Dienstag 15. April LSOS 152. Jahrgang Erstes Blatt. Nr. 87 Hrfchetut tSgllch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger Verden tm Wechsel mit dem Keffischen Landwitt die Stehener Zamilien- dlätler viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schea Univers.-Buch u.6tein- drmckerei (Pietsch Erbend Redaktion, Expedition und Druckerei: Lchulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. KcrusprkchanschlußNr.bl. ______ _ VezngspreiSr jpfflgRF Ä "XfT C monatlich 7bPf., viertel- GletzenerAnzeiger« General-Anzeiger v '**7 v ** für den poltt. il aUgcm.i Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW V " geigenteil: Hans Beck. Steckbrief. Der unten näher bezeichnete Musketier Georg Wilhelm Schaub vom Bezirks-Kommando! Darmstadt hat sich ohne Urlaub entfernt. Sämtliche Militär- und Civilbehörden werden dienst- rrgebenst ersucht, aus denselben ein wachsames Auge zu haben, ihn im Ergreisungsfalle zu arretieren und an die nächste Militärbehörde zum Weitertransport hierher abzuliefern. DarmKadt, 13. April 1902. Großh. Bezirks-Kommando I Darmstadt. v. Ra oen, Major z. D. und Bezirks-Kommandeur. Beschreibung. Alter: 19 Jahre. Statur: untersetzt. Augen: braun. Mund: gewöhnlich. Gesicht: normal. Sprache: deutsch. Größe: 1,61 Mir. Haare: dunkelblond. Nase: gewöhnlich. Bart: —. Gesichtsfarbe: blaß. Kleidung: Dienstanzug. Rock besetzt mit rotem Kragen, weißen Achselklappen ohne Nummer und weißen Aufschlägen an den Aermeln. Eigene Mütze, sowie Koppel und Zugstiefel. Eventl. Zivilanzug nicht ausgeschlossen. Bekanntmachung. Die bei einem Pferde des Bäckermeisters Ludwig Weber dahier im Dezember v. Js. festgestellte Räude ist erloschen. Gießen, am 14. April 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Keine Harisresorrn? In seinem Widerstreben, dem immer dringender werdenden Begehren na^ch einer Reform der Eisenbahn- Tarife zu willfahren, ist dem preußischen Eisenbahnminister v. Thielen kürzlich eine ihm sicher hochwillkommene Kräf- ttgung durch das sächsische Finanzministerium zu teil geworden. Aus dem Umwege über Ludwigshafen erfährt man durch die dort erscheinende „Pfalz. Rundsch." den Inhalt eines Schreibens, das von Dresden aus an die Regierungen Preußens, Bayerns, Württembergs, Badens, Oldenburgs Mecklenburgs ergangen ist und das mit der größten Deutlichkeit erkennen läK,iu wie hohem Maße immer noch der rein fiskalische Standpunkt bei der preuß. Berwaltung der Vcrtehrsangelegenheiten ausschlaggebend ist. Das Schreiben ist vom, IX März datiert und führt u. a. aus: „Das in den letzten Jahren bei allen deutschen Eisenbahnen eingetretene und andauernde Anschwellen der Selbstkosten des Eisenbahnbetriebes und der vornehmlich hierdurch bedingte Rückgang der Eisenbahnüberschüsse, der vielfach die Einzelredierung zwingt, die Ausfälle des Eisenbahnbetriebes durch vermehrte Steuern zu decken, läßt es doch äußerst fraglich erscheinen, ob die in einem Teil der Tagespresse vertretene und zumal im Schoß der Tarifkommission tief eingewurzelte Anschauung, daß eine irgend eingreifende Abänderung der Eisenbahntarife sich nur in der Richtung der Herabsetzung der Tarife bewegen könne und dürfe, grundsätzlich noch als richtig anerkannt werden kann. Vielmehr gewinnt jetzt in den Kreisen der Bevölkerung die Ueberzeugung mehr und mehr an Boden, daß es weiterhin nicht gerechtfertigt ist, die Vorteile des Eisenbahnbetriebs den Interessenten gegen eine nicht allenthalben als genügend anzusehende Gegenleistung zu teil werden zu lassen, und daß sonach eher aus Frachterhöhungen als auf Frachtermäßigungen zu kommen ist. Gestützt wird diese Ueberzeugung noch einmal durch die bekannte That- sache, daß Tarifermäßigungen einem größeren Kreise von Interessenten infolge Verschiebung der Äbsatzverhältnisse sehr häufig auch empfindliche — wenn schon von den Betroffenen nicht immer von vornherein erkannte — Nachteile bringen, und sodann dadurch, daß allgemeine Detari- fierungen, weil auch dem Auslande zu gute kommend, bis zu einem gewissen Grade den jetzt für große Produktionsgruppen als nötig anerkannten Zollschutz illusorisch zu machet! geeignet sind. Menn demgegenüber die Mehrheit der ständigen Tarifkommission — anscheinend auch unter dem Einfluß der beigeordneten Vertehrsinteressenten — unter Außerachtlassung der veränderten Sachlage, noch immer an dem Schlagworte von der „sinkenden Tendenz der Tarife" festhaltend, fort und fort aus Tarifherabsetzungcn hindrängt, so wird dabei insbesondere auch übersehen, oaß nicht nur, wie angedeutet, der Wert der Transportleistungen wegen der Zunahme der Betriebskosten gestiegen ist, sondern auch, daß infolge des andauernden Sinkens des Geldwertes eine fortgesetzte Frachtermäßigung allein schon dann vorliegt, toetui die Frachten ziffernmäßig unverändert bleiben. Gewiß wird der größte Teil des starken Rückganges des Frachtertrags pro Tonnenkilometer, der sich von 1895 bis 1900 in Preußen auf 0.25 Pfg., in Sachsen aus 0.22 Pfg. gestellt hat, auf die in diesem Zeiträume bewilligten Ausnahmetarifierungen zurückzuführen sein, ein bedeutender Einfluß wird aber doch auch dem durch die Haltung der Tarifkommission verursachten anhaltenden Abbröckeln der Tarife zugeschrieben weichen müssen. Die Meinung des unterzeichneten Finanzministeriums geht selbstverständlich nicht dahin, daß künftig der finanzielle Standpunkt der Eisenbahnverwaltungen ausschließlich in den Vordergrund zu stellen, und daß etwa von jeder TariserMäßigung abzusehen wäre. Wo ein dringendes wirtschaftliches Bedürfnis nachgewiesen ist, ohne daß gleichzeitig erhebliche Schädigungen berechtigter Interessen zu befürchten sind oder wenn mit Sicherheit auf entsprechende durch Mehrkosten des Betriebes nicht ausgewogene Vermehrung des Verkehrs gerechnet werden kann, wird die sächsische Regierung auch künftig etwaigen Ermäßigungen gerne zustimmen. Es wird aber doch nach diesseitiger Meinung künftig mehr als bisher der finanzielle Standpunkt der Eisenbahnver- waltungen berücksichtigt und bei jedem Detari- fierungsantrage auf das eingehendste geprüft toerben müssen, ob die vorbezeichneten Voraussetzungen thatfäch-^ lich vorhanden sind. Jedenfalls wird von Tarifierungen lediglich aus formalen, tariftechnischcn Gründen, wie sie thatsächlich ziemlich häufig vorgckommen sind, künftig nach Atöglichkeit abgesehen werden, und es möchte mir der gegenwärtig durch nichts gerechtfertigten Praxis gebrochen werden, daß in Zweiselssällen — z. B. wenn zwei verschieden tarifierende Artikel vom Bahnpersonal nicht wohl schieden werden tönnen und in eine Klasse eingereiht werden müssen — die Entscheidung grundsätzlich stets in der Richtung der Tarif-Ermäßigung getroffen wird. In der General-Konferenz oder in der nachfolgenden schriftlichen Abstimmung gegen durchberatene und mit vielleicht großer Mehrheit angenommene Beschlüsse anzu- kämpfen, ist erfahrungsgemäß meist vergeblich. Es werden vielmehr nennenswerte Erfolge in der gewünschten Richtung nur zu erzielen sein, wenn die Vertreter be$ Eisenbaynverwaltungen — und zwar möglichst die aller Kommissionsmitglieder — Anweisung erhalten, von vornherein und schon bei den Vorberatungen, der veränderten wirtschastlichen Lage der Eisenbahnverwaltungen mehr als] bisher Rechnung zu tragen und Detarifierungen nur ausnahmsweise und nur unter obigen Voraussetzungen zu, empfehlen." Tas Schreiben, durch welches der Geist der Reform-, feindschast, der im preußischen Verkehrsministerium herrscht,, nicht unwesentlich gestärkt werden dürfte, lehrt, daß man für absehbare Zeiten auf eine Tarifreform, die doch nur/ in einer Herabsetzung der Tarife bestehen kann, nicht zu rechnen hat. In parlamentarischen Lkreisen wird man hoffentlich Veranlassung nehmen, auf diesen Versuch des sächsischen Finanzmiuisters, die Eisenbahn-Verwaltungen der nicht von Preußen abhängigen Bundesstaaten gegen alle Reformen scharf zu machen, zurückzukommen, denn es will uns als ein Unding erscheinen, daß der Verkehr des ganzen Reiches im Interesse der arg im Zurückgehen begriffenen] sächsischen Finanzen zur Stagnation gebracht werden soll., Tas sächsische Eisenbahnwesen wird dadurch doch nicht vor dem engeren Anschluß an das preußische bewahrt bleiben, man sollte also lieber thun, was über kurz oder lang doch, eintreten muß und'nicht versuchen, dort zu bremsen, wo ein Vorwärtsbewegen durch die Zeitverhältnisfe dringend geboten erscheint. Aus Stadt und Sand. Gießen, 15. April 1902. ** Parlamentarisches. Die Pulver-Expl o* sion in Bingen wird, wie bereits kurz mitgeteilt, auch den hessischen Landtag bei dem demnächstigen Wieder- ßin Jösenltzeater in Kietzen. Rosmersholm. Auf dem norwegischen Herrensitze Rosmersholm lebt der verwitwete frühere Pfarrer Rosmer, ein schwermütiger, in sich gekehrter, stiller Mann, ein Sohn der alten Zeit, grübelnd und verträumt, dessen Mund nie lacht. Nach seinem Abfall von dem Glauben seiner Väter trägt er doch noch als klaren leuchtenden Grundsatz die fast kindliche Treuherzigkeit und Seelenreinheit eines herzenseinfältigen Christen in seiner weichen Seele, die der Einwirkung der starken, herrisch waltenden Natur Rebekka Wests nachgiebt. Rebekka ist die Vertreterin des starren Individualismus. Sie hat schon bei Lebzeiten seiner Frau dem Haushalt vorgestanden. Ihre Vergangenheit ist dunkel, und wenn ein Lichtstrahl in die Finsternis fällt,beleuchtet er einen brodelnden, unheildräuenden sittlichen Sumpf. Sie hat Beate, des Pfarrers leicht erregbare Frau, unter der Maske der Freunoschast in einen frühen gewaltsamen Tod getrieben, um an ihre Stelle treten zu können. Heißes sinnliches Begehren nach dem fein organisierten „milchherzigen Mann", um mit Shakespeare zu reden, führte dieses üble Weib zu der grausen That, und nun suggeriert sie dem Schwächling, er sei der rechte Mann, um frei von allem Traditionenkram eine Gemeinde von „Adelsmenschen" zu erziehen. Rosmers Schwager, Rektor Kroll, ist aus anderem Holz geschnitzt. Er hält das Prinzip der Strenggläubigkeit hoch. In der eigenen Familie mußte er aber den Schmerz erleben, daß die Jugend anderen, freieren Lehren folgt arls er, und vollends gerät er außer Fassung, als er erfährt, daß Rosmer, der letzte des alten konservativ-orthodoxen Geschlechts derer auf Rosmersholm, seine Pfarre niederlegte aus keinem anderen Grunde als aus dem des innerlichen Abfalls von der Kirche. Er sucht nach der Quelle dieses chm schier unbegreiflichen Wechsels und findet sie unschwer in Rebekka, von der er zudem glaubt vermuten zu müssen, daß sie in sträflichem Verhältnis mit Rosmer lebt. Es wird außerdem ein Brief bekannt, den die von der Welt für geisteskrank gehaltene Frau Rosmer wenige Tage bevor sie den Tod im Mühlbach suchte, geschrieben hat und der mitteilt, daß sie schleunig einer Anderen weichen müsse, ehe es für Rosmers Gtjre zu spät wird. Alle Versicherungen des Pastors von der Lauterkeit seines Verhältnisses zu Rebekka fruchten nichts — sogar in öffentlichen Blättern ersckseint eilte von der reaktionären Partei veranlaßte SLotiz, die, obwohl Beweise keineswegs vorliegen und nur haltlose Vermutungen bestehen, die Angelegenheit in gemeiner Weise breit tritt. Ein Freigeist ist eben, so meint der Rektor Kroll, ein unsittlicher Mensch, zum wenigsten jeder Unsittlichkeit fähig. Um alles Gerede verstummen zu machen ,trägt Rosmer Rebekka feine Hand an, sie aber weist ihn zurück — und gesteht alles. Tie Pastorin hat sie ins Wasser gehetzt, um Rosmer, von allen Banden befreit, für eine große Sache, für die Sache der Freiheit und Aufklärung, zu gewinnen. Tie Sinnlichkeit war. längst in ihr erstorben, denn „die Lebensanschauung der Rosmers adelt, aber sie tötet das Glück"'. Das heißt wohl nichts anderes, als daß der, der nur für andere und für anderes als allein für sich selber fein Leben einsetzt, nicht zum absolut freien Ausleben der eigenen Persönlichkeit kommen kann vor all den Millionen Rücksichten, die er zu nehmen hat, vor all den Pflichten und Schranken, die Gesetz und Sitte errichtet haben. Sie, die Freund und Freundin so kalten Herzens besiegte, unterliegt der Rosmerschen Lebens- anschauung. Des Pfarrers reiner Wandel hat ihre böse Leidenschaft für ihn zu reiner Liebe verklärt. Sie hat im ruhigen Stillleben den inneren Frieden neben ihm gefunden. Wer sie erkennt auch, daß nur in Schuldlosigkeit Glück und Freude ist. Und zudem sieht sie, daß jetzt Rosmer an ihr zu zweifeln beginnt, daß er an die Umwandlung in ihr nicht aus innen heraus und ohne Bedenken glaubt. Ja nicht mehr an sich selber kann Rosmer glauben,.er verzweifelt am Leben und quält sich mit Vorwürfen über eigene Schuld am Tode feiner Frau. Alles um sich und in sich sieht er zerstört. sJhtr dann meint er seine Zweifel töten, den Glauben, an sich und Rebekka und die Welt, wieder- ftnden zu können, wenn Rebekka denselben Weg geht, auf oen sie feine unglückliche Frau gedrängt hat. Und sie findet sich bereit, den Tod im Wasser zu suchen. Und nun legt er die Hand! Ia«nf ihr Haupt und erklärt sie zu seinem rechtmäßigen Weibe. „Mann und Weib müssen zusammengehen". Morituri! Und sie betreten vereint den schmalen Steg — Arm in Arm. Ein Sprung in den Mühlbach — der Vorhang fällt Man erinnert sich an des Königsberger Malprofessors Emil Neide bekanntes Sensationsgemälde von den beiden „Lebensmüden", das just zu Ende der achtziger Jahre, als das Stück in Berlin zum ersten Male, im Residenztheater, herauskam, dort ausgestellt war, und mit der ganzen lachenden jungen Well Berlins stellte auch ich] damals meine vergleichenden Betrachtungen über diese beiden armumschlungen in den Bellentob gehenden Paare an. Solche Tragödien tragen sich nicht selten zu. Erst dieser Tag: wurden bei Schwanheim in unmittelbarer Naye Frankfurts die mit Stricken zusammen^"'"'"denen Seidjen eines Paares aus dem Main gezogen. Hier findet sich wohl fein Ibsen, der diesen Toten eine Nänie singt, und auch kein Kommentator des Falles. Ibsens geniales Drama ist in den letzten 12 Jahren vielfach ernst kommentiert worden, in der letzten Zeit am besten von Professor Litzmann in seinem gestern bereits erwähnten vortrefflichen Buche über „Ibsens Dramen", und von dem bekannten Bremenser Dramaturgen Professors Bulthaupt („Dramaturgie des Schauspiels" Bd. IV, Oldenburg, Schulze'sche Hosbuchhdlg.) Mir ist die Aehnlich- feit von Sudermanns neuestem Drama ,stLs! lebe das Leben" mit „Rosmersholm" gestern auf- gefallen . Beide, Ibsen wie Sudermann, stellen die Frage: Ist das Leben lebenswert'? Beide erwidern: Nicht für den, der den Glauben an sich und die Welt verloren hat. In. beiden Stücken liegt der freigewordene Wille im Kampfe mit der Lebens an schaumig des Milieus. Mag sich das Wollen auch noch so frei emporfchwingen, die Lebens^ anschauung sendet ihm die Vergangenheit nach und mit ihr die Schuld, sagt Ibsen, und Sudermann sagt es ihm nach. Wie mit Ketten heftet sich die Lebensanschauung der uns! Umgebenden an unfern Willen und zwingt uns in die Sphäre der der Tradition unterliegenden Allgemeinheit hinab. Das find die „weißen Pferde" des Gefchlechtes der Atosmer, die der Familientradition nach plötzlich und gespenstisch aus dem Dunkel hervorsausen, wenn dem Hause Unheil droht. Der Landsmann Neides liebt keine mystischen Allegorien, darum hat sein Drama nichts davon. Aber deutlich sehen wir, daß seine kranke Beate eine Tochter der kinderlosen kranken Beate Ibsens ist; beide machen ihrem Leben ein Ende, um den Mann ihres Herzens einem thatenreichen Leben zu. erhalten. Und die Beate Sudermanns hat zudem noch eine Anzahl von Eharakterzügen mit Ibsens Rebecca gemein; beide wollen dem Manne ihrer Wahl „zurückgeben was ex braucht, um das Leben zu leben." (Ich zitiere toörtt lich Ibsen!) Rosmer wieVölkerlingk kranken „an der Düsterheit ihrer Ehe". Dazu kommen noch allerhand kleine Aeußer- lichkeiten, -die die zweifellos bewußte Anlehnung Sudermanns an Ibsen klar ergeben: der Brief der Pastorin Beate Rosmer cm den oppositionellen Journalisten Mortensgard und der Brief der Gräfin Beate Kellinghausen> der dem Preßsozialisten Meixner in die Hände fällt; di« Schändlichkeiten einer feilen Presse hier wie dort — usw. usw. Wie sehr aber überragt der skandinavische Dichter bett ostpreußischen Poeten! Welcher Unterschied in der Charakterisierungskunst! Auch Sudermann hat in seinem Völker- lingk eine Art Rosmer charakterisieren wollen, ist aber sehr tief im Versuche stecken geblieben. Ibsen giebt in voller Schärfe eine Gest all, in deren ganzer schwächlicher Art die getoe|en sein, weil öffentliche empfohlen wird, man möge Michael Biron aus Mainz, gest. in Oakwood (Wisc.) 70 Ä Äw«*”.«**»A-4;;»'«”>.»» Menge Scheunen und Stallgebäude. Die Strafen Q,u§ ^leöer^^oöen, gest. m Buffalo (N.-P.), Stadt bot ein wenig schönes Aussehen. Auszeichnung. Dqs Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Rodheim H. B. Jacobi und B. Lenhard dort. § Butzbach, 13. April. Der hiesige Radfahrerklub feiert am 15. Juni sein zehnjähriges Stiftungsfest. Mit der Feier soll eine sportliche Veranstaltung des Gaues IX. des D. Radfahrer-Bundes verknüpft werden. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung Donnerstag den 17. April 1902, nachmittags 4 Uhr. 1. Baugesuch des Friedrich Benzler, Asterweg 16, hier: Dispens. 2. Desgl. des Karl Bergmann, Ederstraße 3, hier: Dispens. 3. Baugesuche des Joh. Gg. Pfaff für den Schiffenbergerweg, hier: Dispens. 4. Pflasterung des Weges zwischen der Hollergasse und dem über den Oberhess. Bahnhof führenden Steg, hier: Arbeitsvergebung. 5. Reparaturen an Bürgersteigen, hier: Asphaltarbeiten. .6. Anlage eines neuen Friedhofs, hier: Beleuchtung, Heizung i und Arbeitsoergebung. 7. Verpachtung eines städtischen I Ackers am Mittelweg an Architekt L. Seuling. 8. Woh- nungsdesinfection, hier: Antrag des Stadtverordneten Professor Dr. Gaffky auf Einführung der Formaldehyd-Desinfec- tion. 9. Telegraphenlinien von Gießen nach Schiffenberg und Leihgestern. Kirchl. Dieustuachricht. Der Großherzog hat dem Pfarrverwalter Georgi zu Ermenrod, Dek. Grünberg, die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen. o. Lichenroth, 14. April."Ein Maurer von hier, der einige Schnäpse zu sich genommen, erhängte sich an seinem Leibriemen in einem unappetitlichen Raume. Den Angehörigen gelang es noch im letzten Augenblicke, den Lebensmüden, der schon mit dem Tode rang, zu retten. el. Schotten, 13. April. Hier beginnt man allenthalben die Gemeindetriften, die vollständig unbenutzt waren, in Hutweiden umzuwandeln. — Die Thonröhren unserer Wasserleitung muß sämtlich durch eiserne ersetzt werden, da das Wurzelnest der Chausseebäume in die Leitung eindrang. Hier bildeten sich solche Geflechte, daß das Wasser nicht durchdringen konnte. n. Nidda, 12. April. In der vorigen Woche fand der Vorsteher des hiesigen Haftlokals den Gastwirt Rudolf Uhl von Unterschmitten, der wegen eines geringen Vergehens hier einige Tage Haft zu verbüßen hatte, tot in seiner Zelle auf. Der Tod des Inhaftierten scheint durch Herzschlag eingetreten zu sein. Darmstadt, 14. April. Der Großherzog gedenkt sich gegen Ende der Woche nach Italien zu begeben und der A u s st e l l u n g zu Turin einen Besuch abzustatten. Am Mittwoch findet demgemäß bis auf weiteres zum letzten Mal Erteilung von Audienzen und Entgegennahme von Meldungen und Vorträgen statt. Darmstadt, 12. April. Zum Zwecke von Bestimmungen über die Feuersicherhcit der Waarenhäuser läßt die Großherzogliche Regierung soeben Erhebungen in allen Städten des Landes über den Zustand und die Einrichtungen der Waarenhäuser vornehmen. Mainz, 13. April. Für die Stelle eines Vorstehers des städtischen Einigun gsamts, die mit einem An- fangsgehalt von 3600 Mk. dotirt ist, haben sich nicht weniger als 100 Bewerber gemeldet. Wie verlautet, soll ein Bewerber nus Frankfurt Aussicht haben, die Stelle zu erhalten. Langenschwalbach, 12. April. In dem nahen Springen erkrankte dieser Tage eine Kuh, die der Eigenthümer, um sie noch zu verwerten, sofort schlachten ließ. Der Fleischbeschauev des Dorfes beanstandete jedoch den Verkauf des Fleisches und der Thierarzt konstatirte, daß die Kuh nicht nur stark tuber-- kulös, sondern auch an Milzbrand erkrankt sei. Beim Schlachten des kranken Tieres war dem einen Metzger etwas Blut über die Hand gelaufen; dem zweiten waren einige Tropfen ins Gesicht gespritzt. Beide Personen liegen nun an« Blutvergiftung im Krankenhaus zu Wiesbaden sehr schwer darnieder. 82 Jahre. Karl Hohmann aus Butzbach, gest.~in Founton-City, 72 Jahre. Siegmund Rothschild aus Ortenberg, gest. in Newyork, 63 Jahre alt. 3. Sitzung Großh. Handelskammer Gießen, für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Protoko ll-Auszug. Gießen, 11. April. Anwesend sind die Herren: Kommerzienrat Koch, Dor-j itzender, Kommerzienrat Heichelheim, Balser, Grünewald/ Hoos, Jhring, Nowack, Ramspeck, Röhr, Schirmer und Zur- buch, sowie der Sekretär Vogel. Entschuldigt fehlen die Herren: Dürbeck, Katz, Moll, Schmall, Steinecke und Wallach. Aus dem Geschäftsbericht ist hervorzuheben: Dre kgl. Eisenbahndirektion Frankfurt wende. — Eine Firma wünschte in einer Warenzei chen-- I Ochsenfleisch stellte sich auf 2 Alb. 6 Pfg., 24 Pfennig, ein I Pfund Kalbfleisch auf 15, Rindfleisch auf 18, Kuhfleisch auf I 22, ein Pfund Wurst auf 27, eine Kalbsleber auf 18, 36 Pf. Fische hatten einen ansehnlichen Preis; ein Pfund Karpfen kostete 58, ein Pfund Hecht 54 Pf. Butter und Eier l waren gleichfalls nicht billig; ein Pfund Butter kostete 154 Pfg.; für 6 Eier zahlte man 18 Pfg. Tie Armenpflege erforderte große Ausgaben seitens der Stadt- I lasse. Es wurden im Jahre 1769 an Arme der Stadt «verausgabt: 559 fl. 18 alb., für fremde Reisende 79 fl. 25 alb. In der Kirche und auf dem'Rathause wurden Ian „gestifteten Almosen" den Stadtarmen gereicht: 948 fl. 29 alb. Bei einer Seelenzahl von 4000 gab es in der Stadt 200 Personen, die öffentliche Almosen in Anspruch nahmen, uneingerechnet diejenigen, „die vor Mangel verderben". Die Arbeitslosigkeit muß groß gewesen sein, da in den damaligen Gießener Nachrichten die Errichtung von Arbeitshäusern empfohlen wird, um der Not zu steuern. — Nun, etwas anders ist es ja im Laufe der Jahre geworden. Aber wenn wir die uns benach- I barten Lahnstädte durchwandern, dann fällt uns doch noch heute die dortige Sauberkeit, das vortreffliche Straßenpflaster merklich in die Augen und wir beobachten nicht ohne Neid den sichtlichen Wohlstand dieser Städte, der sich uns dort auf Schritt und Tritt bemerkbar macht. §*Ueber die Weitergabe der Po st aufträge zum Wechselprotest hat das Reichs-Postamt verfügt: Zum Proteste gehende Postaufträge sind überall, wo die Gerichtsvollzieher zur Aufnahme von Wechselprotesten gesetzlich befugt sind, an diese weiterzugeben, sofern nicht der Absender durch einen Vermerk auf dem Auftragsformular ein anderes ausdrücklich bestimmt hat. Bei entstehenden Schwierigkeiten oder, wenn es sonst zweckmäßig erscheint, haben die Postanstalten wegen lieber» Weisung der Postaufträge an die Gerichtsvollzieher mit , । dem betreffenden Gericht ins Benehmen zu treten, u. U. die . Als votts- Postaufträge an die bei dem Gericht etwa bestehenden Menge Scheunen und Stallgebäude. Die Straßen waren unsauber und aufgefahren. Fremde hatten daher we nig Lust, sich in Gießen niederzulassen, zumal die Stadt nach außen als ungesund verschrieen sei. Da die Festungswerke der Ausdehnung der Staot hinderlich wären, solle man Straßen um die Wälle führen und die dort befindlichen Gärten mit schönen Häusern bebauen. Die Frachtpreise waren hoch, selbst an- zusmnmentQtt der Zweiten Kammer beschäftigen. Die I genommen, daß das Gießener Maß größer wie das sonst dezugllche ^nterpellatio n lautet: übliche war. Än Achtel Korn kostete 4 fl. 20 albus, etwa f,.. V. Veabftchttgt bte Regierung, auf den Erlaß der- 8 Mark, ein Achtel Weizen 9 Mark, ein Achtel Gerste 5 Mk. Bestimmungen in Bezug auf die Lagerung von Vielleicht hatte der vorausgegangene Krieg auf die Preis- (Lprengftosfen nach Analogie der preußischen Ansführ- Verhältnisse eingewirkt. Im Verhältnisse zu den hohen ungsversugungen der einschlägigen Gesetzesbestimmungen Fruchtpreisen stellten sich, die Preise für Backivaren niedrig. tn ^lgneter Werse hrnzuwirken? 19 Loth Brot, etwa y2 Pfund, kosteten 4 Pfennig, 9 Loth, dieselbe bereit, eine Revision des Gesetzes ungefähr 130 Gramm, Wecke kosteten 4 Pfennig, 14 Loth, dE 28. L^tember 1890 resp. 30. September 1899 die 200 Gramm, Teitfchen 4 Pfennig. Tie Fleischpreise waren Brandverircherungsanstalt für Gebäude betr. (Fassung nicht hoch, selbst wenn man berücksichtigt, daß der Geld- ab 1. ^anuar 1900 lt. Reg.-Bl. Nr. 52 von 1899) in dem I wert damals bedeutend höher als heute war. Ein Pfund angeregten Sinne herbeizuführen. Ochsenfleisch stellte sich auf 2 Alb. 6 Pfa., 24 Pfennig, ein Turnerisches. Dieser Tage hat hier der 70. ordentliche Gauturntag des Gaues Hessen stattgefunden. Da diese Korporation es nicht für nötig befunden hat, uns davon irgend welche Kunde zu geben, so wollen wir auch von einem Bericht darüber absehen und nur mitteilen, daß in diesem Jahre das Gauturnfest vom 6.—7. Juli in Butzbach stattfindet, übrigens gleichzeitig mit dem Marburger Hessischen Sängerbundesfest. Eine Gauturnfahrt findet am 8. Juni in Lauterbach statt, das Gaufest 1903 in Wieseck. t vuc vcu vcm WL.Llut v fümlicEje Uebungen für das Gauturnfest wurden bestimmt:IBerteilunMtelkn "für Stemmen (7oer zweiarmig), Wertsprung und Stabhochsprung, teren Veranlassung abzugeben. Wo den Gerichtsvollziehern Bei der Gautumfahrt kommt noch zu den drei vorstehenden die Befugnis zur Aufnahme von Wechselprotesten nicht Uebungen Weithochsprung. beiwohnt, sind die Postaufträge an geeignete und zur ** Wirtschaftliche Verhältnisse in Gießen Uebernahme bereite Notare, u. U. an das Gericht weiterem 1770. Tie Stadt Gießen zählte um 1770 etwa 4000 ^^b en. . Einwohner. Ihrem Berufe nach war der größte Teil ^^^^ruhiahrsichonzert für Fische. Am der Bewohner Professionisten, und zwar mehr als gut c Estag hat die Fruhzahrszchonzert für Fische ihren Anwar. In den Gießischen wöchentlichen Anzeigen und Nach- ^5$ genommen. Sie dauert bis zum 9. Juni. Tiese richten von 1770, aus denen unser „Gieß Anz." sich IAonzeit umfaßt in der Provinz Rheinhessen alle dem entwickelt hat, wird geklagt, daß in der Stadt zu viel unmittelbar oder mittelbar zusließende Fischwasser Prosessioniften seien, so daß sie ihre Waren am Orte mlt Ausnahme der Lahn und deren Zuflüsse, außerdem nicht absetzen könnten. Namentlich war die Metzqerzunft \im k^brete des Marnes sämtliche Zuflusse aus der Ge- stark vertreten wie heute; auch fehlte es nicht an Bäckern ^arkung Kostheim. und Wirten. Neben dem Handwerk wurde fleißig Acker- ** In Amerika verstorbene Hessen. Eva K. Keiber, geb. bau getrieben. Die Zahl der Prosessioniften muß groß Hepp, aus Framersheim, gest. in Newyork, 81 Jahre alt. Iain €. Y ... -.....-- I rvn • V < tvi • „ rvn ■ ___ - Erklärung liegt für den geistigen Abfall und den gewaltsamen Tod; die von Völkerlingk behauptete Pflicht zum Leben ist mühsam ergrübelt und erllügelt. Besser ist von Sudermann die Beate Ibsen nachempfunden. Beider Poeten Foauengestalten sind nicht psychologisch klar und einheitlich hingestellt, von Ibsen offenbar bewußt und gewollt, von .Sudermann wohl aus Mangel an Gestaltungskraft. Die Seele Rebekkas wird aus tausendfältigen, hier zusammenstimmenden, dort einander widerstreitenden und sich logisch auflösenden Regungen zusammengesetzt, die sich langsam aus der geheimnisvoll fortschreitenden Handlung dem sinnigen Beobachter bemerllich machen. Dieser Kompliziertheit des Charakters einer weiblichen Sonderindividualität hat Ibsen mit außerordenttichem Scharfblick nachgespürt. Sudermann giebt ein etwas einheitlicheres Frauenbild und zeigt dabei gleichzeitig seine Ohnmacht, ein Weib von der Sonderart einer Rebekka oder einer Hedda zu gestalten. Die Empfindungen einer eigenartigen Frauenseele hat Ibsen ins Gigantische vergrößert, jede Regung begründet, sodaß man sre glauben muß Wenn sich trotzdem der Zuschauer sträubt, den inneren Zusammenhang zwischen soviel Niedrigkeit der Gesinnung, teuflischer Herzlosigkeit und dem idealen Aufschwung des Gemütes für Wahrheit zu' nehmen, so bewundert man doch die geniale Größe dieser Charakterzeich- nung. Für die eigenartige Technik Ibsens giebt dieses Drama vielleicht das instruktivste Paradigma — das ganze ist nur das Finale eines Dramas, es kommt nichts Neues hinzu, mir die Konsequenzen der Geschehnisse der Vor fabel treten ein, und von dieser Vor fabel wird in jedem Akte em wenig der Schleier gelüftet, gerade nur so viel, als es die Natur der betreffenden Szene erfordert. Es ist meisterliche Mosaikarbeit und doch ein vollendetes Ganze — wie in „Hedda Gabler", und wie auch in der „Frau vom Meere" und im „Baumeister Solneß", in denen der Eindringling m die Familie, der Dritte, die Tragik herbeiführt. Direktor Lindemann hatte sich den stärkeren seiner Trümpfe für den Schluß gespart. ^Rosmersholm« ist vielleicht die gedankentieffte Dichtung des großen Norwegers, aber die Handlung spielt sich auch ganz im Reich der Gedanken ab. E§ ist klar, daß ein derattiges Werk auf der Bühne lebendig zu machen eine ungleich größere Arbeit erfordert, als die Jnszenesetzung eines Dramas, in dem physische 22)aien gethan werden. Daß Lindemanns Kunst hier nicht »erjagt, daß sie die ihr gestellte Aufgabe glatt und rund löst und eine Vorstellung zu Wege bringt, die selbst für den Mündlichen Kenner des merkwürdigen Dramas den geistigen Gehalt -der Dichtung völlig ausschöpft, das ist der vollgiltige Beweis dafür, daß diese Kunst echt ist. Freilich wird man auch nicht so bald wieder eine Darstellerin finden, die die Rebecca West so lebenswarm und eindringlich, so bis ins Kleinste durchdacht und auch so durchaus harmonisch und großzügig und überzeugend zu gestalten weiß, wie Frl. Hoffmann es that. (Jedenfalls lag ein Fehler auf dem Theaterzettel vor, und es ist Thatsache, daß die Dachellerin der Frau Landrichter Elvstedt, die auf dem Sonntagszettel Frl. Hoffmann genannt war, die Rebecca gab. Die Zettel der beiden Tage sagten rrttümlich, daß die Darstellerin der Hedda, die der Zettel Frl. Reh off nannte, auch die der Rebecca sei.) Allerdings ist nicht zu leugnen, daß man hinter ihrer weichen, fast demütigen Freundlichkeit nicht den stahlhatten Sinn und die feste Hand fühlte, die die eigentliche Macht dieses einst so lebenskühnen Weltkindes über die Gemüter erklären. Aber Romersholm knickt ja den Willen, sagt Ibsen .... Ein wenig auffallend war die besondere Eleganz in der Kleidung Rebeccas, von der es heißt, daß ihr ganzes Besitztum eine alte Bücherkiste sei. Es berührt seltsam, die monumentalen Menschen der Dichtung modisch toilettiett zu finden. Aber möglicherweise ist man auf dem einsamen, weltfernen Hof in der Nähe der kleinen Fjordstadt Norwegens schon weiter in der Kultur. Vollgiltig war auch die Leistung Herrn Jeßners, namentlich im zweiten Teile der Dichtung. Er war von vornherein der ruhige friedvolle Mann, der von geistigen Fesseln sich losgerungen zu haben glaubt, voll abgeklätt milden Wesens, das noch sympathischer gewesen wäre, wenn der Darsteller nicht anfangs gar so häufig in den Saal geschaut und offenbare Zerstreutheit zur Schau getragen hätte — vielleicht angesichts der zahlreichen leeren Reihen im Hause? Diese Zerstteutheit legte sich aber erfreulicherweise im Laufe des Abends, und von dem Moment an, da Rosmer das Gefühl der Schuldlosigkeit vertrat, da zeigte auch Herr Jeßner die alte Rosmertradition, wie sich die Schatten von Rosrnersholm ihm um die Seele legen. Herr Jeßner hatte hier zu zeigen, wie dieser Rosmer, unbewußt, mit der Hand Rebekkas seine schukdlose Frau in den Fluß stoßen konnte und wie er sich, gleichfalls ohne Ueberlcgung, Rebekka gewann bis zum fteiwilligen Todesgange. Und diesen schwersten Teil seiner Aufgabe im vierten äußerst fein abgedämpften Akte hat er glänzend gelöst. Das beste seiner Leistung mar wieder seine Rede. Hatte er am ersten Abend als Gerichtsrat Brack den Tonfall des Blasirten geradezu unnachahrnttch gut; getroffen, so drückte seine Rede gestern anfangs den Friedew der ungetrübten schwärmerischen Seele, dann eine leise Uns- sicherheit seines Wesens und schließlich die qualvolle Selbstanklage und die ganze innere Haltlosigkeit restlos aus. Dieser Pastor Rosmer mit dem Reni'schen Christuskopf prägt sich dem Gedächtnis des Zuschauers dauernd ein. Auch Herr Springer stand gestern wieder ganz fernen Mann; sein zelotischer Rektor Kroll mit der doppelten Moral für Parteigenossen und für Gegner — was ihm selber gar nicht zum Bewußtsein kommt — war eine interessante Studie,, nur vielleicht bisweilen doch nahezu brutaler Tonart, die in das strenge, ernste Rosrnersholm, das er doch gar so gut kennt, nicht recht paßt. Uebrigens verlangt ja der Bühnenraum eigentlich ein etwas düstereres Zimmerbild, das mehr^ im Einklang steht mit der Stimmung der Handlung und mit den Bewohnern eines Hauses, das jegliche Heiterkeit und laute Lebensfteude vermeidet. Die Einrichtung des Wohn- raumes sttahlte aber förmlich — im Gegensätze zu unseren sonstigen Bühnenbildern — warme Behaglichkeit aus. Erschüttert hat mich der Ulrich Brendel des Herrn Türk. Brendel ist der Mättyrer der Vogelfreien. Herr Türk gab ihn weniger versumpft und verkommen als mit dem Funken des Genies begabt, den fein halb wahnwitziges Gebahren durchleuchtet. Es war ettvas von der gewollten Einfachhett des Grandseigneurs an ihm, im ganzen eine sehr Verstandesschärfe Arbeit, hier und da ein Zug von Wucht und Größe, der den Beschauer widerstandslos forttiß, wenn er auch das Groteske und Phantastische der Gestalt uns zumTheil schuldig blieb. Herr Holz war als Mortensgard wieder sehr gut, er bot eine Leistung aus einem Gusse, aber in seinem ganzen Wesen doch wohl kaum den Mann, der es fertig bekommt,, vhne Ideale zu leben. Im Gegenteil, in diesem Manne iürmts und drängt's noch, er zeigte in seiner ehrlichen Bitterkeit mehr Gefühl, als der „Präsident der Zukunft" vertragen kann. Das Publikum spendete den Darstellern reichen Beifall. Es gebührt ihnen Dank für den großen künstlerischen Genuß, den das leider sehr kurze Gastspiel gewährte. Wenn Gustav Lindemann feine Schritte wieder nach Gießen lenft, wird er hoffentlich noch mehr offene Herzen finden. Paul Wittko. Angelegenheit ein HandelZramrnergtachten. Wrr kamen jedoch diesem Wunsche nicht nach, da wir, wie wir der betreffenden Firma auch mitteilten, nur an Behörden derartige Gutachten erstatten. Das Großh. Ministerium des Innern hat bei den Handelskammern eine Umfrage veranstaltet, um möglichst umfangreiches Material über die bestehenden Kartelle zu gewinnen. Wir überreichten daraufhin eine Schrift von Prof. Tietzel-Bonn „Sozialpolitik und Handelspolitik", worin die Frage der Kartelle einer eingehenden Betrachtung unterzogen und besonders nachgewiesen wird, daß vor allem das Protektionssystem die Bildung monopolistischer Kartelle erleichtert. . Zu einer Eingabe verbreiteten wir uns in erster Linie über die Wirkung des Kohlensyndikats und die Begünstigung desselben durch die in den 80er Jahren geschaffenen Export tarise, die man ursprünglich nur zur Hebung des damals unlohnenden Betriebes schuf, aber nicht bei Wiederkehr günstiger Perioden aufhob. Zur Illustrierung unserer weiteren Ausführungen gaben wir dem Gr. Ministerium Kenntnis von den Berkaufsbedingungen einiger Syndikate und von Aeußeruugen einiger unserer Mitglieder. 2. In der heutigen Sitzung wurde das Kartellwesen einer eingehenden Besprechung unterzogen und es wurde in folgender Resolution dazu Stellung genommen: „Die Großh. Handelskannner Gießen begrüßt es mit Freuden, daß seitens der Reichsregierung und der Einzel- staaten dem Kartellwesen endlich eine erhöhte Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Wenn , wir auch nicht verkennen, daß die Kartelle in Zeiten wirtschaftlicher Depression in nützlicher Weise nivellierend auf Produktion und Preise ein wirken können, so ist doch zu konstatieren, daß sie u i ch t immer dieser Ausgabe in der jetzt Herrscheuden Periode der Depression nachgekommen sind. Ein gesetzliche sEiugreisen in die innere Organisation imd, Thätigkeit der Kartelle halt die Kammer.jedoch nicht für zweckmäßig, sie ordert aber im Interesse der Berbraucher einen gewissen taatlichen Einfluß auf den Inhalt der Statuten be- onders aber der Berkaufsbedingnngen, soweit sie geeignet int), schädigend auf Handel und Industrie einzuwirkeu." Diese Resolution wird dem Großh. Ministerium mit eingehender Begründung übermittelt werden. 3. Die Einleitung zum Jahresbericht für 1901 wird vom Sekretär verlesen und mit einigen unwesentlichen Abänderungen genehmigt. 4. Verstaatlichung der Mobiliarseuerver- sicherung im Großherzogtum Hessen. Von Seiten einer Anzahl Industrieller unseres Bezirkes, deren Betriebe einer höheren Gesalirenklasse angehören, war das Ersuchen gestellt worden, beim Großh. Ministerium den vom Landtage einstimmig angenommenen Antrag auf Einführung der staatlichen obligatorischen Mobiliarver- ficherung zu b e f ü r w o r t e n. In der Begründung wurde überzeugend nachgewiesen, in welch' exorbitanter Höhe die Versicherungsprämie von den syndicierten Gesellschaften — bei 20—25 Prozent Selbstversicherung und kaum zu erfüllenden Vorschriften betr. Vergütung der Feuers- gefähr — den Versicherungsnehmern auferlegt werden. So sehr die Kammer auch das Verhalten der Versicherungsgesellschaften betr. angeführter Fälle mißbilligen mußte, so konnte sie sich doch nicht entschließen, dem Anträge zuzustimmen, indem aus die vielfachen Nachteile hingewiesen wurde, welche eine Verstaatlichung notwendigerweise im Gefolge habe. Auch wurde der Erwartung Ausdruck gegeben, daß die von der Reichsregierung geplante (Enquete über das Syndikatswesen sich auch auf diesen Weg erstrecken und mau Mittel finden werde,' erkannte Harten zu beseitigen; ebenso sei von dem Vorgehen des Feuer- versicherungs - Schutzverbandes wohl eine günstige Einwirkung zu erwarten Um weitere Greife über die von jener Seite dem Allgemeininteresse drohenden Gefahren auf- zu klär en, hält es die Kammer für geeignet, den Redner des Schutzverbandes, Herrn Tr. Prange,zuVorträgen in Gießen und Alsfeld zu veranlassen Der oben genannte Antrag wurde zu rückgezo gen und beschlossen, dem Gr. Ministerium die vorliegenden Beschwerden zu unterbreiten mit dem Ersuchen, falls nicht die Absicht bestehe, einer Verstaatlichung der Mobiliarfeuerversicherung näher zu treten, in anderer geeigneter Werse einen Schutz gegen erwähnte beschwerende Bestimmungen schaffen zu wollen. Eingänge. 1. Mitteilung des Handelsvereins Lauterbach: die Kaufmännische Fortbildungsschule Lauterbach unterstellt sich der Oberaufsicht der Haudels-- kammer. Diese solle durch chre Mitglieder, die Herren Hoos und Dürbeck ausgeübt werden. Das Gleiche ist vom Kaufmännischen Verein in Alsfeld zu berichten, dessen Fortbildungsschule den dortigen drei Mitgliedern der Handelskammer in Vertretung derselben untersteht. 2. T^nk- schrift über die unterschiedliche Behandlung der deutschen Rheinhäfen gegenüber den Nordseehäfen in den Gütertarifen der Königl. preuß. Staatseifenbahnen (an den preuß. Minister für öffenlliche Arbeiten gerichtet von der Handelskammer Duisburg, dem Verein zur Wahrung der, gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westalen und andere). 3. Eingabe der Handelskammer Oldenburg an den Reichstag über die Bedeutung desGerstenzollesfür DeillschlandsHandclsbeziehungen zu Rußland und der Amerikanischen Union. Im Gegensatz zu den zahlreichen bisher über den Gerstenzoll veröfent- lichten Eingaben und Denkschriften, welche diese Frage lediglich unter dem Gesichtspunkte der Schädigung der deutsch«! Viehzucht und des Braugewerbes behandelttn, ist in dieser Eingabe versucht worden, die hmckelspolittsche Bedeutung des Gerstenzolles besonders in Hinsicht aus Rußland und die amerikanische Union darzulegen. Zu diesem Zwecke ist auf den Umstand hingewiesen worden, daß die Erhöhung des Gerstenzolls, wie es besonders nach den Vorschlägen der Tarifkommission in Aussicht genommen ist, die Folge haben muß, daß die russische Futtergerste noch mehr wie es im letzten Jahrzehnt schon der Fall gewesen ist, durch den amerikanischen Mais verdrängt werden wird und zwar zur Erschwerung unserer künftigen Vertragsverhandlungen mit Rußland. — 4. Zweielhafte Firmen in Rumänien (Jassy), Rußland (Petersburgs, England (London), Mitteilungen über Eigarreuversandt nach Indien, Monazitsandlager in Brasilien, Lage der Eisen-Industrie für Stahl-Walzwerk- erzeugnisse in den Vereinigten Staaten, Einführung amerikanischer Lokomotiven in Japan. 5. Mitteilung der Königl. Preuß. und Grvßh. Hess. Eisenbahndirektion Mainz, daß ür die Strecke Mainz-Alzey nie die Absicht bestanden habe, die Züge 431 und 438 im nächsten Sommerfahrplan ausfallen zu lassen. Dagegen habe sich die Direktion der Pfälzischen Eisenbahnen in Ludwigshaen daftir entschieden, dis genannten Züge vom 1. Mai d. I ab auf der Strecke Alzey- Kaiserslautern nicht mehr verkehren zu lassen, und es sei trotz Gegenvorstellungen bei diesem ablehnenden Bescheid wegen der mangelhaften Besetzung dieser Züge verblieben. 6. Dttt- teilung der Handelskammer Stolp, daß die Eingabe betr. Wägegeld im Einverständnis mir den Handelskammern Gießen, Hannover, Limburg a. d. Lahn an den Minister der ösentlichen Arbeiten abgesandt sei. 7. Mitteilungen über eine permanente Ausstellung deutscher Erzeugnisse in Barcelona. Interessenten erhalten nähere Auskunt auf dem Sekretariat. Vermischtes. * Frühliugssonntag-Gewitter. Die Berllner Blätter enthalten spaltenlange Berichte über die Einzelheiten von der Gewalt des Gewitters vom Sonntag und Montag. Die Feuerwehr mußte in vielen Fällen die Bewohner von Kellerwohnungen in Sicherheit bringen, ja in der Wiege auf den Fluten schwimmende Kinder. In manchen Straßen waren sämtliche Keller überschwemmt. Die Straßen standen teilweise mehr als fußhoch unter Wasser, die tiefer gelegenen wiesen einen Wasserstand von einem Meter auf. In vielen Geschäften wurden die Schaufen st er vondenWasser- massen eingedrückt. Eine Anzahl Häuser mußte geräumt und gestutzt werden, weil eine Einsturzgefahr vorlag. In der Gerichtsstraße sind 3 Häuser eingestürzt. In dem einen sank ein betagtes Ehepaar mit den Trümmern bis ins Erdgeschoß herab und stand bis zum Halse im Wasser. Nur mit NLühe konnten die Leute von der Feuerwehr gerettet werden. Auch im Südwesten der Stadt waren viele Keller überschwemmt. Die Bewohner, die im Schlaf von der Flut überrascht wurden, gerieten in Lebensgefahr und mußten von der Feuerwehr gerettet werden. Die Einrichtungen der Kellerwohnungen wurden vielfach gänzlich verdorben. Am Lehrter Bahnhofe stand das Paketpvstamt so tief unter Wasser, daß alle Poststücke umherschwammeu. Auf sämtlichen Wasserläufen mußten die Schisser alle Mann an die Pumpen rufen, um die Fahrzeuge vor dem Sinken zu bewahren. Die Feuerwehr war so stark in Anfprprch genommen, da hsie nur einem Heinen Delle der Anforderungen entsprechen konnte. Im Abgeordneten Hause mußte das Dtaschinenhaus von der Feuerwehr ausgepumpt werden. Im GeheimenMilitärkabinett, Schauspielhaus und Museum stand das Wasser fußhoch in den Kellern. In vielen Keller-Werkstätten schwammen Tische, Stühle urll) Gerätschaften umher. In der Äjorkstraße stand das Wasser einen Meter hoch, sodaß dieselbe zum Teil noch unpassierbar ist. Beim Rosenthaler Thor wurden zwei Arbeiter, die mll dem Ausbessern schadhaft gewordener Leitungen beschäftigt waren, durch Starkstrom der Sttjaßen- bahn-Leitung getroffen und erlitten derart schwere Brandverletzungen, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. In der Rosenthalerstraße traf ein Blitz einen Mast und setzte die Umhüllung der Leitungsdrähte in Brand. Ehe die Drähte beim nächsten Mast ab» geschnitten werden konnten, teilte sich die Elektrizität einer Fontaine mit. Das Wasser wurde derart erhitzt, daß es zu dampfen begann. Auch beim Nordring-Zug trug sich ein schwerer Unglücksfäll zu. Ein Lokomotivführer und ein Heizer wurden vom Blitz getroffen und beide schwer verletzt. Oberbürgermeister Kirschner erschien, um die Unglücksstätte zu besichtigen. Da die Straßenbahn nicht verkehrt, vermittelten Möbel- und andere Wagen den Verkehr inden Straßen. In der Kunstausstellung mußte die anwesende Wache zusammen mit dem Personal viele Gemälde in Sicherheit bringen Infolge der vom Tempelhofer Feld auf das Geleise laufenden Wassermassen stockte drei Stunden auf der Anhalter Bahn aller Verkehr. Ein auf dem Patrouillengang befindlicher Polizeileutnant wurde, als er in die Nähe eines Mastes der elektrischen Straßenbahn kam, durch einen in den Ausschaller einschlagenden Blitzstrahl so betäubt, daß er erst nach längerer Zell in seine Wohnung geschafft werden konnte. — Auch in verschiedenen Teilen Württembergs gingen heftige Gewitter nieder. Blitz und Wasser richteten tellweise nicht unerheblichen Schaden an. Ferner ist in dem uns benachbarten Ohmthal ein schweres Unwetter mit Hagelschlag niedergegangen. In Rüdigheim bei Kirchhain entstand durch Blitzschlag Feuer. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurt a. Dä, 14. April. Tie Direktton der Munrulatoreuwerke Pollack veröffenllicht folgende Mit- teilungir Wir beehren uns Ihnen mitzutellen, daß Herr Mafsenbach aus dem Vorstände unserer Gesellschaft ausgeschieden ist. Zeich-nungsberechttgt bleiben nunmehr das seitherige Vorstandsmitglied Herr Direktor Friedrich Dreyer, ferner die Prokuristen Herren Hauaczik, Ziegler und Dr. Hanauer. Je zwei dieser Herren sind-berechtigt, gemeinsam die Firma zu zeichnen. Die Geschäfte der Gesellschaft werden in unveränderter Weise fortgeführt. Efsen a. d. Ruhr, 14. April. (W. B.) Kohlenmarkt. Sttlle Marktlage. Breslau, 14. April. In der heutigen Generalversammlung der Breslauer Diskonto-Bank wurden sämtliche Anträge ohne Debatte einstimmig angenommen und in gleicher Weife der Vertrag mit der Darmstädter Bank genehmigt. Farbwerke vvrm. Meister L Brüning Höchst am Main. Daß eine Dividende von 20 Proz. zur Verteilung gelangt, haben wll bereits mitgeteilt. Ter Geschäftsgewinn beträgt nach reichlichen Abschreibungen und Ueberweisungen Mk. 4 406 922 (V. 4 764 601). Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr werden als günstig bezeichnet. Neue 3i/2prozeutige Badische Staats-Anleihe. Ein Konsortium, worunter die Diskontogesellschaft und die Deutsche Bank, haben eine Anleche von 42 Mill. Mark Zi/sproz. badische Liseribahuschuldverschreibuugen unkündbar bis zum L April 1910 übernommen. Dieselben sollen voraussichtliche am 22. oder 23. April zur Subskription gestellt werden. Deutsche Gasglühlicht-Aktiengesellschaft Berlin. Der Einspruch gegen ein von einem Ausländer beim Patentamt gemeldetes Verfahren Lur Herstellung eines Osmiumfadens ist zurückgewiesen worden. Die Stolbergsche Zinkhütte hat einen bedeutend niedrigeren Reingewinn als im Vorjahr erzielt. Derselbe beträgt nur 391613 Mk. gegen 1395 338 Mk. i V. Der Anf- sichtsrat schlägt vor, denselben zu Abschreckungen zu verwenden und Es dem Dividendenergänzungsfouds 5 Proz. (V. 8 Proz.) zu zahlen. Neue russische Staatsanleihe. Der ganze Betrag der neuen Anleche ist bereits ab genommen. Tw Zulassung zum Illtimohandel ist sowohl in Berlin wie in Frankfurt beantragt. Zur ungarischen Konversion. Di« Durchfllh- runq der Konversion soll unmittelbar bevorstehen. Der Prospekt soll noch vor dem 20. d. M. veröffentlicht werden, da alles, soweit es mögli chgewesen, vorberellet wurde. Daraus, daß von den 4i»proz. Titres so wenig auf den Markt kommen, prognostiziert man einen guten Erfolg. Noch in diesem Jahre sollen auch 32s 2 Millionen Kroattsche Obligationen zur besonderen Konversion gelangen. Friedens aus sichten. Obwohl dieselben nach den neuesten Depeschen immer vager werden, beharrt die Börse in der gegenteiligen Hoffnung, ja sie häll den Abschluß! des Friedens schon für so unmittelbar bevorstehend^ daß sie ihn jetzt schon eskomptteren zu dürfen glaubt. Als ein günstiges Kichert wlld es betrachtet, daß Ehamberlallr dem König gestern Vortrag gel-alten hat. Infolgedessen, waren die Kurse trotz der Unruhen in Belgien für die moitzen' Werte sehr fest. Märkte. Gießen, 15. April. Marktbericht. Auf dein heutigen WochenrnariL kosteten: Butter pr.Psd. 1,10—1,20 All., Hühnereier i Stck. 6 Psy^. Gänseeier 12—14 Pfg., Enteneier 7—8 Pf., Käse pr. Stück 5—7 Pj., Käsematte 2 Stck. 0-0 Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben pr. Paar 0,80—1,00 All., Hühner pr. Stück 1,00—1,50 M., üahnen pr. Stuck 1,20—1,80 Mk., Enten pr. Stück: 2,40—2,60 Mk., Gänse pr. Psd. 00—00 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schwein,»- fleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfu.nd 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 64—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pßmü 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,50—3,80 Mk., Weißkraut per! Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zenttier 7,50—8,50 SDIL, Milch berj Liter 18 Pfg. Aepfel per Psd. 0—00 Pfg., in Körben 00—00 Pfg^ Trauben 0Ö—00 Pfg. Dauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Sttuiden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Derkailfsplätzerr und nicht im Umherziehen feilgeboten werden. GerWssaal. S. Gießen, 12. April. Gew erbegericht. Den Vorsitz» fühtt Beigeordneter Wolff. Der Taglöhner Heinrich Sauet hier klagt gegen den Kaufmann Jakob Happel hier auf! Zahlung einer Entschädigung wegen unbefugter kündigungSlose« Entlassung. Die Patteien schließen im heutigen Termin einens Vergleich ab. — Alois Göbel, Koch von hier, verlangt von seinen» Arbeitgeber, Restaurateur Gustav S k a l i z k y hier, noch 5 Mark! Restlohn. Der Beklagte beantragt Klageabweisung, weil er mc Entlassung des Klägers und zur Forderung von Schadenersatz berechtigt sei. Der Kläger habe Ausgang gehabt und setz trotzdem, ihm ausdrücklich erklärt worden, um 7 Uhr abends wieder int Geschäft zu sein, erst den anderen Morgen gekommen. Der Kläger giebt dies zu. Der Beklagte erklätt noch, daß er die dem Kläger einbehaltenen 5 Mark an das Armenamt zur Verwendung für Arme abgegeben habe. Da 5lläger die Entscheidung des StreiteSs imtcr Zuziehung von Beisitzern beantragt, wird ein weiterer Ver^ Handlungstermin anberaumt. Berlin, 13.April. Wegen einer tö blichen Ohrfeige hatte sich gestern der Handschuhmacher Wilhelm Kloth vor dem Schwurgericht des Landgericht 1 zu verantworten. Der Angellagte StU kam in einer Nacht in ein Schanklokal, um noch ein »Schlüße Seidel" zu trinken. In dem Lokal saß an einem Tisch eine ur>i verehel. Krüger und roac emgeschlaseu. Der Angeklagte machte sich den Scherz, die Schläferin aufzurütteln. Als K. den Scherz wiederholle, bedachte jie ihn mit einer Flut grober SchimpfrvoaZLj die der Angeklagte mtt einer Ohrfeige beantwortete. Diese mutz etwas kräftig ausgefallen sein, denn die Geschlagene siel mit dem Kopse auf die Tischkante und bann zu Boden und blleb besinuungs- los liegen. Sie nuchte nach dem Krankenhause transportiert werden imb ist daselbst bald gestorben. Nach dem Gutachten der ©e-' richtsärzte Dr. Stornier und Medizinalrat Dr. Mittenzweig ist der Tod durch Blutung im Gehirn erfolgt und auf den Schlag bezm, das Aufschlagen oes Kopfes auf die Tischkante zurückzuführen.^ Rechtsanwalt Dr. Broß erbat mlldernde Umstände, da es sich um einen uuglücklichen Zufall handle. Die Geschworenen bewilligten die mildernden Umstände und der Gettchtshof verurteille dcn Arv« geklagten zu 9 Monaten Gefängnis. UniversMs Nachrichten. c e April Wetter 8 13. bis 14. April 19,1° C. 9,8° C. 13. 14. KI S5 S to Höchste Temperatur am Niedttgfte „ ^Sonnenschein Bew. HrnnneL Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. ZK Äto München, 14. April. Der Verein deutscher ä r z t e hält heute und morgen eine Jahresversammlung unter dem! Vorsitz des Geh. Medizinalrats Prof. Zplly-Berlin ab. In der Ev-, öffnungssitzung begrüßte Oberinedizinalrat Grashey die 93er* sammelten im Namen der bavettschen Staatsregierung und betontes babei, daß der Verein einen segensreichen Einfluß sowohl auf AuL-^ geftaltung in psychiatrischen Fragen, wie auf praktischem Gebiet ti der Fürsorge für Geisteskranke und Erttchtunb von Jrrenanstallew gewonnen habe. Es erfolgten wettere Begrüßungsansprachen inr Namen der oberbayettschen Kreisregierung, 8er Stobt Münchens und der Technischen Hochschule. Sodann begann eine Reche fach--, wissenschaftlicher Vorlläge. Charkow, 14. April. Die hiesige medizinische Gesellschastf wählte Prof. v. Leyden--Berlin zum Ehrenmitglied, (Leyoew begeht am 20. d. M. seinen 70. Gebuttstag. D. Red.) — Akademie für Sozial- und Handelswiffenschaften te Frankfurt a. M. Das Sommersemester beginnt am 15. ApriL mit einem Vorlesungsverzeichnis, bas an Reichhalligkell das des! Wintersemesters übertrifft. Während die Zahl der wöchenllicheuj Ultterttchtsstunden im Winter durchschnittlich noch nicht 90 betrug* wird sie im Sommer über 100 betragen. An dem Zuwachs sind; namenttich die Sprachen beteiligt So wird jetzt aud) Gelegenhew gegeben. Italienisch (Dr. Ott) und Spanisch (Oberlehrer Dr. Gräfenberg) an der Akademie zu lernen. — Eine kaufmännische Nniverfität. Der Mailänder Groß» Eaufmann Bocconi widmete eine Million Lire zur Errichtung einer kaufmännischen Hochschule in Mailand, welche den Tllel „VniversitA commerciale Luigi Bocooni“ führen soll. Das zu gründende Institut soll nicht den Charakter einer professionellen Handelsschule haben, sondern feinen Hörern eine vollständige hochschulmäßige Ausbildung für die kaufmännische Laufbahn vermitteln. 14. 2“ 745,2 16,1 9,3 68 NE. 2 14. 9=5 744,8 11,9 8,5 83 NE. 2 15. 745,1 104 7,9 86 NE. 2 Gegen Schnupfen: Forman-Aether-Watte (Dose 30 Pfg). 202a Mo ne LkocolaäeUskfelnLM» l !n ?der beliebigen Schriftart und Karton. v lllIlUriCTI lorte, sowie mit Zirkeln aller studentische« I Vereinigungen, liefert zu mäßigen preise« vrühl'sche Umoerfitäir-Druckerei, Zchutstratze i August Kilbinger Spezialgeschäft und Ausstellung für Kinderwagen: Bahnhofstrasse 22. Haupt-Geschäft: Seltersweg 19. Kinderwagen und Sportwagen in in allen Preislagen und Farben. ä e mit geschweiften Bäumen Sportwagenhohen Sicherheits-Gürtel Muster geschützt, das Herausfallen der Kinder unmöglich machend. Kinderwagen-Räder mit Kugellager leichter, geräuschloser Gang ohne zu ölen. 2937 ff« i Korb braun oder altdeutsch «L Kinderwagen lu pfle a englische Form, Korb rohr H nrlOriÄianOn ßelb’ Verdeck, feine JA »IIS 9 W VI wauöll Garnierung, Bycicle-Rädern, |B1 w Ledertuch-Ausschlag Mk. 0 d Fortwährender Eingang von Neuheiten. an. Suümlsston. Für die psychiatrische Klinik 1oU die Lieferung von 100 Zentnern guter Speise- Kartoffeln auf dem Wege -der öffentlichen Submission vergeben werden. Die für diese Lieferung gütigen allgemeinen Bedingungen ^Erlaß der Großh. Ministerien vom 16. Juni 1893) und die speziellen Bedingungen liegen **C**^W***l Oelicia ist das einzig Wahre zur 2593 Vertilgung der Ratten und Mäuse. Sicherer Erfolg. Menschen und Haustieren ungefährlich. Kein Giftschein nötig. Dose 50 Pfg. und 1 Mk. bei Otto Schaaf nnd in der Hirsch-Apotheke. //Pneumatic beste und billigste Bereifung für Fahrräder Pu nlop Migen Zeit des: Oder; Ütaufd Beide: düs letzte' der Rech- SotonW Mark bered die Sevim weniger. Mteilschem Gel stoz ^yrchmc Wes da 1 und drei dlskonts bewirk Hal Sie schaMche An i der fcm IpränM befehl d des Koni beschrank anderes reagiert, c die angem dieEnglan bezweifeln Tie wirtsck lmdshat W erfahr ungemein ( -------- P> W e Ml Sagest rutung iöom Lt Wichen w ~ Rez^Z diese Lte durch die dafür feil Renten ff §9 tont Arbeiter Köcher *35 »a e-taate ü