a 2! Nr. 1»« Zweites Blatt. 18». Jahrgang Freitag I». Jnni 1»»» 'äs* a o —3!» GictzenerAiiMger EM W General-Anzeiger * ™ Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MWs tz«rnsprechanschlußNr.51. V V zetgenteil: Hans Beck. Die yeutige Yummer umfaßt 10 SeiLm- Die „wahren" Kouvernemcntalen. „Rechter Hand, linker Hand", alles vertauscht". Früher sprach inan in der Opposition spöttisch vom „Chor der Landräte", von den „regierungsfrommen" Konservativen, die „mit dreimaligem Hurrah" jegliche der Regierung wünschenswerte Maßregel begrüßen; früher wurde in der entgegenkommenden Parlamentsrede eines konservativen Abgeordneten die Tentzenz erblickt, sich nach oben Hili zu empfehlen, eine Ministerkandidatur aufzustellen. Heute giebt d-ie Rechte nach links diese Anspielungen reichlich zurück. „Auf der linken Seite sitzen die echten Gouverne- mentalen, befinden sich die Stützen der Regierung. Dort herrscht jetzt das mehr oder minder verhüllte Sehnen, in die Regierung hineinzugelangen." So ertönt es aus der konservativen und der agrarischen Presse. Die „Kreuz- Ztg", die jüngst im Geiste bereits Sozialdemokraten die Hand nach Minister-Portefeuilles ausstrecken sah, ist zwar hiervon abgekommen, aber sie hält jetzt mindestens die Links-Nationalliberalen und die Führer der Freisinnigen Vereinigung für verdächtig des „Buhlens" um die Gunst und die Dankbarkeit der Regierung. Man habe, so schreibt das konservative Hauptorgan, oft Dr. Barth als Minister- kandidaten genannt und dürfe sich also nicht wundern, daß er jetzt für seine Zukunft sorge . . . Fast sei das Auftreten des Dr. Barth im Reichstag zur Unterstützung der Brüsseler Zuckerkonvention „gouvernementaler Paroxis- mus" zu nennen. Malitiös spricht die „Kreuzztg." von „augenblicklichen" Portefeuille-Inhabern. Das eigentliche Ziel dieser Pfeile ist weniger das gegnerische Parteilager, als das Lager der Regierung. Und eine höhere Stelle soll wohl darauf aufmerksam gemacht werden, mit welchen Hilfstruppen die Regierung ihre Erfolge erringt, und wie die erprobten Getreuen vor den Kopf gestoßen werden, die doch unentbehrlich sind zum Kampf .gegen die „Umsturzmächte". Bei den zahlreichen persönlichen Beziehungen, welche die konservativen Parla- Sentarier zu den leitenden Männern haben, gelangt der nmut über dies „unnatürliche" Bundesverhältnis gesprächsweise noch drastischer und unverhohlener zum Ausdruck, als in der Presse. Nebenbei sucht man auch dem Zentrum, das aus seine Machtstellung stets etwas eiser- «ist, klarzumachen, daß es durch die Konkurrenz aus nken mehr und mehr seiner Bedeutung und seines Wertes für die Regierung beraubt werde. Ein solcher Hinweis, oft wiederholt, pflegt nicht ganz ohne Wirkung zu sein. Tie Behandlung, die zur Zeit den Agrariern von der Regierung zuteil wird, ist eine sehr verschiedene. Graf Bülow, Staatssekretär Frhr. v. Thielmann sind „des trockenen Tones satt" und bergen ihren Verdruß über die Opposition der Rechten in der Wirtschaftspolitik nicht. Staatssekretär Graf Posadowsky scheint mehr bekümmerten Herzens und möchte einen Bruch mit den Konservativen vermeiden; der preußische Landwirtschaftsminister thut, was er vermag, seinen ehemaligen Parteikollegen zum Guten zuzureden, freilich mit wenig Glück; Frhr. o. Rhein - baben endlich, der preußische Finanzminister, tritt in die Spuren Miquels, dessen „Schüler" er ist. Wie weiland der 1848 er Reichsfinanzminister v. Beckerath, streut er, um mit Wilh. Jordans „Temiurgos" zu reden, „Rosen selbst in die dürren Reichsfinanzen" und findet immer Gelegenheit, den Agrariern etwas Angenehmes und Erfteuliches zu sagen. Wir halten Frhrn. v. Rheinbaben für den „kommenden Mann", dann, wenn einmal Friede und Versöhnung mit den Agrariern geschlossen werden soll. Außerdem: Frhr. v. Rheinbaben ist eine sehr energische Natur, er hat scharfe Zusammenstöße mit der äußersten Linken gehabt, was ihm nicht nur bei den konservativen Parteien Synrpathieen verschaffte. Preußische Ministerkandidaten unter den Nationalliberalen und in der „Freisinnigen Bereinigung" giebt es nicht. Im Ernst zweifelt wohl auch die „Kreuzztg." nicht daran, daß die leitenden Stellen nach wie vor mit Männern von „sehr gemäßigten" Anschau- ungen besetzt werden. Die Koienvorlage im preußischen KerreuHause. Beratung und Beschlußfassung über die geschäftliche Behandlung der Polenvorlage. Herr v. Koscielski führt aus, die Polen seren ganz harmlose Menschen; niemand halte sie für staatsgefährlich, Erst der ministerielle Hhpnotiseur bringe den Harmlosen diesen Glauben bei. Bei einem Hundert- millionenschjwindel brauche man nicht an Paris zu denken, der preußische Finanzminister klage über die schlechte Finanzlage. Wie reime sich das zusammen mit der Vorlage? Und selb,ft wenn die Finanz^ läge besser wäre, gäbe es sicher eine bessere Verwendung für die vielen Millionen. Eine übermäßige Machitentfalt- ung führe zum Größenwahn, und wer diesem Uebel verfalle, komme im Krankenhaus auf dieselbe Station, auf der der preußische Staat sich jetzt befinde. Tie Polen halten fest an ihrem Programm, so schließt Redner: Sie bleiben Polen, sie lassen sich durch keine noch so feingesponnene Bemühungen verleiten, den Rechitsbvden zu verlassen, wenn auch das Märchen vom RechtMaat vor ihren Augen verschwindet. — Ministerpräsident Graf Bülow entgegnet, er habe nichts vom Magnetiseur an sick^ Tie Regierung sei genötigt gewesen, Teile des polnische Landes in sich aufzunehmen; aber Preußen könne als ein Staat, der zur Förderung deutscher Interessen und zum Schutze des 7Tuischtums berufen sei, einer fremdsprachlichen Bevölkerung Autonomie nicht gestatten. Preußen könne nicht ruhig mit ansehen, daß die Bemühungen, die lyrf die Losreißung polnischer Landesteile von Preußen gerichtet seien, ruhig fortgesetzt würden. Er, der Ministerpräsident, werde dahin wirken, daß die Ansiedelungskommission praktisch in kaufmännischer Weise verfahre, und so hoffe er, daß die 250 Millionen fruchtbringend wirken würden. Es werde nicht daran gedacht, die polnischen Landsleute zu vertreiben, aber es dürfe nicht geduldet werden, daß die Deutschen im Osten der Monarchie durch Schikanen und Boykott zum Wegzüge gezwungen würden. Auch sein, des Redners, Nachfolger werde keine andere Polenpolitik treiben könne, bis die Polen sich in loyaler Weise zum preußischen Staat stellten. (Bravo!) — Oberbürgermeister Witting-Posen begrüßt die Vorlage mit Freuden, bittet aber, der polnischen Presse keine so große Bedeutung beizulegen. Tie Polen könnten sich nicht beklagen; sie befänden sich in einem rapiden wirtschaftlichen Aufschwünge und würden von den preußischen Beamten gerecht behandelt. Das Wortbild von den Kaninchen scheine ihm, dem Redner, nicht zutreffend; die Deutschen ch Polen thäten in dieser Beziehung vollständig ihre Schuldigkeit (Heiterkeit). Nötig sei die Förderung der Volksschule, Aufbesserung der Beamten und Hebung allgemeiner kultureller Einrichtungen. Fürst Hatzfeld t- Drachen berg schildert die großpolnische Agitation, die sich auch in Schlesien bemerkbar mache und der Sozialdemokratie in die Hände arbeite. (Hört, hört!) — Graf Hoensbroech tritt für energische Aktionen in der Polenpolitik ein. Mit Liebe und Versöhnung predigen locke man keinen Hund vom Ofen. — Ministerpräsident Graf Bülow bemerkt noch, daß auch Katholiken angesiedelt werden sollten, sobald für deutschgesinnte Seelsorger gesorgt sein werde. — Herzog Ern st Günther zu Schleswig-Holstein betont, man klage über den Kastengeist in Posen; er glaube, daß dieser ein Hindernis in der preußischen Polenpolitik sei. Bei dem schweren Dienst der Beamten in Posen empfehle sich eine Besserstellung und die Auswahl der tüchtigsten Kräfte. — Oberbürgermeister Delbrück-Danzig erörtert die.Berfassungs- frage und bemerkt alsdann, der Rückgang des Deutschtums in den Städten hänge hauptsächlich mit dem wirtschaftlichen Rückgänge des Mittelstandes zusammen. Tie Regierung werde hier eine schwere Aufgabe haben. — Graf Droste verurteilt durchaus die großpolnische Agitation, kann aber der Vorlage nicht zustimmen, weil sie der Gerechtigkeit nicht entspreche. Wenn die Polen unrecht thäten, müsse man sie dem Strafrichter übergeben. — Fürst Herbert Bismark bezeichnet die Energie der Polinnen als gefährlich, die, wenn sie deutsche Männer heirateten, für die polnische Erziehung ihrer Kinder sorgten. Der Regierung empfehle er den Spruch: Halte fest, daß Dir niemand Deine Krone nehme. — Die Vorlage geht an eine besondere 15er Kommission, die sofort ge- wählt wird. Komische Tagesschau. Bismarck und Bülow. Man schreibt uns aus Berlin, 12. Juni: Die Auseinandersetzung zwischen dem Grafen Bülow und dem Fürsten Herbert Bismarck im Reichstag erinnert an das Wortgefecht der beiden Herren vom 19. März 1901. Auch dieses fand im Reichstag statt, galt jedoch der auswärtigen Politik und klang versöhnlicher aus, als das gestrige über die Wirtschaftspolitik. Fürst Bismarck führte damals den Anteil, den Deutschland an der chinesischen Frage zu nehmen habe, auf ein bescheidenes Maß zurück, und Graf Bülow gab zu, daß Ostasien niemals der Angelpunkt der deutschen Politik werden dürfe, deren Schwergewicht in Europa liege. Zum Sckstnß bemerkte der Sohn des Altreichskanzlers, das deutsche Volk könne sich zur Leitung der auswärtigen Politik durch den Grafen Bülow beglückwünschen, und er begab sich, um dieses Vertrauensvotum zu bekräftigen, nach Beendigung seiner Rede zum Reichskanzler, mit dem er vor versammelten Parlament herzlichen Händedruck tauschte. Gestern war das Bild ein anderes. Die Worte wurden auf beiden Seiten nicht versöhnlicher, sondern immer entschiedener, der Händedruck unterblieb, und den Zuschauer überkam das Gefühl, als sei eine Entfremdung zwischen den Partnern wenn nicht vorhanden, so doch zurückgeblieben. Der Auseinandersetzung lag allerdings die Brüsseler Zucker-Konvention zu Grunde, aber Fürst Bismarck ließ deutlich durchblicken, daß seine Kritik der Wirtschaftspolitik der Regierung überhaupt galt. Die Konservativen überschütteten geradezu den Sohn des Altreichskanzlers mit Beifall — ob sie es thäten, um dem Grafen Bülow demonstrativ ihr Mißfallen zu bezeigen, oder ob sie den Fürsten Bismarck ermuntern wollten zur Uebernahme einer führenden Rolle in den im Herbst auf der ganzen Linie einsetzenden Kämpfen um den Zolltarif und späterhin um die Handelsverträge, läßt sich zurzeit nicht entscheiden. In taktischer Hinsicht könnte es den Konservativen wohl erwünscht sein, den Träger des Namens Bismarck an ihrer Spitze zu sehen, und es ist möglich, daß Fürst Bismarck durch den Zwischenfall mindestens in dem Entschluß bestärkt wird, bei den Neuwahlen zum Reichstag sich wieder um sein Mandat zu bewerben. Der Sohn des Altreichskanzlers gehört der konservativen Reichstagsfraktion nicht an, er zählt sich zur Gruppe der „Wilden". Das Trmkgelderunweseu beschäftigte am Samstag die Münchener Abgeordnetenkammer. Den Anlaß dazu gab eine Petition des Münchener Kellnerinnenvereins, in der gebeten wurde, den Kellnerinnen des Hofbräu Hauses einen festen Lohn zu gewähren. Abg. Lerno nannte die Trinkgelder eine männliche Mode, die noch viei thö- richter als die Mode der Frauen sei. Er wies auch darauf hin, daß die Verkäuferinnen der Konsektionsbranche, welche die Launen der gnädigen Frauen auszuhalten haben, niemals ein Trinkgeld bekämen. Das Publikum habe überhaupt die Neigung, da ein Trinkgeld zu geben, wo die Gegenleistung verhältnismäßig am geringsten sei. Als ein nobler Trinkgeldgeber erwies« sich der Abg. Dr. Heim, er meinte: „Zu meiner Studentew- zeit wurde man, wenn man zwei Pfennig gab, schpn al^ Lord angesehen und bei fünf Pfennig als Baron betitelt. Heute steht man mit solchen Trinkgeldern wie ein knotiger Teufel da, und es ist üblich, 10—15 Pfennig zu geben, wenn man mehr genossen hat, wohl auch 20 Pfg. Dieses Unwesen steigert sich und wird nahezu Kalamität. Für einen Mann vom Mittelstände, der mit seiner Familie in eine Wirtschaft geht, ist das schon eine Auslage. Es bildet sich schon eine förmliche Taxe für die Trinkgelder heraus; 10 v. H. heißt es, soll man wenigstens geben. Dabei weiß man, daß die Mädchen keine Zahlung haben, und maax ist doch heutzutage auch Gemütsmensch." — Ein Ministeriab- rat bemerkt, die Kellnerinnen des Hofbräuhauses hätten erklärt, sie seien mit ihrer Lage sehr wohl zufrieden. Dar-, auf erwidert Dr. Heim: Wenn die Kellnerinnen des Hof- bräuhauses noch mehr hätten erklären sollen, hätten sie es auch unterschrieben. Die Regierung wird doch nicht glauben, daß sie mit einer solchen Erklärung bei uns irgend welchen Eindruck hervorruft; ganz im Gegenteil! Neulich hat ein Kollege von der Mitte des Hauses gesagt, wenn unseren Staatsbeamten nahe gelegt werde, sie sollten erklären, das Wasser läuft den Berg hinauf, so seien sie bereit, zu erklären, es läuft schon wieder drüben hinunter." — Der Ansbacher Realschullehrer wird durch seinen Witz und seine Schlagfertigkeit nachgerade der Schrecken der bayerischen Regierung. Deutsches Deich. Berlin, 12. Juni. Der Kaiser begab sich heute morgen zu Pferde vom Neuen Palais nach dem Bornstedter Felde, wo das Regiment Garde du Korps und das Leib-Huiaren-Regiment aufgestellt war. Der Besichtigung der beiden Regimenter wohnten auch die Kaiserin, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold, der österreichische General von Mauchenheim mit seinen Offizieren, drei russische Offiziere und Andere bei. Der Besichtigung folgte ein Feuer-C^erzieren, wozu das Leib-Jnsanterie-Bataillon, die Unteroffizierschule und eine Batterie der Garde-Feld-Artillerie herangc'ogen war. Der Kaiser führte darauf das Regiment Gard, ou Corps nach der Stadt zurück und nahm an dem Frühstück beim Offizier-Korps des Regiments teil. Hierzu waren auch die hier weilenden österreichischen Gäste geladen, die heute vom Kaiser Ordens-Auszeichnungen erhalten haben. General von Mauchenheim wurde das Großkreuz des Roten Adlerordens verliehen. — Heute abend traf Prinz Leopold von Bayern im Neuen Palais ein. — Nach einer Meldung aus Detmold wurde dort heute nacht dem erbgräflich Lippe-Biesterfeld'schen Paare ein Sohn geboren. — Ter Unterstaatssekretär im Finanzministerium Wirkt. Geh. Oberfinanzrat Lehmann ist nach kurzer Krankheit plötzlich gestorben. Der Verstorbene erreichte ein Alter von nur 52 Jahren. Sein Hinscheiden erfolgte eben so unerwartet wie das seines Vorgängers, des Unterstaats- sekretürs Lehnert. Ter tgeimgegangene wurde unter denjenigen Persönlichkeiten dieser Tage genannt, die als Nachfolger des an den Abschied denkenden Eis en bahn Ministers v. Thielen in Betracht kommen. Lehmann war im November 1901 zum Unterstaatssekretär ernannt worden. Bis 1891 gehörte er erst als Assessor.der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. und dann als Direktor dem Eisenbahnbetriebsamt in Braunschweig an. Seit April 1900 war Lehmann auch Treuhänder der Deutschen Hypothekenbank. — Ter „Reichsanzeiger" widmet dem am 9. ds. in Koblenz verstorbenen früheren Unterstaatssekretär im Justizministerium N e b e - P f l u g st ä d t einen ausführlichen Nachruf, welcher das reiche Wissen, klare Urteil, die umfassende Geschäftskenntnis und die echt patriotische Haltung und milde Gesinnung des Verstorbenen hervor- yebt, die ihn hervorragend zu der ihm gestellten besonderen Aufgabe befähigten, an der Verschmelzung der verschiedenen preußischen Rechtsgebiete zu einer Einheit mitzuarbeiten. Ter Nachruf besagt weiter: An den umfassenden gesetzgeberischen Arbeiten des Justizministeriums seit der Gründung des Reiches nahm er hervorragenden Anteil. Vier Justizministern war er ein treuer und zuverlässiger Berater, das Muster eines preußischen Beamten in selbstloser Hingabe an seinen Beruf. Unauslöschlich ist die dankbare Erinnerung an ihn. — Der frühere japanische Premierminister Graf Mat-- s u k a t a ist auf einer Rundreise zum Studium der Volkswirtschaft und des Finanzwesens heute vormittag hier eingetroffen. Er stattete dem Staatssekretär des Aeußeren v. Nichtyofen einen Besuch ab. Graf Matsukata hält sich in Deutschland bis zum 21. Juni auf und begiebt sich bann zu den Krönungsfeierlichkeiten nach London. Später nach Oesterreich und Rußland. — Der englische Militär attachee in Berlin, Oberst Waters, hat sich nach London begeben, um während der Festlichkeiten anläßlich der Krönung des englischen Königspaares den Offiziersdeputationen, welche deutsche Regimenter zur Teilnahme an den Festlichkeiten dorthin entsenden, als Führer zu dienen. Das englische Hofmarschchl- amt hat für die deutschen Offiziere das Hotel Belgravü- als Quartier gemietet. — Im Lieberschen Wahlkreise wird die Zentrumspartei in die Wahlbewegung für die Kandidatur Dahlem eintreten. — Der Brüssel Korrespondent des Londoner „Duily von wärtigen Wehren empfangen; 29497040 Mk. 12723780 „ 19853820 ,, gegen 1900 663048960 Mk. 396475210 „ 571333280 „ Alexander Sartorius, einen Kranz nieder. Kamerad Scherfs hielt eine Ansprache, in der er der Verdienste des Verstorbenen rühmend gedachte und darauf hinwies, daß er es nach Besiegung vieler Schwierigkeiten endlich erreichte, daß am 31. Dezember 1876 mit 57 aktiven Mitgliedern eine Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde. Nachdem der Redner geendet hatte, begann die Ausstellung des Festtages, woran sich die zur Feier erschienenen auswärtigen Wehren, und sämtliche Licher Vereine beteiligten. Der Zug nahm dann seinen Weg durch die Stadt nach dem Festplatz, wo der Vertreter Großh. Kreisamts Gießen, Regierungsrat Dr. Wagner eine Ansprache an die Jubilare richtete, und die oben erwähnten Ehrenzeichen überreichte. Jubilar Scherfs dankte im Namen seiner Kameraden und brachte ein Hoch aus den Großherzog aus. Dann hielt Stiftsdechant Klingelhöfer die eigentliche Festrede, in der er einen Rückblick auf die erfreuliche Entwickelung der Wehr warf, uiüy mit einem Hoch- aus dieselbe endete. Hiermit schloß die offizielle Feier. Wenn auch die Witterung nicht die günstigste war, so verlies das Fest doch in der schönsten Weise und wird gewiß bei allen Teilnehmern eine angenehme Erinnerung hinterlassen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Unsere gestrige Notiz aus Reiskirchen betrifft den Gesangverein „Liederblüte" in Burkhardsfelden", — durch ein Versehen des Setzers war die Ortsbezeichnung gestern weggefallen — und nicht den Reiskirchener Gesangverein „Harmonie". — Ein Frankfurter Kaufmann, der in voriger Woche Konkurs machte, hat sich in Neustadt i. O. eine Kugel in die Brust geschossen, er wurde ins städtische Krankenhaus geschafft. Der Mann soll bei seiner Abreise 30 Pfd. Spargel mitgenommen haben, wie ein Berichterstatter wissen will. Nachdem er sein Lieblingsgericht aufgezehrt hatte, griff er zur Waffe und versuchte sich ins Jenseits zu befördern. — Der im Cafe Bauer in Frankfurt a. M. angestellte 18 Jahre alte Portier Ewald Hendricks aus Elberfeld istnach Veruntreuung von 1000 Mk. von dort verschwunden. — In der Naumannschen Seifenfabrik in Offenbach platzte ein Ballon Schwefelsäure, dabei wurden zwei jüngere Arbeiter im Gesicht und am Ärm ziemlich erheblich verletzt, sodaß sie im Giranten hause verbunden werden mußten. zusammen 1692932090 Mk. 1630857450 Mk. 62074640 Mk. Der Zuwachs von 1899 auf 1900 betrug etwas mehr, 64 393 300 Mk. Auch in diesem Jahre ist, wie im vorigen, als besonders bemerkenswert der unverhältnismäßig große Anteil der Provinz Starkenburg an dem Zuwachs, der nicht viel weniger als die Hälfte des Gesamtzuwachses beträgt, heroorzuheben. M. Lich, 12. Juni. Am Sonntag feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 25jähr. Stiftungsfest. Folgenden fünf Feuerwehrleuten, die bereits 25 Jahre der Wehr angehören, wurde das ihnen vom Großherzog verliehene Ehrenzeichen überreicht: Christian Vater, Heinrich Vater, Ludwig Scherff, Karl Lotz und Paul Kächler. Tie Feier nahm einen recht schönen Verlauf. Am Sonntag Vermischtes. * Berlin, 12. Juni. In der Sellerstraße 14 hat ein junger Bursche die dort wohnende Wittwe Alt mann gewürgt und die vorgefundene Barschaft geraubt. Der Thäter ist entkommen. * Berlin, 12. Juni. Der Erfinder Hermann Ganswindt ist heute Nachmittag aus der Untersuchungshaft entlassen worden. * Hildesheim, 12. Juni. Ein wegen Hochstapelei hier inhaftierter Dr. v. Weddstädt, bisher Assistent ander landw. Versuchsstation hier, ist als Falschmünzer entlarvt worden. * London, 12. Juni. Das Rcutersche Bureau meldet aus East-London vom 11. Juni: Während eines heftigen Sturmes sind gestern 3 Segelschiffe, „Aurora" Schweden, „Elise Linck" Deutschland, „Atbara" Norwegen auf den Strand geworfen und gescheitert. Die aus 11 Mann bestehende Besatzung der „Atbara" ertrank mit Ausnahme des Kapitäns, der sich an Land befand. Die übrigen Mannschaften wurden gerettet. * London, 12. Juni. Unter den Schülern der Militärschule in Sandhurst ist ein Aufrühr ausgebrochen. 200 Schüler veranstalteten vor der Stadt eine große Kundgebung und mußten von der Polizei zerstreut und in die Anstalt zurückgebracht werden. Eine strenge Untersuchung ist ein gekettet. wohl ein guter Schwimmer, gelang es ihm nichr mehr, aus ihnen herauszukommen. Trotzdem sofort alle möglichen Rettungsversuche angestellt wurden, tonnte er nicht mehr gerettet werden. Die Leiche ist noch nicht gefunden. * Bei einer Seeübung kollidierten, wie aus Kiel berichtet wird, die Linienschiffe „Weißenburg" und „Kurfürst Friedrich Wilhelm". Beide sind beschädigt zurückgekehrt. Letzteres ist leck. * Feuer. Nach einer Depesche sind die großen Ska S- kaer Kohlenwerke und Briketfabriken in Stasga bei Kamenz durch ein Feuer eingeäschert morden. Zahlreiche Maschinen wiirden vernichtet. Der Schaden soll über 500000 Mark betragen. ____________ morgen wurden die zum Besuch herbeigekommenen ausspäter schloß sich eine * Brüssel, 12. Juni. In der Vorstadt Molenbeck tötete ein Metzgergeselle seine Geliebte und beging alsdann Selbstmord. * Paris, 12. Juni. Bankier Hugo Lorenz aus Berlin wurde am Dienstage enthaftet, nachdem er seine Gläubiger beftiedigt hatte. * Orleans, 12. Juni. Gestern erfolgte auf dem hefigen Militär-Schießplatze eine heftige Explosion. Die Soldaten, welche dienstfrei waren, standen in Gruppen auf dein Platze herum. Einer warf achtlos eine brennende Cigarette weg, ohne zu wissen, daß in der Nähe eure Pulverkiste stand. In demselben Augenblick erfolgte auch schon die Explosion, wodurch vier Soldaten rötlich für 1901 für Starkenburg 692546000 Mk. „ Oberhessen . 409198990 „ „ Rheinhessen 591187100 „ Ausland. London, 12. Juni. Nach einer Meldung der oft aus amtlichen Quellen schöpfenden „Birmingham Postt ist über den Aufenthalt König Eduards aus dein Festlande noch nichts Bestimmtes entschieden. Kaiser Wilhelm habe kürzlich den Wunsch ausgedrückt, König Eduard möge Homburg besuchen und später die Gastfreundschaft des Kaisers in einem seiner Schlösser annehmen. König Eduard wird der Einladung wahrscheinlich Folge leisten. Königin Alexandra wird inzwischen nach Kopenhagen reisen. — Unterhaus. Kriegsminister Brodrick erklärt, daß die Untersuchung, die die Regierung über die Art derKriegführunginSüdafrika zugesagt hat, wahrscheinlich durch eine königliche Kommission geführt Kunst und Wissenschaft. Berlin, 12. Juni. Der „Reichsanzeiger" verössentlicht emen ausführlichen Bericht über die Ausgrabungen der deutschen Orientgesellschaft bei Abusir in Egypten, deren für vev- schiedene deutsche Museen beftimmte Ergebnisse dieser Tage m Alexandrien nach Hamburg verladen wurden. — Die Kapellineisterfrage der Frankfurter Oper ist durch das Engagement des Dr. K u n w a l d erledigt. Der Künstler tritt seine Franksurler Stellung zu Begum der neuen Saison am, 1. August, an, wird aber in der Zwischenzeit noch einige größere Werke neu einstudieren und herausbringen. Sein zweites Probedirigieren — Beethovens „Fidelio" — war em fast noch gröberer Erfolg als die brillante „Lristan"°Auffuhrung. Eine Glanzleistung war die dritte „Leonore"°Ouverture, welche Kunwald wohl mit freier Temponahme, dafür aber mit um so fernerer Nüancierung und großartiger Steigerung dirigierte. — Verstaatlichung des Aerzteweseus. In der holländischen Kettung „De Standaard" teilt ein Arzt mit, daß eine Anzahl seiner Fachgenossen aus der „Medizinischen Gesellschaft", der konservativen „Maatschappij van Geneeskunde" ausgetreten ist, um einen Aerzte» verband zu gründen, der die Verstaatlichung des Aerztewesens anstreben soll. Es wird der Vorschlag gemacht, einen Staats-Kranken- fonds zu gründen, bei dem jeder Haushaltungsoorstand Mitglied ein müßte und einen seinen VerhälMissen entsprechenden Beitrag zu zahlen hätte. Mit 1—2 Prozent von dem Einkommen über 500 Gulden würde man schon viel ausrichten können. Die ärztliche Hilfe würde für alle Einwohner eine gleichartige sein, Slandes- unterschiede könnten nicht berücksichtigt werden.. Aus je 2000 Einwohner sollte eine Staatsarzt kommen, sodaß für die ca. fünf Millionen Einwohner Hollands 2500 Aerzte staatlich anzustellen wären, die selbstverständlich nicht nur Kranke zu behandeln, sondern auch in allen hygienischen Fragen Rat und Auskunft zu erteilen hätten. werde. — Die englische Mission nach dem Tsadsee unter Oberst Morland hatte vollen Erfolg. Es wurde eine Garnison errichtet. Tie Franzosen zogen sich beim Vorrücken der Engländer zurück. Haag, 12. Juni. Tie Konvention zur Regel- ( ung von Widersprüchen in den Gesetzen der , verschiedenen Staaten über die Eheschließung, : die Ehescheidung, die Trennung von Tisch und Bett und den Schutz Minderjähriger ist heute in Gegenwart des Ministers des Auswärtigen, des Justizministers und des , Staatsrats Asser von den Niederlanden, Deutschland, Belgien, Frankreich, Oesterreich-Ungarn, Italien, der Schweiz, Spanien, Schweden, Rumänien und Luxemburg unterzeichnet worden. Dänemark, Norwegen und Rußland haben noch nicht unterzeichnet. Paris, 12. Juni. (Deputiert en kammer.) Der Sozialistenführer I a u r ö s erklärt, die Sozialisten würden mit der ganzen übrigen Mehrheit an der Arbett für die Republik und Demokratie sich beteiligen. Redner verlangt Annahme der Brüsseler Zuckerkonvention. Er frage sich, ob es nicht Sache Frankreichs sei, den ruhmreichen ersten Schritt in der Frage der allgemeinen Abrüstungen zu thun. Tie elsaß- lothringische Frage könne hierin kein Hindernis bilden. (Unterbrechungen auf der Rechten.) Nach längeren Ausführungen des neuen Ministerpräsidenten Combes erteilte die Kammer dem Ministerium ein Vertrauensvotum mit 329 gegen 124 Stimmen. Wien, 12. Juni. Abgeordnetenhaus. Zur Beratung steht der Dringlichkeitsantrag Berger wegen Zurückziehung der Vorlage betreffend das Douau-Dampf- schiffahrtS-Ablommen. Während der Ausführungen des Abg. Berger kommt es zu lebhaften Kontroversen zwischen dem Abg. Schönerer und einigen Alldeutschien einerseits und dem Abgeordneten Wolf, wobei Beschimpfungen schärfster Art fallen. Schönerer ruft wiederholt gegen Wolf gewendet: „Führer der korrupten Presse!" Wolf ruft: „Er ist wieder einmal besoffen!" Wolf gegen Jro gewendet: „Gleich wird es Ohrfeigen geben."' Jro antwortet: „Die Ohrfeigen wirst Dm bekomme n u n d zwar im Parlamen t." Berger spricht fast drei Stunden für die Dringlichkett seines Antrages. Das Haus lehnt die Dringlichkeit ab. Sämtliche Antragsteller treten von ihren Tringlichkeitsanträgen zu Gunsten desjenigen des Abg. Kubr und Genossen zurück. Das Haus verhandelt hierauf über diesen Antrag betr. das Verbot der Rayonierung des Rüb en ein kauf es und nimmt die Dringlichkeit des Antrages an.~ Karlsbad, 12. Juni. Ter Schah von Persien schenkte dem deutschen Schulvcrein 1000 Kronen. Petersburg, 12. Juni. Ter Regierungsbote meldet, daß der A t t e n t ä t e r L e ck e r t, der das Attentat auf den Gouverneur von Wahl verübte, zum Tode verurteilt und, nachdem sein Revisionsgesuch, verworfen, am 10. d. M. hin gerichtet worden sei. — Bei dem gestrigen Paradediner zu Ehren des Fürste n von Bulgarien im Großen Palais zu Peter- hof brachte der Kaiser einen Trinkspruch auf den Fürsten, den Erbprinzen Boris und auf das Gedeihen Bulgariens! aus. Der Fürst erwiderte mit Dank für den Empfang seitens des verbündeten Ziußland und brachte ein Hoch auf den Kaiser, die kaiserliche Familie und das Brudervolk aus. Nach dem Diner wandte sich Fürst Ferdinand an den Kaiser mit einer Ansprache, in welcher er ausführte, Bulgarien errichte Alexander II. in der Hauptstadt ein Denkmal als Ausdruck des Dankes, daß Rußland Bulgarien zu selbständigem Leben berufen habe. Ter Präsident der So- branje, Zankow, bat den Kaiser, der Enthüllung beizw- wohnen. K o n st a n t i n o p e l, 12. Juni. Unkontrollierbaren Gerüchten zufolge soll Marschall Faad Pascha in Damaskus im Ge s ä n g,n i s p l ö tzlich gestorben (?!) sein. Eine ganze Reihe von höheren Hvfbeamten aus der nächsten Umgebung deo Prinzen Mssuf Jssedin, des ältesten Sohnes des Sultans Abdul Assis und also Vetters des regierenden Herrschers, wurde verhaftet und ver- angeblich wegen Komplotts. Gegen Personen des Hoshaltes anderer Prinzen find ähnliche Machenschaften im Gange. Aus Stadt und Land. Gießen, den 13. Juni 1902. LU. Die Kommission zur Förderung der körperlichen Spiele bei den Studenten hat ihre Vorbereitungen soweit beendet, daß die Spiele am Samstag, den 14. Juni, 6 Uhr abends, auf dem Trieb unter Leitung des Lehrers Ziep recht ihren Anfang nehmen können. ** In die hiesige Klinik wurde vorgestern Nachmittag der Arbeiter Stephan aus Dillenburg schwer verletzt eingeliefert. Stephan war mit einem anderen Arbeiter namens Ringel auf dem Dillenburger Puddlings- und Walzwerk beim Ablöschen von Puddel-Schlacke beschäftigt, als diese explodierte. Beide erlitten schwere Brandwunden. ** Das Gesamtbednrfnis der Landesbrandversicherungsanstalt beträgt nach der im Regierungsblatt erfolgten Bekanntmachung ür das Jahr 1901 1 153 724,52 Mk., worunter an eigentlichen Brandentschädigungen und Abschätzungskosten 928160,13 Mark. Von den Kosten einzelner größerer Brände sind hcr- oorzuhcben: Turnhallebrand in Darmstadt am 19. Nov. 1901 58069,60Mt., Schneider'scheDampfwalzmühle in Mainz am 8. Juni 1901 140 937 Mk., Waldmühle bei Ober-Ramstadt am 31. August 1901 21 222,58 Mk. Der Ausschlag beträgt, wie im Vorjahre, 7 Pfg. auf je 100 Mk. Umlagekapttal, also Del." wollte erfahren haben, daß die deutsche Regierung gegen die Ansiedelung aus g ew anderter Buren in Deutsch-Südafrika sei. Dem gegenüber erfährt das „Bert. Tgbl." von unterrichteter Seite, daß die deutsche Regierung in letzter Zeit keinen Anlaß gehabt hat, zur Frage einer Bureneinwanderung nach Deutsch-Süd- westafrika neuerdings Stellung zu nehmen. — In Weihsien und (San ton (China) wurden, wie uns das Reichspostamt mitteilt, deutsche Po st anstatt en eingerichtet. — Die Gesetzsammlung veröffentlicht das Gesetz bett. Fürsorge für Beamte infolge von Betriebsunfällen vom 2. Juni und das Gesetz gegen die Verunstaltung landschaftlich hervorragender Gegenden vom 2. Juni. — Der Bundesrat crtettte in seiner heutigen Sitzung den Beschlüssen des Reichstages zum Gesetzentwurf betr. die geschäftliche Verhandlung des Zollt arif-- entwurfes seine Zustimmung. Tie Beschlüsse des! Reichstages zu den vom Abcß Lieber und Genossen vorgelegten Gesetzentwurf, betr. die Freiheit der Reli- gionsübung wurde den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Der Bundesrat beschloß ferner, den Gesetzentwurf wegen Aufhebung der außerordentlichen Gewalten des Statthalters von El s a ß-Lo t h r i n g e n zur kaiserlichen Vollziehung vorzulegeii und erteilte dem Ausschußantrage zu der Vorlage betreffend die Ausführungs- bestimmungen zuin Scha um w e in st eu e r g e s e tz, sowie den Ausschußberichten zum Eiitwiirf der Bestimmung über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Helchelräumen und dergleichen und über die Vorlage betr. Aenderungen der Praagraphen 42 und 43 der Eisenbahnverkehrsordnung (Beförderung von Leichen der Gsenbahn) seine Zustimmung. verletzt wurden. * Konstantinopel, 12. Juni. Heute Nacht 11 Uhr spürte man in Pera einen ziemlich heftigen Erdstoß, der von unterirdischem Getöse begleitet war. * Beim Baden inl Rhein ertrank in der Nähe Germersheim der Leutnant Hatzfeld von der 5. Kompagnie des 2. bayrischen Fußart.-Regts. Er hätte bei der Garnisonschwimmschule den Rhem, der gegenwärtig ziemlich hoch geht, durchschwommen und wollte wieder zurückschwimmen, als eben ein Vergnügungsdampfer rheinaufwärts gefahren kam. Dabei wurde er in die Wellen hineingerissen und, ob- Gerichtssaal. S. Darmstadt, 12. Juni. Die Strafkammer verurteilte am 10. ds. den 32 Jahre alten Lehrer Georg Hechler in Seeheim, der seit 14 Jahren dort angestellt ist und eine Klasse von 76 Schulern und Schülerinnen führt, wegen lleberfdirettmig des Zuch- tigungsrechts unter Annahme mildernder Umstande in eine Geldstrafe von 20 Mk., event. 4 Tage Gefängnis. H. hat am 4. Januar d. I. einen achtjährigen Schüler, der in der Rechenstunde nicht aufmerksam genug war, mit einem Stocke mehrere Hiebe auf den Kopf gegeben, sodaß die Ohrmuschel stark anschwoll und über dem linken Schläfenbein einen Einriß zeigte. -ter Junge hatte ferner auf dem Kopfe fünf bis jechs ca. 8 Ctm. lange und 3 4 Ctm. breite bläulich gefärbte Wulstungen. Marburg, 10. Juni. Der erst 23 Jahre alte Kausmarm Hugo Büchsen schütz aus Sachsenberg in Waldeck erschien im März in Thalitter und in Vöhl und gab sich als Vertreter der Industrie-Gesellschaft Goldbaum u. Co. in Duisburg aus. Als solcher „kaufte" er die Dr. Günther'sche Papierfabrik m Vohl für 50 000 Alk. und trat, obwohl er keinen Pfennig hatte, mit dem Gutsbesitzer Staudinger in Viermünden in Unterhandlung, um dessen Gut für 200 000 Mk. zu kaufen. Zugleich trcn er als Vertreter seiner „Gesellschaft" Anstalten, eine Molkerei, Spiritus- und Hefefabrik zu gründen, und machte Abschlüsse mit einer Anzahl von Landwirten wegen Lieferung von 900 Liter Milch taalich. Daneben aber borgte er verschiedene Personen um nanchaftc Geldbeträge an und verkaufte aus der noch nicht bezahlten Papierfabrik für 2—300 Mk. altes Eisen. Wegen djeser verschiedenen Betrügereien wurde Büchsenschütz von der hiesigen Strafkammer heute zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Vertin, 12. Juni. Prozeß Sanden. Die Verhandlung ivird heute wieder aufgenommen bei dem Teil der Anklage, der von den Terrainspekulationen der Angeklagten Ed. wanden und Puchmüller und der Art, wie diese verbucht worden sind, handelt, liebet die komplizierten Buchungsfragen läßt sich Geh. Rat Hecht in einer längeren Darlegung aus, ivclche die ganze Buchungs- methode, die bei dem Spielhagen-Konkurs Platz gegriffen hatte, zum Gegenstand hat. Ihm sei bei der Prüfung dieser Buchungen manchmat schwindelig geworden, denn Millionen spielten gar feine Rolle. Der Geldbeutel bei den hier in Frage kommenden Geschäften der Angeklagten Sanden und Puchmüller fei zweifellos die Preuß. Hypothekenaktienbank gewesen. Wohin mehrere Millionen gekommen seien, laffe sich nicht feststellen. Staatsanwalt Beeck stellt noch einmal fest, daß den Angeklagten der Vorwurf gemacht werbe, daß sie Hypolhekengeschäfte für eigene Rechnung gemacht haben,P)te aus diesen Geschäften entstandenen Verluste jedoch auf die -rochter- gesellschasten abgeschoben haben. Puchmüller beftreitet bie§. Tie Bücherrevisoren Kruse und Hilschke laßen sich über die Buchführung aus. Tie Konten hätten nicht stimmen können, weil die Angeklagten die Salden geschoben hätten, wie es ihnen gerade gepaßt habe. Die Anklagebehorde faßt das Ergebnis der Fesfftellungen dahin zusammen : Das Risiko der Spekillationen trugen die Prcußenbank und die Grundschi-.ldbank. Tie Angeklagten beliehcn die Grundstücke auf Grund von unrichtigen Taxen weit über die statutenmäßige Grenze hinaus, und zwar gegen verhälinißmäßig geringe Zinssätze, zahlten die Zinsen nicht bar und Provisionen überhaupt nicht. Tagegen erlitten die Banken dadurch, daß ihnen die insolvente Aktiengesellschaft für Grundbesitz und >vypothetenverkehr als Schuldnerin überwiesen wurde, einen erheblichen Ausfall. — Es folgt die Verhandluiig eines Abschnittes der Anllage, bei dem Heinrich Schmidt und Eduard Sanden der Untreue beschuldigt Hebung der Freiwilligen Feuerwehr von Lich an, und um 1 Uhr begab man fitÄ mit Musik auf den Friedhof und legte an dem Grabe des Gründers der Licher Feuerwehr, 70 Pfg. °/O0. Die Brandversicherungskapttalien der Gebäude, von welchen die Umlage erhoben wird, stellen sich also Zuwachs ntunion. n 4. 4% Oesterr. Goldretne Tendenz: still. Der 2737 11. 11. 102.20 92.70 101.80 92.20 99.90 99.25 103.00 102.75 46.10 29.65 26.30 113.20 44.20 20,80 c. 5,6° C. 3u/o Mexikaner . . 4 >/s /ü Chinesen . . Electric, bchuckert , Nordd. Lloyd . . Kreditaktien , . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden ♦ • . Gotthard bahn . . . Laurabütte . . . . Bochum . . , » . Harpener . . . . Lukasgemeinde. Vormittags 9‘/a Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Nornrittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johannes- gemeirtde. Pfarrer Dr. Naumann. Nächstfolgenden Sonntag, den 22. Juni, findet Beichte und heil. Abendmahl für die Lulas-- und die Johannesgemeinde im Hauplgottesdtenste statt. Anmeldungen vorher bei deM Pfarrer die unterschlagenen Summen im Würfelspiel verloren haben. Pola, 13. Juni. Der Unterrichtsminister gestattete, daß an den vier unteren Klassen der Mittelschulen in der Provinz Frauen als Professoren angestellt werden, alls sie die erforderliche Qualifikation hierfür beibringen. Laibach, 13. Juni. Der Gutsbesitzer Petak stürzte im Selo-Gebirge von einer 70 Mtr. hohen Felswand ab und blieb sofort tot. Belgrad, 13. Juni. Das seit Juli v. I. bestandene Verbot der Ausfuhr vonHornvieh aus Serbien nach dem Ausland wurde nunmehr aufgehoben. 3. Sonntag nach Trinitatis, den 15. Juni. Gottesdienst. 3Va % 8°/o 8% 3,/2°/n 3*/2% gemeinde. Bormittags 91/, Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Mathäusgememde. Pfarrer Schlosser. Nachmittags 3 Uhr: Festgottesdienst zur Feier der Jahresver- ammlung des Hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes, istarrer Dingeldey aus Darnrstadt. I« der Johanueskirche. Vorrnittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Bremen, 10. Juni. (Per transatlandischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Schnellpostdampfer „Kaiser Wilhelm der Große", Kapitän D. Högemann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 8 Uhr morgens wohlbehalten in Nerv-York angekommen. Br em en, 11. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Ter Doppelschrauben-Postdampfer „Bremen", Kapitän R. Nierich, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 1 Uhr nachmittags wohlbehalten in New-York angekommen. Der Doppelschrauben-Postdampfer „Rhein", Kapitän G. Rott, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 7 Uhr morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen. „R e d Star Linie" Antwerpen. Der Postdampfer „Southwark" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 10. Juni wohlbehalten in New-York angekommen. Schiffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbathseier am 14. Juni 1902. Freitag abend 800. Samstag vormittag 800. Nachmittag Sabbathausgang 9<0. Wochengottesdienst: morgens 680 Uhr, abends 730 Uhr. 4°/ Italien. Rente . . 4*/,% Portugiesen . . . 10/ Portugiesen. . . . 1% C. Türken . . . Türkenlose ..... 4% Grieoh. Monopol -Anl. 4*/,% äussere Argentiner Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldnngen des Gießener Anzeigers. 8. Darmstadt, 13. Juni. In der heutigen Sitzung der 2. Kammer wurden die Beratungen der Wahlrechtsvorlage fortgesetzt. Abg. Schönb erger tritt gegen die Vermehrung der städtischen Vertreter im Landtage ein, da die Interessen der Städte durch deren bisherige Vertreter hinreichend geschützt seien. Die Wahlpflicht hält er für wünschenswert. Abg. Weidner bekämpft ebenfalls die von der Regierung vor- geschlagene Vermehrung der städtischen Vertreter, dagegen hält er es für wünschenswert, daß die nach Artikel 9 notwendig gewordene Vermehrung der Abgeordneten um zwölf mehr als bisher aus dem Volke genommen würde. Auch die Festsetzung des wahlmündigen Alters auf 21 Jahre halte er für wünschenswert, da mau ja auch in diesem Alter heiraten könne. Minister Rothe ersucht, die Frage bezüglich der städti- schen Abgeordneten nicht in der Generaldebatte zu erledigen. Abg. Graf Oriola erklärt sich mit der Regierungsvorlage einverstanden, ebenso hält Abgeord. Haas die Vermehrung der städtischen Vertreter für zweckmäßig. — Nächste Sitzung Dienstag 10 Uhr. Sibyllenort, 13. Juni. Das heute morgen um 7 Uhr ausgegebene Bulletin sagt, daß der König von Sachsen die Nacht unruhig verbracht habe; erst gegen Morgen trat mehrstündiger Schlaf ein. Das erste Frühstück nahm der König mit Appetit ein. bis 12. Juni „ 12. „ Vormittags von , um Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. . 25.65 . 90.70 . 106.00 . 110.25 . 216.50 . 187.40 . 139.60 . 147.40 . 158.70 . 150.80 . 18.85 . 169.50 . 207.25 . 200.50 . 177.50 In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 9. Juni. (Per transatlantischen Telegraph.) Doppelschrauben-Postdampfer „Barbarossa", Kapitän F. Mentz, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 10 Uhr abends wohlbehalten in Newyork angekommen. Arbeiterbewegung. b. Mainz, 12. Juni. Hier bereitet sich ein Droschken- tuts ch erstreik vor. Am 1. Juli tritt nämlich der neue Droschkentarif in Kraft, der für das Publikum insofern manche Annehmlichkeit bringt, als die Dienstdauer abends länger ausgedehnt wird, und einzelne weiter gelegene Punkte den gleichen Tarif wie in der inneren Stadt erhalten. In diesen Aenderungen erblicken nun die Kutscher für sich eine große Schädigung. Wenn eine von ihnen angestrebte Vermittelung nicht zu einer Aenderung des neuen Tarifs führen sollte, will man allgemein den Dienst einstellen. Rew-Uork, 10. Juni. Der Führer des Kohlen st rerks Mitchel, der von dem Arbeitskommissär Wright im Auftrage des Präsidenten Roosevelt über den Streik befragt wurde, erklärte, die Streikenden seien wohl gerüstet f ü r einen längeren Kampf. Das „Journal of Commerce" tadelt den Präsidenten wegen seines Eingreifens in den Kohlenstreik und bemerkt, dasselbe stelle einen verderblichen Patrialismus dar. Telephonischer Kursberichte Frankiert a. 24., 13. Juni 1902. Reichsanleihe do. Konsole . do. ... Hessen Oberhessen Höchste Temperatur am Niedrigste „ „ Notiz für alle Hantleideudeu: Veranlaßt durch Zuschriften und Anfragen, die dem Fabrikanten von „Obermeyer's Herba- Seife" von allen Seiten tagtäglich zugehen und die für alle Hcmt- kranken von allgemeinem Interesse find, verfehlen wir nicht, hiervon einige besonders wichtige nachstehend zu veröffentlichen: So schreibt u. A. Herr Oberstabsarzt und prakr. Arzt Dr. med. Neid- hardt, München: Obermeyer's Herba-Seife hat in zwei Fällen von trockenen Ekzem (Ausschlag) beide Male an den Beinen geradezu brillant gewirkt und zwar in dem einen Fall nach dreijährigem Bestand des Leidens, nach erfolgloser Anwendung aller möglicher Salben. Herr Dr. med. Julius Heufeld, Alla. Wiener Krankenhaus, Wien schreibt: Obermeyer's Herba-Seife habe bei mehreren Patienten bei akuten Ekzemen Herbes tonsurans, sowie bei Akue angewandt. Der Erfolg war in den meisten Fällen ein überraschend prompter. Außer diesen liegen Hunderte derartiger Beweise von der vorzüglichen Wirksamkeit von Obermeyer's Herba-Seife dem Fabrikanten vor, wo sich das Präparat erfolgreich erwiesen hat gegen Haut- und Haarleiden wie trockene und nasse Flechten, skrophulöse Ausschläge, Hautausschläge, Wundsein von Säuglingen, Ausschläge bei Kindern, Sommersprossen, Haarpilze, Haarausfall u. s. w. jeder Gemeinde erbeten. An demselben Tage nach aller: Gottesdiensten Sammlung für die evangelische Gemeinde Bürgel bei Offenbach zum Bau einer werden. Auch die Deutsche Grundschuldbank soll durch Terrain- geschäfte der beiden Angeklagten geschädigt worden sein. Der Vorsitzende giebt eine Uebersicht der Thatsachen, um die es sich hrer handelt. Schmidt soll sich zum Schaden der von ihm getesteten Lank bei der hier in Frage kommenden Terrainspekulatron emen großen eigenen Vorteil verschafft haben. Eduard Sanden hat diese Geschäfte als der Generalbevollmächtigte Heinrich Schmidts besorgt. Schmidt bekundet, daß er sich um dieses Terraingeschast nicht weiter gekümmert habe, nachdem er dem Eduard Sanden Generalvollmacht erteilt gehabt habe. Uebrigens habe er bet dieser Spekulation em sehr trauriges Geschäft gemacht. Ein einziges Mal habe er von Eduard Sanden ä conto 15 000 Mk. erhalten, wahrend Sanden aus dem Konto dieses Geschäfts 381102 Alk. gezogen habe. Eduard Sanden bestreitet dies. . Er habe sich persönlich an dem Geschäft nicht beteiligt und auch nichts bezogen; er habe lediglich als Bevollmächtigter des Schmidt gehandelt. Es werden dann die Verhältnisse von vier Häusern, die auf dem Terrain erbaut worden sind, erörtert, um zu zeigen, welche Schicksale die Kaufgeldbypo- theken gehabt haben und wie die Deutsche Grundschuldbank durch sie geschädigt worden ist. Zu diesem Punkt der Anklage werden morgen eine Reihe von Zeugen vernommen. Die Verhandlung wird morgen fortgesetzt. Parts, 12. Juni. Das Zivilgertcht sprach heute das Urten in dem Prozeß der Witwe des Obersten Henry gegen Retnach und das Journal „Le Siöcle". Die Witive Henry hatte 200 000 Fr. Schadenersatz nebst Zinsen verlangt. Tas Gericht verurteilte Rein ach unb den „Siöcle" zur Zahlung von 500 Frcs. an die Witwe Henry und den Sohn. Aus dem Geschästsleben. — Gewerbliches Schutzweseu. Wortzeichen „Klub" nicht eintragssähig. Aufklärung von Patentanwalt Sack, Leipzig. — Dre Eintragung des Wortzeichens „Klub" für Harmonika wurde versagt, weil dieses Wort eine Bestimmungsangabe erkennen laßt. Es wurde angenommen, daß die mit „Klub" bezeichneten Instrumente besonders in Klubs, wie solche zur Pflege der Musik bestehen oder entstehen können, zur Verwendung gelangen sollen. Eine solche Bestimmung im Warenzeichen ist unzulässig. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. — 3V.proz. Sächsische Rente. Tie Subskription auf die 50 Mill. Mk. 3proz. sächsische Rente ist keinesfalls so glänzend ausgefallen, wie die Subskription auf die deutsche und russische, sowie Wiener Anleihe, lieber das Ergebnis wurde offiziell nur gemeldet, daß der gesamte aufgelegte Betrag gezeichnet worden sei. _ Wenn man von den unvermeidlichen Spekulalionszeichnungen absiehl, so verkleinert man das Resultat nicht, wenn man behauptet, daß die 50 Mill, nur gerade knapp plaziert worden sind. In sächsischen Blättern wird dem Finanzministerium der Vorwurf gemacht, daß man mit neuen Rentenemissionen nicht Maß halte. Seit 4 Jahren folge eine Begebung der anderen und schon sind wieder anderweite 100 Mill. Mk. postuliert. So ist es gekommen, daß die sächsische Rente, die lange Jahre hindurch Anlagepapier par «xcellence gewesen, von dieser Goldschnittfassung neuerdings sichtlich eingebüßt hat. — Die Minensteuer. Eine der Hauptbeschwerden der Mmen- nagnaten über die Ungerechtigkeit der Burenregierung bildeten dte Klagen über die „kollosale Besteuerung" der Mmenausbeute. Nun ist der Krieg beendet, die Burenregierung existiert nicht mehr, aber die Minensteuer verschwindet nicht, im Gegenteil — sie wird verdoppelt. Eine am vergangenen Montag in Pretoria erlassene Proklamation hebt den Beschluß des Volksraad auf, nach welchem eine Steuer von 5 Prozent vom Reingewinn der Minen erhoben wird. Statt dessen wird eine Steuer von 10 Prozent vom Reinertrag der Ausbeutung der Claims, Mynpachtrechten und anderen Goldführenden Grundstücken in dieser Kolonie erhoben. Als dieser Reinertrag ist der Wert des gewonnenen Goldes anzusehen nach Abzug der Gewinnungskosten und in der Proklamation näher angegebenen Kapitalabschreibungen. — Der Morgansche Schiffahrtstrust. Die so folgenschwere Konvention, über deren Einzelheiten und Bedeutung man erst volle Klarheit erlangen wird, wenn die Abmachung auch in ihren praktischen Folgen zu Tage tritt, versetzt in England die Gemüter noch immer in große Aufregung. Selbst- und Staatshilfe sollen gegen den Trust aufgerufen werden. Die Selbsthilfe soll sich in einem englischen Gegentrust dokumentieren, oder auch mSchiffahrtspramien. Die reichen englischen Schiffsrheder wollen von der englischen Regierung unterstützt sein. In einer in Liverpool abgehaltenen Versammlung verlangten sie für jedes britische Segelschiff von über 500 t eine Prämie von der Regierung. Für die Erhöhung der Dampfersubvention ist das Parlament selber eingetreten. Hier wurde eine Spezialkoinmission eingesetzt, die sich mit der Submissionsfrage möglichst eingehend beschäftigen soll. Jedenfalls hat Deutschland ein großes Interesse an der werteren Entwicklung der Dinge. , — Allgemeiner Deutscher Walzwerksverbaud. Seit der Berliner Zusammenkunft im Anfang des Monats April hat man mchts mehr davon gehört, in welchem Stadium sich die Verhandlungen befinden, die auf das Zustandekommen des Verbands ab- zielen. Es heißt, daß im Laufe dieses Monats eine neue Versammlung, diesmal in Köln, stattfinden wird. Was die Preisfestsetzung angeht, so dürfte es sich nur um die Bemessung der Preise jür das vierte Quartal handeln, da die des dritten Quartals bereits festgestellt sind. Natürlich handelt es sich nur um die Festsetzung der Minimalpreise, doch soll nach Ansicht der Produzenten zu einer Ermäßigung keine Veranlassung vorliegen. Umlaufende Gerüchte von einer Aufhebung des Feinblechverbandes werden dem „B. T." als unrichtig bezeichnet. — Transvaalbahn. Londoner Depeschen bestätigen, daß die englische Regierung die Obligationen zu pan nebst Zinsen einlösen werde. Die Regierung werde jedoch nicht mit den Obligationären, sondern mit der Gesellschaft wegen des ganzen Unternehmens verhandeln. — Rheinisch - westfälisches Kohleusyndikat. Der vom Syndikat eingesetzte Ausschuß wird der am 17. ds stattfindenden Zechenbesitzeroersammlung die Beibehaltung der Förderungseinschränkung von 24 Proz. vorschlagen. Berlin, 12. Juni. Wie man in politischen Kreisen versichert, ist die Entsendung der beiden deutschen Kreuzer „Falk e" und „Gazelle" nach La Gnayra (Venezuela) lediglich durch die dort ausgebrochene Revolution veranlaßt und bezeckt den Schutz der dortigen deutschen Staatsangehörigen. Mit den deutschen Reklamationen an Venezuela steht die Entsendung der Kriegsschiffe in keinem Zusammenhang. Sobald die Stube in La Gnayra wieder hergestellt sein wird, werden auch die deutschen Kriegsschiffe die venezuelanischen Gewässer wieder verlassen. New-York, 12. Juni. Die Verschmelzung der amerikanischen Schiffsbau-Gesellschaften ist erfolgt. Sie umfaßt 8 große Firmen und verfügt über 20 Millionen Dollars, in die 16 Millionen Bonds nicht eingerechnet sind. Wie verlautet, beabsichtigt die Gesellschaft auf Staaten Island das größte bisher gebaute Trockendock anzulegerp Sibyllenort, 13. Juni. Es steht schlecht um de« König, die Stimmung ist höchst gedrückt. Die Kräfte schwinden immer mehr. Alle Fenster des Parterrezimmer« an der Wasserfeste des Schlaffes, in dem der König leidet, find weit geöffnet, um der Lust möglichst ungehindert Zutritt ,u lassen. Am Krankenbett weilt neben den Aerzten die Königin, ferner der Kammerdiener und die beiden Leibjäger des Monarchen. Vor dem Hauptportal im Schloßpark befinden sich in ernste» Gesprächen die Herren und Damen des Hofstaates. Erkundigt man sich, wie es steht, so ist ein trübes Achselzucken die Antwort. Schlecht, leider schlecht lautet die Auskunft. Ein glück- licherweise noch nicht ganz schlecht wird hinzugefügt. London, 13. Juni. Gut informierte Kreise glauben zu wissen, daß es schwer sein wird, die Schuldbeweise gegen den verhafteten D 6 ec ft Lynch zu sammeln, da die englische Gerichtsordnung die schriftlichen Zeugenaussagen nicht anerkennt, und da sich nur eine sehr kleine Zahl Zeugen finden wird, welche gegen Lynch vor Gericht aussagen kann. — „Daily Mail" meldet aus Pretoria: Zahlreiche Personen wohnten gestern der Unterwerfung des Generals Lindenberg und feines Kommandos hier bet. — In amtlichen Kreisen wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß die Buren seit Beginn des Krieges insgesamt 71,000 Mann im - . - Felde gehabt haben. — Wie verlautet, werden Louis Mrd9e* ----- Botha und Dewet nach der Krönung London be- Heute Freitag, den 13. d. Mts., abends 8«/r Uhr, in Steins suchen. — Für die Heimführung der auf der Insel St. Garten: Vortrag des Waldenser Pastors Gay ans Mailand: Helena internierten Buren ist von der Regierung ein Dampfer Waldenser in Vergangenheit urtb Gegenwart (Lichtbilder). ^ch St. Helena beordert worden. ß London, 13. Juni. Die „Times" melden aus Peking, Katholische Oemernde. die englische Gesandtschaft habe eine Herabsetzung der Nachmittags um^5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur Kriegsentschädigungsansprüche um zwei Proheil. Beicht. zent befürwortet. Sonntag den 15. Juni. Paris, 13. Juni. Ein Beamter, der seit einer Reihe s^E^6e"heit zur heil. Beicht. Don cyQ^ren Wertpapiere in Höhe von einer Million vo?und ^in^decheweir Austeilung der heil. Korn- Mark veruntreut hatte, ist flüchtig geworden. Er soll Ju der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- Landwirtschaft. Mannheim, 11. Juni. Die deutsche Landwirtschafts- Ausstellung, die nunmehr zu Ende gegangen ist, schloß mtt einem Defizit von 150,000 Mark ab. Im ganzen ist die Ausstellung von ca. 130,000 Personen besucht worden, 20,000 Personen weniger, als die Leitung der Ausstellung angenommen hatte. — Die elektrische Straßenbahn hat während der Ausstellungstage eine Gesamteinnahms von rund 70,000 Alk, erzielt. 8 Uhr: Die zweite hell. Messe. Militärgottesdienst mit Predigt. 91/2 Ubr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 21/, Uyr: Sakramentalische Bruderschafts-Andacht. _________ 41/3% Oesterr. Silberrente 101.65 4% Ungar. Goldrente . . 101.55 WMMMM der Weih- 1 Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 14. Juni 1902. Vorabend: 7“ Uhr. Morgens: 8*" Uhr. Nachmittags: 4 Uhr: Schrifterklärung. Sabathausgang: 985 Uhr. Juni Barometer aus 0° reduziert c a x 2 (W der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 12. 12. 13. 225 925 7 35 740,2 738,4 738,8 20,4 15,2 14,5 8,6 10,0 11,1 48 77 91 SSW. NE. SW. 2 1 1 Bew. Himmel U H Bed. Himmel KlÄemchm |Moltkestr.2 ^unmerro. I bascoiicssQ aushilfsweise gejucht. 4395 tritt ein und wurden die Preise derselben bis auf weiteres festgesetzt wie folgt: per sofort gesucht. 4275 Liebigstratze 37, L 1,10 Neueubäue 2. 02624 M. Mk. 3u Mk< . 1,05 meister, Tlefenweg 9. 3943 Bei Mk. Nutzestes Nr. 2 . 0 Marktplatz 5. Telephon 50. M tüchtiger MeMlgescüe kann sofort eintreten. 4397 Anstrich empftehlt 4383 Adolf Bieler, MarWr. s. Coursbericht von Conrad Bankgeschäft, Gießen, Johannesstraße 1 MMelullse Lli'lleil-Gesnchk llrrfdiicbriKs- "ussboden- ycvnüctuniicn •it urrkiuifen Aauf Gesuche GtückeokeS . . Rutzeokes Nr. 1 1,25 1,30 1,15 1,20 StückeokeS . . 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