Nr. 11 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zamillen- M älter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Ver- lag der Brüh l'schen Unwers.-Buch- u.Slein- druckeret (Pietsch Erben) Redaktion, Erpedition und Druckerei: Schnlstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FkrnsprechanschlußNr.81. ELT: Erstes Blatt. 153. Jahrgang Dienstag 14. Januar 1908 Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis: monatlich 75Ps., viertel- sährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Ps.; durch die Post Mk. 2.—viertel- lährl. ausschl. BesteNg. Innabmc von Anzeigen ir die Tagesnummer s vormittags 10 Uhr. .^ütlenpreis: lokal 12Pf_ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: ür den polit. u. allgem. Teil: P. Witt ko: für „Stadt und Sanb* und ,Gerichtssaal^:R.Ditt- mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. ungen der Polen zu zeihen. Daß es dem Grafen Bülow gelungen war, den Polen dadurch den Wind aus den Segeln zu nehmen, daß er das konfessionelle Moment, die angebliche Zurücksetzung der katholischen Kirche, absolut ausschied, zeigte die Rede des Zeutrumsaba. Fritzen bei der Besprechung der Interpellation. Fritzen legte sich durchaus nicht so für die Polen ins Zeug, wie es fein Kollege Roeren im Reichstag gethan hatte. Aba. Dr. v. Heyde- brandt konstatierte die Zustimmung der Konservativen zu dem Polen-Programm der Regierung. Kultusminister Dr. Studt recht ertrgte das Verhalten der Schulbehörden. Der Höhepunkt des Tages war aber und blieb die vortreffliche Erklärung des Grafen Bülow, die mit voller, überzeugender Klarheit zum Bewußtsein brachte, daß es sich in den Ostmarken darum handelt, ob das Deutschtum Hammer oder Amboß sein soll. Politische Tagesschau. Die landwirtschaftlichen Lagerhäuser in Bayern. Die Zahl der auf genossensck)aftlicher Grundlage beruhenden, mit staatlicher Unterstützung gebauten oder eingerichteten Lagerhäuser betrug im Jahre 1900/01; 76 gegen 54 im Vorjahre. Die Gesamtkosten für Bau und Einrichb- ung beliefen sich auf etwa 1300 000 Mk. Der Getreideumsatz hat sich nicht unwesentlich gehoben. Eingeführt wurden 604 117 Zentner (gegen 424 464 i. V. und 233 632 i I. 1898/99) und hiervon verkauft 579 604 Zentner (387 863 l V., 072664 i. I. 1898/99). 37 Lagerhäuser kauften Getreide auf feste Rechnung, 35 vermittelten den Verkauf, 28 von den letzteren belehnten das Getreide von 66 bis 90 Proz. des Berkaufswertes. Beide Arten des Betriebes wurden günstig beurteilt, die Beleihung wird als große Wohlthat empfunden. Die im abgelaufenen Geschäftsjahre gemachten Erfahrungen können als günstig bezeichnet werden. Soweit die Betriebsergebnisse völlig feststehen, haben 50 Lagerhäuser mit Reingewinn, 10 ohne solchen und 11 mit Verlust abgeschlossen. Zwar ist die Klage noch ziemlich häufig, daß unfern Landwirten noch der richtige genossenschaftliche Sinn fehlt, besonders daß sie nur mit geringerem Getreide, oder nur wenn ein anderweitiger Verkauf zu befriedigendem Preis nicht erfolgen konnte, sich an das Lagerhaus wenden. Allein trotzdem ist eine Zunahme des Verständnisses für Bedeutung und Vorteile des gemeinsamen Absatzes zu konstatieren. Die in den Lagerhäusern vorgenommene bessere Reinigung und Mischung des Getreides erleichterte den Absatz. Die erzielten Preise waren fast überall höher als die sonstigen; die Steigerung belief sich im Mittel auf 50 Pfg. und ging bis zu 1 Mk. pro Zentner. Diese Einwirkung auf die Preisbildung kam vielfach mittelbar auch den das Lagerhaus nicht benutzenden Landwirten zu gute. Die Einrichtungen für das Herrichten be§ Saatgetreides wurden stark in Anspruch genommen. An der zunehmenden Verwendung besseren Saatgetreides haben die Lagerhäuser ein großes Verdienst. Die meisten derselben befaßten sich auch mit der Besorgung des Ankaufs landwirtschaftlicher Bedarfsgegenstände. In letzter Zeit sind noch 4 Lagerhäuser errichtet wordeu, sodaß 80 im Betrieb stehen; die Gründung von 5 weiteren ist beabsichtigt. pglm^nttrytUatienni im preußischen Abzeorimtenhuusr Aus Berlin, 13. Januar, wird uns geschrieben: Das in der Regel so friedliche preußische Abgeordnetenhaus, das Parlament der „behaglichen Temperatur", des „gemäßigten Tones", war heute kaum wiederzuerkennen! Es gab nicht nur — an dieser Stätte ein seltenes Vorkommnis — einen Ordnungsruf, sondern es stritten mitunter Zustimmung und Protest der Parteien so heftig miteinander um die Herrschaft, daß man sich in den Reichstag versetzt glaubte. Zwei Poleu-Jn terpellationen, die eine von nationalliberaler, die andere von polnischer Seite, beide natürlich diametral entgegengesetzter Tendenz, bewirkten diese ungewöhnliche Erregung der Gemüter. Schon vor Beginn der SiÄurg waren die Karten zu den Tribünen vergriffen. In der ersten Reihe einer Loge faß der Senior der polnischen Reichstagsfraktion, Fürst Radziwill, mit seinen Damen. Fürst Radziwill bat, wie erinnerlich sein dürfte, im Reichstag seinerzeit oie Polen-Interpellation, anknüpfend an die Vorgänge in Wreschen, begründet. Schon dantals war die Antwort, die Graf Bülow erteilte, sehr entschieden, die Abwehr der polnischen Bestrebungen und Agitationen als ernste Notwendigkeit hin stellend. »Gs war eine Verwegenheit der Polen, und nur zu erklären durch das brennende Verlangen, das Parlament zur Propaganda zu benutzen, eine zweite Herausforderung — an die preußische Regierung — zu richten. Die heutige Niederlage ist noch viel grütidlicher als im ReichÄag. Gxcaf Bülow leuchtete in einer seiner glücklichsten, von nationalem Empfinden getragenen, urkräftigen Rede den Polen derart heim, daß der Eindruck nicht so bald zu verwischen sein wird. Nicht lange, unb Fürst Radziwill verlieh die Tribüne. Ein großer Teil der Dülow'schen Ausführungen war vom Augenblick eingegeben, Entgegnungen auf Behauptungen des polnischen Abg. Dr. v. I a d z e w s k i, und so wirkten sie mit der ganzen Frische und Wucht des Schlag auf Schilag. Hier kam es zu bewegten Szenen. Die Polen machten wiederholt ben Versuch, den Ministerpräsidenten, als er von der Planmäßigkeit der Agitation sprach, als er auseinandersetzte, daß es sich gar nicht um konfessionelle Dinge, nicht um „Gewissens- zwang", sondern nm eine nationale Frage handele, durch türmende Zwischenrufe zu unterbrechen. Aber es erhob sich bei den Nationalliberalen und den Konservativen ein solcher Sturm des Beifalls, Graf Bülow verstärkte jeüte Stimme zu einem so donnernden Ton, daß die Gegenrund- gebung verstummen mußte. Eingehend erörterte Graf Bülow, sich aus amtliche Berichte beziehend, das Wachstum des Polonismus in Westpreußen und Posen und kündigte an, daß der Fonds für die Zwecke der deutschen Ansiedelung erhöht werden, daß die Beamten in den Ostmarken, auf deren Auswahl er besonderen Wert lege, materiell besser gestellt werden sollen als in den übrigen Provinzen. Keine kleinlichen Chikanen gegenüber den Polen, aber eine feste, stetige, zielbewußte Politik. „In nationalen Fragen verstehe ich keinen Spaß!" rief Graf Bülow unter der lebhaften Zustimmung auf fast allen Seiten des Hauses. Mit Befriedigung, auch im Zentrum, wurde ausgenommen, daß im Religionsunterricht gegen polnische Kinder die körperliche Züchtigung als Disziplinarmittel nicht wieder an gewendet werden soll. Abg. H o b r e ch t hatte die Interpellation der Nationalliberalen, int Sinne der Fortsetzung der Politik zur Stärkung des Deutschtums, mit vornehmer Ruhe und Sachlichkeit be- grniidet. Der alte Herr hielt seinen halbstündigen Vortrag ganz frei und blieb verständlich vom ersten bis letzten Worte trotz der akustischen Mängel des Hauses. Abg. Dr. von Jadzewski dagegen — er sieht mit seinem lichtblonden Haar, seinem Embonpoint mehr wie ein zufriedener, saturierter Staatsbürger, als wie ein leidenschaftlicher Agitator aus — verstieg sich sogar dahin, daß er von dem gerichtlichen Erkenntnis anläßlich dar Wreschener Schulkrawalle sagte, die Gerechtigkeit müsse vor Scham ihr Haupt verhüllen. Empörte Pfui-Rufe folgten dieser Kritik an einem deutschen Gericht, und Präsident v. Kröcher erteilte den Ordnungsruf. Auch was Dr. v. Jadzewski sonst ausführte, war darauf ^ugespitzt, die Deutschen der „Barbarei", der „Unkultur", der „Unterdrückung" der religiösen Ernpfind- Kolonialpost. Ueber das Gefecht in Kamerun schreibt man: Alle Kenner unserer Kolonie am Meerbusen von Guinea wissen, daß unserer Schutztruppe dort noch manche militärische Aufgabe zu lösen beschieden ist; denn außer den sieben festen in das Hinterland vorgeschobenen Militärstationen befindet 'sich nur ein verhältnismäßig schmaler Küstenstreifen in dem gesicherten Besitz der deutschen Verwaltung. Die Aufschließung der weiten Gebiete zwischen Küste und Benue und dann weiter bis zum Tschadsee mußte nach der Vermehrung der Kameruner Schutztruppe auf acht Kompagnien als das militärische Programm hingestellt werden. Seit den ersten Kulturarbeiten der Gesellschaft Nordwest-Kamerun hat sich das Interesse vermehrt dem Gebiet unserer Kolonie zugewandt, welches im Westen durch, den Croß River abgeschlossen wirt», und wo einst Zintgraf wirkte. Dieser hatte zwar dort die Freundschaft des mächtigen Häuptlings Garega gewonnen und die Station Baliburg gegründet; er vermochte aber nicht, der kriegerischen Stämme der Bafuts und Banjengs Herr zu werden. Bei seiner letzten Expedition mußte er deren Gebiet räumen, da in einem Gefecht seine sämtlichen Europäer gefallen untren und ihm auch von seiner Truppe nur ein spärlicher Rest blieb. Im Herbst 1900 fanden dann wiederum heftige Kämpfe in dem Croßgebiet statt. Die Expedition v. Besser bestrafte dort den Mörder des Leutnants v. Queis und des Elephantenjägers Conrau und gründete die Militärstatior Nssapke. Im April 1901 wurde außerdem noch in Tintr zum Schutzs der Unternehmungen der Gesellschaft Nordwest- Kamerun durch Oberleutnant Stümpell eint; fliegende Station errichtet. Immerhin ist wohl anzunehmen, daß es beunruhigende Gerüchte aus jenen Gegenden waren, welche den Kommandeur der Kameruner Schutztruppe, Oberst, leutnant Pavel veranlaßten, in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres mit drei Kompagnien nach dem Bangwa lande zu marschieren, um dort an dem wichtigsten Straßen- kreuzungspunkt eine neue Militärstation zu errichten und sodann weiter nach Norden in der Richtung auf die Benue- linie vorzudringen. Diese Aktion sollte auch der Unter, nehmung des Oberleutnants Dominik nach Garua zur Errichtung eines Beobachtungshostens einen Rückhalt gewähren. Am 6. d. M. lies bei dem Auswärtigen Amt in Berlin die telegraphische Nachricht ein, daß Oberstleutnan» Pavel mit den von Zintgraf her berüchtigten Bafuts und Bonjengs heftige Kämpfe gehabt Hütte, daß es ihm gelungen sei, die aufrührerischen Stämme zu schlagen und 30C Gefangene zu machen. Die Meldung sagt gleichzeitig, daß der Kompagnieführer Hauptmann Glauning schwer verwundet sei. Es wird von feiten der militärischen Kenner bet Kameruner Verhältnisse angenommen, daß die kürzlich von englischen Truppen geschlagenen Arostämme aus der Niggerkolonie auf Kameruner Gebiet übergetreten seien. Deshalb erscheint eine größere Machtentfaltung durch eine stärkere Expedition int nordwestlichen Teil der Kolonie geboten. Der Direktor der Kolonialabteilung, Geh. Legationsrat Dr Stübel war in dieser Angelegenheit zum Vortrag bei dem Kaiser befohlen. Kas ZSacceMsche Keilverfayren gegen Maul- und Klauenseuche. Mir erwähnten bereits, daß die „Darmst. Ztg." einen Artikel veröffentlicht hat über die Anwendung des Bae- cellischen Heilverfahrens bei an Maul- und .vckaueuseuchi erkranktem Rindvieh im Großherzogtum Hessen während des Monats November 1901. Wir geben heute diesen Artikel im Wortlaut wieder: Um Genaueres über die Art der Anivendung des Baeeellischen Heilverfahrens bei an Maul- und Klauenseuche erkranktem Rindvieh zu erfahren, ha! e sich gleich bei den ersten über dieses Verfahren erschienenen Zeitungsnachrichten der veterinärärztliche Referent int Groß herzoglichen Ministerium des Innern, Obermedizinalrat Dr. Lorenz, an den Direktor der Tierarzneischule in Turin, Professor Dr- Perconeico, gewandt und erhielt von demselben am 31. Oktober die Drucksache über den vom 23.—30. Oktober in Pisa abgehaltenen Kongreß für innere Medizin zugesandt, worin eine genaue von Baecelli selbst gegebene Anweisung seines Verfahrens, sowie ausführliche Berichte von drei italienischen Tierärzten über damit angestellte Heilversuche enthalten waren- Die Anwendung des an sich ungefährlichen Verfahrens wurde auf Kosten der Staatskasse überall da ausgeführt, wo es die Viehbesitzer verlangten- Zur Anwendung kam eine Lösung von 5 Gramm Quecksilbersublimat und 37,5 Gramm Kochsalz in 1000 Cem- destilliertem Wasser. Von dieser Lösung wurden durchschnittlich 10 Cem- für eine intravenöse Injektion verwandt- Kleinere Tiere erhielten etwas weniger, größere etwas mehr- Tie darin enthaltene Quantität Quecksilbersublimat (durchschnittlich 0,05 Gramm), sowie dessen Verhältnis zu dem zugesetzten Kochsalz entsvrach genau der Anweisung Buccellis- Um oie Anwendung des Verfahrens auch anderwärts ........................................ *1 Koryert Verein. Gießen, den 14. Januar 1902. 3n der Turnhalle veranstaltete gestern der Konzert- Verein sein viertes Konzert dieser Saison, zu dessen Ausführung unter Herrn Musikdirektor Trautmanns Leitung die Homburger Kurkapelle engagiert war. Das reichhaltige und interessante Programm enthielt als Hauptnummern drei größere Orchesterwerke von Goldmark (ländliche Hochzeit), Schumann (Einleitung zu Manfred") unb Smetana (Ouvertüre zur Oper „Die verkaufte Braut"), zwischen denen ein Konzert für Cello und Solostücke für Cello und Klavier eingelegt waren. Carl Goldmark, der sich seit ungefähr dreißig Jahren als Komponist eines ausgezeichneten Rufes erfreut, zeigte auch in seiner hier bisher noch nicht gespiellen Symphonie „ländliche Hochzeit" großes Geschick, seine charakteristischen Themata ht geschmackvolle orchestrale Gewänder zu kleiden, und wenn für Die gestrige Aufführung eine stärkere Besetzung der Streichinstrumente möglich 'gewesen wäre, so würde das Werk an Wohlllang sicher noch sehr gewonnen haben, umsomehr, als die bewahrte Homburger Kapelle unter Herrn Trautmanns umsichtiger Leitung an Genauigkeit und Sauberkeit in der Ausftihrung kaum einen Wunsch offen ließ. Es läßt sich aber nicht leugnen, daß einige Male infolge #u starken Hervortretens der Blechinstrumente die Gesamtwirkung etwas beeinträcbtigt wurde. Vielleicht kann dieser Uebelstmid später entweoer durch andere Platzierung der betreffenoen Instrumente oder durch dekorative Hilfsmittel beseitigt werden, denn der starke Klang der Blechinstrumente zeigte sich nicht nur in der Symphonie, sondern auch in den für Gießen ebenfalls neuen Tondichtungen von Schumann und Smetana, die trotz ihrer sonstigen vorzüglichen Ausführung etwas unter dem gesagten Mangel zu leiden hatten. Das Publikum brachte den verschiedenen Novitäten großes Interesse entgegen und spendete nach den einzelnen Sätzen der Symphonie, wie nach den beiden Ouvertüren reichlichen herzlichen Beifall. Als tüchtiger Cellist zeigte sich in dem Konzert von Saiut-Saens Herrn Hugo Oushoorn, der mit dem Vortrag des interessanten Werkes den Beweis lieferte, daß er es in Bezug auf Technik und Auffassung zu großer Meisterschaft gebracht hat, und den für seine Darbietungen gleichfalls reichlicher Beifall lohnte. An Stelle der von Herrn Trautmann musterhaft begleiteten Soloftücke für Cello von van Goens und Popper hätte mancher gewiß gern etwas Gediegeneres gehört, um so mehr, als gerade Popper mehr und mehr von den Programmen aller ernstlich strebenden Künstler verschwindet- Die technische Ausführung der beiden Solostücke fand indessen sehr beifällige Ausnahme, so daß sich Herr Oushoorn noch zu einer Zugabe verstand. Einen Wunsch möchten wir indessen nicht verschweigen, den wir namentlich gestern vielfach int Publikum hörten, und der bei einem Blick auf das gestrige Programm auch nicht unbe- rechtiHt erscheinen dürfte. Gar mancher dachte: Es war zu viel Instrumentalmusik, und ein Gesangssolo wäre eine hochwillkommene Abwechslung gewesen. Wenn man sich allerdings erinnert, welche hervorragende Rolle in den letzten Konzerten vor Weihnachten gerade das Cello gespielt hat, so erscheint es vielleicht begreiflich, daß viele Musikfreunde an Stelle des gestrigen Cellosolos gern einmal etwas anderes gehört hätten. Pr. Bückeburg, 13. Jan. Der Dramatiker Dr. Heinrich Kruse-, von 1855 bis 1884 Chefredakteur der „Köln. Ztg." ist heute int Alter von 86 Jahren hier gestorben. — Der Goethe-Bund. Der Ausschuß des Berliner Goethe-Bundes trat am letzten Sonntag in einer Sitzung zusammen und beschloß die Gründung eines deutschen Volks-Schiller-Preises. Nach vollzogener Ergänzungswahl führen den Vorsitz die Herren Hermann Sudermann, Dr. Ludwig Fulda und Friedrich Dernburg. — Ein interessantes Aufgebot kann man an der Tafel des Standesamts III zu Berlin lesen: Ernst von Wolzogen und Else E. Seemann, die feine und liebenswürdige Künstlerin £e§ Bunten Theaters möglichst zu beschleunigen, wurden die benachbarten Kreisveterinärärzte telegraphisch zu dem am 31. Oktober in Reinheim in verschiedenen Beständen in Aussicht genommenen Beginn der Behandlung berufen- Die intravenösen Injektionen wurden in einem Bestände von 13 Milchkühen, in welchem bei einzelnen Tieren erst seit kaum zwei Tagen Erkrankungen an der Seuche zur Beobachtung gekommen waren, durch den veterinärärztlichen Referenten m Anwesenheit der Kreisveterinärärzte Friedrich-Dieburg, Arnold-Erbach und Dr. Erbenich-Reichelsheim begonnen, worauf letztere die weiteren Injektionen vornahmen. Zum Schluß wurde von genanntem Referenten das Verfahren Baccellis nach der oben erwähnten Druckschrift erläutert, und dabei noch besonders darauf hingewiesen, daß stets auf das richtige Einfuhren der zu injizierenden Lösung in die Blutbahn Bedacht zu nehmen sei. In gleicher Weise wurde am 1- November in zwei verseuchten Beständen in Zwingenberg der Kreisveterinärarzt Dr. Günge- rich-Benshe-rM, am 3. November in Bibesheim in zwei verseuchten Beständen der Kreisvetevinärarzt Sauer-Groß- Gerau und am 7- November in Eich in einem verseuchten Bestand der Kreis Veterinärarzt Trops-Worms unterwiesen- Hefter den diesmaligen Charakter der Seuche und den Verlauf der einzelnen Erkrankungen sei bemerkt, daß in vielen Fällen bei Beginn der Verseuchung die Erkrankungen als leichte erschienen, daß aber öfter plötzliche Todesfälle bei solchen Tieren eingetreteten sind, bei welchen man es am wenigsten erwarten konnte. Das Durchseuchen erfolgte in den meisten Beständen, abgesehen von den tödlich verlaufenen Fällen, int allgemeinen leichter und mit weniger Nachkrankheiten, als bei ftüheren Seuchengängen mit ganz geringer Sterblichkeit- Einen gi'mstigen Verlauf nahm die Seuche auch in dem erwähnten Bestand von 13 Kühen in Reinheim, in welchem mit der Behandlung am 31. Oktober begonnen worden war- In anderen Beständen traten trotz der ein geleiteten Behandlung Todesfälle unter den verseuchten Tieren ein. Die eingegangenen Tiere zeigten bei der Sektion meist nur geringe Krankheitserscheinungen im Maule und au den Klauen, aber ausgebreitete Zerstörung und Ablösung der Schleimhaut fast über den ganzen Pansen und den größten Teil des Dünndarms, sowie eine gelbliche Veränderung des Herzmuskels- Infolge des Eingehens von Tieren, welche seit zwei, drei und mehreren Tagen der Behatrdlung unterzogen waren, ging das Vertrauen der Besitzer zu dem Heilverfahren bald verloren, und es beduiftte meist besonderer Heberredung, damit Besitzer ihre Tiere noch der für sie kostenlosen Behandlung unterziehen ließen- Auch die Tierärzte verloren bald das Vertrauen zu dem Verfahren und so kam es, daß dasselbe schon nicht mehr angewendet wurde, als die Minifterialabteilung für öffentliche Gesundheitspflege durch Verfügung vom 18- November die Fortsetzung der Behandlung für Rechninrg der Staatskasse einstellte. Die inzwischen ein gezogenen detaillierten Berichte der Kreisveterinärcu^te, welche Tiere nach Baccelli'schem Hell- veisahren behandelt haben, zeigen folgendes Gesamtergebnis : In 11 Gemeinden wurden in 41 Rindviehbeständen zusammen 147 Rindviehstücke behandelt- Bon diesen 147 sind 20 an der Seuche gefallen — 13,6 Prozent- In denselben Gemeinden sind bis Ende November 96 Tiere in solchen Beständen, in denen Tiere behandelt wurden, und 656 Tiere in 129 anderen verseuchten Beständen dem Baccellischen Heilverfahren nicht unterzogen worden- Von den erstgenannten 96 Tieren sind 13 — 13,5 Prozent, von den 656 90 — 13,7 Prozent gefallen. 89 behandelte Tiere waren bei Beginn der Behanolung noch frei von bemerkbaren Krankheitssymptomen- Von diesen 89 Tieren haben 57 leicht, 23 schwerer durchgeseucht, und 9 sind verendet- Die Sterblichkeit beträgt also hier 10,1 Prozent- Von den 58 Tieren, welche bei Beginn der Behandlung bereits deutliche Krankheitserscheinungen zeigten, haben 45 leicht, 18 schwerer durchgeseucht, und 11 sind eingegangen- Die Sterblichkeit beträgt hier 18,9 Prozent- Die Behandlung hat bei 76 Tieren in drei intravenösen Injektionen, bei 30 Tieren in zlvei und bei 41 Tieren nur in einer solchen bestanden- Der Grund, warum nicht in allen Fällen drei Injektionen vorgenommen wurden, war in einzelnen Fällen der, daß die Tiere sich wenig krank zeigten, und die Besitzer eine zweite Injektion für überflüssig hielten und gegen deren Vornahme sich aussprachen- Von diesen Tieren ist keines eingegangen- In der Mehrzahl der Fälle, in denen die Injektionen nicht fortgesetzt wurden, hatten sich die Besitzer geweigert, ihre Tiere weiter behandeln zu lassen, da sie inzwischen erfahren hatten, daß verschiedene Tiere trotz des eingeleiteten Heilverfahrens an der Seuche eingegangen waren- Was den Einfluß des Baccellischen Heilverfahrens auf den Verlauf der Erkrankungen von Rindern an Maul- und Klauenseuche betrifft, so genügen die Beobachtungen, welche hier gemacht worden sind, nicht für einen sicheren Schluß. Die Ergebnisse der verhältnismäßig wenigen Fälle, welche hier erwähnt sind, haben jedoch gezeigt, daß die Anwendung des Baccellischen Verfahrens auf die bei dem diesmaligen Auftreten der Maul- und Klauenseuche in Hessen beobachtete große Sterblichkeitsziffer einen merkbar günstigen Einfluß nicht ausgeübt hat. Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichenOriginal-Rachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, 14. Januar 1902. ** Religionsgeschichtliche Vortrage. Am Freitag Abend sprach Professor Holtzmann gemäß dem Plane dieser Vorträge über Jesus Christus. Einleitend hob er hervor, daß die Schwierigkeiten der Darstellung einer großen Persönlichkeit bei seinem Thema in höchst gesteigerter Weise vorliegen, da jeder Hörer schon ein fertiges Bild Jesu mitbringt. Von den vier biblischen Evangelien ist das des Markus das 1 älteste; bei Lukas und Matthäus sind uns Worte Jesu aus einer ältesten Sammlung seiner Reden erhalten; das Johannes- wangclium will die Größe Jesu darstellen. — Wie die Propheten Altisraets beginnt Jesus mit der Predigt von der Nähe des Gerichtes und Gottesreiches; aber er schöpft diesen Glauben nicht aus den Verhältnissen des Völkerlebens, sondern aus der Gewißheit, daß seine Predigt Persönlichkeit von solchem Glück und solchem Wert schafft, wie sie nur in Gottes Reich leben sollten. Freilich ist Jesus der herrschenden Frömmigkeit nicht fromm erschienen; er erneuert den Gedanken der Propheten, daß echte Frömmigkeit sich weniger in gottesdienstlichen Handlungen (Fasten, langen Gebeten, Opfer, Sabbatheiligung, Reinheit rm gesetzlichen Sinn, Zahlen des Zehnten und der Tempelsteuer, Hochhaltung des Tempels, Tragen breiter Gebetsriemen und langer Gesetzesquasten), als in Recht, Barmherzigkeit und Treue bewähren müsse. Damit verletzt Jesus Viele. Und doch müssen sie den hohen sittlichen Ernst seiner Persönlichkeit, seine kräftige Abwehr alles Bösen anerkennen. Da aber Jesus gleichzeitig sein Volk von einzelnen Teilen des Gesetzes losreißt, so sagen die Gegner, er bekämpfe das Böse im Dienste des Bösen. Jesus schärft von den Zehngeboten gerade die ein, die das Verhältnis des Menschen zum Menschen ordnen; er warnt vor jeder Schaustellung, fordert aber eine thatkräftige Frömmigkeit; jede Unterlassung des Guten ist ihm Sünde. So tadelt er die von den Pharisäern geforderte Absonderung von den Sündern; er sieht im Sünder den Hilfsbedürftigen; Gott will sein Eigentum nicht verlieren; das Glück der Geretteten zeigt Jesu das Recht seiner Sache; es bedarf ja jeder der Vergebung, und dem Frommen bleibt der Vorzug, daß er nie von seinem Gott getrennt war. Die Selbstverleugnung, die Jesus fordert, ist kein Sichsetbstverlieren. Er preist die Festigkeit am Täufer, an Petrus, er verheißt sie den ©einigen; er weiß, daß zuversichtlicher Glaube Berge ins Meer stürzt; auch der Schuldbeladene soll nicht grübeln, sondern handeln: Gott nimmt den Bußfertigen auf; vollends wer zum Messias gehört, geht nicht verloren. Jesus redet fast immer zu seinem Volk; aber der Inhalt seiner Predigt kennt keine Schranke des Volkstums. — Jesus predigt anfangs in der Nordwestecke des Sees Geneesaret; er hat großen Erfolg, da er gleichzeitig hilft wo Not ist; aber nun giebt er Anstoß; da beobachten ihn Schristgelehrte aus Jerusalem und finden, daß er die Vorschriften des Hohenrates hinsichtlich des Händewaschens nicht einhalten läßt. Er aber erklärt, daß diese Vorschriften ihn nicht binden: es komme nicht an auf die Reinheit der Hände, sondern des Charakters. Das ist gegen das Gesetz. Jesus muß fliehen. Er kommt nördlich bis Sidon, kehrt an den Geneesaretsee zurück, um nach einem vergeblichen Versuch, hier wieder zu wirken, nochmals nördlich bis in die Gegend von Cäsarea Philippi zu ziehen. Hier erkennt Petrus in ihm den Messias. Damit gewinnt diese verstoßene Gemeinde die Siegeszuversicht, daß ihr die Zukunft gehört. Und Jesus bestätigt das Wort seines Jüngers. Im Augenblick seiner Taufe durch Johannes ist ihm diese Offenbarung geworden, die ihn seitdem in Not und Verfolgung aufrecht erhält, wenn er auch nicht Gottes wunderbaren Schutz für sich begehren oder nach der ihm verheißenen Weltherrschaft greifen darf. Ja, fein Messiasglaube wird ihm den Tod bringen, denn jetzt, da seine Jünger ihn kennen, will er noch einmal seinem Voll in Jerusalem predigen. Das ift für ihn und seine Jünger ein Gang zum Tode, aber ebendamit zum Gottesreiche. In "Jerusalem tritt Jesus öffentlich als Messias auf beim Einzug, bei der Tempelreinigung, in feiner Absage an den H oh erat. Damit ist fein Urteil gefällt, sosehr er durch die Klarheit und Schlagfertigkeit seines Geistes die gegnerischen Angriffe abweist. Im Abendmahl erklärt Jesus den Jüngern feinen nahen Tod: er stirbt für sie, da wird Gott sie nicht verstoßen, sondern chre Sünde vergeben und sie dereinst aufnehmen in das Reich, da keine Sünde mehr ist. Verhaftung, Verurteilung durch den Hohenrat und Pilatus, schließlich die Kreuzigung selbst werden wegen des nahen Passah möglichst beschleunigt: Jesus ftirbt als Gotteslästerer, weil er, der Gesetzesfeind, der künftige Richter sein will; er ftirbt als Empörer: er hat sich als König der Juden bezeichnet. Aber die Erscheinungen des Auferstandenen begründen die Weiterentwicklung der christlichen Sache. Die Hoheit Jesu liegt in feiner geistigen Eigenart^ an die Stelle der suchenden Religion tritt die Religion der Gewißheit; die Gerechtigkeit wird aus einer Sache der Formen eine Sache des Charakters, und wertvoll ist Jesus nur der selbstlos thätige Charakter. Durch beides ist Jesus feinem Gläubigen der Heiland und Ver- söhner, deffen Bild mit dem Bilde Gottes selber zusammen- fließt. ** Das Großh. Ministerium der Finanzen Hai unter Bezugnahme auf Artikel 21 des Gesetzes vom 14. Juni 1879, die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des Staats betreffend, bezw. auf Artikel 2 des Gesetzes vom 27. Juni 1900, die Festsetzung der Staatshaushaltsperioden betr.., den Ständen des Großherzogtums, zunächst der Zweiten Kammer, eine vorläufige Uebersicht sämtlicher Rechnungs-Einnahmen und Ausgaben aus der Finanzperiode 1897/1900 überreicht. ** Kirchliche Dienstnachrichten. Der Großherzog hat dem zweiten Pfarrer Weber zu Beerfelden, Dek. Erbach, die erste eräuget Pfarrstelle daselbst, mit welcher der Titel Oberpfarrer verbunden ist, übertragen und den von sämtlichen Riedesel Frhrn. zu Eifenbach auf die zweite evangelische Pfarrstelle zu Lauterbach, präsentierten Pfarrverwalter Müller daselbst für diese Stelle bestätigt. el. Schotten, 12. Jan. Dieser Tage hielt hier Professor Chelius aus Darmstadt einen Vortrag, verbunden mit einer Mineralienausstellung, über die kosmologische Entstehung des Vogelsberges, seine Gesteinsarten und deren Verwendung. Die Aufklärungen, die er gab, sind nicht fruchtlos geblieben, denn allenthalben regt man sich, die Schätze des Vogelsberges zu heben. Neuerdings hat Maurermeister Spam er hier wieder auf der Götzener Höhe, an der Landstraße, einen prächtigen Basaltbruch angelegt. Die schönsten Pflastersteine und nicht minder wertvolle Mauersteine werden gebrochen. Ein angrenzendes Grundstück erwarb er als Lagerplatz. — In der nächsten Zeit wird hier wieder eine Anzahl Jagden neu verpachtet. Der Fiskus hatte die Absicht, seine Jagd selbst zu übernehmen. Da aber bis jetzt schon sehr respektable Gebote eingelaufen sind, so kommen auch diese Jagden wieder zur öffentlichen Verpachtung. x Wingershausen, 13. Jan. Die hiesige Lehrerstelle wurde dem Lehrer Kraußmüller aus Ibersheim desinitiv übertragen. Schulverwalter Trautmann erhielt ein Ver- setzungsdekret nach Betzenrod bei Schotten. Frankfurt, 13. Jan. Nach Mitteilung des statistischen Amtes ist die Volkszahl für den Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der feit der letzten Volkszählung polizeilich gemeldeten Zu- und Abwanderungen, sowie des entsprechenden Ucberschusses der Geburten über die Sterbefälle am 1. Januar mit rund 292 900 anzunehmen. — Bekanntlich hat während der Weihnachtsfciertage ein Untersuchungsgefangener in einer Zelle im Gerichtsgebäude 66 Stunden ohne Nahrung zugebracht. Wir erfahren nun, daß. der Gerichtsdiener und Kastellan Lange, dem die Schuld an diesem Vorfall beigemeffen wird, vorläufig seines Dienstes als Kastellan enthoben ist und am 1. Februar feine Dienstwohnung verlassen muß. * * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Zwischen Hainstadt a. M. und Klein-Krotzenburg wurde am rechten Mainufer eine Mannesleiche gelänget, deren Identität bis jetzt noch nicht ermittelt werden konnte. Der Unbekannte scheint schon vor längerer Zeit ertrunken zu sein. In seinem Besitze fand man cm leeres Portemonnaie, in einer Tasche den Betrag von etwas über 9 Mk. in lauter Nickelmünzen. — Der Jagdaufseher Nikolaus Stein aus Groß-Welzheim begab sich in der Dämmerung auf den Anstand und lauerte hinter Gebüsch auf Beute. Plötzlich entlud sich das zweiläufige Jagdgewehr und die beiden Ladungen trafen den unglücklichen Aufseher, der schwere Verletzungen am Kopfe und am rechten Arme erlitt. Das eine Auge ist vollständig verloren. — Am Samstag abend ließ sich am Wiesbadenerthor bei Kastel ein Ochse mitten auf das Schienengeleise fallen und war durch nichts zu bewegen, diese Lagerstätte zu verlassen. Heckel wurde die Situation als von einer Seite ein Güterzug, und von der anderen ein Schnellzug passieren mußten. Man gab Haltsignale, und nachdem die nötige Anzahl Leute anwesend roareir, zog man den Ochsen mit Stricken gewaltsam von dem Geleise. — Der Lehrer einer Mainzer höheren Lehranstalt hatte kürzlich den Kindern seiner Klasse den deutschen Aufsatz als Arbeit gegeben, in dem sich die Mädchen über Feuer, Brände :c. verbreiten sollten. Eine der Schülerinnen begann ihren Aufsatz wörtlich wie folgt: „Die Brände werden zumeist durch Kinder erzeugt und diese aus Bosheck, Spielerei oder Leichtsinn". Der Lehrer soll indessen nicht ganz der Ansicht feiner begabten Schülerin gewesen fein. — Von dem Herzog von Anhalt sind die Ritterinsignien zwecker Klaffe des anhaltifchen Hausordens dem Eifenbahnstationsvorsteher zweiter Klasse Flügel in Bad-Nauheim verliehen worden. — Der Lazareth-Oberinspektor Christ in Darmstadt erhielt den königl. preuß. Kronenorden 4. Klaffe. Vermischtes. • Breslau, 13. Jan. Der Postagent und Stattons- vorsteher Nisse in Niederullersdorf bei Hausdorf ist, wie die „Schlesische Zeitung" meldet, sei dem 9. Januar abends nach Verübung von Unterschlagungen flüchtig. Bisher ist ein Fehlbetrag von 1216 Mk. bet den Postkaffen- geldern und ein solcher von 5348 Mk. bei den Bahnkaffengeldern festgestellt worden. Auf die Ergreifung des Thäters ist eine Belohnung von 100 Mk. ausgesetzt worden. * Hamburg, 13. Jan. Wie der „H. Korr." meldet, wird von den drei geretteten Personen des gestrandeten Fisch - dampfers „Sekundant" voraussichtlich nur der Kapitän am Leben erhalten bleiben. Die aus 10 Personen bestehende Besatzung des Schiffes hatte sich von Dienstag bis Samstag ohne Nahrung in den Masten geh alten. Sieben Personen wurden, einer nach dem anderen, von den Wogen weggespült. * Das Feigenblatt in der Münchener Glyptothek. Die lex Heinze-Bewegung seligen Angedenkens ist vielleicht nirgendwo in Deutschland auf so entschlossenen Widerstand gestoßen wie in Münchener Künstlerkreisen. Um so auffälliger erscheint es, daß eine unschöne Neuerung, die wenigstens zeitlich mit der allgemeinen Erregung über die geplante Beschränkung des künstlerischen Schaffens zusammen- fiel, heute noch in Isar-Athen weiterlebt. Besucher der Münchener Glyptothek waren nicht wenig erstaunt, deren Bedienstete eines Tages bei einer seltsamen Beschäftigung zu finden. Aus braunem und grauem Packpapier wurden mit der Papierscheere so gut es ging und jedenfalls nicht besser, als irgend ein Schulkind es besorgen würde, Feigenblätter ausgeschnitten und teilweise mit Leim, größtenteils aber mit rotem Siegellack auf den ehrwürdigen Marmor- und Bronze- Denkmälern des griechisch-römischen Altertums befestigt. Nicht einmal die wertvollsten aller Münchener Skulpturwerke, die aus der Zeit der Perserkriege stammenden Helden von Aegina, blieben von dieser Auszeichnung verschont, die um so eigentümlicher erscheint, als die Glyptothek ohnehin nur von erwachsenen Personen besucht werden darf. Einige der jedenfalls unschön und, wie wenigstens viele Künstler meinen, fast unanständig wirkenden Feigenblätter tragen, um den Eindruck des Häßlichen noch zu steigern, einen Ueberzug von Leim und Kleister, dessen Zweck, wenn man nicht annimmt, daß auf diese Weise Fliegen gefangen werden sollen, nicht leicht auszudenken ist. Sande! und Verkehr. Volkswirtschaft. — Verstaatlichung toon Kohlenbergwerken. Laut „F. Z." beschränkt sich der Erwerb von Berawetts-Eigentum durch den Staat vorerst auf das Objekt: Zeche Vereinigte Glasbeck, Zeche Waltrop und Lohwinkelsche Berggerechtsame. Das bedeutendste dieser Objekte ist das erstgenannte, deren Gesamt-Berechtsame 26.20 Mill, qm umfaßt. — Große Kasseler Straßenbahn At.-Ges. Laut Geschäftsbericht beträgt der Reingewinn Mk. 169920 (Dorj Alk. 212537). Die Dividende ist mit 3% festgesetzt, gegen 33/<°/o im Vorjahr. — Zahlungseinstellung. Die Frankfurter Kleiderfabrck von Herzu. Hofmann ist in Zahlungsstockung geraten. Die Verbindlichkeiten betragen Ack. 320 000. Ein Vergleich mit 40% ist angeboten, aber noch nicht zu Stande gekommen. Bei einem Konkurs stehen nur etwa 25% in Aussicht. — Elektrizitäts-Industrie. Von dem angekündigten neuen Aufschwung unseres industriellen Wirkens ist bis jetzt noch sehr wenig zu merken. Wir bleiben bei unserer Ansicht, daß es erst dann wirklich besser wird, wenn der unglückselige Transvaalkrieg definitiv beseitigt ist. Ganz besonders verniissen wir jede Besserung in der elektrischen Industrie. Dieselbe befindet sich nun schon seit zwei Jahren im Rückgänge. Die großen Werke zeigen sich äußerst zurückhaltend mit der Uebernahme neuer Geschäfte. Die Aktien- aesellschaft Siemens & Halske in Berlin hat den Bau der Elektrizckäts-Centrale in Lodz sowie die Anlegung eines Netzes elektrischer Trambahnen in Warschau abgelehnt. Desgleichen hat die El ek triz i t ä ts- Ak.-G e s. vo rm. L a h m s y e r & E o. in Frankfurt a. M. die Uebernahme des elektrischen Umbaues der Trambahn in Lublin abgelehnt. — Die Generalversammlung der Allgemein en Elektrizitäts-Gesellschafr in St. Petersburg hat beschlossen, die im Januar 1898 von der All- gemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft in Berlin mit 1 Mill. Mk. Aktienkapital errichtete Gesellschaft aufzulösen. die seines s? Selei]e, _ :alt hEe kürzlich * °ls ArbZ Brände » 9Qnn ihren Aus- 01 zumeist durch etei oder Leicht- Ansicht seiner b.em Herzog Don °es anhaltischen »weiter Klasse orden. - Der lbt erhick den n t und Station?- Rausdorf ist, wie Januar abends lüchtig. Bis- i dm Postkassen- den Bahnkassen- >fung des Thäters worden. ). Äon." meldet, ^strandeten Fisch, der Kapitän am rsonen bestehende tag bis Samstag lten. Sieben von den Wogen chener G/yp- Angedmkens t\l so w^^enen Aerkreisen. Um io Neuerung, die mgung über die assens zusammen- it Besucher der erstaunt, deren Beschäftigung zu Pier wurden mit falls nicht besser, de, Feigenblätter stenteiis aber mit nor- und Bronze- ns befestigt. Nicht Zkulptumerke, die eiben von Aegina, die um so eigen» ehin nur von er» Einige der jeden- 5iin stier meinen, tragen, um den ien Ueberzug von n nicht annimmt, ien sollen, nicht SVlltschlist ten Laut „F. 3- ? Glosbcck, W c.^5 bedeutendste , LautGeschK L73».212* *»»%£ MÜL :«?3 •lige ~ Gierung L seir !t "U J aufeerft e ze-gcn schäste- Kau der Dai bc Les Netzes iml? „,MuiS - Ü St 3 3 CD JD e & 8'-^ — a- • E CD " cd o S g » ►S' E i-> CO CO VD « g O *2 . 2 c u CQ = Ä -_C § ZN IE: E -g .L 42 £ Lo 5 CDXj §>*8* e £ rE-M -3 O >b *TT ÖS e «a o e 2 cm — «ft 40 E 55 »— CD ZL -3 E g «X. c »o jO gj L C ET A c> C S jo •* o E E 'Jtd di as» — es c» AN ‘5 S'-o N-i-a E L a-t N >b Ad 3 E C g CD 3 c " dq - co E CD • 2. C O 3 E E E .S5 ---E j- E L 5 •='.5:>g'>c! P 3 C “p E E 3 C es § ti£2. CD S E ast >O 3 8 ° 2. M tS. O 5® VD c G s CO CD O E .5 aa E E CD 5 E VD E a> XD CD '8 cSD. O S E CD un Z CD E X> O E iE- 1g 3 CQ E c* -E P CD E o"« o 03 E 2§o S -~ ♦ 3 eCQ S Jo CD E s.E CD c* CD CD^o E “ti. E £ E r-- JO 3 E C c? E CD LSI CD E E 3, E3 C "g .2 w-s ECD S> C © 2__c -c ■ XD- E . 3 CO o 03 "3 CD*» " G JE" cd jq -E o r-, C cd CD© g ®, 2© 03 E i-< -o E CD : ■■E.do« 2^2 3^ * 2^-s'S 4, y ** p C CD ZIs? r-< ej 4 CD «Ä 2 Je© LZ c c 3 C. p CD® 3 >-'Su S- *g « S O CD ' CD /2 , O SS SC. N £ S7> CD *c7 CD M3? CD E «g. «ft X» $ E 3 CD *E c E X> O E 3 iE. L CD o 2 CD 03 E 5*5 CO s E cöc £t ZT 2 40 O “ CD 03 o «ß c: <=- E E *3" S 3 E CD 'S 'S' OiE. ■ « DD CD vo 2 ÖS § «SD «ft CD .. x> L jO . IQ 3D o O £s-§ö? E -43- E 7; El 2 © £ © Ä.*s .2’e c.5 cT o • — 03 y, iE. — = 32 E § O’ •— CD "y7 (U CD C3 S —1 cd-E — |s 2 E CD L 6-x. Ea E x E c -O CD C «3- — rH 3 -, taz/X) U“ ; — 'S'H SaE p “ =c9 3«S«o £■0 , x> 3 s 2 x> o«S« — £ “ "-D CO I >2 03 CD czZJD^f _O3 CD £ L CD Z 'S CD ܱ*A K :iE 3 o iE- CD ■«ftiE- E.EvD « * E cd y> Ql fi) —D p-EO^^ "cd *3 *3" CD ‘wjg.S‘O-5 CD Ü O «- P 2 33«ft 2 o cdlEL.E 03°^ 3 CD 32 x-og'S Oft i>r :© o CQ £ s Ä E iE. 03 — «st S E CD dO E ■I 3 .'S X 3*0 3^ C -E- x> -5 Ä8S | R cd a 3 o Ä » E = a . "°5? 05» (O dö- 3 o 'S' AH = jO s$ -Z gg 03.2 BZ § xi £ 'S 's S5 C< — 'S o — yD _CD Q *. X (g ® XI ' CD - *. t- t7 •=" «ft — « C w S^DO E « CD •** tfc H e E O CD E a 2 « S £ °3 2 fto S 03 00 E 00 JE CD «»5 CÖJ E » £.'S S'-'S ' LZ.£G Zi 2 „ es Q Ld OS» E Zd «3 c E 2 C» CD = £üe^ cd EJ S E 3 «a x> -"ti G " -T 3 >= «ft CD Cd ES «St --O ’E sgio JQ Ö p5 2 •fiZS-g « 3 fa a L v *’* Schwalheim in Hessen. 30 w sehr billig. H. C. Werner* 9 Kaplansgaffe 18. L öiune: Settersweg 6, Htrh. 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Mit B^ugnahme auf die Bestimmungen in 8 25 der Wehr- orommg werden alle im Jahre 1882 geborenen DÜlitärpflichtigen, wwie btejenigen, welche dieses Aller bereits überschritten, ober sich hur Musterung noch nicht gestellt haben, oder bet der Musterung /tn 1901 zurückgestellt wordrn sind, und entweder in Gießen ihren gesetzlichen Wohnort haben, ober als Stubenten, Gymnasiasten und Zöglinge anbcrer Lebranstallen, ober als Haus- unb Wirtschasts- Zeanlle, Handlungsgehllfen, Lehrlinge, Handwerksgesellen, Dienstboten, 5abrifarbeiter ober in ähnlicher Eigenschaft sich bahier au - hallen, hiermit aufgefordert, sich behufs Eintragung ihrer Namen ,-m dre RekrutierungsstannnroÜe in bet Zell vom 15. Januar bis L. Februar b« I. bei der Bürgermeisterei bahier im Zimmer Nr. 13 zu melden, und daber, inenn sie dahier nicht geboren sind, ihren Geburtsschein, welcher von dem betreffenden Standesamt zu erwirken ist, unb, wenn sie bereits bei einer früheren mit großartige« Kruppen-AujMrurigen im Giessener Festsaai (Cafe Leib). Eintrittskarten im Vorverkauf für Herren 1 Mk., für Damen 19 Pf9», Geheimkarten, gültig bis zur Demaskierung, 50 Pfg. An ber Abendkasse für Herren 1.20 Mk., für Damen 50 Pfg., Gallerte 20 Pfg. Vorverkaufsstellen für Herrenkarten befinden sich: in ber Cigarren Handlung Hart Schneider, Marktplatz; «Louis HLet, Neustabt; bet ben Friseuren Aerd. Aff, Neuen-Bäue; Kuhl, Walllhorstraße; Tichy, Seltersweg; Wahl, SJeufiairt; £ourab, Sellersweg. Für Damenkarten bei den Herren Ariebr. Teipek, Marktplatz, und . rasten Bekämpfung aller caUrrfjat. Wletflonrn des Ralses, det Henl- hopfes u. der Lungen, «wie bei Qiagen- o. Darmcatarrben sind: Fay’s ächte Sodener Mineral-Partillen. 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