Freitag 14. November LSVS Nr. 268 Zweites Blatt. 152. Jahrgang Urschet«! täglich außer Sonntags, Dem (Siebener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siehener Kamillen, blätter viermal in der Woche betgelegL RolattonSdruck u. Verlag der vrü h l'scher, Umvers.-Buch- u. St ein« bruderet (Pietsch Erben) Rebaftion, (Lroeduton und Druderet: Schul st raße 7. tlbiefle tüt Depeschenr Anzeiger Gießen. FernsprrchanlchlnßÄr 61 SietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Ve,ng4pret-, monatlich 7b Pi., viertel» jährlich All. 2.20, durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps., durch diePosl Dik.2.— viertel« jährt, ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür die TageSnummetk biS vormittags 10 Uhr, ßeilenpretS: lokal 12*01, anSroätlS 20 Psg, Verantwortlich: für den polil u. atigern, teil: P. Willko^ für ,Stabt und Canb* und ,(Send)t61aar Lurt Plato, sür den An» fletqentell: $>an6 Beck. Ale Heutige Mmmer umfaßt 12 Seiten. KeKanntmachung. ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das 1. Bataillon, Infanterie-Regiment Nr. 168, am 18., 19. und 20. November d. Js. jedesmal von 8 Uhr vormittags bis 5 Uhr nachmittags, gefechtsmäßiges Schießen mit scharfer Munition, mit Schußrichtung von Rockenberg gegen den Buch-Berg (Teller B.) südlich Münzenberg, abhalten wird. Das für den Verkehr gesperrte Gelände wird begrenzt: im Osten durch die Straße Bellershetm-Obbornhofen-Wohn- bach; im Süden durch die Linie Wohnbach-Comthur-Berg (südwestlich Wohnbach) Gabelpunkt der Chaussee Oppershofen - Södel mit dem Feldberg nach Wölfersheim; im Westen durch die Straße Rockenberg-Oppershofen und OpperShofen-Südel bis zu dem nach Wölfersheim führenden Feldweg; im Norden durch die Straße Rockenberg-Münzenberg-Trais- Alünzenberg-Bellersheim. Die als Grenze angegebenen Wege sowie die genannten Ortschaften dürfen betreten werden, jedoch muß das innerhalb dieser Grenzen gelegene Gelände 1 Stunde vor Beginn und bis 1 Stunde nach Schluß des Schießens von jedem Verkehr frei bleiben. Die beteiligten Großh. Bürgermeistereien des Kreises werden angewiesen, das Schießen in ortsüblicher Weise zur Kenntnis aller Einwohner bringen zu lassen, die Bekanntmachung nochmals am Tage vor dem jedesmaligen Schießen in den Gemeinden zu wiederholen und die Einwohner anzuhalten, den Weisungen der Posten Folge zu leisten. Gießen, den 11. November 1902. Großherzogttchcs sueisamt Gießen- Dr. Breidert. Aismmcksäuien. Ter Aufruf der deutschen Studentenschaft, „das Ge- bächtnis des verewigten Altreichskanzlers weiland Fürsten Otto von Bismarck in besonderer Weise zu ehren", hat Widerhall gesunden: eine stattliche Reihe von Bismarcksäulen und Bismaccktürmen erhebt sich auf unseren Bergen. Als Sieger in dem Wettstreite um den besten Entwurf einer Btsmarcksäule ging Architekt W. Kreis in Blasewitz bet Dresden mit dem unter dem Kennwort „Götterdämmerung" versehenen Entwurf hervor, der nun inzwischen an einer Reihe von Orten ausgeführt und im Bau begriffen, für eine weitere Anzahl in Aussicht genommen ist. Zunächst sei betont, daß es sich bei diesen Bauten nicht um die schablonenhafte Wiederholung ein und desselben Modells handelt: überall ist die Ausführung den örtlichen Verhältnissen angepaßt, je nach dem vorhandenen Steinmaterial und den verfügbaren Geldmitteln konnte überall die von den Ortsvereinen gestellte Aufgabe der Herstellung eines würdigen Ehrenmals gelöst werden. Es wird angesichts des Planes, auf unserem T a u s st e i n im Bogelsberge einen Turm zu errichten, manchen unserer Leser interessieren, folgende Zusammenstellung der ,Ttsch. Ztg." von den verschiedenen Ausführungen des Kreis'schen Entwurfes „Götterdämmerung" zum Vergleiche vor sich zu haben; man kann sich aus den Ziffern der Größenverhältnisse und der Bausummen auf diese Weise selbst am besten ein Bild machen. Zunächst die größeren Bauwerke. Hier steht Braun- /chweig mit seiner 23 Meter hohen Bismarcksäule aus Kalkstein, Bausumme 30 000 Mk., an erster Stelle. 20 Meter hoch sind die Säulen von Hagen i. 253. (Sandstein 40000 Mk).), Hildesheim (Kalkstein 2d 000 Mk.), Cassel (Quarzit, 20000 Mk.); mit 18 Metern folgen Landstuhl in der Pfalz (Sandstein, 20 000 Mk.), Pleizenhausen im Hunsrück (Schiefer, 6000 Mk., von Bauern und Bauleuten zum g r ö ß t e n T e i l u m s o n st h e r g e st e l l t!), Itzehoe (schwedischer Granit, 25 000 Mk.), Lüdenscheid (Grauwacke, 25 000 Mark), Gera (Kalkstein, 25 000 Mk.), Plauen t V. (Granit, 30000 Mk.), Ronneburg (Kalkstein, 25 000 Mk.), Dresden (Sandstein, 30 000 Mk.), Augsburg (Kalkstein, 50 000 Mk.), Friedrichsruh (Granit, 45 COO Mk.), Stuttgart (Sandstein, 25 000 Mk.). Weiter sind zu nennen Viersen Rhld. (16,5 Meter, Grauwacke, 19 000 Mk.), Erfurt (17,5 Meter, Kalkstein, 38 000 Mk., einschl. Grundstück), Eisenach (16 Meter, Kalkstein, 18 000 Mk.), Coburg (15 Meter, Granit, 20 000 Mk.), Frankfurt a. O. (15 Meter, Granit, Bausumme ?), Heidelberg (15 Meter, Sandstein, 18 000 Mk.), Markneukirchen L Voigtl. (13 Meter, Granit, 12 000 Mk.), Zehdenick i. Mark (14 Meter, Granit, 9000 Mk.), Görlitz (13 Meter, Granit, 21 000 Mk.), Bonn (13 Meter, Grauwacke, 17 000 Mk.), Fraustadt (12 Meter, Granit, 10000 Mk.), Kirn, Rhld. (12 Meter, Granit und Basatt, 12 000 Mk., Greifswald (9,7 Meter, Granit, 10 000 Mk., Rostock (7,5 Meter, Granit, 6000 Mark). Für Rheinhessen ist ein besonderer Entwurf von W. Kreis ausgearbeitet, als Gegenstück zu dem gegenüberliegenden Niederwalddenkmal; es soll ein gewaltiges, eigenartiges Bauwerk errichtet werden mit vornehmer bildhauerischer Ausschmückung, 30 Meter hoch, Bausumme etwa 70000 Mk. Nürnberg plant ein besonders großartiges Bau- werk, eine Ruhmeshalle mit monumentalem, von Riesen flankiertem Portal, 30 Meter hoch, 16 Meter breit und tief. Tie Kosten ?,ind aus 120—150 000 Mk. geschätzt; und um auch noch der Deutschen in Böhmen zu gedenken: auf dem 8G0 Meter hohen Hemberg bei Asch ist eine 33 Meter hohe Dismarcksäule aus Granit im Bau begriffen, deren Baukosten etwa 45 000 Kronen betragen werden. Bon den beiden anderen Entwürfen desselben Architekten, die den zweiten und dritten Preis bei dem von der Studentenschaft ausgeschriebenen Wettbewerb erhielten, ist keiner zur Ausführung gekommen. Wir haben absichtlich diese Liste, die nach dem Kreis- schen Entwürfe ausgefübrten Bismarcksäulen etwas ausführlich gehalten: geht doch aus der Zusammenstellung so am deutlichsten hervor, daß selbst im Rahmen dieses sozusagen „offiziellen" Entwurfes mit wenig Mitteln ein seiner Bestimmung würdiges Denkmal geschaffen werden kann. Es find uns Fälle bekannt, wo an kleinen Orten die Bewegung für eine Bismarcksäule schon vor dem allerersten Bedenken Halt macht: wie bringen wir die hohen Kosten auf? Ta läßt sich mit gutem Willen und — Zähigkeit denn doch manches erreichen, was zunächst unmöglich erscheint. Tie erste Frage, die sich jeder Ortsausschuß vorlegt, der in die vorbereitend-en Arbeiten für die Errichtung einer Bismarcksäule eintritt, wird meist lauten: Sollen wir eine Feuersäule nach dem Kreisschen Entwürfe oder nach einem neu entworfenen Plane eines anderen Architekten errichten, oder sollen wir einen Bismarck türm bauen, der zugleich als Aussichtsturm dienen kann. Tie erste Bedingung für das Zustandekommen ist die praktische, umsichtige Ausnützung der gegebenen Lage. Beispiele überzeugen am besten: Auf dem das nördliche Vorhand des Rhöngebirges weithin bis zum Thüringerwalde beherrschenden Oechsen- berge, einem 627 Meter hohen und 300 Meter frei aus dem Werrathale aufsteigenden, mit schönem Buchen- und Nadelwald bestandenen Basaltkuppe bei dem sachsen-wei- marischen Städtchen Vacha a. d. Werra, errichtete die Sektion Vacha des „Rhönklub" im Laufe des letzten Sommers einen 12 Meter hohen, 4 Meter im Geviert haltenden Bismarck-Aussichtsturm auf den auf der Berg- kuppe gefundenen Basalttrümmern. Ten örtlichen Bedürfnissen entsprechend enthält der stattlich gedrungene Bau ein Erdgeschoß und zwei Stockwerke, deren drei Zimmer zu Winjchastszwecken für die Besucher des Berges und als „Rhön-Museum" nützbar gemacht werden. Bauletter war Architekt Walther Herwagen aus Eisenach, die Baukosten betrugen etwas über 6000 Mark. Als bildhauerischen Schmuck schenkte ein Gutsbesitzer aus der Umgegend zwei Bronzereliefs, Bildnis und Wappen Bismaras. Ein anderes bemerkenswertes Beispiel ist der von der qc;eiligen Vereinigung „Rudolstadter Abend" auf dem Zregcnhcimer Berge bei Rudolstadt unter Leitung des dortigen Architekten G. Schinzel erbaute Bismarckturm, der erste in Deutschland errichtete! Der runde Turm mit Zinnen ist 10 Meter hoch, 3 Meter stark und trägt als Schmuck das 1 Meter yohe, 0,75 Meter breite Wappen des Altreichskanzlers mit Wappenspruch, ausgeführt von einem dortigen Steinmetzen; an dem Turm schließt sich ein 4 Meter im Geviert haltender Anbau. Baumaterial: Kalksteinmauerwerk und Stampfbeton. Ueber die Kosten des Baues heißt es in den Angaben: Baugrund geschenkt, desgl. die daneben gebrochenen Steine. Maurer-, Zimmerer- und Schlosserarbeit einschl. Fuhrkosten 2000 Mark, Bauleitung gratis; Innere kostbare und stilgemäße Einrichtung lOOu Mark. Auch die zweite im Reiche errichtete Bismarcksäule kann hier als Muster gelten: Bei Birnbaum a. W. (Prov. Posen) wurde 1898/99 eine 13 Meter hohe, 6 Meter im unteren Durchmesser haltende Bismarufäule aus behauenen Granitfindlingen nach Entwurf und unter Leitung des Kgl. Kreisbauinspektors Rieck in Birnbaum errichtet. Die Angaben über die Baukosten lauten hier: Bauplatz, etwa ein Morgen, wurde geschenkt. Die Anschlagskosten betrugen <900 Mk.; Honorare sindnichtgezahlt, die Zufuhr- straße wurde gleichfalls auf geschenktem Terrain hergerichtet. Auch diese Verhältnisse: Entwurf und Bauleitung durch einen einheimischen Archttekten, Benutzung vorhandenen Baumaterials und — was ja glücklicherweise nicht zu den Ausnahmen gehört, — die dankbare Opfer- Willigkeit begüterter Mitbürger können als Beispiel dienen, wie richtig gelettetes Zusammenarbetten zu gutem Ziele führt. Zum Schlüsse sei noch die am 13. Oktober eingeweihte Bismarct,äule auf dem Jakobsberge an der Porta Westfalica genannt. Auch ,ie ist von einem einheimischen Architekten entworfen, aus braunem Weser sand st ein errichtet, 22,5 Meter hoch, mit Broncereliefs (Bild und Wappen). Die Angaben über die Baukosten mögen als Beispiel für einen Kostenanschlag hier Platz finden: 1. Ausrufe, Truckfachen, Porto, Ansichtskatten, Kosten der Geldfaminlung, Veranstaltungen re. ... . 800 Mk. 2. Architektenhonorar, 5 v. H. des Anschlages ... 1000 „ 8. Grunderwerb ........ 1000 „ 4. Regulierung und Einfriedigung des Platzes ... 1 750 „ 5. Verdungene Baukosten......... * . 20 OüO „ 6. Relief und Wappen nebst Anbringung ..... 1200 „ 7. Verschiedene unvorhergesehene Ausgaben . . . ._____250 „ zusammen 26 000 Mk. Soviel sich zur Zeit übersehen läßt, sind jetzt 21 Bismarcksäulen und -Türme nach Kreisschen Entwürfen, 22 nach selbständigen Plänen einheimischer Architekten fertig bezw. im Bau, abgesehen von etwa 15 Türmen ohne Feuerbecken. Freilich machte sich bei der Neuheit der Sache im Laufe der letzten Zeit das Fehlen einer Zentralstelle zur Erteilung sachkundiger Vorsu-läge in Bezug auf Entwürfe, Kostenanschläge und andere Fragen der prakti.chen Ausführung allenthalben fühlbar. Als besonders wichtig hat sich namentlich die Frage nach einem geeigneten Feuerungsmaterial herausgestellt. Hier das Richtige zu finden, ist nur durch Austausch der Erfahrungen möglich So schrieb der Vorstand eines Bismarckmrm-Vereins in Thüringen noch kürzlich: „Wenn uns über das Material und die Zuiammen- setzung des FeuerS für die Feuerbecken die Versuche und Erfahrungen anderer Vereine mitgeteilt würden, wären wir Ihnen dankbar. Wollen Sie nicht einen Austausch von Ansichtspostkarten der bis jetzt errichteten Türme und Säulen in die Wege leiten? Jeder Verein würde das mit Freuden begrüßen." Hier könnte in der That die sonst recht überflüfiige Ansichtspostkarte einer guten Sache dienstbar gemacht werden. Eine gut ausae- führte (am besten photographische) Ansichtskarte fördert die Veranschaulichung besser wie Zahlenangaben und lange Beschreibung. Wünschenswert wäre auf der Karte die Angabe des Architekten, des Baumaterials, der Baukosten und der Größenverhältnisse. Tas wäre ein gangbarer Weg, den Mangel einer zentralen Auslunftsstelle in allen Fragen der Bismarcksäulen-Bewegung zu ersehen. grutfdjcr ^idjstag. (Schluß aus unserer heutigen Parlamentsausgabe.) Abg. Richter hält den Antrag auf einfache Tagesordnung geschäftsoronungsmäßig für unzulässig, weil er nach Schluß der Diskussion gestellt fei. Wäre es anders, so müßte nach Schluß ocr Diskussion noch ein Redner für und ein Redner dagegen das Wort erhalten haben. (Sehr richtig! links.) Käme nach Schluß der Diskussion ein solcher Anrrag, so müßte man nachher, wenn einem das Wort abgeschnitten sei, nochmals zur Sache das Wort erhalten; das wurde die Konsequenz sein. Abg. Dr. Sattler (nl.) spricht seine Verwunderung darüber aus, daß der harmlose Antrag Aichbichler als ein Umsturz der Geschäftsordnung betrachtet werde. Der Antrag auf Tagesordnung fei immer, also auch nach Schlup der Diskussion, zulässig. Abg. Singer beantragt, um 91/4 Uhr Vertagung bei Sitzung und darüber namentliche Abstimmung. Tie Vertagung wird mit 188 gegen 71 Stimmen ab ge» lehnt. An der weiteren Debatte beteiligen sich noch die Adgg. Südekum (Soz.) und Baud er t (Soz.), der sich einen Ordnungsruf des Präsidenten zuzieht, wett er wiederholt von einer Vergewaltigung der Minorität im Reichstage spricht und einen zwetten Ordnungsruf, wett er das Verfahren der Mitglieder der Rechten mit dem ihrer Vorfahren, die er als Strauchritter bezeichnet, vergleicht. 'pra, ident Graf Balle st rem: Darüber, ob der Antrag Normann-Spahn gescbäftsordnungsmäßig zulässig ist, ober nicht, giebt es bei dem Widerstreit der Meinungen nur einen Richter, das Haus selbst. Ich werde deshalb das Haus befragen, ob es den Antrag Spahn auf einfache Tagesordnung für zulässig hält. Abg. Singer beantragt hierüber namentliche Abstimmung. Der Antrag wird genügend unterstützt. Mtt 187 gegen 65 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen erklärt sich das Haus für die Zulässigkeit des Antrages. Der Präsident teilt mit, daß nach einer Meldung der Hausverwaltung die elettrische Beleuchtung des Hauses nicht mehr langer ausreichen werde, und schlägt deshalb vor, die weitere Beratung abzubrechen. Schluß: 9.45 Uhr. Mchste Sitzung: Freitag 12 Uhr. (Fortsetzung der Beratung des Antrages Aichbichler und des Zolttariss.) Deutsches Deich. Berlin, 13. vlob. Ter Kaiser ist für den 3. Dezember zu einem Besuch auf Schloß Trachenberg an gemeldet, und gedenkt, am 4. und 5. Dezember an den Jagden des Fürsten von Hatzfeldt teilzunehmen. — Aus eine von der Prinzessen Karl zuSalm-Horst- m a r, geb. Prinzessin zu Hohenlohe-Schillingsfürst, gegebene Anregung hin ist in Berlin am 12. November unter Zustimmung von 71 Fürstinnen (zwei Königinnen, 35 Fürstinnen aus regierenden und 34 ans vormals reichsunmittelbaren Häusern) ein Verein deutscher Fürstinnen zur Hebung der Sittlichkeit gegründet worden. — Die Zahl aller zur Zolltarif vorlage bei dem Reichstage eingelaufenen P e t i t i 0 n e n beträgt nach heutiger Feststellung 113118, darunter sind 16 854, die sich allein auf das Zolltarifgesetz beziehen. — Auf Anregung des Buren-Obersten Schiel wird hier ein Komitee zur Unterstützung der Witwen und Waisen der tm Burenkriege gefallenen Deutschen zusammentreten. — In der heutigen Sitzung des Bund esr a ts wurde die Vorlage betr. dte Uebersicht der Ausgaben und Einnahmen der Landesverwaltung von Elsaß-Lothringen für das Rechnungsjahr 1901 den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Alsdann wurde Beschluß gefaßt über oen dem Kaiser zu unterbreitenden Vorschlag wegen Besetzung der zum 1. Januar 1903 frei werdenden Stelle des Präsidenten des Bundesamts für Heimatswesen. Zugestimmt wurde ferner den Ausschußanträgen betreffend den Kostenetat der Zollverwaltung für die Freie und Hansestadt Hamburg, den Kostenetat der Zollverwaltung für das Großherzogtum Luxemourg, sowie dem Ausschußberichte über die Vorlage betreffend Verleihung von Korporationsrechten an die mit dem Sitze in Tsingtau gebildete deutsch-chinesi- sche Seiden-Jndustrie-Gesellschaft (Kolonialgesellschaft). — Die Kinderarbeitskommission des Reichstages genehmigte die §§ 14, 16, 17, sowie den § 15 mit einer Abänderung, nach der bezüglich der eigenen Kinder es überhaupt verboten ist, in Gastwirtschaften Mädchen bei der Bedienung der Gäste, sowie Knaben unter zwölf Jahren zu beschäftigen. Braunsajroetg, 13. Nov. Die dem Landtage zugegangene Vorlage betreffend authentische Auslegung des Regentschaftsgesetzes von 1879, wonach bei einem etwaigen Wechsel in der Person des erbberechtigten Thronfolgers die Regentschaft solange bestehen bleiben soll, bis ein an der aktuellen Ausübung der Regierung nicht behinderter erbberechtigter Thronfolger die Regierung antritt, führt in der Begründung aus: Die Vorlage erfolge, um alle Zweifel über die Auslegung des Regentschaftsgesetzes zu beseitigen, die zwar nutzt von fetten der Regierung beständen, aber andererseits neuerdings geltend gemacht worden seien. Die politische Lage des Herzogtums habe sich seit der letzten Thron erledigung nicht geändert. Auf eine durch neuerliche Vorkommnisse veranlaßte Anfrage des herzoglichen Staatsministeriums sei von maßgebender Stelle des Reiches kein Zweifel darüber gelassen worden, daß nach der dortigen Auffassung in den that- sächlichen Verhältnissen keinerlei Aenderung eingetreten sei, die den Bundesrat veranlassen könnte, eine andere, als im Bundesratsbeschluß von 1885 gekennzeichnete Stellung in der Thronfolgerfrage einzunehmen. Ebensowenig sei dem herzoglichen Staatsministerium eine Thatsache bekannt gemacht worden, die zu dem Schlüsse berechtige, daß seitens des Hauses Braunschweig Schritte geschehen seien, um eine Entscheidung bezüglich der schwebenden an die letzte Thronerledigung im Herzogtum sich knüpfenden Fragen herbeizuführen. Die Annahme sei also berechtigt, daß in absehbarer Zett eine Aenderung in den Verhältnissen des Herzogtums nicht eintreten werde. Ausland. Dublin, 13. Nov. In Waterburg wurden 11 Mitglieder der irländischen Liga zu 500 Pfund Schadenersatz an einen von der Liga boykottierten Kaufmann verurteilt. London, 13. November. Das chinesische Bureau des Auswärtigen Amtes erklärte nach einer Shanghaier Meldung der »Daily Mail", daß die Räumung Shanghais durch die verbündeten Truppen einschließlich der deutschen binnen Kurzem stattfinden werde. Die von Deutschland errichtete permanente Kaserne werde vollendet und dann von der deutschen Negierung an eine deutsche Firma vermietet werden. Dersingham, 13. Nov. Kaiser Wilhelm, König Eduard, der Prinz von Wales und der deutsche Botschafter Graf Wolff-Meternich begaben sich heute vormittag nach Flitcham zur Rebhühnerjagd. Sie nahmen nach dem das Frühstück im Zelt ein. Das Wetter, in den letzten Tagen ungünstig, ist nunmehr herrlich. Brüssel, 13. November. In der heutigen Kam mer- sitzung wurde beschlossen, eine Delegation an den König zu entsenden, um ihm zum Tode der Königin zu kondolieren. Hierauf gab der Abg. Denis im Namen der sozialdemokratischen Partei eine Erklärung folgenden Inhalts ab: Wir neigen uns vor dem Tode und bedauern die ver- lasiene Gattin und Mutter, an deren Sarge nicht einmal ihren Töchtern zu fnieen und zu beten erlaubt war." Er sprach hierauf von der bekannten Angelegenheit der Prinzessin Stefani und fuhr fort: „Der König hat die größte Gleichgiltigkeit bei dem ganzen Vorfall gezeigt und unser menschliches und unser republikanisches Gefühl erlaubt uns nicht, uns an der Delegation an den Monarchen zu beteiligen." Die Rechte der Kammer verhielt sich bei dieser Erklärung durchaus schweigend und auch die Minister erwiderten nichts. Paris, 13. Nov. Kammer. Bei Eröffnung der heutigen Sitzung wurden im Saale von der Wandelhalle her Schüsse vernommen, was eine leichte Erregung hervorrief. Die Unruhe legte sich, als man erfuhr, daß der Urheber des Zwischenfalles ein Feldwebel in Uniform war, der auf Einlaß zur Tribüne wartete und plötzlich unter dem Rufe: „Es lebe das Vaterland!" vier Revolverschüsse abgab. Der Feldwebel wurde verhaftet. Er war im Niarinelazaret von Marseille angestellt und hatte dort eme leichte Strafe erhalten. Er giebt an, nach Paris gekommen zu fein, um sich zu rächen, und wenn man ihn nicht zurückgehalten, hätte er alle Nationalisten getötet, denn er sei em guter Republikaner. Der offenbar geistig Verwirrte wurde ins Depot geschickt. Madrid, 13. Nov. Die Verhandlungen zwischen Sa- gafta und Römers Robledo zerschlugen sich. Infolgedessen ist die Kabinetsbildung vollständig gescheitert. Sagasta begab sich heute mittag ins Schloß. Als er es wieder verließ, bestätigte er den Kampf mit Schwierigkeiten. New - Pork, 13. Nov. Oberst Blake von der irischen Burenbrigade ist hier eingetroffen, um eine Vortragsreise durch die Vereinigten Staaten zu unternehmen. Er äußerte in einer Rede die Ansicht, der Zweck der Reise Chamberlains nach Südafrika sei, die Stimmung unter den englischen Kolonisten zu verbessern, aber nichts für die Buren zu thun. Üiiir wenig Buren hätten den Treueid geleistet, und zwar gezwungen. Aus Ztudt und &anik (liegen, 14. November 1902. •* Gedenktage. Zu Ajaccio wurde am 15. November 1784 Jerome Bonaparte geboren. Er widmete sich dem Seewesen und heiratete in Nordamerika die reiche Kaufmannstochter Elisabeth Patterson. Durch den Frieden zu Tilsit erhielt Jerome das neugeschaffene Königreich Westfalen. In üppiger Pracht lebte er in Kassel mit seiner zweiten Gemahlin aus dem Hause Württemberg. 1813 sioh er nach Paris. Nach der Thronbesteigung Napoleons 111. verbrachte er als eventueller Kronerbe den Rest seines Lebens im Genuffe seines neuen Glückes mit seiner dritten Gemahlin, einer Italienerin. ** Gin Eisenbahnmalheur. (Amtlich.) Gestern mittag führ der Güterzug 7547, von Friedberg kommend, anstatt in das für ihn bestimmte Gleis 76, infolge eines Mißverständnisses in das daneben gelegene Gleis 75, das noch mit Wagen besetzt war. Ter Gülerzug 7547, der vorher vor dem Einfahrtssignal zum Halten gekommen war, befand sich in langsamer Fahrt, trotzdem war es dem Loko- motiv- und Zugpersonal wegen des starken Gefälles von 1:150 nicht möglich, ihn rechtzeitig vor der Wagenaoteilung zum Stehen zu bringen, sodaß ein Auffahren nicht vermieden werden konnte. Hierbei en l gleisten die beiden letzten Wagen der Abteilung und die Maschine des Kiaes 7547 und wurden unerheblich beschädigt. Ter Schaden beträgt nach überschläglicher Schätzung 150—200 Mark. Verletzungen von Personal kamen nicht vor. Infolge der Entgleisung trat eine kurz dauernde Sperrung des Einfahrtsgleises ein, sodaß die beiden Mtt- tagsschnellzüge von Frankfurt a. M. von der Haltestelle Großen-Linden ab in falschem Gleis fahren mußten. — Justus von Lrebig. Zu Ehren von Liebigs lOOjährgen Geburtstage soll in Darmstadt, wie man uns mitteilt, am 12. Mai n. Js. eine große akademische Feier stattfinden, die von der Technischen Hoch- chule und von der Stadtverwaltung gemeinsam veranstaltet wird. *♦ Dynamit-Attentat auf die Eisen bahn? Mir berichteten gestern von einem anonymen Schreiben, wonach im Bezirk Köln ein Dynamitattentat auf die Eisenrahn geplant sei. Wie nun der „Rheing. Anz." berichtet, i’t auf einem Teil der rheinischen Eisenbahnstrecken das Personal zur Ueberwachung der Schienengleise verstärkt und scharfe Kontrolle angeordnet worden. Es soll dies mit der Entdeckung eines größeren Dynamit-Dieb- tahls am Niederrhein zusammenhängen. Ebenso ist auch auf der Strecke Gießen-Wetzlar-Köln das Personal am verflossenen Sonntag zur Ueberwachung der Schienengleise in außergewöhnlicher Weise verstärkt worden, so daß fast alle 200 Schritt ein Posten stand. Die sozialdemokratische Fraktion will den vorgestern von uns erwähnten Vorfall, der zwei rus- ische Studenten an der Darmstädter Techni- chen Hochschule betrifft, zum Gegenstand einer Jnter- rettation im Landtag machen. — Auch außerhalb Darm- tadts wird russischen und polnischen Studenten nicht ohne weiteres die Immatrikulation zugestanden. In Berlin werden deren Pässe zunächst dem Polizeipräsidium von der Unibersitätsbehörde in Verbindung, und nachdem diese den betreffenden Bewerber als politisch keiner Umtriebe verdächtig anerkannt hat, erfolgt erst Immatrikulation. Die Berliner Universitätsbehörde hat dies Verfahren feit der «ekannten Demonstration bei den Vorlesungen des Pro- essors Schiemann eingeführt, also seit Beginn des diesjährigen Sommersemesters. Im Anschluß an diese Affaire teilte es sich nämlich heraus, daß Berlin thatsächlich als ein Herd polnischer und russischer Bestrebungen anzu- ehen sei. Es erfolgten damals aus diesen Gründen etwa 30 Ausweisungen, und man war genötigt, zu obiger Maßregel zu greifen, da die von der Universität aus erfolgende Prüfung des Passes bezw. der Papiere keine Gewähr dafür rot, Individuen von der Universität fernzuhalten, die rerartigen Umtrieben huldigten, für diese unter ihren Mit- tudierenden Propaganda machten, und die schließlich dazu ühren würden, die Hochschulen zu einer Brutstätte für olche Bestrebungen herabzuwürdigen. Die Maßregel mußte )aher im Einverständnis mit den Staatsbehörden auf allen Berliner Hochschulen eingeführt werden. Daß man in Darmstadt die gleiche Vorsicht handhabt, ist u. E, wie gesagt, aus verschiedenen Gründen nur zu billigen. §§ Darmstadt, 13. Nov. Der schon einmal im April liefe» Jahres wegen U e b e r s ch r e i tu n g des gesetzlichen Züchtigungsrechtes von der hiesigen Strafkammer zu einer Geldstrafe von 40 Mk. verurteilte 21jährige Schulverwalter Peter S. aus Lindenfels, zur Zeit in Beedenkirchen, hat sich heute wegen des gleichen Deliktes zu verantworten. Er war von Oktober v. I. ab an Stelle des erkrankten Lehrers Hensel nach Langstadt berufen worden und traf dort die ihm übertragene Klasse, welche ca. 66 Schüler im Alter von 10 bis 14 Zähren enthielt, in so disziplinär vernachlässigtem Zustande an, daß es ihm kaum gelang, sich Gehorsam und Ruhe zu verschaffen, da die Kinder durch längeres Kranksein des früheren Lehrers und öftere provisorische Verwaltung der Lehrer- steile sich alle möglichen Freiheiten erlaubten und kaum glaublichen Unfug und Allotria trieben, nur um den Lehrer zu ärgern. Obwohl nun dem S. mit Rücksicht auf seine Vorstrafe von seinem Vorgesetzten jedes Züchtigungsrecht verboten worden war, ließ er sich doch zu einer ganzen Anzahl Überschreitungen hinreißen, die ihm sowohl von seinem Vorgesetzten, dem Kreisschulinspektor wie von dem Pfarrer als dem Vorsitzenden des Schulvorstandes in Anbetracht der vernachlässigten Disziplin ein schärferes Vorgehen empfohlen worden war. S. hat in einzelnen Fällen die Mädchen und Knaben stark in die Wangen gekniffen und durch Herumdrehen der Hand starken Schmerz verursacht; mehrere Knaben hat er geschüttelt und gegen die Wand geworfen, einer ist bei dem Schütteln zur Erde gefallen und S. hat wiederholt nach ihm getreten; einem Mädchen hat er das Ohrläppchen blutig gerissen, einem anderen die Nase gedrückt, daß sie wiederholt blutete, einem weiteren drückte er die Kehle blau, die meisten schlug er trotz des Verbotes mit einem, wenn auch kleinen Stock, und zwar nahm er alle diese Züchtigungen aus geringfügigen Ursachen vor, weil meist die Kinder Rechenaufgaben nicht zu lösen vermochten oder beim Singen nicht richtig Atem holten. Nach verschiedenen Zeugenaussagen soll S. auch unsolid gelebt haben und oft nach Mitternacht erst aus dem Wirtshaus gekommen, einmal sogar geführt worden fein. Ter Kreisschulinspektor stellt ihm sonst ein gutes Zeugnis aus; auch der Gerichtshof ließ mit Rücksicht auf die große Erregung, in der sich S. durch die fortwährenden Aerger- nisse mir den renitenten Schülern befand, Milde walten und verurteilte chn wegen Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes in sieben Fällen in eine Geldstrafe von 110 Mark, eventuell 22 Tage Haft. Ter Staatsanwalt hatte drei Monate 11 Tage Gefängnis beantragt. — Wegen fahrlässiger Tötung wurde der bisher gutberufene Fuhrknecht Hrch. Graf aus Göllheim, welcher schon sieben Jahre in der Brauerei Toreger in Worms bedienstet ist, in eine Gefängnisstrafe von zwei Monaten verurteilt. G. fuhr im September d. I. mit seinem Bierwagen, welcher mit einer Leinwanddecke überspannt war, auf der Landstraße von Schönberg nach Bensheim a.B. Dabei kam das Hinterrad zu nahe an eine an einem Baum stehende Letter, auf welcher der Schreiner Hrch. Korb Obst abmachte; die Leiter fiel um, zerbrach und Korb fiel herab und erlitt so schwere Schädelverletzungen, daß er alsbald starb. Ta G. bisher sehr gut berufen war, wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt. sä. Darmstadt, 13. Nov. Die Stadtverwaltung hat ein Gesuch an die Reichsregierung gerichtet, bamit die in Hessen zu errichtende Reichsbank st eile hierher gelegt werden soll. Soweit bekannt, dürfte diese Frage im Schooße der maßgebenden Persönlichkeiten erledigt sein. Bekanntlich hat die Reichsbank schon vor Monaten das in der Rheinstraße, Ecke der Kasinostraße gelegene Merck'sche Wohnhaus für 80 000 Mk. käuflich erworben. Wie nun bestimmt verlautet, sind die Pläne zu dem Um», resp. Neubau eines imposanten Geschäfts- und Wohnhauses fertiggefteUt und sogar die Arbeiten, welche zu ca 400 000 Mk. veranschlagt sind, seiner Karlsruher Firma in General-Entreprise Übertragen worden. — Auch die hessische Landeslotterie-Tirek« tion hat mit Rücksicht auf die beschränkten, in verschiedenen Gebäuden untergebrachten Räume sich zu dem Ankauf eines eigenen Heims entschlossen. Es ist hierzu das Goldschmidt'sche Anwesen Ecke der Bismarck- und Wendeistraße, für 105 000 Mark erworben worden. Das Haus soll Wohnung deS Lotterie-Direktors werden, während auf dem ausgedehnten Terrain ein großer Bau für Bureau-Räume mit ZiehungS- faal 2C. errichtet werden soll. — lieber den hiesigen Bahn» Hofsumbau werden jetzt nähere Details von den Beratungen der Sachverständigen bekannt. Darnach ist die Tiefer- legung der bisherigen Geieise um eine entsprechende Erhöhung des unteren Teils der Rheinstraße geplant, weich' letztere bann über die Bahn wegführen würde. Die ganzen Perron- Anlagen würden dann weiter nach Norden verschoben. — Mit großer Freude werden die jetzt bald beendigten. Reinigungsarbeiten des Daches des bisherigen Main-Neckarbahn- hofes begrüßt. Eirka 15 Jahre lang ließ man Rauch, Ruß 2C. sich ansammeln, bis endlich die Vereinigung außer mancherlei anderen Annehmlichkeiten auch dieses fiele mystische Halbdunkel in eine erfreuliche Helle gerückt hat. Die Kosten der Reinigung werden zudem durch Ersparnis an Licht bald doppelt ersetzt fein. — Wie wir hören, muß in allernächster Zeit an eine bedeutende Vergrößerung unseres elektrischen Werkes gedacht werden, da z. Zi. alle Maschinen mit höchster Anspannung ihrer Kräfte arbeiten und bei einem unter Um» tänden gar nicht zu verhindernden Versagen irgend eines wichtigen Faktors unglaubliche Kalamitäten entstehen könnten. Der Großherzog beabsichtigt, im Laufe der Woche dem Werke einen Besuch abzustatten. Mainz, 13. Nov. Wegen einer vor längerer Zett begangenen Unterschlagung wurde derGehilfe eines hiesigen Rechtsanwaltes verhaftet, gegen eine Kaution von 10 000 Mark aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch andere Personen sollen in diese Unterschiag- ungsgeschichte verwickelt sein, doch ift die Untersuchung Darüber noch nicht abgeschlossen. Infolge einer anonymen Denunziation kam die Unterschlagung an den Tag. Mainz, 13. Nov. Vor einigen Tagen fand hier eine Konferenz von Vertretern verschiedener kaufmännischer Vereine, des Vereins der Kaufleute und anderer Interessenten tatt, um über eine wünschenswerte Reform der Bestimmungen über die Sonntagsruhe eine Besprechung zu halten, die späteren Beratungen als Grundlage bienen ,oll. Allseitig sprach man sich dahin aus, daß eine Abänderung der Bestimmungen über die Handhabung der kaufmännischen Sonntagsruhe dringend notwendig erscheine. Nach eingehender Beratung tarn die Versamm- ung zu dem Beschlüsse, daß unter keinen Umständen an der Trennung der Geschäftszeit an Sonntagen, wie dieselbe heute bestehe, festgehalten werden könne, sondern daß das Offenhalten der Geschäftsräume ohne Unterbrechung stattzufinden habe. Als Geschäftszeit seien die Stunden von 1/211 Uhr bis 1 Uhr festzusetzen, unter Berücksichtigung derjenigen Geschäfte, für die das Gesetz besondere Ausnahmen gestatte (Spezereiwarenhändler, Ntetzger, Bäcker usw.). In Engros-Geschäften, Fabriken usw., mit Ausnahme der an der Schiffahrt interessierten Geschäfte, soll eine Beschäftigung an Sonntagen überhaupt nicht gestattet sein. Ferner sei zu erstreben, daß für das ganze Großherzoa- tum Hessen eine einheitliche Sonn t a gSruhe eingeführt werde. —t— Mainz, 13. Nov. Auf der Strecke Mainz-Worms wurde gestern gegen Abend unfern des Bahnhofes der Station Osthofen an einem Uebergang ein Weichenwärter von einem Güterzug überfahren. Dem Unglücklichen, der sofort tot war, wurde der linke Fuß sowie der Unterleib von dem Zug abgerissen. Ter Ueberfahrene wurde erst einige Zeit nach dem Unfall von zwei Arbeitern auf der Strecke gefunden. Mainz, 13. Nov. Ter Finanzausschuß der Stadtverordnetenversammlung lehnte den Antrag, das Oktroi auf Kohlen aufzuheben, ab, beschloß jedoch, daß die städtische Behörde Kohlen an kaufen und zu ungefähr 87 Pfg. pro Zentner an Unbemittelte abgeben soll. Fulda, 11. Nov. Die gestrige Sitzung der Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich mit der Aufhebung der städtischen Flei sch st euer. Tie zur Prüfung dieser Frage eingesetzte Kommission legte das Ergebnis ihrer Beratungen in zwei Anträgen vor, welche dahin gingen, in erster Reihe die städtische Fleischsteuer vom L April 1903 ab ganz aufzuheben und zur Deckung des dadurch im Stadtsäckel entstehenden Defizits von etwa 30000 Mk. eine Erhöhung verschiedener Steuerarten eintreten zu lassen, zweitens, im Falle der Ablehnung dieses Antrages den Magistrat zu ersuchen, die Nleischsteuer-Ordimng berart umgeändert zur Vorlage zu bringen, daß die einheimi, scheu Gewerbetreibenden gegenüber der auswärtigen Konkurrenz mindestens gleich günstig gestellt werden und daß für den durch Abänderung der Ordnung entsteheiiden f> nanziellen Ausfall die Einführung einer Steuer aus Wild, Geflügel und sonstige Fleischdelikatessen in Erwägung gezogen werden möge. Die Stadtverordnetenversammlung be* ,chloß, die ganze Angelegenheit der Etatskommission zu überweisen. _____________ Drude Feier. N. Gießen, 14. Nov. 1902. Ter Fackelzug zu Ehren Herrn Pros. Tr. Drude, der drei ehrenvolle 9tufc nach anderen Universitäten, der letzte nach Leipzig, ausgcichlagen hat, gestaltete sich zu einer der imposantesten Ovationen, die je Gießener Dozenten dargebracht worden siiid. Vollzählig erschienen die Korporationen um 8 Uhr an Oswalds Garten, mit ihnen eine Anzahl Nichtinkorporierte. Unter Vorantrttt eines Musikkorps bewegte sich der Zug durch die Neustadt, Marktstraße, Marktplatz, Seltersweg, Südanlage, Gartenstraße, Ludwigsptatz, Ludwigs- und Goethestraße und nahm an der Ecke Stephan- ftraße vor dem physikalischen Institut Ausstellung. Ein L eien die SLÄ non er BeriuksiGuHw, besondere ger, Backer usw.s $ ut Wugnafynt der an , foll eine ÄeMtig- ejtatiei fein, ferner > , Ltteäe Main^Woml i des Bahnhofes de rgang ein Weiche«' überfahren, ta wurde der sinke W abaerissen. Ter h dem Wall MM Antrag, das Dm» \x4> «ur PrüM * ■ö ^ten eintreten i eue n bieie» W lehnung w P heB HA-Ä I ? Erwägung 8 ^sl^^neriam'nlung^ Arbeiterbewegung. y Die französischen Ausstände. In S r. Etienne veran- tarteten am 13. Stooernber die Grubenarbeiter des ganzen Kohlenbeckens eine Kundgebung. Sie zogen mit Fahnen und Tambours durch die Straßen der Stadt und der benachbarten Kohlengruben. An der Spitze des Zuges gingen Bürgermeister Ledin, die Deputierten Brand und Piger, die Sekretäre des Nationalkomitees und Grubenarbeiter Cotte. Im Bassin Pas-de-Ca- l a i 5 ist die Nackt ruhig verlausen. Die Ausständigen-Patrouillen mb nur wenig zahlreich. In der Nähe von Sains (Bezirk Bethune) explodierten zwei Dynamitpatronen. Die Zahl der Leute, die die Arbeit wieder aufnahmen, ist beträchtlich gewachsen. In Lens sind 4265, in Bethune und Lieoia ungefähr 2000 Mann eingefahren. — In Havre sind 90 Hafenarbeiter in den Ausstand getreten. Sie verlangen eine Lohnerhöhung. Tie Nutze ist bisher nicht^estört^ et der dunklen Rauchwolke zu einem magischen Sanken nettoebte, fürwahr ein für alle Teilnehmer unvergeßlicher 'Anblick. Tie Chargierten der Korporationen begaben sich «un in das Institut, um die Glückwünsche ihrer Verbin- itungen zu überbringen. Dann setzte sich der Zug wieder in Bewegung durch die Gartenstraße nach den Gaibschen Wiesen, wo unter Absingung des Gaudeamus die Fackeln Eingesandt. (Für Form und Jnbair anc. unter oiefcr Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Motto: Ach es ist nicht auszuhalten mit den Leuten, Alles wissen sie so giftig auszudeuten! (Brahms: Liebesliederwalzer). In Veranlassung des gestrigen Eingesaiidts sowie verschiedener mir au Ohren gekommener Mitteilungen, bekenne ich mich hiermit als Verfasser des Berichts über das erste Konzert des Gießener Konzertvereins. Ich bedauere auf das lebhafteste, daß dieser Bericht, wie ich höre, Wirkungen gehabt haben soll, an die ich nicht im entferntesten bei seiner Abfassung gedacht habe und denken konnte. Es scheint, daß man die große Anerkennung, welche ich allen Leistungen ohne Ausnahme gezollt habe, über den doch wirklich geringfügigeren Ausstellungen unbeachtet gelassen habe. Dies im Einzelnen nachzuweisen, dessen darf ich mich wohl entschlagen; man kann ja den Bericht daraufhin selbst nochmals in aller Ruhe nachprüfen. Wenn aber alle die Folgen, die, rote man mir sagt, von verschiedenen Leuten in Aussicht gestellt roorden sind, in Thaten umgefetzt roerden sollten, so wäre dies für unser musikalisches Lebeu allerdings ganz außerordentlich zu bedauern. Hoffentlich dient nun dieser Vorgang nicht gar mit dazu, das unveräußerliche Recht einer unbeeinflußten sachlichen Krttck auf freie Meinungsäußerung hier in Gießen zu untergraben. Dr. Spohr. Nochmals billiges Brot. Es ist von drei verschiedenen Seiten in diesem Blatt behauptet roorden, daß das Brot im Verhältnis zum Preise des Getreides zu teuer sei und es ist ausdrücklich gefragt roorden, roie das komme, roas auf dem Wege der Entstehung des Brotes aus dem Getreide das erstere so verteuere. Dem Bäcker direkt rourbe fein besonberer Vorrourf gemacht, aber die Thatsache festgestellt, daß bet einem Weizenpreis von 30 Mk. per 100 kg der vierpfündige Laib Brot 58 Pfg. gekostet habe, während er jetzt bei einem Weizenpreise von 15 Alk. 42 Pfg. koste, statt 29 Pfg., die er kosten müße, wenn sich der Brotpreis nach dem Getreidepreis richte, wie von freihändlerischer Seite stets behauptet wird. Der Schreiber des Eingesandt in Nr. 265 d. Bl. fühlt sich berufen, die Bäcker Gießens in seinen besonderen Schutz zu nehmen, obgleich ja nicht von diesen allein die Rede war. Er spricht auch von der diesjährigen Ernte, die vielfach bei uns schlecht eingebracht sei und die Gefahr von ausländischem Getreide besonders nötig macht. Führen wir denn nicht jedes Jahr weit über den Bedarf hinaus ausländisches Getreide ein, auch wenn wir unsere Ernte noch so reichlich und noch so trocken einbringen? Gegen diese Luxuseinsuhr richten sich ja die Klagen der deutschen Landwirte! Daß wir auch in diesem Jahre wie stets fremdes Getreide, wie die Müller sagen, zum Mischen mit ausländischem Getreide, einfahren, ändert doch nichts an dem Mißverhältnis zwischen Getreidepreis und Brotpreis. Vor der diesjährigen Ernte hatten wir doch auch den hohen Brotpreis neben dem niedrigen Getreidepreis. Dazu jagt der Artikelschreiber, das das Mehl der diesjährigen Ernte per L-ack um 1 bis 1 7, Mk. relativ teurer sei, als das Mehl der vorjährigen Ernte. Dann mußten wir ja vor der diesjährigen Ernte noch viel billigeres Brot haben, als wie meine obige Nebeneinanderstellung ergibt. Nicht Die vereinzelt schlecht eingebrachte diesjährige Ernte bringt uns die verhältnismäßig hohen Brotpreise über die wir seit Jahren klagen, sondern eine Menge anderer Umstände. Durch roie viel Hände ist das Getreide und das Mehl gegangen, ehe es Brot wird? Daß der kleine Müller nichts, der große Müller nicht viel verdient, ist auch den Landroirten bekannt. Nach den Aussührungen des oben genannten „Eingesandt* verdient auch der Bäcker nichts, nun muß doch eigentlich der Einsender, der nach feinen Ausführungen weiß, roie sehr ein großer Teil der hiesigen Bäcker ringen muß, um die Familie ehrlich durchzubringen, wissen, wer das Geld bet der Umwandlung des Getreides in Brot verdient! Sind das allein die Frucht-, Mehl- und Kleinhändler? Irgendwo muß doch die große Differenz im Preise zwischen Frucht und Brot hängen bleiben! Daß an den Händen derer, die dem Landwirt das Getreide abnehmen, um es in Brot au verwandeln, recht viel hängen bleibt, ist aus nachstehender Tabelle, die in Kassel nach amtlichen Zahlen gefunden. Er schloß seine Rede mit einem Salamander auf die Regierung, Die Stadt und die Caritas Dttttenatum, »on der im alten Studentenliede die Rede ist. In seiner (Äwiderung führte Herr Prof. Dr- Drude mit bewegten Worten aus, was ihn bewogen hätte, den drei an ihn ergangenen ehrenvollen Rufen nach anderen Universitäten wicht Folge zu leisten, das sei nicht zum wenigsten das außerordentliche Entgegenkommen der Regierung. Seine Aufgabe werde es sein, durch treueste Pflichterfüllung und ganzes Einsetzen seiner Persönlichkeit das ihm anvertraute 2Zerk zu fördern. Hauptsächlich aber habe chn an Gießen die Schönheit der Umgebung, das Wesen und der Charakter hier Bevölkerung gefesselt. Er schloß mit einem Hoch auf die liniversität. Von den Reden des Abends, die noch gehalten wurden, seien noch die Begrüßungsrede des Vertreters wer „Chattia" an die Gäste, und der humorvolle Toa-st wes Erektors, Herrn Prof. Dr. Hansen, auf Frau Prof. Dr. Drude erwähnt. Gegen 12 Uhr wurde der offizielle Teil der Kneipe geschloffen, und das Präsidium der Fidulität an Herrn Prof. Dr. Drude übertragen. Ernste und heitere Ansprachen wechselten in rascher Folge, sodaß die Stimmung eine immer feucht-fröhlichere ward. Rur zu schnell flogen die ^eiteren Stunden dahin. Mitternacht war schon längst vorüber, als die letzten Festtettnehmer den heimischen Pe- mtten zusteuerten mit dem Bewußtsein, an einer überaus erhebenden und fröhlichen Feier teilgenommen zu habeu Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 2 5. Sonntag nach Trinitatis, den 16. Novemdex. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 9Hz Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MatthäuSgemeürde Pfarrer Schlosser. Abends 5 Uhr: Siehe Johanneskirche. Abends 8 Uhr im Konsirmandensaal: Vereinigung der Ion* firmirten männlichen Jugend der Matlhäusgemeinde. Montag den 17. November, abends 8 Uhr, im Konfirmand en- saal: Vereinigung der konsirmirten weiblichen Jugend der MatthäuS- gemeinde. Donnerstag den 20. November, abends 8 Uhr: Bibelstund4 im oberen Konsirmandensaal, Kirchstraße 9. Pfarrer Schlosser. In der Iohanncölirche. Vormittags 9/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 27, Uhr: Christenlehre, Darauf sakramentalifche Bruderschafts-Andacht. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 15. November 1902. Vorabend 4.30 Uhr. Morgens 9 Uhr. Nachmittags 3L0 Uhr Sabbathausgang 5.30 Uhr. >*5.. je r-KSA sicher ^ Ekse & h auf KjllelM M «on be„> atnath ist s;, “»^enbe & ÄSSK Sl; J"6 *W ™ Einigung We gerüit ta J?“ ,*m butä ?, "W jein. 2 3™ “» eine bebe«. Bettes * ™‘ Hta A«, ™ «wm unter Um, itgenb eine, -cheh-n timten, W bet Woche Renette Rletöüngen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeiger. Altona, 14. Nov. Bei den Stadtverordne ten^ Wahlen unterlagen sämtliche 7 sozialdemokra^ tische Kandidaten. Bochum, 14. Nov. Heute verunglückten auf Zeche) Centrum 7 Bergleute in einem Förderkorbe tätlich. Stuttgart, 14. Nov. Hätte vormittag fand die Grundsteinlegung der von der Studentenschaft der technischen und der tierärztlichen Hochschule zu errichtenden Bismarck s ä u l e statt. Die Festrede hielt der Rektor Prof., Dr. Wettbrecht. Heute abend findet eine akademische Feier und darauf ein Fackelzug statt. Straßburg, 14. Nov. Ter derzeitige Rektor bet Kaiser Wilhelm-Universität Dr. Otto Mayer, hat unter besonders ehrenvollen Umständen einen Ruf als ordentlicher Professor des öffentlichen Rechts einschließlich des Völkerrechts nach Leipzig erhallen. — In dem benachsii barten Schilttgheim brannte heute nacht die große P a-i pier-Manufaktur Holweg vollständig nieder^ Ter Schaden ist enorm. London, 14. Nov. „Dailv Matt" veröffentlicht weitere Telegramme aus Berlin und Shanghai über die Räumung von Shanghai. Darnach bestätigt das amtliche Blatt in Shanghai die Nachricht, daß Deutschlands bereit sei, sich dem allgemeinen SSorgegen der Mächte anzu-i schließen. Die Unterhandlungen hierüber nähmen eineni günstigen Verlauf. „Daily Tkail" berichtet des wetteren/ daß der ftanzösische Genie-Offizier, welcher dem Stabe ttr Shanghai beigegeben ist, von seiner Regierung ein Telegramm erhielt, wodurch ihm gestattet wttd, die zur Vergrößerung der französischen Kasernen er* forderlichen Terrains anzukaufen. Die hierfür disponible Summe beträgt 200 000 Francs. Rom, 14. Nov. Die Jagd auf den sizilianischen Briganten Varsalona, der sett vielen Jahren die Umgebung von Palermo unsicher macht, wird von der Polizei! sett Monaten wieder mtt großem Eifer betrieben. In dem' Heimatsorte des Briganten Casttonowo, wurden 60 Personen unter dem Verdacht der Vergünsttgung festgenom/ men, darunter auch angesehene und reiche Perfönlich-f feiten. Bei der Verhaftung eines Gutsbesitzers kam es zu einem blutigen Zusammenstoß mit der Karabinieri, von denen einige tot und 2 verwundet zusammenbrachen., Erst nach stundenlangem Kampf konnte die Verhaftung vorgenommen werden. — Be ider Audienz des Bischofs Benz- ler von Metz beim Papste, welchem der Bischof den Peters^ Pfennig überbrachte, er Härte der Papst il a., er wünsche- Kaiser Wilhelm wiederzusehen. Rom, 14. Nov. Der Vulkan Stromboli zeigt eine beunruhigende Thcttigkett. Er ftreut Aschenregen aus und häufige Erderfchütterungen beschädigen die Häuser. Linz, 14. Nov. Ter Dechant Anton Schinaglt wurde zu 24 Stunden Arre st verurteilt, weil er in der Schule den Ausspruch gethan hatte, daß diejenigen, welche zum Protestantismus überträten, Trottel feien/ Ceuta, 14. Nov. Tie Lage in Marokko ist andauernd ernst. Der Gouverneur von Tetuan hatte wiederholte Scharmützel mtt den Kabylen, in denen es Tote und Verwundete gab. Neue Gefechte stehen bevor- Uermischles. • Brüssel, IS. Nov. Im benachbatteu Hall stürzte sich heute ein Liebespaar unter den Nordexpreßzug n.nb blieb auf der Stelle tot — Die Polizei verhaftete d m früheren Leutnant Balopand, der im Burenkrieg ujiter dem Befehle Villebois-Mareuils gekämpft hatte und suh der Unterschlagung von Geldern schuldig gemacht hiwen soll. Handel und Uerkchr. Uolkblolttschast. Die «auerei-Gefellschaft Eichbaum, Mannheim, schlägt für 1901/02 eine Dividende von 10 pCt. vor (i. V. 12 pEt.). Au der Börse au Frankfurt und Berlin wurde der Antrag irm Zulassung von 8 Älillionen Alt neue Aktien und 6 Millionen N..art 4proz.Obligationen der HarpenerBergbau-Gesell- t(Kb a f t, Dortmund gestellt. Der Aufsichtsrat der Aktieubrauerei Retteumcher in Stuttgart hat beschlossen, für 1901/02 eine Dividende von 77, pCt. gs-gen 7 pCt. 1. V. vorzuschlagen. Au der Berliner Börse werden vorn 14. November d. I. ali die Aktien der G e s e l l s ch a f t s ü r e l e k t r i f ch e B e l e u ch- tnmg, S t. Petersburg, ausschließlich Tividendenschein Nr. 6 tr.it Zinsberechnung vom lo. Mai 1902 gehandelt und votiert. München, 13. Nov. Das unter Mitwirkung des Landtags von der Regienmg seinerzeit eingesetzte tech- u.ische Bureau zur Ausarbeitung des Projelles der Main- Kanalisation von Offenbach nach Aschaffenburg ist nun mit seiner Arbeit fertig. Die Projektierung enstreckte sich auch auf die über Bayerns Grenze hinaus- nächende Streck. Außer dem Hauptprojell sind Alter- rativprojelle für einzelne Tette ausgearbettet, um ev. miere Hand zu haben. Für die nötigen Grunderwerb- u-jigen sind Eventualverträge bereits abgeschlossen. Auch iji die Möglichkett von Erwetterung der Schleusen- und hoifenanlagen vorgesehen. Die Ges amt ko ft en der Kais ilisation sind auf etwas über 20 Millionen Mark b.trechnet. Eine Veröffentlichung des Projettes ist vorerst n cht zu erwarten. Für die Verhandlungen mit Preußen, iüer deren Wiederaufnahme bei der jüngsten Anwesenheit d.ts preußischen.Eisenbahnministers dahier gesprochen wurde, lammt dieses Projekt zunächst nur wegen der Kostenüber- juht in Betracht. Bei diesen Verhandlungen handelt es sich ja zunächst daraum, ob ein Staatsvertrag über die tfprtfehunq der Mainkanalisation zu stände kommt. München, 13. Nov. Wie die „M. N. N." über die e itrige Konferenz der bayerischen Kommission für das Main -Kanalisierungsprojekt erfahren, wurde d.:s Projekt allgemein gebilligt. Dasselbe zersälll in em solches für die Kanalisierung der Sttecke zwischen öcmau und Aschaffenburg und in ein anderes für die Um- fchlaganlagen bei Aschaffenburg. Ersteres umfaßt vier Eiauftufen, und soll, ebenso wie die beiden Staustufen zwischen Offenbach und Hanau, in gleichen Dimensionen ausgeführt werden, wie die bestehende Kanalisierung unter» h.:lb Offenbachs, sodaß die großen Rheinschiffe uugehttidert bis Aschaffenburg verkehren tönnen. Die Kanalisierung . d«r Strecke zwischen Hanau und Aschaffenburg erfordert üi:f einer Flußstrecke von etwa 50 Kilometern einen s Kostenaufwand von rund 91/2 Millionen. Tas umgearbeitete Projekt für die Umschlag anlagen bei Aschaf- | seuburg erzielte gegenüber dem ursprünglichen Projekt ei ,ie nicht unwesentliche Kostenersparnis, und zwar eine solche von 12 statt 16 Millionen im Voranschlag.Ein großer Xfil dieser Anlagen ist ausschließlich für den Umschlag von Kohlen für den Staatsbahnbetrieb bestimmt. Deren Landwirtschaft. Gießen, 14. Nov. Die Preise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände ut «Uksammengeworfen wurden. Um 10 Uhr begann der Festkommers in Steins Quarten. Fast das ganze Professorenkollegium der Universität war erschienen . Auch die Vertreter des Kreisamtes, der ssiädttschen Behörde und des Offizierkorps hatten der an sie gegangenen Einladung Folge geleistet. Ein Chargierter der Burschenschaft „Memannia", der das Präsidium des offi- «fieUen Teiles der Kneipe hatte, eröffnete mtt einem Salamander auf (Dien feuchtfröhlichen Verlauf des Abends den ttvmrners. Tie erste Rede hielt ein Angehöriger des,/Vereins Leutscher Studenten", der in schwungvollen Worten auf Kaiser und Großherzpg.toastete. Im Anschlüsse daran wurde Sie Nationalhymne gesungen. Bald folgte eine mit stürmischen Beifall aufgenommene Rede eines Angehörigen der ^Alemannia" auf Herrn Professor Dr. Drude, die diesem nochmals den Dank der Burschenschaft aussprach und mit einem Salamander auf den Gefeierten Moß. Der nächste Redner, Se. Magnisicenz, Herr Prof. Tür. Krüger, dankte der Regierung für ihre Bemühungen, 0-ießen als Universität zu fördern. Wer, wie er, die Ent- ivickeluna Gießens feit vielen Jahren verfolge, wisse das ttoll und gcuiz zu würdigen. Tank dieser Bestrebungen llabe sich ine Zahl der Hörer fortwährend vermehrt, sodaß iin Sommersemester bereits die Immatrikulation des 1000. Studenten gefeiert werden konnte, auch in diesem Semester umd zwar zufälligerweise am Tage dieses Festes habe die ; mmatrikulation eines 1000. Studenten bereits wieder statt- tober 1902 roie folgt (per Kilo): Schweines!. Brod Butter Ochsenfl. Kalbst. Darmstadt 1,52 1,52 1,60 0,22 2,20 Bensheim 1,40 1,52 1,52 0,22 2,10 Dieburg — 1,40 1,40 0,20 2,40 Erbach 1,40 1,40 1,40 0,20 2,10 Offenbach 1,40 1,40 1,70 0,24 2,60 Gießen 1,40 1,32 1,40 0,21 2,20 Alsfeld 1,30 1,40 1,20 0,22 2,20 Büdingen 1,32 1,32 1,36 0,23 2,30 Butzbach 1,44 1,40 1,20 0,24 2,70 Friedberg 1,44 1,44 1,36 0,24 2,40 Lauterbach 1,28 1,20 1,32 0,22 2,40 Schotten —— 1,26 1,40 0,21 1,80 Niainz 1,44 1,52 1,60 0,25 2,00 Alzey 1,32 1,40 1,40 0,24 2,20 Bingen IchO 1,40 1,80 0,24 2,30 Worms 1,48 1,60 1,60 0,23 2,48 Mittelpreis 1,40 1,41 1,45 0,23 2,16 3)lt. Atk. 1854/58 23.30 27.78 1859/63 21.20 28.18 1864,68 22.54 30.65 1869/73 24.30 45.81 1874/78 22.35 66.00 1879/83 21.20 66.67 1884 88 16.74 66.67 1889/93 18.79 66.67 1894/98 15.64 66.67 Aus der Tabelle ist klar ersichtlich, wie wenig Feilte ^fowack Komplette Schlafzimmer, bestehend aus: Spezial-Geschäft für Betten und Schlafzimmer - Einrichtungen. 2 Bettstellen, I Spiegelschrank, I Waschtisch mit Marmor, I Spiegelaufsatz, 2 Nachtschränken mit Marmor, I Handtuchhalter in dunkel Nussbaum Ulk. 300.—, in Satin-Nussbaum Mk. 350.—. Lackierte Schlafzimmer in vorzüglicher Ausführung Mk. 150.—. Immerwährende Ausstellung von 20 bis Grosses Lager AO Schlafzimmern In jeder Preislage. einzelnen Schlafzimmer - Möbeln. Franko-Lieferung nach jeder Bahnstation. Musterbücher und Preisaufstellunpen jederzeit zu Diensten. ; :■ r- • ermi ei Minen (Offene Stellen Ideal- Fussbekleidung fUr Kinder. Telegramm. Zum Wohl der Gießener Bürger kommt Samstag aus den Brand Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verlust meines einzigen, unvergeßlichen Kindes sowie für die vielen Kranz- und Blumenspenden, insbesondere für die trostreichen Worte des Herrn Psarrer Dr. Naumann sagt innigen Dank Die tiestrauernde Mutter: Frau Konrad Pich Witwe. 7946 Der Vorstand. prima Weißkraut 10—15 Psd. schwer, 15 Pfg., prima Mimt 15 Pjg., Otoßc Wirsmz 15 P|g., IVW.ückeWculößiz. Blumenkohl, Rosenkohl und alle anderen Gemüse, sowie schöne Zwetschen. Alles wird spottbillig verkauft. Frau Hammel, Gießen. 7775) Schöne 2»Zimmcrwoh» nuug mit Küche u. Wasserleitung, Schloßgafte 15 zu verm. 9lät). 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Brahms. 6. Die Mretizüalirer. Dramatisches Gedicht von K. Andersen, nach Motiven aus Tafso'r „Das befreite Jerusalem^' für Solo, (Lyor und Orche,ter von Niels W. (4adc. 7961 7-- Männer-Hunwereill. Samstag den 15. November, abends 9 Uhr, im Hotel Schütz: 7940 Frier des ^lisiuiigsschs. (Herren-Kommers.) Drucksachen aller Art liefert In jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Brühl’sche Universität«-Druckerei. Schulstr. 7 7898] HanSburfche gesucht. ___________Ludwigoplatz 3. stadtkundiger Laufjunge mit guten Zeugmsien sofort ge- sucht. |798ö| Aktteubrauerei. 05118] (Li>i ält. Junge 3.i3lu»nen- tragen gesucht. Schulftraße 10. 05121] Dienstmädchen, evtl, zur Aushülfe, sofort ge|ud)t. Seltersweg 2, im Uhrenladen. 05078] Suche soiort perfekte ÖflA.w ttach Frankfurt zu älterem jlUUJIll alletnitehendeni Ehepaar. (Lohn 80 bis 85 Ml. monatlich.) Frau Hüuenberger, ___________SelterSiveg 67._______ 7903] Junges Mädchen zur Erlernung der Blumenbmderei gesucht. 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