Nr. 162 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfifchev Landwirt die Äthener FamUien- blÄttcr viermal in der Woche beigelegt. ! Rotationsdruck u. Verlag bu. Brühl'sche- Univers. Buch-u.Stei. druckerel (Pietsch Erben) jhebofut. Expedttio.» , utu Druckerei: Ächulstratze 7. Adresie für Depeschen: Anzeiger Gieße«. 'Fernsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Montag 14. Juli 1903 GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger ö Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich7bPs.,viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenprers: lokal 12 Pf^ auswärts 20 Psg. Verantwortlich: für den polit. u. allgern. Teil: P. Wittko; für „Stadt und Land'' und „Gerichtssaal": Curt Plato; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Iie -enüge Yummer «mfaßt 10 Seiten. Ausland. Loudon, 13. Juli. Der Premierminister Lord Sali8- bury ist am Freitag von seinem Amte zurückgetreteu. Der erste Lord des Schatzes, Balfour, ist zum Minister- Präsidenten ernannt worden, Paris 13. Juli. Mehrere nationalistische Blatter flreifen Waldeck-Rousseau wegen seines Besuches beim Deutschen Kaiserau. „Voix Nationale" schreibt: Äs ist das erste Mal seit dem Verlust von Elsaß-Lothnngen, Deutsches Keich. Berlin, 13. Juli. Aus Bergen wird vom Samstag gemeldet: Die Kaiseryacht „Hoh enzollern" traf heute nachmittag in Bergen ein, wo sie bis Dienstag früh verbleiben wird. An Bord alles wohl. — Der preuß. Justizminister hat die Präsidenten der preußischen Gerichtshöfe angewiesen, ihm über die Frage der Aufhebung der Gerichtsferien schriftliche Gutachten zu erstatten. — Das Inkrafttreten des FleischbeschaUgesetzes ist nunmehr endgittig durch eine kaiserliche Verordnung auf ben 1. April 1903 festgesetzt, soweit nicht für einzelne Teile desselben schon ein früherer Zeitpunkt bestimmt war. — Die Zahl der Eintragungen von Rechtsanwälten bei den deutschen Gerichten belief sich im zweiten Vierteljahre d. I. auf 248 gegen 220 im 2. Vierteljahre 1901. Sehr bedeutend war, wie gewöhnlich im 2. Vierteljahre, die Zahl der Eintragungen in Bayern mit 79. Auf Preußen entfallen 100 (1901 70), auf Sachsen 24 (41), aus die Hansestädte 23 (7), auf Hessen 5 (4). Nach Abzug aller Doppeleintragungen sind 208 Anwälte eingetragen gegen 188 i. I. 1901 und 161 i. I. 1900, darunter 87 in Preußen, 77 in Bayern, 15 in Sachsen, 10 in den Hansestädten, je 4 in Baden, Hessen und Thüringen, je 2 in Mecklenburg, Braunschweig und Elsaß-Lothringen und 1 in Württemberg. Die Zahl der Löschungen von Anwälten belief sich im zweiten Vierteljahr auf 125 gegen 142 L I. 1901 und 116 i. I. 1900. Davon entfallen aus Preußen 53, auf Bayern 26, Achsen 15, die Hansestädte 12, Württemberg und Hessen je 7, Baden und Thüringen je 2 und auf das Reichsgericht eine. Bayreuth, 12. Juli. Das endgiltige Resultat der Reichstagsstichwahl ist: Hagen erhielt 8549, Hügel 7600 Stimmen. — Der nallib. Justizrat Hagen ist somit gewählt. — Bei der letzten Wahl hatte Friedel (natl.) 9159, Frank (Soz.) 4735 Stimmen erhallen. Die Differenz zwischen dem nationalliberalen und dem sozialdemokratt- schen Kandidaten betrug damals also 4424 (Stimmen; jetzt siegte Hagen mit einem Mehr von 949 Stimmen. (Stuttgart, 12. Juli. Heute ist der württemberglsche Landtag vertagt worden, nachdem er tn den letzten Wochen die gesamte Steuer-Reform durchberaten und schließlich nadi einer zweitägigen, teilweise sehr erregt verlaufenen General-Debatte die Volksschulnovelle zur Wetterbehand- lunq an eine Kommission verwiesen hatte. Die Kom- missionsberatungen beider Häuser des Landtages werden bereits in der zweiten Hälfte des Oktober wieder ausgenommen werden. Die Vermahlung des Prinzen Mirko von Montenegro mit der Tochter des Obersten Constantinowitsch hat am Samstag in Cetinje stattgesunden, lieber die Hochzeitsfeier llegt ein genauer Bericht vor: Die Braut des Prinzen Mirko traf in Cetinje mit ihren Ellern und zahlreichem Gefolge hier ein. Erbprinz Danilo mit mehreren Mitgliedern der Familie Petrowitsch ging ihnen bis Njeguche entgegen, wo sie mit großen Ovationen vom Volke empfangen wurden. Vor dem Palast empfing die gesamte Fürstenfamilie den Prinzen Mirko mit seiner Erwähllen und ihren Angehörigen. Militärmusik spielte montenegrinische Hymnen. Dann folgte ein Diner im Palast. Der spezielle Gesandte Italiens, Admiral Delibero, überbrachte dem Fürsten und dem Prinzen Mirko briefliche Glückwünsche des Königspaares, für die Braut ein Diadem von Brillanten und Smaragden. Beim Diner toastete Fürst Nikolaus auf das Königspaar von Italien und auf alle Souveräne, Deren Vertreter dem Diner beiwohnten. Das Volk führte vor dem Palais Nationaltänze auf. Dazu gab es große Illumination und Feuerwerk. Besonders großartig fiel die Trauungsfeier in der Hoskapelle aus. Der Thronfolger Danilo begleitete die Braut mit ihrer Famllie im Hofwagen. Die fürstliche Familie von Montenegro, die vor dem Palais wartete, begrüßte die Angekommenen; dann ging man zur Kirche, Danilo mit der Braut, Oberst Constantinowllsch mit der Fürstin Milena, der italienische Admiral mit der Kronprinzessin und Fürst Nikolaus mit Frau Conftantinowitsch. Truppen bildeten Spalier. Die Zeremonie dauerte dreiviertel Stunden. Dann kehrte das Ehepaar mit seinem Gefolge zum Palais zurück. Ueber die Haltung der serbischen Regierung zu dieser auch politisch bedeutsamen Heiratsangelegenhell wird gemeldet: Der Gesandte Serbiens in Cetinje Oberst Mi- lvsch Wassitsch, wird unmittelbar, nachdem die Vermählungsfeier zu Ende ist, auf seinen Posten zurücklehren. Die serbische Regierung legt Wert darauf, auch dadurch zu dokumentieren, daß die durch die demonstrative feindselige Haltung des Obersten Constantinowitsch notgedrungen veranlaßte Absentierung des offiziellen Vertreters Serbiens keinerlei Ginfluß auf den Fortbestand der bestmöglichen Beziehungen zu Montenegro ausüben werde. Eine derartige Versicherung ist übrigens seinerzeit auch dem montenegrinischen Minister des Aeußeren, Gawro Wuko- witsch, erteilt worden. Politische Tagesschau. Der König von Italien in Rußland. Der König von Italien ist am Sonndagnachmittag 4i/2 Uhr in Peterhof eingetroffen. Aum Empfang auf dem mit Blumen, italienischen und russischen Fahnen reich geschmückten Bahnhofe waren sämtliche Minister, an der Spitze Gras Lamsdorff, eine große Anzahl von Hofwürdenträgern und Generalen erschienen. Kurz vor 4y2 Uhr trafen der Kaiser ein, geschmückt mit der Kette des Annnnzictten- ordens, der Großfürst-Thronfolger und andere Großfürsten. -Als der KönigsAug einlief, spielte die Kapelle des Nowo- Tscherbaskischen Infanterie-Regiments, welches die Ehrenwache stellte, die italienische Hymne. Der König und der Kaiser begrüßten sich auf das Herzlichste und schritten dann die Ehrenkompagnie ab, an deren rechtem Flügel sämlliche höhere Vorgesetzte standen. Nach dem Parademarsch der Ehrenkompagnie erfolgte die aegenseitige BorstelluÜH der Gefolge. Der Kaiser unterhielt sich länger mit dem Minister Prinetti, der König mll dem Grafen Lamsdorff. Alsdann fuhren der Kaiser und der König, eskortiert von der Leibgarde, zum Palais. Längs der Einzugssttaßen bildeten Truppen Spalier. Das Palais Peterhof war mit Flaggen und Guirlanden reich geschmückt. Eine große Zuschauer- menge begrüßte die Monarchen sympathisch Beim Eintreffen im Palais wurde der Mnig vom tzofminister Baron Frederiks, dem Oberhofmarschall Fürsten Dolgorucki, dem Oberzeremonienmeister Bendrikow, dem Hofmarschall Grafen Benkendorf und dem Kommandanten des Palais Peterhof empfangen. Die Kaiserin Alexandra und die Kaiserin-Mutter sowie die Großfürstinnen erwarteten den König im Salon der Kaiserin. Nach der Begrüßung erfolgte die Vorstellung der beiderseitigen Gefolge im Porträtsaale des Schlosses. Um 7 Uhr 30 Min. fand im kaiserlichen Palais ein Festmahl statt, au dem die höchsten Herrschaften, die Minister, der italienische Botschafter mit Gemahlin und allen Mitgliedern bei Botschaft, viele hohe Würdenttäger und das Gefolge teilnahmen. Während des Festmahles brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus: ,Mtt lebhafter Genugthuung begrüßen wir die Anwesenheit Eurer Majestät. Es ist uns besonders angenehm, daß Eure Majestät Ihre Reise damll begonnen haben, zu Uns zu kommen. Ganz Rußland erblickt hierin ein neues Zeichen der Bande wahrhafter Freundschaft, welche uns 'vereinigen, und schließt sich unteren Gefühlen an. Diese ^Gefühle und gegenseitigen Sympathien, die sich mehr und mehr zwischen unseren Völkern kundgeben, begünstigen die Entwickelung von Beziehungen, wie sie nicht wünschenswerter •fein können im Interesse unserer Länder. Ich danke Eurer Majestät herzlich für Ihren Besuch und erhebe mein Glas auf den Ruhm und das Glück Jbrer erhabenen Person, sowie dasjenige der Königin Helena, Der KönigiwMutter und der ganzen königliche Familie. Ich trinke auf die Wohlfahrt Italiens." Die Musik stimmte die italienische Hymne an. Alsbald erhob sich der König von Italien zu folgendem Trinkspruch: „Ich danke Eurer Majestät für den herzlichen Empfang and die liebenswürdigen Worte, die Sie soeben an mich und mein Land gerichtet haben. Die Bande der persönlichen Freundschaft, die uns glücklicherweise vereinigen, die guten Beziehungen, die seit langer Zett zwischen Rußland und Italien bestehen, mach>en mir diesen Besuch ganz besonders angenehm. Ich komme nach Petersburg, oeglettet von der Zustimmung (Satisfattion) meines Volkes, das in einem engen Aisammenschftiß dieser Bande ein neues Unterpfand des Friedens und der Wohlfahrt erblickt. Mtt solchen Gefühlen erhebe ich mein Glas zu Ehren Eurer kaiserl. Majestät, auf den Ruhm der Regierung und die Wohlfahrt Rußlands sowie auf das Glück der Kaiserin Maria Feodv- rowna, der Kaiserin Alexandra Feodorowna und der ge- fanrien kaiserlichen Famllie." Auf die Rede folgte die russische Natwnalhymne. Wie aus Petersburg depeschiert wttd, hat die Stadtverwaltung zum Empfange des Königs von Italien eine kostbare vergoldete, mit dem Staütwappen geschmückte Sllberschüssel Herstellen lassen, auf der dem hohen Gaste Salz und Brot überreicht werden wird. Das offiziöse Journal de St. Petersbourg" schreibt: Der König von Italien weilte bereits als Kronprinz einmal in Rußland. Seit der Thronbesteigung tft es der erste Besuch den er einem fremden Hose abstattet. Von beginn der Regierung an hat Viktor Emarmel III. es verstanden, mtt großer Autorität seine Macht zu bekräftigen, ©eine Majestät erfreut sich bei feinen Untcrthanen tiefer Zuneigung und Verehrung, wofür die große Popularrtitt em Beweis itt. Beide Herrscherhäuser sind durch Bande der Ve r w a n d t sch ast und Freundschaft Verknüpfti In Rußland liebt man Italien uitt bewundert man den italienischen Geist in allen sein«: Bekundungen. In politischer Hinsicht widerstreiten die Interessen beider Nationen einander nirgends und auf keinem Gebiete. Im Laufe der jüngsten Ereignisse waren beide Regier- unaen berufen, gemeinsam eine Aktion durchzuführen welch: der Sache des Rechts und der Zivilisation diente. So wttd der Empfang, den man dem König bereitet, äußerst herzlich. Unsere Bevölkerung wird dem erhabenen Souverän die achtungsvollste undttvarmste Aufnahme zu Teil werden lassen. Der König wird vom Minister des Aeußern, Prinetti, begleitet,^ der mit weitem Blick und wohlbekanntem Erfolg die ai '"re Politik seines Landes kettet. daß ein französischer Exministerpräsident den deutschn Kaiser begrüßt. Die bonapartistische „Antorit6" meint, die Begegnung sei zweifellos von langer Hand geplant; Waldeck-Rousseau bereite den Besuch des Kaisers in Paris vor. — Die Gesamtsumme der Einnahmen aus den in* direkten und direkten Abgaben sowie der staatlichen Monopole betrug im Juni d. I. 214 941000 Francs; das bedeutet ein Weniger gegen den Budget voran- schlag von 14 285 200 Francs, und gegenüber den Einnahmen im Juni vorigen Jahres ein Mehr von 7 750 600 Francs. Madrid, 12. Juli. Der Minister des Inneren teilte im Ministerrate mit, daß gegenwärtig 51800 Kongregationsmitglieder sich in die Register haben eintragen lassen. Dazu kommen noch 1200 Jesuiten, sodaß die Gesamtzahl der eingetragenen Ordensmitglieder 57 000 beträgt. Marseille, 12. Juli. Die letzte hier eingetroffene chinesische Post berichtet, daß die in der Provinz Khin- Hi im Aufstand befindlichen Chinesen von den Regierungstruppen vollständig geschlagen worden sind, in einem zweitägigen Kampfe verloren die Rebellen etwa 1700 Mann. Die Nachrichten aus den nördlichen Provinzen sind weniger günstig. Die Aufrührer haben sich mehrerer Posten bemächtigt und auch die Hauptstadt Ka-Ling angegriffen. Die Behörden geben zu, daß die regulären Truppen ohnmächtig sind, den Aufftand niederzuschlagen. Wien, 12. Juli. Das provisorische Aktionskomitee zur Bekämpfung des Duells hat seine Vorarbeiten beendet. Die Statuten des unter dem Namen „Allgemeine Antiduell-Liga" für Oesterreich zu gründenden Vereins und die von dem Verein ins Leben zu rufenden Ehrenräte sind aufgesteltt. Me Statuten werden demnächst den Behörden zur Genehmigung unterbreitet werden. Die bisherigen etwa 1500 Anhänger der Bewegung verteilen sich ziemlich gleichmäßig über alle Teile Oesterreichs. Die Bildung von Landeskomitees für einzelne Länder Oesterreichs ist bereits erfolgt. Sämtliche Vorschläge des Aktionskomitees werden im Herbste einem großen Komitee unterbreitet, woraus die Konstituierung der Allgemeinen Duell-Liga für Oesterreich stattfindet. — Anläßlich des heute in Eger stattfindenden alldeutschen Volkstages fanden dort gestern abend große Demonstrationen statt. Aus der in den Straßen angesammelten riesigen Menschenmenge ertönten unausgesetzt gellende Pfiffe und Pfuirufe gegen Schönerer. Man hörte: „Nieder mit ihm! Los von Schönerer! Er ist und bleibt ein Hetzer!" Das' Ganze war von einer ohrenbetäubenden Katzen- mul iE begleitet. Auf dem Wege begegneten die Demonstranten einem Trupp Alldeutscher, die mtt Schmähungen überhäuft wurden und diese ebenso heftig erwiderten. Diesmal gerieten die Parteien thätlich aneinander und bald kam es zu einem gegenseitigen Stein bombarde- ment, wobei zahlreiche Personen mehr oder minder verletzt wurden. Das .Handgemenge dauerte längere Zett. Erst als die Polizei Sukturs erhielt, konnte sie die Kämpfenden trennen. Wie es heißt, wurde auch Abg. Jro durchs einen St einwurf am Kopf beden klich verletzt. Belgrad, 12. Juli. In der Nähe des Dorfes Lapljewoselo bei Prischtina kam es zu einem blutigen Zusamme nftotze zwischen Albanesen und Serben. Die Albanesen überfielen mehrere Serben aus dem Hinterhalte, erschosfen zwei und verstümmelten sie. Auf den Kampfeslärm eilten die serbischen Bewohner des Dorfes herbei, worauf die Albanesen flüchteten. Konstantinopel, 12. Juli. Die Pforte hat an die Garantiemächte Kretas eine Note gerichtet, in welcher sie gegen die Prägung v on Münzen mit dem Bilde des Prinzen Georg als eine Verletzung ihrer Hoheitsrechte Einspruch erhebt, und die Einstellung der Prägung dieser Münzen verlangt. Petersburg, 12. Juli. Der Kaiser soll den Fürsten Meschtscherski, den Besitzer des „Grashdanin", beauftragt haben, in die Gouvernements Charkow, Jekaterinoslaw und Poltawa abzureisen, um sich zu überzeugen, ob noch Unruhen daselbst bestehen, was die Gründe für dieselben feien und welche Klagen die Bevölkerung habe, und ihm sofort darüber Bericht zu erstatten. Rom, 13. Juli. Die Wahl des neuen Münchener Nuntius Macchi soll durch Vermittelung des S^erm von Hertling erfolgt sein. Macchi war bisher Jnternuntius für Brasilien und ist 57 Jahre alt; er stammt aus Pale- ffrina bei Rom und ist Titularerzbischof von Thessalonia. Heer und Flotte. Der Kaiser hat dem Hauptmann v. Selasinsky im 2. Rhein. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 23 die Erlaubnis zur Anlegung des demselben verliehenen Ritterkreuzes 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen erteilt. — Bock, Intendantur - Sekretär von der Intendantur des 11. Armeekorps, wurde zu der des 18. Armeekorps versetzt. Die neue „Pferdeaushebungsvorschrift" mit den dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen wird soeben amtlich bekannt gegeben. Sie enthält eingehende Vorschriften über die Vormusterungen durch die militärischen „Pferde- vormusterungskommissare", welche auf ihren Dienstreisen im „Pferdegestellungsbezirk" Verpflegung 2C. auf Grund des „Naturalleistungsgesetzes" zu verlangen haben; ferner solche über das Verfahren bei Beschaffung der „MobilmachungS- pferde", die Auswahl der letzteren nach Klasse, Maß und * ** Der gestrige Sonntag stand für Gießen und Umgebung unter dem Zeichen der Festlichkeiten, die, wie gleich bemerkt werden soll, vom schönsten Wetter begünstigt wurden und deshalb programmgemäß verliefen. — Das Sommerfest des Turnvereins, das in dem für große Festlichkeiten besonders geeigneten Philosophenwalde stattfand, übte auch diesmal im Hinblick auf das Gebotene eine starke Anziehungskraft aus. In wohlgeordnetem Festzuge unter Vorantritt der Kapelle des 166. Infanterie-Regiments rückten die Turner von der Bahnhofstraße aus durch die Stadt nach dem Festplatze, wo bereits hunderte von Gästen ihrer Ankunft harrten. Die zunächst unter Leitung des Turnwarts Wiegand gebotenen turnerischen Aufführungen zeugten von vorzüglicher Schulung unserer Turner und vom Können der Vorturner; die Mehrzahl der Vorführungen wurden von den zahlreich anwesenden Zuschauern mit Beifall belohnt. Eine besondere Augenweide boten die lebenden Bilder und Leiterpyramiden am Abend bei bengalischer Beleuchtung; wer sie gesehen, wird mit uns darüber einstimmen, daß sich solche Bilder vor dem dichtbewaldeten Hintergründe weit besser ausnehmen, als in einem noch so schön dekorierten Saale. Die Festoersammlung wurde von dem ersten Sprecher, Stadtv. Pirr, mit trefflichen Worten bewillkommt; besonders gedachte Redner, nachdem er sich über die schönen Aufgaben der Turnerei geäußert, der aktiven Turner, der Turnschwestern, sowie der Gesangsabteilung des Turnvereins, die bei dieser Gelegenheit zum ersten Male ihre kraftvollen Weisen vor einem großen Publikum hören ließ und wohlverdienten Beifall erntete. Das von der Versammlung stürmisch aufgenommene „Gut Heil" des ersten Sprechers galt dem deutschen Vaterland und der deutschen Turnerei. Das Fest fand mit dem den jungen Teilnehmern und Teilnehmerinnen willkommenen Tanz gegen Morgen seinen Abschluß. — Was das Turnvereins-Sommerfest aus der Einwohnerschaft Gießens nicht vorweggenommen, lenkte seine Schritte, Wagen, Fahrräder und sonstige Beförderungsmittel nach der Umgebung. Der am Freitag und Samstag nicht in Rosenlaune sich befindende Wettergott hatte den Gießener Sängerkranz veranlaßt, die vorgesehene Waldpartie in einen Ausflug nach dem Wind Hof umzuändern. Trotzdem kamen die Teilnehmer beiderlei Geschlechts durch das, was ihnen die allezett leistungsfähige Sängerschaar, die Musik und die vortreffliche Bewirtung boten, auf ihre Rechnung. — Die Gießener Buchdrucker kehrten ebenfalls der Provinzial- -auptstadt den Rücken und wanderten nach Fried berg, wo ie im Verein mit den dortigen Kollegen und solchen aus 9 auheim, Wetzlar, Grünberg u. s. w. nach ernster Arbeit, die chnen die Bezirksversammlung aufgab, sich dem Vergnügen Hingaben, das ihnen die Friedberg-9iauHeimer Kollegen in einem schön verlaufenen Johannesfest boten. — Auch in dem benachbarten Wieseck hing der Himmel voll Baßgeigen. Der dortige Wahl verein beging unter Teilnahme etlicher 20 befteundeter Vereine sein 12. Sttftungsfest mit Fahnenweihe. Cs gab einen recht stattlichen Festzug, Be- grüßungs- und Festrede, Gesangsvorttägc, Konzert und Tanz in dem geräumigen Wacker'scheu Garten. — Zum 60. Stif- ungsfesl des Gesangvereins Germania in Krofdorf, das im Freund'schen Garten abgehalten wurde und en Festzug, Festrede (gehalten vom Lehrer Hofmann), Weihe einer neuen Fahne, Gesangsvorträgen des festgeüenden Vereins und der eingeladenen Vereine, Konzert und Tanzvergnügen bestand imd am heutigen Montag seinen Schluß finden soll, hatten sich ebenfalls zahlreiche Gäste aus Gießen und Umgebung emgefundeu. — Wie alljährttch, so wandte sich auch Gießen, den 14. Juli 1902. ** Se. Exz. der Staatsminister Rothe, Ehrendoktor der juristischen Fakuüät unserer Universität, soll nach einer Meldung der „Offenb. Ztg." seine Pensionierung nachgesucht haben. Wir glauben vorläufig nicht au die Richtigkett dieser Meldung, sind vielmehr der Ansicht, daß hier nichts als eine Verwechselung mit dem am Samstag wie uns wohl auch dem genannten Offenbacher Blatte telephonisch aus Frankfurt gemeldeten Abschiedsgesuch des Unterstaatssekretärs Rothe aus dem Reichsamt des Innern in Berlin vorliegt. Sollte sich jedoch die Offenbacher Meldung bestätigen, so würden wir den Rücktritt unseres hochverdienten langjährigen obersten Staatsbeamten auf das allerlebhafteste bedauern, wenn es ihm auch niemand verargen könnte, daß er nach hervorragenden Leistungen von seinem Amte zruück- tritt, deffen ersprießliche Erfüllung ihm durch die Volksvertretung in so unerquicklicher als erheblicher Weise erschwert wird. Staatsminifter Rothe hat während seiner bisherigen Ministerthätigkeit eine Politik verfolgt, die sichtbar die besten .Erfolge hatte, die chm die Hochachtung und aufrichtige Wertschätzung in weitesten Kreisen des ganzen hessischen Volkes eingebracht hat, in Stadt imd Land, bei Bürger und Bauer. Eine That allerersten Ranges war die Einbringung der Wahlrechtsreform-Vorlage. Wenn ihre Gesetzwerdung leider noch nicht geglückt ist, so trägt daran niemand anders Schuld als unsere Kammer und in allererster Linie die Zweite Kammer. Mit dem hessischen Volke aber würde die gesamte hessische Staatsverwaltung durch den Rücktritt des Staatsrninislers Rothe einen schmerzlichere Verlust erleiden, und die hessische Staatsbeamtenschaft in chrer Gesamtheit würde mtt größtem Bedauern chren obersten Chef scheiden sehen. Wie zweifeln nicht, daß, die Richtigkeit der Offenbacher Meldung vorausgesetzt, alles Mögliche geschchen würde, um ihn auf seinem bedeutungsvollen Posten zu erhalten. Auch für unsere Universität wäre Dr. Roche's Scheiden ein schwerer Verlust. Es ist immer ein Zeichen des Aufsüeges, wenn in einem Staate die Wiffenschaft mtt der Achtung be- handett wird, die ihr gebührt, und wenn sie, wie bei uns in Gießen, durch die Fürsorge des Staatsministeriums und seiner Leiter einen so überraschenden Aufschwung nehmen konüte. — Doch wie gesagt, wir zweifeln stark an der Richtigkett der Offenbacher Meldimg. Jedenfalls braucht man sich heute über den etwaigen Nachfolger von Excellenz Rothe noch nicht den Kopf zu zerbrechen. **Dem verstorbenen Geh.Rat von Bechtold widmete der Präsident des Hessischen Landwirtschaftsrats in der ,Landw. Zeitschrift" folgenden Nachruf: ** Jahresversammlung des h essischem Hauptvereins der Gustav Adolf-Stiftung. Die heurige Tagung fand am 8.' und 9. Juli in Ni erste iw tatt, das mit Fahnen und frischem Grün reich geschmücü war. Am Vorabend um 6 Uhr begann die nichtöffentliche; Sitzung des Verwaltungsrates und der Abgeord^ neten. Zu Schriftführern wurden Pfarrer Zinn von Herbstein und Krauß von Essenheim, zur Prüfung der 1901er Rechnung Dekan Strack von Leihgestern^ Pfarrer R i t t e r von Ober-Ingelheim und Kaufmann G u n dermann von Ben sh eimbestimmt. Der Unterstützungsplan für 1902 wurde hierauf besprochen und mit" einigen kleinen Aenderungen angenommen, die'Gemeinde Rockenberg in Oberhesfen in dre Pflege des Vereins ausgenommen.. Am Abend sand gesellige Vereinigung der Festteilnehmer im „Rheinischen Hof" statt. Am 9. Juli, morgens 6y3 Uhr wurde durch Geläute und Choralblasen des Posaunenchors auf dem Kirchturm das eigentliche Fest eingelettet. ' Um 91/2 Uhr bewegte sich ein großer Fe st zu g nach der Kirche. Pfarrer Naumann aus Nauheim bei Groß-Gerau hielf die Festpredigt. Dann trug Professor Trümpert m Jahresbericht über 1901 vor. Die 45 Hauptvereine mit ihren 1926 Zweig- und 604 Frau env er einen haben 189$ —1900 1390 612 Mk. verwendet; an Geschenken und Legaten gingen 108 790 Mark ein. Im gleichen Zeitraum wurden 43 Kirchen und Bethäuser eingeweiht, 10 Pfarr- und 7! Schulhäuser bezogen, 33 gottesdienstliche Gebäude, 3 Pfarr- und 2 Schulhäuser begonnen An Stelle der ans der Vereinspflege ausscheidenden 31 Gemeinden treten 40 in dieselbe ein. — Der hessische Hauptv er ein hat diesmal 1000 Mark weniger an Beiträgen eingenommen als im' Vorjahre, was hauptsächlich! aus der überhasteten Erhebung )er Beiträge in'mehreren Zweigveremen gegen Schluß der Rechnung, zugleich aber auch daraus zu erklären ist, daß )ie Erhebung nicht allenthalben richtig eingelettet wird." Nach einigen Bemerkungen über die bei Jahresfesten erhobenen Kollekten werden die Verhältnisse der Gemeinde Rockenberg in Oberhessen geschillert, die als Nr. 25 in die Zahl unserer Pfleglinge aufgenommen worden ift( Worms, 12. Juli. Wie man schon fett einigen Tagen in Abgeordnetenkreisen bespricht, beabsichtigt, nach der; „Wormser Volksztg.", Herr von Hehl Herrn Oberbürger-' meister Köhler als Landtagskandidaten für die StadtWorms aufzustellen, und dafür den Abg. Reinhart in Pfeddersheim an die nunmehr erledigte Stelle des Abg. Möllinger zu setzen F r a n k f u r t a. M., 13. Juli. Die „Frkf. Ztg." schreibt 2 „Nachdem der Vorstand des Tierasyls-Bo ckenheim erfahren hatte, daß den Angestellten des Asyls ein arger Mißbrauch des Vertrauens in Bezug auf Veräußerung der Tiere iu einzelnen Fallen zur Last gelegt werde, hat der Vorstand selbst den Antrag auf eine gerichtliche Untersuchung des Falles gestellt. Diese Unter- uchuna ist noch in der Schwebe; es ist unmöglich, im Augenblick besttmmte Thatsachen festzustellen. Auf diesem Wege allein erwartet der Vorstand eiine rückhaltlose Klärung der Angelegenheit und eventuell die Bestrafung derjenigen, die das Vertrauen des Vorstandes betrogen haben." — Wir bemerken noch daß Angestellte des Tierasyls be- chuldigt sind, Tiere zu Vivisektionszwecken verkauft oder den Verkauf begünstigt zu haben. Frankfurt a. M., 12. Juli. Das etwa 20 Jahre alte Dienstmädchen Eva Schwebel, das in der Küche des Hotels „EnglischerHof" beschäfttgt ist, stürzte heute Mittag in einen großen Kessel kochender Bouillon und erlitt schwere Brandwunden am ganzen Körper. Lebensgefährlich verletzt wurde das Mädchen nach dem Heiliggeist- hospttal gebracht. Lian zweisett an ihrem Aufkommen. -t Gießen, 14. Juli. (Schluß.) DreVerhandlung meßen der eingeleiteten Expropriation Ööi Kliuikgeländes fand am Samstagvormittag vor der Lokrlkommission seinen Fortgang. Der Staatsvertreter Bau- Inspektor Becker erklärte, daß er nicht ermächtigt sei, für die -Ltnzelneu Gelände-Parzellen mehr zu bieten als das bereits von Staatswegen erfolgte Angebot betrage; dies sei für die Aecker und Gartenflachen 5 ML, für das Planksche Gelände, das in der Nähe der Frankfurterstraße gelegen, daher besser bewertet sei, 8 ML, für die Gabrielsche Hof- raite 27 000 ML und für die im Gabrielschen Garten befindlichen Bäume pro Stück 1 ML Das Gebot für die Bäume ist nur eingelegt um der Form wegen, auf 1 ML fixiert, chatsächlich ist man bereit, den durch Sachverständige fest- Mfetzenden Preis als Entschädigung für die wertvollen Obstbäume ^u zahlen. Die Eigentümer resp. deren Vertreter hatten rhre Forderungen schriftlich zu den Akten der Kom- nttssiou überreicht. Es verlangte Wilhelm Plank IL pro Quadratmeter 20 ML, Aug. Gabriel jr. für seine Hoftatte, tote dieselbe steht and geht, 122 ML, Nathan Rosenthal für den Quadratmeter 10 ML, Gatts Erben für den Quadratmeter 14 ML, für die in Mitleidenschaft gezogene Wasserversorgung 10625 ML Entschädigung, für die Bäume au dem zu enteignenden Gelände 3125 ML, für eine Mauer- entferuung 745 ML Für den Wegfall eine Thürpforte werden 30 ML, für die Anlage einer neuen hohen Mauer zum Schutze gegen die Jsoüer-Baracke 1050 Mk. und endlich für die Entwertung der Villa 5000 Mk. verlangt. Für das Gelände der Balsersttfturrg werden pro Quadratmeter 19 ML gefordert. Als Entschädigung für den Fortfall des Bleiche- Platzes verlangt die Stiftung 7500 ML, für Bäume 520 Mk Geheimrat Siebeck erklärt, daß die von der Balsersttftung durch ihn gemietete Wohnung jährlich an Wert für ihn um 150 ML verliert, falls sein mitgemietetes Stück Garten rtts Klinik-Baugelände benutzt werde und er keinen Ersatz dafür bekomme. Für das Kirchengelände werden für den Quadratmeter 8 ML, von Weidigs Erben für ihr Gelände 10 ML beansprucht, den gleichen Betrag verlangt auch der Rentier Schwan sen. RegierungAassessor Emmerlinger- llärte nach längerer Verhandlung, worin die Interessenten die Wertbemessung ihres Eigentums sehr eingehend dar- legteu, daß eine gütliche Einigung n icht zu stand e gekommen s ei, er schloß Mittags gegen 1 Uhr die diesmal der Hauptstrom der Vergnügen suchenden Gießener Einwohner nach Heuchelheim, das den Reigen aller Kirch, weihen eröffnete. Der aufblühende Nachbarort baut seit Jahren nicht nur reichlich Wohnhäuser, sondern auch Wirtschaften und war deshalb in der Lage, sowohl dem Tanz* wie Stärkungsbedürfnis von Alt nnd Jung Rechnung zu tragen. Vollbesetzte Züge der Bieberthalbahn und die dicht mtt Fußgängern bevölkerte Rodheimerstraße ließen darauf schließen, daß den verschiedenen Bräus, den ächten Gießener und Heuchelheimer Frankfurter Bratwürsten und den Tags vorher schon seinen würzigen Duft verbrettenden Kuchen alle Ehre angethan wurde. Die Nichttanzenden ließen sich in deu schattigen Anlagen der Heuchelheimer Mühle nieder.— Auch in dem kleinen, aber auf Vervollständigung der 1. Million Einwohner hinarbettenden Trohe schmetterten dieKirmesttom- peten, ferner in dem auf schönem Waldweg wie mit der Eisenbahn leicht erreichbaren Leihgestern, das wohl nächst Annerod den schönsten Platz für seine Kirchweihen besitzL — Der Verein „Concordia" suchte das geschichtlich intereffante und angenehmen Aufenthalt bietende Kloster Arnsburg auf. — Der Gesangverein „Liedertafel" in Lollar hatte zu seinem 15„ aus Gesangs- und Jnstrumentalkouzert, Tanz usw. bestehenden Sttftungsfest eingeladen; er leistete sich die Mitwirkung des Pistonoirtuosen Louis Kümmel, den einst der Storch nach Wieseck gebracht, das Schicksal später nach Lollar und dann nach Darmstadt verschlagen, wo er es vorläufig zum Hof-Kammermusiker, sowie zum Ehrenmttglied des festgebenden Vereins gebracht hat. — Wohl der starken Inanspruchnahme unsererRegimentskapelle am gestrigenSomttag war es zuzuschreiben, daß das Pro rnenadenkonz ert ausfiel. Die Kapelle war überall, nur nicht in Gießen. Die Kapelle der 166er aus Hanau war deshalb beim Sommerfeft des Turnvereins eingesprungen, sie hat sich aber hier vortrefflich eingeführt. ** Aus dem Polizeibe richt In der Nacht vom 11. auf den 12. d. M. wurden in der Marktstraße dahier zwei Firmenschilder abgerissen, sowie ein Fensterladen ausgerissen, wobei das Fenster stark beschädigt wurde, dem Thäter ist man auf der Spur. — In der Süd-Anlage wurde heute nacht ein Bäumchen von ungefähr 1 Meter Höhe aus einem Beete aus gerissen und entwendet. ** ®in neues Landtagswahlgesetz ist bekanntlich nicht zu stände gekommen und es müssen deshalb Ersatzwahlen zur Zweiten Kammer auf Grund des! Wahlgesetzes von 1872 demnächst stattfinden. Von den 50 Abgeordneten zur Zweiten Kammer hat nach Ablauf des sechsjährigen Mandats die Hälfte, 25 Abgeordnete, aus- zuscheiden. Darunter auch unser Gießener Abg. Justizrat Dr. Gutfleisch Das 1872er Wahlgesetz verlacht jedem 25 Jahre allen Hessen, sofern er direkte Staatsoder Gemeindesteuer bezahlt, das aktive Wahlrecht. ** DernAbg. Möllinger ist nicht, wie wir meldeten, )as Rttterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Phttipp des Großmütigen, sondern das der ersten Klasse mit b-ex Krone verliehen worden. „Der Verstorbene hat in seiner Eigenschaft als früherer Direktor der landwirtschaftlichen Bezirtsvereine zu Erbach, Bensheim und neuerdings zu Gießen, sowie insbesondere in seiner Stellung als Vorsitzender der Großherzoglichen Oberen landwirtschaftlichen Behörde, welche er von 1894—1898 bekleidete, zahlreiche Beweise seines lebhaften Interesses für die Förderung der Landwirtschaft und seines großen Wohlwollens und Entgegenkommens der Stellung und der Thätigkett des Landwirtschaftsrats und der landwirtschaftlichen Vereine gegenüber gegeben. Seiner Befürwortung ist es zu verdanken gewesen, daß der vom Landwirtschaftsrat im Jahre 1896 vorgelegte Grundplan zur Hebung der Viehzucht, sowie die hierfür angesorderten Staatsmittel von oer Großh. Regierung ohne Einschränkung genehmigt worden sind. Der Landwirtschaftsrat und die landwirtschaftlichen Vereine werden dem Verstorbenen, dessen Amtszeit und persönlicher Haltung sie einen großen Aufschwung ihrer Vereiusthätigkett und damit der Landwirtschafts-Förderung überhaupt verdanken, stets ein gutes Andenken bewahren/' ** Personalnachrichten. Der Großherzog hat am 10. Juli den nachstehend Benannten die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen der ihnen von SeinerDurchlaucht dem Regenten der Herzogtümer Sachsen--Eoburg und Gotha verliehenen OrdenÄ)ekorationen, und zwar: des Ritterkreuzes 2. Klasse des Sachsen-Ernestini sch en Hausordens dem Kabinettskassier Rechnungsrat Friedrich Scharmann, des Verdiensttreuzes des Sachsen--Ernestinijchen Hausordens dem Kabinettskauzlisten Friedrich Zissel und dem Kabi- nettskassedieTier Stonrab Engel, sämtlich in Darmstadt, erteilt. Am 12. Juli wurden der Landgerichtssekretär bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Karl Rummel zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Mainz, und der Hy- pochekenbewahrer bei dem Hypochekenamt Alzey Peter Meirich zum Laiidgerichtssekretär bei dem Landgericht )er Provinz Rheinhessen, beide mit Wirkung vom 15. Juli, die Expeditionsgehilfen bei der Main-Neckar-Eisenbahn Joseph Geiger aus Darmstadt und Jakob Landgräf aus Lorsch zu Stationsassistenten bei dieser Bahn ernannt. ** Postpersonal ien. S. K. H. der Großherzog verlieh dem Postverwalter Habich in Gernsheim das Rttterkreuz 2 Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Briefträger Klees in Worms das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste", beiden aus Anlaß ihres Ueber- ttitts in den Ruhestand. — Versetzt sind: der Post- ekretär Hennig von Gießen nach Ohlau, der Post- waktikant L i st von Friedberg nach Alsfeld, die Postassisten- ten Kleinschmidt von Auerbach nach Friedberg, Poths von Alsfeld nach Langen, Steinmetz von Mücke nach Lauterbach, S t r 0 m s k y von Breslau nach Gießen. — Angenommen sind zu Telegraphengehilfinnen: Agnes v. Klein und Luise Schenk in Bad-Nauheim. — Etatsmäßig angestellt sind die Postanwärter: Breunig in Gießen, Nemitz in Lauterbach. — Bestanden haben die Postsekretärprüfung: die Ober-Postassistenten Habicht in Butzbach, Weiß in Gießen. Interessant fit z. B., was alles von einem Vier-- füfjlec 5. Klaffe verlangt wird, zu welcher gehören: särnlliche rem kaltblütigen Pferde, die Kreuzungsprodukte, die den Charakter des Kallblutes zeigen, und solche, zum gleichmäßigen .Ziehen großer Lasten im Schritt geeichreten Warmblütler, die infolge ihrer Maffe mtt der Kriegsratwn voraussichllich nicht zu ernähren find; bestimmt für Fußartillerie und Pionierbelagerungsformattonen, sowie besonders festgesetzte Fuhrpark- tolormen. Beigegeben sind auch die Bestimmungen über die Beschaffenheit der zu mttttärischen Zwecken bestimmten Fahrzeuge und Geschirre, sowie das Eides-Formular für die Pferde-- taxatoren rc. Are tzrtteiguuug des Keläudes für die Klinik- öauteu. Hamburg, TS. JuL Das mit biefetn Monat er- DrebstahkS mit einem Verweis vorbestraft, hat in Häusern, in denen öffnete, im Kurgarteu anschließend an das Kurhaus an keine Erwachsene, sondern nur Kinder anroefenb waren, gebettelt -J’ V. ° ./r 7 * < r . ....k CbtaftftrrfiTo m«an»fuhrt Gr orhnft Art mim v erworfen. erhalten. Märkte. ko. Frankfurt a. M., 14. Julr. (Telegr. Orng.-Berlcht des „Gieß. Anz."). Amtlick)e Stotterungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen 449 Ochsen, darunter 156 aus Oesterreich, 70 Bullen, darunter 12 aus Oesterreich, 873 Äül)e, Fersen, Stiere und Rinder, OKühe aus Oesterreich, 219 Kälber, 160 Schafe und Hammel, 832 Schweine, 0Ziegen,0 Ziegen-, 00 Schaflämmer. Bezahlt Vermischtes. • Stuttgart, 13. Juli. Die deutsche Fachausstellung für Fleischerei und Kochkunst wurde heute in Anwesenheit staatlicher und städtischer Vertreter durch den Minister des Innern im Namen des Königs eröffnet. * London, 12. Juli. Professor Bother, Leiter einer Schule für stemde Sprachen im Stadttelle Fulham, wurde gestern Dtorgen mit durchschnittenem Halse und blutigem Rasiermesser neben sich im Bett gefunden. Prof. Bother war Deutscher, aber in der Schweiz naturalisiert. Er hatte in Zürich eine Schule gehabt. Vor drei Jahren war er nach London gekommen. * Antwerp en, 12. Juli. In Baelen in der Provinz Antwerpen fand in einer Dynamitfabrik eine große Explosion statt. Ein Arbeller und 3 Arbeiterinnen wurden getötet. Der Schaden ist beträchtlich. * Paris, 12. Juli. Der Minister für die Kolonien veröffentlicht folgende Mittellung: Am 11. d. Mts^ vormittags, fand ein neuer Ausbruch des Mont Pelöe statt, welche ebenso heftig war, wie der vom 9. d. Mts. Es erfolgten starke Detonationen, gefolgt von einem Stein- und Aschenregen, welcher über Basse-Pointe, Morne-Rouge und Fond-St. Denis niederging. Die Bevölkerung blieb ruhig. Verluste an Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die rviffenschastliche Expedition, welche, sobald die Meldung von dem Ausbruch nach Guadeloupe gelangt war, von dort nach Martinique aufbrach, ist in Fort de France eingetroffen. * La Coruna, 13. Juli. Mehrere Individuen versuchten sich eines Teiles der Ladung des an der Küste gestrandeten deutschen Dampfers „Trier" zu bemächtigen. Zollwächter verfolgten die Plünderer und gaben auf dieselben mehrere Schüsse ab, wodurch zwei Seeräuber verwundet wurden. Der deutsche Konsul protestierte gegen diesen Akt von Seeräuberei. iüber 10ÖÖ Unterschriften aus, trotz verschiedener Cingesartdts in den hiesigen Blättern, die einen Schaden für Homburg aus dieser Petition prophezeien. — Den hiesigen Kinderpflegeanstalten sind durch ein Geschenk der Fran Speyer- Fcmrkfurt 5000 Mark zu teil geworden. Vom großen Feldberg, 13. Juli. Die Arbeiten au dem Aussichtsturm gehen ihrer Vollendung entgegen und werden soeben mit doppeltem Eifer betrieben. Dem Vorsitzenden des Taunusklubs ist die Mitteilung geworden, daß es nicht ausgeschlossen fei, daß der Kais er der Einweihung beiwohnen wird, werrn dieselbe in der Zeit vom 12. bis 24. Äugust stattfinde. In dieser Woche ist die Spitze des Turmes, der römische (ein sitzender) Adler aufgesetzt worden. Derselbe ist aus einem SandsteinblocL von 26 Zentner Gewicht gemeißelt, wiegt -jetzt' noch 16 Zentner und hat eine Hohe von 1,70 Meter. Ohne den Adler, ist der Turm 35 Meter hoch. Die unteren Raume des Turmes, bestehend ans zwei' Zimmern und einer Küche, sürd zur Wohnung des Kastellans bestimmt. Diese Stelle, die viele Bewerber finden dürfte, wird wahrscheinlich an einen Mllitäranwärter vergeben werden. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Braumeister einer bekannten Groß- Brauerei in Dieburg ist flüchtig geworden. Voraussichtlich dürste sich die Staatsanwaltschaft mit dem Flüchtigen demnächst eingehender beschäftigen. ** Konzerte der Kapelle des L Garde-Dra- gouer--Re gi.men.ts ans Berlin. Wir machen an dieser Stelle auf die beiden am Dienstag den 15. d. Mts. in Steins Garten stattfiudenden Konzerte aufmerksam. Das Musitkorps leistet unter Leitung seines Dirigenten, des Kgl. Stabstrompeters Alwin Peschke anerkannt vorzügliches. Zur Zeit konzertiert die Kapelle in der Düsseldorfer Ausstellung. Herr Stein benutzte diese Gelegenhell, um sie für einige Konzerte in Gießen zu gewinnen. keine Erwachsene, sondern nur Kinder anwesend waren, gebettelt mrd dabei verschiedene Diebstähle ausgeführt. Er erhäll, da auch ein versuchter schwerer Diebstahl zur Anklage steht, unter Zubilligung mildernder Umj'tänbe eine Gefängnisstrafe von vier Monaten und 2 Wochen. Wegen Bettelns wlld auf eine, durch die erlittene Untersuchungshaft für verbüßt erklärte Haftstrafe von zwei Wochen erkannt. — Der Buffetier Hermann Barthel ist des Vergehens i. S. des § 175 St.-G.-B. angeklagt, wird jedoch, den Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, frei- g e s r o ch e n. Der gegen ihn in der vorliegenden Strafsache erlassene Haftbefehl wurde aufgehoben. — Der Taglöhner Jose Hermann aus Mährisch-Trübau ist gleichfalls des Vergehens aus § 175 Sr.-G.-B. angeklagt; er wlld trotz seines Leugnens überführt und in eine viermonatige Gefängnisstrafe verurteitt. — Der Ziegler Konrad Spring von Obev-Mockstadt, hat sich ein Darlehen von 15 Mark, oas er zur Zahlung einer Gerichtskostenrechnung brauchte, unter der falschen Vorspiegelung erschwindelt, der Amtsrichter von Nidda hätte ihn geschickt, um den Betrag zu erbitten. Das Schöffengericht Nidda hatte den Angeklagten wegen Betrugs in eine Geldstrafe von 15 Mark genommen. Gegen dies Urteil hat der Angeklagte mrd dann die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Das Berufungsgericht erachtete eine schärfere Bestrafung für am Platze mit Rücksicht aus die Dreistigkelt, mll der der Angeklagte den Namen des Richters zu betrügerischen Zwecken mißbraucht hatte, sowie mit Rücksicht auf das Raffinement seines Vorgehens. Trotz seiner seitherigen Unbestrafcheit wurde der Angeklagte wegen Betrugs in eine Gefängnis st rase verulleitt, die das Gericht auf eine Woche bemaß. — In der Privatklage- sache der Ehefrau Jakob Emmerich in Altenstadt gegen beit Adam Emmerich daselbst wlld die von der Privatklägerin eingelegte Berufung gegen das Urteil des Schöffengerichts Altenstadt, da die Privatklägerin im heutigen Termin nicht erschien, k o st e n f ä l l i g Gerichtssaal. M. Gieße«, 11. Juli. Strafkammer. Ten Vorsitz fühll Landgerichtsdirektor Dr. Güngerich, die Anklagebehörde verllat Staatsanwalt Dr. Reuß. — Der Maurer Fr. Karl Hofmann von Vilbel hatte an einem Sonntag den sozialdemokratischen Kalender velleilt und zwar derart, daß er einige in Prioathäusern abgab, einen in ein neben dem Wirtslokal befindliches Privatzimmer eines Hauses und einen auf den Wirtstisch in einem von Gästen gerade nicht besuchtes Wirtszimmer legte. Das Schöffengericht Vilbel hatte den Angeklagten, unter Bestätigung eines Strafbefehls, dieser- halb wegen Ueberlretung des Art. 224 des hessischen Polizei straf-- gefetzbuchs und der Art. 45, 47 des hessischen Preßgesetzes zu einer Geldstrafe von 6 Mk. verurteilt. Das Berufungsgericht erklärte den Art. 2Z4 des Polizeistrafgesetzes für nicht anwendbar, da er sich nur auf Gewerbsleute und ähnliche Personenklassen beziehe, nicht aber auf eine Privatperson. Der Art. 47 des Preßgesetzes sei insoweit durch § 9 des Gesetzes vom 10. Oktober 1871 aufrecht erhalten, als er sich auf das öffentliche unentgeltliche Verteilen von Druckschristen beziehe. Eine Verteilung an öffemlichen Orten liege jedoch hier nicht vor, die Privalhäuser und das Prwatzimmer neben dem Wirtslokal schieden von vornherein aus, aber auch das Wllts- zimmer selbst, auf dessen Tisch der Angeklagte einen Kalender gelegt habe, sei vorliegenden Falles nicht als em öffentlicher Ort anzusehen, da niemand sich in demselben aufgehalten habe. Der Begriff des öffentlichen Ortes sei ein relativer und nur dann auf ein Willslokal anzuwenden, wenn Gäste sich in demselben befänden. Der Angeklagte wurde, unter Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils, freigesprochen. — Der Dienstknecht Johann Karl Roth von Niederslorstadt war vom Schöffengericht Friedberg wegen Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von 1 Woche verurteilt worden. In der heutigen Verhandlung vor dem Berufungsgericht gestaltete sich' die Beweisaufnahme für den Angeklagten derart günstig, daß die Staatsanwaltschaft seine Freisprechung beantragte, aus die auch vom Gericht erkannt wurde. — Der jugendliche Dienstknecht Georg Köhler von Bernsburg, wegen Stelle des allen, niedergerissenen Badehanses errichtete neue Kurhausbad erfreut sich infolge feiner vortrefflichen, allen modernen Anforderungen gerecht werdenden Einrichtung einer starken Benutzung. Es enthält 38 Zellen, in denen Sühwaffer-, kohlensaure und Soolbäder genommen werden tönnen. — Unsere Kur- und Badeverwaltung hat vor kurzem für diese Saison im Kurhaufe eine Ge- mälde-Ausstellun g eröffnet, in der Frankfurter und Berliner Maler Bilder ausgestellt haben. Die Frankfurter Maler fiiü>: Ang. Bandel, A. Eggersdörfer, E. Gies, Prof. I- H- Haffelhorst, H. Herterich, Ph. H. G. Hehl, Prof. E. Stirner, Emmy und Adolf Ziegeumoyer. Von der Cron- tberger Malerkolonie ist Pros. Rorb. Schnodl vertreten. — Z. zirkulierende Petition an den Gisenbahnminister um Errichtung des neu zu erbauenden Bahn h ofs in Homburger statt in Gonzenheimer Gemarkung weist bereits Sport — 11. Ruderregatta. In Ergänzung unserer Notiz in Nr. 159 des „Gieß. Anzeigers" geben wir oie Vereine bekannt, die sich gemeldet haben: Bremer Rudervereiu v. 1882, Bremen. Rudergesellschaft „Rhenania", Coblenz. Crefelder Rudettlub 1883, Erefeld. Ruderverein Ems, Ems. Frankfurter Ruderverein, Frankfurt. Frankfilrter Rudergesellschaft „Oberrad", Frankfurt. Frankfutter Rudergesellschaft „Germania", Frankfurt, Frankfurter Rudergesellschaft „Sachsenhausen", Frankfurt. Frankfurter Ruderklub, Frankfurt Gießener Rudergesellschaft, Gießen. „Hassia", Hanau a. Al. Heidelberger Ruderklub e. V., Heidelberg. Rudergesellschaft Heidelberg, Heidelberg. Mainzer Ruderverein, Mainz. Mannheimer Ruderverein „Amiettia", Mannheim. Offenbacher Ruderverein 1874 e. V., Offenbach a. M. Offenbacher Rudergesellschaft „Undine", Offenbach a. M. Ruderverein „Hellas", Offenbach a. M. Wetzlarer Ruderklub, Wetzlar. — Aus den zahlreichen Meldungen ersieht man, daß die sportlichen Veranstaltungen der Gießener Rudergesellschast in den maßgebenden Kreisen sehr gewürdigt werden, und daß auch in diesem Jahre die besten mittel- deutschen Mannschaften im friedlichen Wettstreit am 27. d. Dl. sich zusammenfinden. Bei der Vortrefflichkeit der Leistungen der meldenden Vereine sind sehr scharfe ynd interessante Rennen zu erwarten, wie solche das große Publikum hier am Platz noch nicht zu sehen Gelegenheit hatte. Als Neuerung kann angeführt werden, daß zum ersten Male drei Boote statten, wodurch die Vorrennen vermindert und jedenfalls die Hauptrennen bedeutend interessanter werden. Die Gießener Rudergesellsckaft hat zu^ verschiedenen ihre fleißige Junior-Mannschaft gemeldet, der zu wünschen ist, daß ihre Bemühungen von Erfolg begleitet sein mögen. Ems, 13. Juli. Der freundlichen Bäderstadt gaben heute die Ruderer eine veränderte Signatur. Die Kaiser-Regatta, die mit 11 Rennen gefahren wurde, hatte ein zahlreiches Publikum an die Ufer der Lahn gelockt; nicht nur die Badegäste stellten eine zahlreiche Menge, auch die Bewohner der Umgegend hatten sich zu dem wasserspottlichen Feste eingefunden. Eine heiße Julisonne brütete über dem engen Thale, etwas gemildert durch eine kühle Brise, die vom Rhein herüberwehte. Das sportliche Interesse ist erhöht durch die beiden Mitglieder des Rowing-Klubs aus Paris, denen es vergönnt war, in dem Doppelzweier ohne Steuermann einen Preis nach Hause ui bringen. Unter den Ergebnissen sind folgende hervorzuheben: Vierer, Preis der Stadt Ems: 1. Offenbacher Ruderverein 7:14, 2. Gießener R--G. 7:28, Sachsenhausen bei 1500 Meter abgestoppt, nachdem es ihm nicht gelungen war, gegen Gießen aufzukommeu. — Doppelzweier ohne Steuermann, Staatspreis: L Rowingklub Patts Comte d'Heilly und O. Bouttemy 7:21, 2. Mainzer R.-D. Weber-Gangloff 7:24. Mainz kolliditte an der Gitterbrücke mit dem Pfeiler und verlor dadurch mindestens beet Längen, rückte dann wieder kräftig auf, konnte aber die verlorene Zett gegen die technisch brillant rudernden Franzosen nicht mehr einbringen. Die Sieger wurden auf der Rückfahrt mit lebhaftem Beifall begleitet, die Musik spielte die Marseillaise. — Junior-Achter, Preis der Kurverwaltung: L Frankfurter Ruderklub 7:12, 2. Offenbacher R.-V. 7:31, 3. Koblenzer R.-K. 7:52. Frankfutter Ruderklub führte bis zum Schluß mit einigen Längen. — Einser für Seniors, Preis von der Bäderley: L Mainzer Ruderverein, Weber-Mönchho 7:46, 2. R.-K. Saar-Snarbrücken, D. Müller, 8:08. 9lnfang§ hartes Rennen zwischen Mainz und Patts, letzteres floppte nach 500 Meter ab. Nach Belieben gewonnen. — Akademischer Vierer. Preis von Nassau: L Greßener Rudergesellschaft 7:33. R.-G. Heidelberg drei Langen vor dem Ziel aufgegeben. Arbeiterbewegung. Chicago, 13. Juli. Die ausständigen Frachtverlader haben sich geweigert, die Arbeit wieder aufzunehmen, so lange eine Einigung noch nicht erzielt worden ist. Die Eisleute weigerten sich, As zu liefern, um die durch den Ausstaud zurück- gehaltenen Maaren vor dem Verderben zu schützen. Der Schaden, den die Kaufleute heute allein durch das Verderben der Maaren erleiden, wenn eine Einigung nicht zu Stande kommt, wird auf 500,000 Dollars geschätzt. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk in Essen aing durch Aktienkauf an ein Konsortium zu dauerndem Besitz. Das Gros der Aktten war seither im Besitz der Deutschen Gesellschaft für elektrische Unternehmungen bezw. derLahmeyer-Ge° sellschaft in F r a n k f u r t a. M.. welche durch die Realisierung einen ansehnlichen Gewinn erzielt hat. Accumulatorenwerke System Pollack Frankfutt a. M. teilen mit, daß sie an eine Einstellung des Betriebes oder an Liquidatton nicht im entferntesten denken. Die Geschäfte würden mit aller Energie weitergeführt werden. Düsseldorf, 13. Juli. Die Versammlung des Stabet s en- Verbandes war aus allen Revieren statt besucht. Es wurde konstatiert, daß bte Beschäftigung in sämtlichen Wetten gut sei und die Nachfrage vom Auslande zugenommen habe. Die Versammlung beschloß, den Stabeisenpreis um fünf Matt, also auf 115 Mark zu erhöhen. , . , München, 12. Juli. In der heutigen Generalversammlung der Bayerischen Bank wurde die Herabsetzung des Aktien-Kapitals von 12 Millionen auf 9 Millwnen durch Zusammenlegung von je 4 Aktien zu 3 genehmigt und dementsprechend der § 4 der Statuten abgeandert. Dte ^eftichung der Modalitäten der Zusammenlegung wurde dem Aufstchtsrctt überlasten tmd dieser wird Vorkehrungett treffen, daß auch den Besitzern von einzelnen Aktien die Möglichkeit gegeben wird, ihren Besitz zu wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen l.Qualität67—69ML. 2. Qual. 63—65 Mk., 3. Qual. 59—61 Mk.; Bullen LQuaL 57 bis 59 Mk., 2. Qual. 53—55 ML; Kühe L Qual. 64^-66 ML, 2. Qual. 61—63 ML, 3. Qual. 51—53 Mk, 4. Qual. 43—45 Mk^ 5. Qual. 00—00 ML Kälber: 1. Dualität78—80 Pfg., Lebendgewicht 48—49 Ps^ 2. Qu all 71—74 Pfg., Lebendgewicht 43—45 Pfg., Schlacht-, gewicht 58—62 Pfg., Schafe: 1. Qual. Schlachtgewicht 64—66 Pfg^ 2. Qual. 60—62 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine L Qual. 66—00 Pfg., Lebendgewicht 51 Pfg., 2. Qual. 65 Psg^ Lebendgewicht 50—00 Pfg., 3. Qual. 52—56 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft bei Hornvieh mittelmäßig Ueberftano gering, bei Kleinvieh gut, alles verkauft. ko. Frankfurt a. M., 14. Juli. (Ottg.-Telegr. des „Gießen. Am.") Amtliche Notterungen der heuttaen Fruchtmarktpreise.' Weizen ML 00.00—17.75, Kurhessifcher All. 00.00—00.00, La Plataj ML 17.25—18.25, Kansas ML 17.25—18.25, Roggen (hteftgech, Mark 15.50—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.75—1625, Frantew-s selber All. 16,50—17,00,HaferML 17.25—18.00,MaisMk. 12.00—12.25^ Weizenmehl 0 Mk. 25.50—26.00, 2. Qualität Mk. 23Ä* bis All. 24.00 , 3. Qualität Mk. 21.50—22.00, stiogaenmehl Oj Alk. 24.00—00.00, L Qualität DU. 21.75—00.00, Weizenklete Mk. 8J75; bis ML 0.00, Roggenkleie ML 9.50—0.00, Maiskeime Mk. IlUVs bis Mk. 10.00, Franken, Pfälzer, Ried DU. 00.00—00.00. Alles per; 100 Kg. ab hier. Grünberg, 14. Juli. Frachtmarkt. (Durchschnittspreis pro 100 Kilo.) Weizen 17.00 bis 00.00 ML, Liorn 14^0 bis 14.98 M, Gerste 00.00 bis 00.00 DU., Hafer 17.00 bis 17.06 ML, Erbsen 00—00.00 AU., Linsen 00.00 DU., Lein 00.00 ML, Wicken 00HÜ Matt, Samen 00.00 Mk., Kartoffeln 3.96 bis 0.00 ML Hpielplau der vereimgteu Frankfurter Stadttheatrr. Schauspielhaus. Dienstag den 15. Jull, abends 7 Uhr: „2)ie Braut von Messina." Isabella: Freu Camilla Mondthal vom§LK. Hostmrg» cheater alsGaft_____________________ ' Schiffsnachrichten. Norddeutscher Lloy d. In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 11. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.^ Der Doppelschrauben-Postdampfer „Barbarossa", Kapftän F. Msch, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 2 Uhr morgens wohlbehalten in New-Pott angekommen. Bremen, 12. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.); Der Doppelschranbendampfer „Caffel", Kapitän B. Petermann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 2 Uhr nachmittags wohlbehalten in Battimore angekommen. „Red Star Linie" Antwerpen. — Der Postdampfer „Friesland" der „Red Star Linie" in Jlntwerpen ist laut Telegramm am 9. Juli wohlbehalten ixt New-Pott angekommen. Kirchliche Nachrichten. Evaugelische Gemeinde. Die Bereinigung der koufirmirten männlichen Jugend, der MatthäuSgemeinde wird zu einer furjen Besprechung wegen Ausflugs am Sonntag auf Dienstag den 15. Juli, abends' 8‘/4 Uhr, in den Konfirmandensaal eingeladen. Behufs Feststellung der Zahl der Teilnehmer ist vollzähliges Erscheinen erwünschü " 1 1 ■ --- Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener A«zeigers. Berlin, 14. Juli. Auf der Berlin-Jüterbock-Militär- Eifenbahn ereignete sich ein BetriebsunfalL Das Kommando des 3. EifenLahnregiments teilt dazu mit, dcch bei einer Entgleisung eines Zuges 1 Sergeant und 3 Mauri schtver, 2 Mann leicht verwundet feien. B e r l i n, 14. Juli. Die „Welt am Montag" meldet orrs Prag: Der Steckbrief gegen den deutschen Kaiser macht hier fortgesetzt von sich reden. Es ist festgestellt, daß bte Polizeibehörde erst mehrere Tage nach Llus-gabe des amtlichen Organs davon Kenntnis erhielt. Der Steckbrief war bereits in mehreren tschech,ifchen und deutschen Blattern obgedruckt worden. Eine Anzahl von Pvlizeiämtern war nicht mehr in der Lage, die von ihnen zurückverlangten Exemplare wieder einzusenden. London, 14. Juli. Der Rücktritt Lord Salisburys verursachte keine Ueberraschung, da man in den letzten Monaten wahrgenommen hatte, daß er den Schmerz über den Tod der Gattin nicht überwinden konnte, und, obgleich fein Gesundhettszustand kein schlechter war, doch Spuren von der Last jahrelanger Pflichterfüllung zeigte. Da Lord> Salisbury in Wirklichkeit nur das formelle Amt des Lord Geheimfiegelbewahrers des Kabinetts behätt, erwartet man keine wesentliche Aenderung in der gegenwärtigen Zusammensetzung des Ministeriums. Mit der Ernennung Balfours als" ersten Lord des Schatzes und Führers des Unterhauses zum Premierminister kehrt man zu einer in den letzten Jahren befolgten Gewohnhett zurück, von der man nur bei der Ernennung Lord Salisburys abgegangen war. Madrid, 14. Juli. Ein furchtbarer Sturm ist gestern abend 6 Uhr über Madrid niedergegangen. Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt, Häuser abgedeckt und sonstiger Schwaden angerichtet. Eger, 14. Juli. Der gestern abgehattene olldeutschPi Volkstag, sowie der der alldeutschen Gehilfenschaft nahmen einen ruhigen Verlauf. Dem Abgeordneten Schönerer wurden seitens der Teilnehmer stürmische Ovationen dargebracht. Derselbe sprach über die polittsche Lage, wobei er feinem Bedauerti darüber Ausdruck gab, daß die anderen deutschen Parteien Oesterreichs nichts thun, damit das einzige Attttel der Sprachenfrage, die Einführung der deutschen^ Amtssprache erfolge, schließlich wurde eine Resolution angenommen, in welcher der alldeutschen Bereinigung Dank und Vertrauen ausgedrüctt wird. Peking, 13. Juli. Die Gesandten einigten sich über die Rückgabe Tientsins an China Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. Bl., 14. Juli 1902. 3V8% Reichsanleihe . . 102.20 3°/o do. . . . 92.45 3i/,°/o Konsols .... 102.20 3