Nr. S66 Erschein« täglich außer EonnlagS. Dein «Lietzener 91 nötiger werden tm Wechsel mit dem Kesfischeu Landwirt die Siehener Kamillen« blätter viermal in der Woche betgclegL -iolanonSdruci a. Der» lag der Brühl'schen Unioerf-Buch- u.Slein» bruderet tPretsch Erden) Rebaftton, (Lxpedltioa und Druckerei: Gchalpratze 7. Bbrefle Mr Depeschen: Anzeiger Gießen. FkrwprrchanIchlußNr 51. Zweites Blatt. L52. Jahrgang Mittwoch 1S.NovemberLS«S GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Ee»ngSprei»r moiialhd) 759)1^ otert* jädrilch Ml 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePosl All 2.— vienel- jäbrL aueldiL Beslellg. Annahme von Anzeige« für die liuieenummet biS oormitiag» 10 Uhr, Zeilenpreis. lokal 12Pf^ a«SwärlS 20 Psg. De ranl rvorilichr füt den polit u. allgem. teil. P. Witiko; für ,Stadt und Canb* und .Gertchtssaaf Lur« Plato; für den An» jelqenteil; $>an« Beck. KLe yeuLige Mmmer umfaßt 12 Setten. Uolitische Tagesschau. Dom Zolltarif. Der Antrag der Mehrheitsparteien des Reichstags auf Abänderung der Geschäftsordnung soll, der „Nat.- Ztg." zufolge, deswegen erst am Donnerstag -auf die Tagesordnung gesetzt werden, weil der Mittwoch im Reichstage ein sog. Schwerinstag ijl, für den Antrag Aichbichler aber eine Ausnahmestellung in Anspruch genommen wird. Derselbe soll nicht zu den Anträgen gehören, die an eine bestimmte Reihenfolge gebunden sind, also nicht zu den an Schwerinstagen zu beratenden Gegenständen. Tie Bestrebungen wegen Abänderung der Geschäftsordnung sind keineswegs etwa neueren Datums. Es handelt sich durchaus nicht um spontane Entschlüsse. Vielmehr spukten diese Pläne schon kurz nach Wiederbeginn der Reichstagssitzungen. Als vor ungefähr vierzehn Tagen eine Mitteilung in die Presse gelangte, das Zentrum beabsichtige die Gefahr der Obstruktion durch eine Aenderung der Geschäftsordnung abzuwehren, da wurde von parteioffiziösen Zentrumsblättern versichert, das Zentrum denke nicht an einen solchen Schritt. Bald darauf enthüllte ein Berliner Blatt, Zentrumsabgeordnete seien an die Nationalliberalen mit ähnlichen Anregungen herangetreten. Nun hieß es, die betreffenden Herren hätte ihre Privatmeinung zu erkennen gegeben, aber die Fraktion stehe nicht hinter diesen Verhandlungen. Kurzum, alles wurde solange bestritten, bis der „Antrag Aichbichler fix und fertig und von der Zollmehrheit unterstützt dem Reichstag zuging. Das war am letzten Freitag. Ebenso eifrig hat man den Dementierungs-Apparat in Bewegung gesetzt, um die Verständigungs-Konferenzen mit der Regierung abzuleugnen. Dabei war es Thatsache, daß nicht nur im Reichstag, sondern auch in den leitenden Regierungsämtern derartige Besprechungen stattfanden, woran in erster Reihe Mitglieder des Zentrums, aber auch konservative und reichsparteiliche Abgeordnete sich beteiligten. Die Regierung ist an diesen Konferenzen nicht entfernt so interessiert gewesen, wie die Parlamentarier. Im Reichstag nimmt es sich ja sehr stolz aus, das Verdikt „Unannehmbar" zu fällen. Solcher Charakterstärke und Rückgratsfestigkeit freuen sich die Wähler. Außerhalb des Reichstags ändert sich das Bild. Da möchte man es doch nicht aufs Aeußerste ankommen lassen und wäre froh, wenn sich ein Ausweg findet, um zu bekommen, was zu haben ist. In den letzten Tagen wurde wieder geflissentlich verbreitet, es sei still geworden in der Verständigungs- Aktion; man ließ durchblicken, die Mehrheilsparteien warteten „gelassen" ab, was die Negierung zu bieten habe, und man schalt die Regierung, daß sie sich nicht rühre. Graf Bülow wurde in Zentrumsblättern hart angelassen, und ein kons. Organ warf die Frage auf, ob die Regierung nicht bereits mit Resignation sich in das Scheitern der Vorlage ergeben habe. Jetzt scheint aber doch den leitenden Mannern der Geduldsfaden gerissen zu sein. Wir lesen in der „Köln. Ztg.": Es scheint uns ausgeschlossen, daß in den Konferenzen zwischen Kaiser und Kanzler nicht auch die Frage des Zolltarifs behandelt worden sei, und man wird doch die Erklärungen des Grafen Bülow als ein Ergebnis der Besprechungen auffassen müssen, die im Lause der Zeit Kaiser und Kanzler gepflogen haben. Andererseits aber erscheint es in der That nicht als Ausgabe der Regierung, parlamentarischen Parteien, die aus eigener Verschuldung weder aus noch ein wissen, diejenigen taktischen Rezepte zuzuflüstern, die ihnen einen leidlichen Rückzug ermöglichen. Tas scheint Graf Bülow selber, nicht ohne Spott, dem Kölnischen Blatte geschrieben zu haben. Aus gleicher Tonart klang eine Meldung, die uns heute früh aus Berlin zuging, und die wir in unserer Parlamentsbeilage veröffentlichten. Die „Zauberlehrlinge" wenden sich also vorgeblich an den „alten Hexenmeister". Graf Bülow könnte wirtlich von Schadenfreude erfüllt werden, bei dieser Hilflosigkeit der im Reick)stag so kühn und trotzig sich Ge- bährdenden, die im Stillen und ungesehen nach der Wil- Helmstraße sich aufmachen, um nützliche Winke zu empfangen, wie es zu inachen ist, mit Anstand „umzufallen" und den Tarif durchzubringen. Auch hier wird doppelt bewertet, was in Gefahr ist, verloren zu gehen. Englands Auslandspolitik. Tie Londoner Blätter besprechen die gestern mitgeteilte Rede Balfours. „Daily Chronicle" führt aus, die Bemerkungen über die internationalen Beziehungen waren ausgezeichnet. England wünsche mit allen Mächten in Freundschaft und mit keiner in Feindschaft zu leben, aber zu gleicher Zeit dürfe es nicht wünschen, daß seine Führer ihre Augen den (Stimmungen gegenüber verschließen, welche in den letzten Jahren kundg^geben wurden. Wir freuen uns deshalb, fährt das Blatt fort, wenn die genaue Auslegung der Worte des Premierministers die ist, daß der Besuch des deutschen Kaisers, so angenehm er aus persönlichen Gründen allen Engländern ist, doch nicht die Bedeutung hat, die zu einer Verwickelung führen könnte. — „Standard" giebt der Hoffnung Ausdruck, daß selbst in den Kreisen, wo die Anglophobie akut gewesen ist, das Echo der Darlegung Balfours erschallen wird. — „Daily News" hebt hervor, Balfours Rede ist die Versicherung des Friedens und bedeutet eine neue Aera in dem Ton unseres internationalen Verhaltens. Balfour goß auf die Bunden der Vergangenheit das Oel versöhnenden Vergessens und zeigte deutlich, daß es nicht in seiner Absicht liege, sich zu den Rädern von Chamberlains Wagen schleppen zu lassen. Wir begrüßen die Rede umsomehr, als sie unmittelbar nach der Zeit gehalten wurde, die der Redner mit dem deutschen Kaiser verbrachte, der wie nur irgend Einer ein Wahrer des Friedens in Europa ist. Wenn daher Balfour hervorhebt, daß jede Nation, jede Macht in Europa fest entschlossen sei, den Frieden aufrecht zu erhalten, so hat er eine Autorität, die in jedem Ministerium verstanden wird. Wir nehmen diese Rede als Beweis dafür auf, daß der Minister nichtsvon Bedeutung beiden Verhandlungen mit dem Kaiser geopfert haben wird. — „Daily Telegraph" schreibt: T-aß der deutsche Kaiser den Wunsch hegt, einige von den Wolken des Vorurteils und der Mißverständnisse Hinwegzuräumen, welche sich zwischen Deutschland und England bildeten, ist natürlich, und Balfour betonte auch entsprechend dem Wunsche der britischen Regierung, daß die Eifersüchteleien und die Bitterkeit, die sich bekundeten, nicht länger dem Zusammenschlüsse Europas zur Lösung der bedeutenden ihrer Lösung harrenden Ausgaben im Wege stehen. König Leopold von Belgien auf Freiersfüßen. Aus der Umgebung des Prinzen Albert von Belgien, der sich zurzeit mit seiner Gattin bei seinem Schwiegervater Herzog Karl Theodor in München aushält, geht dem „Fr. C." folgende Mitteilung zu: Seit dem Tode der Königin von Belgien ist eine Wandlung in dem Benehmen des Königs Leopold von Belgien gegen seinen Neffen Albert, den voraussichtlichen Thrvn- solger, eängetreten. Diese Wandlung äußert sich in einer auffallenden Külte sowohl gegen Prinz Albert selbst, als auch gegen dessen Gemahlin, die bisher zu den Lieblingen des Königs gezählt wurde. Tie Umgebung des Königs, die genau den Regungen desselben folgt, und für ihre Stellung fürchtet, sobald König Leopold, wie dies zuerst seine Absicht gewesen sein soll, dem Throne zu Gunsten seines Neffen entsagt, hält diesem das Bild des Königs Wilhelm von Holland vor, welcher, um seinem Lande einen Thronfolger zu sichern, in weit vorgeschrittenem Alter eine Waldecksche Prinzessin ehelichte. Tie Königin von Belgien war noch ntcht begraben, als die Umgebung des Lebemannes auf dem Throne bereits Umschau nach einer zwetten Frau für den greisen königlichen Witwer hielt. Selbstverständlich kann der König, welcher seiner Tochter, der ehemaligen Kronprinzessin Stephanie, den Zu- trttt zum «Sarge ihrer Mutter wehrte, weil die Kronprinzessin unter ihrem Range dem Grasen Lonyay in zweiter Ehe die Hand zum Bunde reichte, der Mann, welcher sich beim Kaiser von Oesterreich beschwerte, daß man der Gräfin Lonyay in Oesterreich gestattete, unter einem Inkognito zu reisen, sodaß der Kaiser, so schwer es ihm auch ankommen mochte, die Gräfin selbst — die Beschwerde des Königs und die Unterredung Kaiser Franz Josefs mit seiner ehemaligen Schwiegertochter in dieser Angelegenheit ist that- sächlich, wie in der Umgebung des Prinzen Albert bekannt ist, trotz Dementis erfolgt — auf ihr unrichtiges Verhalten aufmerksam machen mußte — dieser sitten- und etikettenstrenge Regent könnte also nur die Prinzess in aus einem regierenden katho- li schen Hause ehelichen. Man hatte zuerst eine österreichische Prinzessin, die ehemalige Braut eines bayerischen Prinzen, ins Auge gefaßt. Tie Heirat mit dem bayerischen Prinzen zerschlug sich, damals wegen der Mitgift, welche die engere Familie der Braut nicht zu leisten imstande war. Tie Mutter der Erzherzogin war mit der Verehelichung ihrer Tochter mit König Leopold von Belgien einverstanden, allein die Tochter selbst sowie Kaiser Franz Josef versagten in den letzten Tagen ihre Zustimmung zu dieser Verbindung, wie wir aus ganz besttmmter Quelle mitteilen können. König Leopold war über diese Absage nicht sehr erbaut und schreibt sie auf Konto der Anhänger des Thronfolgers Prinz Albert. Tie Stimmung ist durch die Vereitelung dieser Heirat zwischen dem König und dem Thronfolger keine bessere geworden, und der greise Witwer sucht zu verhindern, daß Prinz Albert den Thron von Belgien besteigt, denn er selbst hofft ttotzdem noch durch eine zweite Heirat dem Lande einen Nachf- folger geben zu können. Um der Stimmung im Lande Rechnung zu tragen, war es nach dem Tode der Königin der feste Entschluß des Königs, dem Throne zu Gunsten des Prinzen Lllbert zu entsagen, und nach dieser Richtung waren auch alle dahin zielenden Abmachungen und Vorbereitungen getroffen. Ter König fürchtete damals, daß sich, wenn er, wie es sein Entschluß war, eine zweite Ehe eingehen würde, die Auf- regung im Volke noch vermehren würde. Er wollte also zu Gunsten seines Neffen abdanken, um außerhalb Belgiens seinen Wohnsitz zu nehmen und sich wieder zu vermählen. Allein die Partei des Königs machte ihm begreiflich, daß die Prinzessinnen einens regierenden Hauses sich nicht für einen 67jährigen König, der abgedankt hat, interessieren dürften, wohl aber für den Regenten von Belgien. Ohne weitere Besprechung mit Prinz Albert, welcher sich mit seiner Gattin bei seinen Schwiegereltern in Bayern aufhielt, zu pflegen, hat König Leopold alle eingeleiteten Schritte zur Abdankung rückgängig gemacht, und Prinz Albert erfuhr dies erst durch seine Parteigegner in Brüssel. König Leopold aber hält als Freier Umschau nach einer zweiten Gattin. Freilich ist die Auswahl für König in den katholischen regierenden Regentenbäusern sehr schwer, da Kaiser Franz Josef die Einwilligung zu einer Ehe i einer österre" schen Erzherzogin dem König nie gebe irbe. Deutsches Reich. Berlin, 11. Nov. Ter Kaiser hat den Geh. Re- gierungsrat Köhler zum Kaiserlichen Ministerialrat bei oent Ministerium für Elsaß-Lothringen ernannt. — Der russische Thronfolger traf heute abend auf der Durchreise von Kopenhagen nach Petersburg im ft re n g ft e n Inkognito hier ein, speiste auf der russig schen Botschaft und setzte seine Reise nach vierstündigem Aufenthalt wieder fort. — Zu Ehren des scheidenden amerikanischen Botschafters Wit he, fand gestern abend unter sehr zahlreicher Beteiligung ein Bankett statt, das den glänzendsten Verlauf nahm. — Als mutmaßlichen Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Präsidenten des Bundesamts für Heimatwesen, Weymann, wird in Reichstagskreisen der Geh. Oberregierungsrat im Reichsamt des Innern, Kelch, genannt. Ostrau (Kr. Bitterfeld), 11. Nov. Dieser Tage besuchte ein Adjutant das Baron v. Valtheim'sche Schloß zur Besichtigung für einen Aufenthalt des kaiserlichen Hauptquartiers. Hierin wird eine Bestätig gung der ersten Meldung erblickt, daß die Kaiserm anö* Der im Jahre 1903 zwischen Leipzig und Magdeburg stattfinden werden. Dresden, 11. Nov. Gestern empfing der König den Kommandeur der Schutztruppe von Kamerun Obersh Pavel. Ausland. Kopenhagen, 11. Nov. Der Minister für Landwirt« schäft Ole Hansen hat, feit er „Exzellenz" geworden, feine Gewohnheiten und Verrichtungen als einfacher Bauer nicht aufgegeben. Dieser Läge sah man ihn, die Pfeife im Mund, auf einer Fuhre Steinkohlen von der kleinen Stadt Ringstedt nach seinem Besitztum fahren. Der Minister kutschierte selber, und wer ihn nicht kannte, mußte in chm einen gewöhnlichen Landmann vermuten. London, 11. Nov. Botha und Delarey hatten heute mit Chamberlain int Kvlonialamte eine private Unterrebu n g. Dem Vernehmen nach statteten sie der Regierung für die freigebige finanzielle Beihilfe für die südafrikanischen Kolonieen Tank ab. Paris, 11. Nov. Ein Korrespondent des „Newyork Herald" versichert, eine hohe politische Persönlichkeit habe ihm erklärt, daß der Verkauf der Delagoabai an England beschlossene Sache sei. Die Abtretung erfolge zu einem ganz geringen Preise. (??) — Der „Figaro" veröffentlicht einen Artikel über den Marineminister, worin mitgeteilt wird, daß Pelletan die von seinem Vorgänger abgebrochenen Verhandlungen mit dem Erfinder eines Unterseebootes, Goubet, wieder ausgenommen und Letzteren dazu veranlaßt hat, den mit der englischen Regierung geschlossenen Vertrag auf* zulösen uno der französischen Regierung fein Unterseeboot zu schenken, wogegen sich Pelletan verpflichtete, eine lebenslängliche Rente für den Erfinder bei der Kammer durchzusetzen. Der Minister beabsichtigt, das neue Unterseebott bauen zu lassen, obgleich ein technischer Ausschuß in Toulon das System verworfen hat. — Nach Ablehnung verschiedener Abänderungsanträge wird der Gesetzentwurf betreffend Abänderung des Vereinsgesetzes in der Gesamtabstimmung mit 337 gegen 245 Stimmen angenommen. — Der Unterstaatssekretär für Posten und Telegraphen hat beschlossen, eine einjährige Untersuchung bezüglich der Anwendung der drahtlosen Telegraphie vorzunehmen, sämtliche bestehenden Systeme prüfen zu lassen und dann erst eine definitive Entscheidung zu treffen. Madrid, 11. Nov. Der König übertrug Sagastcr bedingungslos die Bildung eines neuen Kabinetts. Wien, 11. Nov. Das „Fremdenblatt" widmet dem scheidender! Botschafter Fürsten Eulenburg einen Leitartikel, in dem es heißt: Kaiser Wilhelm hatte mit glücklicher Hand gewählt, indem er einen Repräsentanten entsandte, der die Ehre genoß, sein persönlicher Vertrauens- mann zu sein und den der auszetchnende «Schmuck kaiserlicher Freundschaft von vornherein empfahl und gerade für den Verkehr an einem so eng befreundeten Hofe als besonders geeignet erscheinen ließ. Er war mit ganzem Herzen Vollstrecker der Wünsche seines Kaisers, der den hohen Wert dieses Bündnisses stets erkannt hat. Es ist ihm vorgeworfen worden, er mische sich in unsere inneren Fragen ein. Der Vorwurf konnte mit gutem Gewissen als durcycms unbegründet zurückgewiesen werden. Kaiser Wilhelm traf eine ausgezeichnete Wahl, indem er als Nachfolger des zurücktretenden Botschafters Eulenburg den Grafen Wedel berief, einen Mann, der bereits als diplomatischer Vertreter des deutschen Reiches bei dem südlichen Treibundsstaat mtt Geschick und Erfolg thätig war und uns aus den Jahren, die er als Mtlitärattachee! in Wien verbracht hat, in bester und freundlicher Erinnerung ist. Lemberg, 11. Nov. Ein hier verhafteter russischer Revolutionär Wosicki soll ein Attentat gegen eine hohe russische Persönlichkeit geplant hoben. Belgrad, 11. Nov. In einer Angelegenheit von hervorragender wirtschaftlicher Bedeutung wurde der Bankier Ludwig Nieder Hof heim aus Frankfurt vom König in Privataudienz empfangen. Rustschuk, 11. Nov. Ter jtu n i g von Rumänien ist mit Gefolge heute nachinttcog an Bord des „Ori^rik" hier eingetroffen und bei seiner Ankunft vom Fürsten Ferdinand, den Ministern, bcn Präsidenten der So- branje und dem Präfekten empfangen worden. Rach der. Begrüßung Avischeu dem fftfnig und dem Fürsten überreichten der Bürgermeister und die Spitzen der Behörden dem König Brot und Salz. Vvm Quai bis -um PcttaiS bildeten Truppen Spalier. Heute nachmittag berichtigte der König das Krre g erden km al und besuchte die Kasernen. Tann sand ein Empfang des diplomatischen Korps statt Abends findet Galatafel statt. Konstantinopel, 11. Nov. Die italienische Regierung gab der Pforte ein Zeichen ihrer friedlichen Dispositionen, indem sie die Ausführungen der Bedingungen des Ultimatums, das heute abläuft, um einen Monat verlängert Tas italienische Geschwader verbleibt aber bis dahin an der Küste Arabiens. Die Türkei scheint bereit zu sein, die italienische Flagge für Fahrzeuge bet Ery- thraa anzuerkeunen, was ste bisher verweigerte. Aus der hohen Pforte war gestern die Auffassung der Lage optimistischer, und man erklärt, daß der italienische Zwischenfall vollkommen geregelt set Newyork, 1L Nov. An Telegramm des „Newyork- Herald" aus Lapaz meldet: Tie Regierung verhängte in der ganzen Republik B o l i v i a den Belagerungszustand. Es herrsche große Erregung infolge der Plötzlichkeit, mit der die Maßnahme erfolgte. Ueebr die Ursache derselben sei nichts bekannt, doch seien zwei Gerüchte darüber im Umlauf. Nach dem einen sollen die Bolivanier auf dem Gebiet von Acre völlig geschlagen sein, ein anderes Gerücht behauptet, es ständen 2000 Peruaner an der Grenze nahe beim Madrededios-Flusse. Höerhesstscher Irrem für innere Wtsstorr. W. Gießen, 11. November. II. Die am Dienstag, den 11. November, stattgefundene Jahresversammlung mußte in der JohanneSkirche abgehalten werden, da der Konfinnandensaal die Zahl der von nah und fern Erschienenen nicht fassen konnte. DaS Verdienst dafür gebührt Herrn Hofprediger Stöcker, dessen bedeutende Persönlichkeit ihre alte Anziehungskraft bewährt hatte. Schon rein körperlich war es für den nun bald 70jährigen Mann, der seit 25 Jahren im aufreibenden Kampfe des öffentlichen Lebens steht, eine stattliche Leistung, am Montag Abend nach den Reichstagsoerhandlungen die Nacht durch hierher zu fahren und nach beendigtem Vortrag sofort wieder nach Berlin zurückzukehren. Trotz der großen Strapazen hielt er, nachdem die Jahresversammlung durch den Vereinsgeistlichen, Pfarrer Braeß von Darmstadt, mit einer Morgenandacht eingeleitet war, ohne eine Spur von Ermüdung zu verraten, seinen Vortrag über „Modernsten Aberglauben", oder, wie er das Thema genauer faßte, über: „Spiritismus und Scientismus, als Erscheinungen eines falschen Supranaturalismus". An sich, so führte der Redner aus, seien diese Erscheinungen ein erfreulicher Rückschlag gegen den noch vor 20 Jahren unter uns herrschenden Materialismus, und ein Zeichen, daß das unvertilgbare Gemütsbedürfnis des Menschen nach einer unsichtbaren Welt und einem Jenseits wieder im Wachsen begriffen sei. Nichtsdestoweniger hätten sie in Berlin den ernstesten Kampf dagegen zu führen, und es sei Pflicht der Christen, der Kirche, diesen Dingen mehr Aufmerksamkett zu schenken. Denn Spirittsmus und ScientismuL seien nicht nur sehr weit verbreitet — in Berlin allein gebe es 80» bis 90 000 Spiritisten und etwa 400 Medien, in Amerika Millionen — sondern sie erheben auch den Anspruch, eine neue höhere Stufe der Religion, eine Stufe, auf der man wisse, statt nur zu glauben, zu sein, oder, was noch gefährlicher sei, sie bieten sich im Gewand christlicher Frömmigkeit als eine Stütze christlichen Glaubens an und führen dadurch wieder irre. Was die Thatsachen anlange, auf die sich beide stützen, so sei gewiß nicht weniges auf Schwindel und Betrug zurückzuführen. Werden doch die meisten Medien ftüher oder später entlarvt, so wie jetzt das berühmte Blumenmedium Anna Rothe. Aber eS sei nicht zu bezweifeln, daß eine ganze Reihe von Thatsachen nicht wegzulegnen sei, und daß sich hier em dunkles Gebiet von unS noch unbekannten Mächten und Kräften enthülle. Solche Thatsachen giebt es 1. auf dem Gebiete des menschlichen Geisteslebens, 2. auf dem der materiellen Dinge, 3. auf dem der Geister und Geistererscheinungen. Redner gab aus seiner eigenen Kenntnis eine Reihe interessanter Beispiele, namentlich aus dem Gebiet des menschlichen Geisteslebens, z. B. Proben von Gedichten von Hedwig Collier, der Frau eines Gymnasialprofessors, die im Drucke erschienen sind. Diese Gedichte sind im Zustande des „Trans", wie die Spiritisten es nennen, geschrieben, voll schöner Gedanken und vielfach in edler Form, während die Verfasierin im gewöhnlichen Geisteszustand nie dichtet. Auch die auf dem Gebiet der materiellen Dinge beobachteten Erscheinungen der Bewegung von schweren Körpern seien nicht ohne weiteres alle ins Gebiet des Schwindels zu verweisen, da sie teilweise von zu urteilsfähigen Männern berichtet seien. Am schwächsten stehe es mit den eigentlichen Geistererscheinungen. Was die „Geister" offenbarten, sei samt und sonders, teils weder neu, teils so sinnlos und unbedeutend, daß nichts nötige, es für etwas anderes zu halten, als für Aeußerungen des Geisteslebens der Medien selbst. Hypnose und Suggestion spiele bei dem allen eine große Rolle. Christentum, christlicher Glaube und christliche Sittlichkeit hätten davon nichts zu erwarten. Dagegen sollten diese Dinge von den Männern der Wiffenschast nicht so geringschätzig beifeite geschoben, sondern sorgfältig beobachtet und geprüft werden, da hier mindestens ein Gebiet voll dunkler Kräfte liege, das der Aufhebung bedürftig sei. Den Scientismus war Redner geneigt, besonders auf Grund der Enthüllungen eines Bostoner Arztes, von denen eine Übersetzung jetzt in der Zeitung „das Volk" erscheine, als bloßen Geschäftsschwindel zu beurteilen. Thatsächlich werde damit ein ungeheures Geschäft gemacht. DaS Buch der Miß Eddy, jener amerikanischen Dame, die die Erfinderin des ScienttLmuS ist, und die von chren Anhängern als das weibliche Gegensttick zu Jesus, als der Heiland deS Westens, wohl gar als Gegenstück zu Gott „dem Vater" als „Muttergott" gefeiert werde, sei schon in der 204. Auflage erschienen, obwohl es 20 Mark koste. Die zur Erlernimg des „GesundbetenS" gehaltenen Kurse von 7 Stunden iverden mit 300 Dollar bezahlt. In den scienttstischen Sanatorien lägen die Kranken wachen- und monatelang und zahlten schweres Geld. Es sei auch da nicht zu leugnen, daß einzelne Kranke geheilt werden. Aber das seien lauter Fälle, die durch Suggestion zu erklären seien. Von den vielen Fällen, in denen der Scientismus sich ohnmacblig eriviesen habe, chrveige man natürlich. Mit den Verheißungen, die Jesus dem gläubigen Gebet gegeben, habe biefi Treiben gar nichts zu thun. Dabei handle es sich um Gottesthaten, mit denen ich Gott zu dem Gebet der Seinen bekenne, wenn er es ür heilsam hätt, und der fromme Christ stelle alles erge- rungsooll in Gottes Willen, während die Scientisten auf Grund ihrer verkehrten Theorien über das Verhältnis von Leib und Seele die Gesundheit erzwingen zu können meinen. Jedenfalls ei der Erfolg, den Spiritismus und Scienttsmus unter den Kindern unserer Zett haben, ein Zeichen, daß hier Be- dürfniffe vorliegen, die ihre Befriedigung begehren. Man müsse die Zeichen der Zett erkennen und ihnen mit den Kräften der Ewigkeit begegnen. In der sich anschließenden Besprechung wurde mit Hinweis auf selbsterlebte Vorkomm- niffe, z. B. die rätselhaften Vorgänge in Babenhausen, die . Z. so viel von sich reden machten, betont, daß hier in der That ein dunkles Gebiet vorliege, das der Aufklärung durch die Wiffenschast bedürftig sei, aber auch eine ernste Gefahr, vor der zu warnen sei. Es sei für einen Christenmenschen, der nichts kraft seines Berufes damit zu thun hatte, nicht geraten, sich vorwitzig mit diesen dunklen Dingen zu beschäftigen, und er sollte wissen, daß die Erfahrungen der Gotteskraft, die einen Menschen stark machen, sich unter meder- beugenden Schicksalsschlägen, Krankheit und Tod, im Vertrauen auf Gott den getrosten Lebensmut zu erhallen, viel wertvoller seien, als alle Erfahrungen wunderbarer HUfe. Auf Antrag des Herrn Dttektors D. Weiffenbach wurden diese Gedanken in eine Resolution zusammengefaßt, die, da ihre Fassung dem Vorstände überlasten wurde, erst später mitgeteilt werden kann. — Schließlich erstattete noch der Schriftführer, Pfarrer Schlosser, den Jahresbericht, der auf die große Regsamkeit, die in Oberhesten auf dem Gebiet der Arbeit der inneren Mission herrscht, besonders auf die gesegnete Landkrankenpflege und die Erziehungsvereine Hinweisen konnte. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden folgende Herren wiedergewählt: Profestor D. Stamm, Landgerichtsrat Dornseiff, E. Kauffmann, G. Windecker, Pfarrer Schlosser, amtlich in Gießen, Stiftsdechant Klingelhöffer, Stiftspfarrer Weber in Lich, Fabrikant Römheld zu Friedrichshütte, Oberamtsrichter Wahl in Schlitz, und an Stelle der beiden verstorbenen Mitglieder: Kirchenrat Pullmann in Grünberg und Dekan a. D. Wahl zu Hausen, sowie des zurückgetretenen Dr. Vogel zu Laubach, die Herren Kirchenrat Meyer zu Friedberg, Dekan Strack zu Leihgestern und Freiherr von Leonhardi zu Groß-Karben. Aus Stadt und Saud. Gießen, 12. November 1902. — Gefährdung von Eisenbahnzügen au Station Beienheim. Zu unserer Notiz mit vorstehender Spitzmarke in Nr. 262 wird uns von der Großh. Betr. Inspektion 2 geschrieben: „Die auf Station Beienheim in der Richtung von Nidda und Hungen ankommenden Personenzüge laufen je auf besonderen Gleisen ein. Am fraglichen Tage hatte der Zug von Nidda eine kleine Verspätung und traf anstatt 10.26 Uhr vormittags erst 10.35 Uhr in Beienheim ein; der von Hungen ankommende Zug war dagegen etwas zu früh und kam anstatt 10.38 Uhr fast gleichzeitig mit dem Niddaer Zug vor der Station an. Da auf Stationen eingleisiger Bahnstrecken die gleichzeitige Einfahrt mehrerer Züge vermieden werden soll, um das Publikum beim Ein- und Aussteigen, besonders beim Ueberschretten der Gleise und Bahnsteige, nicht zu gefährden, hat der diensthabende Stationsbeamte den etwas später einlaufenden Zug von Hungen, noch ehe derselbe den Bahnsteig erreichte, gestellt und zu diesem Zwecke dem Lokomotivführer das ent- sprechende Zeichen mit der roten Fahne gegeben. Eine Gefährdung der zwei Personenzuge durch eine Flankenfahrt oder dergleichen lag durchaus nicht vor, da, wie schon bemerkt, die Züge auf gesonderten Gleisen einfahren und diese Fahrsttaßen richtig gelegt waren." ** Lehrer-Konferenz. Gestern vormittag wurde im Cafs Ebel die diesjährige Herbstkonferenz des Bezirks Gießen-Großenlinden unter recht lebhafter Beteiligung abgehalten. Nachdem der Vorsitzende, Kreisschulinspektor Prof. Tr. Lucius, die Erschienenen bewillkommnet hatte, machte er verschiedene Mitteilungen über teils neu erschienene teils neu edierte Unterrichts- bezw. Nachschlagewerke, die er zur Anschaffung und Benutzung empfahl. Daraus gab er der Konferenz bekannt, baß infolge der Neuorganisation der hiesigen Volksschulverhältnisse und des rapiden Wachstums der an derselben thätigen Lehrkräfte, auch zwecks besserer Uebersichtlichkett bei der Leitung der Bezirkskonserenzen es geboten erscheine, das Lehrpersonal der Stadtschulen von diesen auszuschalten, zumal der dort verhandelte Stoss mehr den Interessen der Landschule ctts denjenigen der Stadtschule diene. Auch mürben in der letzteren eine größere Anzahl von Spezialkonserenzen jährlich abgehalten, und fei daher Gelegenheit gegeben, die Interessen derselben in genügender Weise zu ordern. Tcmzusolge brauchen also die Lehrer der städti- chen Schulen ine bisher gemeinsamen Konferenzen nicht mehr zu besuchen. Hiernach erhielt das Wort zu seinem Referate Lehrer Eß aus Klein-Linden. Der Vortrag be- handette das Thema Hausaufgaben" in sachlicher und eingehender Weise. Ter Referent wirft zuerst die Frage auf: „Welche Hausaufgaben sind zu geben, und welche nicht?" Nur solche Hausaufgaben sind zu geben, die in der Schule bis zur völligeii Klarhett vorbereitet sind, und innerhalb des Gesichtskreises der Schüler liegen, daher von diesen auch ohne sonderliche Sck)wierigketten und ohne Bechllfe anderer gelöst werden können. Die rechte Art des Haus- aufgabenmaterials wirke gleich unterrichtlich und erzieherisch wohlthätig, und lege, bei ordnungsmäßiger Anferti- gung, einen guten Grund fürs spätere Leben. Zu vermeiden seien jedenfalls Hausaufgaben, die dem Kinde unverständlich seien, und es dazu verleiteten, zu befriebi- genber Lösung die Hilfe anderer, namentlich der Ellern, in Anspruch zu nehmen. Tas führe zu Mißmut unb zur Unselbständigkeit, zu Lug und Betrug, und vereitele die Vorteile, die die häuslichen Arbctten zu bringen bestimmt seien. Bei der sich anschließenden zum Tett recht launigen Diskussion fehlte es zwar an mancherlei Einwürfen gegen einzelne Ausführungen des Referenten nicht; sie vermochten im großen unb ganzen jedoch nicht die ausgestellt ten Leitsätze zu erschüttern, vielmehr erhielten dieselben die ^ufnmmuug oer Konferenz. Nachdem der Vorsitzende noch einige wettere Mitteilungen bekannt gegeben haue, wurde der offizielle Teil der Konferenz geschloffen. Sn ein* äches Mittagsmahl vereinigte den größten Teil der Lvn- erenzmitglieber noch auf einige stunden. ** Ter Verband deutscher Post- und Tele* graphen-Asfistenten läßt zur Zett statistische Ermittelungen anstellen über den Personalbestand der Mitglieder, die Zahl der in den letzten zehn Jahren vov- zekommenen Brandschäden, die Höhe der gezahlten Ent- chädigungen. Die Ermittelungen sollen als Grundlage bienen für bat wetteren Ausbau der bereits bestehenden Sterbekasse unb bie amtliche Grünbung einer eigenen Berbanbs-Feuer-Versicherungskasse. Auf bem Lstbeutschen Verbandstage, welcher vor kurzem abgehatten würbe, betonten die verschiedenen Delegierten, daß es nunmehr in erster Linie Aufgabe des Verbands fein müsse, bie wirtschaftlichen bezw. geschäftlichen Unternehmungen, Warenhäuser, Kasino usw. abzustoßen, weil berartige Geschäftsunternehmen aus mancherlei Grünben sich als nicht geeignet erwiesen haben für bie gefunbe Entwickelikng be£ Verbanbes. Ter Bezirksverein Darmstabt, dem bie im Großherzogtum Hessen beschäftigten Verbänbler zugetettt sinb, hielt seinen zweiten diesjährigen Verbandstag am vergangenen Sonntag in O ffenbach ab. -DaS Einfrieren der Hauswasserleitungen. Wir machen auf die im heutigen Blatte enthaltene Bekanntmachung des Städt. Gas- und Wasterwerks, betr. „Vorkehrungen gegen das Einfrieren der Haus- Wasserleitungen" besonders aufmerksam. Es dürfte sich hiernach empfehlen, daß die betr. Hausbesitzer oder deren beauftragte Vertreter, Hausverwalter rc., dahm Fürsorge treffen, daß möglichst eine bestimmte Persönlichkeit mit der Bedienung der Hauswasserleitung betraut wird. — Besondere Aufmerksamkeit erfordern erfahrungsgemäß diejenigen Häuser, wie z. B. Neubauten, welche z. Z. nicht in allen Stockwerken bewohnt sind, sowie besonders abgezweigte Oanen- leitungen, Waschküchenlettungen, provisorische Bauwasterlett- ungen rc. Es empfiehlt sich ferner, die heute abgedruckte Anleitung des Städtischen Gas- und Wasterwerks aufzubewahren. v. Krofdorf, 11. Nov. Wenn Martini, 11. Novem* ber, gekommen ist, dann ist der Haupttermin für die Aufgaben der Landleute herbeigekommen. Zwar müffen die Beträge für Brenn- und Nutzholz schon im Oktober bei der hiesigen König!. Forsttaste entrichtet werden, allein die Holzgelder bei der Gememdekaste sind erst mit Martini fällig. Auch die Acker- und Wicsengelder, oder die Kauf- und Pachtgelder sind mit dem heutigen Tage fällig geworden, dazu kommen noch die Zahlungen für gesteigertes Heu- und Grummetgras, für Obst u. s. f. In schlechten Erntejahren hat der Landmann seine Mühe und Not, alle diese Kaufgelder dis 3um Martinttage herbeizuschaffen. Aber solch reich gesegnete Jahrgänge wie der vor- und diesjährige, machen eS dem Landmann leicht, allen seinen Verpflichtungen am Mattini- tag nachzukommen. )( Friedberg, 11. Nov. Vergangenen Montag feierte bie Evangelische Vereinigung Frieboerg (Ev. Bunb) im hiesigen Saalbau ihren 19. Lutheraben d- Eingelettet würbe bie Feier durch einen Chor der Seminaristen unb eine warme Begrüßungsansprache seitens des Vorsitzenden Direktor D. Weisfenbach. Daraus hielt der Festredner Professor D Drews-Gießen denselben Borlraa über bas Thema: „Tas Tragische im Leben Luthers" (den er in Darmstadt tags zuvor gehatten hatte, unb über den wir am Montag in unserem „Darmstäbter Brief" berichtet hatten. D Reb.) Der Vortrag, ber auf alle Anwesenden tiefen Eindruck machte, wurde mtt reichem Beifall aufgenommen, dem Direktor D. Weif send ach auch offiziell Ausdruck verlieh. Für den geselligen Tett des Abends war durchs Gesangs- und Musikvorträge bestens gesorgt. Nidda, 10. Nov. Bei den heutigen Kon troll» Versammlungen ist es wieder zu recht wüsten Ausschreitungen gekommen. Nicht genug damit, daß eS schon in den Wirtschaften in der Stadt zu Reibereien zwischen den Reservisten kam, entwickelte sich zuletzt noch eine erhebliche Schlägerei vor der Stadt, die den Beteiligten recht unangenehme Folgen bringen wird. Mehrere von Bobenhausen gebürtige Reserveleute überfielen den nach HauS zurückkehrenden Verwalter des Dauernheimer HofeS vor der Stadt und richteten denselben mtt Mestern und Stöcken derart übel zu, daß der Verletzte nicht im Stande war, seinen Weg fortzusetzen. Wie man hört, sollen dem Verletzten bei diesem UcbcrfaQ außerdem 30 Mark geraubt worden fein. Darmstadt, 11. 91od. Wie bie „9t H. V." erfahren, machte in der Dragonerkaserne am Marienplatz ein Rekrut durch Erhängen feinem Leben ein Ende. — Am Sonntag starb hochbetagt nach kurzem Krankenlager der Pfarrer zu Altheim, Kirchenrat Fey. Derselbe feierte vor nicht langer Zeit fein 50 jähr. Jubiläum und erfreute sich in ferner Gemeinde der größten Beliebtheit. Mainz, 11. Nov. Unter den Klängen des Narhalla* Marsches wurde heute Abend in der Stadthalle bei zahlreichem Besuche die Generalversammlung des Karnevalvereins abgehalten. Tie Abrechnung des Schatzmeisters wies einen Ueberschuß von 5825 Mk. auf. Für Wohlthätig- kettszwecke hat das Komitee 1000 Mk. verwendet Der Kappenverkauf brachte 12 926 Mk., die Maskenbälle 19 303 Mack ein. Es wurden 22 Wahlmänner gewählt, die später das Elfer-Komitee für die kommende Saison zu bestimmen haben. Worms, 11. November. Tas chemische Unter* suchungsamt hat sehr zahlreiche Untersuchungen deS neuen Weines aus sämtlichen Wembau tteibenden Orten des Kreises Worms und benachbarter Kreise oorgenommen. Nach dem soeben veröffentlichten Resultat schwanken die Rio st gewichte zwischen 60 und 90° und die Säure zwischen 8 und 18 pro Mille. Was „den Neuen" aber aus zeichne und über feinen Vorgänger bedeutend erhebe, sei eine rasche und glatt e Gährung, ohne bie Störungen, die im Vorjahre im Gefolge ber stacken Traubenfäule vielfach zur Beobachtung kamen. „Wird der 1902er", heißt es am Schluffe der Veröffentlichung, „richtig behandett, dann wird er em sehr brauchbarer und guter, rassiger Wein werden, wett beffer als man vor Wochen geglaubt hat" Gerichtssaal. s Gießen, 11. Nov. Strafkammer. Ten Vorsitz führte Landgericht Sdttektor Dr. GüngeriH. Dce Anklage- Neil Ku . ieit oEbeBh> & «r ge2? bo> 5i qW? > KöZ B«5 'ä”u; e “5 5 '.2»« Ä‘&* ®ed5- bik. 5jot H---. I"™;. 6ä dich, u *fts ob,, b„2 L, * Worj( *I“N mit de, '.‘ff - Sefonbere “» d«I-mgm jJu|t, C9t Ul allen Liock. abgezweigte Tarten, 'nsche Bauwasserleit. ie heute Qbgebrudte Wasserwerks auszube. Martini, 11. Novem. ttermin für die Aus. >en. Zwar müssen die t im Oktober bei der eben, allein die Holz, t mit Martini fällig, die Kauf- und Pacht. Lllig geworden, baju >ertes Heu- und ®wr> n Erntejahren hat k diese Kaufgel^ W er solch reich g^N cige, machen s dem htungen amÄntini. t r.n Krsiß rgenen Mag seieüe :g (Ev. M) ün > abend Emgeleitu er Semnariften und tens des Sorgenden f Veit btt Aesttedner tu Arnag über W -utherL" lM « 7 unb Äber ben n ler W bericha auf alle Antvesendu M Beifall aufgenr» ch auch offiziell &> IdesMnds ivaidW s gesorgt. i heutigen Kontroll» recht wüsten Aus- ,ug damit, da« es schon Reibereien gl noch eine erhebliche heiligten recht unange- > von Bobenhausen ge- >Haus zurückkehrenden c bei Stadt und rch u derart übel zu, d°S men Weg lortzusetzeii. * d.chm Hoben«« E?l-rW°h»»A - auf. dut Der 3M. ««"T1930S bi« M°s!- |pi» nner > Saison ru ■fxe Unter» l H Lotiten i 0® ? die s““.‘ qfiO ufib t gbtl W -ic" Erhebe, f» a b-b<" Störung«; , ohne du , v,cl- w bet l902 Ut *> rA inan Telephonischer Kursbericht« Frankfurt a. H., 12. November 1902. 378% Reichsanleihe . . 101.95 3% do. ... 91.85 37,0/0 Konsole . .. . 101.85 3% do......91.60 372% Hessen .... 100.30 3% Oberhessen . . . 99.80 4% Oesterr. Goldrente . . 103.10 473% Oesterr. Silberrente 101L5 4% Ungar. Goldrente, . . 101.70 40/0 Italien. Rente . . . 103.00 47,96 Portugiesen . . . 50.10 3°/ Portugiesen. .... 31.40 \% C. Türken .... — — Türkenlose......123.20 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 44.40 47,96 äussere Argentiner —.— 8% Mexikaner .... 25.46 47r7o Chinesen .... 92.75 Electric. Schocker! ... 84.00 Nordd. Lloyd . . . . 95J?5 Kreditaktien ..... 210.80 Diskonto-Kommandii, . . 187.00 Darmstädter Bank . . . 187.40 Dresdener Bank .... 141.60 Berliner Handelsges. . . 155.30 Oesterr. Staatabahn , . . 149.70 Lombarden . • • • • 18.90 Gotthardbahn.....179.00 Laurahütte......197.70 Bochum ....... 164.60 Harpener......1664)0 Tendenr: schwach. Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Garteustratze 2 (Bürgermeiftereigebäude) Zimmer Nr. 14, Der Arbeitsnachweis hat die Ausgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 8 bis 6 Uhr geöffnet. Angebot der Arbeitnehmer: 1 Goldarbeiter, 1 Küfer für Keller- und Holzarbeit, 1 Sattler und Polsterer, 2 Wagner, 1 Bau- und Möbelschreiner, 2 Schuhmacher, 11 Hausburschen, 6 Taglöhner, 1 Schweizer, 2 Kutscher, 4 Knechte, 3 Fuhrknechte, 3 Kellner, 1 Aushilfskellner, 1 Büreaudiener, 2 Dienstmädchen, 3 Lausfrauen, 2 Laufmädchen, 2 Wäscherinnen, 1 Nähterin, 1 Büglern^ 1 Schreibgehilfe. Nachfrage der Arbeitgeber: 1 lediger Herrschastskutscher, 1 verheirateter Herrschastskutscher, 5 Knechte auf Weihnachten, 2 Pferdeknechte, 3 landwirtschaftliche Mägde, 2 Zimmermädchen, 9 Dienstmädchen. Lehrlinge: 1 Schneider, 2 Bäcker. fiel heute der Vertagung. Augsburg, 11. Nov. Wegen Beleidigung einer Kellnerin zu sechs Monaten Gefängnis verur- tteilte die Strafkammer 1 den 43 Jahre alten verheirateten Kaufmann Heinrich Merz. Merz lernte im Frühjahr 1901 eine junge Kellnerin kennen, die seine Versicherungen, daß ec ein reicher Witwer sei und sie heiraten wolle, für bare Münze nahm. Er schrieb ihr eine Reihe von Briefen, worin ec von seinem Hause in München, einer Villa in Schwabmünchen, einer eigenen Equipage und einem Vermögen von 5400 000 Mark spricht. Tie Verlesung dieser Briefe vor Gericht erregte laute Heiterkeit, eine andere Reche von Briefen ans dem Frühjahr dieses Jahres rief aber ebenso laute Dntrüstungsrufe hervor. Ter Verkehr des „reichen Witwers" mit dem Mädchen war nämlich nicht ohne Folgen zeblieben, und sie ließ ihm dies anfangs März mitteilen, nachdem sie seinen wahren Namen und seine Wohnung in Erfahrung gebracht hatte. Um sie abzuschütteln, ließ st ihr mit einer Beleidigungsklage drohen, wenn sie noch Ferner behaupte, daß er der Vater sei, zugleich wurde uhr ein Schriftstück zur Unterschrift übersandt, worin sie ihre Aussagen in dieser Richtung widerrufen sollte. Tas geschah nicht, wohl aber suchte ihre Schwester den Merz in dessen Wohnung auf, und nun schrieb ihr dieser einen Brief. Er bezeichnet sie darin als gemein, ehrlos und ton niederer Gesinnung. Cynisch setzte er hinzu, daß bei iihm nichts zu holen sei, das Haus gehöre seiner Frau, rnd er habe nichts als sechs Kinder und gepfändete Möbel. Zür den Angeklagten ist es sehr fatal, daß er schon vor acht Jahren eine ganz gleiche Affaire vor Gmcht. hatte; er hatte in jenem Verfahren auch die Vaterschaft bestritten, mit den gleichen Drohungen, operiert und einen darauf Rezüglichen Eid geleistet. Tiefer wurde als falsch nachge- wiesen, und Merz erhielt zwei Jahre Zuchthaus. Auch heute teilte das Zeugenverhör über jeden Zweifel fest, daß Merz ias Mädchen ohne Grund verdächtigt habe. Bei der großen oöemeinhert, welche er durch seine Handlungsweife an den Tag gelegt hat, und der Schwere der Beleidigungen lautete Las Urteil aus sechs Monate Gefängnis. Auch wurde Merz sofort verhaftet. Arbeiterbewegung. — Bom frauzösischeu Ausstand. In den Kohlengruben von St. Florentine hat kem einziger Arbeiter die Arbeit wieder ausgenommen. Tie Arbeitswütigen wurden an der Wiederaufnahme der Arbeit gewaltsam verhindert. Die Bergarbeiter von Garda-Faveau erklärten in einer Versammlung, daß die Zugeständniffe der Grubengesellschaften unzureichend seren und insolgedessen der Aus st and fortgesetzt werden müsse. Im Nord-DepartemeM hat sich die Lage etwas günsttger gestaltet. Von den Behörden sind die notwendigen Maßregeln zur Sicherung der Arbeitsfreiheit getroffen worden. — In D e n a i n wurde die Arbeit wieder ausgenommen. — Die letzte Nacht verlies im Bassin Pas de Calais ruhig. Es wird auch von dort eine starke Wiederausnahme der Arbeit gemeldet. Dünkirchen, LL November. Zwei Abteilungen Vorarbeiter sind in den Aus stand getreten, infolge der Entlassung eines Arbeiters. Für morgen ist ein G e s a m t a u s - stand der Kohlenauslader, welche Lohnerhöhung sür das Ausladen englischer Kohle fordern, in Erwägung gezogen. öffnuno des mit dem Neuen Fürstlichen Theater verbundenen großen Konzertsaales. Die Feierlichkeit wurde durch ein wirklich künstlerisches Festkonzert, an dem nur die hervorragendsten Musik- Virtuosen unter der Oberleitung des Geraer Hoikapellmeisters Klee- mann mitwirkten, begangen. Der neue Konzertsaal faßt zirka 1250 Personen. Die Musikbühne stt stufensornng angelegt und sür 300 Musiker berechnet. Kunst und Wissenschaft. — Einweihung des neuen Kouzertsaales in Gera. Nach- B'.m am 18. Oktober die festliche Einweihung und Eröffnung des neuerbauten Fürstlichen Theaters in Gera slattslfand, erfolgte am Montag daselbst zur Ehrung des Geburtstags des regierenden Erb- pnnzen von Reuß j. L., Heinrich XXVIL, die Uebergabe und Er- Gisenbahn-Zeitung. Eine Dynamitgeschichte. Einer Meldung des Mahnst. Tgbll" zufolge sollte nach einem Schreiben an die Eisenbahnbrrek- hort Köln in ihrem Bezirk ein Dynamitattentat auf die Eisenbahn geplant sein. Die Franksurler Zeitung hat festgestellt, daß in der That die Kölner Direktion ein derartiges Schreiben erhalten hat. Obgleich die Behörden nicht ernstlich an ein solches Attentat glauben, sondern der Meinung sind, daß jener Drohung ein recht übler Scherz zu Grunde liegt, hat man ' doch die benachbarten Direktionen verständigt. Die Bewachung der Strecken ist bedeutend verschärft worden. Für das Publikum liegt kein Grund zur Beunruhigug vor, denn einmal haben die Eisenbahnbehörden umfangreiche Vorsichtsmaßregeln getroffen und bann verhält es sich höchstwahrscheinlich hier, wie saft bet allen Attentaten, die im Voraus augekündigt werden: sie kommen nicht zur Ausführung, well kein Attentäter da ist. Der Autor jenes Schreckens aber bekommt sicherlich einen ordentlichen Denk- zettel, wenn man ihn erwischt. Neueste Meldungen. Origirraldrahtmeldungeu des Gießener Anzeiger. Frankfurt a. M., 12. Nov. Gestern mittag stürztet ein 21 jähriger Dachdecker in der Linbenstraße von einem Hause herab und erlitt schwere Verletzungen. Gestern abend erlag er seinen Verletzungen. Bingen, 12. Nov. Ter Lokomotivführer NennrnnM wurde von einer Lokomotive ersaßt und getötet. t Biebelsheim, 12. Nov. Ter 54jährige Larwwtrt Grüß, dessen 53jährige Ehefrau, deren 28jährige Achter und ein Kinb von 3y2 Jahren wurden in eurem Kell«^ in dem sich gärender Most befand, betäubt. Alle vier wurden bald darauf tot im Keller aufgefunden.. Wiederbelebungsversuche waren erfolglos. Berlin, 12. Nov. Seitens der sozraldemorratischen Fraktion ist eine Reihe Abänderungsanträge zum Antrag Aichbichler vorbereitet worden. Die Form des Amendements ist gewählt worden, um zu verhindern, daß auf Grund des § 53 Uebergang zur einfachen Tagesordnung von der Majorität beschlossen wird. Dresden, 12. Nov. Der Mus ik-Kritiker der „DrrSd. Nachr.", Profeffor Starcke, wurde gestern abend von einem Unbekannten mit einem Stocke in feiner Wohnung thätlich angegriffen, konnte fich des Angreifers aber erwehren. An dem Ueberfaü hat anscheinend die abfällige Kritik des ersten Versuchs einer jungen Amerikanerin alS Carmen die Veraulaffung gegeben. München, 12. Nov. Wie die ,M. N N." meldeu,^ wurde gestern aus dem zur Abfahrt nach Garmisch bereitstehenden Bahnpostwagen ein Po st beutel entwendet, der Geldbriese mit etwa 25000 Mk. enthielt.. Von dem Thüter.fehlt jede Spur. London, 12. Nov. Wie verlautet, bildeten die ®a> hältnisse in Transvaal und der Oranjekvlvnie^ auf welche die Bur e n g en er al e Chamberlains Stufmerfc samkeit bei seinem Besuche in Südafrika zu lenken wünsche ferner das Amsterdamer Manifest und das Verhalten den Burengenerale auf chrer internationalen Tour Gegenstand! der gestrigen Verhandlungen Bothas, und Telareys nrit Chamberlain. , _ London, 12. Nov. ^Daily Mail" meldet aus New- York: Gestern wurde das Urteil im Giftmordprozeß Melineux gefällt. Melineux wurde freigesprochen. Das Urteil wurde von den Zuhörern lebhaft begrüßt. Der Angeklagte wurde von der Menge im Triumph fortge- tragen. London, 12. Nov. Der Minister des Aeußeren Marquis Landsdowne hatte gestern eine längere Unter*'.' redung mit Kaiser Wilhelm. Paris, 12. Nov. Die große Feuersbrunst int Schlosse des Herzogs von Orleans zu Eu ist anscheurend dadurch entstanden, daß ein im Lause des Nachmittags ausgebrochener Kaminbrand nicht genügend gelöscht wurde. Tas Schloß enthielt wertvolle Gemälde und Kunstsachen. Madrid, 12. Nov. Aus Valdeorras werden große Unruhen gemeldet. Eine Frau und zwei Männer wurden getötet, zwei Personen leicht verletzt. .11 Berhaf« tungen wurden vorgenvmmen. Petersburg, 12. Nov. In Tiflis wurde die Witwe des Wirkl. Staatsrates v. Tulowski in ihrer Wohnung ermordet. Es wurden für 4000 Rubel Brillanten und andere Wertsachen geraubt. Als des Mordes verdächtig wurde ein fÄiherer Diener der Ermordeten verhaftet. Washington, 11. Nov. Einem Telegramm des ane* rikanischen Gesandten in Caracas, Bowen, zufolge, hat dir venezolanische Regierung eine Verwaltungsbehörde in Caracas eingesetzt. Der Bürgerkrieg ist thatsäMch endet. Newyork, UL Nov. Präsident Roosevelt hielt bei der Einweihung des neuen Gebäudes der hiesigen Haw delskammer eine Rede. Er führte aus, Amerika habe durch! sein Verhalten gegenüber Cuba und China den Wunsch gezeigt, die schwächeren Mächte in der Lage zu sehen, allein zu stehen und alles zu thun, um ihnen zu Helsen. Müden Großmächten wünsche Amerika Frieden und Freund- schafd Amerika würde ein mächtiger Faktor für den Frieden in dem Maße fein, als es beweise, daß feind Haltung nicht auf Unfähigkeü zur Selbstverteidigung, fon^ dem aus achtem Widerwrllen gegen Unrechtthun beruht.! Amerika müsse sich im Stande der Bereitschaft halten, besonders bezüglich der Flotte, nicht weil es Krieg wünsche, sondern weil es sein Wunsch sei, auf Seite derx jenigen zu stehen, deren Eintreten sür den Frieden mit achtungsvoller Aufmerksamkeit gehört worden sei. Vermischtes. * Ein unangenehmes Abenteuer ift_unlängst einem jungen Provinzialen in Berlin zugestoßen. Ein Handlungsbeflissener aus Nauen befand sich nachmittags Unter den Linden uno hörte, daß der Kaiser bald vorüberfahren würde. Um den Herrscher gut sehen zu können. Heg der junge Mann auf eine Bank- Nun hat er dre chlechte Angewohnheit, die Hände in die Hosentaschen zu stecken. Das that er auch jetzt- Als der Karser kam, reckte suh der Jüngling möglichst hock. In diesem Augenblick wurde er von hinten gefaßt, und von seinem erhöhten Standpunkt heruntergeholt. Geheimpolizisten hatten ihn beobachtet und den Verdacht geschöpft, daß er eine Schußwaffe aus der Tasche hervorholen wolle. Unter großem Halloh der Menge wurde er zur Wache beordert, von wo man chn dann rasch wieder entließ. *M o rd im Eisenbahnzug. Aus einem Personenzuge der Hamburger Eisenbahn wurde ein Passagier ausgesetzt, der durch vier Schüsse anscheineiid tötlich verletzt war; er wurde ins städtische Krantenhaus geschasst. Ter Verwundete ist der vollkommen erblindete Handelsmann Malaschawski aus Spandau, der in Begleitung seiner Frau nach 9tauen zu fortgesahren war, um seine Waren, Bürsten, Besen und andere Gerätschaften zu vertreiben. Nach Angabe der Frau soll ihr blinder Mann sich selbst unterwegs die Revolverschüsse in ihrem Beisein beigebracht haben, drei Kugeln stecken in der linken Brustseite, eine Kugel in der Stirn. Als Beweggrund der That wird von ihr vermutet, daß der Mann Gerichtskosten bezahlen sollte, wozu er nicht im stände gewesen wäre. Die Milderung des Vorfalles, wie sie von der Frau ausgeht. Hingt sehr unwahrscheinlich. W ist vielmehr nicht ausgeschlossen, daß dem blinden Mann die Verletzungen von einer anderen Person beigebracht seien. ' * Au den Folgen ein er Mensur, die in einer Stadt am Rhein ausgefochten wurde, ich nach einem aus Oesterreich datierten Brief eines jungen Mannes, der der „Köln. Volksztg." zur Verfügung gestellt wurde, dessen Bruder gestorben. " Die Geldaffaire des Prinzen Stanislaus Radziwill, derentwegen ün Frühjahr feine Verlob un g mit der Gräfin Chvtek rückgängig gemacht wurde, dürste eine baldige Aufklärung erfahren: Prinz Radziwill mußte deshalb zurücktreten, weil er anderthalb Millionen Mark Schulden hatte. 92un heißt es, er habe nur 100 000 Kronen ausgenommen, um feine Schulden zu bezahlen und sich vor der Hochzeit ganz zu rangieren. Man ließ chn in Wien zwei Häuser übemehmen, welche so weit über chren Wert belastet waren, daß Prinz Radziwill plötzlich anderthalb Millionen schuldete. Tie Sache soll nun vor das Strafgericht kommen. * Chalons sur Marne, 1L Nov. Gestern verweigerten die S ch ü l e r des hiesigen Stifts Athenaeum denGehorsam. Siebewarfen die Professoren mitBüchern und Tinten fässern undbedrohten sie sogar mit dem Tode. Es wurde Gendarmerie herbei gerufen, um die Schüler zu beruhigen. Das SHst wurde vorläufig geschlossen. Drieskasten der Redaktion. (Anonyme Anftagen bleiben unberücksichtigt.) H. R. Die Adresse des Reichstagsabg. Prof. Dr, HL«ä ist in Berlin Tiergarten-Hotel, sonst Kiel Kandel und Verkehr. Kolkswirtschasl — Kasseler Haferkakaofabrik, Kassel. Der Aufsichtsrat hat für das abgelausene Geschäftsjahr eine Dividende von 6 Proz. in Vorschlag gärachl Helios. In der Versammlung der Obligationäre der Elektrizitätsgesellschaft .Helios" waren Ml 1587 000 3proz., All. 5 893 000 47,proz. und Ml 5 395 500 5proz. Obligationen cmge- meldet bezw. vertreten. „ , . Frankfurt, 1L Nov. Die Aktien des Elektrizitätswerkes Homburg v. d. H. wurden beute an hiesiger Börse zum Kurse von 100 Prozent emgeführt. Auch die 47;proz. Obligationen wurden gestern zum ersten Male zu 100 gehandelt. — Die Vaycrische Bodeukredit-Austalt iu Würzburg bringt 25 Millionen 4proz. Hnpothekenpfandbriefe Serie 12—15 auf ben Markt, welche an der Münchener und Frankfurter Börse gehandelt und notiert werden. Die Serien 13 und 15 sind 1909 un= verlosbar, 12 und 14 verlosbar. — Bei der Oberrheinischen Berfichernngs-Gesellschaft in Mannheim gelangten im Oktober aus Einzel-Unfall 384 auf Kollekttv-Unsall 9, auf Haftpflicht 137, auf Einbruchs- und Diebstahlsoersicherung 18 Schäden zur Anmeldung. — Gelsenkirchener Gußstahl- und Erseuwerke oorm. Munschew u. Co. Bis zum 14. d. Mts. werden Nil 1.Mill 4'^ proz. a 103 Prozent rückzahlbare hypothekarische Terlschuldver- schreibungen zum Kurse von 100.75 Proz. zuzüglich 47r Prozent Zinsen vom 1. Juli 1902 aufgelegt. Tie Obligationen sind bereits zum Handel unb zur Notiz an der Frankfurter Börse zugelaffen ivorden. Behörde vertrat Staatsanwalt Reuß. — Der vielfach xxn» «bestrafte Taglöhner Mathäus Heberer aus Taubringen ist tes im strafrechtlichem Rückfalle begangenen Betrugs an» Geklagt. Er wird unter Zubilligung mildernder Umstände ai einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt. — Ter Taglöhner Karl Jung von Butzbach hat 'tinem bei ihm in Miete wohnenden Kutscher, mit dem x seit längerer Zeit in Feindschaft lebt, gelegentlich eines Zusammentreffens auf der Treppe seines Hauses mit einem Resser Uvei Stiche versetzl Tie Behauptung des Ange» zeklagten, daß der Verletzte den Streit angefangen hccke, loirb durch die Beweisaufnahme widerlegl Tas Gericht ;pg das feindselige Verhältnis der Beiden — sie hatten roch am Tage vor jdem Vorfall ein Renkoutre — die Beurteilung der Sachlage zu Gunsten des Angellagten in weit- ,zehendern Maße in Rücksicht und erkannte gegen denselben nur aus eine dreimonatliche Gefängnisstrafe. — Ter Gehülfe Huhn aus Gießen hat unter der falschen Angabe, er solle für feinen Vater mehrere Uhren zur Auswahl holen, bei einem hiesigen Uhrmacher drei Uhren berlangt und erhalten und eine davon anderweitig zu verkaufen versuchl Tas Schöffengericht Gießen hatte chn von Der Anllage des Betruges freigesprochen,die Sttafkammer verurteilte chn zu einer Woche Gefängnis. — Der »Schreiner Friedrich Mohr aus Wiesbaden ist des Diebstahls nm strafrechtlichen Rückfalle beschuldigt. Ter Angeklagte ist »Epileptiker und hochgradig schwachsinnig, weshalb der zu- rgezogene Sachverständige ferne Zurechnungsfähigkeit verneint. Tas Gericht schließt sich dieser Auffassung an und spricht den Beschuldigten f r e i. — Der Metzgergeselle Hermann Knaf aus Büdingen ist der Körperverletzung mittelst eines Messers angellagt. Ter Angellagte, der mit mehreren anderen Burschen auf einer Kirchweih in Büches war und in einer dortigen Wirtschaft unanständige Lieder sang, tuurbe von einem anweisenden Gaste auf gefordert, dies zu unterlassen. Trotz der Zurechtweisung sangen die Burschen roeiter, weshalb der Gast auf ihren Tisch und speziell auf ben Angellagten, der sich besonders hervorthat, zuging, offenbar in der Absicht, lo^uschlagen .Noch ehe derselbe den Angellagten berührt hatte, hatte dieser fein Messer gezogen und dem Herangetretenen zwei Stiche versetzt, von enen einer den Kopf mit solcher Gewalt traf, daß die abgebrochene Messerspitze in dem Schädelknochen stecken blieb. Tas Gericht nahm an, daß der Angellagte zwar anfänglich, ail» der Verletzte in feindseliger Absicht auf chn zukam, in Notwehr sich befunden hat,, daß er aber zu seiner Ber- teibigung sich keines Messers hätte bedienen und daß er iinsbesonoere den Gebrauch des Messers nicht hätte fort» setzen dürfen, nachdem der infolge des ersten Stiches zu Boden Gesunkene wieder aufgestanden war. Das' Gericht zog erschwerend die Vorbestraftheit des Angellagten und hie Gefährlichkeit feiner Handlungsweise, die leicht den Tod des Verletzten hätte herbeiführen können, andererseits strafmildernd in Betracht die Jugend des erst siebzehnjährigen Ängellagten und das anfängliche Vorhandensein einer Not- Niehrhandlung und verurteilte denselben zu einer Gefängnis st rafevonsechsMonaten.— Tie Berufung des Zieglers Konrad Eyring aus Obermockstadt gegen ein Urteil des Schöffengerichts Nidda, durch welches er wegen Beleidigung zu einer Woche Gefängnis verurteilt worden mar, wird bei dem Ausbleiben des Angellagten durch sofortiges Urteil koftensällig verworfen. Berlin, 11. Nov. Der Redakteur Otto Böckler an der _Staatsbürger-Ztg." hatte sich heute vor der 2. Strafkammer des Landgerichts 1 wegen dreier Strafthaten zu verantworten. Ter erste Fall betraf eine Beleidigung des Regierungspräsidenten Hegel zu Gumbinnen und endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu 100 Mark Geldstrafe. Bei der zweiten Strafsache handelte es sich um Verächtlichmachung von Eim uichtungen der jüdischen Religion. Diese Verhandlung verfiel der Vertagung, weil ein Mitangeklagter Paul Koch nicht er- chienen war. Bet der brüten Klage — Beleidigung des Prof, oer Theologie Hermann L. Strack — stellte der Verteidiger Mckler den Antrag, ben Beisitzer, Lanbgerichtsrat Ziehm, als befangen abjulehuen, weil bieser bie Frage bes Ritualmorbes als Erledigt hinsteUte, während diese Frage nach Ansicht eines anderen Dichters, des Amtsgerichtsrats v.Podewils, noch absolut offen sei. Der Antrag des Verteidigers wurde aber nach Anhörung des Land- Qerichtsrat Ziehm vom Gerichtshöfe abgelehnt unb hierauf in bie ä-erhanblung selbst eingetreten. BreSlau, 11. November. Der Prozeß bes Malers Carlo Nöcklin wegen krttrscher Artikel bes Breslauer Prof. Müller ün einer Berlmer Tageszeitung über Arnolb Böcklins Nachlaß Der- trfr b * 6ö66 mieten. 7900 Holler. itu verm. Fr. 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Eießen, den 1L November 1902. 7905 Für den Borstand: Dr. Nanma««, Pfarrer. liinigt möbl.- jimmct ? zu vermieten, fyotcl Einhorn, 7711] Eroßes, unniabL Zimmer zu verm. Stephanstraße 12. 05046] Nettes, neu möblierte! Zimmer, nicht teuer, zu vermieten. Neubau llleustadt 12, ll. 8701] Zn der 1 rüber Linden- struth'fchen Hofraite -tiefeiuucg 13, ist das »m Hinteren Hof gelegene mehrstöckige Lagerhaus aleixxlb zu vermieten. Näheres bei Großh. Bürget» meisteret, Zimmer 9lr. 15. J 7757] Ein neu hergerichtettl Screinelofiü 05060) U iu idjöue« tlcrcmia lokal zu vermieten. Earl List, zur Waldeßruh. 05040] 'Mehr. Arb. tonnen Hon u. Loglß erhalten. Wolkengasse 26. 7561] Gut möbl. Ziinnter iu vermieten. Stephanstraße 82, LLL 7323) Möblierte Zimmer zu vermieten. Bergstr. 17, part 7185] Schöne freundl. möbl Zimmer zu penn. Seltersweg 68^ 7309] Schon mobl. Zimmer zu verm. Bahnbofstr. 39, H. 69621 Schon nwbl. Zimmer per foiort zu vermieten. __91 eustadt 1, Ecke Bahnhofstr. von H. 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