeschoßes von Grund aus renoviert wird. In den übrigen Treppenhäusern und Fluren ist der Anstrich im vorigen Jahr erneuert worden. — Eine unangenehme Ueberraschung erlebte ein junger Beamter, welcher über Ostern 10 Tage Urlaub erhalten hatte, aber schon nach 8 Tagen heimkehrte. Seine Ankunft erfolgte mit dem letzten Zuge, und nachdem er noch in seiner Stammkneipe sein Wiedereintreffen gemeldet und begaffen, begab er sich ahnungslos m sein altes Heim. Schon beim Oeffnen der Zimmerthür zog ihm ein ungewohnter Patschulidust in die Nase, auch lagen mehrere Damenkleidungsstücke umher, sodaß er glauben mußte, seine Wirtin habe hier rvährend der zehn Tage ihr Boudoir errichtet. Als er sich aber nun, nachdem er vergebens Feuerzeug gesucht, zum Bett hintastete und das Obcrbett zurücklegen wollte, erschreckte ihn ein markerschütternder Weiberschrei. Aus der Nebenstube stürzte die Wirtin herbei, und im tiefsten Negliglö gegenseitige Vorstellung. Kurz und gut, das Zimmer war auf diese zehn Tage an eine Dame nochmals vermietet worden. Tableau! • * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Li ch (Oberhessen) stürzte sich in einem Anfalle von Geistesstörung der Schuhmacher Dietz aus dem 3. Stockwerk seines Hauses auf die Straße und blieb sofort tot. — In Bad Salzhausen wird vom 1. Mai bis 30. September wieder eine neue Postagentur eingerichtet. Vermischtes. • Frankfurt a. M., 14. April. Von einem schweren Unglücksfall wurde in der vergangenen Nacht der Amtsgerichtsrat Dr. Radt betroffen. Durch unvorsichtiges Umgehen mit einer brennenden Lampe waren die Kleider desselben in Brand gerathen, sodaß Dr. Radt mit schweren Brandwunden bedeckt ins Hospital gebracht werden mußte. Der Bedauernswerte ist heute Mittag seinen Wunden erlegen. • Coburg, 14. April. Auf der Strecke Eisenach-Lich- ienfels wurde ein Rangirer, der seinem von einem Schnellz ug erfaßten Kinde zur Rettung nachstürzte, ge- tödtet. * Regensburg. Wie aus Mantel bei Weiden gemeldet wird, hat der Sohn des Rittergutsbesitzers v. Gräfe n st ein auf dem Rittergute Röthenbach, stud. med. v. Gräfenstein, seinen Vater während eines Streites zu Boden geschlagen undaufihn vier Revolverschüsse abgegeben. Drei der Schüsse verletzten den Rittergutsbesitzer lebensgefärlich. Darauf schoß sich der Sohn eine Kugel durch den Kopf, die seinen Sofortigen Tod herbeiführte. Der Selbstmörder ist erst vor kurzer Zeit aus der Irrenanstalt Katthaus-Prull entlassen worden. * Linz, 14. April. Bei der Einfahrt in die hiesige Station entgleiste gestern Mittag infolge Versagens der Ein- fahrtwciche der Orient-Expreßzug. Die Lokomottve, der Gepäck- und Schlafwagen wurden aus den Schienen geworfen. Paffagiere wurden nicht verletzt. 'Petersburg, 14. April. In Sselenginck und Ki- achta wurden am Samstag sowie heute früh mehrere Erdstöße verspürt, welche jedoch wenig Materialschaden an- richteten. ' F e uer. Am Montag Vormittag gerieten die bedeutenden Holzlager im Antw erpener Hafen in Brand. * Ein Heiratsgesuch. In einem Frankfurter Blatte lesen wir folgendes Inserat: Graf, Inhaber hoher Orden, vermögend, Besitzer eines Ahnenschloffes in Frankreich aus de.-^ 3-Q» Jahrh-. glänZende Aukrmstr Jahre alr, vor- urtheilSfret, sucht Gattin. Vermögen nicht unter i/s Milli o« M ark. Offerten unter A. St. Postamt 49 Berlin. Handel uni» Verkehr. Volkswirtschaft. Hannover, 14. April. Die Aktiengesellschaft P ort land - Cementfabrik Kronsberg zu Misburg bei Hannover hat heute mittag Konkurs anqemelbet Leipzig, 14.April. DieLerwaltungsratssitzung der Leb ens- versicherunasgesellschaftLeipzig (Alle Leipziger) hat den Rechnungsabschluß des Vorjahres, der einen Jahresüberschuß von 7 446 471,89 Mk., nahezu eine Million mehr als im Jahre 1900, aufweist, genehmigt und die den Versicherten für 1903 zu zahlende Dividende auf 42pCt. der ordentlichen Jahresbeiträge festgesetzt. Die Generalversammlung der Versicherten findet am 3. Mai statt. Hamburg, 14. April. Heute fand die Gläubiaerverfmnmlung der Firma Neben, Schulz u. Cie. statt. Ter Gläubiger- ausschuß wurde um zwei Mitglieder verstärkt. Beschlüße konnten nicht gefaßt werden, weil die Londoner Firma Denmstown, Croß u. Cie., eine Hauptgläuberin, bei dem Standpunkt, daß der Konkurs erklärt werden müsse, beharrt. Ter Rechtsbeistand von Neben, Schulz u. Cie. in London telegraphierte dagegen, er glaube Aussicht zu haben, daß die genannte Firma doch dem Akkord beitreten werde. Gerichtssaal. Zum Wrescheuer Schulkrawall. Von den im Wreschener Schulkrawallprozeß Verurteilten haben 15 Angeklagte Gnadengesuche eingereicht. Krieskaflen der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Zieglers runder Tisch in Londorf. Der Eiffelturm in Paris ist 300 Nieter hoch, wogegen die beiden großen Türme des Kölner Domes nur 160 Meter messen. Familien Nachrichten. Gestorben: Frau Margarethe 9iaumann, geb. Hell, in Butzbach. — Großh. Hauptstaatskafse-Buchhalter Heinrich Weber, Landgerichtssekretär i. P. Theodor Zimmermann, Bankbeamter Franz Fleck, sämllich in Darmstadt. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 15. April. Die Gesetzentwürfe betr. die Kinderarbeit in gewerbl. Betrieben und betr. Abänderung des § 7 der Sttaf-Prozeß-Ordnung, „fliegender Gerichtsstand der Pefse", sind dem Reichstag zugegangen. Berlin, 15. April. Der „Borsen-Couvier" glaubt gut unterrichtet zu sein, wenn er jagt, daß eine amtliche Kundgebung über die formelle Erneuerung des Dreibundes in nächster Zeit zu erwarten stehe. Vielleicht ift Graf Goluchowsky bis zum Zusammentritt der Delegationen am 6. Mai schon, in der Lage, dem zuständigen parlameutarischjen Faktor der österreichisch-ungarischen Monarchie über die Erneuerung des DveibundeÄ eine amtliche Erklärung abzugeben. Sicherlich entbehrt die Nachricht jeder Begründung, daß der Inhalt des erneuerten Vertrages diesmal seinem ganzen Worllaute nach zur öffentlichen Kenntnis gebracht werden soll. Frankfurt a. M., 15. April. Wie aus Boppard am Rhein gemeldet wird, wurde der seitherige Direktor Massenbach der Mkumulatorenwerke Pollak von einem Schnellzuge überfahren und getötet. Wiesbaden, 15. April. Heute morgen wurde im hiesigen Kurhaufe der 10. Kongreß für innere Medizin eröffnet. Den Vorsitz fühtt Prof. Naunpn-Sttaßburg. Die Verhandlungen werden bis zum 18. April dauern. Hamburg, 14. April. Bei dem heutigen Liebesmahl des ostasiattschen Vereins hiell Prinz Heinrich eine Rede, in der er sagte: ' Sett der Rückkehr aus Amerika ist dies die erste willkommene Gelegenhett, einen kurzen Rückblick auf jene Tage zu werfen. Ich habe dort nicht allein das, was man jenseits des atlanti)chen Ozeans Dollarshunting nennt, gefunden, sondern die Natton ist besttebt, mit vollster Energie sich in den Besitz reiner idealer Güter zu setzen. Es herrscht dort ein Familienleben geistig und angenehm, wie es besser bei uns nicht zu denken ist. Wo es nicht vorhanden ist, wird es in allen Fasern erstrebt. Ich kann nur dankenden Herzens auf jene Tuge zurückblicken, wo ich Gast der großen Nation war, die sich bemühte, jede Stunde des Dortseins mir zu erleichtern. Mein Dank gebührt vor allem jener Person, die mir gebot, hinzuziehen, jener Person, der wir zu Anfang des Festes gedacht haben, und die mich damals hieß, nach dem fernen Osten zu ziehen. Glauben Sie aber nicht, daß die Eindrücke vom Westen des Atlantischen Ozeans jene Eindrücke beschatten konnten, die ich seinerzett im Westen des pazifischen Ozeans erhielt, wo ich bei den deutschen Kaufleuten die deutsche Gastfreundschaft Mei Jahre hindurch genießen konnte. Der Prinz schloß mit dem Wunsch, der Ostasiatische Verein möge wachsen und gedeihen uni) dessen Ziel ein Bindeglied zwischen der Heimat und dem fernen Osten sein. Kempen, 15. April. Auf einem benachbarten Baueru- gehöst wurde ein Schw eizer von drei Kollegen erstochen. Tie Thäter wurden verhaftet. London, 15. April. Die meisten Blätter stellen fest, daß in halbamtlichen Kreisen großer Optimismus über die Konferenz mit den Burenführern herrsche. Dagegen drückt „Standard" seine Freude aus, daß das Budget für eine Fortsetzung des Krieges bis zum Ende des Jahres berechnet sei. Die Buren würden daraus ersehen, daß England nicht gezwungen sei, Frieden zu schließen. „Morning Leader" berichtet, auch die Fremden.würden einen großen Teil der Kriegskosten mitzutragen haben. Loudon, 15. April. Bei einem Versuchsschießen mit einem 12zölligen Borbette-Gefchütz an Bord des auf der Höhe von Berreshaven liegenden englischen Kriegsschiffes „Mars" sprang ein Geschütz. 2 Offiziere und 8 Mann wurden getödtet, 4 Mann verwundet. London, 14. April. Im Laufe der Debatte im Unterhaus e äußerte der Schatzkanzler Hicks-Beach, daß die englischen Kohlen ttotz des Ausgangszolles sich auf den auswärtigen Märtten behaupten. Redmond protestierte namens der Iren gegen die Methode und gegen die Objekte der vorgeschlagenen Besteuerung. Brüssel, 14. April. Der Abend ist hier und im Lande den bisher ein gegangenen Meldungen zufolge ruhig verlausen. Hier fand in der Vorstadt Anderlecht eine große sozialistische Versammlung statt, in der Bander- velde unter heftigen Ausfällen gegen die Regierung zum Verharren bei dem Begehren auf Revision der Verfassung und zur Ruhe ausforderte. Gs gelte jetzt, tfte WMvon? her Regierung abzuwarten. Ilm diese zu erfahren, solle sich eine große Menschenmenge am Nttttwoch abend vor: der Kammer einfinden. Verharre die Regierung beim Mderstaiide, so solle bis zum Aeußersten durch, Mittel des Aufruhrs um die Revision der Vev»i fassnng gekämpft werden. Nach Schluß der Versammlung begab sich Vandervelde nach dem Vvlkshause, dessen Umgebung von der Bürgergarde freigehalten ^vird. Vandervelde forderte auch hier die auf der Straße Vev, fammeUen auf, die Ruhe zu bewahren. Brüssel, 15. April. Eine Deputation opposi^ tioneller Abgeordneter mit Einschluß der Sozialdemokraten wird sich zum König begeben, um als letzte, Instanz seine Vermittelung zur Beilegung des schwebenderr Konfliktes anzurufen. An dem Erfolg dieses Schrittes wirt» allgemein gezweifelt, da die konstitutionellen Rechte des Königs einer zu großen Beschränkung unterliegen. — DaH Blatt „Peuple' meldet: Die Großindustriellen werden in einer Audienz beim König um Vermittelung im Interesse der nationalen Jndusttie bitten. — Die liberale Partei beginnt sich zu rühren. Die junge liberale Garde schrieb an die sozialistische Garde einen Brief, um ein Zusammengehen bei eventuellen Kundgebungen auf gesetzlicher Grundlage zu vereinbaren. Die Gewerkschaften haben gestern abend überall öffentliche (SrHöningen angeschlagen, daß der gesetzliche allgemeine Ausstand nicht gegen die Arbeitgeber;' gerichtet sei. — Es heißt, daß bisher sieben oder acht Personen gefallen sind. Die Toten werden auf Kosten der Arbeiterpartei begraben werden, die sich auch der hinterlassenen Waisen annehmen will. — In La Lou- viere versuchten die Streikenden die Telegraphen^ Drähte abzuschneiden. Der Stationschef, der den Streikenden Widerstand leistete, wurde im Kampfe g e- tötet. In Huy wurden ein Gendarm und et# Streikender getötet Brüssel, 15. April. Dr. Leyds hat in einem Inter» View erklärt, jede Hoffnung, daß der Friede abgeschloffen werde, muffe aufgegeben werden, well Milner keine Befugnis habe, die Unabhängigkeit zu gewähren. Die Reise der Buren-Delegierten nach Pretoria habe nur den Zweck, verschiedene untergeordnete Fragen mit Kitcheuer zn regeln. Brüffel, 15. April. Dem „Etolle Belge" zufolge ftmd gestern im Schloß Laeken ein Ministerrat unter dem Dov- sitz des Königs statt. Namur, 15. April. Gestern abend durchzogen sozia» listische Truppen mehrmals die Sttaßen der Stadt. Diel Polizei versuchte vergeblich, sie zu zerstreuen. An dem Place Arnes griff die Menge mit Knüppeln die Polizei an, wobei 2 Polizisten verwundet und die Fensterscheiben des Polizeibureaus zertrümmett wmden. Die Polizei ging darauf mit blanker Waffe vor und gab blinde Schüsse ab. Endlich wurde die Menge, welche Wurfgeschosse gegen die Polizei schleuderte, zurückgedrängt, wobei zehn Verhaftungen vor» genommen wurden. Später traf Gendarmerie ein, die mit aufgepflanztem Bayonett vorging und die Menge, die alle Laternen auf dem Wege zerschlug^ in die benachbarter, Sttaßen trieb. Paris, 15. April. Die Königin Natalie von Serbien, die feit Oktober in Berck im Departement PaS de Calais wellt, ist dort von der griechisch-orthodoxen Kirche zur römisch-katholischen tibergetreten. Madrid, 14. April. In Euart bei Ballen cia fand ein Zusammenstoß zwischen den Liberalen und den Republikanern statt, wobei vier Liberale getötet und 8 Republikaner verletzt wurden. Die Gendarmerie stellte die Ordnung wieder her. Lissabon, 14 April. Ter FinanKminister brachte! in der Deputiertenkammer die Vorlage der Konversion! der äußeren Schuld ein. Agram, 15. April. In dem Kohlenwerk von Berlmae kam es wegen Lohn-Differenzen zu einem Zusammenstoß zwischen Bergarbeitern und der Gendarmerie. Letztere machte, nachdem sie chätlich angegriffen, von ihrer Schießwaffe Gebrauch, wobei zwei Arbeiter getötet, einer schwer, mehrere andere leicht verwundet wurden. Orsowa, 15. Aprll. Unweit von Adakale versank eine die Donau übersetzende Fähre, wobei 17 Menschen ihrarv Tod fanden. Telephonischer Kursbericht* Frankfurt a. JHL. 15. April 1902. 8 Va°/o Reichs anleihe . . 101.75 y>/0 do. ... 92J0 3Vi% Konsols .... 101.75 30/0 do..... 92.00 372% Hessen .... 100.10 3% Hessen.....—.— 4% Oesterr. Goldretne . . 102.60 Oesterr. Silberrente 10L50 4% Ungar. Goldrente . . 101.00 4% Italien. Rente . . . 100.90 47,^6 Portugiesen . . . 43.50 3%, Portugiesen. .... 28.40 1% C. Türken .... —.— Türkenlose ...... 111.20 4% Grieoh. Monopol.-AnL 44J20 3% Mexikaner , . . 41/2a/o Chinesen . . . Electric. Sohuckert . , Nordd. Lloyd . . . . Kreditaktien , . . . Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . , Berliner Hondelages. . Oesterr. Staatsbahn . . Lombarden , , . , Gotthard bahn .... Laurahütte . . . . . Bochum Ha rp euer . . • . . 4*/,% äussere Argentiner —.— Tendenz: schwach. 26^01 90.20 109.00 211L0 189.30 137.50 138.50 153.50 142.00 17.20 167.50 203.00 19730 16830 Passendes Geschenk für Schüler! Karte m Hessen und den angrenzenden Gebietsteilen zum Preise von K* Mk. 1.00 für unsere Abonnenten. . Preis für Nichtabonnenten Mk. 5.00. . Hochfeine, stilvolle 1 Hof-Möbelfabrik und ■■ ■ 1 1 1 Kunstschreinerel von Einrichtungen | 758 Etablissement allerersten Ranges. Grossh. Hessischer und Kaiserlich Russischer Hoflieferant Permanente Ausstellung von 120 Zimmer-Einrichtungen Auf Wunsch kostenlose Unterbreitung meiner Haapt-Kolkklion. Ilnzere heutige Beilage bitten zu beachten. Eehuiauu Z Ässmy, Tuchfabrik, Spremberg £. ___________ 3034 Gießen, den 15. April 1902. 01669 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem schmerzlichen Verlust sagen wir innigen Dank. Familie Johan« Hilt. galt!! Markt-Anzeige. SM!! Mittwoch den 16. 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Die Verdingungs-Unterlagen können in unserem Amtsgebäude, Poststraße Nr. 6 hierselbft, eingesehen oder gegen post- und bestellgeldsieie Einsendung von 1 Mark in bar (nicht in Briefmarken) bezogen werden. Die Angebote sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift bis Montag den 28. April, vormittags 11 Uhr, hierher ein- msenden, zu welchem Zeitpunkt die Eröffnung der Angebote statt- sindet. — Zuschlagsfrist 6 Wochen. Frankfurt a. M., 12. April 1902. Kgl. Eisenb.-Betriebsinspektion 2. WMKN LM-ll.SMfckckffel Lmoe (verbesserte magnum bonum) und Prof. Maerker hat abzugeben 3015 Hofgut Friedelhaufeu. Kartoffel« zur Aussaat Magnum bonum ä 2.— Mark, Professor Maerker L 1.75 „ per Gentner. 3019 Seibel, Ludwigstraße 31. AeJb/'fcung*! Kammerjag-r Schwarz empfiehlt sich zurBertilgung von Ratten, Mäusen, Schwaben, Wanzen und Ungeziefer jeder Art. Bitte Bestellungen in der Expedition d. Bl. niederzulegen. Kkine Wottea mehr! beim Gebrauchu. Falkonln. Falkonln treibt jede Motte aus. 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