Nr. 39 Erscheint täglich außer Sonnlags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem besstschev Landwirt bte Gießener Familien. hläner viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwers.-Buch-u. Stein- druckere»lPietsch Erben) Redaktion. fcpebitixm und Druckerei: Lchulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Aluß Nr. 51. Erstes Blatt 15». Jahrgang Samstag 15. Februar 1902 SietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen vezu göpret»: monaklich7bPs., viertel« löbrlich Wit. 9.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Ml. 2.— oiettet- iahrl. ausjchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer biä vormittags 10 Uhr. ZeilenpreiS: lokal HP!» anöwäns 20 Pfg. Verantwortlich: für den polit. u. allgenr. Teil: P. Witt ko; für „Stadt und Vanb* unb ,Genchtssaal":R.Ditt- inann; für den Anzeigenteil: Han? veck. Kelrannlmachung. Vetr.: Rotlauf der Schweine. Unter dem Schweinebestand des Bäckers Euler, Lud- wigSplatz dahier, ist die Rotlaufseuche auSgebrochen. Gehöftsperre ist verhängt. Gießen, 15. Februar 1902. Großherzogliches Polizei amt Gießen. Hechler. Kießener Kiudententum in der IslüözeiL der Zluiversttät (17. Jahrhundert). Schluß. Ter Student nahm oft bei den Bürgern mit einem oder mehreren Studenten zusammen Wohnung, wobei er das Bettzeug stellen mußte- War er aus Oberhessen und nicht vermögend, so war es üblich, daß er sich die Lebensmittel von Hause schicken ließ- Ihre Zubereitung geschah abwechselnd durch einen der Genossen. Ta die Besoldung der Professoren zu gering war, als daß sie ohne Nebenverdienst hatten bestehen können, bildete sich der Brauch heraus, daß sie Kostgänger annahmen. Tiefe Sitte verfehlte einerseits auf die Studenten ihren Einfluß nicht; aber andererseits wurde sie von den Professoren zu sehr ausgebeutet- Auch einen Studenten gab cs 1618, der nicht weniger als 23 Tischgenossen hatte. Do wurde denn schließlich eine Visitationskommission eingesetzt, die die Tische usw- ab- zufchätzen hatte. Auch der Vorwurf wurde den Professoren gemacht, daß sie die Freiheit der Weinsteuer mißbrauchten, indem sie einen Ausschau! mib Verkauf über die Straße eröffneten. Zu Bezug auf Essen und Trinken lebten die Gießener Studenten nicht schlecht, so daß die Behörden sogar gegen die Prasserei einschreitcn mußten. 1619 stellte es sich heraus, daß 6—8 Gange auf den Tisch kamen- — Besonders wurde in Bürgerkreisen der Student als Einnahmequelle betrachtet- Tarin liegt der Hauptgrund, daß sich kein verträgliches Verhältnis zwischen Bürgern und Studenten herausbildete. Das Pumpen war an der Tagesordnung. Schließlich hätte, sich der Student schon mit den hohen Preisen abgefundcn, wenn die Getränte trinkbarer gewesen wären- Schon 1608 beschwerte sich die Studentenschaft in einem langen Schreiben bei dem Landesherrn darüber, daß man ihnen Wein zum Trinken gebe, der kaum nach Wein rieche. 1609 wurde darauf hingewiesen, daß das Wasser zum Bierbrauen aus der Lahn unterhalb der Stelle geschöpft werde, wo man Wäsche wasche. 1618 wurde eine Petition an die Regierung gerichtet, die in den schärfsten Ausdrücken sich über den schlechten Zustand der Getränk beschwert. Doch wurden trotz dieser ungünstigen Getränkeverhältnisse immer noch viele Klagen über Ausschreitungen betrunkener Studenten laut. Abgesehen von den hohen Preisen und den schlechten Getränken beschwerten sich die Studenten auch über den mangelhaften Zustand der Straßen und die darin herrschenden unangenehmen Gerüche- Tas alles sind Gründe, weshalb stets ein Gegen- satz Wischen Studenten und Bürgern herrschte- Doch dürfen auch die berechtigten Beschwerden der Bürgerschaft nicht außer Acht gelassen werden- Das Zusammenströmen I so vieler lebenslustiger Leute, ihre privilegierte Stellung bewirkte, daß es schwer war, sie in Schranken zu halten und von tollen Streick)en abzuhalten. Eine ^rafbestimm- ung trifft die Neigung der Studenten, sich bei Hoch- werten und Tanzfestlichkeiten der Bürger einzudrängen und ungebeten zu beteiligen. So kam es bei einer Hochzeit der Tochter des Prof- Winckelmann zu einer Prügelei. Die Neigung der Studenten zum weiblichen Geschlecht führte häufig zu Liebesverhältnissen mit Töchtern von Bürgern. Ferner plünderten die Studenten mit Vorliebe fremde Gärten- Auch das Fischen betrieben ie gern; und daß es sich hierbei um bloße Zerstörungs ucht handelt, geht aus einer Bestimmung hervor, durch )ie den Studenten das Fischen mit vergifteten Ködern ver boten wird- Die Hauptmasse der Beschwerden aber richtet sich gegen Delikte, die bei Tage und noch mehr bei Nacht in den Straßen begangen wurden, Hausfriedensbruch, Widerstand gegen die bewaffnete Obrigkeit usw- Der Student war, wie schon gesagt, mit Degen und Schußwaffen versehen. Nachts kamen dazu noch Jagdspieße und lange Stangen- Hatte er lange gezecht, so pflegte er mit ungeheurem Gebrüll durch die Straßen zu rennen, sein Gewehr abzuschießen und anderen Unfug anzustellen, zerbrach Zäune ihm unsympathischer Personen, schlug die Fenster ein, was 1609 auch dem Rektor passierte, usw Auch Hausthüren wurden mit Holzpangen eingerannt, besonders bei Weinwirten, die abends nach 10 Uhr keinen Wein mehr geben wollten- Einige Tage Karzer waren die höchste Buße dafür. Derartigen Vorkommnissen suchte man durch Einführung einer Nachtwache zu steuern- Mit dieser lagen die Studenten stets im Kriege, so daß deren Lage wenig beneidenswert war- Ihr Verhältnis zu den Studenten wird am besten dadurch gekennzeichnet, daß sie durch Universitätsstatut vor bewaffneten Angriffen seitens der Studenten geschützt werden mußten- Die Professoren nahmen völlig Partei für die Studenten, sogar dem Landesherrn gegenüber, um einem Abzug der Studenten vorzubeugen. So trugen diese den Sieg davon. Die Wache wurde a b g e s ch a s f t. Dagegen dem Festungshauptmann gegenüber drangen die Studenten nicht immer durch, was folgender Vorfall lehrt. Im Dezember 1616 war ein Student im Duell gefallen. Der FestungsHauptmann traf nun alle Vorsichtsmaßregeln, um ein Enttommen des Thäters unmöglich zu machen. Das erschien den Studenten rücksichtslos und beleidigend, und sie begannen, nachts zu demonstrieren. Und als der Kanzler in dieser Zeit starb, weigerten sie sich, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Andererseits! suchte der Festungshauptmann die übliche Fastnachtskomödie der Studenten zu hindern, weil er arg darin mitgenommen zu werden fürchtete. Trotzdem wurde diese aufgeführt. Die Folge war die Wiederher st ellung der Nachtwache, die jetzt in die gemeinsame Pflicht des Hauptmanns und des Rektors genommen wurde. Aber auch diesmal that sie nicht gut. Ein Student wurde bei einer Raufer er von der Wache erschlagen. Diese wurde dafür ins Gefängnis geworfen. Nach ihrer Freilassung aber durfte sie sich vor den Studenten nicht mehr sehen lassen und konnte sich häufig nur durch eilige Flucht retten. Die Beziehungen- der Studenten zu einander waren sehr verschieden von heute. Ein förmlicher Zusammenschluß zu Verbindungen, Landsmannschaften, von denen aus anderen Universitäten schon Nachrichten vorliegen, ist für Gießen nicht nachweisbar. Allerdings ist ein Edikt vorhanden, das der Rektor 1608 gegen die von anderen Universitäten übertragenen factiones erließ. Dagegen ist in den Tischgen ossenschaften eine 21rt korporativen Geistes zu finden; denn es wurde aani regelrecht dafür gekeilt. Ein ©direiben aus dem Jahre 1624 zeigt sogar, daß den Tischgenossen aewisie chrenrechtliche Befugnisse zustanden. Daß zwischen oen Studenten Raufereien nichts Seltenes waren, ist selbstverständlich. Kaum ein Jahr verging, in dem nicht ein Student auf offerier Straße von einem Kommilitonen erstochen oder niedergeschossen worden wäre. Die Veranlassung war oft äußerst genug, eine Neckerei oder ein unbedachtes Wort beim Trünke. Für Trinkgebräuche giebt es nur geringe Andeutungen in den Gießener Akten. Gelegenheit zum Trünke gab es genug. Kam ein Neuling zum Tisch, so mußte er einen Trunk geben. Ter Abschied wurde durch einen Abschieds- schmaus mit ausgiebigem Tnmk gefeiert- Ta die Pe- velle häufig mitzechten, war an ein Einschreiten nicht zu denken. Fastnacht wurde auch nicht trocken gefeiert. Mehrfach im Jahre boten offizielle Festlichkeiten, die Pronlotionen Anlaß zu einem guten Trunk. Mit seltener Einmütigkeit scheinen Professoren wie Studenten daran festgehalten zu haben. Auch das weibliche Geschlecht war bei diesen Festessen, die mit einem Tanz schlossen, stark vertreten. Natürlich mußte der Neugraduierte die ganze Zeche bezahlen. . Schließlich ist noch ein Mißbrauch zu erwähnen, der Pennalismus. Er geht von dem auch heute noch vielfach herrschenden Gedanten aus, daß der junge Mensch, der die Schule verlassen hat, nicht sofort eine gleiche Stellung mit den Studenten einuebmeu darf. Diese Ansicht entwickelte sich allmählich au roher Mißhand- Handlung und Ausbeutung oes jungen Studenten. Ter Pennäler mußte ein Jcll)r lang minderen Rechts auf der Hochschule leben und sich zu allerlei Diensten, auf Wunsch auch zur Hergape seines Besitzes verstehen, bis er nach Ablauf eines Jahres zum vollen Studenten^ erklärt wurde. Es ist nicht richtig, das Jahr 1610 als Anfang dieses Pennalismus anzusehen. (Aerobe in Gießen ist uns ein darauf bezügliches Verhörprotokoll aus dem Jahre 1607 erhalten. Tie Verbote dieses Mißbrauches mehren sich von Jahr zu Jahr. Immerhin ist er in dieser Zeit nur im Anfang; seine eigentliche Entwickelung sand er durch den Krieg, bis er 1650 bei der Wiedereröffnung der Universität auf dem Höhepunkt stand. Um. zu zeigen, welche kindischen und zugleich brutalen Demütigungen der junge Student zu leiden hatte, teilte der Vortragende einige Sätze aus einem Schriftstück aus dem Jahre 1650 mit. Seit 1661 ist das öffentliche Pennalwesen in Gießen völlig verschwunden. An den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine kurze Besprechung, in der Geh. Schulrat Schaedel darauf hinwies, daß neben der Depositon eine andere dem Abiturientenexamen ähnliche Sitte be- Gießener Stadtthenler. Maria und Magdalena. Schauspiel in 4 Akten von Paul Lindau. Herr Karl Schneider hatte sich für seinen Ehrenabend ein Bühnenstück ausersehen, das vor einem Menschenalter den litterarischen Ruf Paul Lindaus begründen half. Lindau hatte in ^ben 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Pariser Schule durchgemacht, zu deren Früchten auch ein paar Moliöre-Bücher gehörten. Weit mehr aber als der große französische Komödiendichter zur Zeit Ludwigs XLV. hatten ihn die Dramatiker des zweiten Kaiserreichs, Dumas, Feuillet rc., angezogen. Der echten Kunst des Dichters des ,$artüf|eti stand Lindau der Kleine mit seinem hübschen Talent doch rote ein Zroerg gegenüber, die tonangebenden Männerchen seiner Zeit aber begriff er, die konnte er kopieren, ja vielleicht sogar selber erreichen. Als er dann nach Deutschland zurückkehrte, da begann er das alte, damals in den allerersten Kindheitstagen des jungen Deutschen Reiches nach tief wurzelnde und unangetastete Gefühl scheuer Ehrfurcht des nach halb traumumfangenen deutschen Michels vor dem Fremden, dem Ausländischen, sich zu Nutze zu machen. „Maria und Magdalena * roar sein erstes Drama, das er schrieb, ganz abhängig von der französischen Dramatikerschule jener Tage. Und er ist ja auch, trotz seiner neuesten Heber- setzerthätigkeit des alten Griechen ßuftan, ein Schüler der Franzosen geblieben bis auf den heutigen Tag. Das von Herrn Schneider zu kurzem Einabendsleben erweckte Stück Lindaus besitzt die ganze Phrasenhastigkeit und Hohllönigkeit der Herren Dumas und Konsorten, und es liegt eme höchst kuriose Ironie barm, baß L. just bem Revolver- journalisten Dr. Jakob Gelz v. Gelzinnen überzeugungsvolle Brusttöne blasierten Unwillens über bie frivole Pikanterie bes ftanzöstschen Schauspiels leiht, ber nämliche Herr Dr. Paul Linbau, einstiger Theaterkritiker bes „Berl. Tagebl.", der sich in grauer Vorzeit in Berlin durch eine häßliche Geschichte unmöglich machte. Uebrigens ist mir einmal vor Jahren m einem internationalen deutschen Badeort ein Mensch begegnet, der, nach dem Muster dieses famosen Dr. Gelz von Lindaus Gnaden, sich einen ähnlich aristokratisch klingenden Namen gab. Dieser Dr. jur. mr. hat, ähnlich wie der Dr. Gelz, das Andenken Kaiser Friedrichs durch ein erbärmliches kilometerlanges Gereimsel besudelt, in dem sich folgende wundervollen Verse finden: Äat seiner schweren Krankheit nicht oeachtet, In die ein dunkles Schicksal ihn versenkt, Hal nach ber Rückkehr sehnlichst nur getrachtet, Unb sogleich heimwärts seinen Fuß gelenkt, Begrüßt als Preußens König, Teutschlanbs Kaiser! Ach, er ist krank noch immer, matt unb heiser!" Der Mann hat es trotzdem jüngst zum Kammerherrn des Fürsten Heinrich des Unartigen von Reuß ä. L. gebracht und nennt sich heute Marquis! Man sieht also, einzelne Figuren des Lindau'schen Stückes sind nicht ganz so unwahrscheinlich,wie wohl ein unbefangener Sohn unserer Tage annehmen dürfte. Auch die Leute, die an „chronischer Knopflochentzündung" leiden, wie sich netilich em Gießener Stadtoater in froher Faschingslaune sehr hübsch ausdrückte, sind noch nicht ausgestorben. Lindau übertreibt aber so entsetzlich, daß, liefen die Herren Dr. Gelz und Geheimrat Werren lebendig unter uns herum, Dalldorf ihnen ganz gewiß schleunigst zum unvermeidlichen buen retiro würde. Aber zu einer interessanten Entdeckung hat uns Herr Schneider verhalfen, nämlich zu ber, baß Herr ©übermann seine „Heimat" Herrn Lindau, stellenweise schier wortgetreu, „nachempfunden" hat. Nur daß der Schüler dem Glaubhaften nicht ganz so viele derbe Nackenschläge appliziert hat rote der Meister Lindau. Die Zahl der Unwahrscheinlichkeiten bei Lindau ist Legion. Papa Werren erteilt eines schönen Tages am Kaffeetisch seiner ältesten Tochter seinen feierlichen Vaterfluch und schickt sie fteundlichst, ohne daß ihm oder ihr der Gedanke kommt, sie könne sich verteidigen oder gar rechtfertigen, zum Kuekuck. Sie geht nun zwar nicht zum Kuckuck, sondern zur Bühne. Ein Zufall ist es dann, daß nach Jahren der Lanbesfürst sie, bie eine große Künstlerin geworben ist, zu einem Gastspiel in ihrer Heimatstadt bewegt, daß die Person, die an ihrem Unglück schuld ist, im Theater sitzt, daß diese Person gerade ihre Stiefmutter geworden ist, daß ein Maler, den sie irgendwo in der Welt znm Freunde gewonnen hat, im Hause des VaterS eingefübrt ist, daß Stiefmutter und Stieftochter dann Zusammentreffen re. re. Der Maler, die alte, von Edelmut triefende stereotype Theaterpuppe aus den Stucken der unselig seligen Frau Birch-Pfeiffer, sagt an einem EmpfangSabend im Hause eines Geh. Kommerzienrats allen Anwesenheit höchst unangenehme Wahrheiten, die jedem Erdensohn übel bekommen würden usw. usiv. Doch genug davon. Alle diese Unmöglichkeiten sind nur ein winziger Teil aus der Unmenge ihrer gleichartigen Schwestern. Es ist trotz alledem zuzugeben, daß einzelne Szenen Frische und Ursprünglichkeit besitzen, namentlich in ihren humoristischen Partien. Der sein pointierte Dialog, der oft überreich ist an witzigen Schlagern, hat auch seine volle Zündkraft bewahrt und weckte auch gestern das heiterste Lachen. Dann aber liegt eS wieder über einzelnen sentimentalen Stellen, in denen die Herrschaften auf der Bühne ein bischen gar zu sehr mit dem Gefühle kokettieren, wie graue Spinnweben. Ich denke dabei u. a. auch an den Schluß bes 2. Aktes mit der Deklamation von Goethes Lied an den Mond. Dieser billige Kunstgriff, Sttmmung erzeugen zu wollen, verpuffte gestern spurlos. Wem die gestrige Aufführung sonst auch wenig bieten mochte, eines unterließ sie nicht: sie verschaffte uns das wehmütige litterarische Vergnügen, uns m die Zecken zurück- zuversetzen, da man die ersten kümmerlichen Versuche machte, sich litterarisch vom Auslande zu emanzipieren, auf die ver- kehrteste Art freilich, indem man es nach wie vor nachahmte, aber sich doch wenigstens den Anschein gab, als Haffe man das Undeutsche und streife es mit Entrüstung von sich ab. Unser Benefiziant, Herr Schneider, gab den Professor Laurentius, den Maler, in angemessener Haltung unb guter Tournüre als angenehmer Gesellschafter. Seinem Spott gab er ja freilich weniger Liebenswürdigkeit, Verbindlichkeit, als Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, was vielleicht einigen Situationen noch mehr die Wahrscheinlichkeit nahm. Aber er hatte seine Aufgabe doch, wie gewöhnlich, mir vollem Verständnis auf- unb angefaßt unb auch em Körnchen Humor dazugethan, von ftattben habe, der sich besonders diejenigen, die von hessischen Landschulen kamen, unterziehen mußten, und daß die italienischen Tanz- und Fechtmeister sich nicht nur durch ihre geldschröpferische Art, sondern auch besonders durch die Verbreitung ihrer ,^pestiferae opiniones" als Katholiken mißliebig machten, weshalb der Landgraf später ausdrücklich verlangte, daß nur Lutheraner berufen würden. Für die Frauen. Berlin, 14. Febr. Im Jndustriegebäude hielt der „Verein für Frauenstimmrecht" eine Versammlung ab. Im Beisein der Abg. Bebel und Heinrich Rickert sprachen Fräulein Dr. jur. Anita Augspurg und Frau Schulrat Minna Caner. R.-A. Munckel sprach ihnen seine Sympathie aus. Es sprachen ferner Frau Heyrnann aus Ham- burg und Dr. Moritz. Die zuletzt gefaßte Entschließung sprach die Hoffnung aus, daß „bei ben nächsten Reichstagswahlen das Frauenstimmrecht von allen Parteien m ihr Programm ausgenommen und die Forderung energisch vertreten werde." Aus Stadt und Sand. lDer Abdruck der unter dieser Rrzbrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet) Gießen, 15. Februar 1902. ** Haus Rosenhagen, Max Halhe's neues Schauspiel, das am Montag im Theater verein zur Darstellung kommt, spielt, wie das jüngst aufgeführte „Johannisfeuer" von Sudermann, auf ostdeutschem Boden, in des Dichters Heimat, wo auch der Schauplatz seines Erstlingswerkes, des schönen Liebesdramas „Jugend", liegt. Am 21. September 1901 fand die Erstaufführung am Lessingtheater in Berlin statt, bald nachher folgte das Frankfurter Schauspielhaus, wo Herr Fricke, den wir am Montag als Gast hier begrüßen werden, die Hauptrolle des jungen Rosenhagen spielte. Ueber die Berliner Aufführung berichtete man, daß das Publikum alle drei Akte mit ungeschwachter Teilnahme und aufmunterndem Applaus nach allen Aktschlüssen begleitete, trotz mancher Dialogstelle mit stockender Handlung. Die Berliner Kritik meinte, daß Halbe mit diesem Werke wieder einen Schritt vorwärts gethan habe, und daß „Haus Rosenhagen" in zahlreichen schönen Einzelheiten sich als das Werk eines wirklichen Poeten erwiesen hat. Zwei unt materiellen Besitz kämpfenden Männern, Rosenhagen und Voß, stellt Halbe zwei kämpfende Frauen zur Seite: die eine, die im Hause Rosenhagen ausgewachsene Cousine, die mit dem Geliebten auf der heimischen Scholle ein stilles Eheglück genießen will, die andere, der vor der Einsamkeit des Landlebens graut und nur das Leben im Strudel der Großstadt begehrenswert erscheint. Eine Reihe von Episodenszenen und nebensächlichen Figuren sind vortrefflich geschildert und geschaut, vor allem die resolute, lebensfreudige Großmutter und der pfiffige bäuerliche Agent. ** Parlamentarisches. Die Hessischen Expedi- tions- und Stationsgehülfen bei der Main-Neckar-Bahn bitten die Zweite Kammer, sie möge bei der demnächstigen Beratung des Staatsvertrages dahin wirken, daß den geprüften Hessischen Expeditions- und Stationsgehülfen, welchen bis zum Uebergang der Main-Neckar-Bahn in die Gemeinschaftsverwaltung mangels Vakanz eine etatsmäßige Stelle nicht verliehen werden konnte, eine solche bei oder nach dem Hebergange mit Dekret Seiner Königlichen Hoheit verliehen wird und daß die nach dem Uebergange frei werdenden Stellen der früheren Main-Neckar-Bahn ausschließlich mit den Hessischen geprüften Gehilfen und Anwärtern besetzt werden. — Eine Vorstellung der Handelskammer zu Bingen, betrifft den Entwurf eines neuen Hessischen Handelskammergesetzes. In einer Eingabe der Handelskammer Darmstadt vom Januar wird statt der in dem Gesetzentwurf vorgesehenen Wahl auf die Dauer von sechs Jahren eine solche von drei Jahren vorgeschlagen, somit der seitherigen gesetzlichen Vorschrift entsprechend, die jährliche Ergänzungswahl eines Drittels der Handelskammermitglieder auch in Zukunft verlangt. Diesen Standpunkt vertrat die Handelskammer Darmstadt bereits im Hessischen Handelskammertag vom 21. Oktober 1900, während sämtliche anderen Kammern sich für sechsjähriges Mandat mit alle zwei Jahre stattfindender Cr- gänzungswahl aussprachen. Tie ...cgierung hat sich mit § 19 des Gesetzentwurfs der Beschlußfassung des Hessischen Handelskammertages angeschlofien. Gegen das neuerliche Eintreten der Handelskammer Darmstadt für Beibehaltung der jährlichen Ergänzungswahlen tritt jetzt ganz entschieden für den § 19 in seiner jetzigen Fassung ein. ** Verein ehemaliger Kameraden der G r o ß h. h e s s. 25. Division. Wie man uns aus Berlin mitteilt, hat Generalleutnant v. Scholl, dienstthuender Generaladjutant Sr. Majestät des Kaisers, die Ehren- mitglied schäft des Vereins angenommen. Bekanntlich .ist auch der K r i e g s m in i st e r v. G o ß l e r Ehrenmitglied des Vereins, wie auch der verstorbene Prinz Hein- r i ch dem Verein als solches angehört hat. Am 29. Januar feierte der Verein in Verbindung mit den drei anderen süddeutschen Kriegervereinen für Bayern, Württemburg und Baden, mit denen er in näheren Beziehungen steht, in d^nFest- sälen seines Vereinslolales, Hotel Krebs, Niederwallstr. 11, unter z ahlreicher Beteiligung der Kameraden und ihrer Damen den Geburtstag des Kaisers. Da in diesem Jahre das Präsidium in den Händen der Bayern lag, wurde das Hoch auf Se. Majestät von dem bayerischen Militär- bevollmächtigten ausgebracht, während den Festvortrag Kamerad Hauptmann a. D. Tanera über den chinesischen Feldzug auf Grund eigener Erlebnisse hielt. Das Hoch auf die vier süddeutschen B u n d e s f ü r st e n wurde von Kamerad Beese, Ehrenmitglied des Hessischen Vereins und erster Vorsitzender des Krieger-Verbands Berlin und Umgegend ausgebracht. In der kürzlich abgehaltenen, Generalversammlung wurden die beiden Vorsitzenden, Kreis- Veterinärarzt a. D. Dr. Schaefer- Friedenau und Magistratsbeamter Walter-Berlin wiedergewählt; zu Schriftführern die Kameraden Kaufmann Kämmler und Apotheker W e i ß und zum Kassier Kriminalbeamter Geller bestimmt, und der seitherige Rendant Restaurateur Zander wieder in seinem Amt bestätigt. In das VergnügungS- Komitee wurden die Kameraden Kaufmann Fischbach- Berlin und Magistratsbeamter Ja e o b i -Rixdorf delegiert und zum Bundesbevollniächtigten Kriminalbeamter Send- zick-Rummelsburg ernannt. Der Verein hält seine Monatsversammlung immer am zweiten Mittwoch jeden Monats in seinem obengenannten Vereinslokal ab. Ehemalige Kameraden der 25. Division, die nach Berlin kommen, ind stets willkommen. w. Rockenberg, 14. Febr. Die am Sonntag veran- taltete Abendunterhaltung des Gesangvereins „Concordia" erfreute sich eines recht zahlreichen Besuches. Der zeräumige Saal der Wirtschaft „Zur Gerste" war bis auf >en letzten Platz gefüllt. Die Veranstaltung nahm unter Leitung des Dirigenten Sames den schönsten Verlauf. In )en Zwischenpausen brachte Herr Sames einige schöne Violin- olis unter Mitwirkung von Fräulein Enders zu Gehör. Tie Leistungen sämtlicher Mitwirkenden ernteten den größten Beifall aller Teilnehmer. )( Lauter, 14. Febr. Bei der heutigen Bürger- m e i st e r w a h l unterlagen die „Engländer", wie die Anhänger des seitherigen Bürgermeisters genannt wurden. Ter Kandidat der „Buren", Landwirt Peter Aff, wurde mit beträchtlicher Mehrheit gewählt. Ter unterlegene Bürgermeister Feldmann lenkte über 30 Jahre mit Umsicht und Geschick unsere Gemeinde. Durch ihn lvurden die ausgedehnten Obstanlagen geschaffen, die alljährlich reichen Ertrag liefern, und eine willkommene Einnahmequelle für )ie Gemeinde bilden. Wie schon bei der Gemeinderatswahl im Herbst, wurde auch vor der heutigen Wahl lebhaft agitiert, und es ist zu wünschen, daß sich die erregten Gemüter nun nach der Entscheidung wieder beruhigen. i Harbach, 13. Febr. Am 10. fand hier Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten für das Amt eines Beigeordneten Peter Albert und Georg Herzberger statt, da in der Vorwahl kein endgiltiges Ergebnis erzielt wurde. Beide erhielten je 35 Stimmen; das Los entschied zu Gunsten des ersteren. o- Lauterbach, 13. Febr. Für den hiesigen Kreis ist ein Ziegenzucht-Verein gegründet worden. Auszug «ms den StMdesgmtsreglstrra der Studt Süße«. Aufgebote. Am 8. Febr. Oskar Grolimund, Artist in Gronau mit Cre§- zentia Johanna Elisabetha Eckstein daselbst. Johannes Beck, Fabrik» arbeitet- in Lampertheim mit Katharine Brauler daselbst. 10. Joseph Emil Georg, Fuhrknecht dahier mir Elisabethe Schlau hier> selbst. Johannes Eduard Georg Stammler, Großh. Regierungs- asfeswr Mainz mit Babette Friederike Margarethe Hofmann Eheschließungen. Am 8. Febr. Konrad Höfler, Fuhrknecht dahier mit Elisabethe Lerch, geb. Rosenbecker Hierselbst. Wilhelm Johannes Wisker, Schlosser dahier mit Johanna Weisel Hierselbst. Johann Georg Kraft, Metzgermeister und Wirt dahier mit Marie Schmidt Hierselbst. Johann, Peter Klein, Taglöhner dahier mit Elisabethe Schmidt Hierselbst. Johann Georg Leinbach, Dienstknecht dahier mit Emilie Katharine Margarethe Hermine Gabriel hierselbst. 10. Adam Wettach, Kaufmann dahier mit Marie Melchior in Frankfurt a. M. Julius Hermann Grote, Kaufmann in Marburg mit Emma Friederike Rayen dahier. 13. Karl Anton Schmidt, Schlosser- meister dahier mit Martha Pauline Poppecke hierselbst. Geborene. Am,4. Febr. Dem Lektor an der Landesuniversität John Shaweroß ein Sohn. Tem Briefträger Wilhelm Hahn iIL ein Sohn, Robert Theodor. Dem Fuhrknecht Karl Becker IX. ein Sohn, Karl Heinrich, o. Dem Müller Georg Adam Reich ein Sohn, Ernst Wilhelm Heinrich. Dem Schneider Ludwig Hormann eine Tochter, Elisabethe Linse. Dem Tiesbau- und Fuhrunternehmer Albert Rübsamen eine Tochter, Emilie. 6. Dem Maschinist Heinrich Gra- velius eine Tochter. 7. Tem Restaurateur Wilhelm Fischer ein Sohn, Wilhelm August. Tein Schuhmacher Johann Stauß ein Sohn, Otto Heinrich. , 8. Dem Lokomotivheizer Emil Marx ein Sohn. 9. Dem Schlosser Johann Pseiffer eine Tochter, Klara Eli- sabethe. 10. Tem Großh. Landgerichts-Registrator Ludwig Jäger eine Tochter. 11. Dem Schriftsetzer Paul Niewisch eine Tochter, Marie. Gestorbene. Am 7. Febr. Richard Fuhr, 17 Jahre alt, ohne Beruf dahier. Karoline Lang, geb. Stoll, 61 Jahre alt, Ehefrau des Taglohners Wilhelm Lang VI. dahier. 8. Jules Lespmgal, 58 Jahre alt, Rentner dahier. Karl Keil, 60 Jahre alt, Lederhändler dahier. Wilhelm Steinbach, 52 Jahre alt, Maurermeister dahier. 10. August Karl Magnus Balthaser Noll, 80 Jahre alt, Oekonom dahier. 13. Philippine Arnold geb. Fischer, 57 Jahre alt, Wwe. dahier. Elisabethe Erb geb. Stroh, 69 Jahre alt, Wwe. dahier. Juliane Rühl, 62 Jahre alt, ohne Beruf dahier. Adolfine Nagel, geb. Grab, 80 Jahre alt, Wwe. dahier. Aufgesprungene Hände werden in turzer Zeit geheilt, wenn man sich mit Oberweyers Herbaseife wäscht oder die betreffenden Stellen über Nacht mit Obermeyers Herbaseife einseift. Die Behandlung ist vollständig schmerzlos und ist damit auch gleichzeitig eine erfolgreiche Behandlung gegen Frostballen, erfrorene Hande, verbunden. Ein einziger Veriuch überzeugt. Obermeyers Herbaseife, ärztlich warm empfohlen, ist per Stück Mr. 1.25 in allen Apotheken und Drogerien oder durch den alleinigen Fabrikanten I. Gioth in Hanau a. M. zu haben 907 Eine inhättsreicye Arbeit im Jornal für Zahnhenurnde beschäftigt sich mit dem sehr zeitgemäßen Thema, welche Anforderungen ein gutes Mundwasser für täglichen Gebrauch erfüllen muß. Der Verfasser kommt dabei zu dem Schluß, daß ein Mundwasser, sonstige Tadellosigkeit vorausgesetzt, um so besser sein wird, je länger es im Stande ist, Fäulnis im Munde zu verhindern. ,2)er wahre Zweck eines antiseptischen Mundwassers für täglichen Gebrauch ist die möglichst andauernde Verhinderung aller Fäulnis- und Gährungsvorgänge im Munde, der ersten Ursachen des Mundgeruchs und der Zahnkrankheiten. Bei Weitem die andauerndste fäulnisverhindernde Wirkung ergab bei den Untersuchungen das O d o l, dessen emulgierte antisepttsche Bestandteile sich überall in der Mundhöhle festsetzen. 1357 dem diese sympathische Künstlerfigur allerdings wohl noch ein bischen mehr ganz gut vertragen hätte. Maria wurde von Fräulein Hohenfels darge- stellt. Der Verfasser hat ihr folgende Worte in den Mund gelegt: „Ich will keine Virtuosin sein, sondern Künstlerin. „Die Kunst gibt mir Begeisterung, ich bin mit ihr verwachsen." An gar manchem Abend dieses Winters hat Fräulein H. diese Worte aufs schönste bestätigt. Nicht ganz so gestern. Es schien, als sei sie an diesem Abend in der freien Entfaltung ihres Talentes, durch irgend ein Aeußeres vielleicht, beeinträchtigt. Namentlich in ihren ersten Szenen zeigte sie Gezwungenheit, Künstelei, Ziererei, Pose. Kurz und gut, sie war nicht echt, nicht wahr in Rede und Bewegungen. In den späteren Szenen wurde sie freier und in ihrer großen Szene mit Magdalena zeigte sie sich in überzeugender Charakteristik auf ihrer vollen Höhe. Frl. Feige, die ein wenig erkältet schien, glich die vielen Unebenheiten des darzustellenden Charakters mit Geschick in sympathischem Spiel au§. Herr Ramsey er hatte die Bonhommie des Geh. Kommerzienrats Werren anfangs etwas zu dick unterstrichen, aber ein vortrefflicher Humor kam ihm doch sehr zu statten und sein Protzentum hatte durch liebenswürdig unbeholfene Allüren etwas Gewinnendes. Er war ja fast genau der nämliche wie als der weltkluge Schwiegerpapa der Madame „Francillon", vom Scheitel bis zur Sohle, aber wie damals, so auch diesmal amüsant. Frisch und flott war Herr Gerlach als Fürst v. Rothenthurn. Auch die kleineren Rollen waren nicht ohne Wirkung; zu nennen sind die Damen v. Aspernburg, die freilich ihre Zähne mehr auseinander nehmen und auf korrekteres Sprechen achten sollte, Brandau und v. Hell- bron und die Herren Sandor, Leßmann, Hertzog, Zoder und Woisch. Das Atelier des 2. Aktes würde ohne den recht zweifelhaften Wand- und Waffenschmuck, das eingerahmte Nestle'sche Kindermehlplakat 2c. der Illusion von dem Schaffensraum eines Tiermalers enffchieden größeren Spielraum gelassen haben. Daß ein recht kühler Luftstrom den Theatersaal durchzog, kann nicht grade als eine Annehmlichkeit des The- akerMuchS bezeichnet werden. ium ^um Schluß noch ein paar Worte von der SensÄion Abends, dem Auftreten einer Dame vom Ballet. Ich darf ja wohl heute verraten, daß Frl. Emmy Hoffmann die Gattin des Herrn Benefizianten ist, und daß sie seit ihrem sechsten Jahre ihr Leben auf ben Brettern mit Hingebung, Ernst und Lust vertanzt hat. Nach den melodiösen Klängen der bekannten „Puppenfee"-Musik führte sie gestern in den Zwischenakten ihre abwechslungsreichen Tänze aus. Man hätte bei diesem reizenden Anblick Herrn Schneider um seine überaus anmutige „Lebenssüßigkeit", um mich eines Rosegger'schen Ausdruckes zu bedienen, beneiden mögen. Höchst jokos war ihr Janustanz, der sic uns anfangs rückwärts mit einer scheußlichen Altweibermaske zeigte, dabei mit Sicherheit und Grazie die Vorstellung einer „Vorderansicht" vortäuschend, ein offenbar recht schwieriges Tanzkunststück, um dann alsbald mit ihrem lieblichen „en facea zu überraschen. So erblickte denn gestern mancher im Theater sein blaues, oder, dekorativ richtiger gesagt, rosa Wunder. p. VV. — Altrowische Meilensteine. Der erste römische Meilenstein in Oberhessen wurde dieser Tage bei Fried berg gefunden. Friedberg war bekanntlich eines der früh angelegten Jnlandkastelle wie Wiesbaden, Hofheim, Ried, Heddernheim, Kesselstadt, durch welche die Römer schon vor der Anlage der Pfahlgrabenkastelle Maingau und Wette rau unter ihrer Botmäßigkeit hielten. Eine sorgfältig gebaute Militärstraße stellte die Verbindung mit dem Hauptquartier Mainz her. Als man später die Grenzen auf den langgestreckten Rücken des Taunus vorschob und durch gemauerte Sefeftigungen sicherte, hatte die 4. Kohorte der Vindelicier in Friedberg ihr Standlager. Der Meilenstein ist aus Naumburger (unwett Friedberg) Sandstein gefertigt, den die Römer hier fast ausschließlich verwendeten, wie den Vilbeler weiter westlich. Nach der ruinösen Inschrift wurde der Stein etwa 249 dem Kaiser Deeius Trajanus und seinen beiden Söhnen gewidmet, also gegen das Ende ber Römerherrschaft im Limeslande errichtet. Wohl die meisten Museen besitzen solche Meilensteine, wenn auch gerade die Form derselben ihre Zerstörung oder anderweitige Verwendung förderte. Sie haben vornehmlich die Gestatt einer Säule von 1—2 Mtr. Höhe, nur der zum (£ingraben in die Erde bestimmte Sockel fft viereckig behauen. Em Dtraßenstein im Trierer Provinzial* museum sieht aus rote eine Trommel von 34 Zentimeter Durchmesser und 25 Zentimeter Höhe. Die fragmentierte Inschrift meist ihn frühestens in die Zeit Caracallas. Dediziert sind die Monumente natürlich dem regierenden Kaiser. Mancherorts wurde wohl nach dem Tode desselben der Stein beseitigt und ein neuer dem Nachfolger gewidmet. Denn die Großh. Altertümersammlung in Karlsruhe bewahrt vier Meilensteine der vier aufeinander folgenden Kaiser Caraealla, Elagabalus, Alexander Severus und Gordianus. Alle Säulen tragen die Entfernungsangabe A. Aqu. L. IUI., d. h. Ab Aquis Leugie 1111. Sie standen also sämtlich vier Leugen (keltische Meilen) von Baden-Baden, an dem Orte der Straße zwischen Sinzheim und Steinbach, wo der letzte, dem Gordianus dedizierte an ursprünglicher Stelle zu Tage kam. Mehr jedoch ließen die Römer die alten Wegsteine am Platze und fetzten die neuen daneben. So traf man bei Ladenburg fünf, bei Attripp sieben, bei Heidelberg gar acht beisammen an. Im Juli 1896 zeigten sich am Brückenkopf von Mainz, Kastel, zwei Säulen am ursprünglichen Orte noch aufrecht nebeneinander; die eine wurde unter Hadrian im Jahre 122 errichtet, zu welcher Zeit der Kaiser in Obergermanien anwesend war, während die andere, mit fast gänzlich zerstörter Aufschrift, jüngeren Datums ist. Beide haben den Entfernungsoermerk Ab Aqais Maltiacorum, d. i. von Wiesbaden, die ältere in römischen, die jüngere in keltischen Metten. Nach Hofrat Zangemeisters Ansicht ist die Leugenrechnung in Obergermanien erst nach 202 nachweisbar. 1852 fand man in den Bädern von Viearello am Lago di Braceiano drei kleine silberne Meilensäulen, auf denen die ganze Reiseroute von Gades bis Rom mit Angabe aller Stationen und Entfernungen geschrieben war. Spanische Kurgäste haben damit ihre Dankbarkeit der heilenden Quelle erzeigen wollen. Diese Miliarien rührten aus verschiedener Zeit her, waren also mehr und sicherlich nicht allein in Spanien in Gebrauch. Zudem verfiel die für den Luxus arbeitende Industrie nur deshalb auf den Gedanken, Stationsverzeichnisse auf Silbergefäßen anzubringen, um einem weitverbreiteten Bedürfnisse entgegen* zukommen. Silberne Meilensteine dürften also wohl die ersten „Bädecker" gewesen sein. 1355 Heinrich Hochreuther. 1210 Eichcn-Stämme von 14—23 cm Durchm., 6—10 62 m 335 840 m Eichen-Derbslangen von 11—14 cm Durchm., 6—8 m 17 la. MhraciWen 5000 ff ff ff Mlanz am 31. Dezember 1901 Krämer. 1375 «4L Passiva. JL ä\ 5838.01 1. Waren-Kreditoren 170.29 2. Müglieder-Konto 7504.03 Summa 13512.33 Summa 13512.33 1313 werden. Heinrich Michel V., Kontrolleur. 1365 1249 und anerkannt. Holzbrunnen Nutzholz. mit 1359 Nutzholz. b) Brennholz. Schellfische Buchen-Knüppelholz, 67 rm Buchen-Scheitholz, Eichen. Nm Eichen-Reisig, 1) 3) 5) 6) Rodheim, den 13. Februar 1902. 1362 Der Bürgermeister: Bechtold. Zu verkaufen Punlop- Jährrnittel 664.87 3989-50 4449.76 1100.83 3307.36 3) 4) 44 44 24 45 1500 co IC ts 21 9 9 290 3 2 5620 2370 900 450 8 4,83 Fstm., 1,47 „ 0,57 0,87 3. Reseroefond-Konto 4. Betriebsrücklage- Konto 5. Reingewinn 80 rm 18 , a) Bau- und Eichen-Stämme Nadel-Stämme Eichen-Derbstangen Nadel-Reisstangen 16 54 12 2000 13 15 Länge = 11 Nadel - Stämme Nußkohlen melierte Kohlen Briketts Während 1901 gingen ab Daher Stand der Mitglieder Ende 1901 Treis a. d. Lda., den 6. Februar 1902. die unterzeichnete Agentur. Gießen, im 5ebruar 1902. 20 m Länge = 116 fm, Nadel-Derbstangen von 7—12 cm Durchm., 6—13 Länge — 40 fm, 42 44 fm, von 14—32 cm Durchm., bis Holz - Versteigerung in den Waldungen der Kemeinde Wieseck Aktiva. 1. Waren-Konto 2. Kassen-Konto Debitoren-Konto Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1900 Während 1901 gingen zu Schmidt, Gr.-Lmden. . L. Steinmüller, Gr.-Linden W. Steimnüllcr, Lana-Göns W. Weitzel, Lang-Gons. . Der Anfang und die Zusammenkunft ist jedesmal morgens 10 Uhr beim Gesäng, an der Lehmkaute. Bemerkt wird noch, daß am ersten Tage das Bau- und Nutzholz, am zweiten Tage das Brennholz zur Versteigerung kommt. Steinbach, den 14. Februar 1902. Groß herzogliche Bürgermeisterei Steinbach. 22 Eichcn-Stämme von 5—10 m Länge und 30—60 cm Durchmesser, mit zusammen 26,25 im, 117 Nadelholz-Stämme von 6—20 m Länge und 10 bis 35 cm Durchmesser, mit zusammsn 47,71 fm, 115 Nadelholz-Stangen I., II. und 111. Klaffe, Eichen: 27 rm Scheit und Knüppel, 78 rm Reiser 111. Klaffe und 34 rm Stockholz, Buchen: 200 rm Scheit und Knüppel, 621 rm Reiser 111. Klaffe und 41 rm Stockholz, Nadelholz: 16 rm Scheit und Knüppel und 233 rm Reiser UL Klaffe. Das Nutzholz aus den Distrikten Launscheid, Rinnberg, Heegslrauch und Hain kommt sämtlich Montag den 17. d. Ganz vorzüglichen Tafel bieuenhonig empfiehlt billigst 1248 Otto Schaar. Mts. zur Versteigerung. Tie Versteigerung an beiden Tagen beginnt um 10 Uhr vormittags. — Zusammenkunft cun^ Montag bei Nr. 1 m Distrikt Hain, am Dienstag bei der Sandgrube am DünSberg. fnr Kinder vud Krankt empfiehlt Bictoria-Drog., Marktstr. 5. Flasche 1 Mark 50 Pfg. nur allein zu haben 1249 Adler-Drogerie Seltersweg 39 Otto Schaaf. Nutz- und BmchlMrfteigttnng. Montag deu 17. und Dienstag den 18. Februar, kommt im Rodheimer Gemeindewald folgendes Holz zur Versteigerung: -Pneumatic desto und billigste Bereifung für Fahrräder Jagdvrrpachtung. Montag, 17. Febr. L Fs., nachmittags 1 Uhr, soll auf dem Gemeindehaus dahier ein Tell der hiesigen Gemeindejagd, bestehend aus Jagdbezirk Nr. 1 (Wehrholz), ca. 228 Hektar Wald und 522 Hektar Feld, nunmehr in 2 Bezirken eventl. auch zusammen auf weitere 6 Jahre nochmals verpachtet Emil Kalbfleisch, Marburgerstr. Adolf Vieler, Aiarktstraße. Karl Eichmanu, Nordanlaqe. Adolf Lenhardt, Klunkstraye. Ludwig Graf, Leihgestcrnerweg. Ioh. Seibel, Ludwigsplay. 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Februar, von 4 Uhr ab: Große närrische Kappensthung unter Mitwirkung ber Komiker des Vereins Bruderkette und des ElubS Humor. Konzert und Tanz auf Louy'S Bierkeller. Zu dieser Schlußsitzung werden alle Freunde der Narretei eingeladen. 0631 Der närrische Rat. Der Vorstand. bittet Mklltn-Gel'uche MllWtilts Montag den!7. Februar 1902: Honest*- Versammlung bei Kamerad Weller. Um zahlreiches Erscheinen bittet 169]Der Vorstand. Miiullkr-Düd mein. " Gemal-Bttsamiilliiiig: Montag 17. Febr., 8*/2 Uhr abds. 1354} Brauerei Förtsch. X^XXXXXÄÄAMU5.X1 ■ Bier Jahreszeiten iäi 47 (SrünbergerfL 47 Von Sonntag, 16. Februar ab täglich Vorstellung de" Leipziger Sänger- und Spezialitäten - Gesellschaft (Dir. W. Enge). 0628 Ferner: Das Nrkomifch^I'höi.ti-s ui miniaiure (Zwerg ' Theater). !!!Größter LachcrfolgU! Gießener Zither-Club (WohlthätigkeitS-Berein) Sonntag, 16. Februar 1902 Fmiliei-Wftz nach dem Bemhardtshäuser Hof, Klein-Linden. Abmarsch pünktlich */34 Uhr vom Seltersthor. 1327 Um recht zahlreiche Beteiligung i PATENTE«!, .Palenhnwall' iSack-leipzig^ 0634] Tüchtiges Mädchen, welches die Hausarbeit gründlich versteht und etwas kochen kann, per 1. März gesucht. Bleichstr. 33, L Montag Abend bei Kamerad Arnold. 171 DaS Kommando. Privatmann, ber vom 1. Aprü b. I. ab seinen Wohnsitz in Gießen nimmt, wünscht lägt einige Stunb. Beschäftig. Beste Ref. zu DiensL Gest. Offerten unter 1332 an bie Expeb. b. Bl.____________________ 1377] Ein mü allen Büreau- arbeiten, Buchhaltung re. bestens vertrauter Mann,mckitärsrei, sucht, gestützt auf besteZeugn.u.Referenz^ Stellung auf Bureau ob. Laaer bet bescheid. Ansprüchen. Gest.Offerte an I. Kann Söhne, Gießen. 0649] Ein Aiäbchen, welch, schon gebient hat, sucht Aushilfslelle. Näheres _ Löwengasse 18, 1. Junges Mäbch. mit gut. Zeugn. sucht Stell, als Verkäuferin in Putz- ober Weißwaren-GeschäfL Gefl. Angebote unter 0597 an bie Exp. b. BL erbeten._________ 0632] Weißzeugn. h. n. 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