Nr. 62 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem »elfischen Landwirt die Siegener Kamillen- Matter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der BrÜhl'schen Univers.-Buch- u.Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Ftrnsprrchanscülub Nr. 51. Freitag 14. März 1003 152. Jahrgang Erstes Blatt. GtehenerÄnzelgerW General-Anzeiger v v für den poltt. u. allgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ZWZ zeigenteil: Hans Beck. KeKanntmachung. B etr.: Verkauf von Zuchttieren aus den Zuchthöfen. Die Lehrwerkstätten nehmen nach schriftlichem Lehrvertrage Schüler vom 14. Lebensjahre auf. Die Lehrzeit beträgt 3 Jahre. Nach erfolgreicher Vollendung derselben er» Wir bringen hiermit zur Kenntnis von Interessenten, daß nach Mitteilung der Geschäftsstelle deS landwirtschaftlichen Provinzialvereins im Zuchthof Zwiefalten 2, im Zuchthof Bingmühle 6, bet Daniel Repp zu Homberg a. b. O. 1 und bei Wilhelm Kunkel zu Eschenrod 2 Bullen verkäuflich sind. Gießen, den 12. März 1902. Großherzogltches Kreisamt Gießen. v- Bechtold. Delranntmachung. Sonntag, den 16. d. Mts., nachmittags 3 Nhr findet zu Grünberg im „Englischen Hof" ein Vortrag des Henn Landwirtschaftslehrers Schwarz über die Viehzucht im kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, insbesondere Aufzucht von Kälbern statt. Hierzu werden alle Interessenten freundlichst eingeladen. Gießen, den 12. März 1902. Der Direktor des landwirtschaftl. Bezirksvereins Gießen, v- Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Die Besetzung von Schutzmannsstellen. Bei unterzeichneter Behörde sind die neu geschaffenen Stellen eines Schutzmanns und zweier Hilfsschutzmänner alsbald zu besetzen. Das Gehalt des Schutzmanns beträgt 1320 Mk. mit jährlichen Zulagen von je 30 Mk. bis zum Höchstgehalt von 1800 Mk. Die Hilfsschutzleute beziehen je 600 Mk. pro Jahr. Geeignete Bewerber wollen sich unter Vorlage selbstgeschriebener Gesuche, denen die Militärpapiere, sowie Füh- rungszeugniffe anzuschließen sind, bis spätestens 31.März I. J s. melden und vormittags zwischen 10 und 12 Uhr vorstellen. Gießen, den 12. März 1902. Großher-ogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Großh. Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe Erbach i. O. Kunstgew. Fachschule mit Lehrwerkstätten. Beginn des Sommerhalbjahres am 7. April 1902. Unterrichtet wird von 4 Fachlehrern und 2 Hilfslehrern. Gründliche fachmännische, praktische und theoretische Ausbildung in den gesamten Zeichen- und Modellierfächern, sowie in Werkstätten für Elfenbeinschnitzer, Ciseleure, Holzbildhauer und Drechsler. Die Anstalt enthält für eine abgeschloffene kunstgewerbliche Ausbildung einen 3jährigen Lehrplan mit 6 Semestern. halten die Schüler einen Lehrbrief ausgestellt. (Gew.- Ordnung § 129.) Der Unterricht wird durch eine reiche Modell- und Vor- bildersammlung sowie gut ausgestattete Werkstätten unterstützt. Das Schulgeld beträgt 15 Mk. im Halbjahr. Unbemittelten begabten und fleißigen Schülern kann die Entrichtung des Schulgeldes nachgelassen oder der Besuch der Schule durch einen Uuterstützungsbeitrag erleichtert werden. Solche Gesuche sind mit den nötigen Nachweisen bei der Anmeldung an den unterzeichneten Leiter der Anstalt zu richten, welcher weitere Auskunft erteilt. Schulprogramm kostenlos. Erbach, den 10. März 1902. Der Vorsitzende Der Dirigent des Aufsichtsrats: der Anstalt: St eg müll er, Klein, Bürgermeister. Großh. Hauptlehrer. Hessischer Kandtag. Zweite hessische Ständekammer. Darmstadt, 12. März. Zur Beratung steht Kapitel 123: An - und Verkauf von Staatsdomänen. Zu gleicher Zeit wird über die Regierungsvorlage betreffend Staatsdomäne Ba d-Nauhei m beraten. Ministerialrat v. Biegeleben: Es bestehe kein Streit darüber, daß Wie Regierung berechtigt gewesen sei, das Schloß in Babenhausen anzukaujen; nun sei gewissermaßen das Land verpflichtet, diese Erwerbung zu übernehmen. Das Schloß sei 1898 dem Staate zum Ankauf angeboten worden. Die Regierung habe dieses Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert für 60 000 Mk. erworben und mit einem Kostenaufwand von weiteren 68000 Mk. renovieren lassen. Im Schlosse seien Beamtenwohnungen eingerichtet, namentlich für den Kommandeur ,der Garnison, außerdem Räume für. toc Odenechnungsrünriuer. > Die angewendeten Kosten seien zwar hoch, aber gere-chtsertigt. Die neueste Schätzung der Braudversicherungskanuner ergebe für das Schloß nebst dem Bauplatz einen Wert von über 300 000 Mark, also fei der Preis von 196 000 Mk. nicht zu hoch angesetzt. Abg. Ulrich (Soz.) findet namentliche den Mieterlös im Betrage von 3300 Mk. zu gering. Die Schätzung der Brandversichernngskammer habe nur einen bedingten Wert. Er rate, ui solchen Fällen sich doch mindestens vorher der Zustimmung der Kammer zu versichern. Finanzminister Dr. G n a u t h : Der Ausfall in der: Miete werde dadurch vielleicht gedeckt, daß man für die Oberrechnungskammer ein Gebäude für etwa 130 000 Mk. hätte errichten müssen. Ausfälle für die Staatskasse seien nicht zu befürchten, da das Schloß stets an Offiziere zu vermieten sein werde. Aus jeden Fall würde bei Nichtübernahme der Domänenacquisitionsfonds geschmälert und weniger beweglich werden. Abg. Bähr (fr. w. SS.) würde dieses letztere gerade mit Freude begrüßen. Warum das Schloß Lichtenberg nicht mehr zur Aufbewahrung der Akten der Oberrechnungskammer tauge, verstehe er nicht. Auf jeden Fall hätte die Regierung das schloß schon vor 10 Jahren kaufen müssen. Er bitte, die Uebernahme nicht zu bewilligen. Der Ausschußantrag auf Streichung der in diesem Kapitel geforderten Ausgabe von 197 000 Mk. für Uebernahme des Schlosses zu Babenhausen und Bewilligung von 10 000 Mk. in Einnahme und Ausgabe wird angenommen; ebenso ohne Debatte die Regierungsvorlage betr. Staatsdomäne Bad-Nauheim. Ferner werden einstimmig und debattelos genehmigt die Ausschußanträge zu dem Kapitel 124: Een tralbauwesen Titel 1: Neubau eines Kreisamtsgebäudes in Erbach, Titel 2: Kreisamtsgebäude, zugleich Pro vinzial- direktionsgebäude zu Gießen mit 7600 Mark für Mobilia ran schaffung, Titel 3: Neubau eines Kreisamtsgebäudes zu Bingen, Titel 4: Neubau eines Kreisamtswohngebäudes zu Lauterbach, wo jedoch nur die Ausgabe für den Bauplatz bewilligt wird, Titel 5: Regierungsgebäude zuMainz, Titel 6: Universitätsneubauten für die medizinische Fakultät der Landesuniversität Gießen im Betrage von 2 9 3 0 0 0 M k., Titel 7:NeubaueinerUniversitäts- bibliothek zu Gießen im Betrag von 256000 Mark, Titel 8: Installation der elektrischen Beleuchtung im Betrage von 10 500 Mk., Titel 9: Erwerbung des Schu- becker'schen Hauses im Betrage von 58 000 Mki, Titel 10: Erweiterungsbauten für die Technische H o ch s chu l e i n Darmstaot, Titel 11: Botanischer Garten in Darmstadt, Titel 12: Neubau eines Gymnasiumszu Worms, Titel 13: Schullehrer^seminar mit einer Ausgabe von 20 000 Mk. Bei diesem Titel fragt Abg. Köhler-Langsdorf (fr. w. B.) an, ob die Regierung eine VerlegungderPräparandenanstalt von L i ch nach! Friedberg plane, worauf Ministerialrat Eisenhuth erwidert, daß der Gießener An zeig er diese Nachricht offiziös widerrufen habe. Weiter werden genehmigt die Ausschußanträge zu Titel 14: Errichtung eines Seminars für Lehrerinnen an Volksschulen in Darmstadt, der auf Bewilligung des geforderten Betrags von 5000 Mark abgcändert wird, Titel 15, Blindenanstaltin Friedberg, Titel 16: Landeshospital Hosheim, Titel 17: Landesirrenanstalt Heppe nheim, Titel 18: Errichtung von zwei weiteren Irrenanstalten (aus Streichung des geforderten Betrags), Titel 19: Wein- und Obstbäuschule zu Oppenheim, wozu Abg. Koch (nl.) einen Antrag auf Erwerbung eines größeren Grundstücks behufs Erweiterung der Schule stellt, der abgelehnt wird. Ebenfalls genehmigt werden die Ausschußanträge zu Kapitel 12 5: Gutenberg-Museum in Mainz und 126: Heil- und Pflegeanstalt für epileptische Kinder und Kapitel 12 7: Boden- melioration und Wasserversorgungswesen. Zu diesem Kapitel machen die Äbgg. Erck, Köhler -Langs- .........................—in ui iw bi—m-nirnriiri-m-i wnir :r.- l j --tnmn-i im......■■—um Gießener Stadtchcaler. Die große Glocke, Lustspiel in 4 Akten von Oskar Blumenthal. AuZ dem Zuschauerraum der Theater hat mehr als einer der Berliner Kritiker sich auf die Bühne selbst geschwungen, um dort das Szepter zu ergreifen. Brahm über» "ahm vor einigen Jahren das Deutsche Theater, Paul Lindau leitet das Berliner Theater, nachdem er jahrelang Hof- cheaterintendant in Meiningen gewesen war, Paul Schlenther ist Hofburgtheater-Direktor in Wien, und in der Hand Otto Neumann-Hofers liegt die Führung des Berliner Lessina- Theaters, dessen Begründer Oskar Blumenthal ist. Als dieser geschäftskundigste unter den Berliner Theaterdirektoren der letzten Jahrzehnte noch den grausamen und grausam undankbaren Beruf des Theaterkritikers auSübte, da pflegte er mit fernen Schnabelstößen auch in den besten und in den Harrn- Ufelten dramatischen Erzeugnissen so viel Unkraut aufzudecken er m gewissen Kreisen den schönen Beinamen „der blutige Oskar" führte. Im Grunde aber mußte auch der Sanftmütigste ihm Recht geben, denn damals, als er im -Derl. Tagebl." das große kritische Wort führte, gab eß thatsächlich kaum em ernst zu nehmendes neueres Drama. Und als Blumenthal zu der Einsicht kam, daß ein Umschwung m der deutschen dramatischen Dichtkunst auch nicht so bald zu erwarten war, da sagte er sich: dramatische Scherze dritter Güte fnege ich auch fertig. Darum ging er von der Theater- kntck zur Theaterschriftstellerei über; und er behielt wieder Recht, denn er errang als Bühnenautor manchen großen Erfolg. Niemals aber wohl ist er selbst auf den Gedanken gekommen, daß etwa fein „Hans Huckebein" oder seine Grobe Glocke" Anspruch auf dichterischen Wert oder Bedeutung hatten, denn dazu ist er doch ein zu kluger, kritischer Kopf. Doch er macht brillante Geschäfte, mit seinem „Weißen Rößl" jüngst sogar noch ein ganz besonders gutes, als man wunderlicherweise passend sand, dem Prinzen Heinrich diesen kläglichen Klepper amerikanisch dressiert zum Äschiede von der Neuen Welt vorzuführen. Was tonnte Blumenthal noch mehr wollen! Einen anderen Ehrgeiz, als ein reicher Mann zu werden, hat er ja längst nicht mehr, und das ist ihm ja wohl auch über eigenes Erwarten gelungen. Heute sind längst die kritischen Akten über ihn abgeschlossen, und es liegt lein Grund vor, zu diesen Akten einen Nachtrag zu liefern. Kurz sei festgestellt, daß in der „Großen Glocke", wie in den meisten anderen seiner älteren Lustspiele, Blumenthal in den beiden letzten Akten einen straffen Bau zu errichten bestrebt war, dem jedoch das Fundament fehlt, rnie die technisch schwachen ersten Akte zeigen, und daß er das Hauptgewicht nicht auf die Entwickelung des eigentlichen Gedankens feines Lustfpiels, sondern in einzelne Szenen legte. Es mangelt der „Großen Glocke" auch nicht an Geist, ebensowenig an Witz, der aber nicht aus dem Eigenwesen der Menschen stammt, die er vorführt, sondern ganz aus seinem eigenen, dem das sogenannte deutsche Gemüt ein Buch mit sieben Siegeln ist. Den guten Leitgedanken feines Lustspiels, das em schöner Hymnus auf die Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit des wahren Künstlers hätte werden können, ließ er hinter einer Fülle banaler Einfälle zurücktreten, und so brachte er sich auch durch die „große Glocke" darum, in eine höhere Stufe der dramatischen Autoren eingereiht zu werden, als etwa die „Dichter" der »Zwei glücklichen Tage" und des „Herrn Senators", der „zärtlichen Verwandten" und des „Hauses Äonei". Frl. v.Hellbronu undHerrHertzog hatten zu ihrem gemeinsamen Benesizabend „die große Glocke" gewählt. Ob sie damit gleichzeitig eine Art Feier zu Ehren Blumenthals beabsichtigten, der just am gestrigen Tage seinen 50. Geburtstag, fern von seiner Vaterstadt Berlin im schönen Land Tirol, beging, weiß ich nicht. Unserem Theaterpublikum wenigstens war diese Thatsache anscheinend nicht bekannt, denn sonst hätten sich die Freunde Blumenthalscher Muse jedenfalls zahlreicher eingefunden, wenn man schon den beiden pflichttreuenBenesizianten freundlichere Aufmerksamkeit zu schenken leider unterließ. Frl. v. Hellbronn stellte mit bekannter Geschicklichkeit die unermüdliche Bünbamdame dar, die Gattin des unmöglichen Konsuls Gundermann, eine lächerlich eitle, bei allem Intrigieren geistlose, maßlos ehrgeizige Gesellschaftspflanze, deren Vornehmheit nichts als äußerer Firnis, deren Protektionsbedürfnis so unecht ist, wie die vom Frhrn. von Richt- Hosen gerühmten freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Nationen südlich und westlich der Nordsee. Herr H e r tz o g gab dem Satiricus Martin Murner etwas gutmütig Spitzes und charakterisierte ihn so ganz wirkungsvoll. Herr Schneider als Eberhard Wilfried bot wieder eine im ganzen genommen anerkennenswerte Leistung. Sein Spiel war, wie gewöhnlich, äußerlich nicht besonders bewegt, sein Ton, wie gewöhnlich, herzlich und innig. Seinem stummen Spiel dürfte Herr Schn, wohl mehr Sorgfalt zuwenden. Um nur auf eine Szene Hinzuwersen: bei der Erzählung beS guten Gundermann von seiner geflüchteten Tochter Ottilie im letzten Akte muß Eberhard starke Teilnahme, Bestürzung zeigen; das ganz plötzliche Aussichherausgehen mit dem Einsatz feine c ersten Worte nach langer gemütlicher Apathie wirkt geradezu komisch. Falsche Betonungen waren wieder an der Tagesordnung. So z. B. klagte der brave Eberhard in gerechtem Zorn : „Ich wollte den Ruhm aus eigener Kraft erringen, nicht durch andere", statt die „erg e ne" Kraft hervorzuheben. Frau Jenny gab, lebenswahr und sympathisch, eine nur für ihren Sohn lebende zärtliche Mutter. Die Herren Verlach, Woisch und Leßmann boten viel Gutes. Der erstere zeigte einen fröhlichen, leichten Humor, der ihm ganz brillant, stand, in größter Ungezwungenheit, manchmal freilich gar zu eans gene Herr Woisch offenbarte wieder seine bekannte eckige Komik. Beide Herren haben die Angewohnheit, die Bühne fast fortwährend eilenden Schrittes zu durchmessen; auch wenn sie in ruhiger Unterhaltung in vornehmen Salons sich befinden, kommt es ihnen nicht darauf an, denen, an die sie ihr Geplauder richten, beim flotten Marschieren den Rücken zu kehren. Herr Leßmann hat eine andere Eigentümlichkeit: er heftet bei etwas längerer Rede eine Augen zumeist unverwandt zu Boden, statt auf den, mit dem er feine Unterhaltung führt. Das sind fortwährend zu beobachtende Eigenheiten, die eine aufmerksame Regie nicht- dulden dürste. Tie Damen v Aspernburg und Brandau thaten ihre Schuldigkeit, und Frl. Feige zeigte als Baronin v. Sölden eine angenehme Harmonie im Spiel; das Zu- ammenspiel war ganz besonders in ihrer hübschen großen Szene mit Herrn Gerlach im 3. Akte wohlgelungen. Frl. Feige zeichnet sich übrigens immer durch besonderen Fleiß auS;_ sie beherrscht ihren Part textlich stets vollkommen. Sonst gabS natürlich auch wieder im Lause des Abends manche störende Angstpause. P. Wittko. Lor f mtb Bähr Wünsche geltend. Die beiden letzteren -hoffen auf eine Regulierung der Wetter bezw. der Nidda bei Höchst, worauf Staatsminister Rothe Berücksichtigung der Wünsche verspricht. Zu Kapitel 128: Kunststraßenwesen beantragt der Ausschuß in seiner Majorität, nur 105 000 Mk. zu bewilligen, in seiner Minorität, weitere 100 000 Mk. zu bewilligen und diese je nach Bedarf an die einzelnen Provinzen zu verteilen. Abg. Gut fleisch (frei).) und Gen. beantragen werter, von diesem letzten Betrag allein 63000 Mk. für die Provinz Oberhessen zu bewilligen. Dr. Gutfleisch nimmt Bezug auf seine neulichen Ausführungen, die er zu diesem Kapitel gemacht habe. Durch eine Klausel im Budget sei die Provinz Oberhessen um 63000 Mauk verkürzt worden, weil die 30000 Mk., die es vorher erhalten habe, noch nicht verbraucht worden waren. Deshalb seien die Oberhessen zukommenden 63 000 Mk. unter die beiden anderen Provinzen verteilt worden. Damit nun Oberhessen nicht zu kurz komme, bitte er, seinem Antrag zuzustimmen. Damit man sicy bei dem Bau nicht überhaste, müsse man denselben von einer engeren Frist befreien. Tann werde es nicht wieder Vorkommen, daß in der gegebenen Zeit das zugeteilte Geld nicht verwendet werde. Bei seinem Antrag handele es sich nicht um eine besondere Bevorzugung Oberhessens, sondern man müsse nur der Provinz das geben, was früher für sie bestimmt worden sei und ihr von Rechtswegen gehöre. Gr bitte dringend, seinen Antrag anzunehmen. Tie Abgg. M o l t h a n (Zentr.) und Häusel (nl.) erklären, für den Antrag des Vorredners stimmen zu wollen. Hierauf wird abgestimmt und die drei Anträge (s. o.) -genehmigt. Schluß 6y2 Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag 9 Uhr. 97. Sitzung. D a r m st a d t, 13. März. Dritter Präsident Reinhart eröffnet die Sitzung um 91/2 Uhr. Am Regierungstisch: Justizminister Tittmar Exc., Finanzminister Gnauth Exc., Ministerialräte WilLrand, v. Biegeleben, Püc^l, Geh. Oberfinanzrat Becker, Geh. Oberbaurat Hofmann. Tie Beratung des Budgets wird fortgesetzt. Bei der 9. Hauptabteilung: Ministerium der Justiz,, Kapitel 129: Zentralbauwesen wird Titel 1: Bewilligung von 124 000 Mk. für das Justizgebäude in Mainz, genehmigt. Zu Titel 2: beantragt die Majorität des Ausschusses, die geforderten 20300 Mk. als erste Rate für die Verlegung der Amtsgerichte Tarmstadt I und II in einen Neubau auf dem Grundstück der ehemaligen Münze, nicht zu bewilligen. Hierzu führt Justizminister Tittmar aus: Er bitte, der Regierungsvorlage zuzustimmen. Vergleiche in dieser Beziehung mit Gießen und Mainz fielen sehr zu Ungunsten Darmstadts aus. In Gießen habe man bis zum Jahre 1879 drei getrennte Justizgebäuüe gehabt, die in genanntem Jahre in einem Neubau vereinigt worden seien. Gleich günstige Verhältnisse bestünden in Mainz, wo von jeher nur ein Gebäude vorhanden gewesen sei. Anders sei dies in Darmstadt. Das Justizgebäude am Mathildenplatz sei für seinen jetzigen Zweck verfehlt. Die Beleuchtung sei durchaus ungenügend, die Diensträume des Geueralstaatsanw altes reichten für eine entsprechende Unterbringung der chm beigegebenen drei Gerichtskostenrevisoren nicht aus, der Senatspräsident des Oberlandesgerichtes verfüge nur über ein Zimmer, und die Mitglieder des Oberlandesgerichtes hätten überhaupt kein Arbeitszimmer. Beim Landgericht seien dieselben Mißstände vorhanden. Dazu kämen noch andere Mängel, unter denen das Schwurgericht zu leiden habe. Tie Amtsgerichte I und II seien in der Hügel- bezw. Neckarstraße untergebracht. Es sei nun beabsichtigt, anstelle dieser verschiedenen Gebäude einen einzigen Bau zu errichten in der Weise, daß man das Gebäude am Mathildenplatz erhalten und daneben auf einem Staatsgrundstück einen Neubau errichten wolle, der durch eine Ueberbrückung der Straße mit dem Justizgebäude am Mathildenplatz verbunden werden solle. In diesem Neubau wolle man die Amtsgerichte I und II, sowie die Staatsanwaltschaft und die Strafkammer unterbringen. Wenn man letztere aus dem Gebäude am Mathildenplatz herausnehme, dann könne man die Verhältnisse dort in einer Weise verbessern, daß den berechtigten Klagen abgeholfen werde. Er bitte deshalb, dem Projekt zuzustimmen und die erste Rate zu genehmigen. Abg. Schmidt (Zentr.): Er stehe der Frage, um die es sich hier drehe, ganz objektiv gegenüber. Wenn er die toenigeu Bemerkungen des Finanzausschusses ansehe: „Der jetzige Zustand habe schon so viele Jahve bestanden, ohne zu besonderen Unzuträglichkeiten zu führen, und könne, insbesondere mit Rücksicht auf unsere derzeitige Finanzlage auch noch auf einige Jahre andauern", so müsse er sagen, daß dieser Passus, der so oft im Budget Wiederkehre, hier seine Wirkung auf ihn verfehlt habe. Die Berufung aus unsere Finanzlage sei hier nicht zutreffend. Was die Verhältnisse des Gebäudes am Mathildenplatz anlange, so müsse jeder, der die Lokale gesehen habe, sagen, daß das Gebäude in ganz verfehlter Weise eingerichtet sei. Für Fremde sei es nicht möglich, sich dort zurechtzufinden, deshalb könne man dankbar sein für die Initiative der Regierung. Das Gebäude sei thatsächlich kein menschenwürdiger Aufenthalt. Tie Interessen des Anwaltstandes und des Publikums seien in dieser Beziehung einig. Im Interesse der Rechtspflege und der Residenz bitte er, die Vorlage anzunehmen. Abg. Weidner (fr. w. V.): Seine ursprüngliche Absicht sei gewesen, die Vorlage abzulehnen, aber mittlerweile habe er einen Einblick in die Verhältnisse gethan und werde nunmehr für die Bewilligung stimmen. Hätte das Justizministerium die Verhältuisse im Finanzausschuß genauer geschildert, so wäre der Ausschuß zu einem anderen Beschluß gekommen. Die Justizbehörde dürfe man nicht in unzulänglichen Räumen unterbringen. Er stimme mit Freuden für die Vorlage aus Ueberzeugung. Abg. G u t f l e i s ch (frei).) stimmt den beiden Vorrednern durchaus zu. Er hätte es lieber gesehen, wenn das Gebäude am Mathildenplatz ganz aufgegeben und alle Justizbehörden in einem einzigen Neubau untergebracht hätte. Im Lande sei man unangenehm überrascht worden durch diesen Beschluß des Ausschusses. Die Zustände in dem Gerichtsgebäude seien unwürdig und unhaltbar; er bitte das Haus, die Vorlage einstimmig zu genehmigen. Abg. Köhler-Langsdorf (fr. w. V.) will auch die Stadt Tarmstadt zu den Baukosten herangAogen wissen. Nachdem die Abgg. Köhler-Tarmstadt, Molthan, Cramer und Morneweg für die Regierungsvorlage kurst eingetreten find, wird die Regierungsvorlage ein&mmtg genehmigt. ZuTitel 3: Errichtung eines AmtSge richt s- gebäudes in Dieburg beantragt die Majorität des Ausflusses, die geforderte erste Rate von 28000 Mk. zu bewilligen. Die Minorität ist für den Striche dieser Position, weil der fragliche Neubau keine Elle habe und die Rücksicht auf unsere Finanzlage es als wünschenswert crschemen lasse, abzuwarten, bis das Kreisamtsgebäude in Dieburg ertig gestellt sei, um dann in Erwägung zu ziehen, ob sich ras Gebäude, in dem sich das Kreisamt zur Zeit befindet, nicht als Amtsgerichtsgebäude verwenden läßt, zumal das ünftige Amtsgericht nur mit einem Richter besetzt wird. Abg. Bähr (fr. w. V.): Er müsse erklären, daß er außerordentlich überrascht sei, daß die Regierung im Budget einen Betrag für das Amtsgericht in Dieburg eingestelll habe, das überhaupt noch nicht bestehe. Es sei noch gar nicht festgestellt worden, ob das Verlangen nach einem olchen in dem Kreise Dieburg und die Notwendigkeit hier- Ür bestehe. Die vorgebrachten Gründe für die Errichtung eines neuen Amtsgerichtes in Dieburg seien nichtig. Die Groß-Umstädter hätten ebenso weit nach Dieburg zum Kreisamt wie die Dieburger nach dem Amtsgericht Groß-Umstadt. Mit demselben Recht könne Groß-Umstadt auch ein Kreisamt verlangen. Der Bezirk Groß-Umstadt umfasse zur Zeit 26 000 Einwohner, trenne man alsdann durch Errichtung eines Amtsgerichtes in Dieburg diesen Bezirk von dem Amtsgericht Groß-Umstadt ab, so kämen auf Dieburg nur 13 000 Einwohner. Deshalb sei die Bedürfnisfrage durchaus zu verneinen. Und zudem, warum sollte denn hier gerade der Staat bauen, wo die Gemeinde Dieburg sich doch bereit erklärt habe, das Amtsgericht zu bauen. Der weiteste Ort ei von dem Amtsgericht Groß-Umstadt nur 11 Klm. entern!, in Oberhessen dagegen manchmal einige zwanzig Kilometer. Zur Teilung des Amtsgerichts Groß-Umstadt liege kein Grund vor; werde man es dennoch thun, so werde man außerdem 'die Gemeinde Groß-Umstadt in sehr empfindlicher Weise schädigen. Er bitte deshalb, die Forderung abzulehnen. Justizminister Dittmar: Es sei« möglich, den neuen Bezirk Dieburg so abzuarenzerr, daß Groß-Umstadt nicht ae- chadigt werde. Abg. Bähr habe sich gewundert, daß die Regierung die Offerte der Stadt abgeschlagen habe. Die Stadt Dieburg habe zwar das Gelände unentgeltlich geteilt, aber habe denn der Abg. Bähr gehört, daß die Ge- neinde auch das Gebäude unentgeltlich bauen wolle. Wenn der Staat baue, dann habe er den Vorteil, im eigenen Hause zu sein, und befriedige das Bedürfnis billiger. Der Finanzausschuß sei mit der Regierung der Ueberzeugung, daß dort ein Amtsgericht notwendig fei. In jeder Kreisstadt bestehe fast ausnahmslos ein Amtsgericht; auch für Groß-Zimmern werde das eine Wohlthat fein. Abg. No ack (nl.) ist in Uebereinstimmung mit den Ausführungen des Abg. Entfleisch bei der Generaldebatte gegen die Vorlage. Abg. Weidner (fr. ro. 23.) will überhaupt keine neuen Amtsgerichte mehr bewilligen. In Oberhessen habe man oft fünf Wegstunden und mehr bis zum nächsten Amtsgericht. Abg. Molthan (Zentr.) erklärt, die Debatte habe einen überraschenden Verlauf genommen. Die Regierung habe den Fall für wichtig genug gehalten, um mit einer Vorlage heranzutreten. Die dortige Bevölkerung wünsche das Amtsgericht, weil sie mit Groß-Umstadt eine schlechte Eisenbahnverbindung habe. Die Frage der Wichtigkeit der Errichtung eines Amtsgerichts falle in die Kompetenz der Justizverwaltung. Man schiebe die Interessen Groß-Umstadts zu ehr in den Vordergrund. Er bitte, der Vorlage zuzustimmen. Justizminister Dittmar: Die Stadt Dieburg habe nicht ohne große Schwierigkeiten und Geldopfer den Platz bereits angekauft und auf die Zustimmung der Kammer gerechnet. Ine Falle befc Abbehnustg nehme man der Gemeinde gegenüber keine schöne Position ein. Abg. Wolf (fr. w. V.) macht feine Zustimmung von der Gewährung eines entsprechenden Beitrags der Stadt Dieburg abhängig. Abg. Bähr (fr. w. D.) bittet nochmals, gegen das unnötige Amtsgericht zu stimmen. Abg. Jöckel (nl.): Groß-Umstadt werde durch die Abtrennung außerordentlich geschädigt, nachdem es in früheren Jahren schon so viel verloren habe; er bitte, die Vorlage abzulehnen. Hierauf wird übgeftimmt und die Regierungsvorlage betreffend die Errichtung eines Amtsgerichts Dieburg abgelehnt. Tie folgenden Titel: Amtsgerichtsgebaude in Höchst, Neubau des Amtsgerichts in Oppenheim, Provinzialarresthaus Tarmstadt und Provinzialarresthaus Gießen mit einer Bewilligung von 6700 Mk. werden ohne Tebatte genehmigt. Zu Kapitel 130: Grundbuchwesen beantragt der Ausschuß, 250 000 Mk. zu bewilligen. Hierzu liegt ein Antrag Joutz und Leun vor, nur 125000 Mk. zu bewilligen. Abg. Joutz (f. w. 23.) begründet seinen Antrag damit, daß die Anlegung der Grundbücher für den Staat und die Gemeinden sehr kostspielig sei und daß, falls nach erfolgter Neuantegung eine Feldbereinigung ausgeführt werde, nochmals ein neues Grundbuch angelegt werden müsse. Dies sei der Fall bei der Gemeinde Ostheim. Diese Ausgabe sei unnütz, und er sei der Ansicht, daß die Neuanlegung durchaus nicht so eile. Man könne noch 15—20 Jahre damit warten und diese erst nach erfolgter Feldbereinigung vornehmen. Dann sei die Sache einfacher und billiger. Der Betrag von 125 000 Mk. genüge vollkommen. Abg. Leun (f. w. V.) stimmt im großen Ganzen mit dem Vorredner überein und verbreitet sich des längeren über das Grundbuchwesen überhaupt und kommt zu dem Schluß, die neuen Grundbücher seien überflüssig. Die 125 000 Mk. seien ausreichend, um die angenommenen Schreibhilfen weiter beschäftigen zu können. Justizminister Dittmar: Die Feldbereinigung werde von der Justizverwaltung insofern respektiert, daß man bet bevorstehenden mit der Anlegung des Grundbuchs zurückhalte. Es handle sich hier nur um die Ausführung der Gesetze, die in Uebereinstimmung mit den Landständen zustandegekommen seien. Es sei jedenfalls ein Hemmnis für den Verkehr, wenn das Grundbuch da angelegt sei und dort nicht. Ein wohlgeordnetes, dem Kreditwesen günstiges Grundbuchsystem sei eine Wohlthat für das Land. Abg. Wolf (fr. w. 23.) erklärt, durch die Reichsgesetze sei die Regierung verpflichtet, die Grundbücher anzulegen. Je rascher die Zwitterstellung beseitigt werde, desto besser sei es. Abg. Weidner (fr. w. 23.) will bet allen Gemeinden, die mit Feldbereinigung noch im Rückstand sind, von der Anlegung des Grundbuchs abgesehen wissen. Der Ausschußantrag wird sodann genehmigt, damck fällt der Antrag Joutz und Leun. Schluß I V, Uhr. Nächste Sitztmg nachmittag- 3l/2 Uhr. Nachmittagssitzung vom 13. März. (Vorläufiger Bericht.) Nachmittags 31/2 Uhr. Zunächst wurde der Rest des Budgets fast debattelo-- genehmigt. Alsdann wurde mit der Beratung des Finanz» gesetzes begonnen. Der Ausschuß beantragte in seiner Mehrheit: die Regierungsvorlage in ihrer vorliegenden Form (Deckung des Desizits durch eine allgemeine Erhöhung der Vermögenssteuer von 55 Pfennigen auf 75 Pfennige pro aufenb Mark Vermögen) abzulehnen und den Artikel 1 mit olgendem Zusatz anzunehmen: „Von dieser Erhöhung bleiben jedoch die Vermögen bis ausschließlich 15 000 Mk. ausgenommen, indem die Bestimmungen des VermögenssteuergesetzeL in Bezug auf die gleichmäßige Verteilung der Lasten geändert werden. Die Minorität beantragt einen Zuschlag zur Ein-- ‘ommenfteuer von 5 Proz. und Erhöhung der Vermögenssteuer von 55 auf 60 Pfennige. Abg. Köhler-Darmstadt begründet als Berichterstatter der Majorität deren Antrag. Abg. Jöckel vertritt den Standpunkt der Minorllät. Finanzminister Gnauth stellt verschiedene irrige Aufässungen Jöckels richtig und spricht für die Regierungsvor- age. Die Verantwortung für eine Erhöhung der Einkommenteuer werde er nicht übernehmen. Abg. David hält den Antrag der Majorität für das kleinere Hebet. Sie werden diesem zustimmen. Abg. Wolf spricht sich für die Minorität aus. Geh. Obersinanzrat Becker gibt eine zahlenmäßige Uebersicht über die Wirkungen der Regierungsvorlage und res Antrags der Minorität. Diese von letzterer beabsichtigte Wirkung werde gerade die umgekehrte sein. Die Regierungsvorlage verstoße nicht gegen die Grundprinzipien der Steuerreform. Staatsminister Rothe teilt die Anschauungen deS Finanzministers. Falls die Regierungsvorlage nicht zustande komme, werde er für eine Verständigung auf der Grundlage des Antrags der Majorität fein. Die Abg. Molthan und Pennrich treten für den Antrag der Majorität ein. Nachdem Finanzminister Gnauth nochmals entschieden betont hat, daß der Eintrag der Minorität für die Regierung unannehmbar sei und er keinesfalls die Verantwortung dafür übernehmen werde, wird abgestimmt. Der Antrag der Minorität, über den namentabgestimmt wird, wird abgelehnt mit 28 gegen 13 Stimmen. Der Antrag der Majorität wird ebenfalls mit 21 gegen 20 Stimmen abgelehnt und die Regierungsvorlage (allgemeine Erhöhung der Vermögenssteuer um 20 Pfennige pro tausend Mark) wird mit allen gegen 5 St. angenommen. ______________________Schluß 7 Uhr._____________________ Aolltarifkommisfion. Berlin, 13. März. Die Zolltarif-Kommission des Reichstages setzte heute chre Beratungen bei Position 37 fort. Dazu Hütte Abg. Wallenborn beantragt: 1) für lebende Pflanzen in Töpfen einen Zoll von 30 Mk., 2) für lebende Pflanzen ohne Erdbällen 20 Mk., 3) für Rosen 40 Mk., 4) für Bäume und andere vorstehend nicht genannte lebende Pflanzen einschließlich der Lorbeerbäume 15 Mk. in Ansatz zu bringen. Staatssekretär v. Richthofen bat um Ablehnung des Antrages auf Verzollung von Blumen una Blättern. Es bestehe kein Zweifel darüber, daß die Regierungen das Fortbestehen der gegenwärtigen Zollfreiheit für gewisse frische Küchengewächse (Gemüse), für frische Blumen und Blätter als Vorbedingung für das Zustandekommen eines neuen Handelsvertrages zwischen Deutschland und Italien ansehe und diese Zollfreiheit bei der vertragsmäßigen Neuregelung unseres Handelsvertragsverhältnisses zu Italien zu gewähren entschlossen sei. Dr. Müller- Meiningen ist der Ansicht, daß die Rechte mit dem Feuer spiele, der Abschluß von Handelsverträgen sei chr gleichgiltig. Es werde ganz schablonenhafte Schutz- zöllerei getrieben. Aus Handels-, sozialpolitischen und ästhetischen Gründen seien er und seine Freunde gegen die Erhöhung dieser Zölle. Auf Antrag Mülleu-fMeiningen wird zunächst feftgestellt, daß Cycasstämme ohne Wedel frei bleiben. Sodann wird der Antrag Wallenborn in den ersten drei Sätzen unverändert angenommen. Bei dem vierten Satze fällt der Satz betreffend Cycasstämme fort, jedoch wird das Wort Pfropfreiser hinzugefügt und hierfür ein Zollsatz von 15 Mark mit 15 gegen 11 Stimmen angenommen. Vereinigt werden in der Besprechung Pos. 38 Orchideenkulten und Pos. 39 Blumenzwiebeln. Gäbel und Genossen beantragen folgende Fassung für Pos. 39, Blumenzwiebeln und Knollen, vorstehend nicht genannt, 7.50 Mk. Beumer erklärt, seine Freunde wollten Handelsverträge, welche die deutsche Arbeit schützen. Man nütze den Interessen der Konsumenten auch dadurch daß ihnen der Bezug guter deutscher Ware ermöglicht werde. Staatssekretär v. Richte Hofen bedauert, daß die Regierungserklärung bei der Kommission nicht berücksichtigt würde, sondern daß die gestrigen und heutigen Abstimmungen gegen die Bitte der Regierung ausgefallen seien. Er bittet um Aufhebung des gestrigen Beschlusses betreffend die Einfuhr von Gemüse, v. Wangenheim wünscht auch Handelsverträge, aber nicht auf Kosten der Interessen Deutschlands. Staatssekretär v. Richt- Hofen betont, die verbündeten Regierungen vertreten gleichfalls das Gesamtinteresse Deutschlands. Schrader (frei)'.) erklärt, noch nie seien wichtige Regierungserklärungen so entschieden abgelehnt worden wie heute. Stolle (Soz.) bestreitet, daß ausländische Blumenzwiebeln schlecht seien. Das Vorgehen der Mehrheit führe zum Zollkrieg. Speck (Ztr.) führt aus, der Wunsch nach Schutz für die deutschen Gärtnereien und Verkleidung der Einschleppung von Jn- fektionskeimen aus dem Auslande habe die Kommissionsbeschlüsse herbeigeführt. Spahn (Ztr.) meint, zu der Erklärung des Staatssekretärs für die Zukunft lag kein Grund vor. Staatssekretär v. Richthofen entgegnet, er habe keine Erklärung für die Zukunft abgegeben, sondern von aktuellster Bedeutung, um Beunruhigungen zu vermeiden. Dr. Müller-Sagan (freis.) meint, durch die Zölle wolle die Mehrheit Handelsverträge unmöglich machen. Die Beschlüsse der Kommission müßten im Auslande als chikanöS angesehen werden. Gamp und Paasche weisen die Angriffe auf die Mehrheit der Kommission zurück. Paaschs )agt, die Erklärung Richthofens kam unerwartet und habe die Verhältnisse per Lage nicht gefördert. Stadthagen bezeichnet als Hauptziel, die deutsche Arbeit durch Zollfveiheit zu schützen. Graf Schwerin erklärt, die Kommrsswn urteile nach den Bedürfnissen Deutschlands, nicht nach denen des Auslandes. Nur für Deutschland vorteilhafte Handelsverträge seien erstrebenswert. Staatssekretär R i ch t h o f e n erklärt, die Regierung habe nicht die Absicht, a tout Prix Handelsverträge zu schließen, sondern solche, die die Landwirtschaft berücksichtigen. Darauf weise das ganze Tarrs- werk hin. Schrader bedauert den Beschluß derKommistron. Speck wünscht Auskunft über den Stand der Zollvorbereitung. Staatssekretär v. Nichthofen gießt vertrauliche Auskunft. Pos. 38 und 39 werden hierauf unter Ablehnung des Antrags Gäbel nach, dem Negierungsvorschlag angenommen. Es folgen gemeinsam bespvochen Pos. 40 41, 43. Hierzu beantragen Gäbel und Genossen ber Pos. 40 200 Mk., Pos. 41 75 Mk., Pos. 43 62.50 Mk. Dieise Anträge werden abgelehnt gegen 11 Stimmen. Pos. 40, 41 und 43 werden nach der Vorlage angenommen. Bei Pos. 42 Cycaswedel frisch getrocknet 20 Mk. beantragt von Wangenheim 250 Mk. Nach kurzer Debatte wird der Antrag Wangenheim mit 12 gegen 11 Stimmen angenommen. Aus Stadt und Land. Gießen, 14. März 1902. — Bekommen wir je einen Saalbau oder ein Theater- gebäude? Unsere Stadtoäter faßten jüngst den Beschluß, die Realschule zu einer Oberrealschule auszubauen und bewilligten zu diesem Zwecke 175 000 Mk. Ist es wirklich, angesichts der städtischen Steuerkrast, so außerordentlich nötig, daß diese so erhebliche Mittel erfordernde Aenderung in dem an sich schon geradezu unvergleichlich umfangreichen und hohen Stande der Unterrichtsanstalten Gießens eintritt? Wenn eine Oberrealschule auch in Oberhessen zurzeit noch nicht existiert, ist sie denn so absolut notwendig für unsere Provinz, und muß es, gesetzt diesen Fall, gerade Gießen sein, das dieses Geld dafür hingiebt? Hätte man nicht, wenn man schon diese Summe so locker im Stadtsäckel fühlte, diesen oder auch nur einen geringeren Betrag nicht besser für einen Saalbau oder einen Theaterbau vorsehen können? Ist ein solcher angesichts der geistigen Bedeutung unserer Stadt fürs ganze Land, ja für das Reich nicht wertvoller und wichtiger als eine Oberrealschule? Eine Realschule, wie wir sie jetzt haben, giebt den Söhnen unserer Kleinbürger und unseres Mittelstandes eine mit der Berechtigung zum einjährigen Militärdienst abschließende Bildung, die auch an sich etwas einheitlich Ab- geschlosienes darstellt und namentlich für unseren mittleren Handels- und Gewerbestand vollkommen genügt. Eine Ober- realschule führt zum Abiturium, erfordert dieselbe Zahl an Unterrichtsjahren wie Gymnasium und Realgymnasium, bietet aber den Absolventen nicht im entferntesten die Aussichten wie die genannten beiden Anstalten; ihr Lehrpensum schließt das Ergreifen der bei weitem überwiegenden Anzahl von wissenschaftlichen Berufen aus, erschwert dieses zum mindesten sehr erheblich. Endlich gibt sie denen, die ihre Schulbildung mit dem Einjährigen-Zeugnis beenden wollen, nichts Abschließendes, sondern etwas Halbes, was sehr wesentliche Nachteile mit sich bringt. — In der westpreußischen Stadt Thorn soll demnächst ein, Stadttheater erbaut werden. Zu den 380 000 Mk. betragenden Baukosten hat die dortige Stadtvertretung bereits 300 000 Mk. bewilligt. Thorn zählt etwa 30 000 Einwohner, ist also nur wenig größer als Gießen und hat vor allem nicht die Verpflichtungen, die eine Universitätsstadt gegenüber Studenten und Professoren mit deren ganzem großen Anhänge hat. Auch ein gutes Theater ist ein Bildungsinstitut, und zwar u. E. em sehr wesentliches und bedeutsames. Wir können nur immer wieder unseren Notschrei nach einem städtischen Theater- oder Saalbau wiederholen. Es fehlt in unserer Stadt und man vermißt schmerzlich ein Etablissement, wie etwa der Windhof eines, leider auf freiem Felde, darstellt. Unsere Nachbarstadt Marburg hat wenigstens zwei große und stets vorzüglich frequentierte Bier- paläste mit großen schönen, zu allerhand Dingen geeigneten Sälen. Das Stein'sche Gartenlokal und der Leib'sche Saal genügen nach alter Erfahrung wohl vielen, aber nicht allen Ansprüchen. Im vorigen Sommer war bereits die Rede vou der Einberufung einer allgemeinen Bürgeroersammlung zux Beratung über diese Frage, seitdem hat man nichts mehr davon gehört. Wir halten es für nützlich, aufs neue daran zu erinnern. •* Stadttheater - Abonnement. Die Direktion unseres Stadttheaters schreibt uns: In letzter Zeit sind mehrfach Klagen darüber laut geworden, daß den Abonnenten nicht genügend Gelegenheit geboten worden sei, ihre Billets zu verwerten. Die Leitung des Stadttheaters hat in dieser Saison bis heute gegeben: 30 Abonnements-Vorstellungen ohne Preiserhöhung, darunter Novitäten-Aufführungen wie „Macht der Finsternis", „Heber unsere Kraft", „Haus Rosenhagen", „Die größte Sünde". — 23 Abonnements-Vorstellungen mit Preiserhöhung (Gastspiele und Novitäten), ferner 7 volkstümliche Vorstellungen, zu denen laut Erklärung auf dem Theaterzettel Abonnementsbillets gütig waren. Das ergibt bis zum heutigen Tage 60 Vorstellungen, in denen Abonnementsbillets verwertet werden konnten. In diesen 60 Vorstellungen wurden, die Wiederholungen abgerechnet, 42 verschiedene Stücke aufgeführt, also 42 Stücke in 60 Aufführungen auf dreißig Abonnementsbillets. Bedenkt man nun noch, daß die Abonnementsbillets zu den Aufführungen in beliebiger Anzahl verwendet werden können, so kann von Mangel an Gelegenheit zum Ausnutzen des Abonnements keine Rede sein. Die Abonnementsfrage müßte hier unseres Erachtens viel mehr zu Gunsten des Theater- unternehmerS geregelt werden, z. B. in der Weise, daß die Entnahme einer Anzahl von Blockbillets zum Besuche einer eine bestimmte Anzahl von Aufführungen umfaffenden Vorstellungs-Serie verpflichte, wie das an anderen Bühnen von gleichem Range (Hanau, Göttingen rc.) der Fall ist. Dieburg, 13. März. Hier hat man die Abortanlagen des neuen Schulhauses in der Nähe der Wallfahrtskirche, aller Pietät und Sitte hohnsprechend, auf die U m z ä u u u n g 8 - mauer des christlichen Friedhofs aufgebautI Die dort liegenden Familiengrabstätten, darunter eine, für deren Unterhaltung die Stadt vor einigen Jahren einen erhebliche» Geldbetrag entgegen genommen hat, stoßen nunmehr direkt an die Schulaborte an. Die Ausdünstungsvorrichtungen sind geschmackvoll nach dem Friedhof hin geöffnet. Man ist allgemein entrüstet über diesen Unfug. Der Stadtvorstand, der übrigens, wie dem „Mainzer Journal" berichtet wird, ausschließlich aus Katholiken bestehen soll, hat sich als Bauherr mit diesem Bau ein eigenartiges Denkmal errichtet, das ihm wenig Ehre eintragen wird. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Darmstädter Bank. Neuesten Meldungen zufolge soll nun die Einbeziehung der Bank für Süddeutschland in Darmstadt in die Darmstäd.er Bank dem Perfektwerden nahe fein und baS Kapital der letzteren um 25 Millionen Mk. erhöht werden. Hofbierbraucrei Schöfferhof in Mainz. In den nächsten Tagen gelangen eine halbe Million 4'/3 prozentige hypothekarische Arlle:he der Hofbierbrauerei Schöfferhof Akt.-Ges. in Mainz zur öffentlichen Zeichnung. Nach der „N. Bad. Landesztg." ist der Aus» gabekours aus 101 Prozent festgesetzt, während die Rückzahlung der Teilschuldverschreibungen mit 103 Prozent bewirkt wird. Portugiesisches Abkommen. Es ist Aussicht vorhanden, daß in nächster Zeit mit den Inhabern der äußeren Anleihen ein lieber- einkommen erzielt wird und zwar so, daß das Abkommen noch vor Schluß der Session den Eortes vorgelegt werden kann. Die Grundzüge des Abkommens sind, wie der „Fr. Z." aus Parts gemeldet wird, eine Zinsreduktion für die verschiedenen Anleihegattungen auf die Hälfte und gleichmäßige Tilgung aller innerhalb längstens 99 Jahren. Steinkohlen-Industrie. Eine Konferenz Zwickauer und Oelsnitz-Lugauer Werksverwaltungen findet Anfang nächster Woche statt. Diese Konferenz wird über die Bildung eines sächsischen Kohlensyndikats und über eine am 1. April eintretende Preisermäßigung für Jndustriekohlen Beschluß fasten. Zur Lage der Eisenindustrie. In den größeren Eisenwerken des Kölner Bezirkes, sowie denen des bergischen Landes werden gegenwärtig wieder zahlreiche Arbeiter eingestellt und die Feierschichten aufgehoben. Schiffahrtsvertrag. Wie aus Berlin gemeldet wird, soll ein Vertrag zwischen den deutschen und amerikanischen Schiffahrtsgesellschaften auf 20 Jahre abgeschlossen sein. — Welcher Art dieser Vertrag ist, davon eriährt man vorläufig noch nichts. Allgemeine Deutsche Kleiubahugesellschast Akt.-Ges. in Berlin. Es wird darauf hingewiesen, daß der nachträgliche Beitritt zur Schutzvereinigung kostenfrei bis zum 10. April 1902 erfolgen kann. Nach diesem Termin sei ein weiterer Beitritt zur Schutzvereinigung in Gemäßheit des Reorganisationsplanes ausgeschlossen. Mieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt. Auf unsere Brieskastennotiz in Nr. 61 teilt uns ein Leser unseres Blattes freundlichst mit: Der Flächeninhalt des Gesamttriebes betrug vor der Vergrößerung 470000 Quadratmeter. Die Friedensstärke der deutschen Armee beträgt rund 600 000 Mann. Rechnet man nur 2 Mann auf 1 Quadratmeter, so kann die ganze Armee bequem aufgestellt werden; rechnet man 3 Mann auf 1 Quadratmeter, so wurde die ganze Dreibunds-Armee (Friedensstärke 1200000 Mann) auf dem Trieb Platz finden können. In der Mitte dieses Heeres stehen zu müssen, dürfte jedoch nicht zu den angenehmsten Genüssen gehören. Gegen Schnupfen hilft Forman. 212g Bekanntmachung. Die Rechnung der Gemeinde-Krankenverflcherung pro 1901 liegt während acht Tagen, vom Erscheinen dieser Bekanntmachung an gerechnet, zur Einsicht der ^Beteiligten auf dem Bürgermeisterei-Bureau — Zimmer Nr. 15 — offen. Bemerkungen zu derselben können in der genannten Zett bei der unterzeichneten Behörde erhoben werden. Gießen, 11. März 1902. 2115 Großherzogttche Bürgermeisterei Gießen. I. V.r Wolffl Bekanntmachung. Im Pfandlokal, Settersweg 11, werden Dienstag den 18. März 1902, nachmittags 2 Uhr, die an Großh. Polizeiamt abgelieferten gefundenen und von den Verlierern nicht abgeholten Gegenstände, darunter verschiedene Gold- und Sllbersachen, Taschenuhren, Sonnen- und Regenschirme, Stöcke rc. rc. zu Gunsten der Armenkaffe gegen Barzahlung versteigert. Gießen, 7. März 1902. 2061 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Wolff. Aufgebot. Auf Antrag der Johannette Noll, geb. Petri, in Gießen al§ Bevollmächtigte von 1. Christian Emil Marttn Karl Löber in Brighton, 2. Minna Lvber in Brighton, 3. Marie Noll, geb. Löber in Newack, ist das Aufgebotsverfahren zum Zwecke der Todeserklärung des im Jahre 1836 in Gießen geborenen und im Jahre 1862 nach Neuseeland ausgewanderten Emil Vogt, zuletzt wohnhaft in Gießen, eröffnet worden. * Derselbe wird hiermit aufgefordert, sich spätestens im Ausgebotstermin: Mittwoch den 19. November 1902, vormittags 10 Uhr, bei dem unterzeichneten Gerichte zur Empfangnahme seines Vermögens zu melden, widrigenfalls er für tot erklärt und sein Vermögen seinen sich meldenden nächstberechtigten Verwandten ausgeliefert wird. Bis zum gleichen Termine sind etwaige Erbansprüche bei Meldung der Nichtberücksichtigung bei dem unterzeichneten Gerichte geltend zu machen. Zugleich werden alle, welche Auskunft über Leben oder Tod des Verschollenen zu erteilen vermögen, aufgefordert, spätestens im Aufgebotstermin dem Gerichte Anzeige zu machen! Greß en, den 6. März 1902. 2126 Großherzogliches Amtsgericht. Kunst-Ausstellung. im Turmhaus e am ^BranE M ist täglich mit Ausnahme Samstags, von 11 bis 1 Uhr geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags. An Sonn-- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen. — Eintritt für NichtmiLgttsdes au Werktagen ,50 Psg., an Sonn- und Feiertagen 20 Psg. U6 Bekanntmachung. Im Pfandlokal, Settersweg 11, dayier werden Dienstag den 18. März 1902, nachmittags 3 Uhr, die aus dem Nachlaß verschiedener Personen herrührenden Gegenstände, als: Möbel, Betten, Kleidungsstücke, Hausgeräte, sowie ein fast noch neuer, ziemlich großer Handkoffer rc. rc. meistbietend gegen Barzahlung versteigert. Gießen, am 11. März 1902. 2060 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Lpar- m LorschllWerck zu Wieset. Eingetr. Genoffenschast mit unbeschr. Haftpflicht Ailanz am 31. Aktiva. JL H L Kastenbestand 8279.49 2. Vorschuß-Konto 293589.— 3. Güterkaufschillings- Konto 3805.— 4. Gerichtskosten-Konto 12.25 5. Effekten-Konto 598110 6. Immobilien-Konto 600.— 7. Mobilien-Konto 270.— 8. Konto der ausstehenden Zinsen 7402.58 319939.42 Dezember 1901. Passiva. H 1. Anlehen-Konto 278663.08 2. Stammanteil-Konto 19020.23 3. Reservefond-Konto 9314.78 4. Konto der unerhobenen Tarlehnszinsen 10139.06 5. Reingewinn 2802.27 319939.42 Zahl der Mitglieder Ende 1900 Zugang in 1901 Abgang in 1901 Mitgliederbestand Ende 1901 300 21 — 1 20 l 301 Der Vorstand: Schmidt IL, Direktor. Weller, Rechner. Hildebruud, Kontroleur. Montag den 24. März 1902, abends 8f/2 Uhr, findet General-Versammlung bei Wirt Georg Weller statt. Tages-vrdnnug: 1. Vorlage der Jahresrechnung pro 1901. — 2. Festsetzung der zu verteilenden Divrdenden. — 2121 3. Verschiedenes. Für den Aufsichtsrat: Dorfeld. SchuhfelT in rohen Doseh Wer sein Geld auSgiebt für Schuhfett, der kaufe sttvaL rtlitt benn nuT daS Beste GuteS, macht und erhalt das Leder weich, dicht und dauerhaft. Genttrer'L Wichse ht toten Dose» erzeugt auch auf eingefettetem Leder roteber schönen Glanz. Fabrikant Carl Partner in Göppmge«. Bekanntmachung. Donnerstag den 20. l. Mts., nachmittags 3 Uhr, werden auf dem Gasthaus zur Wellersburg bei Wieseck 2 fiskalische Aecker, Gewann in der Lichtenau, Gemarkung Gießen, auf 9 Jahre, und 5 fiskalische Aecker, Gewann im Raupensttauch, Gemarkung Wieseck, 2135 auf 12 Jahre verpachtet. Großh. Oberförsterei Gießen. Großh. Oberförsterei Wieseck. Lautenschläger. Weigand. Regierungsbezirk Wiesbaden. Oberförsterei Oberscheld zu Dillenburg. Am Montag: dem 81. März, vormittags 10 Zlhr beginnend, wird in Dillenburg (Deutz-Gießener Bahn) im Saale des Hotels Neuhofs (Bahnhofstraße) das nachstehend aufgeführte Nutzholz öffentlich meistbietend versteigert: Aus den Schutzbezirken Wallenfels, Tringenstein, Ober- und Niederscheld, Paulsgrube und Eibach: Eichen: 358 Stämme — 114,60 fm, 10 Stangen L, 21 IL, 47 III. Kl.; Buchen: 54 Stämme — 43,98 fm; Eschen: 8 Stämme — 3,26 fm; Erlen: 5 St. — 0,71 fm; Fichte« und Weißtauuen: 1398 St. = 687,15 fm, 493 Stangen L, 698 II., 1969 III. Klaffe; Kiefer«: 814 St. — 465,83 fm; Lärche«: 5 St. — 3,36 fm, 35 rm Nadelholz-Nutzfcheit und -Knüppel. Ferner aus dem Schutzbezirk Nanzenbach ca. 1627 Stück Nadelholz-Stämme (meist Fichte« und Weißtauuen, auch Kiefer« und Lärchen) mit rund 1435 fm. Es kommen starke Fichtenstämme bis »u 5 fm Inhalt und Kiefern- Schneideholzstämme vor. Speziellere Angaben werden auf Wunsch franko übersandt. Auszüge aus den Abzähltabellen bezw. dem Dersteigerungsprotokoll sind gegen Enttichtung der amllich festgesetzten Schrerbgebühren zu haben und Bestellungen an den For't- sekretär Bäbler zu Dillenburg zu richten. Sämtliche Forstbeamte des Reviers erteilen auf Wunsch nähere Auskunft. 2129 Das Darmstädter Pädagogium Darmstadt, Nieder-Ramstädterstraße 28, bereitet in Real- und Gyrnnasialabterlungen zum Einjährigen-, Primaner- und Abiturienten-Examen, sowie zum Eintritt in mittlere und obere Klassen höherer Lehranstalten vor. Begiuu des Sommersemesters: 7. April. [2133] M. üiiae. Globus-Putz extrakt ißt die Rohmaterial aus uiyoiiun Bergwerken. PUTZ 'utzal rffiW/Z IrFindnng icht mit J 'S' Firma eJikbus/ra in rothern Sirrifcj/xijS Krone aller === = Putzmittel. Laut den Gutachten von 3 gerichtlich vereideten Chemikern ist Globns - Putzextrakt in seinen Vorzug). Eigenschaften unübertroffen! Fritz Schulz jun., Aktiengesellschaft, Leipzig. w , L- M. e v n M // /f // 0 n Pferde *nm Schlagte« werden stets zum höchsten Preis angekauft, auch im Beisein des Eigentümers sofort geschlachtet. 2180 Gartenwirtschaft in empfehlende Erinnerung. D. O. Den Nagel auf den Kopf der Grobhen. 1793 Muterhalt. 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