Samstag 12. April 1902 152. Jahrgang Zweites Blatt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Bezugspreis, monatlich 75 vU orerteli jährlich Wik. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausfchl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenprerS: lokal 12 Pk auswärts 20 Pfg. Verantwortlich: Kit den polit. u. allgem. Teil: P. Wtttko: für ,Stadt und Lank/ und „Gerichtssaal^:R.Ditt» mann; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Nr. 85 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesstschea Landwirt die Siebener Zamilien- tzlLtter viermal m der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der B r ü h l'scheu Unwerf.-Buch- u.Sleü>- druckerri (Pietsch Erbe«) Redaktion, Erpedittou und Druckerei: Schul st raße 7. Adresse für Tepesehe«: Anzeiger Gieße«. FernsprechanschlußNr.51. Die Heutige Wummer umfaßt 16 Seiten. Politische Tagesschau. Eine „wundervolle Bildsäule". Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 1L April: In nicht gerade sehr entschiedener Weise hat die Regierung heute in der Zollkommission zu den erhöhten und gebundenen Viehzöllen, nach dem Kor.lpromißantrag der Mehrheit, Stellung genommen. Wenn Staatssekretär Gras Posadowsky trotz alledem, was jene Mehrheit bereits kül)l bis ans Herz hinan gegen die dringeichen Vorstellungen der Regierung beschlossen hat, und noch im Schilde führt, die fröhliche Hoffnung aussprechen konnte, aus dem rohen Marmorblock der Zolltarifvorlage noch eine „wundervolle Bildsäule"' erstehen zu sehen, so wird das erst recht als eine Ermunterung aufgefaßt werden, an dem Marmor nach Herzenslust herumzumeißeln. Wir glauben kaum, daß die Regierung nach der zweiten Lesung mit Tamino aus der „Zauberflöte" sagen wird: „Dies Bildnis ist bezaubernd schön!" _______ Schweden und die Holzzölle. Von geschätzter Seite wird uns geschrieben: Rach dem Verlauf der Tarifkommifsionsberatungen über die Holzzölle darf eine Erhöhung dieser Zölle über die Sätze des Regierungsentwurfs hinaus wohl für ausgeschlossen gelten. Besonders eindrucksvoll war, wie aus Kommissionskreisen verlautet, die Darlegung des württembergischen Ministerialdirektors Schneider, daß viele deutsche Judustrieen auf den Bezug ausländischen Holzes angewiesen seien. In diesem Zusammenhänge erscheint es angebracht, an eine Petition zu erinnern, die der Allgemeine Exportverein in Schweden vor einiger Zeit an seine Regierung richtete. Es wird darin auseinandergesetzt, daß die im deutschen Zolltarif vorgesehenen Zollerhöhungen auf Erzeugnisse oer Bautischlerei den schwedischen Export zu beeinträchtigen geeignet feien. Deutschland habe Veranlassung, die Interessen Schwedens zu berücksichtigen, da seine Ausfuhr nach dem nordischen Staat im Jahre 1900 fast 190 Millionen Kronen betrug, während es an schwedischen Waren nur etwa ein Drittel dieser Summe bezogen habe. Der Allgemeine Exportverein weist in seiner Pe- tition, um die Regierung auf die geeignetsten Repressalien aufmerksam zu macken, darauf hm, daß deutsche Ma- schrnen, die in Schweden zahlreich Verwendung finden, nur einen Zollsatz von 10 Prozent tragen, während die schwedischen Bautischlerei-Erzeugnisse nach dem deutschen Zolltarifentwurf mit 40 Prozent Zoll belastet werden solleu Es ist selbstverständlich, daß Regierung und Reichstag, wie dies ja auch geschieht, in erster Reihe auf den Schutz des deutschen Holzes bezw. Fabrikates Bedacht nehmen. Das Beispiel Schwedens zeigt aber, wie bedenklich es ist, über das Ziel hinauszugehen. Die Erklärung des Ministerialdirektors Schnerder, daß für die württembergische Regierung die Holzzollsätze des Tarifentwurfs die äußerste Grenze bedeuten, trägt den thatfächüchen Verhältnissen Rechnung. Ein Sturm im Wafferglafe. Dem Zwischenfall zwischen der italienischen Regierung und dem schweizerischen Bundesrat wird, wie D. B. Hd. meldet, in römischen diplomatischen Kreisen keine ernstliche Bedeutung beigelegt. Man ist der Ansicht, daß die Differenzen baldigst in freundschaftlicher Weise beseitigt werden. Ter Streitfall braucht allerdings wohl nicht allzu tragisch genommen toerben. Auf beiden Seiten ist zuviel Eifer entwickelt worden bei einem Anlaß, der ein solches Maß von Erregung kaum wert war. Daß in der Schweiz, wie ein römisches Blatt behauptet, „fünfzig infame Artikel gegen das Gedächtnis König Humberts und mit der Aufforderung» zu neuen blutigen Attentaten" erschienen find, ist an und für sich gewiß bedauerlich und geeignet, die Empfindungen der Italiener zu verletzen. Aber auf der anderen Seite war es ein Eingriff in die Rechte der Schweiz, wenn von dem diplomatischen Vertreter Italiens ziemlich kategorisch das Vorgehen der schweizerischen Behörden gegen die Verfasser und Verbreiter der Schmäharti^l gefordert wurde. Auf italienischer Seite deutet man an, die Verfolgung sei aus Furcht vor den Anarchisten unterblieben. Tas ist doch wohl mehr eine malitiöse als gerechte Auffassung. Tie Schweiz ist nun einmal traditionell das „gastfreundliche Asyl der Verbannten und Besiegten"; die politische Duldsamkeit auch gegen Anarchisten und Nihllisten und Leute ähnlich radikaler uyd nicht menschenfreundlicher Gesinnung mag manchem weitgehend erscheinen. Aber was in der Schweiz Brauch und Gesetz ist, hat schließlich die Schweiz allein zu bestimmen. Kein Staat wird es sich gefallen lassen, daß ihm ein anderer Staat hineinspricht, ihm Belehrungen darüber erteilt, was er der „Zivilisation" und der „internationalen Höflichkeit" schuldig sei. Es handelt sich — selbst eine italienische Zeitung, der „Popolo Romano" giebt das zu — hier um eine juristische Frage: Sind die Artikel des anarchistischen Genfer Blattes nach den schweizerischen Bundesgesetzen strafbar, oder nicht? Es heißt, Zanardelli sei als Rechtsgelehrter in dieser Frage besonders kompetent. Ja, aber doch nur kompetent für die Italiener; für die Schweiz kommt nicht in Betracht, zu welchem Urteil der italienische Ministerpräsident gelangt, sondern wie die zur Strafverfolgung berufenen schweizerischen Behörden fvh • :r ach stellen. Uebrigens füllte man tu Jtall.i: r. jjl allzu empfindlich sein; in gewissen italienischen B.ä.t. ..n, die aus ihrer glühenden Neigung für Frankreich und ebenso intensiven Abneigung gegen den Dreibund kein Hehl machen, sind nicht selten überaus scharfe Angriffe, and) solche unzweifelhaft beleidigender Art zu lesen gewesen. Es ist beispielsweise der deutschen Regierung nicht eingefallen, deswegen von Italien auf diplomatischem Wege ein Einschreiten zu fordern oder auch nur als wünschenswert zu bezeichnen. Völlig unbegründet ist natürlich das angeblich in Bern kursierende Gerücht, daß Deutschland sich mit der Ausübung eines Druckes auf die Schweiz einverstanden er Härt habe zur Herbeiführung einer Verschärfung der inneren Gesetzgebung über politische Vergehen. Graf Bülow hat wiederholt im Reichstag darüber sich geäußert, wie entschieden er jeden Versuch einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Mächte verurteile. Mcht einmal ein Vermittlungsversuch wird von deutscher Seite gemacht werden. Recht und Unrecht liegen bei diesem Streitfall nahe beieinander. Ter Konflikt wird am raschesten beseitigt werden ohne die Intervention von dritter Seite. Deutsches Reich. Berlin, 11. Avril. Tas Kaiserpaar begab sich heute morgen mit bem Kronprinzen und dem Prinzen Adalbert nach P o t s da m. Ter Kaiser besichtigte im Lustgarten einzeme Kompagnien des 1. Garderegiments z. F. und später, das Regiment Garde du Korps, das Leibgarde- Husaren-Regiment und das 1. Garde-Ulanen-Regiment. Nach der Besichtigung, der die Generalität, die fremdherrlichen Offiziere und das Ofsizierkorps der Potsdamer Garnison beiwohnten, nahm der Kaiser im Regimentshaufe bes 1. Garde-Regiments z. F. das Frühstück ein- Der Kaiser ernannte den Hauptmann im 1. Gare-Regiment z. F. von Friedeburg zum dienstthuenden Flügeladjutanten und den Prinzen Friedrich Wilhelm, dritten Sohn des Prinzen Albrecht, zum Hauptmann im 1. Garde-Regiment zu Fuß. — Der Großherzog von Mecklenburg- Schwerin feierte am 9. d. M. seinen 20. Geburtstag. Staatssekretär v. Tirpitz hatte ihm dazu gratuliert und erhielt heute folgende Antwort: Für die Namens der kaiserlichen Marine ausgesprochenen freundlichen Glückwünsche sage ich wärmsten Dank. Es gereicht mir zur herzlichen Freude, daß die durch den allzufrühen Tod meines unvergeßlichen Onkels, des Herzogs Friedrich Wilhelm, unterbrochenen Beziehungen zwischen der kaiserlichen Marine und meinem Hause nunmehr durch den Eintritt meines teuren Vetters, des Herzogs Paul Friedrich, wieder von neuem geknüpft sind. — Reichskanzler Graf Bülow ist heute abend hier wieder eingetroffen. In hiesigen politischen Kreisen teilt man durchaus die optimistische Beurteilung der Resultate, die der Reichskanzler in Wien erzielt hat. Man giebt zu, daß der Zweck seiner Wiener Reise hochpolitisch war, und daß in den Besprechungen mit den Wiener Staatsmännern die Treibundfrage das Hauptthema gebildet hat, um das sich natürlich die anderen damit im Zusammenhang stehenden Fragen, darunter auch die handelspolitischen, entsprechend gruppierten. Es ist auch in Wien, wie vor kurzem in Venebig, in allen wesentlichen Punkten zwischen den Verbündeten eine völlige Uebereinftimmung erzielt worden, und wenn sich auch die Früchte nicht von heute auf morgen zeigen werden, so ist doch an der Erneuerung des Dreibundes nicht zu zweifeln. — Stadtrat Kau f fmann äußerte dem ihn in der Heilanstalt besuchenden Stadtverordnetenvorsteher Dr. Langerhans gegenüber, bezüglich seines Verzichts auf die Bürgermeisterwahl, er hoffe der Stadt Berlin als einfaches Mitglied des Magistratskollegiums noch lange dienen zu können. Der behandelnde Arzt erklärte, 5tauffmann könne schon in den nächsten Tagen die Anstatt verlassen und nach Thüringen gehen. Der beim Stadtverordneten-Vorsteher eingegangene Bries, der von einem Verzicht auf die Kandidatur spricht, stammt von dem Bruder Kauffmanns. Syndikus Dove teilt mit, daß für ibn jedes Zurückkommen auf eine Aufstellung seiner Kandidatur für den Bürgermeister-Posten ausgeschlossen sei. — Nach einer parlamentarischen Korrespondenz wird in Reichstagskreisen der Meinung Ausdruck gegeben, daß die Vertagung des Reichstags bereits Mitte Mai erfolgen werde. Man begründet diese Vermutung mit dem Hinweis darauf, daß die Zolltarifkommission ihre Arbeiten um so eingehender fördern könne, je früher der Reichstag vertagt werde. Mit der frühzeitigen Vertagung würden einige wichtige Vorlagen, wie das Schaumwein st euer-Ge setz und die Novelle zum Branntweinsteuer-Gesetz unerledigt bleiben. — Die „Nordd. Allg. Ztg." teilt dcn gestern vom Bundesrat genehmigten Gesetzentwurf betreffend Re- gelung der Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben mit. In den einleitenden Bestimmungen heißt es u. a.: Als Kinder im Sinne dieses Gesetzes gelten Knaben und Mädchen unter 13 Jahren, sowie solche über 13 Jahre, die noch schulpflichtig sind. Sm- § 8 wird die Beschäftigung fremder .Kinder, im § 6 diejenige eigener geregelt. Es folgen gemeinsame und Strafbestimmungen. Tie Schluß beftimmungen besagen: Vorstehende Bestimmungen stehen weiter gehenden landesrechtlichen Beschränkungen der gewerblichen Kinderarbeit nicht entgegen. Das Gesetz soll im Juli 1903 in Kraft treten. Eine Anlage verzeichnet die Werkstätten, in deren Betriebe, abgesehen vom Austragen von Waren und von son igen Botengängen, Kinder nicht beschäftigt werden dürfen. — Tas Wolff's cc Jureau meldet aus Shanghai: Tie deutschenKriegsschiffe „Geier" und „L u ch s" begeben sich nach Ninapo, da dortiae deutsche Staatsangehörige den Ausbruch einer f re m den f ei n dlich en Bewegung befürchten, die vornehmlich gegen die katholische Mission in Ningpo gerichtet fein soll. Tie chinesischen Behörden erklären, sie seien genügend vorbereitet, um etwaige Unruhen zu unterdrücken. Anslanli. London, 11. April. Nach einer amtlichen Mitteilung wird der K ö n i g, der bis zum 15. April im Westen Englands zu bleiben gedachte, morgen nachmittag hierher zurückkehren. — „Standard" und „Daily Ehroniele" verzeichnen das Gerücht, das bevorstehende Budget werde einen Zoll von 5 Pence auf den Zentner Mehl und 3 Pence auf den Zentner Getreide Vorschlägen. Paris, 11. April. Der Minister für die Kolonien erhielt eine Depesche des Gouverneurs von Französisch- Kongo, welche die Nachricht des „Journal de Paris" von der Ermordung des Direktors der sranzösi- schenFaktorei amoberenSanglia,Cayeneuve durch eine Bande Eingeborener und die Plünderung der Faktorei sowie derjenigen von Pembe bestätigt. Eine Milizabteilung schlug die Eingeborenen in Likelamba. Ter Gouverneur entsandte mehrere Abtellungen Senegalschützeu nach Odessa. Madrid, 11. April. Heute nacht starb auf einem Festmahle der Aerzte in Barcelona der Führer der 5iatalanisten Dr. Robert plötzlich am Herzschlage, als er fein Champagnerglas zu einem Trinkspruch erhob. Der Tod Roberts ist nicht ohne politische Bedeutung. Bern, 11. Älpril. Dec Nationalrat hat mit 70 gegen 60 Stimmen beschlossen, den Zoll auf Naturw eine auf 20 Frcs. festzusetzen. Der Bundesrat und die Mehrheit der nationalrätlichen Kommission hatten 17 Frcs. vorgeschlagen. Ues kueb, 11. April. Vor einigen Tagen wurde von türkischen Truppen bei Kadi ko ei, in oer Nähe von Prilep, eine Bande eingeschlosfen, deren sämtliche sieben Mitglieder nach längerem Kampfe getötet wurden. Die Bande stand unter Führung eines ehemaligen Lehrers, welcher vor mehreren Jahren wegen eines politischen Mordes verurteilt worden war. Die Vorgänge in Belgien. Die aus Belgien kommenden Depeschen lassen den vollen Ernst der dortigen politischen Lage erkennen. Alles deutet auf einen stürmischen Verlauf der nächsten Woche hin. Daß es in letzter Stunde noch gelingen werde, den von sozialistischer Seite proklamierten allgemeinen Ausstand zu verhindern, ist wenig wahrscheinlich. In diplomatischen Kreisen rechnet man immerhin noch mit der Möglichkeit, daß ftönig Leopold seine unbestrittene Popularität in die Wagscyalc werfen und das schlimmste zu verhüken bemühen werde. Den König, soviel steht fest, trifft keine Schuld an all den Vorkommnissen, und es verdient immer wieder hervorgehoben zu werden, daß dies auch seitens der parlamentarischen Opposition konstatiert worden ist. Dagegen hat das M i n i ft e r i u m in der ganzen Behandlung der Wahlreformsrage ebensowenig Geschick wie Mäßigung an den Tag gelegt .Drohungen an die Anwälte des allgemeinen und gleichen Wahlrechts sind angesichts der Erregung in wellen Volkskreisen wahrlich nicht am Platze gewesen. Die kommende Woche wird's lehren. Heute aber schon Alarm zu blasen und die Revolution marktschreierisch auszuposaunen, ist kindische Sensationslüsternheit. Es liegen heute folgende Meldungen aus Brüssel vom 11. d. M. vor: Bürgermeister Temot hat in der zweiten Morgenstunde den Beschluß gefaßt, jede öffentliche Manifestation zu verbieten. Zur Verstärkung der Besatzung sind hier zwei Bataillone Infanterie, eine Kompagnie Genietruppen und ein Regiment Kavallerie eingerückt. In jeder Kaserne ist ein Bataillon konsigniert. Die Truppen erhielten zwei Pakete scharfe und zwei Pakete Platzpatronen. Auch die Gendarmerie wurde verstärkt. Tie gesamte Bürgergarde wurde zusammengerufen und erhielt die strengsten Weisungen zur Unterdrückung von Rnyestörungen. In den verschiedenen Hospitälern sind während der Nacht und am Morgen über 40 Personen ecngebracht und behandelt worden, die am Abend durch Säbelhiebe und Schüsse verwundet ipurben. Die Polizei hat Nachforschungen in verschiedenen Hotels angestellt und 15 Personen dabei verhaftet, von denen drei sich nicht ausweisen konnten. In der Wohnung des Grafen von Merdoe haben die sozialistischen Demonstranten sämtliche Fenster eingeworfen. Die Gendarmen zerstreuten die Menge uni) verletzten mehrere Demonstranten durch Bajonettstiche. Vor dem neu erbauten deutschen Schulhaufe errichteten die Kundgeber eine Barrikade, indem sie von benachbarten Bauplätzen das Baumaterial entwendeten und außerdem noch das Straßenpflaster aufrifsen. Von hier aus wurde auf die Gendarmen beschossen. In der ganzen Gegend sind sämtliche Fensterscheiben demoliert. Im Volkshause wurden 20 Personen, die Verletzungen erhalten hatten, verpflegt. Die Burgerwehr, die aus dem Cafe im Volks hause mit Steinen beworfen wurde, drohte hieraus den Tumultuanten, in das Cafe hineinzuschießen, woraus ein Mitglied sich erbot, die Demonstranten zu bewegen, das Cafe zu raumen, was auch geschah. Die aus d em Cafe herausdrängende Menge wurde von dem Militär mit Kolbenstößen und Säbelhieben weiter getrieben. Das sozialistische Gemeinderatsmitglied Hallet wurde verhaftet, weil er sich als Bürgergavbch geweigert hatte, scharfe Patronen in Empfang zu nehmen. Volkaert, 6er Sekretär der Vereinigung „Sa jeime Garde socialist^, dem man die Mitschuld an den Unruhen zuschreibt, sollte einem Verhör lmnterzogen werden; er war jedoch auf den Rat seiner Freunde vorher ins Ausland gereist. Vier Fa-- milienväter stellten Nachforschungen nach rhreu seit gestern ve r schwundenen Sö hnen an. In der Kammer kam es zum Schlüsse der Freitag- Sitzung zu äußerst heftigen Szenen. Das Ergebnis der Sitzung tarnt man als Niederlage der Sozialisten ansehen, da die Mehrheit der Liberalen sich nicht zur Obstruktion entschließen tonnte und die Votierung des provi- sorischen Budgets nicht mehr zu verhindern ist. Das Gesetz hat nur einen Paragraphen, weshalb die sozialistische Obstruktion nicht einzusetzen vermag. Ministerpräsident de Smet de Naher führt den von den sozialistischen Deputierten an die Bevölkerung gerichteten Aufruf an, der zeige, daß man den Kampf selbst noch fortsetzen wolle, nachdem die Entscheidung des Parlaments bezüglich der Verfassungsrevision gefallen sein werde. In dem Aufrufe heißt es, die Regierung müsse abdanken und die Revolution triumphieren. Das letzte Mittel sei, die Bewilligung der provisorischen Kredite durch Obstruktion zu verhindern. Ein solches Manöver, fährt der Ministerpräsident fort, dürfe nicht geduldet werden. Ter Regierung liege daran, daß die Verhandlung über die Revision der Verfassung entgegen den Behauptungen der Sozialisten stattfinde. In diesem Augenblick kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Sozialisten und anderen Parteien. Hubin und Gavrot (Sozialisten) sind nahe daran, mit dem Klerikalen Hoyos handgemein zu werden. Ihren Kollegen gelingt es, die Streitenden zu trennen. Zwischen den Liberalen und Sozialisten entspinnt sich ein heftiger Wortstreit über das zur Verteidigung des allgemeinen Stimmrechtes abgeschlossene Uebereinkommen. Demblon (Sozialist) ruft: Wir sind von den Liberalen verraten! Dufrane (Liberal) beantragt Schluß der Debatte. Der Antrag wird angenommen. Hubin (Sozialist) stürzt hierauf zum Präsi- dentisch und schreit: „Dieb, Jesuit!" Saaldiener eilen herbei und suchen die Mitglieder des Bureaus, die von Sozialisten bedroht werden, zu schützen. Unter heftigem Lärm und Strett auf allen Seiten des Hauses wird die Sitzung geschlossen. Im Volkshause zu Brüssel kündigte am Freitag Destree, Abgeordneter für Charleroi, an, daß Montag 125 00 0 Bergarbeiter, 50 000 Metallnr giften und 20 OOOGlasarbeiteraufden Beinen sein werden. Vandervelde mahnt von Unvorsichtigkeiten und Zornausbrüchen ab. „Die Machthaber wünschten einen blutigen Abend. Geht nicht in diese Falle! Mir wird gemeldet, daß unten gekämpft wird. Laßt Euch nicht zu ungleichem Kampfe mit Bewaffneten hinreißen. Kehrt ruhig heim; aber Mittwoch seid alle vor der Kammer." Die Menge stimmte das Lied vom allgemeinen Stimmrecht an, womit das Meeting beendet war. Aehnlich wie in Brüssel geht es in der Provinz zu. Zwei Regimenter Kavallerie und zwei Regimenter Infanterie sind in Charleroi eingetroffen. Nach Löwen und Bilvorde sind zwei Kompagnien Infanterie abgegangen, nach dem Bassin du Centre zwei Eskadrons Jäger. — In Braequegnies (Bassin du Centre) kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen mehreren Tausend Ausständigen und Gendarmen. Erstere schleuderten Steine gegen die Gendarmen, die mit Revolverschüssen antworteten. Es kam zu einem vollständigen Gefecht. Die Gendarmen mußten sich zurückziehen. Eine Eskadron Lanciers eilte zur Hilfe und zerstreute die Ausständigen, die unter Hochrufen auf die Armee und das allgemeine Stimmrecht den Platz räumten. In Verviers verfügte die Polizei die Ausweisung von 8 Fremden, die sich an den Kundgebungen beteiligt hatten. Diese 8 Fremden sind vier Franzosen, zwei Deutsche, ein Schweizer und ein Pole. In Antwerpen wurden bei den Unruhen 25 Personen durch Säbelhiebe verwundet. Aus La Louviere wird folgendes vom 11. April gemeldet: Die Zahl der ausständischen Gruben- und Metallarbeiter im ganzen Becken beläuft sich augenblicklich auf ca. 20 000 Mann. Tie Ausständischen durchziehen fortgesetzt in Trupps die Gegend und versuchen, die noch Arbeitenden für den Ausstand anzulocken. Jn Houdeng- Goegmes versuchten 3000 Ausständische eine Gruppe Gendarmen zu umzingeln. Die Gendarmen schossen auf die Angreifer. Mehrere derselben wurden verwundet. Auch ein Gendarm erlitt schwere Verletzungen am Kopfe, sodaß er vom Pferde fiel, und sich eine gefährliche Verletzung an der Schulter zuzog. Als der Zug mit den vlämischen Arbeitern eingettoffen war, wiederholten sich die Szenen in verstärktem Maße. Es gelang den Gendarmen und Jägern, die Ecken der auf den Bahnhof mündenden Straßen besetzen. Dabei kam es abermals zu Zusammenstößen. s beiden Seiten fielen Schüsse. Zahlreiche Verwundete wurden in die benachbarten Häuser geschafft. Ein junges Mädchen wurde durch einen Schuß aus einem Karabiner getötet. InLüttich durchzogen, wie uns heute gemeldet wird, 2000 Menschen gestern abend die Straßen und veranstalteten vor dem Gefängnis eine Kundgebung unter Hochrufen auf das allgemeine Stimmrecht. Eine andere 1000 Mann starke Truppe stteß zu ersterer, und alle zusammen zogen vor das Volkshaus, wo mehrere Redner heftig gegen die Regierung sprachen und für Montag den allgemeinen Ausstand predigten. Tie Polizei schritt ein, und es kam zu einem Handgemenge, bei dem mehrere Personen verwundet wurden. lieber den Stand der Friedensverhandlungen in Südafrika liegen heute mehrere einander widersprechende Meldungen vor. Nach einer Meldung aus London besagt ein vom 11. d. M. datiertes Telegramm aus Pretoria: Die britischen und Burendelegierten seien über die Friedensbedingungen übereingekommen. Dieselben seien an die Burenvertreter in Amsterdam gekabelt, würden aber noch geheim gehalten, doch heiße es, England habe nichts coneediert. Auch sonst zirkulieren allerlei Gerüchte über Abschluß des Friedens. Es fehlt aber jede Bestätigung dieser Nachrichten. — DaS ist die eine den Thatsachen weck vorauseilende Nachricht. Nach einer Meldung aus Amsterdam beschlossen die in Klerksdorp eingetroffenen Burenführer D e - wett, Steijn und Dclarey, in Friedensverhandlungen ernzutreten, falls England vorher ein Kabel zur direkten Verständigung mit Krüger hergebe. Und im englischen Unterhaus erklätte am Freitag Brodrick, der Regierung liege zur Zeit keine Mitteilung über Friedensbedingungen von den Burenführern vor. O'Kelly fragt, ob Lord Kitchemr ermächtigt sei, irgend welche aridere Bedingungen, als unbedingte Uebergabe anzubieten. Brodrick erwidett, er sei nicht in der Lage, irgend eine Mitteilung zu machen. Black fragt, ob während der Abwesenheit der Burenkommandanten von ihren Truppen Waffenstillstand sein werde. Brodrick ant- wottet, es werde sicherlich kein Waffenstillstand statt- finden. Bei Schluß der Sitzung erklätte der Erste Lord des Schatzes, Balfour, die mit Bezug auf die Friedensverhandlungen umlaufenden Gerüchte entbehrten der Begründung. Es seien darüber aus Südafrika keine Meldungen eingelaufen, und der Natur der Dinge nach könnten auch keinerlei Nachrichten vorhanden fein. Vom Kriegsschauplatz wird aus Graafreinet vom 11. April gemeldet: Die Buren griffen am 6. April Aberdeen an, wurden aber mühelos zurückgeworfen. — Nach einer gestern veröffentlichten Verlustliste sind am 8. und 9. Apri bei Petersburg 1 Offizier gefallen, 3 Offiziere und 5 Mann verwundet, bei Bethlehem am 8. Llpril 3 Mann getötet und 3 verwundet, am 8. April weiter 1 Mann getötet und 1 Offizier und 3 Mann verwundet worden._______________ Preußisches Abgeordnetenhaus. Sitzung vom 11. April. Tages-Ordnung: Fortsetzung der Spezialberatung des Eisenbahnetats. Einnahmetitel. Tr. Crüger-Bromberg (fts. Vp.) weist auf die Unsicherheit im Handel und Verkehr hin, t>er es hauptsächlich zuzuschreiben sei, daß die Eisenbahneinnahmen zurückgegangen sind. Die Kardorssschen Tarifreformvorschläge hätten lediglich die Interessen der Landwirtschaft, nicht aber das Handels- und Verkehrsinteresse im Auge. Der Minister möge erklären, wie es mit dem 'Kanal-Worte: Gebaut wird er doch! stehe. Für Tarifermäßigungen träten seine Freunde ein, nicht aber für Ausnahmetarife. Minister v. Thiele n bemerkt, Zuckertarife seien eingeführt nach dem Prinzip der ausgleichenden Gerechtigkeit. Die zur Begünstigung der Nordseehäfen bewilligten niedrigen Umschlagstarife auch auf die Rheinhäfen auszudehnen, müsse abgelehnt werden. Ter Minister erörtert die Grundsätze, nach denen bei der Verpachtung der Bahnhofswirtschaften gleichmäßig und überall vorgegangen werde. Abg. Frhr. v. Zedlik (frk.) meint, die Personentarife herabzusetzen, liege kein Anlaß vor; die meisten Reisen seien Vergnügungsreisen; dagegen werde man in absehbarer Zeit zu einer Herabsetzung der Gütertarife, kommen. Tas Eisenbahngarantiegesetz habe nur noch eine kalkulatorische Bedeutung und zur Anlegung eines Aus- gleichsfonds bedürfe es keines besonderen Gesetzes. Schon heute verfüge der Minister über einen Fonds von 300 Millionen, die ihm bewilligt worden seien, ohne da dadurch besondere Nachteile entstanden seien. Finanzminister Frhr. v. R h e i n b a b e n erwidert, gegen die Anlegung eines Reservefonds sei nichts einzuwenden, dagegen erscheine es nicht angängig, daß die Eiseabahnver- waltung sich durch ein Fixum, eine Rente, vom Staate loskaufen könne, wie dies von verschiedenen Seiten angedeutet worden sei. Abg. Becker (Ztr.) bemängelt die Höhe der Schreibgebühr von 1 Mark, die für Antworten auf Reklamationen berechnet und von dem restituierten Betrag gekürzt werde. Redner plaidiert noch für eine möglichste Vereinfachung der Fahrkarten. Abg. Hirsch (nk.) führt Klage über die unzureichende Anzahl gedeckter Güterwagen. Abg. O e s e r (fr. Vp.) hält eine Reform der Güter- und Personentarife aus wirtschaftlichen und finanziellen Gründen für nötig. Ohne eine bessere Ausgestaltung der Kanäle werde man der Industrie nicht helfen können. Redner erörtert dann eingehend Uebelstände, die sich aus den mehrfachen Aenderungen der Gütertarife für die in Frankfurt a. M. einmündenden Bahnlinien ergeben haben. Des weiteren schildert er eine Reihe von Eisenbahndiebstählen und hält die Ersatzpflicht der Bahnen ür ungenügend. Ein Regierungskommisfar erwidert, im großen und ganzen sei das Beamtenpersonal tüchtig und zuverlässig. Abg. v. Grabski (Pole) beschwert sich darüber, daß )ie Bromberger Eisenbahndirektton Arbeiter gemaßregelt habe, die polnisch sprachen. Tas verstoße gegen die Verfassung. Minister v. Thieken erwidert, es werde kein Ar- beiter entlassen, weil er in seiner Familie oder mit Freunden polnisch rede; aber im Dienste einer deutschen Bahn habe er deutsch zu sprechen. (Bravo!) Wenn sich der Vorredner über die Ausschließung polnischerZeit- ungen vom Verkauf auf den Bahnhöfen beschwere, so wolle er, der Minister antworten, daß diese Blätter doch ihre Gehässigkeiten gegen Preußen einstellen möchten. (Bravo!) Abg. Dasbach (Ztr.) meint, daß Preußen trotz der dafür aufgewendeten großen Summen in seinem Signalwesen noch weit zurück sei. Er verlangt Einführung von Toppelsignalen und macht verschiedene andere Vorschläge zur Verbesserung des Signalwesens. Schluß 4i/2 Uhr. Am Stadt uud Saad. Gießen, den 12. April 1902. ** Gastspiel des Ibsen-Theaters. Henttk Ibsen ist einer jener großen Unsterblichen, deren Name mit unauslöschlichen Lettern in das Buch der Litteraturgeschichte aller Nationen eingetragen ist. Seine großen Gesellschaftsdramen haben seinen Namen über die Welt getragen. Wir Deutsche besitzen sie in besonders vortrefflicher Ausgabe, die z. Z. im Fischer'schen Verlage in Berlin im Erscheinen begriffen ist. Herausgeber ist neben anderen Dr. Paul Schlenther, der Direktor des Wiener Hofburgtheaters. Ibsen war es, der unserer Schauspielkunst neue Wege zeigte. Mit einer Einfachheck der Ausdrucksweise, die ohne gleichen dasteht, mit einer Knappheit und Prägnanz der Sprache, die gerade in ihrer Kürze um so trefflicher wirkt, chuf er dem dramatischen Künstler Aufgaben, die zu lösen nicht jeder berufen ist. Es erfordert eine hohe Künstler- chaft, diese Gestalten des nordischen Meisters so auf die Vühne zu stellen, daß sie Leben atmen. Das moderne Drama braucht einen neuen Stil. Nicht mehr Rollen nach der alten Theaterschabloire bieten diese modernen Dramen, nein, es sind Typen und Individualitäten, die der Dichter mit fester Hand mitten aus dem wogenden Leben heraus auf die Bühne geleckt wissen will. Dies erkannt zu haben, behauptet der Direktor des reisenden Ibsentheaters Gustav Lindemann. Von jeher, so schreibt er uns, war es sein eifrigstes Streben, die Werke des großen norwegischen Dichters so wiederzugeben, daß dem Publikum eine vollendet künstlerisch abgerundete Leistung dargeboten wird. Alle Feinheiten des Dialogs sind geistvoll herausgearbeitet und die Stimmung, die gerade bei Ibsen ein so wesentlicher Faktor ist, mirb bis in den feinsten Nuancen abgetönt, sodaß auf diese Weise ein Bühnenbild geschaffen wird, ganz wie es dem Dichter vorgeschwebt hat. „Kunst und Natur sei Eines nur" — diesen Spruch Lessings läßt sich Lindemann als Richtschnur gelten. Und dem Dichter zu geben, was des Dichters ist, das ist sein erstes und letztes Streben. In diesem Zeichen hoffen wir ihn auch bei uns siegen zu sehen. * * Konzert. Morgen findet in der Südanlage Promenadenmusik mit folgenden Programm statt: 1. Quvetture z. Op. „Undine" von Lortzing, 2. Introduktion a. d. Op. „Die Hugenotten" von Meyerbeer, 3. „Charlotha", Walzer von Millöcker, 4. Potpourri a. d. Op. „Die Afrikareise" von Suppe. * * Hessisch-thüringische Landeslotterie. Der gemeinsame Landtag der Herzogtümer Koburg und Gotha nahm den Staatsvettrag über die Vereinigung der sächsisch-thüringischen Lotterie mit der hessischen mit 16 gegen 11 Stimmen an. * * Abg. Köhler-Langsdorf als Poet. Beim Festmahl der neugewählten Bürgermeister des Ersatzbezirks Lich am 7. April wurde, wie wir in der „Hung. Landpost" lesen, an Kreisrat Dr. Wallau in Lauterbach, auf dessen Anregung die Beschaffung des silbernen Pokals zu stände kam, folgendes von Bürgermeister Köhler-Langsdorf aufgesetztes Telegramm abgeschickt : Viel deutsche Männer sitzen §u Lich im Löwen zumal; n fröhlicher Tafelrunde Kreist rpstig der silbern Pokal: Bürgermeister Heller ergreift^ ihn Und redet manch kräftigen Spruch — Und wir, wir Alle rufen: Dem KreiSrat Wallau ein „Hunch!" * * Noch ein Kuriosum bei den neuen Briefmarken! Bei einer sehr großen Zahl der neuen Briefmatten ist auf dem! linken Brustpanzer der „Germania" sehr deutlich eine „15" zu erkennen; jedenfalls handelt es sich hier nicht um eine Absicht, sondern um einen originellen Zufall bei der Schattierung. Auch von den alten Marken weisen viele diese rätselhafte Zahl auf, die übrigens nicht auf allen Exemplaren gleich scharf wahrzunehmen ist. n. Ranstadt, 12. April. Der hiesige Gesangverein „Eintracht" beabsichtigt Anfang Juli das Fest der Fahnenweihe zu feiern. Eine große Anzahl von Vereinen der Umgegend hat bereits ihr Erscheinen zugesagt. b Mainz, 11. April. In verschiedenen Blättern hat eine Mitteilung Aufnahme gefunden, der Militärfiskus fordere für das hier freiwerdende Festungsgelände 36 Millionen Mk. und stehe bereits mit einem auswärtigen Finanzkonsottium auf Grund dieser Forderung in Verhandlungen. An dieser ganzen Mitteilung ist kein wahres Wort, indem seitens des Militärfiskus überhaupt noch keine Forderung gemacht worden ist. Ans den von der Militärbehörde hierher gelangten Nachttchten ist zu ersehen, daß man im Kriegsministerium noch gar nicht schlüssig geworden ist, welches Terrain von dem freiwerdenden Gelände zum Verkauf gebracht werden kann. — Oberhalb der hiesigen Eisenbahnbrücke ereignete sich heute Vormittag auf dem Rhein ein Schiffsunfall, bei dem ein Menschenleben zu Grunde ging. Infolge heftigen Wellenschlags, der durch einen vorüberfahrenden Dampfer verursacht wurde, sank ein bis zu dem Rande gefüllter Sand- nachen und mit ihm die aus drei Mann bestehende Besatzung. Zwei davon konnten sich durch Schwimmen retten, während der Dritte, ein Familienvater mit mehreren unversorgten Kindern, den Tod in den Wellen fand. — Unter starker Bewachung wurde heute Morgen ein Mühlknecht aus Offstein bei Worms in das hiesige Untersuchungsgefängnis eingeliefett, der im Verdacht steht, zwischen Heppenheim a. d. W. und Offstein an einem aus Zweibrücken stammenden Geschäftsmann vor einigen Tagen einen Raubmord verübt zu haben. Die Leiche des Ermordeten wurde in der Eisbach bei Offstein gefunden.' ** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Eine Rieseneiche von 1.80 Meter Durchmesser und 9 Kubikmeter Inhalt wurde bei Rohrbrnttn im Spessart gefällt und für 1074 Mark verkauft. — In Birst ein ist eine Firma „Birsteiner Basaltwerke, G. m. b.H." zu Stande gekommen. Gegenstand des Unternehmens ist die Ausbeutung der in der Gemarkung Birstein gelegenen von der Fürstlich Jsenburg- Birstein'schen Verwaltung gepachteten Steinbrüche. Die Ge- chäftsführer sind: Heinrich Winn-Gießen und Hans Klaus-Fulda. — Der evangelische Missionspfarrer Lic. theol. Wilhelm Schüler, ein geborener Kurhesse, ist zum Gouvernementspfarrer beim Kaiserlichen Gouvernement von Kia ut- chou ernannt worden. — Rektor Weifenbach hat aus Anlaß der Feier seines 50jährigen Dienstjubiläums dem Kindergarten in Alsfeld eine Schenkung von 200 Mark gemacht. Die Zinsen dieses Kapitals sollen alljährlich durch die Stadtverwaltung der Kasse des Kindergartens zugefühtt werden. Vermischtes. * Spandau, 11. April. Zusammenrottungen v^on Excedenten haben auch gestern wieder stattgefunden. L>traßenpassanten wurden belästigt und mißhandelt; in einem Möbelgeschäft wurden Fensterscheiben eingeworfen und die darin befindlichen Personen bedroht. Mehrere Verhaftungen wurden vorgenommen. Budapest, 11. April. Die Ortschaft Bega-Szent- Gejorgy steht in Flammen. Belgrad, 11. April. Der frühere Beamte der Monopoloerwaltung Jaroslaw Zeman, ein Oesterreicher, wurde wegen Veruntreuung von 88 529 Francs, begangen wrch Unterschlagung von Marken, zu 20 Jahren schweren Werfers verurteilt. — In Kragujevatz hat sich der stellvertretende Kassierer der dortigen Präfektur Sawa Miliwo- jewitsch wegen eines Fehlbetrages von 2000 Francs er* chossen. ' Konstantinopel, 11. April. Vom 1.—7. Apttl ind in Mekka 66, in Dschedda 139, in Jambo 27 Cholera- Todesfälle vorgekommen. 336 Pilger verließen die Stadt. Im Lazaret zu Eltor starben 17 von 33 Kranken. „Im schw argen Greif". Unter diesem Titel bringt öie letzte Nummer der Zeitschrift „Die Welt auf Reisen" das folgende hübsche Gedicht Oskar Blumenthals: Derweil' ich zu Bozen im „Schwarzen Greif', So wird es mir Heller im Schädel. Bi« giebt's keine Kellner, befrackt und steif — § umsorgen mich jungfrische Mädel. Da vergess' ich des Lebens Zickzacklauf, Da chauen verschneite Gedanken auf, Und manches lustige Lied wird reif, Derweil' ich -u Bozen im „Schwarzen Greift. Deim rast' ich zu Bozen im „Schwarzen Greift, So hör' ich kein Kritteln und Lästern. Da schweigt der Parteien politisch Gekeif, Man denkt nicht an morgen und gestern. Man schaut auf die leuchtenden Gipfel hin, Man giebt sich der Stunde mit offnem Sinn Und hort nicht der Sorge raschelnden Schweif, Verweilt man zu Bozen im „Schwarzen Greif'. Beim Glase Terlaner im „Schwarzen Greif', Ta ivachsen dem Frohsinn bte Schwingen — Und wer auch sonst mir ein Locklied peif, Sein Ruf wird machtlos verklingen. Das gastliche Haus un schönen Tirol, Das macht mich im innersten Herzen wohl.... Und es fallt auf den Weg wie Frost und Reif, Muß ich endlich scheiden vom „Schwarzen Greif'. * Ein Ballgespräch. In einem kleinen Nest Ostpreußens findet ein Bürgerball statt. Natürlich kennen sich sämtliche Damen und Herren dem Ansehen nach scbon seit langer Zeit, werden aber trotzdem einander durch den Vorstand sehr zeremoniell vorgestellt. — Dem Fräulein F. soll Herr Pfeiffer bekannt gemacht werden und dies geschieht in folgender Weise. — Einer der Herren des Vorstandes sagt vorstellend: „Freeilein, der Herr Feeiffer!" — worauf das Frl. F. mit einem schnippischen „Ich weeiß!" antwortet. — Herr Pf. beginnt nun, sich mit Frl. F- zu unterhallen und fragt: Herr Pf.: „Kennen Sie dem Herr Spergies?" Frl. F.: „Nei!" Herr Pf.: „Ei dem Herr Blubbereit?" Frl. F.: „Nei, denn kenn ich all ehr dem Herr Spergies!" Man beginnt zu tanzen, und während des Tanzens entwickelt sich folgende Unterhaltung: Frl. F.: „Finden Se es nich hier sehr staubig?" Herr Pf.: „Wieso?" Frl. F.: „Na sehn Se, wenn man spuckt, denn siebt es immer solche Kullerchens!" In der Tanzpause fragt Herr Pf.: „Freeilein, is Ihnen heeiß?" Frl. F.: „Ja!" Herr Pf.: „Wollen Se Eeis?" Frl. F.: „Ja!" Herr Pf.: „Jeden Se Jald (Geld)!" Schließlich in der Kafseepause ist Herrn Pf. der Unterhaltungsstoff ausge- Sangen, und beide sitzen bereits seit einiger Zeit sprach- >s nebeneinander. Plötzlich fängt jemand im Nebenzimmer an, Aavier zu spielen, und dies begeistert Herrn Pf. zu der Frage: „Spielen Se Klavier, Freeilein?" Frl. F. (verlegen): „Das war ich gar nich." („Simplic.") Universitäts-Nachrichten. — Wie verlautet, wird der Prof, der Wiener theologischen Fakullät Dr. Erhard einem Rufe an die Universität zu Freiburg i. Br. Folge leisten. Gerichtssaal. Ncwyork, 11. April. Die Appellationsabteilung des höchsten Gerichtshofes bestätigte die Verurteilung Johann Most's wegen eines in seiner Zeitung yurZeit der Ermordung Mac Kinleys veröffentlichten ausrührerischen Artikels. Kandel und KerKrhr. Volkswirtschaft. Frankfurt a. M., 11. April. Der Aufsichtsrat der A k - kumulatoren werke System Pollak wird heute folgende Erklärung veranlassen: Um Mißverständnissen vorzubeugen, erklärt der Aussichtsrat heute ausdrücklich, daß er von vornherein überzeugt war, daß irgendwelche Unredlichkeit bei dem hochehrenwerten Charakter des Direktors Mafsenbach ausgeschlossen war. Es ist denn auch um so bedauernswerter, daß eine Persönlichkeit, welche in so seltenem Maße allseitige Hochachtung genoß, durch selbstverschuldete Ucberarbeitung den Kopf verlieren konnte, weil die Ergebnisse der Bilanz nicht den Erwartungen entsprachen. Vertin, 11. April. Die gestern hier versammelten 36 Vertreter deutscher Stabeisenwalzwerke stellten einstimmig fest, daß in allen Revieren starke Beschäftigung vorliege, sowie daß die auf der letzten Zusammenkunft in Köln beschlossenen Mindestpreise für den Verkauf erheblich überschritten worden sind. Die in Aussicht geiwmmene Bildung eines allgemeinen Stabeisensyndikats wurde von allen weiten freudig begrüßt und die erforderlichen Vorarbeiten in die einzelnen Gruppen verwiesen. Chicago, 10. April. Siebzig hervorragerrde Geschäftsleute aus den östlichen, mittleren und westlichen Staaten trafen heute hier zusammen, um eine von Parteirücksichten unabhängige nationale Reziprozitätsliga zu bilden. Der Vorsitzende der Versammlung erklärte, die Reziprozität werde rasch die wichtigste Frage für die Verein. Staaten werden. — Bom Kohleusyndikat. Das Syndikat fuhrt augenblicklich wieder einen größeren 'Auftrag für Feinkohlen für das Ausland aus. Infolgedessen zeigt der Kohlenmarkt weitere Entlastung. — Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft. Die bereits früher erwählüc Gejellschast zur Einführung von Erfindungen, an der die Herren Professoren Geheiinrat Riedler und Stumpf beteiligt sind und die den Ankauf und die Verwertung von patenten bezweckt, ist nunmehr perfekt geworden. Tas Stammkapital beträgt 500 000 Mk. Zunächst hat die Gesellschaft die Ricdler-Stumpf'schen Patente auf eine Dampfturbine und aus Kondencatpumpen in das Bereich ihrer Thätigkeit gezogen. — 4proz. Griechische Goldrente vom Jahre 1889. Im Frühjahre 1898 sind den Gläubigern dieser Rente anläßlich der Bezahlung des Coupons vom 1. April 1898 mit 30 Prozent Bescheinigungen (Certificate) erteilt worden, denen zufolge ein eventueller werterer Nachcmpfang von 2 Proz. statthaft ist. Wie wir erfahren, findet die Einlösung dieser Certificate mit 2 Proz. vom Nennbeträge des ursprünglichen Coupons noch während der ganzen Verjährungs* zeit des Coupons, nämlich bis zum 31. März 1903, statt. Es dürste sich daher enrpsehlen, dieselben baldigst zur Zahlung einzureichen, um einen Verfall des Nachbezugsrechtes von 2 Prozent zu vermeiden. Zum SyndikatSwcscu. Gestern haben wir auf eine in Ber- lm slaltfindende Versammlung von Vertretern von Syndckaten aufmerksam gemacht und heute können wir mitteilen, daß diese Versammlung beschloß, einen Ausschltß von sechs Mitgliedern zu wählen, der im Verein mit dem Zentraloerband deutscher Jn- duslrieller eine wirksame Vertretung der deutschen Kartelle vorbc- reuen soll. Wie ein Berliner Blatt meldet, soll die Gründung unter Linderem besonders dazu bestimmt sein, gegenüber etwaigen gesetzgeberischen Maßnahmen, die sich gegen sie richten sollten, 11raner zu organisieren. Zu der Versamnllung waren etwa 100 Vertreter von Kartellen geladen. Viehmarkt. Tas Geschäft konnte sich auch während der ver- gcmgeneu Berichtswoche au den einzelnen Mäcklen durchaus nicht beleben, und die Umsätze waren im großen Ganzen nur mittelmäßige. Hauptsächlich klagen die Metzger, über sehr stauen Geschäftsgangs was natürlich zur Folge hat, daß die Preise für prima und mittlere Sorten nicht Stand halten können. Wie immer steht prima Großvieh im Vordergründe des Handels, der Abzug hierin entsprach nicht jenem der Vorwoche, es blieb ziemlich Ueberftaiib* Hierdurch waren natürlich mittlere Qualitäten bedeutend weniger beachtet, der Umsatz war auch sehr gering. Kälber waren etwas besser gehnndelt, die Umsätze hierin jedoch nur an einzelnen Märkten flott, während die Mehrzahl der Märkte nicht ausverkaufen konnten. Fette Schweine gegenüber den Vorwochen etwas bester berücksichtigt, im allgemeinen waren jedoch die Umsätze nicht sehr belangreich, sodaß noch sehr viel unverkaufte Ware abgefuhrt wurde. Märkte. Gieße«, b. April. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr.Pfd. 1,10—1,20 Mk., Hühnereier iStck. 6 Pfg., Gänseeier 12—14 Pfg., Enteneier 7—8 Pf^ Käse vr. Stuck 5—7 Pf^ Kasematte 2 Stck.0—O Pfg., Erbsen pr. Liter 19 Pfg., Lmsen per Liter 32 Psq^ Tauben pr. Paar 0,80—1,00 Alk., Hühner pr. Stück 1,00—150 StL Hahnen pr. Stück 1,20—1,80 Mk., Enten pr. Stück 2,40—2,60 Mk., Gänse pr. Pfd. 00—00 Pfg^ Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Kuh- und Rnrdfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 64—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,50—3,80 Ack„ Weißkraut per Stuck 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,50—8,50 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Aepsel per Pfd. 0—00 Pfg., tu Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Dauer der Marktzeit von morgens 7 Uhr bis nachmittags 1 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nur auf den bestimmten Verkaufsplätzen und nicht im Umherziehen fellgeboten werden. Krieskasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) . F- T. Mit wem, haben Sie sich eigentlich einen verspäteten Aprilscherz erlauben wollen? Sie glauben hoffentlich nicht im Ernst, daß sich der „Gieß. Anz." zu derartigen Anulkungen der Behörden hergiebt! Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Darmstadt, 12. April. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") Prinz undPrinzessinHeinrich von Preußen haben heute früh die Rückreise angetreten und sich zunächst nach Bonn begeben. Am Bahnhof verabschiedete sich der Großherzog auf's herzlichste von seinen Gästen. Berlin, 12. April. Der Kaiser begab sich heute Vormittag 9 Uhr auf den Schießplatz Kummersdorf. Gestern Abend waren der Rektor der Berliner Universität und Ministerialdirektor Alth off zum Thee geladen. Berlin, 12. April. Die nächste Sitzung der Zolltarifkommission findet erst am Dienstag statt. Stuttgart, 12. April. Den Anarchisten ist cs gelungen, vor einigen Tagen in der Nähe von Stuttgart eine geheime Anarchist en-Konferenz abzuhalten, ohne daß die Polizei dieselbe hätte verhindern können. In Bezug auf Agitation und Propaganda sollen wichtige Beschlüße gefaßt worden sein. Das Anarchistenblatt „Die Freiheit" soll künftig in größerem Format erscheinen. Redaktion und Verlag bleiben in den Händen des bisherigen Verlegers Klink in Bietigheim. — Für die Maifeier wird in Anarchistenkreisen lebhaft Propaganda gemacht und es wird für völlige Arbeitsruhe eingetreten. London, 12. April. Nach Mitternacht ließ das Kriegsamt entgegen den abends zirkulierenden Friedensgerüchten offiziell erklären, daß der Krieg nicht beendet, sondern daß unoerweilt neue Truppen-Verschiffungen nach Südafrika stattfinden würden. Loudon, 12. April. Der Bericht Lord Methuens über das Gefecht bei Tweebosch ist nunmehr veröffentlicht worden. Er enthält keine neuen Einzelheiten, ausgenommen, daß Methuen sich heftig über die Haltung der Peomanry beschwert. — Lord Roberts besichtigte gestern 1000 Mann Truppen der Garde, die nach Südafrika abgehen. Die Einberufung von 20 000 Mann Truppen wird vorbereitet. London, 12. April. Gestern ging in den verschiedenen Teilen der Stadt das Gerücht, der Friede sei abgeschlossen. In Portsmouth hatte der Bürgermeister bereits seine Freunde eingeladen, um den Friedensschluß! mit Champagner zu begießen. In Dover war angeblich ein Telegramm Lord Roberts eingetroffen, worin der Friedensschluß mitgeteilt wurde. Im Kriegsamt erhielt man unzählige Telegramme, in welchen nach Einzelheiten gefragt wurde. Es hieß, das Kriegsamt habe von Kitchener ein Telegramm erhalten, nad); welchem ihm die Friedensbedingungen unterbreitet wurden, welche von Steijn und seinen Anhängern herrübrten. London, 12. April. Gestern abend ist plötzlich ein Kabinettsrat auf heute in das Auswärtige Amt einberufeu worden. Tie Minister mußten ihre Reisepläne aufgeben. Diese Thatsache wird auf das Eintreffen wichtiger Depeschen Kitscheners über die Friedens-Verhandlungen zurückgesührt. London, 12. April. Das Kriegsamt giebt bekannt: 1000 Mann Gardetruppen, die der Oberstkommandierende gestern besichtigte, sind die erste Abteilung irischer Truppen, die zum Winterfelt^ug nach Südafrika abgehen. Tie weiteren Truppennachschübe folgen von der nächsten Woche ab, nämlich 7000 Mann Infanterie, 1000 Mann Artillerie, 7000 Mann Deomanry und 5000 Mann Kolonialtruppeu. Brüssel, 12. April. Gegen 11 Uhr nadjtS erfolgte in der Rue Haute ein neuer Zusammenstoß, bei dem ein Schutzmann durch zwei aus der Menge abgegebene Schüsse verwundet wurde. Um lU/g Uhr ließ die Polizei das Volkshaus räumen. Dabei wurde ein Artillerie-Leutnant durch einen Steinwurf am Kopf verletzt. In der Rue Escalier wurde alle Augenblicke geschossen. In der Rue Alesbiens wurde ein Manifestant bei einem Zusammenstoß durch einen Säbelhieb verletzt. Vernehmung der im Laufe des Abends Verhafteten hat bereits während der Nacht begonnen. La Louviere (Belgien), 12. April. Beim Herankommen von Gendarmen wurden dieselben von einer Gruppe Arbeiter, unter der sich auch Frauen befanden, ausgepfiffen. Die Gendarmerie ergriff ihre Gewehre und schoß in den Haufen. Eine furchtbare Panik bemächtigte sich der Menge. Ein junges Mädchen fiel mitten in die Stirn getroffen tot nieder. Ein Arbeiter wurde schwer, mehrere andere leicht verletzt. Die Menge war sehr aufgeregt und suchte nach Waffen, um sich zu rächen. Als die Gendarmen zurückkamen, spieen ihnen die Frauen ins Gesicht und riefen ihnen „Mörder" zu. Ein Arbeiter zeigte einem Gendarmen seine blutende Hand und rief: „Dich kenne ich unter Hunderten wieder heraus. Ich werde mich rächen." Vier Personen wurden verhaftet und von den Gendarmen mit gezogenem Revolver ins Gefängnis abgeführt. Petersburg, 12. April. In der Haupt-Jng enieur- Verwaltung sind große Unregelmäßigkeiten entdeckt worden, die mit Landesv errat in Zusammenhang stehen. Klerksdorp, 12. April. Die Vertreter der beiden Buren-Regierungen berieten am Mittwoch nach, mittag und heute. Es nahmen nur diese Vertreter daran teil. Ter Verkehr mit irgend wem außerhalb ist nW gestattet. Hongong, 11. April. In der Provinz Kwangsi ist ein Aufstand ausgebrochen. Heber 1000 Eingeborene find bereits getötet worden. Die reguläre Armee ist ohnmächtig, die Ruhe wieder herzustellen. Uöchtutliche IkbrrOdit brr Todtgfalle in der Zladt Kietzes. 13. Woche. Vom 23. bis 30. März 1902. Einwohnerzahl: angenommen zu 26 400 (inkl. 1600 Mann Militärs 'Sterblichkeilsziffer: 22,08, nach Abzug von 4 Drtsfremben 14,05 °/ro. Kinder Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, rote viel der Todesfälle in der betreffendeit Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Es starben an: Zusammen: Erwachsene im Lebensjahr: vom 2.—15. Jahr 1. Diphtheritis 1 (1) — — 1 (1) Lungenschwindsucht 1 1 — — Tuberkulose des Ge- Hirns 1 — — 1 Lungenentzündung 2 (1) 2 (1) —— — Nierenentzündung 1 1 — — Schlagfluß 1 1 — — Krebs 1 1 — Blutflcckenkrankhell 1 (1) — — 1 (1) Lebensschwäche 2 (1) — 2 (1) — Sumina: 11 (4) 6 (1) 2 (1) 8 (2) Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. April Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 11. 226 741,4 + 15,6 7,0 53 ESE. 2 Bew. Himmel 11. 9“ 742,2 4- 10,3 8,5 92 bi NE. 2 Regen 12. 7" 744,0 + 9,5 7,4 86 N. 2 Bew. Himmel Höch te Tem per atm am 10. bis 11. A prll 4- 17,7» > • 577 in 2979 2984 12'/., Uhr täglich. 2863 1. 2. Kl ♦Ä'Wr?'-*- ------- irnnt-Gelttlhe 3n verkaufen Für die zahlreichen Blumenspenden, sowie für die trostreichen Worte des Pfarramts- Aspiranten August Scriba sagen innigen Dank Münchener Brauer-Akademie Mcklestratze 10, part., werden wegen Auflösung des Haushaltes komplette Salon - Einrichtung, gut erhaltene bessere Möbel,GaSlüster, Betten re. sehr preiswert abgegeben. Besichtigungsstunden 10 bis Versteigerung. Dienstag den 15. d. Mts., nachmittags 2 Uhr versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: Beginn des nächsten 4 monatlichen Kursus 21. April 1902. 1 Prospekte durch 2943 Dr. Doemens, München. Gut erhalt. 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Die Schülerinnen werden in weiblichen Hand- arbeuen, besonders aber im Kochen und in der Führung eines einfachen Haushaltes uMerrichtet. Diejenigen, welche den Kursus »i wollen, können sich üi der Stadtmädchenschule oder in hnung des unterzeichneten Lehrers, Ludwigsplatz 3, melden. Gießen, den 12. Aprll 1902. 2976 Mecum, Bürgermeister. I. 93.: Schaaf. S Giehener tadttheatev. Sonntag den 13. und Montag den 14. April 1902 nur zweimaliges Gastspiel des Ibsen-Theaters. I. Hedda Gabler Schauspiel in 4 Akten von Henrik Ibsen. II. Rosmersholm Schauspiel in 4 Akten von Henrik Ibsen. Billetvorverkauf in der Musi- kalienhandl. von Erirst Challier, Neuenweg. Loge Mk. 4—, Sperr- itz Mk. 3.—, 1. Parquet Mk.2.—, 2. Parquet 1.20, Student. Ml. 1.—, Gallerie 50 Psg. An der Abendkaffe 50 Pfg. Aufgeld. Anfang 8 Ühr. Die Direktion. Kiffer-WttlMll. Ecke Lindenplatz im Laden. Letzte Woche: 2947 Transvaal. Johannisburg. 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